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Geschichte & Geschichten

Blog des Museums Burg Posterstein

Eine Salondame und ein Ritter auf einer Picknickdecke vor Burg Posterstein
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Archiv der Kategorie: Quer durch die Jahrhunderte

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Russische Glaseier, Straußenei und „Steh-auf-Häschen“: Osterfundstücke aus der Sammlung

Geschichte & Geschichten Veröffentlicht am 16. April 2014 von Museum Burg Posterstein21. Januar 2017

Zum Osterfest zeigt das Museum Burg Posterstein österliche Fundstücke, die über die Jahre hinweg den Weg in die Sammlung gefunden haben. Einige stammen aus vergangenen Sonderausstellungen und wurden von regionalen Künstlern gestaltet. Andere sind Jahrzehnte alt und stammen aus fernen Ländern. Unsere neue Mitarbeiterin, die Historikerin Franziska Engemann, begleitete den Aufbau der kleinen Osterausstellung und gibt hier im Blog erste Einblicke:

Das höchste Fest der Christenheit

Eine kleine Osterausstellung auf Burg Posterstein gibt Einblicke in österliche Bräuche im Wandel der Zeit.

Eine kleine Osterausstellung auf Burg Posterstein gibt Einblicke in österliche Bräuche im Wandel der Zeit.

Das höchste Fest der Christenheit steht vor der Tür und überraschender Weise handelt es sich dabei nicht um Weihnachten. Es ist tatsächlich Ostern.

Wie das jüdische Pessach-Fest wird der Ostertermin über den Mondkalender bestimmt. So findet es jedes Jahr am ersten Sonntag nach dem Frühlingsvollmond statt und ist somit ein „bewegliches“ Fest. In der vierzig Tage andauernden vorösterlichen Fastenzeit – der sogenannten Quadragesima – werden in vielen Kirchen als Symbol der Trauer sowohl die Fenster als auch der Altar mit dunklen Tüchern verhängt. Mit dem Ostersonntag, dem der Tag der Auferstehung Christi, beginnt die „österliche Freudenzeit“, welche fünfzig Tage (einschließlich Pfingsten) andauert.

Was war zuerst da: Hase oder Osterei?

Ei und Hase blicken beide auf eine lange, traditionsreiche Geschichte zurück

Ei und Hase blicken beide auf eine lange, traditionsreiche Geschichte zurück

Die bekanntesten Symbole für das Osterfest sind das Ei und der Hase. Beide blicken auf eine lange, traditionsreiche Geschichte zurück. Doch was war zuerst da: Hase oder Osterei?
Wie auch in anderen, vorchristlichen Religionen steht das Ei im Christentum als Symbol für Geburt und Auferstehung, nämlich die Geburt und Auferstehung Christi. Es ist ein Zeichen des neuen Lebens und wird oft in Verbindung mit dem Frühling gestellt. Der Brauch, Eier nach der Farbe der Sonne rot zu färben, ist schon aus vorchristlicher Zeit bekannt. Und auch bei den Römern war es wohl schon Brauch, sich gegenseitig bunte Eier zu schenken.

Gegen Ende des 17. Jahrhunderts lässt sich schließlich auch der „Osterhase“ im Raum Oberdeutschland, Westfalen und Elsass nachweisen und verdrängte seit dem 19. Jahrhundert das Osterlamm von seinem Spitzenplatz unter den beliebtesten Tieren dieser Jahreszeit. In der christlichen Ikonographie spielt der langohrige Geselle jedoch eine wechselhafte Rolle. Zum einen stand er als Fruchtbarkeitssymbol als Synonym für Laster und Unkeuschheit (luxuria). Zum anderen galt er auf Altären (drei Hasen) als Zeichen der Dreifaltigkeit oder in Jagdszenen als Symbol für die vom Teufel (Jäger) verfolgte Seele. Heute sehen wir den kleinen Gesellen am liebsten in Schokoladenform und seinen Freund, das Osterlamm, wohl als Braten auf dem Osterteller.

Osterspielzeug aus Großmutters Zeiten

Ein Lieblingsstück: Nils Holgersson auf dem Weg zur Burg Posterstein

Ein Lieblingsstück: Nils Holgersson auf dem Weg zur Burg Posterstein

Ich habe mich immer gefragt, wie meine Eltern und Großeltern ihre Ostertage verbrachten, als sie noch Kinder waren. Nun ist in einer Vitrine im Eingangsbereich des Museums genau jenes Spielzeug zu finden, das kleine Herzen noch heute höher schlagen lässt: Ein kuscheliger Stoffhase krönt die Fundstücke und reiht sich neben einem „Steh-auf-Häschen“ im Anzug und zwei schönen Füllhasen in die Sammlung der Kuriositäten ein. Auch eine alte Karte mit dem Poststempel 1935 ist darunter und zeigt, dass schon damals große Feiertage zum Nachholen von Geburtstagsgrüßen genutzt wurden. So fragt die Verfasserin Elsbeth ihre Freundin: „Liebe Monika, ich glaube, Du hast jetzt irgendwann Geburtstag??“ (Sicher für viele ein bekanntes Problem, wenn die Geburtstagskalender der medialen Plattformen mal nicht erreichbar sind.)

Ostereier aus Holz, Glas, Keramik

Glaseier aus der Zeit um 1900 im Museum Burg Posterstein

Glaseier aus der Zeit um 1900 im Museum Burg Posterstein

Aus der Zeit um 1900 stammen zwei Glaseier. Auf der einen Seite findet sich der russische Doppeladler mit Krone, auf der anderen ist das Monogramm des letzten russischen Zaren, Nikolaus II., eingraviert. Jener Zar war es auch, der in seiner Regierungszeit um die 40 Stück der berühmten Fabergé-Eier hat herstellen lassen. Ebenfalls aus Russland stammen sechs fein bemalte Holzeier, die 1995/96 in der Werkstatt der Künstlerin Wassa Rosin-Bergmann entstanden. Sie zeigen Winter- und Frühlingsszenen aus deren Heimat.

Über die neu erworbene Sammlung Fink-Heinrich (hauptsächlich Weihnachtskrippen) hat auch ein bemaltes Straußenei seinen Weg ins Museum gefunden. Zu sehen sind darauf Krieger, die eine Antilope jagen.

„Ein kluger Mensch macht nicht alle Fehler selbst…“

Burg Posterstein als Osterschmuck

Burg Posterstein als Osterschmuck

Eines der, meiner Meinung nach, schönsten Stücke aus der Ostthüringer Region ist ein Keramik-Ei mit passendem Teller, gestaltet von dem Künstlerehepaar Schliebner. Darauf besuchen Nils Holgersson und seine Freunde, die Wildgänse, die Burg Posterstein. Ein anderes Ei zitiert Goethes berühmten „Osterspaziergang“ und auf einem weiteren Osterei steht der kluge Spruch: „Ein kluger Mensch macht nicht alle Fehler selbst – sondern läßt auch anderen eine Chance.“

Die Sammlungsstücke sind bis 27. April im Museum zu sehen.

Wie früher Ostern gefeiert wurde, kann man in unserem Blogpost über mittelalterliche Osterbräuche nachlesen.

Von Franziska Engemann / Museum Burg Posterstein

Die Farben der Vergangenheit: Restaurierung und Renovierung auf Burg Posterstein

Geschichte & Geschichten Veröffentlicht am 18. Februar 2014 von Museum Burg Posterstein21. Januar 2017

Seit dieser Woche arbeitet sich ein Maler durch alle Räume der Burg Posterstein. Dabei muss man im Museum nicht nur auf wertvolles Mobiliar acht geben, sondern auch auf die – teilweise freigelegten – Farbschichten vergangener Jahrhunderte.

Seit Februar 2014 sind im Museum Burg Posterstein Malerarbeiten im Gange. Besondere Rücksicht muss dabei auf historische Wandbemalungen genommen werden (Foto: Museum Burg Posterstein).

Seit Februar 2014 sind im Museum Burg Posterstein Malerarbeiten im Gange. Besondere Rücksicht muss dabei auf historische Wandbemalungen genommen werden (Foto: Museum Burg Posterstein).

In den kommenden rund zehn Wochen können Besucher daher immer jeweils einen Raum des Museums nicht betreten. In dieser Woche beginnen die Arbeiten im Gerichtsraum. Dabei soll die originale Farbfassung getreu nach Befund wieder nachgemalt werden. Die Originalbefunde, die bei Restaurierungsarbeiten 1989/90 freigelegt wurden, werden unretouchiert sichtbar gelassen.

Farben des 18. Jahrhunderts

Bei Restaurierungsarbeiten 1989/90 wurden bereits umfangreiche Wandbemalungen freigelegt, die im Museum im Original zu sehen sind (Foto: Museum Burg Posterstein).

Bei Restaurierungsarbeiten 1989/90 wurden bereits umfangreiche Wand- und Kaminbemalungen freigelegt, die im Museum im Original zu sehen sind (Foto: Museum Burg Posterstein).

Bei der Restaurierung der Burg im Jahre 1990 erlaubten gut erhaltene Befunde an Wänden, Kaminen, Türen, Türumrahmungen und Fenstern eine Restaurierung und Ergänzung der vorgefundenen Farbfassungen. Man verzichtete dabei auf eine Nachbildung der textilen Wandbespannungen des späten 18. Jahrhunderts, zeigte dafür aber alle freigelegten Sockel- und Kaminbemalungen, bis auf wenige Retuschen, im Originalzustand.

Das Museum zeigt noch erhaltene Reste der Bemalung aus dem 18. Jahrhundert im Originalzustand (Foto: Museum Burg Posterstein).

Das Museum zeigt noch erhaltene Reste der Bemalung aus dem 18. Jahrhundert im Originalzustand (Foto: Museum Burg Posterstein).

Im Obergeschoss konnten auf diese Art in den meisten Räumen die Raumfassungen rekonstruiert werden, in den verbliebenen Räumen ergänzte man die Farbgebung an den Innenwänden entsprechend dem dokumentierten Grundton.

1999 konnten bereits große Teile einer originalen Kaminbemalung gesicherte werden (Foto: Museum Burg Posterstein).

Originale Sockelbemalung im Museum Burg Posterstein (Foto: Museum Burg Posterstein).

Geraffte Tücher und muschelähnliche Ornamente

1999 untersuchte und sicherte man in einem Raum bereits einen bemalten Kaminbereich. Wenige, fragmentarisch erhaltene Farbreste an den Sockeln der Wände in diesem Raum zeigen Fassungen aus verschiedenen Zeiten. Ein Sockelbereich lässt eine Bandelwerkbemalung in Ocker, Rotbraun und Grau erkennen, während die anderen Teile mit muschelähnlichen Ornamenten in Licht- und Schattenspiel bemalt sind.

Ein ehemaliger Kamin ist in einer Wandmalerei auf trockenem Kalkputz  (Seccobemalung) gefasst (Foto: Museum Burg Posterstein).

Ein ehemaliger Kamin ist in einer Wandmalerei auf trockenem Kalkputz
(Seccobemalung) gefasst (Foto: Museum Burg Posterstein).

Die Risskittungen, das Verputzen der Fehlstellen und die teilweise Retuschierung der Malschichten durch die Restauratorin Bärbel Ginskey gaben der ursprünglichen Fassung ihr geschlossenes Bild zurück.

(Text: Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein)

Sammlerstücke: Was ist eigentlich eine Blocksonnenuhr?

Geschichte & Geschichten Veröffentlicht am 19. Dezember 2013 von Museum Burg Posterstein21. Januar 2017

Aus unserem Alltag verschwinden ständig Dinge, einfach, weil sie nicht mehr gebraucht werden. Das können Disketten, Dia-Projektoren, Lochkarten, handgeschriebene Briefe und Wendetoaster sein – alles Beispiele aus Blogbeiträgen zur Blogparade #dailyvanish von Sebastian Hartmann (alias Museumsheld mit dem Blog „Museum & Social Media“). Bis auf den Wendetoaster haben wir alles irgendwo im Museum, der Ort schlechthin, an dem vergangene Technologien und Gegenstände aufbewahrt werden, wenn sie aus der Mode gekommen sind. Dann können nachfolgende Generationen diese Gegenstände noch einmal mit eigenen Augen sehen und sich wundern, wie die Ahnen damit hantiert haben.

Die Blocksonnenuhr aus der Sammlung des Museums Burg Posterstein

Die Blocksonnenuhr aus der Sammlung des Museums Burg Posterstein

Für die Blogparade wollen wir einen Gegenstand aus unserem Archiv holen, der schon sehr viel länger aus dem Alltag verschwunden ist: Die Blocksonnenuhr. Solche Sonnenuhren gab es schon seit dem frühen 16. Jahrhundert und für die damalige Zeit waren die kleinen Kästen (unsere Sonnenuhr ist etwa 20cm lang und 18cm hoch) ein handliches und bewegliches Werkzeug auf dem Schreibtisch, beispielsweise in Observatorien.

Blocksonnenuhr aus dem 17. Jahrhundert (Museum Burg Posterstein)

Blocksonnenuhr aus dem 17. Jahrhundert (Museum Burg Posterstein)

Die Postersteiner Blocksonnenuhr stammt aus dem 17. Jahrhundert, steht in der Dauerausstellung zur Regionalgeschichte des Altenburger Landes und soll später restauriert werden. Der Quader aus bemaltem Holz enthält einen Kompass zur richtigen Ausrichtung und fünf Sonnenuhren. Wo die Blocksonnenuhr ursprünglich gestanden hat, ist nicht bekannt. Ein berühmter Altenburger Staatsmann und Wissenschaftler, der in seinem Arbeitsalltag u. a. mit Blocksonnenuhren in Berührung kam, ist Bernhard August von Lindenau, der Gründer und Stifter des Altenburger Kunstmuseums Lindenau-Museum.

Einer der führenden Astronomen des frühen 19. Jahrhunderts

Ein berühmter Altenburger Staatsmann und Wissenschaftler, der in seinem Arbeitsalltag u. a. mit Blocksonnenuhren in Berührung kam, ist Bernhard August von Lindenau, der Gründer und Stifter des Altenburger Kunstmuseums Lindenau-Museum

Ein berühmter Altenburger Staatsmann und Wissenschaftler, der in seinem Arbeitsalltag u. a. mit Blocksonnenuhren in Berührung kam, ist Bernhard August von Lindenau, der Gründer und Stifter des Altenburger Kunstmuseums Lindenau-Museum.

Bernhard August von Lindenau war nicht nur einer der bedeutendsten Staatsmänner des 19. Jahrhunderts und ein über die Grenzen seiner Vaterstadt Altenburg hinaus bekannter Kunstsammler, sondern auch ein erfolgreicher Astronom. Am 11. Juni 1779 geboren, wurde er bereits als 15 jähriger gemeinsam mit seinem älteren Bruder August an der juristischen Fakultät der Universität Leipzig immatrikuliert und trat auf Wunsch des Vaters 1801 als Altenburger Kammer-Assessor in den Staatsdienst ein.

In seiner Freizeit widmete er sich aber mathematischen und astronomischen Studien, die ihn über die Jahre zu einem der führenden Astronomen des beginnenden 19. Jahrhunderts werden ließen. In der Landeshauptstadt Gotha beschäftigte der astronomiebegeisterte Herzog Ernst II. den bedeutenden Astronomen Franz Xaver von Zach und hatte auf dem nahen Seeberg die modernste Sternwarte Europas einrichten lassen. Lindenau arbeitete sich so schnell und umfassend in die Astronomie ein, dass er schon 1804 nach dem Weggang Zachs faktisch die Leitung der Sternwarte übernehmen konnte.

Die modernste Sternwarte Europas

Der Tradition Zachs folgend war der Seeberg bei Gotha mit Lindenau an der Spitze mindestens bis 1819 die Drehscheibe für Astronomen aus ganz Europa. Lindenau blieb seiner Leidenschaft ein Leben lang treu. Die astronomische Welt schätzt Bernhard August von Lindenau bis heute. Seit 1935 trägt der Mondkrater mit den Koordinaten 32° 18’ S/ 24° 54’ O seinen Namen.

Natürlich kannte sich Lindenau auch mit Sonnenuhren aus. Aber schon damals wurden diese durch modernere Technik ersetzt. Heute hätte den Erfindern der Blocksonnenuhr vielleicht ein Smartphone gereicht – Sonnenuhren gibt es auch als App.

(von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein)

Mit Christuskind, Hirten, Ochs und Esel: Aus der Geschichte der Weihnachtskrippen

Geschichte & Geschichten Veröffentlicht am 22. November 2013 von Museum Burg Posterstein20. Dezember 2022

In der Adventszeit erobert die Weihnachtskrippensammlung die Burg Posterstein, die hier traditionell schon seit fast 20 Jahren jedes Jahr im Dezember gezeigt wird. Gerade laufen die Vorbereitungen für die diesjährige Ausstellung auf Hochtouren und die Sammlung bekommt sogar noch Zuwachs. Das wollen wir zum Anlass nehmen, um tiefer in die Geschichte der Krippen einzutauchen – mit Auszügen aus unserer Publikation „Weihnachtskrippen – Sammlung Riewe“.

„Ihr Kinderlein kommet …“ – woher stammt die Weihnachtskrippe?

Die Vielfalt der Krippendarstellungen ist ungemein - Sammlung Riewe im Museum Burg Posterstein

Die Vielfalt der Krippendarstellungen ist ungemein – Sammlung Riewe im Museum Burg Posterstein

Wenn wir an Weihnachtskrippen denken, sehen wir vor dem inneren Auge das in ein Tuch gewickelte Jesuskind in einer Futterkrippe im Stroh liegen, daneben die Eltern, die Hirten und die drei heiligen Könige im Stall von Bethlehem. Diese umfassende Darstellung der Geburt Jesus Christus gründet auf einer langen Tradition: Im Jahre 313 nach Christus ließ Kaiser Konstantin der Große das Weihnachtsfest einführen und die Geburt Christi auf den 25. Dezember festschreiben. Der Tag war in der römisch-heidnischen Religion jener Zeit bis dahin dem Fest der unbesiegbaren Sonnengottheit, Sol invictus, geweiht. An deren Stelle trat nun die christliche „Sonne der Gerechtigkeit“, wie der Sammler Jürgen P. Riewe es ausdrückte.

In den Weihnachtsspielen des Mittelalters stand die Krippe im Mittelpunkt

Blick in die Krippensammlung von Jürgen P. Riewe im Museum Burg Posterstein

Blick in die Krippensammlung von Jürgen P. Riewe im Museum Burg Posterstein

Im Jahre 354 nach Christus ließ Bischof Liborius in Rom eine Basilika mit einer Krippenkapelle errichten. In den Weihnachtsspielen des Mittelalters stand die Krippe im Mittelpunkt. Barbara Kruhöffer folgert in ihrem Buch „Weihnachtskrippen der Völker“: „Die Tatsache, daß die Weihnachtskrippe an so vielen Orten fast gleichzeitig aufgetreten ist, macht deutlich, daß sie Vorformen hatte, die generell verbreitet waren und folgerichtig zur Krippe führten.“

Mit Beginn des Barock stellten die Kirchen in Bayern bereits prunkvolle Krippen auf, an denen das Volk Opfergaben niederlegte. Im 16. und 17. Jahrhundert schmückten Krippen den bayrischen Hof und bald auch die Weihnachtsstuben der Bürger. Das 17. und 18. Jahrhundert sah die Hochblüte der Krippenkunst.

Schädliche Kinderbelustigung oder fester Brauch?

Keramikkrippe aus Frankreich - Sammlung Riewe, Museum Burg Posterstein.

Keramikkrippe aus Frankreich – Sammlung Riewe, Museum Burg Posterstein.

Gegen den Brauch, Krippen aufzustellen, vermochte auch die Aufklärung nicht mehr viel, als sie ihn im Jahre 1803 als „schädliche Kinderbelustigung“ verurteilte. Ein Verbot 1792 erlassenes Verbot der Krippenaufstellung in den Kirchen musste nach dem Volkswillen bereits 1804 widerrufen werden. Heimlich aufgestellte Krippen in den Bürgerhäusern waren längst fester Brauch.

„Die Vielfalt der Krippen in Form, Farbe und Material lässt sich nicht einmal erahnen. Berühmte Maler und Bildhauer schufen Krippendarstellung von unschätzbarem Wert. Die Zahl der Krippenausstellungen geht ins Unermeßliche.“, schreibt Jürgen P. Riewe. – Einen Teil dieser Vielfalt konnte er in seiner Krippensammlung festhalten – zu sehen ab 1. Dezember, 15 Uhr, im Museum Burg Posterstein.

Die Postersteiner Krippensammlung

Ausstellungsplakat: Weihnachtskrippen Sammlung Riewe (Museum Burg Posterstein)

Ausstellungsplakat: Weihnachtskrippen Sammlung Riewe (Museum Burg Posterstein)

Jürgen P. Riewe und Carolin Riewe aus Hannover übergaben dem Museum Burg Posterstein 1994 ihre Krippensammlung, die die ganze Vielfalt der Darstellung der Geburt Christi in über 340 Exponaten zeigt. Dazu gehören auch eine Bibliothek und ein volkskundliches Archiv zum Thema.

Noch bevor die Exposition 1994 das erste Mal im Museum Burg Posterstein gezeigt wurde, hatten sich die Sammler, angeregt durch persönliche Begegnungen entschlossen, ihre Sammlung dem Museum Burg Posterstein zu stiften. Jürgen P. Riewe starb im Oktober 2007. Die Krippenausstellung ist jedes Jahr in der Weihnachtszeit im Museum zu sehen.

Im Video von TV-Journalist Gunter Auer zur Krippenausstellung im vergangenen Jahr finden sich auch Archivaufnahmen der Lesungen von Jürgen P. Riewe:

Im Dezember 2013 erhält das Museum Burg Posterstein eine weitere, umfangreiche Krippensammlung – abermals gestiftet von einer Sammlerin aus Hannover. Wir freuen uns sehr, danken der Sammlerin für ihr Vertrauen und verraten in einem nächsten Blogpost bald mehr.

Weihnachten in der Kirche und Burg Posterstein

Detail des barocken Schnitzwerkes in der Burgkirche Posterstein (Foto: Museum Burg Posterstein)

Detail des barocken Schnitzwerkes in der Burgkirche Posterstein (Foto: Museum Burg Posterstein)

Von 1. Dezember bis 5. Januar zeigt das Museum Burg Posterstein eine Auswahl Weihnachtskrippen aus der Sammlung Riewe.
An Heiligabend, 17 Uhr, lädt die Kirchgemeinde Nöbdenitz, zu der auch die Kirche Posterstein gehört, zur Christvesper und zum Krippenspiel mit Pfarrer Wiegand in die Burgkirche ein. Aktuelle Infos zu kirchlichen Veranstaltungen in Posterstein gibt es auf der neuen Facebook-Seite „Evangelisch im Sprottental“.

Zum Weiterlesen:
Blogpost „Magische Nächte zwischen Weihnachten und Dreikönigstag – Weihnachten im Mittelalter“
Im Museum erhältlich: Das Heft Weihnachtskrippen – Sammlung Riewe. Klaus Hofmann. Museum Burg Posterstein, 1995 (Preis: 2,50 Euro)

(Von Marlene Hofmann)

#Blogstöckchen: 20 Dinge, die ihr vielleicht noch nicht wusstet

Geschichte & Geschichten Veröffentlicht am 4. November 2013 von Museum Burg Posterstein21. Januar 2017

Die Münchner Kulturexpertin Tanja Praske bewarf uns am vergangenen Mittwoch mit diesem Blockstöckchen, das gerade eine Art Staffellauf durch verschiedene Blogs macht. Wir haben versprochen, 20 nicht so bekannte Fakten über das Museum Burg Posterstein aus unseren Archiven zu graben und sie euch hier kurz und übersichtlich aufzulisten.

Die Burg zwischen Sage und Wirklichkeit

1. Goldene Kugel mit Inhalt:

Turmkuppel nach Restaurierung 1984Fangen wir ganz oben an. Auf dem Turm befindet sich eine goldene Kugel mit Wetterfahne. Bei der Restaurierung 1984 füllte man den so genannten Turmknopf mit tagesaktuellen Zeitungen, aktuellen Broschüren, Münzen, Fotos, Postkarten und kurzen statistischen Angaben zur Gemeinde Posterstein. Wer den Turmknopf wohl als nächstes öffnen wird?

2. Gefangen auf Burg Posterstein:

verlies-1Das mittelalterliche Verlies der Burg Posterstein befand sich im unteren Teil des Bergfrieds und war 6,50 Meter tief aus dem Fels herausgehauen. Noch im 16. Jahrhundert lässt sich die
Benutzung als Gefängnis nachweisen. Heute wird nur noch selten jemand auf Burg Posterstein eingesperrt, zuletzt vor einigen Jahren zwei Besucher, die zu lange nach Museumsschluss unbemerkt die Aussicht vom Burgturm genossen hatten.

3. Geheime Gänge:

BUrgPostersteinDer Geheimgang der Burg führte im Mittelalter etwa 60 Meter tief nach unten durch den Berg ins Freie. Das war für die Sicherheit der Wehranlage notwendig, um im Ernstfall die Versorgung sicher zu stellen oder einfach nur die Flucht anzutreten zu können. Eine versteckte Treppe im Gerichtsraum gibt es heute noch.

4. Fiktion rund um die Burg:

Posit und SteinDie Burg Posterstein bildet die Kulisse für mehrere Geschichten. Nicht nur, wenn die Burggeister Posti und Stein im Kinderbuch „Ein Fall für Posti und Stein“ ergründen, wer außer ihnen noch in der Burg spukt. Auch der Film „Erik und Maria“ spielt auf der Burg und das Kinderbuch „Das Werk des Johannis Hopf“ von Christiane Vogel beschäftigt sich mit der Sage von der Burgkirche. Weitere Sagen ranken sich um das Dorf und die alte Burg.

5. Die Postersteiner Kirche unter großen Kameraaugen:

Dreharbeiten_KircheIm Juli 2013 stand die Burgkirche Posterstein im Mittelpunkt der MDR-Sendung „Spur der Schätze“, wo ein Fernsehteam zusammen mit Museumsmitarbeitern, Restauratoren und anderen Fachleuten der Sage des Johannis Hopf und der mysteriösen Herkunft des Schnitzwerks auf den Grund gehen wollte. Es entspannt ein interessanter Film, der heute aber leider nicht mehr in der MDR-Mediathek verfügbar ist.

6. Ein Bischof war Mitbesitzer

Tham Pflugk GrabsteinIm 16. Jahrhundert gehörte die Burg Posterstein dem meißnerischen Adelsgeschlecht der Pflugke. 1528 erwarben die Brüder Julius, Haubold, Tham, Andreas und Christoph von Pflugk das Anwesen. Julius wurde später Bischof in Naumburg, während sein Bruder Haubold den Postersteiner Besitz entscheidend festigte. Wegen religiösen Konflikten mit dem Landesherren, ging Julius Pflugk zeitweise nach Mainz ins Exil. Er war zeitlebens um Ausgleich zwischen Katholiken und Protestanten bemüht.

7. Wolf Conrad von Thumbshirn und der Westfälische Frieden

Georg PflugkEin späterer Besitzer Postersteins, Georg Dietrich von Pflugk, war mit einer Tochter von Wolf Conrad von Thumbshirn (1604 -1667) verheiratet. Der Mann mit dem auffälligen Namen war Hof- und Justizrat, später Geheimer Rat und Kanzler sowie Obersteuereinnehmer am Altenburger Hof und seit 1640 Abgeordneter des Herzogtums Sachsen-Altenburg auf dem Reichstag in Regensburg. Als Gesandter des Herzogtums für die Friedensverhandlungen in Münster und Osnabrück wählte man ihn in das Direktorium des Evangelischen Fürstenrates und dort als Verhandlungsführer. Diplomatisch geschickt, war er maßgeblich am Zustandekommen des Westfälischen Friedens von 1648 beteiligt und unterzeichnete diesen mit.

8. Der Laptop des Mittelalters

20131104_150111In der Ausstellung kann man ein sogenanntes „Reisebureau“ aus der ersten Hälfte 17. Jahrhunderts sehen. Diese Reisetruhe, mit Tragegriffen, beschlagen mit geprägtem Messingblech und Eisenbändern ist ein sehr seltenes Exponat. Sie besteht aus zwei Etagen, mit acht bzw. fünf Schubkästen zum Aufbewahren von Schreibutensilien. Solche Truhen führten nicht nur Juristen auf ihren „Dienstreisen“ mit sich, sondern sie gehörten auch zur Ausstattung der Sprösslinge von Adligen auf der „Kavalierstour“. – Sowohl Juristen als auch wohlbetuchte und nicht so wohlbetuchte Sprösslinge haben heute stattdessen ihren Laptop bei sich.

9. Exotische Früchte: die Frucht einer Steinnusspalme aus Südamerika

steinussDie Samen der Früchte der Steinnusspalmen nennt man Steinnüsse. Sie kommen aus den tropischen Gebiete Südamerikas. Anfang des vergangenen Jahrhunderts wurden im Thüringischen Schmölln aus diesen Steinnüssen Knöpfe. Steinnüsse wurden in jener Zeit von Schiffen, die ohne Fracht von Amerika nach Deutschland zurückfuhren, als Ballast geladen, um dann vor allem im Hamburger Hafen billig verkauft zu werden. Nachdem sie sich in Berlin inspirieren lassen hatten, begannen die Schmöllner Brüder Donath 1867 mit der Steinnussknopffabrikation mittels Handdrehbänken. 1870 kaufte Hermann Donath die erste Dampfmaschine. Schon 1914 war man Weltmarktführer in der industriellen Herstellung von Steinnussknöpfen und beschäftigte 2000 Arbeiter. Zur Sammlung der Burg Posterstein gehören auch die Zeugnisse dieser Industrie – Teile davon sind heute im Knopfmuseum Schmölln zu sehen.

10. Hans Fallada entdeckte hier die Liebe zur Kartoffel:

Fallada-229x300Der in Greifwald geborene Schriftsteller Rudolf Ditzen, alias Hans Fallada, verbrachte nach seinem missglückten Selbstmordversuch einige Zeit in Tannenfeld, das damals Nervenheilanstalt war. Im Anschluss ging er 1913 bis 1915 auf dem Rittergut Posterstein in die Lehre, wo er sich zum Landwirt – mit dem Spezialgebiet Kartoffelzüchtung – ausbilden ließ.

Gewollte und ungewollte „Löcher“

11. Neben den Schießscharten brüten Mauersegler:

Mauersegler_Zeichnung MarleneBei der Restaurierung der Burg 1984 wurden die bereits vorhandenen Brutstellen der Mauersegler und Turmfalken als Nischen ausgebildet und die Einfluglöcher in die neue Putzstruktur integriert. Die Nester sind heute noch „in Betrieb“.


12. In Stand gesetzt:

Sanierungsarbeiten2013Neben der umfangreichen Restaurierung der Burg zwischen 1981 und 1991, konnte 1992 bis 1994 auch die Burgkirche umfassend restauriert werden. In diesem Jahr wurden kleinere „Auffrischarbeiten“ in der Halle der Burg durchgeführt und gleichzeitig die schlimmsten Erdbebenrisse im Bergfried beseitigt.

13. Ein ganzer Flügel der Burg fehlt: der Nordflügel

Ruine Nordflügel-2Die Gebrüder von Werder begannen 1718 mit dem Umbau des alten Nordflügels der Burg. Man errichtete einen repräsentativen Festsaaltrakt, mit Fußböden und Kaminen aus Marmor. Unter den Reichsgrafen von Flemming wurde der Bau schließlich vollendet. Nach der Enteignung des Postersteiner Besitzes durch die Bodenreform nach dem zweiten Weltkrieg wurde das Bauwerk bis auf die Kreuzgewölbe des Kellergeschosses abgerissen und ist seither Ruine. Der Wiederaufbau würde uns heute über zwei Millionen Euro kosten.

Ein Kinderspiel

14. Ringezielen, Dreibeinlauf und Kreiselschlagen:

Kinderspiele_KreiselZu unserem museumspädagogischen Programm für Schulklassen gehört unter anderem das Themenprogramm „Mittelalterliche Traditionen und Lebensweisen“. Dort kriegen die Kinder nicht nur etwas über das Ritterleben erzählt, sondern können auch alte Kinderspiele selbst ausprobieren.

15. Ritterspiele seit über 20 Jahren:

Burgfest2013-1Seit 1991 schon gibt es Mittelalterspektakel und Ritterspiele auf Burg Posterstein. Nach einer zwischenzeitlichen kurzen Pause um die Jahrtausendwende fand eine Neuausrichtung statt.
Seither veranstaltet das Museum gemeinsam mit der COEX VeranstaltungsGmbH (http://www.coex-gmbh.de/) das Spektakel, zu dem jedes Jahr zu Pfingsten um die 8000 Gäste kommen. – In den 1990ern waren wir übrigens zur Inspirationssuche in Polen, wo anlässlich der Ritterkämpfe echte Krankenwagen neben der Burgruine parkten – und zum Einsatz kamen. Vor schweren Verletzungen braucht man in Posterstein keine Angst zu haben – sollte aber trotzdem auf der Hut sein….

16. Was haben Ritter mit Kuchen zu tun?

BurgcafeNichts, im Grunde. Aber bei uns hat sich die Tradition entwickelt, dass Mitglieder des Museumsvereins während des Mittelalterspektakels ein kleines Café im Burgkeller betreiben, in dem es nachmittags selbstgebackenen Blechkuchen (pro Wochenende an die 40 Kuchenbleche) gibt. – Da kommen auch die Ritter gern hin.

Das Netzwerk

17. Ein lebendiges Museum braucht Helfer und Unterstützer:

MuseumsvereinDerzeit hat der Museumsverein Burg Posterstein e.V. 52 Mitglieder, die regelmäßig bei Veranstaltungen, auch bei Übersetzungs- und Korrekturarbeiten im Museumsalltag einspringen. – Herzlichen Dank an alle! Einmal im Jahr begeben wir uns auf eine gemeinsame Bildungsfahrt.

18. Eine Ausstellung folgt den Reisewegen der Herzogin von Kurland:

Ausstellung_Valencay07Die Wanderausstellung „Lebensstationen der Herzogin von Kurland“ reiste nach der Eröffnung in Posterstein (2006) nach Lettland (Schloss Ruhental 2008), Polen (Schloss Sagan 2009) und Frankreich (Schloss Valencay 2007). Zur Schau im Schloss Valençay des ehemaligen Ministers Talleyrand kamen 43.000 Besucher. Unterstützt wurde das Vorhaben von der Bürgerstiftung Altenburger Land.

19. Eine Löbichauer Büste in Paris:

Paris_BilettesAm 20. August 1821 starb die Herzogin Anna Dorothea von Kurland in Löbichau und wurde unter Anteilnahme von 7000 Trauergästen im „Herzoglichen Begräbniß im Hain“ beigesetzt.
In der Kirche Großstechau, neben dem Schloss, brachte man 1878 ein Relief über der Wandnische an, die zur Aufbewahrung der Urne des Herzens Herzogin diente. Es ist eine Arbeit von Wilhelm Troschel (1844 -1892), Sohn des bekannten Bildhauers Julius Troschel (1806-1863), einem Schüler Christian Daniel Rauchs. Im Oktober 2006 weilten Vertreter der Kirchgemeinde Großstechau und des Museumsvereins Burg Posterstein in Paris, um an einer Feier zu Ehren der Herzogin von Kurland in der „Kirche des Billettes“ der französischen Hauptstadt teilzunehmen. Im Rahmen der Veranstaltung wurde dort ein Abguss dieses Reliefs aus der Großstechauer Kirche übergeben und angebracht. Es erinnert seither an die Zeit der Herzogin und ihr karikatives Wirken in der lutherischen Kirche zu Paris.

20. Ein deutsch-französischer „Salon“:

Musenhof-1Die Freunde Talleyrands waren schon mehrfach in Posterstein, Löbichau und Tannenfeld zu Gast und wir begaben uns gemeinsam auf die Spuren der Herzogin von Kurland. Zum letzten Mal an deren 250. Geburtstag 2011. Das nächste Jubiläum und das nächste Gemeinschaftsprojekt stehen schon bevor: 2015 jährt sich der Wiener Kongress zum 200. Mal.


Nun muss man so ein Blogstöckchen ja am besten weiter werfen, wenn man ihm als Museum keine Inventarnummer im Archiv geben will. Deshalb haben wir das österreichische Universalmuseum Joanneum – ein fleißig bloggendes und twitterndes Museum (@Joanneum) – auserkoren, den Blogstaffel-Marathon fortzusetzen. – Wir sind gespannt auf die vielen noch weitgehend unbekannten Informationen aus Graz!

(von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein)

Blogparade „IMT13 – wir machen mit!“: Geschichten für Erwachsene, Erlebnisse für Kinder

Geschichte & Geschichten Veröffentlicht am 10. April 2013 von Museum Burg Posterstein21. Januar 2017
Die Burg Posterstein 2012

Die Burg Posterstein lädt zum Internationalen Museumstag 2013 (Foto: Museum Burg Posterstein)

#IMT13 ist kein Kürzel für einen Geheimagenten, sondern das Twitter-Lesezeichen für alle Beiträge zum Internationalen Museumstag am 12. Mai 2013. Zum Museumstag gehört dieses Jahr auch eine Blogparade, an der auch das Museum Burg Posterstein teilnehmen will: IMT13 – wir machen mit! Und was das auf Burg Posterstein bedeutet, erfahren Sie hier:

Was erwartet Sie in Posterstein? – Schatzsuche, Grabung, Sonderführung

Zum Internationalen Museumstag werden auf Burg Posterstein Geschichten aus dem 19. Jahrhundert erzählt und Schätze gehoben. Während es für die Erwachsenen um 13.30 Uhr eine Sonderführung zu unserem Forschungsgebiet „Zwischen Metternich und Tallyrand: Der Musenhof der Herzogin von Kurland im Schloss zu Löbichau“ und um 15 Uhr zum

Jedes Jahr kommen um die 2000 Kinder auf die Burg Posterstein

Kleine Ritter auf Schatzsuche mit den Burggespenstern Posti und Stein (Bild: Museum Burg Posterstein)

Musenhof-Besuch des Dichters Jean Paul eine Lesung mit dem Grafiker, Bildhauer und Autor Peter Schönhoff geben wird, sollen sich die Kinder nicht langweilen. Stattdessen gehen kleine Ritter und Burgfräuleins auf Schatzsuche mit den Burggespenstern Posti und Stein, die mit den Kindern von den Kellergewölben bis zum Turmstübchen die ganze Burg nach dem gestohlenen Schatz der Postersteiner Burgherren durchkämmen (ab 15 Uhr, parallel zur Lesung). Oder sie nehmen an archäologischen Ausgrabungen teil und fertigen Steinzeitkunst und -schmuck (ab 11 Uhr).

Vergangenheit erinnern; Zukunft gestalten? – Online und offline

Ausstellung "Jean Pauls Orte"

2013 wäre Jean Paul 250 Jahre alt geworden. An seinem Geburtstag am 21. März wurde vor der Burg als Teil der internationalen Ausstellung „Jean Pauls Orte“ zum Gedenken an den Schriftsteller eine Litfaßsäule enthüllt. (Bild: Museum Burg Posterstein)

Nicht nur mit unserem Programm zum Internationalen Museumstag wollen wir „die ganze Familie“ erreichen. Um an die Zukunft erinnern zu können, müssen Museen entstaubt werden und schrittweise mit der Zeit gehen. Deshalb lesen Sie hier einen Beitrag zu einer Blogparade. Deshalb können Sie uns auf Facebook und Twitter folgen, unseren Blog lesen und unser Kinderbuch „Ein Fall für Posti und Stein“ Ihrem 7jährigen Sohn mit Ritter-Faible auch als E-Book herunterladen. Vernetzung – mit Besuchern und anderen Museen – wird zunehmend digital stattfinden. Kommen die digitalen Freunde dann auch einmal analog ins Museum, wollen wir mit Vorträgen, Führungen und spielerischer Geschichtsvermittlung zu echter „offline“ Interaktion einladen.

Wie passt der Musenhof zur Ritterburg?

Die Herzogin Anna Dorothea von Kurland (Bild: Burg Posterstein)

Die Herzogin Anna Dorothea von Kurland besaß zwei Schlösser in unmittelbarer Nähe zu Posterstein. Dort führte sie einen Salon, den „Musenhof Löbichau“. (Bild: Burg Posterstein)

Das Museum Burg Posterstein gibt in seinen Dauerausstellungen Einblicke in die regionale Geschichte. Schwerpunkte bilden einmal die Kulturgeschichte des Altenburger Landes (von Altenburger Bauern, bedeutenden Burgherren und Pionieren der Industrialisierung bis hin zu Wismut und Uranbergbau); und außerdem das Geschehen um den Musenhof der Herzogin von Kurland, zu dem das Museum bereits seit Anfang der 1990er Jahre intensive Forschung betreibt. Die Herzogin Anna Dorothea von Kurland besaß in der Nähe von Posterstein zwei Schlösser (Löbichau und Tannenfeld), wo sie einen viel beachteten kulturellen Salon betrieb. Für einen Wimpernschlag der Geschichte war Löbichau ein Zentrum zwischen Berlin, Paris, Karlsberg und Wien. Bedeutende Löbichauer Gäste waren Zar Alexander I.; die Schriftsteller Johann Wolfgang von Goethe, Jean Paul (dem seit 21. März anlässlich seines 250. Geburtstags eine Litfaßsäule vor der Burg gewidmet ist) und Elisa von der Recke; der Verleger Friedrich Arnold Brockhaus, der Strafrechtler Paul Anselm Feuerbach, der Freiheitskämpfer Theodor Körner u. a.

Gebackener Katzendreck

Zum Internationalen Museumstag lässt Peter Schönhoff die Löbichauer Gäste und natürlich ihre Gastgeber mit der Lesung seiner Novelle „Gebackener Katzendreck“ anschaulich wieder auferstehen. Das Museum Burg Posterstein hat zusammen mit dem Autor das Buch „Löbichauer Sommer“ zum 250. Geburtstag des Dichters Jean Paul neu aufgelegt.

Zum Weiterlesen:

Programm des Internationalen Museumstag 2013

Weitere Beiträge zur Blogparade „IMT2013 – Wir machen mit“

Löbichauer Sommer Buchtitel

Buchtitel „Löbichauer Sommer “ (2013)

„Löbichauer Sommer: Impressionen aus dem Musenhof der Herzogin von Kurland. Jean Paul in Löbichau.“
32 Seiten s/w, Museum Burg Posterstein, 2013
ISBN 978-3-86104-091-0
(8,00 Euro)

 

 

 

 

(Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein)

Bauarbeiten machen „Geheimtreppe“ Besucher zugänglich

Geschichte & Geschichten Veröffentlicht am 10. Februar 2013 von Museum Burg Posterstein20. Dezember 2022

Unser Beitrag zur Kultur-Blogparade 2013 der Residenz München !

Auf Burg Posterstein gibt es eine versteckte Treppe, die normalerweise für Besucher nicht zugänglich ist: Verdeckt von einem zimmerhohen Schrank führte die “Geheimtreppe” vom ehemaligen Gerichtszimmer der Burgherren hinab in die Küche, auf den Hof und in den „Unteren Saal“; und von dort weiter in einen Kellerbereich. Früher diente dieser Gang möglicherweise als Fluchtweg, heute endet der Weg bereits in der eine Etage tiefer liegenden Galerie.

Die "Geheimtreppe" auf Burg Posterstein

Die „Geheimtreppe“ auf Burg Posterstein (c) Museum Burg Posterstein

Bei normalem Ausstellungsbetrieb können Besucher nur einen Blick in den Schrank hineinwerfen. Allenfalls den mehr als 2000 kleinen Rittern und Burgfräuleins, die jedes Jahr mit ihren Schulklassen und Geburtstagsgästen mit den Burggeistern Posti & Stein auf Erkundungstour gehen, erlauben die Burggespenster den Aufstieg durch die Geheimtreppe.

Nein, hier hat nicht Christo verhüllt: Bauarbeiten auf Burg Posterstein im Februar 2013

Nein, hier hat nicht Christo verhüllt: Bauarbeiten auf Burg Posterstein im Februar 2013

Bis Ende Februar finden jedoch Bauarbeiten in der Oberen Halle und dem Bergfried der Burg Posterstein statt – und dann werden alle Besucher den verdeckten Eingang nutzen müssen. Bei den Bauarbeiten sollen nicht nur die zum letzten Mal vor 20 Jahren restaurierten Räume saniert werden, sondern auch gleich noch die Risse, die beim großen mitteldeutschen Erdbeben 1872 im Turm entstanden sind, verschlossen werden. Im Video des freien Journalisten Gunter Auer (unten) erklärt Museumsdirektor Klaus Hofmann u. a. die Restaurierungspläne.

Während die Handwerker arbeiten, läuft der Museumsbetrieb normal weiter und die Dauerausstellungen können besichtigt werden. Im Gerichtsraum wird geheiratet, die Burggeister führen weiter Kinder durch die Burg und im Büro werden die nächsten großen Sonderausstellungen vorbereitet, zum Beispiel die zum 200. Jahrestag der Völkerschlacht bei Leipzig, die am 1. September beginnt.

Hier finden Sie das Video Burg Posterstein – Rückblick 2012 und Vorschau 2013 auf Vimeo.

Dann sollen Napoleon-Karikaturen gezeigt und die Forschungsergebnisse verschiedener regionaler Historiker über die Ereignisse und die handelnden Personen des Jahres 1813 vorgestellt werden. – Schließlich waren sowohl die Region um Altenburg als auch der Kreis um die Herzogin von Kurland unmittelbar von dem in Leipzig stattgefundenen Kriegsgeschehen betroffen. In Altenburg selbst hielten sich kurz vor und während der Schlacht die Herrscher und führende Generäle der antinapoleonischen Allianz auf. Friedrich Arnold Brockhaus gab in Altenburg die Deutschen Blätter heraus und war damit Kriegsberichterstatter im Auftrag des Oberbefehlshabers der Alleierten Armeen Fürst Schwarzenberg. Eine Publikation zur Ausstellung wird ebenfalls erscheinen, für die gerade Recherchearbeiten in Wiener Archiven stattfanden.

Weitere Informationen: www.burg-posterstein.de

Von Marlene Hofmann, Museum Burg Posterstein

Beitrag zur Blogparade 2013 der Residenz München

Mit dem Hochrad zum Vesuv

Geschichte & Geschichten Veröffentlicht am 6. Juli 2012 von Museum Burg Posterstein21. Januar 2017
Das über 100 Jahre alte Hochrad gehört zur Sammlung des Museums Burg Posterstein.

Das über 100 Jahre alte Hochrad gehört zur Sammlung des Museums Burg Posterstein.

Für den Ronneburger Heimatverein haben wir  unser Hochrad aus dem Depot geholt. Möglicherweise handelt es sich um das Rad, mit dem der Ronneburger Druckereibesitzer Hugo Barthol vor über 100 Jahren bis zum Vesuv geradelt ist. Der Heimatverein recherchiert.

1884 fuhr der Ronneburger Hugo Barthol mit dem Hochrad nach Italien – eine unbequeme und viel Kraft kostende Art zu reisen. Sein Weg führte dabei unter anderem durch Straßburg,  Kehl, Freiburg, Kandern, Basel, Schaffhausen, Konstanz, Friedrichshafen, Winterthur, Zürich, Luzern, Mailand, Turin und Neapel. Nach Recherchen des ehemaligen Ronneburger Museumsleiters Prof. Dr. H. Schmidt heißt es in Barthols Reiseberichten: „Herr Barthol weilt nun längere Zeit in dem Land, wo die Zitronen blühen.“

 

Beben im Indischen Ozean konnte auch in Thüringen gemessen werden

Geschichte & Geschichten Veröffentlicht am 12. April 2012 von Museum Burg Posterstein21. Januar 2017
Erdbebenmessung in Heukewalde, 11. April 2012

Erdbebenmessung in Heukewalde, 11. April 2012

Auch in der Messstation Heukewalde (Kürzel HKWD), die in direkter Nachbarschaft zur Burg Posterstein liegt, ließ gestern das Beben im Indischen Ozean den Seismographen ausschlagen. Das obige Bild zeigt die gestrigen Messdaten aus Heukewalde. Die Grafik verdeutlicht eindrucksvoll, wie stark das Erdbeben im Indischen Ozean war – was aussieht, wie ein Erdbeben in Mitteldeutschland, ist ein Nebeneffekt des Bebens auf der anderen Seite der Erde. Auf der Website der Universität Leipzig kann man die aktuellen Tagesdaten der verschiedenen Stationen einsehen: http://linap6.geo.uni-leipzig.de/sxweb/

Auch die Ostthüringer Zeitung berichtete zum Thema

Mehr Infos zu Beben in Mitteldeutschland gibt es hier: http://burgposterstein.wordpress.com/2011/09/16/in-posterstein-bebt-die-erde/

http://www.otz.de/web/zgt/leben/detail/-/specific/Observatorium-Moxa-erfasst-alle-Beben-ab-6-0-auf-Richterskala-310232784

Austern unterm Schloss

Geschichte & Geschichten Veröffentlicht am 23. Februar 2012 von Museum Burg Posterstein20. Dezember 2022

Der Landkreis Altenburger Land ließ das Schloss in Löbichau, ehemals Musenhof der Herzogin Dorothea von Kurland, 2009 abreißen. Auf der Fläche wurde ein Neubau errichtet, der heute als Pflegeheim dient. Die Fassade erinnert noch an das Schloss und Löbichaus Glanzzeiten im frühen 19. Jahrhundert (mehr dazu). Bevor jedoch der Neubau entstand, führte das Thüringische Landesamt für Archäologie und Denkmalpflege archäologische Grabungen auf dem Gelände durch. Davon und von anderen aktuellen Grabungsprojekten der Behörde berichtet vom 4. März bis 30. April 2012 die Sonderausstellung „Archäologie im Altenburger Land“ auf Burg Posterstein.

Schloss Löbichau, Ansichtskarte von 1904 (Museum Burg Posterstein)

Schloss Löbichau, Ansichtskarte von 1904 (Museum Burg Posterstein)

Schon drei Umbauten seit dem 16. Jahrhundert
Bei den Grabungen in Löbichau konnten drei Bauphasen festgestellt werden. Die früheste datiert ins 16. Jahrhundert. Zu dieser Zeit dominierten offenbar noch Wirtschaftsgebäude des ehemaligen Rittergutes Löbichau den späteren Standort des Schlosses. Der Brand aus dem Jahr 1766 war für die Fachleute an Hand von großflächigen Schuttverfüllungen deutlich nachweisbar. Die zweite Bauphase folgte, nachdem die Herzogin Anna Dorothea von Kurland das Anwesen 1795 kaufen ließ. Bis 1800 ließ sie den Südwestflügel des Rittergutes in ein klassizistisches Schloss umbauen, in das sie fortan in den Sommermonaten regelmäßig Staatsmänner, Dichter, Künstler und Musiker ihrer Zeit einlud (mehr dazu). Die dritte Bauphase begann etwa in der Mitte des 19. Jahrhunderts, als nach dem Tod der Herzogin Anna Dorothea von Kurland 1821 das Schloss zunächst als Wohnsitz ihrer Familie, später als „Johanna-Luisen-Stift“ und seit 1945 als Alten- und Pflegeheim genutzt wurde. Besonders in die letzte Zeitepoche datieren verschiedene Ein- und Anbauten wie Mauern, Keller und Rampen.

Abrissarbeiten am Schloss Löbichau 2009 (c) Thüringisches Landesamt für Archäologie und Denkmalpflege

Abrissarbeiten am Schloss Löbichau 2009 (c) Thüringisches Landesamt für Archäologie und Denkmalpflege

Messer, Hufeisen und Austernschalen
Das Fundmaterial datiert vom 14. und 15. Jahrhundert bis in unsere heutige Zeit. Es setzt sich vor allem aus Keramikscherben, Dachziegelresten, eisernen Gegenständen wie Beschlägen, Nägeln, Messern, Hufeisenteilen und Tierknochen zusammen. An Kleinfunden sind ein Spinnwirtel, Pfeifenbruchstücke, Austernschalen, Tonmurmeln, Holzperlen eines Rosenkranzes und eine Münze aus dem 18. Jahrhundert zu nennen. Wenige bearbeitete Hölzer ergänzen das Spektrum. Die oben erwähnte Münze ist ein Rechenpfennig von Johann Jacob Dietzel (1711-1748) aus Messing.

Plakat Sonderausstellung Archäologie im Altenburger Land auf Burg Posterstein 2012

Plakat Sonderausstellung Archäologie im Altenburger Land auf Burg Posterstein 2012

Ausgrabung in der Kiste
Die Ausstellung „Archäologie im Altenburger Land“ wird am 4. März, 15 Uhr, auf Burg Posterstein eröffnet. Im Begleitprogramm zur Ausstellung bietet das Museum u. a. Führungen für Kinder an: Unter dem Motto: „Was ist Archäologie? – Ausgrabung in der Kiste“, können die kleinen Besucher lernen, was beim Ausgraben von Gegenständen aus unterschiedlichen Zeiten zu beachten ist, welche Erkenntnisse gewonnen werden oder wie ein Fundbericht verfasst wird. Eine Voranmeldung ist hierfür erforderlich.

Live von der Baustelle
Einen Einblick in die Ergebnisse der Grabungen gibt auch ein Kurzfilm des lokalen Senders TV Kabel Plus vom August 2009:

Mehr zur Grabung in Löbichau:
Sonderausstellung „Archäologie im Altenburger Land“, vom 4. März bis 30. April 2012 im Museum Burg Posterstein
Weitere Infos auf der Website des Thüringischen Landesamtes für Denkmalpflege

Von Marlene Hofmann

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Geschichte & Geschichten

Das thüringische Museums Burg Posterstein bloggt seit 2011 über Geschichte und Geschichten aus Sammlung, Forschung und Museumsalltag.

IN ENGLISH: Since 2011 the German Museum Burg Posterstein writes stories about its collection, research and everyday life at the museum – here you find all texts in English.

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