Nöbdenitzer Kita-Kinder malen die “1000-jährige Eiche” – Museum Burg Posterstein bereitet Sonderausstellung zu Hans Wilhelm von Thümmel, dem Mann unter der Eiche, vor

Die 1000-jährige Eiche von Nöbdenitz, gemalt von einem Kind der lokalen Kindertagesstätte.
Die 1000-jährige Eiche von Nöbdenitz, gemalt von einem Kind der lokalen Kindertagesstätte.

Wenn die Kinder der Gruppe “Wiesenkobolde” der Kindertagesstätte Nöbdenitz dieser Tage zu Hause von “Thümmel” reden, dann ist das kein kindliches Fantasiewort, sondern der Name eines Sachsen-Gotha-Altenburgischen Ministers. Hans Wilhelm von Thümmel (1744–1824), einst Besitzer der Rittergüter Nöbenitz und Untschen, wählte sich die mächtige knorrige Nöbdenitzer Eiche zur Grabstätte. Die Kinder der “Nemzer Rasselbande” statteten der alten Eiche auf Initiative von Berufspraktikantin Marlen Schwabe einen Besuch ab. Walter Mehlhorn vom Nöbdenitzer Aktionsbündnis “Rettung der 1000-jährigen Eiche Nöbdenitz” erzählte den Kindern etwas zum langen Leben und den Besonderheiten der “ältestens Einwohnerin von Nöbdenitz”, zu den Nöbdenitzern, die sich seit 2014 ganz intensiv für deren Erhaltung stark machen, und natürlich zur Grabstätte unter dem hohlen Baum.

Zurück in der Kita dichteten die Kinder und Erzieherinnen sogar ein Lied über die 1000-jährige Eiche, in dem es zum Beispiel heißt: “Die Eisenringe halten dich, damit du lange bei uns bist.” Außerdem malten die Kinder die Eiche, viele betonten in ihren Bildern die Stützen und starken Eisenringe, die den Baum teilweise schon seit Anfang des 19. Jahrhunderts halten, und andere malten die Kinder und Erzieher neben den Baum.

Das alles passt wunderbar zu der aktuell im Vorfeld des Internationalen Museumstags am 22. Mai laufenden Aktion #PaintMuseum, die dazu einlädt, Museumsstücke und kulturelles Andenken zu malen oder zu zeichnen und in den sozialen Netzwerken zu teilen.

Hans Wilhelm von Thümmel bekommt eine Ausstellung und eine Biografie

Darstellung der Grabeiche Thümmels aus dem 19. Jahrhundert (Museum Burg Posterstein)
Darstellung der Grabeiche Thümmels aus dem 19. Jahrhundert (Museum Burg Posterstein)

Das Museum Burg Posterstein nimmt nicht nur am Museumstag mit einem besonderen Programm teil, sondern bereit auch schon intensiv die nächste Sonderausstellung vor. Die Ausstellung “Im Dienste der Ernestiner: Hans Wilhelm von Thümmels Aufstieg vom Pagen zum Minister” soll an die diesjährige Thüringer Landesausstellung „Die Ernestiner – eine Dynastie prägt Europa“ anknüpfen. Von 26. Juni bis 31. Oktober 2016 möchte das Museum dem verdienstvollen Altenburger Minister erstmals eine eigene Schau samt Biografie widmen. Und so viel vorweg: Auch die 1000-jährige Eiche wird darin eine große Rolle spielen.

Von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

Bloggen zur #MuseumWeek: Ein Resümee für den Blog der Burg Posterstein

LogoMW_PostersteinIm vorangegangenen Blogpost haben wir unsere Teilnahme an der internationalen #MuseumWeek ausgewertet. Nun sind auf Twitter Nachfragen eingangen, in wie weit die tägliche Blog-Begleitung unseren Museumsblog positiv beeinflusst habe. Dazu wollen wir an dieser Stelle ein kurzes Resümee geben.

Unsere Website und der Blog sind der ideale Ort für Forschungsergebnisse, die teilweise in der Dauerausstellung gar keinen Platz finden zu publizieren. Der Blog des Museums Burg Posterstein baut darauf auf, nur selten kurzfristige Themen zu bewerben. Stattdessen setzen wir grundsätzlich auf Blogposts mit langfristigem Mehrwert. Dass das gut funktioniert sehen wir in der Blogstatistik daran, dass Artikel über Rittergüter und die Geschichte der Region Altenburg auch nach Jahren noch häufig angeklickt werden. Zwei der Schenkungen, die wir in unserer aktuellen Sonderausstellung zum Wandermaler Friedrich Mascher zeigen, sind nur zu uns gekommen, weil bei der Google-Suche nach Friedrich Mascher der Blog des Museums Burg Postersteins unter den ersten Suchergebnissen erschien. Bei den beiden Bildern handelt es sich um sehr seltene, bisher noch unbekannte bürgerliche Portraits des Pastellmalers.

Zur #MuseumWeek bloggten wir daher täglich zu Themen, die auch langfristig interessant sein könnten. Über Themen, die für ein internationales Publikum interessant sein könnten, schrieben wir auf Englisch. Ein ziemlicher Aufwand, der sich unserer Meinung nach aber gelohnt hat. Hier ein paar Zahlen aus der Blogstatistik:

  • Während der #MuseumWeek stiegen die Zugriffszahlen auf unseren Blog um 150 Prozent.
  • Rund zehn mal häufiger als in einer Durchschnittswoche kamen die Leser über Twitter zu uns, rund sieben Mal häufiger als sonst klickten Facebook-Leser auf den Blog.
  • Der Anteil der Leser von außerhalb Deutschlands stieg während der #MuseumWeek allerdings nur marginal und hielt sich bei rund 14 Prozent.
  • Die Anzahl der durchschnittlichen Likes pro Woche stieg um rund 750 Prozent, kommentiert wurde aber kaum – die eigentlichen Gespräche fanden auf Twitter statt.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Bloggen für das Museum Burg Posterstein einen großen Mehrwert bietet – dass sich dieser aber nur selten in Zahlen messen lässt. Für uns zählen vielmehr die sich daraus ergebenden ungeplanten Querverbindungen und neuen Netzwerke.

Von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

#futureMW: Die Wiederbelebung des Postersteiner Burgbergs – Teil 2

LogoMW_PostersteinBereits letztes Jahr zur #MuseumWeek bei uns im Blog ein Thema, gibt es in diesem Jahr ein Update zur Zukunft des Postersteiner Burgbergs. Heutiges Tagesthema der weltweiten Museumswoche auf Twitter und in anderen sozialen Netzwerken ist #futureMW.

Eine Machbarkeitsstudie, durchgeführt vom Planungsbüro IPU Erfurt und finanziert mit Mitteln der Thüringer Staatskanzlei, der Gemeinde Posterstein und des Museumsvereins Burg Posterstein e. V., hat die Machbarkeit des Projekts bestätigt.

Die historischen Gebäude sind gekauft, die Machbarkeitsstudie erfolgreich abgeschlossen, die Finanzierung auf einem guten Weg
Die historischen Gebäude sind gekauft, die Machbarkeitsstudie erfolgreich abgeschlossen, die Finanzierung auf einem guten Weg

Seit über einem halben Jahr arbeitet der Förderverein Burgberg Posterstein e. V. mit Planungsbüro und Architekt intensiv an der Umsetzung. Ein Finanzierungskonzept einschließlich der Zusicherung von Fördermitteln aus dem Programm der Dorferneuerung steht und die Gemeinde Posterstein möchte das nachhaltige Zukunftsprojekt für den Burgberg unbedingt umsetzen.

Geplante Neugestaltung des Burgbergs

Das Gesamtvorhaben „Gemeinsam nicht einsam- neues Leben auf dem Land“ möchte beispielhaft aufzeigen, wie das Leben im ländlichen Raum, aufbauend auf den bestehenden Qualitäten und Stärken des dörflichen Lebens, funktionieren kann. Ziel des Vorhabens ist es, den Burgberg wieder mit Leben zu erfüllen, eine Nutzungsmischung aus Wohnen, Arbeiten und Freizeit/Tourismus zu etablieren und so Posterstein als Wohn-, Arbeits-, Sozial-, und Kulturraum zu erhalten und weiter zu entwickeln.

Posterstein?!

Posterstein ist eine Gemeinde mit 427 Einwohnern (Stand 2013) im Landkreis Altenburger Land. Sie liegt im strukturschwachen ländlichen Raum zwischen Gera und Altenburg. Posterstein, mit dem Ortsteil Stolzenberg, liegt inmitten einer sanfthügligen, durch die Mäander der Sprotte geprägten, Landschaft. Über der Sprotte in Posterstein, erhebt sich die gleichnamige mittelalterliche Höhenburg mit dem 25 Meter hohen Bergfried als äußerem Wahrzeichen. Die Gemeinde verfügt durch die Autobahnanschlussstelle Ronneburg über einen direkten Anschluss an die A4 (Eisenach-Dresden).

Posterstein: historische Fachwerkhäuser und Bauerngärten, Rad-Wanderwege und über allem thront die Burg (Foto: Petra Nienhold/Museum Burg Posterstein)
Posterstein: historische Fachwerkhäuser und Bauerngärten, Rad-Wanderwege und über allem thront die Burg (Foto: Petra Nienhold/Museum Burg Posterstein)

Laut Regionalplan Ostthüringen liegt Posterstein an der touristischen Infrastrukturachse Gera- Ronneburg- Altenburg. Durch Posterstein führen der Thüringenwanderweg, der Lutherweg und die überregionalen Radwege „Thüringer Städtekette“ sowie die Mittellandroute (D-Netz Route 4) und die Bauerngartenroute (Begleitprojekt Bundesgartenschau 2007). Rad- und Wanderwege, das Postersteiner Ritterturnier und das Seifenkistenrennen bringen insgesamt jährlich über 30.000 Touristen in die Gemeinde.

Ein kulturträchtiger Ort

Die Burg beherbergt seit 1952 das Regionalmuseum des Landkreises, das jährlich rund 22.000 Besucher anzieht. Der Burgberg Posterstein hat für das Altenburger Land und die Region Ostthüringen somit nicht nur historische, sondern auch touristische Relevanz. Die ständige Ausstellung des Museums zeigt vor allem die Burggeschichte und vielfältige Ausstellungen zur regionalen Kulturgeschichte. Davon ist die Exposition zum Musenhof Löbichau der Herzogin von Kurland die umfangreichste Ausstellung zu diesem Teil der europäischen Salongeschichte in einem deutschen Museum.

Kauf der historischen Rittergutsgebäude

Das gesamte Areal des Burgbergs besteht neben der im Eigentum des Landkreises befindlichen Burg, aus dem Herrenhaus, dem ehemaligen Pferdestall sowie dem Lager (ehemalige Scheune), die nun Eigentum des Fördervereins Burgberg Posterstein e.V. sind und zwei weiteren privaten Gebäuden.

Im November 2015 gab es zum ersten Mal die Möglichkeit, das renovierungsbedürftige Herrenhaus zu besichtigen.
Im November 2015 gab es zum ersten Mal die Möglichkeit, das renovierungsbedürftige Herrenhaus zu besichtigen.

Der bauliche Zustand des Herrenhauses, des Pferdestalls und des Lagers sind seit Jahren teilweise mangelhaft. Die bis November 2015 in privater Hand befindlichen Gebäudekomplexe (Scheune, Pferdestall, Herrenhaus) stehen seit 1993 leer und verfielen zusehends. Der Nordflügel der Burg wurde nach der Bodenreform bis auf das Kellergeschoss abgerissen.

Neue Strategie für die ländliche Entwicklung

Posterstein, wie viele Dörfer im ländlichen Raum, unterlag bzw. unterliegt einem starken strukturellen Wandel: die Anzahl der Arbeitnehmer in der Landwirtschaft nimmt ab, ebenso gehen die Arbeitsplätze im Ort zurück. Dafür steigt die Zahl der Pendler, was zu einer Trennung von Arbeitsplatz und Wohnort und somit zu längeren Wegen führt. Aufgrund der Globalisierung der Märkte rücken lokale Produkte in den Hintergrund und die Bevölkerung verliert den Bezug zu Produkten aus der Region und der Produktion von Lebensmitteln.

Der frühere Nordflügel der Burg Posterstein ist derzeit eine Ruine.
Der frühere Nordflügel der Burg Posterstein ist derzeit eine Ruine.

Regionales touristisches Informationszentrum in der Burg Posterstein

Ziel ist der Wiederaufbau des Nordflügels der Burg, um ein unentgeltliches touristisches Informationszentrum dort einzurichten. Gebäudeform und äußeres Aussehen des Neubaus orientieren sich dabei am historischen Vorbild. Alle baulichen Vorhaben sollen Bezug nehmen auf die Geschichte des ehemaligen Gutshofes und gleichzeitig moderne Elemente wie Barrierefreiheit und energetische Selbstversorgung durch Nutzung regenerativer Energien einbeziehen.

Eine Stärke des Tourismus im Altenburger Land ist hohe Zahl von Übernachtungen (von 2002 bis 2014 rund 22% mehr Übernachtungen). Schwächen sind der teilweise hohe Sanierungsbedarf bei Baudenkmälern, fehlende Nutzungskonzepte bei diesen sowie die partiell unzureichende Infrastruktur für Touristen außerhalb der Verdichtungsräume (Geschäfte, Cafés, Freisitze etc.). Zudem gibt es keine etablierten touristischen Leuchttürme außerhalb der Zentren.

Potentiale des Oberes Sprottentals

Auf der regional bedeutsamen touristischen Infrastrukturachse Gera-Ronneburg-Altenburg gibt es, ausgenommen in Altenburg und Gera selbst, keine touristischen Informationszentren, die als Anlaufpunkt für Gäste und Einheimische dienen. Einziger Anlaufpunkt für Touristen ist das Museum der Burg Posterstein, das weder die räumliche noch personelle Ausstattung besitzt, um Gästen vollumfängliche Beratungen anzubieten. Die touristische Vermarktung des Oberen Sprottetals, und somit des südlichen Teiles des Landkreises, übernimmt aktuell der Tourismusverband Altenburger Land e.V. sowie die Tourist-Information im 22 km entfernten Altenburg.

Blick vom Burgturm auf den Burgberg Posterstein
Blick vom Burgturm auf den Burgberg Posterstein

Hier besteht dringender Handlungsbedarf, denn ein touristisches Informationszentrum ist eine wichtige infrastrukturelle Voraussetzung für die erfolgreiche Vermarktung der Region. Die Regionale Entwicklungsstrategie LEADER identifiziert als Handlungsbedarf eine „Verbesserung des touristischen Angebotes auch außerhalb des touristischen Leuchtturms Altenburg“. Der Aufbau eines “ländlichen Reisebüros” Koordinationsstelle für die touristischen Aktivitäten in der Region kann dazu beitragen, die Stärken der Region sichtbar zu machen und die Schwächen anzugehen und so das touristische Angebot zu verbessern und die gesamte Region positiv zu entwickeln. Gleichzeitig soll eine Vernetzung der Akteure in lokalen Clustern, die zielgruppenbezogen gemeinsam Infrastrukturprojekte und Marketingaktionen erarbeiten und durchführen, stattfinden.

Geplant: Zentrum für Natur und Kultur

Rosine Hahn - gemalt von Friedrich Mascher, Schloss- und Spielkartenmuseum Altenburg, Inv.-Nr. SM 2224
Die wohlhabende Altenburger Bauersfrau Rosine Hahn – gemalt von Friedrich Mascher, Schloss- und Spielkartenmuseum Altenburg, Inv.-Nr. SM 2224

Es soll ein Zentrum für Natur und Kultur entstehen, das das einmalige landwirtschaftliches Gewerbe, den Anbau von Heil-, Duft- und Gewürzpflanzen mit historischen Informationen verbindet. Damit wird angeknüpft an die Gegenwart und Vergangenheit der leistungsstarken Landwirtschaft im Altenburger Land. Den Erzeugern von Heil-, Duft- und Gewürzpflanzen in der Region und in ganz Thüringen soll so eine Bühne geboten werden über ihre Produkte und die Art und Weise der Erzeugung ihrer Rohstoffe zu berichten. Diese Aufgabe kann die Tourist-Information in Teilen mit übernehmen. Auf regionaler Ebene trägt die Maßnahme dazu bei, einen weiteren touristischen Leuchtturm, außerhalb Altenburgs zu schaffen und somit das touristische Angebot der Region zu erweitern.

Eine Zertifizierung der Tourist-Information nach den Kriterien der i-marke (bundesweite Zertifizierung für Tourist-Informationen des Deutschen Tourismusverbands) wird angestrebt, um von Anfang an einen hohen Qualitätsstandard zu garantieren.

Von Klaus Hofmann / Museum Burg Posterstein

Zum Weiterlesen:
Förderverein Burgberg Posterstein
Der Traum vom belebten Burgberg
Aktuelle Sonderausstellung zur Bauernkultur im Altenburger Land

#heritageMW: Beautiful and mystical baroque carvings in Posterstein Church

LogoMW_PostersteinA whole week on Twitter is dedicated to the museums in the world: #MuseumWeek. At Posterstein Castle we blog on each days hashtag. Today everybody tweets and talks about #heritageMW, our chance to point at the mystical boroque castle church in Posterstein:

Burg Posterstein mit Kirche
Posterstein castle and church

Seen from outside, nobody would expect something special inside the small church of Posterstein. Built inside the former castle mout, the church looks small compared to the castle itself. After fights with the neighbouring landlords in Nöbdenitz, the owners of Posterstein Castle built their own church in the second half of the 16th century.

Legendary baroque splendour

Detail des barocken Schnitzwerkes in der Burgkirche Posterstein (Picture: Museum Burg Posterstein)
Detail of the varoque carvings in the church of Posterstein (Foto: Museum Burg Posterstein)

Although the church community always has been protestant, the church looks nearly cathlic style inside. The church became famous for the extremely rich equipment with baroque carvings that demonstrate masterly craftsmanship. The altar is seen as the highlight of the works. The baldachin, on which the passion is shown, is supported by four open-work, spiral hollow columns, made of one piece and decorated with leaves, tendrils and grapes. The pulpit shows the figures of the four evangelists and is crowned by a “roof” with a tall angel on top.

The artwork and the murder case

Inschrift unter der Empore in der Postersteiner Burgkirche
Inscribtion underneath the gallery of Posterstein church (Picture: Museum Burg Posterstein)

The only lead to the artist of Posterstein church’s wood carvings is a small inscription underneath the gallery: “Johannis Hopf 1689”. An old Posterstein legend tells that Johannis Hopf was a wood carver who committed a deadly crime on his way through the local region and was sent to the prison of the fortress. During his captivity he is supposed to make the carvings in the chapel. It is said that Hopf’s death penalty was changed into life long imprisonment as a reward for the magnificent decoration of the church.

In spite of intensive research the true story of the Posterstein carvings could not be explored yet.

Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

Read more:
The Church of Posterstein

Jede Veranstaltung zählt, je mehr desto besser: Burg Posterstein zu Gast im Erzählcafé im Renaissanceschloss Ponitz

Ponitz_8_600pxKaum eine Gemeinde, die nicht mit der “Landflucht” junger Menschen zu kämpfen hat. Sie machen es meist nicht mal mit Absicht: Zur Ausbildung oder zum Studium ziehen Jugendliche in die Städte, dort finden sie neue Freunde, einen Partner, gründen eine Familie – und gewöhnen sich daran, dass rund herum ständig was los ist und Einkaufsmöglichkeiten bestehen.

Unsere Marketingbeauftragte Marlene Hofmann und Museumsmitarbeiterin Franziska Engemann, die mitverantwortlich für das museumspädagogische Programm im Museum Burg Posterstein ist, nehmen am 8. März 2016, 15.30 Uhr, im Renaissanceschloss Ponitz an einem Erzählcafé der Heinricht Böll-Stiftung teil – Thema: Stadt UND Land für Alt UND Jung, wie erreicht man junge Zielgruppen.

Warum sollten junge Menschen zurück aufs Land kommen?

An dieser Stelle muss man als Kommune ansetzen, sich seiner Standortvorteile gegenüber der Stadt bewusst werden, sie fördern, bewerben und ausbauen. Ganz oben auf der Liste dieser Vorteile, die es durchaus gibt, wird vermutlich die Naturnähe stehen, die Weite, die Ruhe, die Familienfreundlichkeit. Aber auch, wenn man als junge Familie einen eigenen Garten hat, möchte man auf gewissen Komfort nicht verzichten. Es braucht Sport- und Freizeitangebote, Spielplätze, Kultur und Veranstaltungen, Anbindungen an den öffentlichen Nah- und Fernverkehr, Arbeitsplätze in nicht allzu weiter Entfernung, eine Grundversorgung bzw. einfachen Zugang dazu (z.B. im Nachbardorf).

Das Herrenhaus des ehemaligen Ritterguts Posterstein nach über 20 Jahren Leerstand.
Das Herrenhaus des ehemaligen Ritterguts Posterstein nach über 20 Jahren Leerstand.

An diesen Gedanken knüpft auch die noch junge Initiative “Gemeinsam nicht einsam: – neues Leben auf dem Land” an, die der Förderverein Burgberg Posterstein e.V. ins Leben gerufen hat. Ziel ist es nicht nur, das historische Herrenhaus zu sanieren, sondern die Rahmenbedingungen für ein reichhaltiges Zusammenleben von Jung und Alt zu schaffen. In Zusammenarbeit mit der Gemeinde Posterstein, dem Museumsverein und den Vereinen und Bürgern Postersteins soll Posterstein als Wohn-, Arbeits-, Sozial- und Kulturraum gestärkt und gefördert werden.

Zusammenarbeit und gemeinsame Kommunikation sind gefragt

Alle Bedürfnisse der Einwohner im ländlichen Raum kann kaum eine Gemeinde allein erfüllen und muss es auch nicht. Denn oft ist man zu Fuß, per Fahrrad, mit Bus, Bahn oder Auto schnell im nächsten Ort. In vielen Gemeinden im Altenburger Land existiert ein reges Vereinsleben, es gibt auch lokal engagierte Betriebe und Gewerbetreibende, es gibt Sehenswürdigkeiten und Wanderwege. Gemeinden müssen also zusammenarbeiten, statt sich als Konkurrenten zu sehen. Jede Veranstaltung, jeder Sportverein, jeder Freizeitklub zählt. Je mehr passiert, desto besser. Gleichzeitig muss man öffentlich darüber “reden” – und vor allem auch dort, wo die Zielgruppe sich informiert, also auch im Social Web.

Die 1000-jährige Eiche in Nöbdenitz, im Hintergrund die Dorfkirche Nöbdenitz
Besucher an der 1000-jährigen Eiche in Nöbdenitz, geführt von einer Mitarbeiterin der Kultur- und Bildungswerkstatt “Hans Wilhelm von Thümmel” in Nöbdenitz

Das Museum Burg Posterstein zieht jährlich über 20.000 Besucher nach Posterstein, darunter rund 2000 Schüler. Das Mittelalterspektakel, das jedes Jahr zu Pfingsten auf dem Burgberg und in der Burg stattfindet, ist dabei ganz klar das Besucher-Highlight. Viele weitere tausend Besucher kommen zu Großveranstaltungen wie dem Postersteiner Seifenkistenrennen, das am ersten Augustwochenende jedes Jahr Schauplatz für den Mitteldeutschland-Cup ist und viele Familien in den Ort lockt. In den Nachbarort Nöbdenitz, bekannt für seine 1000-jährige Eiche mit dem Grab des Ministers Hans Wilhelm von Thümmel, führt ein interaktiver, familienfreundlicher Wanderweg – der Sprotte-Erlebnispfad. Thüringenweg, Thüringer Städtekette, Bauerngartenroute und Lutherweg kreuzen hier ebenfalls. Die Kultur- und Bildungswerkstatt im Pfarrhof Nöbdenitz lockt mit ihren Veranstaltungen ein Publikum aus der ganzen Region. Es gibt mehrere Vereine, deren Mitglieder sich für die Region engagieren. Mit dem Rad kann man auf naturschönen Radwegen weiter nach Schmölln und Altenburg fahren. Auch das nahe Schloss Ponitz mit seinem aktiven Förderverein und das Deutsche Landwirtschaftsmuseum im Schloss Blankenhain in Sachsen erreicht man schnell. Die Liste könnte noch lange weiter geführt werden.

Die Region als Ganzes sehen: Beispiel Sonderausstellung Friedrich Mascher

Umfangreiche Kooperationen unterstützen und ergänzen die Sonderausstellung zum Portraitmaler Friedrich Mascher
Umfangreiche Kooperationen unterstützen und ergänzen die Sonderausstellung zum Portraitmaler Friedrich Mascher

Wichtig ist aber, Veranstaltungen und Initiativen gemeinsam zu bewerben und sich gegenseitig zu fördern, auch im Internet. Auf Facebook, Twitter, Blog und Website weisen wir auch gern auf andere Kulturveranstaltungen hin, denn es macht die Region als Ganzes attraktiver für eine – nicht nur junge – Zielgruppe vor Ort. Zur aktuellen Sonderausstellung “Der Portraitmaler Friedrich Mascher” gibt es Kooperationen mit dem Schloss- und Spielkartenmuseum Altenburg, der Geschichts- und Altertumsforschenden Gesellschaft des Osterlandes zu Altenburg, mit dem Künstler Tilman Kuhrt aus Altenburg und auch ganz lokal mit dem Elegant-Hotel zur Burg, das das passende Menü zur Ausstellung anbietet. Auch für die nächste Ausstellung zum Altenburger und Gothaer Minister Hans Wilhelm von Thümmel, dessen Grab sich unter der bereits erwähnten 1000-jährigen Eiche befindet, liegen solche Kooperationen auf der Hand. Gemeinsame Werbung auf allen Kanälen und eine kulturelle Vielfalt erst schaffen ein attraktives Bild des ländlichen Raums, in dem wir junge wie ältere Einwohner wie Gäste locken und halten wollen.

Hintergrundinfos zur Veranstaltung “Erzählcafé: Stadt UND Land für Alt UND Jung”

Zum Projekt: Gemeinsam nicht einsam – neues Leben auf dem Land

Von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

Auf dem Postersteiner Burgberg tut sich etwas: Rittergutsgebäude wechseln den Eigentümer

Das Herrenhaus des ehemaligen Ritterguts Posterstein nach über 20 Jahren Leerstand.
Das Herrenhaus des ehemaligen Ritterguts Posterstein nach über 20 Jahren Leerstand.

Seit dem März, als wir während der #MuseumWeek noch vom geplatzten Traum vom belebten Burgberg berichteten, hat sich einiges getan. Es hat sich der Förderverein Burgberg Posterstein e.V. gegründet und am 14. Oktober 2015 die verbleibenden Gebäude des ehemaligen Ritterguts Posterstein gekauft. Mit Hilfe von Spenden und Fördermitteln wollen die engagierten Bürger das Mammutprojekt in Angriff nehmen und das seit 20 Jahren leer stehende Herrenhaus sanieren sowie den gesamten Burgberg umgestalten.

Gemeinsam und mit der Unterstützung des Landkreises, der Gemeinde Posterstein, von regionalen Firmen, dem Museum Burg Posterstein und tatkräftigen Bürgern möchte der Verein an einem zukunftsfähigen Burgberg arbeiten – ökologisch, sozial und kulturell nachhaltig gestaltet, und somit gewappnet für bevorstehende Herausforderungen, wie den demografischen Wandel, eine unabhängige, klimaneutrale Energieversorgung oder Strukturabbau. Der Thüringer Kulturminister signalisierte bei seinem Besuch in Posterstein Interesse und sicherte dem Projekt finanzielle Starthilfe zu.

Historisches Herrenhaus stand seit 1993 leer

Das Herrenhaus des ehemaligen Ritterguts Posterstein, das im Zuge der Bodenreform 1945 enteignet wurde, stand seit 1993 leer. Erstmalig bot sich nun die Chance zum Rückkauf des Herrenhauses sowie der verbleibdenden Rittergutsgebäude.

Inzwischen wurde mit Geldern der Thüringer Staatskanzlei eine Machbarkeitsstudie für die Realisierung des Konzepts “Gemeinsam nicht einsam” in Auftrag gegeben. Die Ergebnisse der Studie sollen zu gegebener Zeit öffentlich in einer Bürgerversammlung vorgestellt werden. Parallel ist die Notsicherung des Gebäudes im Gange. Führungen im unsanierten Gebäude sind geplant. Ein paar Eindrücke vom Zustand des Hauses geben die hier erstmals gezeigten Fotos.

Berühmter Gast auf dem Postersteiner Rittergut: Hans Fallada

Die Geschichte des Postersteiner Ritterguts ist eng verknüpft mit der der Burg Posterstein. Die letzten Rittergutsbesitzer (1833-1945) waren die Familie Herrmann. Ein berühmter “Eleve” in dem landwirtschaftlichen Betrieb war von 1913 bis 1915 Rudolf Ditzen, der hier seine Ausbildung zum Landwirt – mit Spezialisierung auf die Kartoffelzüchtung – absolvierte. Viel bekannter ist der spätere Schriftsteller unter seinem Künstlernamen Hans Fallada.

Zum Weiterlesen:
Die Projektidee “Gemeinsam nicht einsam”
Der Verein Förderverein Burgberg Posterstein e.V.
Hans Fallada in Tannenfeld und Posterstein

Auf den Spuren des Wiener Kongresses: Bildungsfahrt des Museumsvereins

Passend zur aktuellen Sonderausstellung “Salongeschichten” führte die diesjährige Bildungsfahrt des Museumsvereins Burg Posterstein nach Wien. Über das Wandeln auf den Spuren der großen Staatsmänner und der einflussreichen Salondamen vom 23. bis 27. September 2015 berichtet Vereinsmitglied Monika Diedrich:

Kopie der Akte des Wiener Kongresses in der Ausstellung "Idee Europa" im Bundeskanzleramt Wien.
Kopie der Akte des Wiener Kongresses in der Ausstellung “Idee Europa” im Bundeskanzleramt Wien.
26 Mitglieder des Fördervereins begaben sich anlässlich der 200jährigen Wiederkehr des Wiener Kongresses (1814/15) nach Wien. Bei diesem Kongress wurde die Neugestaltung Europas nach 23 Jahren „Napoleonischer Kriege“ verhandelt. Die Töchter der Herzogin von Kurland – Wilhelmine von Sagan und Dorothée von Dino-Talleyrand – spielten dabei keine unwesentliche Rolle. Der Postersteiner Museumsverein wollte dieses Geschehen so gut wie möglich nacherleben.

Erste Station: Stifterhaus Linz

Passend zur Sonderausstellung "Salongeschichten" besichtigte der Museumsverein das Stifterhaus in Linz, das Wohnhaus Aldelbert Stifters (1805–1868).
Passend zur Sonderausstellung “Salongeschichten” besichtigte der Museumsverein das Stifterhaus in Linz, das Wohnhaus Aldelbert Stifters (1805–1868).
Erste Station auf der Reise war Linz, wo die Besichtigung des Stifterhauses, dem Wohnhaus Aldelbert Stifters (1805–1868), anstand. Die Einblicke in das Schaffen Stifters stehen in unmittelbarem Zusammenhang mit unserer aktuellen Sonderausstellung „Salongeschichten“. Die darin erstmals gezeigte einmalige Sammlung von Zeichnungen des Malers Ernst Welker (1784/88–1857) stammen aus dem Besitz von Emilie von Binzer (1801–1891). Die Schriftstellerin, eine Pflegetochter Wilhelmine von Sagans, unterhielt zwischen 1849 und 1870 in ihren Häusern in Linz und Altaussee musische Kreise. Freundschaften verbanden sie mit Adalbert Stifter und Franz Grillparzer (1791–1872). Ihre Erinnerungen an den Musenhof in Löbichau hielt sie 1877 im Buch “Drei Sommer in Löbichau. 1819-21” fest.

An den Schauplätzen des Wiener Kongresses

Die Mitglieder des Museumsvereins im Bundeskanzleramt, wo einst die Schlussakte des Wiener Kongresses unterzeichnet wurde.
Die Mitglieder des Museumsvereins im Bundeskanzleramt, wo einst die Schlussakte des Wiener Kongresses unterzeichnet wurde.
Mit einer Stadtführung rund um die Wiener Hofburg versuchten wir uns, die Handlungsorte der Kongressteilnehmer und deren Gefolge zu veranschaulichen. Höhepunkt war der Besuch im Bundeskanzleramt, der früheren österreichischen Staatskanzlei und Amtssitz Metternichs, wo die Schlussakte des Kongresses unterzeichnet wurde.

Anlässlich des 200. Jahrestages wurden die Räumlichkeiten im Rahmen der Ausstellung „Idee Europa – der lange Weg Europas zu einem Kontinent des Friedens“ für Besucher geöffnet und mit einer Führung zum Thema zugänglich gemacht. Begleitend zur Ausstellung ist ein umfangreicher Katalog erschienen.

Der Kongress fährt

Phaeton-Schlitten des Fürsten Windisch-Graetz - Foto: WGBG_DP_13_G_340_01; Wien, 1814 – 1815 Kaiserliche Wagenburg Wien; Reiches  Schlittengeschirr des Wiener Hofes Wien, 1814 – 1815 Kaiserliche Wagenburg Wien © KHM
Phaeton-Schlitten des Fürsten Windisch-Graetz – Foto:
WGBG_DP_13_G_340_01; Wien, 1814 – 1815
Kaiserliche Wagenburg Wien; Reiches Schlittengeschirr des Wiener Hofes
Wien, 1814 – 1815
Kaiserliche Wagenburg Wien © KHM

Pracht und Ruhm des Kaiserlichen Wien wurden nochmals offenbar beim Besuch des Prunksaals der Nationalbibliothek. Den Abschluss des Wien-Besuches bildete der Besuch von Schloss Belvedere und Schloss Schönbrunn, mit der Ausstellung „Der Kongress fährt“ in der Kaiserlichen Wagenburg. Thematisiert wurden hier anschaulich die logistischen Aufwendungen während der Kongresszeit und der Fuhrpark, der den Kongressteilnehmern zur Verfügung stand. Das Bild oben ist ein Pressebild der Kaiserlichen Wagenburg.

Abstecher nach Ungarn und in die Slowakei

Das Schloss des Fürsten Esterhazy in Fertöd in Ungarn.
Das Schloss des Fürsten Esterhazy in Fertöd in Ungarn.
Nicht nur Wien stand auf dem Reiseprogramm, sondern auch das Schloss des Fürsten Esterhazy in Fertöd in Ungarn und die Hauptstadt der Slowakei Bratislava. Schade nur, dass es in Strömen regnete und man nur einen vagen Eindruck von der schönen Stadt haben konnte.

Alles in allem waren es lehrreiche (anstrengende) Tage für die Postersteiner Besucher, die dafür aber einen lebendigen Einblick in die Zeitumstände des Wiener Kongresses von 1815 bekamen.

Von Monika Diedrich / Museumsverein Burg Posterstein e.V.

Radtour über die Thüringer Städtekette: Zwischenstation Burg Posterstein

Burg Posterstein liegt am Radweg Thüringer Städtekette und lädt ein, hier Zwischenstation zu machen.
Burg Posterstein liegt am Radweg Thüringer Städtekette und lädt ein, hier eine kulturelle Auszeit zu machen.

In Posterstein kreuzen sich verschiedene Rad- und Wanderwege: Thüringenweg, Städtekette, Lutherweg, Sprotte-Erlebnispfad und Bauerngartenroute. Eine Streckenkontrolle, bestehend aus Radwegplanern und Touristikern aus ganz Thüringen, fuhr heute bei schönstem Herbstwetter den beliebten Radweg Thüringer Städtekette von Gera nach Altenburg ab, um mögliche Schäden zu dokumentieren und die Nutzerfreundlichkeit des Radweges zu testen. Auf Burg Posterstein machten sie Rast.

Der Ort Posterstein bietet mit mehreren Gaststätten und Übernachtungsmöglichkeiten und dem Museum Burg Posterstein eine gute Gelegenheit für einen Zwischenhalt. Vor der Burg Posterstein gibt es Fahrradständer und im Museum Schließfächer für Helme und Rucksäcke, Rad-Wanderkarten und reichlich Gelegenheit, bei einer Pause mehr über die Geschichte der Region zu erfahren.

Radplaner und Touristiker aus ganz Thüringen testeten heute die Qualität des Radwegs Thüringer Städtekette und machten Halt auf Burg Posterstein.
Radplaner und Touristiker aus ganz Thüringen testeten heute die Qualität des Radwegs Thüringer Städtekette und machten Halt auf Burg Posterstein.

Das Museum Burg Posterstein hat jährlich rund 20.000 Besucher – viele davon kommen per Fahrrad. Großereignisse wie das Mittelalterspektakel und das Postersteiner Seifenkistenrennen ziehen jedes Jahr tausende Schaulustige in den kleinen Ort. Dass die Thüringer Museen 2014 insgesamt über vier Millionen Besucher in den Freistaat lockten, zeigt welches Potential Museen für den Kulturtourismus darstellen.

Von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

Sonderausstellung “Salongeschichten”: Versteckte Details entdecken

Schon über 1000 Besucher haben sich die aktuelle Sonderausstellung “Salongeschichten” mit Portraitzeichnungen Löbichauer Salongäste aus dem Jahr 1819/20 angesehen. Bei mehrmaligem Hinsehen fallen versteckte Details ins Auge.

Der Maler Ernst Welker stellte die schöne Herzogin als Pudel dar. Der französische Diplomat Talleyrand schrieb ihr hunderte von Briefen.
Der Maler Ernst Welker stellte die schöne Herzogin als Pudel dar.

Beim ersten Mal schauen bleibt der Blick an den mal witzig, mal sonderbar portraitierten Personen hängen. Die Herzogin als treuer Pudel. Emilie von Binzer als dünner Spargel. Der Strafrechtler Feuerbach als Nagel. Der Gothaer Herzog als stolzen Pfau und der Dichter Schink als Brunnen, der frisches Wasser spendet. Man liest darunter die in Versform säuberlich handschriftlich verfassten Zeilen, zum Beispiel: “Der Brunnen frisches Wasser giebt / Der Baer den süssen Honig liebt”, und überlegt, was das nun mit dem bekannten Dichter und Dramaturg Johann Friedrich Schink (1755-1835) zu tun haben könnte.

Wie viele Zeichner waren hier am Werk?

Im Vers zum Portrait von Christoph August Tiedge ist eine nachträgliche Änderung deutlich erkennbar. (Museum Burg Posterstein)
Im Vers zum Portrait von Christoph August Tiedge ist eine nachträgliche Änderung deutlich erkennbar. (Museum Burg Posterstein)

Auf den zweiten Blick und im milden Licht der Ausstellungsräume gut zu erkennen, bemerkt man die zarten Bleistiftstriche, mit denen der Zeichner seine ungewöhnlichen Portraits vorgezeichnet hat. Am oberen Blattrand wurde zunächst mit Bleistift der Name der dargestellten Person vermerkt und nachträglich mit Tusche von mindestens zwei Handschriften vervollständigt. Später fügte jemand ein Kreuz hinzu – offenbar, wenn die betroffene Person zum Zeitpunkt der Recherche für Emilie von Binzers Buch “Drei Sommer in Löbichau” bereits verstorben war. In diesem Spätwerk von 1877 beschreibt die bekannte Schriftstellerin auch einige der Portraitzeichnungen, die nun in der Ausstellung zu sehen sind.

Versteckte Details und nachträgliche Veränderungen

Bei manchen Zeichnungen wird eine nachträgliche Bearbeitung erkennbar. Der Schriftsteller Christoph August Tiedge (1752-1841) beispielsweise wurde als Stuhl dargestellt. Im zugehörigen und im wahrsten Sinne des Wortes auf Biegen und Brechen gereimten Vers “Wie herrlich pranget hier der Lehn Stuhl / Den Hals bricht wer vom Dache fuhl”, hat jemand nachträglich “ein Stuhl” in “der Lehn Stuhl” geändert.

Das Buch "Salongeschichten" erscheint zur Ausstellung
Das Buch “Salongeschichten” erscheint zur Ausstellung
Die kleinformatigen, aquarellierten Zeichnungen stammen von Ernst Welker (1784/88-1857), der als Zeichenlehrer Emilie von Binzers – der Enkelin der Herzogin von Kurland – einige Sommer am Musenhof Löbichau verbrachte. Sie geben einen spannenden Eindruck in das alltägliche Leben in dem kleinen Thüringer Schloss, wo die weltgewandte Herzogin Künstler und Staatsmänner, Bürgerliche und Adlige um sich scharte. Man dichtete und spielte Theater, sang und flanierte durch die Gärten. Am Abend sammelte sich die Gesellschaft zur Teestunde. 2014 konnte das Museum Burg Posterstein die gut erhaltene Sammlung aus dem Besitz Emilie von Binzers mit finanzieller Unterstützung des Freistaates Thüringen und der Bürgerstiftung Altenburger Land ankaufen und zeigt sie noch bis 15. November im Rahmen einer Sonderausstellung. Zur Ausstellung erscheint ein gleichnamiges Buch.

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von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein