Die Pechblende: Eine Untergrundschrift über den Uranbergbau und seine Folgen

Wer kennt den Namen Michael Beleites? In der DDR kannten ihn die wenigsten. Dafür war er der Stasi wohlbekannt und gehörte zu ihren größten Feinden. Dies ist Teil 4 unserer mitwachsenden, digitalen Begleitausstellung “Landschaft nach der Wismut” gilt dieser Uranbergbau-Geschichte.

Löbichau, Schacht Drosen, 1990er Jahre ©Foto, Jens-Paul Taubert, Altenburg
Löbichau, Schacht Drosen, 1990er Jahre ©Foto, Jens-Paul Taubert, Altenburg

Im Museum Burg Posterstein begegnete der Name Michael Beleites samt einer provisorisch kopierten Schrift Ende 1988. Die DDR lebte noch und schwelgte im Bewusstsein immerwährender Macht und Überlegenheit über den Kapitalismus.

Plötzlich stellten wir Fragen

Derweil hatten sich kirchliche Gruppen aufgemacht, Missstände aufzudecken und Informationen über Umweltschäden in der DDR zu verbreiten. Und eine dieser Informationsschriften kam von Michael Beleites, der sich in der „Pechblende“ mit den Umweltsünden der Wismut auseinandersetzte. Über Mitglieder des Kirchenkreises Ronneburg erhielten also auch wir die Schrift. Selbstverständlich ganz heimlich und mit der Aufforderung zur sofortigen Rückgabe nach dem Lesen. Das taten wir natürlich auch, aber vor allem dachten wir von nun an viel gründlicher nach: Was ist mit unserem Wasser, was mit dem Teich, in dem so viele Fische schwimmen, mit den Pilzen im Wald? Wie wirkt der ganze Dreck auf den Straßen? Warum sterben so viele Wismut-Bergleute an Krebs? Was macht es mit unseren Kindern, wenn Grundwasser möglicherweise verseucht ist und das nahegelegene Flüsschen Sprotte auch Abwässer des Uranbergbaus ableitete?

Plötzlich sollte auch noch im Tal der Sprotte zwischen Posterstein und Nöbdenitz eine Mülldeponie im Landschaftsschutzgebiet entstehen, obwohl in die geschlossenen Tagebaue der Wismut (und auch in die Tagebaue des Braunkohlebergbaus) offenbar täglich Züge mit Müll aus dem Westen rollten. Glücklicherweise wurde das verhindert.

Die Wende kam dazwischen. Doch die Spuren des Uranbergbaus gibt es bis heute, obwohl die Bundesrepublik Deutschland inzwischen viele Milliarden in die Sanierung gesteckt hat.

Tagebau Lichtenberg ©Fotomontage Wismut GmbH 1991
Tagebau Lichtenberg ©Fotomontage Wismut GmbH 1991

1954 übernahm die neu gegründete Sowjetisch-Deutsche Aktiengesellschaft Wismut (SDAG) den Vorgängerbetrieb. Sie blieb bis 1991 zu 50 Prozent Eigentum der UdSSR. Die Grundlagen dafür hatte man in einem Regierungsabkommen zwischen der UdSSR und der DDR 1953 gelegt. Dieser Vertrag wurde 1962 erneuert und 1975 bis zum Jahr 2000 (!) verlängert.

Die Geschichte der Wismut beschreiben wir ausführlich im 3. Teil dieser Reihe.

Die Wismut entwickelte sich zu einem “Staat im Staat”

Die Wismut entwickelte sich im Lauf der Zeit zunehmend zu einem Staat im Staat, mit eigenem Sicherheitsdienst. Die Bergbaugebiete waren für Außenstehende (Nicht-Bergleute) hermetisch abgeriegelt und nicht betretbar, Fotografieren war verboten.

Löbichau mit Förderturm des Schachtes Drosen, in unmittelbarer Nähe des Ortes, nur wenige hundert Meter vom Schloss entfernt.
©Foto Hans Neupert, 1989
Löbichau mit Förderturm des Schachtes Drosen, in unmittelbarer Nähe des Ortes, nur wenige hundert Meter vom Schloss entfernt. ©Foto Hans Neupert, 1989

Die Bergarbeiter wurden mit Sondervergünstigungen, Spitzenlöhnen und politischer Indoktrination an die Betriebe gebunden. Über die Verwendung des Urans, vor allem über die gesundheitlichen Risiken für die Beschäftigten und Anwohner der Wismut sowie über die Umweltschäden wurde geschwiegen.

Nach der Katastrophe von Tschernobyl im Jahr 1986 verbreitete sich überall in Deutschland und Europa die Angst, dass radioaktive Belastungen in der Umwelt zu Gesundheitsschäden führen könnten. In der DDR war das weiterhin kein Thema und Informationen darüber nicht öffentlich zugänglich. So blieben auch die Wismut und der Uranbergbau bis zum Ende der DDR ein Tabuthema, über dessen Umweltbilanz geschwiegen wurde.

Zu sehen aber waren die Ausmaße des Bergbaus für jeden an der zerklüfteten Landschaft, den aufgeschütteten Kegel- und anderen Halden, den Bergwerken, die manchmal bis an die Ortschaften heranreichten und den Bohrtürmen auf den Feldern. Aber über die Möglichkeit, dass von dieser Industrie eine radioaktive Gefahr ausging, wurde die Bevölkerung im Unklaren gelassen. Kritische Fragen zur Problematik wurden meist nicht öffentlich gestellt, gleich gar nicht von den Zuständigen beantwortet oder riefen sofort die Staatssicherheit auf den Plan.

Löbichau, Schacht Drosen, 1990er Jahre ©Foto, Jens-Paul Taubert, Altenburg
Löbichau, Schacht Drosen, 1990er Jahre ©Foto, Jens-Paul Taubert, Altenburg

Unter diesen Bedingungen gründete Michael Beleites, der damalige Präparator am Naturkundemuseum Gera, 1986 eine Umweltgruppe unter dem Dach des Kulturbundes der DDR, um die Thematik zu erforschen. (1)  Es wurde jedoch schnell klar, dass dies ein aussichtsloses Unterfangen war, weil von Anfang an die Staatssicherheit die Aktivitäten kritisch beäugte. Gleiches schreibt beispielsweise auch die damalige Direktorin des Museums in der 1993 erschienenen Publikation zu den Altlasten der Wismut:

„Das vorliegende Jubiläumsheft nimmt sich eines besonders sensiblen Themas der Ostthüringer Region an, der ‚der Altlasten des Uranbergbaus‘. Da dem Museum in der ‚Vorwende-Zeit‘ weder Veröffentlichungen Wismut-relevanter Umweltthemen in der Schriftenreihe noch eine Dauerausstellung der Bodenschätze um Ronneburg in der seit 1984 bestehenden Dauerausstellung erlaubt waren,…“. (2)

Aus der Publikation: Die Altlasten des Uranbergbaus und der Uranerzaufbereitung, Veröffentlichungen des Naturkundemuseums der Stadt Gera, Heft 20, 1993

Beleites entschloss sich deshalb ab 1987 private Recherchen im kirchlichen Rahmen zu beginnen. Er lieh sich eine Videokamera von einer Berliner Umweltgruppe und begann heimlich das Gelände um die Bergbaubetriebe zu filmen. Material daraus wurde schließlich im November 1987 vom SFB in der ARD im Fernsehen gesendet.

Letztlich entstand aus dem gesammelten Material die 60seitige Schrift „Pechblende der Uranbergbau in der DDR und seine Folgen“.

Titelblatt und Inhaltsverzeichnis: „Pechblende der Uranbergbau in der DDR und seine Folgen“
Titelblatt „Pechblende der Uranbergbau in der DDR und seine Folgen“
Inhaltsverzeichnis: „Pechblende der Uranbergbau in der DDR und seine Folgen“
Inhaltsverzeichnis: „Pechblende der Uranbergbau in der DDR und seine Folgen“

Im Kreis der kirchlichen Friedens- und Umweltbewegung versammelten sich seit Anfang der 1970er Jahre Kritiker dieser SED-Geheimhaltungspolitik. Diese Organisation ermöglichte 1988 die (illegale) Veröffentlichung der Untergrundschrift „Pechblende der Uranbergbau in der DDR und seine Folgen“, von Michael Beleites, herausgegeben vom Kirchlichen Forschungskreis Wittenberg und dem Arbeitskreis „Ärzte für den Frieden – Berlin, beim Landespfarrer für Krankenseelsorge der Evangelischen Kirche Berlin- Brandenburg, in einer Auflage von 1000 Exemplaren, die alle per Hand verteilt werden mussten. (4)

Michael Beleites selbst zieht 30 Jahre später in einem Vortrag in der Stadt und Regionalbibliothek Gera Bilanz: „Als im Juni 1988 die im Selbstdruck hergestellte Untergrundschrift „Pechblende“ fertiggestellt war, glich ihr „Erscheinen“ einer Sensation: Eine 40-jährige Geheimhaltung zu den Hintergründen des gigantischen sowjetisch-deutschen Uranbergbauprojekts „Wismut“ wurde gebrochen. Nicht von staatlicher Seite, nicht von den westlichen Medien – sondern von einer kleinen kirchlichen Umweltinitiative in der DDR; recherchiert, geschrieben und gedruckt von einem damals 23-jährigen Autor aus Gera.“

Hier geht es zum ganzen Text des Vortrages.

Anmerkung

Dieser Beitrag beansprucht keine Vollständigkeit, sondern versteht sich als kurze Einführung in eine umfangreiche und komplizierte Thematik. Links und Literaturangaben sollen helfen, das Thema zu vertiefen. Viele Informationen dazu bietet beispielsweise der kirchliche Umweltkreis Ronneburg, der aus der DDR Bürgerrechtsbewegung hervorgegangen ist.  Darüber hinaus kann man sich ausführlich im Stasi-Unterlagen-Archiv Gera informieren.

Zusammengefasst von Sabine und Klaus Hofmann, April 2020


Weiterführende Informationen zur Thematik:

URANATLAS, Daten und Fakten über den Rohstoff des Atomzeitalters:
Die Altlast der Wismut, Uranbergbau in Sachsen und Thüringen: Fast vergessen, mit Milliardenaufwand saniert, aber immer noch ein Problem, Seite 30/31

Der URANATLAS ist ein Kooperationsprojekt und wird gemeinsam von Le Monde diplomatique, der Nuclear Free Future Foundation, der Rosa-Luxemburg-Stiftung sowie dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland herausgegeben. 1. Auflage: September 2019

Hier geht’s zum Download

Literatur und Quellen:

(1)
Beleites, Michael: Untergrund. Ein Konflikt mit der Stasi in der Uranprovinz, Berlin, 1992, S.75f.

(2)
Die Altlasten des Uranbergbaus und der Uranerzaufbereitung, Veröffentlichungen des Naturkundemuseums der Stadt Gera, Heft 20, 1993

(3)
Beleites Michael: Altlast Wismut, Ausnahmezustand, Umweltkatastrophe und das Sanierungsproblem im deutschen Uranbergbau, Frankfurt/M 1992

Internet:

(4)
http://www.michael-beleites.de/

http://www.thla-thueringen.de/index.php/978-als-download-verfuegbar-vortrag-von-michael-beleites-zum-thema-pechblende-uranbergbau-in-der-ddr-und-seine-folgen

http://www.thla-thueringen.de/images/Vortrag_ThLA_Michael_Beleites_30_Jahre_Pechblende_Web.pdf

EINHEIT-liches Deutschland, Pressefotografie im Altenburger Land 1990-2005, Museum Burg Posterstein, 2005

Interessante Fotos zur Wismut sind auch in unserer Museumspublikation zu finden:

EINHEIT-liches Deutschland, Pressefotografie im Altenburger Land 1990-2005, Museum Burg Posterstein, 2005

Fotografien von Jan-Peter Kasper, Knut Lechner, Klaus Peschel, Jens Paul Taubert, Wolfgang Wukasch, 68 Seiten, mit s/w Fotos und einer Foto-CD mit 250 Abb. 10,00 Euro

Der Uranbergbau in Sachsen und Thüringen

Bereits im 17. Jahrhundert wusste man von radiumhaltigen Quellen in Ronneburg in Thüringen. Nach dem 2. Weltkrieg begann die damalige UdSSR mit dem systematischen Abbau von Uranerz. In Thüringen und Sachsen entstand so eines der weltweit größten Uranerzabbaugebiete. – Teil 3 unserer mitwachsenden, digitalen Begleitausstellung “Landschaft nach der Wismut” gilt dieser Uranbergbau-Geschichte.

Die deutschen Chemiker Otto Hahn, Fritz Straßmann und Lise Meitner führten 1938 erstmals eine experimentelle Uran-Kernspaltung durch. Dabei stellten sie fest, dass dabei eine 2,5 Millionen Mal größere Energiemenge, als bei der Verbrennung von Steinkohle freigesetzt wird. Die Erkenntnis legte den Grundstein zur militärischen und zivilen Nutzung der Kernenergie.

Mit den Atombombenabwürfen auf Hiroshima und Nagasaki am 6. und 9. August 1945 begann ein beispielloses nukleares Wettrüsten zwischen den USA und den NATO-Staaten einerseits und den, von der UdSSR geführten, Ostblockstaaten andererseits. Diese atomare Bedrohung der Menschheit charakterisierte den Zeitraum des „Kalten Krieges“.

Blick auf die Kegelhalden Paitzdorf und Reust bei Raitzhain, 1996
©Foto, Jens-Paul Taubert, Altenburg
Blick auf die Kegelhalden Paitzdorf und Reust bei Raitzhain, 1996
©Foto, Jens-Paul Taubert, Altenburg

Im Herbst 1945 stießen sowjetische Geologen in sächsischen Archiven auf Uranerzlagerstätten

Der Mangel an eigenen Uranvorkommen führte dazu, dass sowjetische Geologen im Herbst 1945 in Deutschland mit der Auswertung historischer Archivunterlagen des sächsischen Erzbergbaus und ersten Erkundungsarbeiten nach Uranerzlagerstätten begannen. Bereits ein Jahr später förderte man unter der Leitung der Sowjetarmee erstes Uranerz aus alten Halden, Stollen und Schächten der Sachsenerz-Bergwerke AG.

1947 wurden die Bergwerksunternehmen der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) in die Staatliche Aktiengesellschaft der Buntmetallindustrie Wismut (SABM) überführt. Damit beglich man Teile der Reparationsansprüche der UdSSR aus dem Zweiten Weltkrieg.

Arbeitskräfte aus der gesamten DDR zwangsverpflichtet

Bis 1954 war die SABM bedingungslos auf Produktion ausgerichtet: Arbeitskräfte aus der gesamten DDR wurden zwangsverpflichtet, Ländereien zwangsverkauft und in Sperrzonen verwandelt sowie ganze Ortschaften devastiert. Unter dem Tarnnamen „Wismut“ entwickelte sich der Betrieb zu einem Staat im Staat, mit eigenem Sicherheitsdienst. 1954 übernahm schließlich die neu gegründete Sowjetisch-Deutsche Aktiengesellschaft Wismut (SDAG) die SABM. Sie blieb bis 1991 zu 50 Prozent Eigentum der UdSSR. Die Grundlagen dafür hatte man 1953 in einem Regierungsabkommen zwischen der UdSSR und der DDR gelegt.

Mit den Jahren verbesserten sich die Arbeitsbedingungen der Kumpel. So gab es beispielsweise ein eigenes Gesundheitssystem mit Krankenhäusern, auch wurden Arbeitsschutzstandards eingeführt. Darüber band man die Bergleute mit Sondervergünstigungen, Spitzenlöhnen und politischer Indoktrination an die Betriebe. Die Teilnahme an sogenannten Parteilehrjahren der SED war obligatorisch. Schnaps-Marken gehörten zur Lohntüte, eigene Läden, Autobestellscheine und Bevorzugung bei der Wohnungsvergabe sollen ebenfalls als Beispiel genannt werden.

Anzahl der Beschäftigten der SDAG Wismut

Bis 31. Dezember 1990 förderte die SDAG Wismut über 200.000 Tonnen Uran für das sowjetische Atomprogramm. Dass die „Wismut“, nach den USA und Kanada, einer der größten Uranproduzenten weltweit war, belegen auch die Zahlen der Beschäftigten:

1947: ca. 51.000
1950: 129.640
1955: 104.466
1960: 51.507
1965: 44.665
1970: 45.121
1975: 44.800
1980: 45.372
1985: 46.052
1990: 32.044

Bahnhof Raitzhain, im Hintergrund die Halden Paitzdorf, 1996
©Foto, Jens-Paul Taubert, Altenburg
Bahnhof Raitzhain, im Hintergrund die Halden Paitzdorf, 1996
©Foto, Jens-Paul Taubert, Altenburg

Am 1972 auf der grünen Wiese errichteten Umsteigebahnhof Raitzhain hielten Doppelstockzüge, die bis 1000 Bergleute befördern konnten. Bis 1980 wurde neben Diesellokomotiven auch noch eine Dampflok auf den Strecken eingesetzt.

Gesundheits- und Umweltschäden wurden verschwiegen

Über die Verwendung des Urans, die Umweltschäden und vor allem über die gesundheitlichen Risiken für die Beschäftigten und Anwohner der „Wismut“ sowie generell für die Bevölkerung der Region wurde geschwiegen. Bezeichnend dafür ist, dass der Betrieb nie unter der Aufsicht des Staatlichen Amtes für Atomsicherheit und Strahlenschutz stand.

1990 endete mit der deutschen Wiedervereinigung 40 Jahre Uranabbau in Thüringen und Sachsen.

Die geologischen Bedingungen

Die Uranlagerstätten Sachsens und Thüringens gehörten, wie die tschechischen Lagerstätten, zum zentralen Teil der westeuropäischen Uranprovinz. Sie sind an variszische, d.h. in der Karbonzeit gefaltete Gesteine des Grundgebirges, oder jüngere Sedimentgesteine des postvariszischen Tafelgebirges gebunden.

Die mit Abstand bedeutendsten geologischen Typen von Uranvorkommen waren die Lagerstätten in Ronneburg und die Ganglagerstätten im Erzgebirge. Aus ihnen gewann die speziell für den Uranbergbau gegründete Sowjetisch-Deutsche Aktiengesellschaft Wismut 86 Prozent ihrer Uranfördermenge.

Die Förderung der Erze erfolgte zum Teil im Tagebau, überwiegend jedoch im Untertagebergbau.

Tagebau Lichtenberg bei Ronneburg, Fotomontage ©Wismut GmbH, 1991
Tagebau Lichtenberg bei Ronneburg, Fotomontage ©Wismut GmbH, 1991

Die SDAG Wismut baute fünf geologische Typen von Uranlagerstätten ab:

  • linsen- und stockwerkartige Lagerstätten in paläozoischen Schiefern, Kalksteinen und Diabasen (Typ „Ronneburg“)
  • hydrothermale Ganglagerstätten (Typ „Schlema“)
  • Sandsteinlagerstätten der Kreide (Typ „Königstein“)
  • flözartige Lagerstätten in kalkig-tonigen Sedimenten des Zechsteins (Typ „Culmitzsch“)
  • uranhaltige Steinkohlenflöze des Rotliegenden (Typ „Freital“)

In der Ganglagerstätte Schlema wurde der Abbau bis in eine Schachtsohle von 1.800 Metern geführt. Anfangs wurde reiches Stückerz in die Sowjetunion transportiert. Später musste man die Erze in Aufbereitungsanlagen zu Urankonzentraten verarbeiten. Zu den bedeutendsten Betrieben dieser Art gehörten Seelingstädt und Crossen. Hier wendete man zunächst mechanische Trennverfahren an, die später durch eine chemische Laugung der Erze ersetzt wurden.

Absetzanlage Culmitzsch, 1991 ©Foto: Jan-Peter Kasper
Absetzanlage Culmitzsch, 1991 ©Foto: Jan-Peter Kasper

1967 erreichte die Uran-Produktion mit 7.100 Tonnen Uran ihren Höhepunkt, bis 1990 ging sie auf ca. 3.000 Tonnen zurück. Im Zuge der Wismut-Sanierung verließ der letzte Container mit Yellow Cake (erste Anreicherungsstufe des Uranerzes) am 28. Oktober 1998 den Wismut-Betrieb in Seelingstädt.

Fässer mit hochkonzentriertem Natur-Uran, Aufbereitungsanlage Seelingstädt, 1992 ©Foto: Jan-Peter Kasper
Fässer mit hochkonzentriertem Natur-Uran, Aufbereitungsanlage Seelingstädt, 1992 ©Foto: Jan-Peter Kasper

In Königstein in Sachsen wird sanierungsbedingt jährlich noch Natur-Uran gefördert und verkauft.

Bergbau Zeitgeschichte im Ronneburger Revier

Bergbaugebiet Schmirchau, Tagebau Lichtenberg, Kegelhalden Paitzdorf und Reust im Hintergrund. ©Fotomontage, Wismut GmbH 1991
Bergbaugebiet Schmirchau, Tagebau Lichtenberg, Kegelhalden Paitzdorf und Reust im Hintergrund. ©Fotomontage, Wismut GmbH 1991

Eine kurze Chronologie

1948
Erkundungsschürfen im Seelingstädter Revier

1950
Entdecken der Lagerstätten Ronneburg im Dorf Schmirchau

1950–1955
Aufschluss der Grubenfelder der Bergwerke Schmirchau, Lichtenberg und Reust

1952
Aufschluss des Tagebaus Ronneburg

1954
Beginn der Aufschlussarbeiten für das Grubenfeld des Bergwerkes Paitzdorf

1955
Aufschluss des Tagebaus Stolzenberg

1958
Aufschluss des Tagebaus Lichtenberg, Untertage-Bergwerk Schmirchau

1960
Errichtung des Uranerzaufbereitungsbetriebes Seelingstädt

1961
Aufschluss des Grubenfeldes Ronneburg-Nord im Bergwerk Paitzdorf

ab 1969
Aufschluss der Grubenfelder Raitzhain und Beerwalde

ab 1974
Aufschluss der Lagerstätte im Bergwerk Drosen

1982
Beginn des Abbaus im Bergwerk Drosen

Weitere Informationen zur Geschichte finden Sie dazu auch auf der Webseite der Wismut GmbH.

Tagebau Stolzenberg, nähe Autobahnabfahrt A 4, Ronneburg, 1960er Jahre
©Foto Ernst Bräunlich, Archiv Museum Burg Posterstein
Tagebau Stolzenberg, nähe Autobahnabfahrt A 4, Ronneburg, 1960er Jahre
©Foto Ernst Bräunlich, Archiv Museum Burg Posterstein

Siehe auch: Geschichte der Wismut-Altstandorte – Videofilm Wismut GmbH

Schloss Löbichau, im Hintergrund links sieht man den Förderturm des Schachtes Drosen.
©Foto Hans Neupert, 1989
Schloss Löbichau, im Hintergrund links sieht man den Förderturm des Schachtes Drosen.
©Foto Hans Neupert, 1989
Löbichau, mit Förderturm des Schachtes Drosen. Der Schacht reichte unmittelbar an den Ort heran.
©Foto Hans Neupert, 1989
Löbichau, mit Förderturm des Schachtes Drosen. Der Schacht reichte unmittelbar an den Ort heran.
©Foto Hans Neupert, 1989
Löbichau, Schacht Drosen, 1990er Jahre
©Foto, Jens-Paul Taubert, Altenburg
Löbichau, Schacht Drosen, 1990er Jahre
©Foto, Jens-Paul Taubert, Altenburg

1991 übernimmt die Bundesrepublik Deutschland den sowjetischen Anteil der SDAG Wismut und überführt den gesamten Betrieb in das Sanierungsunternehmen Wismut GmbH.

©Foto 1996, Jens-Paul Taubert, Altenburg
©Foto 1996, Jens-Paul Taubert, Altenburg

Dieses Thema wird in einem der nächsten Teile der digitalen Begleitausstellung “Landschaft nach der Wismut” behandelt.

Text & Recherche: Klaus Hofmann / Museum Burg Posterstein


Weiterführende Informationen zur Thematik:

URANATLAS, Daten und Fakten über den Rohstoff des Atomzeitalters: Die Altlast der Wismut, Uranbergbau in Sachsen und Thüringen: Fast vergessen, mit Milliardenaufwand saniert, aber immer noch ein Problem, Seite 30/31
Der URANATLAS ist ein Kooperationsprojekt und wird gemeinsam von Le Monde diplomatique, der Nuclear Free Future Foundation, der Rosa-Luxemburg-Stiftung sowie dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland herausgegeben. 1. Auflage: September 2019
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