Mysteriöser Maler: Landschaftsmaler, Italien-Reisender, Zeichenlehrer im Salon

Der Maler Ernst Welker aus Gotha starb vor genau 165 Jahren, am 30. September 1857, in Wien. Das Museum Burg Posterstein widmet dem Künstler noch bis 13. November 2022 die umfangreiche Ausstellung „Sehnsuchtsziel Italien: Der Maler Ernst Welker auf Reisen und im Salon der Herzogin von Kurland“, zu der auch ein gleichnamiges Buch erschienen ist.

Salongäste in Löbichau (Bleistiftzeichnung, Museum Burg Posterstein)
Ernst Welker (links) auf einem Sofa im Salon (Bleistiftzeichnung, Museum Burg Posterstein)

Wer war Welker?

Der Maler Ernst Welker erhielt schon während seines Studiums an der Wiener Akademie der Bildenden Künste Auszeichnungen für seine Landschaftsmalereien. Bis ins hohe Alter lebte er von seiner Kunst, stellte aus und verkaufte seine Werke zu beachtlichen Preisen. Mit befreundeten Malern wie Johann Christoph Erhard, Johann Adam Klein und den Brüdern Friedrich Philipp Reinhold und Heinrich Reinhold aus Gera begab er sich auf künstlerische Expeditionen nach Salzburg und Berchtesgaden oder in die nähere Umgebung Wiens. Ernst Welker war Lützower Jäger an der Seite Theodor Körners und zeichnete dessen Grab. Mehrere Jahre beschäftigte ihn die Herzogin Wilhelmine von Sagan als Zeichenlehrer und Gesellschafter für ihre Pflegetöchter – darunter die spätere Schriftstellerin Emilie von Binzer. In Gesellschaft der Herzogin von Sagan hielt er sich auf deren schlesischen Gütern Sagan und Ratiborschitz auf und verbrachte den Sommer auf Schloss Löbichau im Salon der Herzogin von Kurland, der Mutter Wilhelmine von Sagans. In Löbichau porträtierte er die anwesenden Gäste als Fabelwesen, halb Mensch, halb Tier oder Gegenstand – diese Aquarelle befinden sich heute in der Sammlung des Museums Burg Posterstein und sind auch in der Europeana zu sehen. Von 1821 an weilte Ernst Welker mehrere Jahre in Italien. Man kann davon ausgehen, dass er sich im Kreis der deutsch-römischen Künstlerkolonie bewegte und namhafte Künstler seiner Zeit ­persönlich kannte. Im Gefolge Wilhelmine von Sagans reiste er bis Neapel, wovon seine Aquarelle zeugen.

Postkarte mit Ernst Welker-Aquarell vor der Burg Posterstein in Thüringen
Ernst Welkers Aquarell „Blick auf den Petersdom in Rom von der Villa Borghese aus“ als Postkarte – im Hintergrund die Burg Posterstein

Und trotz alledem blieb Ernst Welker bisher von der Forschung weitgehend unbeachtet. Bis zum Erscheinen der neuen Publikation „Sehnsuchtsziel Italien – Der Maler Ernst Welker auf Reisen und im Salon der Herzogin von Kurland“ des Museums Burg Posterstein stand Ernst Welker noch nie im Mittelpunkt eines Buchs. Viele Kunstkataloge erwähnen ihn lediglich nebenbei. Dabei sind bereits zeitgenössischen Publikationen Fehler unterlaufen – beispielsweise hinsichtlich des korrekten Geburtsortes (Gotha), dem genauen Geburtsjahr (1784), der familiären Herkunft (Sohn des Sachsen-Gotha-Altenburgischen Archivars Philipp Friedrich Welker) und den genauen Reisezielen Welkers (er war vermutlich nie im Nahen Osten). Seinen Lebensweg nachzuvollziehen, glich einer detektivischen Arbeit, die mit dem 2022 erschienenen Buch erst begonnen hat – und lange noch nicht abgeschlossen ist.

Welker porträtierte seine Arbeitgeberin als stolzes Ross

2014 gelang es dem Museum Burg Posterstein mit Unterstützung der Bürgerstiftung Altenburger Land sowie des Freistaats Thüringen, ein außergewöhnliches Konvolut an Zeichnungen anzukaufen. Die Rede ist von den Löbichauer Salongästen als Fabelwesen, die sich lange Zeit im Besitz von Emilie von Binzer befunden haben. Der Salon der Herzogin von Kurland in Löbichau, das nur wenige Kilometer von Posterstein entfernt liegt, ist eines der wichtigsten Forschungsthemen des regionalgeschichtlichen Museums Burg Posterstein. Der Sammlungsteil Salongäste als Fabelwesen besteht aus 47 Aquarellen mit namhaften Löbichauer Gästen und zwei Skizzen, die alle in einer grünen Halblederkassette aufbewahrt wurden. Sie sind bereits digitalisiert und in der Europeana und auf Wikimedia Commons frei zugänglich und nutzbar. (Weitere Infos zur Sammlung Welker)

Als schönes, wildes Pferd stellte Ernst Welker Wilhelmine von Sagan, die älteste Tochter der Herzogin von Kurland dar.
Als schönes, wildes Pferd stellte Ernst Welker Wilhelmine von Sagan, die älteste Tochter der Herzogin von Kurland dar.

Die Salongäste der Herzogin von Kurland stellte Ernst Welker als humorvolle Fabelwesen dar. Unter den so Porträtierten befinden sich nicht nur die Herzogin Anna Dorothea von Kurland selbst (dargestellt als treuer Pudel) sowie Welkers Arbeitsgeberin Wilhelmine von Sagan (als stolzes Ross), sondern auch der Sachsen-Gotha-Altenburgische Herzog August (als eitler Pfau – dieses Bild ist derzeit nicht in Posterstein, sondern in der Ausstellung „Luxus, Kunst und Phantasie – Herzog August von Sachsen-Gotha-Altenburg als Sammler“ im Herzoglichen Museum Gotha zu sehen), die Schriftstellerin Elisa von der Recke (als Tintenfass), der Dichter Christoph August Tiedge (als Lehnstuhl), der Archäologe Carl August Böttiger (als Statue) und der Jurist Paul Johann Anselm von Feuerbach (als Nagel). Jedes Aquarell ist mit einem Reim versehen. Emilie von Binzer bezeichnete diese Sprüche unter den Porträts als „Fibelverse“. Schon im 18. Jahrhundert verstand man unter einer Fibel ein bebildertes, mit einzelnen, zum jeweiligen Buchstaben passenden Bildmotiven versehenes Leselernbuch. Eine solche Fibel könnte die Vorlage für Welkers Porträts gebildet haben, denn auch hier gibt es in der oberen linken Bildecke jeweils einen Buchstaben in Groß- und Kleinschreibung – z.B. das „A, a“ des possierlichen Affen Graf Peter von Medem und das „Z, z“ des bunt gefleckten Zebras Gräfin Jeannette Bressler. Tatsächlich kommen alle 26 Buchstaben vor, einige sogar mehrfach. Das Bestreben, das gesamte Alphabet abzudecken, erklärt dann auch eher gewollt klingende Verse wie: „Schwer zu finden ist ein X, / Es fehlt nicht viel, so fanden wir nix.“, der zum Porträt des Staatsrats Christian Gottfried Körner als Scherenstuhl gehört. 

Ernst Welker - dargestellt als Auster
Sich selbst porträtierte Ernst Welker als Auster mit großem Bart. (Sammlung Museum Burg Posterstein)

Dass sich ein Zeichenlehrer solche Bilder erlauben durfte, die sehr wahrscheinlich in Löbichau gezeigt wurden, unterstreicht die Freiheit und Offenheit, die im Salon der Herzogin von Kurland herrschte. Auch der Dichter Jean Paul rühmte deren Salon in Löbichau für genau diese Redefreiheit und Offenheit. Sich selbst zeichnete Ernst Welker übrigens als Auster, versehen mit dem Spruch: „Die Auster ist von guter Art, das größte an ihr ist der Bart“.

Welkers eigentliche Spezialisierung: Landschaftsaquarelle

Der zweite Teil der Postersteiner Sammlung Welker umfasst 13 Landschaftsbilder des Malers, die das Museum besitzt bzw. die über Dauerleihgaben an das Haus gebunden sind. Acht Aquarelle und ein Ölgemälde zeigen Landschaften. Bis auf ein Blatt sind alle Werke mit Welker; E. Welker; E.W.; Welker fec.; E. Welker fec.; und Ernst Welker fec. signiert.

Historische Ansicht der Stadt Rom - Aquarell von Ernst Welker aus der Sammlung des Museums Burg Posterstein
Blick auf den Petersdom in Rom von der Villa Borghese aus, Ernst Welker, Aquarell, signiert: Welker fec., o. J., Museum Burg Posterstein

Ergänzt wird der kleine Bestand durch Arbeiten von Johann Christoph Erhard, Johann Adam Klein, Johann Christian Reinhart und Carl Trost.

Zu verdanken ist die Kollektion zum Großteil dem Sammler Uwe Buchheim. Er fühlt sich dem Museum Burg Posterstein seit Jahren verbunden und ist Mitglied im Förderverein. Ihn beeindrucken die Forschungen und Ausstellungen zum Salon der Herzogin von Kurland, durch die er begann, sich mit dem Maler Ernst Welker zu beschäftigen. Er setzte sich nicht nur dafür ein, dass die Porträtsammlung Salongäste 2014 vom Museum erworben werden konnte, sondern sammelt seither selbst und stellt die erworbenen Werke dem Museum zur Verfügung. Dafür sind wir sehr dankbar.

Ausstellung und Buch „Sehnsuchtsziel Italien“

Die Sonderschau und das gleichnamige Buch „Sehnsuchtsziel Italien – Der Maler Ernst Welker auf Reisen und im Salon der Herzogin von Kurland“ zeigen nun erstmals alle diese Welker-Arbeiten. Auf 156 Seiten zeichnet das Buch das Leben des Malers anhand der Sammlungen und Forschungen des Museums nach.

Historische Ansicht einer italienischen Stadt bei Castelamare - Aquarell von Ernst Welker
Bey Castelamare im Neapolitanischen, Ernst Welker, Aquarell, signiert: Welker, o. J., Museum Burg Posterstein

Im Lauf der Arbeit daran stießen wir auf neue Informationen und weitere Werke Welkers in verschiedenen internationalen Sammlungen. Besonders freut uns, dass wir erstmals einen bisher noch nicht erschlossenen Teil der Sammlung Biron der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek Jena aufarbeiten konnten. Es handelt sich unter anderem um Salonszenen, Porträts und Skizzen für die Postersteiner Sammlung von Porträts der Salongäste.

Wichtige Quellen eröffneten sich auch durch die Einsicht in das digitale Archiv des Thorvaldsens Museum in Kopenhagen. Abbildungen zum Buch erhielten wir von der Albertina Wien, der Kunstsammlung Gera, der Hamburger Kunsthalle, den Kunstsammlungen Dresden, dem Lindenau-Museum Altenburg, dem Deutsches Literaturarchiv Marbach, den Städtische Museen Nürnberg, der Österreichische Nationalbibliothek, der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek, der Sächsische Landes- und Universitätsbibliothek, dem Thorvaldsens Museum Kopenhagen, dem British Museum und der Klassikstiftung Weimar.

Buchcover "Sehnsuchtsziel Italien - Der Maler Ernst Welker auf Reisen und im Salon der Herzogin von Kurland"
Das Buch „Sehnsuchtsziel Italien“ kann man über das Museum Burg Posterstein kaufen

Welkers Arbeiten stellen wir im Buch Abbildungen von Werken seiner Malerkollegen gegenüber. Da Welker – außer seinen Zeichnungen – selbst kaum schriftliche Quellen hinterlassen hat, bleiben durchaus Lücken in der Biografie bestehen.

Welker wanted!

Wir möchten deshalb dazu aufrufen, Forschungsdaten zum Maler Ernst Welker zu sammeln und auszutauschen. Über Hinweise sind wir sehr dankbar. Einen Überblick über verschiedene Stationen in Welkers Leben und über Sammlungsbestände weltweit möchten wir auf unserer Website salon-europa.eu bündeln und langfristig pflegen. Über Ergänzungen freuen wir uns sehr.

Im Anschluss an die Ausstellung planen wir, die Wikipedia-Seite zu Ernst Welker durch die neuen Informationen zu ergänzen.

Von Marlene Hofmann

Zum Weiterlesen

Infos zur Ausstellung:

Sehnsuchtsziel Italien – Der Maler Ernst Welker auf Reisen und im Salon der Herzogin von Kurland, 17. Juli bis 13. November 2022, Museum Burg Posterstein

Infos zum Buch:

Sehnsuchtsziel Italien – Der Maler Ernst Welker auf Reisen und im Salon der Herzogin von Kurland
Museum Burg Posterstein, 2022
156 Seiten, farbig
Preis: 25,00 Euro

Infos zur Salongeschichte:

www.salon-europa.eu

Podcast LeseZEIT (Salongeschichte, demnächst: Reinhold):

https://blog.burg-posterstein.de/lesezeit/

Sammlung Welker digital:

Europeana:
https://www.europeana.eu/de/collections/organisation/1482250000044968001-posterstein-castle-museum

Wikimedia Commons:
https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Sammlung_Kurland?uselang=de

Deutsche Digitale Bibliothek:
https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/searchresults?query=&offset=0&rows=20&facetValues%5B%5D=provider_id%3DNY7AR3HGHPOM4YPQ2I5HFWPPFGK43QNH&isThumbnailFiltered=false

Museen Thüringen:
http://www.museen.thueringen.de/Objektsuche/%7CEinrichtung%7CDE-MUS-875314%7C

Eine lokalgeschichtliche Ausstellung mit reger Besucherbeteiligung – Resümee zur Ausstellung „Damals in der ‚Esse‘“

Die Ausstellung „Damals in der ‚Esse‘ – Erinnerungen an das Kulturhaus ‚Stadt Schmölln‘“ im Museum Burg Posterstein erreichte die lokale Bevölkerung aus Schmölln und den umliegenden Dörfern wie selten eine Ausstellung vor ihr. Die Mischung aus Erinnerungsstücken, Zeitzeugen-Interviews und Teilhabe schien einen Nerv getroffen zu haben. Teile der Postersteiner Ausstellung sind von 9. Juli bis 31. Dezember 2022 im Knopf- und Regionalmuseum Schmölln in der Ausstellung „Brauchen wir die ‚Esse‘ oder welche Kultur möchte Schmölln?“ zu sehen. In diesem Blogpost wollen wir die Postersteiner Sonderschau zusammenfassen, dokumentieren und auswerten.

Kulturhaus "Stadt Schmölln" damals und heute auf der Postkarte des Museums Burg Posterstein
Kulturhaus “Stadt Schmölln” damals und heute auf der Postkarte des Museums Burg Posterstein

Die Ausstellung: Partizipation und Dokumentation jüngerer Geschichte

Mit der Sonderschau „Damals in der ‚Esse‘ – Erinnerungen an das Kulturhaus ‚Stadt Schmölln‘“ (30. Januar bis 20. März 2022) verband das Museum Burg Posterstein lokale Geschichte mit Partizipation und der Dokumentation jüngerer Geschichte. Das regionalgeschichtliche Museum des Landkreises Altenburger Land konnte so ein stückweit Alltagsgeschichte der DDR zeigen und für nachfolgende Generationen bewahren. Gleichzeitig bot die Ausstellung zahlreiche Anknüpfungspunkte, um mit dem Publikum vor Ort ins Gespräch zu kommen und Barrieren abzubauen. Damit passte sie hervorragend zum Konzept des Modellprojekts „Der fliegende Salon – Kulturaustausch im Altenburger Land“, das die Menschen im Landkreis mit den am Projekt beteiligten Kultureinrichtungen ins Gespräch bringen soll.

Salon-Abend im Oktober 2021 in der Ostthüringenhalle in Schmölln (Foto: Jörg Neumerkel)
Salon-Abend im Oktober 2021 in der Ostthüringenhalle in Schmölln (Foto: Jörg Neumerkel, www.neumerkel.info)

So entstand die Ausstellung auch aus einem Zeitzeugen-Salon zum Kulturhaus „Stadt Schmölln“ heraus, der am 30. Oktober 2021 in der Ostthüringenhalle Schmölln stattfand. Im Vorfeld dieses Salonabends wurden Video-Interviews mit Zeitzeugen geführt, die während der Veranstaltung gezeigt wurden. Dazu unterhielten sich Zeitzeugen und Nachgeborene über die Vergangenheit und Zukunft der Kulturszene der Stadt Schmölln. Das Interesse an diesem Abend war so groß, dass die Karten innerhalb eines Tages vergeben waren – beinahe eine Hommage an die ausgebuchten Konzerte und Feiern im historischen Kulturhaus „Stadt Schmölln“. Da viele Bürgerinnen und Bürger mit Andenken und Anekdoten auf uns zukamen, fiel der Entschluss, das Thema in einer Sonderschau aufzugreifen.

Das Phänomen „Esse“

Das Kulturhaus „Stadt Schmölln“, das durch seinen markanten Schornstein umgangssprachlich „Esse“ (im Dialekt: Schornstein) genannt wurde, war seit seiner Eröffnung 1969 bis zu seiner Schließung 1991 das kulturelle Zentrum der Stadt. 1999 wurde das Gebäude komplett abgerissen. Seitdem fehlt ein solcher zentraler Treffpunkt für Vereine und Kultur, für Jung und Alt.

Das Kulturhaus "Stadt Schmölln" auf Postkarte von 1988 (Sammlung Museums Burg Posterstein)
Das Kulturhaus “Stadt Schmölln” auf Postkarte von 1988 (Sammlung Museums Burg Posterstein)

Die Ausstellung erreichte ein lokales Publikum wie selten zuvor

Insgesamt kamen zwischen 30. Januar und 20. März 2022 rund 1700 Besucher, um die Ausstellung „Damals in der ‚Esse‘“ anzusehen. Und das in einer Zeit außerhalb der Hochsaison des Museums, in der zudem zur Pandemie-Beschränkung zunächst die 2G- und später die 3G-Regelung galt.

Blick in die Ausstellung "Damals in der Esse" im Museum Burg Posterstein mit Zeitungsausschnitten und historischen Originalplakaten
Zeitungsausschnitte und ein originales Plakat in der Ausstellung über das Kulturhaus “Stadt Schmölln” im Museum Burg Posterstein

An der Museumskasse befragten wir fast 60 Prozent der Besucher nach ihren Besuchsgründen und ihrem Herkunftsort. Diese Befragung zeigte deutlich, dass die Ausstellung ihr lokales Publikum erreichte. Denn 64 Prozent der Besucher kamen aus dem Altenburger Land, dazu noch sechs Prozent aus dem Raum Gera und vier Prozent aus Westsachsen. Fast 70 Prozent aller Besucher nannten die Besichtigung der Sonderschau als Grund ihres Kommens.

In den Gesprächen zeigte sich deutlich, dass viele von ihnen das Museum zum ersten Mal besuchten. Neben Zeitungs- und Fernsehberichten wurden sie vor allem durch Empfehlungen von Bekannten (auch per WhatsApp und Facebook) auf die Ausstellung aufmerksam. Nach Aufhebung der 2G-Beschärnkung im März kamen mehr Besucher als zuvor.

Erinnerungsstücke in der Ausstellung

Für die Ausstellung erhielt das Museum über 50 Leihgaben von über 20 privaten Leihgebern – darunter zahlreiche Fotos, ganze Fotoalben und Zeitungsausschnitte und Urkunden. Besonderer Dank gilt hierbei dem Heimat- und Verschönerungsverein Schmölln e.V., der viele Fotos beisteuerte. Zu sehen war auch Festkleidung aus der damaligen Zeit – vom Minikleid, Mantel und Hut über Hochzeitsschmuck und Parka bis zu Aufnäher, Taschen und Fransenschuhen. Sogar ein aus einem Bauhelm selbst gebastelter Germanenhelm – einst im Einsatz als Faschingsverkleidung in der ‚Esse‘ – wurde für die Ausstellung abgegeben.

Blick in die Ausstellung "Damals in der Esse" im Museum Burg Posterstein.
Blick in die Ausstellung “Damals in der Esse” im Museum Burg Posterstein.

An die vielen Konzerte erinnerten eine Gitarre, Konzertplakate und Autogrammkarten von Künstlern sowie originale Programmpläne und Veranstaltungsflyer.

Ausstellung zum Kulturhaus Stadt Schmölln im Museum Burg Posterstein, links in einer Vitrine eine Gitarre
Ausstellung zum Kulturhaus Stadt Schmölln im Museum Burg Posterstein, links in einer Vitrine eine Gitarre, die beim letzten Konzert zum Einsatz kam.

Außerdem waren noch Dokumente und Gegenstände aus den gastronomischen Einrichtungen des Kulturhauses bei ehemaligen Mitarbeitern zu Hause verwahrt: Rechnungsblöcke, Tischdecken, Aufsteller, Servietten, aber auch eine Hausarbeit zur Facharbeiterprüfung und sogar mehrere Gästebücher. Ehemalige Besucherinnen und Besucher behielten Speisekarten, Rechnungen und Eintrittskarten als Andenken

Sogar ein Ziegelstein aus dem ehemaligen Kulturhaus und ein Faschingshelm waren unter den persönlichen Erinnerungsstücken ans Kulturhaus "Stadt Schmölln" im Museum Burg Posterstein.
Sogar ein Ziegelstein aus dem ehemaligen Kulturhaus und ein Faschingshelm waren unter den persönlichen Erinnerungsstücken ans Kulturhaus “Stadt Schmölln” im Museum Burg Posterstein.

. Schließlich gab es eine Reihe von Gegenständen, die vorausschauende ehemalige Esse-Besucher vor dem Abriss aus dem Gebäude retteten, darunter Teile der Bühnendekoration und Verzierung des Saals, das Metallschild „Weinabteil“ und ein Notausgangsschild. Kurz vor Ausstellungsbeginn wurde ein originaler Ziegelstein abgegeben, der nach Jahren der Aufbewahrung im Privathaus nun einen großen Auftritt hatte.

Persönliche Erinnerungen an der Pinnwand-Esse in der Ausstellung

In der Ausstellung gab es eine schornsteinförmige Pinnwand, an der persönliche Erlebnisse aus dem Kulturhaus und Meinungen zur Ausstellung geteilt werden konnten. Als einfache Form der Interaktion konnten die Besucher die Frage „Wie hat Ihnen die Ausstellung gefallen?“ mit Aufklebern in die Spalten „gut“ und „schlecht“ beantworten. Hierbei gab es über 150 Gut-Bewertungen und keine Schlecht-Bewertungen. Auch so bekam die Ausstellung viel Lob und entwickelte sich wochenends zu einem Treffpunkt, an dem sich alte Bekannte wiederbegegneten und in Erinnerungen schwelgen konnten.

Es gab auch weitere Möglichkeiten einfach per Aufkleber zu interagieren, indem die Besucher auf die Fragen „Haben Sie in der ‚Esse‘ Ihre Jugendweihe gefeiert?“ (48 x ja; 12 x nein) und „Waren Sie 1991 dabei, als ‚Odyssee‘ das letzte Konzert in der ‚Esse‘ spielte? (5 x ja; 9 x nein) reagieren konnten.

An einer schornsteinförmigen Pinnwand konnten Ausstellungsbesucher eigene Erinnerungen hinterlassen.
An einer schornsteinförmigen Pinnwand konnten Ausstellungsbesucher eigene Erinnerungen hinterlassen.

Darüber hinaus konnten Besucher ihre Erlebnisse auf Karteikarten schreiben und an die Pinnwand heften. Die Bandbreite ist groß – darunter eine lustige Begebenheit:

„Ich war von 1970–1975 als Konditor (vorher Koch) im Café der Esse beschäftigt. Im Jahr 1975 war der Auftritt von ‚Soulful Dynamics‘. Um Plätze für meine Frau und Freunde zu reservieren, benutzte ich den Küchenaufzug während der Arbeitszeit, ca. 14 Uhr. Leider blieb der Aufzug stecken und ich mit ihm. Vergeblich versuchten jetzt die anderen Kollegen, mir zu helfen; lautstark. Dies war auch im Restaurant zu hören, wo unser Ökonomischer Direktor […] und seine Frau zum Mittagstisch waren. Nach ca. 45 Minuten gelang die ‚Befreiung‘. Zu meinem großen Entsetzen empfing mich [der Direktor] und drohte mir mit einem Verweis. Dies war mir in diesem Moment egal, denn ich war wieder ‚befreit‘ und die begehrten Plätze waren auch reserviert.“

Auf diese Geschichte hin kommentierte ein anderer Gast, ebenfalls per Karteikarte: „Da waren Sie eindeutig zu schwer, meine 50 kg sind öfter im Essensaufzug hoch, hatte gute Bekannte in der Küche – Jugendtanz gesichert ohne Anstehen! 😊“

Unter den Beiträgen gibt es sehr persönliche Erinnerungen:

Ein Paar schrieb beispielsweise: „Zum ‚Rockrummel 1989‘ – Haben uns hier kennen und lieben gelernt! … Und sind heute noch glücklich verheiratet!“

Ein anderes: „Wir feierten unsere Hochzeit 5.8.1977 in der Esse“

„1987 Schulanfang, 1989 Blumenmädchen bei einer Hochzeit, 1988 oder 1989 Auftritt mit dem Mädchenturnen – wahrscheinlich 89 zur 40-Jahrfeier der DDR“

„Habe von 1975–1980 dort gearbeitet, war meine schönste Zeit“

„Mein Schulanfang 1990“

„1962 Schulanfang, 1977 Jugendweihe, 1979 Abschluss 10. Klasse – klasse“

„Tanzen in der ‚ESSE‘ war das Tollste in meiner Jugend in den 60er Jahren. Ich erinnere mich an die Bar, wo man immer mal zu einem ‚Getränk‘ eingeladen war. Mein erster Rausch fand auch in der Esse statt 😊 Weihnachtsball der EOS – jedes Jahr am 27.12. Mein Sohn ging später in die ESSE zum Gitarrenunterricht.“

„Ich bekam mal für das ganze Haus ‚Lokalverbot‘ für einige Zeit. Zur Jugendweihefeier meiner großen Tochter konnte ich nach Absprache diese Feier besuchen.“

Im Laufe der Ausstellung auf Burg Posterstein füllte sich die Pinnwand mit püersönlichen Erinnerungen.
Im Laufe der Ausstellung auf Burg Posterstein füllte sich die Pinnwand mit püersönlichen Erinnerungen.

Andere erinnern sich gern an Getränke, Veranstaltungen und das Ambiente:

„Sekt mit Früchten war das Getränk meiner ‚wilden Zeit‘. Die Bar in der ‚Esse‘ war der Sitzplatz für viele Stunden. Fasching war klasse. Schöne Zeit.“

„Der beliebte Sportlerball in der Esse – es war probbe voll aber schön …“

„1981 Jugendweihe, 1989 Silberhochzeit, und ganz viele schöne Abende beim Jugendtanz verbracht + Extrablätter“

„1977–78 ? genau weiß ich es nicht mehr, Hot & Blues-Jazzband spielte und Peter Schönhoff las und moderierte – war klasse“

„Zum Tag des Gesundheitswesens überraschte die Belegschaft der Auftritt von Katja Eckstein. Große klasse“

„‘Renft‘ Konzert“

Die Mitmach-Aktion #EsseSchmölln

Die Mitmach-Aktion #EsseSchmölln funktionierte – im Gegensatz zu den anderen Mitmach-Aktionen des Museums – am besten auf Facebook. Denn die Zielgruppe 50+ ist vor allem in diesem sozialen Netzwerk aktiv und über große lokale Facebook-Gruppen wie „Unser Schmölln“ fand der Aufruf zusätzlich Verbreitung. Darüber hinaus richteten wir anlässlich der Ausstellung die eigene Facebook-Gruppe „Regionale Geschichte Dreiländereck Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt“ ein, die innerhalb kurzer Zeit rund 200 Mitglieder zählte. Sie wird auch nach der Sonderschau dem Austausch über regionale Geschichte dienen und wird rege genutzt.

Auch über Facebook erhielten wir einige persönliche Geschichten aus dem Kulturhaus „Stadt Schmölln“. Spannend sind beispielsweise die Berichte aus den 1960er Jahren: „Zum Jugendtanz stand in der Anzeige: ‚Einlass nur in tanzgerechter Kleidung.‘ Das hieß Jungen mussten einen Schlips tragen. Ohne, oder gar in ‚Nietenhosen‘ (Bluejeans) wurde der Eintritt verweigert. Mädchen sollten ein Kleid oder Rock und Bluse tragen! Wurden aber in langen Hosen trotz alledem eingelassen, aber verwarnt! Westliche Tanzkultur war verboten! Man durfte das Mädchen beim Tanz nicht loslassen und schon garnicht drehen! Das wurde vom Saalrand aus überwacht und Verwarnungen verteilt, für die die es trotzdem wagten! Nach drei Verwarnungen musste man den Saal verlassen! Jugendliche unter 18 Jahren mussten 22 Uhr gehen. Zu meiner Zeit, Anfang der 60iger Jahre stand Herr [Name] am Rand des Saales und war für die Einhaltung dieser Regeln handlungsbefügt! Wurde der Tanzabend von der HO veranstaltet, waren diese Regeln eher nicht gültig. War schon ne komische Zeit. Aber schön war es trotzdem!“

Die Bar im Kulturhaus "Stadt Schmölln" in den 1970er Jahren (Foto: Sammlung Heimat- und Verschönerungsverein Schmölln e.V.)
Die Bar im Kulturhaus “Stadt Schmölln” in den 1970er Jahren (Foto: Sammlung Heimat- und Verschönerungsverein Schmölln e.V.)

Der gleiche Zeitzeuge ergänzte später noch Erinnerungen an die Silvester- und Faschingsfeiern im Kulturhaus: „Noch ne kleine Erinnerung! Silvester und Rosenmontag wurde im ganzen Haus gefeiert. Saal, Restaurant und Café waren für alle zugänglich. Die Eintrittskarten dafür wurden einige Wochen vorher, immer an einem Sonntag ab 9 Uhr im Haus verkauft! Diese Karten waren sehr begehrt. Deshalb sammelten sich bereits am Sonnabend Abend vorher eine größere Personenzahl vor der verschlossenen Tür des Gewerkschaftshauses ein, um die ganze Nacht über, bis zum Sonntag Morgen zu warten. Während der Nacht wurde die Personenzahl immer größer! Da jeder nur vier Eintrittskarten kaufen konnte haben wir uns „in Schichten“ angestellt! Wir benötigten acht Karten. Also teilten wir uns in zwei Schichten ein. 2 Personen von 22 Uhr bis 3:30 Uhr! Die wurden in der Nacht von 2 anderen abgelöst! Ab und zu fuhr der Streifenwagen der Polizei vorbei, die die Menschenansammlung offenbar nicht einordnen konnten! Dann fingen etwa 100 Personen laut an zu johlen und Stimmung zu machen. Anzuhalten trauten sich die Polizisten aber nicht! Aber kamen dann öfter vorbei! Das hat viel Spaß gemacht. Wir waren jung und die Veranstaltungen waren wirklich unvergesslich. Schade, dass es das in der Form für die jungen Leute von heute nicht mehr gibt.“

Diese Beiträge wurden dann von weiteren Schmöllnern kommentiert, die ähnliche Erfahrungen gemacht hatten. Viele schrieben, es waren „schöne Zeiten“ und „man erinnert sich gern zurück“. Es wurde sich ausgetauscht über gemeinsame Bekannte, ehemalige Mitarbeiter und über verschiedene Veranstaltungsformate wie Familientanz und Tanz im Restaurant. Andere verabredeten sich zum Ausstellungsbesuch und anschließend auf ein Bier. Auch der Leihgeber der Gästebücher aus dem Kulturhaus wurde erst über Facebook auf die Ausstellung aufmerksam. Da für solche Fälle eine leere Ausstellungsvitrine bereitstand, konnten die Bücher die Ausstellung noch ergänzen.

Die Abendkarte vom Abiball 1977 wurde als Erinnerungsstück aufgehoben.
Die Abendkarte vom Abiball 1977 wurde als Erinnerungsstück aufgehoben.

Ebenfalls Dank Facebook fanden Fotos von einer Jugendweihefeier und eine von allen Schülern und Lehrern signierte Abendkarte vom Abiball 1977 in die Ausstellung. Deren Besitzerin, die heute nicht mehr in Schmölln lebt, beschrieb in einem Brief ihre Erinnerungen: „Tatsächlich habe ich die ausreichend gezeichnete Abendkarte als Andenken an unseren Abiball im Jahre 1977 aufgehoben, da diese ja durch die vielen Unterschriften meiner Mitschüler und auch der Lehrer sowie diverser Weinflecke zu einem Unikat wurde. Entstanden ist die Unterschriftensammlung am späten Abend und nach einer tollen Feier mit Musik, Tanz und ausreichend Alkohol anlässlich des bestandenen Abiturs. […] Dennoch war es ein sehr schöner Abschluss vor allem der Abiturzeit und nach bestandener Prüfung konnten wirausgelassen feiern und uns verabschieden, denn das bevorstehende Studium oder für die Männer der Beginn der NVA-Zeit verstreute uns in der ganzen damaligen DDR und man verlor sich aus den Augen. Generell bleibt die „ESSE“ für unsere Generation (Jahrgang 1958/59) in sehr guter Erinnerung, denn wir erlebten tolle Konzerte diverser Bands, zahlreiche Jugendtanz-Veranstaltungen und Diskotheken, Faschingsball, Silvesterball, Frühlingsball und Weihnachtsball der Schule, und, und, und … – später den so genannten monatlichen Familientanz. Besonders beliebt war die „obere“ Bar – Lieblingsgetränk der Mädels „Grüne Wiese“.“

Cocktails und Zeitgeschichte

Eben jene „Grüne Wiese“ sowie drei andere im Kulturhaus beliebte Cocktails mischte Kuratorin Franziska Huberty unter fachmännischer Anleitung des ehemaligen Restaurantleiters Bernd Adam in einer Video-Reihe auf YouTube nach. Dabei ging es nicht nur um die Rezepte, sondern jedes Video behandelte auch ein Stück Gastronomiegeschichte der DDR.

Franziska Huberty und Bernd Adam beim Zeitzeugengespräch Cocktail-Zeit zur Gastronomiegeschichte im DDR-Kulturhaus Stadt Schmölln
Franziska Huberty und Bernd Adam beim Zeitzeugengespräch Cocktail-Zeit zur Gastronomiegeschichte im DDR-Kulturhaus Stadt Schmölln

Über diese Video-Reihe berichtet dieser Blogpost ausführlich.

Die „Esse“ hat eine Lücke hinterlassen

Im Frühjahr 1991 wurde das Kulturhaus „Stadt Schmölln“ geschlossen. Der letzte Eintrag im letzten Gästebuch aus dem Kulturhaus lautet: „Entgegen der Beschwerden von den vorhergehenden Seiten können wir bestätigen ‚Esse bleibt Esse‘. Seit Jahren sind wir Gäste des Hauses und bringen zum Ausdruck, trotz unterschiedlicher Silvesterproblemstellung bleibt der 31.12. der letzte Tag des Jahres. Auf ein gesamtdeutsches Jahr 1991 verbleibt die alte Sippschaft in jugendlicher Frische.“ (31.12.1990)

Einige Gästebücher aus dem Kulturhaus "Stadt Schmölln" erreichten die Ausstellung des Museums via Facebook.
Einige Gästebücher aus dem Kulturhaus “Stadt Schmölln” erreichten die Ausstellung des Museums via Facebook.

Nach der Wende verfiel das leerstehende Kulturhaus. Der Sprengung des namensgebenden Schornsteins wohnte 1999 eine große Menschenmenge bei – damals eher neugierig als nostalgisch.

Der Schornstein des Kulturhauses kurz vor der Sprengung (Foto: Heimat- und Verschönerungsverein Schmölln e.V.)
Der Schornstein des Kulturhauses kurz vor der Sprengung (Foto: Heimat- und Verschönerungsverein Schmölln e.V.)

Inzwischen, über zwanzig Jahre später, wurde in den Zeitzeugengesprächen und Gesprächen mit den Besuchern deutlich, dass das Verschwinden des Kulturhauses in der Schmöllner Kulturlandschaft eine Lücke hinterlassen hat, die Musikclub, Stak und Ostthüringenhalle so nicht ausfüllen können. Gleichzeitig herrschte Einigkeit darüber, dass ein Konzept wie damals mit buntem Programm für alle heute nicht mehr funktionieren würde. Gefragt sind daher Ideen und Konzepte für die Zukunft.

Fortsetzung der Ausstellung im Knopf- und Regionalmuseum Schmölln

Hier setzen die Ausstellung im Knopfmuseum Schmölln und das zukunftsweisende Konzept für das Kultur- und Bürgerservicezentrum „El Button“ an. Die Ausstellung „Brauchen wir die ‚Esse‘ oder welche Kultur möchte Schmölln?“ ist von 9. Juli bis 31. Dezember 2022 zu sehen. Teile der Postersteiner Ausstellung werden ergänzt durch neue Exponate und Fragestellungen, die auf die Zukunft der Schmöllner Kultur abzielen.

Ausstellungsplakat #EsseSchmölln in Schmölln
Das Plakat zur Schmöllner Esse-Ausstellung

Auch diese neue Ausstellung möchte mit den Schmöllner Bürgern ins Gespräch kommen und Konzepte entwerfen. Gefördert wird sie im Rahmen des Projekts „Der fliegende Salon – Kulturaustausch im Altenburger Land“ in TRAFO – Modelle für Kultur im Wandel, eine Initiative der Kulturstiftung des Bundes sowie durch die Thüringer Staatskanzlei.

Postersteiner Stele kehrt nach Köln zurück – Rückblick auf ein besonderes Kunstprojekt

Die Stele von Wolfgang Stöcker im Burgpark der Burg Posterstein
Die Stele von Wolfgang Stöcker im Burgpark der Burg Posterstein

Als Museen und kulturelle Orte in ganz Deutschland wegen der Pandemie geschlossen bleiben mussten, fotografierte und dokumentierte der Kölner Künstler Wolfgang Stöcker die plötzlich “hermetisch verschlossenen”, sonst öffentlich zugänglichen Orte. In einer deutschlandweiten Kunstaktion machte er mit Skulpturen und Kunstwerken im öffentlichen Raum auf diese Kulturorte und den kulturellen Reichtum aufmerksam. In seinen Fotografieren, collagenhaft nebeneinandergestellt, traten die verschiedensten Orte auf ästhetische Weise miteinander in Korrespondenz.

Die Postersteiner Stele stand vom 28. September 2021 bis 8. März 2022 im Burgpark Posterstein. Über QR-Code und ein Plakat in unmittelbarer Nähe konnten sich interessierte Besucher über das Projekt informieren, das farblich mit den herbstlich-braunen Tönen der Natur harmonierte.

Das informative Video kann man hier anschauen:

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Im Video erzählt der Kölner Künstler Wolfgang Stöcker über die Idee hinter der Skulptur

Die Motive auf der Stele

Auf der Stele zu sehen waren Fotografien, die während des Lockdowns und kurz danach in verschiedenen deutschen Museen entstanden sind. Die Idee: Innenräume werden über Fotografien nach außen getragen. Neben der Postersteiner Stele wählte der Künstler noch andere Projektionsformen, beispielsweise Pavillons (Bergisch Gladbach, April 2021) oder Bildtafeln im öffentlichen Raum (Köln, Mai – Okober 2021).

Auf der Postersteiner Stele waren sowohl ganze Architekturansichten wie auch kleine Detailaufnahmen von Wandstrukturen, Stuck sowie Möbeln, Schnitzereien, Figuren und Holzkonstruktionen zu sehen. Zusammengesetzt ergeben die Motive eine lebendige optisch-assoziative Mischung von sehr unterschiedlicher Wirkung. 

Wolfgang Stöcker beim Aufbau seiner Skulptur "Postersteiner Stele" am 28. September 2021 im Park der Burg Posterstein. Im Vordergrund die Stele mit Fotocollage mit Büsten aus dem Museum Burg Posterstein. Im Hintergrund der Künstler und die Burgmauer.
Wolfgang Stöcker beim Aufbau seiner Skulptur “Postersteiner Stele” am 28. September 2021 im Park der Burg Posterstein.

Die Motive von oben nach unten:

Ganz oben:
kleiner Quader mit Aufnahmen aus Burg Posterstein (15.06.2021) und dem Residenzschloss Altenburg (14.06.2021) sowie der dortigen Schlosskirche (14.06.2021).

Würfel darunter:
Detailaufnahmen des gerade in Restauration befindlichen Speichers im Stadtmuseum Lindau (09.07.2021), eine Detailaufnahme aus dem Lehmbruckmuseum (16.03.2021) sowie des Kölner Museum Ludwig (Dezember 2020). Zusätzlich tauchen Stuckelemente des Altenburger Schlosses auf.

Länglicher Sockel:
Bildcollagen, vorwiegend mit Büsten der Herzogin von Kurland und ihren Töchtern, alle Burg Posterstein (15.06.2021). Fragmentarisch tauchen darin Motive aus dem Landesmuseum für Vorgeschichte Halle (05.08.2021) und dem Speicher des Stadtmuseums Lindau (09.07.2021) auf.

Unterer Sockel:
Der untere Sockel weist vier Seitenansichten mit je zwölf Motiven auf. Einige davon wiederholen sich in einem nicht symmetrisch verlaufendem, lockeren Rhythmus. 

Die Zuordnung der Motive beginnt immer von links oben nach rechts unten:

Die Fotografien auf Seite 1 der Skulptur "Postersteiner Stele" von Wolfgang Stöcker

ganz oben: MARTA Herford, Museum Burg Posterstein
2. von oben: Schloss Augustusburg in Brühl, Schloss Augustusburg in Brühl
3. von oben: Museum Ludwig in Köln, Museum Burg Posterstein
4. von oben: Residenzschloss Altenburg, MARTA Herford
5. von oben: Museum Ludwig, Köln, Museum Burg Posterstein
ganz unten: arpmuseum, Rolandseck, Schloss Augustusburg in Brühl

Die Fotografien auf Seite 2 der Skulptur "Postersteiner Stele" von Wolfgang Stöcker

ganz oben: arpmuseum in Rolandseck, Schloss Augustusburg in Brühl
2. von oben: Museum Ludwig in Köln, Lehmbruckmuseum in Duisburg
3. von oben: MARTA Herford, Museum Burg Posterstein
4. von oben: Schloss Augustusburg in Brühl, Residenzschloss Altenburg
5. von oben: Museum Burg Posterstein, Museum Burg Posterstein
ganz unten: Schloss Augustusburg in Brühl, Schloss Augustusburg in Brühl

Die Fotografien auf Seite 3 der Skulptur "Postersteiner Stele" von Wolfgang Stöcker

ganz oben: Schloss Augustusburg in Brühl, Lehmbruckmuseum in Duisburg
2. von oben: Residenzschloss Altenburg, Schloss Augustusburg in Brühl
3. von oben: Museum Burg Posterstein, Museum Ludwig in Köln
4. von oben: arpmuseum in Rolandseck, MARTA Herford
5. von oben: Museum Burg Posterstein, Museum Burg Posterstein
ganz unten: Lehmbruckmuseum in Duisburg, Schloss Augustusburg in Brühl

Die Fotografien auf Seite 4 der Skulptur "Postersteiner Stele" von Wolfgang Stöcker

ganz oben: Museum Ludwig in Köln, Schloss Augustusburg in Brühl
2. von oben: Museum Burg Posterstein, Residenzschloss Altenburg
3. von oben: Residenzschloss Altenburg, Schloss Augustusburg in Brühl
4. von oben: Museum Burg Posterstein, Stadtmuseum Lindau
5. von oben: Schloss Augustusburg in Brühl, MARTA Herford
ganz unten: arpmuseum in Rolandseck, Schloss Augustusburg in Brühl

Schichten

Eine Sammlung von Wolfgang Stöckers so entstandenen Detailaufnahmen finden Sie hier auf seiner Website. Unter der Überschrift “Schichten – Archäologie der ersten Oberfläche” zeigt er ungewöhnliche Details und Blicke auf Museumsexponate und Architektur.


Gefördert durch das Stipendium „Auf Geht´s“ / NRW.

Resümee: Ausstellung #GartenEinsichten “Wie der Gärtner, so der Garten”

Die Ausstellung #GartenEinsichten “Wie der Gärtner, so der Garten” begleitete uns durch das Jahr 2021: Sie eröffnete mit Ende des zweiten Kultur-Lockdowns am 6. Juni und endete am 14. November. Bereits im Vorfeld lief die Mitmach-Aktion #GartenEinsichten in den sozialen Netzwerken an – im Oktober gewann sie den DigAMus-Award in der Kategorie “Social Media Aktion”! Zum Jahresabschluss möchten wir Ausstellung und Mitmach-Aktion hier im Blog zusammenfassen und allen, die daran mitgewirkt haben, herzlich danken.

Die Ausstellung schmückte der wöchentlich wechselnde "Blumenstrauß der Woche"
Die Ausstellung #GartenEinsichten schmückte der wöchentlich wechselnde “Blumenstrauß der Woche”

Auch die Ausstellung #GartenEinsichten strebte Vernetzung an

Die Sonderschau nahm ihren Ausgangspunkt in der Gartengeschichte vom Mittelalter bis in die Gegenwart. Bei der inhaltlichen Arbeit unterstützte uns die Erfurter Gartenarchitektin Christiane Nienhold.

Blick in die Ausstellung #GartenEinsichten im Museum Burg Posterstein mit einer Bank und einem großen Bildschirm
Auf einem Bildschirm in der Ausstellung wurden verschiedene Gartentypen im Wandel der Zeit vorgestellt.

An Hand von Thüringer Beispielen stellten wir verschiedene Gartentypen vor. Dabei unterstützten uns Thüringer Kultureinrichtungen und Vereine mit Bildern und Kurztexten, darunter die Wartburg-Stiftung Eisenach, die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten, das Museum Kloster Veßra, das Residenzschloss Altenburg, das Lindenau-Museum Altenburg, das Kulturgut Quellenhof in Garbisdorf und der Urban Gardening-Verein Lagune e.V.. Auf diese Weise begann die Vernetzung schon innerhalb der Ausstellung.

Blick in die Sonderschau #GartenEinsichten im Museum Burg Posterstein - mit zwei Gartenstühlen, Rasenteppich und Gartenmotiven
Blick in die Sonderschau #GartenEinsichten im Museum Burg Posterstein – mit zwei Gartenstühlen, Rasenteppich und Gartenmotiven

Zwei Gartentypen haben das Altenburger Land besonders geprägt: Die Gärten der historischen Rittergüter und die für die Region typischen Bauerngärten. Historische Vermessungskarten aus der Zeit um 1800 ließen die oftmals längst vergangene Pracht der Gärten und Parks ehemaliger Rittergüter wieder aufleben.

In Prößdorf ist eine Sphinx eines der wenigen Überbleibsel eines Landschaftsgartens
In Prößdorf ist eine Sphinx eines der wenigen Überbleibsel eines Landschaftsgartens

Heute ist kaum mehr vorstellbar, dass dort Gartengestaltungen mit Grotten, Wasserkünsten oder Gebäude- und Figurenensembles, die einen Hauch von Antike verbreiteten, existierten. Ein weiterer Schwerpunkt lag auf historischen, noch erhaltenen Bauerngärten. Sie prägen bis heute das Altenburger Land.

Mit Buchsbaum eingefasste Beete im Nutzgarten eines Bauerngartens im Altenburger Land. (Foto: Petra Nienhold)
Mit Buchsbaum eingefasste Beete im Nutzgarten eines Bauerngartens im Altenburger Land. (Foto: Petra Nienhold)

Instagramer aus der Region zeigten in Fotos ihren Blickwinkel auf die historischen Gärten. Manche dieser Gärten sind noch heute prachtvoll, andere kaum noch als solche erkennbar. Die in der Ausstellung vorgestellten Rittergutsgärten sind auf der Webseite des Museums auf einer Karte markiert und somit für jedermann zu finden. Dadurch können sie, zumindest von außen, eigenständig erkundet werden.

Einige der an der Ausstellung beteiligten Instagramer vor der Burg Posterstein.
Einige der an der Ausstellung #GartenEinsichten beteiligten Instagramer vor der Burg Posterstein.

Eine der beteiligten Hobby-Fotografen und Fotografinnen war Alexandra, die ihre Bilder auf ihrem Instagram-Account @lumixlexxa teilt. Über ihre Teilnahme an der Ausstellung sagt sie:

“Das war ein für mich ganz neues Projekt und ich war sehr überrascht, dass Ihr mich ausgewählt habt. Ich hätte mir so etwas Tolles nie selbst zugetraut. Also ging es auf Reisen um die #GartenEinsichten festzuhalten. Die Gärten sind ja teilweise nicht leicht zu finden, also war man auch ein wenig Pfadfinder. Leider waren nicht mehr alle Objekte im guten Zustand, sodass man wirklich viel Kreativität beweisen musste.”

Alexandra, auf Instagram: @lumixlexxa
Die Orangerie in Meuselwitz, an den Rändern ist das Bild unscharf
Die Orangerie in Meuselwitz, fotografiert von Alexandra (Instagram-Account @lumixlexxa )

Die Ausstellung war Teil der gemeinsamen Ausstellungsreihe “Grünes im Quadrat – Historische Gärten im Altenburger Land” zum Thema Gärten der vier Museen im Altenburger Land. Mit dabei: Lindenau-Museum Altenburg, Residenzschloss Altenburg, Naturkunde-Museum Mauritianum und Museum Burg Posterstein. Gezeigt wurden vier Ausstellungen zum Thema Gärten im Altenburger Land. Das Buch zur Ausstellung erschien unter dem Titel “Grünes im Quadrat” im Sandstein-Verlag.

Die Mitmach-Aktion #GartenEinsichten

Ausstellung wie Mitmach-Aktion wollten auch zum Nachdenken und zur Diskussion anregen über den Garten als Element unserer Landschaft und über die Frage, wie wir unsere öffentlichen Orte nachhaltig gestalten.

Eine Auswahl an Antworten zur Mitmach-Aktion GartenEinsichten war in der Ausstellung und auf Pinterest zu sehen.
Eine Auswahl an Antworten zur Mitmach-Aktion #GartenEinsichten war in der Ausstellung und auf Pinterest zu sehen.

Die Hauptfragen der Mitmach-Aktion lauteten: Wie sieht für Sie der Garten der Zukunft aus? Was bedeutet Gärtnern für Ihren Alltag? Und: Was bedeutet Ihnen ein Spaziergang im Park? Dabei konnte man seine Antworten per Formular einreichen, aber gern auch analog oder per Mail im Museum abgeben. Selbst originale Kunstwerke der Künstlerin Sabine Müller aus dem Altenburger Land waren Teil der Beiträge zur Mitmach-Aktion.

“Im Garten der Zukunft ist nicht nur Schönheit ein wichtiger Faktor, sondern auch Umweltbewusstsein, Biodiversität und die Fähigkeit, vor Ort und selber gesunde Nahrung zu erzeugen. Der ‘Nutzgarten’ kann auch schön sein und unser Menschsein bereichern. Er kann und sollte auch mitten in der Großstadt vorhanden sein.”

Anonyme Antwort auf die Frage “Wie sollte der Garten der Zukunft aussehen?”

Federal Garden Show Brandenburg 2015 – Location Rathenow
Der Fotograf Matthias Schüler begleitete die Mitmach-Aktion #GartenEinsichten von Anfang an auf Twitter (Foto: G. Matthias Schüler)

Im Rahmen der Mitmach-Aktion wurden über 1200 Fotos auf Instagram, über 900 Tweets, über 170 Facebook-Posts, 21 Videos, 8 Blogposts und rund 20 Antworten per Formular eingereicht. Manche begleiteten die Aktion übers ganze Jahr hinweg mit Fotos, Videos, Blogposts und Tweets zum Thema. Besondere Beiträge sowie alle eingereichten Antworten haben wir auf der Website gesammelt und dokumentiert.

LeseZEIT live, Lesungen, Spaziergänge und Pflanzentauschbörse

Zum Rahmenprogramm der Ausstellung #GartenEinsichten gehörten mehrere Spaziergänge durch den Tannenfelder Schlosspark mit Gartenarchitektin Christiane Nienhold.

Die Gartenarchitektin Christiane Nienhold im Schlosspart Tannenfeld, wo neben ihr Rhododendren blühen
Die Gartenarchitektin Christiane Nienhold im Schlosspart Tannenfeld, wo neben ihr Rhododendren blühen

An der Stelle, an der sich einst in Hans Wilhelm von Thümmels Landschaftsgarten in Nöbdenitz eine Einsiedelei befunden hat, fand eine musikalische Lesung aus dem Buch “Wasserspiele” von Marlene Hofmann statt. Das Büchlein beinhaltet drei Kurzgeschichten, die an historischen Orten im Altenburger Land spielen. Der Schauspieler und Sänger Robert Gregor Kühn las, begleitet vom Musiker Matthias von Hintzenstern am Bandoneon, die Geschichte “Rauschen”, in der Hans Wilhelm von Thümmel eine Zeitreise macht.

Lesung “Wasserspiele” mit Marlene Hofmann, Robert Gregor Kühn und Matthias von Hintzenstern in Nöbdenitz - rundherum grüne Bäume
Lesung “Wasserspiele” mit Marlene Hofmann, Robert Gregor Kühn und Matthias von Hintzenstern in Nöbdenitz

Seit Anfang 2021 betreibt das Museum Burg Posterstein einen eigenen Podcast – die LeseZEIT auf Burg Posterstein, die fest in den Blog integriert ist. In den Folgen lassen wir historische Persönlichkeiten im Originaltext zu Wort kommen und ordnen diese Texte geschichtlich ein. Im Rahmen der Ausstellung #GartenEinsichten gab es die erste “Live-LeseZEIT”, bei der wir eine spätere Folge vorab vor Publikum im Museum lasen. Den Titel der späteren Folge durfte ein Gast aus dem Publikum einsprechen.

Live-LeseZEIT im Museum Burg Posterstein 2021
Im Sommer 2021 präsentierten wir zwei Podcast-Folgen vorab live.

Inzwischen kann man Folge 6 über den Freiherrn Jacob Friedrich von Bielfeld (1717–1770) auch im Podcast hören. Der einstige Gesellschafter Friedrich des Großen gilt als eigentlicher Bauherr der heutigen barocken Schlossanlage in Treben im heutigen Altenburger Land. Zum Schlossensemble gehörte ein 2,2 Hektar großer, weitläufiger Landschaftsgarten, dessen Zentrum ein langgestreckter, großer Teich bildete. Auch das Rittergut Haselbach gehörte zu diesem Besitz. In seinen Briefen beschreibt der Freiherr Schloss und Garten sehr anschaulich. Eine interessante Quelle, die auch das Interesse des lokalen Förderverein Rittergut Treben e.V. geweckt hat. Zum Tag des offenen Denkmals 2022 sind wir bereits jetzt dorthin eingeladen, aus den Briefen des Freiherrn vorzulesen.

Zwei selbstgemalte Schilder von der PFlanzentauschbörse auf Burg Posterstein - Anemonen und Herbstastern
Die Pflanzentauschbörse fand im Freien in gemütlicher Atmosphäre und mit viel Platz und Abstand statt.

Darüber hinaus fand in Verbindung mit der Ausstellung erstmals eine Pflanzentauschbörse vor der Burg Posterstein statt.

Ausgezeichnet – Die Mitmach-Aktion #GartenEinsichten gewinnt den DigAMus Award in der Kategorie “Social Media”

Die Mitmach-Aktion #GartenEinsichten gewann in der Kategorie „Social Media-Aktionen“ den DigAMus Award, einen Preis für digitale Museumsprojekte im deutschsprachigen Raum. Vorgeschlagen waren 136 digitale Museumsprojekte aus Deutschland, Österreich, Schweiz und Südtirol. Eine hochkarätige Jury mit Vertreterinnen und Vertretern aus Kultur, Forschung und Museen, darunter der europäischen Online-Bibliothek Europeana sowie der Geschäftsführung des Deutschen Museumsbunds, wählte davon acht Projekte für die Preise in mehreren Kategorien.

DigAMus Award vor der Burg Posterstein
Der krönende Abschluss für die Mitmach-Aktion #GartenEinsichten war die Auszeichnung mit dem DigAMus-Award in der Kategorie Social Media

Wir freuen uns sehr und danken allen, die so engagiert ihre GartenEinsichten mit uns geteilt haben! Einen ausführlichen Hintergrund zum Award gibt es hier.

#Kinderburg: Wer hat gewonnen? – Die Gewinner des Kinderburg-Rätsels 2021 stehen fest

Die Burggeister Posti und Stein beim Ziehen der Gewinner des Kinderburg-Rätsels

Burggespenst Posti und Drache Stein, die Burggeister der Burg Posterstein, zogen die Gewinner des Kinderburg-Gewinnspiels vor dem Tannenbaum in der Sonderschau „Mit Weihnachtskrippen um die Welt“. Gewonnen haben in diesem Jahr ein Kind aus Gößnitz (Thüringen), eines aus Zwickau (Sachsen) und eines aus Ried (Bayern). Sie bekommen noch pünktlich zum Weihnachtsfest je ein Geschenk von den Postersteiner Burggeistern Posti und Stein.

Die Postersteiner Burggeister Posti und Stein haben die Gewinner des Kinderburg-Rätsels 2021 gezogen
Die Postersteiner Burggeister Posti und Stein haben die Gewinner des Kinderburg-Rätsels 2021 gezogen

Insgesamt warfen 950 Kinder das richtige Lösungswort in den Lostopf von Burggespenst Posti und Burgdrache Stein. Das waren 300 mehr als 2020, obwohl das Museum 2021 bis 5. Juni wegen der Corona-Pandemie geschlossen bleiben musste und das ganze Jahr über keine Führungen stattfinden konnten. Daran spiegelt sich deutlich, wie gut die neue Familien-Ausstellung „Die Kinderburg – Aus dem Alltag eines Burgherrn“ bei Familien mit Kindern ankam.

Wie funktioniert das Kinderburg-Rätsel?

Wer die Familienausstellung „Die Kinderburg“ besucht, bekommt zur Eintrittskarte eine Schatzkarte durch die Burg. An verschiedenen Stationen geben schwarze Würfel Antworten auf von Kindern gestellte Fragen: Wie schwer ist ein Kettenhemd? Wie pullerte ein Ritter in Rüstung? Hatte jeder Ritter eine Burg? Die Kinder erkunden interaktiv wie Burgherren und Burgfrauen der vergangenen Jahrhunderte lebten, sehen wie Ritter ihre Rüstungen anzogen und hören, was Kinder im Mittelalter lernten.

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Trailer zur Familien-Ausstellung “Die Kinderburg” auf Burg Posterstein

Überall in der Ausstellung verbergen sich Buchstaben, die richtig zusammengesetzt ein Lösungswort ergeben. 2021 lautete das Lösungswort – passend zur Jahres-Ausstellung „#GartenEinsichten „Wie der Gärtner, so der Garten“ Gartenkultur im Spiegel der Zeit“ – BURGGARTEN. Ab jetzt gibt es ein neues Lösungswort und damit eine neue Chance auf Geschenke der Postersteiner Burggeister Posti und Stein. Schon jetzt steht fest: Die Familien-Ausstellung „Aus dem Alltag eines Burgherrn“ wird weiterhin zu sehen sein.

Was gab’s zu gewinnen?

Zu gewinnen gab es in diesem Jahr unter anderem das neue Kinderbuch „Ritter und Burgherren ganz privat: 10 Fragen und Antworten zum Alltag auf Burgen im Mittelalter“ sowie Freikarten für die Burg Posterstein.

Blick ins Kinderbuch "Ritter und Burgdamen ganz privat - 10 Fragen & Antworten zum Alltag auf Burgen im Mittelalter"
Blick ins Kinderbuch “Ritter und Burgdamen ganz privat – 10 Fragen & Antworten zum Alltag auf Burgen im Mittelalter”

Das Kinderbuch beantwortet kurz und leicht verständlich Fragen zum Leben auf Burgen. Zum Beispiel: Trugen Ritter immer Rüstung? Wohnten alle Ritter auf Burgen? Und: Langweilten sich Ritter und Burgdamen im Winter? Jede Buchseite ist bunt illustriert, es gibt ein Rezept, eine Spielanleitung und ein kleines Quiz. Das Buch kann man im Museumsladen der Burg Posterstein kaufen sowie in allein Buchhandlungen im Internet und vor Ort bestellen.

Allen Kindern, die in diesem Jahr nicht gewonnen haben, lassen Posti und Stein ausrichten: Wir drücken euch die Daumen fürs nächste Mal!

Burg Posterstein erhält mit der Social Media-Aktion #GartenEinsichten den Museumspreis DigAMus Award 2021

Freitag, 15. Oktober 2021, 19.26 Uhr, rauschten digitale Gratulationen in die Postfächer des Museums Burg Posterstein. Der Grund? Die Mitmach-Aktion #GartenEinsichten erhielt in der Kategorie „Social Media-Aktionen“ den DigAMus Award, einen Preis für digitale Museumsprojekte im deutschsprachigen Raum. Wir freuen uns riesig und danken gleichzeitig allen, die ihre #GartenEinisichten mit uns geteilt haben!

Screenshot der digitalen Preisverleihung des DigAMus Awards
Marlene Hofmann vom Museum Burg Posterstein nahm den DigAMus Award digital in Gestalt eines Roboters (rechts im Bild) entgegen

Vorgeschlagen waren 136 digitale Projekte aus Museen in Deutschland, Österreich, Schweiz und Südtirol. Eine hochkarätige Jury mit Vertreterinnen und Vertretern aus Kultur, Forschung und Museen, darunter der europäischen Online-Bibliothek Europeana sowie der Geschäftsführung des Deutschen Museumsbunds, wählte daraus acht Projekte für die Preise in mehreren Kategorien. Die Mitmach-Aktion #GartenEinsichten initiierte das Museum Burg Posterstein im Rahmen der gemeinsamen Ausstellungsreihe „Grünes im Quadrat“, an der das Residenzschloss Altenburg, das Lindenau-Museum Altenburg und das Naturkundemuseum Mauritianum beteiligt sind.

Eine Auszeichnung für innovative digitale Museumsprojekte

Der DigAMus Award wurde 2021 zum zweiten Mal an besonders kreative und nachhaltige digitale Museumsprojekte verliehen. Die Preisverleihung fand passend zum digitalen Thema am 15. Oktober 2021 live auf YouTube statt und kann auch nachträglich noch angesehen werden. Dort nahm Marlene Hofmann, im Museum Burg Posterstein verantwortlich für Marketing und Kommunikation, den Preis entgegen. Der Award wird dem Museum nun per Post zugeschickt.

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Die Preisverleihung kann man auch nachträglich auf YouTube ansehen.

Das sind die Gewinnerprojekte: Das Lernspiel „uiivit“ des Johann Jacobs Museum in Bern gewann in der Kategorie „Apps und Games“. Die interaktiven Erklärfilme des Technoseums in Mannheim wurden in der Kategorie „Hybride Angebote“ ausgezeichnet. Die Online-Ausstellung „Ich hasse die Natur“ der Klassikstiftung Weimar gewann in der Kategorie „Website oder Online-Ausstellung“. Die Mitmach-Aktion #GartenEinsichten des Museums Burg Posterstein gewann in der Kategorie „Social Media-Aktionen“. Der Podcast „Der äthiopische Mantel“ der Villa Freischütz in Südtirol erhielt die Auszeichnung in der Kategorie „Podcasts“. Das digitale Angebot zur Ausstellung „Architektierisch“ des Edwin Scharff Museum in Neu-Ulm bekam den Sonderpreis „Kleines Budget“. Die Ausstellung „Die Stadt“ des Archäologischen Museums in Chemnitz wurde mit dem Sonderpreis „Inklusion und Integration“ ausgezeichnet. Das inklusive Smartphone-Spiel „Neanderthal: Memories“ des Neanderthal Museums in Mettmann gewann den Publikumspreis.

Die Mitmach-Aktion #GartenEinsichten

„Die Mitmach-Aktion #GartenEinsichten zur Ausstellungsreihe “Grünes im Quadrat” ist inzwischen die dritte große Social Media-Aktion, die ich für das Museum Burg Posterstein leite. Bereits mit den Projekten #SalonEuropa (2018) und #Schlössersafari (ab 2019) konnten wir viele Erfahrungen darin sammeln, einen digitalen Austausch anzustoßen und uns dadurch nachhaltig und langfristig deutschland- und europaweit vernetzen.“

Marlene Hofmann/Museum Burg Posterstein

Dieser Ansatz der nachhaltigen analog-digitalen Kommunikation ist fester Bestandteil des Museumskonzepts, das hier nachgelesen werden kann.

Bei #GartenEinsichten geht es darum, Gedanken, Fotos und Meinungen zu Gärten und dem Gärtnern zu teilen. Beteiligt sind an der Aktion auch das Residenzschloss Altenburg und das Lindenau-Museum Altenburg. Die Mitmach-Aktion läuft noch bis 14. November 2021, genau wie die Gartenausstellung im Museum Burg Posterstein.

Eingereicht wurden bisher nicht nur Fotos, sondern auch Kunstwerke, längere Texte und Gedanken zum Gartenthema. Eine Auswahl ist auf einem Bildschirm in der Postersteiner Ausstellung zu sehen. Wir streben dabei einen Austausch auf Augenhöhe an und wollen ins Gespräch kommen. Ohne die kreativen und engagierten Beiträge der vielen Teilnehmer wäre die Mitmach-Aktion nie so erfolgreich gewesen! Bisher sind über 1100 Beiträge auf Instagram, rund 900 Tweets auf Twitter, fast 200 Facebook-Posts, 21 Videos, 8 Blogposts und 18 Antworten auf unser digitales Formular eingegangen.

DigAMus Award vor der Burg Posterstein
Der DigAMus Award vor der Burg Posterstein

Wir hoffen, dass der Hashtag #GartenEinsichten – ähnlich wie es mit der #Schlössersafari passiert ist – auch nach Ablauf der Aktion weiter für den Austausch rund um Gärten und das Gärtnern genutzt werden wird. Denn so entsteht eine langfristige nachhaltige Vernetzung.

Auf einem Bildschirm in der Sonderschau #GartenEinsichten „Wie der Gärtner, so der Garten“ Gartenkultur im Spiegel der Gesellschaft sehen Besucher eine Auswahl der zur Mitmach-Aktion #GartenEinsichen eingereichten Beiträge
Auf einem Bildschirm in der Sonderschau #GartenEinsichten „Wie der Gärtner, so der Garten“ Gartenkultur im Spiegel der Gesellschaft sehen Besucher eine Auswahl der zur Mitmach-Aktion #GartenEinsichen eingereichten Beiträge

Die Sonderschau schlägt einen thematischen Bogen von den verschiedenen Gartentypen vom Mittelalter bis ins Heute. Ein besonderes Augenmerk liegt aber auf zwei Gartenformen, die das Altenburger Land besonders geprägt haben: Die Gärten der historischen Rittergüter und die für die Region typischen Bauerngärten.

Anhand von historischen Vermessungskarten, die um 1800 entstanden, kann der Besucher einiges über die Geschichte und die längst vergangene Pracht der Gärten und Parks ehemaliger Rittergüter erfahren. Heute ist kaum zu glauben, dass dort Gartengestaltungen mit Grotten, Wasserkünsten oder Gebäude- und Figurenensembles, die einen Hauch von Antike verbreiteten, existierten. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf historischen, noch erhaltenen Bauerngärten. Sie prägen bis heute das Altenburger Land.

Blick in die Sonderschau #GartenEinsichten im Museum Burg Posterstein - mit zwei Gartenstühlen, Rasenteppich und Gartenmotiven
Blick in die Sonderschau #GartenEinsichten im Museum Burg Posterstein – mit zwei Gartenstühlen, Rasenteppich und Gartenmotiven

Instagramer aus der Region zeigen in Fotos ihren Blickwinkel auf die historischen Gärten. Manche dieser Gärten sind noch heute prachtvoll, andere kaum noch als solche erkennbar. Die in der Ausstellung vorgestellten Rittergutsgärten sind auf der Webseite des Museums auf einer Karte markiert und somit für jedermann zu finden. Dadurch können sie eigenständig, zumindest von außen erkundet werden.

Die Ausstellung will zum Nachdenken und zur Diskussion anregen über den Garten als Element unserer Landschaft und über die Frage, wie wir unsere Orte nachhaltig gestalten. Über die Mitmach-Aktion #GartenEinsichten sind alle dazu eingeladen, an dieser Diskussion teilzuhaben.

Zum Weiterlesen

Hier geht es zum Online-Formular

Hier finden Sie die aktuelle Auswertung der Mitmach-Aktion #GartenEinsichten

Hier finden Sie Informationen zum DigAMus Award

Ausstellung #GartenEinsichten: „Wie der Gärtner, so der Garten“ – Gartenkultur als Spiegel der Gesellschaft

Vom Lockdown zur Vernetzung: Wolfgang Stöckers Kunst holt Museen in den öffentlichen Raum

Der Kölner Künstler Wolfgang Stöcker stellt am 28. September 2021, ab 11 Uhr, vor der Burg Posterstein seine neue Skulptur „Die Postersteiner Stele“ auf. Die Idee dazu entstand im Lockdown: Wolfgang Stöcker dokumentierte zahlreiche geschlossene Museen aus ganz Deutschland fotografisch, darunter auch das Museum Burg Posterstein, das im zweiten Lockdown von November 2020 bis Juni 2021 ganze sieben Monate geschlossen bleiben musste.

Detail der „Postersteiner Stele“ Wolfgang Stöckers mit Aufnahmen aus dem Residenzschloss Altenburg, Schloss Augustusburg in Brühl, Burg Posterstein und dem Stadtmuseum Lindau.
Detail der „Postersteiner Stele“ Wolfgang Stöckers mit Aufnahmen aus dem Residenzschloss Altenburg, Schloss Augustusburg in Brühl, Burg Posterstein und dem Stadtmuseum Lindau.

Die an unterschiedlichsten Orten entstandenen Fotografien vermischt der Künstler miteinander und zeigt sie in Form von Skulpturen, Bildern oder Projektionen im öffentlichen Raum. So kommt es, dass derzeit Detailaufnahmen aus dem Museum Burg Posterstein an Paneelen an Kölner Balkonen hängen – und eben eine Stele auf dem Postersteiner Burgberg aufgestellt wird.

Kulturorte im Lockdown

Für sein Projekt, Kulturorte im Lockdown in den öffentlichen Raum zu holen, erhält Wolfgang Stöcker Fördermittel aus dem Stipendium „Auf Geht´s“ des Bundeslands Nordrhein-Westfalen. Dafür besuchte er seit April unter anderem das Museum Burg Posterstein, das Residenzschloss Altenburg, das Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle, das Lembruck-Museum in Duisburg, das Arpmuseum in Rolandseck, das Museum Marta Herford, die Römertherme in Zülpich, Schloss Augustusburg in Brühl, Museum Ludwig in Köln, das Stadtmuseum Lindau und das Kramer-Museum in Kempten.

Wolfgang Stöcker im Juni 2021 bei der fotografischen Dokumentation im Museum Burg Posterstein
Wolfgang Stöcker im Juni 2021 bei der fotografischen Dokumentation im Museum Burg Posterstein

Wolfgang Stöckers Blick auf diese Orte ist untypisch: Selten zeigt er ein Gebäude in seiner Gänze, stattdessen dominieren Raumfluchten, Oberflächenstrukturen, Details und Ornamente. Aus dem Museum Burg Posterstein reisen beispielsweise Fotos des einmaligen Blicks in das historische Treppenhaus des Burgturms und des Details der Büste Wilhelmine von Sagans durch Deutschland.

Mit Fotos bedruckte Holzpanele schmücken einen Balkon in Köln
Ein Foto der Büste Wilhelmine von Sagans aus der Ausstellung im Museum Burg Posterstein hängt noch bis Ende Oktober am Bickendorfer Kreisel in Köln

Neben der Postersteiner Stele (Aufstellung: 28. September 2021) wurden andere Projektionsformen als Pavillons (Bergisch Gladbach, April 2021) oder als Bildtafeln im öffentlichen Raum (Köln Mai bis Oktober 2021) gewählt. Eine weitere Installation von Tafeln samt Videoprojektion ist im November im Außen- und Innenbereich der Römertherme in Zülpich geplant. Andere in der Eifel ursprünglich geplante Aktionen mussten auf Grund der Hochwasserkatastrophe verschoben werden.

Die Postersteiner Stele von Wolfgang Stöcker

Nicht an allen Orten, die Wolfgang Stöcker im Lockdown besucht hat, entsteht ein Kunstwerk im öffentlichen Raum, aber Posterstein ist einer davon. Die Skulptur, die Stöcker „Postersteiner Stele“ nennt, besteht aus mehreren aufeinandergesetzten geometrischen Figuren, die der Künstler wetterfest mit den von ihm aufgenommenen Fotografien beklebt hat. Zu sehen sein werden darauf sowohl ganze Architekturansichten wie auch kleine Detailaufnahmen von Wandstrukturen, Stuck sowie Möbeln, Schnitzereien, Figuren in der Postersteiner Burg, ebenso mehrfach die Holzkonstruktion des dortigen Bergfrieds wie auch Geländer und Bögen im Treppenhaus der Burg.

Wolfgang Stöcker im Juni 2021 vor der Burg Posterstein
Wolfgang Stöcker im Juni 2021 vor der Burg Posterstein

Zusammengesetzt ergeben die Motive eine lebendige optisch-assoziative Mischung von sehr unterschiedlicher Wirkung. Ebenfalls mit Ansichten auf dem Postersteiner Burgberg vertreten sein werden das Museum Marta Herford, Schloss Augustusburg in Brühl, das Museum Ludwig in Köln, das Residenzschloss Altenburg, das Arpmuseum in Rolandseck, das Lehmbruck Museum in Duisburg und das Stadtmuseum Lindau.

Wolfgang Stöcker ist nicht zum ersten Mal in Posterstein

Der Kölner Künstler Wolfgang Stöcker und die Mitarbeiter des Museums Burg Posterstein lernten sich bereits 2015 über die Social Media-Aktion #kunstputz des Kölner Kultur-Kollektivs „Die Herbergsmütter“ kennen. Denn Wolfgang Stöcker ist vor allem als Betreiber des „Internationalen Staubarchivs“ bekannt, wo er Staubproben aus historischen und kulturellen Orten aller Art auf künstlerisch-philosophische Weise dokumentiert, weiterverarbeitet und interpretiert.

Wolfgang Stöcker 2019 mit einem seiner Postersteiner „Staubschreine“ aus in Wachs gegossenem Staub aus der Burg Posterstein
Wolfgang Stöcker 2019 mit einem seiner Postersteiner „Staubschreine“ aus in Wachs gegossenem Staub aus der Burg Posterstein

2017 und 2018 unternahm Wolfgang Stöcker „Staubexpeditionen“ auf Burg Posterstein und verarbeitete sie zu hochwertiger und ganz und gar nicht staubiger Kunst, was 2019 in einer Ausstellung und dem Lesebuch „Zum Wesen des Staubes“ mündete. Seither besteht ein regelmäßiger Kontakt zwischen Posterstein und Köln – per Facebook, YouTube und E-Mail. – Mal sehen, vielleicht entsteht durch die künstlerische Vernetzung der verschiedenen Orte nun auch eine anderweitige Vernetzung?

von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

LeseZEIT – Folge 5: Hans Wilhelm von Thümmel

In der fünften Folge der LeseZEIT mit Geschichte und Geschichten aus dem Museum Burg Posterstein unternehmen wir einen kleinen Ausflug ins Berlin im Jahr 1807 und erleben eine Geschichte voller Verwechslungen. Einer dieser Irrtümer in dieser Geschichte wird nicht bemerkt! Um was es sich dabei handelt, verraten wir aber erst am Schluss dieser Folge!

Sie können auch diese Folge als Blogpost lesen oder als Podcast anhören:


Bereits in Folge 4 unserer LeseZEIT haben wir Hans Wilhelm von Thümmel (1744-1824), Minister des Herzogs von Sachsen-Gotha und Altenburg, kennengelernt. Dieses Mal wollen wir ihm in die heutige Bundeshauptstadt folgen. Thümmel war zu diesem Zeitpunkt 63 Jahre alt und Gesandter seines Herzogs.

Portrait Hans Wilhelm von Thümmel mit einem seiner Aphorismen
Von Hans Wilhelm von Thümmel gibt es auch zwei Bände Aphorismen. Hier gibt es einen Blogpost dazu.

Das Jahr 1807 war ein sehr bewegtes. Der vierte Koalitionskrieg zwischen französischen Truppen und den Truppen der Rheinbundstaaten auf der einen und Preußen und Russland auf der anderen Seite war im vollen Gange. Der Krieg endete – vorläufig – nach der Niederlage der preußisch-russischen Truppen in der Schlacht bei Friedland und dem am 9. Juli geschlossenen Frieden von Tilsit. Dieser brachte große Gebietsverluste für Preußen mit sich und sah unter anderem die Gründung des Herzogtums Warschau vor.

Hans Wilhelm von Thümmel als Gesandter von Herzog August von Sachsen-Gotha und Altenburg

Im Februar 1807 schickte Herzog August von Sachen-Gotha und Altenburg Hans Wilhelm von Thümmel als seinen Gesandten in Napoleons Hauptquartier über Berlin nach Warschau. 1806 war das Herzogtum dem Rheinbund beigetreten und zählte somit zu Frankreichs Verbündeten. Thümmel begab sich im Auftrag des Herzogs von Sachen-Gotha und Altenburg in dieser Zeit oft auf spezielle Missionen, u.a. nach Dänemark, Berlin und Dresden. Aus seiner Zeit in Paris 1807/08 ist das Tagebuch des Ministers erhalten geblieben und bezeugt aus erster Hand die dortigen Geschehnisse. Über Thümmels Gesandtschaft in Dänemark ist nur wenig bekannt, ebenso wie über die in Berlin und anschließend in Dresden.

Herzog August von Sachsen-Gotha-Altenburg (1772-1822)
Herzog August von Sachsen-Gotha-Altenburg (1772-1822)

Thümmel gelangte 1807 ohne Schwierigkeiten nach Berlin und traf dort Anfang April ein. Doch eine Weiterreise wurde ihm, wie allen Gesandten, untersagt. Napoleons Truppen bewegten sich mit solcher Geschwindigkeit, dass das Hauptquartier kaum mehr auszumachen war. Thümmel blieb also keine andere Möglichkeit, als Anträge zu stellen und sich die Zeit in Berlin zu vertreiben. Er traf viele alte Bekannte wieder, konnte ein Schmuckstück aus Napoleons Besitz für seinen Herzog – einen großen Verehrer des französischen Kaisers – ergattern und kam sogar in den Genuss, die Sammlung Alexander von Humboldts anzusehen, der ihm von einem alten Freund vorgestellt wurde und Thümmel zu einer Besichtigung einlud.

Humboldt in Tegel - Sammlung Museum Burg Posterstein
Alexander von Humboldt lud Hans Wilhelm von Thümmel zur Besichtigung seiner Sammlung ein. Auf dem Bild: Humboldts Schloss in Tegel, L. Rohbock Photogr./Stahlstich von Joh. Poppel, Sammlung Museum Burg Posterstein

Vielleicht wundern Sie sich jetzt: Hieß es nicht gerade, es sei nicht viel von Thümmels Mission in Berlin bekannt? Einen Hinweis haben wir doch entdeckt!

Auszüge aus einem verschollenen Reisetagebuch

Über Thümmels Zeit in Berlin muss es – wie für seine Zeit in Paris – ein Tagebuch des Ministers gegeben haben. Dieses ist aber bis zum jetzigen Zeitpunkt verschollen. Hinweise darauf existieren allerdings in der „Zeitung für die elegante Welt“ aus dem Jahr 1830. Hier wurden Auszüge aus besagtem Tagebuch veröffentlicht. Der Herausgeber gibt an, dass er die Tagebücher vor dem Tod des Ministers 1824 von diesem persönlich zur Einsicht erhalten und nach Beendigung seiner Untersuchung auch wieder an ihn ausgehändigt habe. Das Original dieses Tagesbuches konnte aber nicht ausfindig gemacht werden. Es ist möglich, dass es sich in einem unbekannten Nachlass oder in Privatbesitz befindet. Ein gänzlicher Verlust bzw. eine Vernichtung des Buches kann aber nicht ausgeschlossen werden, besonders in Anbetracht der jähen Enteignung des Thümmelschens Altersruhesitzes Nöbdenitz in Folge der Bodenreform 1945.

Was erhalten blieb, sind die in der „Zeitung für elegante Welt“ veröffentlichten Auszüge. Der Herausgeber dieser Abschnitte betitelt sich selber mit dem Kürzel „-dl-“ und konnte bis zum jetzigen Zeitpunkt nicht identifiziert werden. Sprachlicher Ausdruck und Ähnlichkeiten im Textaufbau lassen aber darauf schließen, dass es sich um denselben Autor handelt, der auch das Vorwort bzw. den biographischen Teil der 1827 im Verlag J. D. Sauerländer erschienen Aphorismen Thümmels verfasst hat.[1] Auch in diesem Fall nannte sich der Herausgeber selbst nicht namentlich und ist bis zum jetzigen Zeitpunkt unbekannt. Eine weitere Möglichkeit besteht in der Annahme, dass der Redakteur der Zeitung, Karl Ludwig Methusalem Müller (1771-1837), der Verfasser des Beitrages ist. Laut eigener Aussage soll er für sehr viele der abgedruckten Artikel verantwortlich sein.[2] Aber auch das kann hier nicht bestätigt oder widerlegt werden.

Hans Wilhelm von Thümmel wählte sich die 1000-jährige Eiche in Nöbdenitz zu seiner außergewöhnlichen Grabstätte.
Hans Wilhelm von Thümmel wählte sich die 1000-jährige Eiche in Nöbdenitz zu seiner außergewöhnlichen Grabstätte.

Der Herausgeber gibt aber zu erkennen, dass er Hans Wilhelm von Thümmel persönlich gekannt haben muss und zumindest im regelmäßigen Schriftverkehr mit ihm gestanden hat. Am Ende des Beitrages, der sich über vier Ausgaben der Zeitung zieht, schreibt er: „Er [der Verfasser] ehrt in dem verstorbenen edlen Minister von Thümmel seinen Wohlthäter, seinen ermunternden Freund; und das Andenken an diesen ehrwürdigen Greis, dessen Leichnam in dem Schatten einer großen Königseiche schlummert, ist ihm heilig.“ Entsprechend wohlwollend fallen die ausgewählten Auszüge des Herausgebers aus dem Tagebuch aus. Sie geben dem Leser zwar eine kurze Einordnung der Geschehnisse in ihre Zeit, enthalten aber vor allem unterhaltsame Anekdoten über Hans Wilhelm von Thümmels Aufenthalt in Berlin. Von Zeit zu Zeit wechselt der Verfasser die erzählerische Perspektive, gibt scheinbar wortwörtliches aus dem Tagebuch in der „ich“-Form wieder und gibt zuvor oder danach Erklärungen aus seiner Erzählersicht. Aber hören Sie einfach selbst!


Hans Wilhelm von Thümmels Zeit in Berlin

Ich lese aus dem dreißigsten Jahrgang der mit „Königl. Sächs. Allergnädigstem Privilegio“ gedruckten „Zeitung für die Elegante Welt“, aus dem Jahr 1830, herausgegeben von Karl Ludwig Methusalem Müller, verlegt in Leipzig bei Leopold Voß. Der Bericht umfasst in vier Teilen – Anfang, zwei Fortsetzungen und Beschluss – die Ausgaben vom 10., 11., 13. und 14. Dezember 1830.

Auszüge aus einem Tagebuch des verstorbenen Ministers ? Herrn von Thümmel, herausgegeben von – dl – . (10. Dezember 1830)

In der literarischen Welt ist der ehemalige herz. Gothaisch-altenburgische Minister Herr v. Thümmel durch die Herausgabe seiner Aphorismen aus den Erfahrungen eines Siebenundsiebzigjährigen und durch das treffliche Werk: Historische, statistische, geographische, topographische Beiträge zur Kenntniß des Herzogthums Altenburg, – nicht unbekannt geblieben. In dem verhängnißvollen Jahre 1807 wurde er von seinem Fürsten, dem Herzoge von Sachsen-Gotha und Altenburg, als außerordentlicher Gesandter nach Berlin gesendet, um zu unterhandeln und die weiteren Befehle des damaligen Kaisers Napoleon einzuholen, der seinen siegreichen Adler im schnellen Fluge bis an den Niemen trug. Während seines mehrwöchentlichen Aufenthaltes in Berlin schrieb der edle, würdige v. Thümmel ein Tagebuch, welches er kurze Zeit vor seinem Tode dem Herausgeber dieser Auszüge, mit dem er in freundlichem, literarischem Verkehre stand, – zur theilweisen, einstmaligen Benutzung aushändigte. In diesem Tagebuche finden sich interessante Notizen, wie auch mehrere treffende Urtheile über berühmte Menschen, namentlich auch über seinen Bruder, den geistvollen Dichter Moritz von Thümmel; daher dürften sich diese Auszüge aus dem genannten Tagebuche zur öffentlichen Mittheilung wohl eignen und bei den geehrten Lesern ein geneigtes Gehör finden.

Herr von Thümmel traf, laut seines Tagebuches, zu Anfang des Monats April 1807 in Berlin ein. Sein Wille war, dem kaiserlichen Hauptquartiere nachzureisen; doch er wurde in Berlin, wie mehrere Gesandte, – zurückgehalten und mit seinen Anträgen an den Gouverneur General Clarke gewiesen. […]

[Fortsetzung 11. Dezember 1830]

Ferner erzählt Herr von Thümmel in seinem Tagebuche: Eines Morgens sehr früh wurde ich nicht wenig überrascht. Es trat ein Männchen mit grauem Ueberrocke und eine schlechte polnische Mütze auf dem Haupte schnell in mein Zimmer. Als ich auf die drollige Gestalt zuging und sie recht betrachtete, erkannte ich zu meiner größten Freude meinen lieben Bruder, den Dichter Moritz! – Ich hatte ihn nicht vermuthet; wir sanken einander in die Arme und freuten uns kindlich

August Wilhelm Iffland, Punktierstich von Laurens,1803, Sammlung Lindenau-Museum Altenburg
August Wilhelm Iffland, Punktierstich von Laurens,1803, Sammlung Lindenau-Museum Altenburg

Mein alter guter Freund Iffland, erzählt Herr von Thümmel, der in Berlin schon öfter bei mir war, hatte gehört, daß mein Bruder eingetroffen sey. Er machte ihm seinen Besuch und bat uns Beide, mit ihm zu der berühmten Schauspielerin Bethmann, geborene Hartmann aus Gotha, zu gehen. Sie wünsche, sagte er, meinen Bruder, den Dichter, gern kennen zu lernen, besonders um ihm einen Mops zu zeigen, der so gescheidt wäre wie der in seinen genialen Schriften. Wir gingen erst zusammen in das Theater und dann zur Madame Bethmann. Beim Eintritte in ihr Zimmer hielt sie mich für meinen Bruder, und sie machte mir eine Menge Lobeserhebungen über seine Schriften, die ich ohne Umstände hinnahm. Mein Bruder war dabei verlegen und rührte sich nicht, wenn Iffland den Irrthum nicht berichtigt hätte. Wir lachten dann Alle herzlich und waren fröhlich. Es ist mir oftmals schon so gegangen, daß man mich für meinen Bruder gehalten hat; ich muß doch mehr Dichterisches in meiner Physiognomie haben als er. Wenn mein Bruder Moritz in gesellschaftlichen Gesprächen so launig und witzig wäre, wie er in seinen Schriften es ist, so würde er in Berlin großes Aufsehen machen; aber er ist einsylbig, still und verlegen und doch dabei so herzensgut. Man hält ihn für einen Pinsel, und er ist doch ein trefflicher Maler. – Einige Tage darauf, erzählt Hr. v. Thümmel mit folgenden Worten:

Mein Gedächtniß hat mir in Hinsicht meines Bruders einen tollen Streich gespielt, der aber zum Glücke recht gut ablief. – Ich hatte nämlich den Geburtstag meiner Schwester mit dem meines guten Bruders verwechselt und war in dem festen Wahne, daß er den 12ten Mai sey, denn er ist nicht den 12ten, sondern 10 Tage später geboren. – Ich traf zum 12ten Mai alle Anstalten, meines Bruders Geburtstag recht feierlich zu begehen, und bat ihm zu Ehren eine Menge Gäste. – Den 12ten Mai ging ich am frühen Morgen zu einem Hutfabricanten und kaufte meinem Bruder vor allen nöthigen Dingen einen neuen Hut, denn in dem alten durchlöcherten Hute sah er gräulich aus, und ich muß doch mit ihm überall herumlaufen. Auch kaufte ich ihm zu dem geträumten Geburtstage eine schöne Tasse. – Dann schickte ich mich an, die geladenen Gäste zu begrüßen, die Alle, wie ich, der Meinung waren, daß meines Bruders Geburtstag wirklich sey. Jedermann wurde in dem falschen Wahne gelassen, die Zeit war zu kurz, es war nun einmal nicht mehr zu ändern; das Fest begann.

Zuerst erschien ein provenzalisches Mädchen mit frischen Weintrauben und Blumen, die im Namen der Margot kam […] Dann erschienen die Hofdamen und ein Kammerherr von der Frau Kurprinzessin von Hessen-Cassel, Schwester des Königs von Preußen, und übergaben meinem Bruder im Namen der erhabenen Fürsten einen schönen blühenden Rosenstock, wofür mein Bruder noch denselben Tag durch folgende Verse dankte:

Der Rosen reizende im himmlischen Gefilde
Bog heut ihr blühend Haupt mit königlicher Milde
Auf einen Dornenstrauch entfernter Flur herab;
Dies, Fürstin! ist das Bild, das meinem Schattenbilde
Den vollen Glanz der Jugend wieder gab.

O möchten sie, die jetzt Dein abgezog’nes Leben

Als Blüthen der Natur mit Lieb‘ und Trost umschweben,
Zu einem Siegeskranz der überwund’nen Zeit
Bald an einander angereiht,
Einst Deinem grauen Haar die Freude wiedergeben,
Mit welcher Dein Emblem das meinige geweiht
Und wundervoll in mir das ernstliche Bestreben
Nach Tugend und Verdienst erneut.

M.v.T.

[Fortsetzung 13. Dezember 1830]

[…] Der Herr Geheimrat von Göcking schickte meinem Bruder ein artiges Lied eines Mädchens aus dem zwanzigsten Jahrhunderte […]

[Beschluss 14. Dezember 1830]

Es erschienen außerdem noch eine Menge Gedichte, und Herr Thümmel sagt: mein alter Bruder war von den Freuden des schönen Tages ganz trunken. Das hatte er nicht erwartet, so freudig und unverhofft überrascht zu werden! Alle Gäste waren äußerst fröhlich. Abends ließ ich noch spät von dem Conditor des spanischen Gesandten, Herrn von Correa, – der in Berlin die beste Tafel und die feinsten Weine führt, – einen Punsch á l’africaine machen, der freilich besser ist als aller Punsch aus englischen und deutschen Conditoreien. –

Eines Tages besprach sich der ehrwürdige Verfasser des Tagebuches mit mehreren seiner Freunde, eine Wallfahrt nach Potsdam zu machen, um die dortigen Merkwürdigkeiten zu sehen. Er war ein großer Freund der Architektur, wie er überhaupt alle schönen Wissenschaften bis an sein Ende pflegte und liebte und jedes strebende Talent wahrhaft väterlich unterstützte. Wir kamen – schrieb er – zeitig in Potsdam an und besuchten sogleich das neue Palais. Der Geist des großen Friedrich zeigte sich hier in der Größe und Magnificenz  der Säle; übrigens herrschte darin eine schlechte Architektur; viele Vergoldung, französisches Schnitzwerk, viel Marmor ec. – Wir gingen dann nach Sanssouci; auch hier müßte ich meiner Empfindung wehe thun, wenn ich sagen wollte, daß ich etwas Ausgezeichnetes von Geschmack gefunden hätte, außer einem Saale, der auf 8 Säulen ruhte, und wo Friedrich der Große sonst mit seinen gelehrten Freunden speiste. Die Aussicht ist schön und fällt in Vergleichung mit Berlin und der umliegenden Gegend sehr auf. Aber das Merkwürdigste ist das ehemalige häusliche Leben Friedrich des Großen, welches man bei jedem Zimmer erzählen hört. Die Belohnung eines solchen Mannes, wie Friedrich es war, ist die, daß er seine Fortdauer noch Jahrhunderte nach seinem Tode ausdehnt, und wenn sein Bewußtseyn noch an unserem Erdklumpen hängt, – wer weiß, ob dieses nicht seyn könnte – so muß es für ihn Seligkeit seyn, zu wissen, daß vom Greise bis zum Kinde jetzt noch Alles sagt: Hier lebte er, hier saß er, hier wirkte er das Gute, dort that er das Große, hier sprach er das Witzige! Wir gingen zuerst in seine Bibliothek. In einer Nische stand sein Canapé, und vor diesem der Tisch voller Tintenflecke, an dem er einst geschrieben hatte. Sonderbar! es war auch nicht ein einziges deutsches Buch in der ganzen Bibliothek zu finden; alles waren französische und italienische Werke. Napoleon war bei seiner Anwesenheit über eine halbe Stunde in dieser Bibliothek geblieben und hatte tausende Fragen über den großen König gethan; darauf hat er zu seiner Begleitung feierlich gesagt: An diesem Tische saß Friedrich der Große und arbeitete seine Riesenpläne aus; man ist ihm Ehrfurcht schuldig; hierauf hat er seinen Hut gezogen, und sein ganzes Gefolge hat ein Gleiches gethan. […]

Nach dreimonatlichem Aufenthalte kehrte der würdige Hr. v. Thümmel, an Erfahrungen bereichert, in den Schooß der Seinigen zurück, fortwirkend in seinem vielverzweigten, ausgebreiteten Geschäftskreise. Er empfing in Berlin eigenhändige Briefe von dem Fürsten von Benevent, von dem Großmarschall Duroc und anderen berühmten Männern, wie er auch später in Paris mit dem französischen Cabinette diplomatische Unterhaltungen pflog, und sein Fürst, Herzog August, bei Napoleon in großer Gunst stand. Auch hierüber findet sich manches Interessante unter Thümmel’s nachgelassenen Papieren, und der Herausgeber dieser Auszüge behält sich vor, später darauf zurückzukommen, wenn, wie er hofft, diese Mittheilungen nicht ungünstig aufgenommen werden. Er ehrt in dem verstorbenen edlen Minister von Thümmel seinen Wohlthäter, seinen ermunternden Freund; und das Andenken an diesen ehrwürdigen Greis, dessen Leichnam in dem Schatten einer großen Königseiche schlummert, ist ihm heilig.

"Première vue du Palais Neuf de Sanssouci de la Gallerie des Tableaux et ses Environs, prise de la Montagne de la Brasserie vis a vis de Sanssouci", Krüger, Andreas Ludwig / Meyer, Johann Friedrich / Niegelssohn, Johann August Ernst, 18. Jahrhundert, Technische Universität Darmstadt. Universitäts- und Landesbibliothek, Public Domain auf Europeana.eu
“Première vue du Palais Neuf de Sanssouci de la Gallerie des Tableaux et ses Environs, prise de la Montagne de la Brasserie vis a vis de Sanssouci”, Krüger, Andreas Ludwig / Meyer, Johann Friedrich / Niegelssohn, Johann August Ernst, 18. Jahrhundert, Technische Universität Darmstadt. Universitäts- und Landesbibliothek, Public Domain auf Europeana.eu

Diese erheiternden Episoden, die hier in der „Zeitung für die Elegante Welt“ (Link am Ende des Beitrags) abgedruckt wurden, verraten uns nicht viel über Thümmels tatsächliche Arbeit in Berlin, aber sie erweitern das große Repertoire an Anekdoten, die über den Minister bekannt sind und vor allem geben sie einen Einblick in das Verhältnis zwischen Hans Wilhelm von Thümmel und seinem älteren Bruder Moritz.

Moritz August von Thümmel

Heute ist Moritz August von Thümmel als Dichter kaum mehr bekannt, gehörte aber zu den am meisten gelesenen Autoren seiner Zeit. Vor allem seine Reihe „Reise in die mittäglichen Provinzen von Frankreich“ kann schon als berüchtigt gelten. 1738 in Schönefeld bei Leipzig als zweiter Sohn der Familie geboren, war er wie sein Bruder Hans Wilhelm, eines von insgesamt 19 Kindern der Familie. Kein Wunder also, dass es da bei Geburtstagen zu Verwechslungen kommen konnte.

Der Dichter Moritz August von Thümmel auf einer Lithografie nach dem Gemälde von Louise Seidler, Museum Burg Posterstein
Der Dichter Moritz August von Thümmel auf einer Lithografie nach dem Gemälde von Louise Seidler, Museum Burg Posterstein

Und hier auch die versprochene Auflösung des Irrtums. Hans Wilhelm von Thümmel schreibt: „Ich hatte nämlich den Geburtstag meiner Schwester mit dem meines guten Bruders verwechselt und war in dem festen Wahne, daß er den 12ten Mai sey, denn er ist nicht den 12ten, sondern 10 Tage später geboren.“ Aber leider stimmt auch das nicht. Moritz von Thümmel wurde nicht am 22. sondern am 27. Mai geboren.

Moritz August von Thümmel studierte später in Leipzig Jura, wandte sich aber bald den „schönen Künsten“ zu. 1761 wurde er unter dem späteren Herzog Ernst Friedrich von Sachsen-Coburg-Saalfeld zum Kammerjunker und drei Jahre später zum geheimen Hofrat und Hofmeister ernannt. 1768 wurde er Wirklicher geheimer Rat und Minister in Coburg. 1783 trat Moritz von Thümmel aus dem Staatsdienst aus und lebte vor allem in Gotha und auf Gut Sonneborn, das seiner Frau gehörte. Gelegentliche Aufenthalte führten ihn auch nach Coburg. Bereits in den 1770er Jahren reiste er viel: nach Amsterdam, Paris und schließlich durch ganz Frankreich. Sein Ruhestand vom Staatsdienst war durch viele kleine Reisen geprägt, unter anderem die nach Berlin im Jahr 1807. 1817 starb Moritz August von Thümmel und wie sein jüngerer Bruder Hans Wilhelm von Thümmel, wünschte er sich ein Grab im Grünen. Er wurde in Neuses, einem Dorf in der Nähe Coburgs beigesetzt.

Hans Wilhelm von Thümmel in der Ausstellung im Museum Burg Posterstein

Wenn Sie nun mehr über Hans Wilhelm von Thümmel und seinen Bruder erfahren möchten, dann freut es mich zu sagen, dass Burg Posterstein seit dem 6. Juni 2021 nach 215 Tagen Lockdown wieder für Besucher geöffnet ist und zu den regulären Öffnungszeiten besichtigt werden kann.

Blick in die Ausstellung zur Europäischen Salongeschichte im Museum Burg Posterstein in Thüringen.
Blick in die Ausstellung zur Europäischen Salongeschichte im Museum Burg Posterstein in Thüringen.

Aber keine Sorge! Auch wenn das Museum Burg Posterstein wieder geöffnet hat, bleiben wir Ihnen mit unserem Podcast LeseZEIT mit Geschichte und Geschichten aus dem Museum Burg Posterstein erhalten! In der nächsten Folge lesen wir aus den Briefen des Freiherrn Jakob Friedrich von Bielfeld, der im Dienst Friedrich des Großen gestanden hat. Wir lesen Auszüge, in denen er vom Leben auf seinem Landsitz in Treben und Haselbach im heutigen Altenburger Land berichtet. Die Besonderheit an dieser Folge: Sie soll am 18. Juli 2021, 15 Uhr, vorab live im Burghof der Burg Posterstein gelesen werden. Wenn Sie dabei sein wollen – melden Sie sich bitte vorab im Museum an, denn die Plätze sind begrenzt.

Bis zur nächsten Folge –  ob live oder auf den Kanälen der Burg Posterstein – wünsche ich Ihnen eine schöne Zeit! Auf Wiederhören!

Franziska Engemann / Museum Burg Posterstein


[1] Thümmels Aphorismen.

[2] Vgl.: Schnorr von Carolsfeld, Franz, “Müller, Methusalem” in: Allgemeine Deutsche Biographie 22 (1885), S. 652 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117602418.html#adbcontent

Zum Weiterlesen:

Thümmels Tagebuch in der Zeitung für die Elegante Welt

Zeitung für die elegante Welt : Mode, Unterhaltung, Kunst, Theater. 30. 1830 ## 10.12.1830

Zeitung für die elegante Welt : Mode, Unterhaltung, Kunst, Theater. 30. 1830 ## 11.12.1830

Zeitung für die elegante Welt : Mode, Unterhaltung, Kunst, Theater. 30. 1830 ## 13.12.1830

Zeitung für die elegante Welt : Mode, Unterhaltung, Kunst, Theater. 30. 1830 ## 14.12.1830

Neuzugang in der Sammlung des Museums Burg Posterstein: rund 700 Ostereier in verschiedensten Techniken

Ostereier gestaltet von Peter Rehfeld - Sammlung Museum Burg Posterstein
Ostereier gestaltet von Peter Rehfeld – Sammlung Museum Burg Posterstein

Vor den Osterfeiertagen erhielten wir für die Sammlung des Museums Burg Posterstein eine einzigartige Schenkung: Der Rositzer Handwerker und Ostereier-Gestalter Peter Rehfeld übergab dem Museum seine Sammlung von rund 700 handgefertigten Ostereiern. Da das Museum weiterhin geschlossen bleiben muss, kann sie in diesem Jahr noch nicht gezeigt werden. Zur Einstimmung auf die Feiertage im kleinen Kreis gibt es hier im Blog erste Fotos. Im Kinderburg-Blog haben wir darüber hinaus Wissenswertes zum Osterfest und Basteltipps für die ganze Familie zusammengestellt.

Peter Rehfeld bewahrt und sammelte historische Gestaltungstechniken

Seit fast 40 Jahren gestaltet Peter Rehfeld bereits Eier zu filigran ausgeführten Kunstwerken um. Und jedes Jahr entstehen neue. Sein Ziel ist es dabei, alte Handwerkstechniken, die zur Gestaltung dieser berühmten und allseits beliebten Osterdekorationen zum Einsatz kommen, zu sammeln, zu bewahren und einem breiten Publikum bekannt zu machen. Dazu dient ihm nicht nur sein privater Garten als Ausstellungsfläche! Seine handgefertigten Ostereier wurden bereits in verschiedenen Museen und Ausstellungen gezeigt und bewundert.

Peter Rehfeld aus Rositz im Altenburger Land setzt sich seit fast 40 Jahren dafür ein, alte Ostereier-Gestaltungstechniken zu sammeln und zu bewahren.
Peter Rehfeld aus Rositz im Altenburger Land setzt sich seit fast 40 Jahren dafür ein, alte Ostereier-Gestaltungstechniken zu sammeln und zu bewahren.

Zur Verzierung der Hühner-, Wachtel- oder Gänseeier nutzt Peter Rehfeld verschiedene Techniken und Materialien. Stroh, Blumen und Gräser, Stoffe und Farben bilden nicht nur Muster, sondern zum Teil ganze Landschaften ab. Jedes Ei ist ein Unikat. Und doch sind diese Techniken zum Nachahmen geeignet. Verkäuflich sind die kleinen Kunstwerke nicht. Aber einige einfache Anleitungen, die zu einem erstaunlich raffinierten Endprodukt führen, hat Peter Rehfeld in einem eigenen Buch zusammengefasst und herausgegeben.

Rund 700 seiner wunderbar gearbeiteten Ostereier sind nun in die Sammlung des Museums Burg Posterstein eingegangen. Ursprünglich war für die Osterzeit eine Sonderschau mit Workshops des Künstlers in der Burg geplant. Seit 2. November 2020 ist das Museum Burg Posterstein allerdings geschlossen, um Besucher zu schützen und einen Beitrag zur Verlangsamung der Ausbreitung der COVID-19-Pandemie zu leisten. Aber verschoben ist nicht aufgehoben – eine entsprechende Ausstellung planen wir für das nächste Jahr.

Hintergrundinfos und Bastelideen zu Ostern im Kinderburg-Blog

In unserem Kinderburg-Blog haben wir verschiedene Beiträge zum Osterfest, darunter auch die Antworten auf die Fragen „Was hat das Schaf mit Ostern zu tun?“ und „Welche Farbe hat ein Osterei?“. Zudem gibt es dort einfache Bastelanleitungen zum Gestalten von Ostereiern, kleinen Geschenken oder kostenlose Vorlagen für individuelle Ostergrußkarten.

Wir wünschen allen ein frohes Osterfest! Bleiben Sie gesund!

Von Franziska Engemann / Museum Burg Posterstein

LeseZEIT – Folge 2: Emilie von Binzer

Banner Podcast LeseZEIT auf Burg Posterstein

Herzlich Willkommen, liebe Zuhörende, zur zweiten Folge unserer „LeseZEIT“ aus dem kleinen Studio des Museums Burg Posterstein. Mein Name ist Franziska Engemann und ich bin Historikerin.

Sie können auch diese Folge als Blogpost lesen oder als Podcast anhören.

Folge 2 des Podcasts LeseZEIT anhören:

Die Zeit um 1800, der Salon der Herzogin Anna Dorothea von Kurland, ihr Leben, Wirken und natürlich ihre Gäste in Löbichau und Tannenfeld, bilden einen Schwerpunkt unserer musealen Arbeit, Forschung und unserer Ausstellung hier in Posterstein. Daher beschäftigen wir uns auch in der zweiten Folge der „LeseZEIT“ mit den Zeitgenossen der Herzogin und ihren Berichten über das Leben auf dem Musenhof dieser bedeutenden Frau.

Blick in das Auktionsheft von 1907, wo die gesamte Einrichtung des Schlosses Löbichau versteigert wurde (Sammlung Museum Burg Posterstein)
Blick in das Auktionsheft von 1907, wo die gesamte Einrichtung des Schlosses Löbichau versteigert wurde (Sammlung Museum Burg Posterstein)

Neben den Tagebüchern der Herzogin von Kurland sticht vor allem ein Werk heraus, das ein erhellendes Licht auf diese Geschichte wirft und aus erster Hand das Leben auf den Schlössern Löbichau und Tannenfeld beschreibt: Emilie von Binzers Erinnerungen „Drei Sommer in Löbichau“. Das Buch ist eine Rückschau der Verfasserin auf die Ereignisse in Löbichau und Tannenfeld aus den Sommern 1819, 1820 und 1821. Auf 136 Seiten beschreibt sie anschaulich und mit viel Humor die dortigen Gäste. Lange galt das Werk neben der 1823 erschienen Biographie der Herzogin von Kurland von Christian August Tiedge (1752–1841) und den Erinnerungen Gustav Partheys (1798–1872) und Elisa von der Reckes (1754–1833) als wichtigste Quelle zum Leben im Löbichauer Salon.

Emilie von Binzer schilderte in ihren Erinnerungen Löbichauer Salongäste und das Leben im Schloss der Herzogin Anna Dorothea von Kurland.
Emilie von Binzer schilderte in ihren Erinnerungen Löbichauer Salongäste und das Leben im Schloss der Herzogin Anna Dorothea von Kurland.

Doch wie gelang es Emilie von Binzer, diese tiefgründigen Eindrücke zu gewinnen?

Emilie Henriette Adelheid von Binzer, 1801 als Emilie von Gerschau in Berlin geboren, war die Tochter eines illegitimen Sohnes des Herzogs Peter von Kurland. Sie wuchs bei ihrer viel bewunderten und temperamentvollen Tante, Wilhelmine von Sagan, der ältesten Tochter der Herzogin und des Herzogs von Kurland, auf und wurde von ihrer Pflegemutter in das Salonleben eingeführt. Gemeinsam mit zwei weiteren Pflegetöchtern Wilhelmines – der jung verstorbenen Klara Bressler und Marie Wilson von Steinach – trat Emilie schon früh in die höchsten gesellschaftlichen Kreise ihrer Zeit ein und lernte viele Persönlichkeiten kennen. Sie erhielt eine hervorragende Ausbildung und reiste viel. Einige Sommer verbrachte sie gemeinsam mit ihrer Tante auf Schloss Löbichau. Im Salon ihrer Großmutter traf sie neben dem Dichter Jean Paul (1763–1825) unter anderem die Familien Körner und Feuerbach, den Verleger Brockhaus (1772–1823), die Schriftsteller Tiedge und Elisa von der Recke sowie den Archäologen und Schriftsteller Carl August Böttiger (1760–1835). Auch den Burschenschaftler, Schriftsteller und Journalist August Daniel Freiherr von Binzer (1793–1868), den sie 1822 im Schloss Sagan heiratete, lernte sie in Löbichau kennen. Nach der Hochzeit begann für das Paar ein unstetes Reiseleben durch viele Teile Europas, bis sie sich 1845 in Wien und später in Linz niederließen.

50 Jahre später schrieb Emilie von Binzer ihre Erinnerungen an ihre drei Sommer in Löbichau auf.
50 Jahre später schrieb Emilie von Binzer ihre Erinnerungen an ihre drei Sommer in Löbichau auf.

In Emilie von Binzers literarischen Werken, die sie unter dem Pseudonym Ernst Ritter veröffentlichte, spiegeln sich vor allem Personen und Erlebnisse der Zeit des Wiener Kongresses wider. Ihre Dramen „Die Gauklerin“ und „Die Neuberin“ wurden 1846 am Wiener Burgtheater aufgeführt. Zwischen 1849 und 1870 unterhielt sie in ihren Häusern in Linz und Altaussee musische Kreise. Freundschaften verbanden sie mit den österreichischen Schriftstellern Adalbert Stifter (1805–1868), Franz Grillparzer (1791–1872) und besonders mit dem Dichter Christian von Zedlitz (1790–1862). Nach dem Tod ihres Mannes zog Emilie von Binzer zu ihrem Sohn nach München, wo sie 1891 starb.

50 Jahre nach den eigentlichen Geschehnissen beschreibt Emilie von Binzer in ihrem Buch „Drei Sommer in Löbichau“ Auszüge aus ihrer Jugendzeit, spricht über ihre Familie und über die Löbichauer Gäste, über besondere und weniger besondere Situationen des Salonalltags und gibt auf humoristische, unterhaltende und nicht selten ironische Weise einen ganz speziellen und persönlichen Einblick in das Leben der damaligen Zeit.

Warum erst nach so langer Zeit, fragen Sie sich vielleicht?

Auf den ersten Seiten wird diese Frage von der Verfasserin selbst beantwortet:

„Als ich im Sommer 1871 auf meinem Landhause in Aussee (Steiermark) anlangte, fand ich auf dem Tische zwei dicke Bände liegen mit der Aufschrift: ‚Jugenderinnerungen von Gustav Parthey, Handschrift für Freunde.‘ Das Packet war unter meiner Adresse mit der Post angekommen. Bei diesem Anblick durchzuckte es mich freudig, denn der Name auf dem Titelblatte gehörte nicht nur einem in weiten Kreisen geachteten Manne und gründlichem Gelehrten, sondern auch einem theuren Jugendfreunde, den ich viele Jahre nicht gesehen hatte, und mit dem ich überhaupt nur als junges Mädchen in regem Verkehr gewesen bin. Daß er mich nicht vergessen hatte, bewies mir dieses Buch – und welch ein Buch!“

Ernst Welker portraitierte Emilie von Binzer als Spargel (Sammlung Museum Burg Posterstein)
Ernst Welker portraitierte Emilie von Binzer als Spargel (Sammlung Museum Burg Posterstein)

Angeregt durch die Memoiren ihres alten Freundes, begann auch Emilie von Binzer sich mit ihren Erlebnissen auseinanderzusetzen, war sich dabei aber immer bewusst, dass die lange Zeit ihre Erinnerungen und Ansichten verklärt haben könnten. Dennoch versucht sie ein objektives Bild der Personen und Ereignisse zu zeichnen, wobei sie ihre eigene Meinung stets als solche kennzeichnet. Die Eigenarten und Charaktere beschreibt sie von verschiedenen Standpunkten und ist dabei nicht gewillt, zu beschönigen. Mit Kritik, einer guten Portion Selbstironie, aber immer mit Feingefühl, gibt sie ihre Eindrücke wieder.

All diese Umstände machten es mir sehr schwer, aus diesem unbedingt lesenswerten Buch, einige Auszüge für unsere „LeseZEIT“ auszuwählen. Die Sammlung des Museums gab schließlich den entscheidenden Anstoß. 2014 gelang es dem Museum Burg Posterstein mit finanzieller Unterstützung des Freistaats Thüringen und der Bürgerstiftung Altenburger Land ein Konvolut Zeichnungen zu erwerben. Aufbewahrt in einer grünen Halblederkassette, entpuppte sich der Inhalt als ausgesprochene Rarität: eine Sammlung von Portraitblättern, hautsächlich von der Hand des Malers Ernst Welkers (1784/88–1857), der den Sommer 1819 als Zeichenlehrer Emilie von Binzers in Löbichau verbrachte. Die von Ernst Welker portraitierten Personen gehören alle zum engeren Umfeld der Herzogin von Kurland und treten als Fabelwesen auf. Meist wählte der Künstler eine Tiergestalt aus, deren Kopf er durch ein Portrait der entsprechenden Person ersetzte. Doch: Mindestens eine der Zeichnungen stammt von Emilie von Binzer selbst. Sowohl die Bilder als auch einige der Personen sind in Binzers Werk erwähnt und so hören wir genau diese Auszüge aus Emilie von Binzers „Drei Sommer in Löbichau“, erschienen 1877 in Stuttgart beim Verlag von W. Spemann. Die Auszüge befinden sich auf den Seiten 81 bis 100.


Sommer 1820:

Die Reisegesellschaft nach Löbichau war diesmal bedeutend vergrößert. Bei der Herzogin [Wilhelmine von Sagan] lebte seit vielen Jahren eine alte Französin, vielleicht war sie nicht alt, aber sie wurde immer so betrachtet. Ihr Mann hieß Graf Trogoff, und war wie seine Frau aus der Basse-Bretagne, was genug andeutet, welcher politischen Partei sie angehörte. […] sie ist mir immer eine „problematische Natur“ geblieben, ich wußte nicht, sollte ich sie lieb haben oder nicht, neigte mich aber zu Letzterem; ich kannte sie schon sehr lange.

Gräfin Trogoff, Gast am Hof der Herzogin von Kurland, portraitierte Ernst Welker als Krebs (Sammlung Museum Burg Posterstein)
Gräfin Trogoff, Gast am Hof der Herzogin von Kurland, portraitierte Ernst Welker als Krebs (Sammlung Museum Burg Posterstein)

Als ich in Prag ein paar Jahre in Pension war, lebte sie dort und übte die Funktion einer Art Oberrichters in Fällen flagranter Unarten über mich aus, doch that sie mir nie etwas zu Leide. Sie war eine starke Tabakschnupferin und hatte, so lange ich sie gekannt habe, immer einen Hund um sich, der ihr Freund, Bruder und Sohn war, auch war er stets männlichen Geschlechts. Der in Prag hieß „Wartele“, und war damals zweiundzwanzig Jahre alt, und das Scheußlichste, was ich je von dieser Gattung gesehen habe; ihre dritte Leidenschaft war das Kartenspiel, ihre vierte die Arzneikunde; das waren aber wirklich alles Leidenschaften, die ‚Leiden schafften‘, wenn sie sie entbehren mußte, was am meisten mit der dritten der Fall war, da der Sommer wenig Gelegenheit zum Spielen bot. Wenn man in ihr Zimmer trat, fühlte man sich gleich in der Mitte der Dinge, die ihr Leben ausfüllten: der Hund bellte einen an – gottlob nicht mehr Wartele! – auf dem Tisch lag ein Todtenkopf und ein aufgeschlagenes medizinisches Werk, daneben die Schnupftabaksdose und Patiencekarten, die benutzt wurden, wenn sich keine Mitspieler fanden […].“

Nächst ihr [Gräfin Trogoff] wurde der Reisezug durch unseren Zeichenlehrer, Herrn Ernst Welker, Vetter der beiden berühmten Welker, vermehrt. Er war aus Suhl gebürtig und Sachse vom reinsten Wasser; längere Zeit hatte er sein Fortkommen in Wien gefunden, von wo ihn die Herzogin als unseren Lehrer, gerne gesehenen Gast und guten Gesellschafter mitgenommen hatte. Er war eben über der Zwergengröße, was ihn nicht hinderte, den Freiheitskrieg im Lützow’schen Corps als Freiwilliger mitzumachen; man nannte ihn dort: ‚den Stabszwerg‘, und Peter Heß stellte ihn einst dar, wie er mit einer Maus hinter einem Kürbiß Verstecken spielt. Er besaß Theodor Körner’s Profil, das er auf der Bahre abgezeichnet hat, und war ein gebildeter Mann von guter Erziehung, aber daß er so klein doch einen Mann vorstellte, gab ihm einen Anstrich von Lächerlichkeit, den er dadurch vermehrte, daß er immer in eine von uns entsetzlich verliebt war. Sein blondes Köpfchen hatte kaum mehr Haare als sein großer Schnurrbart, der, obgleich er erst 35 Jahre zählte, einen fast zahnlosen Mund verbarg; damals aber waren die Menschen noch nicht so schnell bei der Hand auszubessern, was die Natur verwüstete, jetzt hätte ihn ein Ratelier sehr verschönt. Sein Talent war nicht der Art, daß die Welt davon Kenntniß genommen hätte, aber doch achtungswerth; noch schmücken zwei hübsche Aquarelle von ihm mein Wohnzimmer. Es stellte sich ein ganz vertrauliches Verhältniß zwischen ihm und allen Hausgenossen her, er begleitete uns auf unseren Spaziergängen und erzählte uns allerlei aus seinem Leben, was wir gerne anhörten. Mir, für die er nur einige kurze Liebesanfälle gehabt hatte, vertraute er wohl auch, wie wenig er sich von Louise und Marie verstanden fühlte; Louise war eigentlich seine Hauptflamme; die Boshafte vergalt ihm dies, indem sie behauptete, daß wenn er ihr die Hand küsse, es ihr sei, als ob man eine verfaulte Melone auf diesem edlen Gliede zerdrücke.


Auch auf die eingangs erwähnte Kassette mit den von Welker gezeichneten Portraits Löbichauer Gäste kommt Emilie von Binzer in ihrem Buch zu sprechen. Es ist vorstellbar, dass sie diese Zeichnungen nach langer Zeit wieder zur Hand nahm, als sie ihre Jugenderinnerungen niederschrieb, so detailreich sind die Motive in den Text eingeflochten.


In dieser Lederkassette bewahrte Emilie von Binzer die 47 Karikaturen Löbichauer Salongäste auf.
In dieser Lederkassette bewahrte Emilie von Binzer die 47 Karikaturen Löbichauer Salongäste auf.

Ich besitze eine Mappe, die klein Welckerchen in Löbichau mit Porträts der ihm zugänglichen anwesenden Gäste, meist in Thiergestalt, füllte; darunter stehen Fibelverse, die sich mehr durch gute Laune, ja Uebermuth, als durch Witz auszeichnen; die Mappe enthielt siebenundvierzig Blätter, die gelegentlichen Besucher aus der Nachbarschaft sind nicht darunter, nur solche, die wirklich in Löbichau wohnten; ich sondere diejenigen Personen aus, die erst nach den Universitätsferien eintrafen, mische dann die Blätter und nenne der Reihe nach einige der Gäste.

Der Archäologe Böttiger war keine anziehende Erscheinung; so wenig er Tieck gefallen hatte, ebenso wenig gefiel er Goethe. Dieser sagte einst Jemanden, der es mir wieder erzählt hat: ‚Ich sah auf der Wiese in Karlsbad eine Gestalt, und dachte bei mir: welche Aehnlichkeit mit Böttiger! Endlich kommt sie näher, und ich sehe, daß er es selbst ist. Gottlob, rief ich aus, so existiert er doch nur einmal.‘ Frau von der Recke und Tiedge aber waren nicht der Ansicht und hielten ihn hoch und des Morgens hielt er im alten Schlößchen bei Elise Vorlesungen, die sehr schön gewesen sein sollen, aber von denen ich keine gehört habe; doch weiß ich, daß er über die Arabesken las.

Den Archäologen Böttiger portraitierte Ernst Welker als Statue (Sammlung Museum Burg Posterstein)

Graf Schönfeld, ein hübscher, etwas sentimentaler Wiener von sächsischer Herkunft, den ich von Kindheit an kannte; sein Sohn hat Louise Neumann geheirathet, die unersetzte Schauspielerin des Burgtheaters, die man nicht vergessen kann, wenn man sie je gesehen hat. Ihre Franziska in Minna von Barnhelm spielt ihr Niemand nach. Der Graf, der sie ihrem Beruf entrückte, hat ihr später Gelegenheit gegeben, ihren gediegenen Charakter in schwierigen Lagen zu bewähren.

Graf Schönfeld, portraitiert von Ernst Welker (Sammlung Museum Burg Posterstein)
Graf Schönfeld, portraitiert von Ernst Welker (Sammlung Museum Burg Posterstein)

Baron Rönne aus Kurland, ein hübscher Mann rauhen Wesens, aber wenn er wollte liebenswürdig. Das interessanteste an ihm war eine Fistel, die Folge einer Wunde, in der linken Brust; er hatte sich diese in einem Duell geholt und sie war schlecht geheilt worden; wir hörten, daß täglich eine große Menge Baumwolle in diesen geheimnißvollen Gang gestopft werden mußte, und diese immer wiederholte Operation durchaus nicht schmerzlos sei; wahrscheinlich wäre unser Mitleid für Herrn von Rönne stärker gewesen, wenn wir uns nicht vor ihm gefürchtet hätten. Uebrigens steht unter Welckers Bildchen, der ihn als Bär dargestellt hat:

‚Seht tanzen hier den wilden Bär,

Er ist so zahm als irgend wer.‘

Ernst Welkers Portrait von Baron Rönne aus Kurland (Sammlung Museum Burg Posterstein)
Ernst Welkers Portrait von Baron Rönne aus Kurland (Sammlung Museum Burg Posterstein)

Im Anfang September traf ein Besuch ein, dessen Erscheinung keinen geringen Rumor in Löbichau machte, es war der Herzog von Gotha. Die jungen Herren fürchteten die Langeweile des Tages und wurden nach Altenburg geschickt. Im Handumdrehen war das idyllische Leben in Löbichau in eine Hofhaltung verwandelt; die Herzogin[von Kurland] und ihre Töchter warfen sich in Staat, wir zogen unsere kleidsamsten Gewänder an, denn sonst nannte man Löbichau mit Unrecht einen Hof; die Herzogin von Kurland und meine Pflegemutter hatten sogar Toquen aufgesetzt, ein Kopfputz, der nur bei großen Gelegenheiten angewendet wurde; […]Der Herzog August von Gotha war ein sehr eigenthümlicher Herr, bei dem irgend eine Schraube im Gehirn los war, aber nicht ohne Witz. Welcker wusste eine Menge Anekdoten von ihm, die uns als Prolog zu seiner Erscheinung dienten; als er sah, wie ein Fräulein sich abmühte, einen Torso nachzuzeichnen, sagte er ihr: ‚Was machen Sie da für ein hübsches Nierenstück!‘ – Man überreichte ihm eine jener altmodischen Tassen, wo auf der Obertasse steht: ‚Wandle auf,‘ dann eine Rose gemalt ist, während auf der Untertasse ein Vergißmeinnicht zu sehen ist. Er las den Rebus so: ‚Wandle auf Ober- und Untertassen.‘ Auf seinen Kammerherrn Seebach machte er die Charade: ‚Mein erstes ist naß, mein zweites ist naß, und mein ganzes so trocken!‘ […] Mehr in Erstaunen als sein Witz setzte uns aber die Mähr, daß der Herzog in seiner Häuslichkeit gewöhnlich Frauenkleider trage, und in Karlsbad am Brunnen im weißatlassenen Weiberschlafrock seinen Sprudel getrunken habe – den anderen Tag aber in einem Lila u. s. f. […]

Sidonie von Diesgau portraitierte Ernst Welker als Fledermaus (Sammlung Museum Burg Posterstein)
Sidonie von Diesgau portraitierte Ernst Welker als Fledermaus (Sammlung Museum Burg Posterstein)

Altenburg gehörte damals noch zu Gotha, es war daher der Landesherr, der erwartet wurde. Ihm zur Seite stand Fräulein Sidonie von Diesgau, eine Verwandte Schulenburgs, sie war des Herzogs Freundin und er trennte sich nie von ihr. Nicht etwa das, was man oft unter einer Fürstenfreundin versteht, über diesen Verdacht erhob sie des Herzogs Individualität und ihre eigene: sie war alt, und von einer so ausgesuchten Häßlichkeit, daß Welcker sie als Fledermaus darstellte mit dem Vers:

‚Erschrecket nicht vor diesem Graus,

Es ist nur eine Fledermaus.‘

Herzog August von Sachsen-Gotha-Altenburg portraitierte Ernst Welker als Pfau (Sammlung Museum Burg Posterstein)
Herzog August von Sachsen-Gotha-Altenburg portraitierte Ernst Welker als Pfau (Sammlung Museum Burg Posterstein)

Ihr Geist aber ward allgemein gerühmt, auch sieht man es oft, daß Fürsten Freunde haben, die sich durch dick und dünn für sie enthusiasmiren, ihre Schwächen nicht sehen, ihre guten Eigenschaften in dem griechischen Feuer ihrer Einbildungskraft verklären, und jeden Augenblick bereit sind, für sie zu sterben. Eine solche war Sidonie von Diesgau, und ihr war das Glück geworden, ein antwortendes Echo in der Seele ihres Erwählten gefunden zu haben. Dies seltsame Paar, der trockene Seebach und noch ein paar Herren stiegen aus den Reisewagen; Thümmel empfing sie am Schlage. Der Herzog trug an diesem Tage eine gelbblonde Lockenperücke (er hatte deren, wie man sagt, gegen zwanzig von verschiedener Beschaffenheit und Farbe), einen blauen Frack mit mehreren Ordenssternen und Bändern, ein Hemd mit Spitzenjabot, das so weit offen stand, als es der Anstand irgend erlaubte und eine schneeweiße, fette Brust durchschimmern ließ; er war groß und wohlgenährt, mit hochgeschminkten Wangen und Lippen, und dadurch, obgleich nicht häßlich, eine der allerwidrigsten Erscheinungen, die man sich vorstellen kann; Fräulein Sidonie fiel ordentlich angenehm neben ihm auf; sie war von natürlicher Häßlichkeit, ganz mausgrau gekleidet, und behielt ihren grauen Hut auch bei Tische auf, aber Fledermausflügel hatte sie, die Wahrheit zu sagen, nicht. Das Ganze war ein Phantasiestück in Callot’s Manier, und zog wie ein Geisterspuk vorüber. Tagelang erzählten wir unseren Freunden von diesen beiden Masken; Welcker traf den Herzog vortrefflich als Pfau.


In diesem Konvolut an Karikaturen befanden sich auch Zeichnungen der beiden Künstler. Emilie von Binzer ist als Spargel, Ernst Welker als Auster dargestellt. Schülerin und Lehrer nahmen also auch sich selbst aufs Korn. Ohnehin scheint Ernst Welker viel Humor gehabt zu haben, ist er doch auch Mitglied der „Unsinnsgesellschaft“ gewesen, die in Wien 1817 ein Archiv des menschlichen Unsinns herausgab.

Ernst Welker stellte sich selbst als Auster dar  (Sammlung Museum Burg Posterstein)
Ernst Welker stellte sich selbst als Auster dar (Sammlung Museum Burg Posterstein)

Die einzelnen Zeichnungen aus Emilie von Binzers Besitz sind sehr lichtempfindlich und werden daher nur abwechselnd und einzeln in der Ausstellung des Museums Burg Posterstein gezeigt. Den größten Teil des Jahres werden sie im Depot des Museums verwahrt.

Ab 1. August 2021 können sie allerdings wieder gemeinsam in der Sonderschau „Der Maler Ernst Welker im Salon der Herzogin von Kurland“ bewundert werden. Weitere Informationen erhalten Sie wie immer auf unserer Website oder im Blog.

Alle Karikaturen können Sie aber auch jederzeit im Katalog „Salongeschichten. Paris – Löbichau – Wien“ nachschlagen. Dieser ist im Museum Burg Posterstein erhältlich. Alle Infos zur Sammlung Welker gibt es hier.

Damit verabschiede ich mich bis zum nächsten Wiederhören in der „LeseZEIT“ mit Geschichte und Geschichten aus dem Museum Burg Posterstein.

Von Franziska Engemann / Museum Burg Posterstein
Fotos & Schnitt: Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein