Auftragskunst in der DDR – das Wandbild “Friedliche Nutzung der Atomenergie”

Wandbild "Friedliche Nutzung der Atomenergie" von Petzold

In der DDR sah es die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED) als Aufgabe der bildenden Kunst an, politisch-ideologische Botschaften zu vermitteln. Es ging um nichts weniger als Volksaufklärung zu leisten und idealisierte Gesellschaftsbilder zu propagieren sowie Fortschrittsutopien zu illustrieren. Entsprechende Richtlinien galten für alle Kulturabteilungen in größeren Betrieben und Organisationen. Man versprach sich mit der Auftragskunst Künstler und Werktätige zusammenzubringen, dem „sozialistischen Realismus“ zum Durchbruch zu verhelfen und das Schaffen der Künstler zu kontrollieren. Dies ist Teil 6 unserer mitwachsenden, digitalen Begleitausstellung “Landschaft nach der Wismut”.

Wandbild "Friedliche Nutzung der Atomenergie" von Petzold
Das Wandbild “Friedliche Nutzung der Atomenergie” von Werner Petzold steht heute nicht mehr an seinem Ursprungsort.

Im öffentlichen Raum galt die Einflussnahme als besonders wichtig, denn gerade hier sahen es alle und die Kunst konnte ihre erzieherische Wirkung am besten entfalten. Angestrebt wurde nach dem sowjetischen Vorbild des „Neuen Bauens“ eine Einheit von Architektur und Kunst. Dahinter stand die Erwartung, dass Kunst gerade an stark frequentierten Gebäuden am besten ihre erzieherische Funktion erfüllen könne. Besichtigen kann man diese Kunst am Bau beispielsweise an Wandbildern von Plattenbausiedlungen.

Die Wismut als einer der größten und wichtigsten Staatsbetriebe gehörte auch zu den größten Auftraggebern für Künstler. Das Verwaltungsgebäude in Paitzdorf war also geradezu prädestiniert für ein Werk der „Kunst am Bau“.

Die Kunstsammlung der Wismut GmbH

Der Gesamtbestand der Kunstsammlung der Wismut umfasst 4.028 Werke, darunter 259 Gemälde. Eine ausführliche Beschreibung der Kunstsammlung der Wismut findet man auf der Webseite „Bildatlas: Kunst in der DDR“ – ein Verbundprojekt gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung: https://www.bildatlas-ddr-kunst.de/collection/25  (1)

Die Sammlung lagert bis heute in den Depots der Wismut GmbH. Verschiedene Bemühungen, einen endgültigen Standort für Ausstellung und Lagerung zu finden, haben bisher noch kein Ergebnis gezeitigt.

In der Ausstellung „Sonnensucher! – Die Kunstsammlung der Wismut. Eine Bestandsaufnahme“ befasste sich die Kunstsammlung Gera im April 2014 mit den staatlichen Auftragswerken der Wismut. Die Stadt Gera zeigt seither Interesse daran, die Sammlung zu übernehmen. Konkrete Umsetzungspläne oder ein dafür geeignetes Gebäude gibt es aber (noch) nicht.

Friedliche Nutzung der Atomenergie – ein monumentales Wandbild auf der grünen Wiese

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Friedliche Nutzung der Atomenergie, Werner Petzold, (geb. 1940), Wandbild auf Industrieemaille gemalt und gebrannt, 1974 (Foto: Museum Burg Posterstein, 2020)

Das Werk propagiert eine Wirklichkeit, die es so nie gab. Die Werke des „Sozialistischen Realismus“ sollten nicht die Realität abbilden, sondern den Sozialismus präsentieren und dessen Ziele veranschaulichen. Eine politisch kontrollierte Gradwanderung für den Künstler und sein Werk.

Verwaltungsgebäude Paitzdorf ©Foto Karl-Heinz Rothenberger in der Ausstellung „Landschaft nach der Wismut“, im Museum Burg Posterstein 2020.
Verwaltungsgebäude Paitzdorf ©Foto Karl-Heinz Rothenberger in der Ausstellung „Landschaft nach der Wismut“, im Museum Burg Posterstein 2020.

Von 1974 bis zum Rückbau des Bergbaubetriebes ab 2006 zierte Werner Petzolds Wandbild „Friedliche Nutzung der Atomenergie“ auf einer Fläche von 16 m Höhe und 12 m Breite das Hauptgebäude des Bergbaubetriebes Paitzdorf bei Ronneburg. Es besteht aus 384 Teilen von je 100 x 50 cm, von denen je acht Stück ein Segment bilden und die an der Fassade montiert wurden.

Die Demontage und der Wiederaufbau des Wandbilds

Kurze Informationen und einige wenige Fotos über die Demontage 2006 und den darauffolgenden Abbruch des Gebäudes findet man auf der Webseite der Wismut GmbH unter der Überschrift: Wandbild am ehemaligen Verwaltungsgebäude der Niederlassung Ronneburg demontiertAbbruch des ehemaligen Verwaltungsgebäudes Paitzdorf begonnen.

Nach den Jahren im Depot wurde es 2009 als Teil der „Resurrektion Aurora“, der Wiederbelebung des Areals um die Halde Beerwalde und den Förderturm Löbichau (ehemaliger Bergbaubetrieb Drosen der SDAG Wismut) im Zuge der Bundesgartenschau 2007, neu aufgestellt.

Unumstritten war die Unternehmung nicht. Folgte das Ganze doch eher einer Zufälligkeit als einem Plan, als der damalige Landrat des Landkreises Altenburger Land, Sieghardt Rydzewski, von der Geschäftsleitung der Wismut GmbH angesprochen wurde, ob er eine Verwendung für das Kunstwerk hätte. Man entschied sich für eine Aufstellung auf freiem Feld. Dafür musste eigens eine Stahlkonstruktion entworfen werden. Die Kosten für die Aufstellung des Bildes betrugen 130.000 Euro. Fünf Texttafeln vor Ort sowie eine Publikation, verfasst von Dr. Kristin Jahn, setzen das Wandbild in Bezug zur Geschichte und zum jetzigen Standort.

Friedliche Nutzung der Atomenergie: Werner Petzold,  Wandbild, 1974 (Foto: Museum Burg Posterstein, 2020)
Friedliche Nutzung der Atomenergie: Werner Petzold,  Wandbild, 1974 (Foto: Museum Burg Posterstein, 2020)

Werner Petzold (geb. 1940) wurde 1970 der SDAG Wismut in Paitzdorf als Künstler zugeteilt. (2) Um von seiner Kunst leben zu können, nahm er, wie viele Auftragskünstler in der DDR, das Arrangement mit dem Staat in Kauf. Eine 15-köpfige Kommission der SDAG Wismut prüfte jeden Entwurf Petzolds bis hin zum fertigen Bild.

Das Werk polarisiert, da die friedliche Nutzung des abgebauten Urans zur Energiegewinnung zwar propagiert, ein großer Teil des Erzes aber als Reparationsleistung resultierend aus dem Zweiten Weltkrieg in die Sowjetunion gebracht wurde. Dort fand es zum Wettrüsten der Großmächte im Kalten Krieg Verwendung. Dafür wurde nicht nur wissentlich Raubbau an der Natur betrieben, sondern auch gesundheitliche Schäden der Arbeiter in Kauf genommen. Angesichts hoher Löhne, Zusatzvergütungen und einem hohen Grad an Kollegialität akzeptierten auch die Arbeiter dieses Tabu. Viele bezahlten am Ende mit ihrem Leben. Allein bis 1991 lagen 5237 anerkannte Fälle von Bronchialkarzinomen aufgrund der Arbeit in den Uranbergwerken der SDAG Wismut vor.

Fünf Texttafeln Vorort sowie eine Publikation, verfasst von Dr. Kristin Jahn, setzen das Wandbild in Bezug zur Geschichte des Bergbaus und zum jetzigen Standort. Die Tafeltexte sind in der Publikation abgedruckt.
Fünf Texttafeln Vorort sowie eine Publikation, verfasst von Dr. Kristin Jahn, setzen das Wandbild in Bezug zur Geschichte des Bergbaus und zum jetzigen Standort. Die Tafeltexte sind in der Publikation abgedruckt.

Dr. Kristin Jahn äußerte sich in einem Interview anlässlich der Eröffnung 2007:

 „Die Errichtung des Wandbildes in neuer Umgebung, im Zwiegespräch mit anderen Kunstwerken, war der Schritt dahin, nicht einfach „Gras über die Vergangenheit wachsen zu lassen“. Seine Aufstellung regt bis heute zur Diskussion an. Das Werk selbst ist Erinnerung und Mahnmal zugleich. Wenn man leugnet, mit welchen Lügen wir leben mussten, dann mag man dieses Bild verbannen und sich eine schöne, neue Welt mit unverfänglicher Kunst zusammenstellen. Wenn man sich dem Schmerz der Geschichtsaufarbeitung nicht aussetzen will, dann ist es leichter, diese Kunst ins Archiv zu stellen. Die Sache ist nur, dass wir dann auch immer einen Teil unserer Geschichte, der Biographien von Menschen in den Keller des Vergessens verbannen, dass wir dann nichts aus der Geschichte lernen wollen, sondern nur noch leben von Tag zu Tag, so als hätte es das alles nie gegeben – auch die Fehler nicht.“

Dr. Kristin Jahn

Das Buch zum Wandbild: „Friedliche Nutzung der Atomenergie“ von Dr. Kristin Jahn kann man für 5,00 Euro, zzgl. Versandkosten im Museum Burg Posterstein bestellen.

Literatur und Quellen

(1)
„Bildatlas: Kunst in der DDR“ – ein Verbundprojekt gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung: https://www.bildatlas-ddr-kunst.de/collection/25

(2)
Fichtner, Lutz: Die Industrie als Kunstmäzen und Auftraggeber in der Deutschen Demokratischen Republik. Die sowjetisch-Deutsche Aktiengesellschaft (SDAG) Wismut, erschienen in: Europäische Hochschulschriften, Kunstgeschichte, Reihe XXVIII, Bd./Vol.49, Frankfurt/M. 2005, S.111f. : 4.3. Die 1970er Jahre – Werner Petzold

(3)
Kristin Jahn: „Friedliche Nutzung der Atomenergie“: Dokumentation zu dem Wandbild Werner Petzolds, Altenburg 2009

(4)
Sonnensucher! Die Kunstsammlung der Wismut. Eine Bestandsaufnahme. 8. Februar-21. April 2014, Kunstsammlung Gera, Katalog zur Ausstellung
Siehe auch: https://www.gera.de/sixcms/detail.php?id=180640

(5)
Webseite Werner Petzold: http://www.wernerpetzold.de/biografie.html

(6)
Wismut GmbH:

http://www.wernerpetzold.de/biografie.html

https://www.wismut.de/de/wismut-news.php?id=894&year=2007&back=suche.php%3Fq%3DPetzold%26w%3Dall%26index%3D0

Wiedereinweihung des Großbildes “Die friedliche Nutzung der Kernenergie” in Löbichau:

https://www.altenburgerland.de/sixcms/detail.php?id=116172

(7)
Müller-Spreitz, Annette, Dr.: „In der Teufe“ von Werner Petzold, 1975, Öl auf Hartfaser, in: Dialog, Zeitschrift der Wismut GmbH, Nr.106, S. 26.

Hier ist ein anderes Beispiel für ein Gemälde von Petzold aus der Kunstsammlung der Wismut abgebildet und beschrieben.

Uranerzbergbau in Sachsen und Thüringen: die Sanierung der Hinterlassenschaften

Abtragung der Kegelhalden Paitzdorf ©Jan-Peter Kasper, 2005
Abtragung der Kegelhalden Paitzdorf ©Jan-Peter Kasper, 2005

Spätestens nach der Katastrophe von Tschernobyl im Jahr 1986 verbreitete sich überall in Deutschland und Europa die Angst davor, dass radioaktive Belastungen in der Umwelt zu Gesundheitsschäden führen können. In der DDR war das weiterhin kein Thema und Informationen darüber nicht öffentlich zugänglich. So blieben auch die Wismut und der Uranbergbau bis zum Ende der DDR ein Tabuthema. 1990 endete mit der deutschen Wiedervereinigung 40 Jahre Uranabbau in Thüringen und Sachsen – einer der größten Uranproduzenten weltweit. Teil 5 unserer mitwachsenden, digitalen Begleitausstellung “Landschaft nach der Wismut” erzählt von der Sanierung der Bergbau-Landschaft.

Die deutsch-deutsche Wiedervereinigung beendete 1990 den Uranabbau in Thüringen und Sachsen. Bis dahin förderte die SDAG Wismut als Reparationsleistung nach dem Zweiten Weltkrieg für das sowjetische, hauptsächlich militärische Atomprogramm rund 220.000 Tonnen Uran. Damit war die „Wismut“, nach den USA und Kanada, einer der größten Uranproduzenten weltweit. Die Geschichte dieses Bergbaus erzählt Teil 3 unserer Blog-Serie.

Zerklüftete Landschaften und Plattenbau-Siedlungen

Geblieben aber waren die Hinterlassenschaften des Bergbaus. 1991 übernahm die Bundesrepublik Deutschland den sowjetischen Anteil der SDAG Wismut und überführte den ganzen Betrieb in das Sanierungsunternehmen Wismut GmbH.

Sichtbare Zeugnisse waren stillgelegte Bergwerke, zerklüftete Landschaften, aufgeschüttete Kegel- und andere Halden, stillgelegte Tagebaue, Bohrlöcher auf den Feldern und verunreinigte Flüsse. Nicht zu vergessen sind auch die Plattenbausiedlungen an den Rändern der Städte, die vorwiegend von Bergarbeitern bewohnt waren.

Umlagerung der Halden in den Tagebau Lichtenberg ©Knut Lechner, um 2006
Umlagerung der Halden in den Tagebau Lichtenberg ©Knut Lechner, um 2006

Die Wismut GmbH erhielt vom Bund den Auftrag, die Bergbauhinterlassenschaften zu sanieren. Ein Teil der Bergleute arbeitete in den Sanierungsbetrieben weiter, andere wurden abgefunden und mussten sich neue Arbeit suchen. Die Arbeitslosigkeit in der Region stieg (allerdings nicht nur wegen der Einstellung des Bergbaus) in der Mitte der 1990er Jahre sprunghaft auf etwa 25 Prozent an. Die Unzufriedenheit über die zerstörte oder nicht anerkannte Lebensleistung dauert bei manchem ehemaligen Wismutkumpel bis heute an.

Die Sanierung seit 1991

„Das Sanierungsprojekt Wismut ist, auch im internationalen Vergleich, ein einmaliges Großprojekt im Bergbau und des Umweltschutzes.“ steht auf der Webseite des Unternehmens zu lesen.

©Knut Lechner, um 2006
Der Haldentransport von Paitzdorf in den Tagebau Lichtenberg konnte von einer Aussichtsplattform aus beobachtet werden. ©Knut Lechner, um 2006

Bis 2019 wurden vom Bund 6,9 Milliarden Euro in die Sanierung der Bergbaugebiete in Thüringen und Sachsen investiert. Die schiere Dimension der Aufgabe soll die nachfolgende Auflistung verdeutlichen. Die Angaben sind der Webseite der Wismut GmbH entnommen:

Die Sanierung – in Zahlen
Untertage: 1500 km offene Grubenbaue,
Übertage: 2600 ha Fläche,
58 Halden und 311 Mio. m³ Haldenmaterial,
4 industrielle Absatzanlagen
und 160 Mio. m³ radioaktive Schlämme.

Schwerpunkte der Sanierung
Stilllegung der Bergwerke,
Flutung der Gruben,
Wasserreinigung,
Demontage und Abbruch von Anlagen und Gebäuden,
Sanierung von Halden und Schlammteichen,
Umweltüberwachung.

Stand der Sanierung 2020
Derzeit sind zwischen 80 und 90 Prozent der Altlasten saniert.

Der Haldentransport von Paitzdorf in den Tagebau Lichtenberg konnte von einer Aussichtsplattform aus beobachtet werden. ©Knut Lechner, um 2006
Der Haldentransport von Paitzdorf in den Tagebau Lichtenberg konnte von einer Aussichtsplattform aus beobachtet werden. ©Knut Lechner, um 2006

Im Laufe der Jahre verschwanden die Kegelhalden Paitzdorf und Reust im Tagebau Lichtenberg, der damit verfüllt wurde. Untertageanlagen wurden versetzt, gesichert und geflutet, Wasseraufbereitungsanlagen errichtet und die Schachtgebäude rückgebaut.

Die Einzelheiten und technischen Details sind ausführlich auf der Webseite der Wismut GmbH nachzulesen oder können in einem Videofilm nachvollzogen werden.

Beides veranschaulicht die Komplexität der Aufgaben eindrücklich.

Sanierung der Halde Beerwalde ©Knut Lechner, 2002
Sanierung der Halde Beerwalde ©Knut Lechner, 2002

Die Sanierungsleistungen, die seither erbracht wurden, sind beeindruckend.

Allerdings stellt sich rückblickend doch die Frage, warum nicht die Sanierung der Hinterlassenschaften der Wismut mit der Ansiedlung von Zukunftstechnologien verbunden wurde. Große Flächen standen dafür zur Verfügung. Sicherlich war es nicht Auftrag der Wismut GmbH, aber eine einmalige Chance ist vertan. Bleibt zu hoffen, dass bei dem bevorstehenden Kohleausstieg in der Lausitz und im Rheinland anders verfahren wird.

Bundesgartenschau in Vorbereitung: Blick auf das Buga Gelände Ronneburg Frühjahr 2006, ©Knut Lechner, 2006
Bundesgartenschau in Vorbereitung: Blick auf das Buga Gelände Ronneburg Frühjahr 2006, ©Knut Lechner, 2006

Stattdessen wurden in den 1990er Jahren von den angrenzenden Kommunen zwar Gewerbeparks nach herkömmlichen Vorbild mit viel Fördergeld geschaffen, diese konnten aber den Bedarf an Arbeitsplätzen bei Weitem nicht decken. Letztendlich gelang es, die Bundesgartenschau 2007 nach Gera und Ronneburg zu holen. Im Zuge der Vorbereitung erfuhren die ehemaligen Bergbauflächen zumindest eine neue landschaftliche Nutzung, die durchaus  gelungen ist.

Die Bundesgartenschau in Ronneburg und Gera

2007 präsentierte die Bundesgartenschau Gera Ronneburg (BUGA) von April bis Oktober die sanierten und neu gestalteten Gebiete „Neue Landschaft Ronneburg“, Stadtpark Ronneburg und Hofwiesenpark Gera.

Die "Neue Landschaft Ronneburg" zur Bundesgartenschau 2007, © Petra Nienhold 2007
Die “Neue Landschaft Ronneburg” zur Bundesgartenschau 2007, © Petra Nienhold 2007
Die "Neue Landschaft Ronneburg" zur Bundesgartenschau 2007, © Petra Nienhold 2007
Die “Neue Landschaft Ronneburg” zur Bundesgartenschau 2007, © Petra Nienhold 2007
Die "Neue Landschaft Ronneburg" zur Bundesgartenschau 2007, © Petra Nienhold 2007
Die “Neue Landschaft Ronneburg” zur Bundesgartenschau 2007, © Petra Nienhold 2007

Ausflugs-Tipps

Ausstellung im „Objekt 90“
Die Ausstellung im „Objekt 90“ der Wismut GmbH zeigt alle Etappen der Wismut-Geschichte von der Anfangszeit des weltweit viertgrößten Uranerzproduzenten bis hin zur Sanierung der Hinterlassenschaften.

Hier geht’s zum Videofilm

Öffnungszeiten: Donnerstag – Sonntag, 13-17 Uhr
Anfahrt: Weidaer Straße, 07580 Ronneburg


Die “Neue Landschaft Ronneburg” 2020, © Marlene Hofmann, 2020

„Neue Landschaft“ Ronneburg
Die „Neue Landschaft“ Ronneburg ist ein Areal von rund 800 Hektar im ehemaligen Bergbau-Revier um Ronneburg, das vom Gessental, der Schmirchauer Höhe bis zum Reuster Turm reicht. Dazu gehören u.a. „Objekt 90“ und die Erlebnisbrücke „Drachenschwanz“.  

Öffnungszeiten: Sonnenaufgang bis Untergang
Parkplätze: Grobsdorfer Straße und in der Forststraße


Das Monumentalbild „Friedliche Nutzung der Atomenergie“ © Marlene Hofmann, 2020
Das Monumentalbild „Friedliche Nutzung der Atomenergie“ © Marlene Hofmann, 2020

Kulturlandschaft Resurrektion Aurora
Ein Radweg verbindet u.a. den ehemaligen Schacht Korbußen, die Halde Beerwalde, das Monumentalbild „Friedliche Nutzung der Atomenergie“ und das Bergbaudenkmal „Fördergerüst Schacht 403 Drosen“.


Bergstadt Ronneburg
Der Uranerzbergbau wurde übertägig bis an die Stadtgrenzen herangeführt, bzw. unter Teilen des Stadtgebietes durchgeführt. Von der Geschichte zeugen u.a. noch das Schaubergwerk und der „Schacht 407“.

Ausführliche Informationen hat der Bergbauverein Ronneburg e.V. aufbereitet. Hier gelangen Sie zur Website des Vereins.

Blick vom „Bismarkturm“ auf dem Reuster Berg zum ehemaligen Bergbaugebiet. ©Klaus Hofmann, 2009
Blick vom „Bismarkturm“ auf dem Reuster Berg zum ehemaligen Bergbaugebiet. ©Klaus Hofmann, 2009

Zusammengefasst von Klaus Hofmann


Weiterführende Informationen

DVD Blackbox
Worüber das Gras wächst- Zeitzeugen berichten.
Erinnerungen an den Wismutbergbau
von Gunter Auer und Dr. Kristin Jahn, 2007
Der Film kann im Museum für 5,00 zzgl. Versandkosten bestellt werden.

URANATLAS, Daten und Fakten über den Rohstoff des Atomzeitalters:
Die Altlast der Wismut, Uranbergbau in Sachsen und Thüringen: Fast vergessen, mit Milliardenaufwand saniert, aber immer noch ein Problem, Seite 30/31
Der URANATLAS ist ein Kooperationsprojekt und wird gemeinsam von Le Monde diplomatique, der Nuclear Free Future Foundation, der Rosa-Luxemburg-Stiftung sowie dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland herausgegeben. 1. Auflage: September 2019
Hier geht’s zum Download

Die Pechblende: Eine Untergrundschrift über den Uranbergbau und seine Folgen

Wer kennt den Namen Michael Beleites? In der DDR kannten ihn die wenigsten. Dafür war er der Stasi wohlbekannt und gehörte zu ihren größten Feinden. Dies ist Teil 4 unserer mitwachsenden, digitalen Begleitausstellung “Landschaft nach der Wismut” gilt dieser Uranbergbau-Geschichte.

Löbichau, Schacht Drosen, 1990er Jahre ©Foto, Jens-Paul Taubert, Altenburg
Löbichau, Schacht Drosen, 1990er Jahre ©Foto, Jens-Paul Taubert, Altenburg

Im Museum Burg Posterstein begegnete der Name Michael Beleites samt einer provisorisch kopierten Schrift Ende 1988. Die DDR lebte noch und schwelgte im Bewusstsein immerwährender Macht und Überlegenheit über den Kapitalismus.

Plötzlich stellten wir Fragen

Derweil hatten sich kirchliche Gruppen aufgemacht, Missstände aufzudecken und Informationen über Umweltschäden in der DDR zu verbreiten. Und eine dieser Informationsschriften kam von Michael Beleites, der sich in der „Pechblende“ mit den Umweltsünden der Wismut auseinandersetzte. Über Mitglieder des Kirchenkreises Ronneburg erhielten also auch wir die Schrift. Selbstverständlich ganz heimlich und mit der Aufforderung zur sofortigen Rückgabe nach dem Lesen. Das taten wir natürlich auch, aber vor allem dachten wir von nun an viel gründlicher nach: Was ist mit unserem Wasser, was mit dem Teich, in dem so viele Fische schwimmen, mit den Pilzen im Wald? Wie wirkt der ganze Dreck auf den Straßen? Warum sterben so viele Wismut-Bergleute an Krebs? Was macht es mit unseren Kindern, wenn Grundwasser möglicherweise verseucht ist und das nahegelegene Flüsschen Sprotte auch Abwässer des Uranbergbaus ableitete?

Plötzlich sollte auch noch im Tal der Sprotte zwischen Posterstein und Nöbdenitz eine Mülldeponie im Landschaftsschutzgebiet entstehen, obwohl in die geschlossenen Tagebaue der Wismut (und auch in die Tagebaue des Braunkohlebergbaus) offenbar täglich Züge mit Müll aus dem Westen rollten. Glücklicherweise wurde das verhindert.

Die Wende kam dazwischen. Doch die Spuren des Uranbergbaus gibt es bis heute, obwohl die Bundesrepublik Deutschland inzwischen viele Milliarden in die Sanierung gesteckt hat.

Tagebau Lichtenberg ©Fotomontage Wismut GmbH 1991
Tagebau Lichtenberg ©Fotomontage Wismut GmbH 1991

1954 übernahm die neu gegründete Sowjetisch-Deutsche Aktiengesellschaft Wismut (SDAG) den Vorgängerbetrieb. Sie blieb bis 1991 zu 50 Prozent Eigentum der UdSSR. Die Grundlagen dafür hatte man in einem Regierungsabkommen zwischen der UdSSR und der DDR 1953 gelegt. Dieser Vertrag wurde 1962 erneuert und 1975 bis zum Jahr 2000 (!) verlängert.

Die Geschichte der Wismut beschreiben wir ausführlich im 3. Teil dieser Reihe.

Die Wismut entwickelte sich zu einem “Staat im Staat”

Die Wismut entwickelte sich im Lauf der Zeit zunehmend zu einem Staat im Staat, mit eigenem Sicherheitsdienst. Die Bergbaugebiete waren für Außenstehende (Nicht-Bergleute) hermetisch abgeriegelt und nicht betretbar, Fotografieren war verboten.

Löbichau mit Förderturm des Schachtes Drosen, in unmittelbarer Nähe des Ortes, nur wenige hundert Meter vom Schloss entfernt.
©Foto Hans Neupert, 1989
Löbichau mit Förderturm des Schachtes Drosen, in unmittelbarer Nähe des Ortes, nur wenige hundert Meter vom Schloss entfernt. ©Foto Hans Neupert, 1989

Die Bergarbeiter wurden mit Sondervergünstigungen, Spitzenlöhnen und politischer Indoktrination an die Betriebe gebunden. Über die Verwendung des Urans, vor allem über die gesundheitlichen Risiken für die Beschäftigten und Anwohner der Wismut sowie über die Umweltschäden wurde geschwiegen.

Nach der Katastrophe von Tschernobyl im Jahr 1986 verbreitete sich überall in Deutschland und Europa die Angst, dass radioaktive Belastungen in der Umwelt zu Gesundheitsschäden führen könnten. In der DDR war das weiterhin kein Thema und Informationen darüber nicht öffentlich zugänglich. So blieben auch die Wismut und der Uranbergbau bis zum Ende der DDR ein Tabuthema, über dessen Umweltbilanz geschwiegen wurde.

Zu sehen aber waren die Ausmaße des Bergbaus für jeden an der zerklüfteten Landschaft, den aufgeschütteten Kegel- und anderen Halden, den Bergwerken, die manchmal bis an die Ortschaften heranreichten und den Bohrtürmen auf den Feldern. Aber über die Möglichkeit, dass von dieser Industrie eine radioaktive Gefahr ausging, wurde die Bevölkerung im Unklaren gelassen. Kritische Fragen zur Problematik wurden meist nicht öffentlich gestellt, gleich gar nicht von den Zuständigen beantwortet oder riefen sofort die Staatssicherheit auf den Plan.

Löbichau, Schacht Drosen, 1990er Jahre ©Foto, Jens-Paul Taubert, Altenburg
Löbichau, Schacht Drosen, 1990er Jahre ©Foto, Jens-Paul Taubert, Altenburg

Unter diesen Bedingungen gründete Michael Beleites, der damalige Präparator am Naturkundemuseum Gera, 1986 eine Umweltgruppe unter dem Dach des Kulturbundes der DDR, um die Thematik zu erforschen. (1)  Es wurde jedoch schnell klar, dass dies ein aussichtsloses Unterfangen war, weil von Anfang an die Staatssicherheit die Aktivitäten kritisch beäugte. Gleiches schreibt beispielsweise auch die damalige Direktorin des Museums in der 1993 erschienenen Publikation zu den Altlasten der Wismut:

„Das vorliegende Jubiläumsheft nimmt sich eines besonders sensiblen Themas der Ostthüringer Region an, der ‚der Altlasten des Uranbergbaus‘. Da dem Museum in der ‚Vorwende-Zeit‘ weder Veröffentlichungen Wismut-relevanter Umweltthemen in der Schriftenreihe noch eine Dauerausstellung der Bodenschätze um Ronneburg in der seit 1984 bestehenden Dauerausstellung erlaubt waren,…“. (2)

Aus der Publikation: Die Altlasten des Uranbergbaus und der Uranerzaufbereitung, Veröffentlichungen des Naturkundemuseums der Stadt Gera, Heft 20, 1993

Beleites entschloss sich deshalb ab 1987 private Recherchen im kirchlichen Rahmen zu beginnen. Er lieh sich eine Videokamera von einer Berliner Umweltgruppe und begann heimlich das Gelände um die Bergbaubetriebe zu filmen. Material daraus wurde schließlich im November 1987 vom SFB in der ARD im Fernsehen gesendet.

Letztlich entstand aus dem gesammelten Material die 60seitige Schrift „Pechblende der Uranbergbau in der DDR und seine Folgen“.

Titelblatt und Inhaltsverzeichnis: „Pechblende der Uranbergbau in der DDR und seine Folgen“
Titelblatt „Pechblende der Uranbergbau in der DDR und seine Folgen“
Inhaltsverzeichnis: „Pechblende der Uranbergbau in der DDR und seine Folgen“
Inhaltsverzeichnis: „Pechblende der Uranbergbau in der DDR und seine Folgen“

Im Kreis der kirchlichen Friedens- und Umweltbewegung versammelten sich seit Anfang der 1970er Jahre Kritiker dieser SED-Geheimhaltungspolitik. Diese Organisation ermöglichte 1988 die (illegale) Veröffentlichung der Untergrundschrift „Pechblende der Uranbergbau in der DDR und seine Folgen“, von Michael Beleites, herausgegeben vom Kirchlichen Forschungskreis Wittenberg und dem Arbeitskreis „Ärzte für den Frieden – Berlin, beim Landespfarrer für Krankenseelsorge der Evangelischen Kirche Berlin- Brandenburg, in einer Auflage von 1000 Exemplaren, die alle per Hand verteilt werden mussten. (4)

Michael Beleites selbst zieht 30 Jahre später in einem Vortrag in der Stadt und Regionalbibliothek Gera Bilanz: „Als im Juni 1988 die im Selbstdruck hergestellte Untergrundschrift „Pechblende“ fertiggestellt war, glich ihr „Erscheinen“ einer Sensation: Eine 40-jährige Geheimhaltung zu den Hintergründen des gigantischen sowjetisch-deutschen Uranbergbauprojekts „Wismut“ wurde gebrochen. Nicht von staatlicher Seite, nicht von den westlichen Medien – sondern von einer kleinen kirchlichen Umweltinitiative in der DDR; recherchiert, geschrieben und gedruckt von einem damals 23-jährigen Autor aus Gera.“

Hier geht es zum ganzen Text des Vortrages.

Anmerkung

Dieser Beitrag beansprucht keine Vollständigkeit, sondern versteht sich als kurze Einführung in eine umfangreiche und komplizierte Thematik. Links und Literaturangaben sollen helfen, das Thema zu vertiefen. Viele Informationen dazu bietet beispielsweise der kirchliche Umweltkreis Ronneburg, der aus der DDR Bürgerrechtsbewegung hervorgegangen ist.  Darüber hinaus kann man sich ausführlich im Stasi-Unterlagen-Archiv Gera informieren.

Zusammengefasst von Sabine und Klaus Hofmann, April 2020


Weiterführende Informationen zur Thematik:

URANATLAS, Daten und Fakten über den Rohstoff des Atomzeitalters:
Die Altlast der Wismut, Uranbergbau in Sachsen und Thüringen: Fast vergessen, mit Milliardenaufwand saniert, aber immer noch ein Problem, Seite 30/31

Der URANATLAS ist ein Kooperationsprojekt und wird gemeinsam von Le Monde diplomatique, der Nuclear Free Future Foundation, der Rosa-Luxemburg-Stiftung sowie dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland herausgegeben. 1. Auflage: September 2019

Hier geht’s zum Download

Literatur und Quellen:

(1)
Beleites, Michael: Untergrund. Ein Konflikt mit der Stasi in der Uranprovinz, Berlin, 1992, S.75f.

(2)
Die Altlasten des Uranbergbaus und der Uranerzaufbereitung, Veröffentlichungen des Naturkundemuseums der Stadt Gera, Heft 20, 1993

(3)
Beleites Michael: Altlast Wismut, Ausnahmezustand, Umweltkatastrophe und das Sanierungsproblem im deutschen Uranbergbau, Frankfurt/M 1992

Internet:

(4)
http://www.michael-beleites.de/

http://www.thla-thueringen.de/index.php/978-als-download-verfuegbar-vortrag-von-michael-beleites-zum-thema-pechblende-uranbergbau-in-der-ddr-und-seine-folgen

http://www.thla-thueringen.de/images/Vortrag_ThLA_Michael_Beleites_30_Jahre_Pechblende_Web.pdf

EINHEIT-liches Deutschland, Pressefotografie im Altenburger Land 1990-2005, Museum Burg Posterstein, 2005

Interessante Fotos zur Wismut sind auch in unserer Museumspublikation zu finden:

EINHEIT-liches Deutschland, Pressefotografie im Altenburger Land 1990-2005, Museum Burg Posterstein, 2005

Fotografien von Jan-Peter Kasper, Knut Lechner, Klaus Peschel, Jens Paul Taubert, Wolfgang Wukasch, 68 Seiten, mit s/w Fotos und einer Foto-CD mit 250 Abb. 10,00 Euro

A minister close to nature – Hans Wilhelm von Thümmel

A special part of the permanent exhibition of Museum Posterstein Castle tells the story of the minister Hans Wilhelm von Thümmel (1744-1824). This remarkable man was a friend oft he Duchess Anna Dorothea of Courland (1761-1821)  and regular guest at her castles in Löbichau and Tannenfeld. Here we present Hans Wilhelm von Thümmels gardens.

As head of goverment Hans Wilhelm von Thümmel was one oft he most famous persons in the Altenburg part of the duchy Saxony-Gotha-Altenburg. And a minister close to nature. As a confidant of the Gotha Dukes, he represented the duchy as a diplomat in Paris, Berlin, Vienna and Denmark. He initiated the geodetic surveying of the duchy and left behind a comprehensive landscape heritage. But often it did not last.

Der Sachsen-Gotha-Altenburgische Minister Hans Wilhelm von Thümmel (Museum Burg Posterstein)
Hans Wilhelm von Thümmel, minister in the duchy Saxony, Gotha and Altenburg (Museum Burg Posterstein)

His harmony with nature can be guessed not only at his extraordinary and beautiful tomb: the 1000-year-old oak in Nöbdenitz. It can be guessed at his horticultural heritage: for example Thümmel’s private English garden with a palace in Altenburg, his manors in Nöbdenitz and Untschen, the “Polish cottage” in Münsa, or the palace garden in Altenburg.

These gardens were not only seen as places of recreation and entertainment in the countryside, but also as educational establishment: as gardens of the Enlightenment.

Das Sommer Schloss des Fürsten im Garten zu Wörlitz. Le Palais du Prince au Jardin de Wörlitz | Nagel, Johann Friedrich (Public Domain, Österreichische Nationalbibliothek).
Le Palais du Prince au Jardin de Wörlitz | Nagel, Johann Friedrich (Public Domain, Österreichische Nationalbibliothek).

Thümmel’s private English garden in Altenburg

At the beginning of the 19th century, the garden of Hans Wilhelm von Thümmel was considered as one of the most important sights of Altenburg. In its final extension, the long park ground was enclosed by a wall with seven gates. At the highest point of the site, with the best view of Altenburg, Thümmel had a villa built in 1788 in the style of Italian classicism.

The park had artificial grottoes, streams and ponds. Small pleasure houses in different styles as well as the so-called “Kachelhaus” – or “Turkish Pavilion” – were integrated into the concept. The well-known artist Adrian Zingg captured the beauty of the Thümmel garden for eternity in his pictures.

Thümmels Garten in Altenburg auf der Thümmelschen Karten von 1813, Section VIII.
Thümmel’s garden in Altenburg on the Thümmel map from 1813, section VIII.

As Thümmels legacy the garden did not last long. Several decades after his death in 1824 the garden had been greatly reduced by Thümmels heirs by selling several areas. Today, only the preserved central building of the palace reminds of its former glory.

The palace garden in Altenburg

In addition to the design of his private garden in Altenburg Hans Wilhelm von Thümmel was also involved in the transformation of the palace park Altenburg from baroque to landscaped grounds.According to reports of the Altenburger Chronicler Christian Friedrich Schadewitz (1779-1847), the chamber president Thümmel had already 1784/86 removed yew tree figures as well as the hedged. The open spaces were laid out with grass and a new orangery was placed on it. Around 1800, the first tulip trees were planted and formed the foundation for today’s English Park of Altenburg Castle.

Nöbdenitz manor – Thümmels old-age residence

Hans Wilhelm von Thümmel came into the possession of the manors Nöbdenitz and Untschen by marriage.Especially the park around the estate Nöbdenitz with its romantic hermitage met with universal approval. In 1782, Thümmel’s father-in-law and predecessor in office, Johann von Rothkirch und Trach (1710-1782), had the old Nöbdenitz castle renovated and a new mansion built, as well as a mausoleum as family grave. Thümmel chose this peaceful place as his old-age residence.

For sailing on the pond of Nöbdenitz manor

Nöbdenitz is very close to the castles Löbichau and Tannenfeld, in which the duchess Anna Dorothea of Courland invited guests to her well-known salon. But also visits by the Duchess and her guests in Nöbdenitz at Thümmels house were usual events. Here they met to sail on the large pond of the manor and took walks to the 1000-year-old oak, which Thümmel had chosen as his future grave.

Schloss und Herrenhaus Nöbdenitz - Hans Wilhelm von Thümmel legte hier einen weitläufigen englischen Garten an mit Bächlein und "Einsiedeley" (Lithografie: Museum Burg Posterstein).
Castle and manor house in Nöbdenitz – Hans Wilhelm von Thümmel had an english garden (lithografie: Museum Burg Posterstein).

The surrounding park extended east of the 1782 built “New Manor House” whose perron led down to the garden. A little brook – the “millrace” – flowed through the park. Figures or rondels had been placed at partings of the way.  From the main way three bridges led over the millrace into the landscape on the south side, which was enclosed by a wood. A hermitage had been built next to the weir at the millrace. It was a popular motif in the gardens of the Enlightenment. The hermitage was a quiet place of contemplation amidst nature, a place where one be able to communicate with oneself, nature and God. This hermitage in Nöbdenitz was also pictured by the engraver Zingg. The building itself doesn’t exist anymore.

A “Chinese bathhouse” and a “Polish cottage”

Also the redesign of Untschen manor including the establishment of a bathhouse in the Chinese style or the creation of the destination “Polish cottage” in Münsa were realized under Thümmels direction. But he was not the only one who appreciated and promoted the local garden art. The much-admired duchess Anna Dorothea of Courland, also belonged to this circle.

Der Schlossprk in Tannenfeld im Frühjahr 2018.
The english garden in Tannenfeld in spring 2018.

Tannenfeld – pleasure garden in the English style

Contemporaneous with the building of Tannenfeld Castle also the development of Tannenfeld park started under the direction of the Duchess of Courland. The new building, with a beautiful view to Posterstein Castle, was embedded in the new landscape park. At the time of Anna Dorothea of Courland Tannenfeld was about half an hour away from Löbichau.

Schloss Tannenfeld im Frühjahr 2018 (Foto: Marlene Hofmann):
Tannenfeld Castle in spring 2018 (Foto: Marlene Hofmann):

If the visitors turned from the main road between Ronneburg and Schmölln to Tannenfeld, they passed a small gatehouse and through an alley lined with Italian poplars they came to park and castle. Sandy paths led the walkers past groups of trees or shrubs and sentimental-romantic memorial stones. One stone was bearing the inscription “Peterswiese” and reminded of the 1800 deceased husband of Dorothea of ​​Courland. A narrow stream flowed through the meadow and ended in a pond. On an island in the pond there was the so-called “Hermitage”, a grotto formed of rocks.

By Franziska Engemann, Christiane Nienhold und Marlene Hofmann, translation: Franziska Engemann, Matthias Huberti / Museum Burg Posterstein

#WomenMW: Die Dame, die unter dem Pseudonym „Ernst Ritter“ schrieb

Am ersten Tag der diesjährigen internationalen Museumswoche #MuseumWeek stehen Frauen im Mittelpunkt. Wir wollen die #MuseumWeek jeden Tag mit einem thematisch passenden Blogbeitrag begleiten. Unter dem Hashtag #WomenMW führt uns unser Weg in die nur zwei und vier Kilometer von Burg Posterstein in Thüringen gelegenen Schlösser Löbichau und Tannenfeld. Dort gab es mit der Herzogin Anna Dorothea von Kurland nicht nur eine beeindruckende Salonniére. Auch unter den Gästen des Löbichauer Salons waren bedeutende Frauen – zum Beispiel Emilie von Binzer.

Der Salon der Herzogin von Kurland in Schloss Löbichau zählte zu den bekanntesten seiner Art.
Der Salon der Herzogin von Kurland in Schloss Löbichau zählte zu den bekanntesten seiner Art.

Aus den Pariser Salons des 18. Jahrhunderts, in denen sich Mitglieder des Hofes, Gelehrte und Künstler begegneten, ging in der Zeit der Aufklärung eine Kultur hervor, die sich über ganz Europa ausbreitete. Den gesellschaftlichen Mittelpunkt bildete stets die Gastgeberin. Ende des 18. Jahrhunderts entwickelte sich Schloss Löbichau zu einem solchen Zentrum des geistig-kulturellen Lebens in Deutschland. Der Salon der Herzogin von Kurland in Löbichau gehörte zu den bekanntesten seiner Art.

Wie eine Mappe aus dem Besitz Emilie von Binzers nach Posterstein kam

2014 konnte das Museum Burg Posterstein aus Finanzmitteln des Freistaats Thüringen und der Bürgerstiftung Altenburger Land eine einmalige Sammlung von Portraitzeichnungen ankaufen: 47 aquarellierte Zeichnungen aus den Jahren 1819/20, die Gäste im Salon der Herzogin von Kurland als Fabelwesen darstellen. Aufbewahrt wurden die Unikate in einer dunkelgrünen Halblederkassette.

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Ernst Welker. – Museum Burg Posterstein, CC BY-SA 4.0, Link

Eines der Blätter, das Porträt von Fritz Piattoli, ist mit der Signatur „Emilie del.“gekennzeichnet.

Die Urheber dieser heiteren Portraits sind der Maler Ernst Welker und vermutlich teilweise auch seine Zeichenschülerin Emilie von Binzer, geb. von Gerschau – die spätere Schriftstellerin war eine Pflegetochter der Herzogin Wilhelmine von Sagan, der ältesten Tochter Dorothea von Kurlands.

In ihrem Erinnerungsroman „Drei Sommer in Löbichau“ schrieb Emilie von Binzer:

„Ich besitze eine Mappe, die klein Welkerchen in Löbichau mit Porträts der ihm zugänglichen anwesenden Gäste, meist in Thiergestalt, füllte; darunter stehen Fibelverse, die sich mehr durch gute Laune, ja Uebermuth, als durch Witz auszeichnen, die Mappe enthielt siebenundvierzig Blätter, die gelegentlichen Besucher aus der Nachbarschaft sind nicht darunter, nur solche, die wirklich in Löbichau wohnten.“

Man darf sich den etwa 35-jährige Zeichenlehrer und seine 19-jährige Schülerin vorstellen, die einen Sommer auf dem idyllischen Landsitz Löbichau und Tannenfeld verbringen und einen humoristischen Blick auf die bekannten und weniger bekannten Persönlichkeiten im Salon der Herzogin von Kurland werfen. Die Dargestellten treten als Fabelwesen auf, meist in Tiergestalt oder als Gegenstand mit einem menschlichen Portrait-Kopf. Es ist nicht bekannt, ob die abgebildeten Personen Kenntnis von der Existenz dieser Zeichnungen hatten. Immerhin, in Löbichau ging es sehr liberal zu. Die Urheber der Karikaturen schonten auch sich selbst nicht: Emilie ist als Spargel dargestellt, Welker als Auster.

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Ernst Welker. – Museum Burg Posterstein, CC BY-SA 4.0, Link

Ihre berühmte Tante führte sie in die Welt der Salons ein

Die Schriftstellerin Emilie Henriette Adelheid von Binzer (1801-1891) kam in Berlin als Emilie von Gerschau zur Welt. Sie wuchs bei ihrer Tante Wilhelmine von Sagan mit zwei weiteren Pflegetöchtern auf. Ihr Vater Peter von Gerschau soll ein illegitimer Sohn des Herzogs von Kurland gewesen sein. Er diente als russischer Generalkonsul in Kopenhagen. Durch ihr Leben bei Herzogin Wilhelmine wurde sie in das Salonleben eingeführt und lernte in jungen Jahren bedeutende Persönlichkeiten, wie Metternich, Talleyrand, Zar Alexander, Windischgrätz, Wellington, Blücher und Schwarzenberg kennen.

In den Jahren 1819/20 war sie mit dem Maler Ernst Welker und der Herzogin von Sagan in Löbichau und Tannenfeld. Nach über 50 Jahren schrieb sie ihr Erinnerungsbuch „Drei Sommer in Löbichau“, worin sie die von Welker porträtierten Personen einzeln charakterisiert.

Aufnahme Frauenlobs des 2 ten am 8. September in Löbichau 1819, Aquarell, gemalt von Ernst Welker, Museum Burg Posterstein
Aufnahme Frauenlobs des 2 ten am 8. September in Löbichau 1819, Aquarell, gemalt von Ernst Welker, Museum Burg Posterstein

In Löbichau traf Emilie den Dichter Jean Paul, die Familie Körner, die Feuerbachs, Carl August Böttiger, Friedrich Arnold Brockhaus, Christoph August Tiedge und Elisa von der Recke und auch den Burschenschaftler August Daniel von Binzer, den sie 1822 im Schloss Sagan heiratete. Unter dem Pseudonym „Ernst Ritter“ veröffentlichte sie die Novellensammlung „Mohnkörner“. Auf ihr literarisches Werk übten vor allem Personen und Erlebnisse der Zeit des Wiener Kongresses Einfluss aus. In ihren Häusern in Wien, Linz und Altaussee unterhielt sie musische Kreise. Freundschaften verband sie mit Adalbert Stifter und Franz Grillparzer. Über persönliche Empfehlung Grillparzers wurde Emilie von Binzer zur Beraterin und mütterlichen Freundin des jungen Erzherzogs Maximilian, Bruder des Kaisers Franz Joseph I. „Der Salon Binzer galt in Wien und später in Linz, wohin die Familie im Revolutionsjahr 1848 ihren Wohnsitz verlegte, als ein Mittelpunkt des künstlerischen und gesellschaftlichen Lebens.“, beurteilt das Literaturmuseum Altaussee.

Die Sammung Welker beim Kultur-Hackathon Coding da Vinci

2015 konnten die einmaligen Zeichnungen von Ernst Welker erstmals in einer Sonderausstellung mit dem Titel „Salongeschichten – Paris-Löbichau-Wien. Gäste im Salon der Herzogin von Kurland im Portrait des Malers Ernst Welker“ der Öffentlichkeit gezeigt werden. Danach wurden sie zunächst vor Ort digital in einen Touchscreen in der Dauerausstellung des Museums integriert und können dort auch weiterhin von den Besuchern betrachtet werden. Seit 2018 sind sie digitalisiert und über das Portal Museen in Thüringen zugänglich.

Für den Kultur-Hackathon Coding Da Vinci Ost sind die Blätter nun in hoher Auflösung und mit CC-BY-SA-Lizenz auch auf Wikimedia Commons zu finden.

Unser erster Kultur-Hackathon: Die Sammlung Welker bei Coding da Vinci Ost in der Universitätsbibliothek Leipzig.
Unser erster Kultur-Hackathon: Die Sammlung Welker bei Coding da Vinci Ost in der Universitätsbibliothek Leipzig.

Im Rahmen des Hackathons arbeiten einige der 140 Teilnehmer – darunter Designer, Programmierer und Studenten verschiedener Fachrichtungen – mit den Daten des Museums Burg Posterstein. Die nächsten neun Wochen verbringen sie ihre Freizeit damit, aus den spielerischen historischen Zeichnungen, moderne spielerische Anwendungen zu erstellen. Wir werden sie natürlich mit fachlichen Infos unterstützen und sind sehr gespannt auf die Ergebnisse, die am 16. Juni präsentiert werden! Die Projekte können im Hackdash von Coding da Vinci mitverfolgt werden und wer Lust hat, kann sogar noch einsteigen und mitmachen.

Von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

#WomenMW: The Lady behind the pseudonym „Ernst Ritter“

On the first day of this year’s international #MuseumWeek women take centre stage. The Hashtag #WomenMW leads us to Löbichau Castle and Tannenfeld Castle near Posterstein. Between 1795 and 1821 there was a living salon in both castles. The hostess was the beautiful duchess Anna Dorothea of Kurland (1761–1821), one of the most impressive salonniéres of her time. But also among her guests in Löbichau, important women can be found – like Emilie von Binzer.

Der Salon der Herzogin von Kurland in Schloss Löbichau zählte zu den bekanntesten seiner Art.
The salon of the Duchess of Courland was one of the most famous of its kind at the beginning of the 19th century.

With the 18th century Parisian salons, where members of the court, scholars and artists met, a culture emerged during the Enlightenment, spreading throughout Europe. At the end of the 18th century Löbichau Castle became such a center of intellectual and cultural life in Germany. The salon of the Duchess of Courland was one of the most famous of its kind at the beginning of the 19th century.

How a box came from the estate of Emilie von Binzer to Posterstein Castle

In 2014 the Museum Posterstein Castle – promoted by financial resources of the Free State of Thuringia and from Bürgerstiftung Altenburger Land – could purchase a unique collection of portrait drawings. The 47 watercolored drawings date back to 1819/20 and represent the guests in the salon of the Duchess of Courland as mythical creatures. The unique pieces were stored in a box made of dark green colored half leather.

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Ernst Welker. – Museum Burg Posterstein, CC BY-SA 4.0, Link

The authors of these amusing portraits are the painter Ernst Welker and probably also his pupil Emilie von Binzer, née von Gerschau (see picture above, which has the signature “Emilie del”). Emilie was a foster daughter of the Duchess Wilhelmine of Sagan, the eldest daughter of Dorothea of ​​Courland. The drawing of the caricatures is described by Binzer in her memoir “Three Summers in Löbichau” („Drei Sommer in Löbichau“). One can imagine the drawing teacher aged 35 and his pupil at the tender age of 19 spending a summer on the idyllic country estate Löbichau and Tannenfeld and throw a humorous glance at the famous and lesser-known guests in the salon of the Duchess of Courland. The salon visitors are pictured as mythical creatures, mostly in animal form or as an object with a human portrait head. It’s a moot question whether the persons knew about the existence of these drawings. The authors of the caricatures did not spare themselves: Emilie is depicted as an asparagus, Welker as an oyster.

 

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Ernst Welker. – Museum Burg Posterstein, CC BY-SA 4.0, Link

Her famous aunt introduced her to the world of salons

The writer Emilie Henriette Adelheid von Binzer (1801-1891), née von Gerschau, was born in Berlin. She lived with her aunt Wilhelmine of Sagan and two other foster daugters. Her father Peter von Gerschau is said to have been an illegitimate son of the Duke of Courland. He served as Russian Consul General in Copenhagen. Duchess Wilhelmine introduced her to the salon life and so the young girl met famous personalities, such as Metternich, Talleyrand, Tsar Alexander, Windischgrätz, Wellington, Blücher and Schwarzenberg.

In 1819/20 Emilie stayed in Löbichau und Tannenfeld together with Wilhelmine of Sagan and her teacher Ernst Welker. More than 50 years later, she wrote her memoir “Three summers in Löbichau” („Drei Sommer in Löbichau“), in which she individually characterizes the people portrayed by Welker.

Aufnahme Frauenlobs des 2 ten am 8. September in Löbichau 1819, Aquarell, gemalt von Ernst Welker, Museum Burg Posterstein
One of the authors in Dorothea of Courland’s salon is honoured with a special prize in September in Löbichau 1819, painted by Ernst Welker, Museum Burg Posterstein

In Löbichau Emilie met among others the poet Jean Paul, Families Körner and Feuerbach, Carl August Böttiger, Friedrich Arnold Brockhaus, Christoph August Tiedge and Elisa von der Recke. Here she also became acquainted with her future husband: the Burschenschaftler (member of a student fraternity) August Daniel von Binzer. They married in 1822 in Sagan Castle. By using the pseudonym „Ernst Ritter“ Emilie von Binzer published a collection of novellas entitled „Mohnkörner“ („poppy grains“). In particular, people and experiences of the time of the Congress of Vienna influenced her literary work. She formed a close friendship with Adalbert Stifter and Franz Grillparzer.

The collection Welker at the open cultural data hackathon „Coding da Vinci“

In 2015 the Museum Posterstein Castle showed the collection of caricatures drawn by Ernst Welker for the first time within the framework of a special exhibition. Afterwards, the pictures were integrated to a touchscreen in the museum’s permanent exhibition. Since 2018 they are digitized and accessible via platform “Museums in Thuringia”. For the cultural hackathon Coding Da Vinci East the leaves are now to find in high resolution and with CC-BY-SA license also on Wikimedia Commons.

 

Unser erster Kultur-Hackathon: Die Sammlung Welker bei Coding da Vinci Ost in der Universitätsbibliothek Leipzig.
Our first hackathon: the Welker collection takes part in the hackathon Coding da Vinci in the university library in Leipzig.

In context of the hackathon some of the 140 participants – including designers, programmers and students of various disciplines – work with the data of the Museum Posterstein Castle. For the next nine weeks they’ll spend their free time to create modern playful applications by using the playful historical drawings. We will support them with professional information and we are very excited about the results, which will be presented on the 16th of June!

The projects can be followed in the Coding da Vinci Hackdash. There is even still the opportunity to join the project.

by Marlene Hofmann, translation: Franziska Engemann / Museum Burg Posterstein

#MusicMW: Kein Salon ohne Musik

Bei der MuseumWeek 2017 steht heute die Musik im Zentrum. Das tat sie auch in den Salons um 1800, und nicht zuletzt am “Musenhof Löbichau”, nur zwei Kilometer von Burg Posterstein entfernt. Am Musenhof der Herzogin Anna Dorothea von Kurland (1761–1821) auf ihren Schlössern in Löbichau und Tannenfeld war eine musische Ausbildung Pflicht! Tanz, Gesang, Musik und Literatur galten nicht nur als abwechslungsreicher Zeitvertreib, sondern waren ein fester Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens.

Für eine Salondame wie Anna Dorothea von Kurland war eine musikalische Ausbildung ein Muss.
Für eine Salondame wie Anna Dorothea von Kurland war eine musikalische Ausbildung ein Muss.
Der Tagesablauf auf dem Musenhof war zwanglos. Einen Höhepunkt bildete die „Theestunde“ um 17 Uhr. Man traf sich im Schloss Löbichau zum „diner“. Anschließend wurde philosophiert, diskutiert, getanzt, gesungen und musiziert. Nicht selten blieb die Gesellschaft bis Mitternacht oder länger zusammen. Man spielte Theater und schrieb selbst Stücke, die später gemeinsam aufgeführt wurden. Chorale wurden komponiert und vorgetragen, wie zur Erhebung des Schriftstellers und Dichters Johann Friedrich Schink (1755-1835) zu „Frauenlob den 2 ten“ am 8. September 1819.

Augenzeuge dieser scherzhaften Feierlichkeit wurde der bekannte Dichter Jean Paul (1763-1825), der zu dieser Zeit Gast im Schloss der Herzogin von Kurland war. In seinen „Taschenbuch für Damen“ berichtet er:

„So wurde der Schriftsteller Schink […] nach aller der alten Zeiten nachgespielten Zeremoniell und Pomp zum Meistersänger Frauenlob der 2 te in einer öffentlichen allgemeinen Hof- und Krönsitzung ernannr und bekränzt […] Fürstin Pauline und ihre Schwester Wilhelmine und Fräulein v. Gersc[h]au konnten aus dem Tancred, oder ein Stabat mater meisterhaft singen.“

Aufnahme Frauenlobs des 2 ten am 8. September in Löbichau 1819, Aquarell, gemalt von Ernst Welker, Museum Burg Posterstein
Aufnahme Frauenlobs des 2 ten am 8. September in Löbichau 1819, Aquarell, gemalt von Ernst Welker, Museum Burg Posterstein

Musik, Theater und vor allem das Singen waren die großen Stärken der hier erwähnten Emilie von Binzer (1801–1891), einer geborenen von Gerschau. Sie war das Pflegekind der ältesten Tochter Dorotheas, der Herzogin Wilhelmine von Sagan (1781-1839). Gemeinsam verbrachten die beiden Damen viel Zeit auf dem Musenhof der Herzogin von Kurland. 1870 schrieb Emilie, die sich im Laufe ihres Lebens einen Namen als Schriftstellerin gemacht hatte, ihre Memoiren über diese „Drei Sommer in Löbichau“ und berichtet darin auch über ihre Gesangsstunden und ihre musikalische Ausbildung.

Emilie von Gerschau wurde später besser bekannt als Emilie von Binzer oder „Ernst Ritter“. In dieser Karikatur von Ernst Welker ist sie als Spargel dargestellt. Der heitere Spruch darunter lautet: „Den Spargel jeder gerne iszt / Emilie gar zu länglich ist.“
Emilie von Gerschau wurde später besser bekannt als Emilie von Binzer oder „Ernst Ritter“. In dieser Karikatur von Ernst Welker ist sie als Spargel dargestellt. Der heitere Spruch darunter lautet: „Den Spargel jeder gerne iszt / Emilie gar zu länglich ist.“
„Seitdem wir der Kinderbewahranstalt entwachsen waren, behielt sie Wilhelmine von Sagan] uns um sich und versäumte keine Mühe, sparte kein Geld, um uns eine ausgezeichnete Erziehung zu geben; für ihre eigenen Kinder hätte sie nicht sorgsamer sein können …] Sonst hatte sie nicht die mindeste Freude an der Musik, aber an meinen Singstunden nahm sie eifrigen Antheil, sang auch die zweite Stimme mit mir und auch wohl einmal mit meinem alten dicken Lehrer Tomaselli. Dieser war in der besten italienischen Singschule zu Bergamo mit dem berühmten Sopran Merchesi Luigi Marchesi (1754-1829)] und dem Vater des großen Tenoristen David gebildet worden, hatte aber, als er mein Lehrer ward, keine Spur von Stimme mehr, konnte aber Buffo-Duette, zu denen ich kein Talent hatte, noch mit einigem Reiz vortragen, die Oberstimme übernahm dann die Herzogin.“ (Emilie von Binzer, Drei Sommer in Löbichau, 1877.)

Eine gute Stimme sprach Emilie von Binzer ihrer verehrten Pflegemutter Wilhelmine von Sagan aber leider nicht zu. Dennoch schien auch Wilhelmine hinter verschlossenen Türen gern zu singen.

„Sie hatte wohl Stimme, aber keine schöne, und oft schwebte der Ton unter oder über der haarscharfen Linie, die ihm angewiesen ist.” (Emilie von Binzer, Drei Sommer in Löbichau, 1877.)

Wilhelmine von Sagan, nach Joseph Grassi (1757-1838), Museum Burg Posterstein
Wilhelmine von Sagan, nach Joseph Grassi (1757-1838), Museum Burg Posterstein
Wilhelmines Talent und Leidenschaft war vielleicht nicht das Singen, dafür aber umso mehr das Theater. Verschiedenste Rollen soll sie mit Bravur gespielt haben und bereits mit zehn Jahren durfte auch Emilie an den Theaterstücken der Erwachsenen, wie sie oft in Löbichau aufgeführt wurden, mitwirken.

Wilhelmine nahm ihre Pflegetöchter so oft es ging mit zu Stücken, die auf den großen Bühnen Europas – besonders in Wien – gespielt wurden. Die vielen Reisen der Herzogin von Sagan schärften Emilies Blick für das Musische umso mehr. Es ist daher nicht verwunderlich, dass Emilie von Binzer sich später – unter dem Pseudonym „Ernst Ritter“ – einen Namen als Schriftstellerin machte. Ihre Dramen „Die Gauklerin“ und „Die Neuberin“ wurden 1846 sogar am Wiener Burgtheater aufgeführt. Den Grundstein dafür legte wohl schon die strenge Ausbildung ihrer Pflegemutter Wilhelmine von Sagan und ihre Aufenthalte am Musenhof ihrer Großmutter.

Von Franziska Engemann / Museum Burg Posterstein

Jean Pauls Sommer in Löbichau

Im Sommer 1819 verbrachte der Dichter Jean Paul mehrere Wochen im Schloss Löbichau, wo die Herzogin Anna Dorothea von Kurland, eine kulturinteressierte und weltgewandte Dame, einen Salon führte. Der bekannte Schriftsteller erschien mit seinem Pudel, wurde von der Dienerschaft „Schankpol“ genannt, verschmähte den Tee als dünnes fremdländisches Getränk und bevorzugte stattdessen das Geraer Doppelbier.

Der “Musenhof Löbichau”

Schloss Löbichau ((c) Museum Burg Posterstein)
Im Schloss Löbichau nahe Posterstein führte die kulturinteressierte Herzogin von Kurland einen Salon (Bild: Museum Burg Posterstein)

1795 etablierte die aus dem heutigen Lettland stammende Herzogin Anna Dorothea von Kurland im thüringischen Löbichau ihre neue Residenz. Sie suchte sich genau diesen Ort im damaligen Herzogtum Sachsen-Gotha und Altenburg aus, um kulturelle Zentren, wie zum Beispiel Weimar, Dresden, Leipzig sowie Karlsbad schnell zu erreichen und ihren zahlreichen Gästen den Weg nach Löbichau zu erleichtern. Willkommen war jeder, der zu einer niveauvollen Unterhaltung beitragen konnte, und zwar unabhängig von seinem Stand. Diese Art des literarischen Salons praktizierte die Herzogin bereits in Berlin in ihrem Palais Unter den Linden, der heutigen russischen Botschaft.

Die Herzogin Anna Dorothea von Kurland (Bild: Burg Posterstein)
Die Herzogin Anna Dorothea von Kurland (Bild: Burg Posterstein)

Anna Dorothea von Kurland (1761-1821), eine schöne, begehrte und vor allem reiche Dame der herrschenden europäischen Adelsgesellschaft, gehörte zu jenen bekannten Salonieren des 19. Jahrhunderts, die weltoffen und geistreich gleichsam als Vermittlerinnen von Kultur und Politik agierten. Ihr Medium war die Konversation. Als Herzogin erhielt sie Zugang zu den höchsten gesellschaftlichen Kreisen, besonders zu den Höfen in Berlin, St. Petersburg und Paris; Metternich, Alexander I., Friedrich Wilhelm III., Napoleon und Talleyrand kannte sie persönlich. Dieser Umstand ermöglichte ihr einen ganz speziellen Anteil an der Gestaltung europäischer Geschichte.

Der Löbichauer Musenhof der Herzogin von Kurland war einer der bekanntesten seiner Art im beginnenden 19. Jahrhundert. In den Schlössern Löbichau und Tannenfeld herrschte von 1794 bis 1821 ein reges gesellschaftliches Leben, das Politik, Literatur, Malerei, Musik und Wissenschaft vereinte. Man traf sich zu politischen Disputen, Vorträgen, Festen, Theateraufführungen, Lesungen oder Konzerten.

Jean Paul in Löbichau

Der Dichter Jean Paul verbrachte den Sommer 1819 in Löbichau (Bild: Museum Burg Posterstein)
Der Dichter Jean Paul verbrachte den Sommer 1819 in Löbichau (Bild: Museum Burg Posterstein)

„Ich langte gestern gegen 3 Uhr in Baireuth an und schickte zu den Legationsrath Richter oder Jean Paul […] Er schien sich bey mir zu gefallen, und versprach mich diesen Sommer in Loebichau zu besuchen“.

(Herzogin von Kurland über ihren Besuch bei Jean Paul in Bayreuth am 3. Mai 1819 – Quelle: Friedrich-Schiller-Universität Jena, Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek: ThULB Jena, Nachlass Biron Abt. A , Nr. I bis XIX, Tagebücher der Herzogin von Kurland, Tagebuch Nr. XVIII, 3. Mai 1819)

Jean Paul folgte der Einladung gern und weilte im Sommer 1819 als Gast der Herzogin Anna Dorothea von Kurland in Löbichau. Am 31. August fuhr man ihm bis Gera entgegen. Der bekannte Schriftsteller erschien mit seinem Pudel, wurde von der Dienerschaft „Schankpol“ genannt, verschmähte den Tee als dünnes fremdländisches Getränk und bevorzugte stattdessen das Geraer Doppelbier.

Der Archäologe Anselm von Feuerbach (1798-1851), Sohn des Strafrechtlers Paul Johann Anselm von Feuerbach, schrieb in sein Tagebuch:

„…Ich wohne mit Jean Paul Thür an Thür. Er ist gütig gegen mich, und ich armer Melancholicus gebe ihm Stoff zu tausend Witzen. Er schreibt Aphorismen, um sie des Morgens den Fürstinnen vorzulesen…“

(Quelle: Binzer, Emilie von: Drei Sommer in Löbichau, Stuttgart 1887, S. 70)

Die Schriftstellerin Emilie Henriette Adelheid von Binzer (1801-1891) erinnerte sich an die Lesungen mit Jean Paul in Tannenfeld:

„… Diese Morgenvorlesungen fanden in Tannenfeld statt, halb im Freien. Er saß auf dem Vorhause mit offener Thüre nach der Freitreppe, wo mehrere von uns in guter Hörweite saßen; am erinnerlichsten ist mir ein schöner Aufsatz, ich glaube er hieß: Erinnerungen von schönen Stunden…“

(Quelle: Binzer, Emilie von: Drei Sommer in Löbichau, Stuttgart 1887, S. 70)

Schloss Tannenfeld (Ansichtskarte, Museum Burg Posterstein)
Im Park von Schloss Tannenfeld hielt Jean Paul Morgenvorlesungen im Freien ab (Ansichtskarte, Museum Burg Posterstein)

Jean Paul war fasziniert von Löbichau. Das Leben am Musenhof gestaltete sich kurzweilig. Spaziergänge in Löbichau oder im Park von Tannenfeld, Gesprächsrunden, Lesungen, Konzerte, Theateraufführungen oder gesellige Spiele standen auf der Tagesordnung.

Später beschrieb er seine Begegnungen am Löbichauer Musenhof in den „Briefblättchen an die Leserin des Damen-Taschenkalenders bei gegenwärtiger Übergabe meiner abgerissenen Gedanken vor dem Frühstück und dem Nachtstück in Löbichau“.

„… Das Weitläuftigere gehört in die Selberlebensbeschreibung, dass der Verfasser der gedachten Gedanken abends den 31. August 1819 nach dem Wunsche der Herzogin und nach seinem noch stärkeren in ihr Schloß zu Löbichau unter zwar schwacher und nicht militärischer, aber reizender und weiblicher Begleitung gebracht wurde. Das freundliche, italienisch abgedachte Sommerschloß liegt, mit seinem Altane und seinen Säulen, vor dem weiten bowling-green, um welches sich der einfache Park mit seinen Baumgängen zieht, und an den Park lehnt sich das freundliche, mit Bäumen durchzogene Löbichau. Im Schlosse wohnen die Herzogin und ihre Schwester, die Gräfin Elisa von der Recke [Anm.: Elisa von der Recke, (1754-1833), war ebenfalls Schriftstellerin] , und alle Gäste beider. In Tannefeld, einem kleinen Sommer- oder vielmehr Frühlings-Sitz, eine halbe Stunde entfernt, wohnten die drei Töchter der Herzogin, […] – Es kostete mir bisher Mühe, gute Leserin, so oft das Beiwort ‚reizend’ zu unterdrücken; später aber ist mir die Mühe nicht mehr anzusinnen…“

(Quelle: Paul, Jean: „Briefblättchen an die Leserin des Damen-Taschenkalenders bei gegenwärtiger Übergabe meiner abgerissenen Gedanken vor dem Frühstück und dem Nachtstück in Löbichau“, in: Paul, Jean: Taschenbuch für Damen auf das Jahr 1821, Tübingen bey Cotta 1821. S. 287)

Schloss Löbichau, Ansichtskarte von 1904 (Museum Burg Posterstein)
Schloss Löbichau, Ansichtskarte von 1904 (Museum Burg Posterstein)

Eigens für Jean Paul arrangierte man in Löbichau am 9. September ein Inselfest:

„… Um 9 Uhr abends nach dem Essen lud die Herzogin Dorothea zu einem Spaziergange durch die Baumgänge auf eine kleine Insel, wo man mittags vorher gefrühstückt, so gleichgültig ein, als wolle sie nichts verheißen. Als man in den hohen und langen Baumgang eintrat, war er von den untersten Zweigen bis zu den Gipfeln überglänzt, und alles Laub war wie von Frühling oder Abendröte durchsichtig. Lampen unter den Bäumen, von kleinen Vertiefungen verdeckt, waren Lichtspringbrunnen und durchsprengten mit einigem aufwärts steigenden Glanz das dunkle Gezweig. Aus dem Grün schienen verklärte Bäume aufzuschweben, und die Blätter als feurige Zungen zu zittern. Durch die Feuersäulen-Ordnung kam der Zug in das kleine runde Eiland, wo man, von erleuchteten Bäumen wie von Glanzriesen umzingelt, oben nur einen schwarzen Ausschnitt des Nachthimmels mit blitzenden Sternen erblickte. Musik und Gesang gaben dem stillen Glanze und der Zauberinsel gleichsam Bewegung, und die Lichter wurden zu Tönen…“

(Quelle: Paul, Jean: „Briefblättchen an die Leserin des Damen-Taschenkalenders bei gegenwärtiger Übergabe meiner abgerissenen Gedanken vor dem Frühstück und dem Nachtstück in Löbichau“, in: Paul, Jean: Taschenbuch für Damen auf das Jahr 1821, Tübingen bey Cotta 1821. S. 303f.)

Jean Paul las gern vor:

„… Schöne Leserin, Sie konnten, wenn Sie in Löbichau an der Tafel saßen oder nachher auf dem Kanapee, welche Meinung Sie wollten, ergreifen oder angreifen – gegen oder für Magnetiseurs – gegen oder für Juden – gegen oder für die Ultras und Liberale; – ja Sie konnten besonders im letzten politischen Falle, wie Sie da wohl als Dame zuweilen tun, Ihre schöne Stimme geben als eine lauteste: niemand wird etwas dagegen sagen – als höchstens seine Gründe…“

(Quelle: Paul, Jean: „Briefblättchen an die Leserin des Damen-Taschenkalenders bei gegenwärtiger Übergabe meiner abgerissenen Gedanken vor dem Frühstück und dem Nachtstück in Löbichau“, in: Paul, Jean: Taschenbuch für Damen auf das Jahr 1821, Tübingen bey Cotta 1821. S. 293)

Jean Paul reiste am 17. September aus Löbichau ab. Die Herzogin von Kurland notierte in ihrem Tagebuch:

… Täglich verringert sich die Zahl der Gesellschaft. Jean Paul verließ uns nach dem Frühstück …“  

(Quelle: Friedrich-Schiller-Universität Jena, Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek: ThULB Jena, Nachlass Biron Abt. A, Nr. I bis XIX, Tagebücher der Herzogin von Kurland, Tagebuch Nr. XVIII, 17. September 1819)

Weitere Informationen: Auf Jean Pauls Spuren im Altenburger Land

Wenn Sie auf Jean Pauls Spuren wandeln möchten, sollten Sie die Litfaßsäulenausstellung “Jean Pauls Orte” und auch die Dauerausstellung im Museum Burg Posterstein nicht versäumen. Anschließend bietet sich ein Abstecher nach Tannenfeld und Löbichau an. Im dortigen Landgasthof kann man dann bei Köstritzer Doppelbier entspannen.

Ständige Ausstellung im Museum Burg Posterstein:

“Zwischen Metternich und Talleyrand – Der Musenhof der Herzogin von Kurland im Schloss zu Löbichau”:

Die Ausstellung gibt einen Überblick über die historischen Ereignisse, berichtet über das Reisen im damaligen Europa und lässt die Zeit des Musenhofes auf Schloss Löbichau wieder lebendig werden. Die Zeiteinteilung in Löbichau ist zwanglos und Höhepunkt des Tages ist meist der Abend, der alle Gäste zur Teestunde im großen Saal des Schlosses versammelt. Es wird geplaudert, philosophiert, gedichtet, getanzt und musiziert, manchmal spielen die Gäste auch selbst Theater, auch im Schloss Tannenfeld auf einer kleinen Bühne. Oft enden diese Zusammenkünfte erst weit nach Mitternacht…

Sonderausstellung “Jean Pauls Orte”

ab 21. März: Litfaßsäulenausstellung zu seinem 250. Geburtstag im Jahr 2013

Die Ausstellung ist Teil des Projekts “250 Jahre Jean Paul – Ein Projekt des Vereins “Jean Paul 2013 e.V.”, der zentralen Organisationsplattform des Jubiläumsjahres: „Es ist ein großes rundes Jubiläum: Ein Vierteljahrtausend Jean Paul. Das Motto dazu lautet: Jean Paul für Alle. Wir gehen mit Jean Paul zu den Menschen und warten nicht, bis sie in ein Museum kommen. Wir thematisieren Jean Paul überall dort, wo er gelebt und gewirkt hat: an den Orten seines Lebens und seiner Bücher.“

Enthüllung der Litfaßsäule am 21. März

Zur Ausstellung erscheint eine Neuauflage unseres Buches:

“Löbichauer Sommer”

von Peter Schönhoff und Klaus Hofmann

Dem Leser werden die historischen Zusammenhänge um Schloss Löbichau und seiner kunstsinnigen Herzogin näher gebracht. Peter Schönhoffs Novelle “Gebackener Katzendreck” befasst sich mit dem Besuch des Schriftstellers Jean Paul in Löbichau im Jahr 1819.

Weitere Literatur

Buchtitel "Die Herzogin von Kurland im Spiegel ihrer Zeitgenossen" (Burg Posterstein)
Buchtitel “Die Herzogin von Kurland im Spiegel ihrer Zeitgenossen” (Burg Posterstein)

“Die Herzogin von Kurland im Spiegel ihrer Zeitgenossen”

Europäische Salonkultur um 1800 – Zum 250. Geburtstag der Herzogin von Kurland

Klaus Hofmann (Herausgeber), 248 Seiten, farbig, Museum Burg Posterstein, 2011

ISBN 978-3-86104-086-6 (29,00 Euro)

 

Wo ich einst residierte, wo ich Fürstin des Landes war! – Lebensstationen der Herzogin von Kurland”

Sabine und Klaus Hofmann, Museum Burg Posterstein, 2007

64 Seiten, mit zahlreichen farbigen Abbildungen.

Dem in deutscher Sprache verfassten Buch sind Übersetzungen ins Französische, Polnische, Lettische und Englische beigefügt (12,00 Euro)

“Zwischen Metternich und Talleyrand – Der Musenhof der Herzogin von Kurland im Schloss zu Löbichau”

Sabine und Klaus Hofmann, Museum Burg Posterstein, 2004

104 Seiten, s/w mit zahlreichen Abbildungen.

ISBN 3-86104-066-2 (12.50 Euro)

Austern unterm Schloss

Der Landkreis Altenburger Land ließ das Schloss in Löbichau, ehemals Musenhof der Herzogin Dorothea von Kurland, 2009 abreißen. Auf der Fläche wurde ein Neubau errichtet, der heute als Pflegeheim dient. Die Fassade erinnert noch an das Schloss und Löbichaus Glanzzeiten im frühen 19. Jahrhundert (mehr dazu). Bevor jedoch der Neubau entstand, führte das Thüringische Landesamt für Archäologie und Denkmalpflege archäologische Grabungen auf dem Gelände durch. Davon und von anderen aktuellen Grabungsprojekten der Behörde berichtet vom 4. März bis 30. April 2012 die Sonderausstellung „Archäologie im Altenburger Land“ auf Burg Posterstein.

Schloss Löbichau, Ansichtskarte von 1904 (Museum Burg Posterstein)
Schloss Löbichau, Ansichtskarte von 1904 (Museum Burg Posterstein)

Schon drei Umbauten seit dem 16. Jahrhundert
Bei den Grabungen in Löbichau konnten drei Bauphasen festgestellt werden. Die früheste datiert ins 16. Jahrhundert. Zu dieser Zeit dominierten offenbar noch Wirtschaftsgebäude des ehemaligen Rittergutes Löbichau den späteren Standort des Schlosses. Der Brand aus dem Jahr 1766 war für die Fachleute an Hand von großflächigen Schuttverfüllungen deutlich nachweisbar. Die zweite Bauphase folgte, nachdem die Herzogin Anna Dorothea von Kurland das Anwesen 1795 kaufen ließ. Bis 1800 ließ sie den Südwestflügel des Rittergutes in ein klassizistisches Schloss umbauen, in das sie fortan in den Sommermonaten regelmäßig Staatsmänner, Dichter, Künstler und Musiker ihrer Zeit einlud (mehr dazu). Die dritte Bauphase begann etwa in der Mitte des 19. Jahrhunderts, als nach dem Tod der Herzogin Anna Dorothea von Kurland 1821 das Schloss zunächst als Wohnsitz ihrer Familie, später als „Johanna-Luisen-Stift“ und seit 1945 als Alten- und Pflegeheim genutzt wurde. Besonders in die letzte Zeitepoche datieren verschiedene Ein- und Anbauten wie Mauern, Keller und Rampen.

Abrissarbeiten am Schloss Löbichau 2009 (c) Thüringisches Landesamt für Archäologie und Denkmalpflege
Abrissarbeiten am Schloss Löbichau 2009 (c) Thüringisches Landesamt für Archäologie und Denkmalpflege

Messer, Hufeisen und Austernschalen
Das Fundmaterial datiert vom 14. und 15. Jahrhundert bis in unsere heutige Zeit. Es setzt sich vor allem aus Keramikscherben, Dachziegelresten, eisernen Gegenständen wie Beschlägen, Nägeln, Messern, Hufeisenteilen und Tierknochen zusammen. An Kleinfunden sind ein Spinnwirtel, Pfeifenbruchstücke, Austernschalen, Tonmurmeln, Holzperlen eines Rosenkranzes und eine Münze aus dem 18. Jahrhundert zu nennen. Wenige bearbeitete Hölzer ergänzen das Spektrum. Die oben erwähnte Münze ist ein Rechenpfennig von Johann Jacob Dietzel (1711-1748) aus Messing.

Plakat Sonderausstellung Archäologie im Altenburger Land auf Burg Posterstein 2012
Plakat Sonderausstellung Archäologie im Altenburger Land auf Burg Posterstein 2012

Ausgrabung in der Kiste
Die Ausstellung „Archäologie im Altenburger Land“ wird am 4. März, 15 Uhr, auf Burg Posterstein eröffnet. Im Begleitprogramm zur Ausstellung bietet das Museum u. a. Führungen für Kinder an: Unter dem Motto: „Was ist Archäologie? – Ausgrabung in der Kiste“, können die kleinen Besucher lernen, was beim Ausgraben von Gegenständen aus unterschiedlichen Zeiten zu beachten ist, welche Erkenntnisse gewonnen werden oder wie ein Fundbericht verfasst wird. Eine Voranmeldung ist hierfür erforderlich.

Live von der Baustelle
Einen Einblick in die Ergebnisse der Grabungen gibt auch ein Kurzfilm des lokalen Senders TV Kabel Plus vom August 2009:
[vimeo http://vimeo.com/36758499]

Mehr zur Grabung in Löbichau:
Sonderausstellung „Archäologie im Altenburger Land“, vom 4. März bis 30. April 2012 im Museum Burg Posterstein
Weitere Infos auf der Website des Thüringischen Landesamtes für Denkmalpflege

Von Marlene Hofmann