Einladung zur Blogparade “#SalonEuropa – Europa ist für mich…”

English summary Was ist Europa für Dich? Verzichtbar, unabdingbar, eine große Liebe oder von allem ein bisschen? Wir vom Museum Burg Posterstein laden Dich zur  Blogparade “#SalonEuropa – Europa ist für mich …” (Laufzeit: Von 23. September bis 23. Oktober 2018) ein. Ein Nachdenken über Europa ist gerade jetzt wichtiger denn je. Europa ist in Bedrängnis und in Veränderung. Wo liegen die Chancen, wo die Risiken? Wie wirkt sich Europa auf unsere Gesellschaft und Kultur aus?

Die Blogparade #SalonEuropa verbindet digital und analog

In den Salons der Aufklärungszeit diskutierte man Kultur, Philosophie, Kunst, Politik und gesellschaftliche Fragen. Wir greifen diese Themenvielfalt auf und übertragen das Format „Salon“ ins Heute – online und vor Ort im Museum. Das Museum Burg Posterstein forscht seit vielen Jahren zum Salon der Herzogin Anna Dorothea von Kurland (1761–1821). In einer Zeit, in der die napoleonischen Kriege Europa erschütterten, brachte die kluge und schöne Salonnière Menschen aus ganz Europa zusammen.

Napoleon Bonaparte soll einmal sinngemäß zu Anna Dorothea von Kurland gesagt haben:

Die Herzogin von Kurland kam 1786 gemeinsam mit ihrem Mann nach Sanssouci und reiste dann weiter nach Italien.
Anna Dorothea von Kurland, Gemälde nach Angelika Kauffmann, Museum Burg Posterstein

„Du bist in Russland geboren, lebst in Deutschland, und jetzt machst du dich Französisch. Sie wollen ein bisschen von allem!“

Ihre Antwort darauf:

„Sire, meine Heimat ist Kurland, aber ich habe das Glück, niemandem zu gehören!“

 

 

(Aus: Gustav Parthey: Jugenderinnerungen, Berlin 1907, Band II, S. 429.)

Die Ausstellung „#SalonEuropa vor Ort und digital“ nimmt ihren Ausgangspunkt in dieser historischen Salonkultur und fängt Stimmen aus dem Jetzt ein. Die Blogparade begleitet und gestaltet das Ausstellungsprojekt mit. Die eingereichten Beiträge lesen die Besucher vor Ort und im Netz. #SalonEuropa ist für uns ein Experiment mit ungewissem Ausgang.

Europa beginnt an den politischen Grenzen des Kontinents und endet bei jedem von uns zu Hause. Was steht dabei für uns auf dem Spiel? Wir wollen von Dir wissen: Was bedeutet Europa für Dich?

Themenvorschläge zur Blogparade #SalonEuropa

Der Hashtag #SalonEuropa steht für Dialog, Kultur, Leben, Reisen, Politik, Unterschiede, Gegensätze, Ideen und Visionen in Europa. Uns geht es um den Austausch mit Dir über Europa. Folgende Fragen könntest Du beantworten:

  • Was bedeuten mir Europa, seine Länder und Menschen?
  • Wie bin ich mit Europa in Kontakt gekommen? Über Urlaub, Kultur (Kunst, Film, Theater, Literatur, Esskultur), Wirtschaft, Politik, Bildung? Was löste das bei mir aus?
  • Worüber müssen wir in Europa unbedingt miteinander reden?
  • Wie können wir in Europa gemeinsam dringende gesellschaftliche Herausforderungen – wie Klimawandel, soziale Ungerechtigkeit und Asylpolitik – in Angriff nehmen?
  • Wo liegen die Wurzeln Europas und was ist davon heute noch übrig geblieben?
  • Welche Rolle spielen die Kunst und Kultur für Europa?
  • Was unterscheidet Europa vom Rest der Welt?
  • Wie kann in Europa Austausch und Vernetzung stattfinden und warum ist das wichtig?

Anregungen zum Schreiben und erste eingegangene Gedanken zu Europa findest Du auf unserer Projekt-Website. Du bist frei in Deiner Themenwahl!

Wer keinen eigenen Blog hat, darf seinen Beitrag gern hier im Blog des Museums veröffentlichen. Dazu schreibst Du uns einfach eine Mail an saloneuropa@burg-posterstein.de.

Wer kann bei unserer Blogparade mitmachen?

ALLE. Wir laden Blogger aller Couleur und Richtungen zur Blogparade ein! Auch Forschungsprojekte und Ausstellungen zum Thema sind willkommen. Wir wünschen uns vielfältige Tipps, Sichtweisen und Austausch untereinander zum Thema Europa.

Das Museum Burg Posterstein möchte wissen: Was bedeutet Europa für Sie?

Ablauf der Blogparade #SalonEuropa

Was Du tun kannst, um Deine Teilnahme an #SalonEuropa nachhaltig zu gestalten, erfährst Du in: „10 Tipps für die erfolgreiche Teilnahme an einer Blogparade“. Ziel ist es, sich zu vernetzen, auszutauschen und gemeinsam eine Idee voranzubringen.

Staffellauf der Kultur-Blogparaden zum europäischen Kulturerbejahr 2018 

Zum europäischen Kulturerbejahr 2018 gehen wir neue Wege: Europa eint uns. Gemeinsam mit zwei weiteren Kulturhäusern beleuchten wir Europa aus verschiedenen Perspektiven. Wir beschließen den einmaligen Dreiklang der Kultur-Blogparaden. Dieser begann mit #SchlossGenuss der Schlösser und Gärten Deutschland (56 Beiträge), setzte sich mit #DHMMeer des Deutschen Historischen Museums Berlin (112 Beiträge) fort und endet nun mit unserer Blogparade #SalonEuropa – viel Denkstoff für uns alle!

Jetzt gilt’s: Was bedeutet Dir Europa? Wie würdest Du Europa gestalten, wenn Du die Chance dazu hättest? Hau in die Tasten – wir freuen uns auf Deine Gedanken zum #SalonEuropa!

* Die Blogparade findet in Kooperation mit Tanja Praske von KULTUR-MUSEUM-TALK statt.

 

Was ist eine Blogparade?

Eine Blogparade ist eine zeitlich befristete Blog-Aktion. Ein Blogbetreiber gibt in einem Blogartikel ein Thema vor, zu dem andere Blogger und Interessierte einen Artikel schreiben können. Sie verlinken ihren Beitrag mit der Einladung des Initiators. Dieser sammelt, verlinkt und bewirbt die Eingänge im Social Web. Ziel ist es, ein Thema aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten, sich zu vernetzen und einen Mehrwert für die Leser zu schaffen. Die Blogparade #SalonEuropa läuft vom 23. September bis 23. Oktober.

Eure Blogposts:

    1. Klaus Graf von Archivalia: Europa ist für mich kein Ersatz für Weltbürgertum // @Archivalia_kg (23.9.2018)
    2. mikelbower: Elysium hauchte Europa // @mikelbower (23.9.2018)
    3. Christiane Nienhold von Christianes Landkultur: Morning Glory // @landkultur (24.9.2018)
    4. Anke von Heyl aka Kulturtussi: Mein Bild für Europa. Oder warum ich die architektonische Nachkriegsmoderne so schätze! // @kulturtussi (24.9.2018)
    5. Unterwegs im Hinterland: Blogparade „#SalonEuropa – Europa ist für mich…“ // @chillerunterwegs (24.9.2018)
    6. Naturgebloggt: #SalonEuropa und was Europa für mich bedeutet // @ThomasEngst (25.9.2018)
    7. Europeana Blog: ‘All of Europe is my country’ and other stories from Europeana Migration // @europeanaeu (25.9.2018)
    8. Europeana @ Medium.com: How sharing Europe’s cultural heritage online impacts on, well, everything. // @Europeana (25.9.2018)
    9. (Gastbeitrag) Barbara Fischer: Denk ich an Europa in der Nacht // @fischerdata (26.9.2018)
    10. Reinhard Laube, Blog der Klassikstiftung Weimar: Weimars Europa // @klassikstiftung (28.9.2018)
    11. Dr. Alexandra Hildebrandt: Europäische Lebenskünstler: Warum ihre Ernte so wertvoll ist // @AHildebrandt70 (29.9.2018)
    12. Dr. Alexandra Hildebrandt: Warum gutes Benehmen wieder salonfähig sein sollte // @AHildebrandt70 (30.9.2018)
    13. Bent Jensen, Archäologisches Museum Hamburg: Europa in Harburg // @ArchaeologieHH (1.10.2018)
    14. Dr. Alexandra Hildebrandt: Unsere Wurzeln: Warum wir zusammenhängende Stoffgeschichten brauchen // @AHildebrandt70 (1.10.2018)
    15. le monde de kitchi: Blogparade #SalonEuropa // @MondeKitchi (1.10.2018)
    16. Schlösser und Gärten Deutschland:Europa und die Schlösserwelt – Ein Beitrag zur Blogparade #SalonEuropa // @sgd_zu_tisch (2.10.2018) sowie auf Englisch
    17. Dr. Alexandra Hildebrandt: Revolution des Geistes: Warum das europäische Erbe der Romantik so aktuell ist  // @AHildebrandt70 (2.10.2018)
    18. MusErMeKu: Stolpersteine – Stumble Upon Memory in Europe // @musermeku (3.10.2018)
    19. Kulturkramkiste: Blogparade “#SalonEuropa – Europa ist für mich…” // @strigo73 (3.10.2018)
    20. Dr. Alexandra Hildebrandt: Der europäische Geist: Warum der Ehrbare Kaufmann hochaktuell ist // @AHildebrandt70 (3.10.2018)
    21. Wolfgang Stöcker:Ich kenne nur ein “Europa des Friedens” // Deutsches Staubarchiv (5.10.2018)
    22. Dr. Alexandra Hildebrandt: Treibsand der Geschichte: Was bleibt von uns?  // @AHildebrandt70 (5.10.2018)
    23.  mikelbower: Sternenwege nach Europa // @mikelbower (5.10.2018)
    24.  Christoph Pietrucha: Wir, ihr, sie . Polen und Europa  // (6.10.2018)
    25.  Wera Wecker  : It’s a beautiful day | U2 Live in concert // @kulturundkunst (6.10.2018)
    26. Dr. Alexandra Hildebrandt: Die Ordnung der Dinge: Über sammelnde Denker und denkende Sammler// @AHildebrandt70 (7.10.2018)
    27. Textile Geschichten: Schuhe aus im #SalonEuropa? // @Suschna (7.10.2018)
    28. Sturmpost: Europa, Dorf und weite Welt //  @sturmwarnung (7.10.2018)
    29. Landlebenblog: Prioritäten // @Odenwaelderin (7.10.2018)
    30. Ralf Grabuschnig: Europa und die Xenophobie: ein untrennbares Paar? // @RalfGrabuschnik (8.10.2018)
    31. Erdhaftig:#SALONEUROPA – DIE MISCHUNG MACHTS! // @erdhaftig (8.10.2018)
    32. Zeilenabstand: Architektur als Identitätsträger für Europa // @zeilenabstandN (8.10.2018)
    33. Jens Bemme: mein #SalonEuropa// @jeb_140  (8.10.2018)
    34. Ursula Ronnenberg: Europa – hier total normal// @URonnenberg (8.10.2018)
    35. Lindenau-Museum Altenburg: Die einzig revolutionäre Kraft – Die Kultur der 68er, die europäischen Krisen und die Kunst der Gegenwart // @LindenauMuseum (10.10.2018)
    36. Der Lehmofen: SEXUAL DIVERSITY IN EUROPE IS AN OLD HAT/ SEXUELLE VIELFALT IN EUROPA IST EIN ALTER HUT // @Runa_Phaino (gefunden: 10.10.2018)
    37. Landlebenblog: St. Die // @Odenwaelderin (11.10.2018)
    38. SOS_Fernweh: Blogparade “Salon Europa – Europa ist für mich…”// @pixelvoice3 (12.10.2018)
    39. Ichlebejetz: Die Flagge und meine Nationalität – Wer bin ich?// @IchlebeJetzt1 (12.10.2018)
    40. Dr. Alexandra Hildebrandt: Zukunft braucht Zufall: Warum wir offen für das Unberechenbare sein sollten// @AHildebrandt70 (12.10.2018)
    41. Kultur Geschichte(n) digital : Europa bedeutet für mich – meine eigene Geschichte // @anjakikahist (13.10.2018)
    42. GELD FINANZEN REICHTUM: Europa ist für mich …nicht die Europäische Union // @realpeterkovacs (14.10.2018)
    43. The Hike Tribe: Fernwanderwege in Europa – Eine Übersicht // @TheHikeTribe (15.10.2018)
    44. Dr. Alexandra Hildebrandt: Hommage an das Schreiben // @AHildebrandt70 (16.10.2018)
    45. Uldis Zariņš: Maybe the world – or at least Europe – has never been very big to begin with // @uzarins (16.10.2018)
    46. Vogtlandzauber: Das Vogtland – ein kulturhistorisches Idyll im Herzen Europas // @vogtlandzauber (16.10.2018)
    47. Europeana Blog: Looking for Europe through Fashion Plates//@europeanaeu (17.10.2018)
    48. K´s VienNature Culturegram: Burg Posterstein asks: “What does Europe mean to you?” // @karinsvad (17.10.2018)
    49. Berlinerin in Frankreich: Europa ist für mich meine Familie! // @Berlinerin-in-Frankreich (18.10.2018)
    50. Hiddentraces: 2018 – Mein europäisches Reisejahr // @hiddentraces (18.10.2018) sowie auf Englisch
    51. Burgdame: Internationale Heiratspolitik – Blogparade #SalonEuropa // @burgdame_de (18.10.2018)
    52. LeseZeichen Mannheim:Europa ist für uns ein großer Kulturraum, ein intensiv verflochtener kultureller Rahmen // @LeseZeichenMannheim (18.10.2018)
    53. TBerg: #SalonEuropa – Blogparade „Europa ist für mich …“ // @tberg_de (18.10.2018)
    54. Leggiero flautato: Kultur kennt keine Grenzen // @sufloese (20.10.2018)
    55. Reens Blog: Salon Europa – Europa ist für mich…. // @repiepke (20.10.2018)
    56. Elektromuseum Erfurt: Europa ist nicht allein nur Kulturraum, sondern Wirtschafts- und Lebensraum vieler Nationen // @ElektromuseumEF (20.10.2018)
    57. Mit Kind im Rucksack: #SalonEuropa – Europa ist für mich Freiheit // @inaaltoet (21.10.2018)
    58. Peter Soemers: Ich trage Eulen nach Europa! Digitale Transformation & #SalonEuropa //@psoemers (21.10.2018)
    59. Krosworldia: #SalonEuropa. Die zwei Gesichter des Eurozentrismus // @Kristin_Oswald (21.10.2018)
    60. Sabine Hofmann: Was hat die Gebietsreform in Thüringen mit Europa zu tun? // (22.10.2018)
    61. Der Friedrich: #SalonEuropa – Was Europa für mich bedeutet // @elfritzos (22.10.2018)
    62. Lindenau-Museum Altenburg: Ein Altenburger in Europa // @LindenauMuseum (22.10.2018)
    63. Hin-fahren: Unterwegs in Europa – Überall zu Hause // @hinfahren (23.10.2018)
    64. Provinzmutti: #SalonEuropa – Blogparade “Europa bedeutet für mich…” // @provinzmutti (23.10.2018)
    65. Deutsches Historisches Museum: Inside DHM: Europa, Venedig und das Meer // @DHMBerlin (23.10.2018)
    66. LiveLifeGreen: Ohne Europa kein Frieden und kein Klimaschutz // @livelifegreen_m (23.10.2018)
    67. Saxorum/Martin Munke: In der Grenzregion. (Mein) Europa zwischen Sachsen, Tschechien und Polen // @m_munke (23.10.2018)
    68. Claudia plaudert: Grenzgänge ohne Grenzen? Ja bitte! // @claudiaplaudert (23.10.2018)
    69. VARIA, CURIOSA ET MEMORABILIAvienna, london & beyond: “GESTORBEN ZU WIEN …” / “DIED IN VIENNA …” // @c_n_opitz (23.10.2018)
    70. Saxorum/Hélène Fuchs: Die Vergewaltigung Europas. Der Negativraum der europäischen Identität // (23.10.2018)
    71. Christine Büring: Europa bedeutet für mich bei mir zu sein und doch immer neue Leben zu leben // (23.10.2018)
    72. Gin des Lebens: Europa ist für uns eine bunte Reise voller Kontraste // @gin_des_lebens (23.10.2018)
    73. Hahn-Literatur: #SalonEuropa – Europa ist für mich … ein Auftrag // @hahn_txt_pr (23.10.2018)
    74. KUNST.mi.mol.een.utgeben: Europa und die Ideen von Humanismus und Liberalismus // @pookerman (Nachtrag, 24.10.2018)
    75. Lisa Begeisterung: Europa ist für mich ein Miteinander // @Begeisterung_Li (Nachtrag, 26.10.2018)

     

    Zusammenfassungen der Blogparade:

    1. Pressemitteilung Museum Burg Posterstein – Woche 1 Blogparade // @burgposterstein (28.9.2018)
    2. Zwischenbilanz von Tanja Praske, Kultur-Museum-Talk: Blogparade #SalonEuropa – Europa geht uns alle an! Salonkultur analog & digital // @tanjapraske (3.10.2018)
    3. Pressemitteilung Museum Burg Posterstein – Woche 2 Blogparade // @burgposterstein (5.10.2018)
    4. Pressemitteilung Museum Burg Posterstein – “Wir Europäer besitzen soziokulturelle Klebstoffe” (16.10.2018)

#Kinderburg: Wie haben Ritter Post verschickt?

Jule aus Buxtehude wollte von den Postersteiner Burggeistern Posti und Stein wissen: Wie haben Ritter Post verschickt? Hier kommt die Antwort!

Nachrichten zu verschicken war im Mittelalter ziemlich schwierig. Oft dauerte es sehr lange, bis Nachrichten überbracht werden konnten. Einen Brief einfach in den Briefkasten werfen ging leider nicht. Boten mussten geschriebene oder mündliche Nachrichten zu Fuß oder zu Pferde an den Empfänger überbringen.

Tatsächlich gab es solche Boten. Aber die musste man sich nicht nur selber suchen, sie waren im Vergleich zu heute auch recht langsam. Ein Fußbote konnte am Tag ungefähr 20 bis 30 Kilometer zurücklegen. Von Buxtehude aus würde er es an einem Tag also ungefähr bis Waltershof bei Hamburg schaffen. Bis in die Hamburger Innenstadt wäre er erst einen Tag später gekommen.

Ein berittener Bote war natürlich schneller. Er schaffte bis zu 60 Kilometer am Tag und wäre von Buxtehude aus bei gutem Wetter wohl bis Lüneburg gekommen.

Hatte er zwischenzeitlich die Möglichkeit das Pferd zu wechseln, konnte ein Bote zu Pferd sogar 100 Kilometer am Tag zurücklegen. Er wäre mit deinem Brief aus Buxtehude sogar bis in die Innenstadt von Bremen gekommen – zumindest, wenn er den Weg gut kannte.

Zu Pferd war man im Mittelalter über Land am schnellsten unterwegs. Die Zeichnung stammt aus dem Fechtbuch von Hans Talhoffer in den 1440er Jahren. Sie wird in der Forschungsbibliothek Gotha der Universität Erfurt aufbewahrt. (aus: Hans Talhofer: Fechtbuch, CC-BY-SA, Forschungsbibliothek Gotha der Universität Erfurt)
Zu Pferd war man im Mittelalter über Land am schnellsten unterwegs. Die Zeichnung stammt aus dem Fechtbuch von Hans Talhoffer in den 1440er Jahren. Sie wird in der Forschungsbibliothek Gotha der Universität Erfurt aufbewahrt. (aus: Hans Talhofer: Fechtbuch, CC-BY-SA, Forschungsbibliothek Gotha der Universität Erfurt)

Billig waren solche Boten allerdings nicht! Im Gegensatz zu heute mussten die Leute im Mittelalter nicht nur das Briefporto (also den Transport) zahlen, sondern auch für die Unterkunft und Übernachtungen der Boten, die Pferde und deren Pflege, Wegzoll und Fährbenutzungen aufkommen. Das konnte sich ein normaler Bürger oder Bauer kaum leisten.

Für die Herrscher war ein (relativ) schnelles Postwesen allerdings sehr wichtig. Politische Entscheidungen konnten von solchen Nachrichten abhängen. So leisteten sich vor allem die Könige und Kaiser eine eigene Mannschaft an Kurieren und auch der Papst in Rom verfügte über diese Möglichkeit. Wohlhabende Klöster nutzten Boten, um Kontakt mit anderen Klöstern ihres Ordens zu halten.

Mittelalterliche Straßen waren oft nur holprige Sandwege. Hier siehst du eine historische Ansicht von Burg Posterstein. Das Bild entstand aber nicht im Mittelalter, sondern erst später, nämlich im 18. Jahrhundert.
Mittelalterliche Straßen waren oft nur holprige Sandwege. Hier siehst du eine historische Ansicht von Burg Posterstein. Das Bild entstand aber nicht im Mittelalter, sondern erst später, nämlich im 18. Jahrhundert.

Trotz dieser professionellen Kuriere dauerte es recht lange, Nachrichten und Briefe zu übermitteln. Besonders, wenn diese Boten auf schlechtes Wetter oder unwegsame Straßen stießen. Denn Autobahnen gab es im Mittelalter natürlich noch nicht und die „Straßen“ waren oft holprige und schlecht ausgebaute Wege. Herrschte zudem noch Krieg im Land, konnte sich die Zustellung weiter verzögern. Als zum Beispiel Kaiser Friedrich I., den man auch „Barbarossa“ (Rotbart) nannte, im Jahr 1190 auf einem Feldzug in der heutigen Türkei in einem Fluss ertrank, erfuhr sein Sohn trotz der „Expresslieferung“ dieser Nachricht erst vier Monate später, dass sein Vater nicht mehr lebte.

Aber: Langsamer ging es trotzdem noch! Wer sich einen Boten nicht leisten konnte und dennoch einen Brief verschicken wollte, musste sich an Leute wenden, die sowieso auf Reisen waren und für wenig Geld den Brief mit in eine andere Stadt nahmen. Das waren meist Händler oder Pilger. Die wiederum hatten gar nicht die Absicht, sich zu beeilen und die Nachricht so schnell wie möglich zu ihrem Empfänger zu bringen. Sie nahmen die Post ja nur aus Freundlichkeit mit. So konnte es viele Wochen und Monate dauern, bis eine solche Nachricht an ihr eigentliches Ziel kam. Aber immerhin: irgendwann kam sie wohl an!

#CityMW: Tee im Salon – Die Altenburger Gesellschaft um 1810

Die Themen der internationalen Museumswoche #MuseumWeek wollen wir mit je einem Blogpost aufgreifen. Das Thema #CityMW nehmen wir zum Anlass, die Gesellschaft in der Stadt Altenburg um 1810 vorzustellen.

Altenburg im 19. Jahrhundert, kolorierte Lithografie, Museum Burg Posterstein
“Ein reges gesellschaftliches Leben” bescheinigte Brockhaus Altenburg im 19. Jahrhundert, kolorierte Lithografie, Museum Burg Posterstein

Altenburg zählte um 1810 rund 10.000 Einwohner. Die Gothaer Herzöge kamen zwar nur selten in die Stadt, es gab jedoch eine eigene Regierung für den Altenburger Landesteil. Nicht weit von Altenburg führte die Herzogin Anna Dorothea von Kurland (1761–1821) in den Sommermonaten ihren bekannten Salon, zu dem auch Altenburger Gäste geladen waren. Aber auch die Stadt Altenburg verfügte über ein reges gesellschaftliches Leben.

Im Hause von Hans Wilhelm von Thümmel fand im Altenburg des frühen 19. Jahrhunderts ein reger Teil des gesellschaftlichen Lebens statt.
Im Hause von Hans Wilhelm von Thümmel fand im Altenburg des frühen 19. Jahrhunderts ein reger Teil des gesellschaftlichen Lebens statt.

Seit Hans Wilhelm von Thümmel (1744-1824) im Jahr 1783 den Regierungsvorsitz erhielt, verbrachte er viel Zeit in Altenburg und heiratete 1785 die Tochter des verstorbenen Ministers Rothkirch und Trach. In seinem bis etwa 1792 errichteten Palais mit weitläufigem englischem Garten traf sich die gehobene Altenburger Gesellschaft zu Festen und “Theegesellschaften”.

Der Sohn des damaligen Kirchen- und Schulrats Dr. August Matthiä (1769–1835) berichtete beispielsweise: “Bei den Ministern von Trüzschler und von Thümmel war er [August Matthiä] oft zum Thee oder zum Eßen. Namentlich wurden in dem Thümmelschen Garten, diesem schönen Denkmal eines feinen und lebendigen Natursinns, die genußreichsten Abende verlebt.” (Biografie August Matthiä von seinem Sohne Konstantin. Quedlinburg 1845, S. 102)

Die junge Malerin Louise Seidler wohnte bei Thümmels in Altenburg

Vogel von Vogelstein - Louise Seidler in Rom

1817 wohnte die Malerin Louise Seidler (1786–1866) einige Monate in Thümmels Haus, um auf dessen Wunsch Thümmels hochbetagten Bruder Moritz August (1738–1817) zu porträtierten. In Ihren Lebenserinnerungen beschrieb sie ihren Besuch:

“Der Auftraggeber, Excellenz von Thümmel, der vormalige Minister, war ein schöner, origineller, geistreicher Mann” dessen “höchst geschmackvolle Besitzung lag auf einem kleinen Berge, rings um dieselbe zog sich ein weitläufiger Park, worin sich ein großer Fischteich befand. In diesem Parke sah man fünf oder sechs Schweizerhäuschen, an welche das Gerücht manches Liebesabenteuer des galanten Ministers knüpfte. Kein Wunder also, daß dessen Gemahlin (geb. von Rotkirch), als sie von der Einladung gehört hatte, welche mir zu Theil geworden war, erst genaue Erkundigungen über mich einzog. Da diese beruhigend ausfielen, wurde mir ein Atelier und Schlafzimmer dicht neben den Gemächern der Töchter des Hauses eingeräumt. […] Der Minister von Thümmel, immer noch eine sehr stattliche Erscheinung, war ein barocker Mensch; einmal ließ er auf dem Dache eines türkischen Kiosks, wo sich ein länglicher Altan befand, im Freien das Diner servieren, obwohl es im April eisig kalt war. Schnee und Hagel fiel auf die Tafel nieder, allein wir mußten ausharren. Das Abendteuerliche hatte eben für den Herrn des Hauses einen besonderen Reiz.” (Louise Seidler, Erinnerungen, S. 160ff.)

Der Dichter Moritz August von Thümmel auf einer Lithografie nach dem Gemälde von Louise Seidler, Museum Burg Posterstein
Der Dichter Moritz August von Thümmel auf einer Lithografie nach dem Gemälde von Louise Seidler, Museum Burg Posterstein

Das Verhältnis der Brüder Moritz August und Hans Wilhelm von Thümmel muss sehr eng gewesen sein. Sie hielten zeitlebens stets Kontakt und der berühmte Dichter Moritz August wohnte oft längere Zeit bei seinem Bruder in Altenburg. Eine 1819 von dem Coburger Minister und Kanzler Johann Ernst von Gruner (1757–1822) veröffentlichten Biografie des Dichters, zu der Hans Wilhelm von Thümmel auch Papiere und Briefe beisteuerte, beschreibt beispielsweise, dass Moritz August seinen Bruder als Korrekturleser seiner Werke zu Rate zog, ihm lange, vertrauliche Briefe schrieb und ihm zum Geburtstag blumige bis frivole Gedichte verfasste.

Während ihrer langen Sommeraufenthalte in Löbichau kam auch die Herzogin Anna Dorothea von Kurland öfter zu Thümmel nach Altenburg. Im Juli 1816 vermerkte sie beispielsweise in ihrem Tagebuch: „ich denierte zu Altenburg auch bey Thümels in ihren Garten”. Ein andermal (12. Mai 1817) schrieb sie: „Thümel kahm gleich zu mir in der Stadt Gotha [Hotel in Altenburg] wo wir logirten…“

Bei Thümmels sprach man Französisch

Seine Eindrücke aus dem Hause Thümmel schildert auch der spätere Schriftsteller und Historiker Friedrich Förster (1791–1868) in seinen Jugenderinnerungen. Eng befreundet mit Thümmels gleichaltrigem Sohn Alfred (1791-1828), ging der Bürgersohn bei Thümmels ein und aus und wurde sogar mehrmals mit an den Musenhof Löbichau genommen:

“In Thümmel’s Hause war ich gehöriger Maßen eingeschult worden; es wurde hier nur französisch gesprochen. Ein Emigrant, Marquis Cotlosquet, war Sprachlehrer und führte bei Tisch die Unterhaltung, an auswärtigen Gästen fehlte es nie; unter diesen nahmen die Erzählung des Bruders des Ministers, des berühmten Verfassers der Reisen in das südliche Frankreich, die Aufmerksamkeit in Anspruch. Der geistreiche Humorist nöthigte durch die Erzählung seiner, selbst in der leichtfertigen französischen Sprache oft an das Bedenkliche streifenden, frivolen Abenteuer die Damen, sich hinter ihre Fächer, die zwar das Gesicht, nicht aber das Gehör deckten, zu verstecken, bis Frau von Thümmel durch irgendeine Frage ernsteren Inhalts dem eher beau frère in die Rede fiel.”

“Altenburg ist ein Ort […] wo sich die Langeweile der ganz kleinen Städte nicht findet”

In einer Stadt dieser Größe war die gesellschaftliche Elite überschaubar und man traf in den verschiedenen bedeutenden Häusern der Stadt immer wieder aufeinander. Eines der Zentren dieses Kreises war das Haus des Kommerzienkomissars und Kammerrats Heinrich Reichenbach (1736–1806), der gleichzeitig Inhaber des Altenburger Zweigs des Leipziger Bankhauses Gebrüder Reichenbach war. Seine vier gebildeten Töchter erlangten als die “vier schönen Schwestern Reichenbach” eine gewisse Bekanntheit. Die glanzvollen Feste und Konzerte im Hause Reichenbach soll auch Herzog Emil August Leopold (1772–1822) gern besucht haben. Bei einem dort stattfindenden Maskenball soll er der Familie Reichenbach den Adelsbrief überreicht haben.

Henriette Reichenbach (1775–1857) heiratete den Hofrat, Mediziner und Verleger Dr. Johann Friedrich Pierer (1767-1832), Begründer des Piererschen Universallexikons, der in ihrem Elternhause ein und aus ging. Sie und ihre drei Schwestern verfügten über einiges schauspielerisches Talent und riefen in ihrem Elternhaus eine Liebhaberbühne ins Leben.

Altenburg - das umfangreiche Kartenwerk gab Hans Wilhelm von Thümmel in Auftrag
Altenburg – das umfangreiche Kartenwerk gab Hans Wilhelm von Thümmel in Auftrag

Ab 1785 gab es aber auch ein Komödienhaus in der Pauritzer Gasse, in dem fahrende Schauspielergruppen ihre Stücke aufführten. Wenn gerade nicht Theater gespielt wurde, konnte man die Bühne durch eine Hebevorrichtung in einen Tanzsaal umwandeln.

Altenburg verfügte über ein reiches gesellschaftliches Leben, was allein ein Blick auf die zahlreichen Gesellschaften und Vereine zeigt. Die Altenburger Freimaurerloge “Archimedes zu den drei Reißbrettern” existierte seit 1742. Bereits seit 1784 traf sich die oft als sehr lebhaft und lustig beschriebene Concertgesellschaft im Fleischerschen Garten jeden Sonnabend zu einem Konzert, inklusive Souper, Billard und Kegelbahn. Seit 1790 gab es die Literarische Gesellschaft, die vom Gothaischen Regierungsrat Johann Georg Geißler (1760–1830) und Hofrat Pierer gegründet wurde und ein Jahr später bereits 50 Mitglieder zählte. 1803 entstand die Pomologische Gesellschaft des Osterlandes, die sich mit dem Apfelanbau beschäftigte. Drei Jahre später wurde die Theegesellschaft der Geschichts- und Altertumsforschenden Gesellschaft gegründet und 1817 die Naturforschende Gesellschaft des Osterlandes. Ein Jahr später entstand der Kunst- und Handwerksverein, der 1822 eine erste Kunstausstellung organisierte.

Berühmte Gäste im Altenburger Kreis – von Clemens Brentano bis Friedrich Arnold Brockhaus

Friedrich Arnold Brockhaus gründete seinen bekannten Verlag in Altenburg.
Friedrich Arnold Brockhaus gründete seinen bekannten Verlag in Altenburg.

Der oben erwähnte Dr. Pierer wiederum gründete neben anderen Gesellschaften auch einen ärztlichen Kunstverein (1811) und die Sparkasse. Durch ihn fanden auch seine Stiefschwester, die in Altenburg geborene und damals in Weimar sehr umschwärmte Schriftstellerin Sophie Mereau, geborene Schubart (1770–1806), und ihr Verehrer und späterer Mann, der Dichter Clemens Wenzel Maria Brentano (1778–1842), ihren Weg in die Altenburger Gesellschaft. Auch der berühmte Dichter “Dichter der Freiheitskämpfe” Theodor Körner (1791–1813) und der Schriftsteller Jean Paul (1763–1825) hatten Verbindungen nach Altenburg.

Ebenfalls über den Kontakt zu Dr. Pierer wurde der bekannte Verleger Friedrich Arnold Brockhaus (1772–1823) für etwa fünf Jahre Teil des Altenburger gesellschaftlichen Lebens. 1811 verlegte er sein Kunst- und Industriekomptoir von Amsterdam nach Altenburg. 1814 gründete er hier seinen Verlag F.A. Brockhaus. In einem Brief von 1810 schwärmt er:

“Altenburg ist ein Ort […] wo sich die Langeweile der ganz kleinen Städte nicht findet und wirklich ein sehr angenehmer Ton herrscht. Es gibt höchst interessante Cirkel. […] Ueberhaupt ist das Land von allen Kriegsverheerungen beinahe ganz verschont geblieben und ist unter der sanften Gothaischen Regierung wol noch eins der glücklichsten Länder, die es in dem jetzigen Sturme aller Verwirrungen geben mag.”

Inmitten dieser recht offenen, bürgerlichen und adligen Gesellschaft entstand ab ungefähr 1810 das Skatspiel. Brockhaus schloss sich dem Kreise von begeisterten Kartenspielern der “Bromme’schen Tarokgesellschaft” in der Kesselgasse 26 an. Genau gegenüber wohnte Kammerrat Karl Friedrich Ernst Ludwig (1773–1846), ebenfalls ein begeisterter Spieler. Ludwig war in Gotha Privatsekretär von Hans Wilhelm von Thümmel gewesen und durch diese Verbindung anschließend in den Staatsdienst gelangt. In seinem Hause wohnten zwei weitere geistreiche Frauen, seine Gattin Rosine Wilhelmine und deren Schwester Jeanette von Zschock (1775–1833), welche Brockhaus später heiratete.

Der kleine Kreis wurde nicht ohne Ironie „Theegesellschaft“ genannt

An Brockhaus’ Verbindungen zur Altenburger Gesellschaft erinnerte sich Luise Förster (1794–1877), die Schwester Ernst und Friedrich Försters:

“… Brockhaus wurde der Mittelpunkt der gebildeten kleinen Welt in Altenburg. Zu seinem näheren Umgang gehörten: Hofrath Pierer, Professor Messerschmidt, Ludwig Brümmer, Hempel (Spiritus Asper), Bankier Reichenbach, Königsdörfer, Minister von Thümmel und dessen Bruder, der durch seine Schriften bekannte Moritz von Thümmel; auch der hochgeachtete Generalsuperintendent Hermann Demme, durch seine literarische Thätigkeit bekannt und gepriesen, stand dem geistesverwandten Brockhaus nicht fern. Der Umgang mit diesen Familien, wo das seichte Salonleben weder unter Männern noch Frauen sich einbürgern konnte, war für Brockhaus zusagend; er war für den geistigen Austausch in diesen Kreisen das belebende Element (…). Der erwähnte kleine Kreis, welcher sich in fast jeder Woche einmal vereinigte, wurde von den jenem Kreise Fernstehenden nicht ohne Ironie die “Theegesellschaft” genannt; vielleicht auch, weil in jener Zeit der Genuß des Thees, den nur die höhere Gesellschaft sich erlaubte, als ein ungewöhnlicher, aber ‘matter’ Luxus bezeichnet wurde.”

Noch ausführlichere Texte zur Altenburger Gesellschaft gibt es in unserer Publikation:
Im Dienste der Ernestiner: Hans Wilhelm von Thümmels Aufstieg vom Pagen zum Minister
Museum Burg Posterstein, 2016 (168 Seiten, farbig, ISBN 978-3-86104-136-8, 20.00 Euro, Bestellung per Mail)

Weitere Beiträge zur #MuseumWeek 2018:
#WomenMW: Die Dame, die unter dem Pseudonym „Ernst Ritter“ schrieb

#Kinderburg: Hatten Prinzen auch Schlittschuhe?

Schaatsenrijders, Adriaen Pietersz. van de Venne, 1625, Rijksmuseum, Public Domain: https://www.rijksmuseum.nl/nl/collectie/SK-A-1768

Kilian hat die Postersteiner Burggeister Posti und Stein gefragt: Hatten Prinzen auch Schlittschuhe? Diese Frage passt wunderbar zur Jahreszeit und den Weihnachtsferien. Hier kommt die Antwort von Posti und Stein:

"Auf dem Eise" aus der Mappe "Aus Schleswig-Holstein", Wilhelm Dreesen, Fotografie, um 1900, Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, Public Domain, http://sammlungonline.mkg-hamburg.de/de/object/"Auf-dem-Eise"-aus-der-Mappe-"Aus-Schleswig-Holstein"/P1986.21/mkg-e00135044
“Auf dem Eise” aus der Mappe “Aus Schleswig-Holstein”, Wilhelm Dreesen, Fotografie, um 1900, Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, Public Domain, http://sammlungonline.mkg-hamburg.de/de/object/”Auf-dem-Eise”-aus-der-Mappe-“Aus-Schleswig-Holstein”/P1986.21/mkg-e00135044

Tatsächlich hatten Prinzen Schlittschuhe! Ganz genau weiß man nicht, wann die Menschen auf die Idee kamen, sich etwas unter die Schuhe zu schnallen, mit dem sie sich auf Eis schnell fortbewegen konnten. Forscher gehen davon aus, dass die Technik schon seit tausenden Jahren bekannt ist. Schlittschuhkufen aus Knochen, Holz und Metall, die sich die Menschen mit Riemen an die Schuhe banden, wurden gefunden. Der Schuh mit Kufe, wie wir ihn heute kennen, ist erst rund 150 Jahre alt.

Schon vor 800 Jahren sollen Boten Metallkufen an den Füßen gehabt haben, um schnell über Eisflächen zu schliddern. So konnten sie ihre Nachrichten schneller überbringen. Vor 800 Jahren – das war die Zeit, in der Burg Posterstein gebaut wurde.

Später war das Eislaufen ein beliebter Sport des Adels. – Prinzen mochten also Schlittschuhlaufen! Auf diesem Bild aus dem niederländischen Rijksmuseum sieht man edle Herrschaften beim Vergnügen auf dem Eis. Es wurde vor rund 400 Jahren gemalt.

Schaatsenrijders, Adriaen Pietersz. van de Venne, 1625, Rijksmuseum, Public Domain: https://www.rijksmuseum.nl/nl/collectie/SK-A-1768
Schaatsenrijders, Adriaen Pietersz. van de Venne, 1625, Rijksmuseum, Public Domain: https://www.rijksmuseum.nl/nl/collectie/SK-A-1768

Vor 250 Jahren begeisterte das Schlittschuhlaufen schließlich alle Leute und es wurden sogar Vereine gegründet, die Wettkämpfe veranstalteten.

Der Altenburger Verleger Heinrich August Pierer verkehrte in den Altenburger Salons und war eng mit seinem Konkurrenten Friedrich Arnold Brockhaus befreundet.
Der Altenburger Verleger Heinrich August Pierer verkehrte in den Altenburger Salons und war eng mit seinem Konkurrenten Friedrich Arnold Brockhaus befreundet.
1845 schrieb der Altenburger Verleger Pierer in seinem Lexikon über das Schlittschuhlaufen, dass ein guter Fahrer “eine zieml. Zeit mit einem trabenden Pferde Schritt halten” könne. Er beschreibt, dass man in Holland längere Strecken auf gefrorenen Flüssen zurücklege, dass “in manchen Gegenden auch die Frauenzimmer” Schlittschuh fuhren und dass es in London schon 1842 im Sommer eine künstliche Schlittschuhbahn gegeben habe. Und nicht nur das: “Auch hat man S. [Schlittschuhe] mit Rädern, um auch im Sommer auf ebnen Boden S. zu fahren”.

Quelle:
Pierers Universal-Lexikon Der Gegenwart und Vergangenheit oder neuestes encyclopädisches Wörterbuch der Wissenschaften, Künste und Gewerbe, herausgegeben von H.A. Pierer, 1845, 2. Auflage, 27. Band, S. 188.

Zum Weiterlesen über Lexika in Altenburg und Leipzig:
Der Brockhaus wird eingestellt

#HeritageMW: Gemeinsam nicht einsam: Vom neuen Leben auf dem Burgberg Posterstein – Teil III

Es ist schon fast eine Tradition geworden, dass das Museum Burg Posterstein zur #MuseumsWeek die Entwicklungen auf dem Burgberg zum Thema nimmt und einen Blick auf das Projekt „Gemeinsam nicht einsam- neues Leben auf dem Land“ wirft. Und es hat sich einiges getan!

Seit Sommer 2016 laufen die Arbeiten am historischen Herrenhaus des ehemaligen Rittergutes Posterstein. Das Zukunftsprojekt „Gemeinsam nicht einsam – neues Leben auf dem Lande“ wird vom Amt für Landentwicklung und Flurneuordnung Gera mit Fördermitteln der integrierten ländlichen Entwicklung, hier Dorferneuerung/Dorfentwicklung, unterstützt. Der Fördermittelbescheid über 1,8 Millionen Euro wurde am 17. August offiziell überreicht. Gefördert wird das Projekt auch vom Freistaat Thüringen und dem Bund.

Seit diesem ersten großen Schritt wurde fleißig gebaut. Der gesamte Dachstuhl ist saniert, das Dach neu gedeckt, neue Fenster wurden eingesetzt und die neuen Wohnung nehmen Form an.

Offenes Herrenhaus Posterstein am Internationalen Museumstag 2017
Offenes Herrenhaus Posterstein am Internationalen Museumstag 2017

Projekt “Gemeinsam nicht einsam”: Wie der Stein ins Rollen kam

Seit 1993 stehen die verbliebenen Gebäude des Postersteiner Ritterguts, direkt neben der Burg Posterstein, leer. Am 14. Oktober 2015 gründete sich der Förderverein Burgberg Posterstein e.V. und kaufte die Gebäude mit dem Ziel zurück, diese zu sanieren und eine nachhaltige Nutzung für sie zu finden. Das Herrenhaus des ehemaligen Ritterguts Posterstein wurde im Zuge der Bodenreform 1945 enteignet. Erstmalig bot sich 2015 die Chance zum Rückkauf des Herrenhauses sowie der verbleibenden Rittergutsgebäude. Mit Geldern der Thüringer Staatskanzlei wurde eine Machbarkeitsstudie für die Realisierung des Konzepts „Gemeinsam nicht einsam“ in Auftrag gegeben. Parallel kam die Notsicherung des Gebäudes im Gange.

Das Rittergut Posterstein um 1900, Museum Burg Posterstein
Das Rittergut Posterstein um 1900, Museum Burg Posterstein

Die Gemeinde Posterstein möchte das historische Herrenhaus bis 2018 in mehreren Bauabschnitten sanieren und ausbauen. Es soll eine Nutzungsmischung aus Wohnen, Arbeiten, Freizeit und Tourismus entstehen, darunter acht Wohnungen, zwei Ferienwohnungen, ein Treffpunkt für Vereine und vieles mehr.

Das Gut, auf dem Hans Fallada das Kartoffelzüchten lernte

Die Geschichte des Postersteiner Ritterguts ist eng verknüpft mit der der Burg Posterstein. Die letzten Rittergutsbesitzer (1833-1945) waren die Familie Herrmann. Ein berühmter „Eleve“ in dem landwirtschaftlichen Betrieb war von 1913 bis 1915 Rudolf Ditzen, der hier seine Ausbildung zum Landwirt – mit Spezialisierung auf die Kartoffelzüchtung – absolvierte. Viel bekannter ist der spätere Schriftsteller unter seinem Künstlernamen Hans Fallada.

Führung im historischen Herrenhaus zum internationalen Museumstag 2017.
Führung im historischen Herrenhaus zum internationalen Museumstag 2017.

Während der beiden Weltkriege wurde Posterstein nicht zerstört. Dennoch endete der Zweite Weltkrieg mit der bislang schwerwiegendsten Veränderung: Die Grundherrschaft Posterstein hörte auf zu bestehen. Mit der Durchsetzung der Bodenreform in Thüringen wurde am Anfang des Jahres 1946 das 192 Hektar große Rittergut enteignet, die Grundfläche aufgeteilt und Teile der Wirtschaftsgebäude abgerissen. Der letzte Rittergutsbesitzer Kurt Herrmann (1905-1986) siedelte nach der Ausweisung zwangsweise nach Westdeutschland um. In Burg und Herrenhaus quartierte man nach Kriegsende zunächst Flüchtlinge ein, die ihr Hab und Gut im Osten verloren hatten. Später wurde im Herrenhaus ein Kinderheim (1956-1992) und in der Burg ein Museum eingerichtet.

Ein Fundstück unter den Dielen

Bevor die Familie Herrmann das Rittergut Posterstein 1833 kaufte, gehörte es der Familie Flemming. Der kursächsische Generalfeldmarschall und Reichsgraf Jakob Heinrich von Flemming (1667–1728) hatte 1724 die Besitzungen Posterstein und Vollmershain für 124 000 Taler gekauft. Obwohl die Familie Flemming in Posterstein nur sehr wenig Zeit verbrachte, wurden doch erhebliche Investitionen getätigt. Den Familienbesitz führte sie bis 1833 weiter.

Während der Bauarbeiten unter den Dielen gefunden: Ein Dokument von 1730.
Während der Bauarbeiten unter den Dielen gefunden: Ein Dokument von 1730.

Aus dieser Zeit stammt auch ein außergewöhnliches Fundstück, dass die Arbeiten am Dachstuhl des Herrenhauses zu Tage förderten: Ein Schriftstück, das auf das Jahr 1730 datiert ist.

Das Dokument hat die Maße 20 x 32 cm, trägt das Siegel des Gerichtsinspektors Christian Schmidt und umfasst insgesamt vier Blätter. Dennoch scheint es ein Fragment zu sein. Auf der ersten Seite ist die Nummerierung „No: II.“ zu lesen. Ein möglicher erster Teil blieb allerdings bisher unentdeckt. Bei der gefunden Urkunde handelt es sich um die Abschrift eines Vergleichs von 1677 zwischen Georg Dietrich von Pflugk (1640–1705) auf Posterstein, und Marie Elisabeth von Schleinitz, geborene Bünau, auf Blankenhain.

Die Urkunde beinhaltet eine Vereinbarung der beiden Partein über das Schank- und das Wegerecht auf den Geleitsstraßen unter Pflugks Aufsicht und über ein entsprechendes Wegegeld. Die Abschrift ist vom Gerichtsinspektor Christian Schmidt beglaubigt, gesiegelt und auf „Blankenhayn, den 12.Jul. 1730“ datiert. Das Original vom „29. Jan: Anno 1677“ wurde laut Schmidt „Wort zu Wort“ übertragen.
Dieses außergewöhnliche Zeugnis der Postersteiner Geschichte blieb bis jetzt das einzige Fundstück seiner Art.

Die Umgestaltung des Burgbergs ist in vollem Gange

Die Besucher von Posterstein können den Fortschritt des Bauprojekts direkt vor der Burg deutlich sehen. 2017 steht der Innenausbau im Fokus. Das Zukunftsprojekt ist vom Thüringer Ministerium für Infrastruktur ausgewählt als eines von vier „Modelprojekten der Regionalentwicklung – Daseinsvorsorge im demografischen Wandel“. Die Fördermittel stehen bereit und die Umsetzung beginnt. So rückt das Ziel des Vorhabens, den Burgberg wieder mit Leben zu erfüllen, eine Nutzungsmischung aus Wohnen, Arbeiten und Freizeit/Tourismus zu etablieren und so Posterstein als Wohn-, Arbeits-, Sozial-, und Kulturraum zu erhalten und weiter zu entwickeln in immer greifbarerer Nähe.

Von Franziska Engemann / Museum Burg Posterstein

#FoodWM: Neue und eigenständige Esskultur im Mittelalter?

Tag 1 der #MuseumWeek 2017 , die von 19. bis 25. Juni dauert: Wir haben für jeden Tag einen Blogpost vorbereitet. Der heutige Hashtag lautet #FoodMW. Leon, der sein Praktikum im Museum Burg Posterstein gemacht hat, hat sich für mittelalterliche Esskultur interessiert:

Bei den Worten „Mittelalter“ und „Essen“ denken viele an reich gedeckte Tafeln, an denen Ritter speisten. Viele stellen sich aber auch den hungernden Bauern in seiner verfallenen Hütte vor. Doch welches Bild kommt der Wahrheit wohl am nächsten? Wie haben die Menschen im Mittelalter gespeist?

How did people in medieval times eat?
Wie speisten die Menschen im Mittelalter?

Tatsächlich entwickelte sich im Laufe des europäischen Mittelalters eine neue und eigenständige Esskultur. Im Gegensatz zur Kochkunst der Spätantike, welche die Anfänge der Frühmittelalterlichen Küche noch prägte, erneuerten die Köche des westeuropäischen Mittelalters ihr Arsenal an Würze fast vollständig. Kräuter und Gewürze, wie die Muskatnuss oder die Gewürznelke, fanden erst Eingang in die Heilkunst und später in die Küche. In einem langsamen Prozess ohne größere Brüche entwickelten sich bis ins 13. Jh. neue Sitten und Gebräuche des Genusses. „Lukullische“ Parallelen finden sich genauso wie Entsprechungen nach Byzanz oder in die Arabische Welt, doch entstand in Westeuropa eine eigene, ganz spezielle Esskultur.

Dependent of Christian year there was a big difference between „fat“ and „meager“ days.
Der mittelalterliche, christliche Mensch unterschied – abhängig vom Kirchenjahr – zwischen „fetten“ und „mageren“ Tagen.

Doch nicht nur die Haltung zum Essen änderte sich. Auch die Haltung beim Essen unterschied sich stark zwischen Antike und Mittelalter. Römische Gastmähler fanden oft im Liegen statt. Entsprechend waren die Speisen klein und handlich. Der Mensch im Mittelalter hingegen saß beim Essen aufrecht. Das Schneiden, besonders von Fleisch, spielte nun eine entscheidende Rolle und diese ehrenwerte Aufgabe gebührte bei Festmählern dem „Truchseß“.

Zwischen „fetten“ und „mageren“ Tagen

Der mittelalterliche, christliche Mensch unterschied – abhängig vom Kirchenjahr – zwischen „fetten“ und „mageren“ Tagen. An mindestens einem von drei Tagen musste sich ein Christ mit Fisch und Gemüse begnügen. An Fastentagen (wie vor Ostern) durften keine Milchprodukte, Eier, Fleisch oder andere tierische Fette verspeist werden. Ausnahmen galten nur für schwangere Frauen, Arme, Kranke, Alte und Kinder. Fisch galt nicht als Fleisch und musste daher oft als Ersatzmittel herhalten. Umso größer war der Überfluss an Speisen an den „fetten“, also den Feiertagen.

Das Federkleid des Fasans war die Zierde jeder Rittertafel

Die Ernährung hing im Mittelalter stark vom gesellschaftlichen Stand ab. Doch das heißt nicht zwangsläufig, dass der Bauer hungern musste, während die Fürsten schlemmten. Missernten führten tatsächlich zu Hungersnöten, doch in guten Erntejahren waren diese Sorgen fern. Das Grundnahrungsmittel schlecht hin war das Getreide, das vor allem als Brot an Fürstenhöfen und bäuerlichen Gütern Absatz fand. Zum Brot gab es Fleisch, Fisch, Gemüse, Obst, Fett, Käse und Wein. Allerdings war Getreide auch in Form von Hafergrütze oder Bier recht beliebt.

Smoked fish at the medieval marked at Burg Posterstein.
Geräucherter Fisch beim Mittelaltermarkt auf Burg Posterstein.

Wurzelgemüse und Kräuter, die im oder nah am Boden wuchsen galten als derb und bäuerlich. Edle Früchte hingen an den Bäumen. Umso höher die Frucht hing, umso besser war sie auch! Doch das bedeutet nicht, dass sich der Verzehr von Gemüse nur auf die bäuerliche Welt beschränkte. Besonders Stadtbürger schätzten Gemüsesuppen und Eintöpfe und legten Gärten vor und innerhalb der Stadtmauern an.
In den letzten Jahrhunderten des Mittelalters stieg auch der Fleischverzehr stetig an. Viehzucht und Jagd lieferten verschiedenste Sorten an Genuss. Dabei galt Geflügel als edler als Schweinefleisch und der Fasan mit seinem prächtigen Federkleid war die Zierde jeder Rittertafel. So wohl auch bei den Rittern von Posterstein.

Die Ernährung im Mittelalter hing also von vielen Faktoren ab: Der gesellschaftlichen Stellung, der Region oder von der Jahreszeit. Ritter aßen nicht nur Fleisch und Bauern mussten nicht zwangsläufig hungern. Im Gegenteil entwickelte sich eine neue und eigenständige Kultur des Essens.

By Leon Walter and Franziska Engemann/ Museum Burg Posterstein

#Kinderburg: Hatten Ritter eine Schule?

Hatten Ritter eine Schule? fragte Celine (9 Jahre) die Postersteiner Burggeister Posti und Stein. Hier kommt ihre Antwort:

Nein, eine richtige Schule, so wie heute, hatten die Ritter nicht. Kinder im Mittelalter lernten vor allem dadurch, dass sie den Erwachsenen zusahen und ihnen bei der Arbeit halfen. Lesen und Schreiben konnten die wenigsten. Jungen konnten Ritter werden oder im Kloster zum Mönch oder Pfarrer ausgebildet werden. Mädchen lernten den Haushalt einer Burg zu verwalten und wurden früh verheiratet.

Zwar gibt es schon seit fast 700 Jahren öffentliche Schulen. Aber die waren nur wenigen zugänglich. Die Kinder aus ärmeren Häusern hatten oft nicht genug Geld oder nicht genug Zeit, diese zu besuchen. Für die Kinder eines Ritters gab es mehr Bildungsmöglichkeiten als für die Kinder eines Bauern. Aber eine große Auswahl an Berufen, die sie später ausüben konnten, hatten auch Ritter nicht. Die Jungs wurden selbst zu Rittern oder sie wurden in ein Kloster geschickt und wurden später Mönch oder Pfarrer.

So sah die Schule der Ritter eher nicht aus... (Illustration: Museum Burg Posterstein).
So sah die Schule der Ritter eher nicht aus… (Illustration: Museum Burg Posterstein).
In Klöstern gab es tatsächlich Schulen. Geistliche mussten Lesen und Schreiben können! Sie lernten dort die lateinische Sprache. Manche sogar Griechisch. In Klosterschulen ging es sehr streng zu. Die Jungen durften nicht miteinander reden oder gar zusammen spielen. Wenn sie sich wuschen oder auf die Toilette mussten, war immer ein Aufpasser in der Nähe. Der Tagesablauf war streng geregelt: Vom Aufstehen bis zum Schlafen. Es gab feste Essenszeiten und einen strengen Speiseplan.

14 Jahre fern von zu Hause

Die Jungs, die selbst Ritter werden sollten, wurden auf eine andere Burg zur Ausbildung geschickt. Dort mussten sie dann einige „Lehrstufen“, so etwas wie Klassenstufen, durchlaufen. Mit sieben Jahren wurden sie „Page“. Sie dienten dem Burgherrn, lernten mit Pferden umzugehen und sie zu versorgen, gingen mit auf die Jagd, übten Bogenschießen und bekamen auch Musik- und Tanzunterricht. Page war man sieben Jahre lang.

Die Ausbildung zum Ritter absolvierten Jungen oft auf einer anderen Burg.
Die Ausbildung zum Ritter absolvierten Jungen oft auf einer anderen Burg.
Mit 14 Jahren wurden die Jungen dann zum „Knappen“ befördert. Wer stark und mutig war, begleitete seinen Ritter mit auf Turniere oder in den Kampf, half seinem Herrn beim Anziehen der Rüstung. Fiel der Ritter einmal vom Pferd, musste der Knappe ihm aufhelfen. Er wich ihm sozusagen nicht mehr von der Seite. Doch da der Knappe selber keine Rüstung trug und dennoch an den Kämpfen teilnahm, war das eine sehr gefährliche Aufgabe.
Mit 21 Jahren wurde der Knappe, wenn er sich bewährt hatte, schließlich mit der „Schwertleite“ zum Ritter geschlagen. Nun erst erhielt er sein eigenes Schwert. Und manchmal sah er auch erst zu diesem Zeitpunkt seine Eltern wieder. Nach 14 Jahren! In dieser langen Zeit hatte er auf einer fremden Burg alles gelernt, was er für den Kampf brauchte. Und natürlich trainierte er für den Ernstfall oder die Teilnahme an einem Turnier immer fleißig weiter!

Mit 12 Jahren verheiratet

Bei den Mädchen war es etwas anders. Den Frauen gehörte das Heim. Sie kümmerten sich um die Ordnung, um die Küche, die Dienstboten und Diener und natürlich um die Kinder.

Die Mädchen wurden von der Burgherrin in häuslichen Dingen unterrichtet. Im Spinnen und Sticken, im Malen, Tanzen und Singen, aber auch im Lesen oder Rechnen. War nämlich der Burgherr nicht zu Hause, musste seine Frau die Burg verwalten. Das musste sie natürlich früh erlernen, denn die Kindheit war im Mittelalter nicht sehr lang.

Mit sieben Jahren entschieden die Eltern, was ihre Kinder einmal tun sollten. Sie kamen auf die Klosterschule oder wurden zur Ritterausbildung auf eine andere Burg geschickt. Mit zwölf Jahren wurden die Mädchen oft schon verheiratet. Die Jungen galten mit 14 Jahren als erwachsen.

Erst vor ungefähr 100 Jahren setzte sich in ganz Deutschland die sogenannte „Schulpflicht“ durch. Seitdem müssen alle Kinder eine Schule besuchen.

Buchtipp zum Weiterlesen:
Viele Fragen rund ums Leben auf einer mittelalterlichen Burg beantwortet das Buch “Ritter und Burgen” aus der Reihe “Frag doch mal die Maus”, erschienen 2006 im CBJ Verlag. Im Buch geht es unter anderem um die Fragen: “Wie wurde man Ritter?”, “Warum stehen so viele Burgen so hoch oben?” und “Was machten die Ritter im Winter?”

Historische Ansicht des Ritterguts Nöbdenitz für die Sammlung des Museums Burg Posterstein

Das Museum Burg Posterstein erhielt für seine kulturgeschichtliche Sammlung ein Ölgemälde aus den 1930/40er Jahren, das das Rittergut Nöbdenitz im damaligen Zustand zeigt.

Dieter Heine (links) übergibt das Ölgemälde aus seinem Familienbesitz an Museumsdirektor Klaus Hofmann und Museumsvereinsvorstand Dr. Gert Wolkersdörfer.
Dieter Heine (links) übergibt das Ölgemälde aus seinem Familienbesitz an Museumsdirektor Klaus Hofmann und Museumsvereinsvorstand Dr. Gert Wolkersdörfer.

Das großformatige Gemälde zeigt den idyllischen Blick auf das Nöbdenitzer Rittergut vom Teich aus gesehen. “Für das Museum ist das Bild besonders interessant, weil es eine historische Ansicht dokumentiert, die es heute so nicht mehr gibt”, freut sich Museumsdirektor Klaus Hofmann. Beispielsweise sieht man auf dem Gemälde noch den heute nicht mehr vorhandenen Balkon des Alten Schlosses (heute Sitz der Verwaltungsgenossenschaft Oberes Sprottental) und den Vorgängerbau der heutigen Kindertagesstätte Nöbdenitz.

Das Ölgemälde malte der langjährige Nöbdenitzer Landarzt Dr. med. Gerhard Hermann Nordbeck.
Das Ölgemälde malte der langjährige Nöbdenitzer Landarzt Dr. med. Gerhard Hermann Nordbeck.

Gemalt hat das Bild Dr. med. Gerhard Hermann Nordbeck (1894–1970), der bis 1954 als Landarzt in Nöbdenitz lebte. Er kam 1923 mit seiner ersten Frau Carola, geborene Eichhorn, nach Nöbdenitz und ließ um 1926/27 das Gebäude errichten, das auch heute noch die Nöbdenitzer Arztpraxis mit Wohnhaus beherbergt. Nachdem seine Frau 1945 gestorben war, heiratete Nordbeck 1950 Helga Zwiener, geschiedene Heine, die Mutter von Dieter Heine. In Absprache mit seinen Stiefgeschwistern entschied Heine sich dafür, das von Nordbeck angefertigte Gemälde dem Museum Burg Posterstein zu übergeben. Der Museumsverein Burg Posterstein dankt herzlich dafür.

Das Nöbdenitzer Schloss um 1938/40 und heute.
Das Nöbdenitzer Schloss um 1938/40 und heute.

Die vom Teehaus am Nöbdenitzer Teich (2006 vom Ortsverschönerunsgsverein Nöbdenitz rekonstruiert) gemalte Ansicht stellt eine wunderbare Ergänzung der Dauerausstellung des Museums dar, die in diesem Jahr weiter überarbeitet werden soll. Nach der Ausstellung über den Sachsen-Gotha-Altenburgischen Minister Hans Wilhelm von Thümmel (1744–1824) im vergangenen Jahr sollen auch Thümmel und Nöbdenitz einen prominenteren Platz in der Ausstellung zur europäischen Salongeschichte erhalten. Thümmel ließ auf seinem Landsitz in Nöbdenitz nicht nur einen weithin bekannten englischen Garten anlegen, sondern wählte die 1000-jährige Eiche als seine außergewöhnliche Grabstätte. Das Museum Burg Posterstein veröffentlichte 2016 die bisher umfangreichste Biografie Thümmels und bietet auf Voranmeldung Führungen zur 1000-jährigen Eiche und zum Rittergut Nöbdenitz an.

Zum Weiterlesen: Hans Wilhelm von Thümmel: Der Mann unter der 1000-jährigen Eiche

#Kinderburg: Wie schwer war die Ritterrüstung?

Jeremy (11 Jahre) und Jannes (5 Jahre) wollen wissen, wie schwer die Rüstung – genannt Harnisch – eines Ritters war. Burggespenst Posti und Drache Stein antworten:

So eine Rüstung war ziemlich schwer. Sie bestand aus sehr vielen einzelnen Teilen und wog zwischen 20 und 30 Kilogramm – also etwa so viel wie zwei bis drei Eimer Wasser! Allein ein Helm wog so viel wie drei Milchkartons (drei Kilogramm). Ein Kettenhemd konnte sogar 15 bis 20 Kilogramm auf die Waage bringen, so viel wie ein Kindergartenkind. Trotzdem konnten die Männer dieses Gewicht, das sich auf den ganzen Körper verteilt, gut tragen. Eine Feuerwehr-Ausrüstung wiegt heute genauso viel!

Seit rund 500 Jahren gibt es keine „richtigen“ Ritter in Rüstung mehr. Das lag auch daran, dass die Rüstungen neuen Waffen nicht mehr standhalten konnten. Im Laufe der Zeit entwickelten die Menschen zum Beispiel immer bessere Feuerwaffen, die auch Rüstungen durchschlugen. Das war natürlich nur ein Grund, warum es heute keine Ritter zu Pferd und mit Rüstung mehr gibt.

Helme und Rüstung in der Burg Posterstein.
Helme und Rüstung in der Burg Posterstein.

Heute kann man “Ritter” nur noch auf Mittelaltermärkten sehen. Das sind aber geübte Schauspieler, die zur Freude der Besucher ein Turnier nachstellen. Trotzdem tragen auch diese Ritter noch richtige Rüstungen, die auch noch heute genauso schwer sind wie damals im Mittelalter. Und immer noch gibt es so etwas wie moderne Rüstungen: Helme, Schutzanzüge und schusssichere Westen zum Beispiel.

Anmerkung: Wir danken Dirk H. Breiding (Department Waffen und Rüstungen am Philadelphia Museum of Art) für die inhaltliche Beratung.

Achtung: Unser Blog mit neuer Adresse und neuem Design

Unser Blog ist umgezogen. Nach rund sechs Jahren Museumsblog haben wir uns entschieden, unseren Blog selbst zu hosten. Der “alte” WordPress.com-Blog wird automatisch auf die neue Adresse umgeleitet. Auch wer unseren Blog abonniert hatte, müsste nun weiterhin Meldungen über neuste Artikel bekommen. Sollte dies nicht der Fall sein, fügt die neue Blog-Adresse bitte noch einmal eurem WordPress-Reader hinzu oder abonniert den Blog per E-Mail. Alle vorhandenen Artikel sind natürlich ebenfalls mit umgezogen und können weiterhin gelesen werden.

Demnächst: Neue Blog-Serie für Familien

Die Burggeister Posti und Stein posieren mit der "Helm-Post" in der Halle der Burg. Dort können Fragen eingeworfen werden.
Die Burggeister Posti und Stein posieren mit der “Helm-Post” in der Halle der Burg. Dort können Fragen eingeworfen werden.

Ab 1. Oktober 2017 zeigt das Museum Burg Posterstein die Familienausstellung “Die Kinderburg – Auf den Spuren von Rittern und Salondamen”.

In Vorbereitung auf die Ausstellung starten wir die Blog-Serie “Die Kinderburg” für Kinder und Eltern. Darin beantworten unsere Burggeister Posti und Stein Besucherfragen auf einfache und verständliche Art. Heute standen das Burggespenst Posti und der Drache Stein dafür zum ersten Mal vor der Kamera. Das Ergebnis dessen gibt es in der nächsten Woche zu sehen. Erste Fragen sind auch schon eingegangen. Jonathan (4 Jahre) möchte wissen: Wo schliefen die Ritter? Die Antwort gibt es am Dienstag im Blog. Ernst gemeinte Fragen nehmen Posti und Stein jederzeit per E-Mail oder Post (Museum Burg Posterstein, Burgberg 1, 04626 Posterstein) entgegen.

Von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein