Vier Tage Südböhmen: Gast-Beitrag zur Bildungsfahrt der Mitglieder des Museumsvereins

Jedes Jahr begeben sich Mitglieder des Museumsvereins Burg Posterstein e.V. auf eine gemeinsame Bildungsfahrt. Reiseziele sind historische Orte, die unmittelbar mit den Forschungsschwerpunkten des Museums in Zusammenhang stehen. Vom 3. bis 6. Oktober 2013 führte die Reise nach Südböhmen, wo man beim Besichtigen der Schlösser von Schwarzenberg und Metternich noch tiefer in die Zeit zwischen Völkerschlacht (aktuelle Sonderausstellung) und Wiener Kongress (nächstes großes Jubiläum 2015 und Forschungsschwerpunkt “Musenhof Löbichau”) eintauchen konnte. In Plasy (deutsch: Plaß), wo sich ein Kloster und die Familiengruft Metternichs befindet, wurde nach dem Krieg auch das Familienarchiv Metternichs gefunden. Monika Diedrich, Mitglied im Museumsverein Burg Posterstein e.V., hat für diesen Gastbeitrag die Erlebnisse in Wort und Bild festgehalten. – Vielen herzlichen Dank!

Die Metternichs ließen Schloss Kynžvart (deutsch: Schloss Königswart) in Tschechien zu einem Barockschloss umbauen.
Die Metternichs ließen Schloss Kynžvart (deutsch: Schloss Königswart) in Tschechien zu einem Barockschloss umbauen.

Schon zum zweiten Male wurde auf der Fahrt in den Süden kurz vor Marienbad das Schloss Kynzvart (Königswart) besucht, das der Familie Metternich gehörte und welches der damalige österreichische Kanzler Clemens Metternich von seinem Vater zu Weihnachten geschenkt bekommen hatte – nach den Worten des kauzigen tschechischen Schlossführers. Nicht nötig war es, wie eine Teilnehmerin es aussprach, dass er auch noch zwei Säcke mit Goldtalern für den Erhalt des Schlosses hätte dazubekommen sollen, denn die Einrichtung des Schlosses – wieder nach den Worten des Führers – bestand zum größten Teil aus kleinen und großen Geschenken von Königen, vom Kaiser, vom Zar und anderen hochgestellten Persönlichkeiten jener Zeit.

Neben dem Schloss war der dazugehörige Gutshof zu einem großen Teil restauriert worden. Beim ersten, früheren Besuch befand er sich noch in einem desolaten Zustand. Im Gelände des schönen Parks liegt nun ein Golfplatz, der größte der Republik Tschechien.

Zweite Station: Das Schloss eines Heerführers

Am Nachmittag des ersten Tages kam der Bus in Krumlov (Krumau) an, einer kleinen Stadt von 13 000 Einwohnern , die umgeben ist von der Moldau, da sie in einer romantischen Flussschleife liegt. Beherrscht wird sie von einer der größten tschechischen Schlossanlagen, die von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt worden ist.

Die Schlossanlage gehörte der Familie Schwarzenberg, dessen bekanntestes Mitglied vielleicht der in Wien geborene Karl Philipp Fürst zu Schwarzenberg war, ab 1810 österreichischer Botschafter in Frankreich und ab 1813
Oberbefehlshaber der alliierten Armeen im Kampf gegen Napoleon.

Bekanntester Besitzer der opulenten Schlossanlage in Krumlov (Krumau) war Karl Philipp Fürst zu Schwarzenberg, Oberbefehlshaber der alliierten Armeen im Kampf gegen Napoleon.
Bekanntester Besitzer der opulenten Schlossanlage in Krumlov (Krumau) war Karl Philipp Fürst zu Schwarzenberg, Oberbefehlshaber der alliierten Armeen im Kampf gegen Napoleon.

Schloss- und Stadtführung am nächsten Tag machten jedem klar, warum es zu der Auszeichnung als Weltkulturerbe gekommen ist: Seit Jahrhunderten keine kriegerischen Zerstörungen, keine Plünderungen, keine Modernisierungsmaßnahmen an der Bausubstanz. Das bedeutet ganz und gar mittelalterliches Flair, wenn nicht die Touristen wären! Aber davon lebt die
Bevölkerung. Der größte Teil der Touristen ist deutschsprachig, doch 40 Prozent sind Asiaten. Ein bisschen stört der touristische Schnickschnack in den unzähligen Geschäften und Ständen schon. Und Kneipen gibt es hier! Nicht zu zählen. Das Bier läuft in Strömen.

Am dritten Tag wurde der Ort Rožmberk (Rosenberg) angefahren. Wieder eine tolle Burg, auch direkt an einer Moldauschleife gelegen, der Stammsitz des Adelsgeschlechts der Rosenberger, die in der böhmischen Geschichte eine große Rolle spielten.

Nicht weit davon – ebenfalls zu besichtigen – das wiederbelebte Kloster Vyšši Brod (Hohenfurth).

Der Wohnsitz Metternichs

Familiengruft der Familie Metternich in Plasy (deutsch Plaß)
Familiengruft der Familie Metternich in Plasy (deutsch Plaß)

Den Abschluss des viertägigen Ausflugs bildete nach einer deftigen Mittagspause im Gärkeller der Pilsener Brauerei die Besichtigung des ehemaligen Klosters Plasy, das im 19. Jahrhundert zum Wohnsitz der Familie Metternich wurde. Und dieses Mal hatten die Vereinsmitglieder Glück, sie konnten in die Familiengruft hineingehen und den Sarg des österreichischen Kanzlers ansehen sowie die Särge seiner Familienmitglieder.

Vier Tage böhmische und österreichische Geschichte, sehr gut in Zusammenhang zu bringen mit dem großen Forschungsschwerpunkt der Burg Posterstein, dem Leben und Wirken der Herzogin Dorothea von Kurland, insbesondere, wenn man an den Wiener Kongress (1814/15) denkt, bei dem zwei ihrer Töchter wichtige Rollen spielten. (Schon damals war der Geheimdienst, Metternichs Spitzel in Wien, über alle Aktivitäten bei Tag und in der Nacht genau informiert.)

Von Monika Diedrich, Mitglied des Museumsvereins Burg Posterstein e.V.

Weitere Berichte von Bildungsfahrten: Wanderung auf den Spuren Jean Pauls

Ein wichtiges strategisches Zentrum: Altenburg während der Völkerschlacht

Karl Philipp Fürst zu Schwarzenberg was commander-in-chief of the allied armies against Napoleon in 1813
Karl Philipp Fürst zu Schwarzenberg war Oberbefehlshaber der gegen Napoleon alliierten Armeen im Jahr 2013 (Bild: Museum Burg Posterstein)

Die Pläne von Karl Philipp Fürst zu Schwarzenberg, dem Oberbefehlshaber der 1813 gegen Napoleon alliierten Armeen, zielten darauf ab, die Stadt Altenburg als strategisch wichtigen Ort einzunehmen und von hier aus die weiteren militärischen Aktionen gegen Napoleon zu organisieren.

Der sächsische, russische und preußische General Johann Adolf Freiherr von Thielemann (1765-1824) schrieb am 3. Oktober 1813 Folgendes an Schwarzenberg:

“Eure Durchlaucht erlauben mir geringstes die Bemerkung, daß für die Subsisteme der vorrückenden Armee der Besitz von Altenburg und Zeitz uns unentbehrlich ist. Beide Städte haben Schlösser, die auf Bergen liegend, als Citadellen  anzusehen sind und mit 1000 Mann Infanterie gegen eine große Uebermacht gar leicht vertheidigt werden können.”

Zar Alexander I. traf am Abend ein

Tatsächlich erwies sich Altenburg als geeigneter Ort, der nicht nur in der Lage war zehntausende Soldaten über einen längeren Zeitraum zu versorgen, sondern auch Platz bot für die Oberbefehlshaber, Diplomaten, Generäle und ihr Gefolge. Am 7. Oktober 1813 besetzten die alliierten Truppen Altenburg. Das Hauptquartier verlegten sie am 11. Oktober aus Penig dorthin. Am gleichen Tag traf auch Zar Alexander ein, der im Altenburger Schloss residierte. Ihm folgten der österreichische Außenminister Metternich, der englische Gesandte Cathcart, der russische Diplomat Nesselrode sowie weitere Politiker und hohe Militärs.

Am 14. Oktober erhielt der österreichische Kaiser Franz von Schwarzenberg die Nachricht, dass ein Aufenthalt in Altenburg sicher sei. Der preußische König und der österreichische Kaiser erreichten Altenburg am 15. Oktober und logierten ebenfalls im Schloss.

Eine 10.000 Einwohner-Stadt versorgt in einem Jahr über 500.000 Militärs

In der Stadt Altenburg, die damals knapp 10.000 Einwohner hatte, sollen im Jahr 1813 insgesamt 671 Generäle, 46.617 Offiziere und 472.399 Soldaten einquartiert gewesen sein. Allein im September und Oktober 1813 soll die Stadt für die Truppen die unglaubliche Summe von 147.681 Talern ausgegeben haben.

Der Altenburger Regierungs- und Finanzrat Friedrich Wagner (1792-1859) beschrieb in seiner “Chronik der Herzoglichen Residenz- und Hauptstadt Altenburg” (zu lesen auch auf Google Books) ausführlich die Lasten des Krieges, die auf den Altenburger Bürgern lasteten. Ein Auszug:

„Auf Befehl der verbündeten Mächte wurde jetzt das große Magazin von Korn, Hafer, Kartoffeln u. s. w., wozu bereits am 8. October Forderungen gemacht worden waren, wirklich angelegt, doch wurde die Lieferung der Pflege Zeitz größtentheils nach Borna gewiesen. Von Gera trafen schon ansehnliche Lieferungen zu diesem Magazine ein. Das Logenhaus, die Garnisonkirche, das Jagdzeughaus, das Vorwerk am Schlage, die Rathswage, der Pavillon im Schloßgarten, und mehrere Scheunen wurden von diesem Magazine angefüllt, Stroh und Heu aber in ungeheuern Feumeln auf dem Gottesacker aufgethürmt. (…)”

In allen Häusern mussten 2, 3 und mehr Verwundete aufgenommen werden

Special exhibition on the battle of Leipzig in the museum Posterstein Castle near Altenburg
Sonderausstellung “Napoleon – Im Spiegel zeitgenössischer Karikaturen” im Museum Burg Posterstein

Auch Gefangene und Verwundete mussten aufgenommen und versorgt werden. Den Kanonendonner aus Leipzig konnte man bis nach Altenburg hören. Am 18. Oktober notierte Wagner: „Bei frühem Morgen begann der Donner des Geschützes von neuem, heftiger noch, als am 16., und wahrte den ganzen Tag hindurch fort. Vom Lande trafen die traurigsten Berichte über die großen Verwüstungen und die vernichteten Vorräthe ein. Schon war hier an Hafer und Heu gar nichts mehr aufzubringen, so daß an diesem Tage die Aemter Ronneburg, Eisenberg und Roda Befehl erhielten, 600 Centner Heu und 1200 Dresdner Scheffel Hafer hierher zu liefern. In der Stadt mehrten sich die Verwundeten mit jedem Augenblicke so, daß außer den Lazarethen fast in allen Häusern 2, 3 und mehr Verwundete aufgenommen werden mußten.

“Der Himmel helfe die Erndte ein bringen”

Auch auf den umliegenden Dörfern, Höfen und Rittergütern war die Last des Krieges zu spüren.

Die Herzogin von Kurland, Besitzerin des Ritterguts Löbichau, schrieb bereits am 22. Juli und am 6. August 1813 an die Gräfin Kielmannsegge:

„Seit dem 25. März ist dies Land ohne Einquartierungen bis jetziger, keinen Tag gewesen. Wir haben hier alle Farben alle Religions Verwandte gehabt. Und bis zum 2ten may die alliierten, die bey ihrem Abzuge alles mitnahmen an Pferde, Vieh, u. lehrten die Speycher bis aufs letzte Korn. – das Jahr 1813 muß sich in seiner üblen Deutung bewährt machen – wären wir nur schon am Ende desselben (…)

Die Menge der Truppen zu Pferde, zu Fusse u. Artellerie Trains ziehen alle durch das Altenburger Land, wie auch eine Menge Wagen mit Pulver Mehl u. Reiß – sodaß seit Monate 12 hundert gespannte Pferde aus diesem Fürstenthume fest auf der Landstraße sind. Auch wird eine forcirte Recrutierung gemacht u. sehr schnell hat Altenburg seine Leuthe stellen müssen. Auch gehen unsere Bawern bis nach Erfurth um dort an den Schanzen zu arbeiten. Diese in Bewegung gesetzte Tätigkeit deutet wohl auf Krieg. Der Himmel helfe die Erndte ein bringen es fehlt freylich unter den jetzigen Umständen, an Arbeiter, und an Pferde um die Feldarbeiten zu bestreiten. Kriegssteuer u. Abgaben aller Arth sind unvermeydliche Uebel.“

Noch jahrelang musste die Altenburger Bevölkerung mit einer Einkommensteuer für die Kriegsschulden des Herzogtums aufkommen.

Sonderausstellung “Napoleon – Im Zerrspiegel zeitgenössischer Karikaturen”

Plakat Sonderausstellung "Napoleon - IM Spiegel zeitgenössischer Karikaturen" im Museum Burg Posterstein
Plakat Sonderausstellung “Napoleon – IM Spiegel zeitgenössischer Karikaturen” im Museum Burg Posterstein 2013

Das Museum Burg Posterstein zeigt von 1. September bis 17. November 2013 die Sonderausstellung “Napoleon – Im Zerrspiegel zeitgenössischer Karikaturen – 200 Jahre Völkerschlacht bei Leipzig”. Am 13. Oktober erscheint das Buch zur Ausstellung, in dem unter anderem ein Kapitel über die Truppendurchzüge durch Altenburg im Völkerschlachtsjahr 1813 erhalten sein wird.

(von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein)

Zum Weiterlesen:

Brockhaus und Altenburg während der Völkerschlacht bei Leipzig

Website des Museums Burg Posterstein

An important strategically centre: Altenburg during the battle of Leipzig

Karl Philipp Fürst zu Schwarzenberg was commander-in-chief of the allied armies against Napoleon in 1813
Karl Philipp Fürst zu Schwarzenberg was commander-in-chief of the allied armies against Napoleon in 1813 (picture: Museum Burg Posterstein)

Karl Philipp Fürst zu Schwarzenberg, commander-in-chief of the 1813 allied armies against Napoleon, planned to occupy the town Altenburg as a strategically important place. From Altenburg further military actions against Napoleon could be planned. Also the Saxon, Russian and Prussian general Johann Adolf Freiherr von Thielemann (1765-1824) emphasized in a letter to Schwarzenberg on October 3rd 1813 the militarily advantages of the town, that has a castle lying high up on a hill that could easily be defended.

Tsar Alexander I. arrived in the evening

In fact Altenburg was the right place to accommodate thousands of soldiers as well as supreme commanders, generals, diplomats and their entourage over a longer period. On October 7th 1813 the allied troops occupied Altenburg. The headquarters were moved there from the town Penig. Tsar Alexander I. arrived on the same day and resided in Altenburg castle. Thereafter the Austrian foreign minister Metternich, the English legate Cathcart, the Russian diplomat Nesselrode and other politicians and important brass arrived.

On October 14th the Austrian emperor Franz received a message from Schwarzenberg that a stay in Altenburg would be save. The Prussian king and the Austrian emperor reached Altenburg on October 15th and stayed in the castle as well.

A town with 10.000 inhabitants accommodated more than 500.000 soldiers

Special exhibition on the battle of Leipzig in the museum Posterstein Castle near Altenburg
Special exhibition on the battle of Leipzig in the museum Posterstein Castle near Altenburg

In the year 1813 altogether 671 generals, 46.617 officers and 472.399 soldiers have been accommodated in the small town Altenburg, that had about 10.000 inhabitants at that time. Only in September and October 1813 the town spent the unbelievable amount of 147.681 thaler on the supply of the troops.

There is existing a detailed record (view here on Google books) on the year 1813 in Altenburg, written by the minister of finance of the town Altenburg, Friedrich Wagner (1792-1859). He is describing, how the citizens of Altenburg, all the villages and farms near-by and other towns in the neighbourhood (as Borna, Meuselwitz, Gera, Zeitz) had to deliver a substantial quantity of food, cattle, textiles and other things to the different armies.

All houses had to shelter 2, 3 or more wounded soldiers

Prisoners and wounded soldiers had to be accommodated and taken care of as well. The canon fire of the battle of Leipzig, 9 hours walk from Altenburg, could be heard in the town as well. After the first fights, masses of wounded soldiers arrived in Altenburg – and with them epidemic deceases. Nearly all official buildings of the town were already used some military hospitals, so that all houses in the Altenburg had to house 2, 3 or more wounded soldiers.

“Heaven help us to harvest”

The farms and manors in the region felt the war as well. Anna Dorothea Duchess of Courland, who owned the manor Löbichau near Posterstein, wrote in her letters from July and August 1813 that there was no day without soldiers who had to be accommodated. Often they took all food and horses with them. Special war taxes had to be paid and workers and farmers were recruited as soldiers. “Heaven help us to harvest”, the Duchess wrote to her friend. – Years after the wars of liberation from Napoleon the people of Altenburg had to pay special taxes to pay the war debts of the Duchy of Saxon-Altenburg.

Special exhibition at Museum Posterstein Castle

Plakat Sonderausstellung "Napoleon - IM Spiegel zeitgenössischer Karikaturen" im Museum Burg Posterstein
Poster of the special exhibition “Napoleon – IM Spiegel zeitgenössischer Karikaturen” in Museum Posterstein Castle in 2013

The Museum Posterstein Castle, regional history museum in the county of Altenburg, shows from September 1st to November 17th 2013 a special exhibition on the battle of Leipzig, which now is 200 years ago. Basis for the exhibitions are about 50 Napoleon caricatures, Wagner’s record of Altenburg in 1813 and original military letters from 1813. On October 13th a book will be published as well (in German). For more information, contact the museum at info@burg-posterstein.de.
(Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein)

Der “Brockhaus” wird eingestellt, und was das mit der neuen Ausstellung “200 Jahre Völkerschlacht” im Museum Burg Posterstein zu tun hat – Eine Rückschau

Es hat sich bereits herumgesprochen: Das berühmte Universal-Lexikon “Brockhaus” wird im kommenden Jahr nach 21 Auflagen eingestellt. Mit der Ablösung der traditionellen Nachschlagewerke durch Online-Enzyklopädien geht eine Ära zu Ende, die Anfang des 19. Jahrhunderts begann. Lasst uns noch einmal zurückblicken auf die Zeit, in der Friedrich Arnold Brockhaus im Thüringischen Altenburg sein Verlagsgeschäft etablierte.

Durch die Herausgabe seiner politischen Zeitschrift "Deutsche Blätter" wurde der Verleger Brockhaus zum Kriegsberichterstatter während der Völkerschlacht bei Leipzig.
Durch die Herausgabe seiner politischen Zeitschrift “Deutsche Blätter” wurde der Verleger Brockhaus zum Kriegsberichterstatter während der Völkerschlacht bei Leipzig.

Der Buchhändler und Verleger Friedrich Arnold Brockhaus (1772-1823) etablierte sich seit 1798 als Kaufmann in Dortmund. 1802 gründete er in Amsterdam eine Buchhandlung und ging 1810 von dort nach Altenburg. Brockhaus publizierte zeitgenössische deutsche Literatur und engagierte sich auf politischem Gebiet. Nach sieben Jahren verlegte er sein Geschäft nach Leipzig. Neben dem bekannten Konversations-Lexikon, der „Allgemeinen deutschen Real-Encyclopädie für die gebildeten Stände (Conversations-Lexicon)“ gab er weiterhin mehrere Zeitschriften heraus.

Brockhaus wird zum Kriegsberichtserstatter: Die „Deutschen Blätter” während der Völkerschlacht

Zum Jahrestag der Völkerschlacht bei Leipzig zeigt das Museum Burg Posterstein von 1. September bis 17. November 2013 die Sonderausstellung “drey Tage hat man sich geschlagen. Das Blut ist von beyden Seiten geflossen… – 200 Jahre Völkerschlacht”, zu der auch ein Buch erscheinen wird.

In seinen "Deutschen Blätter" berichtete Brockhaus direkt von der Front im Kampf gegen Napoleon (hier der Titel der gleichnamigen Dissertation von Karl Reiber).
In seinen “Deutschen Blätter” berichtete Brockhaus direkt von der Front im Kampf gegen Napoleon (hier der Titel der gleichnamigen Dissertation von Karl Reiber).

In diesem Zusammenhang spielen die „Deutschen Blätter“ eine Rolle, die der Verleger Brockhaus von 1813 bis 1816 im Auftrag Fürst von Schwarzenbergs herausgab. Noch während des Sommers 1813 war Altenburg von französischen Truppen besetzt. Nach dem Abzug der Franzosen wurde Altenburg das Hauptquartier der verbündeten Armeen unter dem Oberbefehlshaber Feldmarschall Karl Philipp Fürst Schwarzenberg. Vor der Völkerschlacht bei Leipzig im Oktober 1813 hielt sich auch der russische Zar Alexander I. in Altenburg auf. In dieser Zeit entschied sich Brockhaus eine politische Zeitschrift herauszubringen. Am 12. Oktober erhielt er eine Audienz bei Zar Alexander und bei Karl Philipp Fürst Schwarzenberg (1771-1820), deren Ergebnis der „Befehl zur Herausgabe eines politischen Blattes“ war: „dem Buchhändler, Herrn Brockhaus, von hier wird hiermit befohlen, alle der Zukunft noch zu erscheinenden Nachrichten und officielle Schriften durch Druck bekannt zu machen und sie mittels eines periodischen Blattes, welches jedoch der Censur des jedesmaligen Herrn Platz-Commandanten unterliegt, dem Publico mithzutheilen. Hauptquartier Altenburg, den 13. October 1813“

Am 14. Oktober 1813 erschien die erste Nummer der „Deutschen Blätter“, die bei dem Verleger Heinrich August Pierer (1794 -1850) gedruckt wurde. Als man am 14. Oktober das Hauptquartier der Alliierten Armeen Richtung Leipzig verlegte, war Brockhaus als Kriegsberichterstatter dabei und wurde zum offiziellen Chronist der Ereignisse des Krieges gegen Napoleon.

Die Völkerschlacht bei Leipzig jährt sich dieses Jahr zum 200. Mal. Das Museum Burg Posterstein widmet dem historischen Ereignis eine Sonderausstellung und eine Publikation.
Die Völkerschlacht bei Leipzig jährt sich dieses Jahr zum 200. Mal. Das Museum Burg Posterstein widmet dem historischen Ereignis eine Sonderausstellung und eine Publikation.

Für die Ausstellung und die zugehörige Publikation “200 Jahre Völkerschlacht” werden unter anderem Brockhaus’ Berichte analysiert und aufbereitet. Darüber hinaus sieht das Ausstellungskonzept die Präsentation von Napoleon-Karikaturen vor. Darüber hinaus werden die Ergebnisse verschiedener regionalgeschichtlicher Forscher einen Überblick über die Ereignisse und die handelnden Personen des Jahres 1813 bieten.

Weitere Informationen:

www.burg-posterstein.de

Ständigen Ausstellung des Museums zu Brockhaus, Pierer und Schwarzenberg sowie die Ausstellung zum “Musenhof Löbichau” der Herzogin von Kurland zu Napoleon, Alexander I. und anderen wichtigen Persönlichkeiten des 19. Jahrhunderts im Museum Burg Posterstein.

(Von Marlene Hofmann)