Unter dem Titel „Der Musenhof. Der Salon der Herzogin Dorothea von Kurland im Schloss Löbichau in den Karikaturen von Ernst Welker“ stellt das Museum Schloss Rundāle in Lettland Teile der Postersteiner Sammlung Welker aus. Der riesige Palast der Herzöge von Kurland wird auch „Versailles des Nordens“ genannt und verzeichnet jährlich Hunderttausende Besuchende.

Die Karikaturen von Ernst Welker sind bis 3. September 2026 jedoch im nahe gelegenen Schloss Mesothen (Mežotne), dem Geburtsschloss der Herzogin Anna Dorothea von Kurland, zu sehen, das von Museum Schloss Rundāle verwaltet wird.
Zum Abschluss der Sonderschau halten die Postersteiner Museumsmitarbeiterinnen Franziska Huberty und Marlene Hofmann in Mesothen einen Vortrag über Ernst Welker und den Salon der Herzogin von Kurland in Löbichau und Tannenfeld.
Der Maler Ernst Welker
Ernst Welker (1784–1857) war zu Lebzeiten ein durchaus anerkannter und geschätzter Maler, der mit den künstlerischen Größen seiner Zeit wie Johann Adam Klein, den Brüdern Heinrich Reinhold und Friedrich Philipp Reinhold oder Johann Christoph Erhard auf Reisen ging, der Gesellschafter und Zeichenlehrer im Salon der Herzogin von Kurland in Löbichau war, mit ihrer Tochter Wilhelmine von Sagan durch Italien reiste und bis zu seinem Tod 1857 in Wien als Landschaftsmaler seinen Lebensunterhalt verdiente.

Das Buch „Sehnsuchtsziel Italien“, das das Museum Burg Posterstein 2022 veröffentlichte, ist die bisher einzige Biografie über Ernst Welker.
Ernst Welkers Porträts von Salongästen
Die Karikaturen Ernst Welkers entstanden um 1820 in Löbichau und zeigen die Herzogin, ihre Töchter und ihre Gäste als Mischwesen, jeweils versehen mit einem humorvollen Reim. Mit geistreichem Blick fing der Künstler Charaktereigenschaften, Gewohnheiten und Beziehungen der Salongäste ein und schuf so ein einzigartiges Zeugnis der Löbichauer Gesellschaft, darunter viele kurländische Adlige. Es ist davon auszugehen, dass Welker als Zeichenlehrer der Enkeltochter der Herzogin die Bilder den Gästen im Salon präsentierte und die Herzogin genug Humor besaß, um sich von ihm als treuer Pudel darstellen zu lassen.

Die Karikaturen aus der Sammlung Welker sind digitalisiert und können in der Deutschen Digitalen Bibliothek und in der europäischen Online-Bibliothek Europeana angesehen werden.
Die europäische Salongeschichte mit dem Salon der Anna Dorothea von Kurland im Mittelpunkt ist seit Jahrzehnten ein Forschungs- und Ausstellungsschwerpunkt im Museum Burg Posterstein. Dazu zählen nicht nur die Ausstellungsräume im Museum, sondern auch der stete Austausch mit kurländischen Nachfahren und Museen und Archiven, die ebenfalls Sammlungen zum Thema bewahren, sowie die Partnerschaft mit der Gesellschaft der Freunde Talleyrands.
Von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein