Austern unterm Schloss

Der Landkreis Altenburger Land ließ das Schloss in Löbichau, ehemals Musenhof der Herzogin Dorothea von Kurland, 2009 abreißen. Auf der Fläche wurde ein Neubau errichtet, der heute als Pflegeheim dient. Die Fassade erinnert noch an das Schloss und Löbichaus Glanzzeiten im frühen 19. Jahrhundert (mehr dazu). Bevor jedoch der Neubau entstand, führte das Thüringische Landesamt für Archäologie und Denkmalpflege archäologische Grabungen auf dem Gelände durch. Davon und von anderen aktuellen Grabungsprojekten der Behörde berichtet vom 4. März bis 30. April 2012 die Sonderausstellung „Archäologie im Altenburger Land“ auf Burg Posterstein.

Schloss Löbichau, Ansichtskarte von 1904 (Museum Burg Posterstein)
Schloss Löbichau, Ansichtskarte von 1904 (Museum Burg Posterstein)

Schon drei Umbauten seit dem 16. Jahrhundert
Bei den Grabungen in Löbichau konnten drei Bauphasen festgestellt werden. Die früheste datiert ins 16. Jahrhundert. Zu dieser Zeit dominierten offenbar noch Wirtschaftsgebäude des ehemaligen Rittergutes Löbichau den späteren Standort des Schlosses. Der Brand aus dem Jahr 1766 war für die Fachleute an Hand von großflächigen Schuttverfüllungen deutlich nachweisbar. Die zweite Bauphase folgte, nachdem die Herzogin Anna Dorothea von Kurland das Anwesen 1795 kaufen ließ. Bis 1800 ließ sie den Südwestflügel des Rittergutes in ein klassizistisches Schloss umbauen, in das sie fortan in den Sommermonaten regelmäßig Staatsmänner, Dichter, Künstler und Musiker ihrer Zeit einlud (mehr dazu). Die dritte Bauphase begann etwa in der Mitte des 19. Jahrhunderts, als nach dem Tod der Herzogin Anna Dorothea von Kurland 1821 das Schloss zunächst als Wohnsitz ihrer Familie, später als „Johanna-Luisen-Stift“ und seit 1945 als Alten- und Pflegeheim genutzt wurde. Besonders in die letzte Zeitepoche datieren verschiedene Ein- und Anbauten wie Mauern, Keller und Rampen.

Abrissarbeiten am Schloss Löbichau 2009 (c) Thüringisches Landesamt für Archäologie und Denkmalpflege
Abrissarbeiten am Schloss Löbichau 2009 (c) Thüringisches Landesamt für Archäologie und Denkmalpflege

Messer, Hufeisen und Austernschalen
Das Fundmaterial datiert vom 14. und 15. Jahrhundert bis in unsere heutige Zeit. Es setzt sich vor allem aus Keramikscherben, Dachziegelresten, eisernen Gegenständen wie Beschlägen, Nägeln, Messern, Hufeisenteilen und Tierknochen zusammen. An Kleinfunden sind ein Spinnwirtel, Pfeifenbruchstücke, Austernschalen, Tonmurmeln, Holzperlen eines Rosenkranzes und eine Münze aus dem 18. Jahrhundert zu nennen. Wenige bearbeitete Hölzer ergänzen das Spektrum. Die oben erwähnte Münze ist ein Rechenpfennig von Johann Jacob Dietzel (1711-1748) aus Messing.

Plakat Sonderausstellung Archäologie im Altenburger Land auf Burg Posterstein 2012
Plakat Sonderausstellung Archäologie im Altenburger Land auf Burg Posterstein 2012

Ausgrabung in der Kiste
Die Ausstellung „Archäologie im Altenburger Land“ wird am 4. März, 15 Uhr, auf Burg Posterstein eröffnet. Im Begleitprogramm zur Ausstellung bietet das Museum u. a. Führungen für Kinder an: Unter dem Motto: „Was ist Archäologie? – Ausgrabung in der Kiste“, können die kleinen Besucher lernen, was beim Ausgraben von Gegenständen aus unterschiedlichen Zeiten zu beachten ist, welche Erkenntnisse gewonnen werden oder wie ein Fundbericht verfasst wird. Eine Voranmeldung ist hierfür erforderlich.

Live von der Baustelle
Einen Einblick in die Ergebnisse der Grabungen gibt auch ein Kurzfilm des lokalen Senders TV Kabel Plus vom August 2009:
[vimeo http://vimeo.com/36758499]

Mehr zur Grabung in Löbichau:
Sonderausstellung „Archäologie im Altenburger Land“, vom 4. März bis 30. April 2012 im Museum Burg Posterstein
Weitere Infos auf der Website des Thüringischen Landesamtes für Denkmalpflege

Von Marlene Hofmann

Die slawische Besiedlung des Altenburger Landes

Seit dem 6. Jahrhundert dehnte sich das slawische Siedlungsgebiet bis an die Elbe und Saale aus. In dieser Zeit siedelten auch im heutigen Altenburger Land slawische Völker. Die hier ansässigen germanischen Bauern wurden im Laufe der weiteren Entwicklung in die Stammesgemeinschaften der Slawen aufgenommen.

Der slawische Stamm, der am westlichsten siedelte, waren die Sorben. Ihr Einzugsgebiet erstreckte sich von der oberen Mulde über die Elster bis zur Saale. Sie gliederten ihr Land durch natürliche Waldgrenzen in Gaue (Verwaltungseinheiten), in deren Mittelpunkt sich eine Gauburg befand. Die Landschaft zwischen Pleiße und Elster gehörte zu den Gauen Geraha und Plisni. Im Bereich der Ortschaften Löbichau, Nöbdenitz, Vollmershain und Thonhausen verlief die Grenze zwischen dem Gau Plisni und Geraha.

Ortsnamen sowie Dorf- und Flurformen geben Hinweise auf die slawische Besiedlung

Rittergut Meuselwitz / Meuselwitz Manor (c) Museum Burg Posterstein
Der Ortsname Meuselwitz verrät die slawischen Ursprünge der Stadt (Bild: (c) Museum Burg Posterstein)

Fast 70 Prozent der Ortsnamen im Altenburger Land sind slawischen Ursprungs. Kennzeichnend für slawische Ortsnamen sind die Endungen: Ehemals slawische Endungen wie –ici und -ovici sind heute noch als –itz (z.B. Raudenitz, Sommeritz) und –witz (z.B. Meuselwitz) erhalten, während Ortschaften auf –ovo, -ova und –ove heute auf –a und –au enden, wie beispielsweise Lohma, Kosma und Löbichau. Ursprünglich auf –ine, -ina und –ino endende slawische Ortsnamen, lauten heute meist auf –eu. Auf diese Art lässt sich auch heute noch an Hand des Namens recht zuverlässig feststellen, welcher Ort slawische Gründungen sind: Während Nischwitz, Nitschka und Zschernitzsch slawische Wurzeln haben, gehen ihre Nachbarorte Grünberg, Heyersdorf und Weißbach auf germanische Siedlungen zurück.

Auch die Dorf- und Flurformen dieser Orte geben Hinweise auf deren Ursprung: Während die deutschen Gründungen in der Region oft eine kilometerlange Aneinanderreihung von Häusern und Höfen sind, waren die slawischen Ortskerne oft kreisförmig, als so genannter „Rundling“ angelegt.

Ausgrabungen in der Kiste

Ein Teil der Dauerausstellung auf Burg Posterstein beschäftigt sich mit der Archäologie der Region. Zur Sammlung gehören beispielsweise Scherbenfunde aus dem Neolithikum oder der slawischen Zeit, steinzeitliche Faustkeile und Reibemühlen und verschiedene andere Werkzeuge. Im Rahmen des museumspädagogischen Programms können Kinder im Studienkabinett Wissenswertes zur Ur- und Frühgeschichte der Region lernen und sich sogar selbst als Archäologen betätigen. Sie graben mit Kelle und Pinsel aus Sandkisten verschiedene Artefakte aus und bestimmen sie anhand der Funde in den Ausstellungsvitrinen. Ein Fundbericht wird erstellt und kann mit nach Hause genommen werden.

Das Programm dauert etwa eine halbe Stunde und ist geeignet für Kinder zwischen acht und zwölf Jahren, z.B. für Schulklassen oder zur Kindergeburtstagsfeier im Museum.

Slawische Funde (Bild: Museum Burg Posterstein)

Slawische Funde (Bild: (c) Museum Burg Posterstein)

Aktuelle archäologische Forschung im Altenburger Land

Im Frühjahr 2012 wird sich vom 4. März bis 30. April eine Sonderausstellung mit der aktuellen archäologischen Forschung im Altenburger Land beschäftigen. Dabei werden Ausgrabungen und Funde der letzten Jahre im Mittelpunkt stehen. Die Ausstellung entsteht in Zusammenarbeit mit dem Thüringischen Landesamt für Archäologie und Denkmalpflege.

(von Marlene Hofmann)

In Posterstein bebt die Erde

Seit Ende August ruckelte in der Region Posterstein ab und zu ein wenig die Erde. Die Messstation Heukewalde der Universität Jena verzeichnet leichte Schwarmbeben in dieser Zeit. Im Vogtland und Teilen von Westsachsen wurden sogar Beben der Stärke 4 auf der Richterskala gemessen (Vgl. Ostthüringer Zeitung). Anschauen kann man sich die aktuellen Seismogrammausschnitte auf der Website der Universität, wenn man nach den Erdbebenaufzeichnungen der Station mit dem Kürzel HKWD (Heukewalde) sucht.

Seismogrammausschnitt der Station Heukewalde vom 4. September 2011

Warum bebt die Erde?

Die Erde zerfällt bekanntlich in einzelne tektonische Platten. Besonders an deren Rändern kommt es durch Reibungen, Schiebungen und Druck der Platten aufeinander zu schweren Erdbeben. Die Region Posterstein liegt jedoch weit weg von den Rändern der eurasischen Platte. Verantwortlich für die meist harmlosen, so genannten „Intraplattenbeben“, zu denen es dennoch ab und zu kommt, ist Druck von West und Süd auf die eurasische Platte. Im Vogtland befinden sich viele so genannte Schollen und Risse, die in der Vergangenheit schon häufig zu kleineren Schwarmbeben geführt haben. Heute wird die Region durch das Thueringer Seismische Netz überwacht und wissenschaftlich untersucht (Link: http://www.igw.uni-jena.de/angeoph/TSN/portal.html). Lange Zeit befand sich auch im Keller der Burg Posterstein eine seismische Messstation der Universität Jena. Weil die durch Museumsbesucher beim Turmaufstieg erzeugten Vibrationen aber das Bild verzerrten, befindet sich die Station heute im nahe gelegenen Heukewalde.

Das Mitteldeutsche Beben von 1872

Das schwerste Beben in der Region wurde am 6. März 1872 verzeichnet – sein Herd lag im Bruchfeld zwischen Posterstein und Schmölln. Karl Theordor Liebe (1828-1894), Professor am Fürstlichen Gymnasium in Gera, berichtete über die Auswirkungen des Bebens in Posterstein. Unter anderem hätte der Burgturm geschwankt und Feldbrocken seien am Burgberg ins Rollen gekommen. Damals entstanden auch im drei Meter dicken Bergfried und an der Brücke der Burg Posterstein tiefe Risse:

Der Riss in der Mauer der Burgbrücke vor der Restaurierung (Aufnahme von 1985, Museum Burg Posterstein)

„Am alten Schloß haben wir eine Menge Risse gesehen, die mit frischem Bruch durch Mörtel und Stein hindurch verliefen. In den Kellern des alten Schlosses ist soviel von den Decken abgebröckelt, daß mehrere 100 Liter Milch unbrauchbar wurden. Das neue Schloß (Herrenhaus) neben dem alten errichtet, hat durchweg 2 Ellen (1,2 m) und im 1. Stock 1 1/2 Ellen (0,90 m) starke Mauern. Es existiert aber keine Stube, kein Kämmerchen, welche nicht Mauer- und Deckenrisse aufweisen“, berichtete Karl Theordor Liebe.

Der Riss in der Brücke wurde bei einer Restaurierung 1997 saniert, den Riss im Bergfried kann man beim Aufstieg auf den Turm heute noch sehen.

Zeitzeugen berichten

Riss in der Turmmauer

Der Postersteiner Lehrer und Historiker Ernst Bräunlich zeichnete die Erinnerungen des Nöbdenitzer Pfarrers Johann Michael Nürnberger auf, der das Beben von 1872 selbst miterlebte: „Im Dorfe liefen von allen Seiten die Leute aus den Häusern und erzählten, wie sie vor Angst die Häuser eilig verlassen hatten. Die Bäume hätten geschwankt, und auf der Straße hätten Sie ein Gerassel gehört, als wenn 6 bis 8 schwerbeladene Wagen im Trab vorbeifuhren. Im Ort sind 7 Feueressen eingestürzt. Das Ereignis bildete noch lange den Gegenstand der gegenseitigen Mitteilungen.“

Auch das leichte Beben vom 4. September 2011 haben die Bewohner der Region wahrgenommen. Die größte Erschütterung konnte man früh am Morgen zwischen 4 und 5 Uhr wahrnehmen. Auf unserer Facebook-Pinnwand berichtete eine Augenzeugin, vom Beben und dem Klappern im Schlafzimmer wach geworden zu sein.

Seismometer in Posterstein

In der Dauerausstellung der Burg Posterstein ist ein Seismometer ausgestellt und Sie erhalten weitere Informationen über Erdbeben in der Region – weitere Informationen finden Sie auf www.burg-posterstein.de.

(Text: Marlene Hofmann)

Wie still war das Örtchen von Ritter Kunibert?

Kinder dürfen auf Burg Posterstein jetzt auch hinter die ritterliche Klotür schauen

Dass die alten Rittersleut’ noch kein Sanifair kannten, ist wohl jedem klar. Aber wie sah das stille Örtchen im Mittelalter eigentlich aus? Auf Burg Posterstein können Besucher bei Spezialführungen jetzt auch einen Blick in die mittelalterliche Toilette riskieren. – Solche VIP-Gäste sind zum Beispiel die fast 2000 Kinder, die jedes Jahr an den Kinderführungen des Museums teilnehmen.

Kleine Ritter bei der Inspektion des mittelalterlichen Aborts ((c) Petra Nienhold, Museum Burg Posterstein)
Kleine Ritter bei der Inspektion des mittelalterlichen Aborts ((c) Petra Nienhold, Museum Burg Posterstein)

Museumsmitarbeiterin Petra Nienhold führt oft sogar mehrmals pro Woche Kindergruppen, die beispielsweise Geburtstag auf der Burg feiern, durch die alten Gemäuer. Seit kurzem öffnet sie dabei auch die vorher verschlossene Tür zu einem der beiden so genannten Abort-Erker der Burg, der sich im Obergeschoss befindet. Vom Park aus kann man heute noch einen der Erker sehen, der einem kleinen Anbau ähnlich, an der Außenmauer klebt.

Der enge Raum bietet gerade so Platz für einen hölzernen Toilettensitz. Hebt man heute den Deckel hoch, sieht man nicht viel, weil der Boden des Erkers inzwischen zugemauert ist. Im Mittelalter aber genoss man freie Sicht in den Burggraben und einen kalten Luftzug von unten. Das „Geschäft“ plumpste damals im Freiflug nach unten und stank dann im Burggraben vor sich hin. An die Lektüre der aktuellen Zeitung, wie das so manch einer heute tut, war da nicht zu denken. Nach genauer Inspektion des hölzernen Toilettensitzes ist sich Mercedes, 9 Jahre alt, sicher: „Ich bin froh, dass ich das nicht benutzen muss!“

Zum „stillen Örtchen“ mancher Burgen gab es nicht einmal eine Tür ((c) Marlene Hofmann, Museum Burg Posterstein)
Zum „stillen Örtchen“ mancher Burgen gab es nicht einmal eine Tür ((c) Marlene Hofmann, Museum Burg Posterstein)

Abort-Erker, wie die der Burg Posterstein, gab es auf Burgen sehr häufig. Zunächst scheinen diese zum Burginneren hin sichtoffen gewesen zu sein, sodass das „stille Örtchen“ gar nicht so abgeschieden war. Große Festungen besaßen viele Erker – die Burg Eltz an der Mosel zierten gleich vierzehn solche Außentoiletten. Auch einige Doppel-Abtritte, getrennt für Männern und Frauen, sind belegt, beispielsweise im bayrischen Rothenburg ob der Tauber. Natürlich achteten die Bauherren meist darauf, die Aborte über möglichst abgelegenen Stellen anzubringen, damit Passanten keine unangenehmen Stinkbomben fürchten mussten.

Außenansicht eines Abort-Erkers der Burg Posterstein ((c) Marlene Hofmann, Museum Burg Posterstein)
Außenansicht eines Abort-Erkers der Burg Posterstein ((c) Marlene Hofmann, Museum Burg Posterstein)

Mit der modernsten und hygienischsten Technik dieser Zeit konnten manche großen Deutschordenburgen aufwarten. Dort baute man zuweilen spezielle Toilettentürme, „Danziger“ genannt, die vom Schloss aus über eine Brücke zu erreichen waren. Im Obergeschoss der Türme gab es gleich mehrere Plumpsklos, der Rest des Gebäudes war innen hohl und unten spülte im besten Fall ein Fluss das ritterliche Geschäft fort. Den eindrucksvollsten, noch erhaltenen Toilettenturm kann man auf der Burg Marienwerder (auf Polnisch: Kwidzyn) im heutigen Polen besichtigen.

(Marlene Hofmann, Museum Burg Posterstein)

Waren Ritterturniere wirklich so?

Der Sommer ist die Zeit der Mittelaltermärkte und Ritterturniere, auch jedes Jahr zu Pfingsten auf Burg Posterstein. Viele Mittelalter-Fans pilgern in mittelalterlicher Kleidung von einem Festival zum nächsten. Aber auch Familien und Schaulustige lassen sich gern um Jahrhunderte zurückversetzen und genießen es, den Männern in Rüstungen beim Kampf zuzusehen. Aber wie authentisch sind die modernen Turniere wirklich?

Ritterturnier beim Mittelalterspektakel auf Burg Posterstein
Ritterturnier beim Mittelalterspektakel auf Burg Posterstein (Foto: Nienhold)

Wenn auf Burg Posterstein die Ritter los sind, dann sieht man Kämpfer in Rüstungen auf großen, geschmückten Pferden gegeneinander anreiten. Zum Beispiel geht es darum, eine Strohpuppe mit der Lanze zu treffen oder mit dem Schwert gegeneinander zu kämpfen. Am Rande des Kampfplatzes sammeln sich dann Schaulustige aller Altersgruppen und rund herum verkaufen Händler ihre Waren und Gaukler führen Kunststücke auf. Aber war das auch früher so?

Die ersten Ritterturniere gab es vermutlich im 11. oder 12. Jahrhundert. Als einer der ersten Ritter, die ein Turnier mit festen Regeln organisierten, gilt Heinrich I., der im 10. Jahrhundert Herzog von Sachsen und König des Ostfrankenreichs war. An einem echten Ritterturnier durften nur adelige Kämpfer teilnehmen, die meist Fürsten- oder Grafentitel besaßen. In der Regel fanden die Turniere als Teil einer festlichen Veranstaltung statt – beispielsweise als Rahmenprogramm für Hochzeiten, Geburten und Siegesfeiern. Der Veranstalter bekam Gelegenheit seine Macht und seinen Reichtum zur Schau zu stellen und die Teilnehmer durften auch in Friedenszeiten ihr Können unter Beweis stellen und mit Siegen Ruhm und Ehre erlangen.

Mehr als nur „Ritterspiele“

Turniere blieben aber nicht nur ein sportlicher Wettkampf, sondern entwickelten sich zu einem Jahrmarkt für alle Gesellschaftsschichten. Höfische Sänger, Dichter und adelige Damen befanden sich unter den Gästen der oberen Gesellschaftsschichten. Aber rundherum bildeten sich auch ganze Märkte mit Gauklern, Musikern, Schaustellern und Schaulustigen. Die mittelalterlichen Feste dauerten vermutlich eine ganze Woche, wenn nicht sogar länger. Der oft großflächig angelegte Turnierplatz lag meist außerhalb von Burgen und Städten. Für die Kämpfer gab es abgegrenzte Bereiche, an denen sie ihre Ausrüstung lagern und sich erholen konnten. Vor den Kämpfen wurden die Ritter in zwei Mannschaften eingeteilt, ein Herold verkündete das nachfolgende Programm, stellte Teilnehmer namentlich vor und präsentierte die Siegerprämien. Darauf folgte eine gründliche Waffeninspektion.

Die meisten der damaligen Turniere darf man sich nicht als wohlgeordnete Duellkämpfe vorstellen, wie es in modernen Darstellungen auf Mittelaltermärkten meist der Fall ist. Vielmehr rückten sich bei mittelalterlichen Sportkämpfen die beiden Mannschaften in geschlossener Linie mit ausgestreckter Lanze zu Leibe. Ziel war es, den Gegner vom Pferd zu stoßen. Schon beim ersten Durchlauf gab es Verletzte. Wer sich danach noch im Sattel befand, wendete und griff erneut an. Dabei durften auch Gefangene gemacht werden. Auch das Publikum lebte vermutlich nicht ungefährlich, wenn herrenlose Pferde durch die Menge galoppierten. Während der Kampf noch tobte, trug man die ersten Verletzten vom Schlachtfeld. Gestürzte Reiter, die sich noch auf den Beinen halten konnten, setzten die Schlacht im Nahkampf fort. Außer dieser Turnierform im Mannschaftskampf gab es aber auch andere Arten von Schaukämpfen, die denen auf heutigen Mittelalterfesten durchaus näher kommen.

Kampf auf Leben und Tod

Jedes Jahr zu Pfingsten werden auf Burg Posterstein Ritterspiele ausgetragen. (Foto: Nienhold)
Jedes Jahr zu Pfingsten werden auf Burg Posterstein Ritterspiele ausgetragen. (Foto: Nienhold)

Ein beliebter Zeitpunkt für Turniere war der Monat Mai, wo das Pfingstfest einen guten Anlass bot. Im Vorfeld eines Turniers fanden immer auch Gottesdienste statt, denn die Ritter fanden ihren festen Bezugspunkt im christlichen Glauben. Trotzdem konnte sich die mittelalterliche Kirche mit dieser Kampf- und Festtradition nicht recht anfreunden. Nach Ansicht der Kirchenvertreter gaben die Festivitäten Anreize für alle sieben Todsünden. Ein weiterer Grund für die Ablehnung dürfte aber auch gewesen sein, dass die Geistlichen im Kampf getöteten Edelmännern oft nicht mehr rechtzeitig die Sterbesakramente erteilen konnten.

Mittelalterliche Turniere waren – im Gegensatz zu den heutigen, ansonsten recht authentisch nachgebildeten Mittelalterspektakeln – nicht ganz ungefährlich. Turniere dienten auch als Vorbereitung auf kommende Schlachten und man kämpfte auf Leben und Tod. Nicht wenige Ritter zogen sich schon vor den eigentlichen Schlachten und Kriegen bei Turnieren Verletzungen zu, oder fanden sogar den Tod.

Von Marlene Hofmann

Alle halbe Stunde ein Glockenschlag

Die Turmuhr von Burg Posterstein
Die Turmuhr von Burg Posterstein

Golden strahlen die Zeiger der Turmuhr von Posterstein in der Sonne. Wenn man auf der Brücke vor dem Eingang zur Burg steht, kann man sie sehen. Sie schlägt zur vollen und zur halben Stunde.

Viele kluge Menschen haben sich im Laufe der Geschichte zur Zeit geäußert: Ovid soll vor langer Zeit die wahren Worte gesagt haben: „Die Zeiten ändern sich und wir uns mit ihnen“ und Orwell notierte: „Die Zeit vergeht nicht schneller als früher, aber wir laufen eiliger an ihr vorbei.“ Und schon Einstein wusste: „Zeit ist das, was man an der Uhr abliest.“ – Wie wahr!

Schon Einstein wusste: Zeit ist, was man von der Uhr abliest.

Das bringt uns zurück zur Postersteiner Turmuhr. Ihr Uhrwerk stammt aus dem Jahr 1902 und wurde erst 2010 zum letzten Mal restauriert. Die Vergoldung ist echt. Auf dem Ziffernblatt steht die Jahreszahl 1869, was darauf hindeutet, dass es in diesem Jahr angebracht wurde.

Die Ziffern sind vergoldet.
Die Ziffern sind vergoldet.

Der Glockenschlag, den man alle halbe Stunde hören kann, ist noch viel älter. Die Turmglocke stammt aus dem Jahr 1571 und trägt das Wappen der Familie Pflugk, die mehrere Generationen auf Burg Posterstein lebte. Auf der Glocke befindet sich der Schriftzug: „CESER PFLUGK AVFF STEIN LIS MICH ZV FREIBERG GISSEN ANNO MDLXXI“. Früher auf dem Rittergut Posterstein läutete die Turmglocke die Arbeitszeiten ein und bei Brand gab sie den Feueralarm.