Ein Zeitzeugengespräch der besonderen Art: Die Video-Reihe „Cocktail-Zeit“ zur Gastronomiegeschichte in der DDR

Franziska Huberty und Bernd Adam beim Zeitzeugengespräch Cocktail-Zeit zur Gastronomiegeschichte im DDR-Kulturhaus Stadt Schmölln
Franziska Huberty und Bernd Adam beim Zeitzeugengespräch Cocktail-Zeit zur Gastronomiegeschichte im DDR-Kulturhaus “Stadt Schmölln”

Begleitend zur Sonderschau „Damals in der ‚Esse‘ – Erinnerungen an das Kulturhaus ‚Stadt Schmölln‘“ vom 30. Januar bis 20. März 2022 im Museum Burg Posterstein entstand die Video-Reihe „Cocktail-Zeit“. Darin interviewte Franziska Huberty, Historikerin im Museum Burg Posterstein, Bernd Adam, den langjährigen Restaurantleiter des ehemaligen DDR-Kulturhauses „Stadt Schmölln“. Jede der vier Folgen hatte einen inhaltlichen Themenschwerpunkt zum Gastronomiealltag in der DDR. Zum Abschluss jedes Gesprächs wurde ein Cocktail-Klassiker nach Originalrezept gemixt. Das jeweilige Rezept finden Sie immer am Ende eines Videos.

Das ungewöhnliche Konzept kam richtig gut an – wie die verhältnismäßig hohe Zahl an Zuschauern, Kommentaren und neuen YouTube-Abonnenten zeigt. Wie auch in der Ausstellung zählte besonders die lokale Bevölkerung aus Schmölln und den umliegenden Dörfern zum Publikum. Die kurzen Filme wecken Erinnerungen und bieten Anlass zum Reden. Für das Museum sind sie ein wichtiges Zeitzeugen-Dokument, das archiviert wird.

Da wir im Museum Burg Posterstein einen großen Teil unserer Forschungsergebnisse hier im Blog dokumentieren, fasst dieser Blogpost einige Aspekte der Gespräche zusammen.

Folge 1: Das Kulturhaus „Stadt Schmölln“

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Die erste Folge widmete sich der Frage, welche Funktion ein Kulturhaus zu DDR-Zeiten eigentlich hatte. Bernd Adam erläutert, dass es zwar reine Kulturhäuser gab, in denen ausschließlich Kulturveranstaltungen stattfanden. Beim Kulturhaus „Stadt Schmölln“ wurde jedoch Gastronomie und Kultur gemeinsam betrieben.

Kurzer historischer Exkurs: Seit 1864 eine wichtige Kultur-Adresse in Schmölln

Das Kulturhaus „Stadt Schmölln“ befand sich in der Nähe des Bahnhofs an der Stelle, wo seit 1864 bereits das „Hotel Wartburg“ für kulturelle Veranstaltungen, Feste und Konzerte genutzt wurde. 1946 wurde es verstaatlicht und samt Inventar an den Freien Deutschen Gewerkschaftsbund (FDGB) übergeben. Ab 1952 verwaltete die Stadt Schmölln das „Gewerkschaftshaus“ und 1961 übernahm es die Handelsorganisation (HO).

Postkarte vom Bahnhofsplatz Schmölln mit dem Hotel Wartburg aus dem Jahr 1909 (Sammlung Heimat- und Verschönerungsverein Schmölln)
Postkarte vom Bahnhofsplatz Schmölln mit dem Hotel Wartburg aus dem Jahr 1909 (Sammlung Heimat- und Verschönerungsverein Schmölln)

Unter Einbeziehung der alten Bausubstanz fanden ab 1967 Umbauarbeiten statt. Im April 1969 tagte im neuen Saal die Kreisdelegiertenkonferenz der SED. Zum 20. Jahrestag der DDR eröffnete das neue Restaurant. Die dritte Ausbaustufe umfasste ein Café, drei Klubräume und eine Wohnung. Mit der Einweihung als neues Kulturzentrum erhielt das Gebäude schließlich auch den Namen „Stadt Schmölln“. Auf Grund seines 27 Meter hohen Schornsteins wurde das Gebäude im Volksmund „Esse“ genannt, denn so heißt ein Schornstein im lokalen Dialekt. Im Interview erzählt Bernd Adam, dass diese Höhe des Schornsteins wirklich notwendig zum Betrieb des Brennöfen mit Braunkohle gewesen ist: „Wir kriegen ja kaum Brikett, manchmal schon, aber vorwiegend war es Braunkohle und das war einfach nur furchtbar“, erzählt er.

Das Kulturhaus "Stadt Schmölln" auf Postkarte von 1988 (Sammlung Museums Burg Posterstein)
Das Kulturhaus “Stadt Schmölln” auf Postkarte (Ausschnitt) von 1988 (Sammlung Museums Burg Posterstein)

Ein Programm für alle Zielgruppen

Das Kulturhaus umfasste einen Saal für 500 Personen, einen Speisesaal für 36 Personen, eine Bar für 50 Gäste, ein Restaurant für 170 Gäste und ein Café für 56 Personen. Das Angebot des Kulturhauses „Stadt Schmölln“ war vielseitig und richtete sich an alle Altersgruppen. Neben der Gastronomie, offiziellen Veranstaltungen wie zu Jugendweihen oder Abiturfesten fanden unter anderem private Feiern, Konzerte, Jugend- und Familientanz, Faschings- und Silvesterfeiern, Kreistagssitzungen, Parteiveranstaltungen, Schachturniere und Arbeitsgruppentreffen statt.

Ausschnitt aus dem Veranstaltungskalender der Stadt Schmölln im Jahr 1971 - mit dem Programm im Kulturhaus "Stadt Schmölln (Sammlung Museum Burg Posterstein)
Ausschnitt aus dem Veranstaltungskalender der Stadt Schmölln im Jahr 1971 – mit dem Programm im Kulturhaus “Stadt Schmölln (Sammlung Museum Burg Posterstein)

Unser Gesprächspartner Bernd Adam war dort acht Jahre lang Restaurantleiter. Nach dem Studium kam er 1972 von Leipzig nach Schmölln, schrieb dort seine Abschlussarbeit und wurde als gastronomischer Leiter eingesetzt – mit Unterbrechungen, in denen er zur Armee musste und anschließend den Gasthof “Drei Schwäne” übernahm. 1982 kam Bernd Adam zum Kulturhaus „Stadt Schmölln“ zurück und bildete dort die Gastronomielehrlinge der HO aus. Nach der Schließung des Kulturhauses kaufte er das Hotel „Reußischer Hof“, welches er bis zu seiner Pensionierung betrieb.

Folge 2: Logistische Herausforderungen und verschnittene Weine

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In der zweiten Folge dreht sich das Gespräch um die Logistik, die notwendig war, um das Kulturhaus zu betreiben. In der Mangelwirtschaft der DDR gestaltete es sich oftmals schwierig, alle Waren zu beschaffen und Bernd Adam schildert, dass man besonderes organisatorisches Geschick, aber auch gute Beziehungen für alles benötigte. Er beschreibt, dass es ohne den Kontakt zu einem lokalen Jagdleiter, der wiederum ebenfalls über hervorragende Kontakte verfügte, fast unmöglich gewesen wäre, für große Veranstaltungen ausreichend Fleisch zur Verfügung zu haben. „Das Wild war unser Retter, wenn man es so will“, fasst Adam die Lage zusammen.

Der Festsaal im Kulturhaus "Stadt Schmölln" in den 1970er Jahren (Foto: Heimat- und Verschönerungsverein Schmölln e.V.)
Der Festsaal im Kulturhaus “Stadt Schmölln” in den 1970er Jahren (Foto: Heimat- und Verschönerungsverein Schmölln e.V.)

Auch eine gute Vorratswirtschaft trug maßgeblich zum Erfolg bei. Im Keller des Kulturhauses gab es ein riesiges Lager, verwaltet mit Karteikarten. Waren vom Zucker, Mehl bis hin zum Wein und Sekt wurden über die Großhandelsgesellschaft (GHG) angekauft.

Sonderlieferungen und Waren aus dem „nicht-sozialistischen Ausland“

Im dritten Video geht Bernd Adam ebenfalls auf das Thema ein: „Es gab nicht alles, aber es gab vieles“, erläutert er, „Wenn wir bestellt haben, haben wir immer zwei Drittel mehr bestellt, um ein Drittel zu bekommen, was wir brauchten.“ Dreimal im Jahr erhielt das Kulturhaus Sonderlieferungen: vor der Jugendweihe, vor dem Schulanfang und vor Weihnachten. „Dann gab es ‚erlesene Konserven‘, spricht: Ananas, Mandarinen, Champignons, auch Letscho, und Ölsardinen“, erzählt Bernd Adam.

Getränkekarte aus dem Café des Kulturhaus "Stadt Schmölln" aus dem Jahr 1973 (Sammlung Heimat- und Verschönerungsverein Schmölln)
Getränkekarte aus dem Café des Kulturhaus “Stadt Schmölln” aus dem Jahr 1973 (Sammlung Heimat- und Verschönerungsverein Schmölln)

Auf besondere Regionalität wurde dabei nicht geachtet, auch wenn beispielsweise Kartoffeln von den Bauern vor Ort geliefert wurden. Wein kam aus dem „nicht-sozialistischen Ausland“ in großen Behältern in Zügen in Leipzig-Panitzsch an. „Wir haben dann gesagt: Panschitz“, erzählt Bernd Adam im Video, „Denn dort wurden die die Weine verschnitten und dabei kamen dann solche Weine raus wie ‚Natalie‘, ‚Hemus‘ und dergleichen. Die hießen dann so, aber die waren nur ein Cuvée. Man schmeckte das dann ab, das habe ich live erlebt vom Kellermeister, ich wollte es immer nicht glauben. Und dann war es natürlich so, dass dem Zucker zugegeben wurde und zu DDR-Zeiten haben sich alle gewundert: Och, ich hab gestern wieder gesoffen. Nein! Es war der Wein, dem nachträglich Zucker zugegeben wurde und dadurch kamen die Kopfschmerzen.“

Folge 3: Zu verschiedenen Anlässen gab es verschiedene Preise

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In der dritten Folge sprachen Franziska Huberty und Bernd Adam über verschiedene Preisstufen im Kulturhaus „Stadt Schmölln“. Gleich zu Beginn des Gesprächs ging es um den Preis für einen Cocktail, der im Kulturhaus „Stadt Schmölln“ zwischen 2,50 und 3,50 DDR-Mark lag. Das war nicht so günstig wie es auf heutiger Sicht klingt, wenn man es in Relation setzt zum durchschnittlichen Bruttogehalt eines vollbeschäftigten Arbeitnehmers in der DDR, das laut Bundesamt für Statistik 1975 rund 900 DDR-Mark und 1980 rund 1000 DDR-Mark betrug (Zur Quelle).

Tageskarte aus dem Café des Kulturhaus "Stadt Schmölln" aus dem Jahr 1973 (Sammlung Heimat- und Verschönerungsverein Schmölln)
Tageskarte aus dem Café des Kulturhaus “Stadt Schmölln” aus dem Jahr 1973 (Sammlung Heimat- und Verschönerungsverein Schmölln)

Je nachdem, ob es zusätzliche Kulturveranstaltungen gab, bot das Kulturhaus „Stadt Schmölln“ Getränke und Speisen zu unterschiedlichen Preisen an. Bernd Adam erzählt: „Wir hatten ja zu DDR-Zeiten verschiedenen Preisstufen. Preisstufe 1 bis 4 und dann noch ‘S 1’ war die einfachste Preisstufe, ich sag mal, ohne das abzuwerten: die Gaststuben auf dem Lande und die 4, das waren die gehobenen Hotels in den Städten und in den Großstädten. Und die hatten dann auch S. Und Leipzig zum Beispiel, das ‚Astoria‘, wo ich auch mal gearbeitet habe, hatte dann zur Messe ‚S plus 100 Prozent‘ und dann kam dann schon das Bier vier Mark …“ Die Preisstufen richteten sich also nach der Ausstattung und dem Angebot. Wenn “Stadt Schmölln” sonntags und mittwochs nachmittags Tanz im Restaurant stattfand, galt nicht die Preisstufe 3, sondern die Preisstufe 4. Dann kostete das Bier nicht 56 Pfennige, sondern 61 Pfennige.

Einkauf zum Verkaufspreis

Die unterschiedlichen Preisstufen bedeuteten nicht automatisch, dass sich das Geschäft für das Kulturhaus rechnete. „Das ist ja das Verrückte“, erzählt Bernd Adam im Interview, „Wir haben die Waren und Lebensmittel zum Verkaufspreis eingekauft.“ Er erläutert das am Beispiel des Kaffees, von dem das Kilo 130,80 Mark in der Preisstufe 3 kostete. Laut Preisanordnung war der Gastronom gezwungen 6,5 Gramm Kaffee auf die Tasse zu verwenden. Mit Zucker und Sahne kostete die Tasse Kaffee dann 84 Pfennige. Ob das ökonomisch war, hat Bernd Adam nie erfahren: „Wir haben gewirtschaftet, das wurde auch nie nach der ökonomischen Kennziffer abgerechnet, es wurde aber ein Schnitt gemacht und gesagt: ihr seid gut, ihr seid nicht so gut, aber da stand die Ökonomie nicht gesamt im Fokus.“

Folge 4: „Die Lehrlinge haben mich gehasst“

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Das Kulturhaus „Stadt Schmölln“ war auch Ausbildungsbetrieb der Handelsorganisation (HO) und Bernd Adam war zeitweise für die Ausbildung und Prüfung der angehenden Köchinnen und Köche und Kellnerinnen und Kellner verantwortlich.

„Wir waren ein ganz junges Team und in der ‚Esse‘ waren ja bis 60 Mitarbeiter“, berichtet Bernd Adam. 30 Lehrlinge gab es alleine im Bereich Service und Küche. Nicht für alle war es ihr erster Berufswunsch. Bernd Adam beschreibt sehr anschaulich, warum auch der Beruf des Kellners gelernt sein will und dass es eben nicht jeder automatisch kann. Seine Methoden stießen dabei nicht sofort auf Gegenliebe: „Von dem Tag an haben sie mich gehasst, bis sie begriffen haben, dass das gut war, dass das richtig war“, erzählt der Mann, den auch heute noch viele Schmöllner persönlich kennen, „Aber es war eine sehr schöne, eine sehr praktische und auch eine sehr intensive Lehre.“

Die Bar im Kulturhaus "Stadt Schmölln" in den 1970er Jahren (Foto: Sammlung Heimat- und Verschönerungsverein Schmölln e.V.)
Die Bar im Kulturhaus “Stadt Schmölln” in den 1970er Jahren (Foto: Sammlung Heimat- und Verschönerungsverein Schmölln e.V.)

„Die Lehre war auch deswegen wichtig, damit wir Fachkräfte hatten, weil ich immer der Meinung war und bin, dass man eine gute Gastronomie vorwiegend mit Fachkräften gestalten kann“, erklärt er. In den 1970er Jahren baute er die Prüfungskommission für Köche und Kellner mit auf, pflegte einen guten Kontakt zur Berufsschule und gehörte später auch dort der Prüfungskommission an.

„Also ich hab Gastronomie gelebt. Ich war auf den Tag genau 51 Jahre in der Gastronomie, ich möchte keinen Tag missen, es hat mir von Anfang an Spaß gemacht, es war meine Welt“, bekundet Bernd Adam voller Herzblut.

Mit der Wende kam auch der Niedergang des Kulturhauses

Bereits 1991 wurde das Kulturhaus „Stadt Schmölln“ geschlossen. Das letzte Konzert fand am 2. März 1991 statt. Es spielte die Band „Odyssee“. Als Schließtag war der 31. Mai vorgesehen, der Termin wurde aber um einen Monat vorverlegt. Die letzte (inoffizielle) Veranstaltung fand trotzdem nach dem 30. April statt – ein Klassentreffen.

Kulturhaus "Stadt Schmölln" damals und heute auf der Postkarte des Museums Burg Posterstein
Kulturhaus “Stadt Schmölln” damals und heute auf der Postkarte zur Ausstellung “Damals in der Esse” des Museums Burg Posterstein

1999 wurde das Gebäude komplett abgerissen. Am 16. September 1999 wurde der namensgebende Schornstein der „Esse“ gesprengt. Auf der Fläche des ehemaligen Kulturhauses befindet sich heute ein Parkplatz.

Von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein – Ein herzliches Dankeschön geht an den Heimat- und Verschönerungsverein Schmölln e.V. für die Bereitstellung von Fotos und Scans aus seiner Sammlung.

Ausstellung zeigt Erinnerungsstücke an das DDR-Kulturhaus „Stadt Schmölln“

Mit der Sonderschau „Damals in der ‚Esse‘ – Erinnerungen an das Kulturhaus ‚Stadt Schmölln‘“ widmet sich das Museum Burg Posterstein bis 20. März 2022 der neueren regionalen Geschichte. Das Kulturhaus, in den 1970er und 80er Jahren ein regionales Zentrum, hieß wegen seines markanten Schornsteins im Volksmund „Esse“, was im regionalen Dialekt ein Synonym für Schornstein ist. Nach einigen Jahren Leerstand wurde es 1999 abgerissen. Die multimediale Zusammenstellung basiert auf Fotos, Erinnerungen, Zeitungsausschnitten und Zeitzeugengesprächen und lässt Raum für weitere Erinnerungen der Besucher.

Die Postkarte zur Ausstellung "Damals in der Esse" vor dem Museum Burg Posterstein
An der Stelle des früheren Kulturhauses befindet sich heute ein Parkplatz. – Die Ausstellung im Museum Burg Posterstein sammelt Erinnerungen von Zeitzeugen.

Rund dreißig Jahre nach dem letzten Konzert im Kulturhaus „Esse“ Schmölln sammelte das Museum Burg Posterstein im Rahmen des Projekts “Der Fliegende Salon” Erinnerungen und Erinnerungsstücke von Zeitzeugen. Die Ausstellung fasst die Ergebnisse des Zeitzeugen-Salons in Schmölln am 30. Oktober 2021 zusammen und erweitert sie.

Rund private 50 Erinnerungsstücke

Für die Ausstellung erhielt das Museum rund fünfzig persönliche Erinnerungsstücke, darunter Fotos, Autogrammkarten, Eintrittskarten, Kleidung und aus dem Kulturhaus stammende Gegenstände.

Ausstellung zum Kulturhaus Stadt Schmölln im Museum Burg Posterstein, links in einer Vitrine eine Gitarre
Blick in die Ausstellung über das ehemalige Kulturhaus “Stadt Schmölln”. Eines der Erinnerungsstücke ist eine Gitarre, die beim letzten Konzert 1991 zum Einsatz kam.

Die „Esse“ war mit großem Saal, Restaurant, Café und Bar ein Treffpunkt für alle Generationen. Das Programm war breit angelegt. Eine tragende Rolle spielte dabei die Musik. Das Angebot reichte von Rock-, Pop- und Bluesbands über Schlagersänger bis hin zu klassischen Chorauftritten, Tanzorchestern. Zu den jährlichen Höhepunkten zählten die Silvester- und Faschingsfeiern. Zum wiederkehrenden Programm gehörten Familientanz, Jugendtanz, Messen und Märkte. Aber auch politische Versammlungen und Jugendweihefeiern fanden regelmäßig dort statt. Zudem war das Kulturhaus ein beliebter Ort für private Feierlichkeiten jeder Art: Betriebsfeste, Hochzeiten, Geburtstage oder Trauerfeiern wurden in den entsprechenden Räumen ausgerichtet. Die Ausstellung versucht die Zeit und ihre Alltagskultur auch für nachgeborene Generationen anschaulich darzustellen.

Blick in die Ausstellung "Damals in der Esse" im Museum Burg Posterstein mit Zeitungsausschnitten und historischen Originalplakaten
Zeitungsausschnitte und ein originales Plakat in der Ausstellung über das Kulturhaus “Stadt Schmölln” im Museum Burg Posterstein

Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit, persönliche Erinnerungen an die Zeit des Kulturhauses an einer Pinnwand zu hinterlassen. Auch in der Facebook-Gruppe „Regionale Geschichte Dreiländereck Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt“ und unter dem Hashtag #EsseSchmölln in den anderen sozialen Netzwerken lädt das Museum Zeitzeugen herzlich ein, persönliche Erinnerungen an das ehemalige Kulturhaus der Stadt Schmölln zu teilen. Auf diese Weise sind bereits Berichte darüber, wie schwer es war, an begehrte Silvesterkarten zu kommen oder was die Kleidungsordnung in den 1970ern vorschrieb, und auch Leihgaben für die Sonderschau im Museum eingegangen.

Video-Einblick in die Ausstellung

Kuratorin Franziska Huberty gibt per Video einen Einblick in die Ausstellung. Das Video finden Sie über den YouTube-Kanal des Museums. – Wir freuen uns über ein Abo.

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Eine kleine Video-Reihe zur Ausstellung ist geplant.

Passendes „Esse-Special“ im Café „Zur eisernen Bank“

Für die Zeit der Ausstellung hat sich das direkt neben der Burg Posterstein gelegene Café „Zur eisernen Bank“ ein „Esse-Special“ ausgedacht – angelehnt an das Menü, das es damals im Kulturhaus „Stadt Schmölln“ gab. Das Café hat mittwochs bis sonntags immer nachmittags geöffnet und ist unter (034496) 16 39 11 erreichbar.

Fortsetzung der Ausstellung im Knopf- und Regionalmuseum Schmölln

Im Sommer 2022 wird es eine Fortsetzung dieser Sonderschau im Knopf- und Regionalmuseum Schmölln geben. Dabei soll neben der Rückschau dann auch in die Zukunft geblickt werden: Was fehlt den Bürgerinnen und Bürgern der Stadt Schmölln heute ohne Kulturhaus? Was wünschen sie sich für die Zukunft?

Von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

Resümee: Ausstellung #GartenEinsichten “Wie der Gärtner, so der Garten”

Die Ausstellung #GartenEinsichten “Wie der Gärtner, so der Garten” begleitete uns durch das Jahr 2021: Sie eröffnete mit Ende des zweiten Kultur-Lockdowns am 6. Juni und endete am 14. November. Bereits im Vorfeld lief die Mitmach-Aktion #GartenEinsichten in den sozialen Netzwerken an – im Oktober gewann sie den DigAMus-Award in der Kategorie “Social Media Aktion”! Zum Jahresabschluss möchten wir Ausstellung und Mitmach-Aktion hier im Blog zusammenfassen und allen, die daran mitgewirkt haben, herzlich danken.

Die Ausstellung schmückte der wöchentlich wechselnde "Blumenstrauß der Woche"
Die Ausstellung #GartenEinsichten schmückte der wöchentlich wechselnde “Blumenstrauß der Woche”

Auch die Ausstellung #GartenEinsichten strebte Vernetzung an

Die Sonderschau nahm ihren Ausgangspunkt in der Gartengeschichte vom Mittelalter bis in die Gegenwart. Bei der inhaltlichen Arbeit unterstützte uns die Erfurter Gartenarchitektin Christiane Nienhold.

Blick in die Ausstellung #GartenEinsichten im Museum Burg Posterstein mit einer Bank und einem großen Bildschirm
Auf einem Bildschirm in der Ausstellung wurden verschiedene Gartentypen im Wandel der Zeit vorgestellt.

An Hand von Thüringer Beispielen stellten wir verschiedene Gartentypen vor. Dabei unterstützten uns Thüringer Kultureinrichtungen und Vereine mit Bildern und Kurztexten, darunter die Wartburg-Stiftung Eisenach, die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten, das Museum Kloster Veßra, das Residenzschloss Altenburg, das Lindenau-Museum Altenburg, das Kulturgut Quellenhof in Garbisdorf und der Urban Gardening-Verein Lagune e.V.. Auf diese Weise begann die Vernetzung schon innerhalb der Ausstellung.

Blick in die Sonderschau #GartenEinsichten im Museum Burg Posterstein - mit zwei Gartenstühlen, Rasenteppich und Gartenmotiven
Blick in die Sonderschau #GartenEinsichten im Museum Burg Posterstein – mit zwei Gartenstühlen, Rasenteppich und Gartenmotiven

Zwei Gartentypen haben das Altenburger Land besonders geprägt: Die Gärten der historischen Rittergüter und die für die Region typischen Bauerngärten. Historische Vermessungskarten aus der Zeit um 1800 ließen die oftmals längst vergangene Pracht der Gärten und Parks ehemaliger Rittergüter wieder aufleben.

In Prößdorf ist eine Sphinx eines der wenigen Überbleibsel eines Landschaftsgartens
In Prößdorf ist eine Sphinx eines der wenigen Überbleibsel eines Landschaftsgartens

Heute ist kaum mehr vorstellbar, dass dort Gartengestaltungen mit Grotten, Wasserkünsten oder Gebäude- und Figurenensembles, die einen Hauch von Antike verbreiteten, existierten. Ein weiterer Schwerpunkt lag auf historischen, noch erhaltenen Bauerngärten. Sie prägen bis heute das Altenburger Land.

Mit Buchsbaum eingefasste Beete im Nutzgarten eines Bauerngartens im Altenburger Land. (Foto: Petra Nienhold)
Mit Buchsbaum eingefasste Beete im Nutzgarten eines Bauerngartens im Altenburger Land. (Foto: Petra Nienhold)

Instagramer aus der Region zeigten in Fotos ihren Blickwinkel auf die historischen Gärten. Manche dieser Gärten sind noch heute prachtvoll, andere kaum noch als solche erkennbar. Die in der Ausstellung vorgestellten Rittergutsgärten sind auf der Webseite des Museums auf einer Karte markiert und somit für jedermann zu finden. Dadurch können sie, zumindest von außen, eigenständig erkundet werden.

Einige der an der Ausstellung beteiligten Instagramer vor der Burg Posterstein.
Einige der an der Ausstellung #GartenEinsichten beteiligten Instagramer vor der Burg Posterstein.

Eine der beteiligten Hobby-Fotografen und Fotografinnen war Alexandra, die ihre Bilder auf ihrem Instagram-Account @lumixlexxa teilt. Über ihre Teilnahme an der Ausstellung sagt sie:

“Das war ein für mich ganz neues Projekt und ich war sehr überrascht, dass Ihr mich ausgewählt habt. Ich hätte mir so etwas Tolles nie selbst zugetraut. Also ging es auf Reisen um die #GartenEinsichten festzuhalten. Die Gärten sind ja teilweise nicht leicht zu finden, also war man auch ein wenig Pfadfinder. Leider waren nicht mehr alle Objekte im guten Zustand, sodass man wirklich viel Kreativität beweisen musste.”

Alexandra, auf Instagram: @lumixlexxa
Die Orangerie in Meuselwitz, an den Rändern ist das Bild unscharf
Die Orangerie in Meuselwitz, fotografiert von Alexandra (Instagram-Account @lumixlexxa )

Die Ausstellung war Teil der gemeinsamen Ausstellungsreihe “Grünes im Quadrat – Historische Gärten im Altenburger Land” zum Thema Gärten der vier Museen im Altenburger Land. Mit dabei: Lindenau-Museum Altenburg, Residenzschloss Altenburg, Naturkunde-Museum Mauritianum und Museum Burg Posterstein. Gezeigt wurden vier Ausstellungen zum Thema Gärten im Altenburger Land. Das Buch zur Ausstellung erschien unter dem Titel “Grünes im Quadrat” im Sandstein-Verlag.

Die Mitmach-Aktion #GartenEinsichten

Ausstellung wie Mitmach-Aktion wollten auch zum Nachdenken und zur Diskussion anregen über den Garten als Element unserer Landschaft und über die Frage, wie wir unsere öffentlichen Orte nachhaltig gestalten.

Eine Auswahl an Antworten zur Mitmach-Aktion GartenEinsichten war in der Ausstellung und auf Pinterest zu sehen.
Eine Auswahl an Antworten zur Mitmach-Aktion #GartenEinsichten war in der Ausstellung und auf Pinterest zu sehen.

Die Hauptfragen der Mitmach-Aktion lauteten: Wie sieht für Sie der Garten der Zukunft aus? Was bedeutet Gärtnern für Ihren Alltag? Und: Was bedeutet Ihnen ein Spaziergang im Park? Dabei konnte man seine Antworten per Formular einreichen, aber gern auch analog oder per Mail im Museum abgeben. Selbst originale Kunstwerke der Künstlerin Sabine Müller aus dem Altenburger Land waren Teil der Beiträge zur Mitmach-Aktion.

“Im Garten der Zukunft ist nicht nur Schönheit ein wichtiger Faktor, sondern auch Umweltbewusstsein, Biodiversität und die Fähigkeit, vor Ort und selber gesunde Nahrung zu erzeugen. Der ‘Nutzgarten’ kann auch schön sein und unser Menschsein bereichern. Er kann und sollte auch mitten in der Großstadt vorhanden sein.”

Anonyme Antwort auf die Frage “Wie sollte der Garten der Zukunft aussehen?”

Federal Garden Show Brandenburg 2015 – Location Rathenow
Der Fotograf Matthias Schüler begleitete die Mitmach-Aktion #GartenEinsichten von Anfang an auf Twitter (Foto: G. Matthias Schüler)

Im Rahmen der Mitmach-Aktion wurden über 1200 Fotos auf Instagram, über 900 Tweets, über 170 Facebook-Posts, 21 Videos, 8 Blogposts und rund 20 Antworten per Formular eingereicht. Manche begleiteten die Aktion übers ganze Jahr hinweg mit Fotos, Videos, Blogposts und Tweets zum Thema. Besondere Beiträge sowie alle eingereichten Antworten haben wir auf der Website gesammelt und dokumentiert.

LeseZEIT live, Lesungen, Spaziergänge und Pflanzentauschbörse

Zum Rahmenprogramm der Ausstellung #GartenEinsichten gehörten mehrere Spaziergänge durch den Tannenfelder Schlosspark mit Gartenarchitektin Christiane Nienhold.

Die Gartenarchitektin Christiane Nienhold im Schlosspart Tannenfeld, wo neben ihr Rhododendren blühen
Die Gartenarchitektin Christiane Nienhold im Schlosspart Tannenfeld, wo neben ihr Rhododendren blühen

An der Stelle, an der sich einst in Hans Wilhelm von Thümmels Landschaftsgarten in Nöbdenitz eine Einsiedelei befunden hat, fand eine musikalische Lesung aus dem Buch “Wasserspiele” von Marlene Hofmann statt. Das Büchlein beinhaltet drei Kurzgeschichten, die an historischen Orten im Altenburger Land spielen. Der Schauspieler und Sänger Robert Gregor Kühn las, begleitet vom Musiker Matthias von Hintzenstern am Bandoneon, die Geschichte “Rauschen”, in der Hans Wilhelm von Thümmel eine Zeitreise macht.

Lesung “Wasserspiele” mit Marlene Hofmann, Robert Gregor Kühn und Matthias von Hintzenstern in Nöbdenitz - rundherum grüne Bäume
Lesung “Wasserspiele” mit Marlene Hofmann, Robert Gregor Kühn und Matthias von Hintzenstern in Nöbdenitz

Seit Anfang 2021 betreibt das Museum Burg Posterstein einen eigenen Podcast – die LeseZEIT auf Burg Posterstein, die fest in den Blog integriert ist. In den Folgen lassen wir historische Persönlichkeiten im Originaltext zu Wort kommen und ordnen diese Texte geschichtlich ein. Im Rahmen der Ausstellung #GartenEinsichten gab es die erste “Live-LeseZEIT”, bei der wir eine spätere Folge vorab vor Publikum im Museum lasen. Den Titel der späteren Folge durfte ein Gast aus dem Publikum einsprechen.

Live-LeseZEIT im Museum Burg Posterstein 2021
Im Sommer 2021 präsentierten wir zwei Podcast-Folgen vorab live.

Inzwischen kann man Folge 6 über den Freiherrn Jacob Friedrich von Bielfeld (1717–1770) auch im Podcast hören. Der einstige Gesellschafter Friedrich des Großen gilt als eigentlicher Bauherr der heutigen barocken Schlossanlage in Treben im heutigen Altenburger Land. Zum Schlossensemble gehörte ein 2,2 Hektar großer, weitläufiger Landschaftsgarten, dessen Zentrum ein langgestreckter, großer Teich bildete. Auch das Rittergut Haselbach gehörte zu diesem Besitz. In seinen Briefen beschreibt der Freiherr Schloss und Garten sehr anschaulich. Eine interessante Quelle, die auch das Interesse des lokalen Förderverein Rittergut Treben e.V. geweckt hat. Zum Tag des offenen Denkmals 2022 sind wir bereits jetzt dorthin eingeladen, aus den Briefen des Freiherrn vorzulesen.

Zwei selbstgemalte Schilder von der PFlanzentauschbörse auf Burg Posterstein - Anemonen und Herbstastern
Die Pflanzentauschbörse fand im Freien in gemütlicher Atmosphäre und mit viel Platz und Abstand statt.

Darüber hinaus fand in Verbindung mit der Ausstellung erstmals eine Pflanzentauschbörse vor der Burg Posterstein statt.

Ausgezeichnet – Die Mitmach-Aktion #GartenEinsichten gewinnt den DigAMus Award in der Kategorie “Social Media”

Die Mitmach-Aktion #GartenEinsichten gewann in der Kategorie „Social Media-Aktionen“ den DigAMus Award, einen Preis für digitale Museumsprojekte im deutschsprachigen Raum. Vorgeschlagen waren 136 digitale Museumsprojekte aus Deutschland, Österreich, Schweiz und Südtirol. Eine hochkarätige Jury mit Vertreterinnen und Vertretern aus Kultur, Forschung und Museen, darunter der europäischen Online-Bibliothek Europeana sowie der Geschäftsführung des Deutschen Museumsbunds, wählte davon acht Projekte für die Preise in mehreren Kategorien.

DigAMus Award vor der Burg Posterstein
Der krönende Abschluss für die Mitmach-Aktion #GartenEinsichten war die Auszeichnung mit dem DigAMus-Award in der Kategorie Social Media

Wir freuen uns sehr und danken allen, die so engagiert ihre GartenEinsichten mit uns geteilt haben! Einen ausführlichen Hintergrund zum Award gibt es hier.

LeseZEIT – Folge 6: Jacob Friedrich Freiherr von Bielfeld

In der sechsten Folge der LeseZEIT mit Geschichte und Geschichten aus dem Museum Burg Posterstein reisen wir ins 18. Jahrhundert nach Treben und Haselbach im Altenburger Land. Von seinem dortigen Landsitz berichtet der Königlich-Preußische Geheimrat und Gesellschafter des jungen Friedrich des Großen: Jacob Friedrich Freiherr von Bielfeld.

Sie können auch diese Folge als Blogpost lesen oder als Podcast anhören:


Diese Folge ist etwas ganz Besonderes, denn bei ihr handelt es sich nicht nur um die erste Live-LeseZeit, die das Museum Burg Posterstein im Zuge der Sonderschau „#Garteneinsichten“ im kleinen Burghof präsentierte, Sie hören im Vorspann auch Dr. Peter Dietrich aus dem Publikum, der zu diesem Anlass unsere Titelansprache übernahm. Vielen Dank dafür!

Live-LeseZEIT im Museum Burg Posterstein 2021
Im Sommer 2021 präsentierten wir zwei Podcast-Folgen vorab live.

In Folge 6 geht es um einen besonderen, historischen Garten im Altenburger Land. In der letzten Folge unserer LeseZEIT reisten wir mit Minister Hans Wilhelm von Thümmel ins Jahr 1807 nach Berlin. Dessen damalige diplomatische Reise endete mit einem Zwischenstopp in Sanssouci und einer persönlichen Beschreibung des Schlosses Friedrichs des Großen. In dieser Folge reisen wir von Berlin zurück ins in die Altenburger Region. Allerdings ins Jahr 1755. Wir begleiten den Königlich-Preußischen Geheimrat und Gesellschafter des jungen Friedrich des Großen: Jacob Friedrich Freiherr von Bielfeld.

Ein Bild von Jacob Friedrich Freiherr von Bielfeld gibt es auf Wikimedia Commons von Guido Schäferhoff, CC BY 3.0:

Jacob Friedrich Freiherr von Bielfeld

Von Hamburg über Berlin nach Treben: Der Freiherr von Bielfeld

Jacob Friedrich Freiherr von Bielfeld (1717–1770), in manchen Fällen auch Bielefeld genannt, wurde in Hamburg geboren und stammte aus einer Kaufmannsfamilie. Er studierte ab 1732 in Leyden und bereiste 1735 die Niederlande, Frankreich sowie England. Von 1747 bis 1752 war er Oberaufseher der Preußischen Universitäten. Er gehörte schon früh zu den Gesellschaftern des Kronprinzen und späteren Königs Friedrich II. und schilderte die Verhältnisse am preußischen Hof in seinem Buch „Lettres familières“. Friedrich II. erhob Bielfeld, der auch Gouverneur des Prinzen August Ferdinand war, 1748 zum Freiherrn und ernannte ihn zum Geheimen Rat.

Von Bielfeld verließ Preußen 1755. Die Rittergüter Treben und Haselbach kamen durch seine Heirat mit Dorothea Juliane Reiche (1748) in seinen Besitz. Auf diesen Ländereien lebte er bis zu seinem Tod 1770. Eine Unterbrechung lässt sich nur in den Jahren 1757–1763 feststellen, in denen er durch den Siebenjährigen Krieg bedingt nach Hamburg fliehen musste. Nach dem Tod seiner ersten Frau heiratete Bielfeld 1764 Dorothea Christiane Frederike von Boden (1742 – 1781), die Tochter des Ministers Friedrich August von Boden (1708–1780).

Jacob Friedrich Freiherr von Bielfeld war kunstsinnig und als politischer und belletristischer Schriftsteller tätig. Seine Werke verfasste er meist in französischer Sprache.

Schloss Treben im Altenburger Land
Schloss Treben im Altenburger Land

Doch gilt er auch als eigentlicher Bauherr der heutigen barocken Schlossanlage in Treben. Zum Schlossensemble gehörte ein 2,2 Hektar großer, weitläufiger Landschaftsgarten, dessen Zentrum ein langgestreckter, großer Teich bildete. Weiterhin nannte der Freiherr in Haselbach ein komfortables Haus mit vier schönen Zimmern, Räumen für Bedienstete und einem Saal sein Eigen. Vermutlich erbaute er auch das Fischhaus an der Nordseite des Nobitzer Teiches in Haselbach, das über einen Aufenthaltsraum, eine Küche und einen Pferdestall verfügt haben soll und 1912 abgerissen wurde.

Überhaupt wechselten die Güter nach dem Tod des Freiherrn noch mehrfach den Eigentümer. In Haselbach entstand 1858 eine Ton- und Steinzeugfabrik an der seit 1842 bestehenden Bahnlinie. Im Zuge der Bodenreform nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Rittergutsbesitzer enteignet. Das Herrenhaus und die Wirtschaftsgebäude in Haselbach wurden komplett abgerissen. Im Gegensatz zu zahlreichen Wirtschaftsgebäuden blieb das barocke Schloss- und Parkensemble in Treben aber im Wesentlichen erhalten und wurde, genutzt als Sitz der kommunalen Verwaltung, seit 2004 restauriert. Damit erging es der Anlage weit besser als vielen anderen Rittergütern und deren Gärten in der Altenburger Region.

Schloss Treben im September 2021 - im Vordergrund ein Teich
Schloss Treben im September 2021

2021 widmen die vier großen Museen im Altenburger Land den historischen und modernen Gärten der Region eine eigene Ausstellungsreihe. Mit „Grünes im Quadrat“ gaben das Lindenau Museum Altenburg, das Residenzschloss Altenburg, das Naturkunde Museum Mauritianum und das Museum Burg Posterstein den grünen Oasen des Landkreises mit je einer eigenen Ausstellung eine Bühne. Die Postersteiner Schau „#GartenEinsichten: Wie der Gärtner, so der Garten – Gartenkultur als Spiegel der Gesellschaft“ widmete sich vor allem den Bauern- und Rittergutsgärten, von denen heute viele nicht mehr existent sind. Umso schöner passt eine LeseZEIT-Quelle über ein Rittergut, das nicht nur erhalten geblieben ist und einen gepflegten Park aufweist, sondern in der der Gartengestalter seine Anlage im alten Glanze selbst beschreibt! So zu lesen in den Briefen des Freiherrn von Bielfeld über seine Güter in Treben und Haselbach. In diesen Briefen beschreibt er wie er zu den beiden Gütern kam und schließlich auch, wie er den Landschaftsgarten rund um das Schloss Treben gestalten ließ.

Der Freyherrn von Bielfeld freundschaftliche Briefe”

Wir zitieren aus: „Des Freyherrn von Bielfeld freundschaftliche Briefe nebst einigen andren. Aus dem Französischen. Zweiter Theil“ herausgegeben in Danzig und Leipzig bei Daniel Ludwig Wedeln, 1765. Die Ausschnitte umfassen den 79. Brief auf Seite 295f. sowie den 88. Brief auf den Seiten 387 bis 395. Des Freyherrn von Bielfeld freundschaftliche Briefe gibt es digital bei Google Books.

Neun und siebzigster Brief
An den Herrn von Stüven zu Braunschweig.
Breitenhayn, den 5. Sep. 1750.

Also wissen Sie nichts davon, mein lieber Stüven, daß ich beynahe den ganzen Sommer im Sachsen-Altenburgischen auf einem sehr schönen Landgute, welches der Madam von S**, meiner Frauen Schwester, zugehöret, zugebracht habe? Eben hier habe ich Ihr angenehmes Briefchen erhalten, welches Sie nach Berlin an mich geschickt hatten. Glauben Sie nicht, daß ich auf dem Lande meine Hände in den Schooß geleget. O! nein! ich habe hier den Anfang mit Endigung eines Processes gemacht, den meine Frau und meine Schwägerinn seit mehr als zwanzig Jahren mit sehr weitläuftigen Anverwandten geführet hatten, welche, wenn wir die Sachen genau betrachten, es nicht einmal sind, ob sie gleich auf diese Anverwandschaft ihre nichtigen Anfoderungen gründen. Kurz! nachdem wir 9 Urtheyl von einerley Innhalt, die alle auf unsrer Seite waren, erhalten hatten, so sind wir zu dem Besitz der schönen Landgüter Treben und Hasselbach gelanget. So bald als ich diese wichtige Streitsache so glücklich geendigt sah, habe ich mich bemühet, meine Frau mit meiner Schwägerinn aus einander zu setzen, durch welchen Vergleich diese das Gut Breitenheyn behalten; ich aber Treben und Hasselbach zum Besitz bekommen habe. Diese Güter sind sehr einträglich, und liegen in einer reizenden Gegend; allein, die Gebäude sind daselbst alle höchst baufällig geworden, besonders das Schloß. Ich sehe voraus, daß mich die Wiederherstellung desselben und die Ausmeublirung sehr viel kosten wird. […]“

Fünf Jahre nach er diesen Brief geschrieben hatte, zog Jacob Friedrich von Bielfeld endgültig von Berlin nach Treben und Haselbach. In der Zwischenzeit waren die Bauarbeiten an seinem Schloss fertiggestellt und ein weitläufiger Landschaftsgarten angelegt worden.

Acht und achtzigſter Brief.
An den Herrn von Stüven
Treben , den 1. May. 1755.

Endlich, mein lieber Bruder; habe ich den Hof und die Stadt Berlin den 31. März, gleich an meinem Geburtstage, verlassen, und habe meine Wohnung in Treben aufgeschlagen. Den Abend vor meiner Abreise stellte der Prinz von Preußen den beyden Königinnen zu gefallen eine große Lustbarkeit an. Ihro königliche Hoheit hatten die Gnade, mich ebenfalls darzu einzuladen. Den ganzen Abend durch war mein Herz erschrecklich beklemmet. Ich verließ einen Ort, wo ich 16 Jahr hinter einander gewohnet, und mit solchem alles, was bis hierher meinem Leben zu einem Troste gereichet hatte. Nach der Tafel öffnete man einen Ball. Ich tanzte dabey einige Menueten , als ich aber den Augenblick in Acht genommen hatte, in welchem die drey Prinzen in eine kleine entlegne Gallerie gegangen waren , folgte ich selbigen dahin nach , Abschied von ihnen zu nehmen . Niemals bin ich so gerührt gewesen. Sie umarmten mich einer nach dem andern. Der Prinz Ferdinand, mein durchlauchtiger Untergebner, hielt mich lange Zeit in seine Arme eingeschlossen, und ich fühlte seine Thränen auf meinem Gesichte fließen. Nach diesem für mich so grausamen Auftritte war es mir unmöglich, von jemanden Abschied zu nehmen, ich warf mich in meine Kutsche, und kehrte in meine Wohnung zurück, wo ich die Anstalten zu meiner Reise vollends zu Stande brachte; und in der That reiste ich mit Anbruch des Tages ab.

Da ich in Treben ankam, fand ich mein Haus ausgebauet, und ich hatte das Vergnügen, solches auszumeubliren, und einzurichten. Es ist geräumlich, sauber und bequemlich, keineswegs aber prächtig. Sie werden weder Vergoldung noch Bildhauerarbeit daran finden. Das unterste des Hauses, welches auf die Hälfte noch unter der Erde stehe, ist für Küche, Keller und die benöthigten Gewölber, und für die Wohnungen des Kochs und einiger Bedienten bestimmt. Ich und meine Frau haben im ersten Stockwerke sechs schöne Zimmer, worinnen wir ordentlich wohnen, und in deren einem sich eine artige Bibliothek befindet, welche auf einen Canal geht, den ein Arm des Flusses macht, und wo ich alles sehen kann, was im Dorfe vorgehet. Ich habe alle meine Bücher, die ich nach einem guten System gesammlet, von Berlin hierher bringen lassen.

Das oberste Stockwerk ist sehr schön. Es sind in selbigem zwey schöne Gastzimmer, sechs Schlafkammern mit Kleiderbehältnissen, eine kleine Küche zur Bequemlichkeit der Kammerfrauen, und eine Gallerie von 90 Fuß in die Länge, an welche ein großer viereckigter Saal stößt. Hier ist die Aussicht prächtig. Sie entdecken von dem Balcon nicht nur einen Theil des Gartens, sondern auch eine Mühle mit fünf Gängen, von welchen das Wasser wie bey Wasserfällen herunter rauscht, und eine anmuthige Landschaft, in welcher Dörfer und Gebüsche überall umher zerstreut liegen. Den Gesichtskrais schränkt ein Amphitheater von Gebirgen ein, auf deren letzten Höhe man die Stadt Altenburg mit ihren sechs Thürmen erblickt. Alles ist mit Anstand und nach einem sehr angenehmen Geschmack ausmeubliret. Die Gallerie ist mit guten Gemälden behangen.

Schon vor einigen Jahren habe ich angefangen, meine Gärten anzulegen. Da mir die Natur sowohl zu Treben als zu Haselbach, in drey verschiedenen Gehölzen, auf denen Dämmen, die meine großen Teiche umgeben, und längst der Pleiße hin, welche das Dorf Treben inzween Theile schneidet, die schönesten Spaziergänge gegeben hat; so habe ich geglaubt, ich müßte bey dem Plane meiner Gärten mehr einen angenehmen Nutzen, als die Pracht und eine zu sehr abgezirkelte Regelmäßigkeit zum Augenmerk haben. Die Einwohner in den Städten finden ihre Obst- und Küchengärten auf den öffentlichen Märkten schon völlig eingerichtet: allein, die Einwohner auf dem Lande müssen denken, daß ihr Nachtisch bloß auf der Güte ihrer Gärten beruhet, und daß es ein Vergnügen ist, wenn man einem Freunde, der uns in unsern einsamen Landwohnungen überfällt, einige ausgesuchte Früchte anbieten kann. Und was noch mehr ist. Diejenigen Gärten, welche bloß mit Hainbuchen und anderen unfruchtbaren Bäumen angelegt sind, ermüden das Auge bald durch ihre beständige Einförmigkeit. Man siehet sie gegen den Herbst so, wie man sie im Frühlinge gesehen hat. Es sind beständig die nämlichen Schönheiten. Solche Gärten sind einer schönen Frau gleich, mit welcher man, so zu reden, verheyrathet ist, anstatt, daß ein Garten, welcher nach Geschmack mit Obstbäumen gezieret worden, alle Tage ein verschiedenes Schauspiel darbietet. Die Blätter, Blühten und Früchte geben ihm immer nach und nach einen andern Putz. Er ist wie eine Nymphe oder Waldgöttinn, welche alle Tage ihre Bildung verändert, und uns unaufhörlich neue Reize vor Augen leget. Die Hoffnung der Flora, und die Geschenke der Pomona selbst verursachen uns ein doppeltes Vergnügen; der Eigenthümer ist dabey beständig beschäfftigt; Seine Spaziergänge scheinen mit einem Gegenstande verbunden zu seyn, welcher das Vergnügen dabey hundertfach vermehret. Alle diese Betrachtungen haben mich bewogen, bey der Anlegung meines Gartens einem großen und schönen Entwurfe zu folgen, bey der Ausführung desselben aber niemals den Begriff eines schönen Obstgartens aus den Augen zu lassen.

Es ist wahr, meine Alleen bestehen größtentheils aus Hainbuchenhecken; allein, diese Hecken dienen bloß darzu, um die Abtheilungen, welche zu Erbauung aller Arten von Hülsenfrüchten, zu den Gartenbeeten ec. bestimmt sind, zu umgeben und zu verdecken. Da ich einen großen Bach, welcher in der Nachbarschaft fließt, einige Schritte näher geführet habe; so habe ich dadurch ein Mittel gefunden, mir ein sehr schönes Baßin von lebendigem Wasser und einen Kanal mitten im Garten zu verschaffen. Dieses Becken, welches zur gleichen Zeit einen Fischhalter abgiebt, und worinnen ich schöne Krebse habe, ist mit 24 kostbaren Kirschbäumen umgeben, deren Stämme so gerade wie Pomeranzenbäume sind, und deren Kronen unter der Scheere gehalten werden. Zur Rechten des Baßins endigt sich der Garten mit einer Allee, welche durch beständige Krümmungen von einem Ende zum anderen führet. Zur Linken habe ich einen alten sehr hohen Wall gefunden, welchen ich in zwo breite und schöne Terrassen theilen lassen. Die unterste ist mit Zwergbäumen besetzt, so in Spalier gezogen sind, und die obere mit zwo Reihen Kirschbäumen, deren Gipfel wie Lorberbäume geschnitten sind, und welche einen schönen Gang angeben. Man kommt durch das Orangeriehaus hierher, welches eben ißt aufgebauet, und ein artiges Stück der Baukunst werden wird. Dieses Gebäude wird im Winter meiner Orangerie wider die Kälte zum Schutze dienen, und im Sommer wird es einen sehr schönen Saal geben. Ich habe an selbiges eine Wohnung für den Gärtner und eine Küche anbauen lassen. In einem unregelmäßigen Winkel des Gartens habe ich ein Theater von grünen Hecken und ein Amphietheater mit doppelten Terrassen anbringen lassen. Dieses Stück, indem es alle Unregelmäßigkeit des Erdbodens verbirgt, dient dem Garten zu einer Zierde, und ob ich mir gleich nicht verspreche, in diesen Gegenden Acteurs zu Aufführung eines Schauspiels zusammen zu bringen, so soll er mir doch darzu dienen, daß ich des Abends Mahlzeiten, Concerte ec. darinnen geben will.

Am Ende des Gartens steht ein birknes Gebüsche, mit grünen Sommerlauben, und bey dessen Eingang findet man sogleich rechter und linker Hand grüne Gänge von Linden.

Der ganze übrige Garten ist mit weitläufigen und schönen Alleen von Obstbäumen besetzt, und sie finden hier eine vollständige Sammlung aller der auserlesensten Früchte, welche unser Clima hervorbringen kann.

Ueberhaupt wird meine Kunst und meine Bemühung, aus Treben einen angenehmen Ort zu machen, durch die Natur außerordentlich unterstützt. Die ganze umliegende gegend sieht einem Garten gleich. In selbiger sieht man den Fluß Pleiße sich schlängeln, über welche mitten im Dorfe eine große Brücke von Werkstücken geführt ist. Einige Schritte von dieser Brücke habe ich in einem kleinen Berge einen schönen Steinbruch. Dieser Steinbruch verschafft einen wahrhaft malerischen Anblick. Die Spitze des Hügels ist mit Eichen, Buchen und Birken bedeckt. In der Mitten sieht man die Steine und Felsenstücke, welche die Arbeitsleute brechen, und am Fuße desselben den Fluß, welcher schlangenweise, gleichsam als gienge er spazieren, daher fließt.

 Noch ein wenig weiter hin kommt man an meinen großen Wald, welcher so schön ist, als man sichs nur vorstellen kann. Das Holz steht darinnen so dicke, daß ehedem niemand als Jäger und Wildpret darinnen fortkommen konnten. Ich habe eine Allee über das Kreuz durchhauen lassen, welche so breit ist, daß drey Wagen gar bequem neben einander durchfahren können. Dieses giebt ißo die schönste Spazierfahrt von der Welt. Da die ganze Gegend umher noch von kleinen Bächen durchschnitten wird, deren Ufer mit Weiden, wilden Kirsch- und anderen Bäumen bepflanzt sind, so können Sie sich leicht vorstellen, daß es mir nicht an Spaziergängen mangelt, und daß sie sehr verschieden sind. […]“

Blick ins Buch “Wasserspiele” von Marlene Hofmann: Hier eine Illustration der Geschichte “Konzert mit Fischen”.
Blick ins Buch “Wasserspiele” von Marlene Hofmann: Hier eine Illustration der Geschichte “Konzert mit Fischen”, die in Treben und Haselbach spielt.

Erinnern Sie sich an ihren letzten handgeschriebenen Brief, liebe Zuhörende? Ohne jemanden zu nahe treten zu wollen, aber ich bin sicher, er war nicht halb so lang wie der des Freiherrn von Bielfeld. Und der war weder eine Ausnahme zu seiner Zeit – noch mehr als 50 Jahre später freute sich unter anderen Lili Parthey über einen 14 Seiten langen Brief ihres Bruders –  noch war er an dieser Stelle zu Ende. Im weiteren Verlauf schildert Freiherr von Bielfeld noch das Aussehen der Dörfer Treben und Haselbach, sowie Festlichkeiten auf dem Haselbacher See. Besonders diese Episode, in der von einer Barke die Rede ist, „welche 30 Personen einnehmen kann“, inspirierte meine Kollegin Marlene Hofmann zu einer Kurzgeschichte, die mit zwei weiteren kleinen Episoden im Buch „Wasserspiele“ in diesem Jahr erschienen ist. Und dieses Buch „Wasserspiele. Drei Geschichten mit wahrem Kern aus Schlössern und Gärten im Altenburger Land“ von Marlene Hofmann möchte ich ihnen als kleinen Lesetipp mit auf den Weg geben.

Als letztes möchten wir noch bekannt geben, dass das Museum Burg Posterstein am 1. August 2021 die neu gestaltete Dauerausstellung über die Herzogin Anna Dorothea von Kurland und die europäische Salonkultur um 1800 eröffnet hat. Zur Feier des Tages veranstaltete das Museum Burg Posterstein die zweite Live-LeseZEIT, diesmal mit Briefen des Dichters Jean Paul aus Löbichau 1819. Und diese werden Sie bald und im nächsten Jahr in einer weiteren LeseZEIT-Folge hören können.

Die nächste LeseZEIT-Folge wird allerdings eine kleine Weihnachtsüberraschung werden. Und damit möchte ich mich von ihnen, liebe Zuhörende, für dieses Mal verabschieden! Vielen Dank fürs Zuhören und hoffentlich bis zum nächsten Mal!

Von Franziska Huberty / Museum Burg Posterstein

#GartenEinsichten Tour: Bauerngärten im Altenburger Land

Es gibt so viele wunderschöne Gärten da draußen! Durch die Mitmach-Aktion #GartenEinsichten zur Ausstellung “Wie der Gärtner, so der Garten” – Gartenkultur als Spiegel der Gesellschaft (bis 14. November 2021 auf Burg Posterstein) kam uns die Idee zu einer Blogserie mit Tipps für Gartenreisen. Natürlich fangen wir im Altenburger Land an, doch es soll auch Abstecher nach ganz Deutschland geben, denn durch die Mitmach-Aktion erreichen uns unzählige wunderbare Garten-Reise-Tipps!

Mit Buchsbaum eingefasste Beete im Nutzgarten eines Bauerngartens im Altenburger Land. (Foto: Petra Nienhold)
Mit Buchsbaum eingefasste Beete im Nutzgarten eines Bauerngartens im Altenburger Land. (Foto: Petra Nienhold)

Eine uralte Gartentradition

Die ursprünglichste Gartenform ist der Nutzgarten. Seit der Einführung des Ackerbaus vor 5000 Jahren in Mitteleuropa kultivierten Bauern Wildpflanzen an ihren Häusern. Der “ghortos“, das „Flechtwerk“, schützte diese Siedlungsinseln inmitten riesiger Waldgebiete.
Dörfer mit zehn bis zwölf Höfen entstanden ab dem 8. Jahrhundert im Frankenreich. Am Hof lag der umzäunte Gemüsegarten sowie der Baum- und Grasgarten, in dem auch Kleintiere gehalten wurden.

Rund um die Dorfkerne lag das Ackerland und die gemeinschaftlich genutzte Allmende. Ab dem 12. Jahrhundert besiedelten deutsche Kolonisten die von Slawen bewohnten Gebiete zwischen Saale und Oder. Neue Dörfer entstanden in gerodeten Waldgebieten. In enger Beziehung mit den neuen Grundherren der Burgen und den Klostergemeinschaften entstanden die ortstypischen Höfe, zu denen der Zier- und Blumengarten vor dem Wohnhaus, der Gemüsegarten und der Obstgarten gehörten.

Fast jeder Hof hatte auch einen Obstgarten, wenn nicht sogar eine Plantage. (Foto: Petra Nienhold)
Fast jeder Hof hatte auch einen Obstgarten, wenn nicht sogar eine Plantage. (Foto: Petra Nienhold)

Die wohlhabenden Bauern im Altenburger Land

Mit der deutschen Landnahme vor 800 Jahren wurden nicht nur fränkische Bauern angesiedelt. Entsprechend der Landschaftsstruktur legte man die neu erschlossenen Dorffluren als „Waldhufen“ oder Streifen beiderseits einer Straße bzw. eines Baches an. Ohne ein Rittergut im Dorf konnten die Höfe (Anspanner mit Pferden und Handgüter) 20 bis 40 Hektar groß sein. Das besondere Erbrecht im heutigen Altenburger Land, bei dem der jüngste Sohn erbte, sorgte für den dauerhaften Erhalt der Hofgrößen.

Im 19. Jahrhundert endeten die feudalen Verhältnisse im Herzogtum Sachsen-Altenburg. Die Landwirtschaft, die von den fruchtbaren Böden profitierte, trug weiterhin wesentlich zum Reichtum des Landes bei.

Die wirtschaftlichen Abläufe und der Lebensrhythmus seiner Bewohner prägten den funktionellen Aufbau des Altenburger Bauernhauses über Jahrhunderte. Die Anwendung fortschrittlicher Anbaumethoden auf gutem Ackerboden ermöglichten ein stetes wirtschaftliches Wachstum und somit die historische Entwicklung vom Einhaus (Wohn-Stall-Haus) über den Hakenhof zum Drei- oder Vierseithof.

Die Ziergärten der Bauerngärten waren oft mit Buchsbaum umrandet.
Die Ziergärten der Bauerngärten waren oft mit Buchsbaum umrandet.

Typisch für einen Hof waren drei Gärten

Fast jeder Hof hatte drei Gärten: den Zier- und Blumengarten vor dem Wohnhaus an der Straße, den Gemüse- und Nutzgarten und den Obstgarten, oft eine Plantage. Im 19. Jahrhundert bauten reiche Bauern ihre Wohnhäuser nach bürgerlichem Vorbild villenartig um und verwandelten ihre Ziergärten in kleine Parks, züchteten Kakteen oder Rosen.

Die gesellschaftlichen Veränderungen in der DDR machten auch nicht vor dem Bauernstand halt. Hauptsächlich durch die Zwangskollektivierung wurden viele Höfe aufgelöst und teilweise zerstört. Heute erleben die Bauernhöfe und ihre Gärten mancherorts eine Renaissance als reine Wohnhöfe. Nur wenige dienen noch dem landwirtschaftlichen Broterwerb, aber fast alle haben Gärten.

Nur wenige Bauernhöfe dienen noch dem landwirtschaftlichen Broterwerb, aber fast alle haben Gärten.
Nur wenige Bauernhöfe dienen noch dem landwirtschaftlichen Broterwerb, aber fast alle haben Gärten. (Foto: Petra Nienhold)

Bauerngärten in der Ausstellung #GartenEinsichten “Wie der Gärtner, so der Garten”

Vier noch erhaltene und gut gepflegte Bauerngärten im Altenburger Land stellen wir in der Sonderschau #GartenEinsichten in aktuellen und teilweise auch historischen Bildern vor. Diese befinden sich aber in Privatbesitz und können lediglich über den Gartenzaun hinweg angeschaut werden.

Ein Bauerngarten mit langer Tradition

Einer dieser Gärten am Hof der Familie Gräfe in Zschernitzsch ist am 20. Juni 2021 eine Station der Sternfahrt nach Lumpzig, ein Projekt des Fliegenden Salons im Altenburger Land.

Historische Ansicht des Bauernhofs der Familie Gräfe in Zschernitzsch im Altenburger Land
Historische Ansicht des Bauernhofs der Familie Gräfe in Zschernitzsch im Altenburger Land. Kolorierte Zeichnung des Hofs von Anton Hahn und Sohn, 1912 (Privatbesitz, Bild bearbeitet)

Der Vierseithof der Familie Gräfe ist ein gut erhaltenes Beispiel für einen Altenburger Bauerngarten. Vor dem Wohnhaus liegt der mit Buchsbaum und gekiesten Wegen eingefasste Ziergarten, neben dem Tor ein Nutzgarten und hinter dem Hof die Obstwiese. Man findet Gemüse, Kräuter, Blumen und Ziersträucher sowie Obst- und Beerensträucher.

Zum Quellenhof Garbisdorf gehört ein rekonstruierter Bauerngarten.
Zum Quellenhof Garbisdorf gehört ein rekonstruierter Bauerngarten.

Ein liebevoll restaurierter Bauerngarten

Das Kulturgut Quellenhof in Garbisdorf ist ein für das Altenburger Land typischer Vierseithof, den der Heimatverein Göpfersdorf e.V. und die Gemeinde Göpfersdorf in den letzten Jahrzehnten nicht nur liebevoll restauriert, sondern auch zu einem lebendigen Kulturort ausgebaut haben. Neben Galerie, Druckwerkstatt und Keramikwerkstatt gibt es ein kleines Museum für Bauernkultur im Altenburger Land und einen landschaftstypischen, mit Porphyrsäulen und Holzlatten eingezäunten Bauerngarten. Er konnte im Rahmen eines Förderprojektes mit einer Schule nach historischem Vorbild rekonstruiert werden und steht zur Besichtigung offen.

Zum Weiterlesen

Viele Informationen und Publikationen zu den Altenburger Bauernhöfen gibt es auch auf der Website des Vereins Altenburger Bauernhöfe e.V.

Die Geschichte der Gärten im Altenburger Land fasst Christiane Nienhold im Buch “Grünes im Quadrat” zur gleichnamigen Ausstellungsreihe im Altenburger Land zusammen.

Die Ausstellungsreihe "Grünes im Quadrat" umfasst nicht nur vier Ausstellungen mit Gartenthema, es erscheint auch das zugehörige Buch "Grünes im Quadrat" im Sandstein Verlag.
Die Ausstellungsreihe “Grünes im Quadrat” umfasst nicht nur vier Ausstellungen mit Gartenthema, es erscheint auch das zugehörige Buch “Grünes im Quadrat” im Sandstein Verlag.

Die Ausstellung ist Teil einer gemeinsamen Ausstellungsreihe “Grünes im Quadrat – Historische Gärten im Altenburger Land” zum Thema Gärten der vier Museen im Altenburger Land. Mit dabei: Lindenau-Museum AltenburgResidenzschloss AltenburgNaturkunde-Museum Mauritianum und Museum Burg Posterstein. Gezeigt werden vier Ausstellungen zum Thema Gärten im Altenburger Land.

Der Artikel basiert auf den Ausstellungstexten von Gartenarchitektin Christiane Nienhold und Marlene Hofmann, Museum Burg Posterstein.

LeseZEIT – Folge 3: Gustav Parthey

Banner Podcast LeseZEIT auf Burg Posterstein

Das Buch Parthey’s ist aus einem so edlen, milden Gemüthe hervorgegangen, daß, wenn es veröffentlich würde, Niemand dadurch verletzt werden könnte, und Allen denen es zugänglich gemacht würde, ein edles Beispiel in der anmuthigsten Form vor Augen stünde.“

(Emilie von Binzer: Drei Sommer in Löbichau, Stuttgart 1877, S. IV.)

Mit diesen Worten aus dem Buch „Drei Sommer in Löbichau“ der Schriftstellerin Emilie von Binzer (1801-1891), heiße ich Sie, liebe Zuhörende, herzlich willkommen zur dritten Folge der „LeseZeit“ mit Geschichte und Geschichten aus dem Museum Burg Posterstein. Es begrüßt Sie heute im Burgstudio wieder die Historikerin Franziska Engemann.

Sie können auch diese Folge als Blogpost lesen oder als Podcast anhören.


In Folge 2 unserer „LeseZEIT“ haben wir Emilie von Binzer und ihre Lebenserinnerungen „Drei Sommer in Löbichau“ kennengelernt. Heute soll es in der LeseZEITum den – man könnte sagen – Verursacher dieses Buches gehen: um den Altertumsforscher und Buchhändler Gustav Parthey (1798–1872).

Ernst Welker portraitierte Gustav Parthey als dünnen Stock. (Sammlung Welker, Museum Burg Posterstein)
Ernst Welker portraitierte Gustav Parthey als dünnen Stock. (Sammlung Welker, Museum Burg Posterstein)

1871 hatte er seine selbstverfassten „Jugenderinnerungen“ als Handschrift für Freunde an seine alten Bekanntschaften gesendet. Ein Exemplar erhielt auch Emilie von Binzer. Sie nahm es als Inspiration für ihren eigenen Rückblick auf die bewegten Jahre im Salon ihrer Großmutter, der Herzogin Anna Dorothea von Kurland (LeseZEIT – Folge 1), in Löbichau.

Emilie von Binzer gehörte als Pflegetochter der Herzogin Wilhelmine von Sagan der engeren kurländischen Familie an. Das ist der Grund, warum sie einzigartige Einblicke aus erster Hand in das Leben dieser Salondamen und deren Gäste geben konnte. Anders, aber nicht weniger interessant, verhält es sich bei Gustav Parthey, dem Sohn eines Berliner Hofrates und Buchhändlers. Mit anderen Worten: eines gutbürgerlichen Mannes.

Wie konnte ein damals junger Mann Anfang 20 aus bürgerlichem Haus wie Gustav Parthey Eintritt in die Salon-Gesellschaft der Herzogin von Kurland finden?

Gustav Friedrich Konstantin Parthey wurde 1798 im Haus des Großvaters in der Brüderstraße in Berlin geboren und war damit nur 3 Jahre älter als Emilie von Binzer. Er stammte aus der ersten Ehe des Hofrates Friedrich Parthey (1745–1822) mit Charlotte Wilhelmine (1767–1803), der ältesten Tochter des Buchhändlers Friedrich Nicolai. Sowohl Vater Parthey als auch Großvater Nicolai verfügten über weitreichende Kontakte zu Dichtern, Denkern und Politikern ihrer Zeit.

Büste Friedrich Nicolais von Johann Gottfried Schadow, 1798, im Museum Burg Posterstein
Büste Friedrich Nicolais von Johann Gottfried Schadow, 1798, im Museum Burg Posterstein

Gustavs Vater, Friedrich Parthey, hatte in Leipzig studiert und sich bei Kapellmeister Johann Adam Hiller musikalisch ausbilden lassen. Auf dessen Empfehlung wurde Parthey Musik- und Hauslehrer der Familie Medem in Kurland. Seit dieser Zeit verband ihn eine tiefe Freundschaft mit der späteren Herzogin Anna Dorothea von Kurland, die seine Schülerin war. Auch deren Schwester Elisa von der Recke blieb Parthey und seiner Familie lebenslang sehr zugetan und übernahm sogar die Patenschaft für den Sohn Gustav.

1797 heiratete Friedrich Parthey Charlotte Wilhelmine Nicolai. Deren Vater Friedrich Nicolai führte einen berühmten Buchhandel und Verlag in Berlin und war selbst schriftstellerisch tätig. Gemeinsam mit Friedrich Gedike und Johann Erich Biester zählt er zu den Hauptvertretern der Berliner Aufklärung. Nach seinem Tod 1811 übernahm sein Schwiegersohn Parthey die erfolgreiche Nicolaische Buchhandlung.

Oft erwähnt Gustav Parthey in seinen Erinnerungen die umfangreiche Bibliothek des Großvaters. Doch er erhielt nicht nur zu Hause eine hervorragende Ausbildung. Er besuchte in Berlin zuerst die Hartung‘sche Privatschule und bis 1818 das Gymnasium zum Grauen Kloster. Danach wandte er sich Studien in Berlin und Heidelberg zu. Er wurde 1820, mit 22 Jahren, zum Doktor der Philosophie promoviert. Nach dem Tod des Vaters 1825 übernahm er die erfolgreiche Nicolaische Buchhandlung und stiftete den Bibliotheken in Berlin, Flensburg und Straßburg reichhaltige Bestände. Er veröffentlichte selbst mehrere kunst- und kulturgeschichtliche Werke. 1872 starb Gustav Parthey während einer seiner Studienreisen nach Rom.

[…] ihn umschwebte eine Atmosphäre inneren Werthes; er hatte bei so jungen Jahren schon einen Schatz von Wissen gesammelt, alle jungen Leute wußten, daß er ihnen darin weit überlegen war, wie auch in der Reinheit seiner Sitten. Als Besitzer eines großen Vermögens war er so unabhängig, daß er sich vor keinem Menschen und keiner Behörde zu beugen brauchte, es lag aber so viel Bescheidenheit in seinem Charakter, daß er sich dieser Vortheile nie überhob.“

(Emilie von Binzer, S. 91)

So beschrieb ihn Emilie von Binzer schon in seinen Jugendjahren. Beide hatten sich 1820 in Löbichau kennengelernt. Allerdings war Gustav Parthey schon viele Jahre vorher zu Besuch im Salon der Herzogin von Kurland in Berlin oder auf ihren Schlössern in der Altenburger Region. Zum ersten Mal unternahm er im Sommer 1812 eine Reise nach Löbichau. Friedrich Parthey hatte eine Einladung der Herzogin erhalten und nahm seinen Sohn Gustav und seinen Pflegesohn Fritz von Piattoli, der seit 1808 im Hause Parthey lebte, mit auf die Reise. Fritz von Piattoli war zwei Jahre jünger als Gustav und ein uneheliches Kind Johannas, der späteren Herzogin von Acerenza, und der dritten Tochter der Herzogin von Kurland.

Ernst Welker portraitierte Herzogin Johanna als Uhu. (Sammlung Welker, Museum Burg Posterstein)
Ernst Welker portraitierte Herzogin Johanna als Uhu. (Sammlung Welker, Museum Burg Posterstein)

In der heutigen LeseZEIT hören Sie Auszüge dieser ersten Reise nach Löbichau, die Gustav Parthey damals im zarten Alter von 14 Jahren unternahm. Die Erinnerung daran schrieb er erst im Alter von fast 74 Jahren nieder.

Ich lese aus der Ausgabe von Gustav Partheys Jugenderinnerungen. Handschrift für Freunde, herausgegeben von Ernst Friedel im Verlag Ernst Frensdorff in Berlin 1907. Die Auszüge befinden sich im ersten Teil der zweibändigen Ausgabe, auf den Seiten 287 – 293. 


Reise nach Löbichau und Dresden 1812.

Im Sommer 1812 machte ich mit Bewußtsein meine erste Reise, die zwar nur bis Leipzig und Dresden ging, mir jedoch von einer unendlichen Ausdehnung schien. Mein Vater war von der Herzogin von Kurland nach ihrem Landsitze Löbichau eingeladen worden. Er benutzte die Ferienzeit, um Fritz und mich mitzunehmen. Welch‘ ein großes freudiges Ereigniß, als uns angekündigt ward, wir würden 14 Tage oder 3 Wochen ausbleiben. Die Reise wurde mit Extrapost gemacht, ging aber bei dem Mangel aller Chausseen sehr langsam. Die Abreise verzögerte sich um einige Stunden, wir fuhren daher in den Abend hinein, um das erste Nachtquartier zu erreichen.

Es war ein angenehm-schauriges Gefühl, als wir, behaglich in die Wagenecke gedrückt, die Sonne verschwinden sahen, und als die unabsehbare kahle Ebne vor uns in immer dunkleren Schatten versank. Schon wollte Morpheus seine Mohnkörner ausstreuen, als plötzlich der Postillon mit dem Sattelpferde stürzte, weil er ein Loch in dem elenden, holprigen Wege nicht bemerkte; er kam mit dem Fuße unter das Pferd zu liegen, und schrie erbärmlich, sein Fuß sei gebrochen.

Wir stiegen erschreckt aus dem Wagen, und mein Vater sah, was zu thun sei. Er wurde auch hier von seinem guten Glücke nicht verlassen: denn schon hörte man ein uns entgegenkommendes Fuhrwerk. Die Bauern leisteten hülfreiche Hand; es galt, das Pferd in die Höhe zu bringen, ohne den Postillon zu beschädigen. Als mein Vater ihn eifrig bemüht sah, seinen Fuß unter dem Thiere hervorzuziehen, sagte er halb lachend und ihn ermuthigend: Sei froh, Schwager, daß du noch ziehen kannst, dann ist der Fuß nicht gebrochen! Alles gelang auf das beste; weder Roß noch Reiter hatten Schaden genommen. Nach kurzem Aufenthalte saß der Postillon wieder im Sattel, und brachte uns in dunkler Nacht zur nächsten Station. Noch sehe ich, wie er, sehr vergnügt über das reiche Trinkgeld, dem Stalle zuhumpelte. […]

Der Salon der Herzogin von Kurland in Schloss Löbichau zählte zu den bekanntesten in Deutschland.
Der Salon der Herzogin von Kurland in Schloss Löbichau zählte zu den bekanntesten in Deutschland.

Eine kleine Tagereise brachte uns von Leipzig nach Löbichau in der Nähe von Gera. Beim Eintritte in das Herzogthum Altenburg fanden wir die schönsten, mit Bäumen eingefaßten Chausseen, auf denen der Wagen wie auf einer Tenne hinrollte. Dies war das Verdienst des Ministers von Thümmel, der darin allen Nachbarstaaten mit gutem Beispiel voranging. Die Lage des Schlosses Altenburg auf hoher Felskuppe setzte mich in Entzücken, und das Interesse an dem Orte ward noch vermehrt, als mein Vater uns die Geschichte des Ritters Kunz von Kaufungen erzählte; die beiden geraubten sächsischen Prinzen hatten in eben diesem prächtigen Schlosse gewohnt.

In Löbichau war an Fürstlichkeit kein Mangel, wir fanden die Herzogin von Kurland mit ihren beiden ältesten Töchtern, der bildschönen Herzogin von Sagan und der äußerst lebhaften Fürstin von Hohenzollern; der Herzog von Altenburg kam auf einen Tag zum Besuche herüber; ein Prinz von Biron, dem kurländischen Fürstenhause verwandt, sprach auf der Durchreise ein. Das gab ein unaufhörliches Ankommen und Abfahren von Equipagen und hochbepackten Reisewagen; die lustigen Fanfaren der Postillone hörten nicht auf, über den Schloßhof zu tönen. Aber alle diese Herrlichkeit ging nur wie im Traume an mir vorüber: denn ich war noch immer so schüchtern, daß ich kaum wagte, die Augen aufzuschlagen. Fritz dagegen, obgleich 2 Jahre jünger als ich, bewegte sich ganz unbefangen in den glänzenden Sälen. Durch sein drolliges Wesen wurde er bald der Liebling der vornehmen Damen; die Fürstin von Hohenzollern hörte nicht auf, ihn zu necken, und lachte über seine komischen Antworten.

Ernst Welker portraitierte die Fürstin von Hohenzollern, Tochter der Herzogin von Kurland, als Eidechse dar. (Sammlung Welker, Museum Burg Posterstein)
Ernst Welker portraitierte die Fürstin von Hohenzollern, Tochter der Herzogin von Kurland, als Eidechse. (Sammlung Welker, Museum Burg Posterstein)

Mein Vater ließ uns volle Freiheit, den Tag über im Park, im Dorfe und in der Umgebung uns zu ergehn, doch mußten wir um 6 Uhr zur Mittagstafel in tadellosen Anzügen erscheinen. Das Schloß Löbichau, vom letzten Herzoge von Kurland am Ende des 18. Jahrhunderts erbaut, war äußerlich sehr unscheinbar, aber im Inneren mit fürstlichem Luxus an Marmorvasen, Spiegeln und Teppichen ausgestattet; der sehr ausgedehnte Park bot eine Menge der freundlichsten Spaziergänge; hier hielten wir uns jedoch niemals lange auf, sondern eilten in das nahegelegene Dorf Löbichau, wo Fritz sehr bald mit allen Bauerjungen Bekanntschaft machte; oder wir gingen auf einsamen Waldwegen nach dem nahe gelegenen Schlosse Tannenfeld; dies gehörte ebenfalls der Herzogin, und wurde zur Aufnahme von fremden Gästen benutzt. Von dem flachen Dache genoß man einer herrlichen Aussicht über das fruchtbare altenburgische Ländchen; fern im Osten weckte die lange Kette der böhmischen Berge das unnennbare Gefühl des Hinausstrebens in die weite unbekannte Welt. […]

Das Portrait von Fritz Piattoli hat Emilie von Binzer, Zeichenschülerin Ernst Welkers, unterschrieben (Sammlung Welker, Museum Burg Posterstein)
Das Portrait von Fritz Piattoli hat Emilie von Binzer, Zeichenschülerin Ernst Welkers, unterschrieben (Sammlung Welker, Museum Burg Posterstein)

Der Pächter des herzoglichen Gutes, ein reicher Bauer, Namens Schnabel, war uns sehr freundlich gesinnt, und wir verkehrten viel in seinem Hofe. Sein Sohn Michel, etwas älter als wir, half schon in der Wirtschaft. Da geschah es eines Tages, daß Michel einen Mistwagen ausführte, und Fritz einlud, zu ihm vorn aufzusteigen, was dieser sich nicht zweimal sagen ließ. Allein das Unglück wollte, daß am Ende des Dorfes die Fürstin von Hohenzollern, von einer Spazierfahrt zurückkehrend, Fritzen auf dem Mistwagen und mich, ehrbar daneben gehend erblickte. Seitdem verging selten ein Tag, ohne daß sie ihn fragte: Fritz, willst du spazieren fahren? Soll ich Michel Schnabeln anspannen lassen? Noch mehr wurde er geneckt, als er eines Tages, schon völlig zum Essen angekleidet, noch schnell in den Stall ging, und darauf einen penetranten Pferdegeruch mit in den parfümirten Salon brachte. Fritz, rief ihm die Fürstin zu, ich sehe, daß du nichts anderes werden kannst, als Postillon! O, erwiederte er keck, das würde mir auch recht lieb sein! Michel Schnabel bewirthete uns zuweilen mit einem trefflichen Quarkkuchen, dem wir so tapfer zusprachen, daß nachher die delikatesten Schüsseln der herzoglichen Tafel unberührt vorübergingen.

Einige Regentage benutzten wir dazu, um alle Räume des weitläufigen Schlosses vom Keller bis zum Dachboden, insofern dies thunlich war, zu durchkriechen. Fritz diente bei diesen Entdeckungsreisen als Steuermann; er wurde nicht müde, auf den langen dunklen Korridoren, die durch alle Stockwerke führten, eine Thür nach der anderen aufzuklinken, um in neue unbekannte Gegenden zu gelangen. Diese Streifzüge führten uns auch in die Bibliothek. Hier ging ich alsbald vor Anker, und ließ Fritzen seine Reisen allein fortsetzen. Für’s erste zogen mich die prachtvollen Einbände an, die in der Bibliothek des Grosvaters Nicolai fast gänzlich fehlten, dann fesselten mich einige schöne landschaftliche und architektonische Kupferwerke; die gröste Bewunderung erregte eine zierliche Stehleiter in Form einer schmalen Wendeltreppe auf Rädern; oben angelangt fand man einen bequem gepolsterten Sitz mit Rückenlehne, und konnte in behaglicher Ruhe die oberen Bücherreihen durchmustern.

Der Sachsen-Gotha-Altenburgische Minister Hans Wilhelm von Thümmel (Museum Burg Posterstein)
Der Sachsen-Gotha-Altenburgische Minister Hans Wilhelm von Thümmel (Museum Burg Posterstein)

Das nahe liegende Gut Nöbdenitz gehörte dem schon genannten altenburgischen Minister von Thümmel, einem Bruder des Dichters Moritz von Thümmel. Von der segensreichen Wirksamkeit des Ministers, der damals, wie ich glaube, schon den Geschäften entsagt hatte, zeugte der blühende Wohlstand des glücklichen Ländchens. Der Bau seiner Chausseen, als eines theuern und unnützen Luxusartikels, fand anfangs vielen Widerspruch, doch er beschämte die Tadler durch das reiche Einkommen des Chausseegeldes und den gesteigerten Absatz der Landesprodukte.

Das heute nicht mehr vorhandene "Neue Schloss" Nöbdenitz, in dem sich Hans Wilhelm von Thümmels Bibliothek befand. (Deutsche Fotothek, kolorierte Ansichtskarte, CC0 Europeana.)
Das heute nicht mehr vorhandene “Neue Schloss” Nöbdenitz, in dem sich Hans Wilhelm von Thümmels Bibliothek befand. (Deutsche Fotothek, kolorierte Ansichtskarte, CC0 Europeana.)

Der nachbarliche Verkehr zwischen Löbichau und Nöbdenitz war ein recht lebhafter; mit den Töchtern des Ministers, obgleich sie mehrere Jahre älter waren als wir, wurden genußreiche und weite Spaziergänge in der Umgebung ausgeführt. Schloß Nöbdenitz, in heitrer ländlicher Umgebung, erfreute durch seine wohnliche Einrichtung. Allerlei sinnreiche Wunderlichkeiten des Hausherrn erregten das Erstaunen der jugendlichen Besucher. In der Bibliothek zeigte er uns einige Leitern, die, um Raum zu ersparen, ganz in die Wand hineingeschoben wurden. An der Außenseite des Gartenhauses führte eine frei in der Luft schwebende Wendeltreppe bis zum Dache hinauf. Mit Ehrfurcht betrachteten wir eine mitten im Dorfe stehende Eiche von ungeheurem Umfange. Der Volksglaube machte sie zu einem Druidenbaume der heidnischen Germanen, und die Schätzung der Botaniker gab ihr ein Alter von 2000 Jahren. In der Höhlung des Stammes konnten 10-12 Menschen neben einander stehn. Der Minister hatte angeordnet, daß man ihn im Innern der Eiche begraben solle, damit seine irdischen Ueberreste unverweilt als sprossende Zweige und grüne Blätter an die freie Himmelsluft hinausgelangen möchten.“


Tatsächlich wurde der Minister Hans Wilhelm von Thümmel nach seinem Tod 1824 in dieser noch heute so genannten 1000-jährigen Eiche in Nöbdenitz beigesetzt – so wie er es sich gewünscht hatte. Solche „Gräber im Grünen“ waren vor allem in Adelskreisen zur Zeit der Aufklärung sehr beliebt. Auch, wenn Thümmel mit seiner Beisetzung in einem Baum ein besonders ausgefallenes Beispiel für diese Grabkultur ist, lassen sich ähnliche Begebenheiten im engeren Umfeld des Ministers finden: Herzogin Anna Dorothea von Kurland ließ sich im Hain nahe ihres Schlosses Löbichau beerdigen und Herzog Ernst II. von Sachsen-Gotha und Altenburg, unter dem Thümmel lange Jahre gedient hatte, ließ sich ganz schlicht ohne Gedenkstein auf der Grabinsel im Schlosspark in Gotha beisetzen.

Blick auf das Herrenhaus Nöbdenitz heute (Foto: Museum Burg Posterstein)
Blick auf das Herrenhaus Nöbdenitz heute (Foto: Museum Burg Posterstein)

Vom Rittergut Nöbdenitz, wie Gustav Parthey es beschrieb, und auch von dessen weitläufigem Garten sind heute kaum mehr Reste geblieben. Ein Schicksal, das viele Rittergüter und Gärten im Altenburger Land ereilt hat. 2021 wollen sich vier Museen des Altenburger Landes dennoch – oder gerade deshalb – den historischen und modernen Gärten der Region zuwenden. Die gemeinsame Ausstellungsreihe trägt den Namen „Grünes im Quadrat – Historische Gärten im Altenburger Land” und ist eine Kooperation zwischen dem Lindenau-Museum Altenburg, dem Residenzschloss Altenburg, dem Naturkundemuseum Mauritianum und dem Museum Burg Posterstein.

Unsere Ausstellung mit Titel „#GartenEinsichten: „Wie der Gärtner, so der Garten“ – Gartenkultur als Spiegel der Gesellschaft“ ist voraussichtlich ab Mai 2021 geplant. Minister Thümmel werden Sie in dieser Ausstellung durchaus wieder begegnen. Die 1000-jährige Eiche in Nöbdenitz und auch das darin befindliche Grab existieren im Übrigen auch heute noch.

Der Sachsen-Gotha-Altenburgische Minister Hans Wilhelm von Thümmel liegt noch heute unter der 1000-jährigen Eiche von Nöbdenitz begraben. (Foto: Museum Burg Posterstein, 2018, inzwischen hat das Naturdenkmal ein weiteres Stützsystem erhalten)
Der Sachsen-Gotha-Altenburgische Minister Hans Wilhelm von Thümmel liegt noch heute unter der 1000-jährigen Eiche von Nöbdenitz begraben. (Foto: Museum Burg Posterstein, 2018, inzwischen hat das Naturdenkmal ein weiteres Stützsystem erhalten)

Doch zurück zu Gustav Parthey und seinen Jugenderinnerungen. 1812 war zwar das erste, aber nicht das letzte Mal, das Parthey zu Besuch in Löbichau war. Sein zweibändiger Bericht endet im Jahr 1821, nachdem er in Begleitung der Herzogin von Kurland einige Zeit in Paris verbracht hatte.

Es sind tatsächlich seine Erinnerungen an seine Jugendzeit, die er niederschrieb und die auch nur für seine Familie und Freunde, nicht für eine Veröffentlichung gedacht waren. Doch auch Emilie von Binzer lag mit ihrer Einschätzung nicht falsch: Partheys Absicht war es nie, jemanden in diesem Buch zu diskreditieren und so wurde das Werk postum und mit Einwilligung der Familie veröffentlicht. Im Übrigen: Die Nicolaische Verlagsbuchhandlung, die Gustav Parthey nach dem Tod seines Vaters weiterführte, existiert bis heute und gilt als die älteste Buchhandlung Berlins.

Und damit verabschiede ich mich von Ihnen, liebe Zuhörende, und hoffe, Sie auch in der nächsten Folge der LeseZEIT mit Geschichte und Geschichten aus dem Museum Burg Posterstein begrüßen zu dürfen!

Von Franziska Engemann

Feiert mit uns: 10 Jahre Blog “Geschichte & Geschichten”!

Hand hält Smartphone, auf dem der erste Blogpost des Blogs Geschichte und Geschichten des Museums Burg Posterstein geöffnet ist
Unser erster Blogpost gab einen kurzen Einblick in die Geschichte des Ritterguts Pölzig. Heute bildet er die Grundlage für einen Wikipedia-Eintrag zu diesem Rittergut.

Wir haben Grund zum Feiern: Im Februar 2021 wird unser Blog Geschichte und Geschichten 10 Jahre alt und noch immer gibt es viele interessante Geschichten aus der Geschichte zu erzählen. Feiert mit uns! Der Zeitpunkt könnte nicht besser passen, denn wir kehren 2021 in der Ausstellung #GartenEinsichten inhaltlich zum Ausgangspunkt zurück: Den Rittergütern im Altenburger Land und ihren Gärten. Vor zehn Jahren bildete die Fülle an interessanten Details für uns den Anlass, einen eigenen Museumsblog zu starten.

Der richtige Ort für Recherche-Ergebnisse

2010 zeigten wir die Ausstellung “Das alte Schloss sehn wir noch heut…”, die Fortsetzung einer ersten Ritterguts-Ausstellung 2007. Zusammen dokumentierten beide Sonderschauen und die dazugehörigen Publikationen sämtliche über 60 Rittergüter, die es vor der Bodenreform einmal auf dem Gebiet des heutigen Landkreises Altenburger Land gegeben hat. Viele davon sind heute völlig verschwunden, andere noch gut sichtbar.

All diese umfangreichen Recherchen, die damals vor allem Gustav Wolf, Vorsitzender der Geschichts- und Altertumsforschenden Gesellschaft des Osterlandes zu Altenburg (GAGO), leistete, sind auch langfristig für ein regionales Publikum interessant. Deshalb gingen wir neue Wege, um einen Teil der Recherchen nachhaltig öffentlich zugänglich zu machen. Die vielen interessanten Geschichten – für die ständige Ausstellung des Museums zu detailliert – sollten nicht wie die Rittergüter selbst im Nebel der Geschichte (bzw. im Archiv des Museums) verschwinden. Wir wollten ihnen stattdessen einen langlebigen, frei zugänglichen Platz geben.

Ein Stück Social-Media-Geschichte: TV Kabel Plus berichtete 2010 über das “Rittergut der Woche” auf der damals neuen Facebook-Seite des Museums Burg Posterstein.

Das richtige Format für unser Anliegen fanden wir nicht sofort. Zunächst veröffentlichten wir 2010 Beiträge als “Notizen” auf Facebook (Hand aufs Herz: Wer kennt diese Rubrik, die Facebook-Seiten einmal hatten, heute überhaupt noch?). Diese Notizen erwiesen sich als wenig sichtbar, gestaltbar und teilbar. Die Funktion wurde im Oktober 2020 (zurecht) eingestellt – und wenn wir ehrlich sind, ist es nicht einmal selbstverständlich, dass es Facebook nach all der Zeit noch gibt.

Warum ein Blog das bessere Format ist

Auch, um Herr über die eigenen Daten, Inhalte und Gestaltung zu sein, starteten wir den Blog “Geschichte und Geschichten”, zunächst als WordPress.com-Blog, später (werbefrei und sebstgehostet) als Subdomain unserer Website. Wie Facebook bietet ein Blog Möglichkeiten zur Interaktion mit dem Leser – per Kommentar. Die Beiträge sind gut teilbar in den flüchtigeren sozialen Netzwerken. Und vor allem: Sie können langfristig gefunden werden. Denn die meisten unserer Inhalte sind noch Jahrzehnte später interessant. Kommen neue Forschungsergebnisse dazu, können sie entweder ergänzt oder durch zusätzliche Artikel erweitert werden. Kennt jemand eine Info, die wir vergessen haben zu erwähnen, kann er sie per Kommentar hinzufügen und so ebenfalls langfristig sichtbar machen.

Im Augenblick arbeiten wir daran, alle Beiträge, Videos und Seiten zu den wichtigsten Forschungsergebnissen auf unserer Website übersichtlich zu bündeln und sie nach all den Jahren noch besser auffindbar zu machen. Hier sammeln wir beispielsweise alle unsere Inhalte zu den Rittergütern im Altenburger Land.

Am Anfang stand das Rittergut Pölzig

Unser erster Blogbeitrag widmete sich am 9. Februar 2011 unter der Überschrift “Über den kontinuierlichen Niedergang eines vornehmen Schlosses” der Geschichte des Ritterguts Pölzig, das nah an der Thüringer Landesgrenze zu Sachsen-Anhalt liegt. Der Beitrag erschien auch in einer englischen Fassung.

Ansichtskarte des Ritterguts Pölzig mit Schloss, Hauptstraße und Schwanenteich (Sammlung Museum Burg Posterstein)
Historische Ansichtskarte von Pölzig mit Schloss, Hauptstraße und Schwanenteich (Sammlung Museum Burg Posterstein)

Gibt man “Rittergut Pölzig” im Inkognito-Modus in die Suchmaschine ein, erscheint dieser Blogpost als zweites Suchergebnis direkt nach dem Wikipedia-Artikel zum Rittergut. Dieser – übrigens nicht von uns erstellte oder redigierte Artikel – stützt sich fast vollständig auf unsere Inhalte und verlinkt neben dem Blogpost auch unsere Google Map zu den Rittergütern des Landkreises (Achtung – Link zu Google Map, dort gilt die Datenschutz-Richtlinie von Google Maps), die wir 2010 im Zuge der Sonderschau anlegten und die seitdem rund 25.000 Mal aufgerufen wurde. Damit stellt dieser erste Post eine wichtige Quelle für die Überblicksrecherche zum Rittergut Pölzig dar.

10 Jahre in Zahlen

299 Blog-Beiträge vorwiegend auf Deutsch (91%), manchmal auf Englisch (9%), 6 Unterseiten und hunderte von Bildern später ist unser Blog ein fester Bestandteil unserer Museumsarbeit geworden. Mit der Ausstellung “Landschaft nach der Wismut” und der Weihnachtskrippen-Ausstellung fanden bereits zwei digitale Sonderschauen im Blog statt. Blog und Website haben jährlich zusammen über 600.000 Besucher, Tendenz steigend. Noch Jahre später finden Beiträge Leser. Hin und wieder ergeben sich Recherche-Kontakte oder wir bekommen Schenkungen von Menschen, die durch den Blog auf unsere Forschungs- und Sammlungsschwerpunkte aufmerksam geworden sind.

Zurück zu den Rittergütern – partizipativ

In diesem Jahr wenden wir uns in einer Sonderausstellung erneut einigen Rittergütern und ihren Gärten zu. Für die Ausstellung #GartenEinsichten: „Wie der Garten, so der Gärtner“ – Gartenkultur als Spiegel der Gesellschaft möchten wir neben der Gartenkultur im Allgemeinen und einigen Bauerngärten auch ausgewählte Rittergutsgärten in den Fokus rücken. Regionale Instagramer haben sich für uns auf fotografische Spurensuche begeben und versuchen, noch vorhandene Reste der einstigen Pracht zu dokumentieren. Welche Rittergutsgärten dabei im Blick stehen, zeigen wir auf einer neuen Google-Map (Achtung – Link zu Google Map, dort gilt die Datenschutz-Richtlinie von Google Maps).

Schloss Tannenfeld im Winter 2021
Auch der Park von Schloss Tannenfeld steht in unserer Ausstellung #GartenEinsichten wieder im Fokus der Kameralinsen.

Gleichzeitig rufen wir euch alle dazu auf, uns unter dem Hashtag #GartenEinsichten eure Lieblingsgärten (nicht nur im Altenburger Land!) zu zeigen oder uns zu erzählen, wie euer Garten der Zukunft aussehen sollte. Alle Beiträge werten wir aus und fassen sie im Blog zusammen. – Ein Aufruf dazu folgt demnächst hier im Blog!

Von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

Von Musen, Erinnerungen und einem Spargel – über die Schriftstellerin Emilie von Binzer

Ausschnitt aus der Zeichnung Ernst Welkers, die Emilie von Binzer als Spargel darstellt.
Ausschnitt aus der Zeichnung Ernst Welkers, die Emilie von Binzer als Spargel darstellt. Zu finden in der Sammlung Kurland des Museums Burg Postersteins.

Ob Künstlerinnen, Wissenschaftlerinnen, Schriftstellerinnen, in der Geschichte oder der Moderne: Frauen spielen im kulturellen Gedächtnis eine wichtige Rolle, jedoch viel zu oft noch immer eine untergeordnete. Die Münchner Stadtbibliothek Monacensia im Hildebrandhaus lädt gerade zur Blogparade #femaleheritage, um die Rolle von Frauen in der Erinnerungskultur zur Diskussion zu stellen und herausragende Frauen in den Mittelpunkt zu rücken. Das Museum Burg Posterstein beteiligt sich mit Freude daran, denn ein großer Teil unserer Forschungsarbeit beschäftigt sich mit starken und kreativen Frauen des 18. und 19. Jahrhunderts, allen voran der Herzogin Anna Dorothea von Kurland (1761–1821). Dieser Beitrag widmet sich einer ihrer Weggefährtinnen: Der Schriftstellerin Emilie von Binzer (1801–1891), deren ganz eigene Erinnerungen noch heute eine wichtige Quelle unserer Arbeit sind.

Starke Frauen im Museum Burg Posterstein

Aus den Pariser Salons des 18. Jahrhunderts entstand in der Zeit der Aufklärung eine Kultur, die sich über ganz Europa ausbreitete. Sowohl adlige als auch gebildete bürgerliche Damen versammelten gewichtige Gäste um sich. Den Mittelpunkt dieser Musenhöfe und Salons bildete stets die Gastgeberin.

Berühmt ist der gesellschaftliche Zirkel um die Weimarer Herzogin Anna Amalia (1739–1807). Weitere bekannte Gastgeberinnen waren Madame de Staël (1766–1817) oder Madame Récamier (1777–1849) in Frankreich sowie Henriette Herz (1764–1847), Rahel Varnhagen (1771–1833) oder Dorothea Schlegel (1764–1839) in Berlin.

Schloss Löbichau im Altenburger Land
Schloss Löbichau im Herbstlicht. Das Schloss ist heute nicht mehr im Originalbau erhalten. 2009 erfolgte ein Totalabriss von Schloss und Herrenhaus mit anschließendem Neubau als Altenheim. Nur die Fassade an der Parkseite erinnert noch an das historische Aussehen zu Zeiten des Salons der Herzogin von Kurland.

Ende des 18. Jahrhunderts entwickelte sich Löbichau – nur zwei Kilometer von Posterstein entfernt – zu einem solchen Zentrum des geistig-kulturellen Lebens in Deutschland. Der dortige Salon der Herzogin Anna Dorothea von Kurland gehörte zu den bekanntesten seiner Art. Die gebildete und agile Herzogin verfügte über ein erstklassiges Netzwerk in die höchsten gesellschaftlichen Kreise Europas und schaffte es, Künstler, Politiker und Gelehrte zusammenzuführen. Bedeutende Staatsmänner kannte sie persönlich. In der bewegten Zeit zwischen Französischer Revolution, Napoleonischen Kriegen und Wiener Kongress ermöglichte ihr dieses Netzwerk einen einzigartigen Einblick und Einfluss auf das Geschehen in einer Gesellschaft, in der selbst eine reiche Frau wie sie einen rechtlichen Vormund benötigte.

Aber nicht nur die Biografie Anna Dorothea von Kurlands ist beeindruckend. Die Lebensläufe ihrer ebenso weltgewandten Töchter, Enkelinnen und Pflegekinder und ihre vielfaltigen Kontakte, deren Ansichten, ihr Werk und ihr Wirken faszinieren gleichermaßen. Eine von ihnen ist die Schriftstellerin Emilie von Binzer.

Emilie von Binzer oder: Die Frau, die unter dem Pseudonym „Ernst Ritter“ schrieb

In diesem Beitrag soll nicht die Herzogin von Kurland im Mittelpunkt stehen, sondern ihre Enkelin Emilie von Binzer. Die spätere Schriftstellerin wurde als Emilie von Gerschau in Berlin geboren und war die Tochter eines illegitimen Sohnes des Herzogs Peter von Kurland (1724–1800). Ihr Vater Peter von Gerschau (1779–1852) erbte nach dem Tod des Herzogs ein ansehnliches Vermögen.

Er heirathete, noch ehe er 21 Jahre alt war, ein unbemitteltes Mädchen von 15 Jahren, und die beiden Kinder wirthschafteten so gut zusammen, daß schon im Jahr 1806 das ganze Vermögen in den Wind gegangen war“, schreibt Emilie von Binzer später in ihrem Erinnerungsbuch “Drei Sommer in Löbichau” (S. 2) über ihre Eltern.

Die Familie entschloss sich nach Kurland zu ziehen. Ihre Tochter Emilie ließ sie aber in der Obhut Wilhelmine von Sagans (1781–1839), der ältesten Tochter der Herzogin von Kurland. Emilie von Gerschau wuchs mit ihren beiden Pflegeschwestern Klara Bressler (die bereits 1818 starb) und Marie Wilson von Steinach (1805–1893) bei ihrer bewunderten und temperamentvollen Tante auf. Sie erhielt eine hervorragende Ausbildung, reiste viel und wurde so in das Salonleben und die höchsten Gesellschaften ihrer Zeit eingeführt. Schon in jungen Jahren lernte Emilie von Gerschau bedeutende Persönlichkeiten wie Fürst Metternich (1773–1859), Talleyrand (1754–1838) oder Zar Alexander I. (1777–1825) persönlich kennen.

Als schönes, wildes Pferd stellte Ernst Welker Wilhelmine von Sagan, die älteste Tochter der Herzogin von Kurland dar.
Als schönes, wildes Pferd stellte der Maler Ernst Welker Wilhelmine von Sagan, die älteste Tochter der Herzogin von Kurland, dar.

Einige Sommer verbrachte sie gemeinsam mit ihrer Tante auf Schloss Löbichau. Im Salon ihrer Großmutter traf sie neben dem Dichter Jean Paul (1763–1825) unter anderem die Familien Körner und Feuerbach, den Verleger Brockhaus (1772–1823), die Schriftsteller Tiedge (1752–1841) und Elisa von der Recke (1754–1833) sowie den Archäologen und Schriftsteller Carl August Böttiger (1760–1835). Auch den Burschenschaftler, Schriftsteller und Journalist August Daniel Freiherr von Binzer (1793–1868), den sie 1822 im Schloss Sagan heiratete, lernte sie in Löbichau kennen.

Durch den Altenburger Hoforganisten Johann Christian Barthel (1776–1813) erhielt der Freiherr Zugang zum Löbichauer Salon. Unter anderem ist er Autor des bekannten Grablieds der Burschenschaft „Wir haben gebauet ein stattliches Haus“. Seine Teilnahme am Wartburgfest 1817 verdarb Binzer eine möglicherweise grandiose Laufbahn und bereitete ihm ein Leben lang Schwierigkeiten. Durch die Gunst des Weimarer Herzogs litt er jedoch keine finanzielle Not. In Altenburg bearbeitete der Schriftsteller den ersten Band des „Enzyklopädischen Wörterbuches“, des späteren „Piererschen Universal-Lexikons“. Beim zweiten Band verwehrte man ihm die Arbeit jedoch aus politischen Gründen.

Der Salon der Herzogin von Kurland in Schloss Löbichau zählte zu den bekanntesten in Deutschland.
Der Salon der Herzogin von Kurland in Schloss Löbichau zählte zu den bekanntesten in Deutschland.

Nach der Hochzeit begann für das Paar ein unstetes Reiseleben durch viele Teile Europas, bis sie sich 1845 in Wien und später in Linz niederließen.

Auf Emilie von Binzers literarische Werke, die sie unter dem Pseudonym Ernst Ritter veröffentlichte, übten vor allem Personen und Erlebnisse der Zeit des Wiener Kongresses Einfluss aus. Ihre Dramen „Die Gauklerin“ und „Die Neuberin“ wurden 1846 am Wiener Burgtheater aufgeführt. Zwischen 1849 und 1870 unterhielt sie in ihren Häusern in Linz und Altaussee musische Kreise. Freundschaften verbanden sie mit den österreichischen Schriftstellern Adalbert Stifter (1805–1868), Franz Grillparzer (1791–1872) und besonders mit dem Dichter Christian von Zedlitz (1790–1862). Der musische Kreis um Emilie von Binzer in Linz und Aussee ermöglichte vielen Künstlern ihrer Zeit, eine kulturelle und soziale Atmosphäre zu erleben, die sich in schwierigen Umbruchszeiten erleichternd auf ihr Leben und Werk auswirkte. Nach dem Tod ihres Mannes zog Emilie von Binzer zu ihrem Sohn nach München, wo sie 1891 starb.

Zwischen Revolution, Biedermeier und „Drei Sommern in Löbichau“

Obwohl Emilie von Binzer nicht zu den bekanntesten Schriftstellerinnen ihrer Zeit gehörte, ist ihr Werk vielfältig und bildet die volle Breite der Themen und Einflüsse auf einen Schriftsteller des 19. Jahrhunderts ab.

Das Leben und Schaffen der Binzer umspannte die literarischen Epochen der Klassik, Romantik, Junges Deutschland, Biedermeier, Vormärz und Realismus“, schreibt Traute Zacharasiewicz in ihrer Monografie „Nachsommer des Biedermeier. Emilie von Binzer. Eine Freundin Adalbert Stifters“ (S. 107.)

Emilie von Binzers Werk thematisiert Freundschaft, Liebe und Leidenschaft, ebenso wie die sozialen und politischen Umwälzungen ihrer Zeit und frauenemanzipatorische Gedanken. Ihr Schaffen reicht von Erzählungen und Theaterstücken bis hin zu ihren Memoiren. In Bezug auf Frauen, Erinnerungskultur und auch im Hinblick auf den Forschungsschwerpunkt unseres Museums sind diese tatsächlichen Erinnerungen der Emilie von Binzer am interessantesten.

„Als ich im Sommer 1871 auf meinem Landhause in Aussee (Steiermark) anlangte, fand ich auf dem Tische zwei dicke Bände liegen mit der Aufschrift: ‚Jugenderinnerungen von Gustav Parthey, Handschrift für Freunde.‘ Das Packet war unter meiner Adresse mit der Post angekommen. Bei diesem Anblick durchzuckte es mich freudig, denn der Name auf dem Titelblatte gehörte nicht nur einem in weiten Kreisen geachteten Manne und gründlichem Gelehrten, sondern auch einem theuren Jugendfreunde, den ich viele Jahre nicht gesehen hatte, und mit dem ich überhaupt nur als junges Mädchen in regem Verkehr gewesen bin. Daß er mich nicht vergessen hatte, bewies mir dieses Buch – und welch ein Buch!“

Emilie von Binzer, Drei Sommer in Löbichau, Vorwort

So beginnt Emilie von Binzers Buch „Drei Sommer in Löbichau“, das 1877 in Stuttgart veröffentlicht wurde. Dabei handelt es sich um ihre verschriftlichten Erinnerungen der Jahre 1819, 1820 und 1821, die sie mit ihrer Pflegemutter und Tante Wilhelmine von Sagan im Sommerschloss ihrer Großmutter Anna Dorothea von Kurland verbracht hatte. 50 Jahre nach den eigentliche Geschehnissen beschreibt sie Auszüge aus ihrer Jugendzeit, spricht über ihre Familie und über die Löbichauer Gäste, über besondere und weniger besondere Situationen des Salonalltags und gibt auf humoristische, unterhaltende und nicht selten ironische Weise einen ganz speziellen und persönlichen Einblick in das Leben der damaligen Zeit.

Ernst Welker (links) und Emilie von Binzer (2. von links) im Salon der Herzogin von Kurland in Löbichau. - Eine Zeichnung aus dem Konvolut aus Binzers Besitz, das sich nun in der Sammlung Kurland des Museums Burg Posterstein befindet.
Ernst Welker (links) und Emilie von Binzer (2. von links) im Salon der Herzogin von Kurland in Löbichau. – Eine Zeichnung aus dem Konvolut aus Binzers Besitz, das sich nun in der Sammlung Kurland des Museums Burg Posterstein befindet.

Den Anlass dafür beschreibt sie im Vorwort des Buches selbst: Die Jugenderinnerungen ihres alten Freundes Gustav Partheys, der oft selbst mit seiner Familie Gast der Herzogin war und wie Emilie damals zur eigenwilligen Jugend gehörte.

Emilie von Binzer ist sich in ihren Beschreibungen sehr wohl bewusst, dass Erinnerungen trügen können und ein Autor oft dazu neigt, dem Leser Dinge zu erzählen und zu erklären, die so nie gewesen sind. Sie versucht ein objektives Bild der Personen und Ereignisse zu zeichnen, wobei sie sich ihrer eigenen Meinung immer bewusst ist. Die Eigenarten und Charaktere beschreibt sie von verschiedenen Standpunkten und ist dabei nicht gewillt, zu beschönigen. Mit Kritik, einer guten Portion Selbstironie, aber immer mit Feingefühl gibt sie ihre Eindrücke wieder. Oft benutzt sie Zitate aus den Schriften anderer Autoren oder gibt Dialoge wieder, so gut sie sich daran erinnert.  Entstanden ist ein persönlicher Rückblick auf drei Jahre einer erfüllten Jugendzeit und eine ehrliche Würdigung ihrer großen weiblichen Vorbilder: der Herzogin Anna Dorothea von Kurland und ihrer Tante Wilhelmine von Sagan.

Emilie von Binzers Werk galt lange Zeit – neben der 1823 erschienenen Biografie von Christoph August Tiedge und den Erinnerungen Gustav Partheys und Elisa von der Reckes – als wichtigste biografische Quelle zur Herzogin von Kurland.

„Den Spargel jeder gerne iszt, Emilie gar zu länglich ist.“ – Löbichauer Gäste in Karikaturen

Was Emilie von Binzers „Drei Sommer in Löbichau“ so wertvoll für die Forschung zum Salon der Herzogin von Kurland macht, ist ihre Nähe zur Realität. Ihre Beschreibungen sind zeitlich korrekt und decken sich mit denen anderer Quellen – natürlich immer mit Blick auf die persönliche Sicht Emilie von Binzers.

Emilie von Gerschau wurde später besser bekannt als Emilie von Binzer oder „Ernst Ritter“. In dieser Karikatur von Ernst Welker ist sie als Spargel dargestellt. Der heitere Spruch darunter lautet: „Den Spargel jeder gerne iszt / Emilie gar zu länglich ist.“
Emilie von Gerschau wurde später besser bekannt als Emilie von Binzer oder „Ernst Ritter“. In dieser Karikatur von Ernst Welker ist sie als Spargel dargestellt. Der heitere Spruch darunter lautet: „Den Spargel jeder gerne iszt / Emilie gar zu länglich ist.“

Im Jahr 2014 gelang es dem Museum Burg Posterstein mit finanzieller Unterstützung des Freistaats Thüringen und der Bürgerstiftung Altenburger Land ein Konvolut Zeichnungen zu erwerben. Aufbewahrt in einer grünen Halblederkassette, entpuppte sich der Inhalt als ausgesprochene Rarität: eine Sammlung von Portraitblättern, hautsächlich von der Hand des Malers Ernst Welkers (1784/88–1857), der den Sommer 1819 als Zeichenlehrer Emilie von Binzers in Löbichau verbrachte. Die von Ernst Welker portraitierten Personen gehören alle zum engeren Umfeld der Herzogin von Kurland und treten als Fabelwesen auf. Meist wählte der Künstler eine Tiergestalt aus, deren Kopf er durch ein Portrait der entsprechenden Person ersetzte. Doch: Mindestens eine der Zeichnungen stammt von Emilie von Binzer selbst. Nachweislich befanden sich diese kleinen kolorierten Zeichnungen, die immer in einem humoristischen Vers enden, 1871 noch in ihrem Besitz.

„Ich besitze eine Mappe, die klein Welckerchen in Löbichau mit Porträts der ihm zugänglichen anwesenden Gäste, meist in Thiergestalt, füllte; darunter stehen Fibelverse, die sich mehr durch gute Laune, ja Uebermuth, als durch Witz auszeichnen; die Mappe enthielt siebenundvierzig Blätter, die gelegentlichen Besucher aus der Nachbarschaft sind nicht darunter, nur solche, die wirklich in Löbichau wohnten; ich sondere diejenigen Personen aus, die erst nach den Universitätsferien eintrafen, mische dann die Blätter und nenne der Reihe nach einige der Gäste.“

Emilie von Binzer, Drei Sommer in Löbichau, S. 86
In dieser Lederkassette bewahrte Emilie von Binzer die 47 Karikaturen Löbichauer Salongäste auf.
In dieser Lederkassette bewahrte Emilie von Binzer die 47 Karikaturen Löbichauer Salongäste auf.

Auf den folgenden Seiten berichtet Binzer nicht nur über die dargestellten Personen, auch die Zeichnungen selbst werden beschrieben und stimmen mit den Originalen im Detail überein.

Momentan befindet sich ein Großteil dieser einzigartigen Zeichnungen im Depot des Museums. In hoher Auflösung sind sie auf Wikimedia Commons zu finden. Für 2021 plant das Museum Burg Posterstein eine Sonderschau zu Ernst Welker, seinem Leben und seinem Werk. Im Zuge dieser Ausstellung werden nicht nur der Künstler und die Herzogin von Kurland thematisiert, auch Emilie von Binzer wird eine wichtige Rolle spielen.

Zum Weiterlesen:

  • Emilie von Binzer: Drei Sommer in Löbichau, Stuttgart 1877.
  • Klaus Hofmann (Hrsg.): Salongeschichten. Paris-Löbichau-Wien, Posterstein 2015.
  • Traute Zacharasiewicz: Nachsommer des Biedermeier. Emilie von Binzer. Eine Freundin Adalbert Stifters, Linz 1983.

Von Franziska Engemann und Marlene Hofmann

#Kinderburg Oster-Quiz Teil 5: Schafe fürs Leben – Wer bezahlte mit Ostereiern?

Oster-Quiz Burg Posterstein Teil 5
Oster-Quiz Burg Posterstein Teil 5

Um die Osterzeit sieht man sie ganz oft: Schafe! Ob als Dekofigur, Gebäck oder auf der Wiese in der Natur, Schafe und deren Kinder, die Lämmer, gehören zu Ostern. Aber warum ist das so? Was hat das Lamm überhaupt mit Ostern zu tun?

Unser kleines Schäfchen Wendelin nimmt Dich mit auf eine 5-teilige Entdeckungsreise durch die Burg Posterstein. Gemeinsam finden wir dabei heraus, was Schafe mit Ostern zu tun haben.

Bist Du bereit für die 5. und letzte Aufgabe? (Hier geht es zu Aufgabe 1hier zu Aufgabe 2,  hier zu Aufgabe 3 und hier zu Aufgabe 4)
Dann schau Dir das Video an oder lies Dir den Text durch, dann kannst Du die erste Frage ganz bestimmt lösen!

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Bezahlung frisch vom Huhn

Schaf Wendelin führt Dich am Schluss unserer kleinen Ostertour noch zu den Altenburger Bauern. Die Kleidung, auch Tracht genannt, die Du an der Puppe in der Vitrine gesehen hast, trugen die Bäuerinnen bereits vor mehr als 200 Jahren! Heute ist sie allerdings aus der Mode gekommen und wird nur noch von Vereinen bei Festen in der Region angelegt.

Früher nannte man die Altenburger Bäuerinnen in Tracht „Marche“. Diese Bezeichnung kommt vom Namen Marie. Der Bauer wurde „Malcher“ genannt, was sich vom Namen Melchior ableitet. Marie und Melchior waren die häufigsten Namen unter den Bauern.

Osterferien auf Burg Posterstein - Schaf Wendelin bei den Altenburger Bauern
Schaf Wendelin bei den Altenburger Bauern

Nach der langen Fastenzeit hatten am Ostersonntag sowohl Bauern wie Ritter richtig Hunger! Entsprechend groß war das Osteressen. Milch, Käse und Butter gehörten dazu. Natürlich durfte auch das Osterbrot nicht fehlen! Oft hatte es die Form eines Lammes. Fleisch durfte endlich wieder gegessen werden und genauso das berühmte Osterei! Zur Freude unseres Wendelin hatten die meisten Osterspeisen etwas mit Ei zu tun. Ganze 40 Tage musste man die Eier schließlich aufbewahren, bis sie zu Ostern wieder gegessen werden durften. Damit sie nicht schlecht wurden, kochte man sie oft ab und machte sie so haltbar.

In der Zeit um Ostern war im Mittelalter auch oft die Pacht, eine Abgabe der Bauern an den Burgherren fällig. Damals hieß das aber nicht, dass unbedingt Geld gezahlt werden musste. Naturalien wie Mehl, Korn und Fleisch galten genauso als Pachtgeld wie Münzen. Der Burgherr bekam in dieser Zeit nicht selten Eier als Bezahlung von seinen Bauern. Entsprechend viele konnten zum Essen gereicht werden.


***Oster-Gewinnspiel***

Hast du alle Fragen richtig beantwortet, fällt dir bestimmt auch unsere letzte Frage nicht schwer!

Was war KEINE richtige Antwort in den 5 Teilen unseres Oster-Quizes?

(a) Karpfen blau
(b) 1736
(c) Melchior und Marie
(d) Ärzte
(e) Ostern
(f) Schäfer und Bauern

Schick uns bis 19. April 2020 die Lösung an postiundstein@burg-posterstein.de Stichwort Oster-Gewinnspiel und du kannst in der Verlosung um eine Familien-Clubkarte im Wert von 40 € gewinnen. Damit kannst du die Burg Posterstein zusammen mit deiner Familie ein Jahr lang so oft besuchen wie du magst.

Der Gewinner wird per Zufallsprinzip aus den Einsendern mit der richtigen Lösung gezogen. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Hast Du alle Fragen richtig beantworten können? Dann gratulieren Dir Schaf Wendelin und die Burggeister Posti und Stein ganz herzlich! Zum Abschied gibt es noch zwei kleine Tipps zum Spielen und Basteln!


Spiele-Tipp: Das Mascher-Marchen-Memo

Die Altenburger Bauerntracht war nicht unbedingt farbenfroh und besonders für die Marchen recht unbequem. Jede trug ein Kopftuch mit Haube, unter denen kein Haar hervorgucken durfte. Dazu kam oft noch ein Brustbrett, das fast bis unters Kinn reichte. Besonders auf Gemälden, wie sie der „Bauernmaler“ Friedrich Mascher vor ungefähr 150 Jahren anfertigte, sehen die Damen daher alle ziemlich gleich aus.

Versuch Dich doch einmal an unserem kleinen Mascher-Marchen-Memo! Kannst Du alle Paare finden? Hier geht’s zum Spiel.


Spiele-Tipp: Das Angelspiel der Burg Posterstein

Fische wurden schon bei den Rittern gern gegessen und sie gelten noch heute als traditionelles Essen an Karfreitag. Schon im Mittelalter wurden auf Burgen Fische gezüchtet oder in Flüssen gefangen. Dabei fiel die Fischerei unter das Recht zur Jagd und war oft den Rittern vorbehalten. Wer für den Burgherrn fischte, wurde allerdings für jedes gefangene Tier belohnt (z.B. mit Korn, Mehl oder einem Anteil am Fisch). Oft wurden Lachse und Karpfen gehalten. Sogar Höhenburgen, wie die Burg Posterstein, besaßen Fischteiche. Diese befanden sich aber oft in den Tälern und in den Dörfern unterhalb der Burgen.

Versuche Dich auch im Angeln! Hier findest Du eine Bastelanleitung für ein ganz einzigartiges Angelspiel.

humboldt4: Ein Viertel vom Quartett – Was bleibt

Petra Neumann aus Köln verbrachte den ganzen November 2019 mit uns auf Burg Posterstein – eine Bereicherung für beide Seiten! Mitte November ging die Postersteiner Schau der Altenburger Ausstellungsreihe #humboldt4 zu Ende. Petra Neumann zieht für uns Bilanz und erstellte den bisher noch nicht vorhandenen deutschsprachigen Wikipedia-Artikel zu Anton Goering.

Die Sonderschau „Aus Schönhaide nach Südamerika – Der Vogelkundler, Zeichner und Maler Anton Goering (1836 – 1905)“ war eine der vier Ausstellungen der Gesamtkonzeption humboldt4 im Altenburger Land.
Die Sonderschau „Aus Schönhaide nach Südamerika – Der Vogelkundler, Zeichner und Maler Anton Goering (1836–1905)” im Museum Burg Posterstein war eine der vier Ausstellungen der Gesamtkonzeption humboldt4 im Altenburger Land.

Am 14. September 1769 wurde der Universalgelehrte, Naturwissenschaftler und Forschungsreisende Alexander von Humboldt geboren. Anlässlich der 250. Wiederkehr seines Geburtstages wurde ihm zu Ehren von vier Museen im Altenburger Land eine gemeinsame Ausstellungsreihe konzipiert – humboldt4. Beteiligt waren das Lindenau-Museum, das Residenzschloss Altenburg, das Naturkundemuseum Mauritianum und das Museum Burg Posterstein.

Unter dem Titel „Aus Schönhaide nach Südamerika – Der Vogelkundler, Zeichner und Maler Anton Goering (1836 – 1905)“ widmete sich das Museum Burg Posterstein einem Handwerkersohn aus dem Altenburger Land, der Humboldt als sein großes Vorbild sah.

Eröffnung der Ausstellung "Von Schönhaide nach Südamerika" im Museum Burg Posterstein.
Eröffnung der Ausstellung “Von Schönhaide nach Südamerika” im Museum Burg Posterstein.

Auf seinen beiden Forschungsreisen durch Südamerika betrieb Anton Goering umfangreiche ornithologische und botanische Studien. Seine Beobachtungen hielt er in Tagebuchaufzeichnungen fest, illustriert mit zahlreichen Zeichnungen und Aquarellen. Zudem fertigte er mehrere tausend Tierpräparate an, die sich noch heute in den Sammlungen des Zoologischen Museums der Universität Halle sowie des National History Museums in London befinden. Naturwissenschaftliche Texte und Illustrationen Anton Goerings wurden in zahlreichen Zeitschriften und auch Büchern abgedruckt, beispielsweise in Brehms Tierleben. Er selbst publizierte seine Reiseerinnerungen der zweiten Forschungsreise in dem Buch „Vom tropischen Tieflande bis zum ewigen Schnee. Eine malerische Schilderung des schönsten Tropenlandes Venezuela“ (erschienen 1893 im Aldalbert Fischer’s Verlag Leipzig). Die Aquarelle Anton Goerings erzielen inzwischen Höchstpreise auf dem internationalen Kunstmarkt.

Wie man sieht, hat das Schaffen Anton Goerings vielfältige Spuren bis in unsere Zeit hinterlassen. Nun stellt sich die Frage ganz aktuell, was bleibt, wenn eine solche Ausstellung zu Ende geht?

Anton Goering: Landgut La Fundation am Oberlauf des Guataparo; aus: Dupouy, Walter: Venezuela vor einem Jahrhundert in Bildern von Anton Goering, Caracas 1969.
Anton Goering: Landgut La Fundation am Oberlauf des Guataparo; aus: Dupouy, Walter: Venezuela vor einem Jahrhundert in Bildern von Anton Goering, Caracas 1969.

Vier mal Humboldt = humboldt4

Der Ausstellungstitel „humboldt4“ verdeutlicht es bereits visuell – vier Museen, vier Ausstellungen, ein Thema.

Lesung aus Anton Goerings Reisetagebuch als Begleitprogramm zur Postersteiner Ausstellung.

„Alexander von Humboldt“ als übergeordnetes Thema wurde aus vier Perspektiven präsentiert, jeweils in Anlehnung an eigene Sammlungsschwerpunkte. Das Besondere daran ist, dass alle vier Museen erstmals eine Ausstellungsreihe von Anfang an gemeinsam konzipierten. Zwar wurde auch in der Vergangenheit bereits bei Einzelprojekten zusammen gearbeitet, Informationen ausgetauscht und Exponate ausgeliehen – in diesem Umfang und dieser Konsequenz war das jedoch die Premiere und möglicherweise der Auftakt, weitere gemeinsame Projekte zu realisieren.

Die Zusammenarbeit begann bereits bei der Vorbereitung der Gesamtkonzeption und den Absprachen bezüglich der konkreten Beiträge der beteiligten Museen. Dabei wurde auch eine gemeinsame Marketingstrategie für die Bewerbung der Ausstellungen entwickelt. Es entstanden beispielsweise einheitliche Werbematerialien, die von allen vier Museen genutzt werden konnten.

Postkarte zur Austellung auf der Ausstellungsvitrine im Museum Burg Posterstein

Ganz offensichtlich war, dass das Ausstellungskonzept von vielen Besuchern sehr gut angenommen wurde. Besucher*innen auf Burg Posterstein gaben bei der routinemäßigen Befragung, wie sie auf das Museum und die Sonderschau aufmerksam geworden sind, immer wieder die Rückmeldung, dass sie eine oder mehrere der anderen Ausstellungen bereits besucht hatten bzw. vor hatten diese noch zu besuchen. Auch die gegenseitige Erwähnung in den sozialen Netzwerken trug dazu bei, dass humboldt4 eine höhere Aufmerksamkeit erhielt, als dies bei der Bewerbung durch ein einzelnes Museum möglich gewesen wäre.

Screenshot Twieet des Museums Burg Postersteins zur Ausstellung.

Weiterhin erschien parallel zur Ausstellung ein gemeinsamer Katalog: humboldt4 – Vier Ausstellungen in vier Museen des Altenburger Landes. Der Katalog enthält unter anderem auch Beiträge zur jeweiligen Sonderschau der vier Museen. Eine schöne Publikation, die gerade durch die gebündelten Ausführungen verdeutlicht, wie die einzelnen Facetten ein gelungenes Gesamtkonzept ergeben.

Katalog humboldt4 zur Ausstellungsreihe im Altenburger Land.
Katalog humboldt4 zur Ausstellungsreihe im Altenburger Land 2019, ISBN 978-3-86104-099-6

Von der kuratierten Sonderschau zum enzyklopädischen Allgemeingut

Anton Goering, als Sohn des Altenburger Landes, ist bereits seit Jahren ein Bestandteil der Sammlungen des Museums Burg Posterstein. Mit humboldt4 bot sich die Gelegenheit, den wechselseitigen Einfluss aufklärerischen Denkens, insbesondere die Beziehungen zu anderen Naturwissenschaftlern, Gelehrten und Institutionen, ausführlicher zu behandeln und in den Fokus zu rücken. Kuratorin Franziska Engemann hat während ihrer Recherchen zur Ausstellungsvorbereitung eine Vielzahl an Quellen studiert und dabei auch neue Informationen und Materialien zu Anton Goering entdeckt. Beispielsweise sind zwei Aquarelle aus dem Archiv des Leibnitz-Instituts für Länderkunde wieder aufgetaucht und konnten in das Konzept der Ausstellung eingebunden werden. Um den Besuchern einen unmittelbaren Einblick in Goerings Forscher- und Gedankenwelt zu ermöglichen, wurden zudem Teile der Tagebücher von Goerings Südamerikareisen transkribiert und den digitalisierten Originaleintragungen gegenüber gestellt.

Für die Postersteiner #humboldt4-Ausstellung wurden erstmals die Reisetagebücher Anton Goerings ausgewertet, die sich in der Sammlung des Leibniz-Instituts für Länderkunde Leipzig befinden.

Insgesamt ist so eine Fülle an neuen Informationen hinzugekommen, die das Museum Burg Posterstein jedoch aufgrund der räumlichen Situation nicht komplett in die Dauerausstellung übernehmen kann. Gerade deshalb ist die Idee entstanden, das gesammelte Wissen im Sinne von Open Source öffentlich zu publizieren, so dass es für Interessenten frei zugänglich ist und bei neuen Erkenntnissen ergänzt werden kann. In der Nachbereitung der Ausstellung ist somit der deutschsprachige Wikipedia-Eintrag zu Christian Anton Goering entstanden, der seit dem 21. Dezember 2019 online ist.

Das bleibt von humbold4

Nach der gemeinsamen Ausstellungsreihe humboldt4 ist von den vier beteiligten Altenburger Museen geplant, auch zukünftig bei verschiedenen Projekten intensiver als bisher zusammenzuarbeiten.

Anton Goering: Rio Escalante, aus: Anton Goering: Vom tropischen Tieflande zum ewigen Schnee. Eine malerische Schilderung des schönsten Tropenlandes: Venezuela, Leipzig 1893.
Anton Goering: Rio Escalante, aus: Anton Goering: Vom tropischen Tieflande zum ewigen Schnee. Eine malerische Schilderung des schönsten Tropenlandes: Venezuela, Leipzig 1893.

Das bleibt für alle vier Museen und hat auf alle Fälle Potential für weitere gemeinsame Ideen und Visionen. Zudem ist ein gemeinsamer Katalog entstanden, der erstens dieses Zusammenwirken dokumentiert und inhaltlich auch nach den Ausstellungen noch lesenswert bleibt.

Für das Museums Burg Posterstein bleibt zudem, dass im Bereich der Dauerausstellung zu Anton Goering einige Exponate ergänzt bzw. erneuert werden können. Es ist ein detaillierter Wikipediaeintrag zu Anton Goering entstanden und schlussendlich auch mehrere Blogbeiträge.

Von Petra Neumann

Weitere Blogposts zu Anton Goering:

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Trailer zur Ausstellungsreihe #humboldt4 (c) Mike Langer 2019
Ausstellungsreihe #humboldt4 im Altenburger Land

30. Juni 2019 – 19. April 2020
Sammeln und Forschen im Geiste Humboldts
NATURKUNDEMUSEUM
MAURITIANUM ALTENBURG
www.mauritianum.de

22. August 2019 – 1. Januar 2020
Altenburg und die Welt
LINDENAU-MUSEUM ALTENBURG
www.lindenau-museum.de

18. August – 3. November 2019
Herzöge auf Spitzbergen, Prinzen am Amazonas: Adlige Entdecker in der Nachfolge Humboldts
RESIDENZSCHLOSS ALTENBURG
www.residenzschloss-altenburg.de

1. September – 17. November 2019
Aus Schönhaide nach Südamerika:
Der Vogelkundler, Zeichner und Maler Anton Goering

MUSEUM BURG POSTERSTEIN
www.burg-posterstein.de