Eine Ausstellung voller Überraschungen – und wozu Druckfehler gut sein können

Ein Holzschnitt aus der in Posterstein gezeigten Biblia Latina Vulgata von 1519, die zur MuseumWeek Aufsehen erweckte.
Ein Holzschnitt aus der in Posterstein gezeigten Biblia Latina Vulgata von 1519, die zur MuseumWeek Aufsehen erweckte.

Das 500. Jubiläum der Reformation ist in diesem Jahr allgegenwärtig. Zu diesem Anlass zeigt auch das Museum Burg Posterstein bis 31. Dezember 2017 eine kleine Kabinettausstellung „Das besondere Exponat zur Reformation: Kostbare Bibeln und das Rollbild “Der Leipziger Festzug zur Reformationsfeier 1830”“. Im Zuge der #MuseumWeek stellte die Burg bereits die kleine, aber feine Sammlung an Bibeln vor, die den Besuchern in den Räumen der ständigen Ausstellung gezeigt werden. Dieser Blogpost führte letztlich zu neuen Erkenntnissen!

Das besondere Exponat der Ausstellung ist ein Rollbild aus der Hand des Leipziger Künstlers Christian Gottfried Heinrich Geißlers (1770-1844). Auf 32 kolorierten Radierungen, die miteinander verklebt und auf einem Holzzylinder aufgerollt wurden, zeigt der Künstler den Festtagsumzug der Stadt Leipzig zum Jubiläum der Confessio Augustana im Jahr 1830.

Länger als gedacht: Das Rollbild von Heinrich Geißler zum Leipziger Festzug zur Reformationsfeier von 1830 aus dem Bestand des Museums Burg Posterstein.
Länger als gedacht: Das Rollbild von Heinrich Geißler zum Leipziger Festzug zur Reformationsfeier von 1830 aus dem Bestand des Museums Burg Posterstein.

Die erste Überraschung: Ein Rollbild, das länger war als gedacht

Um den Besuchern das gesamte Exponat zeigen zu können, wurde das Rollbild im Vorfeld der Ausstellung digitalisiert und kann nun auf einem kleinen Bildschirm in der Ausstellung in Gänze bestaunt werden. Im Zuge dieser Arbeit erlebten wir die erste Überraschung. Das Rollbild, von dem einige Exemplare aus anderen Häusern wie dem Stadtgeschichtlichen Museum Leipzig bekannt sind, wurde bis dato mit einer Gesamtlänge von zehn Metern betitelt. Es stellte sich schnell heraus, dass diese Maße nicht mit dem Postersteiner Exemplar übereinstimmen konnten. Eine Messung ergab schließlich eine Länge von rund 18 Metern – es hat sozusagen fast die doppelte Größe als zuvor angenommen.

Museumsdirektor Klaus Hofmann mit Uwe Buchheim und dessen Schenkung.
Museumsdirektor Klaus Hofmann mit Uwe Buchheim und dessen Schenkung.

Die zweite Überraschung: Ein Geschenk zur Ausstellungseröffnung

Zur Ausstellungseröffnung am Internationalen Museumstag schenkte der Sammler Uwe Buchheim, der einige seiner seltenen Bibeln für die Sonderschau zur Verfügung stellt, dem Museum Burg Posterstein ein Aquarell des Malers Ernst Welker (1784/88–1857). Welker kam 1819 und 1820 als Zeichenlehrer mit Wilhelmine von Sagan an den Musenhof der Herzogin von Kurland nach Löbichau. Bereits 2015 konnte das Museum Burg Posterstein in der Sonderausstellung „Salongeschichten: Paris – Löbichau – Wien“ eine einmalige Sammlung an Zeichnungen präsentierten, die Welker und Emilie von Binzer, die Ziehtochter Wilhelmine von Sagans, in Löbichau anfertigten. Dargestellt sind die Gäste des Musenhofs in karikativer Art und mit witzigen Sprüchen versehen. Das Aquarell, das Uwe Buchheim dem Museum zum Internationalen Museumstag überreichte, fügt sich somit wunderbar in die Sammlung des Museums. Genaue Infos gibt es hier.

Überraschung Nummer Drei: Neue Erkenntnisse durch die #MuseumWeek

Unter dem Hashtag #BooksMW veröffentlichte das Museum einen Blogbeitrag zur Kabinettausstellung und zu zwei ganz besonderen Bibeln der kleinen Sonderschau. Dabei handelt es sich zum einen um eine Altenburger Bibel aus dem Jahr 1676. Zum anderen um eine Biblia Latina Vulgata aus dem Jahr 1519. Letztere stammt aus Lyon und weist eine starke Ähnlichkeit mit einer Bibelausgabe auf, die sich im Besitz der Württembergischen Landesbibliothek Stuttgart befindet. Texttypus und Holzschnitte stimmen überein. Da dem Postersteiner Exemplar aber kein Deckblatt erhalten geblieben ist, konnten keine genauen Angaben gemacht werden. Doch es folgte die Überraschung! Über die #MuseumWeek auf den Blog aufmerksam geworden, meldeten sich die Experten des Bibelmuseums der Universität Münster bei uns.

Auf einer der letzten Seiten ist dem Drucker ein Fehler unterlaufen - auf diesem Bild sieht man die entsprechende Seite aus dem Postersteiner Exemplar.
Auf einer der letzten Seiten ist dem Drucker ein Fehler unterlaufen – auf diesem Bild sieht man die entsprechende Seite aus dem Postersteiner Exemplar.

Der Teufel steckt im Detail – Von Druckfehlern und neuen Erkenntnissen

Dr. Jan Graefe, Leiter des Bibelmuseums in Münster, bemerkte den Blogbeitrag der Burg Posterstein und wandte sich mit einer interessanten Anfrage an das Museum. Im Bestand des Bibelmuseums befindet sich eine Mareschal-Bibel, die ebenfalls aus Lyon stammt. Das Exemplar aus Münster wurde im Jahr 1514 gedruckt. Das Titelblatt fehlt, aber das Werk weist einen erstaunlichen Fehler auf. Auf einer der letzten Seiten ist zu lesen: „[…] in officina Jacobi marechal […] Anno d[omi]ni decimo quarto supra millesium Duodecimo Kalendas Aprilis.“ Mit anderen Worten: Die Bibel wurde von Jacobus Mareschal am 21. März 1014 gedruckt. Ein kleiner Fehler im Latein des Druckers löscht hier spontan 500 Jahre Geschichte aus.

Dr. Graefe fragte an, ob die Biblia Latina Vulgata, die zurzeit in Posterstein gezeigt wird, ebenfalls eine Mareschal-Bibel ist und ob sich dieser Druckfehler von 1514 auch in der Ausgabe von 1519 fände oder im Laufe der Jahre korrigiert worden ist.

Die in Posterstein ausgestellte Biblia Latina Vulgata aus dem Jahr 1519.
Die in Posterstein ausgestellte Biblia Latina Vulgata aus dem Jahr 1519.

Mit diesem Hinweis konnte das Museum folgende Entdeckung machen: Es handelt sich bei der in Posterstein ausgestellten Bibel tatsächlich um eine Mareschal-Bibel aus dem Jahr 1519. Der Vergleich mit dem Digitalisat der Württembergischen Landesbibliothek ergab, dass das Stuttgarter Exemplar und das Postersteiner aus derselben Zeit stammen: vom 16. Oktober („Decimoseptimo Kalendas Novembris“) 1519. Der kuriose Druckfehler wurde bis dahin nicht korrigiert! Auch in der Postersteiner Ausgabe ist zu lesen: Anno „Decimonono supra millesium“ (1019).

Dr. Graefe klärte schließlich auf:

„In der (Erst-) Ausgabe von 1510 findet sich bezüglich des Druckjahres noch korrekt ‚quingentesimum‘. Ab der Ausgabe von 1514 findet sich der Druckfehler (bei uns und in der Stuttgarter Sammlung). Die letzte Ausgabe dieser Bibel scheint Eure Bibel von 1519 zu sein. Jacobus Mareschal d. Ä. bzw. ‚Jacobus Mareschal‘ druckt in den Folgejahren weitere lateinische Bibeln, aber anscheinend andere Ausgaben, bei denen dieser Fehler sich nicht wiederholt.“

Erst durch den Kontakt mit dem Bibelmuseum der Universität Münster konnte eindeutig geklärt werden, um was für eine Biblia Latina Vulgata es sich in Posterstein handelt. Sie konnte dadurch genau datiert und mit einem gut erforschten Exemplar verglichen werden.

Von Franziska Engemann / Museum Burg Posterstein

Ein Geschenk mit italienischem Flair für unsere „Sammlung Kurland“

Museumsdirektor Klaus Hofmann mit Uwe Buchheim und dessen Schenkung.
Museumsdirektor Klaus Hofmann mit Uwe Buchheim und dessen Schenkung.

Ganz überraschend erhielt das Museum Burg Posterstein am Internationalen Museumstag am vergangen Sonntag ein kostbares Geschenk: Ein Aquarell des Malers Ernst Welker, der 1819 und 1820 als Zeichenlehrer mit Wilhelmine von Sagan an den Musenhof Löbichau kam. Der Musenhof der schönen Herzogin Anna Dorothea von Kurland steht seit nunmehr 25 Jahren im Mittelpunkt der Forschungsarbeit des Museums Burg Posterstein. Uwe Buchheim aus Altenburg entdeckte die von Ernst Welker auf einer Italienreise gezeichnete Stadtansicht bei einer Internetauktion, kaufte sie und schenkte sie nun dem Museum. Dort wird sie in die Sammlung Kurland eingehen. Uwe Buchheim stellt darüber hinaus als privater Leihgeber dem Musem derzeit wertvolle historische Bibeln für die Ausstellung „Das besondere Exponat zur Reformation: Kostbare Bibeln und das Rollbild Der Leipziger Festzug zur Reformationsfeier 1830“ zur Vergügung und hat sich als Mitglied der Bürgerstiftung Altenburger Land schon seit vielen Jahren für das Regionalmuseum des Landkreises engagiert.

Dieses Aquarell des Malers Ernst Welker erhielt das Museum Burg Posterstein 2017 von Uwe Buchheim aus Altenburg
Dieses Aquarell des Malers Ernst Welker erhielt das Museum Burg Posterstein 2017 von Uwe Buchheim aus Altenburg

Erst 2015 präsentierte das Museum Burg Posterstein in der Ausstellung „Salongeschichten: Paris – Löbichau – Wien“ ein Konvulut an witzigen Zeichnungen, die Ernst Welker von Löbichauer Gästen angefertigt hatte. Welker porträtierte die Herzogin und ihre hohen Gäste in Tiergestalt – darunter nicht nur Anna Dorothea von Kurland selbst, sondern auch ihre Töchter und Pflegetöchter, eine Reihe kurländischer Adliger, den Gothaer Herzog August Emil Leopold, den Strafrechtler Paul Johann Anselm von Feuerbach und die Familie Theodor Körners. In einem kleinen Buch veröffentlichte das Museum 2015 die Zeichnungen zusammen mit einem historischen Abriss zum Löbichauer Salon und Biografien der Abgebildeten.

Ernst Welker – Maler mit Humor

So zeichnete Ernst Welker sich selbst (Sammlung Museum Burg Posterstein).
So zeichnete Ernst Welker sich selbst (Sammlung Museum Burg Posterstein).
Der Maler und Lützower Jäger Ernst Welker (1784/88–1857) hatte laut seiner Zeichenschülerin Emilie von Binzer, später selbst eine angesehene Schriftstellerin, „einen gewaltigen Stutzbart, der wie eine Art von Äquator sich von einem Ohr zum anderen zieht“. In einer der Karikaturen aus der Postersteiner Sammlung nahm Welker sich auch selbst auf die Schippe, indem er sich als Auster darstellte. Darunter der Spruch:

„Die Auster ist von guter Art
Das groeste an ihr ist der Bart.“

Ernst Welker, der seine Ausbildung in Weimar und Wien absolviert hatte, befand sich mehrfach auf Studienreisen in Italien. Von welcher Reise das Bild stammt, das nun neu in die Postersteiner Sammlung eingehen konnte, soll dem Museum nun Anlass zu weiterer Forschungsarbeit geben.

Mehr erfahren zu Ernst Welkers Karikaturen Löbichauer Gäste:

Gesammelte Infos auf der Website des Museum

“Ein Besuch in Löbichau, dem wir mit Spannung entgegensahen” – Teestunde auf Burg Posterstein

Sonderausstellung “Salongeschichten”: Versteckte Details entdecken

Sonderausstellung “Salongeschichten”: Was ist das eigentlich, ein Salon?

Vertrag zwischen Paris und … Posterstein: Zusammenarbeit mit Les Amis de Talleyrand

Der Herzog kommt nach Posterstein: Eröffnung der Sonderausstellung „Salongeschichten“

Wie eine Himmelsleiter mit Engeln besetzt: Kleine Reise in die Geschichte von Schloss Tannenfeld

Da steht mein Armes Ich von Stein… Salongeschichten aus dem 19. Jahrhundert auf Burg Posterstein

2015 zelebriert das Museum Burg Posterstein ein Lieblingsthema im großen Stil

Von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

Wir ziehen Zwischenbilanz: In den Osterferien 1000 Besucher aus 14 Bundesländern

Das Museum Burg Posterstein konnte in den zweiwöchigen Osterferien rund 1000 Besucher aus 14 Bundesländern begrüßen. Rund 150 Kinder und ihre Familien nahmen an insgesamt 39 österlichen Schatzsuchen teil, weitere 120 Familien lösten das gar nicht so einfache Osterrätsel. Auch in zukünftigen Schulferien planen wir Aktivitäten für die ganze Familie. Wir freuen uns über das große Interesse und über Rückmeldungen, Tipps, Lob und Kritik.

Das Burg Posterstein bietet in diesem Jahr mit Ferienprogrammen, Kinderblog und Familienausstellung ein umfangreiches Programm für Familien.
Das Burg Posterstein bietet in diesem Jahr mit Ferienprogrammen, Kinderblog und Familienausstellung ein umfangreiches Programm für Familien.

Über drei Viertel aller Osterbesucher kamen aus Thüringen und Sachsen ins Museum Burg Posterstein. Vier Prozent kamen aus Berlin, drei Prozent aus Sachsen-Anhalt und je zwei Prozent aus Baden-Württemberg, Bayern, Brandenburg und Nordrhein-Westfalen. Die restlichen Besucher verteilten sich auf die einzelnen Bundesländer und zwei europäische Länder. Von den Herkunftsstädten waren Gera, Berlin, Jena, Schmölln, Chemnitz und Altenburg (in dieser Reihenfolge) am häufigsten vertreten.

Wie feierten Ritter Ostern?

Bei erfolgreich absolvierter Schatzsuche oder Rätseljagd erhielten die Teilnehmer den Schatzsucher-Ausweis der Burggeister Posti und Stein.
Bei erfolgreich absolvierter Schatzsuche oder Rätseljagd erhielten die Teilnehmer den Schatzsucher-Ausweis der Burggeister Posti und Stein.
In den Osterferien waren die historischen Räume der Burg Posterstein nicht nur festlich geschmückt, es gab auch eine kleine Schau mit österlichen Schmuckstücken aus der Sammlung des Museums und ein umfangreiches Programm für Familien. Was ist das Osterfest? Wie feierten Ritter Ostern? Wie sah eine traditionelle Altenburger Festtracht aus? Und woher kommt der Brauch vom Osterei? Solche Fragen standen im Mittelpunkt der kindgerecht aufbereiteten 20-minütigen Schatzsuchen und einer österlichen Rätseljagd durch die Burg Posterstein. Viele Familien mit großen und kleinen Kindern ergriffen die Chance dazu. Als Belohnung gab es den Postersteiner „Schatzsucher-Ausweis“ der Burggeister Posti und Stein und eine süße Osterüberraschung. Am Ende der Osterferien konnten die Burggeister rund 200 neue „Schatzsucher“ begrüßen. 120 Familien absolvierten die österliche Rätseljagd.

Fragen stellen ausdrücklich erlaubt: Wir bereiten die Ausstellung „Kinderburg“ vor

Die Ferienprogramme des Museums mit thematisch wechselnden Schatzsuchen sind eine Vorbereitung auf die Familienausstellung „Die Kinderburg: Auf den Spuren von Rittern und Salondamen“, die am 1. Oktober 2017 öffnet. Im Museum können Kinder dem Burggespenst Posti und dem Burgdrache Stein Fragen aller Art stellen. Dafür steht im Museum eine „Helmpost“ bereit, in der seit Anfang des Jahres schon über 60 Fragen landeten. Die Kinder interessieren Themen aus dem Alltag von Rittern und Prinzessinnen. Wie wurde gebadet, wo schlief man, wie zogen Ritter ihre Rüstungen an und konnten sie damit aufs Klo gehen? Die Antworten schicken Posti und Stein den Fragestellern per Brief oder E-Mail nach Hause, eine Auswahl kann man im Kinderblog der Burg Posterstein online nachlesen und letztlich gehen die wichtigsten Themen in die Familienausstellung ein.

Von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

Historische Ansicht des Ritterguts Nöbdenitz für die Sammlung des Museums Burg Posterstein

Das Museum Burg Posterstein erhielt für seine kulturgeschichtliche Sammlung ein Ölgemälde aus den 1930/40er Jahren, das das Rittergut Nöbdenitz im damaligen Zustand zeigt.

Dieter Heine (links) übergibt das Ölgemälde aus seinem Familienbesitz an Museumsdirektor Klaus Hofmann und Museumsvereinsvorstand Dr. Gert Wolkersdörfer.
Dieter Heine (links) übergibt das Ölgemälde aus seinem Familienbesitz an Museumsdirektor Klaus Hofmann und Museumsvereinsvorstand Dr. Gert Wolkersdörfer.

Das großformatige Gemälde zeigt den idyllischen Blick auf das Nöbdenitzer Rittergut vom Teich aus gesehen. „Für das Museum ist das Bild besonders interessant, weil es eine historische Ansicht dokumentiert, die es heute so nicht mehr gibt“, freut sich Museumsdirektor Klaus Hofmann. Beispielsweise sieht man auf dem Gemälde noch den heute nicht mehr vorhandenen Balkon des Alten Schlosses (heute Sitz der Verwaltungsgenossenschaft Oberes Sprottental) und den Vorgängerbau der heutigen Kindertagesstätte Nöbdenitz.

Das Ölgemälde malte der langjährige Nöbdenitzer Landarzt Dr. med. Gerhard Hermann Nordbeck.
Das Ölgemälde malte der langjährige Nöbdenitzer Landarzt Dr. med. Gerhard Hermann Nordbeck.

Gemalt hat das Bild Dr. med. Gerhard Hermann Nordbeck (1894–1970), der bis 1954 als Landarzt in Nöbdenitz lebte. Er kam 1923 mit seiner ersten Frau Carola, geborene Eichhorn, nach Nöbdenitz und ließ um 1926/27 das Gebäude errichten, das auch heute noch die Nöbdenitzer Arztpraxis mit Wohnhaus beherbergt. Nachdem seine Frau 1945 gestorben war, heiratete Nordbeck 1950 Helga Zwiener, geschiedene Heine, die Mutter von Dieter Heine. In Absprache mit seinen Stiefgeschwistern entschied Heine sich dafür, das von Nordbeck angefertigte Gemälde dem Museum Burg Posterstein zu übergeben. Der Museumsverein Burg Posterstein dankt herzlich dafür.

Das Nöbdenitzer Schloss um 1938/40 und heute.
Das Nöbdenitzer Schloss um 1938/40 und heute.

Die vom Teehaus am Nöbdenitzer Teich (2006 vom Ortsverschönerunsgsverein Nöbdenitz rekonstruiert) gemalte Ansicht stellt eine wunderbare Ergänzung der Dauerausstellung des Museums dar, die in diesem Jahr weiter überarbeitet werden soll. Nach der Ausstellung über den Sachsen-Gotha-Altenburgischen Minister Hans Wilhelm von Thümmel (1744–1824) im vergangenen Jahr sollen auch Thümmel und Nöbdenitz einen prominenteren Platz in der Ausstellung zur europäischen Salongeschichte erhalten. Thümmel ließ auf seinem Landsitz in Nöbdenitz nicht nur einen weithin bekannten englischen Garten anlegen, sondern wählte die 1000-jährige Eiche als seine außergewöhnliche Grabstätte. Das Museum Burg Posterstein veröffentlichte 2016 die bisher umfangreichste Biografie Thümmels und bietet auf Voranmeldung Führungen zur 1000-jährigen Eiche und zum Rittergut Nöbdenitz an.

Zum Weiterlesen: Hans Wilhelm von Thümmel: Der Mann unter der 1000-jährigen Eiche

Eine Burg auf großer Messe: Museum Burg Posterstein erstmals auf der Internationalen Tourismus-Börse

Franziska Engemann vom Museum Burg Posterstein am Stand der Museumswelt auf der Internationalen Tourismus-Börse in Berlin.
Franziska Engemann vom Museum Burg Posterstein am Stand der Museumswelt auf der Internationalen Tourismus-Börse in Berlin.

Mehr als 10.000 Unternehmen aus 184 Ländern und Regionen präsentierten sich vom 8. bis 12. März 2017 auf der weltweit führenden Tourismusmesse Internationale Tourismus-Börse (ITB) in Berlin vor rund 109.000 Fachbesuchern. Das Museum Burg Posterstein und das benachbarte Lindenau-Museum Altenburg nahmen zum ersten Mal als Aussteller daran teil. Gemeinsam mit rund 120 deutschen Museen schlossen sie sich dem über 200 Quadratmeter großen Ausstellungsstand „Museumswelt“ von Museum.de an. Für alle beteiligten Museen war es ein Novum – im Blog ziehen wir eine persönliche Bilanz.

Den Fußboden der Museumswelt schmückten Bilder deutscher Museen, in die Wände waren echte Ausstellungsstücke integriert. Mitarbeiter verschiedener Museen warteten mit Flyern, Give-Aways und vielen Informationen auf. Vier zwei Meter hohe Vitrinen in der Mitte des Messestands zogen die Aufmerksamkeit der Besucher auf sich – und zwischen dem Fifa-WM-Pokal des Deutschen Fußballmuseums und der Heiligen Barbara-Statue thronten die Büste der Saloniere Anna Dorothea von Kurland und ein Ritterhelm aus dem Museum Burg Posterstein. Das bot Museumsmitarbeiterin Franziska Engemann genügend Stoff zum Gesprächseinstieg über Posterstein, das Museum und die Region.

Den Fußboden der "Museumswelt" zierten die Bilder der teilnehmenden Museen.
Den Fußboden der „Museumswelt“ zierten die Bilder der teilnehmenden Museen.

Ziel: Museen im Dreiländereck Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt touristisch sichtbar machen und vernetzen

Durch die Teilnahme an der ITB erhoffen wir uns, die Museen des Altenburger Landes touristisch sichtbar zu machen und dadurch die Region zu vertreten. Wir konnten unsere Kontakte zu anderen Museen verbessern, aber auch mit touristischen Akteuren und Anbietern ins Gespräch kommen. Auch das neue Kulturmarketingkonzept des Tourismusverbandes Altenburger Land scheint jedenfalls den Kulturtourismus mehr in den Fokus rücken zu wollen. Eine Kooperation ist angesichts knapper Kassen und großer Konkurrenz bei der überregionalen Suche nach Aufmerksamkeit und höheren Besuchszahlen mehr denn je gefragt. Das heißt, es gilt zusammenzuarbeiten zum Nutzen aller.

Ein Minister unter einer 1000-jährigen Eiche? – Sie haben doch irgendwo eine versteckte Kamera!

Gelegenheit, ins Gespräch zu kommen - der Kollege vom Schloss Friedenstein mit Zischägge, Dorothea von Kurland und Glückskeks.
Gelegenheit, ins Gespräch zu kommen – der Kollege vom Schloss Friedenstein mit Zischägge, Dorothea von Kurland und Glückskeks.
Die so genannte Zischägge, der ausgestellte Ritterhelm, weckte großes Interesse bei Kindern und Familien, die am Wochenende die Messe besuchten. Die Herzogin von Kurland, die auch in Berlin einen kulturellen Salon im kurländischen Palais (heute russische Botschaft) Unter den Linden führte, lockte das Berliner Publikum. Mit einem Internet-Radiosender kam man zunächst per Twitter und dann persönlich ins Gespräch. Die Postersteiner Give-Aways – echter Postersteiner „Staub der Jahrhunderte“ in der Tüte und Glückskeks-Anhänger mit einem Aphorismus von Hans Wilhelm von Thümmel weckten großes Aufsehen und manchmal ungläubige Nachfragen: Meinen Sie das ernst, ein Minister, der sich unter einem uralten Baum begraben lassen hat? Sie haben doch irgendwo eine versteckte Kamera. Aber nein, Thümmel gab es wirklich.

Auf der ITB gab es "Staub der Jahrhunderte" aus der Burg Posterstein in der Tüte.
Auf der ITB gab es „Staub der Jahrhunderte“ aus der Burg Posterstein in der Tüte.
Besonders überraschte Museumsmitarbeiterin Franziska Engemann, wie viele Leute die Burg Posterstein wiedererkannten oder sagten: „Da waren wir schon einmal zum Kindergeburtstag!“. Außerdem traf sie Nachfahren eines kurländischen Hofarchitekten und mögliche Nachfahren eines Postersteiner Rittergutsbesitzers. Gleichzeitig gab der gemeinsame Messestand ausreichend Gelegenheit, mit Kollegen anderer Museen ins Gespräch zu kommen.

Für das Museum Burg Posterstein ist der erste Messeauftritt auf der ITB ein Experiment. Anlass dafür gab auch, dass in Thüringen – dieses Jahr mit Thüringer TischKultur am Start – der Marketingfokus traditionell eher auf Städten und Gastronomie liegt. Die ländlichen Regionen und besonders der Thüringer Osten im Dreiländereck Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt werden kaum wahrgenommen. Ob die Teilnahme an der schön gestalteten Museumswelt nachhaltig Aufmerksamkeit wecken kann, wird sich vielleicht im Besucher-Monitoring der kommenden Monate zeigen.

Von Marlene Hofmann/Museum Burg Posterstein

Kunst des Augenblicks – ein Gastblogpost des Lindenau-Museums Altenburg

Seit Jahresbeginn hat der Winter Einzug gehalten im Altenburger Land. Das benachbarte Lindenau-Museum Altenburg liegt im schönen Altenburger Schlosspark, der gerade im Winter von den Altenburgern stark frequentiert wird. In der ganzen Winterfreude wird es manchmal auch künstlerisch: Volontärin Sophie Thorak und Museumsdirektor Dr. Roland Krischke vom Lindenau-Museum Altenburg berichten augenzwinkernd von der Kunst des Augenblicks:

Heinrich Drakes Puma schaut sich um nach dem neuen Kunstobjekt im Schlosspark.
Heinrich Drakes Puma schaut sich um nach dem neuen Kunstobjekt im Schlosspark.

Heinrich Drakes Jaguar wundert sich: Eine ominöse Schneekugel ergänzt seit Kurzem den Figurenkranz um das Lindenau-Museum. Geschaffen wurde sie von unbekannten Künstlern, die, wohl inspiriert vom ersten Schnee des neuen Jahres, die Erschaffung eines imposanten Schneemannes im Sinn hatten. Warum sie ihr Werk unvollendet ließen, konnte nicht geklärt werden. Ausgeführt wurde die unbetitelte Plastik in der Technik „Laub und Gras in Schnee“, sie misst etwa 80 cm im Durchmesser.

Das Kunstwerk wechselte inzwischen seinen Platz im Figurenensemble um das Museum und befindet sich nun am Eingangstor.
Das Kunstwerk wechselte inzwischen seinen Platz im Figurenensemble um das Museum und befindet sich nun am Eingangstor.
Ruhe und Balance ihrer Erscheinung kontrastieren spannungsvoll mit der kraftvollen Formung. Offenbar boten die natürlichen Ressourcen des Altenburger Schlossparks den Künstlern die Anregung zu diesem Werk. So entstand es in der spielerischen Auseinandersetzung mit den vorgefundenen Materialien. Auch freizeitliche Aspekte dürften im schöpferischen Prozess eine Rolle gespielt haben.

Es darf bezweifelt werden, dass das Werk von Dauer ist. Doch liegt wohl gerade darin eine Absicht der Künstler. Die Kugel – schon für Platon Abbild der Vollkommenheit – als Werk des flüchtigen Augenblicks. Ein Memento Mori der besonderen Art.

Update vom 17. Janaur 2017: Inzwischen befindet sich die Kugel offensichtlich am Fußgängereingang des Museums, was darauf hindeutet, dass es sich anscheinend nicht um eine ortsgebundene Arbeit handelt.

Von Sophie Thorak und Dr. Roland Krischke / Lindenau-Museum Altenburg

Bildung und Vermittlung – online und analog

Kulturvermittelung muss nicht nur vor Ort im Museum stattfinden - die Website ist eine wichtige Basis für weitergehende Informationen.
Kulturvermittelung muss nicht nur vor Ort im Museum stattfinden – die Website ist eine wichtige Basis für weitergehende Informationen.

Spezialführungen für Blogger und Social Media-Influencer, digitale Ausstellungen auf GoogleArts Project und Kuratoren, die sich den Fragen ihres Publikums im Facebook-Livestream stellen. Das ist nur eine kleine Auswahl von neuen Ideen, wie man Kulturvermittlung mit Hilfe des Internets weiterdenken kann. Die aktuelle Diskussion über die Rolle digitaler Konzepte für Museen, die nicht nur, aber vor allem im Internet stattfindet, ist äußerst spannend. Zeigt sie doch gerade, wie wichtig es für Museen ist, sich zu vernetzen und auszutauschen und vor allem, dass Online-Marketing ein wichtiger Bestandteil der täglichen musealen Arbeit sein muss (sollte).

Digitale Trends kommen und gehen, man muss nicht alles ausprobieren und mitmachen, aber das Internet wird uns auch zukünftig erhalten bleiben und Museen sollten dort nicht unsichtbar sein. Das Museum Burg Posterstein möchte seit seiner ersten Website 2000 versuchen, mit dem digitalen Wandel zu gehen und seinen Besuchern auch online eine Plattform zur Wissensvermittlung zu bieten und ein Ansprechpartner auf Augenhöhe zu sein.

Grundlage aller Museumsarbeit sind die klassischen Museumsaufgaben

Kulturmarketing im Museum braucht eine konkrete Zielstellung, beispielsweise eine bestimmte Zielgruppe, Region, Tageszeit für den Museumsbesuch, die verstärkt ins Zentrum gerückt werden soll. Um diese Zielstellung zu definieren, benötigt man wiederum die Auswertung verschiedener Daten, wie beispielsweise Interessenlage sowie Erwartungshaltung der Besucher, Herkunft, Alters- oder Berufsgruppen und ähnliches. Auch das infrastrukturelle Umfeld des Museums, wie Gastronomie, Verkehrsdichte und sonstige kulturelle Angebote, sollte mit einbezogen werden. Besucherbefragungen sind dabei ein wichtiges Werkzeug.

Die folgenden kurzen Stichpunkte sollen das Marketingkonzept des Museums Burg Posterstein umreißen:

Wir verstehen das Museum und die Burg Posterstein als Marke, die alle Bereiche der Museumsarbeit umfasst. Die Museumskonzeption beinhaltet im Wesentlichen die Sammlungs-, Forschungs- und Ausstellungsstrategie, das Finanz- und Personalkonzept sowie die Öffentlichkeitsarbeit.

Das Sammlungs- und Ausstellungskonzept: Die Burg ist das wichtigste Ausstellungsstück

Das Sammlungs- und Ausstellungskonzept des Museums sind so abgestimmt, dass sie das Gesamtkonzept des Museums ausmachen. Ziel der ständigen Ausstellung ist die Einheit von historischem Raum und ausgestelltem Gegenstand. Dies bedeutet, dass innerhalb einer Interieurausstellung die Aufbereitung und Präsentation regionaler Geschichte in ausgewählten Aspekten erfolgt. Die Burg bleibt das erste und wichtigste „Ausstellungsstück“, dem sich alles unterzuordnen hat.

Der historische Gerichtsraum der Burg Posterstein.
Der historische Gerichtsraum der Burg Posterstein.

Die Sonderausstellungen bieten sowohl Künstlern als auch dem Museum mit seinen verschiedenen Sammlungen Möglichkeiten der Präsentation. Daraus abgeleitet ergeben sich drei Schwerpunkte: Das Baudenkmal Burg, die Kulturgeschichte des Altenburger Landes und die europäische Salongeschichte mit dem Musenhof der Herzogin von Kurland auf Schloss Löbichau. Letztere Thematik ist seit über 20 Jahren Forschungsschwerpunkt, weil die Region durch diesen Musenhof zwischen 1795 und 1821 über 25 Jahre in der Weltgeschichte wahrgenommen wurde.

Die Bildungs- und Vermittlungsangebote: Vor Ort und im WWW

Die Bildungs- und Vermittlungsangebote des Museums sind aufeinander abgestimmt und miteinander verzahnt, sie ergeben einen Querschnitt der gesamten Museumsarbeit. In dieser ganzheitlichen Strategie haben Standardformate wie Ausstellung, Vortrag und Führung, Katalog, Flyer und Plakat den gleichen Stellenwert wie Webseite, Blog, Videokanal und Social-Media-Auftritte, wobei natürlich die jeweilige Ausstellung die Voraussetzung dafür ist. Die Angebote richten sich gleichermaßen an Besucher vor Ort, einheimische Gäste wie Touristen, und digitale Besucher, die sich über die verfügbaren Onlineinformationen weiterbilden. Die jährlich rund 156.000 Website-Besucher und rund 22.000 Blogleser werden zu den Besuchern gezählt.

Das Vermittlungs- und Ausstellungskonzept des Museums zielt digital und vor Ort darauf ab, durch unterschiedliche Strategien eine möglichst breite Besuchergruppe anzusprechen. Das beinhaltet, dass Ausstellungstafeln Informationen sowohl als Kurztext, als auch als längere Textfassung und als englische Zusammenfassung enthalten. In einem Touchscreen können die Forschungsergebnisse zum Musenhof Löbichau sortiert nach Personen, Orten und Zeitereignissen abgerufen werden. Darüber hinaus gibt es – zusätzlich zu museumspädagogischen Angeboten für Schulklassen und angemeldete Kindergruppen – besondere Ausstellungsstationen für Kinder, die altersgerecht aufbereitet sind. Es gibt mehrere Hör- und Filmstationen in der Ausstellung. Sowohl für Kinder als auch für Erwachsene wird versucht, Ausstellungsthemen durch Storytelling besonders leicht zugänglich zu machen.

Kurze Texte auf den Schilden schwarzer Ritter geben kindgerechte Erklärungen.
Kurze Texte auf den Schilden schwarzer Ritter geben im Museum Burg Posterstein kindgerechte Erklärungen.

Der Ansatz, Inhalte anschaulich in Form einer Geschichte zu erzählen, soll von allen Mitarbeitern fest in den Museumsalltag integriert werden. Es wird eine Interaktion mit dem Besucher angestrebt und auf spielerische Wissensvermittlung gesetzt, sowohl online als auch offline. In Kommentaren im Blog und in den sozialen Netzwerken besteht für Besucher und Interessierte die direkte Möglichkeit, Fragen zu stellen und Themen anzusprechen. Die Mitarbeiter des Museums haben die Nutzung der verschiedenen Plattformen in ihren Arbeitsalltag fest integriert und bemühen sich um eine schnellstmögliche Antwort, sodass es zu einem Austausch statt nur zu einseitiger Information kommen kann. Auch über den Kontakt zu Besuchern und Kulturinteressierten kommt es zu ungeplantem Mehrwert für die Museumsarbeit, wenn beispielsweise Exponate als Leihgabe oder zum Kauf angeboten oder Hinweise zu historischen Recherchen und ähnlichem gegeben werden.

Bildung und Vermittlung auch im WWW

Wir sind der Meinung, dass unser Bildungsauftrag nicht auf der Burgbrücke endet, sondern auch im virtuellen Raum weiter besteht. Die Website und der Blog sind der ideale Ort für Forschungsergebnisse, die teilweise in der Dauerausstellung gar keinen Platz finden können. Statt für unabsehbare Zeit in den Archiven zu verschwinden, stehen sie so dauerhaft zur Verfügung und können über Suchmaschinen von einem interessierten Publikum aus aller Welt gefunden werden. Auch Wissenschaftler und Heimatforscher profitieren von der so garantierten Verfügbarkeit von Forschungsergebnissen.

Alle Aktivitäten des Museums werden unter Verwendung von #Hashtags (Schlagwörtern) online (und klassisch entsprechend aufbereitet) veröffentlicht, um dem Online-Nutzer/Besucher einen Wiedererkennwert und die bessere Möglichkeit zur Suche zu bieten. Beispiele aus dem Jahr 2016b sind dafür: #MascherMarchen – Gaming: analog & digial (Sonderausstellung mit eigenem Memo-Spiel), #Ernestiner2016: Landesausstellung und Begleitausstellungen online vernetzt. Darüber hinaus greifen wir die Mottos des Museumstags auf (z.B. #IMT16 #PaintMuseum) und andere große digitale Events der Kulturbranche, wie #MuseumWeek (das hieß auf Burg Posterstein: 7 Tage, 7 Blogposts) und #AskACurator-Tag auf Twitter.

Die Marketingstrategie: Bewusst Raum für Experimente

Die Marketingstrategie des Museums Burg Posterstein umfasst die ganze Bandbreite der Vermarktungskanäle. Sie lässt aber bewusst Raum für Experimente. Wir sind offen für Neues. Nicht alle uns durch neue Ansätze entstehenden Vorteile müssen jederzeit statistisch und finanziell messbar sein. Durch unser Engagement in sozialen Medien kommt es immer wieder zu ungeplanten, positiven Nebeneffekten für unsere museale Arbeit. Beispielsweise nehmen hier Kooperationen mit anderen Museen ihren Ausgangspunkt, werden Kontakte zu Politikern und Journalisten geknüpft oder interessierte Besucher aus dem europäischen Ausland halten auf internationalen Konferenzen Vorträge zur Arbeit unseres Museums. So etwas kann man nicht planen, aber es stärkt die Marke „Burg Posterstein“ langfristig ungemein.

Der Zeichenkurs mit dem Künstler Tilman Kuhrt verband die Sonderausstellung zum Bauernmaler Friedrich Mascher mit dem Motto des Museumstags 2016 #PaintMuseum.
Der Zeichenkurs mit dem Künstler Tilman Kuhrt verband die Sonderausstellung zum Bauernmaler Friedrich Mascher mit dem Motto des Museumstags 2016 #PaintMuseum.

Die Marketingarbeit des Museums Burg Posterstein schaut bewusst über den Tellerrand und nimmt die ganze Region, das Bundesland Thüringen und ganz Deutschland in den Blick. Jährlich besuchen rund 20 000 Menschen die Burg Posterstein, bei vielleicht 30 000 Gesamtbesuchern im Ort. Genaue Zahlen zu den Besuchern offline und digital gibt es hier.

Die Öffentlichkeitsarbeit des Museums richtet sich auch deshalb nicht nur an traditionelle Medien und Anzeigenpartner, sondern auch an kulturell interessierte Blogger und Social Media-Influencer sowie potentielle Besucher direkt. Für klassische Werbung, wie Plakate, Flyer oder Werbeanzeigen werden etwa 3,5 Prozent des Finanzbudgets aufgewendet.

An deutschlandweiten Social Media-Aktionen wie zum Internationalen Museumstag, dem Ask A Curator-Tag und ähnlichen Aktionen wird sich aktiv beteiligt. Das Museum ist derzeit als eines von 96 deutschen und zwei thüringischen Museen mit einem eigenen Blog vertreten. Per Gastblogposts und durch die Teilnahme an Bloggerevents kooperieren wir mit anderen Kultur- und Museumsbloggern. Das Museum bindet seinen Videokanal bei Vimeo auf der Website ein und verfügt über Auftritte bei Twitter, Facebook und Instagram.

Jedes Medium erfordert eigene Inhalte und Ansprache

Dabei nutzt das Museum die unterschiedlichen Plattformen auf verschiedene Weise, bereitet Inhalte jeweils anders auf. Auf Instagram dominieren mit Kurzinfos versehene Bilder und es werden beliebte, wiederkehrende Hashtags (wie #LampenMittwoch und #TreppenhausFreitag) aufgegriffen. Im Netzwerk Twitter teilt das Museum nicht nur eigene Inhalte, sondern breite Kulturnachrichten mit einem Fokus auf „Museum allgemein“ und digitale Entwicklungen im Museumsbereich. Twitter dient dem Museum auf diese Art vor allem, um Netzwerke mit Kulturschaffenden, anderen Institutionen, Politikern und Medien zu knüpfen. Wir wollen bewusst mit anderen Akteuren im Kulturbereich in Kontakt treten, Anregungen erhalten, Erfahrungen teilen und Vernetzung erzeugen. Unsere Facebook-Seite wiederum richtet sich an potentielle Besucher im Alter zwischen 30 und 50 Jahren, die den Kanal als Informationsquelle über das Museum nutzen. Neue Entwicklungen, wie beispielsweise Snapchat, WhatsApp und Google Art Project, werden verfolgt und in Erwägung gezogen, wenn sie sinnvoll und machbar erscheinen.

Hinsichtlich der Marketing- und Kommunikationsarbeit setzt das Museum auf Konsequenz, Nachhaltigkeit und Kontinuität, indem eine Art „Corporate Identity“, ein wiedererkennbarer Stil, über Jahrzehnte gehalten, dabei aber kontinuierlich moderisiert wird.

Von Klaus Hofmann

Der Beitrag basiert auf einem Vortrag, gehalten am 17. Juni 2016 in der Gedenkstätte Buchenwald, anlässlich der gemeinsamen Tagung der Vorstände des Hessischen und Thüringer Museumsverbandes und erschien in ausführlicher Fassung in Thüringer Museumshefte (2/2016) des Museumsverbands Thüringen.

Im Jahr 2016 Besucher aus allen Bundesländern – Museum Burg Posterstein zieht Bilanz

Winterliche Burg Posterstein
Winterliche Burg Posterstein

Auch 2016 kamen wieder über 20.000 Besucher ins Museum Burg Posterstein. Allein in der Weihnachtswoche sahen rund 600 Besucher die Krippenausstellung „Weihnachten mit Aschenputtel – Böhmische Weihnachtskrippen“. Anlass, um Bilanz zu ziehen.

Seit Mitte Juli läuft eine Besucherbefragung im Museum, die zeigt, dass die Hälfte der Gäste aus Thüringen und rund 30 Prozent aus Sachsen kamen. Die zehn häufigsten Herkunftsorte waren Gera, Altenburg, Leipzig, Berlin, Jena, Zwickau, Chemnitz, Crimmitschau, Erfurt und Ronneburg. Vier Prozent der Besucher stammten aus Sachsen-Anhalt und jeweils drei Prozent aus Berlin, Brandenburg, Baden-Württemberg und aus dem Ausland. Die drei Prozent internationalen Gäste reisten aus 23 Ländern an, wobei über die Hälfte davon aus Holland, den USA, Peru, der Schweiz, Norwegen, Österreich und Frankreich kamen.

Starker Besucheranstieg in der digitalen Welt

Ausstellung - offline und digital im Museum Burg Posterstein
Ausstellung – offline und digital im Museum Burg Posterstein

Das Museum Burg Posterstein begleitet seine Ausstellungen immer mit zusätzlichen Informationen und Inhalten im Internet. Auf Website, Blog und den Social Media-Kanälen des Museums können Interessierte tiefer in geschichtliche und kulturelle Themen eintauchen. Ausstellungen werden spielerisch begleitet, Besucherbeteiligung und Fragen sind immer willkommen. Themen, die vor Ort keinen Platz finden, können online langfristig für die Öffentlichkeit zugängig gemacht werden.

In der digitalen Welt verzeichnet die Burg Posterstein deutlich steigende Besucherzahlen. Die Website des Museums wurde 2016 rund 156.000 Mal angesteuert (Visits). Der Blog des Museums erhielt rund 22.000 Aufrufe, das sind rund 23 Prozent mehr als im Vorjahr. Das Gros der Blogleser kam aus Deutschland, gefolgt von den USA, Österreich, Schweiz und Frankreich. Die beliebtesten Beiträge tragen Titel wie „Wie still war das Örtchen von Ritter Kunibert?“, „Ein spektakulärer Fund – aus dem Jahr 1730“ oder „Museum kommuniziert – wie, wo und wohin?„.

Auch in den sozialen Medien folgen immer mehr Menschen aus aller Welt dem Museum Burg Posterstein. Inzwischen haben sich dauerhafte Bekanntschaften entwickelt, die teilweise auch „offline“ weitergeführt werden. Dem Facebook-Auftritt des Museums folgen derzeit rund 780 Menschen, das ist ein Anstieg von 20 Prozent gegenüber 2015. Dem Twitter-Profil folgen über 2000 Nutzer, was einer Steigerung von 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Seit einem dreiviertel Jahr nutzt das Museum auch den Bilder-Blog-Dienst Instagram, wo es derzeit rund 360 Abonnenten hat.

Die geplante Sonderausstellung für Familien beginnt im Blog

2017 erstmals eine Ausstellung gezielt für ein junges Publikum und Familiren: Die Kinderburg auf Burg Posterstein
2017 erstmals eine Ausstellung gezielt für ein junges Publikum und Familiren: Die Kinderburg auf Burg Posterstein
Die für 1. Oktober 2017 geplante Ausstellung für ein junges Publikum „Die Kinderburg – Auf den Spuren von Rittern und Salondamen“ beginnt demnächst bereits im Blog. Im Museum, per Brief, E-Mail, Facebook, Twitter und Instagram lädt das Museum Jung und Alt dazu ein, Fragen zum Ausstellungsthema zu stellen. Die Antwort senden die Mitarbeiter des Museums dem Fragesteller zu und teilen sie darüber hinaus auf dem Blog in einer neuen Blogserie „Die Kinderburg“.

Sonderschau lockte über 6000 Besucher und Ahnenforscher aus der ganzen Welt

Die Besucher der Sonderausstellung über Hans Wilhelm von Thümmel kamen größtenteils aus Thüringen und Sachsen.
Die Besucher der Sonderausstellung über Hans Wilhelm von Thümmel kamen größtenteils aus Thüringen und Sachsen.

Insgesamt sahen weit über 6000 Besucher die Sonderausstellung „Im Dienste der Ernestiner: Hans Wilhelm von Thümmels Aufstieg vom Pagen zum Minister“ im Museum Burg Posterstein, die am Montag mit einem gut besuchten Vortrag zu Ende ging. „Baumforscher“ Dr. Matthias Schütze analysierte darin das Alter der 1000-jährigen Eiche in Nöbdenitz, der Grabeiche Hans Wilhelm von Thümmels.

Nachfahren Thümmels aus ganz Deutschland kamen nach Posterstein

Die Postersteiner Sonderausstellung war nicht nur die vermutlich erste, die sich allein dem für das Herzogtum Sachsen-Gotha-Altenburg bedeutenden Minister Hans Wilhelm von Thümmel (1744–1824) widmete. Sie lehnte sich auch als Begleitausstellung an die große Thüringer Landesausstellung „Die Ernestiner – Eine Dynastie prägt Europa“ in Weimar und Gotha an. Nach Posterstein kamen weit über 6000 Besucher, drei Viertel davon aus Thüringen und Sachsen. Insgesamt reisten die Gäste aus 15 verschiedenen Ländern an.

Für die Sonderschau konnten selten gezeigte Leihgaben wie Thümmels Pariser Tagebuch aus dem Staatsarchiv Gotha und die Grassi-Portraits des Ehepaars Thümmels geliehen werden.
Für die Sonderschau konnten selten gezeigte Leihgaben wie Thümmels Pariser Tagebuch aus dem Staatsarchiv Gotha und die Grassi-Portraits des Ehepaars Thümmels geliehen werden.

Die Ausstellung besuchten auch mehrere Forscher und Nachfahren Thümmels aus verschiedenen Regionen Deutschlands. Ein weiterer Verwandter des umtriebigen Staatsmannes Thümmel will Mitte November aus den USA anreisen. Der Architekt Hans Thummel aus Chicago ist per E-Mail mit dem Museum Burg Posterstein in Kontakt getreten und will sich unter anderem in Leipzig, Altenburg, Nöbdenitz und Posterstein auf die Spuren seines Vorfahren machen.

Hans Wilhelm von Thümmel stieg am Hof der Ernestiner Herzöge in Gotha vom Pagen zum Minister auf. In Altenburg brachte er viele wichtige Projekte voran, darunter die Vermessung und Kartierung des Altenburger Landesteils, den Straßenbau sowie den Bau eines modernen Krankenhauses und mehrerer Armenhäuser.

Nach der Ausstellung ist vor der Ausstellung

Derzeit wird im Museum Burg Posterstein die Sonderausstellung abgebaut und die zahlreichen Leihgaben – u.a. aus Gotha, Jena, Leipzig, Zeulenroda und Altenburg – wieder zurückgegeben. Die wertvollen neuen Informationen zur Person Hans Wilhelm von Thümmel werden langfristig einen prominenten Platz in der Dauerausstellung des Museums finden, die ständig überarbeitet wird. Das Buch zur Ausstellung ist weiterhin im Museum Burg Posterstein (auch telefonisch oder per E-Mail bestellbar) erhältlich. Derweil wird die nächste Sonderausstellung vorbereitet: Am ersten Advent eröffnete die familienfreundliche Weihnachtsausstellung „Weihnachten mit Aschenputtel – böhmische Weihnachtskrippen“.

Von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

Zum Weiterlesen über Hans Wilhelm von Thümmel:
Frag Thümmel! – Wir beantworten Fragen zur Ausstellung am #AskACurator-Tag
Hans Wilhelm von Thümmels Gesandtschaften: Paris
Mit Baron von Thümmel durch Nöbdenitz: Gut besuchte Wanderung des Museums Burg Posterstein
Fast so viele Holländer wie Nöbdenitzer besuchten bisher die Postersteiner Ernestiner-Ausstellung
Im Dienste der Ernestiner – Hans Wilhelm von Thümmels Aufstieg vom Pagen zum Minister
Die Weisheiten eines langjährigen Ernestiner Staatsmannes – als Glückskeks
Blogpost: Hans Wilhelm von Thümmel – der Mann unter der 1000-jährigen Eiche Die 1000-jährige Eiche in Nöbdenitz Weitere Infos zum Musenhof Löbichau

„Museum kommuniziert“ wie, wo und wohin? – Resümee einer Fachtagung

Museumstreffen 2016 - als Tagungstitel hätte das gereicht, er wird der Veranstaltung gerecht.
Museumstreffen 2016 – als Tagungstitel hätte das gereicht, er wird der Veranstaltung gerecht.


Vor einer Woche fand im Deutschen Historischen Museum in Berlin die von Museum.de (Uwe Strauch) organisierte Tagung „Museum kommuniziert“ statt. Der Titel war etwas irreführend, das Spektrum des Begriffs „Kommunikation“ ist weit und meine Kollegin und ich hatten uns anderes erhofft. Wir dachten an die Vorstellung von Leuchtturmprojekten auf dem Gebiet der musealen Kommunikation, die uns in unserer täglichen Arbeit inspirieren würden. – Stichwort: #Lustwandeln, Bloggerreisen, innovative Apps – also neue Ansätze in Museen, um mit Besuchern zu interagieren, gern auch digital.

Es sprachen Vertreter renommierter Häuser. Die angesprochene Bandbreite der Interpretation von „Kommunikation“ im Museum reichte dabei von der Wahl des Ausstellungsthemas/des Künstlers als Form von Kommunikation über Events als Kommunikationsmittel bis hin zur Aufbereitung der Ausstellungen (inklusiv) als Mittel der Kommunikation mit dem Besucher.

Im Detail sprach Katja Altmann, Direktorin des Museum Schloss Klippenstein in Radeberg, über die Herausforderungen eines kleinen Museums und über die (notwendige) gesellschaftliche Einbindung des Museums ins Vereinsleben vor Ort. Dr. Tobia Bezzola, Direktor des Museums Folkwang in Essen, sprach darüber, wie entscheidend die Auswahl der gezeigten Kunst dazu beiträgt, was ein Kunstmuseum nach außen kommuniziert. Börries von Notz, Alleinvorstand der Stiftung Historischer Museen Hamburg, umriss die Chancen und Herausforderungen des Baus eines neuen, modernen Hafenmuseums und erwähnte auch, dass sein Haus seit einem Jahr die Hochglanz-Zeitschrift „Hamburg History Live“ deutschlandweit vertreibt. Berthold Porath, Direktor des Dornier Museum Friedrichshafen am Bodensee, berichtete über das Konzept, das Museum auch als Event-Location zu etablieren.

Tagung "Museum kommuniziert" am 19. Oktober 2016 im Deutschen Historischen Museum Berlin.
Tagung „Museum kommuniziert“ am 19. Oktober 2016 im Deutschen Historischen Museum Berlin.

Dr. Marc Fehlmann, Sammlungsdirektor am Deutschen Historischen Museum in Berlin, sprach über das gesamte, breite und umfangreiche Spektrum der Vermittlung und Kommunikation mit dem Besucher am Deutschen Historischen Museum, beispielsweise über inklusive Sonderausstellungen. Drs Hedwig Saam, Direktorin des Nationalen Militärmuseums der Niederlande in Soest, stellte ihr erst 2014 eröffnetes, familienfreundliches Museum vor und erläuterte, wie man dort verschiedene Zielgruppen auf unterschiedlichen Niveaus – vom Allgemeinen bis ins Detail – anspricht. Dr. Philipp Gutbrod, Direktor des Instituts Mathildenhöhe Darmstadt, ging einerseits auf sein Haus als Ort für kulturelle Veranstaltungen sowie auch auf den Auftritt in Europeana ein. Zum Schluss sprach Prof. Dr. Meinrad Maria Grewenig, Generaldirektor des Weltkulturerbes Völklinger Hütte, über seine Ansätze, ein junges Publikum gezielt anzusprechen – beispielsweise mit der Etablierung der Völklinger Hütte als Ort für Festivals im Bereich Jazz, Hip-Hop und Elektro-Pop.

Digitale Innovationen für das Museum vor Ort nutzen

Die Aspekte, die ich interessant fand, fanden nur kurz oder gar nur als Randbemerkungen Erwähnung: Beispielsweise testet das Institut Mathildenhöhe Darmstadt gerade ein Tool, mit dem Besucher Ausstellungsobjekte über den Audioguide bzw. die Objektbeschriftung in sozialen Medien kommentieren können. Das Projekt ist gerade angelaufen, weshalb es noch keine Infos zum Erfolg gibt. Es bietet aber viele Potentiale: Zum einen könnte sich ein Gespräch zu einzelnen Objekten und Bildern entwickeln – zwischen Museum und Besuchern, die zu unterschiedlichen Zeiten das Objekt/Bild betrachtet haben. Gleichzeitig ist es für das Museum nicht nur eine Chance, mit Besuchern auf Augenhöhe zu interagieren, sondern auch Feedback zu erhalten.

Die Idee hat mich stark an das twitter-basierte Projekt „Hint me“ mehrerer Kunstmuseen in Dänemark erinnert, initiiert von Merete Sanderhoff, verantwortlich für Digitales im Statens Museum for Kunst. „Hint me“ soll inzwischen leider eingestellt werden, vermutlich, weil Twitter in Dänemark von den breiten Besuchermassen nicht genug genutzt wird. Merete Sanderhoff teilte mir per Twitter mit, dass aus der Idee und den Erfahrungen aber neue zukunftsweisende Projekte erwachsen sind. Jetzt hoffe ich, dass Dr. Philipp Gutbrod, Direktor des Instituts Mathildenhöhe, auf die eine oder andere Art über den Fortgang des aktuellen Projekts in Darmstadt informieren wird. Gerne hätte ich einen 30-minütigen Vortrag nur über dieses Projekt gehört!

Tagung ohne Hashtag

Seit einigen Jahren haben sich Hashtags für Konferenzen und Tagungen etabliert. Manchmal verfolge ich – gezielt oder zufällig – Tagungen, deren Thema mich interessiert aus der Ferne (wie gestern beispielsweise die Tagung #Anker16 zum Thema Bloggen in München, die zeitweise zu den Trending Topics auf Twitter zählte und meine Timeline füllte). Bei besonders innovativen Veranstaltungen wird das digitale Publikum gezielt einbezogen, indem es nicht nur einen Hashtag, sondern vor Ort auch eine Twitterwall/Social Media Wall gibt, die Kommentare sammelt und sichtbar macht und womöglich auch einen Livestream von der Tagung. Immer mehr Tagungsteilnehmer halten ihr Netzwerk v.a. durch Tweets auf dem Laufenden. Dadurch entstehen interessante Gespräche, die vor Ort oft so nicht zustande kommen, und die mediale Reichweite der Tagung steigt.

Klassische Museumstagung zum Netzwerken mit den Kollegen im Deutschen Historischen Museum Berlin.
Klassische Museumstagung zum Netzwerken mit den Kollegen im Deutschen Historischen Museum Berlin.

Bei einer Veranstaltung mit dem Titel „Museum kommuniziert“ hatte ich zumindest einen festen Hashtag erwartet. Vom Veranstalter kam auf meine Nachfragen auf Facebook und Twitter keine Reaktion. Mit dem Deutschen Historischen Museum habe ich mich dann auf Twitter auf den Hashtag #museumkomm geeinigt, der dann – nur durch ganz wenige Twitter-Nutzer und Tweets eine Reichweite von über 160.000 Impressionen entwickelte. Welche Reichweite und welche Diskussionen hätten erst entstehen können, wenn man die Tagung von Anfang an online betreut, konsequent begleitet und die Teilnehmer aktiv zur digitalen Diskussion aufgefordert hätte? Nachbesprechung in Blogs, Facebook, etc. dienen schließlich auch dem Image der Veranstaltung.

Wie sich in den Pausengesprächen abzeichnete, war ich nicht die einzige Teilnehmerin, die das Tagungsmotto missverstanden hatte. Im Endeffekt ging es um das traditionelle Netzwerken mit Kollegen und Firmen vor Ort, was natürlich seine Vorteile und Berechtigung hat, weil man viele interessante Menschen kennenlernt.

Zum Schluss möchte ich mich – sicherlich unschwer an meinem Blogpost zu erkennen – als Angehörige der „Nintendo-Generation“ outen. Den Begriff habe ich erst durch den Vortrag von Prof. Dr. Meinrad Maria Grewenig, Generaldirektor des Weltkulturerbes Völklinger Hütte, gelernt. Demnach gehören alle unter 40 dieser Generation an, die er nicht nur als hochmobil, global und ständig Content konsumierend beschrieb, sondern auch als nicht mehr fleißig, verschwenderisch, egozentrisch und entgegen der Hochkultur. Während die Marketingabteilung der Völklinger Hütte diese dem Direktor so fremde Zielgruppe erfolgreich anspricht, dürften sich einige unter 40-jährige im Tagungspublikum über diese Charakteristik weniger gefreut haben.

Eine Sammlung aller Tweets zur Tagung gibt es hier:

https://storify.com/MH_TextWeb/museum-kommuniziert-wie-wo-und-wohin


Von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein