Schlossgenuss in Potsdam – Der Museumsverein Burg Posterstein auf den Spuren europäischer Geschichte und Kunst

Noch bis 5. Juni rufen die Schlösser und Gärten Deutschland zur Blogparade #SchlossGenuss auf. Die Mitglieder des Museumsvereins Burg Posterstein folgen traditionell bevorzugt den Spuren der Herzogin von Kurland durch ganz Europa. Die Frühjahrsexpedition führte sie in diesem Jahr nach Potsdam, eine Stadt, die sich wie wohl keine andere Stadt in Deutschland in den letzten zehn Jahren in Bezug auf den Wiederaufbau historischer Gebäude enorm entwickelt hat – und reichlich Potential für Schlossgenuss bietet.

Das wieder aufgebaute Palais Barberini - in der Zeit der Aufklärung pilgerten Künstler und Adlige nach Italien, um sich von der schönen Baukunst und der Geschichte inspirieren zu lassen. (Foto: Bernd Nienhold)
Das wieder aufgebaute Palais Barberini – in der Zeit der Aufklärung pilgerten Künstler und Adlige nach Italien, um sich von der schönen Baukunst und der Geschichte inspirieren zu lassen. (Foto: Bernd Nienhold)

Das Palais Barberini

Das bereits zu Zeiten des Preußenkönigs Friedrichs II. nach dem Vorbild des Palazzo Barberini in Rom errichtete Palais Barberini in Potsdam war im Zweiten Weltkrieg stark zerstört und in den Nachkriegsjahren komplett abgerissen worden. Zwischen 2011 und 2016 wurde es wieder aufgebaut, die Fassaden wurden originalgetreu rekonstruiert, während die Innenarchitektur nach den funktionellen Anforderungen eines modernen Kunstmuseums gestaltet wurde. Architektonisch fügt sich das Gebäude harmonisch in das Ensemble am Alten Markt (Altes Rathaus, St. Nikolaikirche und altes Schloss (jetzt Landtag von Brandenburg) ein.

Das Museum Berberini

Seit dem Jahr 2017 beherbergt dieses Palais das Museum Barberini. Ein Großteil der Räume dient Ausstellungen mit wechselnder Thematik. Wir interessierten uns für die Werke von Max Beckmann, die unter dem Titel „Max Beckmann. Welttheater” gezeigt wurden. Offenbar war diese Ausstellung nicht nur bei den Mitgliedern des Postersteiner Museumsvereins sehr gefragt, die Besucherzahl schien an diesem Tag sehr groß. Der elektronische Guide gab uns einen guten Einblick in Beckmanns Leben und Werk und erlaubte jedem Teilnehmer sein eigenes Tempo durch die Ausstellung zu wählen.

Auch die Herzogin von Kurland genoss die Schönheit von Sanssouci (Foto: Bernd Nienhold)
Auch die Herzogin von Kurland genoss die Schönheit von Sanssouci (Foto: Bernd Nienhold)

„Salongeschichten“ im Schlosspark Sanssouci

Das Wetter meinte es gut mit uns. Während des Mittagessens hatte sich die angekündigte Regenwolke entleert und danach die Sonne wieder freigegeben, ein Grund mehr für uns, den geplanten Spaziergang durch den Schlosspark auch anzutreten und zu genießen, zumal uns eine sachkundige Potsdamerin die Führung zugesagt hatte. Die Schlossparkführung war natürlich eine besondere, speziell auf unsere Gruppe zugeschnitten. Wir erhielten interessante Einblicke in die Geschichte der preußischen Residenzen rund um Potsdam und Berlin, in die Parkgeschichte, z.B. in das Krongut Bornstedt, in das Drachenhaus mit dem wunderschönen Café, in das Antikenhaus sowie auch in die Geschichte des Weinanbaus im Schlossgarten.

Die Herzogin von Kurland kam 1786 gemeinsam mit ihrem Mann nach Sanssouci und reiste dann weiter nach Italien.
Die Herzogin von Kurland kam 1786 gemeinsam mit ihrem Mann nach Sanssouci und reiste dann weiter nach Italien.

Auch die Herzogin von Kurland ist mindestens einmal in Sanssouci gewesen, denn 1786 war sie noch zu Lebzeiten Friedrich II. gemeinsam mit ihrem Ehemann in der außergewöhnlichen Residenz zu Gast. Von hier aus startete das Paar auf eine große Europareise, die über Wien nach Rom und Neapel führte. Unterwegs stiftete man in Bologna der traditionsreichen Universität einen kunsthistorischen Lehrstuhl.

Nicht nur Kunst brachten die Kurländer aus Italien mit – das von der berühmten Angelika Kaufmann gemalte Porträt gehört zu den schönsten Darstellungen Anna Dorothea von Kurlands –, sondern auch die Gewissheit, dass die Welt außerhalb der eigenen Besitzungen einiges bereithält an Bildung, an Kontakten und an Einflussmöglichkeiten. Europa war von nun an ihre Heimat.

Ausgehend von diesem damals gelebten Europagefühl, wirft das Museum Burg Posterstein im Herbst 2018 in der Labor-Ausstellung „#SalonEuropa vor Ort und digital“ die Frage auf: Was bedeutet Europa für uns heute? Auch dazu wird es eine Blogparade geben, zu der alle herzlich eingeladen sind.

von Dr. Helmut Hellrung/ Museumsverein Burg Posterstein

#heritageMW: Ein europäisches Tourismus- und Informationszentrum im Geiste der historischen Salons in der Burg Posterstein

Das Kulturerbe unserer Gesellschaft steht unter dem Hashtag #heritageMW heute im Zentrum der europäischen Museumswoche #MuseumWeek. In Posterstein reift derzeit ein Projekt, das die Ruine des ehemaligen Nordflügels als Tourismus- und Informationszentrum wieder aufbauen möchte. Wir wollen die Idee hier im Blog vorstellen.

Direkt neben der Burg Posterstein gestalten derzeit der Verein Burgberg Posterstein e.V. und die Gemeinde Posterstein das Areal des historischen Burgbergs neu. Im Projekt „Gemeinsam nicht Einsam – neues Leben auf dem Land“ soll der Burgberg zu einem Zentrum für Wohnen, Arbeiten, Kultur und Natur entwickelt werden. Die Sanierung des historischen Herrenhauses ist in vollem Gange und soll im Rahmen von Förderungen des Bauministeriums bis Ende des Jahres abgeschlossen sein. Über den aktuellen Stand informiert der Verein in seinem Blog. Auch der Platz vor der Burg wird neu gestaltet. Ein weiterer großer Schwerpunkt der Entwicklung des Gebiets ist der Neubau des in den 1950er Jahren abgerissenen Nordflügels der Burg.

„Gemeinsam nicht einsam – neues Leben auf dem Land“: Der Umbau des Herrenhauses Posterstein mit unterschiedlichen Funktions- und Nutzungseinheiten für Besucher und Touristen soll bis Ende 2018 umgesetzt werden.

Spiele, Kunst und Weltpolitik: Salonkultur als Gemeinsamkeit im Altenburger Land

In den Sommermonaten versammelte sie ihre Gäste in ihren Schlössern Löbichau und Tannenfeld im heutigen Altenburger Land. In den Salons dieser Zeit wurden bei Musik, Theater und Tee Kontakte geknüpft und politische Entscheidungen auf den Weg gebracht. Wie der Dichter Jean Paul anerkennend berichtete, durfte im Salon der Herzogin von Kurland jeder frei seine Meinung äußern, so lange sie höflich vorgetragen wurde.
In den Sommermonaten versammelte sie ihre Gäste in ihren Schlössern Löbichau und Tannenfeld im heutigen Altenburger Land. In den Salons dieser Zeit wurden bei Musik, Theater und Tee Kontakte geknüpft und politische Entscheidungen auf den Weg gebracht. Wie der Dichter Jean Paul anerkennend berichtete, durfte im Salon der Herzogin von Kurland jeder frei seine Meinung äußern, so lange sie höflich vorgetragen wurde.

Wir wollen einladen zu einer Zeitreise in die Salons des 19. Jahrhunderts – im Altenburger Land im Dreiländereck Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt, unweit von Weimar und Leipzig. Es ist die bewegte Zeit nach der französischen Revolution, in der Napoleon die Welt veränderte und der Wiener Kongress für Jahrzehnte Frieden stiftete. In dieser Zeit führte die kluge und schöne Herzogin von Kurland ihren bekannten Salon auf ihren Schlössern Löbichau und Tannenfeld. In Altenburg stiftete der Staatsmann Bernhard August von Lindenau sein bedeutendes Kunstmuseum mit öffentlicher Kunstschule. In den bürgerlichen Altenburger Salons entstand das beliebte Skatspiel. Friedrich Arnold Brockhaus gründete in Altenburg seinen bekannten Verlag. Und in Nöbdenitz ließ sich der Minister Hans Wilhelm von Thümmel unter einer 1000-jährigen Eiche begraben.

Die Salonkultur im Altenburger Land bietet hervorragende Anknüpfungspunkte für gemeinsame Projekte und die Vernetzung der verschiedenen Museen und anderen Kultur-Akteure. Posterstein ist für viele Touristen, die von Süden und Westen her in die Region kommen, quasi das Tor zum Altenburger Land. Salongeschichte fand in Weimar und Gotha statt, aber auch im Altenburger Land. Mit gemeinsamen Vermittlungs- und Veranstaltungskonzepten soll die Region vorangebracht und dieses spannende Thema belebt und gelebt werden.

Projektidee: Wiederaufbau des Nordflügels der Burg Posterstein

Das inhaltliche Gestaltungskonzept des Neubaus und der Freianlagen verknüpft die Orte der Europäischen Salonkultur im Altenburger Land: insbesondere Residenzschloss Altenburg, Lindenau-Museum, den Altenburger Marstall, die verschiedenen Palais in Altenburg und die Schlösser Tannenfeld und Löbichau.

Es nimmt direkten Bezug auf die Tourismusstrategie des Freistaates Thüringen, die die Entwicklung von touristischen Leitprodukten mit Alleinstellungsmerkmal und überregionaler Ausstrahlungskraft anregt.

Am 24. Juli 2017 gab es interessante und konstruktive Gespräche mit dem Thüringer Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee auf Burg Posterstein: Schwerpunkte waren die Tourismusstrategie im Altenburger Land und speziell die touristische Vermarktung von Burg Posterstein und der gesamten Region. Weitere Infos dazu gibt es im Video.

Minister Wolfgang Tiefensee auf Burg Posterstein from Burg Posterstein on Vimeo.

Es erfolgt eine konsequente Anknüpfung an die Geschichte und Orte der europäischen Salonkultur im Altenburger Land mit dem Ziel, die Salonkultur für Kulturtouristen erlebbar machen.

Das Konzept steht im direkten Bezug zur Dauerausstellung und zur Forschungsarbeit im Museum Burg Posterstein.

Wiederaufbau Nordflügel

Der neu gebaute Nordflügel hätte eine Grundfläche von rund 250 m² auf drei Geschossebenen und würde in der Kubatur des Vorgängerbaus entstehen. Die erforderlichen Erschließungs- und Sanitäranlagen sowie die Sicherstellung der Barrierefreiheit in der gesamten Burg Posterstein sind in die Planung integriert.

Der Neubau integriert multifunktionale Flächen und entsteht insbesondere als Informations-, Kommunikations- und Wissenszentrum für Kulturtouristen: Ein zentraler Aspekt wäre die Information zur Geschichte der Europäischen Salonkultur im  Altenburger Land und in Thüringen in einem modernen innovativen Präsentationsformat. Die museale Präsentation des historischen Themas verbleibt in den historischen Räumen der Burg.

Die Idee #SalonEuropa: Ein Europäisches Zentrum für Salonkultur und Tourismus- und Informationszentrum in der Burg Posterstein

Der #SalonEuropa überträgt das historische Vorbild in die heutige Zeit und stellt kulturelle und politische Themen zur Diskussion. Mögliche Formate könnten sein: Stammtisch-Runden bzw. „Teestunden“ zu bestimmten Themen (z.B. historische Forschung, regionale Erinnerungskultur, aktuelle Politik), Konferenzen/Tagungen (z.B. Gastredner von Universitäten und Forschungseinrichtungen| Autoren-Lesungen), Blogparaden/Instawalks zu unterschiedlichen Themen und Orten, Workshops und Kurse für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, Salontheater (z.B. Stücke auf kleiner Szene, beispielsweise in Kooperation mit Theater Altenburg-Gera), Vorträge/Lesungen/Podiumsdiskussionen (z.B. zur Salongeschichte, zu Europapolitik über europäische Kultur der Gegenwart und z.B. in Kooperation mit den Museen in Altenburg wie Residenzschloss Altenburg, Lindenau-Museum, Mauritianum Altenburg).

Ein erstes neues, experimentelles Format wird die Ausstellung #SalonEuropa vor Ort und digital Vernetzung damals und heute – Europa bedeutet für mich …? ab 23. September 2018 sein. Sie versteht sich als ein Labor. Ausgehend von der historischen Salonkultur um 1800 soll sie den Bogen schlagen in die heutige Zeit und zur aktuellen politischen Lage.  Analog dazu soll im #SalonEuropa Labor Besuchern vor Ort und im Digitalen die Möglichkeit gegeben werden, ihre Gedanken zu Europa heute zu äußern.

Die Ideen sind derzeit weit gereift und die Vision eines Zentrums für europäische Salonkultur im wieder aufgebauten Nordflügel der Burg in greifbare Nähe gerückt. Der Museumsverein Burg Posterstein e.V. hat sich entschlossen, mit Unterstützung von Sponsoren den Eigenanteil an den Kosten zu stemmen, sollte es zur Umsetzung der Pläne kommen. Jede Spende hilft!

Spendenkonto:
VR Bank Altenburger Land
IBAN: DE 11 8306 5408 0000 3185 90
BIC: GENODEF 1SLR

Spendenbescheinigungen werden von uns erteilt.
AG Altenburg, VR 489, USt-IdNr.DE293965369

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Von Klaus Hofmann / Museum Burg Posterstein

Weitere Beiträge zur #MuseumWeek 2018:
#WomenMW: Die Dame, die unter dem Pseudonym „Ernst Ritter“ schrieb
#CityMW: Tee im Salon – Die Altenburger Gesellschaft um 1810

#WomenMW: Die Dame, die unter dem Pseudonym „Ernst Ritter“ schrieb

Am ersten Tag der diesjährigen internationalen Museumswoche #MuseumWeek stehen Frauen im Mittelpunkt. Wir wollen die #MuseumWeek jeden Tag mit einem thematisch passenden Blogbeitrag begleiten. Unter dem Hashtag #WomenMW führt uns unser Weg in die nur zwei und vier Kilometer von Burg Posterstein in Thüringen gelegenen Schlösser Löbichau und Tannenfeld. Dort gab es mit der Herzogin Anna Dorothea von Kurland nicht nur eine beeindruckende Salonniére. Auch unter den Gästen des Löbichauer Salons waren bedeutende Frauen – zum Beispiel Emilie von Binzer.

Der Salon der Herzogin von Kurland in Schloss Löbichau zählte zu den bekanntesten seiner Art.
Der Salon der Herzogin von Kurland in Schloss Löbichau zählte zu den bekanntesten seiner Art.

Aus den Pariser Salons des 18. Jahrhunderts, in denen sich Mitglieder des Hofes, Gelehrte und Künstler begegneten, ging in der Zeit der Aufklärung eine Kultur hervor, die sich über ganz Europa ausbreitete. Den gesellschaftlichen Mittelpunkt bildete stets die Gastgeberin. Ende des 18. Jahrhunderts entwickelte sich Schloss Löbichau zu einem solchen Zentrum des geistig-kulturellen Lebens in Deutschland. Der Salon der Herzogin von Kurland in Löbichau gehörte zu den bekanntesten seiner Art.

Wie eine Mappe aus dem Besitz Emilie von Binzers nach Posterstein kam

2014 konnte das Museum Burg Posterstein aus Finanzmitteln des Freistaats Thüringen und der Bürgerstiftung Altenburger Land eine einmalige Sammlung von Portraitzeichnungen ankaufen: 47 aquarellierte Zeichnungen aus den Jahren 1819/20, die Gäste im Salon der Herzogin von Kurland als Fabelwesen darstellen. Aufbewahrt wurden die Unikate in einer dunkelgrünen Halblederkassette.

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Ernst Welker. – Museum Burg Posterstein, CC BY-SA 4.0, Link

Eines der Blätter, das Porträt von Fritz Piattoli, ist mit der Signatur „Emilie del.“gekennzeichnet.

Die Urheber dieser heiteren Portraits sind der Maler Ernst Welker und vermutlich teilweise auch seine Zeichenschülerin Emilie von Binzer, geb. von Gerschau – die spätere Schriftstellerin war eine Pflegetochter der Herzogin Wilhelmine von Sagan, der ältesten Tochter Dorothea von Kurlands.

In ihrem Erinnerungsroman „Drei Sommer in Löbichau“ schrieb Emilie von Binzer:

„Ich besitze eine Mappe, die klein Welkerchen in Löbichau mit Porträts der ihm zugänglichen anwesenden Gäste, meist in Thiergestalt, füllte; darunter stehen Fibelverse, die sich mehr durch gute Laune, ja Uebermuth, als durch Witz auszeichnen, die Mappe enthielt siebenundvierzig Blätter, die gelegentlichen Besucher aus der Nachbarschaft sind nicht darunter, nur solche, die wirklich in Löbichau wohnten.“

Man darf sich den etwa 35-jährige Zeichenlehrer und seine 19-jährige Schülerin vorstellen, die einen Sommer auf dem idyllischen Landsitz Löbichau und Tannenfeld verbringen und einen humoristischen Blick auf die bekannten und weniger bekannten Persönlichkeiten im Salon der Herzogin von Kurland werfen. Die Dargestellten treten als Fabelwesen auf, meist in Tiergestalt oder als Gegenstand mit einem menschlichen Portrait-Kopf. Es ist nicht bekannt, ob die abgebildeten Personen Kenntnis von der Existenz dieser Zeichnungen hatten. Immerhin, in Löbichau ging es sehr liberal zu. Die Urheber der Karikaturen schonten auch sich selbst nicht: Emilie ist als Spargel dargestellt, Welker als Auster.

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Ernst Welker. – Museum Burg Posterstein, CC BY-SA 4.0, Link

Ihre berühmte Tante führte sie in die Welt der Salons ein

Die Schriftstellerin Emilie Henriette Adelheid von Binzer (1801-1891) kam in Berlin als Emilie von Gerschau zur Welt. Sie wuchs bei ihrer Tante Wilhelmine von Sagan mit zwei weiteren Pflegetöchtern auf. Ihr Vater Peter von Gerschau soll ein illegitimer Sohn des Herzogs von Kurland gewesen sein. Er diente als russischer Generalkonsul in Kopenhagen. Durch ihr Leben bei Herzogin Wilhelmine wurde sie in das Salonleben eingeführt und lernte in jungen Jahren bedeutende Persönlichkeiten, wie Metternich, Talleyrand, Zar Alexander, Windischgrätz, Wellington, Blücher und Schwarzenberg kennen.

In den Jahren 1819/20 war sie mit dem Maler Ernst Welker und der Herzogin von Sagan in Löbichau und Tannenfeld. Nach über 50 Jahren schrieb sie ihr Erinnerungsbuch „Drei Sommer in Löbichau“, worin sie die von Welker porträtierten Personen einzeln charakterisiert.

Aufnahme Frauenlobs des 2 ten am 8. September in Löbichau 1819, Aquarell, gemalt von Ernst Welker, Museum Burg Posterstein
Aufnahme Frauenlobs des 2 ten am 8. September in Löbichau 1819, Aquarell, gemalt von Ernst Welker, Museum Burg Posterstein

In Löbichau traf Emilie den Dichter Jean Paul, die Familie Körner, die Feuerbachs, Carl August Böttiger, Friedrich Arnold Brockhaus, Christoph August Tiedge und Elisa von der Recke und auch den Burschenschaftler August Daniel von Binzer, den sie 1822 im Schloss Sagan heiratete. Unter dem Pseudonym „Ernst Ritter“ veröffentlichte sie die Novellensammlung „Mohnkörner“. Auf ihr literarisches Werk übten vor allem Personen und Erlebnisse der Zeit des Wiener Kongresses Einfluss aus. In ihren Häusern in Wien, Linz und Altaussee unterhielt sie musische Kreise. Freundschaften verband sie mit Adalbert Stifter und Franz Grillparzer. Über persönliche Empfehlung Grillparzers wurde Emilie von Binzer zur Beraterin und mütterlichen Freundin des jungen Erzherzogs Maximilian, Bruder des Kaisers Franz Joseph I. „Der Salon Binzer galt in Wien und später in Linz, wohin die Familie im Revolutionsjahr 1848 ihren Wohnsitz verlegte, als ein Mittelpunkt des künstlerischen und gesellschaftlichen Lebens.“, beurteilt das Literaturmuseum Altaussee.

Die Sammung Welker beim Kultur-Hackathon Coding da Vinci

2015 konnten die einmaligen Zeichnungen von Ernst Welker erstmals in einer Sonderausstellung mit dem Titel „Salongeschichten – Paris-Löbichau-Wien. Gäste im Salon der Herzogin von Kurland im Portrait des Malers Ernst Welker“ der Öffentlichkeit gezeigt werden. Danach wurden sie zunächst vor Ort digital in einen Touchscreen in der Dauerausstellung des Museums integriert und können dort auch weiterhin von den Besuchern betrachtet werden. Seit 2018 sind sie digitalisiert und über das Portal Museen in Thüringen zugänglich.

Für den Kultur-Hackathon Coding Da Vinci Ost sind die Blätter nun in hoher Auflösung und mit CC-BY-SA-Lizenz auch auf Wikimedia Commons zu finden.

Unser erster Kultur-Hackathon: Die Sammlung Welker bei Coding da Vinci Ost in der Universitätsbibliothek Leipzig.
Unser erster Kultur-Hackathon: Die Sammlung Welker bei Coding da Vinci Ost in der Universitätsbibliothek Leipzig.

Im Rahmen des Hackathons arbeiten einige der 140 Teilnehmer – darunter Designer, Programmierer und Studenten verschiedener Fachrichtungen – mit den Daten des Museums Burg Posterstein. Die nächsten neun Wochen verbringen sie ihre Freizeit damit, aus den spielerischen historischen Zeichnungen, moderne spielerische Anwendungen zu erstellen. Wir werden sie natürlich mit fachlichen Infos unterstützen und sind sehr gespannt auf die Ergebnisse, die am 16. Juni präsentiert werden! Die Projekte können im Hackdash von Coding da Vinci mitverfolgt werden und wer Lust hat, kann sogar noch einsteigen und mitmachen.

Von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

Foto-Ausstellung bringt London nach Posterstein: Fotografie von Frank Rüdiger


Stimmungsvolle Bilder Londoner Straßenzüge sind ab Sonntag, 18. März, 15 Uhr, in der Galerie der Burg Posterstein zu sehen. Seit dem Fall der Mauer 1989 reist der Geraer Fotograf Frank Rüdiger zwei bis drei Mal im Jahr nach London. In seinen Bildern hält er alltägliche Situationen und ungewöhnliche Blickwinkel fest.

(c) Frank Rüdiger: Blackfriars Bridge, 2017
(c) Frank Rüdiger: Blackfriars Bridge, 2017

Die Ausstellung Ausstellung “London Urban Sketches – Urbane Skizzen von London – Fotografie von Frank Rüdiger” zeigt kleinformatige, bearbeitete Drucke von Fotografien Londoner Straßenzüge aus den vergangenen Jahren. – Frank Rüdiger bezeichnet sie selbst als urbane Skizzen.

In Zeiten des Brexit erhalten die Bilder eine fesselnde Aktualität.

Gleichzeitig stimmt die Ausstellung schon auf das Themenjahr #SalonEuropa auf Burg Posterstein ein. Dieses nimmt seinen Ausgangspunkt im Salon der Herzogin von Kurland und in der europäischen Salongeschichte, möchte das Thema Europa aber auch ins heute tragen und aus heutiger Sicht betrachten.

Der Geraer Fotograf Frank Rüdiger liebt London.
Der Geraer Fotograf Frank Rüdiger liebt London.

Frank Rüdiger studierte 1984 bis 1987 Museologie in Leipzig und betreute 1989 bis 1991 die Sammlung Fotografie im Museum für Angewandte Kunst Gera. 1989/90 besuchte er die Spezialschule für Fotografie an der Landesschule für Kultur Rudolstadt und ist seit 1991 freiberuflich als Fotograf, Publizist und Kurator tätig. Als Fotograf, Autor, Co-Autor oder Herausgeber wirkte er an über 70 Publikationen und Buchprojekten mit.

Im Begleitprogramm der Ausstellung liest Frank Rüdiger am 29. April, 15 Uhr, aus seinem Buch Cockney, Cookies, Camden Market – [Un]Gewöhnliches aus London.

Die Ausstellung “London Urban Sketches – Urbane Skizzen von London – Fotografie von Frank Rüdiger” läuft bis 27. Mai 2018.

Welche Beziehungen haben Prag – und auch Karlstein – zur Burg Posterstein?

Impressionen aus Prag.
Impressionen aus Prag.

Der Museumsverein Burg Posterstein war in diesem Jahr auf Bildungsfahrt in Prag. Vereinsmitglied Monika Diedrich berichtet von Erlebnissen und Sehenswürdigkeiten. Und welche Beziehungen gibt es nun zwischen Posterstein und Prag? Vordergründig keine. Warum fährt dann der Museumsverein der Burg Posterstein im Altenburger Land dorthin? Finden wir es heraus!

Geschichte von Karlstein und Posterstein berührt sich 1358

Burg Karlstein in Tschechien
Burg Karlstein in Tschechien

Karlsteindie Burg Karls IV., des böhmischen Königs und späteren Kaisers des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Sein Leben und Wirken ist allgemein bekannt. Doch weiß man auch, dass während des vogtländischen Krieges 1354 bis 1359 Burg Posterstein neben Werdau und Ronneburg eine der Burgen gewesen ist, die Kaiser Karl IV. auf seinem Zug in das Pleißenland 1358 besetzte. Und da wäre er – der Bezug von Burg zu Burg.

Und Prag? Die Zeitreise geht in die Ära der Salonkultur

Da sich das Museum Burg Posterstein mit der Geschichte der Kurländer Herzogsfamilie befasst, muss nicht lange gesucht werden: Auf der Prager Kleinseite (mala strana) steht unweit der Kirche Maria vom Siege ein großes gelbes Stadtpalais, das so genannte Palais Rohan, gekauft aber war es von Peter von Kurland, und immer wieder hielt sich darin ein Familienmitglied für längere oder kürzere Zeit auf: Peters Gemahlin Anna Dorothea oder deren Töchter Wilhelmine, Pauline…

Das Palais Rohan in Prag war für den Museumsverein Burg Posterstein besonders interessant.
Das Palais Rohan in Prag war für den Museumsverein Burg Posterstein besonders interessant.

Wilhelmine von Sagan, die mit dem französischen Adligen Louis de Rohan kurze Zeit verheiratet war, residierte dort. Nach ihrer Scheidung wurde das Palais Rohan als Abfindung überlassen – und daher der Name Palais Rohan. Die Rohan gehörten zu den ältesten französischen Adelsfamilien. Es gelang ihnen ihre reiche Kunstsammlung vor der Französischen Revolution zu retten und schließlich nach Böhmen zu bringen.

In der oben erwähnten Kirche aber heiratete Pauline, Wilhelmines Schwester, 1800 den Fürsten von Hohenzollern-Hechingen.

Das Palais Schwarzenberg - ein Name, der verknüpft ist mit der Geschichte der Herzogin Anna Dorothea von Kurland.
Das Palais Schwarzenberg – ein Name, der verknüpft ist mit der Geschichte der Herzogin Anna Dorothea von Kurland.

Das wunderbare Palais Schwarzenberg, dessen Mauern bis unters Dach mit Sgraffitis geschmückt sind, wurde am nächsten Tag besucht. Hier gab es zwar keinen offensichtlichen Beweis für die Anwesenheit der Kurländerinnen, dennoch ist doch stark anzunehmen, dass die Damen auch hier am gesellschaftlichen Leben teilnahmen. Schließlich blühte die Salonkultur nicht nur in Berlin, sondern auch in Prag und besonders im Palais Schwarzenberg.

Im Palais gibt es einen Raum, ausgestattet mit bemalten Wänden, der für geselliges Beisammensein gedacht war. Hier kann man sich Anna Dorothea von Kurland bei den Soireen gut vorstellen. Das Palais befindet sich heute im Eigentum der Nationalgalerie und interessante Ausstellungen sind dort zu besichtigen. Dr. Marius Winzeler, Leiter der Sammlung Alter Kunst der Tschechischen Nationalgalerie, stellte nicht nur die Palais Schwarzenberg und Sternberg vor, sondern führte kompetent in die Kunstschätze ein.

Bootsfahrt in Prag.
Bootsfahrt in Prag.

Die eben während des Aufenthaltes der Postersteiner stattfindende Prager Schlössernacht ermöglichte es, das Palais Waldstein, den Sitz des Tschechischen Senats, zu besuchen und in Gemächer vorzudringen, die sonst für die Öffentlichkeit verschlossen sind. Nicht nur Wallenstein gefiel dieser Palast und seine Gärten – auch Wilhelmine von Sagan residierte hier, um den Verhandlungen über die Allianz gegen Napoleon 1813 so nah wie möglich zu sein.

Impressionen aus Prag.
Lucerna-Passage. Jugendstil-Arkade mit Geschäften Wenzel Statue von David Černý .

Die Teilnehmer an der Bildungsfahrt interessierten neben den Geschichten um das Haus Kurland natürlich auch andere geschichtliche Zusammenhänge und die entsprechenden Orte und architektonischen Sehenswürdigkeiten Prags. Ein Besuch im Jüdischen Viertel mit einer Führung und demzufolge vielen interessanten Erläuterungen bis zur ältesten Synagoge der Stadt war angesagt sowie eine Bootsfahrt auf der Moldau. Vom Wasser aus war die Stadt mit ihren unzähligen prächtigen Gebäuden gut zu begreifen.

Prag vom Wasser aus gesehen.
Prag vom Wasser aus gesehen.

Den Abschluss der dreitägigen Fahrt bildete die Besichtigung des Château Troja, etwas außerhalb der Stadt gelegen, zwischen Moldau und Weingärten.

Decke im Château Troja
Decke im Château Troja

Troja war die Sommerresidenz des Grafen Wenzel Adalbert von Sternberg. Er hatte es 1679 im schlesischen Barock bauen lassen. Herrliche Räume, Innenausstattungen, Gemälde und andere Kunstgegenstände sowie ein gepflegter Barockgarten erfreuen die Besucher.

Von Monika Diedrich / Museumsverein Burg Posterstein

Ausstellung “Perspektivwechsel” ist zu Ende gegangen: Kann “Noddy Town” in Posterstein bleiben?

Anthony Lowe vor seinem ungewöhnlichen Altenburg-Panorama "Noddy Town"
Anthony Lowe vor seinem ungewöhnlichen Altenburg-Panorama “Noddy Town”

Unsere Sonderausstellung “Perspektivwechsel – Influencing ways of seeing” ist am 5. November zu Ende gegangen. Rund 3500 Besucher sahen sich die teilweise eigens für die Schau geschaffenen Bilder, Installationen und Skulpturen an, in denen der Altenburger Künstler Anthony Lowe die Burg Posterstein, verschiedene Städte und Gebäude aus völlig neuen Blickwinkeln zeigt. Jetzt hoffen wir darauf, dass das größte Kunstwerk – das drei Meter lange Altenburg-Panorama “Noddy Town” – in Posterstein bleiben kann.

Wenn man an “Noddy Town” vorbeigeht, sieht das Werk bei jedem Schritt ein wenig anders aus. Das faszinierende Panorama, das sich an den bekannten umgekehrten Perspektiv-Formen (reverse perspektive) des britischen Künstlers Patrick Hughes orientiert, gibt einen ungewöhnlichen Blick auf die Stadt Altenburg.

Wer ist “Noddy” und was hat er mit Altenburg zu tun?

Anthony Lowe musste schmunzeln, als er diese Frage gestellt bekam. Denn Noddy ist eine britische Kinderbuchfigur, erfunden von der Autorin Enid Blython um 1949, die bis heute aktuell geblieben und in Großbritannien praktisch zu einer nationalen Ikone geworden ist. Noddy ist ein kleiner hölzerner Spielzeugjunge, der in einem Spielzeugtaxi durch ein kunterbuntes Spielzeugland fährt. Und hier haben wir die optische Verbindung zu Anthony Lowes buntem Stadtpanorama. Altenburg wird im Perspektivwechsel zur Miniaturstadt und könnte eines der Autos rechts unten nicht das von Noddy sein? Witzig nur, dass Anthony Lowe Noddy als Kind immer “sehr nervig” fand!

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Das Museum Burg Posterstein hofft darauf, das Werk “Noddy Town” in seine Sammlung regionaler Kunst aufnehmen zu können. Sollte der Wiederaufbau des Nordflügels der Burg Posterstein gelingen und als touristischer Infopunkt Neubau dienen, könnte das Panorama dort dauerhaft öffentlich gezeigt werden und so die Besucher auf einen Abstecher ins Altenburger Land und in die Stadt Altenburg einstimmen. Wer den Museumsverein Burg Posterstein bei diesem Ankauf unterstützen möchte, ist herzlich willkommen: Ob als neues Vereinsmitglied, als Mikro-Spender, der seinen Online-Einkauf über die Website Boost-Project beginnt und selbst dabei nicht extra zahlt oder mit einer Spende auf das Vereinskonto per Überweisung oder Paypal:




„Noddy Town“, 2017, Öl auf Sperrholzkörper in Form eines Pyramidenstumpfs, dreiteilig: 70x100 cm
„Noddy Town“, 2017, Öl auf Sperrholzkörper in Form eines Pyramidenstumpfs, dreiteilig: 70×100 cm

Anthony Lowe, 1957 in London geboren, lebt und arbeitet als freischaffender Künstler in Zürchau bei Altenburg. Er studierte in Liverpool, Bristol und London am renommierten Royal College of Art. Im Gespräch mit Museumsdirektor Klaus Hofmann zur Eröffnung der Ausstellung erzählte Anthony Lowe über die verschiedenen Mittel zur künstlerischen Darstellung der Perspektive: „Es reizt mich, einfach mal diesen Spielzeugkasten aufzumachen. Da sind so viele Werkzeuge drin, dass man eine Auswahl treffen muss.“

"Ein Blick in den Brunnen reicht", Installation, 2017. Konzept: Anthony Lowe, Drohnenflug: U. Kretzschmar, Flying Pixx, Schmölln, Filmschnitt: K+K Media Gera
“Ein Blick in den Brunnen reicht”, Installation, 2017. Konzept: Anthony Lowe, Drohnenflug: U. Kretzschmar, Flying Pixx, Schmölln, Filmschnitt: K+K Media Gera

Besondere Aufmerksamkeit zog in der Zeit der Ausstellung auch die Installation „Ein Blick in den Brunnen reicht“ auf sich. Bei dem runden, mit Wasser gefüllten Behälter schaut der Betrachter nach unten auf eine Projektion, die Posterstein von oben zeigt.

Von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

Kinder, Kinder, #Kinderburg: Unser Blick auf Kultur im Jahr 2017

Ferienführung durch die Burg Posterstein.
Ferienführung durch die Burg Posterstein.

Das Archäologische Museum Hamburg fragt in seiner Blogparade #KultBlick nach dem persönlichen Blick auf Kultur. Mitmachen kann jeder. Wir vom Museum Burg Posterstein wollen unseren Blickwinkel für dieses Jahr vorstellen: Den Blick auf Geschichte durch Kinderaugen.

Der Kulturblick eines geschichtlichen Museums richtet sich per Definition in erster Linie auf vergangene Zeiten. Das Museum Burg Posterstein beschäftigt sich als regionalgeschichtliches Museum des Altenburger Landes in Thüringen in erster Linie mit der Geschichte der Burg Posterstein und der Geschichte der Region im Dreiländereck Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt. Dazu gehört auch ein Salon, der zwischen 1795 und 1821 nach ganz Europa ausstrahlte: Der Musenhof der Herzogin von Kurland. Aus über 800 Jahren Geschichte kann man inhaltlich schöpfen und als Museum seinen Kulturblick auf verschiedene Schwerpunkte lenken. 2017 haben wir einen ganz besonderen kulturellen Blickwinkel in den Mittelpunkt gerückt: Den Blick auf Geschichte durch Kinderaugen.

Schon im Vorfeld der Kinderburg-Ausstellung gab es für junge Besucher viel zu entdecken: Hier durften Kinder die Ausrüstung der Ritterschaft von Hohenstein testen.
Schon im Vorfeld der Kinderburg-Ausstellung gab es für junge Besucher viel zu entdecken: Hier durften Kinder die Ausrüstung der Ritterschaft von Hohenstein testen.

Traditionell zählen Familien mit Kindern, Schulklassen und Kita-Gruppen zu den wichtigsten Besuchergruppen im Museum Burg Posterstein. Klar, vom Verlies bis zur Turmspitze können auch ganz junge Besucher so einiges entdecken. Aber die meisten der Informationen in Schrift oder Ton richteten sich bisher an ein erwachsenes Publikum. 2017 haben wir erstmals eine Ausstellung für Kinder konzipiert. Die Vorbereitungen dafür haben das gesamte Jahr geprägt.

Gibt es heute noch Ritter? – Fragen über Fragen

Anfang des Jahres richteten wir im Museum eine Frage-Station ein. Hier können junge (wie ältere) Besucher Fragen zur Geschichte hinterlassen. Es antworten Burggespenst Posti und Burgdrache Stein – per Brief, E-Mail oder als Blogpost im extra eingerichteten Kinderburg-Blog und in möglichst einfachen, kurzen Sätzen. Eingegangen sind mehr als 150 Fragen.

Seit Eröffnung der Kinderburg-Ausstellung gibt es die Möglichkeit das "Heymlich Gemach", die Rekonstruktion der Toilette im Aborterker der Burg Posterstein, anzusehen.
Seit Eröffnung der Kinderburg-Ausstellung gibt es die Möglichkeit das “Heymlich Gemach”, die Rekonstruktion der Toilette im Aborterker der Burg Posterstein, anzusehen.

Viele davon beziehen sich auf den Alltag in einer Burg im Mittelalter – eben Lebensbereiche, die die Kinder kennen und die sie beschäftigen. Gab es Tiere in einer Burg? Wie badeten Ritter? Wie gingen sie in Rüstung aufs Klo und was nahmen sie als Klopapier? Wie schwer ist eine Rüstung? Gingen Ritter in die Schule? … Und durfte sich eine Prinzessin auch mal schmutzig machen?

Durch die “Kinderbrille” sehen

Im Laufe des Jahres haben wir einige dieser Fragen aufgegriffen und in den Schulferien in kurzen Familienführungen erklärt. Zu den Führungen brauchte man sich nicht anmelden, sondern einfach nur zur richtigen Zeit im Museum sein. An den Tagen ohne Führung gab es kleine “Rätseljagden” zum Thema durch die Ausstellung. Das wurde vom regionalen Publikum begeistert aufgenommen und genutzt. Das positive Feedback hat uns darin bestärkt, die gesamte “Kinderburg”-Ausstellung an den Kinderfragen auszurichten. Auf diese Art beantwortet die Ausstellung Fragen, die Kinder interessieren und nicht nur solche, von denen wir Erwachsene denken, dass sie Kinder interessieren könnten. So haben wir versucht, unseren gewohnten Blickwinkel zu wechseln und durch die “Kinderbrille” zu sehen.

Herausgekommen ist eine Ausstellung, die sich in über zehn Stationen durch die gesamte Burg Posterstein zieht. Schwarze Ritter und schwarze Würfel dienen als Informationssystem. Hier werden Fragen beantwortet. Thematisch geht es von der Burggeschichte über die regionale Geschichte bis hin zum Musenhof Löbichau der Herzogin von Kurland. Natürlich gibt es was zum Hören, Ansehen, Ertasten, Hochheben, Hüpfen … und Verkleiden. Jede Familie bekommt eine Schatzkarte, mit der die Kinder die Ausstellung selbstständig erkunden können. Und natürlich gibt es was zum Rätselraten, Gewinnen und für zu Hause. Ergänzt wird die Ausstellung durch ein neues museumspädagogisches Angebot zur Salonkultur.

Kinder stürmen die Burg Posterstein

Die Ausstellung “Die Kinderburg – Auf den Spuren von Rittern und Salondamen” wurde am 1. Oktober 2017 eröffnet. Rund 200 kleine und große Gäste stürmten die Burg und erkundeten die neue Ausstellung. In den ersten zwei Wochen kamen über 1000 Besucher, darunter deutlich mehr Familien mit Kindern als sonst, nämlich über die Hälfte der Besucher. Das Feedback zur Ausstellung fiel durchweg positiv aus. Deutlich wurde Dank Besucherbefragung auch, dass die Ausstellung auch Menschen anlockte, die sonst nicht so häufig zu uns kommen. Noch ist es zu früh, ein Resümee zu geben, aber bisher scheint es, als komme der besondere Fokus auf Kinder gut an.

Auch die traditionelle Weihnachtskrippenausstellung soll sich in diesem Jahr stärker als sonst an ein junges Publikum richten. Ein Schwerpunkt der Ausstellung, die immer eine Auswahl aus den über 500 Krippen in der Sammlung des Museums zeigt, wird in diesem Jahr auf für Kinder konzipierten Krippen liegen. Den Baumschmuck werden die lokalen Kindergärten eingeladen, beizusteuern, und in den Weihnachtsferien sollen kleine Familienführung der Frage “Was ist Weihnachten?” auf den Grund gehen. So wird uns der Kinderblick durch das ganze Jahr begleiten und danach weiter zu einem festen Bestandteil unserer Museumsarbeit werden.

Die Blogparade #KultBlick läuft noch bis 22. Oktober 2017. Die bereits eingegangenen Blogposts sind hier gelistet. Die Münchner Kulturbloggerin Tanja Praske vom Blog Kultur-Museo-Talk  begleitet die Blogparade.

Von Marlene Hofmann

Ein Geschenk mit italienischem Flair für unsere “Sammlung Kurland”

Museumsdirektor Klaus Hofmann mit Uwe Buchheim und dessen Schenkung.
Museumsdirektor Klaus Hofmann mit Uwe Buchheim und dessen Schenkung.

Ganz überraschend erhielt das Museum Burg Posterstein am Internationalen Museumstag am vergangen Sonntag ein kostbares Geschenk: Ein Aquarell des Malers Ernst Welker, der 1819 und 1820 als Zeichenlehrer mit Wilhelmine von Sagan an den Musenhof Löbichau kam. Der Musenhof der schönen Herzogin Anna Dorothea von Kurland steht seit nunmehr 25 Jahren im Mittelpunkt der Forschungsarbeit des Museums Burg Posterstein. Uwe Buchheim aus Altenburg entdeckte die von Ernst Welker auf einer Italienreise gezeichnete Stadtansicht bei einer Internetauktion, kaufte sie und schenkte sie nun dem Museum. Dort wird sie in die Sammlung Kurland eingehen. Uwe Buchheim stellt darüber hinaus als privater Leihgeber dem Musem derzeit wertvolle historische Bibeln für die Ausstellung “Das besondere Exponat zur Reformation: Kostbare Bibeln und das Rollbild Der Leipziger Festzug zur Reformationsfeier 1830” zur Vergügung und hat sich als Mitglied der Bürgerstiftung Altenburger Land schon seit vielen Jahren für das Regionalmuseum des Landkreises engagiert.

Dieses Aquarell des Malers Ernst Welker erhielt das Museum Burg Posterstein 2017 von Uwe Buchheim aus Altenburg
Dieses Aquarell des Malers Ernst Welker erhielt das Museum Burg Posterstein 2017 von Uwe Buchheim aus Altenburg

Erst 2015 präsentierte das Museum Burg Posterstein in der Ausstellung “Salongeschichten: Paris – Löbichau – Wien” ein Konvulut an witzigen Zeichnungen, die Ernst Welker von Löbichauer Gästen angefertigt hatte. Welker porträtierte die Herzogin und ihre hohen Gäste in Tiergestalt – darunter nicht nur Anna Dorothea von Kurland selbst, sondern auch ihre Töchter und Pflegetöchter, eine Reihe kurländischer Adliger, den Gothaer Herzog August Emil Leopold, den Strafrechtler Paul Johann Anselm von Feuerbach und die Familie Theodor Körners. In einem kleinen Buch veröffentlichte das Museum 2015 die Zeichnungen zusammen mit einem historischen Abriss zum Löbichauer Salon und Biografien der Abgebildeten.

Ernst Welker – Maler mit Humor

So zeichnete Ernst Welker sich selbst (Sammlung Museum Burg Posterstein).
So zeichnete Ernst Welker sich selbst (Sammlung Museum Burg Posterstein).
Der Maler und Lützower Jäger Ernst Welker (1784/88–1857) hatte laut seiner Zeichenschülerin Emilie von Binzer, später selbst eine angesehene Schriftstellerin, “einen gewaltigen Stutzbart, der wie eine Art von Äquator sich von einem Ohr zum anderen zieht”. In einer der Karikaturen aus der Postersteiner Sammlung nahm Welker sich auch selbst auf die Schippe, indem er sich als Auster darstellte. Darunter der Spruch:

“Die Auster ist von guter Art
Das groeste an ihr ist der Bart.”

Ernst Welker, der seine Ausbildung in Weimar und Wien absolviert hatte, befand sich mehrfach auf Studienreisen in Italien. Von welcher Reise das Bild stammt, das nun neu in die Postersteiner Sammlung eingehen konnte, soll dem Museum nun Anlass zu weiterer Forschungsarbeit geben.

Mehr erfahren zu Ernst Welkers Karikaturen Löbichauer Gäste:

Gesammelte Infos auf der Website des Museum

“Ein Besuch in Löbichau, dem wir mit Spannung entgegensahen” – Teestunde auf Burg Posterstein

Sonderausstellung “Salongeschichten”: Versteckte Details entdecken

Sonderausstellung “Salongeschichten”: Was ist das eigentlich, ein Salon?

Vertrag zwischen Paris und … Posterstein: Zusammenarbeit mit Les Amis de Talleyrand

Der Herzog kommt nach Posterstein: Eröffnung der Sonderausstellung „Salongeschichten“

Wie eine Himmelsleiter mit Engeln besetzt: Kleine Reise in die Geschichte von Schloss Tannenfeld

Da steht mein Armes Ich von Stein… Salongeschichten aus dem 19. Jahrhundert auf Burg Posterstein

2015 zelebriert das Museum Burg Posterstein ein Lieblingsthema im großen Stil

Von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

#Kinderburg: Was nutzten die Ritter als Klopapier?

Die dreijährige Bree wollte von uns Burggeistern wissen, was die Ritter als Klopapier benutzt haben. Das ist eine spannende Frage!

Papier gibt es in Europa erst seit rund 1000 Jahren, Ritter gab es schon eher. Auch später war Papier viel zu teuer, um sich damit den Hintern abzuwischen. Vor allem in der Natur fanden die Menschen Ersatz.

Was nutzten Ritter statt Klopapier? (Bild: Museum Burg Posterstein)
Was nutzten Ritter statt Klopapier? (Bild: Museum Burg Posterstein)

Natürlich hatten die Ritter im Mittelalter noch kein Klopapier, wie wir es heute benutzen. Richtiges Papier gibt es in Europa erst seit dem 11. Jahrhundert. Händler brachten es aus Asien nach Europa und es war sehr teuer. Daher hat man es natürlich nur zum Schreiben und nicht für das Klo benutzt.

Allerdings wollte auch der mittelalterliche Ritter seinen Hintern mit weichen Materialien säubern. Reichere Menschen benutzten alte Lumpen, manchmal auch Schafwolle, zum Abwischen.

Die Meisten griffen zu Materialien aus der Natur: Am beliebtesten waren Blätter. Die konnte man jeden Tag frisch von den Bäumen pflücken, sodass sie nicht trocken und bröselig wurden. Allerdings musste sich der Ritter im Winter, wenn es keine Blätter an den Bäumen gab, etwas anderes einfallen lassen.

Kratziges Stroh kam dafür in Frage. Alternativ konnte der Ritter Moos benutzen. Auch das war ganz weich und bröselt nicht, wenn es trocken ist. Im Herbst konnte sich die Burgbesatzung daher einen großen Vorrat an getrocknetem Moos für den Winter anlegen.

Noch heute nutzen nicht alle Menschen auf der Welt Klopapier. Fließendes Wasser, Sand und pflanzliche Materialien wie Maisstroh kommen in manchen Gegenden statt Klopapier zum Einsatz.

Historische Ansicht des Ritterguts Nöbdenitz für die Sammlung des Museums Burg Posterstein

Das Museum Burg Posterstein erhielt für seine kulturgeschichtliche Sammlung ein Ölgemälde aus den 1930/40er Jahren, das das Rittergut Nöbdenitz im damaligen Zustand zeigt.

Dieter Heine (links) übergibt das Ölgemälde aus seinem Familienbesitz an Museumsdirektor Klaus Hofmann und Museumsvereinsvorstand Dr. Gert Wolkersdörfer.
Dieter Heine (links) übergibt das Ölgemälde aus seinem Familienbesitz an Museumsdirektor Klaus Hofmann und Museumsvereinsvorstand Dr. Gert Wolkersdörfer.

Das großformatige Gemälde zeigt den idyllischen Blick auf das Nöbdenitzer Rittergut vom Teich aus gesehen. “Für das Museum ist das Bild besonders interessant, weil es eine historische Ansicht dokumentiert, die es heute so nicht mehr gibt”, freut sich Museumsdirektor Klaus Hofmann. Beispielsweise sieht man auf dem Gemälde noch den heute nicht mehr vorhandenen Balkon des Alten Schlosses (heute Sitz der Verwaltungsgenossenschaft Oberes Sprottental) und den Vorgängerbau der heutigen Kindertagesstätte Nöbdenitz.

Das Ölgemälde malte der langjährige Nöbdenitzer Landarzt Dr. med. Gerhard Hermann Nordbeck.
Das Ölgemälde malte der langjährige Nöbdenitzer Landarzt Dr. med. Gerhard Hermann Nordbeck.

Gemalt hat das Bild Dr. med. Gerhard Hermann Nordbeck (1894–1970), der bis 1954 als Landarzt in Nöbdenitz lebte. Er kam 1923 mit seiner ersten Frau Carola, geborene Eichhorn, nach Nöbdenitz und ließ um 1926/27 das Gebäude errichten, das auch heute noch die Nöbdenitzer Arztpraxis mit Wohnhaus beherbergt. Nachdem seine Frau 1945 gestorben war, heiratete Nordbeck 1950 Helga Zwiener, geschiedene Heine, die Mutter von Dieter Heine. In Absprache mit seinen Stiefgeschwistern entschied Heine sich dafür, das von Nordbeck angefertigte Gemälde dem Museum Burg Posterstein zu übergeben. Der Museumsverein Burg Posterstein dankt herzlich dafür.

Das Nöbdenitzer Schloss um 1938/40 und heute.
Das Nöbdenitzer Schloss um 1938/40 und heute.

Die vom Teehaus am Nöbdenitzer Teich (2006 vom Ortsverschönerunsgsverein Nöbdenitz rekonstruiert) gemalte Ansicht stellt eine wunderbare Ergänzung der Dauerausstellung des Museums dar, die in diesem Jahr weiter überarbeitet werden soll. Nach der Ausstellung über den Sachsen-Gotha-Altenburgischen Minister Hans Wilhelm von Thümmel (1744–1824) im vergangenen Jahr sollen auch Thümmel und Nöbdenitz einen prominenteren Platz in der Ausstellung zur europäischen Salongeschichte erhalten. Thümmel ließ auf seinem Landsitz in Nöbdenitz nicht nur einen weithin bekannten englischen Garten anlegen, sondern wählte die 1000-jährige Eiche als seine außergewöhnliche Grabstätte. Das Museum Burg Posterstein veröffentlichte 2016 die bisher umfangreichste Biografie Thümmels und bietet auf Voranmeldung Führungen zur 1000-jährigen Eiche und zum Rittergut Nöbdenitz an.

Zum Weiterlesen: Hans Wilhelm von Thümmel: Der Mann unter der 1000-jährigen Eiche