Auftragskunst in der DDR – das Wandbild “Friedliche Nutzung der Atomenergie”

Wandbild "Friedliche Nutzung der Atomenergie" von Petzold

In der DDR sah es die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED) als Aufgabe der bildenden Kunst an, politisch-ideologische Botschaften zu vermitteln. Es ging um nichts weniger als Volksaufklärung zu leisten und idealisierte Gesellschaftsbilder zu propagieren sowie Fortschrittsutopien zu illustrieren. Entsprechende Richtlinien galten für alle Kulturabteilungen in größeren Betrieben und Organisationen. Man versprach sich mit der Auftragskunst Künstler und Werktätige zusammenzubringen, dem „sozialistischen Realismus“ zum Durchbruch zu verhelfen und das Schaffen der Künstler zu kontrollieren. Dies ist Teil 6 unserer mitwachsenden, digitalen Begleitausstellung “Landschaft nach der Wismut”.

Wandbild "Friedliche Nutzung der Atomenergie" von Petzold
Das Wandbild “Friedliche Nutzung der Atomenergie” von Werner Petzold steht heute nicht mehr an seinem Ursprungsort.

Im öffentlichen Raum galt die Einflussnahme als besonders wichtig, denn gerade hier sahen es alle und die Kunst konnte ihre erzieherische Wirkung am besten entfalten. Angestrebt wurde nach dem sowjetischen Vorbild des „Neuen Bauens“ eine Einheit von Architektur und Kunst. Dahinter stand die Erwartung, dass Kunst gerade an stark frequentierten Gebäuden am besten ihre erzieherische Funktion erfüllen könne. Besichtigen kann man diese Kunst am Bau beispielsweise an Wandbildern von Plattenbausiedlungen.

Die Wismut als einer der größten und wichtigsten Staatsbetriebe gehörte auch zu den größten Auftraggebern für Künstler. Das Verwaltungsgebäude in Paitzdorf war also geradezu prädestiniert für ein Werk der „Kunst am Bau“.

Die Kunstsammlung der Wismut GmbH

Der Gesamtbestand der Kunstsammlung der Wismut umfasst 4.028 Werke, darunter 259 Gemälde. Eine ausführliche Beschreibung der Kunstsammlung der Wismut findet man auf der Webseite „Bildatlas: Kunst in der DDR“ – ein Verbundprojekt gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung: https://www.bildatlas-ddr-kunst.de/collection/25  (1)

Die Sammlung lagert bis heute in den Depots der Wismut GmbH. Verschiedene Bemühungen, einen endgültigen Standort für Ausstellung und Lagerung zu finden, haben bisher noch kein Ergebnis gezeitigt.

In der Ausstellung „Sonnensucher! – Die Kunstsammlung der Wismut. Eine Bestandsaufnahme“ befasste sich die Kunstsammlung Gera im April 2014 mit den staatlichen Auftragswerken der Wismut. Die Stadt Gera zeigt seither Interesse daran, die Sammlung zu übernehmen. Konkrete Umsetzungspläne oder ein dafür geeignetes Gebäude gibt es aber (noch) nicht.

Friedliche Nutzung der Atomenergie – ein monumentales Wandbild auf der grünen Wiese

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Friedliche Nutzung der Atomenergie, Werner Petzold, (geb. 1940), Wandbild auf Industrieemaille gemalt und gebrannt, 1974 (Foto: Museum Burg Posterstein, 2020)

Das Werk propagiert eine Wirklichkeit, die es so nie gab. Die Werke des „Sozialistischen Realismus“ sollten nicht die Realität abbilden, sondern den Sozialismus präsentieren und dessen Ziele veranschaulichen. Eine politisch kontrollierte Gradwanderung für den Künstler und sein Werk.

Verwaltungsgebäude Paitzdorf ©Foto Karl-Heinz Rothenberger in der Ausstellung „Landschaft nach der Wismut“, im Museum Burg Posterstein 2020.
Verwaltungsgebäude Paitzdorf ©Foto Karl-Heinz Rothenberger in der Ausstellung „Landschaft nach der Wismut“, im Museum Burg Posterstein 2020.

Von 1974 bis zum Rückbau des Bergbaubetriebes ab 2006 zierte Werner Petzolds Wandbild „Friedliche Nutzung der Atomenergie“ auf einer Fläche von 16 m Höhe und 12 m Breite das Hauptgebäude des Bergbaubetriebes Paitzdorf bei Ronneburg. Es besteht aus 384 Teilen von je 100 x 50 cm, von denen je acht Stück ein Segment bilden und die an der Fassade montiert wurden.

Die Demontage und der Wiederaufbau des Wandbilds

Kurze Informationen und einige wenige Fotos über die Demontage 2006 und den darauffolgenden Abbruch des Gebäudes findet man auf der Webseite der Wismut GmbH unter der Überschrift: Wandbild am ehemaligen Verwaltungsgebäude der Niederlassung Ronneburg demontiertAbbruch des ehemaligen Verwaltungsgebäudes Paitzdorf begonnen.

Nach den Jahren im Depot wurde es 2009 als Teil der „Resurrektion Aurora“, der Wiederbelebung des Areals um die Halde Beerwalde und den Förderturm Löbichau (ehemaliger Bergbaubetrieb Drosen der SDAG Wismut) im Zuge der Bundesgartenschau 2007, neu aufgestellt.

Unumstritten war die Unternehmung nicht. Folgte das Ganze doch eher einer Zufälligkeit als einem Plan, als der damalige Landrat des Landkreises Altenburger Land, Sieghardt Rydzewski, von der Geschäftsleitung der Wismut GmbH angesprochen wurde, ob er eine Verwendung für das Kunstwerk hätte. Man entschied sich für eine Aufstellung auf freiem Feld. Dafür musste eigens eine Stahlkonstruktion entworfen werden. Die Kosten für die Aufstellung des Bildes betrugen 130.000 Euro. Fünf Texttafeln vor Ort sowie eine Publikation, verfasst von Dr. Kristin Jahn, setzen das Wandbild in Bezug zur Geschichte und zum jetzigen Standort.

Friedliche Nutzung der Atomenergie: Werner Petzold,  Wandbild, 1974 (Foto: Museum Burg Posterstein, 2020)
Friedliche Nutzung der Atomenergie: Werner Petzold,  Wandbild, 1974 (Foto: Museum Burg Posterstein, 2020)

Werner Petzold (geb. 1940) wurde 1970 der SDAG Wismut in Paitzdorf als Künstler zugeteilt. (2) Um von seiner Kunst leben zu können, nahm er, wie viele Auftragskünstler in der DDR, das Arrangement mit dem Staat in Kauf. Eine 15-köpfige Kommission der SDAG Wismut prüfte jeden Entwurf Petzolds bis hin zum fertigen Bild.

Das Werk polarisiert, da die friedliche Nutzung des abgebauten Urans zur Energiegewinnung zwar propagiert, ein großer Teil des Erzes aber als Reparationsleistung resultierend aus dem Zweiten Weltkrieg in die Sowjetunion gebracht wurde. Dort fand es zum Wettrüsten der Großmächte im Kalten Krieg Verwendung. Dafür wurde nicht nur wissentlich Raubbau an der Natur betrieben, sondern auch gesundheitliche Schäden der Arbeiter in Kauf genommen. Angesichts hoher Löhne, Zusatzvergütungen und einem hohen Grad an Kollegialität akzeptierten auch die Arbeiter dieses Tabu. Viele bezahlten am Ende mit ihrem Leben. Allein bis 1991 lagen 5237 anerkannte Fälle von Bronchialkarzinomen aufgrund der Arbeit in den Uranbergwerken der SDAG Wismut vor.

Fünf Texttafeln Vorort sowie eine Publikation, verfasst von Dr. Kristin Jahn, setzen das Wandbild in Bezug zur Geschichte des Bergbaus und zum jetzigen Standort. Die Tafeltexte sind in der Publikation abgedruckt.
Fünf Texttafeln Vorort sowie eine Publikation, verfasst von Dr. Kristin Jahn, setzen das Wandbild in Bezug zur Geschichte des Bergbaus und zum jetzigen Standort. Die Tafeltexte sind in der Publikation abgedruckt.

Dr. Kristin Jahn äußerte sich in einem Interview anlässlich der Eröffnung 2007:

 „Die Errichtung des Wandbildes in neuer Umgebung, im Zwiegespräch mit anderen Kunstwerken, war der Schritt dahin, nicht einfach „Gras über die Vergangenheit wachsen zu lassen“. Seine Aufstellung regt bis heute zur Diskussion an. Das Werk selbst ist Erinnerung und Mahnmal zugleich. Wenn man leugnet, mit welchen Lügen wir leben mussten, dann mag man dieses Bild verbannen und sich eine schöne, neue Welt mit unverfänglicher Kunst zusammenstellen. Wenn man sich dem Schmerz der Geschichtsaufarbeitung nicht aussetzen will, dann ist es leichter, diese Kunst ins Archiv zu stellen. Die Sache ist nur, dass wir dann auch immer einen Teil unserer Geschichte, der Biographien von Menschen in den Keller des Vergessens verbannen, dass wir dann nichts aus der Geschichte lernen wollen, sondern nur noch leben von Tag zu Tag, so als hätte es das alles nie gegeben – auch die Fehler nicht.“

Dr. Kristin Jahn

Das Buch zum Wandbild: „Friedliche Nutzung der Atomenergie“ von Dr. Kristin Jahn kann man für 5,00 Euro, zzgl. Versandkosten im Museum Burg Posterstein bestellen.

Literatur und Quellen

(1)
„Bildatlas: Kunst in der DDR“ – ein Verbundprojekt gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung: https://www.bildatlas-ddr-kunst.de/collection/25

(2)
Fichtner, Lutz: Die Industrie als Kunstmäzen und Auftraggeber in der Deutschen Demokratischen Republik. Die sowjetisch-Deutsche Aktiengesellschaft (SDAG) Wismut, erschienen in: Europäische Hochschulschriften, Kunstgeschichte, Reihe XXVIII, Bd./Vol.49, Frankfurt/M. 2005, S.111f. : 4.3. Die 1970er Jahre – Werner Petzold

(3)
Kristin Jahn: „Friedliche Nutzung der Atomenergie“: Dokumentation zu dem Wandbild Werner Petzolds, Altenburg 2009

(4)
Sonnensucher! Die Kunstsammlung der Wismut. Eine Bestandsaufnahme. 8. Februar-21. April 2014, Kunstsammlung Gera, Katalog zur Ausstellung
Siehe auch: https://www.gera.de/sixcms/detail.php?id=180640

(5)
Webseite Werner Petzold: http://www.wernerpetzold.de/biografie.html

(6)
Wismut GmbH:

http://www.wernerpetzold.de/biografie.html

https://www.wismut.de/de/wismut-news.php?id=894&year=2007&back=suche.php%3Fq%3DPetzold%26w%3Dall%26index%3D0

Wiedereinweihung des Großbildes “Die friedliche Nutzung der Kernenergie” in Löbichau:

https://www.altenburgerland.de/sixcms/detail.php?id=116172

(7)
Müller-Spreitz, Annette, Dr.: „In der Teufe“ von Werner Petzold, 1975, Öl auf Hartfaser, in: Dialog, Zeitschrift der Wismut GmbH, Nr.106, S. 26.

Hier ist ein anderes Beispiel für ein Gemälde von Petzold aus der Kunstsammlung der Wismut abgebildet und beschrieben.

Uranerzbergbau in Sachsen und Thüringen: die Sanierung der Hinterlassenschaften

Abtragung der Kegelhalden Paitzdorf ©Jan-Peter Kasper, 2005
Abtragung der Kegelhalden Paitzdorf ©Jan-Peter Kasper, 2005

Spätestens nach der Katastrophe von Tschernobyl im Jahr 1986 verbreitete sich überall in Deutschland und Europa die Angst davor, dass radioaktive Belastungen in der Umwelt zu Gesundheitsschäden führen können. In der DDR war das weiterhin kein Thema und Informationen darüber nicht öffentlich zugänglich. So blieben auch die Wismut und der Uranbergbau bis zum Ende der DDR ein Tabuthema. 1990 endete mit der deutschen Wiedervereinigung 40 Jahre Uranabbau in Thüringen und Sachsen – einer der größten Uranproduzenten weltweit. Teil 5 unserer mitwachsenden, digitalen Begleitausstellung “Landschaft nach der Wismut” erzählt von der Sanierung der Bergbau-Landschaft.

Die deutsch-deutsche Wiedervereinigung beendete 1990 den Uranabbau in Thüringen und Sachsen. Bis dahin förderte die SDAG Wismut als Reparationsleistung nach dem Zweiten Weltkrieg für das sowjetische, hauptsächlich militärische Atomprogramm rund 220.000 Tonnen Uran. Damit war die „Wismut“, nach den USA und Kanada, einer der größten Uranproduzenten weltweit. Die Geschichte dieses Bergbaus erzählt Teil 3 unserer Blog-Serie.

Zerklüftete Landschaften und Plattenbau-Siedlungen

Geblieben aber waren die Hinterlassenschaften des Bergbaus. 1991 übernahm die Bundesrepublik Deutschland den sowjetischen Anteil der SDAG Wismut und überführte den ganzen Betrieb in das Sanierungsunternehmen Wismut GmbH.

Sichtbare Zeugnisse waren stillgelegte Bergwerke, zerklüftete Landschaften, aufgeschüttete Kegel- und andere Halden, stillgelegte Tagebaue, Bohrlöcher auf den Feldern und verunreinigte Flüsse. Nicht zu vergessen sind auch die Plattenbausiedlungen an den Rändern der Städte, die vorwiegend von Bergarbeitern bewohnt waren.

Umlagerung der Halden in den Tagebau Lichtenberg ©Knut Lechner, um 2006
Umlagerung der Halden in den Tagebau Lichtenberg ©Knut Lechner, um 2006

Die Wismut GmbH erhielt vom Bund den Auftrag, die Bergbauhinterlassenschaften zu sanieren. Ein Teil der Bergleute arbeitete in den Sanierungsbetrieben weiter, andere wurden abgefunden und mussten sich neue Arbeit suchen. Die Arbeitslosigkeit in der Region stieg (allerdings nicht nur wegen der Einstellung des Bergbaus) in der Mitte der 1990er Jahre sprunghaft auf etwa 25 Prozent an. Die Unzufriedenheit über die zerstörte oder nicht anerkannte Lebensleistung dauert bei manchem ehemaligen Wismutkumpel bis heute an.

Die Sanierung seit 1991

„Das Sanierungsprojekt Wismut ist, auch im internationalen Vergleich, ein einmaliges Großprojekt im Bergbau und des Umweltschutzes.“ steht auf der Webseite des Unternehmens zu lesen.

©Knut Lechner, um 2006
Der Haldentransport von Paitzdorf in den Tagebau Lichtenberg konnte von einer Aussichtsplattform aus beobachtet werden. ©Knut Lechner, um 2006

Bis 2019 wurden vom Bund 6,9 Milliarden Euro in die Sanierung der Bergbaugebiete in Thüringen und Sachsen investiert. Die schiere Dimension der Aufgabe soll die nachfolgende Auflistung verdeutlichen. Die Angaben sind der Webseite der Wismut GmbH entnommen:

Die Sanierung – in Zahlen
Untertage: 1500 km offene Grubenbaue,
Übertage: 2600 ha Fläche,
58 Halden und 311 Mio. m³ Haldenmaterial,
4 industrielle Absatzanlagen
und 160 Mio. m³ radioaktive Schlämme.

Schwerpunkte der Sanierung
Stilllegung der Bergwerke,
Flutung der Gruben,
Wasserreinigung,
Demontage und Abbruch von Anlagen und Gebäuden,
Sanierung von Halden und Schlammteichen,
Umweltüberwachung.

Stand der Sanierung 2020
Derzeit sind zwischen 80 und 90 Prozent der Altlasten saniert.

Der Haldentransport von Paitzdorf in den Tagebau Lichtenberg konnte von einer Aussichtsplattform aus beobachtet werden. ©Knut Lechner, um 2006
Der Haldentransport von Paitzdorf in den Tagebau Lichtenberg konnte von einer Aussichtsplattform aus beobachtet werden. ©Knut Lechner, um 2006

Im Laufe der Jahre verschwanden die Kegelhalden Paitzdorf und Reust im Tagebau Lichtenberg, der damit verfüllt wurde. Untertageanlagen wurden versetzt, gesichert und geflutet, Wasseraufbereitungsanlagen errichtet und die Schachtgebäude rückgebaut.

Die Einzelheiten und technischen Details sind ausführlich auf der Webseite der Wismut GmbH nachzulesen oder können in einem Videofilm nachvollzogen werden.

Beides veranschaulicht die Komplexität der Aufgaben eindrücklich.

Sanierung der Halde Beerwalde ©Knut Lechner, 2002
Sanierung der Halde Beerwalde ©Knut Lechner, 2002

Die Sanierungsleistungen, die seither erbracht wurden, sind beeindruckend.

Allerdings stellt sich rückblickend doch die Frage, warum nicht die Sanierung der Hinterlassenschaften der Wismut mit der Ansiedlung von Zukunftstechnologien verbunden wurde. Große Flächen standen dafür zur Verfügung. Sicherlich war es nicht Auftrag der Wismut GmbH, aber eine einmalige Chance ist vertan. Bleibt zu hoffen, dass bei dem bevorstehenden Kohleausstieg in der Lausitz und im Rheinland anders verfahren wird.

Bundesgartenschau in Vorbereitung: Blick auf das Buga Gelände Ronneburg Frühjahr 2006, ©Knut Lechner, 2006
Bundesgartenschau in Vorbereitung: Blick auf das Buga Gelände Ronneburg Frühjahr 2006, ©Knut Lechner, 2006

Stattdessen wurden in den 1990er Jahren von den angrenzenden Kommunen zwar Gewerbeparks nach herkömmlichen Vorbild mit viel Fördergeld geschaffen, diese konnten aber den Bedarf an Arbeitsplätzen bei Weitem nicht decken. Letztendlich gelang es, die Bundesgartenschau 2007 nach Gera und Ronneburg zu holen. Im Zuge der Vorbereitung erfuhren die ehemaligen Bergbauflächen zumindest eine neue landschaftliche Nutzung, die durchaus  gelungen ist.

Die Bundesgartenschau in Ronneburg und Gera

2007 präsentierte die Bundesgartenschau Gera Ronneburg (BUGA) von April bis Oktober die sanierten und neu gestalteten Gebiete „Neue Landschaft Ronneburg“, Stadtpark Ronneburg und Hofwiesenpark Gera.

Die "Neue Landschaft Ronneburg" zur Bundesgartenschau 2007, © Petra Nienhold 2007
Die “Neue Landschaft Ronneburg” zur Bundesgartenschau 2007, © Petra Nienhold 2007
Die "Neue Landschaft Ronneburg" zur Bundesgartenschau 2007, © Petra Nienhold 2007
Die “Neue Landschaft Ronneburg” zur Bundesgartenschau 2007, © Petra Nienhold 2007
Die "Neue Landschaft Ronneburg" zur Bundesgartenschau 2007, © Petra Nienhold 2007
Die “Neue Landschaft Ronneburg” zur Bundesgartenschau 2007, © Petra Nienhold 2007

Ausflugs-Tipps

Ausstellung im „Objekt 90“
Die Ausstellung im „Objekt 90“ der Wismut GmbH zeigt alle Etappen der Wismut-Geschichte von der Anfangszeit des weltweit viertgrößten Uranerzproduzenten bis hin zur Sanierung der Hinterlassenschaften.

Hier geht’s zum Videofilm

Öffnungszeiten: Donnerstag – Sonntag, 13-17 Uhr
Anfahrt: Weidaer Straße, 07580 Ronneburg


Die “Neue Landschaft Ronneburg” 2020, © Marlene Hofmann, 2020

„Neue Landschaft“ Ronneburg
Die „Neue Landschaft“ Ronneburg ist ein Areal von rund 800 Hektar im ehemaligen Bergbau-Revier um Ronneburg, das vom Gessental, der Schmirchauer Höhe bis zum Reuster Turm reicht. Dazu gehören u.a. „Objekt 90“ und die Erlebnisbrücke „Drachenschwanz“.  

Öffnungszeiten: Sonnenaufgang bis Untergang
Parkplätze: Grobsdorfer Straße und in der Forststraße


Das Monumentalbild „Friedliche Nutzung der Atomenergie“ © Marlene Hofmann, 2020
Das Monumentalbild „Friedliche Nutzung der Atomenergie“ © Marlene Hofmann, 2020

Kulturlandschaft Resurrektion Aurora
Ein Radweg verbindet u.a. den ehemaligen Schacht Korbußen, die Halde Beerwalde, das Monumentalbild „Friedliche Nutzung der Atomenergie“ und das Bergbaudenkmal „Fördergerüst Schacht 403 Drosen“.


Bergstadt Ronneburg
Der Uranerzbergbau wurde übertägig bis an die Stadtgrenzen herangeführt, bzw. unter Teilen des Stadtgebietes durchgeführt. Von der Geschichte zeugen u.a. noch das Schaubergwerk und der „Schacht 407“.

Ausführliche Informationen hat der Bergbauverein Ronneburg e.V. aufbereitet. Hier gelangen Sie zur Website des Vereins.

Blick vom „Bismarkturm“ auf dem Reuster Berg zum ehemaligen Bergbaugebiet. ©Klaus Hofmann, 2009
Blick vom „Bismarkturm“ auf dem Reuster Berg zum ehemaligen Bergbaugebiet. ©Klaus Hofmann, 2009

Zusammengefasst von Klaus Hofmann


Weiterführende Informationen

DVD Blackbox
Worüber das Gras wächst- Zeitzeugen berichten.
Erinnerungen an den Wismutbergbau
von Gunter Auer und Dr. Kristin Jahn, 2007
Der Film kann im Museum für 5,00 zzgl. Versandkosten bestellt werden.

URANATLAS, Daten und Fakten über den Rohstoff des Atomzeitalters:
Die Altlast der Wismut, Uranbergbau in Sachsen und Thüringen: Fast vergessen, mit Milliardenaufwand saniert, aber immer noch ein Problem, Seite 30/31
Der URANATLAS ist ein Kooperationsprojekt und wird gemeinsam von Le Monde diplomatique, der Nuclear Free Future Foundation, der Rosa-Luxemburg-Stiftung sowie dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland herausgegeben. 1. Auflage: September 2019
Hier geht’s zum Download

Aufbruch von Altenburg nach Altenburg

Wie deutsche Siedler im 19. Jahrhundert ihre Heimatstadt in Missouri neu gründeten

Eine bunt gemischte Gruppe von Auswanderern aus Sachsen-Altenburg, der Region Dresden und Hannover strandete 1839 an einem Felsen im Fluss Mississippi. Direkt am Fluss gründeten die einem strengen lutherischen Glauben anhängenden Siedler den Ort Wittenberg. Nicht selten wurden die Häuser von den Hochwassermassen des legendären Flusses mitgerissen, weshalb  heute von dieser Siedlung nur noch der Wittenberg Boat Club und eine verfallene Poststation zeugen.

Felsen im Mississippi
Nach einer langen Schiffsreise nach Amerika strandeten Einwanderer aus dem Altenburger Land 1839 an diesem Felsen im Mississippi.

Die Auswanderung organisierten verschiedene Geistliche unter der Leitung von Pfarrer Martin Stephan aus Pirna bei Dresden. In Folge sozialer Missstände nach den napoleonischen Kriegen und verschärften Abgabelasten auf dem Lande, erwogen parallel zu ersten revolutionären Unruhen auch in der Region Altenburg immer mehr Menschen, ihr Glück in der Ferne zu suchen. Ursprünglich zogen die Auswanderer um Martin Stephan auch Australien als mögliche neue Heimat in Betracht, aber südlich von St. Louis, in Missouri, bot man ihnen rund 10.000 Morgen Land zu günstigen Preisen an.

Wittenberg Boat Club
Wittenberg Boat Club

Im Winter 1838/39 reisten insgesamt fünf Schiffe mit Siedlern aus dem Königreich Sachsen und dem Herzogtum Sachsen-Altenburg in die so genannte „Neue Welt“. Mit an Bord nahmen die frommen Auswanderer auch 900 Exemplare von Luthers Katechismus. Sogar während der langen Seereise erhielten die Kinder Unterricht. Alle Schiffe erreichten ihr Ziel, bis auf ein kleineres Boot namens „Amalia“, das höchstwahrscheinlich bei Frankreich mit einem größeren Schiff kollidierte.

Altenburg, Dresden, Wittenberg, Frohna, Paitzdorf und Seelitz in der „neuen Welt“

1839 kamen die Siedler also in Missouri an. Zu dieser Zeit glich die dortige Landschaft einer noch unbewohnten Wildnis. Die Neuankömmlinge hätten den Winter dort kaum überstanden, wären sie nicht von der lutherischen Gemeinde in St. Louis unterstützt worden. Im heutigen Bundesstaat Missouri, im Landkreis Perry County, gründeten die deutschen Siedler die nach ihren Heimatstädten bzw. -regionen benannten Orte wie Dresden, Seelitz, Johannisberg, Altenburg, Frohna, Paitzdorf und Wittenberg. Dresden, Seelitz und Johannisberg wurden aber bereits 1841 nach Altenburg, Missouri, eingemeindet. Weil natürlich nur das Beste aus der neuen Heimat berichtet wurde, trafen auch später noch weitere Auswanderer aus der Region Altenburg in der neu gegründeten Stadt ein.

Indianer, wilde Bestien und mexikanische Soldaten braucht man in Altenburg bislang nicht zu fürchten

Der Pfarrer Martin Stephan derweil lebte in der neuen Heimat ein nicht eben sittlich-christliches Leben und ließ sich hofieren wie ein König. Nachdem die Gemeinde endlich erkannt hatte, wie sehr sie durch ihren geistlichen Führer betrogen worden war, entließ sie ihn. Erster Präsident der Missouri Synode (heute zwei Millionen Mitglieder) wurde der aus Langenchursdorf stammende Ferdinand Wilhelm Walther. Gotthold Heinrich Loeber aus Kahla übernahm den Posten als Pfarrer im neu gegründeten Altenburg. Er beschrieb am 10. September 1839 in einem Brief nach Deutschland das Leben in der neuen Welt, wo die meisten Familien zu diesem Zeitpunkt noch nicht in Häusern, sondern in provisorischen Baracken lebten. Beruhigend fügte er aber hinzu, dass sich die Verwandten in der Heimat keine Sorgen wegen Indianern, wilden Bestien oder mexikanischen Soldaten machen müssten, denn solche Dinge bräuchte man in Altenburg bislang nicht zu fürchten.

Schulgebäude von 1839 in Altenburg Missouri
Das 1839 errichtete Schulgebäude ist das älteste Haus in Altenburg, Missouri

Als eine ihrer ersten Handlungen errichteten die Siedler im August 1839 eine Bildungsstätte, an der Kinder eine umfassende gymnasiale Bildung erhalten sollten: Religion, Latein, Griechisch, Hebräisch, Deutsch, Französisch, Englisch, Geschichte, Geografie, Mathematik, Physik, Naturgeschichte, Philosophie, Musik und Zeichnen standen auf dem Lehrplan. Der Anspruch der Schule war kein geringerer, als die Absolventen für ein Universitätsstudium zu rüsten. Im ersten Jahr begannen sieben Jungen und drei Mädchen dort den Schulunterricht.

Welcome to Altenburg, Missouri!

Im Oktober 2010 fuhren Historiker ins amerikanische Altenburg zu einer internationalen Konferenz unter dem Motto „Home is where our story begins“ (Zuhause ist, wo unsere Geschichte beginnt). Die Kontakte nach Amerika knüpfte der Genealoge Wilfried Piehler aus Gera bereits vor Jahrzehnten. Die Altenburger aus Missouri waren auch schon mehrfach zu Besuch in ihrer alten Heimat. Manche von ihnen überraschten damit, dass sie sich die deutsche Sprache – genau genommen, die Altenburger Mundart aus dem 19. Jahrhundert – über Generationen hinweg bewahrt haben.

Altenburg Missouri
Das amerikanische Altenburg ist eine gemütliche Kleinstadt mit lebhafter christlicher Gemeinde

Auf der zweitägigen Konferenz hielten einheimische Historiker und Genealogen verschiedene Vorträge, die der Geschichte des amerikanischen Altenburgs auf den Grund gingen. Die Historie des deutschen Altenburgs beleuchtete unter anderem Sabine Hofmann vom Lindenau-Museum Altenburg. Am Freitag, 18. März, 19 Uhr, fassen Wilfried Piehler sowie Sabine und Klaus Hofmann in einem Vortrag im Museum Burg Posterstein die Ergebnisse der Konferenz zusammen. Wer mehr zur Geschichte des amerikanischen Altenburgs erfahren möchte, dem sei auch das im vergangenen Jahr in den USA auf Englisch erschienene Buch „Altenburg Missouri and the surrounding Parishes“ empfohlen (Hrsg.: Mary Beth Mueller Dillon, Lynhorst, Indianapolis, 2010).

 

(Marlene Hofmann, auch erschienen in der Ostthüringer Zeitung vom 16. März 2011, http://www.otz.de/)

Moving from Altenburg to Altenburg

How German settlers in 19th century founded a new hometown in Missouri

A motley group of emigrants from Saxony-Altenburg, Dresden region and Hannover stranded on a rock in Mississippi river in 1839. Right beside the river the strict Lutheran settlers founded the town Wittenberg. Frequently the legendary river carried Wittenbergs houses away – that is why only the Wittenberg Boat Club and a crumbling old post office remind of the town today.

rock in Mississippi
After a long journey by ship a group of German emigrants from Altenburg County stranded at this rock in Mississippi in 1839.

The emigration was organized by different clergymen, under the leadership of reverend Martin Stephan from Pirna near Dresden. As a result of social problems after the Napoleonic Wars and tightened taxes in the countryside, parallel to first revolutionary riots, a lot of people in Altenburg region considered to try out their luck in the „new world“. In the beginning they considered Australia as a new home as well, but south from St. Louis in Missouri they were offered 10.000 acre land to a cheap price.

Wittenberg Boat Club
Wittenberg Boat Club

In Winter 1838/39 five ships with settlers from the kingdom of Saxony and the duchy of Saxony-Altenburg headed for the so called „new world“. The devotional emigrates took 900 copies of Luther’s catechism with them on board of the ships. Even during the long crossing the children were taught. All ships reached the US, except for a small boat called „Amalia“, which apparently collided with a bigger ship near France.

Altenburg, Dresden, Wittenberg, Frohna, Paitzdorf and Seelitz in the „new world“

As mentioned before, the settlers arrived in Missouri in 1839. At that time this region still was a nearly uninhabited wilderness. The newcomers probably wouldn’t have survived the first winter, if they wouldn’t have been supported by the Lutheran community in St. Louis. In today’s Perry County the German settlers founded towns, which they named after the regions and towns they came from – like Dresden, Seelitz, Johannisberg, Altenburg, Frohna, Paitzdorf and Wittenberg. Dresden, Seelitz and Johannisberg were later on suburbanized by Altenburg, Missouri. Of course the emigrants only reported the best things to their friends and families in Germany and in the following years a lot of other people from Altenburg region moved to the new founded Altenburg.

You don’t need to fear Indians, wild animals and Mexican soldiers in Altenburg

Reverend Martin Stephan lived a very little moral life in the new world, while he let himself celebrate as a king. When the community finally had realized how badly their spiritual leader had betrayed them, they dismissed him. The first president of the Missouri synod, which has two million members today, was Ferdinand Wilhelm Walter from Langenchursdorf. Gotthold Heinrich Loeber from Kahla overtook the job as reverend in the new founded Altenburg. In a letter to Germany on September 10th, 1839 he described the life in the new world, where the most people at this time did still not live in houses, but in temporary sheds. To comfort his reader he added that one did not have to fear Indians, wild animals or Mexican soldiers in Altenburg.

school building from 1839 in Altenburg Missouri
The school building from 1839 is the oldest house in Altenburg, Missouri.

As one of their first projects, the settlers built a school in august 1839 to provide grammar school education for the children: Religion, Latin, Greek, Hebrew, German, French, English, history, geography, mathematics, physics, natural history, philosophy, music and drawing were on the schedule. The goal was to prepare the pupils for later university studies. In the first year seven boys and three girls were enrolled.

Welcome to Altenburg, Missouri!

In October 2010 historians from the German Altenburg travelled to the American Altenburg to take part in an international conference named „Home is where our story begins“. Already decades before the genealogist Wilfried Piehler from Gera (Thuringia) established first contacts to Missouri. Inhabitants from Altenburg, Missouri, have already a few times visited Altenburg County in Germany. Some of them surprised the Germans by speaking German with Altenburg dialect from 19th century.

Altenburg Missouri
The American Altenburg is a gemuetlich small town with a living Christian community.

On the two-day conference local historians and genealogists from Missouri presented their research on the history of the town. German historians, as Sabine Hofmann from Lindenau Museum Altenburg, described the history of the German Altenburg. On Friday, March 18th, 7pm, Wilfried Piehler and Klaus and Sabine Hofmann will present the results of this conference at Posterstein Castle. To learn more about the history of Altenburg, Missouri, you should take a look at the book „Altenburg Missouri and the surrounding Parishes” (editor: Mary Beth Mueller Dillon, Lynhorst, Indianapolis, 2010).

(by Marlene Hofmann, also published in Ostthüringer Zeitung, March 16th 2011, http://www.otz.de/)