Von Musen, Erinnerungen und einem Spargel – über die Schriftstellerin Emilie von Binzer

Ausschnitt aus der Zeichnung Ernst Welkers, die Emilie von Binzer als Spargel darstellt.
Ausschnitt aus der Zeichnung Ernst Welkers, die Emilie von Binzer als Spargel darstellt. Zu finden in der Sammlung Kurland des Museums Burg Postersteins.

Ob Künstlerinnen, Wissenschaftlerinnen, Schriftstellerinnen, in der Geschichte oder der Moderne: Frauen spielen im kulturellen Gedächtnis eine wichtige Rolle, jedoch viel zu oft noch immer eine untergeordnete. Die Münchner Stadtbibliothek Monacensia im Hildebrandhaus lädt gerade zur Blogparade #femaleheritage, um die Rolle von Frauen in der Erinnerungskultur zur Diskussion zu stellen und herausragende Frauen in den Mittelpunkt zu rücken. Das Museum Burg Posterstein beteiligt sich mit Freude daran, denn ein großer Teil unserer Forschungsarbeit beschäftigt sich mit starken und kreativen Frauen des 18. und 19. Jahrhunderts, allen voran der Herzogin Anna Dorothea von Kurland (1761–1821). Dieser Beitrag widmet sich einer ihrer Weggefährtinnen: Der Schriftstellerin Emilie von Binzer (1801–1891), deren ganz eigene Erinnerungen noch heute eine wichtige Quelle unserer Arbeit sind.

Starke Frauen im Museum Burg Posterstein

Aus den Pariser Salons des 18. Jahrhunderts entstand in der Zeit der Aufklärung eine Kultur, die sich über ganz Europa ausbreitete. Sowohl adlige als auch gebildete bürgerliche Damen versammelten gewichtige Gäste um sich. Den Mittelpunkt dieser Musenhöfe und Salons bildete stets die Gastgeberin.

Berühmt ist der gesellschaftliche Zirkel um die Weimarer Herzogin Anna Amalia (1739–1807). Weitere bekannte Gastgeberinnen waren Madame de Staël (1766–1817) oder Madame Récamier (1777–1849) in Frankreich sowie Henriette Herz (1764–1847), Rahel Varnhagen (1771–1833) oder Dorothea Schlegel (1764–1839) in Berlin.

Schloss Löbichau im Altenburger Land
Schloss Löbichau im Herbstlicht. Das Schloss ist heute nicht mehr im Originalbau erhalten. 2009 erfolgte ein Totalabriss von Schloss und Herrenhaus mit anschließendem Neubau als Altenheim. Nur die Fassade an der Parkseite erinnert noch an das historische Aussehen zu Zeiten des Salons der Herzogin von Kurland.

Ende des 18. Jahrhunderts entwickelte sich Löbichau – nur zwei Kilometer von Posterstein entfernt – zu einem solchen Zentrum des geistig-kulturellen Lebens in Deutschland. Der dortige Salon der Herzogin Anna Dorothea von Kurland gehörte zu den bekanntesten seiner Art. Die gebildete und agile Herzogin verfügte über ein erstklassiges Netzwerk in die höchsten gesellschaftlichen Kreise Europas und schaffte es, Künstler, Politiker und Gelehrte zusammenzuführen. Bedeutende Staatsmänner kannte sie persönlich. In der bewegten Zeit zwischen Französischer Revolution, Napoleonischen Kriegen und Wiener Kongress ermöglichte ihr dieses Netzwerk einen einzigartigen Einblick und Einfluss auf das Geschehen in einer Gesellschaft, in der selbst eine reiche Frau wie sie einen rechtlichen Vormund benötigte.

Aber nicht nur die Biografie Anna Dorothea von Kurlands ist beeindruckend. Die Lebensläufe ihrer ebenso weltgewandten Töchter, Enkelinnen und Pflegekinder und ihre vielfaltigen Kontakte, deren Ansichten, ihr Werk und ihr Wirken faszinieren gleichermaßen. Eine von ihnen ist die Schriftstellerin Emilie von Binzer.

Emilie von Binzer oder: Die Frau, die unter dem Pseudonym „Ernst Ritter“ schrieb

In diesem Beitrag soll nicht die Herzogin von Kurland im Mittelpunkt stehen, sondern ihre Enkelin Emilie von Binzer. Die spätere Schriftstellerin wurde als Emilie von Gerschau in Berlin geboren und war die Tochter eines illegitimen Sohnes des Herzogs Peter von Kurland (1724–1800). Ihr Vater Peter von Gerschau (1779–1852) erbte nach dem Tod des Herzogs ein ansehnliches Vermögen.

Er heirathete, noch ehe er 21 Jahre alt war, ein unbemitteltes Mädchen von 15 Jahren, und die beiden Kinder wirthschafteten so gut zusammen, daß schon im Jahr 1806 das ganze Vermögen in den Wind gegangen war“, schreibt Emilie von Binzer später in ihrem Erinnerungsbuch “Drei Sommer in Löbichau” (S. 2) über ihre Eltern.

Die Familie entschloss sich nach Kurland zu ziehen. Ihre Tochter Emilie ließ sie aber in der Obhut Wilhelmine von Sagans (1781–1839), der ältesten Tochter der Herzogin von Kurland. Emilie von Gerschau wuchs mit ihren beiden Pflegeschwestern Klara Bressler (die bereits 1818 starb) und Marie Wilson von Steinach (1805–1893) bei ihrer bewunderten und temperamentvollen Tante auf. Sie erhielt eine hervorragende Ausbildung, reiste viel und wurde so in das Salonleben und die höchsten Gesellschaften ihrer Zeit eingeführt. Schon in jungen Jahren lernte Emilie von Gerschau bedeutende Persönlichkeiten wie Fürst Metternich (1773–1859), Talleyrand (1754–1838) oder Zar Alexander I. (1777–1825) persönlich kennen.

Als schönes, wildes Pferd stellte Ernst Welker Wilhelmine von Sagan, die älteste Tochter der Herzogin von Kurland dar.
Als schönes, wildes Pferd stellte der Maler Ernst Welker Wilhelmine von Sagan, die älteste Tochter der Herzogin von Kurland, dar.

Einige Sommer verbrachte sie gemeinsam mit ihrer Tante auf Schloss Löbichau. Im Salon ihrer Großmutter traf sie neben dem Dichter Jean Paul (1763–1825) unter anderem die Familien Körner und Feuerbach, den Verleger Brockhaus (1772–1823), die Schriftsteller Tiedge (1752–1841) und Elisa von der Recke (1754–1833) sowie den Archäologen und Schriftsteller Carl August Böttiger (1760–1835). Auch den Burschenschaftler, Schriftsteller und Journalist August Daniel Freiherr von Binzer (1793–1868), den sie 1822 im Schloss Sagan heiratete, lernte sie in Löbichau kennen.

Durch den Altenburger Hoforganisten Johann Christian Barthel (1776–1813) erhielt der Freiherr Zugang zum Löbichauer Salon. Unter anderem ist er Autor des bekannten Grablieds der Burschenschaft „Wir haben gebauet ein stattliches Haus“. Seine Teilnahme am Wartburgfest 1817 verdarb Binzer eine möglicherweise grandiose Laufbahn und bereitete ihm ein Leben lang Schwierigkeiten. Durch die Gunst des Weimarer Herzogs litt er jedoch keine finanzielle Not. In Altenburg bearbeitete der Schriftsteller den ersten Band des „Enzyklopädischen Wörterbuches“, des späteren „Piererschen Universal-Lexikons“. Beim zweiten Band verwehrte man ihm die Arbeit jedoch aus politischen Gründen.

Der Salon der Herzogin von Kurland in Schloss Löbichau zählte zu den bekanntesten in Deutschland.
Der Salon der Herzogin von Kurland in Schloss Löbichau zählte zu den bekanntesten in Deutschland.

Nach der Hochzeit begann für das Paar ein unstetes Reiseleben durch viele Teile Europas, bis sie sich 1845 in Wien und später in Linz niederließen.

Auf Emilie von Binzers literarische Werke, die sie unter dem Pseudonym Ernst Ritter veröffentlichte, übten vor allem Personen und Erlebnisse der Zeit des Wiener Kongresses Einfluss aus. Ihre Dramen „Die Gauklerin“ und „Die Neuberin“ wurden 1846 am Wiener Burgtheater aufgeführt. Zwischen 1849 und 1870 unterhielt sie in ihren Häusern in Linz und Altaussee musische Kreise. Freundschaften verbanden sie mit den österreichischen Schriftstellern Adalbert Stifter (1805–1868), Franz Grillparzer (1791–1872) und besonders mit dem Dichter Christian von Zedlitz (1790–1862). Der musische Kreis um Emilie von Binzer in Linz und Aussee ermöglichte vielen Künstlern ihrer Zeit, eine kulturelle und soziale Atmosphäre zu erleben, die sich in schwierigen Umbruchszeiten erleichternd auf ihr Leben und Werk auswirkte. Nach dem Tod ihres Mannes zog Emilie von Binzer zu ihrem Sohn nach München, wo sie 1891 starb.

Zwischen Revolution, Biedermeier und „Drei Sommern in Löbichau“

Obwohl Emilie von Binzer nicht zu den bekanntesten Schriftstellerinnen ihrer Zeit gehörte, ist ihr Werk vielfältig und bildet die volle Breite der Themen und Einflüsse auf einen Schriftsteller des 19. Jahrhunderts ab.

Das Leben und Schaffen der Binzer umspannte die literarischen Epochen der Klassik, Romantik, Junges Deutschland, Biedermeier, Vormärz und Realismus“, schreibt Traute Zacharasiewicz in ihrer Monografie „Nachsommer des Biedermeier. Emilie von Binzer. Eine Freundin Adalbert Stifters“ (S. 107.)

Emilie von Binzers Werk thematisiert Freundschaft, Liebe und Leidenschaft, ebenso wie die sozialen und politischen Umwälzungen ihrer Zeit und frauenemanzipatorische Gedanken. Ihr Schaffen reicht von Erzählungen und Theaterstücken bis hin zu ihren Memoiren. In Bezug auf Frauen, Erinnerungskultur und auch im Hinblick auf den Forschungsschwerpunkt unseres Museums sind diese tatsächlichen Erinnerungen der Emilie von Binzer am interessantesten.

„Als ich im Sommer 1871 auf meinem Landhause in Aussee (Steiermark) anlangte, fand ich auf dem Tische zwei dicke Bände liegen mit der Aufschrift: ‚Jugenderinnerungen von Gustav Parthey, Handschrift für Freunde.‘ Das Packet war unter meiner Adresse mit der Post angekommen. Bei diesem Anblick durchzuckte es mich freudig, denn der Name auf dem Titelblatte gehörte nicht nur einem in weiten Kreisen geachteten Manne und gründlichem Gelehrten, sondern auch einem theuren Jugendfreunde, den ich viele Jahre nicht gesehen hatte, und mit dem ich überhaupt nur als junges Mädchen in regem Verkehr gewesen bin. Daß er mich nicht vergessen hatte, bewies mir dieses Buch – und welch ein Buch!“

Emilie von Binzer, Drei Sommer in Löbichau, Vorwort

So beginnt Emilie von Binzers Buch „Drei Sommer in Löbichau“, das 1877 in Stuttgart veröffentlicht wurde. Dabei handelt es sich um ihre verschriftlichten Erinnerungen der Jahre 1819, 1820 und 1821, die sie mit ihrer Pflegemutter und Tante Wilhelmine von Sagan im Sommerschloss ihrer Großmutter Anna Dorothea von Kurland verbracht hatte. 50 Jahre nach den eigentliche Geschehnissen beschreibt sie Auszüge aus ihrer Jugendzeit, spricht über ihre Familie und über die Löbichauer Gäste, über besondere und weniger besondere Situationen des Salonalltags und gibt auf humoristische, unterhaltende und nicht selten ironische Weise einen ganz speziellen und persönlichen Einblick in das Leben der damaligen Zeit.

Ernst Welker (links) und Emilie von Binzer (2. von links) im Salon der Herzogin von Kurland in Löbichau. - Eine Zeichnung aus dem Konvolut aus Binzers Besitz, das sich nun in der Sammlung Kurland des Museums Burg Posterstein befindet.
Ernst Welker (links) und Emilie von Binzer (2. von links) im Salon der Herzogin von Kurland in Löbichau. – Eine Zeichnung aus dem Konvolut aus Binzers Besitz, das sich nun in der Sammlung Kurland des Museums Burg Posterstein befindet.

Den Anlass dafür beschreibt sie im Vorwort des Buches selbst: Die Jugenderinnerungen ihres alten Freundes Gustav Partheys, der oft selbst mit seiner Familie Gast der Herzogin war und wie Emilie damals zur eigenwilligen Jugend gehörte.

Emilie von Binzer ist sich in ihren Beschreibungen sehr wohl bewusst, dass Erinnerungen trügen können und ein Autor oft dazu neigt, dem Leser Dinge zu erzählen und zu erklären, die so nie gewesen sind. Sie versucht ein objektives Bild der Personen und Ereignisse zu zeichnen, wobei sie sich ihrer eigenen Meinung immer bewusst ist. Die Eigenarten und Charaktere beschreibt sie von verschiedenen Standpunkten und ist dabei nicht gewillt, zu beschönigen. Mit Kritik, einer guten Portion Selbstironie, aber immer mit Feingefühl gibt sie ihre Eindrücke wieder. Oft benutzt sie Zitate aus den Schriften anderer Autoren oder gibt Dialoge wieder, so gut sie sich daran erinnert.  Entstanden ist ein persönlicher Rückblick auf drei Jahre einer erfüllten Jugendzeit und eine ehrliche Würdigung ihrer großen weiblichen Vorbilder: der Herzogin Anna Dorothea von Kurland und ihrer Tante Wilhelmine von Sagan.

Emilie von Binzers Werk galt lange Zeit – neben der 1823 erschienenen Biografie von Christoph August Tiedge und den Erinnerungen Gustav Partheys und Elisa von der Reckes – als wichtigste biografische Quelle zur Herzogin von Kurland.

„Den Spargel jeder gerne iszt, Emilie gar zu länglich ist.“ – Löbichauer Gäste in Karikaturen

Was Emilie von Binzers „Drei Sommer in Löbichau“ so wertvoll für die Forschung zum Salon der Herzogin von Kurland macht, ist ihre Nähe zur Realität. Ihre Beschreibungen sind zeitlich korrekt und decken sich mit denen anderer Quellen – natürlich immer mit Blick auf die persönliche Sicht Emilie von Binzers.

Emilie von Gerschau wurde später besser bekannt als Emilie von Binzer oder „Ernst Ritter“. In dieser Karikatur von Ernst Welker ist sie als Spargel dargestellt. Der heitere Spruch darunter lautet: „Den Spargel jeder gerne iszt / Emilie gar zu länglich ist.“
Emilie von Gerschau wurde später besser bekannt als Emilie von Binzer oder „Ernst Ritter“. In dieser Karikatur von Ernst Welker ist sie als Spargel dargestellt. Der heitere Spruch darunter lautet: „Den Spargel jeder gerne iszt / Emilie gar zu länglich ist.“

Im Jahr 2014 gelang es dem Museum Burg Posterstein mit finanzieller Unterstützung des Freistaats Thüringen und der Bürgerstiftung Altenburger Land ein Konvolut Zeichnungen zu erwerben. Aufbewahrt in einer grünen Halblederkassette, entpuppte sich der Inhalt als ausgesprochene Rarität: eine Sammlung von Portraitblättern, hautsächlich von der Hand des Malers Ernst Welkers (1784/88–1857), der den Sommer 1819 als Zeichenlehrer Emilie von Binzers in Löbichau verbrachte. Die von Ernst Welker portraitierten Personen gehören alle zum engeren Umfeld der Herzogin von Kurland und treten als Fabelwesen auf. Meist wählte der Künstler eine Tiergestalt aus, deren Kopf er durch ein Portrait der entsprechenden Person ersetzte. Doch: Mindestens eine der Zeichnungen stammt von Emilie von Binzer selbst. Nachweislich befanden sich diese kleinen kolorierten Zeichnungen, die immer in einem humoristischen Vers enden, 1871 noch in ihrem Besitz.

„Ich besitze eine Mappe, die klein Welckerchen in Löbichau mit Porträts der ihm zugänglichen anwesenden Gäste, meist in Thiergestalt, füllte; darunter stehen Fibelverse, die sich mehr durch gute Laune, ja Uebermuth, als durch Witz auszeichnen; die Mappe enthielt siebenundvierzig Blätter, die gelegentlichen Besucher aus der Nachbarschaft sind nicht darunter, nur solche, die wirklich in Löbichau wohnten; ich sondere diejenigen Personen aus, die erst nach den Universitätsferien eintrafen, mische dann die Blätter und nenne der Reihe nach einige der Gäste.“

Emilie von Binzer, Drei Sommer in Löbichau, S. 86
In dieser Lederkassette bewahrte Emilie von Binzer die 47 Karikaturen Löbichauer Salongäste auf.
In dieser Lederkassette bewahrte Emilie von Binzer die 47 Karikaturen Löbichauer Salongäste auf.

Auf den folgenden Seiten berichtet Binzer nicht nur über die dargestellten Personen, auch die Zeichnungen selbst werden beschrieben und stimmen mit den Originalen im Detail überein.

Momentan befindet sich ein Großteil dieser einzigartigen Zeichnungen im Depot des Museums. In hoher Auflösung sind sie auf Wikimedia Commons zu finden. Für 2021 plant das Museum Burg Posterstein eine Sonderschau zu Ernst Welker, seinem Leben und seinem Werk. Im Zuge dieser Ausstellung werden nicht nur der Künstler und die Herzogin von Kurland thematisiert, auch Emilie von Binzer wird eine wichtige Rolle spielen.

Zum Weiterlesen:

  • Emilie von Binzer: Drei Sommer in Löbichau, Stuttgart 1877.
  • Klaus Hofmann (Hrsg.): Salongeschichten. Paris-Löbichau-Wien, Posterstein 2015.
  • Traute Zacharasiewicz: Nachsommer des Biedermeier. Emilie von Binzer. Eine Freundin Adalbert Stifters, Linz 1983.

Von Franziska Engemann und Marlene Hofmann

humboldt4: Ein Viertel vom Quartett – Was bleibt

Petra Neumann aus Köln verbrachte den ganzen November 2019 mit uns auf Burg Posterstein – eine Bereicherung für beide Seiten! Mitte November ging die Postersteiner Schau der Altenburger Ausstellungsreihe #humboldt4 zu Ende. Petra Neumann zieht für uns Bilanz und erstellte den bisher noch nicht vorhandenen deutschsprachigen Wikipedia-Artikel zu Anton Goering.

Die Sonderschau „Aus Schönhaide nach Südamerika – Der Vogelkundler, Zeichner und Maler Anton Goering (1836 – 1905)“ war eine der vier Ausstellungen der Gesamtkonzeption humboldt4 im Altenburger Land.
Die Sonderschau „Aus Schönhaide nach Südamerika – Der Vogelkundler, Zeichner und Maler Anton Goering (1836–1905)” im Museum Burg Posterstein war eine der vier Ausstellungen der Gesamtkonzeption humboldt4 im Altenburger Land.

Am 14. September 1769 wurde der Universalgelehrte, Naturwissenschaftler und Forschungsreisende Alexander von Humboldt geboren. Anlässlich der 250. Wiederkehr seines Geburtstages wurde ihm zu Ehren von vier Museen im Altenburger Land eine gemeinsame Ausstellungsreihe konzipiert – humboldt4. Beteiligt waren das Lindenau-Museum, das Residenzschloss Altenburg, das Naturkundemuseum Mauritianum und das Museum Burg Posterstein.

Unter dem Titel „Aus Schönhaide nach Südamerika – Der Vogelkundler, Zeichner und Maler Anton Goering (1836 – 1905)“ widmete sich das Museum Burg Posterstein einem Handwerkersohn aus dem Altenburger Land, der Humboldt als sein großes Vorbild sah.

Eröffnung der Ausstellung "Von Schönhaide nach Südamerika" im Museum Burg Posterstein.
Eröffnung der Ausstellung “Von Schönhaide nach Südamerika” im Museum Burg Posterstein.

Auf seinen beiden Forschungsreisen durch Südamerika betrieb Anton Goering umfangreiche ornithologische und botanische Studien. Seine Beobachtungen hielt er in Tagebuchaufzeichnungen fest, illustriert mit zahlreichen Zeichnungen und Aquarellen. Zudem fertigte er mehrere tausend Tierpräparate an, die sich noch heute in den Sammlungen des Zoologischen Museums der Universität Halle sowie des National History Museums in London befinden. Naturwissenschaftliche Texte und Illustrationen Anton Goerings wurden in zahlreichen Zeitschriften und auch Büchern abgedruckt, beispielsweise in Brehms Tierleben. Er selbst publizierte seine Reiseerinnerungen der zweiten Forschungsreise in dem Buch „Vom tropischen Tieflande bis zum ewigen Schnee. Eine malerische Schilderung des schönsten Tropenlandes Venezuela“ (erschienen 1893 im Aldalbert Fischer’s Verlag Leipzig). Die Aquarelle Anton Goerings erzielen inzwischen Höchstpreise auf dem internationalen Kunstmarkt.

Wie man sieht, hat das Schaffen Anton Goerings vielfältige Spuren bis in unsere Zeit hinterlassen. Nun stellt sich die Frage ganz aktuell, was bleibt, wenn eine solche Ausstellung zu Ende geht?

Anton Goering: Landgut La Fundation am Oberlauf des Guataparo; aus: Dupouy, Walter: Venezuela vor einem Jahrhundert in Bildern von Anton Goering, Caracas 1969.
Anton Goering: Landgut La Fundation am Oberlauf des Guataparo; aus: Dupouy, Walter: Venezuela vor einem Jahrhundert in Bildern von Anton Goering, Caracas 1969.

Vier mal Humboldt = humboldt4

Der Ausstellungstitel „humboldt4“ verdeutlicht es bereits visuell – vier Museen, vier Ausstellungen, ein Thema.

Lesung aus Anton Goerings Reisetagebuch als Begleitprogramm zur Postersteiner Ausstellung.

„Alexander von Humboldt“ als übergeordnetes Thema wurde aus vier Perspektiven präsentiert, jeweils in Anlehnung an eigene Sammlungsschwerpunkte. Das Besondere daran ist, dass alle vier Museen erstmals eine Ausstellungsreihe von Anfang an gemeinsam konzipierten. Zwar wurde auch in der Vergangenheit bereits bei Einzelprojekten zusammen gearbeitet, Informationen ausgetauscht und Exponate ausgeliehen – in diesem Umfang und dieser Konsequenz war das jedoch die Premiere und möglicherweise der Auftakt, weitere gemeinsame Projekte zu realisieren.

Die Zusammenarbeit begann bereits bei der Vorbereitung der Gesamtkonzeption und den Absprachen bezüglich der konkreten Beiträge der beteiligten Museen. Dabei wurde auch eine gemeinsame Marketingstrategie für die Bewerbung der Ausstellungen entwickelt. Es entstanden beispielsweise einheitliche Werbematerialien, die von allen vier Museen genutzt werden konnten.

Postkarte zur Austellung auf der Ausstellungsvitrine im Museum Burg Posterstein

Ganz offensichtlich war, dass das Ausstellungskonzept von vielen Besuchern sehr gut angenommen wurde. Besucher*innen auf Burg Posterstein gaben bei der routinemäßigen Befragung, wie sie auf das Museum und die Sonderschau aufmerksam geworden sind, immer wieder die Rückmeldung, dass sie eine oder mehrere der anderen Ausstellungen bereits besucht hatten bzw. vor hatten diese noch zu besuchen. Auch die gegenseitige Erwähnung in den sozialen Netzwerken trug dazu bei, dass humboldt4 eine höhere Aufmerksamkeit erhielt, als dies bei der Bewerbung durch ein einzelnes Museum möglich gewesen wäre.

Screenshot Twieet des Museums Burg Postersteins zur Ausstellung.

Weiterhin erschien parallel zur Ausstellung ein gemeinsamer Katalog: humboldt4 – Vier Ausstellungen in vier Museen des Altenburger Landes. Der Katalog enthält unter anderem auch Beiträge zur jeweiligen Sonderschau der vier Museen. Eine schöne Publikation, die gerade durch die gebündelten Ausführungen verdeutlicht, wie die einzelnen Facetten ein gelungenes Gesamtkonzept ergeben.

Katalog humboldt4 zur Ausstellungsreihe im Altenburger Land.
Katalog humboldt4 zur Ausstellungsreihe im Altenburger Land 2019, ISBN 978-3-86104-099-6

Von der kuratierten Sonderschau zum enzyklopädischen Allgemeingut

Anton Goering, als Sohn des Altenburger Landes, ist bereits seit Jahren ein Bestandteil der Sammlungen des Museums Burg Posterstein. Mit humboldt4 bot sich die Gelegenheit, den wechselseitigen Einfluss aufklärerischen Denkens, insbesondere die Beziehungen zu anderen Naturwissenschaftlern, Gelehrten und Institutionen, ausführlicher zu behandeln und in den Fokus zu rücken. Kuratorin Franziska Engemann hat während ihrer Recherchen zur Ausstellungsvorbereitung eine Vielzahl an Quellen studiert und dabei auch neue Informationen und Materialien zu Anton Goering entdeckt. Beispielsweise sind zwei Aquarelle aus dem Archiv des Leibnitz-Instituts für Länderkunde wieder aufgetaucht und konnten in das Konzept der Ausstellung eingebunden werden. Um den Besuchern einen unmittelbaren Einblick in Goerings Forscher- und Gedankenwelt zu ermöglichen, wurden zudem Teile der Tagebücher von Goerings Südamerikareisen transkribiert und den digitalisierten Originaleintragungen gegenüber gestellt.

Für die Postersteiner #humboldt4-Ausstellung wurden erstmals die Reisetagebücher Anton Goerings ausgewertet, die sich in der Sammlung des Leibniz-Instituts für Länderkunde Leipzig befinden.

Insgesamt ist so eine Fülle an neuen Informationen hinzugekommen, die das Museum Burg Posterstein jedoch aufgrund der räumlichen Situation nicht komplett in die Dauerausstellung übernehmen kann. Gerade deshalb ist die Idee entstanden, das gesammelte Wissen im Sinne von Open Source öffentlich zu publizieren, so dass es für Interessenten frei zugänglich ist und bei neuen Erkenntnissen ergänzt werden kann. In der Nachbereitung der Ausstellung ist somit der deutschsprachige Wikipedia-Eintrag zu Christian Anton Goering entstanden, der seit dem 21. Dezember 2019 online ist.

Das bleibt von humbold4

Nach der gemeinsamen Ausstellungsreihe humboldt4 ist von den vier beteiligten Altenburger Museen geplant, auch zukünftig bei verschiedenen Projekten intensiver als bisher zusammenzuarbeiten.

Anton Goering: Rio Escalante, aus: Anton Goering: Vom tropischen Tieflande zum ewigen Schnee. Eine malerische Schilderung des schönsten Tropenlandes: Venezuela, Leipzig 1893.
Anton Goering: Rio Escalante, aus: Anton Goering: Vom tropischen Tieflande zum ewigen Schnee. Eine malerische Schilderung des schönsten Tropenlandes: Venezuela, Leipzig 1893.

Das bleibt für alle vier Museen und hat auf alle Fälle Potential für weitere gemeinsame Ideen und Visionen. Zudem ist ein gemeinsamer Katalog entstanden, der erstens dieses Zusammenwirken dokumentiert und inhaltlich auch nach den Ausstellungen noch lesenswert bleibt.

Für das Museums Burg Posterstein bleibt zudem, dass im Bereich der Dauerausstellung zu Anton Goering einige Exponate ergänzt bzw. erneuert werden können. Es ist ein detaillierter Wikipediaeintrag zu Anton Goering entstanden und schlussendlich auch mehrere Blogbeiträge.

Von Petra Neumann

Weitere Blogposts zu Anton Goering:

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Trailer zur Ausstellungsreihe #humboldt4 (c) Mike Langer 2019
Ausstellungsreihe #humboldt4 im Altenburger Land

30. Juni 2019 – 19. April 2020
Sammeln und Forschen im Geiste Humboldts
NATURKUNDEMUSEUM
MAURITIANUM ALTENBURG
www.mauritianum.de

22. August 2019 – 1. Januar 2020
Altenburg und die Welt
LINDENAU-MUSEUM ALTENBURG
www.lindenau-museum.de

18. August – 3. November 2019
Herzöge auf Spitzbergen, Prinzen am Amazonas: Adlige Entdecker in der Nachfolge Humboldts
RESIDENZSCHLOSS ALTENBURG
www.residenzschloss-altenburg.de

1. September – 17. November 2019
Aus Schönhaide nach Südamerika:
Der Vogelkundler, Zeichner und Maler Anton Goering

MUSEUM BURG POSTERSTEIN
www.burg-posterstein.de

Der Naturforscher und Zeichner Anton Goering auf den Spuren Alexander von Humboldts in Venezuela

Die Sonderschau auf Burg Posterstein ist Teil der Ausstellungsreihe #humboldt4 der Museen des Altenburger Landes.

In der Ausstellung Humboldt4: Aus Schönhaide nach Südamerika –Der Vogelkundler, Zeichner und Maler Anton Goering erinnern wir noch bis 17. November 2019 an Anton Goering (1836–1905). Als Sohn einer Handwerkerfamilie aus dem Altenburger Land gelang ihm eine Aufsehen erweckende Karriere als Forschungsreisender, Zeichner und Tierpräparator. Erste künstlerische Fertigkeiten lernte Anton Goering in der Kunstschule Bernhard von Lindenaus in Altenburg. Frühe naturwissenschaftliche Anregungen erhielt er von Alfred Brehm und den Mitgliedern der Naturforschenden Gesellschaft des Osterlandes. Ähnlich wie sein großes Vorbild Alexander von Humboldt betrieb Anton Goering als Mitglied der Zoological Society of London auf Reisen in Südamerika botanische und geografische Studien. Dadurch leistete er einen wichtigen Beitrag zur Erforschung Venezuelas und lieferte auch Illustrationen zu „Brehms Tierleben“.

Wertvolles Aquarell der Humboldt-Höhle aufgetaucht

Anton Goerings Südamerika-Aquarelle werden heute auf dem Kunstmarkt zu hohen Preisen gehandelt. Kurz vor Fertigstellung der Ausstellung gelang es, zwei wertvolle Aquarelle Anton Goerings aus dem Archiv des Leibniz-Instituts für Länderkunde in Leipzig für die Ausstellung zu leihen.

Das Aquarell zeigt die von Humboldt beschriebene Guácharo-Höhle, die Anton Goering auch besuchte.

Eines dieser Aquarelle zeigt die von Humboldt beschriebene Guácharo-Höhle, die nach ihrem tierischen Bewohner, dem Guácharo, einem nachtaktiven Vogel, benannt ist. In Venezuela besuchte Anton Goering auch Stätten, die sein großes Vorbild Alexander von Humboldt erforscht hat. Die Guácharo-Höhle besichtigte er im Juni 1867.

Was mag er gedacht haben, als er die gewaltigen unterirdischen Hallen mit ihren tausendfach gebildeten Stalaktiten sah!”

Anton Goering über Alexander von Humboldt in einem Brief nach London
Blick in die Ausstellung “Von Schönhaide nach Südamerika” im Museum Burg Posterstein

In einem Brief nach London schrieb er:
„Es machte auf mich einen eigenthümlichen Eindruck, als ich auf derselben Stelle stand, wo der größte Mann der Wissenschaft gestanden. Was mag er gedacht haben, als er die gewaltigen unterirdischen Hallen mit ihren tausendfach gebildeten Stalaktiten sah! Ich zeichnete das sogenannte Quarto precioso, von vier Fackeln beleuchtet, und den prachtvollen Eingang der Höhle, bei dreimaligen Besuchen. Wenn Humboldt damals gehört hätte, daß noch größere Höhlen in der Nähe vorhanden sind, gewiß würde er sich länger in Caripe aufgehalten haben, um dieselben zu besuchen.”

Die „Cueva Grande“ in Venezuela heißt Goering zu Ehren auch „Cueva Anton Goering“

Die Höhle von Caripe, aus: Dupouy, Walter: Venezuela vor einem Jahrhundert, Bilder von Anton Goering, Asociacion Cultura Humboldt, Caracas 1969, Bibliothek Museum Burg Posterstein .

Von Einheimischen geleitet, entdeckte Anton Goering ganz in der Nähe des Rio Arcacuar zwei Höhlen, die den europäischen Forschern bis dahin noch unbekannt waren. Eine der Höhlen konnte er betreten und zeichnen. Diese „Cueva Grande“ bei Teresen, Estado Monagas, wird Goering zu Ehren auch „Cueva Anton Goering“ genannt.

Im Leibniz-Institut für Länderkunde in Leipzig sind Teile einer Sammlung erhalten, die Anton Goering persönlich dem Museum für Länderkunde Leipzig schenkte. Ursprünglich umfasste sie über 250 Aquarelle, ein Ölbild, zwei Tagebücher, ein Skizzenbuch und verschiedene Druckgrafiken Anton Goerings. Nach erheblichen Verlusten im Zweiten Weltkrieg gelangten die verblieben Stücke aus dem Museum für Länderkunde ins Archiv für Geografie des Leibniz-Instituts. Heute sind noch zwei Reisetagebücher, ein Skizzenbuch, zwei Aquarelle sowie 92 Druckgrafiken und 36 Autotypen auf Dünndruckpapier erhalten.

Vogelpräparate aus der Sammlung des Naturkundemuseums Mauritianum Altenburg in der Ausstellung “Von Schönhaide nach Südamerika” der Reihe #humboldt4 im Museum Burg Posterstein.

In der Postersteiner Ausstellung sind u.a. die beiden Aquarelle, über 40 Graphiken, die Tagebücher und ein Skizzenbuch von Anton Goering zu sehen.

2019 jährt sich der Geburtstag Alexander von Humboldts zum zweihundertfünfzigsten Mal. Der bekannte Wissenschaftler und Forscher inspirierte viele Zeitgenossen und spätere Generationen zu Reisen in die ganze Welt. Zum Jubiläum präsentieren die Museen des Altenburger Landes – Lindenau-Museum, Residenzschloss Altenburg, Naturkundemuseum Mauritianum und Museum Burg Posterstein – unter dem Titel: #humboldt4 eine gemeinsame Ausstellungsreihe über das Leben Alexander von Humboldts und sein Wirken auf die Region.

Nächste Termine zur Ausstellung

27. Oktober 2019, 15 Uhr
Salonnachmittag: Reisen fernab touristischer Pfade
Zu einem Salongespräch über das Reisen nach Südamerika lädt das Museum Burg Posterstein für Sonntag, 27. Oktober, 15 Uhr. In einem kurzweiligen Gespräch tauschen sich der Schönhaider Bergsteiger Edgar Nönnig und die Fotografin Jana Borath über ihre Reisen aus. Wie einst Anton Goering, der im Mittelpunkt der aktuellen Sonderausstellung „Humboldt4: Aus Schönhaide nach Südamerika – Der Vogelkundler, Zeichner und Maler Anton Goering“ steht, erkundeten beide unabhängig voneinander und fernab touristischer Pfade Südamerika. Thematisch sollen das Reisen und die Natur im Mittelpunkt stehen – von der Zeit Alexander von Humboldts und Anton Goerings bis ins Heute, wo Massentourismus und gigantische Waldbrände, Abholzung und Klimawandel die Schönheit der Flora und Fauna bedrohen.

17. November, 15 Uhr
Lesung „Wem Gott will eine Gunst erweisen, den schickt er in die weite Welt“
Finissage zur Ausstellung mit Lesung aus Anton Goerings Reisetagebuch von 1856 und Besucher-Abstimmung über die Gewinner der Vogel-Zeichen-Wettbewerbs

Im Anschluss küren die Besucher den Gewinner des Vogel-Zeichen-Wettbewerbs zur Ausstellung.
Das kleine Gürteltier Gerti führte Kinder in kurzen Texten durch die Sonderschau. In der kleinen „Vogel-Forscher-Station“ in der Ausstellung konnten junge Besucher Vögel mit dem Fernglas beobachten und zeichnen.
Am letzten Tag der Ausstellung dürfen die Besucher darüber abstimmen, welcher Vogel gewinnt. Zur Abstimmung muss man am 17. November, 15 Uhr, auf Burg Posterstein sein. Der Gewinner erhält eines unserer „Entdecker-Sets“ aus dem Museumsladen. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

#professionsMW: Ein lebendiges Museum braucht Helfer und Unterstützer

Es ist europäische Museumswoche #MuseumWeek und das heutige Thema #professionsMW rückt die Leute hinter den Kulissen ins Zentrum des Interesses. Wir wollen das zum Anlass nehmen, den Museumsverein Burg Posterstein vorzustellen, der die Arbeit des Museums nicht nur finanziell und tatkräftig unterstützt, sondern seit über zehn Jahren auch Träger des Museums ist.

Der Förderverein des Museums gründete sich zur Erforschung, Pflege und Bewahrung regionaler Geschichte, Kultur und Kunst. 1990, mit Sitz auf Burg Posterstein, gegründet ist er als gemeinnützig anerkannt. Der Museumsverein Burg Posterstein e.V. steht allen Freunden des Museums für private oder Firmenmitgliedschaften offen, ermöglicht Mitarbeit, Spenden oder Stiftungen. Derzeit zählt der Museumsverein über 50 Mitglieder, die engagiert und regelmäßig bei Veranstaltungen, auch bei Übersetzungs- und Korrekturarbeiten im Museumsalltag einspringen. Auch die Sponsorensuche ist eine der Prioritäten unserer Vereinsmitglieder und dafür gebührt ihnen ein Herzliches Dankeschön!

1735 erwarb der kurländische Herzog Ernst Johann von Biron das Gut Rundãle und ließ es als Sommerresidenz ausbauen. Baumeister war Francesco Bartolomeo Rastrelli, ein italienischer Architekt, der auch das Winterpalais in St. Petersburg errichtete.
1735 erwarb der kurländische Herzog Ernst Johann von Biron das Gut Rundãle und ließ es als Sommerresidenz ausbauen. Baumeister war Francesco Bartolomeo Rastrelli, ein italienischer Architekt, der auch das Winterpalais in St. Petersburg errichtete.

 

Ein Verein als Träger des Museums

Seit dem 1. Januar 2007 betreibt der Förderverein das Museum Burg Posterstein. Lange Verhandlungen, Networking und ein überzeugendes Konzept haben im Juni 2017 zum Erfolg geführt: Der Trägerschaftsvertrag mit dem Landkreis Altenburger Land zur Betreibung unseres Museums wurde für weitere zehn Jahre mit Budgeterhöhung und Personalabsicherung abgeschlossen.

Das Netzwerk – Freunde der europäischen Salongeschichte

200 Jahre nach dem Wiener Kongress schloss der Museumsverein Burg Posterstein 2015 einen Vertrag mit der Pariser Gesellschaft Les Amis de Talleyrand , der gemeinsame Forschungsarbeiten ermöglichen und fortführen soll. https://blog.burg-posterstein.de/2015/08/24/vertrag-zwischen-paris-und-posterstein-zusammenarbeit-mit-les-amis-de-talleyrand/.

Fotoshoot mit der Herzogin von Kurland und ihrer Tochter Wilhelmine von Sagan bei der Eröffnung der Sonderausstellung "Salongeschichten" in Posterstein.
Fotoshoot mit der Herzogin von Kurland und ihrer Tochter Wilhelmine von Sagan bei der Eröffnung der Sonderausstellung “Salongeschichten” in Posterstein.

Vielen der Mitglieder des Museumsvereins liegt besonders die europäische Salongeschichte am Herzen, die in regelmäßigen Bildungsfahrten erkundet wird. Wir wollen einige bisherige Höhepunkte der Vereinsarbeit nennen.

Zwischen 1795 und 1821 gab es auf Schloss Löbichau bei Posterstein einen lebendigen Musenhof, der bildende Künstler, Schriftsteller und Politiker, Adlige wie Bürgerliche, aus ganz Europa anzog. Die Gastgeberin, die kluge und schöne Herzogin Anna Dorothea von Kurland (1761–1821), zählte zu den reichsten Frauen Europas. Sie verstand es geschickt, ein soziales Netzwerk zu knüpfen, das sich über den ganzen europäischen Kontinent zog.

In den Sommermonaten versammelte sie ihre Gäste in ihren Schlössern Löbichau und Tannenfeld im heutigen Altenburger Land. In den Salons dieser Zeit wurden bei Musik, Theater und Tee Kontakte geknüpft und politische Entscheidungen auf den Weg gebracht. Wie der Dichter Jean Paul anerkennend berichtete, durfte im Salon der Herzogin von Kurland jeder frei seine Meinung äußern, so lange sie höflich vorgetragen wurde.
In den Sommermonaten versammelte sie ihre Gäste in ihren Schlössern Löbichau und Tannenfeld im heutigen Altenburger Land. In den Salons dieser Zeit wurden bei Musik, Theater und Tee Kontakte geknüpft und politische Entscheidungen auf den Weg gebracht. Wie der Dichter Jean Paul anerkennend berichtete, durfte im Salon der Herzogin von Kurland jeder frei seine Meinung äußern, so lange sie höflich vorgetragen wurde.

Seit fast 30 Jahren beschäftigt sich das Museum Burg Posterstein mit der Geschichte des Salons der Herzogin von Kurland. Dabei stehen im Mittelpunkt des Interesses die Herzogin selbst, aber auch ihre Töchter und die Personen, mit denen sie am meisten im Kontakt stand. Neben der Dauerausstellung zu diesem Thema wurden in den letzten Jahren auch mehrere Sonderausstellungen gezeigt.

Einmal im Jahr begeben sich die Mitglieder des Museumsvereins auf eine gemeinsame Bildungsfahrt auf die „Spuren der Herzogin von Kurland in Europa“. Auf dem Programm standen in den letzten Jahrzehnten Berlin, Wien, Prag, Südböhmen, Paris, Schloss Valencay, St. Petersburg, Riga und Schloss Rundale, Krakau, Breslau, Brüssel, Rom oder London.

  

Eine Ausstellung folgt den Reisewegen der Herzogin von Kurland

Die Wanderausstellung „Lebensstationen der Herzogin von Kurland“ verband die historischen Orte in Europa. Die Exposition reiste nach der Eröffnung in Posterstein (2006) nach Lettland (Schloss Ruhental 2008), Polen (Schloss Sagan 2009) und Frankreich (Schloss Valencay 2007). Zur Schau im französischen Schloss Valençay des ehemaligen Ministers Talleyrand kamen 43.000 Besucher. In der Sommerresidenz der Kurländischen Herzöge, Schloss Rundãle in Lettland, wurden rund 200.000 und im polnischen Schloss Sagan etwa 20.000 Besucher gezählt. Unterstützt wurde das Gesamtvorhaben von der Bürgerstiftung Altenburger Land.

Über ein Vierteljahrhundert wetteiferte alles, was in Europa Rang und Namen hat, darum, vom illustren Diplomaten Talleyrand in Valençay empfangen zu werden. Nach dem Wiener Kongress und der Rückkehr der Bourbonen zog sich Talleyrand mit der jüngsten Tochter der Herzogin von Kurland, Dorothée, auf Schloss Valençay zurück.
Über ein Vierteljahrhundert wetteiferte alles, was in Europa Rang und Namen hat, darum, vom illustren Diplomaten Talleyrand in Valençay empfangen zu werden. Nach dem Wiener Kongress und der Rückkehr der Bourbonen zog sich Talleyrand mit der jüngsten Tochter der Herzogin von Kurland, Dorothée, auf Schloss Valençay zurück.

 

Ausstellung und Konferenz: Salon-Flair in Posterstein und im Park von Tannenfeld

2011 jährte sich der Geburtstag der Herzogin von Kurland zum 250sten Mal. Aus diesem Anlass wurde das Leben der Salonnière in einer Sonderausstellung näher beleuchtet. Die Ausstellung und die begleitende Publikation griffen diese Art des damaligen gesellschaftlichen Lebens auf und zeigten, wie es Frauen zu Beginn des 19. Jahrhunderts gelang, gesellschaftliche, politische und kulturelle Netzwerke zu knüpfen und durch diese eigenen Einflusses auf den Verlauf von Ereignissen erlangten.

Am Beispiel der Herzogin Anna Dorothea von Kurland wurden die Emanzipationsbestrebungen und die Möglichkeiten der Teilhabe von Frauen am gesellschaftlichen Leben jenseits der juristischen Schranken der Zeit deutlich gemacht. Einen Schwerpunkt bildete die Rolle des weiblichen Geschlechtes bei der Gestaltung nationaler und internationaler Beziehungen in der napoleonischen Zeit.
Am Beispiel der Herzogin Anna Dorothea von Kurland wurden die Emanzipationsbestrebungen und die Möglichkeiten der Teilhabe von Frauen am gesellschaftlichen Leben jenseits der juristischen Schranken der Zeit deutlich gemacht. Einen Schwerpunkt bildete die Rolle des weiblichen Geschlechtes bei der Gestaltung nationaler und internationaler Beziehungen in der napoleonischen Zeit.

 

Die Ausstellung und internationale Konferenz zum 250. Geburtstag der Herzogin Kurland widmete sich mit etwa 200 Gästen aus Frankreich, Lettland, Polen Finnland und Deutschland  dieser umfangreichen Thematik der Rolle der Frauen in der Gestaltung der Gesellschaft des beginnenden 19. Jahrhunderts.

Die Herzogin von Kurland im Spiegel ihrer Zeitgenossen – Europäische Salonkultur um 1800. Zum 250. Geburtstag der Herzogin von Kurland. Museum Burg Posterstein, 2011. (248 Seiten, farbig, ISBN 978-3-86104-086-6, 29,00 Euro
Die Herzogin von Kurland im Spiegel ihrer Zeitgenossen – Europäische Salonkultur um 1800. Zum 250. Geburtstag der Herzogin von Kurland. Museum Burg Posterstein, 2011. (248 Seiten, farbig, ISBN 978-3-86104-086-6, 29,00 Euro

Das Buch mit Beiträgen deutscher und internationaler Autoren beleuchtet Stationen des Lebens der Herzogin von Kurland. Neben zahlreichen Abbildungen werden erstmals die Briefe des französischen Gesandten zum Wiener Kongress, Charles Maurice de Talleyrand, an die Anna Dorothea von Kurland in deutscher Sprache veröffentlicht. Diese Dokumente, die sich im Familienbesitz in Paris befinden, bieten ein eindrucksvolles Zeugnis der politischen Lage im Wien 1815. Dem Verhandlungsgeschick Talleyrands war es schließlich zu verdanken, dass Frankreich nach der verheerenden Niederlage Napoleons die Stellung als europäische Großmacht zurück gewann bzw. behalten konnte. Darüber hinaus werden erstmals die Resultate der Auswertung der Briefe der Herzogin von Kurland an Auguste Charlotte von Kielmannsegge, einer Vertrauten Napoleons, publiziert.

Auch im Jahr 2018 steht die Salonkultur im Zentrum der Arbeit des Museums und des Museumsvereins. Unter dem Hashtag #SalonEuropa soll es Ausstellungen und Veranstaltungen geben, darunter in neuen Formaten wie Salonabenden, einer Blogparade und Workshops für Kinder und Jugendliche.

Wir freuen uns über jegliche finanzielle und tatkräftige Unterstützung der Arbeit des Museumsvereins Burg Posterstein – ob als neues Mitglied oder in sonstiger Form.

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Von Klaus Hofmann / Museum Burg Posterstein

Weitere Beiträge zur #MuseumWeek 2018:
#WomenMW: Die Dame, die unter dem Pseudonym „Ernst Ritter“ schrieb
#CityMW: Tee im Salon – Die Altenburger Gesellschaft um 1810
#heritageMW: Ein europäisches Tourismus- und Informationszentrum im Geiste der historischen Salons in der Burg Posterstein

Ein Geschenk mit italienischem Flair für unsere “Sammlung Kurland”

Museumsdirektor Klaus Hofmann mit Uwe Buchheim und dessen Schenkung.
Museumsdirektor Klaus Hofmann mit Uwe Buchheim und dessen Schenkung.

Ganz überraschend erhielt das Museum Burg Posterstein am Internationalen Museumstag am vergangen Sonntag ein kostbares Geschenk: Ein Aquarell des Malers Ernst Welker, der 1819 und 1820 als Zeichenlehrer mit Wilhelmine von Sagan an den Musenhof Löbichau kam. Der Musenhof der schönen Herzogin Anna Dorothea von Kurland steht seit nunmehr 25 Jahren im Mittelpunkt der Forschungsarbeit des Museums Burg Posterstein. Uwe Buchheim aus Altenburg entdeckte die von Ernst Welker auf einer Italienreise gezeichnete Stadtansicht bei einer Internetauktion, kaufte sie und schenkte sie nun dem Museum. Dort wird sie in die Sammlung Kurland eingehen. Uwe Buchheim stellt darüber hinaus als privater Leihgeber dem Musem derzeit wertvolle historische Bibeln für die Ausstellung “Das besondere Exponat zur Reformation: Kostbare Bibeln und das Rollbild Der Leipziger Festzug zur Reformationsfeier 1830” zur Vergügung und hat sich als Mitglied der Bürgerstiftung Altenburger Land schon seit vielen Jahren für das Regionalmuseum des Landkreises engagiert.

Dieses Aquarell des Malers Ernst Welker erhielt das Museum Burg Posterstein 2017 von Uwe Buchheim aus Altenburg
Dieses Aquarell des Malers Ernst Welker erhielt das Museum Burg Posterstein 2017 von Uwe Buchheim aus Altenburg

Erst 2015 präsentierte das Museum Burg Posterstein in der Ausstellung “Salongeschichten: Paris – Löbichau – Wien” ein Konvulut an witzigen Zeichnungen, die Ernst Welker von Löbichauer Gästen angefertigt hatte. Welker porträtierte die Herzogin und ihre hohen Gäste in Tiergestalt – darunter nicht nur Anna Dorothea von Kurland selbst, sondern auch ihre Töchter und Pflegetöchter, eine Reihe kurländischer Adliger, den Gothaer Herzog August Emil Leopold, den Strafrechtler Paul Johann Anselm von Feuerbach und die Familie Theodor Körners. In einem kleinen Buch veröffentlichte das Museum 2015 die Zeichnungen zusammen mit einem historischen Abriss zum Löbichauer Salon und Biografien der Abgebildeten.

Ernst Welker – Maler mit Humor

So zeichnete Ernst Welker sich selbst (Sammlung Museum Burg Posterstein).
So zeichnete Ernst Welker sich selbst (Sammlung Museum Burg Posterstein).
Der Maler und Lützower Jäger Ernst Welker (1784/88–1857) hatte laut seiner Zeichenschülerin Emilie von Binzer, später selbst eine angesehene Schriftstellerin, “einen gewaltigen Stutzbart, der wie eine Art von Äquator sich von einem Ohr zum anderen zieht”. In einer der Karikaturen aus der Postersteiner Sammlung nahm Welker sich auch selbst auf die Schippe, indem er sich als Auster darstellte. Darunter der Spruch:

“Die Auster ist von guter Art
Das groeste an ihr ist der Bart.”

Ernst Welker, der seine Ausbildung in Weimar und Wien absolviert hatte, befand sich mehrfach auf Studienreisen in Italien. Von welcher Reise das Bild stammt, das nun neu in die Postersteiner Sammlung eingehen konnte, soll dem Museum nun Anlass zu weiterer Forschungsarbeit geben.

Mehr erfahren zu Ernst Welkers Karikaturen Löbichauer Gäste:

Gesammelte Infos auf der Website des Museum

“Ein Besuch in Löbichau, dem wir mit Spannung entgegensahen” – Teestunde auf Burg Posterstein

Sonderausstellung “Salongeschichten”: Versteckte Details entdecken

Sonderausstellung “Salongeschichten”: Was ist das eigentlich, ein Salon?

Vertrag zwischen Paris und … Posterstein: Zusammenarbeit mit Les Amis de Talleyrand

Der Herzog kommt nach Posterstein: Eröffnung der Sonderausstellung „Salongeschichten“

Wie eine Himmelsleiter mit Engeln besetzt: Kleine Reise in die Geschichte von Schloss Tannenfeld

Da steht mein Armes Ich von Stein… Salongeschichten aus dem 19. Jahrhundert auf Burg Posterstein

2015 zelebriert das Museum Burg Posterstein ein Lieblingsthema im großen Stil

Von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

Welker-Sammlung wandert ins Depot – und in den Touchscreen

Die Sonderausstellung “Salongeschichten – Paris – Löbichau – Wien” mit der neu gekauften Sammlung an Portraits Löbichauer Gäste haben sich in den vergangenen Monaten über 4000 Besucher angesehen. Jetzt müssen die schon verloren geglaubten Aquarelle, die Emilie von Binzer in ihrem Buch “Drei Sommer in Löbichau” beschrieb, ins Depot. Einzelne Bilder werden im Wechsel auch in der Dauerausstellung zu sehen sein. Alle anderen können Besucher demnächst im neuen Touchscreen des Museums anschauen.

Blick in sonst verschlossene Depots

Der großformatige Touchscreen soll in Zukunft in der Ausstellung zur europäischen Salongeschichte und zum Musenhof der Herzogin von Kurland als verlängerter Arm in die Schätze des Museumsdepots stehen.

Demnächst in der Salonausstellung des Museums Burg Posterstein: Die gesammelten Forschungsergebnisse im Touchscreen
Demnächst in der Salonausstellung des Museums Burg Posterstein: Die gesammelten Forschungsergebnisse im Touchscreen

Nach über 20 Jahren intensiver Forschung zum Salon der Herzogin Anna Dorothea von Kurland, die u.a. Kontakte nach Kurland, Berlin, Paris und Wien pflegte und viele einflussreiche Menschen ihrer Zeit persönlich kannte, können in der Ausstellung bei weitem nicht alle Forschungsergebnisse und Sammlungsstücke mehr gezeigt werden. Statt sie unter Ausschluss der Öffentlichkeit im Depot verschwinden zu lassen, wollen wir interessierten Besuchern die Möglichkeit geben, sich digital durch die vorhandenen Objekte und Informationen zu scrollen.

Über 300 Zeitgenossen der Herzogin

Die Büsten von Wilhelmine von Sagan und ihre Mutter Anna Dorothea von Kurland in der Sonderausstellung "Salongeschichten"
Die Büsten von Wilhelmine von Sagan und ihre Mutter Anna Dorothea von Kurland in der Sonderausstellung “Salongeschichten”

In einem ersten Schritt wollen wir die Kurzbiografien von über 300 Zeitgenossen Anna Dorothea von Kurlands aus dem 18. und 19. Jahrhundert einpflegen. Danach sollen Informationen über Schlösser und Orte der Zeit, Sammlungsstücke auf Burg Posterstein und eine Zeitleiste folgen.

Auch die ausgelassenen Portraitzeichnungen Ernst Welkers werden dann dort wieder zugänglich gemacht. Das Ende der Sonderausstellung “Salongeschichten” ist damit kein Abschied für immer.

Weiterlesen zum Thema “Salongeschichten”:

Gesammelte Infos auf der Website des Museum

“Ein Besuch in Löbichau, dem wir mit Spannung entgegensahen” – Teestunde auf Burg Posterstein

Sonderausstellung “Salongeschichten”: Versteckte Details entdecken

Sonderausstellung “Salongeschichten”: Was ist das eigentlich, ein Salon?

Vertrag zwischen Paris und … Posterstein: Zusammenarbeit mit Les Amis de Talleyrand

Der Herzog kommt nach Posterstein: Eröffnung der Sonderausstellung „Salongeschichten“

Wie eine Himmelsleiter mit Engeln besetzt: Kleine Reise in die Geschichte von Schloss Tannenfeld

Da steht mein Armes Ich von Stein… Salongeschichten aus dem 19. Jahrhundert auf Burg Posterstein

2015 zelebriert das Museum Burg Posterstein ein Lieblingsthema im großen Stil

Von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

Vertrag zwischen Paris und … Posterstein: Zusammenarbeit mit Les Amis de Talleyrand

200 Jahre nach dem Wiener Kongress ist am 16. August 2015 ein französisch-deutscher Vertrag unterzeichnet worden, der gemeinsame Forschungsarbeiten des Museums Burg Posterstein und der Pariser Gesellschaft Les Amis de Talleyrand ermöglichen und fortführen soll. Schon einmal in der Geschichte unterhielt man in dem kleinen thüringischen Ort Löbichau Relationen über europäische Grenzen hinweg. Vor zwei Jahrhunderten betrieb die schöne und gebildete Herzogin Anna Dorothea von Kurland (1761–1821) hier einen bekannten Salon und gemeinsam mit ihren Töchtern pflegte sie Kontakte in die höchsten politischen Ebenen, darunter zu Zar Alexander I., Friedrich Wilhelm III., Talleyrand und Metternich, in Paris, Löbichau und Wien.

Roland Martinet von Les Amis de Talleyrand und Sabine Hofmann vom Museumsverein Burg Posterstein in Löbichau nach der Unterzeichnung des Kooperationsvertrags.
Roland Martinet von Les Amis de Talleyrand und Sabine Hofmann vom Museumsverein Burg Posterstein in Löbichau nach der Unterzeichnung des Kooperationsvertrags.
Anlässlich der Eröffnung der Sonderausstellung “Salongeschichten: Paris – Löbichau – Wien” durften wir im Museum Burg Posterstein internationalen Besuch begrüßen: Roland Martinet, den Präsidenten der französischen Gesellschaft der Freunde Talleyrands, die historische Forschungen zum berühmten französischen Diplomat Charles Maurice de Talleyrand Perigord betreibt, Elisabeth Blaack von Einsiedel, eine Urenkelin der Herzogin von Kurland, mit ihrer Tochter, sowie weitere Mitglieder von Les Amis de Talleyrand. Die Pariser Besucher kamen nicht zum ersten Mal und nun, anlässlich einer weiteren Postersteiner Sonderausstellung zur europäischen Salonkultur, sollte die gemeinsame Arbeit im Dienste der Geschichte vertraglich festgehalten werden.

Talleyrands Briefe erstmals auf Deutsch

Der Maler Ernst Welker stellte die schöne Herzogin als Pudel dar. Der französische Diplomat Talleyrand schrieb ihr hunderte von Briefen.
Der Maler Ernst Welker stellte die schöne Herzogin als Pudel dar. Der französische Diplomat Talleyrand schrieb ihr hunderte von Briefen.

Im Archiv der Universität Breslau ist aufgezeichnet, dass bis 1914 in Sagan 379 handschriftliche Briefe des Ministers Talleyrand an Anna Dorothea von Kurland lagerten. 372 Briefe aus der Zeit zwischen 1809 und 1821 befinden sich heute im Archiv der Familie Talleyrand und wurden 1976 teilweise veröffentlicht vom ehemaligen Kabinettsleiter Präsident de Gaulles Gaston Palewski (1901–1984), der mit einer Talleyrand verheiratet war. Dieser historische Schatz, verfasst in französischer Sprache, erlaubt einen einmaligen Blick auf die Geschehnisse des Wiener Kongresses, abseits der offiziellen Korrespondenz Talleyrands.

Fotoshoot mit der Herzogin von Kurland und ihrer Tochter Wilhelmine von Sagan bei der Eröffnung der Sonderausstellung "Salongeschichten" in Posterstein.
Fotoshoot mit der Herzogin von Kurland und ihrer Tochter Wilhelmine von Sagan bei der Eröffnung der Sonderausstellung “Salongeschichten” in Posterstein.

Nicht zum ersten Mal kamen die französischen Gäste von Les Amis de Talleyrand - hier bei der Eröffnung der Sonderausstellung "Salongeschichten" - nach Posterstein.
Nicht zum ersten Mal kamen die französischen Gäste von Les Amis de Talleyrand – hier bei der Eröffnung der Sonderausstellung “Salongeschichten” – nach Posterstein.

Anlässlich des 250. Geburtstags der Herzogin von Kurland konnten 2011 erste Früchte der Zusammenarbeit zwischen dem Museum Burg Posterstein und Les Amis de Talleyrand gezeigt werden. Im Buch “Die Herzogin von Kurland im Spiegel ihrer Zeitgenossen” erschienen Beiträge verschiedener internationaler Autoren, darunter erstmals in deutscher Übersetzung Auszüge aus den zahlreichen Briefen, die Charles Maurice de Talleyrand während des Wiener Kongresses an seine “liebe Freundin” Anna Dorothea von Kurland schrieb. Egal, ob beide sich in Wien oder an verschiedenen Orten aufhielten, unterrichteten sie einander über das politische und menschliche Geschehen um sie herum. Als er am 25. Mai 1815 bald abreisen musste, schrieb er der Herzogin:

“Das ist die traurigste Abfahrt, die man machen kann. (…) Ich bitte Sie, gute Vorkehrungen wegen Ihrer Briefe zu treffen. Denn zum wenigsten brauche ich diese Kraftquelle. Adieu. Ich liebe Sie und umarme Sie von ganzem Herzen.”

Neben der eigenen persönlichen Freundschaft der Herzogin von Kurland zu Talleyrand, war ihre jüngste Tochter Dorothée, verheiratet mit Talleyrands Neffen, seine ständige Begleiterin beim Wiener Kongress und seine spätere Alleinerbin. Ihre ältere Schwester Wilhelmine von Sagan führte in der Wiener Schenkenstraße einen populären Salon und übte durch ihre Liaison mit Staatskanzler Metternich, dem Leiter des Kongresses, ebenfalls keinen geringen Einfluss auf die politischen Geschehnisse aus.

Paris, Wien und … Löbichau

Von links nach rechts: Wilhelmine von Sagan, Dorothea von Kurland, Landrätin Michaele Sojka, Elisabeth Blaack von Einsiedel und Ralph-Uwe Heinz als Herzog von Gotha zur Eröffnung der Sonderausstellung "Salongeschichten" auf Burg Posterstein.
Von links nach rechts: Wilhelmine von Sagan, Dorothea von Kurland, Landrätin Michaele Sojka, Elisabeth Blaack von Einsiedel und Ralph-Uwe Heinz als Herzog von Gotha zur Eröffnung der Sonderausstellung “Salongeschichten” auf Burg Posterstein.

2014 konnte das Museum Burg Posterstein mit finanzieller Unterstützung des Freistaats Thüringen und der Bürgerstiftung Altenburger Land eine einmalige Sammlung von 47 kleinformatigen Aquarellen des Malers Ernst Welker ankaufen. Die Zeichnungen aus den Jahren 1819/20 portraitieren Gäste des Musenhofs Löbichau auf witzige Art und Weise in Tiergestalt. Unter den Dargestellten befindet sich nicht nur die Herzogin von Kurland selbst, sondern auch ihre Tochter Wilhelmine von Sagan, deren Pflegetochter Emilie von Binzer, der Maler Ernst Welker und andere bekannte Persönlichkeiten dieser Zeit. Sie geben Einblicke ins Löbichauer Salonleben und das weitreichende Netzwerk der Herzogin.

Roland Martinet mit Monika Diedrich vom Museumsverein Burg Posterstein bei der Ausstellungseröffnung von "Salongeschichten" im Museum Burg Posterstein.
Roland Martinet mit Monika Diedrich vom Museumsverein Burg Posterstein bei der Ausstellungseröffnung von “Salongeschichten” im Museum Burg Posterstein.
Mit dem nun mit Les Amis de Talleyrand geschlossenen Vertrag werden nicht nur alle Mitglieder des Museumsvereins Burg Posterstein gleichzeitig Mitglieder der Pariser Gesellschaft und umgekehrt, es soll auch bei zukünftigen Publikationen zusammengearbeitet werden und bei Tagungen, Versammlungen und gegenseitigen Besuchen ein noch intensiverer Austausch stattfinden. Wir freuen uns darauf!

Weiterführende Informationen:
Zur Website von Les Amis de Talleyrand
Publikationen des Museums Burg Posterstein
Unsere Forschung zum Musenhof Löbichau

Von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

2015 zelebriert das Museum Burg Posterstein ein Lieblingsthema im großen Stil

Sie war schön, gebildet, elegant, wortgewandt und weltoffen. Nach der unglücklchen Ehe mit dem 37 Jahre älteren Herzog kaufte die selbstbewusste Adlige aus dem heutigen Lettland 1794 ein Landgut in der Nähe der Burg Posterstein und ließ die klassizistischen Schlösser Löbichau und Tannenfeld errichten. Ihr kultureller und politischer Salon, der Musenhof Löbichau, avancierte zu einem der bekanntesten seiner Zeit und zog illustre Gäste aus ganz Europa an.

Die Forschung über die Herzogin Anna Dorothea von Kurland (1761-1821) liegt dem Museum Burg Posterstein seit über 25 Jahren besonders am Herzen. Bei der #MuseumWeek geht es heute um #favoritesMW – und Anna Dorothea zählt ganz klar zu unseren Forschungsfavoriten.

Das kleine Löbichau – für Jahrzehnte in der Mitte Europas

Die Löbichauer Sommerresidenz Anna Dorothea von Kurlands lag aus damaliger Sicht günstig, wenn man sich auf dem Weg von Berlin nach Wien oder von Paris ins schöne Karlsbad befand – und Gäste waren immerzu willkommen. Die weltgewandte Herzogin verfügte über hervorragende Kontakte in die höchsten gesellschaftlichen Kreise Europas. Sie weilte als Gast an den Höfen in Berlin, Warschau, Neapel, St. Petersburg, Wien und Paris, eine Privataudienz beim Papst nicht zu vergessen.

Schloss Löbichau ((c) Museum Burg Posterstein)
Schloss Löbichau (Museum Burg Posterstein)

Der weibliche Anteil an der Gestaltung der europäischen Geschichte im 19. Jahrhundert

Anna Dorothea von Kurland war bekannt mit den einflussreichsten Männern ihrer Zeit: Metternich, Alexander I., Friedrich Wilhelm III., Napoleon und Talleyrand kannte sie persönlich. Dieser Umstand ermöglichte ihr einen ganz speziellen Anteil an der Gestaltung europäischer Geschichte.

25 Jahre Forschung neu präsentiert

Die Herzogin als treuer Pudel - eine Zeichnung von Ernst Welker (Museum Burg Posterstein)
Die Herzogin als treuer Pudel – eine Zeichnung von Ernst Welker (Museum Burg Posterstein)
Die Herzogin als treuer Pudel – eine Zeichnung von Ernst Welker (Museum Burg Posterstein)[/caption]2015 jährt sich nicht nur der Wiener Kongress, den die politisch interessierte Herzogin mit Interesse verfolgte, zum 200. Mal. Das Museum Burg Posterstein möchte in diesem Sommer auch die bestehende Dauerausstellung zum Musenhof Löbichau und der Salonkultur Europas neu arrangiert und modernisiert präsentieren. Vorhandene Forschungsergebnisse sollen langfristig auf einer selbstständigen digitalen Plattform einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Gleichzeitig präsentiert das Museum die 2014 über eine Landesförderung und mit Unterstützung der Bürgerstiftung Altenburger Land erworbene einmalige Sammlung von Portraits der 1819 in Löbichau anwesenden Gäste – 47 aquarellierte Zeichnungen von Ernst Welker (1788-1857) und Emilie von Binzer (1801-1891) – in der Sonderausstellung “Salongeschichten”.

Ausführliche Informationen zur Forschung über den Musenhof Löbichau gibt es auf der Website des Museums.

Hier findet ihr die neusten Tweets & Statistiken zur #MuseumWeek.

Von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein