Der “Brockhaus” wird eingestellt, und was das mit der neuen Ausstellung “200 Jahre Völkerschlacht” im Museum Burg Posterstein zu tun hat – Eine Rückschau

Es hat sich bereits herumgesprochen: Das berühmte Universal-Lexikon “Brockhaus” wird im kommenden Jahr nach 21 Auflagen eingestellt. Mit der Ablösung der traditionellen Nachschlagewerke durch Online-Enzyklopädien geht eine Ära zu Ende, die Anfang des 19. Jahrhunderts begann. Lasst uns noch einmal zurückblicken auf die Zeit, in der Friedrich Arnold Brockhaus im Thüringischen Altenburg sein Verlagsgeschäft etablierte.

Durch die Herausgabe seiner politischen Zeitschrift "Deutsche Blätter" wurde der Verleger Brockhaus zum Kriegsberichterstatter während der Völkerschlacht bei Leipzig.
Durch die Herausgabe seiner politischen Zeitschrift “Deutsche Blätter” wurde der Verleger Brockhaus zum Kriegsberichterstatter während der Völkerschlacht bei Leipzig.

Der Buchhändler und Verleger Friedrich Arnold Brockhaus (1772-1823) etablierte sich seit 1798 als Kaufmann in Dortmund. 1802 gründete er in Amsterdam eine Buchhandlung und ging 1810 von dort nach Altenburg. Brockhaus publizierte zeitgenössische deutsche Literatur und engagierte sich auf politischem Gebiet. Nach sieben Jahren verlegte er sein Geschäft nach Leipzig. Neben dem bekannten Konversations-Lexikon, der „Allgemeinen deutschen Real-Encyclopädie für die gebildeten Stände (Conversations-Lexicon)“ gab er weiterhin mehrere Zeitschriften heraus.

Brockhaus wird zum Kriegsberichtserstatter: Die „Deutschen Blätter” während der Völkerschlacht

Zum Jahrestag der Völkerschlacht bei Leipzig zeigt das Museum Burg Posterstein von 1. September bis 17. November 2013 die Sonderausstellung “drey Tage hat man sich geschlagen. Das Blut ist von beyden Seiten geflossen… – 200 Jahre Völkerschlacht”, zu der auch ein Buch erscheinen wird.

In seinen "Deutschen Blätter" berichtete Brockhaus direkt von der Front im Kampf gegen Napoleon (hier der Titel der gleichnamigen Dissertation von Karl Reiber).
In seinen “Deutschen Blätter” berichtete Brockhaus direkt von der Front im Kampf gegen Napoleon (hier der Titel der gleichnamigen Dissertation von Karl Reiber).

In diesem Zusammenhang spielen die „Deutschen Blätter“ eine Rolle, die der Verleger Brockhaus von 1813 bis 1816 im Auftrag Fürst von Schwarzenbergs herausgab. Noch während des Sommers 1813 war Altenburg von französischen Truppen besetzt. Nach dem Abzug der Franzosen wurde Altenburg das Hauptquartier der verbündeten Armeen unter dem Oberbefehlshaber Feldmarschall Karl Philipp Fürst Schwarzenberg. Vor der Völkerschlacht bei Leipzig im Oktober 1813 hielt sich auch der russische Zar Alexander I. in Altenburg auf. In dieser Zeit entschied sich Brockhaus eine politische Zeitschrift herauszubringen. Am 12. Oktober erhielt er eine Audienz bei Zar Alexander und bei Karl Philipp Fürst Schwarzenberg (1771-1820), deren Ergebnis der „Befehl zur Herausgabe eines politischen Blattes“ war: „dem Buchhändler, Herrn Brockhaus, von hier wird hiermit befohlen, alle der Zukunft noch zu erscheinenden Nachrichten und officielle Schriften durch Druck bekannt zu machen und sie mittels eines periodischen Blattes, welches jedoch der Censur des jedesmaligen Herrn Platz-Commandanten unterliegt, dem Publico mithzutheilen. Hauptquartier Altenburg, den 13. October 1813“

Am 14. Oktober 1813 erschien die erste Nummer der „Deutschen Blätter“, die bei dem Verleger Heinrich August Pierer (1794 -1850) gedruckt wurde. Als man am 14. Oktober das Hauptquartier der Alliierten Armeen Richtung Leipzig verlegte, war Brockhaus als Kriegsberichterstatter dabei und wurde zum offiziellen Chronist der Ereignisse des Krieges gegen Napoleon.

Die Völkerschlacht bei Leipzig jährt sich dieses Jahr zum 200. Mal. Das Museum Burg Posterstein widmet dem historischen Ereignis eine Sonderausstellung und eine Publikation.
Die Völkerschlacht bei Leipzig jährt sich dieses Jahr zum 200. Mal. Das Museum Burg Posterstein widmet dem historischen Ereignis eine Sonderausstellung und eine Publikation.

Für die Ausstellung und die zugehörige Publikation “200 Jahre Völkerschlacht” werden unter anderem Brockhaus’ Berichte analysiert und aufbereitet. Darüber hinaus sieht das Ausstellungskonzept die Präsentation von Napoleon-Karikaturen vor. Darüber hinaus werden die Ergebnisse verschiedener regionalgeschichtlicher Forscher einen Überblick über die Ereignisse und die handelnden Personen des Jahres 1813 bieten.

Weitere Informationen:

www.burg-posterstein.de

Ständigen Ausstellung des Museums zu Brockhaus, Pierer und Schwarzenberg sowie die Ausstellung zum “Musenhof Löbichau” der Herzogin von Kurland zu Napoleon, Alexander I. und anderen wichtigen Persönlichkeiten des 19. Jahrhunderts im Museum Burg Posterstein.

(Von Marlene Hofmann)

Sammelten Ritter Ostereier? – Ostern im Mittelalter

Natürlich sammelten die Ritter noch keine bunten Ostereier, wie der etwas ironische Titel dieses Artikels vorgaukeln mag. Aber bereits im frühen Mittelalter galt das Osterfest, das den Tod Jesus Christus’ betrauert und seine Auferstehung feiert, als wichtigstes Fest im Kirchenjahr. – Und das Ei war auch damals schon ein Teil des Festes.

Ostern im Mittelalter - Museum Burg Posterstein
Als Dekoration hat sich in den 1960er und 70er Jahren der Osterbaum eingebürgert – hier ein Foto von einem Osterbaum im Museum Burg Posterstein in den vergangenen Jahren (Bild: Museum Burg Posterstein).

Vom Bußen und Fasten

Im Mittelalter wurde die so genannte “Quadragesima”, die 40 Tage dauernde Passionszeit, sehr ernst genommen. Bereits im 2. Jahrhundert lässt sich ein 40-stündiges Fasten am Trauertag Karfreitag, dem Tag der Kreuzigung Jesus Christus’, nachweisen, das im 5. Jahrhundert bereits auf drei Tage (Karfreitag bis Ostersonntag) ausgeweitet worden war.

In der Karwoche sollte die Arbeit ruhen

Um dem Leiden Christus’ zu gedenken, ließ man bis ins 9. Jahrhundert schon zwei Wochen vor Ostern die Arbeit ruhen. Später wurde dieser Zeitraum aus wirtschaftlichen Gründen verkürzt. Heute sind nur noch Karfreitag bis Ostermontag offizielle Feiertage. Das Wort “Kar” hat seine Ursprünge im Mittelhochdeutschen und bedeutet so viel wie “Trauer” und “Wehklagen”. Jesus’ Leidensgeschichte beginnt bereits am Gründonnerstag, schon im 12. Jahrhundert “gruener dunrestac” genannt (Vgl. Universität Innsbruck), wobei das “Grün” sich vermutlich nicht auf die Farbe, sondern auf das mittelhochdeutsche “grunen” bzw. “greinen” bezieht, das “weinen” bedeutet. Frühe Quellen deuten darauf hin, dass der Gründonnerstag schon im 4. Jahrhundert mit Fußwaschung und Erstkommunion begangen wurde. Im Altertum und im Mittelalter begann der Karfreitagsgottesdienst um 15 Uhr, dem überlieferten Todeszeitpunkt Jesus Christus’. Am späten Abend des Ostersamstags oder am frühen Morgen des Ostersonntags wandelt sich die Trauer um Jesus in Freude über seine Auferstehung. Das wird traditionell mit Gottesdiensten und Osterfeuern gefeiert.

Blutrote Ostereier, als Zeichen des Lebens

Ostereierbaum - Museum Burg Posterstein
Osterbaum im Museum Burg Posterstein (Bild: Museum Burg Posterstein).

Viele der mit dem Osterfest verbundenen Traditionen gehen auf heidnische Bräuche zurück. In nahezu allen Kulturen gelten beispielsweise Eier als Symbole der Fruchtbarkeit. So wurde das Ei schon in frühchristlichen Zeiten zum Symbol für die Auferstehung. Während der Fastenzeit durfte man keine Eier essen, sodass sich zu Ostern dann viele Eier angesammelt hatten. Sie galten ursprünglich auch als Zahlungsmittel für die Pacht an den Grundherren, die häufig zu Ostern gezahlt werden musste. Noch im 19. Jahrhundert soll es in Teilen Deutschlands üblich gewesen sein, dem Pfarrer an Ostern Eier zu schenken.

Lange Zeit hielt sich auch die Tradition der besonders segenbringenden “Antlaßeiern”, die am Gründonnerstag oder an Karfreitag gelegt worden waren. Diese sollten sich das ganze Jahr über halten und wurden als Glücksbringer im Gebälk des Hauses versteckt.

Ab dem 12. Jahrhundert kann die so genannte “Eierweihe” am Ostersonntag mit historischen Quellen belegt werden. Zur Eierweihe wurden die Eier – vermutlich als Analogie für das Blut Christi – rot bemalt. Die Weihe beendete das Fasten und gab das Ei wieder zum Essen frei. So spielten Eierspeisen auch beim großen Osteressen als Abschluss der Fastenzeit bis ins 15. Jahrhundert eine große Rolle. Spätestens seit dem 17. Jahrhundert verschenkten die Menschen solche bemalten und verzierten Ostereier – und das nicht nur in der Farbe Rot.

Wenn der Storch die Eier bringt

Nicht immer war es der Hase, der Ostereier brachte. In Thüringen soll dafür angeblich lange Zeit der Storch verantwortlich gewesen sein. Der vergleichsweise junge Brauch mit dem Hasen, der auch als Symbol für Fruchtbarkeit gilt, entstand vor rund 300 Jahren in der Pfalz und setzte sich im 19. Jahrhundert großflächig durch.

Die Burgkirche Posterstein steht etwas unterhalb der Burg, im ehemaligen Burggraben.
Bevor die Burgkirche Posterstein im späten 16. Jahrhundert gebaut wurde, gab es in der Burg eine kleine Kapelle. Zu größeren Gottesdiensten ging man ins benachbarte Nöbdenitz. (Foto: Museum Burg Posterstein)

Wie feierten die Postersteiner Ritter Ostern?

Weil darüber in unseren Quellen nichts überliefert ist, können wir über das Osterfest auf Burg Posterstein nur Vermutungen anstellen: Nachdem sie seit Aschermittwoch streng gefastet hatten, wahrscheinlich täglich nur eine Mahlzeit ohne Fleisch, Eier und Alkohol zu sich genommen hatten, ritten die Postersteiner Ritter für die kirchlichen Feierlichkeiten ins benachbarte Nöbdenitz, wo sie bis Ende des 16. Jahrhunderts eine Ehrenloge in der Kirche besaßen. Zusätzlich wurden in der häuslichen Kapelle im Erdgeschoss der Burg (der Raum dient heute als Galerie für Sonderausstellungen) Andachten und Gottesdienste gefeiert. Die Untertanen lieferten zu Ostern ihre Abgaben beim Burgherren ab. Sicherlich gab es auch auf Burg Posterstein ein großes Osteressen zum Abschluss der Fastenzeit. Die gefärbten Eier, die dabei verzehrt wurden, hatte vielleicht der Storch gebracht.

Zum Weiterlesen:

Willner, Barbara / Huhle, Holger: So oft im Jahr ist Feiertag. 1988.

Theology.de: http://www.theology.de/kirche/kirchenjahr/osterbraeucheindeutschland.php

Universität Innsbruck: http://www.uibk.ac.at/geschichte-ethnologie/medien/feste-und-braeuche/infoservice/karwoche.html

Leben im Mittelalter: http://www.leben-im-mittelalter.net/alltag-im-mittelalter/freizeit/feiertage/ostern.html

Von Marlene Hofmann, Museum Burg Posterstein

Jean Pauls Sommer in Löbichau

Im Sommer 1819 verbrachte der Dichter Jean Paul mehrere Wochen im Schloss Löbichau, wo die Herzogin Anna Dorothea von Kurland, eine kulturinteressierte und weltgewandte Dame, einen Salon führte. Der bekannte Schriftsteller erschien mit seinem Pudel, wurde von der Dienerschaft „Schankpol“ genannt, verschmähte den Tee als dünnes fremdländisches Getränk und bevorzugte stattdessen das Geraer Doppelbier.

Der “Musenhof Löbichau”

Schloss Löbichau ((c) Museum Burg Posterstein)
Im Schloss Löbichau nahe Posterstein führte die kulturinteressierte Herzogin von Kurland einen Salon (Bild: Museum Burg Posterstein)

1795 etablierte die aus dem heutigen Lettland stammende Herzogin Anna Dorothea von Kurland im thüringischen Löbichau ihre neue Residenz. Sie suchte sich genau diesen Ort im damaligen Herzogtum Sachsen-Gotha und Altenburg aus, um kulturelle Zentren, wie zum Beispiel Weimar, Dresden, Leipzig sowie Karlsbad schnell zu erreichen und ihren zahlreichen Gästen den Weg nach Löbichau zu erleichtern. Willkommen war jeder, der zu einer niveauvollen Unterhaltung beitragen konnte, und zwar unabhängig von seinem Stand. Diese Art des literarischen Salons praktizierte die Herzogin bereits in Berlin in ihrem Palais Unter den Linden, der heutigen russischen Botschaft.

Die Herzogin Anna Dorothea von Kurland (Bild: Burg Posterstein)
Die Herzogin Anna Dorothea von Kurland (Bild: Burg Posterstein)

Anna Dorothea von Kurland (1761-1821), eine schöne, begehrte und vor allem reiche Dame der herrschenden europäischen Adelsgesellschaft, gehörte zu jenen bekannten Salonieren des 19. Jahrhunderts, die weltoffen und geistreich gleichsam als Vermittlerinnen von Kultur und Politik agierten. Ihr Medium war die Konversation. Als Herzogin erhielt sie Zugang zu den höchsten gesellschaftlichen Kreisen, besonders zu den Höfen in Berlin, St. Petersburg und Paris; Metternich, Alexander I., Friedrich Wilhelm III., Napoleon und Talleyrand kannte sie persönlich. Dieser Umstand ermöglichte ihr einen ganz speziellen Anteil an der Gestaltung europäischer Geschichte.

Der Löbichauer Musenhof der Herzogin von Kurland war einer der bekanntesten seiner Art im beginnenden 19. Jahrhundert. In den Schlössern Löbichau und Tannenfeld herrschte von 1794 bis 1821 ein reges gesellschaftliches Leben, das Politik, Literatur, Malerei, Musik und Wissenschaft vereinte. Man traf sich zu politischen Disputen, Vorträgen, Festen, Theateraufführungen, Lesungen oder Konzerten.

Jean Paul in Löbichau

Der Dichter Jean Paul verbrachte den Sommer 1819 in Löbichau (Bild: Museum Burg Posterstein)
Der Dichter Jean Paul verbrachte den Sommer 1819 in Löbichau (Bild: Museum Burg Posterstein)

„Ich langte gestern gegen 3 Uhr in Baireuth an und schickte zu den Legationsrath Richter oder Jean Paul […] Er schien sich bey mir zu gefallen, und versprach mich diesen Sommer in Loebichau zu besuchen“.

(Herzogin von Kurland über ihren Besuch bei Jean Paul in Bayreuth am 3. Mai 1819 – Quelle: Friedrich-Schiller-Universität Jena, Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek: ThULB Jena, Nachlass Biron Abt. A , Nr. I bis XIX, Tagebücher der Herzogin von Kurland, Tagebuch Nr. XVIII, 3. Mai 1819)

Jean Paul folgte der Einladung gern und weilte im Sommer 1819 als Gast der Herzogin Anna Dorothea von Kurland in Löbichau. Am 31. August fuhr man ihm bis Gera entgegen. Der bekannte Schriftsteller erschien mit seinem Pudel, wurde von der Dienerschaft „Schankpol“ genannt, verschmähte den Tee als dünnes fremdländisches Getränk und bevorzugte stattdessen das Geraer Doppelbier.

Der Archäologe Anselm von Feuerbach (1798-1851), Sohn des Strafrechtlers Paul Johann Anselm von Feuerbach, schrieb in sein Tagebuch:

„…Ich wohne mit Jean Paul Thür an Thür. Er ist gütig gegen mich, und ich armer Melancholicus gebe ihm Stoff zu tausend Witzen. Er schreibt Aphorismen, um sie des Morgens den Fürstinnen vorzulesen…“

(Quelle: Binzer, Emilie von: Drei Sommer in Löbichau, Stuttgart 1887, S. 70)

Die Schriftstellerin Emilie Henriette Adelheid von Binzer (1801-1891) erinnerte sich an die Lesungen mit Jean Paul in Tannenfeld:

„… Diese Morgenvorlesungen fanden in Tannenfeld statt, halb im Freien. Er saß auf dem Vorhause mit offener Thüre nach der Freitreppe, wo mehrere von uns in guter Hörweite saßen; am erinnerlichsten ist mir ein schöner Aufsatz, ich glaube er hieß: Erinnerungen von schönen Stunden…“

(Quelle: Binzer, Emilie von: Drei Sommer in Löbichau, Stuttgart 1887, S. 70)

Schloss Tannenfeld (Ansichtskarte, Museum Burg Posterstein)
Im Park von Schloss Tannenfeld hielt Jean Paul Morgenvorlesungen im Freien ab (Ansichtskarte, Museum Burg Posterstein)

Jean Paul war fasziniert von Löbichau. Das Leben am Musenhof gestaltete sich kurzweilig. Spaziergänge in Löbichau oder im Park von Tannenfeld, Gesprächsrunden, Lesungen, Konzerte, Theateraufführungen oder gesellige Spiele standen auf der Tagesordnung.

Später beschrieb er seine Begegnungen am Löbichauer Musenhof in den „Briefblättchen an die Leserin des Damen-Taschenkalenders bei gegenwärtiger Übergabe meiner abgerissenen Gedanken vor dem Frühstück und dem Nachtstück in Löbichau“.

„… Das Weitläuftigere gehört in die Selberlebensbeschreibung, dass der Verfasser der gedachten Gedanken abends den 31. August 1819 nach dem Wunsche der Herzogin und nach seinem noch stärkeren in ihr Schloß zu Löbichau unter zwar schwacher und nicht militärischer, aber reizender und weiblicher Begleitung gebracht wurde. Das freundliche, italienisch abgedachte Sommerschloß liegt, mit seinem Altane und seinen Säulen, vor dem weiten bowling-green, um welches sich der einfache Park mit seinen Baumgängen zieht, und an den Park lehnt sich das freundliche, mit Bäumen durchzogene Löbichau. Im Schlosse wohnen die Herzogin und ihre Schwester, die Gräfin Elisa von der Recke [Anm.: Elisa von der Recke, (1754-1833), war ebenfalls Schriftstellerin] , und alle Gäste beider. In Tannefeld, einem kleinen Sommer- oder vielmehr Frühlings-Sitz, eine halbe Stunde entfernt, wohnten die drei Töchter der Herzogin, […] – Es kostete mir bisher Mühe, gute Leserin, so oft das Beiwort ‚reizend’ zu unterdrücken; später aber ist mir die Mühe nicht mehr anzusinnen…“

(Quelle: Paul, Jean: „Briefblättchen an die Leserin des Damen-Taschenkalenders bei gegenwärtiger Übergabe meiner abgerissenen Gedanken vor dem Frühstück und dem Nachtstück in Löbichau“, in: Paul, Jean: Taschenbuch für Damen auf das Jahr 1821, Tübingen bey Cotta 1821. S. 287)

Schloss Löbichau, Ansichtskarte von 1904 (Museum Burg Posterstein)
Schloss Löbichau, Ansichtskarte von 1904 (Museum Burg Posterstein)

Eigens für Jean Paul arrangierte man in Löbichau am 9. September ein Inselfest:

„… Um 9 Uhr abends nach dem Essen lud die Herzogin Dorothea zu einem Spaziergange durch die Baumgänge auf eine kleine Insel, wo man mittags vorher gefrühstückt, so gleichgültig ein, als wolle sie nichts verheißen. Als man in den hohen und langen Baumgang eintrat, war er von den untersten Zweigen bis zu den Gipfeln überglänzt, und alles Laub war wie von Frühling oder Abendröte durchsichtig. Lampen unter den Bäumen, von kleinen Vertiefungen verdeckt, waren Lichtspringbrunnen und durchsprengten mit einigem aufwärts steigenden Glanz das dunkle Gezweig. Aus dem Grün schienen verklärte Bäume aufzuschweben, und die Blätter als feurige Zungen zu zittern. Durch die Feuersäulen-Ordnung kam der Zug in das kleine runde Eiland, wo man, von erleuchteten Bäumen wie von Glanzriesen umzingelt, oben nur einen schwarzen Ausschnitt des Nachthimmels mit blitzenden Sternen erblickte. Musik und Gesang gaben dem stillen Glanze und der Zauberinsel gleichsam Bewegung, und die Lichter wurden zu Tönen…“

(Quelle: Paul, Jean: „Briefblättchen an die Leserin des Damen-Taschenkalenders bei gegenwärtiger Übergabe meiner abgerissenen Gedanken vor dem Frühstück und dem Nachtstück in Löbichau“, in: Paul, Jean: Taschenbuch für Damen auf das Jahr 1821, Tübingen bey Cotta 1821. S. 303f.)

Jean Paul las gern vor:

„… Schöne Leserin, Sie konnten, wenn Sie in Löbichau an der Tafel saßen oder nachher auf dem Kanapee, welche Meinung Sie wollten, ergreifen oder angreifen – gegen oder für Magnetiseurs – gegen oder für Juden – gegen oder für die Ultras und Liberale; – ja Sie konnten besonders im letzten politischen Falle, wie Sie da wohl als Dame zuweilen tun, Ihre schöne Stimme geben als eine lauteste: niemand wird etwas dagegen sagen – als höchstens seine Gründe…“

(Quelle: Paul, Jean: „Briefblättchen an die Leserin des Damen-Taschenkalenders bei gegenwärtiger Übergabe meiner abgerissenen Gedanken vor dem Frühstück und dem Nachtstück in Löbichau“, in: Paul, Jean: Taschenbuch für Damen auf das Jahr 1821, Tübingen bey Cotta 1821. S. 293)

Jean Paul reiste am 17. September aus Löbichau ab. Die Herzogin von Kurland notierte in ihrem Tagebuch:

… Täglich verringert sich die Zahl der Gesellschaft. Jean Paul verließ uns nach dem Frühstück …“  

(Quelle: Friedrich-Schiller-Universität Jena, Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek: ThULB Jena, Nachlass Biron Abt. A, Nr. I bis XIX, Tagebücher der Herzogin von Kurland, Tagebuch Nr. XVIII, 17. September 1819)

Weitere Informationen: Auf Jean Pauls Spuren im Altenburger Land

Wenn Sie auf Jean Pauls Spuren wandeln möchten, sollten Sie die Litfaßsäulenausstellung “Jean Pauls Orte” und auch die Dauerausstellung im Museum Burg Posterstein nicht versäumen. Anschließend bietet sich ein Abstecher nach Tannenfeld und Löbichau an. Im dortigen Landgasthof kann man dann bei Köstritzer Doppelbier entspannen.

Ständige Ausstellung im Museum Burg Posterstein:

“Zwischen Metternich und Talleyrand – Der Musenhof der Herzogin von Kurland im Schloss zu Löbichau”:

Die Ausstellung gibt einen Überblick über die historischen Ereignisse, berichtet über das Reisen im damaligen Europa und lässt die Zeit des Musenhofes auf Schloss Löbichau wieder lebendig werden. Die Zeiteinteilung in Löbichau ist zwanglos und Höhepunkt des Tages ist meist der Abend, der alle Gäste zur Teestunde im großen Saal des Schlosses versammelt. Es wird geplaudert, philosophiert, gedichtet, getanzt und musiziert, manchmal spielen die Gäste auch selbst Theater, auch im Schloss Tannenfeld auf einer kleinen Bühne. Oft enden diese Zusammenkünfte erst weit nach Mitternacht…

Sonderausstellung “Jean Pauls Orte”

ab 21. März: Litfaßsäulenausstellung zu seinem 250. Geburtstag im Jahr 2013

Die Ausstellung ist Teil des Projekts “250 Jahre Jean Paul – Ein Projekt des Vereins “Jean Paul 2013 e.V.”, der zentralen Organisationsplattform des Jubiläumsjahres: „Es ist ein großes rundes Jubiläum: Ein Vierteljahrtausend Jean Paul. Das Motto dazu lautet: Jean Paul für Alle. Wir gehen mit Jean Paul zu den Menschen und warten nicht, bis sie in ein Museum kommen. Wir thematisieren Jean Paul überall dort, wo er gelebt und gewirkt hat: an den Orten seines Lebens und seiner Bücher.“

Enthüllung der Litfaßsäule am 21. März

Zur Ausstellung erscheint eine Neuauflage unseres Buches:

“Löbichauer Sommer”

von Peter Schönhoff und Klaus Hofmann

Dem Leser werden die historischen Zusammenhänge um Schloss Löbichau und seiner kunstsinnigen Herzogin näher gebracht. Peter Schönhoffs Novelle “Gebackener Katzendreck” befasst sich mit dem Besuch des Schriftstellers Jean Paul in Löbichau im Jahr 1819.

Weitere Literatur

Buchtitel "Die Herzogin von Kurland im Spiegel ihrer Zeitgenossen" (Burg Posterstein)
Buchtitel “Die Herzogin von Kurland im Spiegel ihrer Zeitgenossen” (Burg Posterstein)

“Die Herzogin von Kurland im Spiegel ihrer Zeitgenossen”

Europäische Salonkultur um 1800 – Zum 250. Geburtstag der Herzogin von Kurland

Klaus Hofmann (Herausgeber), 248 Seiten, farbig, Museum Burg Posterstein, 2011

ISBN 978-3-86104-086-6 (29,00 Euro)

 

Wo ich einst residierte, wo ich Fürstin des Landes war! – Lebensstationen der Herzogin von Kurland”

Sabine und Klaus Hofmann, Museum Burg Posterstein, 2007

64 Seiten, mit zahlreichen farbigen Abbildungen.

Dem in deutscher Sprache verfassten Buch sind Übersetzungen ins Französische, Polnische, Lettische und Englische beigefügt (12,00 Euro)

“Zwischen Metternich und Talleyrand – Der Musenhof der Herzogin von Kurland im Schloss zu Löbichau”

Sabine und Klaus Hofmann, Museum Burg Posterstein, 2004

104 Seiten, s/w mit zahlreichen Abbildungen.

ISBN 3-86104-066-2 (12.50 Euro)

Bauarbeiten machen “Geheimtreppe” Besucher zugänglich

Unser Beitrag zur Kultur-Blogparade 2013 der Residenz München !

Auf Burg Posterstein gibt es eine versteckte Treppe, die normalerweise für Besucher nicht zugänglich ist: Verdeckt von einem zimmerhohen Schrank führte die “Geheimtreppe” vom ehemaligen Gerichtszimmer der Burgherren hinab in die Küche, auf den Hof und in den „Unteren Saal“; und von dort weiter in einen Kellerbereich. Früher diente dieser Gang möglicherweise als Fluchtweg, heute endet der Weg bereits in der eine Etage tiefer liegenden Galerie.

Die "Geheimtreppe" auf Burg Posterstein
Die “Geheimtreppe” auf Burg Posterstein (c) Museum Burg Posterstein

Bei normalem Ausstellungsbetrieb können Besucher nur einen Blick in den Schrank hineinwerfen. Allenfalls den mehr als 2000 kleinen Rittern und Burgfräuleins, die jedes Jahr mit ihren Schulklassen und Geburtstagsgästen mit den Burggeistern Posti & Stein auf Erkundungstour gehen, erlauben die Burggespenster den Aufstieg durch die Geheimtreppe.

Nein, hier hat nicht Christo verhüllt: Bauarbeiten auf Burg Posterstein im Februar 2013
Nein, hier hat nicht Christo verhüllt: Bauarbeiten auf Burg Posterstein im Februar 2013

Bis Ende Februar finden jedoch Bauarbeiten in der Oberen Halle und dem Bergfried der Burg Posterstein statt – und dann werden alle Besucher den verdeckten Eingang nutzen müssen. Bei den Bauarbeiten sollen nicht nur die zum letzten Mal vor 20 Jahren restaurierten Räume saniert werden, sondern auch gleich noch die Risse, die beim großen mitteldeutschen Erdbeben 1872 im Turm entstanden sind, verschlossen werden. Im Video des freien Journalisten Gunter Auer (unten) erklärt Museumsdirektor Klaus Hofmann u. a. die Restaurierungspläne.

Während die Handwerker arbeiten, läuft der Museumsbetrieb normal weiter und die Dauerausstellungen können besichtigt werden. Im Gerichtsraum wird geheiratet, die Burggeister führen weiter Kinder durch die Burg und im Büro werden die nächsten großen Sonderausstellungen vorbereitet, zum Beispiel die zum 200. Jahrestag der Völkerschlacht bei Leipzig, die am 1. September beginnt.

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Burg Posterstein – Rückblick 2012 und Vorschau 2013 // Posterstein castle – retrospect 2012 and preview 2013 from Burg Posterstein on Vimeo.

Dann sollen Napoleon-Karikaturen gezeigt und die Forschungsergebnisse verschiedener regionaler Historiker über die Ereignisse und die handelnden Personen des Jahres 1813 vorgestellt werden. – Schließlich waren sowohl die Region um Altenburg als auch der Kreis um die Herzogin von Kurland unmittelbar von dem in Leipzig stattgefundenen Kriegsgeschehen betroffen. In Altenburg selbst hielten sich kurz vor und während der Schlacht die Herrscher und führende Generäle der antinapoleonischen Allianz auf. Friedrich Arnold Brockhaus gab in Altenburg die Deutschen Blätter heraus und war damit Kriegsberichterstatter im Auftrag des Oberbefehlshabers der Alleierten Armeen Fürst Schwarzenberg. Eine Publikation zur Ausstellung wird ebenfalls erscheinen, für die gerade Recherchearbeiten in Wiener Archiven stattfanden.

Weitere Informationen: www.burg-posterstein.de

Von Marlene Hofmann, Museum Burg Posterstein

Beitrag zur Blogparade 2013 der Residenz München

Sind Museen Magneten für Kulturtouristen?

Vortrag von Museumsdirektor Klaus Hofmann zum Verbandstag des Museumsverbandes Thüringen – Thema: Museen und Tourismus – Thüringen entdecken. Wohin die Reise geht: Ins Museum!

Blickt man auf die Besucherzahlen der deutschen Museen offenbart sich eine Erfolgsgeschichte ohnegleichen: 110 Millionen Gäste stürmen die Ausstellungen zwischen Garmisch-Partenkirchen und Flensburg. Auf jeden Deutschen kommen 1,3 Museumsbesuche pro Jahr. Im Vergleich zu den 110 Millionen scheinen sich die rund 4 Millionen Besucher in Thüringer Museen eher bescheiden auszunehmen, doch weit gefehlt: auf jeden Thüringer kommen statistisch immerhin 1,8 Museumsbesuche. Blickt man auf die Konkurrenz, wird die Erfolgsgeschichte noch deutlicher: alle deutschen Theater verbuchen 20 Mio., die Thüringer darunter 1,1 Mio., die deutschen Freizeitparks 13 Mio. und alle Spiele der ersten und zweiten Bundesliga zusammen 18,4 Mio. Besucher. Von den Spielen der dritten und vierten Liga, deren Thüringer Vertreter gerade jeder und das in kurzer Entfernung zueinander, für 50 Millionen Euro eine Multifunktionsarena geschenkt bekommen sollen, deren Unterhalt dann die Städte bezahlen, die die Mehrausgaben mit einiger Sicherheit von den Kulturausgaben abzweigen, wollen wir an dieser Stelle besser nicht reden.

Doch was sagen die erfolgreichen Zahlen aus?

Besucher in der Galerie des Museums Burg Posterstein
Besucher in der Galerie des Museums Burg Posterstein (Foto: Museum Burg Posterstein)

Zuallererst belegen sie, dass die Institution Museum lebt und in keiner Weise am Sterben ist. Sie zeigen aber auch, was leistbar ist, wenn gepflegte und erforschte Sammlungen von Fachpersonal zum Leuchten und Lehren gebracht werden. Und sie zeigen, dass Museen und die Gebäude, in denen sie sich befinden, ein unverzichtbarer Infrastrukturfaktor für all diejenigen sind, die von dem Besuch einer Region leben. Sie liefern damit auch eine Antwort darauf: Wer ist eigentlich die Voraussetzung wofür?

Thüringer Tourismus: Mal waren wir das Grüne Herz, mal Denkfabrik, mal waren wir märchenhaft, mal wanderbar…

Die Rede ist von der Tourismuswirtschaft, die nichts unversucht lässt, Menschen von A nach B zu bringen, die dann von Destination spricht, die man haben und von Produkten, die man bilden muss, die Zielgruppen und Quellmärkte sieht. In Thüringen ist Tourismus Sache des Wirtschaftsministeriums mit der Thüringer Tourismus GmbH an seiner Seite. Alle, die wie ich schon einige Jahre im Geschäft sind, haben schon manches erlebt mit diesen Akteuren: Mal waren wir das Grüne Herz, mal Denkfabrik, mal waren wir märchenhaft, mal wanderbar. Mal wurden Spaßbäder gefördert, mal Freizeitparks, mal Skipisten ohne ausreichend Schnee und nun Multifunktionsarenen ohne Bundesligamannschaften. Immer nur Suche – Stetigkeit und Konzentration auf das Wesentliche – nicht erkennbar.

Eines war allerdings immer gleich: Museen (übrigens auch Theater) hatten nichts mit Tourismus zu tun und schon gar nicht galten sie als notwendige Voraussetzung, dass sich Menschen auf den Weg nach Thüringen machen.

Seit 2011 gibt es nun ein neues Landestourismuskonzept, bei dessen Erarbeitung festgestellt wurde: „Kulturtourismus ist Wachstumsmarkt, der für Thüringen eine große Bedeutung hat und noch zahlreiche offene Angebots- und Nachfragepotentiale aufweist. Die Position der Kultur im Gesamttourismusmarketing Thüringens wird mit der neuen Landestourismuskonzeption nachhaltig gestärkt“.

Diese Feststellung ist wichtig, bezieht sich aber auf „Kultur und Städte“ und ist im Hinblick auf die Museen als Magneten für Kulturtouristen in keiner Weise untersetzt. Die Rolle des Tagestourismus wird positiv eingeschätzt.

Touristen kommen wegen der Kultur nach Thüringen

Die überwiegende Mehrheit der Touristen kommt also der Kultur wegen nach Thüringen. Um die Möglichkeiten weiter zu untersuchen, ließ das Wirtschaftsministerium ein Kulturtourismuskonzept folgen.

Auch „Das Busmagazin“, die Fachzeitschrift für Busunternehmer und Gruppenreiseunternehmer in Deutschland, widmet sich in der Ausgabe 3/12 der Fragestellung „Museum und Tourismus“ und kommt dabei zu dem Schluss, dass der Kulturtourist zahlungskräftig, höher gebildet ist, Qualität erwartet, Neues entdecken und seinen Horizont erweitern will. Also, eine unserer Zielgruppen darstellt!

Die neue Kulturtourismuskonzeption analysiert ausführlich Stärken- und Schwächen im Thüringischen Kulturtourismus, bescheinigt ein starkes Wachstumspotential und wichtigen Stellenwert, überdurchschnittlich viele Kultururlauber, spricht von Alleinstellungsmerkmalen, Leuchttürmen, Produktentwicklung, Imageprofilierung, Themenmarketing oder Kooperation und Kommunikation zwischen Kultur und Tourismus. Der Bereich Kultur, der u.a. die sechs besucherstärksten Kultureinrichtungen auflistet – allesamt Museen – legt den Schwerpunkt auf Städte- und Kultururlauber, um dann Tourismus auch gleich wieder mit Übernachtungen in Verbindung zu bringen.

Wer sind die Besucher eigentlich?

Ausstellungsbesucher im Museum Burg Posterstein
Ausstellungsbesucher im Museum Burg Posterstein (Foto: Museum Burg Posterstein)

Allerdings sagen die Statistiken oft relativ wenig darüber aus, wer uns da konkret besucht! Das trifft übrigens auch auf die Angaben zu den gewerblichen Übernachtungen der IHK zu. Es gibt meines Wissens keine Erhebung, die darüber Auskunft gibt, ob polnische Gastarbeiter in den Ferienwohnungen untergebracht sind oder ob sich tatsächlich Touristen eingemietet haben. Insgesamt ist festzustellen, dass aus der Sicht Museum viele richtige Schlussfolgerungen aus den dargebotenen Analysen gezogen worden sind – nur eine Stärkung der Position der Museen, Stichwort: Finanzausstattung oder Personalsituation als Voraussetzung für die abgeforderten touristischen Leistungen; Stichwort: Service, Produkte oder langfristiger Planungshorizont – ist nicht oder noch nicht erkennbar. Wörtlich heißt es in der Konzeption:

„Durch die Schaffung zusätzlicher Infrastruktur sowie eine auf Träger, Projekt und Maßnahme bezogene Förderung gilt es die Umsetzung in allen anderen Handlungsfeldern gezielt zu unterstützen. Dabei sollten im Sinne der Strategie vorrangig Maßnahmen mit Bezug zu den definierten Profilierungsthemen und Leuchttürmen gefördert werden sowie solche, die die getroffene Zielgruppenorientierung durch entsprechende Infrastruktur- und sonstige Maßnahmen weiterentwickeln.“

Na denn: Hier müssen wir fordern!

Strahlen Leuchttürme nicht immer in die Ferne und nicht in ihre nächste Umgebung?

Wir sollten aber auch diskutieren: Wollen wir, dass nur Leuchttürme gefördert werden oder müssen wir nicht immer wieder betonen, dass der Leuchtturm allein nichts ausrichtet, wenn nicht in seiner Nachbarschaft viele kleine Lämpchen sind oder andersherum: Strahlen Leuchttürme nicht immer in die Ferne und nicht in ihre nächste Umgebung?

Wie passt das alles zusammen und wie schlägt sich das in Förderprogrammen nieder? Zwei Beispiele: Das Ministerium für Bau, Landesentwicklung und Verkehr fördert im Projektaufruf Städtebauförderung im ländlichen Raum Nr. 37-2012, die Sanierung von Heimatstuben und Dorfmuseen, aber keine Museen, die Leistungsträger sein sollen! Und in der Richtlinie des Wirtschaftsministeriums zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit im Thüringer Tourismus (Landesprogramm Tourismus) sind Maßnahmen für Kultur und Bildung, also Museen nicht förderfähig.

Der Fall Museum Burg Posterstein

Das Museum Burg Posterstein im Sommer 2012
Das Museum Burg Posterstein im Sommer 2012 (Foto: Museum Burg Posterstein)

Nach so viel Überblick nun zurück in die Niederungen, im Fall des Museums, das ich leite, eher auf eine leichte Anhöhe nach Posterstein. Das Museum Burg Posterstein gehört zu den Einrichtungen, die erst nach dem 2. Weltkrieg gegründet wurden. Das Kreismuseum des damaligen Kreises Schmölln fand seinen Platz in einer kleinen, im 12. Jh. gegründeten Burg, die einstmals zwischen Reußen und Wettinern stand. Die Sammlungen bieten Regionalgeschichtliches. Um dem Museum ein Profil zu geben, findet eine Konzentration auf die Burg selbst und den einzigartigen Musenhof der Herzogin von Kurland im nahen Löbichau statt. Außerdem gibt es regelmäßig Sonderausstellungen, Konzerte, Lesungen und eine Großveranstaltung. Die gezielten Vermittlungsprogramme erreichen jährlich etwa 4.000 Besucher, das ist ein Fünftel der Gesamtbesucher. Drei fest angestellte Mitarbeiter werden unterstützt von 8 bis 10 geringfügig Beschäftigten, Praktikanten und ehrenamtlich Tätigen. Das Museum wird seit dem 1. Januar 2007 in Trägerschaft des Museumsvereins Burg Posterstein betrieben, entsprechend abgeschlossener Trägerschafts- und Finanzierungsverträge mit dem Landkreis Altenburger Land. Das brachte zwar nach oben begrenzte Zuschüsse, dafür aber viel Eigenständigkeit und Bürokratieabbau.

Posterstein ist eine Gemeinde mit ca. 500 Einwohnern, wobei die Zahl seit den 1990er Jahren um 30 Prozent gestiegen ist. Der Ort profitiert vom Tourismus – und der von der Burg und die vom Museum, das sich darin befindet. Diese Kette erkennt nicht jeder. Auch der gutwillige Bürgermeister nicht immer. Doch bei genauerer Betrachtung wird auffallen, dass im Vergleich zum Ausgangspunkt heute ein sanierter Ort existiert, wo neben dem Museum, ein gut gehendes Hotel mit Gaststätte, zwei weitere Gaststätten, mehrere Ferienwohnungen, ein Kunst und- Kreativhof etwa 30 Arbeitsplätze bieten und damit die meisten Arbeitsplätze vor Ort stellen. Posterstein ist touristisch gut angebunden an das Thüringer Radwege- und Wandernetz und liegt mit einer Entfernung von 2 km zur Autobahnanschlußstelle Ronneburg verkehrstechnisch gut. Trotzdem kommen die jährlich 20.000 Museumsbesucher nicht von allein. Dahinter stecken über 20 Jahre kontinuierliche Arbeit im Rahmen der Möglichkeiten, die das Museum hat. Von der notwendigen inhaltlichen Arbeit, die in jedem Fall Voraussetzung dafür ist, dass Besucher kommen, wieder kommen und weitersagen, soll an dieser Stelle nicht die Rede sein.

Der Zusammenhang zwischen Gastronomie und Kultur: „Wer nichts wird, wird Wirt“?! – Stimmt nicht

Auch in tiefem Schnee müssen Besucher nach Posterstein finden können (Foto: Petra Nienhold)
Auch in tiefem Schnee müssen Besucher nach Posterstein finden können (Foto: Petra Nienhold)

Abseits dieser grundsätzlichen Bedingungen, kam es zunächst darauf an, die Wege nach Posterstein zu erleichtern. Dazu gehörten bereits 1994 die Durchsetzung der Aufstellung touristischer Hinweisschilder entlang der Autobahn und die folgende weitere Wegweisung. Das ist nicht immer einfach. Die Beschilderung muss kontrolliert und bei Verlust erneuert werden, manchmal bleibt der Schaden auch bei uns, obwohl eigentlich andere zuständig sind. Wenn dann die Besucher den Weg gefunden haben, wollen sie nicht mehr weit laufen und in nächster Nähe einen Parkplatz vorfinden (eine Proportionalität von Größe der Autos und Nähe ist dabei unverkennbar). Es gelang uns 1990 die Gemeinde zu überzeugen auf dem ehemaligen Rittergutshof einen Parkplatz für etwa 50 Autos anzulegen. Dann will der Besucher natürlich essen und trinken. Also haben wir in den Keller der Burg eine Gaststätte eingerichtet, weil der Ort gastronomisch brach lag. Wie an vielen Orten ging das schief, weil der Spruch „wer nichts wird, wird Wirt“ eben falsch ist. Größtenteils haben das die neu entstandenen Gastronomiebetriebe inzwischen ausgeglichen, aber eben nur zum Teil, weil deren Öffnungszeiten und Angebote nicht immer kompatibel mit den Erwartungen der Besucher sind. Ganz wichtig sind profane Servicedinge wie Toiletten und Garderoben. Die gibt es natürlich, aber sie sind, wie das ganze Museum und auch die mittelalterliche Burg, nicht barrierefrei und gehören zu den Defiziten, zu denen ich später noch kommen werde.

Das wichtigste Gesicht nach außen: Der Mann oder die Frau an der Museumskasse

Bleibt das Marketing, das Instrument, um Besucher auf uns aufmerksam zu machen und zwar nach Innen und nach Außen. Nach meiner Erfahrung ist das ungemein wichtige Innenmarketing besonders schwer. Nur wenn die Bürger unserer Region uns kennen und schätzen, werden sie uns weiter empfehlen und freundlich zu Gästen sein. Neben vielen Erfolgen, die sich durch häufige Besuche Einheimischer mit Gästen ausdrücken, kann ich mir nicht ersparen von einem Misserfolg zu berichten: Der Bürgermeister entschloss sich 2009 an alle Postersteiner eine Jahreskarte kostenlos zu verteilen. Das Museum erhielt dafür 1.000 Euro Zuschuss. Nur die Postersteiner kamen nicht. Eine einzige Familie erschien gegen Jahresende.

Oft unterschätzt und doch wichtigstes Instrument bei der Suche nach Kundenzufriedenheit ist das Kassenpersonal – bei nicht geführten Gästen, der einzige persönliche Kontakt. Wenn dort Freundlichkeit und Beratungskompetenz fehlen, machen wir das mit keiner noch so guten Ausstellung wett. Eine gute und vor allem wenig aufwändige Möglichkeit darüber hinaus einiges in Erfahrung zu bringen, sind Gespräche mit Besuchern während oder nach Führungen oder im Servicebereich allemal. Das sollte durchaus auch einmal von Führungspersonal, vor allem zu Besucherhochzeiten ausprobiert werden!

Da aber Posterstein nicht im luftleeren Raum liegt und Marketing meist etwas mit Geld zu tun hat, geht alles nur im Verbund. Schnell waren wir sicher, dass es wichtig ist, dem regionalen Fremdenverkehrsverband nicht nur anzugehören, sondern durch Mitarbeit im Vorstand mit zu bestimmen. Hinzu kam im Laufe der Zeit auch die Mitgliedschaft im Tourismusausschuss der IHK, dort, wo Hotels und Gaststätten vertreten sind. Dies sichert nicht nur die Berücksichtigung in regionalen Entwicklungskonzepten und in Werbebroschüren der Akteure, sondern ermöglicht Einblicke in die Konzepte und Nöte der anderen. Die gute Zusammenarbeit mit der Altenburger Tourismus GmbH bringt die Verknüpfung mit dortigen Angeboten und die Berücksichtigung bei Journalistenreisen oder überregionalen Werbeauftritten.

Dann bleibt der eigene Einsatz: alle überregional Werbenden wollen Texte und Fotos. Die müssen Qualität haben und Wiedererkennbarkeit sichern. Es nützt also nichts, ständig anderes Material zu schicken.

Die Präsenz in Veranstaltungskalendern wie der Stadt Gera ist nicht kostenlos und erfordert Pflege, wie jeder Veranstaltungskalender überhaupt seine Aktualität nur durch Pflege erreicht. Das braucht aber auch eine langfristige Planung, nicht immer leicht bei einer massiven Abhängigkeit von Drittmitteln, wie wir alle wissen. Ein weiteres Instrument, das in der Regel nichts kostet außer Arbeit und Kontinuität ist die Pressearbeit. Das Museum Burg Posterstein versendet wöchentlich eigene Pressemitteilungen über einen Verteiler, der etwa 80 Adressen umfasst. Die Reichweite liegt zwischen Erfurt, Dresden, Zwickau, Leipzig und Hof. Ebenfalls ohne Haushaltsmittel, zumindest im Betrieb, findet die Onlinewerbung statt: Seit 12 Jahren verfügt das Museum über eine Webseite und zwar in Deutsch, Englisch und Französisch. In den vergangenen Jahren kamen Profile auf Facebook und Twitter (seit 2010) und ein eigener Blog (seit Anfang 2011) dazu. Um kurze Videos online teilen und einbinden zu können, besitzt die Burg Posterstein einen Kanal auf Vimeo, einem werbefreien Konkurrenten von YouTube. Darüber hinaus ist das Museum auf Plattformen wie Webmuseen, Visitatio und ähnlichem – Seiten, die museale Angebote bündeln, mit eigenen Unterseiten vertreten.

Bleibt die Werbung, die Geld kostet. Wir verfügen nicht über Mittel für Plakatierung, Bahnwerbung oder gar Fernseh- und Rundfunkspots. Dafür sind wir, bis auf wenige Ausnahmen aber die Einzigen, die in Posterstein die Werbung bezahlen! Wir investieren jährlich immerhin 3 % unseres Gesamtetats in Anzeigen in unterschiedlichen Medien. Das reicht aber dennoch nicht an die von der Wirtschaft allgemein veranschlagten 5 % Etatanteil für Werbung heran. Jeder von Ihnen kann ja kurz durchrechnen, wie es bei ihm aussieht. Ich verrate, glaube ich, kein Geheimnis, wenn ich die Zahl des Lindenau-Museums Altenburg nenne: 0,5 % – ein unmöglicher vom Museum nicht zu beeinflussender Zustand, der nicht durch beste Pressearbeit wettgemacht werden kann.

Jedes Jahr kommen um die 2000 Kinder auf die Burg Posterstein
Jedes Jahr kommen um die 2000 Kinder auf die Burg Posterstein (Foto: Museum Burg Posterstein)

Wo liegen aber die Defizite in Posterstein: Abgesehen von vollkommen unzureichenden Depotbedingungen, fehlenden Arbeitsplätzen, zu wenig Raum für pädagogische Projekte und nicht vorhandener Barrierefreiheit, kennen wir unsere Besucher zwar ganz gut, aber vielleicht doch nicht in ausreichendem Maß. Die letzte Besucherbefragung fand Mitte der 1990er statt. Die jährliche Erhebung des Instituts für Museumsforschung unterscheidet in Einzel- und Gruppenbesucher, in Besuche nach Museumsgattungen und gibt neuerdings auch eine Übersicht in Einheimische und Touristen. Danach gab es 2010 vor allem in Schloss- und Burgmuseen und in kulturgeschichtlichen Spezialmuseen mehr Touristen als andere Besuchergruppen. Unsere verbandsinternen Erhebungen geben darüber noch keine Auskunft.

Was folgt daraus? – gleich mehrere Fragen: Kennen wir unsere Besucher? Kennen wir deren Motivation zum Museumsbesuch, deren Interessen, Wünsche oder Ansprüche? Ihren Herkunftsort? Die Antwort muss sich jeder von Ihnen selbst geben. Hier kann ich den Museumsverband nur aufrufen sich des Themas anzunehmen und eine möglichst breite Besucherbefragung in den Thüringer Museen anzuregen. Dies würde nicht nur die Zweckmäßigkeit unserer geringen Werbemittel stärken, sondern auch unsere Argumentation gegenüber den Touristikern untersetzen.

Museen, vernetzt euch!

Wir sind nicht ausreichend vernetzt mit anderen Museen. Das unterstelle ich nicht nur für mein Museum, sondern für die Mehrzahl. Was die leichteste Übung wäre, tun wir nicht. Wer von Ihnen hat Kombitickets über Trägergrenzen hinweg? Und wenn es sie gibt, werden sie aus unterschiedlichen Gründen nicht ausreichend propagiert. Wer ist auf Facebook Freund eines Thüringer Museums? Wir sind Freund von Schloss Schönbrunn, vom Nationalmuseum Breslau, vom Freilichtmuseum am Kiekeberg in der Nähe von Hamburg… Wir haben (noch) keine Museums-App, die uns mit den Sehenswürdigkeiten im Umkreis von 25 km vernetzt. Ein Angebot, das uns jüngeres Publikum bringen könnte, aber nicht ohne die Touristiker geht. Hier schließt sich die Frage nach den Schnittstellen an. Sind es die Produkte, die allenthalben von uns verlangt werden? Wollen wir Produkte bilden oder sind wir nicht das Produkt? Meine These ist: sowohl als auch. Wir sind Produkt, wir werden aber nicht umhin kommen uns in Angebote einbinden zu lassen, was aber Buchbarkeit voraus setzt. Umgekehrt kann es nicht so sein, wie in Altenburg, wo ein Hotel ein HRS Highlight anbietet mit Übernachtung, Eintritt und Führung im Lindenau-Museum, ohne dass das Museum von seinem Glück weiß oder gar zu jeder Zeit in der Lage ist von einer Minute zur anderen eine Führung anzubieten. Bei uns in Posterstein verlief es ähnlich. Wir bekamen des Öfteren Führungen vom dortigen Hotel gebucht, von denen wir nichts wussten und zu Preisen, die nicht die unseren waren. Ein klärendes Gespräch offenbarte fundamentale Unterschiede in den Ansichten der touristischen Partner.

Sprechen wir die gleiche Sprache?

Wir sollten also auch diskutieren: Verstehen wir unter Tourismus überhaupt das gleiche? Wie definieren wir gemeinsame Zielgruppen? Oder: Sprechen wir die gleiche Sprache – wenn wir uns über „Angebote“ unterhalten?

Wir treten nicht selbstbewusst genug auf, wenn es um Tourismus geht. Wir sind in der Defensive, obwohl alle Statistiken das Gegenteil aussagen. Im Landestourismuskonzept steht bei Kundenzufriedenheit, dass die Gäste in Thüringen mit den Museen zufrieden sind. Damit sind die Museen in dieser Konzeption aber auch schon genannt. Der Qualitätsmonitor, herausgegeben vom Deutschland Tourismus, besagt sogar, dass Thüringen an vierter Stelle der Präferenz bei ausländischen Kulturtouristen steht, nach Sachsen, Berlin, Hamburg.

Wir müssen uns also massiv einmischen!

Das ist uns in Posterstein und in unserer Region nicht immer gelungen.

Auch wir müssen zusehen, wie aus Landesprogrammen sehr fragliche Dinge gefördert werden, wie die Umsetzung eines sogenannten „Rinder-Offenstalls“- übrigens ein total gescheitertes Projekt der DDR-Landwirtschaft – für einen Verein mit 75 Mitgliedern. Oder noch schlimmer, der nie richtig in Betrieb und dann insolvent gegangene Freizeitpark Weltentor – der von einer Besucherzahl von 2 Mio. träumte – errichtet mit öffentlichen Mitteln, auf dem zuvor ebenfalls öffentlich geförderten Gelände der Bundesgartenschau 2007 in Ronneburg.

Die letzte Frage ist dann, vertragen sich so viele Touristen mit unserem Auftrag des Sammelns, Bewahrens, Forschens und Ausstellens? Ich sage klar ja. Denn was oder wer ist ein Tourist? Doch in erster Linie ein Besucher, der etwas erleben will, neugierig ist und damit Bildung nicht verweigert. Geben wir deshalb gleich unseren Bildungsauftrag auf, wenn wir besucherträchtige Ausstellungen oder Veranstaltungen bieten? Wieder möchte ich klar antworten: nein. Es ist unser Auftrag möglichst viele in den Genuss unserer Angebote kommen zu lassen und es wird uns dann auch viel leichter fallen, schwerere Kost, oder unsichere Positionen darzustellen.

© Klaus Hofmann, Direktor Museum Burg Posterstein

Vortrag zum Verbandstag des Museumsverbandes Thüringen

Thema: Museen und Tourismus – Thüringen entdecken. Wohin die Reise geht: Ins Museum!

27. September 2012, Schloss Wilhelmsburg Schmalkalden

 

Quellen und Literatur:

Zahlen und Statistik

Deutscher Fußball Bund

Deutsche Zentrale für Tourismus

Handelsblatt, 20.9.2012

Institut für Museumsforschung Berlin

Museumsverband Thüringen

Thüringer Landtag, Drucksache 5/2844

Thüringer Landesamt für Statistik

IHK Ostthüringen

Sonstiges

Busmagazin 3/2012, Fachzeitschrift für Busunternehmer und Gruppenreiseunternehmer

Kulturtourismus-Konzeption für Thüringen

Landestourismuskonzeption Thüringen 2015

Qualitätsmonitor, Deutschland-Tourismus 2010/2011

Thüringer Staatsanzeiger, Nr.36/2012

Thüringer Staatsanzeiger, Nr. 37/2012

Zwitschern auf allen Kanälen? – Museum im Netz am Beispiel Burg Posterstein

Man „postet“, „tweetet“ und „bloggt“ – inzwischen sind auch viele Museen im Internet angekommen und machen auf ihren Websites, Blogs und Profilen auf Facebook und Twitter auf sich aufmerksam. – Wie zum Beispiel das Museum Burg Posterstein, gelegen im Altenburger Land.

Dieser Text erschien in den “Thüringer Museumsheften” 1/2013, zu beziehen über den Thüringer Museumsverband.

Museum Burg Posterstein - aktiv im Netz
Das Museum Burg Posterstein ist aktiv im Netz unterwegs

In den Mauern der rund 800 Jahre alten Bergspornburg Posterstein befindet sich seit 1952 das Regionalmuseum des Altenburger Landes. Es zeigt Ausstellungen zur Burggeschichte und zur regionalen Geschichte, sowie eine große Schau zum benachbarten Musenhof Löbichau der Herzogin Anna Dorothea von Kurland, einem der bekanntesten gesellschaftlichen und politischen Salons um 1800. Die Museumsleitung scheut nicht die Mischung von Historie und Moderne: Bereits seit 2000 verfügt das Museum über eine Website, in den vergangenen Jahren kamen Profile auf Facebook und Twitter (seit 2010) und ein eigener Blog (seit Anfang 2011) dazu. Um kurze Videos online teilen und einbinden zu können, besitzt die Burg Posterstein einen Kanal auf Vimeo, einem werbefreien Konkurrenten von YouTube. Darüber hinaus ist das Museum auf Plattformen wie Webmuseen, Visitatio und ähnlichem – Seiten, die museale Angebote bündeln – mit eigenen Unterseiten vertreten.

Facebook und Twitter

Museum Burg Posterstein
Web-Logo von Museum Burg Posterstein

Auf Facebook und Twitter kann man Veranstaltungen bewerben und auf lockere Art auf das Museum neugierig machen. Ein Beispiel aus Posterstein: Zusammen mit einem Foto des Hochrades aus der Sammlung des Museums, postete man die Bildunterschrift „Für den Ronneburger Heimatverein haben wir heute unser Hochrad aus dem Depot geholt. Möglicherweise handelt es sich um das Rad, mit dem der Ronneburger Druckereibesitzer Hugo Barthol vor 100 Jahren bis zum Vesuv geradelt ist. Der Heimatverein recherchiert.“). Ansprechend sind schöne Bilder, Videos und ein Stil, der nicht nach Werbung klingt. Wichtig ist vor allem die Interaktion mit dem Publikum. Das Webpublikum erwartet, dass Anfragen auf Facebook und Twitter schnell beantwortet werden (Beispiel Posterstein: Vor dem Mittelalterspektakel fragen Facebook-Fans, ob „Gewandete“ Eintrittsermäßigung bekommen und erhalten nur wenig später Antwort vom Museum). Da auf Facebook und Twitter auch andere Museen und Kultureinrichtungen vertreten sind, bieten die sozialen Netzwerke gute Möglichkeiten, sich durch „Likes“ und Kommentare gegenseitig zu bewerben und untereinander in Kontakt zu bleiben (Beispiel Posterstein: Seit der Sonderausstellung „Die Zittauer Fastentücher“ bleibt das Museum mit dem Verein Zittauer Fastentücher auch via Facebook in Kontakt). Nicht zuletzt können Museen den virtuellen Freundeskreis ganz unkonventionell für sich nutzen und beispielsweise neue Mitarbeiter und Ehrenamtliche suchen oder nach einem Kostüm für die Vorbereitung der neuen Sonderausstellung fahnden, wie neulich in Posterstein geschehen.

Ein eigener Blog

Ein eigener Blog bietet sich an, wenn man über die Homepage hinaus auf lockerere Art, tiefer gehende Informationen veröffentlichen möchte. Das so genannte „Web log“ eröffnet die Möglichkeit, zu kommentieren und zu publizieren, ohne dass es gleich eine offizielle Museumspublikation werden muss. Das Museum Burg Posterstein nutzt seinen Blog „Geschichte und Geschichten“ dazu, in längeren, aber leserfreundlichen Artikeln auf interessante Forschungsergebnisse und unveröffentlichte Details aus der regionalen Geschichte hinzuweisen – zum Beispiel mit Auszügen aus der Geschichte der ehemaligen Rittergüter des Altenburger Landes.

Werben auf allen Kanälen?

Eine eigene Website mit übersichtlichen und präzisen Informationen für Besucher zu haben, ist für Museen inzwischen unerlässlich. Aber muss man wirklich auf jeder neuen Welle mitschwimmen? Die Antwort lautet Jain. Jedes Museum sollte sorgfältig abwägen, welche Angebote es über die Website hinaus nutzen möchte. Ein verwaister Twitter-Account und ein Facebook-Profil ohne Fans schaden mehr als gar nicht präsent zu sein. Nutzen sie einen entsprechenden Dienst aber konstant und zuverlässig, können Museen davon profitieren und neue, oft jüngere Zielgruppen erschließen.

Burg Posterstein im Internet:

Website: www.burg-posterstein.de

Blog: burgposterstein.wordpress.com

Facebook: www.facebook.com/burgposterstein

Twitter: twitter.com/BurgPosterstein

Vimeo: vimeo.com/burgposterstein

Was man über Facebook, Twitter und Blogs hinaus noch tun kann (kleine Auswahl):

Videos und Fotos teilen: YouTube (ähnlich Vimeo), Flickr

Weitere soziale Netzwerke nutzen: StudiVZ, Google Plus, etc.

Museum online begehbar machen: Google Art Projekt (für die großen Museen –eine Art Google Street View für Museen)

Museum auf Google Earth mit einem 3D-Modell verzeichnen

(Text von Marlene Hofmann, Museum Burg Posterstein)

Magische Nächte zwischen Weihnachten und Dreikönigstag – Weihnachten im Mittelalter

Mit der Christianisierung Mitteleuropas im Laufe des Mittelalters wurde das Weihnachtsfest, die Geburt Jesus Christus, eines der wichtigsten Feste des Kirchenjahres. Weihnachten dauert von der Adventszeit (ab Sonntag nach dem Totensonntag, welcher der letzte Tag des Kirchenjahres ist) bis zum 6. Januar (Dreikönigstag). Zu den frühesten überlieferten Weihnachtsbräuchen gehören das Singen von Weihnachtsliedern, das Aufstellen von Weihnachtskrippen und das Krippenspiel, die alle die Geschichte der Geburt Jesus Christus anschaulich darstellen. Das Museum Burg Posterstein zeigt ab 2. Dezember wieder seine traditionelle Ausstellung mit Weihnachtskrippen aus aller Welt.

Krippe aus Transparentpapier, Sammlung Riewe, (c) Museum Burg Posterstein
Krippe aus Transparentpapier, Sammlung Riewe, (c) Museum Burg Posterstein

Was machten die Postersteiner Burgherren an Weihnachten?

An Weihnachten machten sich die Postersteiner Burgherren bis Ende des 16. Jahrhunderts höchstwahrscheinlich auf den Weg zum Gottesdienst ins nah gelegene Nöbdenitz. Dort besaßen sie einen herrschaftlichen Logensitz. Erst als es ab 1575 zu Streitigkeiten mit den Nöbdenitzern kam, errichtete man in Posterstein eine eigene Kirche, direkt im Burggraben. Darüber hinaus besaßen die Burgherren eine kleine Hauskapelle in den Räumen der Burg, dies belegen Baubefunde wie Reste einer Gewölbedecke sowie ein romanischer Taufstein, die heute im Museum zu sehen sind. Mehr dazu erfahren Sie in der Ausstellung “Wehrhaft, wohnhaft, Haft”.

Die Burgkirche Posterstein steht etwas unterhalb der Burg, im ehemaligen Burggraben.
Die Burgkirche Posterstein steht etwas unterhalb der Burg, im ehemaligen Burggraben. (c) Museum Burg Posterstein

Heidnische Bräuche vermischten sich mit christlichem Glaube

Beschäftigt man sich mit überlieferten Volksbräuchen, wird deutlich wie sehr sich heidnische Traditionen mit den neuen christlichen Ritualen vermischten. In die Zeit zwischen Weihnachten und dem Jahreswechsel fielen auch die “Zwölften“, auch “Rauhnächte” oder “Rauchnächte” genannt. In dem Zeitraum zwischen Thomastag (21. Dezember) und Dreikönigstag (6. Januar) machte nach dem Volksglauben der Wilde Jäger mit seinem Gefolge von Hexen, Dämonen, Schweinen, Menschen ohne Kopf und Teufelsfratzen die Nächte unsicher. Dann musste die Arbeit ruhen und um die Dämonen in Schach zu halten, gab es allerlei Schutzmaßnahmen: Wasser nicht unbedeckt lassen, Vieh nicht aus dem Stall lassen, gefährliche Tiere nicht beim Namen nennen, den Hunden ein besonderes Brot backen, Hexen durch Maskenumzüge vertreiben, nicht lüften und nicht waschen. Gleichzeitig war es eine fröhliche Zeit, denn die Mägde konnten nach Hause zu ihren Familien und die Wirtshäuser waren besonders zum Jahreswechsel gut besucht.

Weihnachtskrippen aus der Sammlung Riewe auf Burg Posterstein (c) Museum Burg Posterstein
Weihnachtskrippen aus der Sammlung Riewe auf Burg Posterstein (c) Museum Burg Posterstein

Seit wann gab es Bescherung und Tannenbaum?

Frühestens seit Ende des 16. Jahrhunderts lässt sich nach der Christmette, dem feierlichen Gottesdienst mit Krippenspiel, auch die häusliche Bescherung mit Geschenken nachweisen. Vor der Reformation brachte St. Nicolaus die Gaben, danach der Heilige Christ. Ihn begleiteten Martin, Nicolaus oder der grimmige Knecht Ruprecht als strafende Personen. Gegen Ende des 17. Jahrhunderts verteilte Knecht Ruprecht dann selbst die Geschenke, im Namen des Heiligen Christs. Daraus entstand dann der heutige Weihnachtsmann-Brauch. Das Aufstellen von Tannenbäumen ist ebenfalls frühestens im 16. Jahrhundert belegt. Richtig etabliert hat sich die Tradition erst im 19. Jahrhundert. Seinen Ursprung soll das Aufstellen eines „Grünen Baumes“ in den Segensbäumchen (Ostereierbaum, Maibaum) haben, welche zum Schutz von Haus, Hof und Vieh aufgerichtet wurden”.

(Quelle: Museum Burg Posterstein, Archiv Riewe)

Zum Herunterladen: Plakat: Weihnachtskrippen auf Burg Posterstein 2012

Mehr Informationen: www.burg-posterstein.de

Ähnliche Artikel: “Mit Christuskind, Hirten, Ochs und Esel: Aus der Geschichte der Weihnachtskrippen”

Von Marlene Hofmann

Eine Wehrburg thronte im Sprottental – wie die Burg Posterstein im Mittelalter aussah

Die Burg Posterstein 2012

Das heutige Aussehen der Burg Posterstein mit ihrem weißen Putz und den roten Eckquaderungen geht auf Umbauten zwischen dem 15. und 17. Jahrhundert zurück. Damals ließen die Burgherren die durch Verfall und Schäden während des Dreißigjährigen Kriegs stark in Mitleidenschaft gezogene Wehrburg in eine Wohnburg umbauen. Doch wie sah die Burg Posterstein ursprünglich aus?

Die neue Ausstellung “Wehrhaft, wohnhaft, Haft” (zu sehen seit Herbst 2012) geht dieser Frage auf den Grund.

Die Burg Posterstein 2012
Die Burg Posterstein 2012 (Foto: Museum Burg Posterstein)

Eine rundum gesicherte Wehranlage

Die im 12. Jahrhundert erbaute Burg Posterstein war dereinst eine rundum gesicherte Wehranlage. Dies lässt sich an Hand einiger archäologischer Funde rekonstruieren. Der Burgberg fällt nach Norden steil ab, auf der flachen Südseite musste die Ringburg jedoch gesichert werden. Ein sechs Meter breiter und ebenso tiefer Halsgraben erschwerte den Zugang zur Burg. Möglicherweise gab es vor diesem Verteidigungsabschnitt noch eine Umfassungsmauer und einen Abschnittsgraben. Eine Zugbrücke führte über den Graben in den höher gelegenen Burghof. Eine etwa 1,50 Meter starke Ringmauer, im Osten mit einem Zwinger dem Bergfried vorgelagert und im Westen mit einem Flankierungsturm massiv verbunden, bildete den Befestigungsring der Burg. In dessen Inneren stand mindestens auch ein Wohngebäude.

Ein mittelalterlicher Flankierungsturm ist noch teilweise erhalten. Er erhielt bei späteren Umbauten einen neuen Aufbau. Das Foto ist ein Meßbild, das während der Restaurierung der Burg in den 1980er Jahren entstanden ist. (Foto: Museum Burg Posterstein)
Ein mittelalterlicher Flankierungsturm ist noch teilweise erhalten. Er erhielt bei späteren Umbauten einen neuen Aufbau. Das Foto ist ein Meßbild, das während der Restaurierung der Burg in den 1980er Jahren entstanden ist. (Foto: Museum Burg Posterstein)

Noch erhalten: Reste von Mauern und Flankierungsturm

Der Flankierungsturm ist nur noch bis zur Höhe des heutigen Erdgeschosses erhalten und hat im Laufe der Zeit starke Veränderungen erfahren. Der untere Abschnitt zeigt nach drei Seiten Öffnungen, wobei wenigstens zwei davon auf Schießscharten hindeuten. Darüber befindet sich ein Aborterker.

Von Graben und Zugbrücke gibt es heute keine sichtbaren Spuren mehr, weil der jetzige Eingang in die Burg, einschließlich der steinernen Brücke, neu errichtet und der Halsgraben mit Brandschutt verfüllt wurde.

Bei einer archäologischen Grabung in der Burgkirche konnte das Thüringische Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie 2008 Reste des Halsgrabens nachweisen. Ein letztes Stück der Umfassungsmauer ist noch am Westhang der Burg vorhanden.

Mehr dazu: Ausstellung “Wehrhaft, wohnhaft, Haft” im Museum Burg Posterstein und in der Broschüre “Wehrhaft, wohnhaft, Haft”, zu bestellen unter info@burg-posterstein.de (Kosten: 5 Euro zzgl. Versand)

Von Marlene Hofmann

Was führten die Postersteiner Ritter im Schilde?

Wappen der Familie Pflugk (Burg Posterstein)

„Etwas im Schilde führen“ – Das ist eine Redewendung, deren Wurzeln im Mittelalter liegen. In Zeiten von bewaffneten Rittern auf Pferden, gehörte der Schild zur festen Kampfausrüstung. Mit dieser länglichen und gebogenen Holz- oder Metallplatte konnte der Kämpfer beispielsweise Geschosse und Schwerthiebe abwehren. Der Schild erfüllte aber noch eine weitere Aufgabe: Die Vorderseite bot reichlich Platz für ein Wappen, Leitsprüche oder verschiedene Farben. Auf diese Weise konnte ein Ritter nicht nur seine edle Herkunft und lange Familientradition zeigen, der Schild diente auch zur Wiedererkennung. Durch die Farbe des Schildes ließen sich schnell Freunde von Feinden unterscheiden. Vor diesem Hintergrund bekommt die Frage „Was führt er im Schilde?“ eine neue Bedeutung. Auf einen Blick erkennen zu können, welches Wappen ein anderer „im Schilde führte“ – eine lebenswichtige Kunst! Heute unterstellt die Redewendung vor allem eine böse Absicht.

Wappen der Familie Pflugk (Burg Posterstein)
Wappen der Familie Pflugk (Burg Posterstein)

Welches Wappen führten die Postersteiner im Schilde?

Von den Wappen der verschiedenen Adelsfamilien, die im Laufe der Zeit auf Burg Posterstein lebten, ist nur das der Familie von Pflugk bekannt. 1528 kauften die Vettern Julius, Haubold, Tham, Andreas und Christoph von Pflugk auf Eythra (Eithra) Posterstein von Nickel von Ende. Die Burg und das zugehörige Land blieben fast 200 Jahre im Besitz dieses meißnischen Adelsgeschlechts. Das Wappen der Pflugke ist auf Abbildungen erhalten und in einer Turmglocke eingraviert: Der Schild besteht aus vier Teilstücken in Rot und Silber. In Feld 1 und 4 befindet sich eine schräge, silberne Pflugschar und in Feld 2 und 3 ein natürlicher Lindenast mit drei Blättern. Auf dem gekrönten Helm stecken zwei silberne, schräg voneinander gestellte Pflugschare, je außen rings mit sieben abwechselnd rot-silbernen Straußenfedern besteckt.

Wappen der Familie Pflugk auf Turmglocke (Burg Posterstein)
Das Wappen der Familie Pflugk auf der Turmglocke (Burg Posterstein)

Wem dienten die Postersteiner?

Die Burg Posterstein wurde im späten 12. Jahrhundert im Zuge der deutschen Besiedlung unter Kaiser Friedrich I. Barbarossa gebaut. Sie befand sich seit dem 13. Jahrhundert unter der Lehnshoheit des Reußischen Adelsgeschlechts, sehr zum Ärger der wettinischen Markgrafen zu Meißen, die Altenburg und weite Teile des Umlands verwalteten. Um die Grundherrschaft vor dem Zugriff der Wettiner zu schützen, gaben die Reußen ihren Postersteiner Besitz 1327 dem König von Böhmen zu Lehen auf. Daraus resultierte ein jahrhunderte dauernder Streit dieser beiden Adelshäuser, der um 1600 sogar mit Waffengewalt ausgetragen worden sein soll.

Im Kriegsfall gegeneinander kämpfen

In eine kniffligen Lage kamen die Postersteiner im 14. Jahrhundert: Während des Vogtländischen Krieges (1354–1359) soll Posterstein neben Werdau und Ronneburg eine der Burgen gewesen sein, die Kaiser Karl IV. auf seinem Zug in das Pleißenland 1358 besetzte. Die Grundherrschaft blieb jedoch auch nach dem Krieg und trotzzwischenzeitlichen Verlustes unter reußischer Lehnshohheit. Dies reduzierte sich in der Folgezeit auf das Dorf Posterstein selbst, während die übrigen zinspflichtigen Orte an die wettinischen Markgrafen zu Meißen übergingen. Das bedeutete, dass die Postersteiner Burgherren im Kriegsfall zwei Kontingente stellen und diese unter Umständen gegeneinander kämpfen mussten. Weil es in dieser Zeit aber keinen weiteren Krieg gab, blieben sie davon jedoch verschont.

Plakat Wehrhaft, wohnhaft, Haft (Burg Posterstein)
Das Plakat zur Ausstellung “Wehrhaft, wohnhaft, Haft” im Museum Burg Posterstein – ab September 2012

Wehrhaft, wohnhaft, Haft

Mittelalterliche Burgen waren Wohnstatt, Verteidigungsanlage und Gefängnis in einem. Die Bedeutung und die verschiedenen Funktionen des Bergfrieds (des Hauptturms) einer Burg beleuchtet die neue Ausstellung „Wehrhaft, wohnhaft, Haft“ im Bergfried der Burg Posterstein.

Von Marlene Hofmann