Wanderung auf den Spuren des Holzschnitzers Johannis Hopf

Regelmäßig begeben sich Mitglieder des Museumsvereins Burg Posterstein auf thematische Reisen und Ausflüge, die eng mit den Themen des Museums in Verbindung stehen. Der diesjährige Frühjahrsausflug am 26. April führte von Neumark zur Burg Schönfels. Vereinsmitglied Monika Diedrich berichtet darüber:

Inschrift unter der Empore in der Postersteiner Burgkirche
Inschrift unter der Empore in der Postersteiner Burgkirche (Foto: Museum Burg Posterstein)

Am 26. April 2014 machte sich eine siebzehnköpfige Gruppe auf, die Spuren Johannis Hopfs zu suchen, dem zugeschrieben wird, die Holzschnitzereien in der Postersteiner Burgkirche angefertigt zu haben.

Die Wanderung begann im Gut Neumark der Familie von Römer. Das Anwesen, besonders das Schloss, befindet sich in einer permanenten Bausituation. Überall stehen Gerüste, Baumaterialien, eingerissene Wände und halbfertige Gebäude – aber die Dächer sind in Schuss! Darauf verwies die Hausherrin Dorothee von Römer mit Stolz, die uns engagiert durch das ehemalige Rittergut führte.

Familie von Römer musste ihr Schloss nach der Wende zurückkaufen

Die Familie von Römer, Jahrhunderte in und um Zwickau ansässig und tätig, ist seit 1478 mit dem Gut verbunden und kaufte es nach der Wende 1989 von der Treuhand zurück, um es zu bewirtschaften und wieder in Stand zu setzen. Seit der Enteignung durch die Bodenreform 1945 war es ein volkseigenes Gut (VEG) gewesen. Was das jetzt für eine Herkulesaufgabe für die neuen (alten) Eigentümer war, ist und noch sein wird, wird jedem klar, der den Rundgang durch das Schloss mitmacht.

Es könnte durchaus eine Verbindung zwischen dem Gut Neumark und dem prachtvollen Schnitzwerk in der Postersteiner Burgkirche geben (Foto: Römer: http://www.gut-neumark.de/de/bildergalerie.html)
Es könnte durchaus eine Verbindung zwischen dem Gut Neumark und dem prachtvollen Schnitzwerk in der Postersteiner Burgkirche geben (Foto: Römer: http://www.gut-neumark.de/de/bildergalerie.html)

Dieses Schloss aus dem 17. Jahrhundert ist auf den ersten Blick nicht als solches zu erkennen. Es ist ganz schlicht gebaut, ohne jedes Schmuckelement, durch die Zeit und die Nutzung (erst als Notunterkunft für viele Vertriebenenfamilien und später als Heim für psychisch kranke Kinder) heruntergekommen, verlassen und verloren. Hat man aber den Innenhof erreicht, sieht man seine ehemalige Bestimmung – hindurch durch Baugerüste, Dreck und Schutt. Dorothee von Römer führte unsere Gruppe in alle Ecken und Ritzen des alten Gemäuers, erklärte die Entstehungsgeschichte, die ehemalige Nutzung der Räume – auch zu DDR-Zeiten –, wies stolz auf unerwartete Funde von Balken oder Tür- und Fensteröffnungen hin, sprach von den finanziellen Schwierigkeiten und von Glücksmomenten, wenn wieder einmal etwas gelungen war. Bewundernswert ist ihre fröhliche und zuversichtliche Haltung, die sie an den Tag legte, wo sich doch jeder vorstellen konnte, was für eine Last sie und ihre Familie zu tragen hatten. Und natürlich fanden die Besucher Relikte von Holzschnitzereien, die denen in der Postersteiner Kirche glichen. Es wurde darüber gefachsimpelt, Vergleiche angestellt und die Familiengeschichte ins Gedächtnis gerufen, denn einen Zusammenhang könnte es gegeben haben, da eine Tochter der Familie Römer nach Posterstein geheiratet hatte und zu dieser Gelegenheit die Schnitzereien in die Kirche gelangt sein könnten.

Burgkapelle auf Schönfels – Eine Verbindung zum Postersteiner Schnitzwerk?

Wanderung zur Burg Schönfels
Wanderung zur Burg Schönfels

Vom Enthusiasmus und vom Mut der Römers angesteckt, begab sich die Gruppe auf eine Wanderung zur Burg Schönfels. Auch dort sollten sich Holzschnitzereien in der Burgkapelle befinden, die eventuell etwas mit denen in Posterstein und Neumark zu tun haben könnten.

Mitglieder des Museumsvereins bei der Führung durch die Burg Schönfels
Mitglieder des Museumsvereins bei der Führung durch die Burg Schönfels

Auf Burg Schönfels trafen wir wieder auf eine Führerin durch die Burg, die Leiterin des Museums und somit die Burgherrin, die von Tatkraft und Freude am Werk sprühte. Ina Schumann erzählte mit warmen Worten von den geleisteten Arbeiten und denen, die noch zu vollführen seien. Ihre Freude über jede neue Erkenntnis beim Renovieren von Räumen oder bei der Instandsetzung von Mauerwerk übertrug sich auf die interessierten Zuhörer. Sie machte uns aufmerksam auf den wohl wertvollsten Raum in der Burg, auf die Kemenate oder Bohlenstube, die wie ein Kasten aus 13,5 cm dicken Bohlen in die Burg eingebaut wurde. Wo kann man schon ein solches Wunderwerk, noch dazu mit einer kielförmigen Holztür, in einer mittelalterlichen Burg finden! Wie immer bezauberte der Blick vom Turm in die frische Frühlingslandschaft.

Schwebender Engel in der Kapelle der Burg Schönfels - Eine Arbeit aus der Werkstatt des Johannis Hopf?
Schwebender Engel in der Kapelle der Burg Schönfels – Eine Arbeit aus der Werkstatt des Johannis Hopf?

Und endlich zum Schluss der Besichtigung führte Ina Schumann in die Burgkapelle, wo es eine geschnitzte Kanzel zu bewundern gibt. Da blieb die Frage im Raum stehen: Hat sie Beziehungen zu den anderen schon erwähnten Holzschnitzereien? Unterschiede wurden ausgemacht, aber auch Ähnlichkeiten. Und es stellte sich die andere Frage, ob die Kanzel von vornherein für diese Kapelle bestimmt gewesen war oder ob man sie später erst eingebaut hatte? „Ja, ich weiß auch nicht, ob der Engel, der die Kanzel trägt, schon immer diesen Job gehabt hat“, war die humorvolle Antwort der Museumsleiterin.

Was hatte man an diesem Tag nicht alles zu sehen und zu hören bekommen! Wieder einmal hatte es sich für die Museumsfreunde gelohnt, an einer solchen Exkursion teilzunehmen. Viel frische Luft, herrliche Landschaft, alte Geschichte und alte Geschichten, interessante Erkenntnisse, gelungene Überraschungen und zum Schluss noch ein kräftiger Regenguss, der alle bis auf die Haut durchnässte. Aber was tut man nicht alles für seine Bildung!

Monika Diedrich / Museum Burg Posterstein

Weitere Berichte über Ausflüge des Museumsvereins:

Vier Tage Südböhmen (Oktober 2013)

Auf den Spuren von Jean Paul (Mai 2013)

Vier Tage Südböhmen: Gast-Beitrag zur Bildungsfahrt der Mitglieder des Museumsvereins

Jedes Jahr begeben sich Mitglieder des Museumsvereins Burg Posterstein e.V. auf eine gemeinsame Bildungsfahrt. Reiseziele sind historische Orte, die unmittelbar mit den Forschungsschwerpunkten des Museums in Zusammenhang stehen. Vom 3. bis 6. Oktober 2013 führte die Reise nach Südböhmen, wo man beim Besichtigen der Schlösser von Schwarzenberg und Metternich noch tiefer in die Zeit zwischen Völkerschlacht (aktuelle Sonderausstellung) und Wiener Kongress (nächstes großes Jubiläum 2015 und Forschungsschwerpunkt “Musenhof Löbichau”) eintauchen konnte. In Plasy (deutsch: Plaß), wo sich ein Kloster und die Familiengruft Metternichs befindet, wurde nach dem Krieg auch das Familienarchiv Metternichs gefunden. Monika Diedrich, Mitglied im Museumsverein Burg Posterstein e.V., hat für diesen Gastbeitrag die Erlebnisse in Wort und Bild festgehalten. – Vielen herzlichen Dank!

Die Metternichs ließen Schloss Kynžvart (deutsch: Schloss Königswart) in Tschechien zu einem Barockschloss umbauen.
Die Metternichs ließen Schloss Kynžvart (deutsch: Schloss Königswart) in Tschechien zu einem Barockschloss umbauen.

Schon zum zweiten Male wurde auf der Fahrt in den Süden kurz vor Marienbad das Schloss Kynzvart (Königswart) besucht, das der Familie Metternich gehörte und welches der damalige österreichische Kanzler Clemens Metternich von seinem Vater zu Weihnachten geschenkt bekommen hatte – nach den Worten des kauzigen tschechischen Schlossführers. Nicht nötig war es, wie eine Teilnehmerin es aussprach, dass er auch noch zwei Säcke mit Goldtalern für den Erhalt des Schlosses hätte dazubekommen sollen, denn die Einrichtung des Schlosses – wieder nach den Worten des Führers – bestand zum größten Teil aus kleinen und großen Geschenken von Königen, vom Kaiser, vom Zar und anderen hochgestellten Persönlichkeiten jener Zeit.

Neben dem Schloss war der dazugehörige Gutshof zu einem großen Teil restauriert worden. Beim ersten, früheren Besuch befand er sich noch in einem desolaten Zustand. Im Gelände des schönen Parks liegt nun ein Golfplatz, der größte der Republik Tschechien.

Zweite Station: Das Schloss eines Heerführers

Am Nachmittag des ersten Tages kam der Bus in Krumlov (Krumau) an, einer kleinen Stadt von 13 000 Einwohnern , die umgeben ist von der Moldau, da sie in einer romantischen Flussschleife liegt. Beherrscht wird sie von einer der größten tschechischen Schlossanlagen, die von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt worden ist.

Die Schlossanlage gehörte der Familie Schwarzenberg, dessen bekanntestes Mitglied vielleicht der in Wien geborene Karl Philipp Fürst zu Schwarzenberg war, ab 1810 österreichischer Botschafter in Frankreich und ab 1813
Oberbefehlshaber der alliierten Armeen im Kampf gegen Napoleon.

Bekanntester Besitzer der opulenten Schlossanlage in Krumlov (Krumau) war Karl Philipp Fürst zu Schwarzenberg, Oberbefehlshaber der alliierten Armeen im Kampf gegen Napoleon.
Bekanntester Besitzer der opulenten Schlossanlage in Krumlov (Krumau) war Karl Philipp Fürst zu Schwarzenberg, Oberbefehlshaber der alliierten Armeen im Kampf gegen Napoleon.

Schloss- und Stadtführung am nächsten Tag machten jedem klar, warum es zu der Auszeichnung als Weltkulturerbe gekommen ist: Seit Jahrhunderten keine kriegerischen Zerstörungen, keine Plünderungen, keine Modernisierungsmaßnahmen an der Bausubstanz. Das bedeutet ganz und gar mittelalterliches Flair, wenn nicht die Touristen wären! Aber davon lebt die
Bevölkerung. Der größte Teil der Touristen ist deutschsprachig, doch 40 Prozent sind Asiaten. Ein bisschen stört der touristische Schnickschnack in den unzähligen Geschäften und Ständen schon. Und Kneipen gibt es hier! Nicht zu zählen. Das Bier läuft in Strömen.

Am dritten Tag wurde der Ort Rožmberk (Rosenberg) angefahren. Wieder eine tolle Burg, auch direkt an einer Moldauschleife gelegen, der Stammsitz des Adelsgeschlechts der Rosenberger, die in der böhmischen Geschichte eine große Rolle spielten.

Nicht weit davon – ebenfalls zu besichtigen – das wiederbelebte Kloster Vyšši Brod (Hohenfurth).

Der Wohnsitz Metternichs

Familiengruft der Familie Metternich in Plasy (deutsch Plaß)
Familiengruft der Familie Metternich in Plasy (deutsch Plaß)

Den Abschluss des viertägigen Ausflugs bildete nach einer deftigen Mittagspause im Gärkeller der Pilsener Brauerei die Besichtigung des ehemaligen Klosters Plasy, das im 19. Jahrhundert zum Wohnsitz der Familie Metternich wurde. Und dieses Mal hatten die Vereinsmitglieder Glück, sie konnten in die Familiengruft hineingehen und den Sarg des österreichischen Kanzlers ansehen sowie die Särge seiner Familienmitglieder.

Vier Tage böhmische und österreichische Geschichte, sehr gut in Zusammenhang zu bringen mit dem großen Forschungsschwerpunkt der Burg Posterstein, dem Leben und Wirken der Herzogin Dorothea von Kurland, insbesondere, wenn man an den Wiener Kongress (1814/15) denkt, bei dem zwei ihrer Töchter wichtige Rollen spielten. (Schon damals war der Geheimdienst, Metternichs Spitzel in Wien, über alle Aktivitäten bei Tag und in der Nacht genau informiert.)

Von Monika Diedrich, Mitglied des Museumsvereins Burg Posterstein e.V.

Weitere Berichte von Bildungsfahrten: Wanderung auf den Spuren Jean Pauls

Museumsverein Burg Posterstein unterwegs: Wanderung auf den Spuren Jean Pauls

Am 25. Mai zogen sich Mitglieder des Museumsvereins Burg Posterstein Wanderschuhe an und gingen auf dem oberfränkischen Jean Paul Wanderweg auf Spurensuche. Der berühmte Dichter, der in diesem Jahr zu seinem 250. Geburtstag mit der deutschlandweiten Lifaßsäulenausstellung “Jean Pauls Orte” auch auf Burg Posterstein geehrt wurde, verbrachte im Sommer 1819 mehrere Wochen im “Musenhof Löbichau” der Herzogin Anna Dorothea von Kurland. Die Mitglieder des Museumsvereins nahmen dies zum Anlass, den Jean Paul Wanderweg von Joditz nach Hof zu gehen. Vereinsmitglied und Ehrenamtliche Monika Diedrich berichtet davon.

Nun wollten wir aber auch einmal wissen, woher dieser von der Herzogin von Kurland am Löbichauer Hofe so gern gesehene Gast herkam – der Dichter aus dem Fichtelgebirge.

Von Joditz aus, wo sein Vater Pfarrer war, begannen wir unsere Wanderung. Als Kind war Jean Paul oftmals den Weg nach Hof gegangen, wo seine Großeltern lebten. Und wir erlebten jetzt in der frische grüne Mailandschaft, was dem Knaben – damals noch Johann Paul Friedrich Richter – begegnet sein musste, was er unterwegs gesehen und gefühlt haben mochte.

Informationstafel am Jean Paul Weg
Informationstafel am Jean Paul Weg

An verschieden Stellen des Wanderwegs waren Tafeln angebracht, auf denen zu lesen war, was der Dichter so empfunden hatte. In seinen Romanen gibt er die Erinnerung an seine Kindheit wieder, etwa so:

„Der zweistündige Weg führte durch einen Wald, und darin über einen brausenden Fluss voll Felsstücke, bis endlich auf einer Felderhöhe die Stadt mit zwei Brüdertürmen und mit der Saale in der Talebene den begnügsamen kleinen Träger übermäßig überschüttete und ausfüllte.“

Jean Pauls Weg zu seinen Großeltern führte von Joditz nach Hof immer an der Saale entlang
Jean Pauls Weg zu seinen Großeltern führte von Joditz nach Hof immer an der Saale entlang

Der Weg geht im Prinzip immer an der Saale entlang, einmal rechts vom Fluss, einmal links vom Fluss. Kein anstrengender Weg also, nur manchmal gibt es mäßige Anstiege, bis auf den zur Saalenburg hinauf, der ist kurz und steil.

Die erste Rast - unterwegs auf dem Jean Paul Weg
Die erste Rast – unterwegs auf dem Jean Paul Weg

Die Saalenburg selbst  besteht nur aus einigen wenigen Mauerresten. Und wer dort hinauf kommt und erwartet, etwa einen Bergfried vorzufinden, wird sehr enttäuscht. Das Gelände hat sich ein pfiffiges Wirtspaar zu eigen gemacht und nach seinem Dafürhalten mit „historischen” Dingen ausgestattet. Bemerkenswert!!! Kredenzt wurde zum Mittagessen ein gutes fränkisches Braunbier, das Getränk, das Jean Paul einst allen anderen Getränken vorzog.

Aber Jean Paul wird nicht zur alten Burg hinaufgestiegen sein. Er wird unterhalb davon die Saale überquert haben, um auf schnellstem Wege zu den Großeltern zu gelangen. Schon bald konnten wir von einer Anhöhe aus auch die Türme der Stadt sehen. Ein wunderschöner Anblick, allerdings verschandelt durch moderne Hochhausbauten. Da hatte es Jean Paul noch besser. Er konnte die Idylle voll genießen.

Auch in Hof steht natürlich eine Litfaßsäule der Ausstellung "Jean Pauls Orte"
Auch in Hof steht natürlich eine Litfaßsäule der Ausstellung “Jean Pauls Orte”

Bald erreichten wir das Dorf Unterkotzau – trotz des Namens nichts Unangenehmes. Wieder wurde die Saale überquert, und nach einigen Kilometern waren wir an der Stadtgrenze von Hof.

Wir hatten für unsere Wanderung mit Mittagspause um die fünf Stunden gebraucht. Jean Paul wird schneller gewesen sein!

(Gast-Beitrag von Monika Diedrich – Herzlichen Dank!)