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Geschichte & Geschichten

Blog des Museums Burg Posterstein

Eine Salondame und ein Ritter auf einer Picknickdecke vor Burg Posterstein
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Zum neuen Jahr: Gedanken über Museumsblogs

Geschichte & Geschichten Veröffentlicht am 4. Januar 2016 von Museum Burg Posterstein21. Januar 2017

Das Museum Burg Posterstein bloggt jetzt seit fast genau fünf Jahren. Als wir den Blog 2011 starteten, hatten wir uns zuvor keinerlei Gedanken über Storytelling, Reichweite und die Erschließung neuer Zielgruppen gemacht. In diesem Artikel wollen wir zurückblicken und über Blog-Strategie nachdenken.

Der Museumsblog „Geschichte und Geschichten“ entstand vielmehr aus einem Sonderausstellungsprojekt heraus: 2007 und 2010 veröffentlichten wir in Zusammenarbeit mit Christiane Nienhold und Gustav Wolf zwei Bücher über Rittergüter im Altenburger Land und ihre Gärten. Dazu gab es jeweils eine Sonderausstellung. Wir legten eine Google-Map über die Rittergüter an.

[googlemaps https://www.google.com/maps/d/embed?mid=z8NYETeEP5Fc.kkJTINQrfUEk&hl=de&w=640&h=480]

Trotzdem barg das Thema so viele Geschichten, die erzählt werden wollten. Parallel zur Ausstellung begannen wir 2010 auf Facebook kleine Notizen über die Geschichte einzelner Rittergüter zu veröffentlichen. Bald stellte sich aber heraus, dass Facebook einfach nicht der passende Ort für relativ zeitlose historische Details ist. Das war dann der Startschuss für einen eigenen Blog. Die Beiträge zu den Rittergütern kann man auf Deutsch und Englisch im Blog finden. – Wobei wir schon bei den Vorzügen des Bloggens wären.

Blogs als Potential für museale Vermittlung

WordPress schickt uns jedes Jahr eine statistische Zusammenfassung unseres Blogs, die wir auch gern öffentlich machen wollen. Seit 2011 (3000 Klicks) ist die Beliebtheit des Blogs (2015: 17.000 Klicks) kontinuierlich gestiegen. Das ist im Vergleich zu großen Blogs sicher nicht gewaltig und kann auch nicht mit der Website des Museums konkurrieren – für lediglich rund drei Blogposts monatlich aber in Ordnung.

(c) Museum Burg Posterstein, Schloss Langenleuba-Niederhain

(c) Museum Burg Posterstein, Schloss Langenleuba-Niederhain

Interessant ist, dass die beliebtesten Posts des Jahres 2015 allesamt zwischen 2011 und 2013 entstanden sind. Der Blog lebt von zeitlosen bzw. langlebigen Artikeln zu geschichtlichen Themen, die auch noch nach Jahren ihre Richtigkeit haben. Auf Platz zwei liegt beispielsweise ein Artikel zu einem der Rittergüter: Wo steht ein halbes Schloss? Das hängt vielleicht damit zusammen, dass das halbe Schloss 2015 zur Versteigerung stand. Für 22.000 Euro fand die sanierungsbedürftige, denkmalgeschützte Anlage im November 2015 einen neuen Besitzer.

Zeitlose Blog-Klassiker

Klassiker im Blog sind alle Jahre wieder Artikel über Weihnachten und Ostern im Mittelalter, Infos zu Ritterturnieren und ähnliches. Das unterstreicht, dass der Blog nicht nur ein kurzlebiges Medium ist, bei dem es darum geht, möglichst viele Artikel nacheinander zu publizieren. Das Museum Burg Posterstein möchte vielmehr darauf setzen, interessante Inhalte, die mit den Ausstellungsschwerpunkten des Museums in Zusammenhang stehen, langfristig zeigen zu können, auch wenn in den Ausstellungsräumen vor Ort dafür kein Platz mehr ist. Damit verlegen wir die museale Vermittlung zum Teil ins WWW, wo virtuelle Besucher aus aller Welt (vornehmlich Deutschland, USA, Schweiz, Österreich, Niederlande…) darauf zugreifen können, selbst wenn sie vielleicht nie den Weg nach Posterstein finden.

Darüber hinaus ist der Blog ein Medium, über das Besucher und Interessierte direkt mit uns in Kontakt treten können. Um diesen Austausch zu fördern, wollen wir uns auch in Zukunft weiter in Blogparaden und Social Media-Aktionen einbringen sowie – wie zuletzt mit Verena Schmidtke – Gastbloggern die Möglichkeit geben, hier relevante Beiträge zu veröffentlichen.

Von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

Welker-Sammlung wandert ins Depot – und in den Touchscreen

Geschichte & Geschichten Veröffentlicht am 19. November 2015 von Museum Burg Posterstein20. Dezember 2022
Trailer zur Ausstellung "Salongeschichten" (2015 auf Burg Posterstein)
Trailer zur Ausstellung „Salongeschichten“ (2015 auf Burg Posterstein)

Die Sonderausstellung „Salongeschichten – Paris – Löbichau – Wien“ mit der neu gekauften Sammlung an Portraits Löbichauer Gäste haben sich in den vergangenen Monaten über 4000 Besucher angesehen. Jetzt müssen die schon verloren geglaubten Aquarelle, die Emilie von Binzer in ihrem Buch „Drei Sommer in Löbichau“ beschrieb, ins Depot. Einzelne Bilder werden im Wechsel auch in der Dauerausstellung zu sehen sein. Alle anderen können Besucher demnächst im neuen Touchscreen des Museums anschauen.

Blick in sonst verschlossene Depots

Der großformatige Touchscreen soll in Zukunft in der Ausstellung zur europäischen Salongeschichte und zum Musenhof der Herzogin von Kurland als verlängerter Arm in die Schätze des Museumsdepots stehen.

Demnächst in der Salonausstellung des Museums Burg Posterstein: Die gesammelten Forschungsergebnisse im Touchscreen
Demnächst in der Salonausstellung des Museums Burg Posterstein: Die gesammelten Forschungsergebnisse im Touchscreen

Nach über 20 Jahren intensiver Forschung zum Salon der Herzogin Anna Dorothea von Kurland, die u.a. Kontakte nach Kurland, Berlin, Paris und Wien pflegte und viele einflussreiche Menschen ihrer Zeit persönlich kannte, können in der Ausstellung bei weitem nicht alle Forschungsergebnisse und Sammlungsstücke mehr gezeigt werden. Statt sie unter Ausschluss der Öffentlichkeit im Depot verschwinden zu lassen, wollen wir interessierten Besuchern die Möglichkeit geben, sich digital durch die vorhandenen Objekte und Informationen zu scrollen.

Über 300 Zeitgenossen der Herzogin

In einem ersten Schritt wollen wir die Kurzbiografien von über 300 Zeitgenossen Anna Dorothea von Kurlands aus dem 18. und 19. Jahrhundert einpflegen. Danach sollen Informationen über Schlösser und Orte der Zeit, Sammlungsstücke auf Burg Posterstein und eine Zeitleiste folgen.

Die Büsten von Wilhelmine von Sagan und ihre Mutter Anna Dorothea von Kurland in der Sonderausstellung "Salongeschichten"
Die Büsten von Wilhelmine von Sagan und ihre Mutter Anna Dorothea von Kurland in der Sonderausstellung „Salongeschichten“

Auch die ausgelassenen Portraitzeichnungen Ernst Welkers werden dann dort wieder zugänglich gemacht. Das Ende der Sonderausstellung „Salongeschichten“ ist damit kein Abschied für immer.

Weiterlesen zum Thema „Salongeschichten“:

Gesammelte Infos auf der Website des Museum

“Ein Besuch in Löbichau, dem wir mit Spannung entgegensahen” – Teestunde auf Burg Posterstein

Sonderausstellung “Salongeschichten”: Versteckte Details entdecken

Sonderausstellung “Salongeschichten”: Was ist das eigentlich, ein Salon?

Vertrag zwischen Paris und … Posterstein: Zusammenarbeit mit Les Amis de Talleyrand

Der Herzog kommt nach Posterstein: Eröffnung der Sonderausstellung „Salongeschichten“

Wie eine Himmelsleiter mit Engeln besetzt: Kleine Reise in die Geschichte von Schloss Tannenfeld

Da steht mein Armes Ich von Stein… Salongeschichten aus dem 19. Jahrhundert auf Burg Posterstein

2015 zelebriert das Museum Burg Posterstein ein Lieblingsthema im großen Stil

Von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

Auf dem Postersteiner Burgberg tut sich etwas: Rittergutsgebäude wechseln den Eigentümer

Geschichte & Geschichten Veröffentlicht am 23. Oktober 2015 von Museum Burg Posterstein21. Januar 2017

Das Herrenhaus des ehemaligen Ritterguts Posterstein nach über 20 Jahren Leerstand.

Das Herrenhaus des ehemaligen Ritterguts Posterstein nach über 20 Jahren Leerstand.

Seit dem März, als wir während der #MuseumWeek noch vom geplatzten Traum vom belebten Burgberg berichteten, hat sich einiges getan. Es hat sich der Förderverein Burgberg Posterstein e.V. gegründet und am 14. Oktober 2015 die verbleibenden Gebäude des ehemaligen Ritterguts Posterstein gekauft. Mit Hilfe von Spenden und Fördermitteln wollen die engagierten Bürger das Mammutprojekt in Angriff nehmen und das seit 20 Jahren leer stehende Herrenhaus sanieren sowie den gesamten Burgberg umgestalten.

Gemeinsam und mit der Unterstützung des Landkreises, der Gemeinde Posterstein, von regionalen Firmen, dem Museum Burg Posterstein und tatkräftigen Bürgern möchte der Verein an einem zukunftsfähigen Burgberg arbeiten – ökologisch, sozial und kulturell nachhaltig gestaltet, und somit gewappnet für bevorstehende Herausforderungen, wie den demografischen Wandel, eine unabhängige, klimaneutrale Energieversorgung oder Strukturabbau. Der Thüringer Kulturminister signalisierte bei seinem Besuch in Posterstein Interesse und sicherte dem Projekt finanzielle Starthilfe zu.

Historisches Herrenhaus stand seit 1993 leer

Das Herrenhaus des ehemaligen Ritterguts Posterstein, das im Zuge der Bodenreform 1945 enteignet wurde, stand seit 1993 leer. Erstmalig bot sich nun die Chance zum Rückkauf des Herrenhauses sowie der verbleibdenden Rittergutsgebäude.

Historisches Glasfenster im Herrenhaus des Ritterguts Posterstein.
Historisches Glasfenster im Herrenhaus des Ritterguts Posterstein.
Durch Vandalismus zerstörtes historisches Glasfenster.
Durch Vandalismus zerstörtes historisches Glasfenster.
Die Lampen stammen aus der Zeit, als das Gebäude als Kinderheim genutzt wurde.
Die Lampen stammen aus der Zeit, als das Gebäude als Kinderheim genutzt wurde.

Blick in das Herrenhaus des ehemaigen Ritterguts Posterstein nach 20 Jahren Leerstand.
Blick in das Herrenhaus des ehemaigen Ritterguts Posterstein nach 20 Jahren Leerstand.
Blick in das Herrenhaus des ehemaigen Ritterguts Posterstein nach 20 Jahren Leerstand.
Blick in das Herrenhaus des ehemaigen Ritterguts Posterstein nach 20 Jahren Leerstand.
Graffiti und Deckenschäden im historischen Herrenhaus Posterstein.
Graffiti und Deckenschäden im historischen Herrenhaus Posterstein.

Inzwischen wurde mit Geldern der Thüringer Staatskanzlei eine Machbarkeitsstudie für die Realisierung des Konzepts „Gemeinsam nicht einsam“ in Auftrag gegeben. Die Ergebnisse der Studie sollen zu gegebener Zeit öffentlich in einer Bürgerversammlung vorgestellt werden. Parallel ist die Notsicherung des Gebäudes im Gange. Führungen im unsanierten Gebäude sind geplant. Ein paar Eindrücke vom Zustand des Hauses geben die hier erstmals gezeigten Fotos.

Berühmter Gast auf dem Postersteiner Rittergut: Hans Fallada

Die Geschichte des Postersteiner Ritterguts ist eng verknüpft mit der der Burg Posterstein. Die letzten Rittergutsbesitzer (1833-1945) waren die Familie Herrmann. Ein berühmter „Eleve“ in dem landwirtschaftlichen Betrieb war von 1913 bis 1915 Rudolf Ditzen, der hier seine Ausbildung zum Landwirt – mit Spezialisierung auf die Kartoffelzüchtung – absolvierte. Viel bekannter ist der spätere Schriftsteller unter seinem Künstlernamen Hans Fallada.

Zum Weiterlesen:
Die Projektidee „Gemeinsam nicht einsam“
Der Verein Förderverein Burgberg Posterstein e.V.
Hans Fallada in Tannenfeld und Posterstein

Vertrag zwischen Paris und … Posterstein: Zusammenarbeit mit Les Amis de Talleyrand

Geschichte & Geschichten Veröffentlicht am 24. August 2015 von Museum Burg Posterstein21. Januar 2017

200 Jahre nach dem Wiener Kongress ist am 16. August 2015 ein französisch-deutscher Vertrag unterzeichnet worden, der gemeinsame Forschungsarbeiten des Museums Burg Posterstein und der Pariser Gesellschaft Les Amis de Talleyrand ermöglichen und fortführen soll. Schon einmal in der Geschichte unterhielt man in dem kleinen thüringischen Ort Löbichau Relationen über europäische Grenzen hinweg. Vor zwei Jahrhunderten betrieb die schöne und gebildete Herzogin Anna Dorothea von Kurland (1761–1821) hier einen bekannten Salon und gemeinsam mit ihren Töchtern pflegte sie Kontakte in die höchsten politischen Ebenen, darunter zu Zar Alexander I., Friedrich Wilhelm III., Talleyrand und Metternich, in Paris, Löbichau und Wien.

Roland Martinet von Les Amis de Talleyrand und Sabine Hofmann vom Museumsverein Burg Posterstein in Löbichau nach der Unterzeichnung des Kooperationsvertrags.

Roland Martinet von Les Amis de Talleyrand und Sabine Hofmann vom Museumsverein Burg Posterstein in Löbichau nach der Unterzeichnung des Kooperationsvertrags.

Anlässlich der Eröffnung der Sonderausstellung „Salongeschichten: Paris – Löbichau – Wien“ durften wir im Museum Burg Posterstein internationalen Besuch begrüßen: Roland Martinet, den Präsidenten der französischen Gesellschaft der Freunde Talleyrands, die historische Forschungen zum berühmten französischen Diplomat Charles Maurice de Talleyrand Perigord betreibt, Elisabeth Blaack von Einsiedel, eine Urenkelin der Herzogin von Kurland, mit ihrer Tochter, sowie weitere Mitglieder von Les Amis de Talleyrand. Die Pariser Besucher kamen nicht zum ersten Mal und nun, anlässlich einer weiteren Postersteiner Sonderausstellung zur europäischen Salonkultur, sollte die gemeinsame Arbeit im Dienste der Geschichte vertraglich festgehalten werden.

Talleyrands Briefe erstmals auf Deutsch

Der Maler Ernst Welker stellte die schöne Herzogin als Pudel dar. Der französische Diplomat Talleyrand schrieb ihr hunderte von Briefen.

Der Maler Ernst Welker stellte die schöne Herzogin als Pudel dar. Der französische Diplomat Talleyrand schrieb ihr hunderte von Briefen.

Im Archiv der Universität Breslau ist aufgezeichnet, dass bis 1914 in Sagan 379 handschriftliche Briefe des Ministers Talleyrand an Anna Dorothea von Kurland lagerten. 372 Briefe aus der Zeit zwischen 1809 und 1821 befinden sich heute im Archiv der Familie Talleyrand und wurden 1976 teilweise veröffentlicht vom ehemaligen Kabinettsleiter Präsident de Gaulles Gaston Palewski (1901–1984), der mit einer Talleyrand verheiratet war. Dieser historische Schatz, verfasst in französischer Sprache, erlaubt einen einmaligen Blick auf die Geschehnisse des Wiener Kongresses, abseits der offiziellen Korrespondenz Talleyrands.

Fotoshoot mit der Herzogin von Kurland und ihrer Tochter Wilhelmine von Sagan bei der Eröffnung der Sonderausstellung "Salongeschichten" in Posterstein.

Fotoshoot mit der Herzogin von Kurland und ihrer Tochter Wilhelmine von Sagan bei der Eröffnung der Sonderausstellung „Salongeschichten“ in Posterstein.

Nicht zum ersten Mal kamen die französischen Gäste von Les Amis de Talleyrand - hier bei der Eröffnung der Sonderausstellung "Salongeschichten" - nach Posterstein.

Nicht zum ersten Mal kamen die französischen Gäste von Les Amis de Talleyrand – hier bei der Eröffnung der Sonderausstellung „Salongeschichten“ – nach Posterstein.

Anlässlich des 250. Geburtstags der Herzogin von Kurland konnten 2011 erste Früchte der Zusammenarbeit zwischen dem Museum Burg Posterstein und Les Amis de Talleyrand gezeigt werden. Im Buch „Die Herzogin von Kurland im Spiegel ihrer Zeitgenossen“ erschienen Beiträge verschiedener internationaler Autoren, darunter erstmals in deutscher Übersetzung Auszüge aus den zahlreichen Briefen, die Charles Maurice de Talleyrand während des Wiener Kongresses an seine „liebe Freundin“ Anna Dorothea von Kurland schrieb. Egal, ob beide sich in Wien oder an verschiedenen Orten aufhielten, unterrichteten sie einander über das politische und menschliche Geschehen um sie herum. Als er am 25. Mai 1815 bald abreisen musste, schrieb er der Herzogin:

„Das ist die traurigste Abfahrt, die man machen kann. (…) Ich bitte Sie, gute Vorkehrungen wegen Ihrer Briefe zu treffen. Denn zum wenigsten brauche ich diese Kraftquelle. Adieu. Ich liebe Sie und umarme Sie von ganzem Herzen.“

Neben der eigenen persönlichen Freundschaft der Herzogin von Kurland zu Talleyrand, war ihre jüngste Tochter Dorothée, verheiratet mit Talleyrands Neffen, seine ständige Begleiterin beim Wiener Kongress und seine spätere Alleinerbin. Ihre ältere Schwester Wilhelmine von Sagan führte in der Wiener Schenkenstraße einen populären Salon und übte durch ihre Liaison mit Staatskanzler Metternich, dem Leiter des Kongresses, ebenfalls keinen geringen Einfluss auf die politischen Geschehnisse aus.

Paris, Wien und … Löbichau

Von links nach rechts: Wilhelmine von Sagan, Dorothea von Kurland, Landrätin Michaele Sojka, Elisabeth Blaack von Einsiedel und Ralph-Uwe Heinz als Herzog von Gotha zur Eröffnung der Sonderausstellung "Salongeschichten" auf Burg Posterstein.

Von links nach rechts: Wilhelmine von Sagan, Dorothea von Kurland, Landrätin Michaele Sojka, Elisabeth Blaack von Einsiedel und Ralph-Uwe Heinz als Herzog von Gotha zur Eröffnung der Sonderausstellung „Salongeschichten“ auf Burg Posterstein.

2014 konnte das Museum Burg Posterstein mit finanzieller Unterstützung des Freistaats Thüringen und der Bürgerstiftung Altenburger Land eine einmalige Sammlung von 47 kleinformatigen Aquarellen des Malers Ernst Welker ankaufen. Die Zeichnungen aus den Jahren 1819/20 portraitieren Gäste des Musenhofs Löbichau auf witzige Art und Weise in Tiergestalt. Unter den Dargestellten befindet sich nicht nur die Herzogin von Kurland selbst, sondern auch ihre Tochter Wilhelmine von Sagan, deren Pflegetochter Emilie von Binzer, der Maler Ernst Welker und andere bekannte Persönlichkeiten dieser Zeit. Sie geben Einblicke ins Löbichauer Salonleben und das weitreichende Netzwerk der Herzogin.

Roland Martinet mit Monika Diedrich vom Museumsverein Burg Posterstein bei der Ausstellungseröffnung von "Salongeschichten" im Museum Burg Posterstein.

Roland Martinet mit Monika Diedrich vom Museumsverein Burg Posterstein bei der Ausstellungseröffnung von „Salongeschichten“ im Museum Burg Posterstein.

Mit dem nun mit Les Amis de Talleyrand geschlossenen Vertrag werden nicht nur alle Mitglieder des Museumsvereins Burg Posterstein gleichzeitig Mitglieder der Pariser Gesellschaft und umgekehrt, es soll auch bei zukünftigen Publikationen zusammengearbeitet werden und bei Tagungen, Versammlungen und gegenseitigen Besuchen ein noch intensiverer Austausch stattfinden. Wir freuen uns darauf!

Weiterführende Informationen:
Zur Website von Les Amis de Talleyrand
Publikationen des Museums Burg Posterstein
Unsere Forschung zum Musenhof Löbichau

Von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

Der Herzog kommt nach Posterstein: Eröffnung der Sonderausstellung „Salongeschichten“

Geschichte & Geschichten Veröffentlicht am 11. August 2015 von Museum Burg Posterstein20. Dezember 2022

Die Sonderausstellung „Salongeschichten: Paris – Löbichau – Wien“ wird am Sonntag, 16. August 2015, 15 Uhr, feierlich eröffnet. Erstmals zeigt das Museum Burg Posterstein eine einmalige Sammlung witziger Portraitbilder von 47 historischen Persönlichkeiten, die 1819/20 als Gäste im Musenhof Löbichau der Herzogin von Kurland in Löbichau den Sommer verbrachten. Die weltgewandte Herzogin legte Wert darauf, Künstler und Schriftsteller zu fördern und stand in Kontakt mit den wichtigsten Persönlichkeiten ihrer Zeit. Zur Eröffnung der Ausstellung erwartet das Museum einen ganz besonderen Gast: Den Herzog von Gotha.

Im Herbst 1820 besuchte August Emil Leopold, Herzog von Sachsen-Gotha und Altenburg (1772–1822) den Musenhof der Herzogin Anna Dorothea von Kurland (1761–1821) im Schloss Löbichau. Der Herzog war eine auffällige Herrscherpersönlichkeit, die sich vor allem als Förderer der Künste und der Wissenschaft hervortat. Im Musenhof Löbichau zog er alle Aufmerksamkeit auf sich.

Der Herzog von Gotha besuchte 1920 den Musenhof der Herzogin von Kurland. Der Maler Ernst Welker portraitierte ihn als stolzen Pfau.
Der Herzog von Gotha besuchte 1920 den Musenhof der Herzogin von Kurland. Der Maler Ernst Welker portraitierte ihn als stolzen Pfau.

Zur gleichen Zeit befand sich der Maler Ernst Welker (1784/88–1857) als Gesellschafter und Zeichenlehrer der späteren Schriftstellerin Emilie von Binzer (1801–1891), einer Enkelin der Herzogin von Kurland, in Löbichau. Er portraitierte neben 46 anderen Löbichauer Gästen auch den Herzog von Gotha auf humoristische Art und Weise in Tiergestalt.

Im Handumdrehen das idyllische Leben in Löbichau in eine Hofhaltung verwandelt

„Welcker traf den Herzog vortrefflich als Pfau.“, notierte Emilie von Binzer Jahrzehnte später in ihrer Rückschau „Drei Sommer in Löbichau“. Während sie diesen humorvollen Rückblick auf ihre Jugend im Löbichauer Salon verfasste, betrachtete sie offenbar noch einmal Welkers Portraitzeichnungen, die sie in einer grünen Schachtel aufbewahrte, und schrieb einige Zeilen zu den dargestellten Personen. Die Ankunft des Herzogs beschrieb sie so:

„Im Anfang September traf ein Besuch ein, dessen Erscheinung keinen geringen Rumor in Löbichau machte, es war der Herzog von Gotha. (…) Im Handumdrehen war das idyllische Leben in Löbichau in eine Hofhaltung verwandelt; die Herzogin und ihre Töchter warfen sich in Staat, wir zogen unsere kleidsamsten Gewänder an, denn sonst nannte man Löbichau mit Unrecht einen Hof; …“ (Emilie von Binzer: Drei Sommer in Löbichau. Stuttgart 1877, S. 98)

2014 konnte das Museum Burg Posterstein aus Finanzmitteln des Freistaates Thüringen und der Bürgerstiftung Altenburger Land genau diese einmalige Sammlung kleinformatiger, aquarellierter Portraitzeichnungen erwerben. Von 16. August bis 15. November 2015 werden sie in der Sonderausstellung „Salongeschichten: Paris- Löbichau – Wien“ erstmals der Öffentlichkeit präsentiert.

Der Herzog kommt zur Eröffnung

Zur Ausstellungseröffnung am 16. August, 15 Uhr, hat sich ein ganz besonderer Gast angekündigt: Der Gothaer Schauspieler Ralph-Uwe Heinz, der sonst unter anderem auf historischen Stadtführungen durch Gotha führt, kommt als Herzog von Gotha zur feierlichen Ausstellungseröffnung. Im Stil des Löbichauer Musenhofs wird er auf kurzweilige und witzige Art und Weise Kostproben aus dem schriftstellerischen Schaffen des Herzogs geben. Unser Teaser zur Ausstellung – hier geht’s zum Video.

Zum Weiterlesen:
Jana Borath fängt am 3. August in der Ostthüringer Zeitung die Stimmung im Tannenfelder Park ein.
„Da steht mein armes Ich aus Stein“ – Blogpost zur Sonderausstellung
Blogpost zur Geschichte des Schlosses Tannenfeld
Blogpost: Jean Pauls Sommer in Löbichau
Blogpost: Rittergut Löbichau – Zeitweise 300 Gäste gleichzeitig

Von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

Da steht mein Armes Ich von Stein… Salongeschichten aus dem 19. Jahrhundert auf Burg Posterstein

Geschichte & Geschichten Veröffentlicht am 24. Juli 2015 von Museum Burg Posterstein21. Januar 2017

Böttiger185Der bekannte Schriftsteller und Archäologe Carl August Böttiger (1760–1835) weilte häufig als gern gesehener Gast am Musenhof der Herzogin Anna Dorothea von Kurland (1761–1821) in Löbichau. Der Oberinspektor der Altertumsmuseen in Dresden stand nicht nur mit Goethe und Schiller in regem Briefwechsel, sondern auch mit der Schriftstellerin Elisa von der Recke (1754–1833) – der Halbschwester der Herzogin von Kurland. 1819 oder 1820 portraitierte ihn der Maler Ernst Welker (1784/88–1857) als Torso aus Stein und setzte darunter den Zweizeiler:

Da steht mein armes Ich von Stein
Und tränke gern ein Gläschen Wein.

Ernst Welker kam als Gesellschafter und Zeichenlehrer der späteren Schriftstellerin Emilie von Binzer (1801–1891), damals noch Emilie von Gerschau, nach Löbichau. Diese wiederum reiste zusammen mit ihrer Tante und Pflegemutter Wilhelmine von Sagan (1781–1839), der ältesten Tochter der Herzogin.

Geistiges Zentrum für einen Wimpernschlag der Geschichte

Ende des 18. Jahrhunderts war das kleine Löbichau – nur zwei Kilometer von Posterstein entfernt gelegen – zusammen mit Schloss Tannenfeld ein Zentrum des geistig-kulturellen Lebens in Deutschland. Der Musenhof der Herzogin von Kurland gehörte zu den bekanntesten seiner Art. Einflussreiche Staatsmänner, Dichter, Künstler, Bürgerliche und Adlige zählten zu den regelmäßigen Besuchern.

In der zwanglosen, künstlerischen Atmosphäre dieses Musenhofs müssen Ernst Welker und seine Schülerin Emilie von Gerschau (Binzer) sich den Spaß gemacht haben, von insgesamt 46 Salongästen sowie der Herzogin aquarellierte Portraits in Gestalt von Tieren oder Gegenständen mit Menschenkopf zu fertigen. Spruch und Bild nehmen mal witzig, mal banal Bezug auf die jeweilige historische Persönlichkeit.

Einmalige Portraits – erstmals öffentlich gezeigt

Im Jahr 2014 konnte das Museum Burg Posterstein diese einmalige Sammlung von Portraitzeichnungen der 1819/1820 in Löbichau anwesenden Gäste ankaufen. Die Sammlung aus dem Besitz von Emilie von Binzer wird in der Sonderausstellung „Salongeschichten“ (16. August bis 15. November 2015) und in der zugehörigen Publikation erstmals gezeigt. Die dargestellten Personen werden portraitiert und in den historischen Kontext gestellt.

In ihrem späten Rückblick auf ihre Zeit in Löbichau, dem Buch „Drei Sommer in Löbichau“ aus dem Jahr 1877, beschreibt Emilie von Binzer die anwesenden Gäste ungeschönt, aber doch gutmütig. Über Hofrath Böttiger notierte sie Folgendes:

„Der Archäolog Böttiger war keine anziehende Erscheinung; so wenig er Tieck gefallen hatte, ebenso wenig gefel er Goethe. Dieser sagte einst Jemanden, der es mir wieder erzählt hat: ‚Ich sah auf der Wiese in Karlsbad eine Gestalt, und dachte bei mir: welche Aehnlichkeit mit Böttiger! Endlich kommt sie näher, und ich sehe, daß er es selbst ist. Gottlob, rief ich aus, so existiert er doch nur einmal.’ Frau von der Recke und Tiedge aber waren nicht der Ansicht und hielten ihn hoch […].“ (Emilie von Binzer: Drei Sommer in Löbichau, Stuttgart 1877, S. 89)

Die Eröffnung der Ausstellung findet am 16. August 2015, 15 Uhr, auf Burg Posterstein statt.

Cover_salon_2-214x300Katalog zur Ausstellung:
Salongeschichten. Paris – Löbichau – Wien. Gäste im Salon der Herzogin von Kurland im Porträt des Malers Ernst Welker, Museum Burg Posterstein, 2015. 120 Seiten, farbig, ISBN 978-3-86104-094-1, 15 Euro.



Zum Weiterlesen:
Schloss Löbichau
Hans Fallada & Schloss Tannenfeld
Jean Pauls Sommer in Löbichau

(Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein)

Reise in die Sammlung: Die Kirchengalerie des Herzogtums Sachsen-Altenburg

Geschichte & Geschichten Veröffentlicht am 10. Februar 2015 von Museum Burg Posterstein21. Januar 2017

Wir eröffnen mit diesem Blogpost eine neue Artikelreihe und möchten Sie regelmäßig auf kleine Exkursionen in die Sammlung des Museums mitnehmen. Den Anfang macht eine bemerkenswerte Serie von Lithographien aus dem 19. Jahrhundert, bekannt unter dem Namen „Die Kirchen-Galerie des Herzogthums Sachsen-Altenburg“.

Ortsansicht von Windischleuba: Lithographie aus der Kirchengalerie von Wegener

Ortsansicht von Windischleuba: Lithographie aus der Kirchengalerie von Wegener

Die Lithographien stammen aus der Zeit um 1840 und sind vielen historisch Interessierten unter dem Titel „Die Ephorien Altenburg und Ronneburg als erste Abtheilung der Die Kirchen-Galerie des Herzogthums Sachsen-Altenburg“ bekannt. Sie zeigen Ansichten von Ortschaften des Ostkreises des ehemaligen Herzogtums Sachsen-Altenburg.

1840 begann die Herausgabe der „Kirchen-Galerie“, welche allerdings 1849 eingestellt wurde. Ziel dieser umfangreichen Arbeit war es, in zwei Abteilungen (Ostkreis und Westkreis) eine möglichst vollständige und genaue historisch-statistische Übersicht über die gesamten kirchlichen Verhältnisse, einschließlich der Volksschulen, im Herzogtum Sachsen-Altenburg zu liefern.

Umfangreiche historische Beschreibungen und Abbildungen der Kirchen

Seite aus der "Kirchengalerie"

Seite aus der „Kirchengalerie“

Verlegt beim Dresdner Buchhändler Hermann Schmidt hatte der Hofprediger und „Consitorialrath“ Dr. Sachse die Redaktion inne. Sachse besaß umfassende Kenntnisse in der Landesgeschichte und studierte die Pfarrarchive der Gemeinden, um ausführlich die Kirchengeschichte seit der Reformation darzulegen.

Die Ausgaben erschienen in einzelnen Lieferungen, die jeweiligen historischen Beschreibungen sind ergänzt durch Lithographien von Ortsansichten, welche vom Dresdner Maler Wegener gezeichnet und von den Lithographen F.A. Renner und I.H. Ketzschau in Dresden gedruckt wurden.

Weitgereister Hofmaler: Johann Friedrich Wilhelm Wegener

Johann Friedrich Wilhelm Wegener (1812–1879) besuchte kurze Zeit die Akademie in Kopenhagen, arbeitete in Kiel und Hamburg als Lithograph und war dann Schüler der Dresdner Akademie. Er bereiste 1844 Böhmen, Tirol und Oberitalien. 1860 wurde er zum Sächsischen Hofmaler ernannt. Er signierte mit „F.W. Wegener“; „J.F.W. Wegener“ und „W. Wegener“.

Ortsansicht von Nöbdenitz - Lithographie von Wegener

Ortsansicht von Nöbdenitz – Lithographie von Wegener


Eine Neubearbeitung der Kirchen- und Schulgeschichte des Herzogtums Sachsen-Altenburg erfolgte im ausgehenden 19. Jahrhundert durch den Mitbegründer der „Geschichts- und Alterthumsforschenden Gesellschaft des Osterlandes“ (1838), den „Geheimen Kirchenrath“ Dr. August Julius Löbe (1805-1900) und seinen Sohn Dr. Ernst Conon Löbe (1835-1920). Das dreibändige Werk erschien unter dem Titel: „Geschichte der Kirchen und Schulen des Herzogthums-Sachsen Altenburg“ von 1886 bis 1891 beim Verlag Oskar Bonde in Altenburg.

Blogposts zum Thema Windischleuba und Nöbdenitz

Das Phänomen „Mutz“: Ein streng gehütetes Geheimnis

Geschichte & Geschichten Veröffentlicht am 22. September 2014 von Museum Burg Posterstein20. Dezember 2022

Was ist eigentlich ein "Mutz"? - Dieser Frage stellten sich über 75 Künstler für die Sonderausstellung auf Burg Posterstein.

Was ist eigentlich ein „Mutz“? – Dieser Frage stellten sich über 75 Künstler für die Sonderausstellung auf Burg Posterstein.

Um den sogenannten „Mutz“ ranken sich viele Gerüchte und wenige Fakten. Ist er Tier, eine Erscheinung oder gar ein Monster, das in den Thüringer Wäldern sein Unwesen treibt? Sicher ist nur, dass dieser Mutz sehr gut schmeckt – als faustgroßer Fleischbatzen in Salz, Pfeffer und Majoran eingelegt und an einem Spieß über Birkenholz gebraten. In dieser Form ist er im ganzen Land bekannt und wird neben der Rostbratwurst als regionale Spezialität des Freistaates Thüringen beworben. – Museumsmitarbeiterin Franziska Engemann berichtet hier mit einem Augenzwinkern über die Herkunft des Mutzes.

Seinen Ursprung hat der Braten wohl im Altenburger Land, besonders in Schmölln, wo er traditionell zubereitet und verspeist wird.

Doch selbst in der Heimat des Mutzes ist das Erscheinungsbild dieser mysteriösen Gestalt nur einem kleinen Kreis eingeweihter Jäger und Fleischer bekannt, die dieses Geheimnis bis heute streng hüten.

Verstümmeltes (beschädigtes) Tier oder Wallfahrtsbraten?

Ein für die Ausstellung gefertigter Mutz bei seiner Ankunft im Museum Burg Posterstein.

Ein für die Ausstellung gefertigter Mutz bei seiner Ankunft im Museum Burg Posterstein.

Seit Jahrhunderten ranken sich Legenden darum, welchen kulturellen und vielleicht sogar biologischen Hintergrund der Mutz hat.

In Pieres-Universallexikon von 1844 heißt es, der Mutz sei „etwas verkürztes, verstümmeltes“ bzw. ein „Thier, dem der Schwanz fast ganz abgeschnitten ist, od. welches ohne Schwanz geboren ist, obgleich es einen haben sollte“. Sagen berichten, dass an den Wallfahrtstagen auf den sogenannten „Mutschenmärkten“ in Schmölln oder Posterstein gebratene Fleischstücke – Mutschen – verkauft und gern verzehrt wurden.

Zu dieser Zeit soll Schmölln die bekannteste und älteste Wallfahrtsstätte nach Aachen in ganz Deutschland gewesen sein. Die Bekanntheit Schmöllns beruhte damals auf einem Marienbild, welches viele Zeichen und Wunder bewirkt haben soll und schließlich auch in das Wappen der Stadt übergegangen ist. Die sogenannten Mutschen waren zu dieser Zeit kleine gebratene Stücke Schweinefleisch, deren Namen sich später in „Mutzbraten“ gewandelt hatte.

Die Anatomie des Unbekannten

Ein Waldbewohner? - Mutz auf einem der Ausstellungsplakate.

Ein Waldbewohner? – Mutz auf einem der Ausstellungsplakate.

Aber wie ihre heutigen „Kollegen“ geben diese Bratenstücke keinen Aufschluss über die Anatomie des Wesens, aus dem sie hergestellt werden. Bekannt ist nur das Ritual, wie der Braten hergestellt wird. Zarte Fleischstücke werden auf einem Spieß aufgereiht und dann zwei Stunden lang auf einem eigenes dafür konstruierten Rost am Rand eines Birkenholzfeuers gebraten. Dadurch bekommt das Fleisch seine charakteristische dunkle Kruste, bleibt innen aber rosa und saftig. Die feine Marinade aus Majoran, Pfeffer und Salz prägt das Aroma.

Der Geschmack der Schmöllner Spezialität lässt auf eine vitale, ausgelassene und kräftige Tierart schließen. Doch existieren weder genaue Beschreibungen noch flüchtige Zeichnungen des schmackhaften Fabeltieres. Auch die historischen Quellen schweigen weitgehend zu diesem Thema. Allein Formulierungen wie „…sodann zwey starcke Mutze“ oder „…wurde ein flinker junger Mutz aufgeschreckt“ lassen sich finden. Über Größe, Aussehen oder gar Verhalten des Tieres haben wir keine Kenntnis. Der Wissenstand über den Mutz lässt sich kurz in Stichworten festhalten: herzhaft, nahrhaft, fabelhaft.

Dem Mythos eine Gestalt geben – Der Mutz auf Burg Posterstein

Besonders ein regionales Museum wie die Burg Posterstein hat daran Interesse, diese Wissenslücke der Geschichte zu schließen und gerade in Bezug auf mythologische Wesen wie den Mutz ist der beste Weg dazu die imaginatorische Kraft der Kunst.

Zum Video-Bericht über die Ausstellung.

Schon für die Ausstellung „Poster auf Posterstein“ hatte das Museum mit den Illustratoren Susann Hesselbarth und Thomas M. Müller zusammengearbeitet und so entstand bald der Gedanke, mit diesen beiden Kuratoren dem sagenumwobenen Mutz eine Gestalt zu geben.

Das Konzept war so brillant wie einfach: eine ganze Reihe renommierter Zeichner und Illustratoren wurden um ein Bild vom Mutz gebeten. Dies mit dem Ziel, ein unterhaltsames Bestiarium von einem Tier zu zeigen, über das nicht mehr gewusst oder preisgeben werden konnte, als dass aus ihm in Ostthüringen mittels eines komplizierten und genau festgelegten Rituals und mithilfe eines geheimen Rezeptes ein hervorragender und sehr beliebter Braten hergestellt wird.

So ausgestattet, sollten die Künstler mithilfe ihrer Intuition und Erfahrung dem Unbekannten eine Form geben. Das Ergebnis kann sich sehen lassen – bis 16. November 2014 in der Galerie des Museums.

Von Franziska Engemann / Museum Burg Posterstein

Wanderung auf den Spuren des Holzschnitzers Johannis Hopf

Geschichte & Geschichten Veröffentlicht am 1. Mai 2014 von Museum Burg Posterstein21. Januar 2017

Regelmäßig begeben sich Mitglieder des Museumsvereins Burg Posterstein auf thematische Reisen und Ausflüge, die eng mit den Themen des Museums in Verbindung stehen. Der diesjährige Frühjahrsausflug am 26. April führte von Neumark zur Burg Schönfels. Vereinsmitglied Monika Diedrich berichtet darüber:

Inschrift unter der Empore in der Postersteiner Burgkirche

Inschrift unter der Empore in der Postersteiner Burgkirche (Foto: Museum Burg Posterstein)

Am 26. April 2014 machte sich eine siebzehnköpfige Gruppe auf, die Spuren Johannis Hopfs zu suchen, dem zugeschrieben wird, die Holzschnitzereien in der Postersteiner Burgkirche angefertigt zu haben.

Die Wanderung begann im Gut Neumark der Familie von Römer. Das Anwesen, besonders das Schloss, befindet sich in einer permanenten Bausituation. Überall stehen Gerüste, Baumaterialien, eingerissene Wände und halbfertige Gebäude – aber die Dächer sind in Schuss! Darauf verwies die Hausherrin Dorothee von Römer mit Stolz, die uns engagiert durch das ehemalige Rittergut führte.

Familie von Römer musste ihr Schloss nach der Wende zurückkaufen

Die Familie von Römer, Jahrhunderte in und um Zwickau ansässig und tätig, ist seit 1478 mit dem Gut verbunden und kaufte es nach der Wende 1989 von der Treuhand zurück, um es zu bewirtschaften und wieder in Stand zu setzen. Seit der Enteignung durch die Bodenreform 1945 war es ein volkseigenes Gut (VEG) gewesen. Was das jetzt für eine Herkulesaufgabe für die neuen (alten) Eigentümer war, ist und noch sein wird, wird jedem klar, der den Rundgang durch das Schloss mitmacht.

Es könnte durchaus eine Verbindung zwischen dem Gut Neumark und dem prachtvollen Schnitzwerk in der Postersteiner Burgkirche geben (Foto: Römer: http://www.gut-neumark.de/de/bildergalerie.html)

Es könnte durchaus eine Verbindung zwischen dem Gut Neumark und dem prachtvollen Schnitzwerk in der Postersteiner Burgkirche geben (Foto: Römer: http://www.gut-neumark.de/de/bildergalerie.html)

Dieses Schloss aus dem 17. Jahrhundert ist auf den ersten Blick nicht als solches zu erkennen. Es ist ganz schlicht gebaut, ohne jedes Schmuckelement, durch die Zeit und die Nutzung (erst als Notunterkunft für viele Vertriebenenfamilien und später als Heim für psychisch kranke Kinder) heruntergekommen, verlassen und verloren. Hat man aber den Innenhof erreicht, sieht man seine ehemalige Bestimmung – hindurch durch Baugerüste, Dreck und Schutt. Dorothee von Römer führte unsere Gruppe in alle Ecken und Ritzen des alten Gemäuers, erklärte die Entstehungsgeschichte, die ehemalige Nutzung der Räume – auch zu DDR-Zeiten –, wies stolz auf unerwartete Funde von Balken oder Tür- und Fensteröffnungen hin, sprach von den finanziellen Schwierigkeiten und von Glücksmomenten, wenn wieder einmal etwas gelungen war. Bewundernswert ist ihre fröhliche und zuversichtliche Haltung, die sie an den Tag legte, wo sich doch jeder vorstellen konnte, was für eine Last sie und ihre Familie zu tragen hatten. Und natürlich fanden die Besucher Relikte von Holzschnitzereien, die denen in der Postersteiner Kirche glichen. Es wurde darüber gefachsimpelt, Vergleiche angestellt und die Familiengeschichte ins Gedächtnis gerufen, denn einen Zusammenhang könnte es gegeben haben, da eine Tochter der Familie Römer nach Posterstein geheiratet hatte und zu dieser Gelegenheit die Schnitzereien in die Kirche gelangt sein könnten.

Burgkapelle auf Schönfels – Eine Verbindung zum Postersteiner Schnitzwerk?

Wanderung zur Burg Schönfels

Wanderung zur Burg Schönfels

Vom Enthusiasmus und vom Mut der Römers angesteckt, begab sich die Gruppe auf eine Wanderung zur Burg Schönfels. Auch dort sollten sich Holzschnitzereien in der Burgkapelle befinden, die eventuell etwas mit denen in Posterstein und Neumark zu tun haben könnten.

Mitglieder des Museumsvereins bei der Führung durch die Burg Schönfels

Mitglieder des Museumsvereins bei der Führung durch die Burg Schönfels

Auf Burg Schönfels trafen wir wieder auf eine Führerin durch die Burg, die Leiterin des Museums und somit die Burgherrin, die von Tatkraft und Freude am Werk sprühte. Ina Schumann erzählte mit warmen Worten von den geleisteten Arbeiten und denen, die noch zu vollführen seien. Ihre Freude über jede neue Erkenntnis beim Renovieren von Räumen oder bei der Instandsetzung von Mauerwerk übertrug sich auf die interessierten Zuhörer. Sie machte uns aufmerksam auf den wohl wertvollsten Raum in der Burg, auf die Kemenate oder Bohlenstube, die wie ein Kasten aus 13,5 cm dicken Bohlen in die Burg eingebaut wurde. Wo kann man schon ein solches Wunderwerk, noch dazu mit einer kielförmigen Holztür, in einer mittelalterlichen Burg finden! Wie immer bezauberte der Blick vom Turm in die frische Frühlingslandschaft.

Schwebender Engel in der Kapelle der Burg Schönfels - Eine Arbeit aus der Werkstatt des Johannis Hopf?

Schwebender Engel in der Kapelle der Burg Schönfels – Eine Arbeit aus der Werkstatt des Johannis Hopf?

Und endlich zum Schluss der Besichtigung führte Ina Schumann in die Burgkapelle, wo es eine geschnitzte Kanzel zu bewundern gibt. Da blieb die Frage im Raum stehen: Hat sie Beziehungen zu den anderen schon erwähnten Holzschnitzereien? Unterschiede wurden ausgemacht, aber auch Ähnlichkeiten. Und es stellte sich die andere Frage, ob die Kanzel von vornherein für diese Kapelle bestimmt gewesen war oder ob man sie später erst eingebaut hatte? „Ja, ich weiß auch nicht, ob der Engel, der die Kanzel trägt, schon immer diesen Job gehabt hat“, war die humorvolle Antwort der Museumsleiterin.

Was hatte man an diesem Tag nicht alles zu sehen und zu hören bekommen! Wieder einmal hatte es sich für die Museumsfreunde gelohnt, an einer solchen Exkursion teilzunehmen. Viel frische Luft, herrliche Landschaft, alte Geschichte und alte Geschichten, interessante Erkenntnisse, gelungene Überraschungen und zum Schluss noch ein kräftiger Regenguss, der alle bis auf die Haut durchnässte. Aber was tut man nicht alles für seine Bildung!

Monika Diedrich / Museum Burg Posterstein

Weitere Berichte über Ausflüge des Museumsvereins:

Vier Tage Südböhmen (Oktober 2013)

Auf den Spuren von Jean Paul (Mai 2013)

Sammlerstücke: Was ist eigentlich eine Blocksonnenuhr?

Geschichte & Geschichten Veröffentlicht am 19. Dezember 2013 von Museum Burg Posterstein21. Januar 2017

Aus unserem Alltag verschwinden ständig Dinge, einfach, weil sie nicht mehr gebraucht werden. Das können Disketten, Dia-Projektoren, Lochkarten, handgeschriebene Briefe und Wendetoaster sein – alles Beispiele aus Blogbeiträgen zur Blogparade #dailyvanish von Sebastian Hartmann (alias Museumsheld mit dem Blog „Museum & Social Media“). Bis auf den Wendetoaster haben wir alles irgendwo im Museum, der Ort schlechthin, an dem vergangene Technologien und Gegenstände aufbewahrt werden, wenn sie aus der Mode gekommen sind. Dann können nachfolgende Generationen diese Gegenstände noch einmal mit eigenen Augen sehen und sich wundern, wie die Ahnen damit hantiert haben.

Die Blocksonnenuhr aus der Sammlung des Museums Burg Posterstein

Die Blocksonnenuhr aus der Sammlung des Museums Burg Posterstein

Für die Blogparade wollen wir einen Gegenstand aus unserem Archiv holen, der schon sehr viel länger aus dem Alltag verschwunden ist: Die Blocksonnenuhr. Solche Sonnenuhren gab es schon seit dem frühen 16. Jahrhundert und für die damalige Zeit waren die kleinen Kästen (unsere Sonnenuhr ist etwa 20cm lang und 18cm hoch) ein handliches und bewegliches Werkzeug auf dem Schreibtisch, beispielsweise in Observatorien.

Blocksonnenuhr aus dem 17. Jahrhundert (Museum Burg Posterstein)

Blocksonnenuhr aus dem 17. Jahrhundert (Museum Burg Posterstein)

Die Postersteiner Blocksonnenuhr stammt aus dem 17. Jahrhundert, steht in der Dauerausstellung zur Regionalgeschichte des Altenburger Landes und soll später restauriert werden. Der Quader aus bemaltem Holz enthält einen Kompass zur richtigen Ausrichtung und fünf Sonnenuhren. Wo die Blocksonnenuhr ursprünglich gestanden hat, ist nicht bekannt. Ein berühmter Altenburger Staatsmann und Wissenschaftler, der in seinem Arbeitsalltag u. a. mit Blocksonnenuhren in Berührung kam, ist Bernhard August von Lindenau, der Gründer und Stifter des Altenburger Kunstmuseums Lindenau-Museum.

Einer der führenden Astronomen des frühen 19. Jahrhunderts

Ein berühmter Altenburger Staatsmann und Wissenschaftler, der in seinem Arbeitsalltag u. a. mit Blocksonnenuhren in Berührung kam, ist Bernhard August von Lindenau, der Gründer und Stifter des Altenburger Kunstmuseums Lindenau-Museum

Ein berühmter Altenburger Staatsmann und Wissenschaftler, der in seinem Arbeitsalltag u. a. mit Blocksonnenuhren in Berührung kam, ist Bernhard August von Lindenau, der Gründer und Stifter des Altenburger Kunstmuseums Lindenau-Museum.

Bernhard August von Lindenau war nicht nur einer der bedeutendsten Staatsmänner des 19. Jahrhunderts und ein über die Grenzen seiner Vaterstadt Altenburg hinaus bekannter Kunstsammler, sondern auch ein erfolgreicher Astronom. Am 11. Juni 1779 geboren, wurde er bereits als 15 jähriger gemeinsam mit seinem älteren Bruder August an der juristischen Fakultät der Universität Leipzig immatrikuliert und trat auf Wunsch des Vaters 1801 als Altenburger Kammer-Assessor in den Staatsdienst ein.

In seiner Freizeit widmete er sich aber mathematischen und astronomischen Studien, die ihn über die Jahre zu einem der führenden Astronomen des beginnenden 19. Jahrhunderts werden ließen. In der Landeshauptstadt Gotha beschäftigte der astronomiebegeisterte Herzog Ernst II. den bedeutenden Astronomen Franz Xaver von Zach und hatte auf dem nahen Seeberg die modernste Sternwarte Europas einrichten lassen. Lindenau arbeitete sich so schnell und umfassend in die Astronomie ein, dass er schon 1804 nach dem Weggang Zachs faktisch die Leitung der Sternwarte übernehmen konnte.

Die modernste Sternwarte Europas

Der Tradition Zachs folgend war der Seeberg bei Gotha mit Lindenau an der Spitze mindestens bis 1819 die Drehscheibe für Astronomen aus ganz Europa. Lindenau blieb seiner Leidenschaft ein Leben lang treu. Die astronomische Welt schätzt Bernhard August von Lindenau bis heute. Seit 1935 trägt der Mondkrater mit den Koordinaten 32° 18’ S/ 24° 54’ O seinen Namen.

Natürlich kannte sich Lindenau auch mit Sonnenuhren aus. Aber schon damals wurden diese durch modernere Technik ersetzt. Heute hätte den Erfindern der Blocksonnenuhr vielleicht ein Smartphone gereicht – Sonnenuhren gibt es auch als App.

(von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein)

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