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Geschichte & Geschichten

Blog des Museums Burg Posterstein

Eine Salondame und ein Ritter auf einer Picknickdecke vor Burg Posterstein
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#Blogstöckchen: 20 Dinge, die ihr vielleicht noch nicht wusstet

Geschichte & Geschichten Veröffentlicht am 4. November 2013 von Museum Burg Posterstein21. Januar 2017

Die Münchner Kulturexpertin Tanja Praske bewarf uns am vergangenen Mittwoch mit diesem Blockstöckchen, das gerade eine Art Staffellauf durch verschiedene Blogs macht. Wir haben versprochen, 20 nicht so bekannte Fakten über das Museum Burg Posterstein aus unseren Archiven zu graben und sie euch hier kurz und übersichtlich aufzulisten.

Die Burg zwischen Sage und Wirklichkeit

1. Goldene Kugel mit Inhalt:

Turmkuppel nach Restaurierung 1984Fangen wir ganz oben an. Auf dem Turm befindet sich eine goldene Kugel mit Wetterfahne. Bei der Restaurierung 1984 füllte man den so genannten Turmknopf mit tagesaktuellen Zeitungen, aktuellen Broschüren, Münzen, Fotos, Postkarten und kurzen statistischen Angaben zur Gemeinde Posterstein. Wer den Turmknopf wohl als nächstes öffnen wird?

2. Gefangen auf Burg Posterstein:

verlies-1Das mittelalterliche Verlies der Burg Posterstein befand sich im unteren Teil des Bergfrieds und war 6,50 Meter tief aus dem Fels herausgehauen. Noch im 16. Jahrhundert lässt sich die
Benutzung als Gefängnis nachweisen. Heute wird nur noch selten jemand auf Burg Posterstein eingesperrt, zuletzt vor einigen Jahren zwei Besucher, die zu lange nach Museumsschluss unbemerkt die Aussicht vom Burgturm genossen hatten.

3. Geheime Gänge:

BUrgPostersteinDer Geheimgang der Burg führte im Mittelalter etwa 60 Meter tief nach unten durch den Berg ins Freie. Das war für die Sicherheit der Wehranlage notwendig, um im Ernstfall die Versorgung sicher zu stellen oder einfach nur die Flucht anzutreten zu können. Eine versteckte Treppe im Gerichtsraum gibt es heute noch.

4. Fiktion rund um die Burg:

Posit und SteinDie Burg Posterstein bildet die Kulisse für mehrere Geschichten. Nicht nur, wenn die Burggeister Posti und Stein im Kinderbuch „Ein Fall für Posti und Stein“ ergründen, wer außer ihnen noch in der Burg spukt. Auch der Film „Erik und Maria“ spielt auf der Burg und das Kinderbuch „Das Werk des Johannis Hopf“ von Christiane Vogel beschäftigt sich mit der Sage von der Burgkirche. Weitere Sagen ranken sich um das Dorf und die alte Burg.

5. Die Postersteiner Kirche unter großen Kameraaugen:

Dreharbeiten_KircheIm Juli 2013 stand die Burgkirche Posterstein im Mittelpunkt der MDR-Sendung „Spur der Schätze“, wo ein Fernsehteam zusammen mit Museumsmitarbeitern, Restauratoren und anderen Fachleuten der Sage des Johannis Hopf und der mysteriösen Herkunft des Schnitzwerks auf den Grund gehen wollte. Es entspannt ein interessanter Film, der heute aber leider nicht mehr in der MDR-Mediathek verfügbar ist.

6. Ein Bischof war Mitbesitzer

Tham Pflugk GrabsteinIm 16. Jahrhundert gehörte die Burg Posterstein dem meißnerischen Adelsgeschlecht der Pflugke. 1528 erwarben die Brüder Julius, Haubold, Tham, Andreas und Christoph von Pflugk das Anwesen. Julius wurde später Bischof in Naumburg, während sein Bruder Haubold den Postersteiner Besitz entscheidend festigte. Wegen religiösen Konflikten mit dem Landesherren, ging Julius Pflugk zeitweise nach Mainz ins Exil. Er war zeitlebens um Ausgleich zwischen Katholiken und Protestanten bemüht.

7. Wolf Conrad von Thumbshirn und der Westfälische Frieden

Georg PflugkEin späterer Besitzer Postersteins, Georg Dietrich von Pflugk, war mit einer Tochter von Wolf Conrad von Thumbshirn (1604 -1667) verheiratet. Der Mann mit dem auffälligen Namen war Hof- und Justizrat, später Geheimer Rat und Kanzler sowie Obersteuereinnehmer am Altenburger Hof und seit 1640 Abgeordneter des Herzogtums Sachsen-Altenburg auf dem Reichstag in Regensburg. Als Gesandter des Herzogtums für die Friedensverhandlungen in Münster und Osnabrück wählte man ihn in das Direktorium des Evangelischen Fürstenrates und dort als Verhandlungsführer. Diplomatisch geschickt, war er maßgeblich am Zustandekommen des Westfälischen Friedens von 1648 beteiligt und unterzeichnete diesen mit.

8. Der Laptop des Mittelalters

20131104_150111In der Ausstellung kann man ein sogenanntes „Reisebureau“ aus der ersten Hälfte 17. Jahrhunderts sehen. Diese Reisetruhe, mit Tragegriffen, beschlagen mit geprägtem Messingblech und Eisenbändern ist ein sehr seltenes Exponat. Sie besteht aus zwei Etagen, mit acht bzw. fünf Schubkästen zum Aufbewahren von Schreibutensilien. Solche Truhen führten nicht nur Juristen auf ihren „Dienstreisen“ mit sich, sondern sie gehörten auch zur Ausstattung der Sprösslinge von Adligen auf der „Kavalierstour“. – Sowohl Juristen als auch wohlbetuchte und nicht so wohlbetuchte Sprösslinge haben heute stattdessen ihren Laptop bei sich.

9. Exotische Früchte: die Frucht einer Steinnusspalme aus Südamerika

steinussDie Samen der Früchte der Steinnusspalmen nennt man Steinnüsse. Sie kommen aus den tropischen Gebiete Südamerikas. Anfang des vergangenen Jahrhunderts wurden im Thüringischen Schmölln aus diesen Steinnüssen Knöpfe. Steinnüsse wurden in jener Zeit von Schiffen, die ohne Fracht von Amerika nach Deutschland zurückfuhren, als Ballast geladen, um dann vor allem im Hamburger Hafen billig verkauft zu werden. Nachdem sie sich in Berlin inspirieren lassen hatten, begannen die Schmöllner Brüder Donath 1867 mit der Steinnussknopffabrikation mittels Handdrehbänken. 1870 kaufte Hermann Donath die erste Dampfmaschine. Schon 1914 war man Weltmarktführer in der industriellen Herstellung von Steinnussknöpfen und beschäftigte 2000 Arbeiter. Zur Sammlung der Burg Posterstein gehören auch die Zeugnisse dieser Industrie – Teile davon sind heute im Knopfmuseum Schmölln zu sehen.

10. Hans Fallada entdeckte hier die Liebe zur Kartoffel:

Fallada-229x300Der in Greifwald geborene Schriftsteller Rudolf Ditzen, alias Hans Fallada, verbrachte nach seinem missglückten Selbstmordversuch einige Zeit in Tannenfeld, das damals Nervenheilanstalt war. Im Anschluss ging er 1913 bis 1915 auf dem Rittergut Posterstein in die Lehre, wo er sich zum Landwirt – mit dem Spezialgebiet Kartoffelzüchtung – ausbilden ließ.

Gewollte und ungewollte „Löcher“

11. Neben den Schießscharten brüten Mauersegler:

Mauersegler_Zeichnung MarleneBei der Restaurierung der Burg 1984 wurden die bereits vorhandenen Brutstellen der Mauersegler und Turmfalken als Nischen ausgebildet und die Einfluglöcher in die neue Putzstruktur integriert. Die Nester sind heute noch „in Betrieb“.


12. In Stand gesetzt:

Sanierungsarbeiten2013Neben der umfangreichen Restaurierung der Burg zwischen 1981 und 1991, konnte 1992 bis 1994 auch die Burgkirche umfassend restauriert werden. In diesem Jahr wurden kleinere „Auffrischarbeiten“ in der Halle der Burg durchgeführt und gleichzeitig die schlimmsten Erdbebenrisse im Bergfried beseitigt.

13. Ein ganzer Flügel der Burg fehlt: der Nordflügel

Ruine Nordflügel-2Die Gebrüder von Werder begannen 1718 mit dem Umbau des alten Nordflügels der Burg. Man errichtete einen repräsentativen Festsaaltrakt, mit Fußböden und Kaminen aus Marmor. Unter den Reichsgrafen von Flemming wurde der Bau schließlich vollendet. Nach der Enteignung des Postersteiner Besitzes durch die Bodenreform nach dem zweiten Weltkrieg wurde das Bauwerk bis auf die Kreuzgewölbe des Kellergeschosses abgerissen und ist seither Ruine. Der Wiederaufbau würde uns heute über zwei Millionen Euro kosten.

Ein Kinderspiel

14. Ringezielen, Dreibeinlauf und Kreiselschlagen:

Kinderspiele_KreiselZu unserem museumspädagogischen Programm für Schulklassen gehört unter anderem das Themenprogramm „Mittelalterliche Traditionen und Lebensweisen“. Dort kriegen die Kinder nicht nur etwas über das Ritterleben erzählt, sondern können auch alte Kinderspiele selbst ausprobieren.

15. Ritterspiele seit über 20 Jahren:

Burgfest2013-1Seit 1991 schon gibt es Mittelalterspektakel und Ritterspiele auf Burg Posterstein. Nach einer zwischenzeitlichen kurzen Pause um die Jahrtausendwende fand eine Neuausrichtung statt.
Seither veranstaltet das Museum gemeinsam mit der COEX VeranstaltungsGmbH (http://www.coex-gmbh.de/) das Spektakel, zu dem jedes Jahr zu Pfingsten um die 8000 Gäste kommen. – In den 1990ern waren wir übrigens zur Inspirationssuche in Polen, wo anlässlich der Ritterkämpfe echte Krankenwagen neben der Burgruine parkten – und zum Einsatz kamen. Vor schweren Verletzungen braucht man in Posterstein keine Angst zu haben – sollte aber trotzdem auf der Hut sein….

16. Was haben Ritter mit Kuchen zu tun?

BurgcafeNichts, im Grunde. Aber bei uns hat sich die Tradition entwickelt, dass Mitglieder des Museumsvereins während des Mittelalterspektakels ein kleines Café im Burgkeller betreiben, in dem es nachmittags selbstgebackenen Blechkuchen (pro Wochenende an die 40 Kuchenbleche) gibt. – Da kommen auch die Ritter gern hin.

Das Netzwerk

17. Ein lebendiges Museum braucht Helfer und Unterstützer:

MuseumsvereinDerzeit hat der Museumsverein Burg Posterstein e.V. 52 Mitglieder, die regelmäßig bei Veranstaltungen, auch bei Übersetzungs- und Korrekturarbeiten im Museumsalltag einspringen. – Herzlichen Dank an alle! Einmal im Jahr begeben wir uns auf eine gemeinsame Bildungsfahrt.

18. Eine Ausstellung folgt den Reisewegen der Herzogin von Kurland:

Ausstellung_Valencay07Die Wanderausstellung „Lebensstationen der Herzogin von Kurland“ reiste nach der Eröffnung in Posterstein (2006) nach Lettland (Schloss Ruhental 2008), Polen (Schloss Sagan 2009) und Frankreich (Schloss Valencay 2007). Zur Schau im Schloss Valençay des ehemaligen Ministers Talleyrand kamen 43.000 Besucher. Unterstützt wurde das Vorhaben von der Bürgerstiftung Altenburger Land.

19. Eine Löbichauer Büste in Paris:

Paris_BilettesAm 20. August 1821 starb die Herzogin Anna Dorothea von Kurland in Löbichau und wurde unter Anteilnahme von 7000 Trauergästen im „Herzoglichen Begräbniß im Hain“ beigesetzt.
In der Kirche Großstechau, neben dem Schloss, brachte man 1878 ein Relief über der Wandnische an, die zur Aufbewahrung der Urne des Herzens Herzogin diente. Es ist eine Arbeit von Wilhelm Troschel (1844 -1892), Sohn des bekannten Bildhauers Julius Troschel (1806-1863), einem Schüler Christian Daniel Rauchs. Im Oktober 2006 weilten Vertreter der Kirchgemeinde Großstechau und des Museumsvereins Burg Posterstein in Paris, um an einer Feier zu Ehren der Herzogin von Kurland in der „Kirche des Billettes“ der französischen Hauptstadt teilzunehmen. Im Rahmen der Veranstaltung wurde dort ein Abguss dieses Reliefs aus der Großstechauer Kirche übergeben und angebracht. Es erinnert seither an die Zeit der Herzogin und ihr karikatives Wirken in der lutherischen Kirche zu Paris.

20. Ein deutsch-französischer „Salon“:

Musenhof-1Die Freunde Talleyrands waren schon mehrfach in Posterstein, Löbichau und Tannenfeld zu Gast und wir begaben uns gemeinsam auf die Spuren der Herzogin von Kurland. Zum letzten Mal an deren 250. Geburtstag 2011. Das nächste Jubiläum und das nächste Gemeinschaftsprojekt stehen schon bevor: 2015 jährt sich der Wiener Kongress zum 200. Mal.


Nun muss man so ein Blogstöckchen ja am besten weiter werfen, wenn man ihm als Museum keine Inventarnummer im Archiv geben will. Deshalb haben wir das österreichische Universalmuseum Joanneum – ein fleißig bloggendes und twitterndes Museum (@Joanneum) – auserkoren, den Blogstaffel-Marathon fortzusetzen. – Wir sind gespannt auf die vielen noch weitgehend unbekannten Informationen aus Graz!

(von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein)

Tief eintauchen in die Regionalgeschichte: Napoleon und die Völkerschlacht bei Leipzig

Geschichte & Geschichten Veröffentlicht am 25. Oktober 2013 von Museum Burg Posterstein20. Dezember 2022

Napoleon im Zerrspiegel zeitgenössischer Karikaturen: Präsentation eines besonderen Buchprojekts mit acht Autoren und Informationen aus noch ungesichteten Quellen – Ein Beitrag zur Blogparade „Kultur erleben – #KulturEr“ von Tanja Praske

Karikatur "Triump des Jahes 1813 - Den deutschen zum neuen Jahr" (Museum Burg Posterstein)

Karikatur „Triump des Jahes 1813 – Den deutschen zum neuen Jahr“ (Museum Burg Posterstein

Im Oktober 2013, ja fast während des gesamten Jahres 2013, wurde in zahlreichen Orten Mitteldeutschlands der Völkerschlacht gedacht. An jenen vier Tagen vor zweihundert Jahren entschied sich vor den Toren Leipzigs in der bisher größten Schlacht der Menschheitsgeschichte das Schicksal des Kontinents. Napoleons Truppen, nach dem verheerenden Russlandfeldzug wieder erstarkt, trafen auf eine Kriegskoalition aus Preußen, Österreich, England und Schweden. 600.000 Soldaten aus über einem Dutzend Nationen prallten in diesen dramatischen Oktobertagen in einer Serie erbitterter Schlachten aufeinander. Die Bilanz des Grauens: fast 100.000 tote Soldaten und ungezählte zivile Opfer.

Ein Meilenstein in der diesjährigen Museumsarbeit und das Werk vieler Autoren

Das Museum Burg Posterstein, Mitglieder des Museumsvereins, der Geschichts- und Altertumsforschenden Gesellschaft des Osterlandes zu Altenburg sowie des Heimatvereines des Bornaer Landes und weitere Autoren beschäftigten sich schon seit knapp zwei Jahren mit der Planung und Vorbereitung eines gemeinsamen Projekts zur Völkerschlacht. Für das Museum war das insofern eine Besonderheit, dass es eine Zusammenarbeit dieser verschiedenen Akteure bisher noch nicht gegeben hatte. Die Fertigstellung eines so umfangreichen Forschungsprojekts wie dem Buch „Napoleon im Zerrspiegel zeitgenössischer Karikaturen“ stellt für uns einen Meilenstein der diesjährigen Museumsarbeit dar.

Buchpräsentation mit vielen Gästen

Zur Buchpräsentation am 13. Oktober kamen rund 50 interessierte Besucher, die an diesem Nachmittag die Möglichkeit bekamen, tief in die regionale Geschichte einzutauchen. Der TV-Journalist Gunter Auer erstellte dazu einen gelungenen Bericht.

Ein kurzer Blick ins Buch: Von den Napoleon-Karikaturen bis zum Tatarengrab von Kleinbeucha

"Napoleon - im Zerrspiegel zeitgenössischer Karikaturen" - das Werk von acht Autoren

„Napoleon – im Zerrspiegel zeitgenössischer Karikaturen“ – das Werk von acht Autoren

Die Völkerschlacht bei Leipzig bildete den Wendepunkt in der Auseinandersetzung mit Napoleon und leitete dessen Fall, der schon in Russland begonnen hatte, in der letzten Konsequenz ein. Die öffentliche Haltung gegen Napoleon spiegelt sich nicht zuletzt in Karikaturen wider, die in der Zeit unmittelbar nach der Niederlage entstanden und mittels Reproduktionsgraphik verbreitet wurden. Ein tragendes Element des Buches „Napoleon im Zerrspiegel zeitgenössischer Karikaturen – 200 Jahre Völkerschlacht“ bilden 45 Karikaturen aus der Sammlung der Universitäts- und Forschungsbibliothek Erfurt/Gotha, die den zeitgenössischen, spöttischen Blick auf die Ereignisse um Leipzig widerspiegeln. Verschiedene Autoren geben darüber hinaus Einblicke in die Ereignisse des Jahres 1813.

Klaus Hofmann (Museum Burg Posterstein) wertet in seinem Beitrag „Chronologie der Ereignisse in der Region um Altenburg zitiert aus den Akten des Kriegsarchivs in Wien – Korrespondenz der Militärs mit dem Österreichischen Hauptquartier“ umfangreiche Militärkorrespondenzen, die im Wiener Kriegsarchiv lagern, aus. Auf die Rolle der Herzogin Anna Dorothea von Kurland und ihrer Töchter geht Sabine Hofmann (Museumsverein Burg Posterstein e.V.) in dem Kapitel „Drey Tage hat man sich geschlagen. Das Blut ist auf beiden Seiten geflossen. – Die Kurländerinnen in Kriegszeiten“ ein. Gustav Wolf (Geschichts- und Altertumsforschenden Gesellschaft des Osterlandes zu Altenburg) fasst in dem Kapitel „Noch am Abende dieses Tages traf der Kaiser von Rußland ein und stieg auf dem herzoglichen Schlosse ab. – Truppendurchzüge durch Altenburg 1813 im Spiegel der Aufzeichnungen von Friedrich Wagner“ die Situation in und um die Stadt Altenburg zusammen, seine Hauptquelle dafür sind die detaillierten Aufzeichnungen des Altenburger Regierungs- und Finanzrat Friedrich Wagner (1792-1859) (mehr zum Thema). Um den Einfluss des Verlegers Friedrich Arnold Brockhaus drehen sich die Kapitel „Die Deutschen Blätter von Friedrich Arnold Brockhaus“ (Klaus Hofmann) und „Brockhaus und seine Altenburger Zeit“ (Gustav Wolf) – Mehr zum Thema. Der Regionalforscher Andreas Klöppel steuerte das Kapitel „Die Gedenktafel von Gardschütz – Ereignisse im Altenburger Land im Vorfeld der Völkerschlacht“ bei. Manfred Zinecker stellt „Das „1. Thüringer Bataillon““ vor und Helmut Hentschel das „Das Tatarengrab von Kleinbeucha“. Eine Zeitleiste von Dr. Hans-Jürgen Ketzer (Leiter des Volkskundemuseums Wyhra) stellt im Anhang „1813 – Ereignisse und Entwicklungen“ dar.

Präsenation des Buches im Veranstaltungskeller des Museums am 13. Oktober 2013

Präsenation des Buches im Veranstaltungskeller des Museums am 13. Oktober 2013

Aber auch Napoleon steht im Zentrum des Interesses: Dr. Hans-Jürgen Ketzer beleuchtet in seinem Beitrag „Sein beispielloses Emporsteigen und das Überwiegen seiner herkulischen Macht genügte ihm noch nicht. – Napoleon im Urteil zeitgenössischer Bewohner des Bornaer Landes“ den Feldherren aus Bornaer Sicht. Die Historikerin Franziska Engemann geht in dem Kapitel „Der andere Kampf gegen Napoleon – Die deutsche politische Karikatur in der Zeit der Befreiungskriege“ auf die Darstellung von Napoleon in zeitgenössischen Kulturen ein. Im Kapitel „Der Herzoglichen Bibliothek zu Gotha zum Geschenk gemacht von Frau Präsident Freytag. – Napoleon-Karikaturen in der Forschungsbibliothek Erfurt/Gotha“ beschreibt sie die Karikaturen aus der Sammlung der Universitäts- und Forschungsbibliothek Erfurt/Gotha, die eine wichtige Grundlage der Ausstellung und des Buchs bilden.

Napoleon – im Zerrspiegel zeitgenössischer Karikaturen – 200 Jahre Völkerschlacht bei Leipzig
Museum Burg Posterstein, 2013
ISBN 978-3-86104-098-9, 212 Seiten, 24 Euro

Das Buch ist erhältlich im Museum sowie über E-Mail info@burg-posterstein.de. Ohne die finanzielle Hilfe des Thüringer Ministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur, der Bürgerstiftung Altenburger Land, des Landkreises Altenburger Land und des Fördervereins des Museums wäre das Projekt nicht zu realisieren gewesen.

Ausstellung „200 Jahre Völkerschlacht“ läuft noch bis 17. November

Besucher bei der Eröffnung der Ausstellung "Napoleon - im Zerrspiegel zeitgenössischer Karikaturen" im Museum Burg Posterstein

Besucher bei der Eröffnung der Ausstellung „Napoleon – im Zerrspiegel zeitgenössischer Karikaturen“ im Museum Burg Posterstein

Die gleichnamige Ausstellung „Drey Tage hat man sich geschlagen. Das Blut ist von beyden Seiten geflossen. Napoleon, im Zerrspiegel zeitgenössischer Karikaturen – 200 Jahre Völkerschlacht“ läuft noch bis 17. November 2013 im Museum Burg Posterstein.

(Von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein)

Weitere Artikel zum Thema:

„Ein wichtiges strategisches Zentrum – Altenburg während der Völkerschlacht“ (Blogartikel)

„Der Brockhaus wird eingestellt – und was das mit der Ausstellung „200 Jahre Völkerschlacht“ im Museum Burg Posterstein zu tun hat“ (Blogartikel)

Bericht “ Archivschätze in Posterstein ausgegraben“ über die Sonderausstellung von Katja Schmidtke am 12.10.2013 in der Ostthüringer Zeitung

Die Blogparade #KulturEr:

Dieser Artikel ist ein Beitrag zur Blogparade „Kultur erleben“ #KulturEr von Tanja Praske, an der sowohl Museen als auch Privatpersonen mit vielen spannenden Beiträgen teilgenommen haben. Für das Museum Burg Posterstein ist die Fertigstellung eines so umfangreichen Forschungsprojekts wie dem Buch „Napoleon im Zerrspiegel zeitgenössischer Karikaturen“ ein Meilenstein der diesjährigen Museumsarbeit. Wir danken allen Mitwirkenden, Förderern, Besuchern und Lesern.

Vier Tage Südböhmen: Gast-Beitrag zur Bildungsfahrt der Mitglieder des Museumsvereins

Geschichte & Geschichten Veröffentlicht am 16. Oktober 2013 von Museum Burg Posterstein21. Januar 2017

Jedes Jahr begeben sich Mitglieder des Museumsvereins Burg Posterstein e.V. auf eine gemeinsame Bildungsfahrt. Reiseziele sind historische Orte, die unmittelbar mit den Forschungsschwerpunkten des Museums in Zusammenhang stehen. Vom 3. bis 6. Oktober 2013 führte die Reise nach Südböhmen, wo man beim Besichtigen der Schlösser von Schwarzenberg und Metternich noch tiefer in die Zeit zwischen Völkerschlacht (aktuelle Sonderausstellung) und Wiener Kongress (nächstes großes Jubiläum 2015 und Forschungsschwerpunkt „Musenhof Löbichau“) eintauchen konnte. In Plasy (deutsch: Plaß), wo sich ein Kloster und die Familiengruft Metternichs befindet, wurde nach dem Krieg auch das Familienarchiv Metternichs gefunden. Monika Diedrich, Mitglied im Museumsverein Burg Posterstein e.V., hat für diesen Gastbeitrag die Erlebnisse in Wort und Bild festgehalten. – Vielen herzlichen Dank!

Die Metternichs ließen Schloss Kynžvart (deutsch: Schloss Königswart) in Tschechien zu einem Barockschloss umbauen.

Die Metternichs ließen Schloss Kynžvart (deutsch: Schloss Königswart) in Tschechien zu einem Barockschloss umbauen.

Schon zum zweiten Male wurde auf der Fahrt in den Süden kurz vor Marienbad das Schloss Kynzvart (Königswart) besucht, das der Familie Metternich gehörte und welches der damalige österreichische Kanzler Clemens Metternich von seinem Vater zu Weihnachten geschenkt bekommen hatte – nach den Worten des kauzigen tschechischen Schlossführers. Nicht nötig war es, wie eine Teilnehmerin es aussprach, dass er auch noch zwei Säcke mit Goldtalern für den Erhalt des Schlosses hätte dazubekommen sollen, denn die Einrichtung des Schlosses – wieder nach den Worten des Führers – bestand zum größten Teil aus kleinen und großen Geschenken von Königen, vom Kaiser, vom Zar und anderen hochgestellten Persönlichkeiten jener Zeit.

Neben dem Schloss war der dazugehörige Gutshof zu einem großen Teil restauriert worden. Beim ersten, früheren Besuch befand er sich noch in einem desolaten Zustand. Im Gelände des schönen Parks liegt nun ein Golfplatz, der größte der Republik Tschechien.

Zweite Station: Das Schloss eines Heerführers

Am Nachmittag des ersten Tages kam der Bus in Krumlov (Krumau) an, einer kleinen Stadt von 13 000 Einwohnern , die umgeben ist von der Moldau, da sie in einer romantischen Flussschleife liegt. Beherrscht wird sie von einer der größten tschechischen Schlossanlagen, die von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt worden ist.

Die Schlossanlage gehörte der Familie Schwarzenberg, dessen bekanntestes Mitglied vielleicht der in Wien geborene Karl Philipp Fürst zu Schwarzenberg war, ab 1810 österreichischer Botschafter in Frankreich und ab 1813
Oberbefehlshaber der alliierten Armeen im Kampf gegen Napoleon.

Bekanntester Besitzer der opulenten Schlossanlage in Krumlov (Krumau) war Karl Philipp Fürst zu Schwarzenberg, Oberbefehlshaber der alliierten Armeen im Kampf gegen Napoleon.

Bekanntester Besitzer der opulenten Schlossanlage in Krumlov (Krumau) war Karl Philipp Fürst zu Schwarzenberg, Oberbefehlshaber der alliierten Armeen im Kampf gegen Napoleon.

Schloss- und Stadtführung am nächsten Tag machten jedem klar, warum es zu der Auszeichnung als Weltkulturerbe gekommen ist: Seit Jahrhunderten keine kriegerischen Zerstörungen, keine Plünderungen, keine Modernisierungsmaßnahmen an der Bausubstanz. Das bedeutet ganz und gar mittelalterliches Flair, wenn nicht die Touristen wären! Aber davon lebt die
Bevölkerung. Der größte Teil der Touristen ist deutschsprachig, doch 40 Prozent sind Asiaten. Ein bisschen stört der touristische Schnickschnack in den unzähligen Geschäften und Ständen schon. Und Kneipen gibt es hier! Nicht zu zählen. Das Bier läuft in Strömen.

Am dritten Tag wurde der Ort Rožmberk (Rosenberg) angefahren. Wieder eine tolle Burg, auch direkt an einer Moldauschleife gelegen, der Stammsitz des Adelsgeschlechts der Rosenberger, die in der böhmischen Geschichte eine große Rolle spielten.

Nicht weit davon – ebenfalls zu besichtigen – das wiederbelebte Kloster Vyšši Brod (Hohenfurth).

Der Wohnsitz Metternichs

Familiengruft der Familie Metternich in Plasy (deutsch Plaß)

Familiengruft der Familie Metternich in Plasy (deutsch Plaß)

Den Abschluss des viertägigen Ausflugs bildete nach einer deftigen Mittagspause im Gärkeller der Pilsener Brauerei die Besichtigung des ehemaligen Klosters Plasy, das im 19. Jahrhundert zum Wohnsitz der Familie Metternich wurde. Und dieses Mal hatten die Vereinsmitglieder Glück, sie konnten in die Familiengruft hineingehen und den Sarg des österreichischen Kanzlers ansehen sowie die Särge seiner Familienmitglieder.

Vier Tage böhmische und österreichische Geschichte, sehr gut in Zusammenhang zu bringen mit dem großen Forschungsschwerpunkt der Burg Posterstein, dem Leben und Wirken der Herzogin Dorothea von Kurland, insbesondere, wenn man an den Wiener Kongress (1814/15) denkt, bei dem zwei ihrer Töchter wichtige Rollen spielten. (Schon damals war der Geheimdienst, Metternichs Spitzel in Wien, über alle Aktivitäten bei Tag und in der Nacht genau informiert.)

Von Monika Diedrich, Mitglied des Museumsvereins Burg Posterstein e.V.

Weitere Berichte von Bildungsfahrten: Wanderung auf den Spuren Jean Pauls

Magische Nächte zwischen Weihnachten und Dreikönigstag – Weihnachten im Mittelalter

Geschichte & Geschichten Veröffentlicht am 24. November 2012 von Museum Burg Posterstein21. Januar 2017

Mit der Christianisierung Mitteleuropas im Laufe des Mittelalters wurde das Weihnachtsfest, die Geburt Jesus Christus, eines der wichtigsten Feste des Kirchenjahres. Weihnachten dauert von der Adventszeit (ab Sonntag nach dem Totensonntag, welcher der letzte Tag des Kirchenjahres ist) bis zum 6. Januar (Dreikönigstag). Zu den frühesten überlieferten Weihnachtsbräuchen gehören das Singen von Weihnachtsliedern, das Aufstellen von Weihnachtskrippen und das Krippenspiel, die alle die Geschichte der Geburt Jesus Christus anschaulich darstellen. Das Museum Burg Posterstein zeigt ab 2. Dezember wieder seine traditionelle Ausstellung mit Weihnachtskrippen aus aller Welt.

Krippe aus Transparentpapier, Sammlung Riewe, (c) Museum Burg Posterstein

Krippe aus Transparentpapier, Sammlung Riewe, (c) Museum Burg Posterstein

Was machten die Postersteiner Burgherren an Weihnachten?

An Weihnachten machten sich die Postersteiner Burgherren bis Ende des 16. Jahrhunderts höchstwahrscheinlich auf den Weg zum Gottesdienst ins nah gelegene Nöbdenitz. Dort besaßen sie einen herrschaftlichen Logensitz. Erst als es ab 1575 zu Streitigkeiten mit den Nöbdenitzern kam, errichtete man in Posterstein eine eigene Kirche, direkt im Burggraben. Darüber hinaus besaßen die Burgherren eine kleine Hauskapelle in den Räumen der Burg, dies belegen Baubefunde wie Reste einer Gewölbedecke sowie ein romanischer Taufstein, die heute im Museum zu sehen sind. Mehr dazu erfahren Sie in der Ausstellung „Wehrhaft, wohnhaft, Haft“.

Die Burgkirche Posterstein steht etwas unterhalb der Burg, im ehemaligen Burggraben.

Die Burgkirche Posterstein steht etwas unterhalb der Burg, im ehemaligen Burggraben. (c) Museum Burg Posterstein

Heidnische Bräuche vermischten sich mit christlichem Glaube

Beschäftigt man sich mit überlieferten Volksbräuchen, wird deutlich wie sehr sich heidnische Traditionen mit den neuen christlichen Ritualen vermischten. In die Zeit zwischen Weihnachten und dem Jahreswechsel fielen auch die „Zwölften“, auch „Rauhnächte“ oder „Rauchnächte“ genannt. In dem Zeitraum zwischen Thomastag (21. Dezember) und Dreikönigstag (6. Januar) machte nach dem Volksglauben der Wilde Jäger mit seinem Gefolge von Hexen, Dämonen, Schweinen, Menschen ohne Kopf und Teufelsfratzen die Nächte unsicher. Dann musste die Arbeit ruhen und um die Dämonen in Schach zu halten, gab es allerlei Schutzmaßnahmen: Wasser nicht unbedeckt lassen, Vieh nicht aus dem Stall lassen, gefährliche Tiere nicht beim Namen nennen, den Hunden ein besonderes Brot backen, Hexen durch Maskenumzüge vertreiben, nicht lüften und nicht waschen. Gleichzeitig war es eine fröhliche Zeit, denn die Mägde konnten nach Hause zu ihren Familien und die Wirtshäuser waren besonders zum Jahreswechsel gut besucht.

Weihnachtskrippen aus der Sammlung Riewe auf Burg Posterstein (c) Museum Burg Posterstein

Weihnachtskrippen aus der Sammlung Riewe auf Burg Posterstein (c) Museum Burg Posterstein

Seit wann gab es Bescherung und Tannenbaum?

Frühestens seit Ende des 16. Jahrhunderts lässt sich nach der Christmette, dem feierlichen Gottesdienst mit Krippenspiel, auch die häusliche Bescherung mit Geschenken nachweisen. Vor der Reformation brachte St. Nicolaus die Gaben, danach der Heilige Christ. Ihn begleiteten Martin, Nicolaus oder der grimmige Knecht Ruprecht als strafende Personen. Gegen Ende des 17. Jahrhunderts verteilte Knecht Ruprecht dann selbst die Geschenke, im Namen des Heiligen Christs. Daraus entstand dann der heutige Weihnachtsmann-Brauch. Das Aufstellen von Tannenbäumen ist ebenfalls frühestens im 16. Jahrhundert belegt. Richtig etabliert hat sich die Tradition erst im 19. Jahrhundert. Seinen Ursprung soll das Aufstellen eines „Grünen Baumes“ in den Segensbäumchen (Ostereierbaum, Maibaum) haben, welche zum Schutz von Haus, Hof und Vieh aufgerichtet wurden“.

(Quelle: Museum Burg Posterstein, Archiv Riewe)

Zum Herunterladen: Plakat: Weihnachtskrippen auf Burg Posterstein 2012

Mehr Informationen: www.burg-posterstein.de

Ähnliche Artikel: „Mit Christuskind, Hirten, Ochs und Esel: Aus der Geschichte der Weihnachtskrippen“

Von Marlene Hofmann

Wo wohnten die Nachfahren von „Baron Münchhausen“?

Geschichte & Geschichten Veröffentlicht am 26. April 2012 von Museum Burg Posterstein21. Januar 2017
Ansichtskarte des Ritterguts Windischleuba ((c) Museum Burg Posterstein)

Ansichtskarte des Ritterguts Windischleuba ((c)Museum Burg Posterstein)

Die Geschichte von Windischleuba ist lang, als „Luben“ fand der Ort schon 1181 / 1214 im Zehntverzeichnis des Klosters Bosau Erwähnung. Von 1455 bis 1659 gehörte es wie auch Nobitz der Familie von der Gabelentz, die auf dem Rittergut Poschwitz wohnten. 1492 begann Hans von der Gabelentz in Windischleuba ein Schloss zu errichten und ließ auch die Kirche umfassend erneuern. Sein Sohn Christoph I. von der Gabelentz, Domherr in Mainz, Meißen und Naumburg, beendete den Schlossbau 1532. Seine Nachfolger im Familienbesitz wohnten dann auch in Windischleuba. Sebastian I., gestorben 1575, diente laut Kriegsmatrikel von 1545 seinem Landesherrn „auf der Wendischleubden mit drei Ritterpferden und zwei Langspießern“. Dessen Sohn Sebastian II. lebte 1580 mit Familienmitglieder und Personal auf dem Schloss: Belegt sind sein „Weib, Junker Bastian von der Gabelentz und [sein] Vetter, Georg von der Gabelentz, außerdem ein Schreiber, ein Reiter, ein Seiler, ein Weidemann, ein Junge, ein Schneider, ein Bäcker, eine Köchin, eine Schließerin, eine Käsemutter, sechs Knechte und drei Mägde“. 1661 erlosch die Windischleubaer Linie der Familie von der Gabelentz und die Fürstliche Rentkammer zu Altenburg nutzte das Rittergut anschließend als „Großes Kammergut“.

 Zwei Rittergüter in einem Ort

Das so genannte „Rittergut Windischleuba vorderen Teils“ (Foto: Museum Burg Posterstein)

Das so genannte „Rittergut Windischleuba vorderen Teils“ ((c) Museum Burg Posterstein)

Etwa zur gleichen Zeit entstand aus einem schon vorher bestehenden Bauerngut in Windischleuba ein zweites Rittergut, das so genannte „Rittergut Windischleuba vorderen Teils“, das mit dem anderen Gut nichts zu tun hatte. Als freies Erblehen wechselte es im Laufe der Jahrhunderte mehrfach den Besitzer. Das um 1800 etwa 67 Hektar bemessende Anwesen verfügte über die Erbgerichte über drei Handgüter und 13 Häuser im Dorf. Die Obergerichte über Dorf, Feld und Flur von Windischleuba gehörten weiterhin dem älteren und größeren der beiden Güter, dem Rittergut „hinteren Teils“, das um 1800 rund 220 Hektar Land umfasste. Darüber hinaus besaß es auch die Erbgerichte über zahlreiche Güter und Häuser in Windischleuba und der näheren Umgebung sowie die Patronatsrechte über Schule, Hospital und Kirche von Windischleuba. Ein Erbbegräbnis befand sich an der Außenseite der Kirche.

Der Landsitz eines Staatsmanns

Bernhard August von Lindenau (1779-1854) ((c) Museum Burg Posterstein)

Bernhard August von Lindenau (1779-1854) ((c) Museum Burg Posterstein)

Das Rittergut hinteren Teils wechselte im 17. und 18. Jahrhundert mehrfach den Eigentümer, bis es zusammen mit dem Pohlhof in Altenburg und dem Rittergut Nobitz in den Besitz der Familie von Lindenau gelangte. 1817 erbten Bernhard August von Lindenau (1779-1854), dessen wertvolle Kunstsammlung das Lindenau-Museum Altenburg ausstellt, und sein jüngerer Bruder Friedrich Wilhelm das Gut. Der Wissenschaftler, Kunstsammler und Staatsmann Bernhard August von Lindenau hatte Mathematik, Jura und Kameralistik in Leipzig studiert. Im Laufe seiner langen Karriere leitete er als Astronom die Seeberger Sternwarte bei Gotha, war Landschaftsdirektor des Altenburger Landtages, Geheimer Rat und Minister in Gotha, Gesandter des Königs von Sachsen im Bundestag in Frankfurt und zugleich Gesandter am Niederländischen Hof in Den Haag und schließlich erster Minister im Königreich Sachsen, was der Position des heutigen Ministerpräsidenten gleich kommt. Unter Lindenau wurde in Sachsen eine umfassende Staatsreform durchgeführt. Im Alter zog er sich nach Altenburg zurück, war Abgeordneter des Herzogtums in der Frankfurter Paulskirche und widmete sich in erster Linie seiner Kunstsammlung, die er von Anfang an dem der Öffentlichkeit als Stiftung widmen wollte. So eröffnete er im Revolutionsjahr 1848 auf dem Pohlhof ein Museum mit angeschlossener Kunst- und Gewerbeschule.

Aber auch für die Bewirtschaftung Windischleubas interessierte sich der vielseitige Staatsmann. Noch 1853 ließ er „Amerikanisches Mahlzeug“ in der dortigen Mühle einbauen. Am Schloss und den Wirtschaftsgebäuden ließ er bauliche Veränderungen durchführen. Ein Stück des Wassergrabens um die auf zwei von einander getrennten Inseln verteilte Wasserburg wurde zugeschüttet. Immerhin war in jener Zeit auf der Schlossinsel die alte, viereckige Befestigungsanlage mit vier Rundtürmen noch gut erkennbar.

Die Erben von „Baron Münchhausen“

Das Rittergut Windischleuba ist heute Jugendherberge ((c) Museum Burg Posterstein)

Das Rittergut Windischleuba ist heute Jugendherberge ((c) Museum Burg Posterstein)

Seit 1880 besaßen der aus Niedersachsen stammende Börries Freiherr von Münchhausen (1845-1931) und seine Frau Clementine von der Gabelentz das Rittergut Windischleuba. Der Nachfahre des als Lügenbaron in die Geschichte eingegangenen Hieronymus von Münchhausen (1720-1797) setzte das alte Schloss wieder instand, erweiterte es und restaurierte die Renaissance-Fassade. Darüber hinaus ließ die Familie Münchhausen einen Park anlegen, in dem es unter anderem ein so genanntes „rotes Tempelchen“, ein privates Kaffeehaus, gab.

Unter seinem gleichnamigen Sohn, einem anerkannten Schriftsteller und promovierten Jurist gewann das Gut weiter an Profil. Mit 281 Hektar gehörte es zu den größten Rittergütern im Altenburger Land. Der Balladendichter wachte sorgfältig über Schloss und Garten: Sein Gärtner durfte nur in Ansprache mit ihm „pflanzen, schneiden und sonst irgend etwas vornehmen“ und Außenstehende benötigen für den Zutritt zur Parkanlage seine schriftlichen Erlaubnis. Kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges, am 16. März 1945, beging Börries von Münchhausen in Windischleuba Selbstmord.

 Enteignung – Vom Schloss zur Jugendherberge

Nach dem Krieg wurden seine Erben enteignet und Teile des Wirtschaftshofes abgerissen. Vom Waalgraben sind heute nur noch Reste erhalten. Das Renaissanceschloss diente zunächst als Landschulheim. Der Park wurde für die Schüler um einen biologischen Lehrpfad, eine Freilichtbühne, eine Kegelbahn und ein Volleyballfeld erweitert. Bis heute befindet sich im gut erhaltenen Schloss eine Jugendherberge, die viel von dem historischen Ambiente erkennen lässt.

Der geschlossene Bauernhof des Rittergutes „vorderen Teils“ wurde 2005 und 2006 trotz denkmalschutzrechtlicher Bedenken abgerissen.

Von Marlene Hofmann

 

Eine interaktive Karte über die Rittergüter im Altenburger Land finden Sie hier: http://tiny.cc/o27p6.

Lesen Sie mehr über die Rittergüter des Altenburger Landes in unseren Publikationen, die Museum gekauft oder per Mail an info@burg-posterstein.de bestellt werden können:

Das alte Schloss sehn wir noch heut…
Aus der Geschichte der Rittergüter im Altenburger Land (Teil II)
© Museum Burg Posterstein 2010

…Und nachmittags fuhren wir nach Nöbdenitz segeln!
Rittergüter im Altenburger Land und ihre Gärten
© Museum Burg Posterstein 2007

 

Ostthüringer Zeitung bringt neue Artikelreihe über die Rittergüter im Altenburger Land

Geschichte & Geschichten Veröffentlicht am 31. März 2012 von Museum Burg Posterstein21. Januar 2017
Historische Postkarte, die den Park des Ritterguts Meuselwitz zeigt ((c) Museum Burg Posterstein)

Historische Postkarte, die den Park des Ritterguts Meuselwitz zeigt ((c) Museum Burg Posterstein)

In Zusammenarbeit mit dem Museum Burg Posterstein bringt die Ostthüringer Volkszeitung (OTZ) derzeit eine Artikelreihe über die Rittergüter im Altenburger Land und deren aktuellen Zustand. Jedes Rittergut hat eine individuelle Geschichte, von denen wir einige hier bereits präsentiert haben. Jeden Samstag veröffentlicht die OTZ nun zusammen mit einem Artikel zur Rittergutsgeschichte einen Beitrag zur aktuellen Situation des jeweiligen Ritterguts. Einige der ehemaligs herrschaftlichen Güter stehen heute zum Verkauf, einige sind dem Verfall ausgesetzt, anderen wurde zu neuem Leben verholfen.

Falls Sie selbst Bildmaterial von Altenburger Rittergütern besitzen oder historische Informationen und Erinnerungen beisteuern wollen, können Sie sich unter info@burg-posterstein.de dem Museum oder unter schmoelln@otz.de der Ostthüringer Volkszeitung schreiben.

Bereits erschienene Artikel – Aktuelle Hinweise darauf finden Sie auch immer auf unserer Facebook-Seite

Rittergut Weißbach

Rittergut Selka

Rittergut Meuselwitz

Rittergut Maltis

Rittergut Schwanditz

Publikationen zum Thema:

Das alte Schloss sehn wir noch heut…
Aus der Geschichte der Rittergüter im Altenburger Land (Teil II)
© Museum Burg Posterstein 2010

…Und nachmittags fuhren wir nach Nöbdenitz segeln!
Rittergüter im Altenburger Land und ihre Gärten
© Museum Burg Posterstein 2007

Rittergut Löbichau – Zeitweise 300 Gäste gleichzeitig

Geschichte & Geschichten Veröffentlicht am 15. Februar 2011 von Museum Burg Posterstein21. Januar 2017
Schloss Löbichau, Ansichtskarte von 1904 (Museum Burg Posterstein)

Schloss Löbichau, Ansichtskarte von 1904 (Museum Burg Posterstein)

Löbichau wurde im 13. Jahrhundert erstmals als ehemals mittelalterliche Wasserburganlage erwähnt. Das alte Herrenhaus aus dem 16. Jahrhundert wurde 1908 umgebaut.

Den klassizistischen Schlossbau ließ die Herzogin von Kurland um 1796/98 erbauen. Im Park befand sich damals ein Komödienhaus. Den künstlerischen Salon der Herzogin besuchten internationale Berühmtheiten, der bekannteste darunter war wohl Zar Alexander I. von Russland. Zeitweise weilten bis zu dreihundert Gäste gleichzeitig in Löbichau. Die Zeiteinteilung am Musenhof war zwanglos und der Höhepunkt des Tages war meist erst der Abend, der alle Gäste zur Teestunde im großen Saal des Schlosses versammelte. Man plauderte, philosophierte, dichtete, tanzte und musizierte; und manchmal spielten die Gäste auch selbst Theater – auch im nahe gelegenen Schloss Tannenfeld auf einer kleinen Bühne.

Schloss Tannenfeld, 2000 (Museum Burg Posterstein)

Schloss Tannenfeld, 2000 (Museum Burg Posterstein)

Im Zuge der Bodenreform 1945 enteignete man die damaligen Rittergutsbesitzer. Das Schloss und die Wirtschaftsgebäude wurde nach 1945 stark verändert. Die Räumlichkeiten nutzte man fortan für ein Pflegeheim. 2009 folgte der Totalabriss von Schloss und Herrenhaus, um für die Schmöllner Heimbetriebsgesellschaft einen Neubau zu errichten. Die verbleibenden Wirtschaftsgebäude wurden saniert und beherbergen einen Bürgersaal und den Sitz der kommunalen Verwaltung.

Eine interaktive Karte über die Rittergüter im Altenburger Land finden Sie hier: http://tiny.cc/o27p6.

Dem Musenhof von Löbichau widmet sich ein Teil der Dauerausstellung des Museums Burg Posterstein und mehrere Publikationen, die Museum gekauft oder per Mail an info@burg-posterstein.de bestellt werden können:

Das alte Schloss sehn wir noch heut…
Aus der Geschichte der Rittergüter im Altenburger Land (Teil II)
© Museum Burg Posterstein 2010

…Und nachmittags fuhren wir nach Nöbdenitz segeln!
Rittergüter im Altenburger Land und ihre Gärten
© Museum Burg Posterstein 2007

Text: Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

Welches Schloss hielt einem Luftangriff stand, nicht aber der Bodenreform?

Geschichte & Geschichten Veröffentlicht am 14. Februar 2011 von Museum Burg Posterstein21. Januar 2017
Rittergut Meuselwitz / Meuselwitz Manor (c) Museum Burg Posterstein

Rittergut Meuselwitz / Meuselwitz Manor (c) Museum Burg Posterstein

Zwischen 1724 und 1724 ließ der deutsche Staatsmann Veit Ludwig von Seckendorff (1626-1692) auf seinem Rittergut in Meuselwitz ein Schloss mit Park und Orangerie errichten. Ein barockes Schlosstor führte zum Gutshof.

Von Seckendorff, geboren in Herzogenaurach, hatte ein Gymnasium in Gotha besucht und war später von Herzog Ernst dem Frommen von Sachsen-Gotha-Altenburg gefördert worden. Im 30jährigen Krieg richteten die Schweden von Seckendorffs Vater in Salzwedel wegen Hochverrats hin. Von Seckendorff studierte Philosophie, Rechtswissenschaft und Geschichte in Straßburg. Er schrieb bis 1655 am staatswissenschaftlichen Werk „Der deutsche Fürstenstaat“. Dieses Buch, das lange Zeit ein Standardwerk für die staatspolitische Bildung an den deutschen Universitäten war, erreichte schon zu von Seckendorffs Lebzeiten mehrere Auflagen.

1651 wurde von Seckendorff gothaischer Hof- und Justizrat, 1656 Geheimer Hof- und Kammerrat und schließlich, im Jahr 1663, Geheimer Rat und Kanzler. 1664 trat er in den Dienst des Herzogs Moritz von Sachsen-Zeitz (†1681) ein. 1680 nahm er seinen Abschied als dortiger Kanzler und zog sich auf sein Gut Meuselwitz zurück, blieb aber Altenburger Obersteuereinnehmer und Landschaftsdirektor. 1685 erschien seine Publikation der „Christenstaat“. Kurz vor seinem Tod wurde von Seckendorff zum Kanzler der neu gegründeten Universität Halle ernannt. Er starb in Halle und wurde am 30. Dezember 1692 in der Meuselwitzer Kirche beigesetzt.

Bei einem Luftangriff auf Meuselwitz am 20. Februar 1945 wurden die Wirtschaftsgebäude des Meuselwitzer Rittergutes schwer beschädigt. Das Schloss selbst wies nur geringe Schäden auf. Im Zuge der Enteignung durch die Bodenreform wurden alle Gebäude ersatzlos beseitigt. Erhalten blieben lediglich die stark beschädigte Orangerie und das fast unversehrte barocke Schlosstor, welches jedoch trotz Einspruchs der Denkmalpflege 1950 abgerissen wurde. Die Orangerie konnte erstmals 1957 durch den Leipziger Architekten Walter Gruner restauriert werden. Die Mühle wurde 1988 abgebrochen. Die freien Flächen des Rittergutes werden heute als Parkplatz genutzt.

Eine interaktive Karte über die Rittergüter im Altenburger Land finden Sie hier: http://tiny.cc/o27p6.

Lesen Sie mehr über die Rittergüter des Altenburger Landes in unseren Publikationen, die Museum gekauft oder per Mail an info@burg-posterstein.de bestellt werden können:

Das alte Schloss sehn wir noch heut…
Aus der Geschichte der Rittergüter im Altenburger Land (Teil II)
© Museum Burg Posterstein 2010

…Und nachmittags fuhren wir nach Nöbdenitz segeln!
Rittergüter im Altenburger Land und ihre Gärten
© Museum Burg Posterstein 2007

Text: Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

Wer ließ sich unter einem Baum begraben?

Geschichte & Geschichten Veröffentlicht am 13. Februar 2011 von Museum Burg Posterstein21. Januar 2017
Die 1000jährige Eiche von Nöbdenitz / the 1000 year old oak of Nobdenitz (c) Museum Burg Posterstein

Die 1000jährige Eiche von Nöbdenitz / the 1000 year old oak of Nobdenitz (c) Museum Burg Posterstein

In Nöbdenitz, einem kleinen Ort in Ostthüringen, steht ein alter Eichenbaum, von dem man sagt, er sei tausend Jahre alt. Erst im vergangenen Jahr versah die Gemeinde den Baum mit weiteren Stützpfeilern, um den Ansprüchen der Straßen- und Verkehrsordnung zu genügen. Die so genannte „tausendjährige Eiche“ ist innen hohl – und beinhaltet die Grabstätte eines Ministers.

In Nöbdenitz gab es ein Rittergut, das im 12. Jahrhundert erstmalig erwähnt wurde. Die ehemals mittelalterliche Wasserburganlage wurde später in ein Schloss umgebaut. Das Rittergut befand sich zeitweise im Besitz des Ministers Hans Wilhelm von Thümmel (1744-1824). Dieser reiste zwischen 1803 und 1808 auf mehreren diplomatischen Missionen nach Dänemark, Berlin, Königsberg (Kaliningrad), Dresden und Paris. Als Freund des Herzogs Ernst (1745-1804) besaß er großen Einfluss bei Hofe. Verdient gemacht hat er sich durch die Gründung der Kammerleihbank, die Förderung des Straßenbaus, den Bau des Altenburger Krankenhauses und die allgemeine Landvermessung im Herzogtum Sachsen-Gotha und Altenburg.

Östlich des Nöbdenitzer Schlosses besaß Thümmel einen Lustgarten. Von hier aus wurde der Blick entlang eines geradlinigen Weges in die Ferne bis zu einem Gartenhaus geführt. Ein Fußweg entlang des Nordufers des großen Teichs lud zum Flanieren ein. Freunde der Familie von Thümmel, wie die Herzogin von Kurland (http://www.facebook.com/burgposterstein?v=app_2344061033#!/event.php?eid=166366573376663&index=1) aus dem nahen Löbichau, kamen gern nach Nöbdenitz, um auf dem Teich zu segeln und den Blick auf das alte und das neue Schloss zu genießen.

Vor seinem Tod bestimmte Hans Willhelm von Thümmel, dass er an einem ungewöhnlichen Ort bestattet werden sollte – unter der Nöbdenitzer Eiche. Er kaufte der örtlichen Pfarrgemeinde den Baum ab und ließ sich in seinen Wurzeln eine Grabstätte errichten. Diese untersuchte 1959 der Postersteiner Lehrer und Heimatforscher Ernst Bräunlich. Er dokumentierte, dass es im Hohlraum des Baumes einen kleinen Andachtsraum mit Sitzbank gab, um dem Toten zu gedenken. Der Leichnam liegt in einem Sarg, parallel zur Straße. Heute kann man die tausendjährige Eiche nur von außen besichtigen. Eine Gedenktafel erzählt ihre Geschichte.

Im Zuge der Bodenreform wurde das Rittergut Nöbdenitz 1945 enteignet und das neue Schloss sowie große Teile des Wirtschaftshofes abgerissen. Ein Mausoleum von 1782, das Thümmelsche Erbbegräbnis, wurde Ende der 1960er Jahren entfernt. Das aus dem Jahr 1692 stammende Herrenhaus blieb erhalten und ist heute Sitz der kommunalen Verwaltung.

Eine interaktive Karte über die Rittergüter im Altenburger Land finden Sie hier: http://tiny.cc/o27p6.

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Das alte Schloss sehn wir noch heut…
Aus der Geschichte der Rittergüter im Altenburger Land (Teil II)
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…Und nachmittags fuhren wir nach Nöbdenitz segeln!
Rittergüter im Altenburger Land und ihre Gärten
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Text: Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

 

Was macht eine Sphinx im Altenburger Land?

Geschichte & Geschichten Veröffentlicht am 13. Februar 2011 von Museum Burg Posterstein21. Januar 2017
Die Sphinx von Prößdorf / the sphinx of Proessdorf (c) Museum Burg Posterstein

Die Sphinx von Prößdorf / the sphinx of Proessdorf (c) Museum Burg Posterstein

Im 15. Jahrhundert wird erstmals ein Rittersitz in Prößdorf urkundlich erwähnt. Die Glanzzeit von Prößdorf begann 1818, als Carl Heinrich von Tettenborn das Gut kaufte. Dieser soll ein großer Verehrer der schönen Künste wie Architektur, Plastik und Malerei gewesen sein. Seinem Geschmack entsprechend schmückte er neben den Gebäuden auch den Park. Tettenborn ließ für die Ausgestaltung die ursprüngliche Park-Anlage vergrößern und umwandeln. Nun durchzogen schattige Laubengänge den Lust-Garten. Ein antiker Pavillon lud zum Verweilen ein. Grotten, zahlreiche Statuen wie Löwen und eine Sphinx sowie Springbrunnen zierten das Gelände. Exotische Gewächse aller Art blühten in Rabatten und Kübeln.

Das aus der Mitte des 18.Jahrhunderts stammende Schloss Prößdorf wurde nach 1969 zum Wohnhaus umgebaut. Die Wirtschaftsgebäude, im Wesentlichen aus dem 19. Jahrhundert stammend, wurden 1906/07 erweitert. Im Zuge der Bodenreform enteignete man die Rittergutsbesitzer. In der Folge verfielen die Wirtschaftsgebäude und wurden nach und nach abgebrochen, zuletzt 1998. Durch den Einbau von Wohnungen im Zeitraum von 1969 bis 1973 wurde das Schloss stark überformt. Reste der eindrucksvollen Toranlage sind jedoch erhalten geblieben.

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Text: Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

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