#FoodWM: Neue und eigenständige Esskultur im Mittelalter?

Tag 1 der #MuseumWeek 2017 , die von 19. bis 25. Juni dauert: Wir haben für jeden Tag einen Blogpost vorbereitet. Der heutige Hashtag lautet #FoodMW. Leon, der sein Praktikum im Museum Burg Posterstein gemacht hat, hat sich für mittelalterliche Esskultur interessiert:

Bei den Worten „Mittelalter“ und „Essen“ denken viele an reich gedeckte Tafeln, an denen Ritter speisten. Viele stellen sich aber auch den hungernden Bauern in seiner verfallenen Hütte vor. Doch welches Bild kommt der Wahrheit wohl am nächsten? Wie haben die Menschen im Mittelalter gespeist?

How did people in medieval times eat?
Wie speisten die Menschen im Mittelalter?

Tatsächlich entwickelte sich im Laufe des europäischen Mittelalters eine neue und eigenständige Esskultur. Im Gegensatz zur Kochkunst der Spätantike, welche die Anfänge der Frühmittelalterlichen Küche noch prägte, erneuerten die Köche des westeuropäischen Mittelalters ihr Arsenal an Würze fast vollständig. Kräuter und Gewürze, wie die Muskatnuss oder die Gewürznelke, fanden erst Eingang in die Heilkunst und später in die Küche. In einem langsamen Prozess ohne größere Brüche entwickelten sich bis ins 13. Jh. neue Sitten und Gebräuche des Genusses. „Lukullische“ Parallelen finden sich genauso wie Entsprechungen nach Byzanz oder in die Arabische Welt, doch entstand in Westeuropa eine eigene, ganz spezielle Esskultur.

Dependent of Christian year there was a big difference between „fat“ and „meager“ days.
Der mittelalterliche, christliche Mensch unterschied – abhängig vom Kirchenjahr – zwischen „fetten“ und „mageren“ Tagen.

Doch nicht nur die Haltung zum Essen änderte sich. Auch die Haltung beim Essen unterschied sich stark zwischen Antike und Mittelalter. Römische Gastmähler fanden oft im Liegen statt. Entsprechend waren die Speisen klein und handlich. Der Mensch im Mittelalter hingegen saß beim Essen aufrecht. Das Schneiden, besonders von Fleisch, spielte nun eine entscheidende Rolle und diese ehrenwerte Aufgabe gebührte bei Festmählern dem „Truchseß“.

Zwischen „fetten“ und „mageren“ Tagen

Der mittelalterliche, christliche Mensch unterschied – abhängig vom Kirchenjahr – zwischen „fetten“ und „mageren“ Tagen. An mindestens einem von drei Tagen musste sich ein Christ mit Fisch und Gemüse begnügen. An Fastentagen (wie vor Ostern) durften keine Milchprodukte, Eier, Fleisch oder andere tierische Fette verspeist werden. Ausnahmen galten nur für schwangere Frauen, Arme, Kranke, Alte und Kinder. Fisch galt nicht als Fleisch und musste daher oft als Ersatzmittel herhalten. Umso größer war der Überfluss an Speisen an den „fetten“, also den Feiertagen.

Das Federkleid des Fasans war die Zierde jeder Rittertafel

Die Ernährung hing im Mittelalter stark vom gesellschaftlichen Stand ab. Doch das heißt nicht zwangsläufig, dass der Bauer hungern musste, während die Fürsten schlemmten. Missernten führten tatsächlich zu Hungersnöten, doch in guten Erntejahren waren diese Sorgen fern. Das Grundnahrungsmittel schlecht hin war das Getreide, das vor allem als Brot an Fürstenhöfen und bäuerlichen Gütern Absatz fand. Zum Brot gab es Fleisch, Fisch, Gemüse, Obst, Fett, Käse und Wein. Allerdings war Getreide auch in Form von Hafergrütze oder Bier recht beliebt.

Smoked fish at the medieval marked at Burg Posterstein.
Geräucherter Fisch beim Mittelaltermarkt auf Burg Posterstein.

Wurzelgemüse und Kräuter, die im oder nah am Boden wuchsen galten als derb und bäuerlich. Edle Früchte hingen an den Bäumen. Umso höher die Frucht hing, umso besser war sie auch! Doch das bedeutet nicht, dass sich der Verzehr von Gemüse nur auf die bäuerliche Welt beschränkte. Besonders Stadtbürger schätzten Gemüsesuppen und Eintöpfe und legten Gärten vor und innerhalb der Stadtmauern an.
In den letzten Jahrhunderten des Mittelalters stieg auch der Fleischverzehr stetig an. Viehzucht und Jagd lieferten verschiedenste Sorten an Genuss. Dabei galt Geflügel als edler als Schweinefleisch und der Fasan mit seinem prächtigen Federkleid war die Zierde jeder Rittertafel. So wohl auch bei den Rittern von Posterstein.

Die Ernährung im Mittelalter hing also von vielen Faktoren ab: Der gesellschaftlichen Stellung, der Region oder von der Jahreszeit. Ritter aßen nicht nur Fleisch und Bauern mussten nicht zwangsläufig hungern. Im Gegenteil entwickelte sich eine neue und eigenständige Kultur des Essens.

By Leon Walter and Franziska Engemann/ Museum Burg Posterstein

Ausstellung vereint Familien: Noch eine Woche #MascherMarchen

Unter dem Hashtag #MascherMarchen geistern Altenburger Bauern des 19. Jahrhunderts seit Frühjahr 2016 durch die Netzwelt. Die Gemeinschaftsausstellung von Museum Burg Posterstein und Schloss- und Spielkartenmuseum im Residenzschloss Altenburg zeigt Pastellporträts des Wandermalers Friedrich Mascher (1815–1880), der bevorzugt die wohlhabenden Bauern der Region detailreich darstellte. In Altenburg läuft die Sonderausstellung noch bis Sonntag, 6. November 2016.

Eine Ausstellung, die Familien zusammenführt

Immer noch tauchen von Mascher gezeichnete Portraits in Privatsammlungen auf, oft sind die Bilder unsigniert und nur am Stil erkennbar. Auf die Ausstellung auf Burg Posterstein hin meldete sich beispielsweise eine Familie Mehlhorn aus Ponitz, die ein Bild mit drei Kindern besitzt. Sie zeigten es den Kollegen vom Schloss- und Spielkartenmuseum Altenburg und erwähnten, dass die Bildnisse der Eltern, die aus Garbisdorf stammten, leider verschollen seien. Es stellte sich heraus, dass sich die Portraits der Eltern in der Sammlung des Schloss- und Spielkartenmuseums befinden. – In der Sonderausstellung war die Familie nun erstmals wieder “vereint” zu sehen.

Ein Kinderbild aus Privatbesitz passte unerwartet zu Portraits eines Ehepaars aus der Sammlung des Schloss- und Spielkartenmuseums Altenburg
Ein Kinderbild aus Privatbesitz passte unerwartet zu Portraits eines Ehepaars aus der Sammlung des Schloss- und Spielkartenmuseums Altenburg

Die Portraits der Mehlhorns können zum Frühwerk Maschers gezählt werden. Gustav Wolf von der Geschichts- und Altertumsforschenden Gesellschaft des Osterlandes konnte über die abgebildeten Eheleute in Kirchenbüchern Folgendes herausfinden:

Zacharias Mehlhorn kam am 4. Juni 1810 in Garbisdorf zur Welt. Sein Vater war der Anspanner Gottfried Mehlhorn und seine Mutter hieß Christine, geborene Bauer, aus Langenleuba-Niederhain.
Zacharias Mehlhorn heiratete am 10. Februar 1842 in der Kirche Ziegelheim Christine Müller, die Tochter des Anspanners Jacob Müller aus Niederarnsdorf. Die Kirchenbücher betiteln ihn dabei mit „Anspanner und Waldenburgischer Amtsrichter alhier“. Noch im Jahr 1880 diente er als zweiter Amtsschulze in der Gemeinde Garbisdorf.
Den gemeinsamen Hof kaufte Zacharias Mehlhorn am 5. Februar 1834 mit Zubehör für 6.050 Gulden von seinen Vater Gottfried Mehlhorn. Sein Vater besaß seit 27. Juni 1807 das ehemalige Veit‘sche Pferdefrongut „mit 2 ¾ Hufen“, das heißt 21,2 Hektar, als Folge seiner Hochzeit mit Christiane Veit am 5. April 1804. Weitere Vorbesitzer waren: die gleichnamige Christiane Veit (seit 24. August 1765), Michael Veit (seit 1. Februar 1736), Jacob Veit der Untere und Michael Veit (seit 11. Juli 1693).
1880 wurde der Besitz mit einer Größe von 41,1 Hektar angegeben. Um 1883 übernahm Emil Mehlhorn das Anspanngut.

Welcher der Söhne auf dem Portrait Emil Mehlhorn ist, bleibt jedoch unklar.

#MascherMarchenMemo mit Christine Mehlhorn aus Garbisdorf

Wer noch einmal online #MascherMarchenMemo spielen möchte, kann dies hier tun – das Kartenspiel zum Anfassen gibt es noch in den Museumsshops in Altenburg und Posterstein. – Das Portrait von Christine Mehlhorn ist mit dabei.

Von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

Weitere Blogposts zu Friedrich Mascher und Altenburger Bauern:

Frisch restauriert: Pastelle des Bauernmalers Friedrich Mascher
Für Sonderausstellung gesucht: Wer besitzt Gemälde vom „Bauernmaler“ Friedrich Mascher?
Reinschnuppern in die neue Ausstellung mit dem #MascherMarchenMemory
Kriminalgeschichte der Postersteiner Bauernportraits: Zeigen die Bilder Pfrengers, Schellenbergs oder Köhlers?
Siegelring, Jagdhund und Tabakspfeife: Statussymbole Altenburger Bauern

Die Zahl 13 kann auch eine Glückszahl sein: Wanderung des Museumsvereins Burg Posterstein 2016

Wunderbares Wanderwetter auf den Weg zum kleinen Bauernmuseum in Nitzschareuth.
Wunderbares Wanderwetter auf den Weg zum kleinen Bauernmuseum in Nitzschareuth.
Wunderbares Wanderwetter auf den Weg zum kleinen Bauernmuseum in Nitzschareuth.

Die Zahl 13 kann auch eine Glückszahl sein, denn 13 Wanderfreunde des Museumsvereins Burg Posterstein e.V. trafen sich am 21. Mai bei schönstem Frühlingswetter in dem kleinen malerischen Ort Kühdorf (67 Einwohner), um eine Wanderung nach Nitschareuth zum Bauernmuseum unter der Führung des „Wanderleiters“ Matthias von Hintzenstern zu starten. Der frisch ernannte Träger dieses Titels berichtet in diesem Blogpost über den Verlauf der Wanderung, die sich thematisch an die aktuelle Sonderausstellung (nur noch bis 6. Juni!) über den Bauernmaler Friedrich Mascher anlehnt.

Kühdorf begeht in diesem Jahr sein 600jähriges Gründungsjubiläum und die Sankt Georgs Kirche (1716) wird 300 Jahre alt. Am Samstag, dem 25. Juni 2016 findet die Feier zum Dorf- und Kirchenjubiläum statt.

Vom Dorfanger startete die Wandergruppe in Richtung Wildetaube, überquerte die B92, um dann auf dem Radweg nach Neugernsdorf zu wandern. Dort gab es, vom Wanderleiter „mühsam bestellt“, ein prächtiges Frosch-Konzert auf dem Dorfteich. Durch eine blühende und duftende Frühlingslandschaft, durch kleine Waldstücke, vorbei an Teichen, führte der Weg nach Dasslitz. Von dort hatte man einen schönen Blick auf die Kirche von Nitschareuth aus dem Jahre 1658.

Dem Radweg folgend, der von Kirschbäumen gesäumt ist, gelangte man nach kurzen, steilen Anstieg in den Ort.

Der Dorfanger steht seit 1979 unter Denkmalschutz und gehört mit seinen Drei- und Vierseithöfen zu einem der besterhaltensten in Ostthüringen.

Im Bauernmuseum empfing uns auf das Herzlichste das Ehepaar Richter, die das Museum samt Gaststube seit sechs Jahren betreuen.

Bei Bier, Kräutercremsüppchen und Blumenkohlauflauf unterm Sonnenschirm im Hof des Anwesens ließen es sich die Wanderer wohl sein. Kindern, die im Hof „Sacklochwerfen“ spielten, taten es dann einige Mutige nach und trafen sogar manchmal.

Herr Fechner, einer der Mitbegründer des Museums im Jahr 1986, führte unsere Gruppe durch die Ställe, Wohn- und Gasträume und die Scheune. Nach einem Spaziergang durch den Kräutergarten gab es noch Kaffee und Kuchen. So gestärkt, war der Rückweg fast ein Kinderspiel. Nach rund zwölf Kilometern kam die Wandergruppe, gut gelaunt und sonnengebräunt, wieder in Kühdorf an.

Der frisch ernannte Wanderleiter, Matthias von Hintzenstern hat nun ein Jahr Zeit, sich eine weitere Wanderstrecke für das nächste Jahr auszudenken.

Von Angelika und Matthias von Hintzenstern, Museumsverein Burg Posterstein e.V.

Zum Weiterlesen:

Bauernmuseum Nitzschareuth Website und Facebook

Siegelring, Jagdhund und Tabakspfeife: Statussymbole Altenburger Bauern

Rosine Hahn - gemalt von Friedrich Mascher, Schloss- und Spielkartenmuseum Altenburg, Inv.-Nr. SM 2224
Rosine Hahn – gemalt von Friedrich Mascher, Schloss- und Spielkartenmuseum Altenburg, Inv.-Nr. SM 2224
Rosine Hahn fährt auf: Sie trägt nicht nur ihre Festtagsttracht im Stil der Altenburger Bauern, sondern auch fünf wertvolle Goldringe, hält ihr mit goldenen Buchstaben “V. (?) Hahn” versehenes Gesangbuch im Arm und ein Blumenbouquet.

Die Witwe Rosine Beierlein, geborene Dietrich, aus Langenleuba-Niederhain heiratete am 30. Dezember 1856 in der Kirche Dorna bei Gera den “Auswärtigen” Valentin Hahn aus dem Fürstentum Reuß jüngere Linie. Rosine war in erster Ehe mit dem Anspanngutsbesitzer Michael Beierlein aus Frohnsdorf verheiratet. Ihm hatte sie 1853 das gemeinsame Anspanngut in Frohnsdorf bei Altenburg für 10.000 Taler abgekauft. Ihr zweiter Mann Valentin Hahn starb 1875 mit 54 Jahren an einem Herzschlag. Noch 1880 befand sich der 36,1 Hektar große Hof in Frohnsdorf im Besitz von Rosine, verwittwete Hahn.

Das oben abgebildete, von Friedrich Mascher (1815–1880) gefertigte Portrait aus der Sammlung des Schloss- und Spielkartenmuseums Altenburg war bisher nur als unbekanntes Frauenbildnis verzeichnet. Im Rahmen der Recherchen für die gemeinsame Sonderausstellung, konnte Gustav Wolf von der Geschichts- und Altertumsforschenden Gesellschaft des Osterlandes zu Altenburg neue Details herausfinden. Auf Grund der Gesangbuchbeschriftung „V. Hahn“ konnte das Portrait dem Bildnis des Valentin Hahn zugeordnet werden und zeigt demnach dessen Frau Rosine. Ein weiteres Indiz dafür sind die gleichen originalen Bilderrahmen.

Stolze Altenburger Bauern

Zacharias Petzold aus Buscha mit Tabakspfeife - gemalt von Friedrich Mascher (Bild: Privatbesitz)
Zacharias Petzold aus Buscha mit Tabakspfeife – gemalt von Friedrich Mascher (Bild: Privatbesitz)
Die Altenburger Bauern, mundartlich “Marche” (abgeleitet vom Name Marie) und “Malcher” (vom Name Melchior) genannt, waren sehr wohlhabend. Statussymbole, die ihren Reichtum zum Ausdruck bringen, finden sich häufig auf den Portraits des Malers Friedrich Mascher: Goldener Siegelring, Tabakpfeife, Zigarre, Jagdhund oder Taschenuhr (an goldener Kette) beim Malcher oder Goldringe, Gesangbuch und Blumenstrauß (Riechblume) bei der Marche. Das Museum Burg Posterstein zeigt in der Sonderausstellung “Der Portraitmaler Friedrich Mascher: Ausstellung zum 200. Geburtstag” über 40 Portraits, die der Wandermaler Mascher schuf.

Blumensträuße mit versteckter Botschaft?

Einen festen Bestandteil in der Symbolik dieser Bilder nehmen offenbar die kleinen biedermeierlichen Blumenbouquets ein, die je nach Anlass unterschiedliches Aussehen haben und damit dem Betrachter auch verschiedene Botschaften über die Frau oder einen bestimmten Wohlgeruch vermitteln können. Die Kinder wiederum werden meist in festlicher Kleidung mit ihrem Lieblingsspielzeug oder -tier portraitiert.

Friedrich Maschers Bilder sollen zwar preislich günstiger als die Portraits anderer Altenburger Maler seiner Zeit gewesen sein. Dennoch leisteten sich auch reiche Bauern einen solchen Luxus meist nur einmal im Leben. Pierers Universallexikon, das 1840 in Altenburg erschien, beschreibt die Bauern folgendermaßen:

„Die Altenburger Bauern sind sehr wohlhabend, wobei sie ihr trefflicher Boden, den sie sehr verständig bearbeiten, unterstützt.

In der Regel erbt der jüngste Sohn das Gut. sind nur Töchter da, so erhält die Älteste das Gut, die älteren Söhne heiraten womöglich reiche Bauerntöchter; hierbei und bei anderen Gelegenheiten herrscht der Aristokratismus, wonach ein 4spänniger Bauer seine Tochter nicht leicht einem 2spännigen Bauern gibt, noch weniger dieser einem Kühbauern oder Häusler, wie bei dem ältesten Adel vor. Selten wird ein Gut zerstückelt.

Die Bauern sind zum Theil sehr gebildet; Büchersammlungen, Pianopforte’s ec. sind bei den wohlhabendem keine Seltenheit, viele wissen gut mit der Feder umzugehen. Dabei findet man häufig launigen Witz, aber auch List und Mißtrauen gegen die Städter. (…)

Bei ihren Hochzeiten und Kindtaufen herrschten sonst viel Luxus und manche eigne Gebräuche. Das Kartenspiel lieben sie; der Umgang mit dem anderen Geschlecht ist sehr vertraulich…“


Außerdem im Blog:

Kriminalgeschichte der Postersteiner Bauernportraits: Zeigen die Bilder Pfrengers, Schellenbergs oder Köhlers?
Reinschnuppern in die neue Ausstellung mit dem #MascherMarchenMemory

In den sozialen Netzwerken werden Infos zur Ausstellung unter dem Hashtag #MascherMarchen verbreitet.

von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

Kriminalgeschichte der Postersteiner Bauernportraits: Zeigen die Bilder Pfrengers, Schellenbergs oder Köhlers?

Der von Mascher portraitierte Bauern Julius Schellenberg (1835–1900) erhielt im Zuge der neuen Sonderausstellung seinen Namen zurück (Museum Burg Posterstein)
Bei dem von Friedrich Mascher portraitierteb Bauer könnte es sich um Melchior Schellenberg handeln (Museum Burg Posterstein)

Im Zuge der Recherchen für die kommende Sonderausstellung “Der Portraitmaler Friedrich Mascher: Ausstellung zum 200. Geburtstag”, zu der auch ein Buch erscheinen wird, kamen neue Informationen zu den Bildern Friedrich Maschers ans Tageslicht. Gustav Wolf, Vorsitzender der Geschichts- und Altertumsforschenden Gesellschaft des Osterlandes zu Altenburg, konnte durch tiefgründige Recherchen im Thüringischen Staatsarchiv Altenburg, in Kirchenbüchern und anderen Quellen neue Details über die auf Maschers Bildern abgebildeten Altenburger Bauern herausarbeiten. Auf diese Art erhielt das 2014 vorgestellte Bauernpaar aus der Sammlung des Museum Burg Postersteins eine neue Identität.

2014 konnten die Bilder restauriert werden. Damals gingen wir davon aus, dass es sich bei den darauf abgebildeten Bauern um ein Ehepaar Pfrenger aus Greipzig handelt, weil sie aus dem Besitz der Familie, die dem Museum die Bilder verkauften, stammten. Greipzig ist ein kleiner Ort nahe Altenburg, der heute rund 40 Einwohner zählt. Genauere Informationen über die abgebildeten Personen waren dem Museum zum Zeitpunkt der Restaurierung nicht bekannt – klar war nur, dass es sich um zwei gut erhaltene und sehr typische Pastellzeichnungen von Friedrich Mascher handelte. Für die neue Ausstellung konnte Gustav Wolf nun völlig neue Informationen recherchieren und fand dabei heraus, dass es sich bei dem abgebildeten Paar tatsächlich um Vorfahren der Familie Pfrenger handeln könnte.

Die Ahnen der Familie Pfrenger lassen sich auf zwei benachbarten Höfen nachweisen. Das Portrait des Mannes ist auf der Vorderseite signiert und mit der Jahreszahl 1860 versehen. Mit Blick auf dieses gesicherte Datum kommen mehrere Ehepaare in Frage, die damals auf den beiden Höfen lebten und somit portraitiert sein könnten:

Melchior und Sophie Schellenberg

Der Anspanner Melchior Schellenberg (25. Juni 1805 in Gleina–9. Juli 1889 in Greipzig) und Sophie, geborene Kratzsch (1816–1882), heirateten am 9. Juli 1833 in Saara. Sophie erbte am 16. September 1834 den Hof ihrer Eltern Gottfried Kratzsch (1768–1830) und Christine, geborene Brauer (1777–1834) in Greipzig.

Julius und Anna Louise Schellenberg

Eigentlich hieß sie nicht Prenger, sondern Anna Louise Schellenberg, geborene Dietze (1839–1905) (Museum Burg Posterstein)
Sophie Schellenberg? Anna Louise Schellenberg? Oder doch Anna Köhler? (Museum Burg Posterstein)
Die Bilder könnten auch ihren einzigen Sohn Julius Schellenberg (1835–1900) und seine Frau Anna Luise, geborene Dietze (1839–1905), zeigen. Julius kaufte das elterliche Gut am 27. März 1861 von seiner Mutter für 10.800 Taler mit Auszugsbedingungen und Vorbehalt der Bewirtschaftung bis Johannis 1871. Er heiratete am 4. April 1861 in Saara Anna Luise, Tochter des dortigen Erb- und Eigentumsmüllermeisters Christian Karl Dietze und Anna, geborene Diezmann, aus Kauritz bei Gößnitz. Dagegen spricht, dass Julius und Anna Luise erst 1861, ein Jahr nach der Fertigstellung der Portraits, heirateten und das Gut übernahmen. Zudem scheint der abgebildete Mann älter als 25 Jahre alt zu sein.

Michael und Anna Köhler

Eine dritte Möglichkeit wäre, dass die Portraits Schellenbergs damalige Nachbarn, Michael Köhler (1817–1891) und Anna Köhler, geborene Apel (1836–1888), zeigen – Mascher portraitierte in Modelwitz ihre Mutter Anna, geborene Apel (1806–1875), und ihren Bruder Julius Apel. Denn nachdem Julius Schellenbergs Sohn Arno (1877–1915) im Ersten Weltkrieg fiel, heiratete seine Witwe Marie Margarete, geborene Kirste (*1883), aus Gieba, den jungen Landwirt Oskar Richard Wilhelm Pfrenger (*1899 in Heiligenkreuz) und zog mit ihm auf den Nachbarhof, der auf der Fotografie abgebildet ist. Ihre Kinder aus erster Ehe führten währenddessen den väterlichen Hof weiter und somit befanden sich seitdem beide Höfe im Besitz der Familien Schellenberg und Pfrenger. Als die Portraits gemalt wurden, lebte auf dem Pfrenger‘schen Hof Michael Köhler, der ihn 1854 seinem Vater Melchior (1780–1855) für 8.000 Taler abgekauft hatte. Michael Köhler heiratete 1862 in Stünzhain Anna Apel.

Hof Schellenberg in Greipzig - Foto aus dem Familienarchiv (Museum Burg Posterstein)
Hof der Familie Pfrenger in Greipzig – Foto aus dem Familienarchiv (Museum Burg Posterstein)

Dagegen, dass die Portraits das Ehepaar Köhler zeigen, spricht, dass sie erst zwei Jahre nach dem auf der Signatur angegebenen Datum heirateten und dass es unwahrscheinlich erscheint, dass die gut erhaltenen Pastelle über zwei Zwischenbesitzer des Hofs (Louis Albin Kirmse ab 1889 und Herbert Kirmse (*1895) ab 1922) an die Familie Pfrenger weitergegeben wurden. Marie Margarete Pfrenger, geborene Kirste und verwitwete Schellenberg, und ihr zweiter Mann übernahmen den Hof erst am 15. November 1928. Ihre Nachfahren bewahrten schließlich die Portraits und gaben sie ans Museum Burg Posterstein.

Die Geschichte der Familien Schellenberg, Pfrenger und Köhler gibt einen schönen Einblick in die reichhaltige Geschichte der Altenburger Bauern, die der Maler Friedrich Mascher als seine wichtigste Klientel entdeckt hatte.

Historische Informationen: Gustav Wolf, Vorsitzender der Geschichts- und Altertumsforschenden Gesellschaft des Osterlandes zu Altenburg

Weitere Informationen zur Sonderausstellung

Außerdem im Blog:
Reinschnuppern in die neue Ausstellung mit dem #MascherMarchenMemory

In den sozialen Netzwerken werden Infos zur Ausstellung unter dem Hashtag #MascherMarchen verbreitet.

von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

Reinschnuppern in die neue Ausstellung mit dem #MascherMarchenMemory

MascherMarchenMemory

Der Maler Friedrich Mascher (1815-1880) zog in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu Fuß durch die Altenburger Region und hatte die wohlhabenden Altenburger Bauern als wichtigste Klientel für sich entdeckt. Als empfindliche Pastelle auf Tapete fertigte er detailreiche Portraits mit leuchtend blauem Hintergrund, denen eine hohe Ähnlichkeit nachgesagt wird. Seine Auftraggeber ließen sich in ihrer traditionellen Tracht abbilden.

Was bitte ist eine Marche?

Mundartlich wurde der Altenburger Bauer “Malcher” genannte – abgeleitet vom verbreiteten Namen Melchior. Die Bäuerin hieß analog eine “Marche”, was an den Namen “Marie” angelehnt war. Ausführliche Informationen zum Künstler Friedrich Mascher und der Kultur der Altenburger Bauern gibt es bereits in einem früheren Blogpost.

Das #MascherMarchenMemory

Friedrich Mascher hat viele Bäuerinnen in ihrer traditionellen Tracht sehr detailreich dargestellt. Mit unserem kleinen #MascherMarchenMemory-Spiel auf der Website des Museums lassen sich diese Details besonders gut bemerken und einprägen! – Einfach gleiche Paare finden.

Maschers Portraits als Zeugnis Altenburger Bauernkultur

Die oft unsignierten Pastelle Maschers stellen heute ein wichtiges Zeugnis der bäuerlichen Kultur im ehemaligen Herzogtum Sachsen-Altenburg dar. Mit über 60 Bildern besitzt das Schloss- und Spielkartenmuseum Altenburg die größte Sammlung. In der Sammlung des Museum Burg Postersteins befinden sich sechs Bilder Friedrich Maschers, darunter aber auch seltene bürgerliche Portraits, die belegen, dass Mascher nicht ausschließlich Bauern malte. Das Lindenau-Museum Altenburg verfügt über zwei weitere Werke, in der Kirche in Neuenmörbitz hängen fünf Portraits.

Auf unseren Aufruf hin konnten noch bisher unbekannte Bilder in Privatbesitz ausfindig gemacht und zum Teil sogar für die Ausstellung geliehen werden. Wir danken den Leihgebern jetzt schon recht herzlich!

Plakat_Mascher_BurgPostersteinDie Sonderausstellung “Der Portraitmaler Friedrich Mascher: Ausstellung zum 200. Geburtstag” läuft von 6. März bis 5. Juni 2016 im Museum Burg Posterstein und ist eine Kooperation mit dem Schloss- und Spielkartenmuseum Altenburg, das ab September ebenfalls eine Mascher-Ausstellung zeigt. Diesem gilt auch unser besondere Dank für die Bereitstellung der Bilder für das kleine Memoryspiel. Bis zur Ausstellungseröffnung wird noch das ein oder andere neue “Marchenpaar” zum Spiel hinzukommen.

Zur Ausstellung erscheint ein Buch.

Von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

Für Sonderausstellung gesucht: Wer besitzt Gemälde vom „Bauernmaler“ Friedrich Mascher?

Mascher-Portrait des Bauern Prenger aus Greipzig um 1860 (Museum Burg Posterstein)
Mascher-Portrait des Bauern Prenger aus Greipzig um 1860 (Museum Burg Posterstein)
Im 19. Jahrhundert ließen sich viele wohlhabende Hofbesitzer des Altenburger Herzogtums porträtieren. Diese Bilder sind meist als empfindliche Pastelle ausgeführt. Der bedeutendste Maler, der in der Altenburger Region solche Porträts herstellte, war Friedrich Mascher (1816-1880). In einer gemeinsamen Sonderausstellung zum 200. Geburtstag des Künstlers wollen das Museum Burg Posterstein und das Residenzschloss Altenburg Porträtbilder und Hofansichten zeigen und die Kultur der Bauern der Region im 19. Jahrhundert vorstellen.

In Vorbereitung dieser besonderen Schau starten wir gemeinsam mit dem Residenzschloss diesen Aufruf an Bürger und Vereine der Region und darüber hinaus: Wer besitzt noch Bilder, Porträts und Pastelle des Malers Friedrich Mascher und würde sie für die Dauer der Sonderausstellung zur Verfügung stellen? Ein Beispiel für Maschers Stil ist hier abgebildete das Porträt des Bauern Prenger aus Greipzig (um 1860) aus der Postersteiner Sammlung.

Das Museum Burg Posterstein zeigt die Ausstellung vom 6. März bis 5. Juni 2016. Im September 2016 wird sie im Residenzschloss Altenburg zu sehen sein. Dazu erscheint ein reich bebilderter Katalog.

Weitere Informationen zu Mascher-Bildern in Posterstein

Von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

Frisch restauriert: Pastelle des Bauernmalers Friedrich Mascher

Aktualisierte Informationen zu den Postersteiner Bauernportraits gibt es hier.

Den 37. Internationale Museumstag nutzte das Museum Burg Posterstein um drei neu erhaltene Exponate aus der regionalgeschichtlichen Sammlung näher vorzustellen: Die Pastell-Portraits einer Altenbruger Bauernfamilie. Der Bauernmaler Friedrich Mascher porträtierte die “Malscher und Marschen” in ihrer ortstypischen Tracht. Dieser Blogpost gibt Einblicke in die Kultur der Bauern im Altenburger Land.

Altenburger Bauerntrachten (historische Postkarte aus der Sammlung des Museums)
Altenburger Bauerntrachten (historische Postkarte aus der Sammlung des Museums)

Ein der Teil der Sammlungen des Museums ist der eigenständigen Kultur der Altenburger Bauern gewidmet, die sowohl in der Bauart der Höfe, als auch einer eigenen Mundart, Tracht sowie speziellen Traditionen wie Hochzeitszeremonie und Bauernreiten (Hochzeitszug) oder einer ausgeprägten Gasthofkultur sichtbar wird.

Blütezeit der Gasthöfe

Auf Grund der hervorragenden Wirtschaftlichkeit der Höfe, die wesentlich auf den fruchtbaren Boden und einem speziellen Erbrecht (Unteilbarkeit der Höfe, der jüngste Sohn erbte) basierte, verfügten die Bauern auch über Freizeit. Manche nutzte diese seit der Mitte des 19. Jahrhunderts zur Beschäftigung mit Naturkunde und Geschichte.

Altenburger Bauern - im Hintergrund das Residenzschloss Altenburg
Altenburger Bauern – im Hintergrund das Residenzschloss Altenburg

Eine Blütezeit erlebten dadurch vor allem die Gasthöfe. Der Gasthof war Versammlungs- und Kommunikationsort. Nach erfolgreichen Geschäften an Marktagen in den Städten oder an Fest- und Feiertagen kehrte man standesgemäß ein. Bedeutsam sind die Gasthöfe nicht nur als gesellige Zentren der Ortschaften, sondern auch wegen ihrer einzigartigen, architektonisch interessanten Festsäle. Große Säle mit über 2000 Plätzen, Bühnenbauten und umlaufenden Galerien, wechselten sich mit kleineren Sälen ab, je nach Wohlstand der Region und ihrer Besitzer.

Heute bezeugen nur noch wenige bewirtschaftete alte Gasthöfe diese Zeit, ein Großteil von ihnen ist aufgegeben, verfallen, abgerissen oder zu Wohnzwecken umgebaut. Die Trachten der Altenburger Bauern sind aus dem Alltag gänzlich verschwunden. Eine Renaissance erleben diese aber in jüngster Zeit durch Trachtenträger zu Folklorefesten und in der Brauchtumspflege.

Bäuerliche Trachten im Altenburger Land

Die Träger der Altenburger Bauerntracht wurden auch als Marche – was sich wohl von Marie ableitet – und als Malcher (Melchior) bezeichnet. Die Tracht war zumeist teuer ausgearbeitet und steht somit als Symbol für den Wohlstand der Region. In Pierers Universallexikon von 1840 ist folgendes über die Trachten und Sitten der Altenburger Bauern nachzulesen:

Die Tracht des Bauern
… „Sie tragen sehr weite, kurze Hosen von schwarzem, sämischgarem Leder, einen schwarzen Latz ohne Aermel, den Hosenträger über demselben, einen schwarzen Rock (Kappe) ohne Kragen (statt derselben ragt der Hemdkragen hervor) mit grünem Futter und nur selten (sonst häufiger) einen weißen tuchnen Rock. Oft tragen sie gar keinen Rock, sondern gehen in bauschigen Hemdärmeln, oder haben statt desselben einen kurzen Tuchspenser; außerdem haben sie enge, bis an das Knie reichende Stiefeln und einen kleinen, runden Hut mit niedrigem Kopf und schmaler, vorn senkrechter, hinten aufwärts stehender Krämpe. Im Winter haben sie Lederpelze und Kragenmäntel.“…

Die Tracht der Bäuerin
… „Die weit unkleidsamere Tracht … zeichnet sich durch den enggefälteten, nur wenig über die Knie reichenden , prallen und ausgepolsterten Rock von buntem Kattun, und durch den pappenen, die Brust völlig breit drückenden Latz aus. Außerdem tragen sie Schürzen, ein enganliegendes Corset und eine hinten weit übergebogene Mütze mit buntem oder schwarzem Band. Im Sommer und bei Festen tragen sie Strümpfe und Schuhe oder Klapppantoffeln , im Winter Halbstiefeln, einen Tuchspenser und einen Tuchmantel mit langem Kragen. Bei Hochzeiten, Gevatterschaften und sonstigen Festlichkeiten tragen die Mädchen (deren gewöhnliche Mützen hinten zulaufen, während die der verheirateten Frauen einen kleinen, gefälteten Kranz bilden ), Hormte, pappene Mützen, mit Band umwunden oder mit rotem Sammet überzogen, oben offen, mit beweglichen Goldblättchen behangen.“ …

Das Hormt – der Festtagsschmuck

Die Marsche und der Malscher in ihrer traditionellen Altenburger Tracht
Die Marche und der Malcher in ihrer traditionellen Altenburger Tracht

Mundartlich abgewandelt, stammt der Begriff aus dem Mittelhochdeutschen und steht für Harband (auch habant), das Haarband. Das Hormt hat seinen Ursprung in der altgermanischen Kopfbinde, eines aus Wolle, Leinen oder Metall hergestellten Kopfschmucks. Es wurde von den Familien wohlhabender Bauern als wertvoller Besitz, als so genanntes „Mutterteil“ weitervererbt.

Tragen durften es die Mädchen von der Konfirmation bis zur Verheiratung. Schwangeren und solchen, die unehelich geboren hatten, sowie verheirateten Frauen war das Tragen des Hormtes verboten. Es war also Zeichen der Jungfernschaft. Man nannte die Hormtträgerinnen deshalb auch Hormtjungfern, die bei der Kommunion das Recht hatten, in ihrem Ehrenschmuck zuerst an den Altar zu treten und das Abendmahl zu empfangen. Festlichster Anlass für das Tragen des Hormtes war dann die Hochzeit nach althergebrachten Brauch.

Portrait einer Altenburger Familie um 1860

Mascher-Portrait des Bauern Prenger aus Greipzig um 1860 (Museum Burg Posterstein)
Mascher-Portrait des Bauern Pfrenger Schellenberg aus Greipzig um 1860 (Museum Burg Posterstein)

Neben den Trachten selbst spielen auch ihre Darstellungen auf Grafiken, Ansichtskarten und Gemälden eine zentrale Rolle für die kulturgeschichtliche Sammlung des Museums Burg Posterstein. Als Ankauf gelangten drei Portraits in den Besitz des Museums, welche ursprünglich aus dem Besitz der Familie Pfrenger aus dem Ort Greipzig stammen. Die Werke entstanden um 1860 und wurden vom bekannten Bauernmaler Ernst Friedrich Mascher gemalt. Als Brustbild vor blauem Himmel wurde das Ehepaar (Schellenberg, wie sich später herausstellte) in Pastell gezeichnet und trägt dabei die Altenburger Bauerntracht, vom Künstler im Detail herausgearbeitet. Somit stellen die Gemälde einen ganz speziellen Bezug zur Kultur des Altenburger Landes, zu seinen Bewohnern und dem Künstler dar, der die Arbeiten anfertigte. Nach einer grundsätzlichen Restaurierung erhielten die Werke nun einen Platz in der ständigen Ausstellung.

Der wandernde Künstler Ernst Friedrich Mascher

Die Familie Pfrenger Schellenberg war nicht die einzige aus der Umgebung Altenburgs, die sich vom wandernden Künstler Friedrich Mascher porträtieren ließ. Tatsächlich gab es wohl kaum ein größeres Bauerngut, das kein Werk des Künstlers besaß. Die meisten seiner Bilder sind aus dem Wieratal bekannt, besonders aus Frohnsdorf. Doch auch in und um Gößnitz, Dobitschen, Meucha und an der Westgrenze des Kreises war Mascher tätig. Wieviele Bilder er tatsächlich anfertigte ist nicht nachzuvollziehen, doch schenkt man der Beschwerde des Altenburger Malers Franz Richter von 1860 Glauben, so stellte Mascher in einigen Dörfern 20-30 Bilder her. In anderen Orten sogar mehr. Er war ein sehr bekannter Mann. Am 18. Juli 1880 erschien ein Nachruf auf seinen Tod in der größten Tageszeitung der Residenzstadt Altenburg: in der „Altenburger Zeitung für Stadt und Land“. Dabei hatte Mascher nicht einmal einen Wohnsitz in Altenburg; kam noch nicht einmal aus der Region!

Doch trotz seiner Bekanntheit sind kaum Fakten über sein Leben bekannt. Was wir wissen ist, dass Ernst Friedrich Mascher am 6. November 1815 in Tennstedt geboren wurde. Er war das dritte Kind von Heinrich Christian Maschers (Wagner oder Stellmacher von Beruf) und dessen Frau Charlotte Friederike. 1842 heiratete Friedrich Mascher eine Frau aus dem Anhaltinischen: Sophie Friedrike Leopoldine Rosamunde Riede, mit welcher er 1853 einen Sohn, Friedrich Hugo, bekam. Die Familie lässt sich in den Adressbüchern von Weißenfels und Halle fassen, aber nie im Altenburgischen. Mascher ging hier nur seiner Tätigkeit nach. Bei seiner Hochzeit gab er sogar an, er sei von Berufswegen „Mahler in Altenburg“.

Ein rätselhafter Tod

Seit Anfang der 1870er Jahre lebte der Künstler aber wohl von seiner Familie getrennt, führte scheinbar ein Wanderleben und wird von Zeugen als stiller, untersetzter Mann beschrieben.

So rätselhaft wie sein Leben, waren schließlich auch die Umstände seines Todes: Am 26. Juni 1880 wurde er im Luckaer Forst besinnungslos aufgefunden und ins Landeskrankenhaus nach Altenburg gebracht, wo er am 29. Juni 1880, wohl an einer Lungenentzündung, starb. Wie es zu diesem Ende kam, ist nicht geklärt. Nach Angaben der Ärzte erwachte Mascher nicht mehr aus seiner Ohnmacht. War er das Opfer eines Raubes geworden? Oder ein Opfer seiner Wanderschaft? Diese Fragen müssen wohl ungeklärt bleiben.

Maschers Werk: Hohe Portraitähnlichkeit, durchwachsene künstlerische Qualität

Von Maschner portraitierte Bauersfrau Prenger aus Greipzig (Museum Burg Posterstein)
Von Maschner portraitierte Bauersfrau Pfrenger Schellenberg aus Greipzig (Museum Burg Posterstein)

Friedrich Mascher malte sicherlich nicht nur für ein bäuerliches Klientel. Wenigstens ein Bild von ihm ist auch aus bürgerlichem Haushalt bekannt. Je nach Auftragslage werden es wohl einige mehr gewesen sein. Ausführlich dokumentiert sind allerdings nur die Bauernportraits aus dem Altenburger Land.

Mascher wird eine hohe Portraitähnlichkeit angerechnet, sein Werk gilt allerdings als von durchwachsener künstlerischer Qualität. Einige Bilder sind aufs Feinste ausgearbeitet, andere eher grob gefertigt. Die Unterschiede sind so gravierend, dass einige Zeit lang in der Forschung angenommen wurden, es gäbe zwei Maler „Friedrich Mascher“. Vater und Sohn vielleicht? Doch diese qualitativen Unterschiede scheinen eher mit einer gewissen Routine beim Malen, einer Anpassung an moderne Auffassungen oder reiner Flüchtigkeit zusammen zu hängen.

In der Regel malte Mascher seine Modelle vor blauem Himmel und in reich verzierter Tracht. Besonders bei der Kleidung legte der Künstler sein ganzes Talent an den Tag. Selbst die verschiedenen Stoffe der Tracht lassen sich auf den Bildern ausmachen. Die Gesichter der Marschen sind zumeist freundlich. Die Damen sind oft mit einem Blumenstrauß bzw. mit einer Riechblume dargestellt und haben reich beringte Hände. Die Männer sind meist mit einer brennenden Zigarre und – wohl je nach Sympathie des Malers – freundlich dargestellt. Mascher malte stets Pastelle und trug die Farbe auf Tapete oder ähnliches Papier auf.

Vater, Mutter, Kind – Die Bilder im Museum Burg Posterstein

Zwei der drei Bilder, welche das Museum für die Sammlung gewinnen konnte, lassen sich Friedrich Mascher zuordnen. Dabei handelt es sich um das bereits genannte Ehepaar Pfrenger Schellenberg. Sie sind im typischen Stil des Malers – in Pastell – gefertigt und auf dem Portrait des Hausherren lässt sich die Signatur Maschers und das Datum 1860 nachweisen. Die beiden Werke passen äußerlich gut zusammen: Beide vor blauem Himmel gemalt, die Frau mit zwei Blumen in der Hand und reich beringten Fingern, der Mann mit Hund dargestellt. Beide Portraits sind auf alter Tapete aus der entsprechenden Zeit aufgebracht.

Ein ebenfalls neu erworbenes Kinderportrait gibt allerdings Rätsel auf. Eine Signatur ist nicht auszumachen, die Technik scheint eine andere zu sein, Fehlstellen wurden bereits ausgebessert und auch der Hintergrund und die allgemeine Erscheinung wollen nicht recht zu den beiden anderen Werken passen. Ob es sich bei diesem letzten Stück um ein weiteres Bild Maschers handelt, kann nur schwer bestimmt werden. Vielleicht stammt es auch aus einer anderen Zeit und sollte die Familie nachträglich komplettieren.

Nach umfassender Restaurierung (u.a. Entfernung der Pappe beim Kinderbild, neue Ergänzung der Fehlstellen, Schaffung einer luftdichten Rahmung) konnten die Bilder pünktlich zum internationalen Museumstag am 18. Mai 2014 in neuem Glanz präsentiert werden. Unter Rücksichtnahme auf die Empfindlichkeit der Arbeiten haben sie nun zeitweise ihren Platz in der ständigen Ausstellung des Museums gefunden.

Zum Weiterlesen:

Ingo Bach: Neues zu dem Leben von Ernst Friedrich Mascher; Sächsische Heimatblätter, Sonderdruck aus dem Heft 5/68, 1968, S. 214-216.

Aufsatz von Gustav Wolf: Der Bauernmaler Friedrich Mascher, in: Die Altenburger Bauern im Kunsthandwerk und in der bildenden Kunst. Begleitheft zur Sonderausstellung im Schloss- und Spielkartenmuseum Altenburg, Altenburg 2012.

Von Franziska Engemann