Der Schmöllner Künstler Hans Neupert ist tot – Ein Nachruf

Hans Neupert in seinem Atelier in Schmölln, 2015. Foto: Jörg Kirmse.
Hans Neupert in seinem Atelier in Schmölln, 2015. Foto: Jörg Kirmse.

Der Künstler Hans Neupert starb kurz vor Vollendung seines 97sten Lebensjahres. Er wurde am 22. Dezember 1920 in Schmölln geboren. Hans Neupert wuchs auf in der Buchdruckerei Hans Böckel auf dem Schillerplatz, die sein Vater leitete, wurde musisch und reformpädagogisch erzogen, besuchte die heimische Realschule und das Altenburger Gymnasium. Sein erster Studienwunsch galt deshalb auch dem Theater und der der Musik. Es kam alles ganz anders.

Hans Neupert im Gespräch, 2015.
Hans Neupert im Gespräch, 2015.

Nach dem Abitur wurde Hans Neupert zur Wehrmacht eingezogen, war in Norwegen, Paris, San Remo, Syracus und Baden bei Wien stationiert und geriet schließlich in amerikanische Gefangenschaft. Schon 1945 begann er ein Studium an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig bei Elisabeth Voigt, der Mutter der Leipziger Schule, und Egon Pruggmayer. Zu seinen Mitstudenten gehörten nicht nur Wolfgang Mattheuer oder Gerhard Kurt Müller, sondern auch die schöne und begabte Else Luise Keil (1926–2009). Sie heiratete er 1952. Schon bald übernahmen Hans und Luise Neupert Werbeauftritte verschiedener Kombinate der DDR, illustrierten Bücher, fotografierten, gestalteten Drucksachen und Messestände. Die Auftragsbücher waren übervoll. Nationale Aufmerksamkeit war ihnen gewiss.

Hans Neupert beim Malen. Foto: Jörg Kirmse.
Hans Neupert beim Malen. Foto: Jörg Kirmse.

Davor war der Weg auch steinig. Mit dem Vorwurf des Formalismus musste Hans Neupert die Leipziger Hochschule vorzeitig beenden, musste Netzwerke knüpfen, um dennoch zu überleben. In dem Verleger Heinrich Mock, dem ehemaligen Direktor des Lindenau-Museums, fand er, wie viele Künstler seiner Generation, einen Förderer, bekam kleine Aufträge, produzierte Holzschnitte, die sich besser verkaufen ließen und erhielt Möglichkeiten für Ausstellungen.

Ab 1990 engagierte sich Hans Neupert im Museumsverein Burg Posterstein.
Ab 1990 engagierte sich Hans Neupert im Museumsverein Burg Posterstein.
Das Logo des Museums Burg Posterstein stammt aus der Feder von Hans Neupert.
Logo Burg Posterstein – von Hans Neupert.

In Schmölln mischte sich Hans Neupert vor allem nach 1989 ein, wurde gefragt bei Entscheidungen, gründete den Verschönerungsverein mit, erhielt den Kulturpreis der Stadt.

Das Museum Burg Posterstein profitierte von seinem Engagement sehr. Ab 1990 war er im Vorstand des Museumsvereins aktiv. Der Entwurf für das große braune Schild an der Autobahn, das auf die wichtige Sehenswürdigkeit hinweist, stammt von ihm – ebenso wie das Logo des Museums.

Hans Neupert: Im Park der Dorothea von Kurland, 1985, Öl auf Leinwand.
Hans Neupert: Im Park der Dorothea von Kurland, 1985.

Der Herzogin von Kurland, ihren Intentionen und der Salonkultur stand er nahe. Der Park in Tannenfeld gehörte zu seinen Lieblingsplätzen. Am Rande der Feierlichkeiten zum 200. Geburtstag Anna Dorothea von Kurlands 2011 plauderte der über Neunzigjährige munter mit den französischen Gästen in deren Sprache.

Hans Neupert: Geschlossene Gesellschaft, 1986.
Hans Neupert: Geschlossene Gesellschaft, 1986.

Wer das Glück hatte, im Hause Neupert willkommen geheißen zu werden, konnte eintauchen in eine Welt voller Literatur, Musik und Kunst, konnte den verwunschenen Garten am Rande der Sprotte erleben, Bücher studieren oder Klaviersonaten lauschen. Auch ohne Fernsehen war Hans Neupert bestens informiert, denn eine überregionale Tageszeitung stand ihm genauso zur Seite wie die Berichte der gern gesehenen Gäste. Bücher von Marcel Proust oder Ernst Jünger liebte er und regelmäßig berichtete bis zuletzt die Jugendfreundin Shou Shou aus Paris.

Musik in Neuperts Garten - Bild: Nr. 879: Luise bei der Gartenarbeit, 2005
Hans Neupert: Luise bei der Gartenarbeit, 2005.

Erst in den achtziger Jahren fanden Neuperts den Weg zurück von der Angewandten zur Bildenden Kunst. Während Luise durch faszinierende Scherenschnitte bekannt wurde, widmete sich Hans Neupert fortan der Malerei in Öl. Inspiriert vom heimischen Garten, von der Natur der Region und den Erlebnissen in fernen Ländern entstanden farbenprächtige Miniaturen. Heiter gelaunte, pralle elfenhafte Wesen tanzen, singen, musizieren. Mit zunehmenden Alter schlich sich Melancholie ein. Ein Zauber geht von den Bildern aus und viele Betrachter ließen sich verzaubern. Die kleinen Bilder fanden den Weg in Ausstellungen. Aber auch private Liebhaber im In- und Ausland sammelten Neuperts Werke.

Hans Neupert bei der Eröffnung seiner Ausstellung 2015 im Museum Burg Posterstein.
Hans Neupert bei der Eröffnung seiner Ausstellung 2015 im Museum Burg Posterstein.

Noch 2015 stellte Hans Neupert neue Werke im Museum Burg Posterstein aus. Damals entstand ein kurzer Film:

Auch im hohen Alter war Hans Neupert noch so produktiv, dass das Werkverzeichnis des Katalogs schon zur Ausstellungseröffnung 2015 wieder veraltet war. Hier ein Eindruck von der Ausstellungseröffnung:

Nach über 1000 Werken endet die Serie. Hans Neupert hat sein Leben vollendet. In seinen Bildern und im Herzen all jener, die von den Gesprächen mit ihm, von seiner umfassenden Bildung, seinem sicheren Geschmack und seiner Hilfsbereitschaft profitierten, lebt er fort. Schmölln und das Altenburger Land verlieren einen bedeutenden Bürger. Hans Neupert starb am 5. November 2017.

von Sabine Hofmann / Museumsverein Burg Posterstein

Hans Neupert: Der letzte Tanz, 2014.
Hans Neupert: Der letzte Tanz, 2014.

Vom Museum Burg Posterstein herausgegebene Kataloge:

 

Katalog Hans Neupert. Malerei, Grafik. Sabine und Klaus Hofmann. Museum Burg Posterstein, 2001
Katalog Hans Neupert. Malerei, Grafik. Sabine und Klaus Hofmann. Museum Burg Posterstein, 2001
Katalog Mal sehen wohin es geht … oder zwischen den Zeiten. Hans Neupert – Hommage zum 95. Geburtstag Museum Burg Posterstein, 2015.
Katalog Mal sehen wohin es geht … oder zwischen den Zeiten. Hans Neupert – Hommage zum 95. Geburtstag Museum Burg Posterstein, 2015.

Musik, Literatur und Kunst als Lebenselexier: Der Maler Hans Neupert ist mit 95 ungeheuer produktiv

"Der letzte Tanz" (c) Hans Neupert
“Der letzte Tanz” (c) Hans Neupert
Bei der aktuellen Sonderausstellung mit Ölgemälden des Schmöllner Malers und Grafikers Hans Neupert – eine Hommage zu dessen 95. Geburtstag in diesem Jahr – ist dem Museum Burg Posterstein etwas Ungewöhnliches passiert: Der zur Ausstellung erscheinende Katalog mit Werkverzeichnis war schon während der Drucklegung veraltet. Hans Neupert, der in den vergangen Jahren unglaublich produktiv zu Werke gegangen ist, hatte schon wieder drei neue Ölgemälde fertig gestellt. Die Ausstellung ist noch bis 2. August zu sehen. Museumsmitarbeiterin Franziska Engemann hat Neupert in seinem Atelier besucht und schildert ihre Eindrücke im Katalog zur Ausstellung.

Das Atelier in der Gartenstraße, in dem Hans Neupert seine Werke entstehen lässt, ist vollgepackt mit Büchern und Bildern. Ein Flügel ragt darin auf: ein Ausläufer der Gebirgsketten von Bücherregalen und Schränken. Musik, Literatur und Kunst waren schon immer die Dinge, die das Leben des bald 95-Jährigen prägten. Er braucht keinen Fernseher und kein Radio. Er liest und die Zeilen regen seine Fantasie und seinen Geist an.

Es kann weiter gehen

In den Händen hält Hans Neupert ein Büchlein. Darin hat er all seine kleinen und so beliebten Ölbilder sorgfältig erfasst. Die letzten Seiten sehen erstaunlich neu aus. Sie wurden nachträglich eingeklebt. Mit einem Lächeln erklärt der Künstler, er habe gedacht, vor dem Ende des Büchleins nicht mehr malen zu können. Darin hatte er sich geirrt und das Büchlein musste erweitert werden. Auch neue Malbretter, auf denen er seine Kunst ausführt, musste er nachkaufen. Es kann weiter gehen.

Und Ideen hat er genug. Die Bücher und seine selbst zusammengestellte Kammermusik liefern genügend Stoff. Ebenso der einfache Blick aus dem Fenster und natürlich die Erinnerungen an und die wunderbaren Gespräche mit lieben Menschen und Freunden.

Hans Neupert (*1920) widmete sich in über 40 Arbeitsjahren, gemeinsam mit seiner Frau Luise (1926–2009), der angewandten Kunst und Gebrauchsgraphik.

Für ihre Heimatstadt Schmölln und die ganze Region wurden Luise und Hans Neupert zur kulturellen Institution. Während sich Luise Neupert mit filigranen Scherenschnitten einen künstlerischen Namen machte, widmet sich Hans Neupert der Malerei.

Von DEDERON zu Musen und Nymphen

Bereits 1963 führte ein Spezialauftrag der DDR-Chemieindustrie die Neuperts zur intensiveren Beschäftigung mit diesem Genre. Zunächst in Tempera, später in Öl entstanden Miniaturmalereien, die als Jahresgabe für ausländische Kunden dienen sollten. Hier bekommt der Betrachter bereits eine Ahnung davon, was sich später an Kreativität in aktuell 1052 im Werkverzeichnis erfassten Ölbildern niederschlagen wird. Im Jahrbuch „Alles was wir lieben, mit DEDERON durch das Jahr“, einem Katalog aus dieser Zeit, werden Texte illustriert (oder umgekehrt), wobei schöne Frauen, Musiker oder Fabelwesen die Szenerie bevölkern. Die Bildtitel wirken heute wie ein vorweggenommenes künstlerisches Programm: „Ich liebe die Frauen, ich liebe die Musik, ich liebe die Abwechslung“.

Die Malschichten der kleinformatigen, etwa 250 x 350 mm großen Gemälde werden auf Holz aufgetragen. Sodann montiert der Künstler die eigentlichen Bilder auf eine in Weiß gehaltene Trägerplatte und umrahmt sie mit einer goldenen Leiste. Die Sujets fantasievoll, romantisch, philosophisch bisweilen provozierend frech gemalt und von tiefer Farbigkeit geprägt, bilden in ihrer Unverwechselbarkeit bis heute den Stil Hans Neuperts.

KatalogCoverHNDie Ausstellung zeigt bis 2. August 2015 eine Auswahl von Bildern, die erst in den letzten Jahren entstanden sind. Den Katalog „Mal sehen wohin es geht oder zwischen den Zeiten- Hans Neupert – Hommage zum 95.“ kann man für 9 Euro über das Museum bestellen.

Von Marlene Hofmann & Franziska Engemann / Museum Burg Posterstein

Wer besaß ein chinesisches Badehaus?

Rittergut Untschen (c) Museum Burg Posterstein
Rittergut Untschen (c) Museum Burg Posterstein

Das Rittergut Untschen befand sich im 18. Jahrhundert in Besitz des Ministers Hans Wilhelm von Thümmel, der sich u. a. durch die Gründung der Kammerleihbank, die Förderung des Straßenbaus und die allgemeine Landvermessung im Herzogtum Sachsen-Gotha und Altenburg Verdienste erworben hatte. Den Untschener Gasthof „Zum goldenen Drachen“ ließ der Thümmel im Jahr 1798 einrichten, obwohl dies im Widerspruch zum Schmöllner Recht der Bannmeile stand. Südlich der Straße lag in einem mit Hopfenanpflanzungen versehenen Garten das Brauhaus. Zum Rittergut gehörten mehrere Teiche. Schöngeist Thümmel verfolgte in Untschen zudem ein Projekt zur Scheitholzflößerei. In der Nähe des Floßteiches an der Mühle ließ er im Jahr 1796 ein „Chinesisches Badehauß“, auch als „Untschner Tempelbau“ bezeichnet, errichten.

Das im 12. Jahrhundert erstmalig erwähnte Rittergut wurde 1945 im Zuge der Bodenreform enteignet. In den Folgejahren fielen ein großes Wirtschaftsgebäude an der Nordseite (1945) sowie die Brauerei und die Ziegelei (1960er Jahre) dem Abriss zum Opfer. Das ehemalige Verwaltergebäude war noch in den 1980er ein Gasthof, ein ehemaliger Pferdestall beherbergt heute einen Laden.

Eine interaktive Karte über die Rittergüter im Altenburger Land finden Sie hier: http://tiny.cc/o27p6.

Lesen Sie mehr über die Rittergüter des Altenburger Landes in unseren Publikationen, die Museum gekauft oder per Mail an info@burg-posterstein.de bestellt werden können:

Das alte Schloss sehn wir noch heut…
Aus der Geschichte der Rittergüter im Altenburger Land (Teil II)
© Museum Burg Posterstein 2010

…Und nachmittags fuhren wir nach Nöbdenitz segeln!
Rittergüter im Altenburger Land und ihre Gärten
© Museum Burg Posterstein 2007

Text: Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein