Der Herzog kommt nach Posterstein: Eröffnung der Sonderausstellung „Salongeschichten“

Die Sonderausstellung „Salongeschichten: Paris – Löbichau – Wien“ wird am Sonntag, 16. August 2015, 15 Uhr, feierlich eröffnet. Erstmals zeigt das Museum Burg Posterstein eine einmalige Sammlung witziger Portraitbilder von 47 historischen Persönlichkeiten, die 1819/20 als Gäste im Musenhof Löbichau der Herzogin von Kurland in Löbichau den Sommer verbrachten. Die weltgewandte Herzogin legte Wert darauf, Künstler und Schriftsteller zu fördern und stand in Kontakt mit den wichtigsten Persönlichkeiten ihrer Zeit. Zur Eröffnung der Ausstellung erwartet das Museum einen ganz besonderen Gast: Den Herzog von Gotha.

Im Herbst 1820 besuchte August Emil Leopold, Herzog von Sachsen-Gotha und Altenburg (1772–1822) den Musenhof der Herzogin Anna Dorothea von Kurland (1761–1821) im Schloss Löbichau. Der Herzog war eine auffällige Herrscherpersönlichkeit, die sich vor allem als Förderer der Künste und der Wissenschaft hervortat. Im Musenhof Löbichau zog er alle Aufmerksamkeit auf sich.

Der Herzog von Gotha besuchte 1820 den Musenhof der Herzogin von Kurland. Der Maler Ernst Welker portraitierte ihn als stolzen Pfau.
Der Herzog von Gotha besuchte 1820 den Musenhof der Herzogin von Kurland. Der Maler Ernst Welker portraitierte ihn als stolzen Pfau.

Zur gleichen Zeit befand sich der Maler Ernst Welker (1784/88–1857) als Gesellschafter und Zeichenlehrer der späteren Schriftstellerin Emilie von Binzer (1801–1891), einer Enkelin der Herzogin von Kurland, in Löbichau. Er portraitierte neben 46 anderen Löbichauer Gästen auch den Herzog von Gotha auf humoristische Art und Weise in Tiergestalt.

Im Handumdrehen das idyllische Leben in Löbichau in eine Hofhaltung verwandelt

„Welcker traf den Herzog vortrefflich als Pfau.“, notierte Emilie von Binzer Jahrzehnte später in ihrer Rückschau „Drei Sommer in Löbichau“. Während sie diesen humorvollen Rückblick auf ihre Jugend im Löbichauer Salon verfasste, betrachtete sie offenbar noch einmal Welkers Portraitzeichnungen, die sie in einer grünen Schachtel aufbewahrte, und schrieb einige Zeilen zu den dargestellten Personen. Die Ankunft des Herzogs beschrieb sie so:

„Im Anfang September traf ein Besuch ein, dessen Erscheinung keinen geringen Rumor in Löbichau machte, es war der Herzog von Gotha. (…) Im Handumdrehen war das idyllische Leben in Löbichau in eine Hofhaltung verwandelt; die Herzogin und ihre Töchter warfen sich in Staat, wir zogen unsere kleidsamsten Gewänder an, denn sonst nannte man Löbichau mit Unrecht einen Hof; …“ (Emilie von Binzer: Drei Sommer in Löbichau. Stuttgart 1877, S. 98)

2014 konnte das Museum Burg Posterstein aus Finanzmitteln des Freistaates Thüringen und der Bürgerstiftung Altenburger Land genau diese einmalige Sammlung kleinformatiger, aquarellierter Portraitzeichnungen erwerben. Von 16. August bis 15. November 2015 werden sie in der Sonderausstellung „Salongeschichten: Paris- Löbichau – Wien“ erstmals der Öffentlichkeit präsentiert.

Der Herzog kommt zur Eröffnung

Zur Ausstellungseröffnung am 16. August, 15 Uhr, hat sich ein ganz besonderer Gast angekündigt: Der Gothaer Schauspieler Ralph-Uwe Heinz, der sonst unter anderem auf historischen Stadtführungen durch Gotha führt, kommt als Herzog von Gotha zur feierlichen Ausstellungseröffnung. Im Stil des Löbichauer Musenhofs wird er auf kurzweilige und witzige Art und Weise Kostproben aus dem schriftstellerischen Schaffen des Herzogs geben. Unser Teaser zur Ausstellung:

Zum Weiterlesen:
Jana Borath fängt am 3. August in der Ostthüringer Zeitung die Stimmung im Tannenfelder Park ein.
“Da steht mein armes Ich aus Stein” – Blogpost zur Sonderausstellung
Blogpost zur Geschichte des Schlosses Tannenfeld
Blogpost: Jean Pauls Sommer in Löbichau
Blogpost: Rittergut Löbichau – Zeitweise 300 Gäste gleichzeitig

Von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

Musik, Literatur und Kunst als Lebenselexier: Der Maler Hans Neupert ist mit 95 ungeheuer produktiv

"Der letzte Tanz" (c) Hans Neupert
“Der letzte Tanz” (c) Hans Neupert
Bei der aktuellen Sonderausstellung mit Ölgemälden des Schmöllner Malers und Grafikers Hans Neupert – eine Hommage zu dessen 95. Geburtstag in diesem Jahr – ist dem Museum Burg Posterstein etwas Ungewöhnliches passiert: Der zur Ausstellung erscheinende Katalog mit Werkverzeichnis war schon während der Drucklegung veraltet. Hans Neupert, der in den vergangen Jahren unglaublich produktiv zu Werke gegangen ist, hatte schon wieder drei neue Ölgemälde fertig gestellt. Die Ausstellung ist noch bis 2. August zu sehen. Museumsmitarbeiterin Franziska Engemann hat Neupert in seinem Atelier besucht und schildert ihre Eindrücke im Katalog zur Ausstellung.

Das Atelier in der Gartenstraße, in dem Hans Neupert seine Werke entstehen lässt, ist vollgepackt mit Büchern und Bildern. Ein Flügel ragt darin auf: ein Ausläufer der Gebirgsketten von Bücherregalen und Schränken. Musik, Literatur und Kunst waren schon immer die Dinge, die das Leben des bald 95-Jährigen prägten. Er braucht keinen Fernseher und kein Radio. Er liest und die Zeilen regen seine Fantasie und seinen Geist an.

Es kann weiter gehen

In den Händen hält Hans Neupert ein Büchlein. Darin hat er all seine kleinen und so beliebten Ölbilder sorgfältig erfasst. Die letzten Seiten sehen erstaunlich neu aus. Sie wurden nachträglich eingeklebt. Mit einem Lächeln erklärt der Künstler, er habe gedacht, vor dem Ende des Büchleins nicht mehr malen zu können. Darin hatte er sich geirrt und das Büchlein musste erweitert werden. Auch neue Malbretter, auf denen er seine Kunst ausführt, musste er nachkaufen. Es kann weiter gehen.

Und Ideen hat er genug. Die Bücher und seine selbst zusammengestellte Kammermusik liefern genügend Stoff. Ebenso der einfache Blick aus dem Fenster und natürlich die Erinnerungen an und die wunderbaren Gespräche mit lieben Menschen und Freunden.

Hans Neupert (*1920) widmete sich in über 40 Arbeitsjahren, gemeinsam mit seiner Frau Luise (1926–2009), der angewandten Kunst und Gebrauchsgraphik.

Für ihre Heimatstadt Schmölln und die ganze Region wurden Luise und Hans Neupert zur kulturellen Institution. Während sich Luise Neupert mit filigranen Scherenschnitten einen künstlerischen Namen machte, widmet sich Hans Neupert der Malerei.

Von DEDERON zu Musen und Nymphen

Bereits 1963 führte ein Spezialauftrag der DDR-Chemieindustrie die Neuperts zur intensiveren Beschäftigung mit diesem Genre. Zunächst in Tempera, später in Öl entstanden Miniaturmalereien, die als Jahresgabe für ausländische Kunden dienen sollten. Hier bekommt der Betrachter bereits eine Ahnung davon, was sich später an Kreativität in aktuell 1052 im Werkverzeichnis erfassten Ölbildern niederschlagen wird. Im Jahrbuch „Alles was wir lieben, mit DEDERON durch das Jahr“, einem Katalog aus dieser Zeit, werden Texte illustriert (oder umgekehrt), wobei schöne Frauen, Musiker oder Fabelwesen die Szenerie bevölkern. Die Bildtitel wirken heute wie ein vorweggenommenes künstlerisches Programm: „Ich liebe die Frauen, ich liebe die Musik, ich liebe die Abwechslung“.

Die Malschichten der kleinformatigen, etwa 250 x 350 mm großen Gemälde werden auf Holz aufgetragen. Sodann montiert der Künstler die eigentlichen Bilder auf eine in Weiß gehaltene Trägerplatte und umrahmt sie mit einer goldenen Leiste. Die Sujets fantasievoll, romantisch, philosophisch bisweilen provozierend frech gemalt und von tiefer Farbigkeit geprägt, bilden in ihrer Unverwechselbarkeit bis heute den Stil Hans Neuperts.

KatalogCoverHNDie Ausstellung zeigt bis 2. August 2015 eine Auswahl von Bildern, die erst in den letzten Jahren entstanden sind. Den Katalog „Mal sehen wohin es geht oder zwischen den Zeiten- Hans Neupert – Hommage zum 95.“ kann man für 9 Euro über das Museum bestellen.

Von Marlene Hofmann & Franziska Engemann / Museum Burg Posterstein

Geschenke für den Museumsbesuch: Christian Habicht feiert die 3000. Besucherin

Im Verlauf der Sonderausstellung „Mich interessiert nur der Rahmen – Cartoons und Comics von Christian Habicht“ feierten Museum und Künstler zuerst die 1500. Besucherin, dann die 2000. und am Sonntag schließlich die 3000. Besucherin. Als Dankeschön und stellvertretend für all die anderen Ausstellungsbesucher bekamen sie jeweils einen Cartoon-Druck geschenkt.

Die 3000. Besucherin kam am letzten Tag der Ausstellung.
Die 3000. Besucherin kam am letzten Tag der Ausstellung.

Am letzten Tag der Sonderschau besuchte die 13jährige Zoe Rocher aus Posterstein mit ihrer Familie die Burg. Sie waren extra wegen Christian Habichts witzigen Cartoons gekommen und freuten sich sehr, einen davon mit nach Hause nehmen zu können. Zoe entschied sich für ein Comic, auf dem ein Handwerker fragt „Und, hast du die Dämmwolle dabei?“, während sein Kollege mit drei Schafen in der Tür steht.

Habicht-Fans aus Posterstein, Siegen, Gera

Gerade einmal zwei Wochen vorher konnte Habicht die 2000. Besucherin begrüßen. Elisabeth Krieger aus Siegen und ihr Mann Peter waren auf Städtereise durch Thüringen und kamen zufällig ins Museum Burg Posterstein. Auch sie freuten sich über den herzlichen Empfang.

Die 2000. Besucherin kam aus Siegen und besuchte während ihrer Städtereise durch Thüringen auf die Burg Posterstein.
Die 2000. Besucherin kam aus Siegen und besuchte während ihrer Städtereise durch Thüringen auf die Burg Posterstein.

Die 1500. Besucherin, Rita Söllner, kam Anfang April in die Ausstellung und entpuppte sich als ein absoluter Fan von Christian Habichts Cartoons. Sie besitzt bereits alle Habicht-Bücher und kam extra mit ihrem Ehemann „wegen Habicht“ am Ostermontag in die Postersteiner Ausstellung. Über das Cartoon-Geschenk freute sie sich überschwänglich.

Der Künstler Christian Habicht freut sich über das große Interesse an seinen Cartoons. Seit 2006 ist der Vater von zwei Töchtern freiberuflich als Illustrator und Cartoonist tätig und zeichnet Cartoons für verschiedene Zeitungen und Magazine. Neben zahlreichen Hausaufgabenheften gestaltet Habicht auch Bastelblöcke, Ausmalhefte, Stickerhefte, Puzzlebücher sowie Schultüten. 2009 gewann er den Ilse Bähnert Preis der Sächsischen Zeitung, 2012 den Publikumspreis in Prerow und 2014, neben einem weiteren Preis des H-Teams München, den Kultur- und Kunstpreis des Saale-Holzland-Kreises.

Weitere Informationen zum Künstler

Zur Website von Christian Habicht

Ausblick: Von den Cartoons zur Ölmalerei

Fantasievoll, romantisch, frech - Hans Neuperts Stil ist unverkennbar.
Fantasievoll, romantisch, frech – Hans Neuperts Stil ist unverkennbar.

Die nächste Sonderausstellung auf Burg Posterstein ist bereits in Vorbereitung: Als Hommage zum 95. Geburtstag des Schmöllner Künstlers Hans Neupert zeigt das Museum dessen charakteristische Ölgemälde, von denen ein Großteil erst in den letzten Jahren entstanden ist. Soviel vorweg: Neupert bleibt seinem Stil treu und es wird wieder romantische Landschaften und freche Damen zu sehen geben. Die Schau wird im Rahmen des Programms zum Internationalen Museumstag feierlich eröffnet.

Weitere Informationen zum internationalen Museumstag auf Burg Posterstein

von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

#MuseumSound zum internationalen Museumstag: So klingt die Burg Posterstein

Im Vorfeld des Internationalen Museumstags am 17. Mai sammeln die Veranstalter den Klang der Museen und verorten ihn auf einer interaktiven Karte. Das Museum Burg Posterstein soll da nicht fehlen, weshalb unser Mitarbeiter Marcus für uns eine Runde durch die Ausstellung und bis in den Keller gegangen ist.

Quietschende alte Türen, knarrende Dielen, läutende Uhren, Tritte auf Stufen, Besucherführungen und Eröffnungskonzerte… Die Geräuschkulisse des über 800 Jahre alten Gemäuers ist vielfältig und bietet Stoff für ganze Soundteppiche. Wir haben uns auf einen Zusammenschnitt von einer Minute beschränkt:

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Eine Übersicht über alle bisher gesammelten musealen Klänge gibt es hier:

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Museumstag auf Burg Posterstein: Rittergut und freche Damen

Zum Museumstag am 17. Mai, der in diesem Jahr das Motto „MUSEUM. GESELLSCHAFT. ZUKUNFT.“ trägt, gibt es 11 Uhr eine Sonderführung „Zukunft des Burgbergs“. Wir treffen uns auf der Burgbrücke und führen Sie über das Außengelände auf dem Burgplatz. Hier stehen die verbleibenden Gebäude des ehemaligen Ritterguts Postersteins, für die es ein visionäres Zukunftskonzept, bisher aber keine Finanzierung gibt. Weitere Informationen zum Thema gibt es hier und hier.

Fantasievoll, romantisch, frech - Hans Neuperts Stil ist unverkennbar.
Fantasievoll, romantisch, frech – Hans Neuperts Stil ist unverkennbar.

15 Uhr findet die feierliche Eröffnung der neuen Sonderausstellung „Mal sehen wohin es geht oder zwischen den Zeiten“ statt, eine Homage an den beliebten Schmöllner Künstler Hans Neupert, der in diesem Jahr seinen 95. Geburtstag feiert und in den vergangenen Jahren sehr produktiv gewesen ist. Die Sujets fantasievoll, romantisch, philosophisch bisweilen provozierend frech gemalt und von tiefer Farbigkeit geprägt, bilden in ihrer Unverwechselbarkeit bis heute den Stil Hans Neuperts.

Weitere Informationen zur Sonderausstellung Hans Neupert

Nachtrag: Die Burg als Klingelton gefällig?

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Wegen interessierter Nachfragen in Folge der Aktion #MuseumSound zum Internationalen Museumstag gibt es hier das Quietschen unserer Kellertür als MP3 zum Download. Mit Hilfe der entsprechenden Apps (für Android z.B. Ringdroid, für Apple Klingelton Maker) können Sie unsere MP3 dafür nutzen.

Von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

Der Mutz in der Darstellung renommierter Illustratoren aus aller Welt – Ein Resümee

Am 17. August 2014 zog der Mutz, unser liebgewonnenes Thüringer Fabelwesen, unter großem Andrang auf Burg Posterstein ein. Am 16. November 2014 hieß es dann wieder Abschied nehmen. Nach Ende unserer Sonderschau ist es nun an der Zeit, ein Resümee zu ziehen.

Beim Aufbau der Sonderausstellung
Beim Aufbau der Sonderausstellung

Es kann nicht oft genug betont werden, wie überwältigend groß der Zuspruch für unseren Mutz ausfiel. Sowohl von künstlerischer Seite als auch seitens der Besucher. 75 internationale Künstlerinnen und Künstler gaben der rätselhaften Thüringer Kreatur eine Gestalt nach ihrer Vorstellung. Geleitet von Erfahrung und Kreativität entstanden mehr als 90 meist grafische Werke, die das Geheimnis des sagenumwobenen Mutzes zu lüften versuchten. Herzlichen Dank.

Eines der verschiedenen Plakatmotive zur Ausstellung
Eines der verschiedenen Plakatmotive zur Ausstellung

Und auch wenn dieses wohl auf ewig das Geheimnis der Jäger und Metzger bleiben wird, so lockten die hervorragenden Arbeiten rund 5000 Besucher ins Museum. Dem nicht genug, schöpften viele Besucher eigene Ideen aus der Kabinettausstellung. Das erste Besucher-Mutz-Buch, das auch den Gästen die Möglichkeit geben sollte, kreativ zu werden, war nach wenigen Wochen gefüllt. Ein Zweites, schließlich noch ein Drittes mussten folgen, um dem künstlerischen Stürmen der Besucher eine angemessene Grundlage zu bieten.

So verschieden die Arbeiten der ausgestellten Künstler waren, so verschieden und beeindruckend waren die Ergebnisse, die unsere Gäste zu Blatt brachten. Insgesamt entstanden so 230 zeichnerische, karikaturistische und humoristische Bilder. Vier davon wurden zur Finissage der Mutzausstellung zu den besten und beliebtesten in den Kategorien „Erwachsener“, „Kind“ und „Besucherpreis“ gewählt und prämiert.

Blick in die Ausstellung
Blick in die Ausstellung

Mutz, Musik und Geisterspuk

Hoch frequentiert waren auch die Veranstaltungen, welche das Museum Burg Posterstein dem Mutz widmete. Neben der Vernissage am 17. August, zu der allein 150 Besucher erschienen, und der Finissage am 16. November feierte das Museum sein heimisches Fabeltier.

Die Ausstellung endete mit einer Finisage mit Aktionen und Vorträgen.
Die Ausstellung endete mit einer Finisage mit Aktionen und Vorträgen.

Heiß begehrt waren am diesen Tagen auch die gebratenen Erscheinungsformen des Mutzes. Allein auf der Burg selbst wurden fast 200 Mutzbraten gekauft und verspeist. Um die 300 weitere Braten konnte das Elegant-Hotel zur Burg den Besuchern mit der eigens entwickelten Speisekarte zur Sonderausstellung schmackhaft machen.

Aber natürlich lockte nicht nur das leibliche Wohl. Zu den verschiedenen Terminen gab es Musik und Aktionen. So wurde der, die Ausstellung begleitende, Mutz-Katalog vorgestellt, ein Mutz-Mal-Wettbewerb veranstaltet, es gab Führungen durch die Exposition, die über die Künstler Aufschluss gaben und sogar eine Geisterführung. Am 31. Oktober konnten unsere kleinen Besucher dem Mutz ganz nahe kommen und unsere Burggeister nach ihrem Wissen über das fabelhafte Wesen befragen. Den Abschluss der fantastischen Tour durch die Burggeschichte bildete dann der „Fliegende-Mutz-Wettbewerb“: Die Kinder schickten ihren „Mutz“ per Postkarte und Luftballon in die Welt.

Vom Burgturm aus fliegen Mutz-Postkarten ins Land.
Vom Burgturm aus fliegen Mutz-Postkarten ins Land. Wer eine findet, darf sich gern im Museum melden!

Der einzige Wermutstropfen ist, dass leider noch keiner der „freigelassenen“ Mutze den Weg zurück auf die Burg gefunden hat. Ihr Rückweg muss wohl so weit sein, dass es noch keines der Tiere hier her geschafft hat. Vielleicht sind sie auch der Mutzjagd zum Opfer gefallen. Wir wissen es nicht, würden uns aber über ein Wiedersehen freuen!

Der Mutz zieht nach Leipzig und in die Welt

Am 16. November hatte es sich dann aber endgültig „ausgemutzt“. Unser liebgewonnenes Monstrum zog in die Welt hinaus. Einige Arbeiten fanden ihren Weg zurück zu ihren Schöpfern, andere fanden ein neues Zuhause. Einige Exponate der Ausstellung gingen nach Leipzig. Im dortigen Café Grundmann sind sie nun Teil einer weiteren kleinen Schau mit dem Titel „Mutz Royal“, die bis zum 8. März 2015 zu sehen ist.

Das Mutz-Bilderbuch
75 Künstlerinnen und Künstler präsentieren in diesem schönen Bilderbuch ihre Sicht auf den Mutz. 20 x 16 cm, 104 Seiten, farbig, Museum Burg Posterstein 2014 (Preis: 15,00 Euro) ISBN: 978-3-86104-075-0

Und auch unser Bilderbuch zum Mutz erfreut sich großer Beliebtheit! Die Nachfrage ist noch immer hoch und wer noch kein Weihnachtsgeschenk für sich entdecken konnte, kann für den Preis von 15,00 € ein kleines Stück Sagenhaftes weitergeben. Auf 104 Seiten sind Informationen zum Mutz, zu den Künstlern und alle Arbeiten der Ausstellung enthalten.

Am Ende bleibt nur noch, dem Mutz alles Gute zu wünschen. Vielleicht kehrt er eines Tages wieder in neuer Gestalt auf die Burg zurück! Wir danken ganz herzlich den zahlreichen Künstlerinnen und Künstlern, ohne deren Hilfe die Ausstellung so nie hätte zu Stande kommen können, ebenso den beiden Kuratoren Susann Hesselbarth und Thomas M. Müller ohne die wir das ganze Projekt kaum bewältigt hätten. Und schließlich geht unser Dank auch an die vielen und kreativen Besucher, ohne die unsere Ausstellung auch nicht möglich gewesen wäre.

Und schließlich für die Statistiker…

… noch ein paar Daten: 92 Tage lang war die kleine Kabinettausstellung „Der Mutz in der Darstellung renommierter Illustratoren aus aller Welt“ im Museum Burg Posterstein zu sehen, davon wurden 4 Tage unter großem Andrang und mit Mutzbarten, Musik, Führungen sowie Aktionen gefeiert. 75 internationale Künstler hatten in über 90 Arbeiten dem Thüringer Monstrum eine Gestalt gegeben, in 2 Fällen sogar als sehr große bzw. sehr schwere Plastik. Fast 5000 Besucher wagten es, dem Mutz Auge in Augen gegenüber zu treten. 230 große und kleine Gäste kreierten ihre eigene Sicht auf den Mutz und malten unser heimisches Fabeltier nach ihren Vorstellungen in 3 dafür angelegte Besucher-Mutz-Bücher. 4 dieser Bilder wurden in verschiedenen Kategorien als die Schönsten gewählt und von uns zur Finissage prämiert.
Insgesamt wurden auf unserer Burg fast 200 Mutzbraten zu verschiedenen Gelegenheiten verspeist, im Hotel zur Burg, das für die Dauer unserer Ausstellung sogar eine eigene Mutz-Speisekarte entwickelt hatte, waren es über 300 Braten. Die Dunkelziffer der in diesem Zeitraum erlegten Mutze bleibt allerdings ungewiss.

Blick in die Ausstellung
Blick in die Ausstellung

Am Ende soll auch dem Burgteam und den Kuratoren der Ausstellung noch einmal Ehre erwiesen werden, denn auf die Frage, wie 90 solcher internationaler Mutz-Arbeiten schließlich nahtlos an die Wand gebracht werden, gibt es eine Antwort: man benötigt 56 Aufhänger, 56 Drahtseile und Halterungen, 32 Holzlatten und unglaubliche 351 Schrauben sowie 8 starke Arme, die unseren eisernen „Mutzjäger“ der Künstlerin Franziska Anna Faust erst in und schließlich wieder aus der Burg hinaustragen mussten.

Alles in allem – ein wunderbares Rezept für eine wirklich gelungene und schöne Ausstellung. Zahlen lügen nicht!

von Franziska Engemann / Museum Burg Posterstein

Kulturtipp Mutz: Eine Schmöllner Spezialität auf internationalem Parkett

Ausstellungsplakat mit Thüringer Schrumpfgrüffelo von Axel Scheffler.
Ausstellungsplakat mit Thüringer Schrumpfgrüffelo von Axel Scheffler.

“Welche Ausstellung sollte ich unbedingt anschauen?”, fragt Kultur-Bloggerin Tanja Praske im Rahmen ihrer aktuellen Blogparade „Mein Kultur-Tipp für Euch“ #KultTipp. Da antworten wir ganz klar: Den Mutz! Warum erklärt Museumsmitarbeiterin Franziska Engemann in diesem Blogpost und stellt einige der vielen Künstler vor, die an der Ausstellung mitgewirkt haben.

Über das Wesen Mutz ist quellenkundlich wenig bekannt, wie wir im letzten Blogpost schon festgestellt haben. Für die Sonderausstellung konnten über 75 Künstler aus ganz Europa dafür begeistert werden, dem Mutz auf die Spur zu kommen. Sie sandten uns mehr als 90 meist malerische und graphische Werke zu, die bis 16. November 2014 in einer Kabinett-Ausstellung bewundert werden können.

Die Rechercheergebnisse von Jutta Bauer.
Die Rechercheergebnisse von Jutta Bauer.

So findet der Besucher unter anderem die erstaunlichen Forschungsergebnisse der Autorin und Illustratorin Jutta Bauer, die sich nicht nur im eigenen Familienarchiv über den Mutz erkundigt hat. Die vielfach ausgezeichnete Künstlerin, 1955 in Hamburg geboren, veröffentlicht seit 1981 sehr erfolgreich Bilderbücher und lehrt Illustration an der Bauhaus-Universität Weimar sowie an der HAW Hamburg.

Mutz-Illustration von Klaus Enzikat
Mutz-Illustration von Klaus Enzikat.

Klaus Ensikat schickte eine feine, fast schon fragil wirkende Federzeichnung. Ensikat, 1937 in Berlin geboren, gilt als legendärer Illustrator, nach welchem sogar eine Reihe klassischer Kriminalliteratur benannt wurde, da er den Einband für den Verlag Das Neues Berlin gestaltete.

So fängt man Mutze, verrät Yvonne Kuschel.
So fängt man Mutze, verrät Yvonne Kuschel.

Von Yvonne Kuschel, Künstlerin, Illustratorin und Cartoonistin, stammen zwei Bilder der „Schönen Köchin“, die junge Mutze mit ihren Reizen zu sich lockt. Sie lebt mit ihrer Familie in Leipzig und lehrt als Professorin an der dortigen Hochschule für Grafik und Buchkunst.

Der Mutz lebt gefährlich, sagt "Titanic"-Karikaturist Michael Sowa.
Der Mutz lebt gefährlich, sagt “Titanic”-Karikaturist Michael Sowa.

Michael Sowa, bekannt durch seine Arbeit für das Satiremagazin „Titanic“, steuerte nicht nur einige Werke für den Film „Die fabelhafte Welt der Amélie“ bei, sondern sandte uns auch eine schöne Collage mit dem Thema „Das ist überhaupt nicht lustig“ zu, die das gefährliche Leben des Mutzes im Straßenverkehr zeigt.

"Was Mutz, dat Mutz", meint Karikaturist BECK.
“Was Mutz, dat Mutz”, meint Karikaturist BECK.

Der Karikaturist BECK, 1958 in Leipzig geboren, zeichnet Cartoons für „Die Zeit“, die „taz“ oder den „Eulenspiegel“. Für unsere Sonderausstellung fertigte er gleich drei charmante Karikaturen an, die unser heimisches Fabeltier in den verschiedensten Augenblicken des Lebens zeigen.

Brief von Illustrator Axel Scheffler an das Museum.
Brief von Illustrator Axel Scheffler an das Museum.

Und schließlich soll noch Axel Scheffler genannt werden, der vor allem mit seiner Illustration des Kinderbuches „Der Grüffelo“ bekannt wurde. Er lebt und arbeitet in London und blieb auch in unserer Kabinett-Schau seinem ganz persönlichen „Frankensteinmonster“ treu: Er erweckte den Mutz oder besser den Thüringer Schrumpfgrüffelo zum Leben. Selbst Tochter Adelie tritt in ihren jungen Jahren in die Fußstapfen des Vaters. Auch sie schickte uns eine schöne kleine Zeichnung des Mutzes zu, die in der Ausstellung selbstverständlich gewürdigt und gezeigt wird.

Diese Künstler sollen hier aber nur als Stellvertreter ihrer Kollegen stehen, die natürlich nicht unerwähnt bleiben sollen. Für ihre tollen Arbeiten dankt das Museum Burg Posterstein: Tiziana Jill Beck; Johanna Benz; Uta Bettzieche; Fanny Blanc; Blexbolex; Albrecht von Bodecker; Jens Bonnke; Helmut Brade; Christine Brand; Kristina Brusa; Enzo Brusa; Nadia Budde; Kathrin Cruz; Franziska Faust; Christoph Feist; Gabriela Frančik; Andy Gädt; Matthias Geisler; Tino Geiss; Gensheimer & Katz (Christine Gensheimer & Timo Katz); Susanne Göhlich ; Anna Haifisch; Paule Hammer; Susann Hesselbarth; Sarah Hüning; Christian CX Huth; Mirjam Jacob; Phillip Janta; Gabriela Jolowicz; Franziska Junge; Ruprecht von Kaufmann; Halina Kirschner; Clementine Koenig; Ole Könnecke; Anke Kuhl; Nicolas Mahler; Sophia Martineck; Nanne Meyer; Ingunn Mosberg; Jörg Mühle; Rolf Felix Müller; Thomas Müller; Thomas Matthaeus Müller; Volker Pfüller; Moni Port; Nadine Prange; Ulf Puder; Gerda Raidt; Alexandra Rusitschka; Alice Sawicki; Marie-Luce Schaller; Stefanie Schilling; Katja Schwalenberg; Katja Spitzer ; Katrin Stangl; Matthias Stotz; Andreas Tauber; James Turek ; Catharina Valckx; Kay Voigtmann; Philip Waechter; Henning Wagenbreth; Stefan Walter; Simone Waßermann; Julia Weller; Franz Zauleck und Maryna Zhdanko.



Mit Mutz, Musik und Bilderbuch

Mit „Mutz und Musik“ wurde das Bilderbuch zur Ausstellung präsentiert. Das Buch zeigt alle Werke der Sonderausstellung auf charmante Weise auf 104 Seiten versammelt.

Das Postersteiner „Elegant-Hotel zur Burg“ hat allein für die Zeit der Sonderausstellung eine eigene Mutz-Speisekarte entwickelt. So kann der Museumsbesucher die regionale Spezialität an jedem Tag genießen

Der Mutz interaktiv

Das Mutz-Besucherbuch
Das Mutz-Besucherbuch

Doch auch der Betrachter darf aktiv und kreativ werden. Das bereits zweite Besucher-Mutz-Buch, das in der Ausstellung ausliegt, wird von kreativen Ausstellungsbesuchern gefüllt mit lustigen und ganz persönlichen Mutz-Zeichnungen. Die schönsten sammeln wir auf der Facebook-Seite des Museums.

Im Beitrag wurde aus den Texten des Buches zitiert. Dank an die Autoren.

Franziska Engemann / Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

Zum Weiterschauen:

Der Mutz
In Darstellungen renommierter Künstlerinnen und Künstler aus aller Welt

75 Künstlerinnen und Künstler präsentieren in diesem schönen Bilderbuch ihre Sicht auf den Mutz. 20 x 16 cm, 104 Seiten, farbig, Museum Burg Posterstein 2014 (Preis: 15,00 Euro)
ISBN: 978-3-86104-075-0

Das Phänomen “Mutz”: Ein streng gehütetes Geheimnis

Was ist eigentlich ein "Mutz"? - Dieser Frage stellten sich über 75 Künstler für die Sonderausstellung auf Burg Posterstein.
Was ist eigentlich ein “Mutz”? – Dieser Frage stellten sich über 75 Künstler für die Sonderausstellung auf Burg Posterstein.

Um den sogenannten “Mutz” ranken sich viele Gerüchte und wenige Fakten. Ist er Tier, eine Erscheinung oder gar ein Monster, das in den Thüringer Wäldern sein Unwesen treibt? Sicher ist nur, dass dieser Mutz sehr gut schmeckt – als faustgroßer Fleischbatzen in Salz, Pfeffer und Majoran eingelegt und an einem Spieß über Birkenholz gebraten. In dieser Form ist er im ganzen Land bekannt und wird neben der Rostbratwurst als regionale Spezialität des Freistaates Thüringen beworben. – Museumsmitarbeiterin Franziska Engemann berichtet hier mit einem Augenzwinkern über die Herkunft des Mutzes.

Seinen Ursprung hat der Braten wohl im Altenburger Land, besonders in Schmölln, wo er traditionell zubereitet und verspeist wird.

Doch selbst in der Heimat des Mutzes ist das Erscheinungsbild dieser mysteriösen Gestalt nur einem kleinen Kreis eingeweihter Jäger und Fleischer bekannt, die dieses Geheimnis bis heute streng hüten.

Verstümmeltes (beschädigtes) Tier oder Wallfahrtsbraten?

Ein für die Ausstellung gefertigter Mutz bei seiner Ankunft im Museum Burg Posterstein.
Ein für die Ausstellung gefertigter Mutz bei seiner Ankunft im Museum Burg Posterstein.

Seit Jahrhunderten ranken sich Legenden darum, welchen kulturellen und vielleicht sogar biologischen Hintergrund der Mutz hat.

In Pieres-Universallexikon von 1844 heißt es, der Mutz sei „etwas verkürztes, verstümmeltes“ bzw. ein „Thier, dem der Schwanz fast ganz abgeschnitten ist, od. welches ohne Schwanz geboren ist, obgleich es einen haben sollte“. Sagen berichten, dass an den Wallfahrtstagen auf den sogenannten „Mutschenmärkten“ in Schmölln oder Posterstein gebratene Fleischstücke – Mutschen – verkauft und gern verzehrt wurden.

Zu dieser Zeit soll Schmölln die bekannteste und älteste Wallfahrtsstätte nach Aachen in ganz Deutschland gewesen sein. Die Bekanntheit Schmöllns beruhte damals auf einem Marienbild, welches viele Zeichen und Wunder bewirkt haben soll und schließlich auch in das Wappen der Stadt übergegangen ist. Die sogenannten Mutschen waren zu dieser Zeit kleine gebratene Stücke Schweinefleisch, deren Namen sich später in „Mutzbraten“ gewandelt hatte.

Die Anatomie des Unbekannten

Ein Waldbewohner? - Mutz auf einem der Ausstellungsplakate.
Ein Waldbewohner? – Mutz auf einem der Ausstellungsplakate.

Aber wie ihre heutigen „Kollegen“ geben diese Bratenstücke keinen Aufschluss über die Anatomie des Wesens, aus dem sie hergestellt werden. Bekannt ist nur das Ritual, wie der Braten hergestellt wird. Zarte Fleischstücke werden auf einem Spieß aufgereiht und dann zwei Stunden lang auf einem eigenes dafür konstruierten Rost am Rand eines Birkenholzfeuers gebraten. Dadurch bekommt das Fleisch seine charakteristische dunkle Kruste, bleibt innen aber rosa und saftig. Die feine Marinade aus Majoran, Pfeffer und Salz prägt das Aroma.

Der Geschmack der Schmöllner Spezialität lässt auf eine vitale, ausgelassene und kräftige Tierart schließen. Doch existieren weder genaue Beschreibungen noch flüchtige Zeichnungen des schmackhaften Fabeltieres. Auch die historischen Quellen schweigen weitgehend zu diesem Thema. Allein Formulierungen wie „…sodann zwey starcke Mutze“ oder „…wurde ein flinker junger Mutz aufgeschreckt“ lassen sich finden. Über Größe, Aussehen oder gar Verhalten des Tieres haben wir keine Kenntnis. Der Wissenstand über den Mutz lässt sich kurz in Stichworten festhalten: herzhaft, nahrhaft, fabelhaft.

Dem Mythos eine Gestalt geben – Der Mutz auf Burg Posterstein

Besonders ein regionales Museum wie die Burg Posterstein hat daran Interesse, diese Wissenslücke der Geschichte zu schließen und gerade in Bezug auf mythologische Wesen wie den Mutz ist der beste Weg dazu die imaginatorische Kraft der Kunst.

Schon für die Ausstellung „Poster auf Posterstein“ hatte das Museum mit den Illustratoren Susann Hesselbarth und Thomas M. Müller zusammengearbeitet und so entstand bald der Gedanke, mit diesen beiden Kuratoren dem sagenumwobenen Mutz eine Gestalt zu geben.

Das Konzept war so brillant wie einfach: eine ganze Reihe renommierter Zeichner und Illustratoren wurden um ein Bild vom Mutz gebeten. Dies mit dem Ziel, ein unterhaltsames Bestiarium von einem Tier zu zeigen, über das nicht mehr gewusst oder preisgeben werden konnte, als dass aus ihm in Ostthüringen mittels eines komplizierten und genau festgelegten Rituals und mithilfe eines geheimen Rezeptes ein hervorragender und sehr beliebter Braten hergestellt wird.

So ausgestattet, sollten die Künstler mithilfe ihrer Intuition und Erfahrung dem Unbekannten eine Form geben. Das Ergebnis kann sich sehen lassen – bis 16. November 2014 in der Galerie des Museums.

Von Franziska Engemann / Museum Burg Posterstein

Abbilder des Tanzes, der Leidenschaft, der Liebe, der Gewalt und des Todes: Peter Schnürpels „Radierwerkstatt“

Schnürpels Werke zeigen den Menschen, seinen Aufstieg, seinen Fall, seine Freude, seinen Schmerz.
Schnürpels Werke zeigen den Menschen, seinen Aufstieg, seinen Fall, seine Freude, seinen Schmerz.

Kräftige Farben, starke Kontraste, Dunkelheit und Schlaglichter gepaart mit fordernden, wilden, aber zielgerichteten Linien. Dynamik. Menschen. – Franziska Engemann, Mitarbeiterin im Museum Burg Posterstein, begleitete den Künstler Peter Schnürpel beim Aufbau seiner aktuellen Sonderausstellung in Posterstein. In diesem Blogpost gibt sie Einblicke in sein Leben und Schaffen.

Die Werke des Künstlers Peter Schnürpel lösen beim Betrachter die unterschiedlichsten Empfindungen und Assoziationen aus. Sie sprechen. Sie polarisieren. Doch eines ist sicher, sie sind bewegt. Und sie bewegen. Sie zeigen den Menschen, seinen Aufstieg, seinen Fall, seine Freude, seinen Schmerz. Sie spielen mit dem Expressiven und der Abstraktion, sind dabei nicht beschönigend, nicht abstoßend, aber immer ehrlich.

Ein Mensch steht im Vordergrund

Der Mensch steht im Vordergrund. Und hinter den Bildern steht der Künstler Schnürpel, der – bei aller Bewunderung für die großen Meister wie Goya und allen voran Picasso – stets seinem eigenen Stil treu geblieben ist.

Ich habe Peter Schnürpel als freundlichen und zuvorkommenden Menschen kennengelernt. Er ist ein Mann mit vielen künstlerischen Erfahrungen, vielen kleinen Geschichten aus seinem scheinbar sehr bewegten Leben und einer Renitenz gegenüber dem Wort „lecker“. Seine Werke sind faszinierend und verstörend zugleich und ein Liebhaber der anatomischen Exaktheit der Kunst ist in einer Ausstellung des Altenburger Künstlers wahrlich fehl am Platz. Dennoch beeindrucken die leidenden und leidenschaftlichen Figuren. Es stellt sich die Frage: Wer ist er, …

… der Mann hinter der Kunst?

Peter Schnürpel ist ein Mann mit vielen künstlerischen Erfahrungen, vielen kleinen Geschichten und einer Renitenz gegenüber dem Wort „lecker“.
Peter Schnürpel ist ein Mann mit vielen künstlerischen Erfahrungen, vielen kleinen Geschichten und einer Renitenz gegenüber dem Wort „lecker“.

Schnürpel wurde 1941 in Leipzig geboren, erwarb dort das Abitur und schloss 1965 das Studium an der Hochschule für Graphik und Buchkunst mit seinem Diplom ab. Zu seinen Lehrmeistern zählen Karl Krug, Wolfgang Mattheuer und Bernhard Heisig. Schnürpel begann nach seinem Hochschulabschluss eine Lehrtätigkeit für künstlerische Praxis im Fachbereich Kunsterziehung an der Universität Leipzig und siedelte 1973, nach der Hochzeit mit Monika Wilk und der Geburt der gemeinsamen Tochter Katja, in das Thüringische Altenburg um, wo er eine Dozentenstelle am Studio Bildende Kunst des Lindenau-Museums annahm.

1978 folgte er dem Ruf nach Schneeberg und übernahm eine Lehrtätigkeit als Leiter des

Grundlagenstudiums an der dortigen Fachhochschule für Angewandte Kunst. 1990 wurde er schließlich zum Direktor selbiger Fachhochschule gewählt. Zwei Jahre später folgte die Berufung zum Professor und Peter Schnürpel übernahm das Amt des Gründungsdekans des Fachbereiches Angewandte Kunst Schneeberg der Hochschule für Technik und Wirtschaft Zwickau. 2006 wird er emeritiert und 2008 zum Vorsitzenden des Förderkreises „Freunde des Lindenau- Museums“ e.V. gewählt.

Peter Schnürpel erhielt für seine Werke viele Auszeichnungen. So war er unter anderem Preisträger der Ausstellung „100 ausgewählte Grafiken“ (1980 und 1982), erhielt den Kunstpreis des Deutschen Turn- und Sportbundes (1983) und wurde 2002 mit dem Kulturpreis der Stadt Altenburg geehrt. Seine Werke befinden sich in zahlreichen privaten und öffentlichen Sammlungen, unter anderem im Museum der bildenden Künste Leipzig, im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg sowie in den Kupferstichkabinetten Dresden und Berlin.

Die Ausstellung im Museum Burg Posterstein

Die Sonderausstellung ist nicht wie üblich auf die Räume der Galerie beschränkt - einige der Werke haben einen gesonderten Platz in den Räumen der ständigen Ausstellung des Museums gefunden.
Die Sonderausstellung ist nicht wie üblich auf die Räume der Galerie beschränkt – einige der Werke haben einen gesonderten Platz in den Räumen der ständigen Ausstellung des Museums gefunden.

 

Nach eigener Aussage versteht sich Prof. Schnürpel primär als Zeichner, ist aber gleichwohl in den verschiedensten Techniken der Kunst zu Hause. Ob Graphik, Radierung, Lithographie oder Siebdruck, seinem Stil bleibt Schnürpel unbeirrt treu. Auch der Umgang mit der Farbe, in den Anfängen seiner Werke hochpräsent, später im Schatten der Grafik stehend, zeigt sich in den jüngeren Werken in völlig neuer Kreation, der Übermalung.

Für die Ausstellung im Museum Burg Posterstein entschied sich Schnürpel, sein umfangreiches Werk der Druckgrafiken aufleben zu lassen. Doch mag seine künstlerische Weise auch noch so expressiv erscheinen, reizte ihn am Druck nicht allein die Radierung, welche durchaus als herausragende Technik der Expressionisten angesehen werden kann. Schnürpel zeichnet vor allem die Vielfalt und das Zusammenspiel der verschiedenen Arten aus, die Druckerplatte zu bearbeiten. Vernis-mou, Aquatinta, Pinselätzung, Kaltnadelradierung, Chine collée oder Reservage, sie alle harmonieren in den ausdrucksstarken Werken des Altenburger Künstlers.

Läufer, Sieger und Black Dancers

Die Ausstellung erscheint wie eine Zeitreise und zeigt sowohl frühe Werke, wie „Sieger“ und „Für Rodin II“ aus dem Jahr 1978, als Schnürpel – wie er selbst meinte – den Druck neu für sich wiederentdeckte, als auch seine jüngsten Arbeiten aus der Reihe der „Burleske“ von 2014. Die berühmten „Läufer“, den sportlich-dynamischen Athleten nachempfunden, die „Träger“, Stürzende, Fallende sowie die Abbilder des Tanzes, der Leidenschaft, der Liebe, der Gewalt und des Todes, die „Black-Dancers“, sind zu betrachten.

Zwei Experten in der Sonderausstellung.
Zwei Experten in der Sonderausstellung.

Ebenso beeindruckend erscheinen die Übermalungen, die Peter Schnürpel seinen eigenen Drucken zugefügt hat. So zum Beispiel in den verschiedenen „Watteau-Variationen“, die zum Teil sogar einen Einblick in die verschiedenen Stadien der Bildgestaltung erlauben. Einzelne Schritte der Arbeit können parallel zum zusammengefügten Gesamtwerk bewundert und nachvollzogen werden.

Hinzu kommt eine weitere Besonderheit. Die Sonderausstellung ist nicht wie üblich auf die Räume der Galerie beschränkt. Einige der Werke haben einen gesonderten Platz in den Räumen der ständigen Ausstellung des Museums gefunden. Ihnen zur Seite stellte der Künstler kleine Beschreibungen der verschiedenen Drucktechniken. Somit kann der Besucher am expliziten Beispiel die Merkmale der verschiedenen Verfahren nachvollziehen.

Die Radierwerkstatt Rössler

Die Druckerwerkstatt im sächsischen Hohenossig ist die „Kunstgeburtsklinik“ von Schnürpels Werken (Bild: Künstlerhaus Hohenossig).
Die Druckerwerkstatt im sächsischen Hohenossig ist die „Kunstgeburtsklinik“ von Schnürpels Werken (Bild: Künstlerhaus Hohenossig).

Auch der Name der Ausstellung ist nicht beliebig gewählt. Seit 1989 unterhält Peter Schnürpel eine sehr fruchtbare Arbeitsbeziehung mit dem Druckerehepaar Jeanette und Reinhard Rössler. Diese betreiben eine Druckerwerkstatt im sächsischen Hohenossig, die der Künstler regelmäßig aufsucht. In dieser „Kunstgeburtsklinik“ herrscht eine freundschaftliche Atmosphäre der Zusammenarbeit und gemeinsamer Rituale, die sich in den letzten 20 Jahren entwickelt haben. Hier arbeiten Künstler und Drucker Hand in Hand, die Dynamik des Menschen auf Platte bzw. auf Papier zu bannen und ihr angemessenen Ausdruck zu verleihen.

Geburtsklinik der Kunst

Aus Anlass dieser gemeinsamen künstlerischen Tätigkeit veranstaltete das Museum Burg Posterstein am 1. Juni 2014 im Zuge der Sonderausstellung „Peter Schnürpel – Radierwerkstatt“ ein Werkstattgespräch zwischen dem Altenburger Künstler und seinem Drucker. Die gut gefüllte Zusammenkunft war – wie die gemeinsame Arbeit zwischen Schnürpel und Rössler – kreativ, heiter und von beeindruckenden Einblicken in das künstlerische Schaffen geprägt.

Begleitend zur Ausstellung ist ein Booklet entstanden
Begleitend zur Ausstellung ist ein Booklet entstanden

Die Ergebnisse dieses Zusammenwirkens können noch bis 27. Juli 2014 im Museum Burg Posterstein bewundert werden. Begleitend zur Ausstellung ist ein Booklet entstanden, welches für zwei Euro an der Museumskasse erworben werden kann. Zudem besteht die Möglichkeit, Werke des Künstlers zu erstehen, die dem Käufer nach Ende der Ausstellung übergeben werden.

 

Zum Weiterlesen:

Gleisberg, Dr. Dieter (Hrsg.): Läufer Träger Dancers. Peter Schnürpel zum 20. Februar 2011, Göpfersdorfer Kunstblätter 4, Altenburg 2011.

Künstlerhauses Hohenossig

 

Von Franziska Engemann / Museum Burg Posterstein

Russische Glaseier, Straußenei und „Steh-auf-Häschen“: Osterfundstücke aus der Sammlung

Zum Osterfest zeigt das Museum Burg Posterstein österliche Fundstücke, die über die Jahre hinweg den Weg in die Sammlung gefunden haben. Einige stammen aus vergangenen Sonderausstellungen und wurden von regionalen Künstlern gestaltet. Andere sind Jahrzehnte alt und stammen aus fernen Ländern. Unsere neue Mitarbeiterin, die Historikerin Franziska Engemann, begleitete den Aufbau der kleinen Osterausstellung und gibt hier im Blog erste Einblicke:

Das höchste Fest der Christenheit

Eine kleine Osterausstellung auf Burg Posterstein gibt Einblicke in österliche Bräuche im Wandel der Zeit.
Eine kleine Osterausstellung auf Burg Posterstein gibt Einblicke in österliche Bräuche im Wandel der Zeit.

Das höchste Fest der Christenheit steht vor der Tür und überraschender Weise handelt es sich dabei nicht um Weihnachten. Es ist tatsächlich Ostern.

Wie das jüdische Pessach-Fest wird der Ostertermin über den Mondkalender bestimmt. So findet es jedes Jahr am ersten Sonntag nach dem Frühlingsvollmond statt und ist somit ein „bewegliches“ Fest. In der vierzig Tage andauernden vorösterlichen Fastenzeit – der sogenannten Quadragesima – werden in vielen Kirchen als Symbol der Trauer sowohl die Fenster als auch der Altar mit dunklen Tüchern verhängt. Mit dem Ostersonntag, dem der Tag der Auferstehung Christi, beginnt die „österliche Freudenzeit“, welche fünfzig Tage (einschließlich Pfingsten) andauert.

Was war zuerst da: Hase oder Osterei?

Ei und Hase blicken beide auf eine lange, traditionsreiche Geschichte zurück
Ei und Hase blicken beide auf eine lange, traditionsreiche Geschichte zurück

Die bekanntesten Symbole für das Osterfest sind das Ei und der Hase. Beide blicken auf eine lange, traditionsreiche Geschichte zurück. Doch was war zuerst da: Hase oder Osterei?
Wie auch in anderen, vorchristlichen Religionen steht das Ei im Christentum als Symbol für Geburt und Auferstehung, nämlich die Geburt und Auferstehung Christi. Es ist ein Zeichen des neuen Lebens und wird oft in Verbindung mit dem Frühling gestellt. Der Brauch, Eier nach der Farbe der Sonne rot zu färben, ist schon aus vorchristlicher Zeit bekannt. Und auch bei den Römern war es wohl schon Brauch, sich gegenseitig bunte Eier zu schenken.

Gegen Ende des 17. Jahrhunderts lässt sich schließlich auch der „Osterhase“ im Raum Oberdeutschland, Westfalen und Elsass nachweisen und verdrängte seit dem 19. Jahrhundert das Osterlamm von seinem Spitzenplatz unter den beliebtesten Tieren dieser Jahreszeit. In der christlichen Ikonographie spielt der langohrige Geselle jedoch eine wechselhafte Rolle. Zum einen stand er als Fruchtbarkeitssymbol als Synonym für Laster und Unkeuschheit (luxuria). Zum anderen galt er auf Altären (drei Hasen) als Zeichen der Dreifaltigkeit oder in Jagdszenen als Symbol für die vom Teufel (Jäger) verfolgte Seele. Heute sehen wir den kleinen Gesellen am liebsten in Schokoladenform und seinen Freund, das Osterlamm, wohl als Braten auf dem Osterteller.

Osterspielzeug aus Großmutters Zeiten

Ein Lieblingsstück: Nils Holgersson auf dem Weg zur Burg Posterstein
Ein Lieblingsstück: Nils Holgersson auf dem Weg zur Burg Posterstein

Ich habe mich immer gefragt, wie meine Eltern und Großeltern ihre Ostertage verbrachten, als sie noch Kinder waren. Nun ist in einer Vitrine im Eingangsbereich des Museums genau jenes Spielzeug zu finden, das kleine Herzen noch heute höher schlagen lässt: Ein kuscheliger Stoffhase krönt die Fundstücke und reiht sich neben einem „Steh-auf-Häschen“ im Anzug und zwei schönen Füllhasen in die Sammlung der Kuriositäten ein. Auch eine alte Karte mit dem Poststempel 1935 ist darunter und zeigt, dass schon damals große Feiertage zum Nachholen von Geburtstagsgrüßen genutzt wurden. So fragt die Verfasserin Elsbeth ihre Freundin: „Liebe Monika, ich glaube, Du hast jetzt irgendwann Geburtstag??“ (Sicher für viele ein bekanntes Problem, wenn die Geburtstagskalender der medialen Plattformen mal nicht erreichbar sind.)

Ostereier aus Holz, Glas, Keramik

Glaseier aus der Zeit um 1900 im Museum Burg Posterstein
Glaseier aus der Zeit um 1900 im Museum Burg Posterstein

Aus der Zeit um 1900 stammen zwei Glaseier. Auf der einen Seite findet sich der russische Doppeladler mit Krone, auf der anderen ist das Monogramm des letzten russischen Zaren, Nikolaus II., eingraviert. Jener Zar war es auch, der in seiner Regierungszeit um die 40 Stück der berühmten Fabergé-Eier hat herstellen lassen. Ebenfalls aus Russland stammen sechs fein bemalte Holzeier, die 1995/96 in der Werkstatt der Künstlerin Wassa Rosin-Bergmann entstanden. Sie zeigen Winter- und Frühlingsszenen aus deren Heimat.

Über die neu erworbene Sammlung Fink-Heinrich (hauptsächlich Weihnachtskrippen) hat auch ein bemaltes Straußenei seinen Weg ins Museum gefunden. Zu sehen sind darauf Krieger, die eine Antilope jagen.

„Ein kluger Mensch macht nicht alle Fehler selbst…“

Burg Posterstein als Osterschmuck
Burg Posterstein als Osterschmuck

Eines der, meiner Meinung nach, schönsten Stücke aus der Ostthüringer Region ist ein Keramik-Ei mit passendem Teller, gestaltet von dem Künstlerehepaar Schliebner. Darauf besuchen Nils Holgersson und seine Freunde, die Wildgänse, die Burg Posterstein. Ein anderes Ei zitiert Goethes berühmten „Osterspaziergang“ und auf einem weiteren Osterei steht der kluge Spruch: „Ein kluger Mensch macht nicht alle Fehler selbst – sondern läßt auch anderen eine Chance.“

Die Sammlungsstücke sind bis 27. April im Museum zu sehen.

Wie früher Ostern gefeiert wurde, kann man in unserem Blogpost über mittelalterliche Osterbräuche nachlesen.

Von Franziska Engemann / Museum Burg Posterstein

Tief eintauchen in die Regionalgeschichte: Napoleon und die Völkerschlacht bei Leipzig

Napoleon im Zerrspiegel zeitgenössischer Karikaturen: Präsentation eines besonderen Buchprojekts mit acht Autoren und Informationen aus noch ungesichteten Quellen – Ein Beitrag zur Blogparade “Kultur erleben – #KulturEr” von Tanja Praske

Karikatur "Triump des Jahes 1813 - Den deutschen zum neuen Jahr" (Museum Burg Posterstein)
Karikatur “Triump des Jahes 1813 – Den deutschen zum neuen Jahr” (Museum Burg Posterstein

Im Oktober 2013, ja fast während des gesamten Jahres 2013, wurde in zahlreichen Orten Mitteldeutschlands der Völkerschlacht gedacht. An jenen vier Tagen vor zweihundert Jahren entschied sich vor den Toren Leipzigs in der bisher größten Schlacht der Menschheitsgeschichte das Schicksal des Kontinents. Napoleons Truppen, nach dem verheerenden Russlandfeldzug wieder erstarkt, trafen auf eine Kriegskoalition aus Preußen, Österreich, England und Schweden. 600.000 Soldaten aus über einem Dutzend Nationen prallten in diesen dramatischen Oktobertagen in einer Serie erbitterter Schlachten aufeinander. Die Bilanz des Grauens: fast 100.000 tote Soldaten und ungezählte zivile Opfer.

Ein Meilenstein in der diesjährigen Museumsarbeit und das Werk vieler Autoren

Das Museum Burg Posterstein, Mitglieder des Museumsvereins, der Geschichts- und Altertumsforschenden Gesellschaft des Osterlandes zu Altenburg sowie des Heimatvereines des Bornaer Landes und weitere Autoren beschäftigten sich schon seit knapp zwei Jahren mit der Planung und Vorbereitung eines gemeinsamen Projekts zur Völkerschlacht. Für das Museum war das insofern eine Besonderheit, dass es eine Zusammenarbeit dieser verschiedenen Akteure bisher noch nicht gegeben hatte. Die Fertigstellung eines so umfangreichen Forschungsprojekts wie dem Buch “Napoleon im Zerrspiegel zeitgenössischer Karikaturen” stellt für uns einen Meilenstein der diesjährigen Museumsarbeit dar.

Buchpräsentation mit vielen Gästen

Zur Buchpräsentation am 13. Oktober kamen rund 50 interessierte Besucher, die an diesem Nachmittag die Möglichkeit bekamen, tief in die regionale Geschichte einzutauchen. Der TV-Journalist Gunter Auer erstellte dazu einen gelungenen Bericht:


Ein kurzer Blick ins Buch: Von den Napoleon-Karikaturen bis zum Tatarengrab von Kleinbeucha

"Napoleon - im Zerrspiegel zeitgenössischer Karikaturen" - das Werk von acht Autoren
“Napoleon – im Zerrspiegel zeitgenössischer Karikaturen” – das Werk von acht Autoren

Die Völkerschlacht bei Leipzig bildete den Wendepunkt in der Auseinandersetzung mit Napoleon und leitete dessen Fall, der schon in Russland begonnen hatte, in der letzten Konsequenz ein. Die öffentliche Haltung gegen Napoleon spiegelt sich nicht zuletzt in Karikaturen wider, die in der Zeit unmittelbar nach der Niederlage entstanden und mittels Reproduktionsgraphik verbreitet wurden. Ein tragendes Element des Buches “Napoleon im Zerrspiegel zeitgenössischer Karikaturen – 200 Jahre Völkerschlacht” bilden 45 Karikaturen aus der Sammlung der Universitäts- und Forschungsbibliothek Erfurt/Gotha, die den zeitgenössischen, spöttischen Blick auf die Ereignisse um Leipzig widerspiegeln. Verschiedene Autoren geben darüber hinaus Einblicke in die Ereignisse des Jahres 1813.

Klaus Hofmann (Museum Burg Posterstein) wertet in seinem Beitrag “Chronologie der Ereignisse in der Region um Altenburg zitiert aus den Akten des Kriegsarchivs in Wien – Korrespondenz der Militärs mit dem Österreichischen Hauptquartier” umfangreiche Militärkorrespondenzen, die im Wiener Kriegsarchiv lagern, aus. Auf die Rolle der Herzogin Anna Dorothea von Kurland und ihrer Töchter geht Sabine Hofmann (Museumsverein Burg Posterstein e.V.) in dem Kapitel “Drey Tage hat man sich geschlagen. Das Blut ist auf beiden Seiten geflossen. – Die Kurländerinnen in Kriegszeiten” ein. Gustav Wolf (Geschichts- und Altertumsforschenden Gesellschaft des Osterlandes zu Altenburg) fasst in dem Kapitel “Noch am Abende dieses Tages traf der Kaiser von Rußland ein und stieg auf dem herzoglichen Schlosse ab. – Truppendurchzüge durch Altenburg 1813 im Spiegel der Aufzeichnungen von Friedrich Wagner” die Situation in und um die Stadt Altenburg zusammen, seine Hauptquelle dafür sind die detaillierten Aufzeichnungen des Altenburger Regierungs- und Finanzrat Friedrich Wagner (1792-1859) (mehr zum Thema). Um den Einfluss des Verlegers Friedrich Arnold Brockhaus drehen sich die Kapitel “Die Deutschen Blätter von Friedrich Arnold Brockhaus” (Klaus Hofmann) und “Brockhaus und seine Altenburger Zeit” (Gustav Wolf) – Mehr zum Thema. Der Regionalforscher Andreas Klöppel steuerte das Kapitel “Die Gedenktafel von Gardschütz – Ereignisse im Altenburger Land im Vorfeld der Völkerschlacht” bei. Manfred Zinecker stellt “Das „1. Thüringer Bataillon“” vor und Helmut Hentschel das “Das Tatarengrab von Kleinbeucha”. Eine Zeitleiste von Dr. Hans-Jürgen Ketzer (Leiter des Volkskundemuseums Wyhra) stellt im Anhang “1813 – Ereignisse und Entwicklungen” dar.

Präsenation des Buches im Veranstaltungskeller des Museums am 13. Oktober 2013
Präsenation des Buches im Veranstaltungskeller des Museums am 13. Oktober 2013

Aber auch Napoleon steht im Zentrum des Interesses: Dr. Hans-Jürgen Ketzer beleuchtet in seinem Beitrag “Sein beispielloses Emporsteigen und das Überwiegen seiner herkulischen Macht genügte ihm noch nicht. – Napoleon im Urteil zeitgenössischer Bewohner des Bornaer Landes” den Feldherren aus Bornaer Sicht. Die Historikerin Franziska Engemann geht in dem Kapitel “Der andere Kampf gegen Napoleon – Die deutsche politische Karikatur in der Zeit der Befreiungskriege” auf die Darstellung von Napoleon in zeitgenössischen Kulturen ein. Im Kapitel “Der Herzoglichen Bibliothek zu Gotha zum Geschenk gemacht von Frau Präsident Freytag. – Napoleon-Karikaturen in der Forschungsbibliothek Erfurt/Gotha” beschreibt sie die Karikaturen aus der Sammlung der Universitäts- und Forschungsbibliothek Erfurt/Gotha, die eine wichtige Grundlage der Ausstellung und des Buchs bilden.

Napoleon – im Zerrspiegel zeitgenössischer Karikaturen – 200 Jahre Völkerschlacht bei Leipzig
Museum Burg Posterstein, 2013
ISBN 978-3-86104-098-9, 212 Seiten, 24 Euro

Das Buch ist erhältlich im Museum sowie über E-Mail info@burg-posterstein.de. Ohne die finanzielle Hilfe des Thüringer Ministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur, der Bürgerstiftung Altenburger Land, des Landkreises Altenburger Land und des Fördervereins des Museums wäre das Projekt nicht zu realisieren gewesen.

Ausstellung “200 Jahre Völkerschlacht” läuft noch bis 17. November

Besucher bei der Eröffnung der Ausstellung "Napoleon - im Zerrspiegel zeitgenössischer Karikaturen" im Museum Burg Posterstein
Besucher bei der Eröffnung der Ausstellung “Napoleon – im Zerrspiegel zeitgenössischer Karikaturen” im Museum Burg Posterstein

Die gleichnamige Ausstellung “Drey Tage hat man sich geschlagen. Das Blut ist von beyden Seiten geflossen. Napoleon, im Zerrspiegel zeitgenössischer Karikaturen – 200 Jahre Völkerschlacht” läuft noch bis 17. November 2013 im Museum Burg Posterstein.


(Von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein)

Weitere Artikel zum Thema:

“Ein wichtiges strategisches Zentrum – Altenburg während der Völkerschlacht” (Blogartikel)

“Der Brockhaus wird eingestellt – und was das mit der Ausstellung “200 Jahre Völkerschlacht” im Museum Burg Posterstein zu tun hat” (Blogartikel)

Bericht ” Archivschätze in Posterstein ausgegraben” über die Sonderausstellung von Katja Schmidtke am 12.10.2013 in der Ostthüringer Zeitung

Die Blogparade #KulturEr:

Dieser Artikel ist ein Beitrag zur Blogparade “Kultur erleben” #KulturEr von Tanja Praske, an der sowohl Museen als auch Privatpersonen mit vielen spannenden Beiträgen teilgenommen haben. Für das Museum Burg Posterstein ist die Fertigstellung eines so umfangreichen Forschungsprojekts wie dem Buch “Napoleon im Zerrspiegel zeitgenössischer Karikaturen” ein Meilenstein der diesjährigen Museumsarbeit. Wir danken allen Mitwirkenden, Förderern, Besuchern und Lesern.