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Blog des Museums Burg Posterstein

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#Kinderburg: Hatten Ritter eine Schule?

Geschichte & Geschichten Veröffentlicht am 14. April 2017 von Museum Burg Posterstein13. April 2017

Hatten Ritter eine Schule? fragte Celine (9 Jahre) die Postersteiner Burggeister Posti und Stein. Hier kommt ihre Antwort:

Nein, eine richtige Schule, so wie heute, hatten die Ritter nicht. Kinder im Mittelalter lernten vor allem dadurch, dass sie den Erwachsenen zusahen und ihnen bei der Arbeit halfen. Lesen und Schreiben konnten die wenigsten. Jungen konnten Ritter werden oder im Kloster zum Mönch oder Pfarrer ausgebildet werden. Mädchen lernten den Haushalt einer Burg zu verwalten und wurden früh verheiratet.

Zwar gibt es schon seit fast 700 Jahren öffentliche Schulen. Aber die waren nur wenigen zugänglich. Die Kinder aus ärmeren Häusern hatten oft nicht genug Geld oder nicht genug Zeit, diese zu besuchen. Für die Kinder eines Ritters gab es mehr Bildungsmöglichkeiten als für die Kinder eines Bauern. Aber eine große Auswahl an Berufen, die sie später ausüben konnten, hatten auch Ritter nicht. Die Jungs wurden selbst zu Rittern oder sie wurden in ein Kloster geschickt und wurden später Mönch oder Pfarrer.

So sah die Schule der Ritter eher nicht aus... (Illustration: Museum Burg Posterstein).

So sah die Schule der Ritter eher nicht aus… (Illustration: Museum Burg Posterstein).

In Klöstern gab es tatsächlich Schulen. Geistliche mussten Lesen und Schreiben können! Sie lernten dort die lateinische Sprache. Manche sogar Griechisch. In Klosterschulen ging es sehr streng zu. Die Jungen durften nicht miteinander reden oder gar zusammen spielen. Wenn sie sich wuschen oder auf die Toilette mussten, war immer ein Aufpasser in der Nähe. Der Tagesablauf war streng geregelt: Vom Aufstehen bis zum Schlafen. Es gab feste Essenszeiten und einen strengen Speiseplan.

14 Jahre fern von zu Hause

Die Jungs, die selbst Ritter werden sollten, wurden auf eine andere Burg zur Ausbildung geschickt. Dort mussten sie dann einige „Lehrstufen“, so etwas wie Klassenstufen, durchlaufen. Mit sieben Jahren wurden sie „Page“. Sie dienten dem Burgherrn, lernten mit Pferden umzugehen und sie zu versorgen, gingen mit auf die Jagd, übten Bogenschießen und bekamen auch Musik- und Tanzunterricht. Page war man sieben Jahre lang.

Die Ausbildung zum Ritter absolvierten Jungen oft auf einer anderen Burg.

Die Ausbildung zum Ritter absolvierten Jungen oft auf einer anderen Burg.

Mit 14 Jahren wurden die Jungen dann zum „Knappen“ befördert. Wer stark und mutig war, begleitete seinen Ritter mit auf Turniere oder in den Kampf, half seinem Herrn beim Anziehen der Rüstung. Fiel der Ritter einmal vom Pferd, musste der Knappe ihm aufhelfen. Er wich ihm sozusagen nicht mehr von der Seite. Doch da der Knappe selber keine Rüstung trug und dennoch an den Kämpfen teilnahm, war das eine sehr gefährliche Aufgabe.
Mit 21 Jahren wurde der Knappe, wenn er sich bewährt hatte, schließlich mit der „Schwertleite“ zum Ritter geschlagen. Nun erst erhielt er sein eigenes Schwert. Und manchmal sah er auch erst zu diesem Zeitpunkt seine Eltern wieder. Nach 14 Jahren! In dieser langen Zeit hatte er auf einer fremden Burg alles gelernt, was er für den Kampf brauchte. Und natürlich trainierte er für den Ernstfall oder die Teilnahme an einem Turnier immer fleißig weiter!

Mit 12 Jahren verheiratet

Bei den Mädchen war es etwas anders. Den Frauen gehörte das Heim. Sie kümmerten sich um die Ordnung, um die Küche, die Dienstboten und Diener und natürlich um die Kinder.

Die Mädchen wurden von der Burgherrin in häuslichen Dingen unterrichtet. Im Spinnen und Sticken, im Malen, Tanzen und Singen, aber auch im Lesen oder Rechnen. War nämlich der Burgherr nicht zu Hause, musste seine Frau die Burg verwalten. Das musste sie natürlich früh erlernen, denn die Kindheit war im Mittelalter nicht sehr lang.

Mit sieben Jahren entschieden die Eltern, was ihre Kinder einmal tun sollten. Sie kamen auf die Klosterschule oder wurden zur Ritterausbildung auf eine andere Burg geschickt. Mit zwölf Jahren wurden die Mädchen oft schon verheiratet. Die Jungen galten mit 14 Jahren als erwachsen.

Erst vor ungefähr 100 Jahren setzte sich in ganz Deutschland die sogenannte „Schulpflicht“ durch. Seitdem müssen alle Kinder eine Schule besuchen.

Buchtipp zum Weiterlesen:
Viele Fragen rund ums Leben auf einer mittelalterlichen Burg beantwortet das Buch „Ritter und Burgen“ aus der Reihe „Frag doch mal die Maus“, erschienen 2006 im CBJ Verlag. Im Buch geht es unter anderem um die Fragen: „Wie wurde man Ritter?“, „Warum stehen so viele Burgen so hoch oben?“ und „Was machten die Ritter im Winter?“

Historische Ansicht des Ritterguts Nöbdenitz für die Sammlung des Museums Burg Posterstein

Geschichte & Geschichten Veröffentlicht am 13. April 2017 von Museum Burg Posterstein19. April 2017

Das Museum Burg Posterstein erhielt für seine kulturgeschichtliche Sammlung ein Ölgemälde aus den 1930/40er Jahren, das das Rittergut Nöbdenitz im damaligen Zustand zeigt.

Dieter Heine (links) übergibt das Ölgemälde aus seinem Familienbesitz an Museumsdirektor Klaus Hofmann und Museumsvereinsvorstand Dr. Gert Wolkersdörfer.

Dieter Heine (links) übergibt das Ölgemälde aus seinem Familienbesitz an Museumsdirektor Klaus Hofmann und Museumsvereinsvorstand Dr. Gert Wolkersdörfer.

Das großformatige Gemälde zeigt den idyllischen Blick auf das Nöbdenitzer Rittergut vom Teich aus gesehen. „Für das Museum ist das Bild besonders interessant, weil es eine historische Ansicht dokumentiert, die es heute so nicht mehr gibt“, freut sich Museumsdirektor Klaus Hofmann. Beispielsweise sieht man auf dem Gemälde noch den heute nicht mehr vorhandenen Balkon des Alten Schlosses (heute Sitz der Verwaltungsgenossenschaft Oberes Sprottental) und den Vorgängerbau der heutigen Kindertagesstätte Nöbdenitz.

Das Ölgemälde malte der langjährige Nöbdenitzer Landarzt Dr. med. Gerhard Hermann Nordbeck.

Das Ölgemälde malte der langjährige Nöbdenitzer Landarzt Dr. med. Gerhard Hermann Nordbeck.

Gemalt hat das Bild Dr. med. Gerhard Hermann Nordbeck (1894–1970), der bis 1954 als Landarzt in Nöbdenitz lebte. Er kam 1923 mit seiner ersten Frau Carola, geborene Eichhorn, nach Nöbdenitz und ließ um 1926/27 das Gebäude errichten, das auch heute noch die Nöbdenitzer Arztpraxis mit Wohnhaus beherbergt. Nachdem seine Frau 1945 gestorben war, heiratete Nordbeck 1950 Helga Zwiener, geschiedene Heine, die Mutter von Dieter Heine. In Absprache mit seinen Stiefgeschwistern entschied Heine sich dafür, das von Nordbeck angefertigte Gemälde dem Museum Burg Posterstein zu übergeben. Der Museumsverein Burg Posterstein dankt herzlich dafür.

Das Nöbdenitzer Schloss um 1938/40 und heute.

Das Nöbdenitzer Schloss um 1938/40 und heute.

Die vom Teehaus am Nöbdenitzer Teich (2006 vom Ortsverschönerunsgsverein Nöbdenitz rekonstruiert) gemalte Ansicht stellt eine wunderbare Ergänzung der Dauerausstellung des Museums dar, die in diesem Jahr weiter überarbeitet werden soll. Nach der Ausstellung über den Sachsen-Gotha-Altenburgischen Minister Hans Wilhelm von Thümmel (1744–1824) im vergangenen Jahr sollen auch Thümmel und Nöbdenitz einen prominenteren Platz in der Ausstellung zur europäischen Salongeschichte erhalten. Thümmel ließ auf seinem Landsitz in Nöbdenitz nicht nur einen weithin bekannten englischen Garten anlegen, sondern wählte die 1000-jährige Eiche als seine außergewöhnliche Grabstätte. Das Museum Burg Posterstein veröffentlichte 2016 die bisher umfangreichste Biografie Thümmels und bietet auf Voranmeldung Führungen zur 1000-jährigen Eiche und zum Rittergut Nöbdenitz an.

Zum Weiterlesen: Hans Wilhelm von Thümmel: Der Mann unter der 1000-jährigen Eiche

#Kinderburg: Wie schwer war die Ritterrüstung?

Geschichte & Geschichten Veröffentlicht am 21. Februar 2017 von Museum Burg Posterstein28. August 2017

Jeremy (11 Jahre) und Jannes (5 Jahre) wollen wissen, wie schwer die Rüstung – genannt Harnisch – eines Ritters war. Burggespenst Posti und Drache Stein antworten:

So eine Rüstung war ziemlich schwer. Sie bestand aus sehr vielen einzelnen Teilen und wog zwischen 20 und 30 Kilogramm – also etwa so viel wie zwei bis drei Eimer Wasser! Allein ein Helm wog so viel wie drei Milchkartons (drei Kilogramm). Ein Kettenhemd konnte sogar 15 bis 20 Kilogramm auf die Waage bringen, so viel wie ein Kindergartenkind. Trotzdem konnten die Männer dieses Gewicht, das sich auf den ganzen Körper verteilt, gut tragen. Eine Feuerwehr-Ausrüstung wiegt heute genauso viel!

Seit rund 500 Jahren gibt es keine „richtigen“ Ritter in Rüstung mehr. Das lag auch daran, dass die Rüstungen neuen Waffen nicht mehr standhalten konnten. Im Laufe der Zeit entwickelten die Menschen zum Beispiel immer bessere Feuerwaffen, die auch Rüstungen durchschlugen. Das war natürlich nur ein Grund, warum es heute keine Ritter zu Pferd und mit Rüstung mehr gibt.

Helme und Rüstung in der Burg Posterstein.

Helme und Rüstung in der Burg Posterstein.

Heute kann man „Ritter“ nur noch auf Mittelaltermärkten sehen. Das sind aber geübte Schauspieler, die zur Freude der Besucher ein Turnier nachstellen. Trotzdem tragen auch diese Ritter noch richtige Rüstungen, die auch noch heute genauso schwer sind wie damals im Mittelalter. Und immer noch gibt es so etwas wie moderne Rüstungen: Helme, Schutzanzüge und schusssichere Westen zum Beispiel.

Anmerkung: Wir danken Dirk H. Breiding (Department Waffen und Rüstungen am Philadelphia Museum of Art) für die inhaltliche Beratung.

Achtung: Unser Blog mit neuer Adresse und neuem Design

Geschichte & Geschichten Veröffentlicht am 27. Januar 2017 von Museum Burg Posterstein27. Januar 2017

Unser Blog ist umgezogen. Nach rund sechs Jahren Museumsblog haben wir uns entschieden, unseren Blog selbst zu hosten. Der „alte“ WordPress.com-Blog wird automatisch auf die neue Adresse umgeleitet. Auch wer unseren Blog abonniert hatte, müsste nun weiterhin Meldungen über neuste Artikel bekommen. Sollte dies nicht der Fall sein, fügt die neue Blog-Adresse bitte noch einmal eurem WordPress-Reader hinzu oder abonniert den Blog per E-Mail. Alle vorhandenen Artikel sind natürlich ebenfalls mit umgezogen und können weiterhin gelesen werden.

Demnächst: Neue Blog-Serie für Familien

Die Burggeister Posti und Stein posieren mit der "Helm-Post" in der Halle der Burg. Dort können Fragen eingeworfen werden.

Die Burggeister Posti und Stein posieren mit der „Helm-Post“ in der Halle der Burg. Dort können Fragen eingeworfen werden.

Ab 1. Oktober 2017 zeigt das Museum Burg Posterstein die Familienausstellung „Die Kinderburg – Auf den Spuren von Rittern und Salondamen“.

In Vorbereitung auf die Ausstellung starten wir die Blog-Serie „Die Kinderburg“ für Kinder und Eltern. Darin beantworten unsere Burggeister Posti und Stein Besucherfragen auf einfache und verständliche Art. Heute standen das Burggespenst Posti und der Drache Stein dafür zum ersten Mal vor der Kamera. Das Ergebnis dessen gibt es in der nächsten Woche zu sehen. Erste Fragen sind auch schon eingegangen. Jonathan (4 Jahre) möchte wissen: Wo schliefen die Ritter? Die Antwort gibt es am Dienstag im Blog. Ernst gemeinte Fragen nehmen Posti und Stein jederzeit per E-Mail oder Post (Museum Burg Posterstein, Burgberg 1, 04626 Posterstein) entgegen.

Von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

Thümmels Projekte: Flusskarten – Die Flößerei auf der Sprotte

Geschichte & Geschichten Veröffentlicht am 24. September 2016 von Museum Burg Posterstein21. Januar 2017

Eines der vielen Projekte Hans Wilhelm von Thümmels (1744-1824), welches heute fast in Vergessenheit geraten ist, ist die Einrichtung einer so genannten Holzflößerei im Altenburger Landesteil des Herzogtums Sachsen-Gotha und Altenburg, die von ca. 1791 bis 1816 bestand. Der Grund dafür lag in einem erhöhten Brennholzbedarf der Stadt Altenburg, deren Bierbrauereien, Branntweinbrennereien, Töpfereien, Pfeifenfabriken und Ziegeleien mehr Feuerholz benötigten als vor Ort verfügbar war. Um nicht teuer Holz aus dem Werdauer Wald importieren zu müssen, verfolgte Thümmel die Idee, stattdessen über Sprotte und Pleiße Holz aus den eigenen Wäldern bei Klosterlausnitz und Tautenhain nach Altenburg zu transportieren.

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Flusskarten, aus dem Jahr 1789, in Leder gebunden, bestehend aus: 20 Blättern, handgezeichnet, tabellarische Übersicht über die Grundstücke, dargestellt ist der Verlauf der Sprotte, einschließlich Wehre und Flurstücke. Zu sehen in der aktuellen Ausstellung im Museum Burg Posterstein.

Mit großem Aufwand wurden die Gewässer ab 1789 vorbereitet, indem unter anderen ein Floßplatz in Großenstein, drei Floßteiche, Begradigungen und Durchstiche eingerichtet wurden. Konkret wurde zwischen Großenstein und Untschen auf der sogenannten „Kleinen Sprotte“ geflößt. In Untschen, das über die Familie Rothkirch und Trach in Thümmels Besitz gekommen war, gab es einen Floßteich über der Mühle, an dem auch ein Zapfenhaus zur Regulierung der Ausflussmenge des Teichwassers stand. Dieses Häuschen ließ sich Thümmel im Stil eines chinesischen Badehauses einrichten. Der nächste Streckenabschnitt führte auf der Sprotte von Untschen bis Selleris. Dort mündet die Sprotte in die Pleiße und die Holzscheite wurden weiter bis Münsa gespült.

Weil Sprotte und Pleiße auch damals keine reißenden Flüsse waren, insbesondere nicht auf dem Streckenabschnitt zwischen Untschen und Selleris, und sich zudem noch 22 Wehre und allerhand Mühlen auf diesem Teilgebiet befanden, konnte das Flößen nur mit der Schneeschmelze im Frühjahr stattfinden und dauerte ungefähr zwei bis drei Wochen. Die geflößte Holzmenge unterlag sehr den Witterungsbedingungen, denn während 1792 immerhin 2177 Klafter Holz transportiert werden konnten, waren es im Jahr darauf nur 357 Klafter (Klafter= 2,5 Kubikmeter). Das letzte Mal flößte man 1816 und stellte es dann unter Angabe verschiedener Gründe, wobei die Unwirtschaftlichkeit des Verfahrens wohl die eigentliche Ursache war, 1824, im Jahr als Thümmel verstarb, offiziell ein.

mehr dazu erfährt man in der aktuellen Sonderausstellung im Museum Burg Posterstein, die noch bis zum 31. Oktober 2016 zu sehen ist.

Buch zur Ausstellung: Buchvorstellung – 2. Oktober, 15.00 Uhr

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Im Dienste der Ernestiner: Hans Wilhelm von Thümmels Aufstieg vom Pagen zum Minister, Museum Burg Posterstein, 2016 (168 Seiten, farbig, ISBN 978-3-86104-136-8, 20.00 Euro)

Ebenfalls zur Holzflößerei auf Sprotte und Pleiße bloggte neulich „Sprottepleißenland“:

Wie die Flößerei Sachsen und Thüringen einte und trennte

Noch mehr im Blog:

Mit Baron von Thümmel durch Nöbdenitz: Gut besuchte Wanderung des Museums Burg Posterstein
Im Dienste der Ernestiner – Hans Wilhelm von Thümmels Aufstieg vom Pagen zum Minister
Romantically minded minister of Saxe-Gotha-Altenburg burried under a 1000 year old oak
Die Weisheiten eines langjährigen Ernestiner Staatsmannes – als Glückskeks
Hans Wilhelm von Thümmel – der Mann unter der 1000-jährigen Eiche
Die 1000-jährige Eiche in Nöbdenitz

Krakau – vier Tage intensiv Geschichte erleben

Geschichte & Geschichten Veröffentlicht am 25. August 2016 von Museum Burg Posterstein21. Januar 2017

Jedes Jahr begibt sich der Förderverein des Museums auf Bildungsfahrt.

Diesmal unternahmen wir vom 11. bis 14. August 2016 eine Exkursion in die geschichtsträchtige Stadt Krakau in Südpolen. Auf dem Hin- und Rückweg wurde die Zeit nicht nutzlos im Bus verbracht, sondern auch an diesen eigentlichen Reisetagen gab es sehenswerte Ziele, die angefahren und besichtigt wurden.

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Das Schloss von König Kasimir dem Großen

Das Schloss von König Kasimir dem Großen

Das erste Ziel war Schloss Pieskowa Skala, etwa 25 Kilometer nordöstlich von Krakau. Auf weißem Fels erhebt sich ein wunderschön restauriertes helles Schloss. Im 16. Jahrhundert war die vorhandene Burg in ein Renaissanceschloss umgebaut worden. Herrliche Arkaden – und das sollten nicht sie einzigen sein, die auf dieser Reise zu besichtigen waren – umfassen einen weiten Hof.

Krakau – bis 1596 Hauptstadt des Königreichs Polen

Einen Tag lang widmete sich die Reisegruppe der Stadt Krakau, einer Stadt, wie man sie kaum erwartet hat. Der alte Stadtkern noch wunderbar erhalten. An der Weichsel gelegen, erhebt sich auf einer Anhöhe der Wawel, das alte Königsschloss.

Im Zweiten Weltkrieg nicht zerstört, hat die Stadt doch einige Überfälle von Mongolen oder Türken erleben müssen. Einige Stadtbrände kamen hinzu. Und zu Zeiten des kommunistischen Regimes wurde die Stadt sehr vernachlässigt. Umso erstaunlicher ist es, wie herrlich die Stadt heute renoviert ist, zumindest die Altstadt.Trotz ihres Alters ist die Stadt jung, jung durch die zahlreichen Studenten, die hier leben.

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Der Wawel (Residenz der Könige von Polen) und die alte Stadt waren umgeben von Festungsanlagen und Wassergräben, die heute einen Grüngürtel von 4 Kilometern Länge bilden.

 

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Papst Paul II. war Bischof von Krakau – sein Bild ist überall in der Stadt zu sehen

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Der Markt mit den Tuchhallen ist riesig.

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Die Marienkirche ist ein Schatz, und der größte Schatz darin ist der Marienaltar von Veit Stoß. Im Czartoryski-Museum gibt es sogar einen Da Vinci zu bewundern: Die Dame mit dem Hermelin.

Die Schwarze Madonna von Częstochowa

Wer gedacht hatte, am dritten Tag dem Menschengewühl einer vielbesuchten Stadt zu entkommen, hatte sich gewaltig getäuscht. Von wegen stille Einkehr in einem Kloster.

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Doch nicht in Tschenstochau! Pilger über Pilger, Busse über Busse, Autos über Autos. Alle wollen die schwarze Madonna sehen. An ihr wird man schnell vorbeigeschleust. Pracht und Prunk an allen Orten, was man gar nicht richtig fassen kann.

Gut, dass es wieder zurück ins doch „ruhigere“ Krakau geht. Ruhig ist vielleicht nicht das richtige Wort, denn bis in die späte Nacht hinein, wandeln hier Menschen – Kind und Kegel – auf dem Markt und in den Straßen. Was gibt’s Schöneres, als dann abends in einem Jazz-Keller unterzuschlüpfen.

Residenz der Herzöge von Brieg

Am vierten Tag, auf der Rückfahrt gab es ebenfalls ein Schloss zu besichtigen, das Schloss in Brieg, in dem man so vieles über die Geschichte der Piasten erfahren kann.

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Besonders eindrucksvoll ist das Renaissanceportal am Eingang zum Schloss. Das Überraschendste aber war der Taufstein im Schlossmuseum, an dem Kurt Masur, der 1927 in Brieg geboren, getauft worden war.

Ein Beitrag von Monika Diedrich.

 

Durch das historische Nöbdenitz auf den Spuren eines Ernestiner Ministers

Geschichte & Geschichten Veröffentlicht am 27. Juli 2016 von Museum Burg Posterstein21. Januar 2017
Das ehemalige Schloss Nöbdenitz - hierhin zog sich Hans Wilhelm von Thümmel im Alter zurück.

Das ehemalige Schloss Nöbdenitz – hierhin zog sich Hans Wilhelm von Thümmel im Alter zurück.

Hans Wilhelm von Thümmel (1744–1824) stieg am Hof der Ernestiner Herzöge in Gotha zwischen 1760 und 1804 vom Pagen zum Minister auf. In seiner Funktion als Präsident der Altenburger Kammer und Vorsitzender des Obersteuerkollegiums brachte er viele wichtige Projekte voran, darunter die Vermessung und Kartierung des Altenburger Landesteils, den Bau eines modernen Krankenhauses und mehrerer Armenhäuser und den Ausbau der Straßen. Nach seinem Rücktritt aus den Staatsdiensten verbrachte er Zeit als zuvor auf seinen Rittergütern in Nöbdenitz und Untschen. Die Sonderausstellung „Im Dienste der Ernestiner: Hans Wilhelm von Thümmels Aufstieg vom Pagen zum Minister“ ist bis 31. Oktober 2016 im Museum Burg Posterstein zu sehen.

Zum Frühstück in der 1000-jährigen Eiche

Die ungewöhnliche Grabstätte Hans Wilhelm von Thümmels im Postersteiner Nachbarort Nöbdenitz.

1000-jährige Eiche: Die ungewöhnliche Grabstätte Hans Wilhelm von Thümmels im Postersteiner Nachbarort Nöbdenitz.

Bei einem Gewittersturm im Juli 1819 stürzte die Hauptkrone der 1000-jährigen Eiche in Nöbdenitz auf ein Kellerhaus des Pfarrhofs. Der damalige Pfarrer M. Beatus Friedrich Glasewald notierte den Vorfall in einem Kirchenbuch und erwähnte dabei auch, dass der hohle Baum „des zu befürchtenden Schadens halber an die Meistbietenden“ verkauft und „von dem Herrn Geheimer Rat von Thümmel in Besitz“ genommen sei.

Laut vielfältigen, zeitgenössischen Berichten mochte Thümmel den Baum sehr und nutzte ihn als Ort zum Ausruhen, Nachdenken, Dichten, aber auch für kleine Gesellschaften. Der Schriftsteller Friedrich Förster (1791–1868), Schulfreund von Thümmels Sohn und mitgenommen nach Nöbdenitz und Löbichau, schrieb in seinen Jugenderinnerungen:

„Hier wurde das Frühstück in dem inneren Raume einer tausendjährigen Eiche, deren Stamm hohl geworden war, eingenommen. Der Minister hatte hier einen runden Marmortisch und Moosbänke für zehn Personen […] aufstellen lassen.“

Heute kann die Eiche aus Rücksicht auf das Naturdenkmal nur noch von außen besichtigt werden. In der Postersteiner Sonderausstellung erlaubt ein Touchpad jedoch einen Rundumblick ins Innere des hohlen Baumes.

21. August, 10 Uhr, Nöbdenitz: Geführte Wanderung auf Thümmels Spuren

Das herrschaftliche Erbbegräbnis der Familien Rothkirch und Trach, Thümmel und Wietersheim wurde zu DDR-Zeiten abgerissen.

Das herrschaftliche Erbbegräbnis der Familien Rothkirch und Trach, Thümmel und Wietersheim wurde zu DDR-Zeiten abgerissen.

Hans Wilhelm von Thümmel wurde im März 1824 wunschgemäß in den Wurzeln der 1000-jährigen Eiche begraben. Zu seinem Nöbdenitzer Rittergut gehörten aber auch das Mausoleum der Familien Thümmel, Rothkirch und Trach und Wietersheim, ein idyllischer englischer Garten und ein altes und ein neues Schloss. Man segelte auf dem Teich oder spazierte zur „Einsiedeley“ im schattischen Nöbdenitzer Wald. Auf einer geführten Wanderung folgen der Gothaer Schauspieler Ralph-Uwe Heinz und Museumschef Klaus Hofmann Thümmels Spuren. Treffpunkt: 1000-jährige Eiche. Im Anschluss:

21. August, 14 Uhr, Burg Posterstein: Führung durch die Sonderausstellung

Nach einer Mittagspause, die man wahlweise für eine Wanderung auf dem Sprotte-Erlebnispfad nach Posterstein oder ein Mittagessen nutzen kann, gibt es im Museum Burg Posterstein eine Führung durch die Sonderausstellung, die an die Wanderung durch Nöbdenitz anknüpft.

Preis für geführte Wanderung: 10 € für Erwachsene. Die Karte gilt auch für einen Museumsbesuch. Reservierungen werden unter (034496) 22595 bzw. museum@burg-posterstein.de entgegengenommen.

von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

 

Alle Infos zur Thüringer Landesausstellung 2016

24. April – 28. August 2016

„Die Ernestiner – eine Dynastie prägt Europa“
Neues Museum Weimar
Stadtschloss Weimar
Schloss Friedenstein Gotha
Herzogliches Museum Gotha
Zum Blog der Klassikstiftung Weimar

 

Begleitausstellungen:

24. April – 28. August 2016

»Ein ebenso schöner, wie geistreicher Mann…«
Bernhard August von Lindenau im Dienste der Wettiner
Lindenau-Museum Altenburg
www.lindenau-museum.de

 

23. April – 25. September 2016

»Von Saalfeld nach Windsor«
Johann Ernst, Herzog zu Sachsen-Saalfeld, und Europas Königshäuser
Stadtmuseum Saalfeld im Franziskanerkloster
Mehr im Blog: Von Saalfeld nach Windsor: Ernestiner-Begleitausstellungen im Portrait

 

26. Juni – 31. Oktober 2016

Im Dienste der Ernestiner: Hans Wilhelm von Thümmels Aufstieg vom Pagen zum Minister
Museum Burg Posterstein

Weitere Blogposts zu #Ernestiner2016

Exponate, die überzeugen: Museumsverein Burg Posterstein besucht Thüringer Landesausstellung

Geschichte & Geschichten Veröffentlicht am 8. Juli 2016 von Museum Burg Posterstein20. Dezember 2022

Erst zwei Woche ist es her, dass in Posterstein die Ausstellung über den Gotha-Altenburgischen Minister Hans Wilhelm von Thümmel (1744-1824) eröffnet wurde. Der erfolgreiche „Diener“ der Mächtigen spielte schließlich im 18. und 19. Jahrhundert eine wichtige Rolle bei der „Prägung Europas“, das die Thüringer Landesausstellung in den Mittelpunkt stellt. Einen Rückblick auf die Eröffnung in Posterstein gibt es hier im Video.

Für die Sonderschau konnten selten gezeigte Leihgaben wie Thümmels Pariser Tagebuch aus dem Staatsarchiv Gotha und die Grassi-Portraits des Ehepaars Thümmels geliehen werden.
Für die Sonderschau konnten selten gezeigte Leihgaben wie Thümmels Pariser Tagebuch aus dem Staatsarchiv Gotha und die Grassi-Portraits des Ehepaars Thümmels geliehen werden.

Die Postersteiner Schau soll also eine Vertiefung dessen sein, was der Besucher im Kosmos Weimar und im Barockem Universum Gotha präsentiert bekommt.

So machten sich die Postersteiner Museumsfreunde auf den Weg nach Gotha, der einstigen Landeshauptstadt zur Zeit Hans Wilhelm von Thümmels. Sie begannen ihre Besichtigung im Herzoglichen Museum, also bei den Künsten. Der Ort ist hervorragend gewählt für die Abhandlung genau dieser Thematik, wie die exquisiten Exponate auch. Was fehlt, ist eine Einführung in die Gesamtkonzeption der Schau, offenbar rechneten die Ausstellungsmacher nicht mit dem Eigenwillen der Besucher, selbst auszuwählen, wo ihr Einstieg in die Landesausstellung stattfindet.

Über eigenwillige Besucher und Flure als Ausstellungsräume

Die Führung half da wenig, erschrocken verlor die Kollegin jedes Konzept, als ihr offenbar wurde, das da kundige Gäste vor ihr standen – schade!

Im Schloss selbst zeigte sich, dass Flure sich meistens nicht als Ausstellungsräume eignen.

Die ausgestellten Exponate allerdings überzeugten. Ein besonderes Objekt (passend zu unserer Thematik) war beispielsweise der Schlüssel eines Kammerherrn – Thümmel wurde 1776 Kammerrat an der Gothaer Kammer und im selben Jahr zum Kammerherrn ernannt – im Kontext einer witzigen Darstellung der „Pyramide des Gothaer Hofdienstes“ mittels Schachfiguren.

Herzogin Luise Dorothea
Herzog Ernst II.

Schließlich hatte sich ja Thümmel hochgedient vom Pagen der Herzogin Luise Dorothea (1710–1767) zum Minister ihres Sohnes Ernst II. (1745–1804) und ihres Enkels August (1772–1822). Die Pagenstelle bekam Thümmel 1760 durch seinen Patenonkel, den Oberhofmarschall Hans Adam Friedrich von Studnitz (1711–1788). In seinen Werk „Historische, statistische, geographische und topographische Beyträge  zur Kenntniß des Herzogthums Altenburg. Herausgegeben von Hans von Thümmel. Altenburg 1818“ widmete er unter anderem seiner Mentorin Luise Dorothea wie auch der Herzogin Anna Dorothea von Kurland ein längeres Porträt.

Einer der engsten Vertrauten des Herzogs

Unter Herzog Ernst II. wurde Thümmel 1791 Geheimer Rat und zählte zu den engsten Vertrauten des Herzogs. Thümmel sollte auch nach den Anweisungen im Testament des Herzogs dessen Begräbnis organisieren. 36 Stunden vor seinem Tod ließ Ernst II. seine „vertrautesten Freunde, einem nach dem andern an sein Bett kommen“, darunter auch Thümmel, der die Szene so beschrieb:

„Er drückte ihm zum letztenmale die Hand; und als die Thräne der innigsten Wehmuth auf die seinige fiel, sagte er [Ernst II.] unaussprechlich sanft: ‚Alter Freund, wir kennen uns schon lange; doch dieß ist wohl das erstemal, wo ich Ihnen wehe thue!‘ Und der Gott der Wahrheit sey Zeuge, daß in den 45 Jahren meines Lebens und Wehens um ihn es so war!“ (Thümmel, Beyträge, S. 93/94)

Herzog Augusts Tochter Luise (1801–1831), Stammmutter der Windsors, stand bis zu ihrer Heirat unter Thümmels Vormundschaft.
Herzog Augusts Tochter Luise (1801–1831), Stammmutter der Windsors, stand bis zu ihrer Heirat unter Thümmels Vormundschaft.
Herzog August Emil Leopold von Sachsen-Gotha und Altenburg ernannte Thümmel zum Geheimen Rat und Minister.
Herzog August Emil Leopold von Sachsen-Gotha und Altenburg ernannte Thümmel zum Minister.

Später auf unserer Erkundungstour durch die Landesausstellung trafen wir auf Herzog Augusts Tochter Luise (1801–1831), die Stammmutter der Windsors. Thümmel war seit 1801 ihr Vormund. Er kümmerte sich bis zu ihrer Heirat mit dem Coburger Herzog Ernst 1817 um Finanzen und Erziehung. Luises Sohn Albert heiratete später Königin Victoria von Großbritannien. Nach der Scheidung wurde sie durch Bernhard August von Lindenau vertreten.

Schließlich erspähten wir sogar noch ganz am Rande Hans Wilhelm von Thümmel höchst selbst — als Büste von Friedrich Wilhelm Eugen Döll (1750–1816). Zwar konnte ihn niemand außer Fachbesucher wie wir erkennen, da die Beschriftung fehlte, genau wie bei Grassis Portrait von Lindenau — aber immerhin…

Die Begräbnisinsel im Park von Schloss Friedenstein.
Die Begräbnisinsel im Park von Schloss Friedenstein.

Der Gang durch den Schlosspark, vorbei an der Insel, auf der sich Ernst II. 1804, vereint mit der Natur bestatten ließ, rundete unseren Ausflug ab. Die Aussicht dereinst in den Wipfeln des Baumes dem Himmel entgegen zu sehen, ließ Thümmel sein Begräbnis in der 1000jährigen Eiche in Nöbdenitz lange vor seinem Tod vorbereiten. Vorbild war die Gothaer Begräbnisinsel.

von Marion Dinger / Museumsverein Burg Posterstein

Alle Infos zur Thüringer Landesausstellung 2016

24. April – 28. August 2016

„Die Ernestiner – eine Dynastie prägt Europa“
Neues Museum Weimar
Stadtschloss Weimar
Schloss Friedenstein Gotha
Herzogliches Museum Gotha
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Begleitausstellungen:

24. April – 28. August 2016

»Ein ebenso schöner, wie geistreicher Mann…«
Bernhard August von Lindenau im Dienste der Wettiner
Lindenau-Museum Altenburg
www.lindenau-museum.de

23. April – 25. September 2016

»Von Saalfeld nach Windsor«
Johann Ernst, Herzog zu Sachsen-Saalfeld, und Europas Königshäuser
Stadtmuseum Saalfeld im Franziskanerkloster
Mehr im Blog: Von Saalfeld nach Windsor: Ernestiner-Begleitausstellungen im Portrait

26. Juni – 31. Oktober 2016

Im Dienste der Ernestiner: Hans Wilhelm von Thümmels Aufstieg vom Pagen zum Minister
Museum Burg Posterstein

Weitere Blogposts zu #Ernestiner2016

#architectureMW: Entwicklung der Burg Posterstein von der Wehrburg zum Wohnschloss

Geschichte & Geschichten Veröffentlicht am 30. März 2016 von Museum Burg Posterstein21. Januar 2017

LogoMW_PostersteinTagesthema der weltweiten #MuseumWeek auf Twitter und in anderen sozialen Netzwerken ist das Thema Architektur, Hashtag #architectureMW. Im Blog des Museum Burg Postersteins möchten wir die MuseumWeek wie schon im letzten Jahr täglich begleiten. Weil die Burg das wichtigste Ausstellungsstücks des Museums ist, soll sich dieser Blogpost ganz um deren Baugeschichte drehen.

Skizze des Grundrisses der Burg Posterstein (Museum Burg Posterstein)

Skizze des Grundrisses der Burg Posterstein (Museum Burg Posterstein)

Die Baugeschichte der Burg Posterstein ist Ausdruck der Bedürfnisse und Möglichkeiten der jeweiligen Besitzer. Während zunächst die Wehrhaftigkeit im Vordergrund stand, waren es spätestens seit dem 16. Jahrhundert der Drang nach Wohnlichkeit und Repräsentanz, die immer wieder zu Umbauten an der Burganlage führten.

Die Bergspornburg mit Ringmauer, Halsgraben und Zugbrücke

Auf strategisch günstigem Gelände, hoch über der Sprotte und nach zwei Seiten steil abfallend, wurde die Burg in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts angelegt. Mittelpunkt der Anlage war der Bergfried mit seinen drei Meter starken Mauern. Geschützt wurde die Burganlage durch eine starke Ringmauer und einen Halsgraben mit Zugbrücke am flachen Zugang der Burg. Das mittelalterliche Verlies der Burg befand sich im unteren Teil des Bergfriedes, 6,50 Meter tief aus dem Fels heraus gehauen. Der Zugang führte über das heute noch zu besichtigende Gefängnis in Höhe des Kleinen Burghofes in die Tiefe.

Ansicht der Burg Posterstein im 17. Jahrhundert (Museum Burg Posterstein)

Ansicht der Burg Posterstein im 17. Jahrhundert (Museum Burg Posterstein)

Ein Schloss mit roten Echquaderungen entsteht

Im 15. Jahrhundert begann man schrittweise mit der Überbauung der Ringmauer. Ein heute noch vorhandener Treppenturm sowie eine durch einen Schrank verdeckte Treppe im Gerichtsraum der Burg dienten bis zur Überbauung der Innenhöfe im 17. Jahrhundert als Aufgang in die beiden Gebäudeflügel. Im 16. Jahrhundert veränderte sich das äußere Bild der Burg Posterstein durch die Gestaltung der Fassade mit weißem Putz und roten Eckquaderungen. In dieser Zeit entstand auch der Erker an der Westseite der Burg mit seinen vierfach übereinander gewölbten Konsolen.

Ansicht der Burg Posterstein aus dem 19. Jahrhundert (Museum Burg Posterstein)

Ansicht der Burg Posterstein aus dem 19. Jahrhundert (Museum Burg Posterstein)

Das Obergeschoss in seiner heutigen Gestalt ist Resultat der Bautätigkeit des späten 17. Jahrhunderts. Georg Dietrich von Pflugk ließ sich 1684 vom Herzog von Gotha-Altenburg zusätzliche Baufronen genehmigen, um sein im Krieg stark in Mitleidenschaft gezogenes Schloss zu rekonstruieren. Das alte Obergeschoss wurde abgetragen und als verputzter Fachwerkbau neu errichtet. Durch Überbauung der Innenhöfe entstand der heutige repräsentative Treppenaufgang. Die Türme versah man mit achteckigen Hauben, die steinerne Brücke wurde erbaut, und man betrat das Schloss nun durch ein neu errichtetes Portal. Die Gestaltung der Fassade mit Kreuzstockfenstern beendeten den Umbau zum Wohnschloss.

Im 17. Jahrhundert wurde der Umbau der Burg Posterstein zum Wohnschloss vollendet. Ansicht aus dem 19. Jahrhundert. (Museum Burg Posterstein)

Im 17. Jahrhundert wurde der Umbau der Burg Posterstein zum Wohnschloss vollendet. Ansicht aus dem 19. Jahrhundert. (Museum Burg Posterstein)

Im 18. Jahrhundert begann man mit dem Umbau des Nordflügels, dessen wichtigste Aufgabe darin bestand, den großen Festsaal aufzunehmen. Die Wohnräume wurden letztmalig renoviert und erhielten eine textile Wandbespannung. Ende der 1880er Jahre und 1937 folgten Instandsetzungsarbeiten an der Burganlage.

Nach der Gründung des Museums 1952 ging man an die Sicherung der Bausubstanz, ohne jedoch eine konstruktive Beseitigung der Bauschäden vorzunehmen. Dies führte im Laufe der folgenden Jahre zu einem fortschreitenden baulichen Verfall und letztlich 1977 zur Sperrung der Anlage für die Öffentlichkeit. 1981 bis 1991 wurde die Burg umfassend restauriert.

Von Klaus Hofmann / Museum Burg Posterstein

Zum Weiterlesen:
Aus der Geschichte der Burg Posterstein
Der fehlende Nordflügel der Burg Posterstein: Siehe Punkt 13

Kriminalgeschichte der Postersteiner Bauernportraits: Zeigen die Bilder Pfrengers, Schellenbergs oder Köhlers?

Geschichte & Geschichten Veröffentlicht am 16. Februar 2016 von Museum Burg Posterstein21. Januar 2017

Der von Mascher portraitierte Bauern Julius Schellenberg (1835–1900) erhielt im Zuge der neuen Sonderausstellung seinen Namen zurück (Museum Burg Posterstein)

Bei dem von Friedrich Mascher portraitierteb Bauer könnte es sich um Melchior Schellenberg handeln (Museum Burg Posterstein)

Im Zuge der Recherchen für die kommende Sonderausstellung „Der Portraitmaler Friedrich Mascher: Ausstellung zum 200. Geburtstag“, zu der auch ein Buch erscheinen wird, kamen neue Informationen zu den Bildern Friedrich Maschers ans Tageslicht. Gustav Wolf, Vorsitzender der Geschichts- und Altertumsforschenden Gesellschaft des Osterlandes zu Altenburg, konnte durch tiefgründige Recherchen im Thüringischen Staatsarchiv Altenburg, in Kirchenbüchern und anderen Quellen neue Details über die auf Maschers Bildern abgebildeten Altenburger Bauern herausarbeiten. Auf diese Art erhielt das 2014 vorgestellte Bauernpaar aus der Sammlung des Museum Burg Postersteins eine neue Identität.

2014 konnten die Bilder restauriert werden. Damals gingen wir davon aus, dass es sich bei den darauf abgebildeten Bauern um ein Ehepaar Pfrenger aus Greipzig handelt, weil sie aus dem Besitz der Familie, die dem Museum die Bilder verkauften, stammten. Greipzig ist ein kleiner Ort nahe Altenburg, der heute rund 40 Einwohner zählt. Genauere Informationen über die abgebildeten Personen waren dem Museum zum Zeitpunkt der Restaurierung nicht bekannt – klar war nur, dass es sich um zwei gut erhaltene und sehr typische Pastellzeichnungen von Friedrich Mascher handelte. Für die neue Ausstellung konnte Gustav Wolf nun völlig neue Informationen recherchieren und fand dabei heraus, dass es sich bei dem abgebildeten Paar tatsächlich um Vorfahren der Familie Pfrenger handeln könnte.

Die Ahnen der Familie Pfrenger lassen sich auf zwei benachbarten Höfen nachweisen. Das Portrait des Mannes ist auf der Vorderseite signiert und mit der Jahreszahl 1860 versehen. Mit Blick auf dieses gesicherte Datum kommen mehrere Ehepaare in Frage, die damals auf den beiden Höfen lebten und somit portraitiert sein könnten:

Melchior und Sophie Schellenberg

Der Anspanner Melchior Schellenberg (25. Juni 1805 in Gleina–9. Juli 1889 in Greipzig) und Sophie, geborene Kratzsch (1816–1882), heirateten am 9. Juli 1833 in Saara. Sophie erbte am 16. September 1834 den Hof ihrer Eltern Gottfried Kratzsch (1768–1830) und Christine, geborene Brauer (1777–1834) in Greipzig.

Julius und Anna Louise Schellenberg

Eigentlich hieß sie nicht Prenger, sondern Anna Louise Schellenberg, geborene Dietze (1839–1905) (Museum Burg Posterstein)

Sophie Schellenberg? Anna Louise Schellenberg? Oder doch Anna Köhler? (Museum Burg Posterstein)

Die Bilder könnten auch ihren einzigen Sohn Julius Schellenberg (1835–1900) und seine Frau Anna Luise, geborene Dietze (1839–1905), zeigen. Julius kaufte das elterliche Gut am 27. März 1861 von seiner Mutter für 10.800 Taler mit Auszugsbedingungen und Vorbehalt der Bewirtschaftung bis Johannis 1871. Er heiratete am 4. April 1861 in Saara Anna Luise, Tochter des dortigen Erb- und Eigentumsmüllermeisters Christian Karl Dietze und Anna, geborene Diezmann, aus Kauritz bei Gößnitz. Dagegen spricht, dass Julius und Anna Luise erst 1861, ein Jahr nach der Fertigstellung der Portraits, heirateten und das Gut übernahmen. Zudem scheint der abgebildete Mann älter als 25 Jahre alt zu sein.

Michael und Anna Köhler

Eine dritte Möglichkeit wäre, dass die Portraits Schellenbergs damalige Nachbarn, Michael Köhler (1817–1891) und Anna Köhler, geborene Apel (1836–1888), zeigen – Mascher portraitierte in Modelwitz ihre Mutter Anna, geborene Apel (1806–1875), und ihren Bruder Julius Apel. Denn nachdem Julius Schellenbergs Sohn Arno (1877–1915) im Ersten Weltkrieg fiel, heiratete seine Witwe Marie Margarete, geborene Kirste (*1883), aus Gieba, den jungen Landwirt Oskar Richard Wilhelm Pfrenger (*1899 in Heiligenkreuz) und zog mit ihm auf den Nachbarhof, der auf der Fotografie abgebildet ist. Ihre Kinder aus erster Ehe führten währenddessen den väterlichen Hof weiter und somit befanden sich seitdem beide Höfe im Besitz der Familien Schellenberg und Pfrenger. Als die Portraits gemalt wurden, lebte auf dem Pfrenger‘schen Hof Michael Köhler, der ihn 1854 seinem Vater Melchior (1780–1855) für 8.000 Taler abgekauft hatte. Michael Köhler heiratete 1862 in Stünzhain Anna Apel.

Hof Schellenberg in Greipzig - Foto aus dem Familienarchiv (Museum Burg Posterstein)

Hof der Familie Pfrenger in Greipzig – Foto aus dem Familienarchiv (Museum Burg Posterstein)

Dagegen, dass die Portraits das Ehepaar Köhler zeigen, spricht, dass sie erst zwei Jahre nach dem auf der Signatur angegebenen Datum heirateten und dass es unwahrscheinlich erscheint, dass die gut erhaltenen Pastelle über zwei Zwischenbesitzer des Hofs (Louis Albin Kirmse ab 1889 und Herbert Kirmse (*1895) ab 1922) an die Familie Pfrenger weitergegeben wurden. Marie Margarete Pfrenger, geborene Kirste und verwitwete Schellenberg, und ihr zweiter Mann übernahmen den Hof erst am 15. November 1928. Ihre Nachfahren bewahrten schließlich die Portraits und gaben sie ans Museum Burg Posterstein.

Die Geschichte der Familien Schellenberg, Pfrenger und Köhler gibt einen schönen Einblick in die reichhaltige Geschichte der Altenburger Bauern, die der Maler Friedrich Mascher als seine wichtigste Klientel entdeckt hatte.

Historische Informationen: Gustav Wolf, Vorsitzender der Geschichts- und Altertumsforschenden Gesellschaft des Osterlandes zu Altenburg

Weitere Informationen zur Sonderausstellung

Außerdem im Blog:
Reinschnuppern in die neue Ausstellung mit dem #MascherMarchenMemory

In den sozialen Netzwerken werden Infos zur Ausstellung unter dem Hashtag #MascherMarchen verbreitet.

von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

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