#Kinderburg: Was nutzten die Ritter als Klopapier?

Die dreijährige Bree wollte von uns Burggeistern wissen, was die Ritter als Klopapier benutzt haben. Das ist eine spannende Frage!

Papier gibt es in Europa erst seit rund 1000 Jahren, Ritter gab es schon eher. Auch später war Papier viel zu teuer, um sich damit den Hintern abzuwischen. Vor allem in der Natur fanden die Menschen Ersatz.

Was nutzten Ritter statt Klopapier? (Bild: Museum Burg Posterstein)
Was nutzten Ritter statt Klopapier? (Bild: Museum Burg Posterstein)

Natürlich hatten die Ritter im Mittelalter noch kein Klopapier, wie wir es heute benutzen. Richtiges Papier gibt es in Europa erst seit dem 11. Jahrhundert. Händler brachten es aus Asien nach Europa und es war sehr teuer. Daher hat man es natürlich nur zum Schreiben und nicht für das Klo benutzt.

Allerdings wollte auch der mittelalterliche Ritter seinen Hintern mit weichen Materialien säubern. Reichere Menschen benutzten alte Lumpen, manchmal auch Schafwolle, zum Abwischen.

Die Meisten griffen zu Materialien aus der Natur: Am beliebtesten waren Blätter. Die konnte man jeden Tag frisch von den Bäumen pflücken, sodass sie nicht trocken und bröselig wurden. Allerdings musste sich der Ritter im Winter, wenn es keine Blätter an den Bäumen gab, etwas anderes einfallen lassen.

Kratziges Stroh kam dafür in Frage. Alternativ konnte der Ritter Moos benutzen. Auch das war ganz weich und bröselt nicht, wenn es trocken ist. Im Herbst konnte sich die Burgbesatzung daher einen großen Vorrat an getrocknetem Moos für den Winter anlegen.

Noch heute nutzen nicht alle Menschen auf der Welt Klopapier. Fließendes Wasser, Sand und pflanzliche Materialien wie Maisstroh kommen in manchen Gegenden statt Klopapier zum Einsatz.

#Kinderburg: Warum glaubten die Ritter an Geister?

Der 6-jährige Sean möchte wissen, warum Ritter an Geister glaubten. Die Postersteiner Burggeister Posti und Stein wagten sich auch an dieses große und schwierige Thema:

Den Glauben an Geister gibt es wohl schon so lange, wie es die Menschen gibt. Passieren Dinge, die sich ein Mensch nicht leicht erklären kann, macht er übernatürliche Mächte dafür verantwortlich: Götter, Geister, Dämonen oder andere Gestalten. So war das bei den Rittern im mittelalterlichen Europa auch.

Burg Posterstein im Nebel: Früher erklärten sich die Menschen solche Naturereignisse oft mit Aberglaube.
Burg Posterstein im Nebel: Früher erklärten sich die Menschen solche Naturereignisse oft mit Aberglaube.
Stell dir eine Burg im Winter vor: Der Wind pfeift durch die alten Mauern, es ist kalt und dunkel – und nur eine Kerze erleuchtet die Dunkelheit. War das eine Maus, die da geraschelt hat? Kein Wunder, dass früher viele Menschen an Gespenster glaubten. Solche Geister konnten einen guten oder einen schlechten Charakter haben. Sie brachten Glück oder Unglück.

Die mittelalterlichen Ritter in Europa waren alle Christen. Sie glaubten, wie viele Christen auch heute noch, an Gott, den Himmel, aber auch an die Hölle. Geister finden durchaus in diesem Glauben Platz. Ein guter Geist war für die Ritter der „Heilige Geist“, der von Gott kam. Böse Geister hingegen schickte der Teufel. Diese nannte man im Allgemeinen „Dämonen“.

Schon die Vorfahren der Ritter glaubten an Gespenster. Es gibt viele Naturereignisse, die wir heute mit moderner Wissenschaft erklären können. Die Ritter hatten diese Möglichkeiten nicht und ihre Bildung bezog sich vor allem auf das Wissen, das sie im Alltag brauchten.

Gespenster erklärten sich die Ritter durch „Aberglaube“. Das heißt so viel wie „Irrglaube“. Mit dem Wort „Glaube“ ist dagegen die Lehre der christlichen Kirche gemeint, der es nicht gefiel, wenn die Menschen durch Glücksbringer oder Rituale versuchten, Geister zu vertreiben. Schließlich sollten sich die Ritter und alle Christen für ihr Wohlbefinden an Gott wenden.

Aberglaube gibt es übrigens auch heute noch. Wenn du zum Beispiel drei Mal auf einen Tisch oder ein Stück Holz klopfst, um etwas Schlechtes abzuwehren, dann ist das Aberglaube. Oder wenn du ein Glückskuscheltier hast, das dir bei schweren Aufgaben hilft und Glück bringt, dann ist das auch Aberglaube. Und wir wissen doch alle, manchmal hilft uns der Gedanke an solche Glücksbringer auch, nicht wahr?

Und manche „gute Geister“ wie uns, die Burggeister Posti und Stein, gibt es ja schließlich auch!

#Kinderburg: Wie schwer war die Ritterrüstung?

Jeremy (11 Jahre) und Jannes (5 Jahre) wollen wissen, wie schwer die Rüstung – genannt Harnisch – eines Ritters war. Burggespenst Posti und Drache Stein antworten:

So eine Rüstung war ziemlich schwer. Sie bestand aus sehr vielen einzelnen Teilen und wog zwischen 20 und 30 Kilogramm – also etwa so viel wie zwei bis drei Eimer Wasser! Allein ein Helm wog so viel wie drei Milchkartons (drei Kilogramm). Ein Kettenhemd konnte sogar 15 bis 20 Kilogramm auf die Waage bringen, so viel wie ein Kindergartenkind. Trotzdem konnten die Männer dieses Gewicht, das sich auf den ganzen Körper verteilt, gut tragen. Eine Feuerwehr-Ausrüstung wiegt heute genauso viel!

Seit rund 500 Jahren gibt es keine „richtigen“ Ritter in Rüstung mehr. Das lag auch daran, dass die Rüstungen neuen Waffen nicht mehr standhalten konnten. Im Laufe der Zeit entwickelten die Menschen zum Beispiel immer bessere Feuerwaffen, die auch Rüstungen durchschlugen. Das war natürlich nur ein Grund, warum es heute keine Ritter zu Pferd und mit Rüstung mehr gibt.

Helme und Rüstung in der Burg Posterstein.
Helme und Rüstung in der Burg Posterstein.

Heute kann man “Ritter” nur noch auf Mittelaltermärkten sehen. Das sind aber geübte Schauspieler, die zur Freude der Besucher ein Turnier nachstellen. Trotzdem tragen auch diese Ritter noch richtige Rüstungen, die auch noch heute genauso schwer sind wie damals im Mittelalter. Und immer noch gibt es so etwas wie moderne Rüstungen: Helme, Schutzanzüge und schusssichere Westen zum Beispiel.

Anmerkung: Wir danken Dirk H. Breiding (Department Waffen und Rüstungen am Philadelphia Museum of Art) für die inhaltliche Beratung.

#Kinderburg: Wo haben die Ritter geschlafen?

In so einem Bett könnte ein Ritter geschlafen haben.

„Wo haben die Ritter geschlafen?“, fragt Jonathan (4 Jahre). Burggespenst Posti und der Drache Stein antworten:

Die Ritter in einer Burg haben in der „Kemenate“ geschlafen. Dieser Raum war das Wohn- und Schlafzimmer. Als einziger Raum in der Burg hatte die Kemenate einen Kamin, der den Ritter und seine Familie wärmen konnte. Dort stand ein Bett, in dem der Ritter, seine Frau und seine Kinder gemeinsam schliefen.

In so einem Bett könnte ein Ritter geschlafen haben.
In so einem Bett könnte ein Ritter geschlafen haben.
In so einem Bett könnte ein Ritter geschlafen haben.[/caption]In der Burg Posterstein gibt es heute leider kein Ritterbett mehr zu sehen. Weil die Burg nach dem Mittelalter oft umgebaut wurde, lassen sich in ihr sehr viele Kamine finden. Nicht nur einer.

Aber vor 800 Jahren, als die Burg noch neu gebaut war, gab es nur ein beheizbares Zimmer: Die „Kemenate“. Dieser seltsame Name stammt aus der lateinischen Sprache. Dort heißt das Wort „caminus“ so viel wie Kamin oder Ofen, den es in der Kemenate eben gab. Trotzdem war es im Winter sehr kalt. Mit Wandteppichen und Vorhängen versuchte man den Raum wärmer und schöner zu gestalten.

Die Kemenate diente als Wohnzimmer und als Schlafzimmer. In dem dortigen Bett schliefen der Ritter, seine Frau und alle ihre Kinder zusammen. Am Tag war das Zimmer das Reich der Burgdamen.

Wie genau das Ritterbett in der Burg Posterstein vor 800 Jahren ausgesehen hat, wissen wir leider nicht. Aber später war es groß, aus Holz gebaut und sehr hoch, damit die Ritterfamilie nicht so nah am kalten Boden liegen musste.

Nicht alle Ritter hatten ein eigenes Bett

Aber nicht alle Ritter haben überhaupt auf einer Burg gewohnt. Viele lebten bei den Bauern in den Dörfern. Dort hatte man oft Bettkisten, Schlafnischen und Strohmatten, auf denen man schlief. Der Mittelpunkt eines Hauses war auch dort der Ofen, der als Kochstelle diente und um den sich alle schlafenlegten. Auch in den Dörfern schlief die ganze Familie gemeinsam in den Betten. Manchmal teilte man sich diese Ruhestätte nicht nur mit der Familie, mit den Mägden und Knechten, sondern auch mit den Tieren. Denn viele Menschen und Tiere in einem Raum erzeugen mehr Wärme!

Wer ein richtiges Schlafzimmer besaß, war ein reicher Mann. Und in manchen Burgen und Schlössern schliefen sogar die Knechte neben dem Bett ihres Herrn in Bettkisten.

Den bequemsten Schlafort in der ganzen Burg Posterstein haben aber wir Geister. Wir schlafen am liebsten im Dach des Turmstübchens, wohin niemand klettern kann. Hier ist es ruhig und friedlich und wir haben immer eine tolle Aussicht!

Blog-Serie “Kinderburg”: Die Burggeister Posti und Stein beantworten Eure Fragen. Mehr dazu.

Achtung: Unser Blog mit neuer Adresse und neuem Design

Unser Blog ist umgezogen. Nach rund sechs Jahren Museumsblog haben wir uns entschieden, unseren Blog selbst zu hosten. Der “alte” WordPress.com-Blog wird automatisch auf die neue Adresse umgeleitet. Auch wer unseren Blog abonniert hatte, müsste nun weiterhin Meldungen über neuste Artikel bekommen. Sollte dies nicht der Fall sein, fügt die neue Blog-Adresse bitte noch einmal eurem WordPress-Reader hinzu oder abonniert den Blog per E-Mail. Alle vorhandenen Artikel sind natürlich ebenfalls mit umgezogen und können weiterhin gelesen werden.

Demnächst: Neue Blog-Serie für Familien

Die Burggeister Posti und Stein posieren mit der "Helm-Post" in der Halle der Burg. Dort können Fragen eingeworfen werden.
Die Burggeister Posti und Stein posieren mit der “Helm-Post” in der Halle der Burg. Dort können Fragen eingeworfen werden.

Ab 1. Oktober 2017 zeigt das Museum Burg Posterstein die Familienausstellung “Die Kinderburg – Auf den Spuren von Rittern und Salondamen”.

In Vorbereitung auf die Ausstellung starten wir die Blog-Serie “Die Kinderburg” für Kinder und Eltern. Darin beantworten unsere Burggeister Posti und Stein Besucherfragen auf einfache und verständliche Art. Heute standen das Burggespenst Posti und der Drache Stein dafür zum ersten Mal vor der Kamera. Das Ergebnis dessen gibt es in der nächsten Woche zu sehen. Erste Fragen sind auch schon eingegangen. Jonathan (4 Jahre) möchte wissen: Wo schliefen die Ritter? Die Antwort gibt es am Dienstag im Blog. Ernst gemeinte Fragen nehmen Posti und Stein jederzeit per E-Mail oder Post (Museum Burg Posterstein, Burgberg 1, 04626 Posterstein) entgegen.

Von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein