Die Online-Ausstellung bildet den Auftakt für die dauerhafte digitale Präsentation der Postersteiner Weihnachtskrippen-Sammlung

Junge mit Lamm - Teil einer Keramik-Krippe aus der Sammlung des Museums Burg Posterstein.
Junge mit Lamm – Teil einer Keramik-Krippe aus der Sammlung des Museums Burg Posterstein.

Erstmalig präsentierten wir unsere traditionelle Weihnachtskrippen-Ausstellung rein digital. Dabei entstand eine umfangreiche Schau, die nicht nur detaillierte Einblicke in unsere Krippensammlung gibt, sondern auch ausführlich inhaltlich auf kulturgeschichtliche Themen rund um Weihnachtskrippen und weihnachtliche Bräuche und Traditionen eingeht. Diese Vorarbeit soll nun den Grundstock dafür bieten, die Postersteiner Weihnachtskrippen-Sammlung auch langfristig digital zu präsentieren.  – Ein Resümee.

Hier geht es zur digitalen Weihnachtskrippen-Ausstellung.

Interaktiv und langlebig: Die digitale Ausstellung

Die Krippensammlung des Museums Burg Posterstein umfasst über 500 Einzelteile und wird kontinuierlich erweitert. Sie fußt auf mehreren Schenkungen privater Sammler, die ihre Krippen dem Museum übereigneten. In Posterstein gehört die jährliche Krippenausstellung schon seit Jahrzehnten zur festen weihnachtlichen Tradition.

Weihnachtspyramide aus dem Erzgebirge, mit vier Ebenen, ca. 1,20 Meter hoch, in einer der jährlichen Weihnachtskrippenausstellungen des Museums (Sammlung Museum Burg Posterstein)
Weihnachtspyramide aus dem Erzgebirge, mit vier Ebenen, ca. 1,20 Meter hoch, in einer der jährlichen Weihnachtskrippenausstellungen des Museums (Sammlung Museum Burg Posterstein)

Digital erschlossen ist die Weihnachtskrippen-Sammlung bisher noch nicht, was nicht zuletzt den begrenzten personellen Ressourcen unseres regionalgeschichtlichen Museums geschuldet ist. Mit der Aufbereitung als digitale Ausstellung, die sich gleichzeitig an ein interessiertes Publikum richtet und einen Einblick in die Vielfalt der vorhandenen Krippen gibt, soll die Sammlung nun Schritt für Schritt auch online zugänglich gemacht werden.

Zur digitalen Ausstellung gehörte eine Papierkrippe zum Selberbasteln
Zur digitalen Ausstellung gehörte eine Papierkrippe zum Selberbasteln

Als Unterseite im Blog des Museums geht die digitale Ausstellung auf Hintergründe zu Weihnachtsbräuchen, der Sammlung und den Sammlungsstücken ein. Ein Herzstück der Ausstellung war der digitale Adventskalender, der jeden Tag ein anderes Tier aus einer der Weihnachtskrippen aus aller Welt im Mittelpunkt stellte. Darüber hinaus gab es weitere interaktive Elemente, wie beispielsweise die speziell für die Ausstellung gestaltete Postersteiner Papierkrippe zum Nachbauen, deren Elemente als kostenloses Download zur Verfügung stehen.

Durch Weihnachtskrippen-Ausstellung 50 Prozent mehr Blog-Besucher

Seit Ausstellungsbeginn am 29. November 2020 wurden die Seite und die Beiträge der digitalen Weihnachtskrippen-Ausstellung rund 4000 Mal aufgerufen. Der Blog des Museums, auf dem die Ausstellung läuft, verzeichnete in dieser Zeit rund 50 Prozent mehr Besucher als in den Monaten zuvor. Kuratorin Franziska Engemann eröffnete die digitale Schau im YouTube-Kanal des Museums. Die aufwändig recherchierten Beiträge teilte das Museum darüber hinaus täglich auf seinen Profilen Twitter, Instagram und Facebook, wo sich daraufhin sogar interessante Gespräche über weihnachtliche Traditionen und geschichtliche Hintergründe ergaben.

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Während die Besucherzahlen des Museums 2020 Corona-bedingt um die Hälfte eingebrochen sind, blieben die Website-Besucherzahlen bei rund 600.000 Besuchen pro Jahr stabil. Insgesamt präsentierte das Museum Burg Posterstein 2020 drei digitale Ausstellungen – „#Schlössersafari virtuell, weltweit“, „Landschaft nach der Wismut“ und die Weihnachtskrippen-Ausstellung.

Digitale Ausstellungen sind in Deutschland derzeit keine Einnahmequelle

Weil auch das Museum Burg Posterstein 2020 und 2021 auf Grund des zweifachen langen Lockdowns große finanzielle Einbußen zu verkraften hat und haben wird, gibt es am Ende der digitalen Ausstellung die Möglichkeit, zu spenden. Leider machten nicht einmal eine Handvoll Menschen von dieser Möglichkeit der bequemen finanziellen Unterstützung Gebrauch, wodurch sich zeigt, dass es in Deutschland noch keine ausgeprägte Online-Spendenkultur gibt, auf die Kultureinrichtungen zurückgreifen könnten.

Von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

Weihnachtskrippen-Ausstellung in diesem Jahr digital

Das Museum Burg Posterstein zeigt jedes Jahr in der Weihnachtszeit einen Teil seiner umfangreichen Weihnachtskrippen-Sammlung, zu der über 500 Einzelteile gehören. In diesem Jahr dreht sich alles um die Tiere in den Krippen und die Geschichten, die sich dahinter verbergen.

Erstmalig kommt die traditionelle Weihnachtskrippen-Ausstellung in diesem Jahr zu den Besuchern nach Hause. Denn sie findet diesmal rein digital statt. Auf Grund der anhaltenden Corona-Pandemie bleibt das Museum weiterhin geschlossen.

Hier geht’s zur digitalen Ausstellung “Ochse, Esel, Schaf und Kamel”

Burg Posterstein im Schnee - jetzt eröffnet: digitale Weihnachtskrippen-Ausstellung
Mal sehen, ob die Burg bald wieder so aussieht! In der Adventszeit zeigt das Museum Burg Posterstein in diesem Jahr DIGITAL seine Weihnachtskrippen-Ausstellung.

Die digitale Ausstellung: Ochse, Esel, Schaf und Kamel

Die digitale Ausstellung erzählt Hintergründe zu Weihnachtsbräuchen, der Sammlung und den Sammlungsstücken. Jeden Tag steht ein anderes Tier aus einer der Weihnachtskrippen aus aller Welt im Mittelpunkt des zugehörigen digitalen Adventskalenders und bringt auf diese Weise die weihnachtliche Stimmung der Ausstellung ein Stück weit zu den Besuchern nach Hause. An jedem Adventssonntag gibt es ein neues Element einer speziell für die Ausstellung entworfenen Papierkrippe zum Herunterladen und zu Hause basteln.

Hier geht’s zur digitalen Ausstellung:

Banner digitale Weihnachtsausstellung auf Burg Posterstein - mit drei Schafen

Die “Landschaft vor der Haustüre” und der Blick hinter Vorhänge – Holzschnitte und Malerei von Peter Zaumseil

Der Künstler Peter Zaumseil feiert in diesem Jahr seinen 65. Geburtstag, der Keramiker Ludwig Laser wurde 60. Das gab uns Anlass, auf Burg Posterstein einen umfangreichen Einblick in das Schaffen der beiden miteinander befreundeten Künstler zu geben. Zu sehen sind Malerei, Holzschnitte, Grafiken und Keramik, die teilweise eigens für diese Schau entstanden sind. Im Corona-Jahr 2020 eröffnete die Ausstellung später als geplant und ist nun ab 2. November 2020 erneut vom Lockdown betroffen. Die Entscheidung, ob es eine Verlängerung geben wird, steht noch aus.

Bilder oben: Drei Holzschnitte Peter Zaumseils aus der Serie “Vorhang auf” (Fotos: Hans-Joachim Hirsch)

Was die Keramik Ludwig Lasers so einzigartig macht, beschreiben wir hier im Blog. Dieser Beitrag gibt Einblicke in die künstlerische Arbeit Peter Zaumseils.

Das Spiel mit Figur und Landschaft

“Zwei Motivstränge durchziehen als Konstante die malerischen und druckgrafischen Arbeiten vom Jubilar Peter Zaumseil, das zeigt auch die Auswahl dieser Doppelausstellung: Das Figürliche und das Landschaftliche; beide Sujets tief verwurzelt im Inneren des Künstlers, die sich verweben und verfestigen”, schreibt der Kunsthistoriker Dr. Thomas Matuszak im Katalog zur Ausstellung über die Kunst Peter Zaumseils.

Holzschnitt "Neuschnee" von Peter Zaumseil
Holzschnitt “Neuschnee” von Peter Zaumseil (Foto: Hans-Joachim Hirsch)

Peter Zaumseil stellte 1997 gemeinsam mit der Keramikern Ute Klötzer auf Burg Posterstein aus. Damals standen seine Schwarz-Weiß-Holzschnitte in wunderbarem Kontrast zum historischen Ambiente. Unvergessen sind seine charakteristischen lebensfrohen „Strichfiguren“, wie die eigens für den Bergfried geschaffene Holzschnitt-Installation „Aufstieg und Fall des Herrn X“. Zaumseils Figuren sind aufs Wesentliche reduziert. Zwar erscheinen sie heute „fülliger“, aber dabei strotzen sie noch viel mehr vor Sinnlichkeit und prallem Leben.

Ruhe strahlen hingegen die Landschaften aus, die teilweise in zurückhaltenden Farben an japanische Holzschnittkunst erinnern, andererseits in leuchtenden Farben daherkommen.

Sein Werk "Postersteiner Hausaltar" schuf Peter Zaumseil 2020 extra für die Sonderschau im Museum Burg Posterstein. Im Vordergrund sieht man Keramik von Ludwig Laser.
Sein Werk “Postersteiner Hausaltar” schuf Peter Zaumseil 2020 extra für die Sonderschau im Museum Burg Posterstein. Im Vordergrund sieht man Keramik von Ludwig Laser.

Speziell für die Sonderschau schuf Peter Zaumseil den “Postersteiner Hausaltar”, ein Ensemble aus Burg-Ansichten, das er in der Tradition eines Tryptychons in genau dem Raum des Museums aufstellte, in dem sich in vergangenen Zeiten einmal die Hauskapelle der Burg befunden hat. “Bereits im Titel – Haus–Altar – wird die Sphäre des geweihten, sakralen Raumes aufgegeben zugunsten einer Verlagerung in die Atmosphäre des Intimen, des zivil Privaten”, beobachtet Kunsthistoriker Dr. Thomas Matuszak über das Werk.

Der Künstler Peter Zaumseil

Peter Zaumseil (*1955) wandte sich Ende der 1980er Jahre zunehmend dem Holzschnitt und dem Farbholzschnitt zu. Besonders im Farbholzschnitt, in der Technik der „verlorenen Form“ fand er jenes Ausdrucksmittel, das seiner Vorliebe für die Kontur und die Fläche weiten Raum eröffnete. Seine Arbeitsweise ist einerseits abstrahierend bei den Figuren, konkret realistisch bei den Landschaften.

Peter Zaumseil in seinem Atelier in Elsterberg im Vogtland.
Peter Zaumseil in seinem Atelier in Elsterberg im Vogtland.

Seit 1995 lebt Peter Zaumseil in Elsterberg/Vogtland. In den letzten Jahren ergänzte die Zusammenarbeit mit verschiedenen Künstlerkollegen, Keramikern und Holzbildhauern sein Werk.

2014 schenkte er einen Teil seines umfangreichen grafischen Werkes, ca. 1400 Druckgrafiken und Künstlerbüchern von 1979 bis 2014, dem “Grafikmuseum Stiftung Schreiner” Bad Steben.

Eine Ausstellung, die die gesamte Burg erobert

Ihre Kunst plazierten Ludwig Laser und Peter Zaumseil nicht nur in den beiden Räumen der Sonderausstellung, sondern in der gesamten Burg Posterstein.

Zaumseil-Holzschnitt im künstlerischen Dialog mit der Büste Wilhelmine von Sagans im Museum Burg Posterstein
Zaumseil-Holzschnitt im künstlerischen Dialog mit der Büste Wilhelmine von Sagans im Museum Burg Posterstein

Da räkeln sich beispielsweise halbnackte Holzschnitt-Damen Peter Zaumseils neben der Portrait-Büste der Herzogin Wilhelmine von Sagan und spielen auf diese Weise mit deren Biografie. Neue Porzellan-Kreationen Ludwig Lasers fügen sich in ihrer Formgebung in das historische Ambiente ein.

Katalog-Titel Peter Zaumseil Burg Posterstein

Der Katalog zur Ausstellung:
Wir werden 125!
Peter Zaumseil & Ludwig Laser – Malerei, Grafik & Keramik
76 Seiten farbig, Musum Burg Posterstein 2020 (Preis: 15,00 Euro)

Zusätzlich zum Katalog und zur Ausstellung gibt es Grafik und Keramik zum Vorzugspreis. Mit dem Kauf unterstützen Sie die Burg Posterstein:

Holzschnitte „Burg Posterstein“, limitierte Auflage, von Peter Zaumseil zum Vorzugspreis von 65,00 €

Limitierte Raku-Keramik "Burg Posterstein" von Ludwig Laser
Die limitierte Raku-Keramik “Burg Posterstein” von Ludwig Laser kann auch nach Ausstellungsende noch erworben werden.

Von Ludwig Laser gibt es eine Raku-Kumme (Becher) „Burg Posterstein“, limitierte Stückzahl, zum Vorzugspreis von 24,00 €

Die Ausstellung wird unterstützt durch die Künstler, die Kulturstiftung Thüringen, die Bürgerstiftung Altenburger Land und den Museumsverein Burg Posterstein.

Von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

Einmalige Doppelwandgefäße aus Porzellan auf Burg Posterstein

Am Wochenende vom 3. und 4. Oktober 2020 feiert der Tag des Thüringer Porzellans 260 Jahre Thüringer Porzellan mit zahlreichen Ausstellungen und Sonderveranstaltungen. Passend dazu ist auf Burg Posterstein eine Besonderheit der Thüringen Porzellankunst zu sehen: Die kristallglasierten Doppelwandgefäße des Thüringer Keramikers Ludwig Laser sind nicht nur ein Hingucker, sondern eine Rarität. Die Doppel-Ausstellung „Wir werden 125! – Peter Zaumseil & Ludwig Laser – Malerei, Grafik & Keramik“ zeigt bis 15. November 2020 neue Arbeiten der beiden befreundeten Künstler.

ein großes doppelwandiges Porzellangefäß des Thüringer Keramikers Ludwig Laser
Ludwig Laser, großes Doppelwandobjekt, Porzellan, Kristallglasur reduziert, H. 39cm, D. 44cm,
Foto: Hans Joachim Hirsch

Seit 2011 experimentiert Ludwig Laser aus  dem Ostthüringer Obergeißendorf mit doppelwandigen Porzellangefäßen in großen Dimensionen. Mit ihrer schillernden Glasur und ihrer Größe sind sie nicht nur ein Blickfang. Ihre Herstellung erfordert handwerkliche Meisterschaft und seine Doppelwand sind für Ludwig Laser auch ein künstlerisches Alleinstellungsmerkmal. Mit ihren dicken Wänden und ihrer Höhe sehen die Gefäße schwer aus, sind in Wirklichkeit aber ganz leicht.

“Für mich als Berufskollegin und Keramikerin gehen besonders diese neuen Keramikobjekte weit über das klassische Handwerk hinaus und beweisen wieder einmal, dass auch das Genre der freien Keramik, trotz klassischer Formensprache, in die Gattung der KUNST einbezogen werden sollte und sogar muss”, schreibt die Keramikerin Annekatrin Räthe-Schönert in ihrem Kapitel über Ludwig Lasers Keramik.

Der Katalog zur Ausstellung:
Wir werden 125!
Peter Zaumseil & Ludwig Laser – Malerei, Grafik & Keramik
76 Seiten farbig, Musum Burg Posterstein 2020 (Preis: 15,00 Euro)

Ausstellung in der gesamten Burg

Die Doppel-Ausstellung zeigt Malerei, Holzschnitte und Grafiken und Keramik, die teilweise speziell dafür geschaffen wurden. Von Anfang an wollten beide die historische Situation in Posterstein einbeziehen. Einige der Werke fügen sich wunderbar in die ständige Ausstellung des Museums ein. Den Großteil sieht man in der Sonderschau im Erdgeschoss der Burg.

Blick in die Ausstellung "Wir werden 125!" mit Keramik, Malerei und Holzschnitten von Ludwig Laser und Peter Zaumseil - bis 15. November 2020 auf Burg Posterstein
Blick in die Ausstellung “Wir werden 125!” mit Keramik, Malerei und Holzschnitten von Ludwig Laser und Peter Zaumseil – bis 15. November 2020 auf Burg Posterstein

Zusätzlich zum Katalog und zur Ausstellung gibt es Grafik und Keramik zum Vorzugspreis. Mit dem Kauf unterstützen Sie die Burg Posterstein:

Holzschnitte „Burg Posterstein“, limitierte Auflage, von Peter Zaumseil zum Vorzugspreis von 65,00 €

Von Ludwig Laser gibt es eine Raku-Kumme (Becher) „Burg Posterstein“, limitierte Stückzahl, zum Vorzugspreis von 24,00 €

Die Ausstellung wird unterstützt durch die Künstler, die Kulturstiftung Thüringen, die Bürgerstiftung Altenburger Land und den Museumsverein Burg Posterstein.

von Marlene Hofmann / Burg Posterstein

5 Wochen #Schlössersafari: Zwischenbilanz zur digitalen Ausstellung #Schlössersafari virtuell, weltweit

#Schlössersafari virtuell, weltweit: Schloss Wildeck fotografiert von Patrick Weidenmüller
Patrick Weidenmüller aka @Vogtland_Prinz (Instagram) war schon bei der ersten, analogen Ausstellung #Schlössersafari dabei.

Derzeit zeigen wir auf der Website des Museums die rein digitale Ausstellung #Schlössersafari virtuell, weltweit. Zu sehen sind Fotos und persönliche Geschichten von Schloss- und Burgenbesuchen in Deutschland und weltweit. Mitmachen kann jeder. Nach fünf Wochen Ausstellungsdauer ziehen wir hier im Blog eine Zwischenbilanz. Alle Statistiken stammen vom 30. April 2020. Es wurde während des gesamten Ausstellungszeitraums keine Online-Werbung geschaltet.

#Schlössersafari virtuell, weltweit: Die digitale Ausstellung

Die digitale Ausstellung läuft als separate, anders gestaltete Unterseite auf der Website des Museums. Man erreicht sie über einen Button direkt auf der Startseite und aus dem Kalender der Museumsseite, über einen Button in der Sidebar des Museumsblogs und über Links aus den Social Media-Auftritten des Museums.

Die virtuelle Ausstellungseröffnung fand am 29. März 2020, 10 Uhr, per YouTube-Video, mit Sekt und Kaffee am heimischen Computer und wunderschöner, spontaner musikalischer Begleitung per Twitter-Video statt.

Michael Bauer machte es sich beispielsweise in Viernheim an seinem Rechner mit einer Weinschorle bequem. Auf Instagram teilte der Kulturblogger ein Bild von seinem Platz vor dem Rechner.

Auf Twitter schrieb er: “Hach, wie aufregend. Um 10:00 ist Vernissage auf @BurgPosterstein. “Die Digitale Ausstellung #schlössersafari geht virtuell, weltweit online” instagram.com/p/B-Sobj9gOk8/… Ich liebe Vernissagen, an denen ich beteiligt bin! :)”

Genau wie 17 andere Blogger, Instagramer und Twitterer hat er eigene Fotos von Schlössern und Burgen vor Beginn der Ausstellung eingereicht. Per Twitter steuerte Susanne Schneider, die sonst im klassischen Ensemble Leggieramente und im MDR-Sinfonieorchester spielt, spontan die stilechte musikalische Umrahmung für die Eröffnung bei.

Den ganzen Tag über liefen im Museum die Social Media-Kanäle heiß: Twitter vermeldete knapp 9000 Impressionen (etwa dreimal so viel wie normal), auch auf Instagram verdreifachten sich die Interaktionen und auf Facebook erreichte das Eröffnungs-Video rund 500 Leute.

Nach fast fünf Wochen digitaler Ausstellung gingen inzwischen insgesamt 45 Fotos von Schlössern, Burgen und Ruinen aus sechs europäischen Ländern per Mail ein. In kurzen Geschichten erzählen die Fotografen von ihren Ausflügen.

Ganz persönliche Schlössersafaris

Gerade diese persönlichen Erzählungen bilden den Kern der Ausstellung: Man lernt beispielsweise die “Burgdame” Eva aus Paderborn kennen, die das verfallene, schlesische Schloss Kopice vorstellt, das sie an ihre Kindheit erinnert. Der Wahl-Crimmitschauer “Langt Skegg” berichtet von einer Odyssee in der Sommerhitze hin zu der tschechischen Burgruine Nový Hrádek, die das Navi nicht kannte. Und Thomas und Katrin, beide auf Instagram aktiv, schreiben: “Die erste Schlössersafari auf Burg Posterstein, bei der wir live vor Ort waren, inspiriert uns immer wieder neue Burgen und Schlösser kennenzulernen.”

#Schlössersafari virtuell, weltweit
Burg Posterstein
Foto: @thtischi & @_.__kathrin__._
Burg Posterstein fotografiert von @thtischi & @_.__kathrin__._

Die #Schlössersafari birgt das Potential, Wissen zu vermitteln, sowie Kontakte zwischen Hobbyfotografen, Schlösser- und Burgen-Fans, Bloggern, Museen, Touristikern und Besuchern aufzubauen. Viele Schlössersafari-Aktive begleiten uns digital schon seit Beginn der Ausstellung “Versteckte Orte: Instagramer auf #Schlössersafari in Mitteldeutschland” im Frühjahr 2019.

Jeden Sonntag rücken drei neue Bilder als “Schlösser der Woche” an den Anfang der Seite. Diese sind keine Wertung, sondern markieren lediglich den Start einer neuen #Schlössersafari-Woche. Denn mitmachen darf bei der Ausstellung grundsätzlich jeder.

Schlössersafari: Schlösser der Woche 4 mit Schloss Eutin von @karinalwe, Schloss Kopice von @burgdame und Burg Posterstein von @hbyfgf.sascha.wiedemann
Die Schlösser der Woche 4 mit Schloss Eutin von @karinalwe, Schloss Kopice von @burgdame und Burg Posterstein von @hbyfgf.sascha.wiedemann

Website und Blog des Museums konnten im April 2020 rund 55.700 Besuche (+4% zum Vormonat) verzeichnen. Davon waren die Ausstellungsseite der Schlössersafari, die Haupt-Seite der digitalen Ausstellung “Landschaft nach der Wismut” und der “Kinderburg”-Blog (in dieser Reihenfolge) unter den am häufigsten besuchten Seiten.

Die #Schlössersafari auf Instagram

Der Hashtag #Schlössersafari, der Anfang 2019 zur analogen Ausstellung bei 0 startete, hat sich inzwischen fest etabliert. Im Augenblick verzeichnet der Hashtag knapp 5.900 geteilte Fotos von Schlössern und Burgen (+500 seit Beginn der Ausstellung). Eine Stärke des Hashtags ist, dass man über dieses Schlagwort wirklich fast ausschließlich Schlösser und Burgen findet – der Nutzer bekommt, was er sucht. Als Museum liken und/oder kommentieren wir die hier geteilten Fotos. Darüber hinaus stellen wir täglich ein Foto aus der digitalen Ausstellung in unserer Instagram-Story vor (nachträglich einsehbar über ein Lesezeichen im Instagram-Profil). Diese für 24 Stunden angezeigten “Geschichten” haben im Schnitt eine Reichweite zwischen 400 und 500 Impressionen. Dem Account des Museums folgen derzeit 9760 Menschen.

#Schlössersafari virtuell, weltweit: Burg Posterstein im Raps
Beliebt auf Instagram: Posterstein Ende April

Die #Schlössersafari auf Twitter

Im April erreichten die Tweets des Museums 158.000 Impressionen* (+60% zu vorher), das sind 5800 Impressionen am Tag. (*Impressionen meinen die Male, die ein Tweet für andere Nutzer angezeigt wird.)

Das Museum stellt auf Twitter täglich Schlösser und Burgen mit Foto vor – das sind Fotos zusätzlich zur digitalen Ausstellung. Darüber hinaus werden alle neu in die Ausstellung aufgenommenen Fotos ebenfalls auf Twitter geteilt.

Die Schlössersafari-Tweets erfreuen sich mit durchschnittlich zwischen 500 und 2500 Impressionen großer Beliebtheit und es findet ein reger Austausch zu den Schlössern statt.

Ein typischer Tweet, der die digitale Ausstellung #Schlössersafari virtuell, weltweit begleitet
Ein typischer Tweet, der die digitale Ausstellung #Schlössersafari virtuell, weltweit begleitet

Die #Schlössersafari auf Facebook

Auf Facebook haben wir im Ausstellungszeitraum vor allem die digitale Ausstellung verlinkt und nur vereinzelt Schlösser vorgestellt. Die Beiträge auf Facebook verzeichneten im April 37% mehr Reichweite als sonst. Der Austausch zur #Schlössersafari blieb hier jedoch überschaubar. Auf Facebook standen auch vermehrt unsere anderen digitalen Projekte, allen voran das digitale Kinderprogramm zu Ostern und die digitale Ausstellung “Landschaft nach der Wismut” im Mittelpunkt.  

Die #Schlössersafari auf Pinterest

Pinterest unterscheidet sich von den anderen Netzwerken dahingehend, dass hier nicht das Miteinander und der Austausch im Vordergrund stehen. Vielmehr ist Pinterest für viele Nutzer eine Art Bilder-Suchmaschine für Blogposts und Webseiten. Über Pinterest kommen daher immer mehr Besucher auf Website und Blog des Museums. Mit der digitalen Ausstellung wollen wir nun erstmals ein Gruppenboard anlegen und die Schlössersafari auch ein Stück weit auf Pinterest bringen.

Die Pinterest-Pinnwall zur Ausstellung ist derzeit im Aufbau: https://www.pinterest.de/burgposterstein/schl%C3%B6ssersafari-virtuell-weltweit/

Sie ist als Gruppen-Board angelegt, sodass auch hier die Möglichkeit besteht, sich zu vernetzen und eigene Fotos und Blogposts zu Schlössern und Burgen zu verlinken.  

Das neue Pinterest-Board zur #Schlössersafari ist zum Mitmachen angelegt
Das neue Pinterest-Board zur #Schlössersafari ist zum Mitmachen angelegt

Der schwierige Sprung von den Social Media-Accounts zur Website

Einen ersten kleinen Zwischenstand wagten wir nach vier Wochen am 24. April 2020 in einem Live-Gespräch auf Instagram zwischen Kuratorin Marlene Hofmann und Museumspodcasterin Katja Eidam. Eine wichtige Erkenntnis dabei war, dass der Sprung vom Social Media-Kanal zur Ausstellung auf der Website des Museums gar nicht so einfach ist wie gedacht. Die Info, dass es eine Ausstellungs-Website gibt, ist nicht überall angekommen. Auch wenn sie angekommen ist, bleibt es eine Hürde, aus dem Social Media-Kanal dorthin zu wechseln. Da scrollt man abends durch die Instagram-Timeline und registriert zwar erfreut die schönen Schlösserbilder, aber die wenigstens klicken dann auch auf den Link im Nutzerprofil, der zur Ausstellung führt.

Daraus folgt die Erkenntnis, dass die digitale Ausstellung #Schlössersafari virtuell, weltweit zu großen Teilen auch auf Instagram und Twitter stattfindet (der Austausch über Facebook, YouTube und Pinterest ist in diesem Fall zu vernachlässigen).

Als Besonderheiten der digitalen Ausstellung #Schlössersafari virtuell, weltweit kann man deshalb schon jetzt festhalten:

Instagram ist nicht mehr wie 2019 das Zentrum der #Schlössersafari.

Die digitale Ausstellung #Schlössersafari virtuell, weltweit findet gerade genauso bzw. noch interaktiver auf Twitter statt. Die digitale Ausstellung bindet vermehrt auch Blogger ein, die nicht Instagram als Haupt-Kanal nutzen. Darüber hinaus sind auch Fotografen, die gar kein Instagram nutzen, aktiv geworden. Auch über die E-Mails zwischen Museum und Teilnehmern an der Ausstellung findet ein wertvoller, aber nach außen hin unsichtbarer Austausch statt.

Eine Schwierigkeit der digitalen Ausstellung liegt darin, die verschiedenen Social Media-Kanäle zu vernetzen und von dort auf die Ausstellungsseite zu leiten. Obwohl es immer wieder hervorgehoben und kommuniziert wird, war vielen (gerade auf Instagram, wo man keine Verlinkungen setzen kann!) gar nicht klar, dass es eine Ausstellungs-Website gibt und dass die Ausstellung nicht nur aus der Kommunikation im jeweiligen sozialen Netzwerk besteht. Die Follower auf den verschiedenen Kanälen unterscheiden sich und ein Austausch über die Kanäle hinweg bleibt die Ausnahme.

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Jeder kann mitmachen

Die digitale Ausstellung #Schlössersafari virtuell, weltweit wird uns auch in den kommenden Wochen, wenn das Museum schrittweise wieder öffnet, begleiten. Wer mit seinen Fotos und Geschichten auch auf der Ausstellungsseite präsent sein möchte, sollte nicht nur den Hashtag #Schlössersafari verwenden, sondern dem Museum darüber hinaus ein Foto per Mail an schloessersafari@burg-posterstein.de zusenden und in einem kurzen Text umreißen, warum man gerne fotografiert, wie man seine Ausflüge plant und warum man seine Bilder im Internet teilt. Alle sind herzlich zum Mitmachen eingeladen!

Hier geht es zur Ausstellung: https://www.burg-posterstein.de/schloessersafari/ und hoffentlich sieht man sich auch bald wieder direkt vor Ort in der über 800 Jahre alten Burg Posterstein.

Von Marlene Hofmann / Burg Posterstein

Der Fotograf Karl-Heinz Rothenberger im Interview zur Online-Ausstellung “Landschaft nach der Wismut”

Wie kam es zu dieser außergewöhnlichen Kombination Arzt und Fotograf? Was reizt Sie zu fotografieren und wie arbeiten Sie? Kannten Sie die Geschichte des ostdeutschen Uranbergbaus, bevor Sie dieses Fotoprojekt in Angriff nahmen? Was war letztlich Ihre Motivation? Diese und ähnliche Fragen beantwortet der Fotograf Karl-Heinz Rothenberger in diesem Interview mit Museumsdirektor Klaus Hofmann – Teil 2 unserer mitwachsenden, digitalen Begleitausstellung “Landschaft nach der Wismut”.

Karl-Heinz Rohenberger im Gespräch mit Direktor Klaus Hofmann
© Foto: Gunter Auer, Screenshot aus dem Video der Vernissage

Wie kam es zu dieser außergewöhnlichen Kombination Arzt und Fotograf?

Karl-Heinz Rothenberger:
„Ein Arzt, der kein Künstler ist, ist auch kein Arzt“. Dieses Zitat von Curt Goetz trifft den Nagel auf den Kopf, man denke nur an Carl Gustaf Carus, Anton Tschechow, Conan Doyle und viele mehr. Natürlich ist für ein Berufsleben die ärztliche Kunst alleine schon erfüllend.

Mein Vater schenkte mir mit 14 Jahren die erste Kamera. In der Schule dann der Fotokurs mit der Beschäftigung in der Dunkelkammer und die erste schuleigene Spiegelreflexkamera Pentacon F (VEB Zeiss Ikon Dresden). Bei der Frage Medizinstudium  oder Fotografenlehre entschied ich mich für ersteres.

Sie haben seit 1967 verschiedene Fotoprojekte realisiert. Meist ist Ihre Sicht  dokumentarisch. Was reizt Sie zu fotografieren und wie arbeiten Sie? Welche fotografischen Mittel und welche Technik wenden Sie an?

Am Anfang steht immer die Neugier, den Blick zu schärfen und das Gesehene festzuhalten, anderen Menschen meinen subjektiven Blick durch das Objektiv zu ermöglichen. Ich arbeite in analoger Technik mit der Kleinbildsucherkamera (Leica) in Schwarzweiß.

Was war bisher für Sie Ihr interessantestes Fotoprojekt? Wo haben Sie schon ausgestellt?

Mensch und Technik faszinieren mich ähnlich wie Natur und Kultur.

Über viele Jahre habe ich neben der Wismut alle Wartungen und Arbeitsschritte von Kernkraftwerken und jetzt den Rückbau beobachtet.

Über 100 Ausstellungen vom Pergamon Museum in Berlin bis zur Burg Posterstein zeigen meine Themenvielfalt auf.

Zu Ihrer Ausstellung im Museum Burg Posterstein – Sie zeigen von der Wismut geformte Landschaften auf eindrucksvollen Fotografien. Kannten Sie die Geschichte des ostdeutschen Uranbergbaus, bevor Sie dieses Fotoprojekt in Angriff nahmen? Was war letztlich Ihre Motivation?

Das Fotoprojekt startete anlässlich einer Führung im Jahre 1998, die mir Zugang zur Geschichte gewährte. Eine faustisch anmutende Veränderung der Landschaft die ein Sperrgebiet in eine Erholungslandschaft umwandelt, ist das keine Motivation? Die Bilder sollten auch die Erinnerung bewahren helfen.

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Vernissage im Museum Burg Posterstein am 23. Februar 2020
© Ein Video-Bericht von Gunter Auer, Altenburg

Wie oft waren Sie im Bergbaurevier- und wie liefen die Exkursionen ab?

Großer Dank gilt der Wismut und den mich begleitenden Mitarbeitern. Ich durfte das gesamte Gelände besuchen und lernte viel über die Geschichte, menschliche Schicksale, Bergbau, Geologie und Renaturierung. Insgesamt konnte ich das Bergbaurevier sechzehnmal besuchen, zuletzt im Oktober 2019.

Was hat Sie besonders beeindruckt und worüber waren Sie besonders schockiert?

Der Mensch erlebt Höhen und Tiefen, schockiert sein ist nicht ziemlich. Nachdenklich werden ist angemessen und könnte helfen aus der Geschichte zu lernen.

Wollen Sie die Serie in Zukunft noch fortsetzen?

Ja, sehr gerne.

Herzlichen Dank für das Gespräch.

Die Geschichte des Kurbads Ronneburg

Im ersten Teil unserer mitwachsenden, virtuellen Ausstellung “Landschaft nach der Wismut” widmen wir uns der Grundlage des Uranerzbergbaus im Thüringischen Ronneburg. Kenntnis von den radiumhaltigen Quellen besaßen die Menschen schon im 17. Jahrhundert. Zunächst entstand ein Kurbad.

Grundlage des einstigen Kur- und Badebetriebes im Thüringischen Ronneburg waren radiumhaltige Quellen, von denen man schon seit dem 17. Jahrhundert Kenntnis besaß. Als Hauptquellen galten die Schwefel- und Rosen(Raaßen)quelle und die Eulenhofer Quelle im Brunnenholz, deren Wasser eisen-, magnesium-, calcium- und radiumhaltig ist.

“Abbildung der Stadt Ronneburg im Fürstenthum Altenburg nebst denen nahe dabey befindlichen mineralischen Brunnen, dazu gehörigen Gebäuden, Lusthäusern, Hütten und Spaziergängen nebst dasiger Gegend wie solche von der Mittagsseite gegen Mitternacht anzusehen” (Sammlung Museum Burg Posterstein)

Im 18. und 19. Jahrhundert entwickelte sich ein reger Kur- und Badebetrieb mit der Anlage von Promenaden, Parkanlagen und dem Bau von Kurhäusern. (1) In seiner Blütezeit war Bad Ronneburg ein bekannter Kurort, in dem drei Badeärzte die Gäste empfingen und ihnen je nach Krankheit Diätvorschriften und medizinische Empfehlungen gaben.

Der Arzt und Mineraloge, Brunnenarzt und Geheime Hofrat Friedrich Gabriel Sulzer stammte aus einer Gothaer Arztfamilie, sein Vater Johann Caspar Sulzer (1716–1799) war Leibarzt und Hofrat bei Herzog Friedrich III. (1699–1772). Friedrich Gabriel Sulzer studierte in Göttingen Medizin und Naturgeschichte. Er promovierte 1768 und bereiste England, Holland und Frankreich. In Gotha beschäftigte er sich neben der Medizin auch mit Tierheilkunde. In Altenburg wirkte Sulzer als Direktor des 1763 gegründeten Hebammen-Lehrinstituts. 1779 wurde ihm das Amt eines herzoglichen Brunnenarztes in Ronneburg übertragen. Bereits 1804 wählte man ihn zum Reisebegleiter und Arzt des kranken Prinzen Friedrich (1774–1825). In Ronneburg setzte er seine Forschungsarbeiten bis ins hohe Alter fort. Als hoch geehrter Bürger Ronneburgs, bekannt mit wichtigen Vertretern seines Fachs und auch mit Johann Wolfgang von Goethe (1749–1832), zählte Sulzer zu den gern gesehener Gästen am Löbichauer Musenhof und wurde Leibarzt der Herzogin von Kurland. Er reiste oft mit ihr, Elisa von der Recke und Tiedge nach Karlsbad, wo er 1813 den verwundeten Theodor Körner (1791–1813) behandelte. (2)

Die Medicin schmeckt selten gut / Den Arzt ein jeder lieben thut“, dichtete der Maler Ernst Welker (1784–1857), Zeichenlehrer der Enkelin Dorothea von Kurlands, um 1819 und zeichnete Sulzer als Medizinflasche. (3) | Die Zeichnung aus der Sammlung des Museums Burg Posterstein gibt es zum hochauflösenden Download auf Wikimedia Commons.

„Immer bedeutender wurde der Kurort, namentlich unter der vorzüglichen Leitung des Brunnenmedicus Dr. Sulzer, der 1779 fest angestellt wurde. Die herzogliche Kammer kaufte zwei vollständige eingerichtete Häuser in der Friedrichstraße zum Aufenthaltsorte für die Fremden. Im Jahre 1784 wurde das neue Traiteurhaus mit Spiel-, Gast- und Fremdenzimmern und einem großen Saale erbaut. Während man bisher auf den einzelnen Zimmern gebadet hatte, wurde in einem in der Nähe neu angekauften Hause ein vollständiges Badehaus mit Wannen, Douche und Sturzbädern eingerichtet. Das Wasser wurde vermittels Pumpwerk zugeleitet. Einen Begriff von dem großen Verkehr können wir uns machen, wenn wir hören, daß schon nach einigen Jahren dieses Badehaus den daran gestellten Anforderungen nicht genügte und im Jahre 1803 ein neues errichtet werden mußte, zugleich wurde für den Bau hinreichender Stallungen gesorgt […].”

Dr. med. W. Henry Gilbert, 1893 (4)

Hans Wilhelm von Thümmels Einfluss auf das Kurbad

Sowohl Johann Freiherr von Rothkirch und Trach als auch sein späterer Schwiegersohn Hans Wilhelm von Thümmel (1744-1824) setzten sich für den Ausbau der Badeanlagen ein. Im Journal des Luxus und der Moden 1797 berichtete ein Redakteur, dass er sich über die Zustände im zu stark ausgelasteten Bad mit Hans Wilhelm von Thümmel unterhalten habe:

„Dieser vortreffliche thätige Mann, welchen die dortigen guten Anstalten schon so viel zu verdanken haben, hat mir die Stelle schon gewiesen, wo noch neue Gebäude theils zu Wohnungen für fremde Badegäste, theils für mehrere Bäder, angelegt werden sollen. Nicht minder wird er auf meinen Vorschlag auch ein kleines Haus in der Nähe der Wohnungen aufbauen lassen, in welchem das Wasser zum Baden für diejenigen gewärmt werden soll, welche gewohnt sind, auf ihren Zimmern in Wannen zu baden.“

Journal des Luxus und der Moden, 1797 (5)
Der Sachsen-Gotha-Altenburgische Minister Hans Wilhelm von Thümmel (Museum Burg Posterstein)
Der Sachsen-Gotha-Altenburgische Minister Hans Wilhelm von Thümmel (Sammlung Museum Burg Posterstein)

Unter der Leitung von Hans Wilhelm von Thümmel, „der am Ende des vorigen und Anfang des jetzigen Jahrhunderts so viel zur Verschönerung des Bades beitrug“ (6), entstand 1803 das erwähnte „neue Badehaus“, das „zuerst von der Frau Herzogin Dorothea von Curland bezogen“ wurde.

Vornehme Gäste des Kurbads

„Sein Erdgeschoß ist gewölbt und in ihm finden sich vier Bäder in kupfernen und lackirten Wannen, etwas länger und weiter wie im alten und ohne Douchevorrichtung, an jedem steht ein Ankleidezimmer und eine Ottomane für den Fall, daß man nach dem Bade etwas ruhen wollte. Das kalte Wasser geht durch Röhren aus den Quellen sogleich und das warme unmittelbar aus den Pfannen in die Bäder, und der Badende kann diese Röhren öffnen und verschließen und sich also die Temperatur des Wassers selbst dirigiren. Auch in diesem Hause können Fremde 14 sehr gut möblirte Zimmer zur Wohnung erhalten.“

Nachrichten vom Mineralbad zu Ronneburg, 1857 (7)
Anna Dorothea von Kurland
Portrait der Herzogin Anna Dorothea von Kurland (1761-1821) aus der Sammlung des Museums Burg Posterstein

Auch die Gothaer Herzöge nutzten das Kurbad Ronneburg. Nicht nur Herzog August Emil Leopold (1772–1822) blieb hier 1818 mehrere Wochen. (8) Schon sein Großvater Friedrich III. (1699–1776) versuchte hier sein Gichtleiden zu kurieren und hielt sich beispielsweise 1769 mehrere Monate dort auf. Eine zeitgenössische Zeitschrift berichtete:

Friedrich III. Herzog von Sachsen-Gotha, findet so viel Vergnügen an den Gesundbrunnen zu Ronneburg, daß er mit einem ansehnlichen Gefolge den 13. Jun. von Gotha dahin abgereiset ist, welchem der Erb-Prinz, die Erbprinzeßin nachgefolget sind. Er ist den ganzen Sommer über bey leidlicher Gesundheit daselbst geblieben, und allererst den 5. Sept. von Ronneburg wieder abgereiset. Es hat diese Zeit über daselbst nicht an mancherley Lustbarkeiten gefehlt, sonderlich als sich der Englische Herzog von Gloucester etliche Tage daselbst aufhielte. Es hat sich auch der Prinz August aus Holland und andere Personen vom Hochfürstl. Hause eine Zeitlang allda befunden.“

Fortgesetzte Neue Genealogisch-historische Nachrichten von den Vornehmsten Begebenheiten, welche sich an den Europäischen Höfen zugetragen,worin zugleich vieler Stands-Personen Lebens Beschreibungen vorkommen, 1771 (9)

Auf ihrer Italienreise 1771/72 trafen Prinz August (1747–1806) und Thümmel auch den erwähnten William Henry, Herzog von Gloucester und Edinburgh (1743–1805), Neffe Friedrich III. von Sachsen-Gotha-Altenburg, in Florenz wieder. (10)

 Die Mineralquelle in Ronneburg, Foto um 1900, Sammlung Museum Burg Posterstein
Die Mineralquelle in Ronneburg, Foto um 1900, Sammlung Museum Burg Posterstein

Der Niedergang des Kurbetriebs

Im 20. Jahrhundert folgte der Niedergang des Kurbetriebes bis zur vollständigen Einstellung. Ende der 1940er Jahre begann der Uranbergbau mit systematischer Lagerstättensuche und Abbau bis 1991. Nach der Einstellung des Bergbaus begannen umfangreiche Rekultivierungsmaßnahmen zur Wiederherstellung der zerstörten Landschaft.

Diese Geschichte erzählen wir in den nächsten Teilen der Blogreihe zur virtuellen Ausstellung “Landschaft nach der Wismut”. Wenn Sie selbst historische Fotos und Ansichten des Kurbads besitzen, freuen wir uns, wenn Sie diese digital mit uns teilen.

Text & Recherche: Marlene Hofmann, erschienen im Buch:

“Im Dienste der Ernestiner” – Umfangreiche Biografie Hans Wilhelm von Thümmels:

Hans Wilhelm von Thümmels Aufstieg vom Pagen zum Minister, Museum Burg Posterstein 2016
168 Seiten, farbig, ISBN 978-3-86104-136-8, 20.00 Euro. Die Thümmelschen Karten sind dem Katalog auf DVD beigelegt.

Erhältlich im Museum, auch per Post. Bestellung via (034496) 22595 oder museum@burg-posterstein.de.


Quellen und Literatur:

( 1 )
Vgl. Dobeneker, R.: Aus der Vergangenheit von Stadt und Pflege Ronneburg, Ronneburg 1899, S. 53f.

(2)
Vgl. Petzsch, Hans Dr. (Hrsg.): F. G. Sulzer – Versuch einer Naturgeschichte des Hamsters, Hannover Berlin-Zehlendorf 1949, S. 135–157.

(3)
Vgl. Museum Burg Posterstein (Hrsg.): Salongeschichten Paris – Löbichau – Wien. Gäste im Salon   der Herzogin von Kurland im Portrait des Malers Ernst Welker, Posterstein 2015, S. 90.

(4)
Gilbert, Dr. med. W. Henry: Der Kurort Ronneburg, Wien Leipzig 1893, S. 12–13.

(5)
Journal des Luxus und der Moden, Jahrgang 12 [Oktober 1797], Badechronik, S. 516–517.

(6)
Becker-Laurich, Dr. Carl A. (Hrsg.): Nachrichten vom Mineralbad zu Ronneburg, Erstes Heft, I. Die Geschichte der Heilquellen von ihrem ersten Bekanntwerden bis in die neueste Zeit, Ronneburg 1857, S. 31.

(7)
Becker-Laurich, Dr. Carl A. (Hrsg.): Nachrichten vom Mineralbad zu Ronneburg, Erstes Heft, I. Die Geschichte der Heilquellen von ihrem ersten Bekanntwerden bis in die neueste Zeit, Ronneburg 1857, S. 50.

(8)
Vgl. Dobeneker, R.: Aus der Vergangenheit von Stadt und Pflege Ronneburg, Ronneburg 1899, S. 53f.

(9)
Fortgesetzte Neue Genealogisch-historische Nachrichten von den Vornehmsten Begebenheiten, welche sich an den Europäischen Höfen zugetragen,worin zugleich vieler Stands-Personen Lebens Beschreibungen vorkommen, Besondere Nachrichten von einigen regierenden Fürsten, 1769,  Teil 109, Leipzig 1771, S. 24.

(10) Thümmel, Hans Wilhelm von: Historische, statistische, geographische und topographische Beyträge zur Kenntniß des Herzogthums Altenburg, Altenburg 1818, zweiter Abschnitt, S. 68.

Aus dem Staub gemacht – Ein Resümee zur Ausstellung „Zum Wesen des Staubes“

Das “Staubbild 14.12.2018” von Wolfgang Stöcker enthält Stäube des Posterstein, vor allen Dingen Spinnenweben und Erdpartikel, vermalt mit Kalkleimfarbe, Tusche, Bleistift auf Papier. Das Werk konnte für die Sammlung des Museums angekauft werden.

Die außergewöhnliche Kunstausstellung „Zum Wesen des Staubes“ mit Skulpturen und Collagen des Kölner Künstlers Wolfgang Stöcker ging am Sonntag, 18. August, auf Burg Posterstein zu Ende. Insgesamt haben sich 4000 Besucher die Schau angesehen, bevor sie nun wieder „zu Staub zerfällt“, wie gewitzte Kommentare in den sozialen Netzwerken tönten. Wolfgang Stöcker las auf seine unterhaltsame Art aus dem Buch zur Ausstellung. Der Museumsverein Burg Posterstein überraschte mit einem „Staub-Buffet“ mit Sandkuchen, reichlich „Huckelkuchen“ mit Staubzucker, Blütenstaub-Bowle und gefilzten Wollmäusen. Als besonderes Geschenk überreichte der Musiker Matthias von Hintzenstern dem Künstler für seine Sammlung eine kugelförmige Wollmaus aus seinem fast 300 Jahre alten Cello.

Ausstellung regte überregional zu Aktionen und Reaktionen an

Der Kölner Künstler Wolfgang Stöcker gründete 2004 das „Deutsche Staubarchiv“, das inzwischen „Internationales Staubarchiv“ heißt. Mit akribischer Liebe zum Detail sammelt er Staubproben von besonderen Orten. 2017 und 2018 unternahm er „Staubexpeditionen“ auf Burg Posterstein und verarbeitete sie zu hochwertiger und ganz und gar nicht staubiger Kunst.

Einige der zentralen Fragen seines künstlerischen Schaffens spielen direkt auf die Arbeit eines Museums an: Wie lange können wir alte Dinge erhalten, bevor auch sie irgendwann zu Staub zerfallen? Was ist es wert, für spätere Generationen bewahrt zu werden und was gerät für immer in Vergessenheit?

Zur Ausstellungseröffnung gab es eine Staub-Expedition durch die Burg, die bis ins sonst nicht zugängliche Turmstübchen führte. Gunter Auer begleitete die Tour mit seiner Kamera:

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Unter dem Titel „In jeder Wollmaus steckt die ganze Welt“ berichtete das renommierte Kunstmagazin Monopol über die ungewöhnliche Ausstellung und auch in der Kölner Heimat des Künstlers fand die Thüringer Schau Beachtung.

Das Kölner Kultur-Kollektiv „Die Herbergsmütter“ stellte mit seiner Social Media-Aktion #kunstputz im Jahr 2015 nicht nur den ersten Kontakt zwischen Museum und Künstler her. Im Zuge der Ausstellung gingen sie in Köln gemeinsam mit Wolfgang Stöcker auf Staubexpedition und lenkten unter dem Schlagwort #Staubrausch die Aufmerksamkeit auf die Postersteiner Ausstellung. Mit Fotos von der Bekämpfung des Staubs in den eigenen vier Wänden nahmen zahlreiche Menschen in den sozialen Netzwerken an der Aktion teil.

Als besonderes Geschenk überreichte der Musiker Matthias von Hintzenstern dem Künstler für seine Sammlung eine kugelförmige Wollmaus aus seinem fast 300 Jahre alten Cello.

Neue Staubproben für das Internationale Staubarchiv

Auch Thüringer Kultureinrichtungen und Künstler fühlten sich dazu inspiriert, Staubproben an das Deutsche Staubarchiv zu schicken. So entnahm beispielsweise das Residenzschloss Altenburg Flusen aus der Trostorgel in der Schlosskirche. Das Programmkino Metropol Gera gab eine Probe mit möglicherweise 100 Jahre altem Kinostaub in die Post. Und auch aus Holland erreichte Wolfgang Stöcker eine Staubprobe: Flusen aus der Mütze des „Museumsbären“ Gustaafje, der mit seinem Besitzer bereits zahlreiche internationale Ausstellungshäuser besuchte. Als Höhepunkt der Finissage überreichte der Musiker Matthias von Hintzenstern aus Kühdorf bei Greiz dem Künstler eine kugelförmige Wollmaus, die sich durch den Luftstrom beim Musizieren im F-Loch seines fast 300 Jahre alten Cellos gebildet hatte, das der Tiroler Instrumentenbauer Michael Platner im Jahr 1735 hergestellt hat.

Dieses Werk mit Proben aus dem Postersteiner Bergfried und lyrischen Texten über das Kehren im Turm hat Wolfgang Stöcker dem Museum Burg Posterstein freundlicherweise geschenkt. Wir danken herzlich!

Am 27. August 2019 erreichte das Museum ein Brief aus Köln, der beschreibt, wie und wo die Stäube aus dem Metropol-Kino und aus der Mütze des Museumsbären ins Staubarchiv eingingen. Der Künstler Wolfgang Stöcker hält fest:

“Aus der Reihenfolge der Archivierung ergeben sich folgende Eigentümlichkeiten:
Die Geraer Probe wurde am 09.07.2019 verschickt (Quersumme: 28 = 10 = 1)
Die Probe des Bären wurde am 13.07.2019 verschickt (Quersumme: 23 = 5)
Somit erreichte uns die Bärenprobe etwas später, wurde aber auf Grund einer Unachtsamkeit des Archivars zuerst archiviert und liegt somit eine Probennummer vor der Geraer Metropolprobe. Daher besitzt die Probe aus Gera eine höhere Archivierungsnummer, wohingegen die Quersumme des Briefstempels (27.09.2019 = 30 = 3) eine niedrigere Zahl im Vergleich zur Quersumme des Briefstempels der Bärenprobe aufweist. Auf die Nummern und Quersummen wirkte offensichtlich eine ausgleichende Kraft ein!”

Das Lesebuch „Zum Wesen des Staubes“ zur Ausstellung ist auch nach der Schau noch im Museum Burg Posterstein erhältlich.

Ein Lesebuch zum Wesen des Staubes

aus dem Inhalt: 

Zur Ausstellung – Die Begegnung mit dem Staub.
Die Dokumentation internationaler Stäube.
Das Wesen des Staubes.
Das Deutsche Staubarchiv Köln Posterstein – Eine Archäologie des Staubes.
Postersteiner Staub im Bericht: Staubexpedition I. (09.08. – 10.08.2017).
Postersteiner Staub im Bericht: Staubexpedition II. (06.04.–08.04.2018).
Die Staubschreine.

Zusammengefasst von Marlene Hofmann

Wie Burg Posterstein zum #Burgstaub kam

Ab Sonntag, 19. Mai 2019 zeigen wir die Ausstellung “Zum Wesen des Staubes: Staubexpeditionen auf Burg Posterstein mit Kunstwerken von Dr. Wolfgang Stöcker aus Köln. Dass der Gründer des Internationalen Staubarchivs auf Burg Posterstein aufmerksam und daraus eine Ausstellung wurde, ist keine Selbstverständlichkeit – sondern wieder einmal unserem tollen Netzwerk auf Twitter zu verdanken. Museumsarbeit lebt von einem aktiven Freundeskreis – vor Ort und im World Wide Web. Den Artikel widmen wir zur internationalen Museumswoche #MuseumWeek folgerichtig auch dem Tagesthema #FriendsMW.

Wolfgang Stöcker mit Staubturm auch #Burgstaub vor Burg Posterstein.

2015 veranstaltete das Kölner „Kollektivs für Kreativitätscoaching und Kulturevents – Herbergsmütter“ die Social Media-Aktion #Kunstputz. Dass das auch in Posterstein ankam, liegt daran, dass die drei „Herbergsmütter“ Anke von Heyl, Ute Vogel und Wibke Ladwig ihr Projekt nicht nur in Köln vor Ort, sondern auch auf Twitter veranstalteten. Sie forderten ihre Community dazu auf, “Staubscout” zu werden und sich auf unterschiedliche Art selbst am #Kunstputz zu beteiligen. Als Museum sprach und diese Aufforderung an: “Wenn Ihr Teil einer Kulturinstitution, Kulturarbeiter oder Künstler seid, könnt Ihr Eure Wollmäuse der Sammlung der weltweit gesammelten Stäube hinzuzufügen.”

Postersteiner Burgstaub gibt es inzwischen auch als Souvenir.

Auf Twitter kamen wir ins Gespräch und das Museum Burg Posterstein, neugierig geworden, sendete eine Staubprobe aus dem Verlies der Burg nach Köln. Wolfgang Stöcker nahm die Probe dankbar in sein umfangreiches Staubarchiv auf. 2017 fuhren Marlene Hofmann und Franziska Engemann vom Museum Burg Posterstein nach Köln und besuchten Wolfgang Stöcker in seinem Atelier. Im Gepäck hatten sie mehrere Postersteiner Staubproben, die seither – vermischt mit Wachs – zu kleinen Skulpturen gewachsen sind.

Ebenfalls von Twitter kennen wir Petra Neumann, deren Wachsspende nun in der Postersteiner Ausstellung verewigt ist.

Die Idee zur Ausstellung “Zum Wesen des Staubes” war geboren. Es folgte ein Aufruf, dem Künstler Wachs – inklusive seiner Geschichte – zu spenden. Auf diese Art gelangte einiges Wachs in Wolfgang Stöckers Atelier nach Köln, das zusammen mit Postersteiner Staub zu “Staubschreinen” gegossen wurde. Eine Wachsspende erreichte Wolfgang Stöcker in einer besonders schönen, handbemalten Tüte, die nun wiederum in der Ausstellung vor Ort zu sehen sein wird.

Wolfgang Stöcker bei der Staubentnahme in der Salon-Ausstellung auf Burg Posterstein

Mitte August 2017 reiste Wolfgang Stöcker schließlich zur ersten Staubexpedition nach Posterstein und fotografierte, dokumentierte und „entnahm“ weitere Staubproben. Die Idee für eine gemeinsame Ausstellung wurde Realität und in einer zweiten Staubexpedition im April 2018 fortgesetzt.

„Staub ist das kleinste gemeinsame Vielfache unserer Kultur. Staub ist ein Demokrat. Er besiedelt Paläste und einfache Hütten. Staub ist zudem vielleicht das einzige wirkliche Kunstwerk. In der Natur kommt Staub nämlich nicht vor. ‚Lästiger‘ Staub ist daher eine wirkliche Kunst- und Kulturerscheinung.“

Wolfgang Stöcker

Mit seiner Sammelleidenschaft wirft Wolfgang Stöcker spannende Fragen auf: Warum sammeln wir das eine und ignorieren das andere? Was ist es wert, für spätere Generationen bewahrt zu werden und was gerät für immer in Vergessenheit? Wie lange können wir alte Dinge erhalten, bevor auch sie irgendwann zu Staub zerfallen?

“Das Wesen des Staubes” ist eine Ausstellung, die ohne Twitter und die Menschen dahinter, mit denen wir teilweise schon viele Jahre in Kontakt stehen, vermutlich nicht stattgefunden hätte. Damit sich der Kreis von Posterstein nach Köln wieder schließt, erstellte Wibke Ladwig von den Herbergsmüttern für die Ausstellung ein Portrait Wolfgang Stöckers:

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Portrait von Wolfgang Stöcker – erstellt von Wibke Ladwig

In seinem Gast-Blogpost erklärt Wolfgang Stöcker seine Philosophie des Staubes.

Aus Schönhaide nach Südamerika: Der Vogelkundler, Zeichner und Maler Anton Goering

2019 jährt sich der Geburtstag Alexander von Humboldts zum zweihundertfünfzigsten Mal. Der bekannte Wissenschaftler und Forscher inspirierte viele Zeitgenossen und spätere Generationen zu Reisen in die ganze Welt. Zum Jubiläum präsentieren die Museen des Altenburger Landes – Lindenau-Museum, Residenzschloss Altenburg, Naturkundemuseum Mauritianum und Museum Burg Posterstein – unter dem Titel: #humboldt4 eine gemeinsame Ausstellungsreihe über das Leben Alexander von Humboldts und sein Wirken auf die Region.

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Das Museum Burg Posterstein erinnert vom 1. September bis 17. November 2019 in der Sonderausstellung “Aus Schönheide nach Südamerika” an den Illustrator Anton Goering (Göring), dem als Handwerkersohn aus Schönhaide im heutigen Altenburger Land eine Karriere als Forschungsreisender, Zeichner und Tierpräparator gelang. Auf den Spuren Humboldts betrieb er auf zwei Forschungsreisen (ab 1856 und ab 1866)  in Südamerika botanische und geografische Studien. Zunächst als Begleiter des bekannten Naturwissenschaftlers Hermann Burmeister, später im Auftrag der Zoological Society of London sammelte und präparierte er seltene Tiere und hielt seine Eindrücke in Landschaftsaquarellen fest. Mit seiner Arbeit leistete Anton Goering einen wichtigen Beitrag zur Erforschung Venezuelas. Unter anderem entdeckte er die bis dahin unbekannten Höhlen bei Caripe. Seine Reiseeindrücke veröffentlichte er 1893 in Leipzig unter dem Titel: „Vom tropischen Tieflande zum ewigen Schnee, Eine malerische Schilderung des schönsten Tropenlandes Venezuela“.


Tierleben am mittleren Orinoco, Chromolithografie nach Anton Goering, Sammlung Museum Burg Posterstein

Es bildet ein Thalent sich in der Stille, sich ein Charakter in dem Strom der Welt

Johann Wolfgang von Goethe, Spruch auf dem Titelblatt des Reisetagebuchs von Anton Goerings, Halle 1856

Christan Anton Goering wurde am 18. September 1836 in Schönheide im heutigen Altenburger Land als Sohn eines Handwerkers geboren. Durch seinen Vater, selbst ornithologischer Sammler und Präparator, interessierte sich Goering schon früh für die Natur. Den zwanzig Kilometer langen Fußweg nach Altenburg nahm er in Kauf, um sich in der Kunstschule Bernhard von Lindenaus erste künstlerische Fertigkeiten anzueignen. Schon als Vierzehnjähriger war er Mitglied des „Ornithologischen Vereins des Pleißengrundes“ in Crimmitschau. Durch die Fürsprache Professor Apetz in Altenburg, den damaligen Direktor der Naturforschenden Gesellschaft des Osterlandes, erhielt Goering die Möglichkeit, Erfahrungen als Präparator und Konservator im Zoologischen Museum der Universität Halle bei Dr. Hermann Burmeister zu sammeln. Naturwissenschaftliche Anregungen bekam er auch von Christian Ludwig Brehm, dessen Sohn Alfred Brehm und den Mitgliedern der Naturforschenden Gesellschaft des Osterlandes.

Die erste Südamerikareise (1856-1858)

Frisch! Froh! Fröhlich! Frei!

Spruch auf dem Titelblatt des Reisetagebuchs von Anton Goerings, Halle 1856

Seine ersten Erfahrungen als Forschungsreisender sammelte Anton Goering als Begleiter Hermann Burmeisters. Über zwei Jahre lang erforschten sie die Tier- und Pflanzenwelt Brasiliens, Argentiniens und Uruguays.


aus dem Buch “Venezuela”, Sammlung Museum Burg Posterstein

In der Sammlung des Leibnitz Instituts für Länderkunde in Leipzig sind zwei Reisetagebücher, ein Skizzenbuch sowie verschiedene Drucke Anton Goerings erhalten geblieben. Eines der Tagebücher widmet sich der ersten Südamerikareise mit Burmeister. Das mit hauptsächlich mit Bleistift verfasste Buch ist mit vielen Skizzen versehen, die der Zeichner auf seiner Fahrt anfertigte.

Mitte September 1856 reiste Goering von Halle mit Zwischenstation in Magdeburg nach Hamburg, wo er sich mit Burmeister und „den jungen Burmeister“ traf.

Er notierte: „1856: Am 20. September mit dem Schnellzuge von Halle abgereist, morgens ¾ 8 Uhr. Abends ¾ 9 Uhr war er in Hamburg.

Die Schiffsreise begann am 29. September 1856. Zusammen mit den beiden Söhnen Burmeisters schiffte sich Goering auf dem Segelschiff „Dorothea“ mit Ziel Rio de Janeiro ein. Hermann Burmeister, der Leiter der Expedition, nahm ein anderes Schiff. Nach fast sechs Wochen Fahrt erreichten Sie die Küste Südamerikas.

19. November: Sehr für unsere Fahrt günstiger Wind, gegen ½ 11 Uhr morgens erblickten wir die Küste Brasiliens und in Folge des aufgehenden Windes lagen wir abends ½ 7 Uhr vor Rio de Janero [sic!] vor Anker, gingen aber nicht am selben abend noch an Land, sondern blieben auf dem Schiffe und verleben in gewohnter Art noch […] einige Stunden.“

„Am 20. Gegen 10 Uhr gingen wir an Land […]. Noch denselben Tag machten wir eine Excursion und fingen auch einige sehr hübche Sachen.

„21. Nov. Wir sind wieder an Bord der Dorothea gegangen um unsere Sachsen an’s Land zu bringen, auch haben wir das Innere von Rio de Janero [sic!] näher in Augenschein genommen.“

Am 1. Dezember 1856 ging die Reise weiter nach Montevideo, San José und Mercedes. 1858 trat Goering die Heimreise nach Deutschland an.

Anton Goering: Eindrucksvolle Landschaft im Süden des Maracaibo-Sees, aus dem Buch “Venezuela”, Sammlung Museum Burg Posterstein

Um sein Wissen zu erweitern studierte Anton Goering zwischen 1860 und 1864 Zeichnen und Malen bei Hermann Knaur in Leipzig und bei Joseph Wolf in London. Für Auslandsaufenthalte erhielt er aus Altenburg das „LINDENAU-ZACHsche-Reisestipendium“.

„Wem Gott will eine Gunst erweisen, den schickt er in die weite Welt“ – Die zweite Südamerikareise (1866-1874)

Durch seinen Gönner und Unterstützer Dr. Philip LutlySclater, den Sekretär der zoologischen Gesellschaft London, erhielt Anton Goering 1866 die Möglichkeit, als korrespondierendes Mitglied der Zoological Society of Londoneine eigene Studienreise nach Südamerika zu unternehmen. Sein Hauptziel war Venezuela, wo er für das British Museum Vogelbälge anfertigte und die Flora des Landes erforschte.

Am 18. September 1866 reiste er in London ab. Die Zeit auf dem Meer vertrieb man sich u. a. durch das Studium der von Bord aus gefangenen Meeresbewohner.

Am 29. [Oktober] fing sich an der dem Schiff umschwimmenden Angel ein Delfin. Er war ungefähr 4 Fuß lang und von grau trüber, graulicher Farbe am Unterleibe […] und Flurfarbene Flecken. Der Rücken dunkelgrau-blau.“

Am 30. November erreichte das Schiff den Hafen von Carúpano.

30. Nov. Früh gegen 3 Uhr zu Anker in der Bar von Carupano. Wir mussten noch bis gegen 9 Uhr an Bord bleiben. Wir hatten wiederholt bis gegen 4 Uhr früh starken Donner u. Regen. Gegen 9 Uhr kommt 1 Zollbeamter an Bord von einem Soldaten begleitet. Die Uniform des letzteren besteht aus einem zerrissenen Hemd u. ein alter Stoffhut tritt an Stelle des Helmes. Er hält eine alte verrostete Flinte mit Steinschloss in der Hand. Die Brandung ist hier sehr stark.

Am 15. Dez traten wir, Herr Bornemann und ich, einen Ausflug nach Pilar an. Wir verließen gegen 1 Uhr Carupano und legten in Pilar gegen 6 Uhr abends an.“ Am 17. Dezember 1866 kehrten sie nach Carúpano zurück. Bekannten und Freunden schien Goering auch während seiner Reise Berichte zu übermitteln. Kurz nach seiner Rückkehr nach Carúpano am 17. Dezember 1866 schrieb er in sein Reisetagebuch:

Heute oder morgen muss auch mein liebes Altenburg den Brief von mir erhalten, welchen ich von Port of Spain aus, schickte. Es wird sehr in Angst um mich gewesen sein, wüsste es aber, wie wohl es mir geht, dann würde es froh sein.

Anton Goering: Die Caripe Höhlen im Staate Monagas, Ost-Venezuela, aus dem Buch “Venezuela”, Sammlung Museum Burg Posterstein

Acht Jahre lang erforschte und zeichnete Anton Goering die Landschaft sowie die Tier- und Pflanzenwelt Venezuelas. Er entdeckte die bis dahin unbekannten Höhlen bei Caripe und schickte die von ihm gesammelten Vogel- und Tierpräparate an das British Museum. Die 1868 von Dr. Sclater im „Proceedingsofthe Zoological Society of London“ veröffentlichten Sammlungen Goerings umfassten in einer ersten Sendung 173 Präparate von 126 verschiedenen Arten. Drei davon waren der Forschung bis dahin unbekannt. Eine zweite Sendung umfasste weitere Präparate von 99 verschiedene Arten.

Seine Reiseeindrücke veröffentlichte Goering 1893 in Leipzig unter dem Titel: „Vom tropischen Tieflande zum ewigen Schnee, Eine malerische Schilderung des schönsten Tropenlandes Venezuela“.

Die späten Jahre

Seit 1874 arbeitete Goering als Tier- und Landschaftsmaler in Leipzig. Zusammen mit anderen Zeichnern lieferte er die Illustrationen zu „Brehms Tierleben“. Mit den Altenburger Naturforschern blieb er lebenslang in Kontakt. So wurde er zum Ehrenmitglied der Naturforschenden Gesellschaft des Osterlandes zu Altenburg und des Ornithologischen Vereins zu Leipzig ernannt. Für seine Verdienste verlieh ihm Herzog  Ernst I. von Sachsen-Altenburg den Professorentitel.

Anton Goering starb am 07. Dezember 1905 in Leipzig.

Eine Prämiere im Altenburger Land: Vier Museen präsentieren eine gemeinsame Ausstellungsreihe

Die Postersteiner Ausstellung verfolgt Goerings Entwicklung und Lebensweg vom Altenburger Land bis nach Südamerika. Seine Reisewege leben an Hand seiner Tagebücher und Holzschnitte, Leihgaben des Leibnitz Instituts für Länderkunde in Leipzig, wieder auf. Von Anton Goering präparierte exotische Tiere vermitteln ein Bild der damaligen Forschungsreisen auf den Spuren Alexander von Humboldts.

Begleitprogramm zur Ausstellung:

1. September, 15 Uhr
Ausstellungseröffnung und Salonnachmittag „Den schickt er in die weite Welt“ mit Lesung aus Anton Goerings Reisetagebuch von 1856

15. und 29. September, 15 Uhr
Führung „Der Wunsch, das durch A. v. Humboldt zu classischem Ruhme erhobene Thal von Caripe und die nahe Guacharohöhle aus eigener Anschauung kennen zu lernen, sollte mir endlich erfüllt werden.“ mit Kuratorin Franziska Engemann

27. Oktober 2019, 15 Uhr
Salonnachmittag: Auf den Spuren Alexander von Humboldts

27. November, 15 Uhr
Lesung „Wem Gott will eine Gunst erweisen, den schickt er in die weite Welt“
Finissage zur Ausstellung #humboldt4 : Aus Schönhaide nach Südamerika: Der Vogelkundler, Zeichner und Maler Anton Goering (Göring, 1836–1905) mit Lesung aus Anton Goerings Reisetagebuch von 1856