#SalonEuropa im Hier und Jetzt: Die Künstlerin Marta Pabian im Portrait

Marta Pabians Installationen aus Draht und ihre Gemälde und Fotografiken in der Postersteinr Ausstellung.
Marta Pabians Installationen aus Draht und ihre Gemälde und Fotografiken in der Postersteinr Ausstellung.

„Europa im Hier und Jetzt: Schloss Tannenfeld – Inspiration und Wirklichkeit“ ist ein Kunstprojekt, das noch bis 9. September 2018 im Museum Burg Posterstein zu sehen ist. Vier Künstlerinnen aus Deutschland, Frankreich und Polen treten zusammen in Dialog über den #SalonEuropa. Fotografie, Installation und Malerei schlagen den Bogen vom Musenhof der Herzogin von Kurland, wo der europäische Gedanke aktive gelebt wurde, bis hin zum Europa im Hier und Heute.

Unser viertes und letztes Porträt widmet sich – last but not least – der polnischen Künstlerin Marta Pabian. Ihr Thema: Der Mensch. Ihre Arbeit: beeindruckend vielfältig. Installation, Malerei, Druck und Fotografie reichen sich in ihren Werken die Hand, um die Individualität jedes Einzelnen ans Tageslicht zu bringen.

Marta Pabian – Die Einzigartigkeit eines jeden Menschen

Marta Pabian besuchte von 1990 bis 1995 die Kunstoberschule in Kielce und war in der Abteilung Kunstweben tätig. Im Anschluss nahm sie ein Studium an der Akademie der bildenden Künste in Wrocław auf und wandte sich der Malerei und Bildhauerei, später auch dem Bühnenbild zu. Seit 2014 arbeitet sie an ihrer Promotion an der Jan Kochanowski Universität in Kielce im Institut der bildenden Künste, wo sie auch im Fach Modedesign unterrichtet. Ihre Doktorarbeit konnte sie 2018 erfolgreich verteidigen. Ihre vielseitigen Werke zeigte sie bereits in Ausstellungen in Łódz, Toruń, Kielce und Kraków, sowie in Gera und Berlin.

Die polnische Künstlerin Marta Pabian beschäftigt sich künstlerisch mit dem Ich in der Gesellschaft.
Die polnische Künstlerin Marta Pabian beschäftigt sich künstlerisch mit dem Ich in der Gesellschaft.

Über ihre Arbeiten sagt die Künstlerin selbst:

„Ich beschäftige mich mit dem Thema Mensch, seiner Gestalt, seinem Umfeld und der daraus resultierenden Atmosphäre, den Emotionen und Relationen. Im Mittelpunkt meines künstlerischen Schaffens steht der Mensch als Wesen in Bezug auf die Gesellschaft der Gegenwart, hier und jetzt. Er ist beeinflusst von den Gedanken seines Umfeldes und seinen eigenen, bezogen auf die Akzeptanz seiner Entscheidungen und der daraus resultierenden Verantwortung für seine Taten. Sein Dasein ist eine Art der Identifikation und unterstreicht seine Identität.“

Grundlage der 2018 entstanden Werke, die in der Sonderschau #SalonEuropa im Museum Burg Posterstein gezeigt werden, ist eine Installation aus Draht. Bei genauer Betrachtung schälen sich mit der Zeit aus dem Netz feiner Drahtseile menschliche Körper heraus. Nicht nur einer, sondern viele – verbunden durch Strukturen der Linien.

Diese Drahtinstallation dient der Künstlerin schließlich als Quelle der Interpretation. In einer beeindruckenden Mischtechnik, in der unter anderen Fotografie, Siebdruck und Malerei Verwendung finden, schlüsselt sie die verschiedenen Gestalten im Einzelnen auf. Sie zeigt dem Betrachter die Vielfalt der Körper, die sich in einem Werk vereinen, doch gleichzeitig so unterschiedlich und individuell darstellen. Als Werkstoffe dienen Marta Pabian dabei Papier, Leinwand und sogar Glas.

Marta Pabians Werke werfen Fragen zum Individuum in der Gesellschaft auf.
Marta Pabians Werke werfen Fragen zum Individuum in der Gesellschaft auf.

Im übertragenen Sinne bildet die Künstlerin die heutige Gesellschaft in ihren Arbeiten ab. EIN Drahtgeflecht, EINE Einheit und doch verbirgt sich hinter dem Wirrwarr aus Formen und Strukturen das Individuum, der einzelne Mensch. Keine der Figuren, die sich hinter den zahlreichen Linien verbergen, ist einer anderen gleich. Jede scheint in den Bildern ihre eigene Geschichte zu erzählen.

Pabian selbst beschreibt ihre Intension wie folgt:

„ICH, oder WIR? Wieviel ICH wird eingebracht damit WIR als Gesellschaft davon profitieren? Die Grenzen zu zeichnen, die Vergrößerung eigener Emanation, deformieren bekannter anatomischer und biologischer Formen. Die geschaffene Linie baut neue Qualitäten. Priorität hat dabei die Selbstfindung der eigenen Identität, der Mut sich selbst zu manifestieren und zu glauben, dass der Dialog mit sich selbst ein ehrlicher ist.“

Im Museum Burg Posterstein bereiteten wir gerade die interaktive Ausstellung #SalonEuropa vor Ort und digital vor, in der wir einen gesellschaftlichen Diskurs und ein Nachdenken über Europa anregen wollen. Marta Pabian hat ihre Gedanken über Europa mit uns geteilt:

Marta Pabian – Europa bedeutet für mich …?

„Ich sehe aktuell, dass Europa in Bezug auf Einheit, gemeinsame Interessen und Werte im Konflikt mit Personen, die in Gruppierungen, Vereinen und Institutionen tätig sind und eigene Rechte durchsetzen wollen, steht. Die jetzige so genannte Toleranz, welche ein Gefühl der Freiheit geben soll, versteht sich wie eine Hülle, die vor Eingriffen der angenommenen Rolle schützen soll. Die entstehende Angst äußert sich in Isolierung und Trennung von Werten, so wie es jetzt in Polen passiert. Wenn man sich voll akzeptiert und seine Schwächen sieht, kann man das demaskieren, was uns bei anderen stört.“

Was bedeutet Europa für Sie? Teilen Sie hier ihre Meinung mit uns.

Zusammengefasst von Franziska Engemann / Museum Burg Posterstein

Zum Weiterlesen:

Die Ausstellung #SalonEuropa im Hier und Jetzt

#SalonEuropa im Hier und Jetzt: Die Künstlerin Jana Borath im Portrait

#SalonEuropa im Hier und Jetzt: Die Künstlerin Verok Gnos im Portrait

#SalonEuropa im Hier und Jetzt: Die Künstlerin Petra Herrmann im Portrait

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#SalonEuropa im Hier und Jetzt: Die Künstlerin Petra Herrmann im Portrait

Petra Herrmanns fragiler, schwebender Tisch symbolisiert Europa.
Petra Herrmanns fragiler, schwebender Tisch symbolisiert Europa.

Bis 9. September 2018 zeigt das Museum Burg Posterstein die erste Sonderschau zur Themenreihe #SalonEuropa. Vier Künstlerinnen aus Deutschland, Frankreich und Polen realisieren ein gemeinsames Kunstprojekt. Anlass sind die bevorstehenden Veränderungen für die Parkanlage und das Schloss Tannenfeld. Mit ihrem Projekt verweisen die Künstlerinnen auf den europäischen Gedanken, der an diesem Ort unter Anna Dorothea von Kurland gelebt wurde und bringen ihre jetzige Sichtweise zum Thema Europa zum Ausdruck.

Im Künstlerporträt stellen wir dieses Mal Petra Herrmann vor. Die Installations-Künstlerin aus Kratschütz kann ohne Umschweife als die „treibende Kraft“ hinter der Ausstellung „#SalonEuropa im Hier und Jetzt: Schloss Tannenfeld – Inspiration und Wirklichkeit“ bezeichnet werden. Gemeinsam mit ihrer Kollegin Jana Borath entwickelte sie die Idee, Schloss Tannenfeld und dem Europäischen Gedanken, der dort einst gelebt wurde, in ihre Kunst einzubeziehen und ihm eine Sonderschau zu widmen.

Petra Herrmann – „Europa zu Tisch“

Petra Herrmann wurde 1957 in Berlin geboren. Bereits 1986 kam sie als freischaffende Künstlerin nach Thüringen. Ab 1988 folgten erste Einzelausstellungen und Performances. 1994 wurde sie Mitglied der GEDOK Leipzig/Sachsen und war zeitweise auch im dortigen Vorstand tätig.
In ihrer Kunst setzt sich Petra Herrmann mit dem Matriarchat, feministischer Theologie, Religionen und Körpern auseinander. Ihre teilweise preisgekrönten Arbeiten präsentierte sie bereits in zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland.

Petra Herrmann ist freischaffende Künstlerin in Thüringen.
Petra Herrmann ist freischaffende Künstlerin in Thüringen.

Für die Ausstellung „#SalonEuropa im Hier und Jetzt“ fertigte Herrmann eine fragile, leichte und doch so bedrückende Installation an, die aktueller kaum sein könnte. Im Raum schwebt ein imaginärer Tisch aus Zeitungspapier, der in seinen Umrissen keine abgeschlossene, sondern eine eher bizarre, offene, ja zerrissene Form darstellt. Zeitungen aus Polen, Frankreich, Deutschland und anderen EU-Ländern sind lesbar verwendet.

Das Fragile des Tisches ist bestimmend und zeigt die Unsicherheit, die Ängste vor dem sich zeigenden Rechtsruck in einigen europäischen Ländern, zeigt die Gratwanderung, die von allen erwartet wird. – Ein Drahtseilakt zwischen Diplomatie und bestimmender Konsequenz.

Petra Herrmanns Installation "Europa zu Tisch" schwebt im Raum.
Petra Herrmanns Installation “Europa zu Tisch” schwebt im Raum.

Dazu kommen Fotos, die in drei Formaten von der Künstlerin auf dem Tisch platziert wurden – Fotos, die „boatspeople“ – Flüchtlinge aus Syrien – zeigen. Die Fotos, die im Ursprung eine klare Aussage hatten, sind verfremdet, sodass Konturen unklar werden und die Herkunft nicht definierbar. Petra Herrmann zeigt sie als Ausdruck für die Manipulation, die wir über die Medien erfahren, in der Aussage als ein Ausschnitt von Wirklichkeit betrachtet werden muss.
In Herrmanns Installation geht es um Fluchten, die meist mit ungeeigneten, zudem überladenen Booten unternommen werden. Die Ursachen von Bootsflucht reichen heute, wie bei jeder Flucht, von individueller Verfolgung – die eine Person im rechtlichen Sinne als Flüchtling qualifiziert – über allgemeine Unsicherheit und bewaffnete Konflikte bis hin zur Suche nach besseren Lebensbedingungen.

Es ist Aufgabe der EU- und anderer Staaten, solche Fluchtursachen zu bekämpfen – für jeden gäbe es Platz an diesem Tisch, der fragileraber wohl nicht sein kann. Genauso fragil wie jedes einzelne der Fluchtboote, die seit Jahren über das Mittelmeer an europäischen Stränden anlegen wollen. Voll- und überladen mit Menschen aus Syrien, vom afrikanischen Kontinent und aus Nahost. Menschen, die vor Krieg, Tod, bewaffneten Konflikten, Hunger, wirtschaftlicher Not und bitteren Lebensbedingungen flüchten. Menschen, die versuchen sich zu retten – auch vor den Folgen des europäischen Wohlstandsappetites.

Kommt Europa noch an einen Tisch und haben Flüchtlinge dort einen Platz? Solche Fragen wirft die Installation Petra Herrmanns auf.
Kommt Europa noch an einen Tisch und haben Flüchtlinge dort einen Platz? Solche Fragen wirft die Installation Petra Herrmanns auf.

Mit ihrer Installation legt Petra Herrmann den Finger in eine Wunde Europas, die spätestens seit 2015 weit klafft. Als Flüchtlingskrise wird jenes Phänomen diagnostiziert, welches europäische Länder, Bevölkerungen, Familien und Freundschaften spaltet und strapaziert, Gewalt hervorruft und Rechtspopulisten die politische Bühne erobern lässt. Doch Flüchtlinge sind Menschen, keine Krise, so Herrmann. Das definieren die Grundlagen unseres heutigen europäischen Weltbildes. Es zählen sowohl der Wert des einzelnen als auch der aller Menschen. In der Krise befindet sich indes der Umgang Europas mit globalen Problemen wie Hunger, Krieg, bewaffnete Konflikte und Naturkatastrophen, die die wohlstandsorientierte Staatenvereinigung zum nicht geringen Teil mit verursacht. Durch aggressiven Kapitalismus, ausgelagerte Umweltprobleme, durch florierende Waffengeschäfte in Länder mit Krisenherden. Hinzu kommt die Krise Europas, die Notwendigkeit seine internen Probleme zu lösen.

Im Museum Burg Posterstein bereiteten wir gerade die interaktive Ausstellung #SalonEuropa vor Ort und digital vor, in der wir einen gesellschaftlichen Diskurs und ein Nachdenken über Europa anregen wollen. Petra Herrmann hat ihre Gedanken über Europa mit uns geteilt:

Petra Herrmann – Europa bedeutet für mich …?

„Die Schere innerhalb und zwischen Europa und angrenzenden Ländern bis hin nach Afrika ist unübersehbar, ebenso die Diskrepanzen. Wir als Europäer, die auf dem Rücken aller ihren Wohlstand ausbauen, in aller Selbstverständlichkeit davon ausgehen, dass ein Kleidungsstück natürlich von Frauen in Indien hergestellt wurde, hier Schuhe – egal welcher Marke – unter martialischen Bedingungen gegerbt und gefärbt werden. Dass ein Konzern in afrikanischen Staaten sich bereichert und Entwicklungshilfegelder von ebendiesen vergeudet werden und die Menschen dort nicht erreichen. Niemand kann es einem Menschen verdenken, dass er solches Unrecht nicht mehr ertragen möchte, sein Leben aufs Spiel setzt, die Ausweglosigkeit in sein Gesicht gemeißelt.“

Was bedeutet Europa für Sie? Teilen Sie hier ihre Meinung mit uns.

Zusammengefasst von Franziska Engemann / Museum Burg Posterstein

Zum Weiterlesen:

Die Ausstellung #SalonEuropa im Hier und Jetzt

#SalonEuropa im Hier und Jetzt: Die Künstlerin Jana Borath im Portrait

#SalonEuropa im Hier und Jetzt: Die Künstlerin Verok Gnos im Portrait

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#SalonEuropa im Hier und Jetzt: Die Künstlerin Jana Borath im Portrait

Schloss Tannenfeld steht seit vielen Jahren leer
Schloss Tannenfeld steht seit vielen Jahren leer

Wir vom Museum Burg Posterstein widmen 2018 gleich zwei Ausstellungen dem Motto #SalonEuropa. Bis 9. September 2018 ist die Kunstausstellung „Schloss Tannenfeld – Inspiration und Wirklichkeit“ im Museum Burg Posterstein zu sehen. Anlass sind die bevorstehenden Veränderungen, die für Parkanlage und Schloss Tannenfeld ab Sommer 2018 anstehen. Die Idee dazu kam von zwei Künstlerinnen aus Thüringen, die eine Künstlerin aus Polen und eine Künstlerin aus Frankreich mit ins Boot holten. Zu sehen sind Bilder, Fotos, eine Installation im Raum und eine dreidimensionale Installation. In diesem Blogpost – Teil 2 einer Reihe – möchten wir die Fotografin Jana Borath vorstellen. Hier geht es zu Teil 1.

Steht Schloss Tannenfeld bald nicht mehr leer?

Der idyllische Ort Tannenfeld nahe Löbichau – einst von Anna Dorothea von Kurland beseelt – bekommt nach Jahren des Stillstandes neue Nutzung und neue Bewohner. Die Besitzverhältnisse haben sich geändert: Das Ensemble ist aus dem Eigentum des Landkreises Altenburger Land in Privathand übergegangen. Jana Borath nahm diese Veränderungen zum Anlass, den stillen Ort Tannenfeld zu dokumentieren.

Jana Borath dokumentierte ein Jahr lang Schloss und Park Tannenfeld.
Jana Borath dokumentierte ein Jahr lang Schloss und Park Tannenfeld.

Jana Borath – Fotografien eines verlorenen Ortes?

Jana Borath wurde 1970 in Gera geboren und lebt seit 2007 in Schmölln. Seit 1992 ist sie als Journalistin für die Ostthüringer Zeitung tätig und im Altenburger Land unterwegs. Ihre Leidenschaft gilt der Fotografie und dem Reisen fernab touristischer Pfade. Ihre Fotos dokumentieren zum einen die Schönheit und verblichene Eleganz des weitläufigen Parks Tannenfeld. Zu jeder Jahreszeit lädt er zum Verweilen ein, spendet Ruhe und schenkt Augenblicke der Stille und des Innehaltens. Zum anderen richten sie den Blick auf den Verfall, dem vor allem das Schloss Tannenfeld in jüngster Vergangenheit preisgegeben wurde.

Im 19. Jahrhundert gaben sich hier auf Einladung von Anna Dorothea von Kurland Politiker, Künstler, Dichter und damalige Akteure des politischen Europas die Klinke in die Hand. Ihr Leben, ihr Agieren, ihre Offenheit wirken bis heute nach. Auch in Tannenfeld. Der Park, das Schloss animieren, sich mit dem Tun ihrer einstigen Besitzer, Besucher und Gäste näher zu beschäftigen. Ein verlorener Platz? Nur auf den ersten Blick. Eher ein geheimer Ort, der mehr Achtsamkeit verdient, als er in den vergangenen Jahren erfuhr.

Besucherin in der Ausstellung #SalonEuropa im Hier und Jetzt.
Besucherin in der Ausstellung #SalonEuropa im Hier und Jetzt.

Lost Places: Tannenfeld zwischen Vergessen und Hoffnung – ein fotografischer Kurzbesuch

Jana Borath beschreibt Tannenfeld mit Schloss, Villen und Park selbst als ihren Lieblingsort im Altenburger Land.

„Auch, weil er für all das steht, was Europa so wertvoll macht für seine Bewohner und was heute bedrohter scheint als je zuvor. Der einstige Musenhof war ein Podium für offenes Denken und Reisen, für das Kennen- und Verstehenlernen über Grenzen hinweg. Seine Bewohner und ihre Gäste galten als weltoffen, modern und fortschrittlich. Vor 200 Jahren, unter Regie der Herzogin von Kurland, waren hier Austausch von Kunst, Literatur, Gedanken, Ideen und Meinungen so normal, wie Toleranz und Akzeptanz. Bis vor wenigen Jahren war Tannenfeld zudem ein Ort, der Menschen ausruhen und genesen ließ, der Schutz bot und Geborgenheit, an dem geholfen wurde, gepflegt, getröstet und wieder aufgerichtet. Selbst verlassen war und ist Tannenfeld ein Ort, der Ruhe und Erholung spendet, der Alltag und Stress aussperrt für einen langen Moment, um Harmonie und klares Denken zu schenken.“ (Jana Borath, Europa im Hier und Jetzt. Ein Kunstprojekt, S. 6)

Doch Tannenfeld steht auch für das Vergessen, für das Brutale und das Respektlose. Besonders das Schloss trägt deutlich sichtbare Spuren von Verfall, Einbruch und das auf Funktion beschränkte Denken seiner Besitzer in jüngerer Zeit.

„Einbruchsspuren an Türen und Möbeln. Billige Bad-Armaturen brechen wertvollen Marmor. Zerschlagene Ornamente. Ein Art-Déco-Brunnen als Aschenbecher. Moos im Waschbecken. Vernagelte Fenster. Ein Spaten als Türsicherung. Schmutzige Krankenwäsche im Schrank, die niemand mitnehmen wollte beim Auszug.“ (Jana Borath)

Augenblick der Vergänglichkeit, (c) Jana Borath, 2017
Augenblick der Vergänglichkeit, (c) Jana Borath, 2017

Trotzdem birgt dieser verlassen anmutende Ort Schönheit und neue Hoffnung für die Fotografin:

„Eine Motte breitet an der Quelle ihres Todes ein letztes Mal ihre Flügelchen aus. Ehe sie verglüht, wird sie zum Engel. Durch Löcher in dünnen Holzplatten, mit denen die Fenster vernagelt wurden, dringt fingerbreit Tageslicht und verwandelt die billigen Gardinen drinnen in feurige Mäntel, die sacht im einst prachtvollen Saal schwingen.“ (Jana Borath)

All diese Momente hält sie mit ihrer Kamera fest. Dabei war das ursprünglich gar nicht ihr Ziel. Eine Ausstellung daraus zu entwickeln, schon gar nicht.

Im Sommer 2017 besiegelten der Landkreis Altenburger Land und eine Investorengruppe mit sieben Unternehmern aus Leipzig, Erfurt, Altenburg, Kriebitzsch, Gößnitz und Schmölln den Verkauf von Schloss und Park Tannenfeld. Jana Bortah wollte ab August 2017 lediglich den Ist-Zustand vor allem des Schlossparkes dokumentieren, bevor die Bauarbeiten für das Pflegezentrum beginnen. Zusammen mit der Künstlerin Petra Herrmann und dem Museum Burg Posterstein entwickelte sich aus diesem Vorhaben schließlich die Idee zur Ausstellung.

Die Investorengruppe als neue Besitzerin von Schloss und Park Tannenfeld begegnete dem Projekt offen und unterstütze es mit der Erlaubnis einer Fotodokumentation sowie einem Ausblick in die Zukunft Tannenfelds.

Blick in die Ausstellung #SalonEuropa im Hier und Jetzt mit den Bildern von Jana Borath
Blick in die Ausstellung #SalonEuropa im Hier und Jetzt mit den Bildern von Jana Borath

Aus der Vielzahl der Bilder und Eindrücke, die Jana Borath im Laufe eines Jahres sammelte, wählte sie 16 Motive aus, die sie als Fotodrucke auf großformatigen Alu-Dibond-Platten in die Ausstellung einbrachte. Ein Teilbereich der Ausstellung wird von drei großen Foto-Fahnen eingerahmt. Eine Bank lädt den Betrachter ein, sich im Park sitzend zu wähnen. Schloss und Park Tannenfeld aus einem ganz anderen, einmaligen Blickwinkel zu betrachten, sollte nicht nur für Kenner der Anlage eine Besonderheit sein. Die Bilder sind Ausgangspunkt für eine Entwicklung, die sich in Tannenfeld vollziehen wird. Sie zeigen schöne, wenn auch verlassene Orte, die vielleicht bald mit Leben erfüllt werden.

„Es gibt Hoffnung, dass all das Besondere nicht nur bewahrt, sondern mit neuem Leben erfüllt werden kann. Tannenfeld mit Schloss, Villen und Parkanlage soll wieder ein Ort werden, an dem Menschen ausruhen können, Hilfe und Geborgenheit finden. Und er könnte erneut ein Ort werden, der offenen Austausch von Kunst, Ideen und Meinungen ermöglicht. Ganz im Sinne seiner Erschaffer.“ (Jana Borath)

Hinter den Bäumen kann man Schloss Tannenfeld erahnen (Foto: Jana Boarath 2017)
Hinter den Bäumen kann man Schloss Tannenfeld erahnen (Foto: Jana Boarath 2017)

#SalonEuropa – Europa bedeutet für mich …?

Ab 23. September 2018 zeigt das Museum Burg Posterstein die Ausstellung „#SalonEuropa vor Ort und digital: Vernetzung damals und heute – Europa bedeutet für mich …?“. Das Projekt ist auch für uns als Museum ein Experiment. Ausgehend von der historischen Salonkultur um 1800 wollen wir den Bogen schlagen in die heutige Zeit und zur aktuellen politischen Lage. Wir wollen das Format “Salon” ins Heute übertragen und den Besuchern im #SalonEuropa vor Ort und im Digitalen die Möglichkeit geben, ihre Gedanken zu Europa heute zu äußern. Auf einem Bildschirm in der Ausstellung und auf der Website #SalonEuropa sollen unter der Überschrift “Europa bedeutet für mich…?” in Videos, kurzen Statements und Blogposts unterschiedliche Meinungen zu Europa zu Wort kommen.

Auch die vier Künstlerinnen des Kunstprojektes „#SalonEuropa im Hier und Jetzt: Schloss Tannenfeld – Inspiration und Wirklichkeit“ haben ihre Statements zu Europa eingebracht und nicht nur in ihrer Arbeit, sondern auch in Wort und Schrift in die Ausstellung eingebracht. Jana Borath schrieb dazu:

„Mein Europa: Meine Idealvorstellung von Europa ist ein großes, gemeinsames Haus. Für all seine Bewohner gilt eine verbindliche Hausordnung und es gibt genug Platz, dass sich jeder Bewohner selbst verwirklichen kann. Die Zimmertüren können geschlossen werden, sind aber niemals verschlossen. Dafür gibt es regen Austausch: über Kultur, Gesellschaftliches, Politik, Umweltschutz… Man besucht Zimmer für Zimmer, man hilft sich gegenseitig. Es ist ein Haus, in dem Hinzukommende mit offenen Armen willkommen geheißen werden und man gemeinsam überlegt, wie Probleme gelöst werden können. Zu naiv?“

Zusammengefasst von Franziska Engemann / Museum Burg Posterstein

Zum Weiterlesen:

Die Ausstellung #SalonEuropa im Hier und Jetzt

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Der Schmöllner Künstler Hans Neupert ist tot – Ein Nachruf

Hans Neupert in seinem Atelier in Schmölln, 2015. Foto: Jörg Kirmse.
Hans Neupert in seinem Atelier in Schmölln, 2015. Foto: Jörg Kirmse.

Der Künstler Hans Neupert starb kurz vor Vollendung seines 97sten Lebensjahres. Er wurde am 22. Dezember 1920 in Schmölln geboren. Hans Neupert wuchs auf in der Buchdruckerei Hans Böckel auf dem Schillerplatz, die sein Vater leitete, wurde musisch und reformpädagogisch erzogen, besuchte die heimische Realschule und das Altenburger Gymnasium. Sein erster Studienwunsch galt deshalb auch dem Theater und der der Musik. Es kam alles ganz anders.

Hans Neupert im Gespräch, 2015.
Hans Neupert im Gespräch, 2015.

Nach dem Abitur wurde Hans Neupert zur Wehrmacht eingezogen, war in Norwegen, Paris, San Remo, Syracus und Baden bei Wien stationiert und geriet schließlich in amerikanische Gefangenschaft. Schon 1945 begann er ein Studium an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig bei Elisabeth Voigt, der Mutter der Leipziger Schule, und Egon Pruggmayer. Zu seinen Mitstudenten gehörten nicht nur Wolfgang Mattheuer oder Gerhard Kurt Müller, sondern auch die schöne und begabte Else Luise Keil (1926–2009). Sie heiratete er 1952. Schon bald übernahmen Hans und Luise Neupert Werbeauftritte verschiedener Kombinate der DDR, illustrierten Bücher, fotografierten, gestalteten Drucksachen und Messestände. Die Auftragsbücher waren übervoll. Nationale Aufmerksamkeit war ihnen gewiss.

Hans Neupert beim Malen. Foto: Jörg Kirmse.
Hans Neupert beim Malen. Foto: Jörg Kirmse.

Davor war der Weg auch steinig. Mit dem Vorwurf des Formalismus musste Hans Neupert die Leipziger Hochschule vorzeitig beenden, musste Netzwerke knüpfen, um dennoch zu überleben. In dem Verleger Heinrich Mock, dem ehemaligen Direktor des Lindenau-Museums, fand er, wie viele Künstler seiner Generation, einen Förderer, bekam kleine Aufträge, produzierte Holzschnitte, die sich besser verkaufen ließen und erhielt Möglichkeiten für Ausstellungen.

Ab 1990 engagierte sich Hans Neupert im Museumsverein Burg Posterstein.
Ab 1990 engagierte sich Hans Neupert im Museumsverein Burg Posterstein.
Das Logo des Museums Burg Posterstein stammt aus der Feder von Hans Neupert.
Logo Burg Posterstein – von Hans Neupert.

In Schmölln mischte sich Hans Neupert vor allem nach 1989 ein, wurde gefragt bei Entscheidungen, gründete den Verschönerungsverein mit, erhielt den Kulturpreis der Stadt.

Das Museum Burg Posterstein profitierte von seinem Engagement sehr. Ab 1990 war er im Vorstand des Museumsvereins aktiv. Der Entwurf für das große braune Schild an der Autobahn, das auf die wichtige Sehenswürdigkeit hinweist, stammt von ihm – ebenso wie das Logo des Museums.

Hans Neupert: Im Park der Dorothea von Kurland, 1985, Öl auf Leinwand.
Hans Neupert: Im Park der Dorothea von Kurland, 1985.

Der Herzogin von Kurland, ihren Intentionen und der Salonkultur stand er nahe. Der Park in Tannenfeld gehörte zu seinen Lieblingsplätzen. Am Rande der Feierlichkeiten zum 200. Geburtstag Anna Dorothea von Kurlands 2011 plauderte der über Neunzigjährige munter mit den französischen Gästen in deren Sprache.

Hans Neupert: Geschlossene Gesellschaft, 1986.
Hans Neupert: Geschlossene Gesellschaft, 1986.

Wer das Glück hatte, im Hause Neupert willkommen geheißen zu werden, konnte eintauchen in eine Welt voller Literatur, Musik und Kunst, konnte den verwunschenen Garten am Rande der Sprotte erleben, Bücher studieren oder Klaviersonaten lauschen. Auch ohne Fernsehen war Hans Neupert bestens informiert, denn eine überregionale Tageszeitung stand ihm genauso zur Seite wie die Berichte der gern gesehenen Gäste. Bücher von Marcel Proust oder Ernst Jünger liebte er und regelmäßig berichtete bis zuletzt die Jugendfreundin Shou Shou aus Paris.

Musik in Neuperts Garten - Bild: Nr. 879: Luise bei der Gartenarbeit, 2005
Hans Neupert: Luise bei der Gartenarbeit, 2005.

Erst in den achtziger Jahren fanden Neuperts den Weg zurück von der Angewandten zur Bildenden Kunst. Während Luise durch faszinierende Scherenschnitte bekannt wurde, widmete sich Hans Neupert fortan der Malerei in Öl. Inspiriert vom heimischen Garten, von der Natur der Region und den Erlebnissen in fernen Ländern entstanden farbenprächtige Miniaturen. Heiter gelaunte, pralle elfenhafte Wesen tanzen, singen, musizieren. Mit zunehmenden Alter schlich sich Melancholie ein. Ein Zauber geht von den Bildern aus und viele Betrachter ließen sich verzaubern. Die kleinen Bilder fanden den Weg in Ausstellungen. Aber auch private Liebhaber im In- und Ausland sammelten Neuperts Werke.

Hans Neupert bei der Eröffnung seiner Ausstellung 2015 im Museum Burg Posterstein.
Hans Neupert bei der Eröffnung seiner Ausstellung 2015 im Museum Burg Posterstein.

Noch 2015 stellte Hans Neupert neue Werke im Museum Burg Posterstein aus. Damals entstand ein kurzer Film:

Auch im hohen Alter war Hans Neupert noch so produktiv, dass das Werkverzeichnis des Katalogs schon zur Ausstellungseröffnung 2015 wieder veraltet war. Hier ein Eindruck von der Ausstellungseröffnung:

Nach über 1000 Werken endet die Serie. Hans Neupert hat sein Leben vollendet. In seinen Bildern und im Herzen all jener, die von den Gesprächen mit ihm, von seiner umfassenden Bildung, seinem sicheren Geschmack und seiner Hilfsbereitschaft profitierten, lebt er fort. Schmölln und das Altenburger Land verlieren einen bedeutenden Bürger. Hans Neupert starb am 5. November 2017.

von Sabine Hofmann / Museumsverein Burg Posterstein

Hans Neupert: Der letzte Tanz, 2014.
Hans Neupert: Der letzte Tanz, 2014.

Vom Museum Burg Posterstein herausgegebene Kataloge:

 

Katalog Hans Neupert. Malerei, Grafik. Sabine und Klaus Hofmann. Museum Burg Posterstein, 2001
Katalog Hans Neupert. Malerei, Grafik. Sabine und Klaus Hofmann. Museum Burg Posterstein, 2001
Katalog Mal sehen wohin es geht … oder zwischen den Zeiten. Hans Neupert – Hommage zum 95. Geburtstag Museum Burg Posterstein, 2015.
Katalog Mal sehen wohin es geht … oder zwischen den Zeiten. Hans Neupert – Hommage zum 95. Geburtstag Museum Burg Posterstein, 2015.

Ausstellung “Perspektivwechsel” ist zu Ende gegangen: Kann “Noddy Town” in Posterstein bleiben?

Anthony Lowe vor seinem ungewöhnlichen Altenburg-Panorama "Noddy Town"
Anthony Lowe vor seinem ungewöhnlichen Altenburg-Panorama “Noddy Town”

Unsere Sonderausstellung “Perspektivwechsel – Influencing ways of seeing” ist am 5. November zu Ende gegangen. Rund 3500 Besucher sahen sich die teilweise eigens für die Schau geschaffenen Bilder, Installationen und Skulpturen an, in denen der Altenburger Künstler Anthony Lowe die Burg Posterstein, verschiedene Städte und Gebäude aus völlig neuen Blickwinkeln zeigt. Jetzt hoffen wir darauf, dass das größte Kunstwerk – das drei Meter lange Altenburg-Panorama “Noddy Town” – in Posterstein bleiben kann.

Wenn man an “Noddy Town” vorbeigeht, sieht das Werk bei jedem Schritt ein wenig anders aus. Das faszinierende Panorama, das sich an den bekannten umgekehrten Perspektiv-Formen (reverse perspektive) des britischen Künstlers Patrick Hughes orientiert, gibt einen ungewöhnlichen Blick auf die Stadt Altenburg.

Wer ist “Noddy” und was hat er mit Altenburg zu tun?

Anthony Lowe musste schmunzeln, als er diese Frage gestellt bekam. Denn Noddy ist eine britische Kinderbuchfigur, erfunden von der Autorin Enid Blython um 1949, die bis heute aktuell geblieben und in Großbritannien praktisch zu einer nationalen Ikone geworden ist. Noddy ist ein kleiner hölzerner Spielzeugjunge, der in einem Spielzeugtaxi durch ein kunterbuntes Spielzeugland fährt. Und hier haben wir die optische Verbindung zu Anthony Lowes buntem Stadtpanorama. Altenburg wird im Perspektivwechsel zur Miniaturstadt und könnte eines der Autos rechts unten nicht das von Noddy sein? Witzig nur, dass Anthony Lowe Noddy als Kind immer “sehr nervig” fand!

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Das Museum Burg Posterstein hofft darauf, das Werk “Noddy Town” in seine Sammlung regionaler Kunst aufnehmen zu können. Sollte der Wiederaufbau des Nordflügels der Burg Posterstein gelingen und als touristischer Infopunkt Neubau dienen, könnte das Panorama dort dauerhaft öffentlich gezeigt werden und so die Besucher auf einen Abstecher ins Altenburger Land und in die Stadt Altenburg einstimmen. Wer den Museumsverein Burg Posterstein bei diesem Ankauf unterstützen möchte, ist herzlich willkommen: Ob als neues Vereinsmitglied, als Mikro-Spender, der seinen Online-Einkauf über die Website Boost-Project beginnt und selbst dabei nicht extra zahlt oder mit einer Spende auf das Vereinskonto per Überweisung oder Paypal:




„Noddy Town“, 2017, Öl auf Sperrholzkörper in Form eines Pyramidenstumpfs, dreiteilig: 70x100 cm
„Noddy Town“, 2017, Öl auf Sperrholzkörper in Form eines Pyramidenstumpfs, dreiteilig: 70×100 cm

Anthony Lowe, 1957 in London geboren, lebt und arbeitet als freischaffender Künstler in Zürchau bei Altenburg. Er studierte in Liverpool, Bristol und London am renommierten Royal College of Art. Im Gespräch mit Museumsdirektor Klaus Hofmann zur Eröffnung der Ausstellung erzählte Anthony Lowe über die verschiedenen Mittel zur künstlerischen Darstellung der Perspektive: „Es reizt mich, einfach mal diesen Spielzeugkasten aufzumachen. Da sind so viele Werkzeuge drin, dass man eine Auswahl treffen muss.“

"Ein Blick in den Brunnen reicht", Installation, 2017. Konzept: Anthony Lowe, Drohnenflug: U. Kretzschmar, Flying Pixx, Schmölln, Filmschnitt: K+K Media Gera
“Ein Blick in den Brunnen reicht”, Installation, 2017. Konzept: Anthony Lowe, Drohnenflug: U. Kretzschmar, Flying Pixx, Schmölln, Filmschnitt: K+K Media Gera

Besondere Aufmerksamkeit zog in der Zeit der Ausstellung auch die Installation „Ein Blick in den Brunnen reicht“ auf sich. Bei dem runden, mit Wasser gefüllten Behälter schaut der Betrachter nach unten auf eine Projektion, die Posterstein von oben zeigt.

Von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

Künstler aus Köln sammelt Staub von Burg Posterstein

Wolfgang Stöcker vom Deutschen Staubarchiv in Köln bei der "Staubentnahme" im Bergfried der Burg Posterstein.
Wolfgang Stöcker vom Deutschen Staubarchiv in Köln bei der “Staubentnahme” im Bergfried der Burg Posterstein.

Für ein Kunstprojekt im Jahr 2019 sammelte Dr. Wolfgang Stöcker auf Burg Posterstein Staub. Zu Hause in Köln betreibt der freischaffende Künstler das Deutsche Staubarchiv. In Posterstein machte er Fotos und hielt die Staubentnahme akribisch in seinem Tagebuch fest. In kleine Tüten verpackt und säuberlich mit Datum und Fundort beschriftet, nahm Stöcker den Burgstaub, in dem sich manchmal auch Bonbonpapier und tote Insekten befanden, wieder mit nach Köln. Vermischt mit Wachs sollen daraus Skulpturen für eine Ausstellung im Jahr 2019 im Museum Burg Posterstein entstehen.

Auf den “Staubkünstler” Wolfgang Stöcker, der in Köln Geschichte und Kunst studiert hat, ist das Museum Burg Posterstein vor zwei Jahren durch eine Gruppe Kölner Kulturschaffender, die Herbergsmütter, aufmerksam geworden. Diese veranstalteten ihre Aktion #Kunstputz nicht nur in Köln vor Ort, sondern auch auf Twitter. Dort kam man ins Gespräch und das Museum Burg Posterstein sendete eine Staubprobe aus dem Verlies der Burg. Wolfgang Stöcker nahm die Probe in sein umfangreiches Staubarchiv auf. Die Idee für eine gemeinsame Ausstellung keimte bereits.

Ganz detailliert hält Wolfgang Stöcker fest, wo er welche Staubprobe unter welchen Umständen entnommen hat. Damit thematisiert er nicht zuletzt die museale Arbeit an sich - Sammeln, Bewahren, Erforschen, Ausstellen gehören zu den Grundaufgaben eines Museums.
Ganz detailliert hält Wolfgang Stöcker fest, wo er welche Staubprobe unter welchen Umständen entnommen hat. Damit thematisiert er nicht zuletzt die museale Arbeit an sich – Sammeln, Bewahren, Erforschen, Ausstellen gehören zu den Grundaufgaben eines Museums.

2017 nahmen Marlene Hofmann und Franziska Engemann vom Museum Burg Posterstein an der MAI-Tagung (Museums and the internet) in Bonn teil und besuchten auf dem Rückweg Wolfgang Stöcker in seinem Atelier in Köln Kalk. Im Gepäck hatten sie mehrere Postersteiner Staubproben, die seither – vermischt mit Wachs – zu kleinen Skulpturen gewachsen sind. Mitte August 2017 kam Wolfgang Stöcker nach Posterstein und fotografierte, dokumentierte und “entnahm” weitere Staubproben.

Ist das Kunst oder kann das weg? – Der bekannte Spruch ist hier Dreh- und Angelpunkt

Wolfgang Stöcker schaut auf Dinge, die normalerweise niemand beachtet.
Warum sammeln wir das eine und ignorieren das andere? Wolfgang Stöcker schaut auf Dinge, die normalerweise niemand beachtet.
Die Philosophie dahinter wirft ein anderes Licht auf die menschliche Kultur und auf die Funktion von Museen – und thematisiert essentielle Fragen: Warum sammeln wir das eine und ignorieren das andere? Was ist es wert, für spätere Generationen bewahrt zu werden und was gerät für immer in Vergessenheit? Wie lange können wir alte Dinge erhalten, bevor auch sie irgendwann zu Staub zerfallen? Wolfgang Stöcker widmet sich in seiner Sammelleidenschaft den übersehenen Details – zum Beispiel dem, was sich zwischen Dielenritze 14 und 15 auf dem Turm der Burg über die Jahrzehnte angesammelt hat. In seinen haus- oder schreinartigen Wachsskulpturen gibt er dem Unförmigen eine neue Form.

Wachs-Spenden können zu Kunst werden

Für das Kunstprojekt kann man dem Künstler Wachs spenden. Das können Kerzenreste aller Art sein, gerne mit einer kleinen Notiz versehen, wann, wo und zu welchem Anlass die Kerze benutzt wurde oder warum sie nicht mehr gebraucht wird. All die sonst als nebensächlich betrachteten Details verarbeitet Wolfgang Stöcker zu etwas Neuem, das dann 2019 in die Sonderausstellung eingeht. Wachsspenden können im Museum Burg Posterstein, Burgberg 1, 04626 Posterstein abgegeben werden – oder direkt im Staubarchiv in Köln.

Links:

Deutsches Staubarchiv

Aktion #kunstputz der Herbergsmütter

Ostthüringer Zeitung über Wolfgang Stöckers Besuch in Posterstein

Von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

Visuelle Reise in die USA mit Ulrich Fischer

Foto "South Dakota, Nr.256, 2009" von Ulrich Fischer.
Foto “South Dakota, Nr.256, 2009” von Ulrich Fischer.

Der Thüringer Fotograf Ulrich Fischer, der lange Zeit in Gera tätig war, beschäftigt sich seit über 40 Jahren mit der Kunst, außergewöhnliche Momente auf Fotos festzuhalten. In der Sonderausstellung “Die Ferne & die Nähe” im Museum Burg Posterstein nimmt Fischer die Besucher mit auf ausgedehnte Streifzüge durch die Vereinigten Staaten von Amerika, aber auch in seine nähere Umgebung.

In Zeiten der Präsidentschaft Donald Trumps rücken die USA immer mehr in der Fokus der Öffentlichkeit. Was ist das für eine Nation? Fischers Fotos dokumentieren die Kontraste des riesigen Landes. Über seine Entdeckungsreisen in den USA sagt Fischer:

„Zuweilen argwöhnisch beobachtet und dann freundlich-neugierig befragt suche ich leise Momente, in denen ich mich selbst besinne auf meine Haltung zu diesem Land und seinen Bewohnern – unvoreingenommen und neugierig.“

Ulrich Fischer, geboren 1951 in Grümpen, erwarb an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig sein Diplom als Fotografiker. 35 Jahre lang war er freiberuflich in Gera tätig, wo er die Künstlergruppe “schistko jetno” mitgründete und die hiesige Kunstszene maßgeblich mitgestaltete.

Ausstellung “Die Ferne & die Nähe – Fotografie von Ulrich Fischer”

12. Februar, 15 Uhr: Feierliche Eröffnung mit Ulrich Fischer
2. April, 15 Uhr: Vortrag “Von Altenburg (Thüringen) nach Altenburg (Missouri, USA)” über die Auswanderungswelle im 19. Jahrhundert
1. Mai, 15 Uhr: Finissage mit Ulrich Fischer

Von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

Kunst des Augenblicks – ein Gastblogpost des Lindenau-Museums Altenburg

Seit Jahresbeginn hat der Winter Einzug gehalten im Altenburger Land. Das benachbarte Lindenau-Museum Altenburg liegt im schönen Altenburger Schlosspark, der gerade im Winter von den Altenburgern stark frequentiert wird. In der ganzen Winterfreude wird es manchmal auch künstlerisch: Volontärin Sophie Thorak und Museumsdirektor Dr. Roland Krischke vom Lindenau-Museum Altenburg berichten augenzwinkernd von der Kunst des Augenblicks:

Heinrich Drakes Puma schaut sich um nach dem neuen Kunstobjekt im Schlosspark.
Heinrich Drakes Puma schaut sich um nach dem neuen Kunstobjekt im Schlosspark.

Heinrich Drakes Jaguar wundert sich: Eine ominöse Schneekugel ergänzt seit Kurzem den Figurenkranz um das Lindenau-Museum. Geschaffen wurde sie von unbekannten Künstlern, die, wohl inspiriert vom ersten Schnee des neuen Jahres, die Erschaffung eines imposanten Schneemannes im Sinn hatten. Warum sie ihr Werk unvollendet ließen, konnte nicht geklärt werden. Ausgeführt wurde die unbetitelte Plastik in der Technik „Laub und Gras in Schnee“, sie misst etwa 80 cm im Durchmesser.

Das Kunstwerk wechselte inzwischen seinen Platz im Figurenensemble um das Museum und befindet sich nun am Eingangstor.
Das Kunstwerk wechselte inzwischen seinen Platz im Figurenensemble um das Museum und befindet sich nun am Eingangstor.
Ruhe und Balance ihrer Erscheinung kontrastieren spannungsvoll mit der kraftvollen Formung. Offenbar boten die natürlichen Ressourcen des Altenburger Schlossparks den Künstlern die Anregung zu diesem Werk. So entstand es in der spielerischen Auseinandersetzung mit den vorgefundenen Materialien. Auch freizeitliche Aspekte dürften im schöpferischen Prozess eine Rolle gespielt haben.

Es darf bezweifelt werden, dass das Werk von Dauer ist. Doch liegt wohl gerade darin eine Absicht der Künstler. Die Kugel – schon für Platon Abbild der Vollkommenheit – als Werk des flüchtigen Augenblicks. Ein Memento Mori der besonderen Art.

Update vom 17. Janaur 2017: Inzwischen befindet sich die Kugel offensichtlich am Fußgängereingang des Museums, was darauf hindeutet, dass es sich anscheinend nicht um eine ortsgebundene Arbeit handelt.

Von Sophie Thorak und Dr. Roland Krischke / Lindenau-Museum Altenburg

Ausstellung vereint Familien: Noch eine Woche #MascherMarchen

Unter dem Hashtag #MascherMarchen geistern Altenburger Bauern des 19. Jahrhunderts seit Frühjahr 2016 durch die Netzwelt. Die Gemeinschaftsausstellung von Museum Burg Posterstein und Schloss- und Spielkartenmuseum im Residenzschloss Altenburg zeigt Pastellporträts des Wandermalers Friedrich Mascher (1815–1880), der bevorzugt die wohlhabenden Bauern der Region detailreich darstellte. In Altenburg läuft die Sonderausstellung noch bis Sonntag, 6. November 2016.

Eine Ausstellung, die Familien zusammenführt

Immer noch tauchen von Mascher gezeichnete Portraits in Privatsammlungen auf, oft sind die Bilder unsigniert und nur am Stil erkennbar. Auf die Ausstellung auf Burg Posterstein hin meldete sich beispielsweise eine Familie Mehlhorn aus Ponitz, die ein Bild mit drei Kindern besitzt. Sie zeigten es den Kollegen vom Schloss- und Spielkartenmuseum Altenburg und erwähnten, dass die Bildnisse der Eltern, die aus Garbisdorf stammten, leider verschollen seien. Es stellte sich heraus, dass sich die Portraits der Eltern in der Sammlung des Schloss- und Spielkartenmuseums befinden. – In der Sonderausstellung war die Familie nun erstmals wieder “vereint” zu sehen.

Ein Kinderbild aus Privatbesitz passte unerwartet zu Portraits eines Ehepaars aus der Sammlung des Schloss- und Spielkartenmuseums Altenburg
Ein Kinderbild aus Privatbesitz passte unerwartet zu Portraits eines Ehepaars aus der Sammlung des Schloss- und Spielkartenmuseums Altenburg

Die Portraits der Mehlhorns können zum Frühwerk Maschers gezählt werden. Gustav Wolf von der Geschichts- und Altertumsforschenden Gesellschaft des Osterlandes konnte über die abgebildeten Eheleute in Kirchenbüchern Folgendes herausfinden:

Zacharias Mehlhorn kam am 4. Juni 1810 in Garbisdorf zur Welt. Sein Vater war der Anspanner Gottfried Mehlhorn und seine Mutter hieß Christine, geborene Bauer, aus Langenleuba-Niederhain.
Zacharias Mehlhorn heiratete am 10. Februar 1842 in der Kirche Ziegelheim Christine Müller, die Tochter des Anspanners Jacob Müller aus Niederarnsdorf. Die Kirchenbücher betiteln ihn dabei mit „Anspanner und Waldenburgischer Amtsrichter alhier“. Noch im Jahr 1880 diente er als zweiter Amtsschulze in der Gemeinde Garbisdorf.
Den gemeinsamen Hof kaufte Zacharias Mehlhorn am 5. Februar 1834 mit Zubehör für 6.050 Gulden von seinen Vater Gottfried Mehlhorn. Sein Vater besaß seit 27. Juni 1807 das ehemalige Veit‘sche Pferdefrongut „mit 2 ¾ Hufen“, das heißt 21,2 Hektar, als Folge seiner Hochzeit mit Christiane Veit am 5. April 1804. Weitere Vorbesitzer waren: die gleichnamige Christiane Veit (seit 24. August 1765), Michael Veit (seit 1. Februar 1736), Jacob Veit der Untere und Michael Veit (seit 11. Juli 1693).
1880 wurde der Besitz mit einer Größe von 41,1 Hektar angegeben. Um 1883 übernahm Emil Mehlhorn das Anspanngut.

Welcher der Söhne auf dem Portrait Emil Mehlhorn ist, bleibt jedoch unklar.

#MascherMarchenMemo mit Christine Mehlhorn aus Garbisdorf

Wer noch einmal online #MascherMarchenMemo spielen möchte, kann dies hier tun – das Kartenspiel zum Anfassen gibt es noch in den Museumsshops in Altenburg und Posterstein. – Das Portrait von Christine Mehlhorn ist mit dabei.

Von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

Weitere Blogposts zu Friedrich Mascher und Altenburger Bauern:

Frisch restauriert: Pastelle des Bauernmalers Friedrich Mascher
Für Sonderausstellung gesucht: Wer besitzt Gemälde vom „Bauernmaler“ Friedrich Mascher?
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Kriminalgeschichte der Postersteiner Bauernportraits: Zeigen die Bilder Pfrengers, Schellenbergs oder Köhlers?
Siegelring, Jagdhund und Tabakspfeife: Statussymbole Altenburger Bauern

Siegelring, Jagdhund und Tabakspfeife: Statussymbole Altenburger Bauern

Rosine Hahn - gemalt von Friedrich Mascher, Schloss- und Spielkartenmuseum Altenburg, Inv.-Nr. SM 2224
Rosine Hahn – gemalt von Friedrich Mascher, Schloss- und Spielkartenmuseum Altenburg, Inv.-Nr. SM 2224
Rosine Hahn fährt auf: Sie trägt nicht nur ihre Festtagsttracht im Stil der Altenburger Bauern, sondern auch fünf wertvolle Goldringe, hält ihr mit goldenen Buchstaben “V. (?) Hahn” versehenes Gesangbuch im Arm und ein Blumenbouquet.

Die Witwe Rosine Beierlein, geborene Dietrich, aus Langenleuba-Niederhain heiratete am 30. Dezember 1856 in der Kirche Dorna bei Gera den “Auswärtigen” Valentin Hahn aus dem Fürstentum Reuß jüngere Linie. Rosine war in erster Ehe mit dem Anspanngutsbesitzer Michael Beierlein aus Frohnsdorf verheiratet. Ihm hatte sie 1853 das gemeinsame Anspanngut in Frohnsdorf bei Altenburg für 10.000 Taler abgekauft. Ihr zweiter Mann Valentin Hahn starb 1875 mit 54 Jahren an einem Herzschlag. Noch 1880 befand sich der 36,1 Hektar große Hof in Frohnsdorf im Besitz von Rosine, verwittwete Hahn.

Das oben abgebildete, von Friedrich Mascher (1815–1880) gefertigte Portrait aus der Sammlung des Schloss- und Spielkartenmuseums Altenburg war bisher nur als unbekanntes Frauenbildnis verzeichnet. Im Rahmen der Recherchen für die gemeinsame Sonderausstellung, konnte Gustav Wolf von der Geschichts- und Altertumsforschenden Gesellschaft des Osterlandes zu Altenburg neue Details herausfinden. Auf Grund der Gesangbuchbeschriftung „V. Hahn“ konnte das Portrait dem Bildnis des Valentin Hahn zugeordnet werden und zeigt demnach dessen Frau Rosine. Ein weiteres Indiz dafür sind die gleichen originalen Bilderrahmen.

Stolze Altenburger Bauern

Zacharias Petzold aus Buscha mit Tabakspfeife - gemalt von Friedrich Mascher (Bild: Privatbesitz)
Zacharias Petzold aus Buscha mit Tabakspfeife – gemalt von Friedrich Mascher (Bild: Privatbesitz)
Die Altenburger Bauern, mundartlich “Marche” (abgeleitet vom Name Marie) und “Malcher” (vom Name Melchior) genannt, waren sehr wohlhabend. Statussymbole, die ihren Reichtum zum Ausdruck bringen, finden sich häufig auf den Portraits des Malers Friedrich Mascher: Goldener Siegelring, Tabakpfeife, Zigarre, Jagdhund oder Taschenuhr (an goldener Kette) beim Malcher oder Goldringe, Gesangbuch und Blumenstrauß (Riechblume) bei der Marche. Das Museum Burg Posterstein zeigt in der Sonderausstellung “Der Portraitmaler Friedrich Mascher: Ausstellung zum 200. Geburtstag” über 40 Portraits, die der Wandermaler Mascher schuf.

Blumensträuße mit versteckter Botschaft?

Einen festen Bestandteil in der Symbolik dieser Bilder nehmen offenbar die kleinen biedermeierlichen Blumenbouquets ein, die je nach Anlass unterschiedliches Aussehen haben und damit dem Betrachter auch verschiedene Botschaften über die Frau oder einen bestimmten Wohlgeruch vermitteln können. Die Kinder wiederum werden meist in festlicher Kleidung mit ihrem Lieblingsspielzeug oder -tier portraitiert.

Friedrich Maschers Bilder sollen zwar preislich günstiger als die Portraits anderer Altenburger Maler seiner Zeit gewesen sein. Dennoch leisteten sich auch reiche Bauern einen solchen Luxus meist nur einmal im Leben. Pierers Universallexikon, das 1840 in Altenburg erschien, beschreibt die Bauern folgendermaßen:

„Die Altenburger Bauern sind sehr wohlhabend, wobei sie ihr trefflicher Boden, den sie sehr verständig bearbeiten, unterstützt.

In der Regel erbt der jüngste Sohn das Gut. sind nur Töchter da, so erhält die Älteste das Gut, die älteren Söhne heiraten womöglich reiche Bauerntöchter; hierbei und bei anderen Gelegenheiten herrscht der Aristokratismus, wonach ein 4spänniger Bauer seine Tochter nicht leicht einem 2spännigen Bauern gibt, noch weniger dieser einem Kühbauern oder Häusler, wie bei dem ältesten Adel vor. Selten wird ein Gut zerstückelt.

Die Bauern sind zum Theil sehr gebildet; Büchersammlungen, Pianopforte’s ec. sind bei den wohlhabendem keine Seltenheit, viele wissen gut mit der Feder umzugehen. Dabei findet man häufig launigen Witz, aber auch List und Mißtrauen gegen die Städter. (…)

Bei ihren Hochzeiten und Kindtaufen herrschten sonst viel Luxus und manche eigne Gebräuche. Das Kartenspiel lieben sie; der Umgang mit dem anderen Geschlecht ist sehr vertraulich…“


Außerdem im Blog:

Kriminalgeschichte der Postersteiner Bauernportraits: Zeigen die Bilder Pfrengers, Schellenbergs oder Köhlers?
Reinschnuppern in die neue Ausstellung mit dem #MascherMarchenMemory

In den sozialen Netzwerken werden Infos zur Ausstellung unter dem Hashtag #MascherMarchen verbreitet.

von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein