Eine lokalgeschichtliche Ausstellung mit reger Besucherbeteiligung – Resümee zur Ausstellung „Damals in der ‚Esse‘“

Die Ausstellung „Damals in der ‚Esse‘ – Erinnerungen an das Kulturhaus ‚Stadt Schmölln‘“ im Museum Burg Posterstein erreichte die lokale Bevölkerung aus Schmölln und den umliegenden Dörfern wie selten eine Ausstellung vor ihr. Die Mischung aus Erinnerungsstücken, Zeitzeugen-Interviews und Teilhabe schien einen Nerv getroffen zu haben. Teile der Postersteiner Ausstellung sind von 9. Juli bis 31. Dezember 2022 im Knopf- und Regionalmuseum Schmölln in der Ausstellung „Brauchen wir die ‚Esse‘ oder welche Kultur möchte Schmölln?“ zu sehen. In diesem Blogpost wollen wir die Postersteiner Sonderschau zusammenfassen, dokumentieren und auswerten.

Kulturhaus "Stadt Schmölln" damals und heute auf der Postkarte des Museums Burg Posterstein
Kulturhaus “Stadt Schmölln” damals und heute auf der Postkarte des Museums Burg Posterstein

Die Ausstellung: Partizipation und Dokumentation jüngerer Geschichte

Mit der Sonderschau „Damals in der ‚Esse‘ – Erinnerungen an das Kulturhaus ‚Stadt Schmölln‘“ (30. Januar bis 20. März 2022) verband das Museum Burg Posterstein lokale Geschichte mit Partizipation und der Dokumentation jüngerer Geschichte. Das regionalgeschichtliche Museum des Landkreises Altenburger Land konnte so ein stückweit Alltagsgeschichte der DDR zeigen und für nachfolgende Generationen bewahren. Gleichzeitig bot die Ausstellung zahlreiche Anknüpfungspunkte, um mit dem Publikum vor Ort ins Gespräch zu kommen und Barrieren abzubauen. Damit passte sie hervorragend zum Konzept des Modellprojekts „Der fliegende Salon – Kulturaustausch im Altenburger Land“, das die Menschen im Landkreis mit den am Projekt beteiligten Kultureinrichtungen ins Gespräch bringen soll.

Salon-Abend im Oktober 2021 in der Ostthüringenhalle in Schmölln (Foto: Jörg Neumerkel)
Salon-Abend im Oktober 2021 in der Ostthüringenhalle in Schmölln (Foto: Jörg Neumerkel, www.neumerkel.info)

So entstand die Ausstellung auch aus einem Zeitzeugen-Salon zum Kulturhaus „Stadt Schmölln“ heraus, der am 30. Oktober 2021 in der Ostthüringenhalle Schmölln stattfand. Im Vorfeld dieses Salonabends wurden Video-Interviews mit Zeitzeugen geführt, die während der Veranstaltung gezeigt wurden. Dazu unterhielten sich Zeitzeugen und Nachgeborene über die Vergangenheit und Zukunft der Kulturszene der Stadt Schmölln. Das Interesse an diesem Abend war so groß, dass die Karten innerhalb eines Tages vergeben waren – beinahe eine Hommage an die ausgebuchten Konzerte und Feiern im historischen Kulturhaus „Stadt Schmölln“. Da viele Bürgerinnen und Bürger mit Andenken und Anekdoten auf uns zukamen, fiel der Entschluss, das Thema in einer Sonderschau aufzugreifen.

Das Phänomen „Esse“

Das Kulturhaus „Stadt Schmölln“, das durch seinen markanten Schornstein umgangssprachlich „Esse“ (im Dialekt: Schornstein) genannt wurde, war seit seiner Eröffnung 1969 bis zu seiner Schließung 1991 das kulturelle Zentrum der Stadt. 1999 wurde das Gebäude komplett abgerissen. Seitdem fehlt ein solcher zentraler Treffpunkt für Vereine und Kultur, für Jung und Alt.

Das Kulturhaus "Stadt Schmölln" auf Postkarte von 1988 (Sammlung Museums Burg Posterstein)
Das Kulturhaus “Stadt Schmölln” auf Postkarte von 1988 (Sammlung Museums Burg Posterstein)

Die Ausstellung erreichte ein lokales Publikum wie selten zuvor

Insgesamt kamen zwischen 30. Januar und 20. März 2022 rund 1700 Besucher, um die Ausstellung „Damals in der ‚Esse‘“ anzusehen. Und das in einer Zeit außerhalb der Hochsaison des Museums, in der zudem zur Pandemie-Beschränkung zunächst die 2G- und später die 3G-Regelung galt.

Blick in die Ausstellung "Damals in der Esse" im Museum Burg Posterstein mit Zeitungsausschnitten und historischen Originalplakaten
Zeitungsausschnitte und ein originales Plakat in der Ausstellung über das Kulturhaus “Stadt Schmölln” im Museum Burg Posterstein

An der Museumskasse befragten wir fast 60 Prozent der Besucher nach ihren Besuchsgründen und ihrem Herkunftsort. Diese Befragung zeigte deutlich, dass die Ausstellung ihr lokales Publikum erreichte. Denn 64 Prozent der Besucher kamen aus dem Altenburger Land, dazu noch sechs Prozent aus dem Raum Gera und vier Prozent aus Westsachsen. Fast 70 Prozent aller Besucher nannten die Besichtigung der Sonderschau als Grund ihres Kommens.

In den Gesprächen zeigte sich deutlich, dass viele von ihnen das Museum zum ersten Mal besuchten. Neben Zeitungs- und Fernsehberichten wurden sie vor allem durch Empfehlungen von Bekannten (auch per WhatsApp und Facebook) auf die Ausstellung aufmerksam. Nach Aufhebung der 2G-Beschärnkung im März kamen mehr Besucher als zuvor.

Erinnerungsstücke in der Ausstellung

Für die Ausstellung erhielt das Museum über 50 Leihgaben von über 20 privaten Leihgebern – darunter zahlreiche Fotos, ganze Fotoalben und Zeitungsausschnitte und Urkunden. Besonderer Dank gilt hierbei dem Heimat- und Verschönerungsverein Schmölln e.V., der viele Fotos beisteuerte. Zu sehen war auch Festkleidung aus der damaligen Zeit – vom Minikleid, Mantel und Hut über Hochzeitsschmuck und Parka bis zu Aufnäher, Taschen und Fransenschuhen. Sogar ein aus einem Bauhelm selbst gebastelter Germanenhelm – einst im Einsatz als Faschingsverkleidung in der ‚Esse‘ – wurde für die Ausstellung abgegeben.

Blick in die Ausstellung "Damals in der Esse" im Museum Burg Posterstein.
Blick in die Ausstellung “Damals in der Esse” im Museum Burg Posterstein.

An die vielen Konzerte erinnerten eine Gitarre, Konzertplakate und Autogrammkarten von Künstlern sowie originale Programmpläne und Veranstaltungsflyer.

Ausstellung zum Kulturhaus Stadt Schmölln im Museum Burg Posterstein, links in einer Vitrine eine Gitarre
Ausstellung zum Kulturhaus Stadt Schmölln im Museum Burg Posterstein, links in einer Vitrine eine Gitarre, die beim letzten Konzert zum Einsatz kam.

Außerdem waren noch Dokumente und Gegenstände aus den gastronomischen Einrichtungen des Kulturhauses bei ehemaligen Mitarbeitern zu Hause verwahrt: Rechnungsblöcke, Tischdecken, Aufsteller, Servietten, aber auch eine Hausarbeit zur Facharbeiterprüfung und sogar mehrere Gästebücher. Ehemalige Besucherinnen und Besucher behielten Speisekarten, Rechnungen und Eintrittskarten als Andenken

Sogar ein Ziegelstein aus dem ehemaligen Kulturhaus und ein Faschingshelm waren unter den persönlichen Erinnerungsstücken ans Kulturhaus "Stadt Schmölln" im Museum Burg Posterstein.
Sogar ein Ziegelstein aus dem ehemaligen Kulturhaus und ein Faschingshelm waren unter den persönlichen Erinnerungsstücken ans Kulturhaus “Stadt Schmölln” im Museum Burg Posterstein.

. Schließlich gab es eine Reihe von Gegenständen, die vorausschauende ehemalige Esse-Besucher vor dem Abriss aus dem Gebäude retteten, darunter Teile der Bühnendekoration und Verzierung des Saals, das Metallschild „Weinabteil“ und ein Notausgangsschild. Kurz vor Ausstellungsbeginn wurde ein originaler Ziegelstein abgegeben, der nach Jahren der Aufbewahrung im Privathaus nun einen großen Auftritt hatte.

Persönliche Erinnerungen an der Pinnwand-Esse in der Ausstellung

In der Ausstellung gab es eine schornsteinförmige Pinnwand, an der persönliche Erlebnisse aus dem Kulturhaus und Meinungen zur Ausstellung geteilt werden konnten. Als einfache Form der Interaktion konnten die Besucher die Frage „Wie hat Ihnen die Ausstellung gefallen?“ mit Aufklebern in die Spalten „gut“ und „schlecht“ beantworten. Hierbei gab es über 150 Gut-Bewertungen und keine Schlecht-Bewertungen. Auch so bekam die Ausstellung viel Lob und entwickelte sich wochenends zu einem Treffpunkt, an dem sich alte Bekannte wiederbegegneten und in Erinnerungen schwelgen konnten.

Es gab auch weitere Möglichkeiten einfach per Aufkleber zu interagieren, indem die Besucher auf die Fragen „Haben Sie in der ‚Esse‘ Ihre Jugendweihe gefeiert?“ (48 x ja; 12 x nein) und „Waren Sie 1991 dabei, als ‚Odyssee‘ das letzte Konzert in der ‚Esse‘ spielte? (5 x ja; 9 x nein) reagieren konnten.

An einer schornsteinförmigen Pinnwand konnten Ausstellungsbesucher eigene Erinnerungen hinterlassen.
An einer schornsteinförmigen Pinnwand konnten Ausstellungsbesucher eigene Erinnerungen hinterlassen.

Darüber hinaus konnten Besucher ihre Erlebnisse auf Karteikarten schreiben und an die Pinnwand heften. Die Bandbreite ist groß – darunter eine lustige Begebenheit:

„Ich war von 1970–1975 als Konditor (vorher Koch) im Café der Esse beschäftigt. Im Jahr 1975 war der Auftritt von ‚Soulful Dynamics‘. Um Plätze für meine Frau und Freunde zu reservieren, benutzte ich den Küchenaufzug während der Arbeitszeit, ca. 14 Uhr. Leider blieb der Aufzug stecken und ich mit ihm. Vergeblich versuchten jetzt die anderen Kollegen, mir zu helfen; lautstark. Dies war auch im Restaurant zu hören, wo unser Ökonomischer Direktor […] und seine Frau zum Mittagstisch waren. Nach ca. 45 Minuten gelang die ‚Befreiung‘. Zu meinem großen Entsetzen empfing mich [der Direktor] und drohte mir mit einem Verweis. Dies war mir in diesem Moment egal, denn ich war wieder ‚befreit‘ und die begehrten Plätze waren auch reserviert.“

Auf diese Geschichte hin kommentierte ein anderer Gast, ebenfalls per Karteikarte: „Da waren Sie eindeutig zu schwer, meine 50 kg sind öfter im Essensaufzug hoch, hatte gute Bekannte in der Küche – Jugendtanz gesichert ohne Anstehen! 😊“

Unter den Beiträgen gibt es sehr persönliche Erinnerungen:

Ein Paar schrieb beispielsweise: „Zum ‚Rockrummel 1989‘ – Haben uns hier kennen und lieben gelernt! … Und sind heute noch glücklich verheiratet!“

Ein anderes: „Wir feierten unsere Hochzeit 5.8.1977 in der Esse“

„1987 Schulanfang, 1989 Blumenmädchen bei einer Hochzeit, 1988 oder 1989 Auftritt mit dem Mädchenturnen – wahrscheinlich 89 zur 40-Jahrfeier der DDR“

„Habe von 1975–1980 dort gearbeitet, war meine schönste Zeit“

„Mein Schulanfang 1990“

„1962 Schulanfang, 1977 Jugendweihe, 1979 Abschluss 10. Klasse – klasse“

„Tanzen in der ‚ESSE‘ war das Tollste in meiner Jugend in den 60er Jahren. Ich erinnere mich an die Bar, wo man immer mal zu einem ‚Getränk‘ eingeladen war. Mein erster Rausch fand auch in der Esse statt 😊 Weihnachtsball der EOS – jedes Jahr am 27.12. Mein Sohn ging später in die ESSE zum Gitarrenunterricht.“

„Ich bekam mal für das ganze Haus ‚Lokalverbot‘ für einige Zeit. Zur Jugendweihefeier meiner großen Tochter konnte ich nach Absprache diese Feier besuchen.“

Im Laufe der Ausstellung auf Burg Posterstein füllte sich die Pinnwand mit püersönlichen Erinnerungen.
Im Laufe der Ausstellung auf Burg Posterstein füllte sich die Pinnwand mit püersönlichen Erinnerungen.

Andere erinnern sich gern an Getränke, Veranstaltungen und das Ambiente:

„Sekt mit Früchten war das Getränk meiner ‚wilden Zeit‘. Die Bar in der ‚Esse‘ war der Sitzplatz für viele Stunden. Fasching war klasse. Schöne Zeit.“

„Der beliebte Sportlerball in der Esse – es war probbe voll aber schön …“

„1981 Jugendweihe, 1989 Silberhochzeit, und ganz viele schöne Abende beim Jugendtanz verbracht + Extrablätter“

„1977–78 ? genau weiß ich es nicht mehr, Hot & Blues-Jazzband spielte und Peter Schönhoff las und moderierte – war klasse“

„Zum Tag des Gesundheitswesens überraschte die Belegschaft der Auftritt von Katja Eckstein. Große klasse“

„‘Renft‘ Konzert“

Die Mitmach-Aktion #EsseSchmölln

Die Mitmach-Aktion #EsseSchmölln funktionierte – im Gegensatz zu den anderen Mitmach-Aktionen des Museums – am besten auf Facebook. Denn die Zielgruppe 50+ ist vor allem in diesem sozialen Netzwerk aktiv und über große lokale Facebook-Gruppen wie „Unser Schmölln“ fand der Aufruf zusätzlich Verbreitung. Darüber hinaus richteten wir anlässlich der Ausstellung die eigene Facebook-Gruppe „Regionale Geschichte Dreiländereck Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt“ ein, die innerhalb kurzer Zeit rund 200 Mitglieder zählte. Sie wird auch nach der Sonderschau dem Austausch über regionale Geschichte dienen und wird rege genutzt.

Auch über Facebook erhielten wir einige persönliche Geschichten aus dem Kulturhaus „Stadt Schmölln“. Spannend sind beispielsweise die Berichte aus den 1960er Jahren: „Zum Jugendtanz stand in der Anzeige: ‚Einlass nur in tanzgerechter Kleidung.‘ Das hieß Jungen mussten einen Schlips tragen. Ohne, oder gar in ‚Nietenhosen‘ (Bluejeans) wurde der Eintritt verweigert. Mädchen sollten ein Kleid oder Rock und Bluse tragen! Wurden aber in langen Hosen trotz alledem eingelassen, aber verwarnt! Westliche Tanzkultur war verboten! Man durfte das Mädchen beim Tanz nicht loslassen und schon garnicht drehen! Das wurde vom Saalrand aus überwacht und Verwarnungen verteilt, für die die es trotzdem wagten! Nach drei Verwarnungen musste man den Saal verlassen! Jugendliche unter 18 Jahren mussten 22 Uhr gehen. Zu meiner Zeit, Anfang der 60iger Jahre stand Herr [Name] am Rand des Saales und war für die Einhaltung dieser Regeln handlungsbefügt! Wurde der Tanzabend von der HO veranstaltet, waren diese Regeln eher nicht gültig. War schon ne komische Zeit. Aber schön war es trotzdem!“

Die Bar im Kulturhaus "Stadt Schmölln" in den 1970er Jahren (Foto: Sammlung Heimat- und Verschönerungsverein Schmölln e.V.)
Die Bar im Kulturhaus “Stadt Schmölln” in den 1970er Jahren (Foto: Sammlung Heimat- und Verschönerungsverein Schmölln e.V.)

Der gleiche Zeitzeuge ergänzte später noch Erinnerungen an die Silvester- und Faschingsfeiern im Kulturhaus: „Noch ne kleine Erinnerung! Silvester und Rosenmontag wurde im ganzen Haus gefeiert. Saal, Restaurant und Café waren für alle zugänglich. Die Eintrittskarten dafür wurden einige Wochen vorher, immer an einem Sonntag ab 9 Uhr im Haus verkauft! Diese Karten waren sehr begehrt. Deshalb sammelten sich bereits am Sonnabend Abend vorher eine größere Personenzahl vor der verschlossenen Tür des Gewerkschaftshauses ein, um die ganze Nacht über, bis zum Sonntag Morgen zu warten. Während der Nacht wurde die Personenzahl immer größer! Da jeder nur vier Eintrittskarten kaufen konnte haben wir uns „in Schichten“ angestellt! Wir benötigten acht Karten. Also teilten wir uns in zwei Schichten ein. 2 Personen von 22 Uhr bis 3:30 Uhr! Die wurden in der Nacht von 2 anderen abgelöst! Ab und zu fuhr der Streifenwagen der Polizei vorbei, die die Menschenansammlung offenbar nicht einordnen konnten! Dann fingen etwa 100 Personen laut an zu johlen und Stimmung zu machen. Anzuhalten trauten sich die Polizisten aber nicht! Aber kamen dann öfter vorbei! Das hat viel Spaß gemacht. Wir waren jung und die Veranstaltungen waren wirklich unvergesslich. Schade, dass es das in der Form für die jungen Leute von heute nicht mehr gibt.“

Diese Beiträge wurden dann von weiteren Schmöllnern kommentiert, die ähnliche Erfahrungen gemacht hatten. Viele schrieben, es waren „schöne Zeiten“ und „man erinnert sich gern zurück“. Es wurde sich ausgetauscht über gemeinsame Bekannte, ehemalige Mitarbeiter und über verschiedene Veranstaltungsformate wie Familientanz und Tanz im Restaurant. Andere verabredeten sich zum Ausstellungsbesuch und anschließend auf ein Bier. Auch der Leihgeber der Gästebücher aus dem Kulturhaus wurde erst über Facebook auf die Ausstellung aufmerksam. Da für solche Fälle eine leere Ausstellungsvitrine bereitstand, konnten die Bücher die Ausstellung noch ergänzen.

Die Abendkarte vom Abiball 1977 wurde als Erinnerungsstück aufgehoben.
Die Abendkarte vom Abiball 1977 wurde als Erinnerungsstück aufgehoben.

Ebenfalls Dank Facebook fanden Fotos von einer Jugendweihefeier und eine von allen Schülern und Lehrern signierte Abendkarte vom Abiball 1977 in die Ausstellung. Deren Besitzerin, die heute nicht mehr in Schmölln lebt, beschrieb in einem Brief ihre Erinnerungen: „Tatsächlich habe ich die ausreichend gezeichnete Abendkarte als Andenken an unseren Abiball im Jahre 1977 aufgehoben, da diese ja durch die vielen Unterschriften meiner Mitschüler und auch der Lehrer sowie diverser Weinflecke zu einem Unikat wurde. Entstanden ist die Unterschriftensammlung am späten Abend und nach einer tollen Feier mit Musik, Tanz und ausreichend Alkohol anlässlich des bestandenen Abiturs. […] Dennoch war es ein sehr schöner Abschluss vor allem der Abiturzeit und nach bestandener Prüfung konnten wirausgelassen feiern und uns verabschieden, denn das bevorstehende Studium oder für die Männer der Beginn der NVA-Zeit verstreute uns in der ganzen damaligen DDR und man verlor sich aus den Augen. Generell bleibt die „ESSE“ für unsere Generation (Jahrgang 1958/59) in sehr guter Erinnerung, denn wir erlebten tolle Konzerte diverser Bands, zahlreiche Jugendtanz-Veranstaltungen und Diskotheken, Faschingsball, Silvesterball, Frühlingsball und Weihnachtsball der Schule, und, und, und … – später den so genannten monatlichen Familientanz. Besonders beliebt war die „obere“ Bar – Lieblingsgetränk der Mädels „Grüne Wiese“.“

Cocktails und Zeitgeschichte

Eben jene „Grüne Wiese“ sowie drei andere im Kulturhaus beliebte Cocktails mischte Kuratorin Franziska Huberty unter fachmännischer Anleitung des ehemaligen Restaurantleiters Bernd Adam in einer Video-Reihe auf YouTube nach. Dabei ging es nicht nur um die Rezepte, sondern jedes Video behandelte auch ein Stück Gastronomiegeschichte der DDR.

Franziska Huberty und Bernd Adam beim Zeitzeugengespräch Cocktail-Zeit zur Gastronomiegeschichte im DDR-Kulturhaus Stadt Schmölln
Franziska Huberty und Bernd Adam beim Zeitzeugengespräch Cocktail-Zeit zur Gastronomiegeschichte im DDR-Kulturhaus Stadt Schmölln

Über diese Video-Reihe berichtet dieser Blogpost ausführlich.

Die „Esse“ hat eine Lücke hinterlassen

Im Frühjahr 1991 wurde das Kulturhaus „Stadt Schmölln“ geschlossen. Der letzte Eintrag im letzten Gästebuch aus dem Kulturhaus lautet: „Entgegen der Beschwerden von den vorhergehenden Seiten können wir bestätigen ‚Esse bleibt Esse‘. Seit Jahren sind wir Gäste des Hauses und bringen zum Ausdruck, trotz unterschiedlicher Silvesterproblemstellung bleibt der 31.12. der letzte Tag des Jahres. Auf ein gesamtdeutsches Jahr 1991 verbleibt die alte Sippschaft in jugendlicher Frische.“ (31.12.1990)

Einige Gästebücher aus dem Kulturhaus "Stadt Schmölln" erreichten die Ausstellung des Museums via Facebook.
Einige Gästebücher aus dem Kulturhaus “Stadt Schmölln” erreichten die Ausstellung des Museums via Facebook.

Nach der Wende verfiel das leerstehende Kulturhaus. Der Sprengung des namensgebenden Schornsteins wohnte 1999 eine große Menschenmenge bei – damals eher neugierig als nostalgisch.

Der Schornstein des Kulturhauses kurz vor der Sprengung (Foto: Heimat- und Verschönerungsverein Schmölln e.V.)
Der Schornstein des Kulturhauses kurz vor der Sprengung (Foto: Heimat- und Verschönerungsverein Schmölln e.V.)

Inzwischen, über zwanzig Jahre später, wurde in den Zeitzeugengesprächen und Gesprächen mit den Besuchern deutlich, dass das Verschwinden des Kulturhauses in der Schmöllner Kulturlandschaft eine Lücke hinterlassen hat, die Musikclub, Stak und Ostthüringenhalle so nicht ausfüllen können. Gleichzeitig herrschte Einigkeit darüber, dass ein Konzept wie damals mit buntem Programm für alle heute nicht mehr funktionieren würde. Gefragt sind daher Ideen und Konzepte für die Zukunft.

Fortsetzung der Ausstellung im Knopf- und Regionalmuseum Schmölln

Hier setzen die Ausstellung im Knopfmuseum Schmölln und das zukunftsweisende Konzept für das Kultur- und Bürgerservicezentrum „El Button“ an. Die Ausstellung „Brauchen wir die ‚Esse‘ oder welche Kultur möchte Schmölln?“ ist von 9. Juli bis 31. Dezember 2022 zu sehen. Teile der Postersteiner Ausstellung werden ergänzt durch neue Exponate und Fragestellungen, die auf die Zukunft der Schmöllner Kultur abzielen.

Ausstellungsplakat #EsseSchmölln in Schmölln
Das Plakat zur Schmöllner Esse-Ausstellung

Auch diese neue Ausstellung möchte mit den Schmöllner Bürgern ins Gespräch kommen und Konzepte entwerfen. Gefördert wird sie im Rahmen des Projekts „Der fliegende Salon – Kulturaustausch im Altenburger Land“ in TRAFO – Modelle für Kultur im Wandel, eine Initiative der Kulturstiftung des Bundes sowie durch die Thüringer Staatskanzlei.

Postersteiner Stele kehrt nach Köln zurück – Rückblick auf ein besonderes Kunstprojekt

Die Stele von Wolfgang Stöcker im Burgpark der Burg Posterstein
Die Stele von Wolfgang Stöcker im Burgpark der Burg Posterstein

Als Museen und kulturelle Orte in ganz Deutschland wegen der Pandemie geschlossen bleiben mussten, fotografierte und dokumentierte der Kölner Künstler Wolfgang Stöcker die plötzlich “hermetisch verschlossenen”, sonst öffentlich zugänglichen Orte. In einer deutschlandweiten Kunstaktion machte er mit Skulpturen und Kunstwerken im öffentlichen Raum auf diese Kulturorte und den kulturellen Reichtum aufmerksam. In seinen Fotografieren, collagenhaft nebeneinandergestellt, traten die verschiedensten Orte auf ästhetische Weise miteinander in Korrespondenz.

Die Postersteiner Stele stand vom 28. September 2021 bis 8. März 2022 im Burgpark Posterstein. Über QR-Code und ein Plakat in unmittelbarer Nähe konnten sich interessierte Besucher über das Projekt informieren, das farblich mit den herbstlich-braunen Tönen der Natur harmonierte.

Das informative Video kann man hier anschauen:

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Im Video erzählt der Kölner Künstler Wolfgang Stöcker über die Idee hinter der Skulptur

Die Motive auf der Stele

Auf der Stele zu sehen waren Fotografien, die während des Lockdowns und kurz danach in verschiedenen deutschen Museen entstanden sind. Die Idee: Innenräume werden über Fotografien nach außen getragen. Neben der Postersteiner Stele wählte der Künstler noch andere Projektionsformen, beispielsweise Pavillons (Bergisch Gladbach, April 2021) oder Bildtafeln im öffentlichen Raum (Köln, Mai – Okober 2021).

Auf der Postersteiner Stele waren sowohl ganze Architekturansichten wie auch kleine Detailaufnahmen von Wandstrukturen, Stuck sowie Möbeln, Schnitzereien, Figuren und Holzkonstruktionen zu sehen. Zusammengesetzt ergeben die Motive eine lebendige optisch-assoziative Mischung von sehr unterschiedlicher Wirkung. 

Wolfgang Stöcker beim Aufbau seiner Skulptur "Postersteiner Stele" am 28. September 2021 im Park der Burg Posterstein. Im Vordergrund die Stele mit Fotocollage mit Büsten aus dem Museum Burg Posterstein. Im Hintergrund der Künstler und die Burgmauer.
Wolfgang Stöcker beim Aufbau seiner Skulptur “Postersteiner Stele” am 28. September 2021 im Park der Burg Posterstein.

Die Motive von oben nach unten:

Ganz oben:
kleiner Quader mit Aufnahmen aus Burg Posterstein (15.06.2021) und dem Residenzschloss Altenburg (14.06.2021) sowie der dortigen Schlosskirche (14.06.2021).

Würfel darunter:
Detailaufnahmen des gerade in Restauration befindlichen Speichers im Stadtmuseum Lindau (09.07.2021), eine Detailaufnahme aus dem Lehmbruckmuseum (16.03.2021) sowie des Kölner Museum Ludwig (Dezember 2020). Zusätzlich tauchen Stuckelemente des Altenburger Schlosses auf.

Länglicher Sockel:
Bildcollagen, vorwiegend mit Büsten der Herzogin von Kurland und ihren Töchtern, alle Burg Posterstein (15.06.2021). Fragmentarisch tauchen darin Motive aus dem Landesmuseum für Vorgeschichte Halle (05.08.2021) und dem Speicher des Stadtmuseums Lindau (09.07.2021) auf.

Unterer Sockel:
Der untere Sockel weist vier Seitenansichten mit je zwölf Motiven auf. Einige davon wiederholen sich in einem nicht symmetrisch verlaufendem, lockeren Rhythmus. 

Die Zuordnung der Motive beginnt immer von links oben nach rechts unten:

Die Fotografien auf Seite 1 der Skulptur "Postersteiner Stele" von Wolfgang Stöcker

ganz oben: MARTA Herford, Museum Burg Posterstein
2. von oben: Schloss Augustusburg in Brühl, Schloss Augustusburg in Brühl
3. von oben: Museum Ludwig in Köln, Museum Burg Posterstein
4. von oben: Residenzschloss Altenburg, MARTA Herford
5. von oben: Museum Ludwig, Köln, Museum Burg Posterstein
ganz unten: arpmuseum, Rolandseck, Schloss Augustusburg in Brühl

Die Fotografien auf Seite 2 der Skulptur "Postersteiner Stele" von Wolfgang Stöcker

ganz oben: arpmuseum in Rolandseck, Schloss Augustusburg in Brühl
2. von oben: Museum Ludwig in Köln, Lehmbruckmuseum in Duisburg
3. von oben: MARTA Herford, Museum Burg Posterstein
4. von oben: Schloss Augustusburg in Brühl, Residenzschloss Altenburg
5. von oben: Museum Burg Posterstein, Museum Burg Posterstein
ganz unten: Schloss Augustusburg in Brühl, Schloss Augustusburg in Brühl

Die Fotografien auf Seite 3 der Skulptur "Postersteiner Stele" von Wolfgang Stöcker

ganz oben: Schloss Augustusburg in Brühl, Lehmbruckmuseum in Duisburg
2. von oben: Residenzschloss Altenburg, Schloss Augustusburg in Brühl
3. von oben: Museum Burg Posterstein, Museum Ludwig in Köln
4. von oben: arpmuseum in Rolandseck, MARTA Herford
5. von oben: Museum Burg Posterstein, Museum Burg Posterstein
ganz unten: Lehmbruckmuseum in Duisburg, Schloss Augustusburg in Brühl

Die Fotografien auf Seite 4 der Skulptur "Postersteiner Stele" von Wolfgang Stöcker

ganz oben: Museum Ludwig in Köln, Schloss Augustusburg in Brühl
2. von oben: Museum Burg Posterstein, Residenzschloss Altenburg
3. von oben: Residenzschloss Altenburg, Schloss Augustusburg in Brühl
4. von oben: Museum Burg Posterstein, Stadtmuseum Lindau
5. von oben: Schloss Augustusburg in Brühl, MARTA Herford
ganz unten: arpmuseum in Rolandseck, Schloss Augustusburg in Brühl

Schichten

Eine Sammlung von Wolfgang Stöckers so entstandenen Detailaufnahmen finden Sie hier auf seiner Website. Unter der Überschrift “Schichten – Archäologie der ersten Oberfläche” zeigt er ungewöhnliche Details und Blicke auf Museumsexponate und Architektur.


Gefördert durch das Stipendium „Auf Geht´s“ / NRW.

Ausstellung zeigt Erinnerungsstücke an das DDR-Kulturhaus „Stadt Schmölln“

Mit der Sonderschau „Damals in der ‚Esse‘ – Erinnerungen an das Kulturhaus ‚Stadt Schmölln‘“ widmet sich das Museum Burg Posterstein bis 20. März 2022 der neueren regionalen Geschichte. Das Kulturhaus, in den 1970er und 80er Jahren ein regionales Zentrum, hieß wegen seines markanten Schornsteins im Volksmund „Esse“, was im regionalen Dialekt ein Synonym für Schornstein ist. Nach einigen Jahren Leerstand wurde es 1999 abgerissen. Die multimediale Zusammenstellung basiert auf Fotos, Erinnerungen, Zeitungsausschnitten und Zeitzeugengesprächen und lässt Raum für weitere Erinnerungen der Besucher.

Die Postkarte zur Ausstellung "Damals in der Esse" vor dem Museum Burg Posterstein
An der Stelle des früheren Kulturhauses befindet sich heute ein Parkplatz. – Die Ausstellung im Museum Burg Posterstein sammelt Erinnerungen von Zeitzeugen.

Rund dreißig Jahre nach dem letzten Konzert im Kulturhaus „Esse“ Schmölln sammelte das Museum Burg Posterstein im Rahmen des Projekts “Der Fliegende Salon” Erinnerungen und Erinnerungsstücke von Zeitzeugen. Die Ausstellung fasst die Ergebnisse des Zeitzeugen-Salons in Schmölln am 30. Oktober 2021 zusammen und erweitert sie.

Rund private 50 Erinnerungsstücke

Für die Ausstellung erhielt das Museum rund fünfzig persönliche Erinnerungsstücke, darunter Fotos, Autogrammkarten, Eintrittskarten, Kleidung und aus dem Kulturhaus stammende Gegenstände.

Ausstellung zum Kulturhaus Stadt Schmölln im Museum Burg Posterstein, links in einer Vitrine eine Gitarre
Blick in die Ausstellung über das ehemalige Kulturhaus “Stadt Schmölln”. Eines der Erinnerungsstücke ist eine Gitarre, die beim letzten Konzert 1991 zum Einsatz kam.

Die „Esse“ war mit großem Saal, Restaurant, Café und Bar ein Treffpunkt für alle Generationen. Das Programm war breit angelegt. Eine tragende Rolle spielte dabei die Musik. Das Angebot reichte von Rock-, Pop- und Bluesbands über Schlagersänger bis hin zu klassischen Chorauftritten, Tanzorchestern. Zu den jährlichen Höhepunkten zählten die Silvester- und Faschingsfeiern. Zum wiederkehrenden Programm gehörten Familientanz, Jugendtanz, Messen und Märkte. Aber auch politische Versammlungen und Jugendweihefeiern fanden regelmäßig dort statt. Zudem war das Kulturhaus ein beliebter Ort für private Feierlichkeiten jeder Art: Betriebsfeste, Hochzeiten, Geburtstage oder Trauerfeiern wurden in den entsprechenden Räumen ausgerichtet. Die Ausstellung versucht die Zeit und ihre Alltagskultur auch für nachgeborene Generationen anschaulich darzustellen.

Blick in die Ausstellung "Damals in der Esse" im Museum Burg Posterstein mit Zeitungsausschnitten und historischen Originalplakaten
Zeitungsausschnitte und ein originales Plakat in der Ausstellung über das Kulturhaus “Stadt Schmölln” im Museum Burg Posterstein

Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit, persönliche Erinnerungen an die Zeit des Kulturhauses an einer Pinnwand zu hinterlassen. Auch in der Facebook-Gruppe „Regionale Geschichte Dreiländereck Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt“ und unter dem Hashtag #EsseSchmölln in den anderen sozialen Netzwerken lädt das Museum Zeitzeugen herzlich ein, persönliche Erinnerungen an das ehemalige Kulturhaus der Stadt Schmölln zu teilen. Auf diese Weise sind bereits Berichte darüber, wie schwer es war, an begehrte Silvesterkarten zu kommen oder was die Kleidungsordnung in den 1970ern vorschrieb, und auch Leihgaben für die Sonderschau im Museum eingegangen.

Video-Einblick in die Ausstellung

Kuratorin Franziska Huberty gibt per Video einen Einblick in die Ausstellung. Das Video finden Sie über den YouTube-Kanal des Museums. – Wir freuen uns über ein Abo.

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Eine kleine Video-Reihe zur Ausstellung ist geplant.

Passendes „Esse-Special“ im Café „Zur eisernen Bank“

Für die Zeit der Ausstellung hat sich das direkt neben der Burg Posterstein gelegene Café „Zur eisernen Bank“ ein „Esse-Special“ ausgedacht – angelehnt an das Menü, das es damals im Kulturhaus „Stadt Schmölln“ gab. Das Café hat mittwochs bis sonntags immer nachmittags geöffnet und ist unter (034496) 16 39 11 erreichbar.

Fortsetzung der Ausstellung im Knopf- und Regionalmuseum Schmölln

Im Sommer 2022 wird es eine Fortsetzung dieser Sonderschau im Knopf- und Regionalmuseum Schmölln geben. Dabei soll neben der Rückschau dann auch in die Zukunft geblickt werden: Was fehlt den Bürgerinnen und Bürgern der Stadt Schmölln heute ohne Kulturhaus? Was wünschen sie sich für die Zukunft?

Von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

Was ist eine Weihnachtskrippe?

Franziska Huberty aus dem Museum Burg Posterstein hält eine spanische Tonkrippe in der Hand. Sie steht vorm Museum Burg Posterstein.

Hallo! Ich bin Franziska Huberty, wissenschaftliche Mitarbeiterin hier im Museum Burg Posterstein und ich möchte heute die Frage klären: Was ist eine Weihnachtskrippe? Die Antwort darauf gibt es wahlweise im Video oder hier im Blogtext.

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Hier gibt es den Beitrag auch als Video.

Eine Weihnachtskrippe ist die bildliche oder figürliche Darstellung der biblischen Weihnachtsgeschichte. Bei der Krippe steht das Futtergefäß der Tiere, in dem das Jesuskind gebettet wurde, als “Pars pro toto” (das ist Latein!) für die gesamte Krippendarstellung. Die Krippe steht also als Teil eines Ganzen für das Gesamtgebäude samt Figuren, Gegenständen und Tieren.

Was gehört in so eine Weihnachtskrippe hinein?

Das möchte ich an Hand dieser spanischen Tonkrippe aus unserer Sammlung erklären. Daran sehen wir schon: Ganz wichtig ist das Heilige Paar und natürlich das Christuskind in der Krippe selbst – sie dürfen nie fehlen. Ansonsten sehen wir hier Ochse und Esel. Darüber hinaus gibt es in vielen Krippen Hirten mit Schafen und die Heiligen Drei Könige, die dem Christuskind dann Geschenke brachten. Oft kommen in Weihnachtskrippen auch Tiere vor, Schafe zum Beispiel, hier auch ein Hund und Vögel, die über die ganze Szenerie wachen.

Schweizer Weißlasur-Krippe aus der Schweiz. (Krippensammlung, Museum Burg Posterstein, VI 24 K6/Ri).
Weißlasur-Krippe aus der Schweiz. (Krippensammlung, Museum Burg Posterstein, VI 24 K6/Ri).

Hier im Museum Burg Posterstein haben wir eine umfangreiche Krippensammlung. Die kann man jedes Jahr zum Teil im Museum selbst, aber teilweise auch online in unserer digitalen Ausstellung besichtigen.

Vom Lockdown zur Vernetzung: Wolfgang Stöckers Kunst holt Museen in den öffentlichen Raum

Der Kölner Künstler Wolfgang Stöcker stellt am 28. September 2021, ab 11 Uhr, vor der Burg Posterstein seine neue Skulptur „Die Postersteiner Stele“ auf. Die Idee dazu entstand im Lockdown: Wolfgang Stöcker dokumentierte zahlreiche geschlossene Museen aus ganz Deutschland fotografisch, darunter auch das Museum Burg Posterstein, das im zweiten Lockdown von November 2020 bis Juni 2021 ganze sieben Monate geschlossen bleiben musste.

Detail der „Postersteiner Stele“ Wolfgang Stöckers mit Aufnahmen aus dem Residenzschloss Altenburg, Schloss Augustusburg in Brühl, Burg Posterstein und dem Stadtmuseum Lindau.
Detail der „Postersteiner Stele“ Wolfgang Stöckers mit Aufnahmen aus dem Residenzschloss Altenburg, Schloss Augustusburg in Brühl, Burg Posterstein und dem Stadtmuseum Lindau.

Die an unterschiedlichsten Orten entstandenen Fotografien vermischt der Künstler miteinander und zeigt sie in Form von Skulpturen, Bildern oder Projektionen im öffentlichen Raum. So kommt es, dass derzeit Detailaufnahmen aus dem Museum Burg Posterstein an Paneelen an Kölner Balkonen hängen – und eben eine Stele auf dem Postersteiner Burgberg aufgestellt wird.

Kulturorte im Lockdown

Für sein Projekt, Kulturorte im Lockdown in den öffentlichen Raum zu holen, erhält Wolfgang Stöcker Fördermittel aus dem Stipendium „Auf Geht´s“ des Bundeslands Nordrhein-Westfalen. Dafür besuchte er seit April unter anderem das Museum Burg Posterstein, das Residenzschloss Altenburg, das Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle, das Lembruck-Museum in Duisburg, das Arpmuseum in Rolandseck, das Museum Marta Herford, die Römertherme in Zülpich, Schloss Augustusburg in Brühl, Museum Ludwig in Köln, das Stadtmuseum Lindau und das Kramer-Museum in Kempten.

Wolfgang Stöcker im Juni 2021 bei der fotografischen Dokumentation im Museum Burg Posterstein
Wolfgang Stöcker im Juni 2021 bei der fotografischen Dokumentation im Museum Burg Posterstein

Wolfgang Stöckers Blick auf diese Orte ist untypisch: Selten zeigt er ein Gebäude in seiner Gänze, stattdessen dominieren Raumfluchten, Oberflächenstrukturen, Details und Ornamente. Aus dem Museum Burg Posterstein reisen beispielsweise Fotos des einmaligen Blicks in das historische Treppenhaus des Burgturms und des Details der Büste Wilhelmine von Sagans durch Deutschland.

Mit Fotos bedruckte Holzpanele schmücken einen Balkon in Köln
Ein Foto der Büste Wilhelmine von Sagans aus der Ausstellung im Museum Burg Posterstein hängt noch bis Ende Oktober am Bickendorfer Kreisel in Köln

Neben der Postersteiner Stele (Aufstellung: 28. September 2021) wurden andere Projektionsformen als Pavillons (Bergisch Gladbach, April 2021) oder als Bildtafeln im öffentlichen Raum (Köln Mai bis Oktober 2021) gewählt. Eine weitere Installation von Tafeln samt Videoprojektion ist im November im Außen- und Innenbereich der Römertherme in Zülpich geplant. Andere in der Eifel ursprünglich geplante Aktionen mussten auf Grund der Hochwasserkatastrophe verschoben werden.

Die Postersteiner Stele von Wolfgang Stöcker

Nicht an allen Orten, die Wolfgang Stöcker im Lockdown besucht hat, entsteht ein Kunstwerk im öffentlichen Raum, aber Posterstein ist einer davon. Die Skulptur, die Stöcker „Postersteiner Stele“ nennt, besteht aus mehreren aufeinandergesetzten geometrischen Figuren, die der Künstler wetterfest mit den von ihm aufgenommenen Fotografien beklebt hat. Zu sehen sein werden darauf sowohl ganze Architekturansichten wie auch kleine Detailaufnahmen von Wandstrukturen, Stuck sowie Möbeln, Schnitzereien, Figuren in der Postersteiner Burg, ebenso mehrfach die Holzkonstruktion des dortigen Bergfrieds wie auch Geländer und Bögen im Treppenhaus der Burg.

Wolfgang Stöcker im Juni 2021 vor der Burg Posterstein
Wolfgang Stöcker im Juni 2021 vor der Burg Posterstein

Zusammengesetzt ergeben die Motive eine lebendige optisch-assoziative Mischung von sehr unterschiedlicher Wirkung. Ebenfalls mit Ansichten auf dem Postersteiner Burgberg vertreten sein werden das Museum Marta Herford, Schloss Augustusburg in Brühl, das Museum Ludwig in Köln, das Residenzschloss Altenburg, das Arpmuseum in Rolandseck, das Lehmbruck Museum in Duisburg und das Stadtmuseum Lindau.

Wolfgang Stöcker ist nicht zum ersten Mal in Posterstein

Der Kölner Künstler Wolfgang Stöcker und die Mitarbeiter des Museums Burg Posterstein lernten sich bereits 2015 über die Social Media-Aktion #kunstputz des Kölner Kultur-Kollektivs „Die Herbergsmütter“ kennen. Denn Wolfgang Stöcker ist vor allem als Betreiber des „Internationalen Staubarchivs“ bekannt, wo er Staubproben aus historischen und kulturellen Orten aller Art auf künstlerisch-philosophische Weise dokumentiert, weiterverarbeitet und interpretiert.

Wolfgang Stöcker 2019 mit einem seiner Postersteiner „Staubschreine“ aus in Wachs gegossenem Staub aus der Burg Posterstein
Wolfgang Stöcker 2019 mit einem seiner Postersteiner „Staubschreine“ aus in Wachs gegossenem Staub aus der Burg Posterstein

2017 und 2018 unternahm Wolfgang Stöcker „Staubexpeditionen“ auf Burg Posterstein und verarbeitete sie zu hochwertiger und ganz und gar nicht staubiger Kunst, was 2019 in einer Ausstellung und dem Lesebuch „Zum Wesen des Staubes“ mündete. Seither besteht ein regelmäßiger Kontakt zwischen Posterstein und Köln – per Facebook, YouTube und E-Mail. – Mal sehen, vielleicht entsteht durch die künstlerische Vernetzung der verschiedenen Orte nun auch eine anderweitige Vernetzung?

von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

Neuzugang in der Sammlung des Museums Burg Posterstein: rund 700 Ostereier in verschiedensten Techniken

Ostereier gestaltet von Peter Rehfeld - Sammlung Museum Burg Posterstein
Ostereier gestaltet von Peter Rehfeld – Sammlung Museum Burg Posterstein

Vor den Osterfeiertagen erhielten wir für die Sammlung des Museums Burg Posterstein eine einzigartige Schenkung: Der Rositzer Handwerker und Ostereier-Gestalter Peter Rehfeld übergab dem Museum seine Sammlung von rund 700 handgefertigten Ostereiern. Da das Museum weiterhin geschlossen bleiben muss, kann sie in diesem Jahr noch nicht gezeigt werden. Zur Einstimmung auf die Feiertage im kleinen Kreis gibt es hier im Blog erste Fotos. Im Kinderburg-Blog haben wir darüber hinaus Wissenswertes zum Osterfest und Basteltipps für die ganze Familie zusammengestellt.

Peter Rehfeld bewahrt und sammelte historische Gestaltungstechniken

Seit fast 40 Jahren gestaltet Peter Rehfeld bereits Eier zu filigran ausgeführten Kunstwerken um. Und jedes Jahr entstehen neue. Sein Ziel ist es dabei, alte Handwerkstechniken, die zur Gestaltung dieser berühmten und allseits beliebten Osterdekorationen zum Einsatz kommen, zu sammeln, zu bewahren und einem breiten Publikum bekannt zu machen. Dazu dient ihm nicht nur sein privater Garten als Ausstellungsfläche! Seine handgefertigten Ostereier wurden bereits in verschiedenen Museen und Ausstellungen gezeigt und bewundert.

Peter Rehfeld aus Rositz im Altenburger Land setzt sich seit fast 40 Jahren dafür ein, alte Ostereier-Gestaltungstechniken zu sammeln und zu bewahren.
Peter Rehfeld aus Rositz im Altenburger Land setzt sich seit fast 40 Jahren dafür ein, alte Ostereier-Gestaltungstechniken zu sammeln und zu bewahren.

Zur Verzierung der Hühner-, Wachtel- oder Gänseeier nutzt Peter Rehfeld verschiedene Techniken und Materialien. Stroh, Blumen und Gräser, Stoffe und Farben bilden nicht nur Muster, sondern zum Teil ganze Landschaften ab. Jedes Ei ist ein Unikat. Und doch sind diese Techniken zum Nachahmen geeignet. Verkäuflich sind die kleinen Kunstwerke nicht. Aber einige einfache Anleitungen, die zu einem erstaunlich raffinierten Endprodukt führen, hat Peter Rehfeld in einem eigenen Buch zusammengefasst und herausgegeben.

Rund 700 seiner wunderbar gearbeiteten Ostereier sind nun in die Sammlung des Museums Burg Posterstein eingegangen. Ursprünglich war für die Osterzeit eine Sonderschau mit Workshops des Künstlers in der Burg geplant. Seit 2. November 2020 ist das Museum Burg Posterstein allerdings geschlossen, um Besucher zu schützen und einen Beitrag zur Verlangsamung der Ausbreitung der COVID-19-Pandemie zu leisten. Aber verschoben ist nicht aufgehoben – eine entsprechende Ausstellung planen wir für das nächste Jahr.

Hintergrundinfos und Bastelideen zu Ostern im Kinderburg-Blog

In unserem Kinderburg-Blog haben wir verschiedene Beiträge zum Osterfest, darunter auch die Antworten auf die Fragen „Was hat das Schaf mit Ostern zu tun?“ und „Welche Farbe hat ein Osterei?“. Zudem gibt es dort einfache Bastelanleitungen zum Gestalten von Ostereiern, kleinen Geschenken oder kostenlose Vorlagen für individuelle Ostergrußkarten.

Wir wünschen allen ein frohes Osterfest! Bleiben Sie gesund!

Von Franziska Engemann / Museum Burg Posterstein

LeseZEIT – Folge 1: Anna Dorothea von Kurland

Banner Podcast LeseZEIT auf Burg Posterstein

Herzlich willkommen zur ersten Folge unserer Reihe „LeseZEIT“ mit Geschichte und Geschichten aus dem Museum Burg Posterstein. In unserem Podcast stellt Franziska Engemann, Historikerin und wissenschaftliche Mitarbeiterin, historische Persönlichkeiten vor.

Sie können die Folge als Blogpost lesen oder als Podcast anhören.

Folge 1 des Podcasts LeseZEIT anhören:

Anna Dorothea von Kurland steht im Mittelpunkt der ersten LeseZEIT Podcast-Folge des Museums Burg Posterstein.
Anna Dorothea von Kurland steht im Mittelpunkt der ersten LeseZEIT-Podcast-Folge des Museums Burg Posterstein (Gemälde nach Angelika Kauffmann, Museum Burg Posterstein).

Zu allererst aber die entscheidende Frage: Worum geht es in hier überhaupt?

Historische Berichte, Urkunden und Tagebücher bilden die Grundlage der Museumsarbeit genauso wie Briefe, Zeitungsartikel und jedwede Art schriftlicher Überlieferung. Je nach Zeit und Thema entdecken wir dabei immer wieder spannende, persönliche, traurige oder unglaublich skurrile Geschichten, die mehr oder weniger bekannte Persönlichkeiten über sich oder ihre Zeitgenossen erzählen. Nicht immer sind diese Geschichten wahr, nicht immer falsch, aber immer sind sie persönliche Sichtweisen auf die jeweilige Zeitgeschichte und geben uns Aufschluss über Ereignisse oder Denkweisen vergangener Zeiten.

Franziska Engemann, Historikerin im Museum Burg Posterstein, lässt im Podcast LeseZEIT historische Persönlichkeiten zu Wort kommen.
Franziska Engemann, Historikerin im Museum Burg Posterstein, lässt im Podcast LeseZEIT historische Persönlichkeiten zu Wort kommen.

Viele dieser Geschichten und Berichte landen höchstens indirekt in einer Ausstellung, einem Buch oder einem wissenschaftlichen Beitrag. So schlummern sie weiter in Archiven, oft vergessen zwischen den Zeilen und weitgehend unsichtbar. Schade – sagen wir und möchten Ihnen diese einzigartigen Berichte zu Ohren bringen! Und genau hier beginnt unsere „LeseZEIT“.

In jeder Folge stellen wir Ihnen eine Persönlichkeit unserer musealen Arbeit vor, ordnen sie ihrer Epoche zu und lesen Originaltöne aus dem Leben oder über das Wirken der Person vor. So erwachen die vergessen geglaubten Zeilen zu neuem Leben.

Erraten Sie, um wen es heute geht? Sie notierte 1819 in ihr Tagebuch:

„Der Tag verging übrigens sehr froh. Es wurde zwar recht schön Musick gemacht – dann getanzt  wir alten nahmen theil daran, auch Jean Paul.

Richtig erkannt! Den Anfang macht eine Frau, über die das Museum Burg Posterstein seit Jahrzehnten forscht und die kaum zwei Kilometer von der Burg entfernt Weltgeschichte schrieb: Die Herzogin Anna Dorothea von Kurland. 1761 in Kurland als Anna Dorothea von Medem geboren, machte die agile Adlige mit ihrem Salon in den Schlössern Löbichau und Tannenfeld die verträumte Region nahe Altenburg zu einem Zentrum europäischer Geschichte und Kultur.

Durch die Herzogin Anna Dorothea von Kurland avancierte das kleine Löbichau kurzzeitig zu einem Zentrum europäischer Salonkultur.
Durch die Herzogin Anna Dorothea von Kurland avancierte das kleine Löbichau kurzzeitig zu einem Zentrum europäischer Salonkultur (Stich, Sammlung Museum Burg Posterstein).

Doch: Wie kam Dorothea von Kurland nach Löbichau?

Aus den Pariser Salons des 18. Jahrhunderts, in denen sich Mitglieder des Hofes, Gelehrte sowie Künstler begegneten, ging eine Kultur hervor, die sich über ganz Europa ausbreitete. Der Salon entwickelte sich im Zeichen der Aufklärung zu einem sichtbaren weiblichen Machtbereich, in dem man sich umfassend mit Literatur, Philosophie, Naturwissenschaften, Geschichte, Kunst und aktuellen politischen Fragen auseinandersetzte. Den gesellschaftlichen Mittelpunkt bildete stets eine Frau, die weltoffen und geistreich, gleichsam als Vermittlerin von Kultur, Politik und Lebensart, Konversation und Erotik inbegriffen, agierte. Ihr Salon bildete für sie oft die einzige Möglichkeit, an dem von Männern dominierten gesellschaftlichen Leben teilzunehmen und Einfluss zu gewinnen. Durch ihre Bekanntschaft mit vielen Politikern konnte sie an der Gestaltung nationaler oder europäischer Geschichte mitwirken.

Als sich die 34jährige Anna Dorothea von Kurland 1794 in Löbichau nahe Posterstein niederließ, hatte sie sechs Kinder geboren, Europa kennengelernt und mit ihrem 37 Jahre älteren Ehemann Herzog Peter von Kurland gebrochen. Wo einst eine Wasserburg stand, ließ die schöne, begehrte und vor allem reiche Adlige ein klassizistisches Schloss mit englischem Garten errichten. Dem „Musenhof Löbichau“ hauchte sie pulsierendes Leben ein, das Politik, Literatur, Malerei, Musik und Wissenschaft vereinte.

Löbichau, günstig gelegen an den damals wichtigen Reiserouten von Berlin nach Wien und von Paris ins schöne Karlsbad, avancierte zu einem der wichtigsten Salons um 1800. Anna Dorothea von Kurland unterhielt erstklassige Beziehungen in die höchsten gesellschaftlichen Kreise Europas, was auch die Löbichauer Gästeliste widerspiegelt: Zar Alexander I., die Schriftsteller Johann Wolfgang von Goethe, Jean Paul, Elisa von der Recke, der Verleger Friedrich Arnold Brockhaus und der Freiheitskämpfer Theodor Körner reisten dorthin. Der Tagesablauf am Musenhof war zwanglos und den Höhepunkt des Tages bildete der Abend, der alle Gäste zur Teestunde im großen Saal des Schlosses versammelte. Es wurde geplaudert, philosophiert, gedichtet, getanzt und musiziert. Manchmal spielten die Gäste auch selbst Theater.

Auktionsheft von 1907, wo die gesamte Einrichtung des Schlosses Löbichau versteigert wurde (Sammlung Museum Burg Posterstein)
Auktionsheft von 1907, wo die gesamte Einrichtung des Schlosses Löbichau versteigert wurde (Sammlung Museum Burg Posterstein)

Die Freiheit der Sprache bildete das grundlegende Element dieses Salons. Jeder Anwesende durfte seine Meinung äußern, gleichermaßen, ob Mann oder Frau, Bürger oder Adliger, Künstler oder Politiker. Einzige Bedingung war, dass dies in höflichem Tonfall und respektvollem Umgang mit allen Beteiligten geschah.

„An keiner Fürstentafel ist solche Freiheit“, schreib 1819 der Dichter Jean Paul in einem Brief über die Löbichauer Gesellschaft. Und damit sind wir auch beim heutigen Thema unserer Lesezeit.

Jean Pauls Besuch in Löbichau

1819 reiste der bekannte Schriftsteller Johann Paul Friedrich Richter, besser bekannt als Jean Paul, begleitet von seinem Pudel, nach Löbichau. Anna Dorothea von Kurland hatte ihn auf ihrer Reise nach Bayreuth im Mai desselben Jahres persönlich auf ihren Landsitz eingeladen. Jean Paul folgte dieser Einladung gern. Am 31. August reiste er über Gera an und verließ die Gesellschaft erst am 17. September 1819. In ihrem Tagebuch berichtet die Herzogin von diesen besonderen Begegnungen.

Der Dichter Jean Paul besuchte Löbichau 1819 (Stich, Museum Burg Posterstein).
Der Dichter Jean Paul besuchte Löbichau 1819 (Stich, Museum Burg Posterstein).

3. Mai 1819

„Ich langte gestern gegen 3 Uhr in Baireuth an und schickte zu den Legationsrath Richter oder Jean Paul – […] und dan gab ich diesem ausgezeichneten Schriftsteller ein paar Stunden. Sein Äußeres hat nichts Aesthetisches – groß, stark und roth im Gesichte, Obzwar er sich der Brille bedient, so sind seine Augen verständig und Lebendig. Er scheint mir gemüthlich, seine Sprache ist schön, man möchte ihn hundert zungen goennen um alle seine Gedanken die sich drängen und viel Seitig sind auszudrücken. – es ist so viel Lebendigkeit in seinem Geistigen Wesen er spricht wie er schreibt, man hat dabey den Gewinn daß er zugleich die belege zu seine ansichten giebt und ihn gleich faßt und verstehet, in seinen Schriften muß man manche Stelle wiederholt Lesen um ihn fassen zu können. Er schien sich bey mir zu gefallen, und versprach mich diesen Sommer in Loebichau zu besuchen“

31.August

[…] reisen Pauline, die Ende […] und Marheinecke – Jean Paul bis Gera entgegen. […] Der Abend verging, u. Jean Paul war ganz Geist, so daß er sich späth abends müde fühlte.“

September 1819, Loebichau

1ter, Mitwoch:

„Nach dem Frühstück war die Unterhaltung mit Jean Paul recht Lebendig über den Zeit Geist und den Zeit Bedrängtnissen, über Politik und  über die Empfindung, die Unterhaltung allgemein interessierte, und meine, und seine Ansichten begegneten sich. – Als die Gesellschaft auseinander gegangen war ging ich zu Julien und Elise, woselbst das Gespräch mit Marheinecke und Feuerbach gleichfals Interesse hatte. Das Condordat zu Bayern, und die Art wie die Protestanten zu einer Sicherheit gelangten gleiche Rechte mit den Catholichen zu haben war der Gegenstand des Gesprächs. Während dem Diner war Jean Paul sehr Liebenswürdig,[…]“

3ten, Freitag:

„Jean Paul nahm Theil an der blinden Kuh –  Vorstellungen von Charaden und Sprichwörter  fanden auch statt.“

Salongäste in Löbichau (Bleistiftzeichnung, Museum Burg Posterstein)
Salongäste in Löbichau (Bleistiftzeichnung, Museum Burg Posterstein)

5ten, Sontag:

„Der Tag verging übrigens sehr froh. Es wurde zwar recht schön Musick gemacht – dann getanzt  wir alten nahmen theil daran, auch Jean Paul. nachher wurden im Chor frohe Lieder gesungen. Feuerbach froh gestimmt sang das Seinige mit declamation sehr gut es war ein gar Lustiges Lied. Jean Paul war ergoetzt und ganz Empfindung, der frohsinn, das Unbefangene hat sein ganzes Wesen zu Lauter poesie gemacht.“

6ter, Montag:

„Jean Paul dem die Liebe bey den Frauen das vorzüglichste ist hat uns alle heute zur Beichte aufgefordert – doch er wurde nicht ganz befriedigt, Einige mögen sich nicht mit ihren Geheimnißen bekannt machen, andere halten ihre besten Gefühle zu heilig um darüber zu sprechen. Den Abend wurde Musik gemacht, auch der junge Feuerbach, und die ältere Tochter der Eberhard spielten das piano.“

8ter, Mitwoch

„Den Nachmittag nach dem diner hatten wir eine Feyerlichkeit für Schink der uns in seinen vielen Gedichten stets Besingt und uns vorgestern ein schönes zartes Gedicht Frauenlob übereicht hatte. […] mein Saal war sehr erleuchtet – auf einer Anhöhe mit einem Teppich belangt saß ich in meinem Arm Stuhl […]

Aufnahme Frauenlobs des 2 ten am 8. September in Löbichau 1819, Aquarell, gemalt von Ernst Welker, Museum Burg Posterstein
Aufnahme Frauenlobs des 2 ten am 8. September in Löbichau 1819 (Aquarell, gemalt von Ernst Welker, Museum Burg Posterstein).

9ter September

„Es ist heute für mich ein Erinnerungs fest, daß seit 15 Jahren  stets war […] Wir frühstückten auf der Insel – nachher fuhren wir nach Tannenfeld. Nach dem diner  promenirten wir im Garten u. auf der Insel die Magisch erleuchtet war – frohe Lieder wurden angestellt. – Jean Paul war über die Erleuchtung entzückt die seine fantasie noch mehr belebte, er nennt sie Geister Insel denn die wankelnden Gestallten schien aus einer fernen Welt. Die Unsichtbaren“

13. September

Jean Paul und Tiedge lasen diesen Abend einiges vor.“

17. September

Täglich verringert sich die Zahl der Gesellschaft. Jean Paul verließ uns nach dem Frühstück.“

Im selben Jahr reiste Herzogin Anna Dorothea von Kurland noch einmal über Schleiz nach Bayreuth und traf dort am 11. Oktober 1819 Jean Paul und seine Familie wieder.

Gäste vor Schloss Löbichau (Sammlung Museum Burg Posterstein)
Gäste vor Schloss Löbichau (Sammlung Museum Burg Posterstein)

Zwei Jahre später verstarb Anna Dorothea nach langer Krankheit in Löbichau. Einige ihrer Tagebücher sind in der Thüringer Landes- und Universitätsbibliothek in Jena in der Sammlung Biron erhalten und in Teilen bereits digitalisiert. Viele Dokumente wurden noch von der Herzogin selbst vernichtet und sind der Nachwelt nicht mehr erhalten geblieben. Die Aufzeichnungen allerdings, die noch existieren, gehören zu den wichtigsten Zeugnissen ihres Lebens.

Sonderschau zum 200. Todestag der Herzogin von Kurland

Anlässlich des 200. Todestages der Herzogin von Kurland im Jahr 2021 zeigt das Museum Burg Posterstein eine Sonderausstellung über den Maler Ernst Welker, der mit einem Konvolut an Zeichnungen und Karikaturen das Leben in Löbichau und Tannenfeld zu Zeiten der Herzogin dokumentierte. Die Schau „Der Maler Ernst Welker im Salon der Herzogin von Kurland“ ist vom 1. August bis 14. November 2021 geplant. Weitere Informationen und Hintergründe zur Herzogin von Kurland, ihrem Leben und Wirken und zur Sonderschau 2021 können Sie im Museum Burg Posterstein erleben oder jederzeit auf unserer Website und im Blog entdecken!

Ich bedanke mich für Ihr Interesse und verabschiede mich bis zur nächsten Folge in der „LeseZEIT“ mit Geschichte und Geschichten aus dem Museum Burg Posterstein.

Von Franziska Engemann / Museum Burg Posterstein
Fotos & Schnitt: Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein


Kinder können Burg Posterstein im Lockdown digital entdecken

Burg Posterstein mit Burggeistern Posti und Stein

Das Museum Burg Posterstein stellt ein neues digitales Angebot für Familien mit Kindern vor: In der Zeit des Lockdowns kann die Burg und ihre Geschichte im Kinderblog des Museums digital erkundet werden. In Zusammenarbeit mit dem Thüringer Kulturpass gibt es sogar die Möglichkeit, sich für diesen digitalen Besuch einen Stempel im Kulturpass-Heft abzuholen. Dafür müssen kniffelige Rätselfragen gelöst werden.

Burggespenst Posti lässt Kinder hinter die Burgmauern blicken

Auf dem Bildschirm sieht man zunächst nur eine Ansicht der Burg Posterstein. Per Klick auf das Burggespenst Posti aber können Kinder sehen, wie es hinter den Mauern aussieht. Zum Beispiel hinter dem so genannten „Abort-Erker“, der sich an der Außenmauer der Burg befindet. Dabei erfährt man auch gleich, was die Menschen in früheren Zeiten statt Klopapier benutzten und ob ein Ritter in Rüstung überhaupt auf Toilette gehen konnte. – Das sind – völlig berechtigte! – von Kindern gestellte Fragen, die auch in der Familienausstellung „Die Kinderburg“ kurz und knapp erklärt werden. Andere Themen sind für den Schulunterricht relevant. Im Video „Warum heißt das Mittelalter Mittelalter?“ wird die Bezeichnung der Epoche in einfachen Sätzen und lustigen Zeichnungen zusammengefasst.

Zum Kinderburg-Blog

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Um eine der Kulturpass-Fragen zu beantworten, muss man sich das Video zum Mittelalter genauer ansehen.

Seit Jahren können sich Kinder, für ihren Besuch auf Burg Posterstein einen Stempel für ihren „Thüringer Kulturpass“ abholen. Haben sie 10 Stempel gesammelt, gibt es Preise und eine Urkunde. Der Thüringer Kulturpass wird von der Staatskanzlei finanziert und soll dazu beitragen, dass Kinder und Jugendliche Kultureinrichtungen spielerisch erkunden.

Auf Grund des langen Lockdowns – die Burg Posterstein ist bereits über 100 Tage geschlossen! – ist das derzeit nicht möglich. Deshalb gibt es nun die Möglichkeit, einige Einrichtungen auch digital zu besuchen und dafür einen Stempel zu bekommen. Mit dabei sind neben der Burg Posterstein auch die Wartburg, Kloster Veßra, das Residenzschloss Altenburg und einige andere Thüringer Museen. Um in allen teilnehmenden Museen digital Stempel zu sammeln, braucht man die App Actionbound.

Einen Kulturpass bekommt man über die Mehrfamilienkarte und das LKJ Thüringen sowie die meisten Theater, Museen, Bibliotheken und Jugendherbergen. In der neuen Auflage, die im März gedruckt sein wird, ist Burg Posterstein eine von mehreren Einrichtungen, die für 10 Stempel ein kleines Geschenk zur Verfügung stellen.

Feiert mit uns: 10 Jahre Blog “Geschichte & Geschichten”!

Hand hält Smartphone, auf dem der erste Blogpost des Blogs Geschichte und Geschichten des Museums Burg Posterstein geöffnet ist
Unser erster Blogpost gab einen kurzen Einblick in die Geschichte des Ritterguts Pölzig. Heute bildet er die Grundlage für einen Wikipedia-Eintrag zu diesem Rittergut.

Wir haben Grund zum Feiern: Im Februar 2021 wird unser Blog Geschichte und Geschichten 10 Jahre alt und noch immer gibt es viele interessante Geschichten aus der Geschichte zu erzählen. Feiert mit uns! Der Zeitpunkt könnte nicht besser passen, denn wir kehren 2021 in der Ausstellung #GartenEinsichten inhaltlich zum Ausgangspunkt zurück: Den Rittergütern im Altenburger Land und ihren Gärten. Vor zehn Jahren bildete die Fülle an interessanten Details für uns den Anlass, einen eigenen Museumsblog zu starten.

Der richtige Ort für Recherche-Ergebnisse

2010 zeigten wir die Ausstellung “Das alte Schloss sehn wir noch heut…”, die Fortsetzung einer ersten Ritterguts-Ausstellung 2007. Zusammen dokumentierten beide Sonderschauen und die dazugehörigen Publikationen sämtliche über 60 Rittergüter, die es vor der Bodenreform einmal auf dem Gebiet des heutigen Landkreises Altenburger Land gegeben hat. Viele davon sind heute völlig verschwunden, andere noch gut sichtbar.

All diese umfangreichen Recherchen, die damals vor allem Gustav Wolf, Vorsitzender der Geschichts- und Altertumsforschenden Gesellschaft des Osterlandes zu Altenburg (GAGO), leistete, sind auch langfristig für ein regionales Publikum interessant. Deshalb gingen wir neue Wege, um einen Teil der Recherchen nachhaltig öffentlich zugänglich zu machen. Die vielen interessanten Geschichten – für die ständige Ausstellung des Museums zu detailliert – sollten nicht wie die Rittergüter selbst im Nebel der Geschichte (bzw. im Archiv des Museums) verschwinden. Wir wollten ihnen stattdessen einen langlebigen, frei zugänglichen Platz geben.

Ein Stück Social-Media-Geschichte: TV Kabel Plus berichtete 2010 über das “Rittergut der Woche” auf der damals neuen Facebook-Seite des Museums Burg Posterstein.

Das richtige Format für unser Anliegen fanden wir nicht sofort. Zunächst veröffentlichten wir 2010 Beiträge als “Notizen” auf Facebook (Hand aufs Herz: Wer kennt diese Rubrik, die Facebook-Seiten einmal hatten, heute überhaupt noch?). Diese Notizen erwiesen sich als wenig sichtbar, gestaltbar und teilbar. Die Funktion wurde im Oktober 2020 (zurecht) eingestellt – und wenn wir ehrlich sind, ist es nicht einmal selbstverständlich, dass es Facebook nach all der Zeit noch gibt.

Warum ein Blog das bessere Format ist

Auch, um Herr über die eigenen Daten, Inhalte und Gestaltung zu sein, starteten wir den Blog “Geschichte und Geschichten”, zunächst als WordPress.com-Blog, später (werbefrei und sebstgehostet) als Subdomain unserer Website. Wie Facebook bietet ein Blog Möglichkeiten zur Interaktion mit dem Leser – per Kommentar. Die Beiträge sind gut teilbar in den flüchtigeren sozialen Netzwerken. Und vor allem: Sie können langfristig gefunden werden. Denn die meisten unserer Inhalte sind noch Jahrzehnte später interessant. Kommen neue Forschungsergebnisse dazu, können sie entweder ergänzt oder durch zusätzliche Artikel erweitert werden. Kennt jemand eine Info, die wir vergessen haben zu erwähnen, kann er sie per Kommentar hinzufügen und so ebenfalls langfristig sichtbar machen.

Im Augenblick arbeiten wir daran, alle Beiträge, Videos und Seiten zu den wichtigsten Forschungsergebnissen auf unserer Website übersichtlich zu bündeln und sie nach all den Jahren noch besser auffindbar zu machen. Hier sammeln wir beispielsweise alle unsere Inhalte zu den Rittergütern im Altenburger Land.

Am Anfang stand das Rittergut Pölzig

Unser erster Blogbeitrag widmete sich am 9. Februar 2011 unter der Überschrift “Über den kontinuierlichen Niedergang eines vornehmen Schlosses” der Geschichte des Ritterguts Pölzig, das nah an der Thüringer Landesgrenze zu Sachsen-Anhalt liegt. Der Beitrag erschien auch in einer englischen Fassung.

Ansichtskarte des Ritterguts Pölzig mit Schloss, Hauptstraße und Schwanenteich (Sammlung Museum Burg Posterstein)
Historische Ansichtskarte von Pölzig mit Schloss, Hauptstraße und Schwanenteich (Sammlung Museum Burg Posterstein)

Gibt man “Rittergut Pölzig” im Inkognito-Modus in die Suchmaschine ein, erscheint dieser Blogpost als zweites Suchergebnis direkt nach dem Wikipedia-Artikel zum Rittergut. Dieser – übrigens nicht von uns erstellte oder redigierte Artikel – stützt sich fast vollständig auf unsere Inhalte und verlinkt neben dem Blogpost auch unsere Google Map zu den Rittergütern des Landkreises (Achtung – Link zu Google Map, dort gilt die Datenschutz-Richtlinie von Google Maps), die wir 2010 im Zuge der Sonderschau anlegten und die seitdem rund 25.000 Mal aufgerufen wurde. Damit stellt dieser erste Post eine wichtige Quelle für die Überblicksrecherche zum Rittergut Pölzig dar.

10 Jahre in Zahlen

299 Blog-Beiträge vorwiegend auf Deutsch (91%), manchmal auf Englisch (9%), 6 Unterseiten und hunderte von Bildern später ist unser Blog ein fester Bestandteil unserer Museumsarbeit geworden. Mit der Ausstellung “Landschaft nach der Wismut” und der Weihnachtskrippen-Ausstellung fanden bereits zwei digitale Sonderschauen im Blog statt. Blog und Website haben jährlich zusammen über 600.000 Besucher, Tendenz steigend. Noch Jahre später finden Beiträge Leser. Hin und wieder ergeben sich Recherche-Kontakte oder wir bekommen Schenkungen von Menschen, die durch den Blog auf unsere Forschungs- und Sammlungsschwerpunkte aufmerksam geworden sind.

Zurück zu den Rittergütern – partizipativ

In diesem Jahr wenden wir uns in einer Sonderausstellung erneut einigen Rittergütern und ihren Gärten zu. Für die Ausstellung #GartenEinsichten: „Wie der Garten, so der Gärtner“ – Gartenkultur als Spiegel der Gesellschaft möchten wir neben der Gartenkultur im Allgemeinen und einigen Bauerngärten auch ausgewählte Rittergutsgärten in den Fokus rücken. Regionale Instagramer haben sich für uns auf fotografische Spurensuche begeben und versuchen, noch vorhandene Reste der einstigen Pracht zu dokumentieren. Welche Rittergutsgärten dabei im Blick stehen, zeigen wir auf einer neuen Google-Map (Achtung – Link zu Google Map, dort gilt die Datenschutz-Richtlinie von Google Maps).

Schloss Tannenfeld im Winter 2021
Auch der Park von Schloss Tannenfeld steht in unserer Ausstellung #GartenEinsichten wieder im Fokus der Kameralinsen.

Gleichzeitig rufen wir euch alle dazu auf, uns unter dem Hashtag #GartenEinsichten eure Lieblingsgärten (nicht nur im Altenburger Land!) zu zeigen oder uns zu erzählen, wie euer Garten der Zukunft aussehen sollte. Alle Beiträge werten wir aus und fassen sie im Blog zusammen. – Ein Aufruf dazu folgt demnächst hier im Blog!

Von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

Geduld ist der einzige Weg zum Ziel: Pläne, Probleme und Perspektiven in der Pandemie

Die Pandemie erfordert von uns allen: Geduld, Flexibilität, Mut und Kreativität. Das Museum Burg Posterstein musste 2020 von 15. März bis 15. Mai schließen. Danach konnten wir mit einem strengen Hygiene-Konzept wieder öffnen und erfreut feststellen, dass uns Tagestouristen und Stammbesucher nicht vergessen hatten und zahlreich besuchten. Seit 2. November 2020 befinden wir uns erneut im Lockdown. Ausstellungen und Veranstaltungen mussten abgesagt oder verschoben, Online-Alternativen entworfen und umgesetzt werden und auch jetzt ist nicht sicher, welche der für 2021 geplanten Ausstellungen tatsächlich stattfinden können.

Stehen wir in der Pandemie-Zeit nicht alle Kopf? Burg Posterstein-Spiegelung im Schnee (Foto: Museum Burg Posterstein)

Jörn Brunotte vom Blog beramus ruft Museen in der Blogparade #museumsforfuture dazu auf, ihre Erfahrungen zu teilen. Dieser Post ist unser Beitrag dazu.

Pläne trotz Pandemie

Zu keiner Zeit ist uns die Arbeit ausgegangen, denn Museumsarbeit umfasst weit mehr als die Ausstellungen, die im Haus zu sehen sind.

Einerseits haben wir in der Zeit der Lockdowns inzwischen drei Online-Ausstellungen und ein digitales Ferien-Programm zeigen können. Darüber hinaus haben wir im Lockdown und während der Öffnung unter Pandemie-Bedingungen mehrere verschiedene Formate für Ausstellungseröffnungen getestet (Livestream der Veranstaltung vor Ort mit begrenzter Teilnehmerzahl, Eröffnung per Live-Ansprache, Eröffnung per YouTube-Video, mehrtägige Eröffnung ohne festen Zeitpunkt, um den Besucherstrom zu entzerren).

Schloss Tannenfeld im Winter 2021 (Foto: Museum Burg Posterstein)
In der Ausstellung #GartenEinsichten wird auch der historische Park von Schloss Tannenfeld eine Rolle spielen – hier: Schloss Tannenfeld im Winter 2021 (Foto: Museum Burg Posterstein)

Für 2021 plant das Museum Burg Posterstein vier Sonderausstellungen. Sobald wieder geöffnet werden darf, startet die Schau „Manege frei! – Das Lindenau-Museum Altenburg zu Gast auf Burg Posterstein“. Im Anschluss zeigt das Museum die Sonderschau #GartenEinsichten: „Wie der Garten, so der Gärtner“ – Gartenkultur als Spiegel der Gesellschaft. Die Ausstellung ist der Postersteiner Beitrag zur Ausstellungsreihe „Grünes im Quadrat“ der vier Museen im Altenburger Land (Lindenau-Museum Altenburg, Residenzschloss Altenburg, Naturkundemuseum Mauritianum und Museum Burg Posterstein). Zum 200. Todestag der Herzogin von Kurland stellt das regionalgeschichtliche Museum Burg Posterstein dann den Maler Ernst Welker in den Mittelpunkt der Ausstellung “Der Maler Ernst Welker im Salon der Herzogin von Kurland”. Denn Welkers Geschichte ist eng mit der der Herzogin verknüpft. Inhaltlich geht es nicht nur um Welkers Kunst, sondern auch um den Salon im nahen Löbichau und um das Reisen zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Den Abschluss des Ausstellungsjahres bildet in der Adventszeit die traditionelle Weihnachtskrippen-Ausstellung.

Andererseits nutzen wir die Zeit und die im Rahmen von „Neustart“ erhaltenen Fördermittel zum Aus- und Umbau unseres Online-Auftritts: Mit Videos in Gebärdensprache, Texten in leichter Sprache, mehr Videos, größerer Schrift und höheren Kontrasten ist unsere Website barrierefrei geworden. Der Relaunch ist noch nicht vollständig abgeschlossen, denn derzeit folgt die kontinuierliche Überarbeitung aller Homepage-Texte. Mitgedacht wird dabei die Digitalisierung der Sammlung, immer in Verbindung mit Vermittlungsansätzen und Online-Ausstellungen wie beispielsweise im Hinblick auf die digitale Weihnachtskrippen-Ausstellung, die einen ersten Schritt zur Digitalisierung der Weihnachtskrippen-Sammlung darstellt.

Blick auf Burg Posterstein und die Ruine des Nordflügels im Dezember 2021
Blick auf Burg Posterstein und die Ruine des Nordflügels im Dezember 2021 (Foto: Museum Burg Posterstein)

Ein dritter Schwerpunkt unserer derzeitigen Arbeit liegt in der Planung des Neubaus des in den 1950er Jahren abgerissenen Nordflügels der Burg. Nachdem sich der Kreistag des Landkreises Altenburger Land als Eigentümer der Burg Posterstein im September 2020 zum Wiederaufbau bekannt hat, konnte nun das bereits vor längerer Zeit durch uns selbst erarbeitete Konzept und die dazu gehörige Planung beim Fördermittelgeber eingereicht werden. Wir sind zuversichtlich, dass die Realisierung in den nächsten drei Jahren erfolgen kann. Der Wiederaufbau des einstigen Repräsentationsflügels der Burg soll uns in die Lage versetzen, einen ganzen Bereich für moderne Vermittlungsformen bereitzuhalten, die Ausstellungen barrierefrei zu erschließen, den Service zu verbessern und nicht zuletzt unsere Sammlungen besser unterzubringen. Die Umsetzung dieses größten Bauvorhabens der Geschichte unseres Museums wird auf der Webseite in einer Art Bautagebuch dokumentiert.

Erkenntnisse aus der Pandemie

Wir sind als Museum finanziell abhängig von Eintrittsgeldern – das haben uns die langen Schließzeiten schmerzlich bewusst gemacht. Während die Besucherzahl vor Ort 2020 um die Hälfte eingebrochen ist, blieb die Zahl der Website und Blog-Besucher stabil. Experimente mit der Refinanzierung digitaler Angebote (z.B. durch Spenden-Buttons bei Online-Ausstellungen, die Möglichkeit beim Online-Einkauf über „Wecanhelp“ gratis zu spenden, etc.) wurden nur verhalten genutzt. Eine wichtige Erkenntnis aus der Pandemie ist für uns, dass die Beschaffung von Geldern zur Finanzierung unserer musealen Arbeit immer höhere Priorität bekommt. Das umfasst vor allem das Akquirieren von Fördergeldern und Spenden. Wir rechnen fest damit, dass weiterhin finanzielle Unterstützung vom Land Thüringen für die Museen kommt.

Familien-Besuch auf Burg Posterstein im Pandemie-Jahr 2020
Auch 2021 sind Konzepte gefragt, die ohne klassische Führung auskommen: Kinder in der Familien-Ausstellung “Die Kinderburg” auf Burg Posterstein im Pandemie-Jahr 2020

Wir gehen aktuell auch davon aus, dass wir das Museum frühestens im Frühjahr mit unserem bestehenden Hygiene-Konzept wieder öffnen können. Großveranstaltungen und Führungen in bisheriger Form werden sicherlich auch dann noch nicht wieder stattfinden können. Wir arbeiten dafür an neuen Konzepten für Führungen (z.B. Kuratoren-Videos in der Ausstellung, selbstgeführte thematische Touren durch das Museum) und an neuen Veranstaltungsformaten (z.B. Kombinationen aus Livestream und Präsenzveranstaltungen).

Digitale Ansätze tragen uns nicht nur durch die schwierige Pandemie-Zeit, sondern sind derzeit unser heißer Draht zu unseren Besuchern und Stammgästen. Unser intensives digitales Engagement hilft uns, mit unseren Besuchern in Kontakt zu bleiben, über unsere Pläne und Arbeit hinter den Kulissen zu informieren und uns nach dem Lockdown schnell und problemlos auch physisch wieder zusammenzubringen.

Bis es so weit ist, befolgen wir den Rat des Sachsen-Gotha-Altenburgischen Ministers Hans Wilhelm von Thümmel, der schon 1821 in einem Aphorismus schrieb:

Ungeduld quält sich und Andere, und weiß doch nur zu gut, daß Geduld der einzige Weg zum Ziel ist.

(Thümmel, Aphorismen 1821, Nr.3)

von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein