Mysteriöser Maler: Landschaftsmaler, Italien-Reisender, Zeichenlehrer im Salon

Der Maler Ernst Welker aus Gotha starb vor genau 165 Jahren, am 30. September 1857, in Wien. Das Museum Burg Posterstein widmet dem Künstler noch bis 13. November 2022 die umfangreiche Ausstellung „Sehnsuchtsziel Italien: Der Maler Ernst Welker auf Reisen und im Salon der Herzogin von Kurland“, zu der auch ein gleichnamiges Buch erschienen ist.

Salongäste in Löbichau (Bleistiftzeichnung, Museum Burg Posterstein)
Ernst Welker (links) auf einem Sofa im Salon (Bleistiftzeichnung, Museum Burg Posterstein)

Wer war Welker?

Der Maler Ernst Welker erhielt schon während seines Studiums an der Wiener Akademie der Bildenden Künste Auszeichnungen für seine Landschaftsmalereien. Bis ins hohe Alter lebte er von seiner Kunst, stellte aus und verkaufte seine Werke zu beachtlichen Preisen. Mit befreundeten Malern wie Johann Christoph Erhard, Johann Adam Klein und den Brüdern Friedrich Philipp Reinhold und Heinrich Reinhold aus Gera begab er sich auf künstlerische Expeditionen nach Salzburg und Berchtesgaden oder in die nähere Umgebung Wiens. Ernst Welker war Lützower Jäger an der Seite Theodor Körners und zeichnete dessen Grab. Mehrere Jahre beschäftigte ihn die Herzogin Wilhelmine von Sagan als Zeichenlehrer und Gesellschafter für ihre Pflegetöchter – darunter die spätere Schriftstellerin Emilie von Binzer. In Gesellschaft der Herzogin von Sagan hielt er sich auf deren schlesischen Gütern Sagan und Ratiborschitz auf und verbrachte den Sommer auf Schloss Löbichau im Salon der Herzogin von Kurland, der Mutter Wilhelmine von Sagans. In Löbichau porträtierte er die anwesenden Gäste als Fabelwesen, halb Mensch, halb Tier oder Gegenstand – diese Aquarelle befinden sich heute in der Sammlung des Museums Burg Posterstein und sind auch in der Europeana zu sehen. Von 1821 an weilte Ernst Welker mehrere Jahre in Italien. Man kann davon ausgehen, dass er sich im Kreis der deutsch-römischen Künstlerkolonie bewegte und namhafte Künstler seiner Zeit ­persönlich kannte. Im Gefolge Wilhelmine von Sagans reiste er bis Neapel, wovon seine Aquarelle zeugen.

Postkarte mit Ernst Welker-Aquarell vor der Burg Posterstein in Thüringen
Ernst Welkers Aquarell „Blick auf den Petersdom in Rom von der Villa Borghese aus“ als Postkarte – im Hintergrund die Burg Posterstein

Und trotz alledem blieb Ernst Welker bisher von der Forschung weitgehend unbeachtet. Bis zum Erscheinen der neuen Publikation „Sehnsuchtsziel Italien – Der Maler Ernst Welker auf Reisen und im Salon der Herzogin von Kurland“ des Museums Burg Posterstein stand Ernst Welker noch nie im Mittelpunkt eines Buchs. Viele Kunstkataloge erwähnen ihn lediglich nebenbei. Dabei sind bereits zeitgenössischen Publikationen Fehler unterlaufen – beispielsweise hinsichtlich des korrekten Geburtsortes (Gotha), dem genauen Geburtsjahr (1784), der familiären Herkunft (Sohn des Sachsen-Gotha-Altenburgischen Archivars Philipp Friedrich Welker) und den genauen Reisezielen Welkers (er war vermutlich nie im Nahen Osten). Seinen Lebensweg nachzuvollziehen, glich einer detektivischen Arbeit, die mit dem 2022 erschienenen Buch erst begonnen hat – und lange noch nicht abgeschlossen ist.

Welker porträtierte seine Arbeitgeberin als stolzes Ross

2014 gelang es dem Museum Burg Posterstein mit Unterstützung der Bürgerstiftung Altenburger Land sowie des Freistaats Thüringen, ein außergewöhnliches Konvolut an Zeichnungen anzukaufen. Die Rede ist von den Löbichauer Salongästen als Fabelwesen, die sich lange Zeit im Besitz von Emilie von Binzer befunden haben. Der Salon der Herzogin von Kurland in Löbichau, das nur wenige Kilometer von Posterstein entfernt liegt, ist eines der wichtigsten Forschungsthemen des regionalgeschichtlichen Museums Burg Posterstein. Der Sammlungsteil Salongäste als Fabelwesen besteht aus 47 Aquarellen mit namhaften Löbichauer Gästen und zwei Skizzen, die alle in einer grünen Halblederkassette aufbewahrt wurden. Sie sind bereits digitalisiert und in der Europeana und auf Wikimedia Commons frei zugänglich und nutzbar. (Weitere Infos zur Sammlung Welker)

Als schönes, wildes Pferd stellte Ernst Welker Wilhelmine von Sagan, die älteste Tochter der Herzogin von Kurland dar.
Als schönes, wildes Pferd stellte Ernst Welker Wilhelmine von Sagan, die älteste Tochter der Herzogin von Kurland dar.

Die Salongäste der Herzogin von Kurland stellte Ernst Welker als humorvolle Fabelwesen dar. Unter den so Porträtierten befinden sich nicht nur die Herzogin Anna Dorothea von Kurland selbst (dargestellt als treuer Pudel) sowie Welkers Arbeitsgeberin Wilhelmine von Sagan (als stolzes Ross), sondern auch der Sachsen-Gotha-Altenburgische Herzog August (als eitler Pfau – dieses Bild ist derzeit nicht in Posterstein, sondern in der Ausstellung „Luxus, Kunst und Phantasie – Herzog August von Sachsen-Gotha-Altenburg als Sammler“ im Herzoglichen Museum Gotha zu sehen), die Schriftstellerin Elisa von der Recke (als Tintenfass), der Dichter Christoph August Tiedge (als Lehnstuhl), der Archäologe Carl August Böttiger (als Statue) und der Jurist Paul Johann Anselm von Feuerbach (als Nagel). Jedes Aquarell ist mit einem Reim versehen. Emilie von Binzer bezeichnete diese Sprüche unter den Porträts als „Fibelverse“. Schon im 18. Jahrhundert verstand man unter einer Fibel ein bebildertes, mit einzelnen, zum jeweiligen Buchstaben passenden Bildmotiven versehenes Leselernbuch. Eine solche Fibel könnte die Vorlage für Welkers Porträts gebildet haben, denn auch hier gibt es in der oberen linken Bildecke jeweils einen Buchstaben in Groß- und Kleinschreibung – z.B. das „A, a“ des possierlichen Affen Graf Peter von Medem und das „Z, z“ des bunt gefleckten Zebras Gräfin Jeannette Bressler. Tatsächlich kommen alle 26 Buchstaben vor, einige sogar mehrfach. Das Bestreben, das gesamte Alphabet abzudecken, erklärt dann auch eher gewollt klingende Verse wie: „Schwer zu finden ist ein X, / Es fehlt nicht viel, so fanden wir nix.“, der zum Porträt des Staatsrats Christian Gottfried Körner als Scherenstuhl gehört. 

Ernst Welker - dargestellt als Auster
Sich selbst porträtierte Ernst Welker als Auster mit großem Bart. (Sammlung Museum Burg Posterstein)

Dass sich ein Zeichenlehrer solche Bilder erlauben durfte, die sehr wahrscheinlich in Löbichau gezeigt wurden, unterstreicht die Freiheit und Offenheit, die im Salon der Herzogin von Kurland herrschte. Auch der Dichter Jean Paul rühmte deren Salon in Löbichau für genau diese Redefreiheit und Offenheit. Sich selbst zeichnete Ernst Welker übrigens als Auster, versehen mit dem Spruch: „Die Auster ist von guter Art, das größte an ihr ist der Bart“.

Welkers eigentliche Spezialisierung: Landschaftsaquarelle

Der zweite Teil der Postersteiner Sammlung Welker umfasst 13 Landschaftsbilder des Malers, die das Museum besitzt bzw. die über Dauerleihgaben an das Haus gebunden sind. Acht Aquarelle und ein Ölgemälde zeigen Landschaften. Bis auf ein Blatt sind alle Werke mit Welker; E. Welker; E.W.; Welker fec.; E. Welker fec.; und Ernst Welker fec. signiert.

Historische Ansicht der Stadt Rom - Aquarell von Ernst Welker aus der Sammlung des Museums Burg Posterstein
Blick auf den Petersdom in Rom von der Villa Borghese aus, Ernst Welker, Aquarell, signiert: Welker fec., o. J., Museum Burg Posterstein

Ergänzt wird der kleine Bestand durch Arbeiten von Johann Christoph Erhard, Johann Adam Klein, Johann Christian Reinhart und Carl Trost.

Zu verdanken ist die Kollektion zum Großteil dem Sammler Uwe Buchheim. Er fühlt sich dem Museum Burg Posterstein seit Jahren verbunden und ist Mitglied im Förderverein. Ihn beeindrucken die Forschungen und Ausstellungen zum Salon der Herzogin von Kurland, durch die er begann, sich mit dem Maler Ernst Welker zu beschäftigen. Er setzte sich nicht nur dafür ein, dass die Porträtsammlung Salongäste 2014 vom Museum erworben werden konnte, sondern sammelt seither selbst und stellt die erworbenen Werke dem Museum zur Verfügung. Dafür sind wir sehr dankbar.

Ausstellung und Buch „Sehnsuchtsziel Italien“

Die Sonderschau und das gleichnamige Buch „Sehnsuchtsziel Italien – Der Maler Ernst Welker auf Reisen und im Salon der Herzogin von Kurland“ zeigen nun erstmals alle diese Welker-Arbeiten. Auf 156 Seiten zeichnet das Buch das Leben des Malers anhand der Sammlungen und Forschungen des Museums nach.

Historische Ansicht einer italienischen Stadt bei Castelamare - Aquarell von Ernst Welker
Bey Castelamare im Neapolitanischen, Ernst Welker, Aquarell, signiert: Welker, o. J., Museum Burg Posterstein

Im Lauf der Arbeit daran stießen wir auf neue Informationen und weitere Werke Welkers in verschiedenen internationalen Sammlungen. Besonders freut uns, dass wir erstmals einen bisher noch nicht erschlossenen Teil der Sammlung Biron der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek Jena aufarbeiten konnten. Es handelt sich unter anderem um Salonszenen, Porträts und Skizzen für die Postersteiner Sammlung von Porträts der Salongäste.

Wichtige Quellen eröffneten sich auch durch die Einsicht in das digitale Archiv des Thorvaldsens Museum in Kopenhagen. Abbildungen zum Buch erhielten wir von der Albertina Wien, der Kunstsammlung Gera, der Hamburger Kunsthalle, den Kunstsammlungen Dresden, dem Lindenau-Museum Altenburg, dem Deutsches Literaturarchiv Marbach, den Städtische Museen Nürnberg, der Österreichische Nationalbibliothek, der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek, der Sächsische Landes- und Universitätsbibliothek, dem Thorvaldsens Museum Kopenhagen, dem British Museum und der Klassikstiftung Weimar.

Buchcover "Sehnsuchtsziel Italien - Der Maler Ernst Welker auf Reisen und im Salon der Herzogin von Kurland"
Das Buch „Sehnsuchtsziel Italien“ kann man über das Museum Burg Posterstein kaufen

Welkers Arbeiten stellen wir im Buch Abbildungen von Werken seiner Malerkollegen gegenüber. Da Welker – außer seinen Zeichnungen – selbst kaum schriftliche Quellen hinterlassen hat, bleiben durchaus Lücken in der Biografie bestehen.

Welker wanted!

Wir möchten deshalb dazu aufrufen, Forschungsdaten zum Maler Ernst Welker zu sammeln und auszutauschen. Über Hinweise sind wir sehr dankbar. Einen Überblick über verschiedene Stationen in Welkers Leben und über Sammlungsbestände weltweit möchten wir auf unserer Website salon-europa.eu bündeln und langfristig pflegen. Über Ergänzungen freuen wir uns sehr.

Im Anschluss an die Ausstellung planen wir, die Wikipedia-Seite zu Ernst Welker durch die neuen Informationen zu ergänzen.

Von Marlene Hofmann

Zum Weiterlesen

Infos zur Ausstellung:

Sehnsuchtsziel Italien – Der Maler Ernst Welker auf Reisen und im Salon der Herzogin von Kurland, 17. Juli bis 13. November 2022, Museum Burg Posterstein

Infos zum Buch:

Sehnsuchtsziel Italien – Der Maler Ernst Welker auf Reisen und im Salon der Herzogin von Kurland
Museum Burg Posterstein, 2022
156 Seiten, farbig
Preis: 25,00 Euro

Infos zur Salongeschichte:

www.salon-europa.eu

Podcast LeseZEIT (Salongeschichte, demnächst: Reinhold):

https://blog.burg-posterstein.de/lesezeit/

Sammlung Welker digital:

Europeana:
https://www.europeana.eu/de/collections/organisation/1482250000044968001-posterstein-castle-museum

Wikimedia Commons:
https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Sammlung_Kurland?uselang=de

Deutsche Digitale Bibliothek:
https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/searchresults?query=&offset=0&rows=20&facetValues%5B%5D=provider_id%3DNY7AR3HGHPOM4YPQ2I5HFWPPFGK43QNH&isThumbnailFiltered=false

Museen Thüringen:
http://www.museen.thueringen.de/Objektsuche/%7CEinrichtung%7CDE-MUS-875314%7C

Die “Landschaft vor der Haustüre” und der Blick hinter Vorhänge – Holzschnitte und Malerei von Peter Zaumseil

Der Künstler Peter Zaumseil feierte 2020 seinen 65. Geburtstag, der Keramiker Ludwig Laser wurde 60. Das gab uns Anlass, auf Burg Posterstein einen umfangreichen Einblick in das Schaffen der beiden miteinander befreundeten Künstler zu geben. Zu sehen sind Malerei, Holzschnitte, Grafiken und Keramik, die teilweise eigens für diese Schau entstanden sind. Im Corona-Jahr 2020 eröffnete die Ausstellung später als geplant und ist nun ab 2. November 2020 erneut vom Lockdown betroffen.

Bilder oben: Drei Holzschnitte Peter Zaumseils aus der Serie “Vorhang auf” (Fotos: Hans-Joachim Hirsch)

Was die Keramik Ludwig Lasers so einzigartig macht, beschreiben wir hier im Blog. Dieser Beitrag gibt Einblicke in die künstlerische Arbeit Peter Zaumseils.

Das Spiel mit Figur und Landschaft

“Zwei Motivstränge durchziehen als Konstante die malerischen und druckgrafischen Arbeiten vom Jubilar Peter Zaumseil, das zeigt auch die Auswahl dieser Doppelausstellung: Das Figürliche und das Landschaftliche; beide Sujets tief verwurzelt im Inneren des Künstlers, die sich verweben und verfestigen”, schreibt der Kunsthistoriker Dr. Thomas Matuszak im Katalog zur Ausstellung über die Kunst Peter Zaumseils.

Holzschnitt "Neuschnee" von Peter Zaumseil
Holzschnitt “Neuschnee” von Peter Zaumseil (Foto: Hans-Joachim Hirsch)

Peter Zaumseil stellte 1997 gemeinsam mit der Keramikern Ute Klötzer auf Burg Posterstein aus. Damals standen seine Schwarz-Weiß-Holzschnitte in wunderbarem Kontrast zum historischen Ambiente. Unvergessen sind seine charakteristischen lebensfrohen „Strichfiguren“, wie die eigens für den Bergfried geschaffene Holzschnitt-Installation „Aufstieg und Fall des Herrn X“. Zaumseils Figuren sind aufs Wesentliche reduziert. Zwar erscheinen sie heute „fülliger“, aber dabei strotzen sie noch viel mehr vor Sinnlichkeit und prallem Leben.

Ruhe strahlen hingegen die Landschaften aus, die teilweise in zurückhaltenden Farben an japanische Holzschnittkunst erinnern, andererseits in leuchtenden Farben daherkommen.

Sein Werk "Postersteiner Hausaltar" schuf Peter Zaumseil 2020 extra für die Sonderschau im Museum Burg Posterstein. Im Vordergrund sieht man Keramik von Ludwig Laser.
Sein Werk “Postersteiner Hausaltar” schuf Peter Zaumseil 2020 extra für die Sonderschau im Museum Burg Posterstein. Im Vordergrund sieht man Keramik von Ludwig Laser.

Speziell für die Sonderschau schuf Peter Zaumseil den “Postersteiner Hausaltar”, ein Ensemble aus Burg-Ansichten, das er in der Tradition eines Tryptychons in genau dem Raum des Museums aufstellte, in dem sich in vergangenen Zeiten einmal die Hauskapelle der Burg befunden hat. “Bereits im Titel – Haus–Altar – wird die Sphäre des geweihten, sakralen Raumes aufgegeben zugunsten einer Verlagerung in die Atmosphäre des Intimen, des zivil Privaten”, beobachtet Kunsthistoriker Dr. Thomas Matuszak über das Werk.

Der Künstler Peter Zaumseil

Peter Zaumseil (*1955) wandte sich Ende der 1980er Jahre zunehmend dem Holzschnitt und dem Farbholzschnitt zu. Besonders im Farbholzschnitt, in der Technik der „verlorenen Form“ fand er jenes Ausdrucksmittel, das seiner Vorliebe für die Kontur und die Fläche weiten Raum eröffnete. Seine Arbeitsweise ist einerseits abstrahierend bei den Figuren, konkret realistisch bei den Landschaften.

Peter Zaumseil in seinem Atelier in Elsterberg im Vogtland.
Peter Zaumseil in seinem Atelier in Elsterberg im Vogtland.

Seit 1995 lebt Peter Zaumseil in Elsterberg/Vogtland. In den letzten Jahren ergänzte die Zusammenarbeit mit verschiedenen Künstlerkollegen, Keramikern und Holzbildhauern sein Werk.

2014 schenkte er einen Teil seines umfangreichen grafischen Werkes, ca. 1400 Druckgrafiken und Künstlerbüchern von 1979 bis 2014, dem “Grafikmuseum Stiftung Schreiner” Bad Steben.

Für das Video hat uns Peter Zaumseil sein Atelier in Elsterberg im Vogtland gezeigt und auch seine Drucktechnik ausführlich erklärt:

Please accept YouTube cookies to play this video. By accepting you will be accessing content from YouTube, a service provided by an external third party.

YouTube privacy policy

If you accept this notice, your choice will be saved and the page will refresh.

Eine Ausstellung, die die gesamte Burg erobert

Ihre Kunst plazierten Ludwig Laser und Peter Zaumseil nicht nur in den beiden Räumen der Sonderausstellung, sondern in der gesamten Burg Posterstein.

Zaumseil-Holzschnitt im künstlerischen Dialog mit der Büste Wilhelmine von Sagans im Museum Burg Posterstein
Zaumseil-Holzschnitt im künstlerischen Dialog mit der Büste Wilhelmine von Sagans im Museum Burg Posterstein

Da räkeln sich beispielsweise halbnackte Holzschnitt-Damen Peter Zaumseils neben der Portrait-Büste der Herzogin Wilhelmine von Sagan und spielen auf diese Weise mit deren Biografie. Neue Porzellan-Kreationen Ludwig Lasers fügen sich in ihrer Formgebung in das historische Ambiente ein.

Katalog-Titel Peter Zaumseil Burg Posterstein

Der Katalog zur Ausstellung:
Wir werden 125!
Peter Zaumseil & Ludwig Laser – Malerei, Grafik & Keramik
76 Seiten farbig, Musum Burg Posterstein 2020 (Preis: 15,00 Euro)

Zusätzlich zum Katalog und zur Ausstellung gibt es Grafik und Keramik zum Vorzugspreis. Mit dem Kauf unterstützen Sie die Burg Posterstein:

Holzschnitte „Burg Posterstein“, limitierte Auflage, von Peter Zaumseil zum Vorzugspreis von 65,00 €

Limitierte Raku-Keramik "Burg Posterstein" von Ludwig Laser
Die limitierte Raku-Keramik “Burg Posterstein” von Ludwig Laser kann auch nach Ausstellungsende noch erworben werden.

Von Ludwig Laser gibt es eine Raku-Kumme (Becher) „Burg Posterstein“, limitierte Stückzahl, zum Vorzugspreis von 24,00 €

Die Ausstellung wird unterstützt durch die Künstler, die Kulturstiftung Thüringen, die Bürgerstiftung Altenburger Land und den Museumsverein Burg Posterstein.

Von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

Einmalige Doppelwandgefäße aus Porzellan auf Burg Posterstein

Am Wochenende vom 3. und 4. Oktober 2020 feierte der Tag des Thüringer Porzellans 260 Jahre Thüringer Porzellan mit zahlreichen Ausstellungen und Sonderveranstaltungen. Passend dazu war auf Burg Posterstein eine Besonderheit der Thüringen Porzellankunst zu sehen: Die kristallglasierten Doppelwandgefäße des Thüringer Keramikers Ludwig Laser sind nicht nur ein Hingucker, sondern eine Rarität. Die Doppel-Ausstellung „Wir werden 125! – Peter Zaumseil & Ludwig Laser – Malerei, Grafik & Keramik“ zeigte bis 15. November 2020 neue Arbeiten der beiden befreundeten Künstler.

ein großes doppelwandiges Porzellangefäß des Thüringer Keramikers Ludwig Laser
Ludwig Laser, großes Doppelwandobjekt, Porzellan, Kristallglasur reduziert, H. 39cm, D. 44cm,
Foto: Hans Joachim Hirsch

Seit 2011 experimentiert Ludwig Laser aus  dem Ostthüringer Obergeißendorf mit doppelwandigen Porzellangefäßen in großen Dimensionen. Mit ihrer schillernden Glasur und ihrer Größe sind sie nicht nur ein Blickfang. Ihre Herstellung erfordert handwerkliche Meisterschaft und seine Doppelwand sind für Ludwig Laser auch ein künstlerisches Alleinstellungsmerkmal. Mit ihren dicken Wänden und ihrer Höhe sehen die Gefäße schwer aus, sind in Wirklichkeit aber ganz leicht.

“Für mich als Berufskollegin und Keramikerin gehen besonders diese neuen Keramikobjekte weit über das klassische Handwerk hinaus und beweisen wieder einmal, dass auch das Genre der freien Keramik, trotz klassischer Formensprache, in die Gattung der KUNST einbezogen werden sollte und sogar muss”, schreibt die Keramikerin Annekatrin Räthe-Schönert in ihrem Kapitel über Ludwig Lasers Keramik.

Für das Video führte uns Ludwig Laser durch seine Werkstatt und erklärte auch die Raku-Technik:

Please accept YouTube cookies to play this video. By accepting you will be accessing content from YouTube, a service provided by an external third party.

YouTube privacy policy

If you accept this notice, your choice will be saved and the page will refresh.


Der Katalog zur Ausstellung:
Wir werden 125!
Peter Zaumseil & Ludwig Laser – Malerei, Grafik & Keramik
76 Seiten farbig, Musum Burg Posterstein 2020 (Preis: 15,00 Euro)

Ausstellung in der gesamten Burg

Die Doppel-Ausstellung zeigt Malerei, Holzschnitte und Grafiken und Keramik, die teilweise speziell dafür geschaffen wurden. Von Anfang an wollten beide die historische Situation in Posterstein einbeziehen. Einige der Werke fügen sich wunderbar in die ständige Ausstellung des Museums ein. Den Großteil sieht man in der Sonderschau im Erdgeschoss der Burg.

Blick in die Ausstellung "Wir werden 125!" mit Keramik, Malerei und Holzschnitten von Ludwig Laser und Peter Zaumseil - bis 15. November 2020 auf Burg Posterstein
Blick in die Ausstellung “Wir werden 125!” mit Keramik, Malerei und Holzschnitten von Ludwig Laser und Peter Zaumseil – bis 15. November 2020 auf Burg Posterstein

Zusätzlich zum Katalog und zur Ausstellung gibt es Grafik und Keramik zum Vorzugspreis. Mit dem Kauf unterstützen Sie die Burg Posterstein:

Holzschnitte „Burg Posterstein“, limitierte Auflage, von Peter Zaumseil zum Vorzugspreis von 65,00 €

Von Ludwig Laser gibt es eine Raku-Kumme (Becher) „Burg Posterstein“, limitierte Stückzahl, zum Vorzugspreis von 24,00 €

Die Ausstellung wird unterstützt durch die Künstler, die Kulturstiftung Thüringen, die Bürgerstiftung Altenburger Land und den Museumsverein Burg Posterstein.

von Marlene Hofmann / Burg Posterstein

humboldt4: Ein Viertel vom Quartett – Was bleibt

Petra Neumann aus Köln verbrachte den ganzen November 2019 mit uns auf Burg Posterstein – eine Bereicherung für beide Seiten! Mitte November ging die Postersteiner Schau der Altenburger Ausstellungsreihe #humboldt4 zu Ende. Petra Neumann zieht für uns Bilanz und erstellte den bisher noch nicht vorhandenen deutschsprachigen Wikipedia-Artikel zu Anton Goering.

Die Sonderschau „Aus Schönhaide nach Südamerika – Der Vogelkundler, Zeichner und Maler Anton Goering (1836 – 1905)“ war eine der vier Ausstellungen der Gesamtkonzeption humboldt4 im Altenburger Land.
Die Sonderschau „Aus Schönhaide nach Südamerika – Der Vogelkundler, Zeichner und Maler Anton Goering (1836–1905)” im Museum Burg Posterstein war eine der vier Ausstellungen der Gesamtkonzeption humboldt4 im Altenburger Land.

Am 14. September 1769 wurde der Universalgelehrte, Naturwissenschaftler und Forschungsreisende Alexander von Humboldt geboren. Anlässlich der 250. Wiederkehr seines Geburtstages wurde ihm zu Ehren von vier Museen im Altenburger Land eine gemeinsame Ausstellungsreihe konzipiert – humboldt4. Beteiligt waren das Lindenau-Museum, das Residenzschloss Altenburg, das Naturkundemuseum Mauritianum und das Museum Burg Posterstein.

Unter dem Titel „Aus Schönhaide nach Südamerika – Der Vogelkundler, Zeichner und Maler Anton Goering (1836 – 1905)“ widmete sich das Museum Burg Posterstein einem Handwerkersohn aus dem Altenburger Land, der Humboldt als sein großes Vorbild sah.

Eröffnung der Ausstellung "Von Schönhaide nach Südamerika" im Museum Burg Posterstein.
Eröffnung der Ausstellung “Von Schönhaide nach Südamerika” im Museum Burg Posterstein.

Auf seinen beiden Forschungsreisen durch Südamerika betrieb Anton Goering umfangreiche ornithologische und botanische Studien. Seine Beobachtungen hielt er in Tagebuchaufzeichnungen fest, illustriert mit zahlreichen Zeichnungen und Aquarellen. Zudem fertigte er mehrere tausend Tierpräparate an, die sich noch heute in den Sammlungen des Zoologischen Museums der Universität Halle sowie des National History Museums in London befinden. Naturwissenschaftliche Texte und Illustrationen Anton Goerings wurden in zahlreichen Zeitschriften und auch Büchern abgedruckt, beispielsweise in Brehms Tierleben. Er selbst publizierte seine Reiseerinnerungen der zweiten Forschungsreise in dem Buch „Vom tropischen Tieflande bis zum ewigen Schnee. Eine malerische Schilderung des schönsten Tropenlandes Venezuela“ (erschienen 1893 im Aldalbert Fischer’s Verlag Leipzig). Die Aquarelle Anton Goerings erzielen inzwischen Höchstpreise auf dem internationalen Kunstmarkt.

Wie man sieht, hat das Schaffen Anton Goerings vielfältige Spuren bis in unsere Zeit hinterlassen. Nun stellt sich die Frage ganz aktuell, was bleibt, wenn eine solche Ausstellung zu Ende geht?

Anton Goering: Landgut La Fundation am Oberlauf des Guataparo; aus: Dupouy, Walter: Venezuela vor einem Jahrhundert in Bildern von Anton Goering, Caracas 1969.
Anton Goering: Landgut La Fundation am Oberlauf des Guataparo; aus: Dupouy, Walter: Venezuela vor einem Jahrhundert in Bildern von Anton Goering, Caracas 1969.

Vier mal Humboldt = humboldt4

Der Ausstellungstitel „humboldt4“ verdeutlicht es bereits visuell – vier Museen, vier Ausstellungen, ein Thema.

Lesung aus Anton Goerings Reisetagebuch als Begleitprogramm zur Postersteiner Ausstellung.

„Alexander von Humboldt“ als übergeordnetes Thema wurde aus vier Perspektiven präsentiert, jeweils in Anlehnung an eigene Sammlungsschwerpunkte. Das Besondere daran ist, dass alle vier Museen erstmals eine Ausstellungsreihe von Anfang an gemeinsam konzipierten. Zwar wurde auch in der Vergangenheit bereits bei Einzelprojekten zusammen gearbeitet, Informationen ausgetauscht und Exponate ausgeliehen – in diesem Umfang und dieser Konsequenz war das jedoch die Premiere und möglicherweise der Auftakt, weitere gemeinsame Projekte zu realisieren.

Die Zusammenarbeit begann bereits bei der Vorbereitung der Gesamtkonzeption und den Absprachen bezüglich der konkreten Beiträge der beteiligten Museen. Dabei wurde auch eine gemeinsame Marketingstrategie für die Bewerbung der Ausstellungen entwickelt. Es entstanden beispielsweise einheitliche Werbematerialien, die von allen vier Museen genutzt werden konnten.

Postkarte zur Austellung auf der Ausstellungsvitrine im Museum Burg Posterstein

Ganz offensichtlich war, dass das Ausstellungskonzept von vielen Besuchern sehr gut angenommen wurde. Besucher*innen auf Burg Posterstein gaben bei der routinemäßigen Befragung, wie sie auf das Museum und die Sonderschau aufmerksam geworden sind, immer wieder die Rückmeldung, dass sie eine oder mehrere der anderen Ausstellungen bereits besucht hatten bzw. vor hatten diese noch zu besuchen. Auch die gegenseitige Erwähnung in den sozialen Netzwerken trug dazu bei, dass humboldt4 eine höhere Aufmerksamkeit erhielt, als dies bei der Bewerbung durch ein einzelnes Museum möglich gewesen wäre.

Screenshot Twieet des Museums Burg Postersteins zur Ausstellung.

Weiterhin erschien parallel zur Ausstellung ein gemeinsamer Katalog: humboldt4 – Vier Ausstellungen in vier Museen des Altenburger Landes. Der Katalog enthält unter anderem auch Beiträge zur jeweiligen Sonderschau der vier Museen. Eine schöne Publikation, die gerade durch die gebündelten Ausführungen verdeutlicht, wie die einzelnen Facetten ein gelungenes Gesamtkonzept ergeben.

Katalog humboldt4 zur Ausstellungsreihe im Altenburger Land.
Katalog humboldt4 zur Ausstellungsreihe im Altenburger Land 2019, ISBN 978-3-86104-099-6

Von der kuratierten Sonderschau zum enzyklopädischen Allgemeingut

Anton Goering, als Sohn des Altenburger Landes, ist bereits seit Jahren ein Bestandteil der Sammlungen des Museums Burg Posterstein. Mit humboldt4 bot sich die Gelegenheit, den wechselseitigen Einfluss aufklärerischen Denkens, insbesondere die Beziehungen zu anderen Naturwissenschaftlern, Gelehrten und Institutionen, ausführlicher zu behandeln und in den Fokus zu rücken. Kuratorin Franziska Engemann hat während ihrer Recherchen zur Ausstellungsvorbereitung eine Vielzahl an Quellen studiert und dabei auch neue Informationen und Materialien zu Anton Goering entdeckt. Beispielsweise sind zwei Aquarelle aus dem Archiv des Leibnitz-Instituts für Länderkunde wieder aufgetaucht und konnten in das Konzept der Ausstellung eingebunden werden. Um den Besuchern einen unmittelbaren Einblick in Goerings Forscher- und Gedankenwelt zu ermöglichen, wurden zudem Teile der Tagebücher von Goerings Südamerikareisen transkribiert und den digitalisierten Originaleintragungen gegenüber gestellt.

Für die Postersteiner #humboldt4-Ausstellung wurden erstmals die Reisetagebücher Anton Goerings ausgewertet, die sich in der Sammlung des Leibniz-Instituts für Länderkunde Leipzig befinden.

Insgesamt ist so eine Fülle an neuen Informationen hinzugekommen, die das Museum Burg Posterstein jedoch aufgrund der räumlichen Situation nicht komplett in die Dauerausstellung übernehmen kann. Gerade deshalb ist die Idee entstanden, das gesammelte Wissen im Sinne von Open Source öffentlich zu publizieren, so dass es für Interessenten frei zugänglich ist und bei neuen Erkenntnissen ergänzt werden kann. In der Nachbereitung der Ausstellung ist somit der deutschsprachige Wikipedia-Eintrag zu Christian Anton Goering entstanden, der seit dem 21. Dezember 2019 online ist.

Das bleibt von humbold4

Nach der gemeinsamen Ausstellungsreihe humboldt4 ist von den vier beteiligten Altenburger Museen geplant, auch zukünftig bei verschiedenen Projekten intensiver als bisher zusammenzuarbeiten.

Anton Goering: Rio Escalante, aus: Anton Goering: Vom tropischen Tieflande zum ewigen Schnee. Eine malerische Schilderung des schönsten Tropenlandes: Venezuela, Leipzig 1893.
Anton Goering: Rio Escalante, aus: Anton Goering: Vom tropischen Tieflande zum ewigen Schnee. Eine malerische Schilderung des schönsten Tropenlandes: Venezuela, Leipzig 1893.

Das bleibt für alle vier Museen und hat auf alle Fälle Potential für weitere gemeinsame Ideen und Visionen. Zudem ist ein gemeinsamer Katalog entstanden, der erstens dieses Zusammenwirken dokumentiert und inhaltlich auch nach den Ausstellungen noch lesenswert bleibt.

Für das Museums Burg Posterstein bleibt zudem, dass im Bereich der Dauerausstellung zu Anton Goering einige Exponate ergänzt bzw. erneuert werden können. Es ist ein detaillierter Wikipediaeintrag zu Anton Goering entstanden und schlussendlich auch mehrere Blogbeiträge.

Von Petra Neumann

Weitere Blogposts zu Anton Goering:

Please accept YouTube cookies to play this video. By accepting you will be accessing content from YouTube, a service provided by an external third party.

YouTube privacy policy

If you accept this notice, your choice will be saved and the page will refresh.

Trailer zur Ausstellungsreihe #humboldt4 (c) Mike Langer 2019
Ausstellungsreihe #humboldt4 im Altenburger Land

30. Juni 2019 – 19. April 2020
Sammeln und Forschen im Geiste Humboldts
NATURKUNDEMUSEUM
MAURITIANUM ALTENBURG
www.mauritianum.de

22. August 2019 – 1. Januar 2020
Altenburg und die Welt
LINDENAU-MUSEUM ALTENBURG
www.lindenau-museum.de

18. August – 3. November 2019
Herzöge auf Spitzbergen, Prinzen am Amazonas: Adlige Entdecker in der Nachfolge Humboldts
RESIDENZSCHLOSS ALTENBURG
www.residenzschloss-altenburg.de

1. September – 17. November 2019
Aus Schönhaide nach Südamerika:
Der Vogelkundler, Zeichner und Maler Anton Goering

MUSEUM BURG POSTERSTEIN
www.burg-posterstein.de