23. Tierchen – Digitaler Adventskalender

Adventskalender Museum Burg Posterstein - Tür 23

Der Wolf – Einen Tag vor Heilig Abend wird es noch einmal schaurig! Vielleicht graut es dem einen oder der anderen, weil noch nicht alle Weihnachtsgeschenke beisammen sind, aber das ist hier natürlich nicht gemeint. Ein Schauer fährt uns über den Rücken, denn hinter unserem vorletzten Türchen versteckt sich der Wolf.

“Meister Isegrim” hat einen schlechten Ruf und auch heute noch (bzw. wieder) ist er ein großer Streitpunkt. In Fabeln steht er für Gier und auch biblisch kommt nicht gut davon: Er steht für Bosheit und Zerstörung, für Irrlehren, geradezu für das Böse an sich.

Detail mit Wolf in der Papierkrippe von Adolf Lachmann und Radim Dusek. Sie trägt den Titel „Lanspersky betlem, Christmas nativity scene“ und entstand 2011 in Usti nad Orlici.
Detail mit Wolf in der Papierkrippe von Adolf Lachmann und Radim Dusek. Sie trägt den Titel „Lanspersky betlem, Christmas nativity scene“ und entstand 2011 in Usti nad Orlici.

Diesen Charakter vertritt der Wolf auch in böhmischen bzw. tschechischen Papierkrippen oft. In dieser Darstellung funkeln seine Augen bedrohlich aus dem Mittelteil eines Triptychons, entworfen vom tschechischen Grafikdesigners Adolf Lachmann. Die Krippe von Adolf Lachmann und Radim Dusek trägt den Titel „Lanspersky betlem, Christmas nativity scene“ und entstand 2011 in Usti nad Orlici.

Sie ist in vielerlei Hinsicht besonders. Zum einen handelt es sich um eine moderne Papierkrippe, zum anderen unterscheiden sich einige Figuren von traditionellen Darstellungen. Zwar sehen wir in der Mitte die Heilige Familie im Stall und auch die Verlagerung der Geburtsszene in eine andere, dem Künstler vertraute Umgebung ist keine Seltenheit. Doch anstelle der zu erwartenden Heiligen Drei Könige sind hier verschiedene Heilige abgebildet. Das gezeigte Dorfleben scheint sich in eine „gute“ und eine „böse“ Seite zu spalten. Auf der rechten Seite versteckt sich hinter einem Stein sogar der Teufel.

Diese Papierkrippe von Adolf Lachmann und Radim Dusek trägt den Titel „Lanspersky betlem, Christmas nativity scene“ und entstand 2011 in Usti nad Orlici.
Diese Papierkrippe von Adolf Lachmann und Radim Dusek trägt den Titel „Lanspersky betlem, Christmas nativity scene“ und entstand 2011 in Usti nad Orlici.

Heute wollen wir uns aber nicht mehr vor dem Wolf fürchten, sondern ihm gegenüber und kurz vor Weihnachten ein wenig Nachsicht zu Gute kommen lassen.

Weiterführende Links zur beschriebenen Krippe:
Informationen vom Krippenverein Osnabrück
Website des Künstlers Adolf Lachmann

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22. Tierchen – Digitaler Adventskalender

Adventskalender Museum Burg Posterstein - Tür 22

Der Karpfen – Heute tauchen wir ab in das stille Unterwasser-Krippenreich! Der Karpfen ist das Tier des Tages! Aber keine Sorge, Schwimmärmel und Taucherbrille werden nicht benötigt! Wir bleiben bodenständig, denn der Karpfen ist so freundlich und kommt für uns bei winterlichen Temperaturen an Land. Obwohl er das wohl nicht ganz freiwillig tut. Er wird von einem Jungen getragen und soll wahrscheinlich als „Weihnachtskarpfen“ auf der Festtafel enden.

Junge mit Karpfen in einer Papierkrippe, entworfen vom Künstler Jiri Skopek, erschienen im Konrad-Verlag unter dem Titel „Skopek – Folkloristische Weihnachtskrippe“.
Junge mit Karpfen in einer Papierkrippe, entworfen vom Künstler Jiri Skopek, erschienen im Konrad-Verlag unter dem Titel „Skopek – Folkloristische Weihnachtskrippe“.

Karpfen ist ein sehr beliebtes Gericht am Heilig Abend. Eine Schuppe des Karpfens soll man sich laut Brauch in die Tasche oder in die Geldbörse stecken. Denn das soll Geldsegen im neuen Jahr bringen.

Papierkrippe entworfen vom Künstler Jiri Skopek, erschien im Konrad-Verlag unter dem Titel „Skopek – Folkloristische Weihnachtskrippe“.
Papierkrippe entworfen vom Künstler Jiri Skopek, erschien im Konrad-Verlag unter dem Titel „Skopek – Folkloristische Weihnachtskrippe“.

Der Karpfen, der im Mittelpunkt dieses Adventskalenders steht, ist aber noch nicht auf dem Teller gelandet und stellt uns daher heute diese Papierkrippe vor. Entworfen wurde sie vom Künstler Jiri Skopek und umfasst 25 Figuren bzw. Figurengruppen, zwei Tiergruppen mit Menschen und sieben Kulissen. Der Ausschneidebogen erschien im Konrad-Verlag unter dem Titel „Skopek – Folkloristische Weihnachtskrippe“.

Detail aus der Papierkrippe, entworfen vom Künstler Jiri Skopek, erschienen im Konrad-Verlag unter dem Titel „Skopek – Folkloristische Weihnachtskrippe“.
Im Mittelpunkt der Szenerie steht ein großes Tier – Detail aus der Papierkrippe, entworfen vom Künstler Jiri Skopek, erschienen im Konrad-Verlag unter dem Titel „Skopek – Folkloristische Weihnachtskrippe“.

Die Szenerie spielt im Vorland des Riesengebirges, im heutigen Kurbad Lázně Bělohrad. Darüber thront die Wallfahrtskirche Hl. Peter und Paul. Die Figuren tragen Trachten, spielen fröhlich Musik und Tanzen für die Heilige Familie im Stall. Das Folkloreensemble, Chöre und verschiedene Orchester haben eine  fast 70jährige Tradition in Lázně Bělohrad und erfreuen auch heute noch die dortigen Gäste mit Musik, Literatur und Kunst.

Detail aus der Papierkrippe, entworfen vom Künstler Jiri Skopek, erschienen im Konrad-Verlag unter dem Titel „Skopek – Folkloristische Weihnachtskrippe“.
Unter dem großen Tier schauen Menschenfüße hervor! – Detail aus der Papierkrippe, entworfen vom Künstler Jiri Skopek, erschienen im Konrad-Verlag unter dem Titel „Skopek – Folkloristische Weihnachtskrippe“.

Unter den ganzen Menschen, Tieren und dem Karpfen fällt eine Figur besonders ins Auge. Eine Art riesiges Pferd oder Kamel tummelt sich schneeweiß in der Menge. Bei genauer Betrachtung stellt sich allerdings heraus, dass sich unter dem weißen Fell, menschliche Füße befinden! Das Schauspielensemble hat hier seinen Auftritt. So besonders das Tier also aussieht, es ist doch ein wenig geschummelt und so bleibt unser Karpfen heute einmal der Hauptakteur.

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21. Tierchen – Digitaler Adventskalender

Adventskalender Museum Burg Posterstein - Tür 21

Der Papagei – Wie versprochen, begrüßt uns heute noch einmal ein gefiederter Freund beim Öffnen des 21. Adventstürchens: Der Papagei! Ganz exotisch sitzt er auf dem Dach des Stalls und wirft einen Blick auf das Christuskind.

Diese Papierkrippe wurde vom tschechischen Maler und Illustrator Karel Franta entworfen und erschien 2014 im Granát-Verlag unter dem Titel „Velký betlém“ (Große Krippe)
Diese Papierkrippe wurde vom tschechischen Maler und Illustrator Karel Franta entworfen und erschien 2014 im Granát-Verlag unter dem Titel „Velký betlém“ (Große Krippe).

Diese Papierkrippe wurde vom tschechischen Maler und Illustrator Karel Franta entworfen und erschien 2014 im Granát-Verlag unter dem Titel „Velký betlém“ (Große Krippe). Solche Papierkrippen waren besonders in Böhmen, Mähren und Schlesien beliebt, allerdings sind auch Exemplare aus Deutschland, Spanien, Italien oder Kroatien bekannt. Sie erfreuen sich in Böhmen auch heute noch großer Beliebtheit.

Schon im 17. Jahrhundert nutzte man Krippenfiguren aus Papier und Karton als Hintergrund für traditionelle Holz-, Ton- und Porzellankrippen, wo sie als Kulisse oder als Übergang zwischen der dargestellten Landschaft und dem Himmel dienten. Seit dem 18. Jahrhundert wurden auch reine Papierkrippen gefertigt und aufgestellt.

Ähnlich wie bei einer Theaterkulisse erhält die dargestellte Szenerie ihre Tiefenwirkung durch die Staffelung in Vordergrund, Hauptgeschehen und Hintergrund. Dem entsprechend wurden die Figuren vom Künstler angelegt und drapiert.

Papierkrippe mit Papagei - gestaltet vom tschechischen Maler und Illustrator Karel Franta, erschienen 2014 im Granát-Verlag unter dem Titel „Velký betlém“ (Große Krippe).
Papierkrippe mit Papagei – gestaltet vom tschechischen Maler und Illustrator Karel Franta, erschienen 2014 im Granát-Verlag unter dem Titel „Velký betlém“ (Große Krippe).

Der Papagei hat in dieser Krippe einen besonders guten Platz bekommen. Und bei genauerer Betrachtung entdecken wir sogar einen Elefanten im Hintergrund! Das ist eine freudige Entdeckung kurz vor Weihnachten! Mit Hilfe des Papageis hat das Museum Burg Posterstein den dritten Elefanten in der Krippensammlung entdecken können!

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20. Tierchen – digitaler Adventskalender

Adventskalender Museum Burg Posterstein - Tür 20

Die Katze – Alle Katzenliebhaber dürfen sich heute freuen! Gleich drei Samtpfoten verschönern uns heute den Tag.

Biblisch spielt die Hauskatze keine Rolle. Ihr großer Verwandter, der Löwe, hingegen schon. Als gefährliches Raubtier steht er für Bedrohung, aber im positiven Sinne auch für Mut und war daher ein beliebtes Motiv in der Kunst.

Aber mit einem Löwen haben diese drei Katzen eher wenig zu tun. Im Gegenteil: Ganz zahm zeigen sie sich als Teil einer großen Dorfgemeinschaft, die fröhlich die Geburt Jesu feiert. Wem diese Krippe nun bekannt vorkommt, der hat völlig Recht. Sie diente uns schon als Zusatzbeispiel bei Tier Nr. 17 – dem Schwein. Heute sollen unsere Samtpfoten diese wunderbare Papierkrippe aber noch einmal richtig vorstellen.

Papierkrippe von Jarmila Haldova (Sammlung Museum Burg Posterstein, Haldova-Papierkrippe)
Papierkrippe von Jarmila Haldova (Sammlung Museum Burg Posterstein, Haldova-Papierkrippe)

Die Papierkrippe wurde von der tschechischen Künstlerin Jarmila Haldova entworfen und erschien als Ausschneidebogen unter dem Titel „Haldova“ im Konrad-Verlag. Sie umfasst insgesamt 37 Figuren, 28 Tiere, 30 Blumen und 7 Kulissenbilder. Die Krippe stammt aus Dobruska bei Hradec Kralove und zeigt ein traditionelles tschechisches Dorfleben. Als Schauplatz dient die Stadt Dobruska selbst mit ihrem Rathaus, der Kirche St. Wenzel und dem Markplatz mit der bekannten Mariensäule.

In der Papierkrippe von Jarmila Haldova gibt es auch eine Katze (Sammlung Museum Burg Posterstein, Haldova-Papierkrippe)
In der Papierkrippe von Jarmila Haldova gibt es auch Katzen (Sammlung Museum Burg Posterstein, Haldova-Papierkrippe)

Festzuhalten ist, dass unsere Katzen in der Szenerie den besten Platz genießen. Zwei von ihnen schauen aus den Fenstern des Wohnhauses, der hier als Stall dient, direkt auf die Heilige Familie.

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17. Tierchen – Digitaler Adventskalender

Adventskalender Museum Burg Posterstein - Tür 17

Das Schwein – Heute kommt unser Adventstier im modernen Galopp und aus weiter Fern angetrabt – das Schwein. Das arme Tier hat in der Bibel keinen leichten Stand. Es gilt als unrein und eine Schweineherde dient Jesus bei einer Austreibung sogar als Gefäß für Dämonen (Mt 8, 28ff.)*. Beim Evangelisten Matthäus steht „Gebt das Heilige nicht den Hunden und werft eure Perlen nicht vor die Säue“ (Mt 7,6)*, was noch heute eine geflügelte Redewendung ist. Und zu allem Überfluss ereilt das Schwein jedes Jahr das üble Schicksal unfreiwillig als Hauptspeise beim Weihnachtsfest zu dienen. Denn Würstchen und Kartoffelsalat sind bei vielen Familien das traditionelle Essen am Heilig Abend.

Weihnachtskrippe aus Kapstadt, Südafrika (Sammlung Museum Burg Posterstein, VI 354 K6/Ri)
Weihnachtskrippe aus Kapstadt, Südafrika (Sammlung Museum Burg Posterstein, VI 354 K6/Ri)

Da ist es nur recht, dass dem Schwein heute auch einmal ein Ehrenplatz in der Weihnachtskrippe zukommt und es zum „Glücksschwein“ wird. Entdeckt haben wir es in dieser Weihnachtskrippe aus Kapstadt, Südafrika. Gemeinsam mit Ochse, Esel und zwei Schafen erhascht es aus dem Stall heraus einen Blick auf das Jesuskind. Diese Krippe ist aus Holz gefertigt und wurde von Hand bemalt. Sie besteht aus insgesamt 11 Figuren und trägt die Signatur „Handmade and hand painted Cape Town South Africa“. 2005 kam sie nach Deutschland und wurde dem Museum Burg Posterstein übereignet.

Papierkrippe von Jarmila Haldova (Sammlung Museum Burg Posterstein, Haldova-Papierkrippe)
Papierkrippe von Jarmila Haldova (Sammlung Museum Burg Posterstein, Haldova-Papierkrippe)

Kritiker könnten nun aber sagen: Alles schön und gut, aber das ist gar kein Schwein! Das ist eindeutig eine Kuh! – Wir haben noch ein Schwein in unserer Weihnachtskrippensammlung gefunden. In dieser großen Papierkrippe, entworfen von der tschechischen Künstlerin Jarmila Haldova und als Ausschneidebogen herausgegeben beim Konrad-Verlag.

Detail mit Schwein aus einer Papierkrippe von Jarmila Haldova (Sammlung Museum Burg Posterstein, Haldova-Papierkrippe)
Detail mit Schwein aus einer Papierkrippe von Jarmila Haldova (Sammlung Museum Burg Posterstein, Haldova-Papierkrippe)

Allerdings ergeht es diesem Schwein nicht besonders gut. Daher wollen wir dem zuerst beschriebenen Exemplar doch noch eine Chance geben.

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*Übersetzung nach Zürcher Bibel, 2007.

13. Tierchen – Digitaler Adventskalender

Der Hase – Wir bleiben gedanklich im Erzgebirge und begrüßen den Hasen als Tagestier im Adventskalender. Die Weihnachtspyramide gehört zur weihnachtlichen Tradition des Erzgebirges. Das hat uns schon der Hirsch gelehrt.

Hase in einer erzgebirgischen Pyramide (Sammlung Museum Burg Posterstein, VI 192 K6/Ri)
Hase in einer erzgebirgischen Pyramide (Sammlung Museum Burg Posterstein, VI 192 K6/Ri)

Aber auch Tradition geht mit der Zeit und der Mode. Die Figuren der Pyramide scharen sich daher nicht um eine Krippendarstellung, sondern ganz weltlich um einen Tannenbaum. Er bildet als Spindel den Mittelpunkt des Geschehens. Der kleine Hase bekommt Gesellschaft vom Weihnachtsmann und einem Kind mit Laterne in den Händen. Alle Figuren sind aus Holz  und farbig gefasst. Heute ist Weihnachten längst kein rein christliches Fest mehr. Und das ist auch keine reine Erfindung der Moderne. Die Weihnachtsfeier und die damit verbundenen Traditionen haben sich im Laufe der Zeit weiterentwickelt. Auch das „Verschenken“ zu Weihnachten wurde erst allmählich Brauch. Der Geschenkebringer kann dabei ganz unterschiedlich sein: Nikolaus, Christkind oder ganz weltlich, der Weihnachtsmann. Diese Entwicklung spiegelt sich schließlich auch in der Weihnachtskunst und –dekoration wider, was unseren kleinen Hasen aus Holz in eine heitere Gesellschaft bringt.

Hase in einer osteuropäischen Krippe (Sammlung Museum Burg Posterstein, VI 192 K6/Ri)
Hase in einer osteuropäischen Krippe (Sammlung Museum Burg Posterstein, VI 475 K6/Ri/FH)

Wer jetzt aber sagt: Moment! In diesem Adventskalender soll es doch um Tiere in Weihnachtskrippen gehen! – Keine Sorge, wir haben Belege, dass Hasen auch in Weihnachtskrippen vorkommen. Zum Beispiel in dieser schönen, osteuropäischen Krippe aus der Sammlung des Museums Burg Posterstein:

Osteuropäischen Krippe (Sammlung Museum Burg Posterstein, VI 475 K6/Ri/FH)
Osteuropäischen Krippe (Sammlung Museum Burg Posterstein, VI 475 K6/Ri/FH)

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12. Tierchen – Digitaler Adventskalender

Das Reh – Wo ein Hirsch ist, da ist auch ein Reh! Dieses anmutige Tier begrüßt uns an Tag 12 unseres tierischen Adventskalenders. Und da wir sozusagen „Bergfest“ feiern, ist das Reh passenderweise Teil einer komplexen Krippendarstellung in Form eines Weihnachtsberges. Wie in freier Natur tarnt es sich auch im Weihnachtsberg hervorragend und versteckt sich im Vordergrund geschickt in einer Gruppe Schafe samt Hirten, um einen besonders guten Blick auf die Heilige Familie werfen zu können.

Weihnachtskrippenberg aus Böhmen aus der Sammlung des Museums Burg Posterstein
Weihnachtsberg (Sammlung Museums Burg Posterstein, VI 473 K6/Ri/FH)

Weihnachtsberge, auch Weihnachtswinkel genannt, erfreuten sind vor allem in Böhmen und im Erzgebirge großer Beliebtheit. Meist wurde zum Aufstellen eine Ecke (Winkel) des Zimmers gewählt und auf einem entsprechenden Regal oder Tisch entstanden zum Teil ganze Dörfer oder Bergwerke, die als Spielort der Geburt Christi dienten.

Detail mit Reh - Weihnachtskrippenberg (Sammlung Museums Burg Posterstein, VI 473 K6/Ri/FH)
Detail mit Reh – Weihnachtsberg (Sammlung Museums Burg Posterstein, VI 473 K6/Ri/FH)

Diese Tradition geht wohl auf die sogenannten „Buckelbergwerke“ zurück. Dabei handelt es sich um detaillierte Bergwerksdarstellungen, die in tragbaren Schaukästen ausgestellt wurden. Der umgangssprachliche „Buckel“ benennt hierbei den Rücken, auf dem der Kasten getragen wurde. Weihnachtsberge können, wie es auch bei diesem Exponat im Museum Burg Posterstein der Fall ist, mit statische Figuren geschmückt sein. Nicht selten weisen sie aber auch komplizierte Mechanismen auf. Weihnachtsberge sind entsprechend ein Ausdruck der langen bergmännischen Tradition.

Tipp: Einen besonders umfangreichen Weihnachtsberg stellt das Museum Europäischer Kulturen bei Google Arts und Culture vor.

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11. Tierchen – Digitaler Adventskalender

Der Hirsch – Tatsächlich gab es im Nahen Osten des Alten Testaments Rothirsche und Damwild. Oft wird er in Bibelübersetzungen auch mit der Gazelle gleichgesetzt, was wohl auf ungenaue Namensgebungen der Verfasser des Alten Testaments zurückzuführen ist. Wie die Gazelle steht der Hirsch für Schnelligkeit und Anmut.

Hirsche auf der Grundebene einer erzgebirgischen Pyramide, nachträglich beigefügt (Sammlung Museum Burg Posterstein)
Hirsche auf der Grundebene einer erzgebirgischen Pyramide, nachträglich beigefügt (Sammlung Museum Burg Posterstein)

Unser hier vorgestellter Hirsch ist allerdings ein Vertreter des heutigen Deutschlands. Als kleine Figur einer 1,20 Meter hohen Weihnachtspyramide ziert er jedes Jahr die Sonderschau der Burg Posterstein. Dieses Exponat aus bemalten Holz besitzt (neben einem rechteckigen Grundbrett) vier Ebenen, die mit Figuren bestückt sind. Die unterste und größte Ebene des Hexagons zeigt die heilige Familie. Maria reitet auf einem Esel, das Jesuskind trägt sie auf dem Arm. Auf der zweiten Ebene stehen typisch erzgebirgische Bergmanns-Figuren. Auf der dritten Ebene findet sich ein Hirte mit seiner Schafherde. Auf der obersten musiziert der himmlische Engelschor. Unser Hirsch hat seinen Platz auf der Grundebene der Pyramide gefunden und wurde samt seiner tierischen Gefolgschaft und Jägern nachträglich beigefügt.

Weihnachtspyramide aus dem Erzgebirge, mit vier Ebenen, ca. 1,20 Meter hoch, in einer der jährlichen Weihnachtskrippenausstellungen des Museums (Sammlung Museum Burg Posterstein)
Weihnachtspyramide aus dem Erzgebirge, mit vier Ebenen, ca. 1,20 Meter hoch, in einer der jährlichen Weihnachtskrippenausstellungen des Museums (Sammlung Museum Burg Posterstein)

Vorläufer der Weihnachtspyramide existieren bereits seit dem 16. Jahrhundert in Form von zum Teil mit Lichtquellen versehenen Aufbauten oder Gestellen, die in ihrer Grundform einer Pyramide entsprechen. Die Drehpyramide ist eine Schöpfung der bergmännischen Kultur des Erzgebirges im 18. Jahrhundert.

Weitere Infos zu Weihnachtsbräuchen aus dem Erzgebirge gibt es in unserer digitalen Weihnachtskrippen-Ausstellung.

9. Tierchen – Digitaler Adventskalender

Figur aus einer böhmischen Maisstroh-Krippe (Sammlung Museum Burg Posterstein, VI 84 K6/Ri)
Mädchen mit Gans – Figur aus einer böhmischen Maisstroh-Krippe (Sammlung Museum Burg Posterstein, VI 84 K6/Ri)

Die Gans – Das heutige Tier steht auch gern einmal auf der weihnachtlichen Speisekarte: Die Gans. Unsere Gans kommt aber nicht allein, sie bringt ein ganzes Dorf mit!

Figur aus einer böhmischen Maisstroh-Krippe (Sammlung Museum Burg Posterstein, VI 84 K6/Ri)
Bäuerin mit Gänsen – Figur aus einer böhmischen Maisstroh-Krippe (Sammlung Museum Burg Posterstein, VI 84 K6/Ri)

Weihnachtskrippen können aus vielen verschiedenen Materialien gefertigt sein. Nicht selten aus denen, die den Leute einfach zur Verfügung standen. Unsere Gans ist zum Beispiel aus Maisstroh hergestellt worden.

Viele Christen verlagerten die biblische Geschichte in den Weihnachtskrippen in ihre Heimat. Diese Krippe mit ihren zahlreichen Figuren stammt aus Tschechien und präsentiert ein reges Dorfleben. Neben Maria, Joseph, dem Jesuskind und den Engeln sehen wir Angler, Musiker, Kinder und Erwachsene, die ihrem Spiel oder der Arbeit nachgehen oder einfach gemeinsam feiern.

Im Legetrick-Trailer zu einer unserer vergangenen Weihnachtskrippen-Ausstellungen sieht man einige der Krippenfiguren “in Aktion”:

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Tschechische Maisstrohkrippe (Sammlung Museum Burg Posterstein, VI 84 K6/Ri)

Weitere Infos zu böhmischen Krippen gibt es in unserer digitalen Ausstellung.

Weihnachten wie bei der böhmischen “Großmutter”

Der Weihnachtsbaum hielt sehr spät in Böhmen Einzug, denn die deutsche Tradition setzte sich nur langsam durch. Den ersten geschmückten Weihnachtsbaum gab es in Prag im Jahr 1812, dem Jahr, in dem Napoleon seinen großen Russlandfeldzug startete, in Moskau einmarschierte und vom russischen Winter vernichtend geschlagen wurde. Bei einer privaten Weihnachtsfeier für seine Freunde ließ der Deutsche Johannes Karl Liebich (1773–1816), Direktor des Ständetheaters in Prag, einen geschmückten Baum mit darunter liegenden Geschenken für alle Gäste aufstellen. Nachlesen bzw. hören kann man die Geschichte beim Radio Prag.

In der Weihnachtsausstellung auf Burg Posterstein steht dieses Jahr ein böhmisch geschmückter Tannenbaum.
In der Weihnachtsausstellung auf Burg Posterstein steht dieses Jahr ein böhmisch geschmückter Tannenbaum.

Dieser Baum kam gut an, aber der deutsche Brauch konnte sich in den böhmischen Ländern, in denen gerade das tschechische Nationalbewusstsein erwachte, nicht leicht durchsetzen. Zunächst sollen ihn nur reiche deutsche Familien in ihren Wohnstuben aufgestellt haben. Weite Verbreitung außerhalb des Kreises wohlhabender Bürgerfamilien fand der Weihnachtsbaum wohl erst nach dem Ersten Weltkrieg.

Nüsse und Perlen am Weihnachtsbaum

Perlenschmuck am Weihnachtsbaum im Museum Burg Posterstein.
Perlenschmuck am Weihnachtsbaum im Museum Burg Posterstein.
Geschmückt wurde der Baum traditionell mit selbstgefertigten Dekorationen aus den verschiedensten Materialien: Stroh, Watte, Textilien, Holz, Teigwaren oder Papier, um nur einige zu nennen. Die Grundlage der Schmückung bildeten Nüsse. Goldgefärbt galten sie als Symbol des Reichtums. Ebenso beliebt waren Äpfel, Trockenfrüchte und sogar Kartoffeln, die in verschiedene Formen geschnitzt, auf der Ofenplatte gebacken und mit Zwirn befestigt wurden. Die Materialien variieren nach den Erzeugnissen, die in der entsprechenden Region angebaut wurden. So galten in den bekannten Glashüttenstätten, wie dem Riesengebirgsvorland oder dem Böhmerwald, Perlenketten als beliebter Schmuck. Den Perlenschmuck für den im böhmischen Stil geschmückten Baum in der diesjährigen Weihnachtsausstellung des Museums fertigten übrigens Mitarbeiter des Kinder- und Jugendheims der Kinderarche Sachsen in filigraner Handarbeit.

Am Heiligen Abend wurde jeder reich beschenkt – auch die Tiere

Figurengruppe der Großmutter und Kinder aus Božena Němcovás Klassiker "Die Großmutter".
Figurengruppe der Großmutter und Kinder aus Božena Němcovás Klassiker “Die Großmutter”.
Die tschechische Nationalschriftstellerin Božena Němcová, Autorin des Kunstmärchens “Aschenputtel”, wuchs als Tochter eines Kutschers und einer Wäscherin in Ratibořice nahe dem Schloss der Herzogin Wilhelmine von Sagan, Tochter der Löbichaer Salondame Anna Dorothea von Kurland, auf. Němcová schildert in ihrem Klassiker „Die Großmutter“ anschaulich die weihnachtlichen Bräuche ihrer Kindheit:

“Am Heiligen Abend wurde jeder reich beschenkt, selbst das Geflügel und das Vieh bekamen ihren Weihnachtsstollen, und nach dem Abendessen nahm die Großmutter je ein Stück von allen Speisen, die auf dem Tisch gekommen waren, warf die Hälfte davon in den Bach, damit das Wasser rein und gesund bleibe, die andere Hälfte aber vergrub sie im Garten unter einem Baum, damit die Erde fruchtbar sei. Alle Brosamen sammelte sie sorgfältig und warf sie ins Feuer, „damit es keinen Schaden anrichte.“
[…] Da trat auch schon die Mutter ins Zimmer und sagte zu den Kindern, das Christkind habe seine Gaben in Großmutters Stube gebracht.
War das ein Rennen, war das eine Freude, als sie den strahlenden, geschmückten Christbaum und darunter die schönen Geschenke sahen!
Die Großmutter hatte zwar früher diese Sitte nicht gekannt, unter dem einfachen Volk war sie nicht üblich, aber sie gefiel ihr; schon lange vor Weihnachten hatte sie selbst an den Baum gedacht und dann ihrer Tochter beim Schmücken des Christbaums geholfen.“
Aus: Božena Němcová: Die Großmutter. Bilder aus dem ländlichen Leben, Prag 1978, S. 151-153.

Die Sonderausstellung “Weihnachten mit Aschenputtel – Böhmische Weihnachtskrippen” ist noch bis 8. Januar 2017 zu sehen.

Von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein