Eine Burg auf großer Messe: Museum Burg Posterstein erstmals auf der Internationalen Tourismus-Börse

Franziska Engemann vom Museum Burg Posterstein am Stand der Museumswelt auf der Internationalen Tourismus-Börse in Berlin.
Franziska Engemann vom Museum Burg Posterstein am Stand der Museumswelt auf der Internationalen Tourismus-Börse in Berlin.

Mehr als 10.000 Unternehmen aus 184 Ländern und Regionen präsentierten sich vom 8. bis 12. März 2017 auf der weltweit führenden Tourismusmesse Internationale Tourismus-Börse (ITB) in Berlin vor rund 109.000 Fachbesuchern. Das Museum Burg Posterstein und das benachbarte Lindenau-Museum Altenburg nahmen zum ersten Mal als Aussteller daran teil. Gemeinsam mit rund 120 deutschen Museen schlossen sie sich dem über 200 Quadratmeter großen Ausstellungsstand “Museumswelt” von Museum.de an. Für alle beteiligten Museen war es ein Novum – im Blog ziehen wir eine persönliche Bilanz.

Den Fußboden der Museumswelt schmückten Bilder deutscher Museen, in die Wände waren echte Ausstellungsstücke integriert. Mitarbeiter verschiedener Museen warteten mit Flyern, Give-Aways und vielen Informationen auf. Vier zwei Meter hohe Vitrinen in der Mitte des Messestands zogen die Aufmerksamkeit der Besucher auf sich – und zwischen dem Fifa-WM-Pokal des Deutschen Fußballmuseums und der Heiligen Barbara-Statue thronten die Büste der Saloniere Anna Dorothea von Kurland und ein Ritterhelm aus dem Museum Burg Posterstein. Das bot Museumsmitarbeiterin Franziska Engemann genügend Stoff zum Gesprächseinstieg über Posterstein, das Museum und die Region.

Den Fußboden der "Museumswelt" zierten die Bilder der teilnehmenden Museen.
Den Fußboden der “Museumswelt” zierten die Bilder der teilnehmenden Museen.

Ziel: Museen im Dreiländereck Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt touristisch sichtbar machen und vernetzen

Durch die Teilnahme an der ITB erhoffen wir uns, die Museen des Altenburger Landes touristisch sichtbar zu machen und dadurch die Region zu vertreten. Wir konnten unsere Kontakte zu anderen Museen verbessern, aber auch mit touristischen Akteuren und Anbietern ins Gespräch kommen. Auch das neue Kulturmarketingkonzept des Tourismusverbandes Altenburger Land scheint jedenfalls den Kulturtourismus mehr in den Fokus rücken zu wollen. Eine Kooperation ist angesichts knapper Kassen und großer Konkurrenz bei der überregionalen Suche nach Aufmerksamkeit und höheren Besuchszahlen mehr denn je gefragt. Das heißt, es gilt zusammenzuarbeiten zum Nutzen aller.

Ein Minister unter einer 1000-jährigen Eiche? – Sie haben doch irgendwo eine versteckte Kamera!

Gelegenheit, ins Gespräch zu kommen - der Kollege vom Schloss Friedenstein mit Zischägge, Dorothea von Kurland und Glückskeks.
Gelegenheit, ins Gespräch zu kommen – der Kollege vom Schloss Friedenstein mit Zischägge, Dorothea von Kurland und Glückskeks.
Die so genannte Zischägge, der ausgestellte Ritterhelm, weckte großes Interesse bei Kindern und Familien, die am Wochenende die Messe besuchten. Die Herzogin von Kurland, die auch in Berlin einen kulturellen Salon im kurländischen Palais (heute russische Botschaft) Unter den Linden führte, lockte das Berliner Publikum. Mit einem Internet-Radiosender kam man zunächst per Twitter und dann persönlich ins Gespräch. Die Postersteiner Give-Aways – echter Postersteiner “Staub der Jahrhunderte” in der Tüte und Glückskeks-Anhänger mit einem Aphorismus von Hans Wilhelm von Thümmel weckten großes Aufsehen und manchmal ungläubige Nachfragen: Meinen Sie das ernst, ein Minister, der sich unter einem uralten Baum begraben lassen hat? Sie haben doch irgendwo eine versteckte Kamera. Aber nein, Thümmel gab es wirklich.

Auf der ITB gab es "Staub der Jahrhunderte" aus der Burg Posterstein in der Tüte.
Auf der ITB gab es “Staub der Jahrhunderte” aus der Burg Posterstein in der Tüte.
Besonders überraschte Museumsmitarbeiterin Franziska Engemann, wie viele Leute die Burg Posterstein wiedererkannten oder sagten: “Da waren wir schon einmal zum Kindergeburtstag!”. Außerdem traf sie Nachfahren eines kurländischen Hofarchitekten und mögliche Nachfahren eines Postersteiner Rittergutsbesitzers. Gleichzeitig gab der gemeinsame Messestand ausreichend Gelegenheit, mit Kollegen anderer Museen ins Gespräch zu kommen.

Für das Museum Burg Posterstein ist der erste Messeauftritt auf der ITB ein Experiment. Anlass dafür gab auch, dass in Thüringen – dieses Jahr mit Thüringer TischKultur am Start – der Marketingfokus traditionell eher auf Städten und Gastronomie liegt. Die ländlichen Regionen und besonders der Thüringer Osten im Dreiländereck Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt werden kaum wahrgenommen. Ob die Teilnahme an der schön gestalteten Museumswelt nachhaltig Aufmerksamkeit wecken kann, wird sich vielleicht im Besucher-Monitoring der kommenden Monate zeigen.

Von Marlene Hofmann/Museum Burg Posterstein

#futureMW: Die Wiederbelebung des Postersteiner Burgbergs – Teil 2

LogoMW_PostersteinBereits letztes Jahr zur #MuseumWeek bei uns im Blog ein Thema, gibt es in diesem Jahr ein Update zur Zukunft des Postersteiner Burgbergs. Heutiges Tagesthema der weltweiten Museumswoche auf Twitter und in anderen sozialen Netzwerken ist #futureMW.

Eine Machbarkeitsstudie, durchgeführt vom Planungsbüro IPU Erfurt und finanziert mit Mitteln der Thüringer Staatskanzlei, der Gemeinde Posterstein und des Museumsvereins Burg Posterstein e. V., hat die Machbarkeit des Projekts bestätigt.

Die historischen Gebäude sind gekauft, die Machbarkeitsstudie erfolgreich abgeschlossen, die Finanzierung auf einem guten Weg
Die historischen Gebäude sind gekauft, die Machbarkeitsstudie erfolgreich abgeschlossen, die Finanzierung auf einem guten Weg

Seit über einem halben Jahr arbeitet der Förderverein Burgberg Posterstein e. V. mit Planungsbüro und Architekt intensiv an der Umsetzung. Ein Finanzierungskonzept einschließlich der Zusicherung von Fördermitteln aus dem Programm der Dorferneuerung steht und die Gemeinde Posterstein möchte das nachhaltige Zukunftsprojekt für den Burgberg unbedingt umsetzen.

Geplante Neugestaltung des Burgbergs

Das Gesamtvorhaben „Gemeinsam nicht einsam- neues Leben auf dem Land“ möchte beispielhaft aufzeigen, wie das Leben im ländlichen Raum, aufbauend auf den bestehenden Qualitäten und Stärken des dörflichen Lebens, funktionieren kann. Ziel des Vorhabens ist es, den Burgberg wieder mit Leben zu erfüllen, eine Nutzungsmischung aus Wohnen, Arbeiten und Freizeit/Tourismus zu etablieren und so Posterstein als Wohn-, Arbeits-, Sozial-, und Kulturraum zu erhalten und weiter zu entwickeln.

Posterstein?!

Posterstein ist eine Gemeinde mit 427 Einwohnern (Stand 2013) im Landkreis Altenburger Land. Sie liegt im strukturschwachen ländlichen Raum zwischen Gera und Altenburg. Posterstein, mit dem Ortsteil Stolzenberg, liegt inmitten einer sanfthügligen, durch die Mäander der Sprotte geprägten, Landschaft. Über der Sprotte in Posterstein, erhebt sich die gleichnamige mittelalterliche Höhenburg mit dem 25 Meter hohen Bergfried als äußerem Wahrzeichen. Die Gemeinde verfügt durch die Autobahnanschlussstelle Ronneburg über einen direkten Anschluss an die A4 (Eisenach-Dresden).

Posterstein: historische Fachwerkhäuser und Bauerngärten, Rad-Wanderwege und über allem thront die Burg (Foto: Petra Nienhold/Museum Burg Posterstein)
Posterstein: historische Fachwerkhäuser und Bauerngärten, Rad-Wanderwege und über allem thront die Burg (Foto: Petra Nienhold/Museum Burg Posterstein)

Laut Regionalplan Ostthüringen liegt Posterstein an der touristischen Infrastrukturachse Gera- Ronneburg- Altenburg. Durch Posterstein führen der Thüringenwanderweg, der Lutherweg und die überregionalen Radwege „Thüringer Städtekette“ sowie die Mittellandroute (D-Netz Route 4) und die Bauerngartenroute (Begleitprojekt Bundesgartenschau 2007). Rad- und Wanderwege, das Postersteiner Ritterturnier und das Seifenkistenrennen bringen insgesamt jährlich über 30.000 Touristen in die Gemeinde.

Ein kulturträchtiger Ort

Die Burg beherbergt seit 1952 das Regionalmuseum des Landkreises, das jährlich rund 22.000 Besucher anzieht. Der Burgberg Posterstein hat für das Altenburger Land und die Region Ostthüringen somit nicht nur historische, sondern auch touristische Relevanz. Die ständige Ausstellung des Museums zeigt vor allem die Burggeschichte und vielfältige Ausstellungen zur regionalen Kulturgeschichte. Davon ist die Exposition zum Musenhof Löbichau der Herzogin von Kurland die umfangreichste Ausstellung zu diesem Teil der europäischen Salongeschichte in einem deutschen Museum.

Kauf der historischen Rittergutsgebäude

Das gesamte Areal des Burgbergs besteht neben der im Eigentum des Landkreises befindlichen Burg, aus dem Herrenhaus, dem ehemaligen Pferdestall sowie dem Lager (ehemalige Scheune), die nun Eigentum des Fördervereins Burgberg Posterstein e.V. sind und zwei weiteren privaten Gebäuden.

Im November 2015 gab es zum ersten Mal die Möglichkeit, das renovierungsbedürftige Herrenhaus zu besichtigen.
Im November 2015 gab es zum ersten Mal die Möglichkeit, das renovierungsbedürftige Herrenhaus zu besichtigen.

Der bauliche Zustand des Herrenhauses, des Pferdestalls und des Lagers sind seit Jahren teilweise mangelhaft. Die bis November 2015 in privater Hand befindlichen Gebäudekomplexe (Scheune, Pferdestall, Herrenhaus) stehen seit 1993 leer und verfielen zusehends. Der Nordflügel der Burg wurde nach der Bodenreform bis auf das Kellergeschoss abgerissen.

Neue Strategie für die ländliche Entwicklung

Posterstein, wie viele Dörfer im ländlichen Raum, unterlag bzw. unterliegt einem starken strukturellen Wandel: die Anzahl der Arbeitnehmer in der Landwirtschaft nimmt ab, ebenso gehen die Arbeitsplätze im Ort zurück. Dafür steigt die Zahl der Pendler, was zu einer Trennung von Arbeitsplatz und Wohnort und somit zu längeren Wegen führt. Aufgrund der Globalisierung der Märkte rücken lokale Produkte in den Hintergrund und die Bevölkerung verliert den Bezug zu Produkten aus der Region und der Produktion von Lebensmitteln.

Der frühere Nordflügel der Burg Posterstein ist derzeit eine Ruine.
Der frühere Nordflügel der Burg Posterstein ist derzeit eine Ruine.

Regionales touristisches Informationszentrum in der Burg Posterstein

Ziel ist der Wiederaufbau des Nordflügels der Burg, um ein unentgeltliches touristisches Informationszentrum dort einzurichten. Gebäudeform und äußeres Aussehen des Neubaus orientieren sich dabei am historischen Vorbild. Alle baulichen Vorhaben sollen Bezug nehmen auf die Geschichte des ehemaligen Gutshofes und gleichzeitig moderne Elemente wie Barrierefreiheit und energetische Selbstversorgung durch Nutzung regenerativer Energien einbeziehen.

Eine Stärke des Tourismus im Altenburger Land ist hohe Zahl von Übernachtungen (von 2002 bis 2014 rund 22% mehr Übernachtungen). Schwächen sind der teilweise hohe Sanierungsbedarf bei Baudenkmälern, fehlende Nutzungskonzepte bei diesen sowie die partiell unzureichende Infrastruktur für Touristen außerhalb der Verdichtungsräume (Geschäfte, Cafés, Freisitze etc.). Zudem gibt es keine etablierten touristischen Leuchttürme außerhalb der Zentren.

Potentiale des Oberes Sprottentals

Auf der regional bedeutsamen touristischen Infrastrukturachse Gera-Ronneburg-Altenburg gibt es, ausgenommen in Altenburg und Gera selbst, keine touristischen Informationszentren, die als Anlaufpunkt für Gäste und Einheimische dienen. Einziger Anlaufpunkt für Touristen ist das Museum der Burg Posterstein, das weder die räumliche noch personelle Ausstattung besitzt, um Gästen vollumfängliche Beratungen anzubieten. Die touristische Vermarktung des Oberen Sprottetals, und somit des südlichen Teiles des Landkreises, übernimmt aktuell der Tourismusverband Altenburger Land e.V. sowie die Tourist-Information im 22 km entfernten Altenburg.

Blick vom Burgturm auf den Burgberg Posterstein
Blick vom Burgturm auf den Burgberg Posterstein

Hier besteht dringender Handlungsbedarf, denn ein touristisches Informationszentrum ist eine wichtige infrastrukturelle Voraussetzung für die erfolgreiche Vermarktung der Region. Die Regionale Entwicklungsstrategie LEADER identifiziert als Handlungsbedarf eine „Verbesserung des touristischen Angebotes auch außerhalb des touristischen Leuchtturms Altenburg“. Der Aufbau eines “ländlichen Reisebüros” Koordinationsstelle für die touristischen Aktivitäten in der Region kann dazu beitragen, die Stärken der Region sichtbar zu machen und die Schwächen anzugehen und so das touristische Angebot zu verbessern und die gesamte Region positiv zu entwickeln. Gleichzeitig soll eine Vernetzung der Akteure in lokalen Clustern, die zielgruppenbezogen gemeinsam Infrastrukturprojekte und Marketingaktionen erarbeiten und durchführen, stattfinden.

Geplant: Zentrum für Natur und Kultur

Rosine Hahn - gemalt von Friedrich Mascher, Schloss- und Spielkartenmuseum Altenburg, Inv.-Nr. SM 2224
Die wohlhabende Altenburger Bauersfrau Rosine Hahn – gemalt von Friedrich Mascher, Schloss- und Spielkartenmuseum Altenburg, Inv.-Nr. SM 2224

Es soll ein Zentrum für Natur und Kultur entstehen, das das einmalige landwirtschaftliches Gewerbe, den Anbau von Heil-, Duft- und Gewürzpflanzen mit historischen Informationen verbindet. Damit wird angeknüpft an die Gegenwart und Vergangenheit der leistungsstarken Landwirtschaft im Altenburger Land. Den Erzeugern von Heil-, Duft- und Gewürzpflanzen in der Region und in ganz Thüringen soll so eine Bühne geboten werden über ihre Produkte und die Art und Weise der Erzeugung ihrer Rohstoffe zu berichten. Diese Aufgabe kann die Tourist-Information in Teilen mit übernehmen. Auf regionaler Ebene trägt die Maßnahme dazu bei, einen weiteren touristischen Leuchtturm, außerhalb Altenburgs zu schaffen und somit das touristische Angebot der Region zu erweitern.

Eine Zertifizierung der Tourist-Information nach den Kriterien der i-marke (bundesweite Zertifizierung für Tourist-Informationen des Deutschen Tourismusverbands) wird angestrebt, um von Anfang an einen hohen Qualitätsstandard zu garantieren.

Von Klaus Hofmann / Museum Burg Posterstein

Zum Weiterlesen:
Förderverein Burgberg Posterstein
Der Traum vom belebten Burgberg
Aktuelle Sonderausstellung zur Bauernkultur im Altenburger Land