Die #Schlössersafari wird weitergehen: Auswertung der Ausstellung „Versteckte Orte“ auf Burg Posterstein

Die Ausstellung #Schlössersafari von 24. Februar bis 12. Mai 2019 auf Burg Posterstein verband analog und digital und lud zum Mitgestalten ein.

Die Ausstellung „Versteckte Orte: Instagramer auf #Schlössersafari in Mitteldeutschland“ (24. Februar bis 12. Mai 2019) fand als interaktive Community-Ausstellung statt: 7 Instagramer aus Mitteldeutschland wählten je 7 Bilder von Schlössern und Burgen aus Sachsen, Thüringen und Brandenburg, die sie dem Publikum vorstellen wollten. Insgesamt sahen sich etwa 3000 Besucher die Ausstellung vor Ort an. Im Folgenden wollen wir die Ausstellung, die ähnlich wie 2018 #SalonEuropa digital und analog stattfand, zusammenfassen und einen Ausblick für die Fortführung der #Schlössersafari wagen. Der Blogpost erscheint anlässlich der internationalen Museumswoche #MuseumWeek zum Thema #PhotoMW.

Blick in die Ausstellung “Versteckte Orte” auf Burg Posterstein

1. Die Ausstellung vor Ort

An der Ausstellung beteiligt waren:

Cindy Hiller @chillerunterwegs
Sandro Deus @fineartinsilver
Frank Burchert @franksfotografie
Simone Stahn @silentfotografie_simone
Romy @sosfernweh
Patrick Weidenmueller @vogtland_prinz
Manja Reinhardt @vogtlandzauber

Dazu gab es kurze, an Instagram-Bildunterschriften orientierte Infos zu den ausgestellten Orten und Kurzportraits der Fotografen. Keiner der teilnehmenden Instagramer hat eine professionelle Fotografie-Ausbildung. Es ging um die Gemeinschaft und das gemeinsame Hobby, interessante Orte zu fotografieren und online zu teilen.

Auf der Jagd nach dem schönsten Fotomotiv auf dem Insta-Walk zur #Schlössersafari auf Burg Posterstein

Uns hat diese Art des Kulturerlebens fasziniert, denn jede Woche besuchen unser Museum Menschen, die über Instagram auf uns Aufmerksam geworden sind. Auf Instagram gibt es eine Szene von Schlösser- und Burgenfans, gepaart mit einer Leidenschaft für die Fotografie, die sich gegenseitig neue Motive empfehlen, die sich austauschen und Tipps geben. Gleichzeitig sind diese Instagramer eine neue Art Kulturvermittler, die die Schönheit ihrer Region in die Welt hinaus tragen wollen. Dieses Gemeinschaftsgefühl holten wir mit der Ausstellung ein Stück weit ins Museum und wollten gleichzeitig die Besucher dazu einladen, selbst ihre Region zu erkunden – ob nun mit oder ohne Kamera.

Das Museum Burg Posterstein ist seit 2016 auf Instagram aktiv und steht in regem Austausch mit einer kultur- und landschaftsinteressierten Community. Auswahlkriterien für die Ausstellung waren nicht nur fotografisches Können, Motivwahl und Reichweite, sondern auch die seit langem währende aktive Kommunikation auf Augenhöhe.

Kleines, nicht ganz vollständiges Gruppenbild vor der Burg Posterstein – nach vielen Wochen Zusammenarbeit und herzlichem Austausch fühlte es sich die “Abschluss-Safari” am Ende der Ausstellung an wie ein fröhliches Klassentreffen.

Die Ausstellung und Teile des Begleitprogramms planten wir in engem Austausch gemeinsam. Uns war es wichtig, dass alle Beteiligten von der Ausstellung profitieren. Nicht nur das Museum erzielte durch die konstante gemeinsame Bewerbung des Projekts eine höhere Aufmerksamkeit, sondern auch die Blogger und Instagramer, die uns erwähnen und/oder mit uns zusammenarbeiten, sollten möglichst einen Mehrwert davon haben.

Manja Reinhardt vom Blog „Vogtland-Zauber“ beschreibt ihr Erlebnis, ihre Fotos zum ersten Mal in der Ausstellung zu sehen so: „Danke an die Besucher des ersten Tages, von denen schon ein unwahrscheinlich positives Feedback kam. Ich konnte im Vorfeld nicht richtig einschätzen, wie die Ausstellung ankommen wird. Immerhin ist sie eine Art Experiment. Wir sind alle keine professionellen Fotografen. Uns geht es um einen Austausch mit unseren Followern. Wir möchten zeigen, wie schön unsere Umgebung ist und das es sich lohnt die Augen dafür zu öffnen. Bislang waren wir dazu aber nur auf Instagram und zum Teil in unseren Blogs aktiv. Die Ausstellung überführt nun das soziale Medium Instagram in die Realität.“

Darüber hinaus standen die weitere Vernetzung und der Austausch über die Kulturschätze der Region im Mittelpunkt von Ausstellung und Begleitprogramm. Über den Hashtag #Schlössersafari bestand im Internet die Möglichkeit, der Ausstellung eigene Inhalte, Bilder und Ausflugstipps hinzuzufügen.

Die Ausstellung kam bei den Besuchern vor Ort sehr gut an. Es kamen Gespräche über die verschiedenen Orte zustande und für viele war die Ausstellung Anregung zu neuen Ausflügen – ein nicht zu unterschätzender touristischer Effekt.

2. Das Begleitprogramm zur Ausstellung

Zur Ausstellung gab es ein umfangreiches Begleitprogramm, das viel Gelegenheit zur Vernetzung und zum Austausch vor Ort bot.

Die Ausstellung eröffneten wir mit einem lockeren, interessanten Gespräch übers Fotografieren für Instagram. (Foto: @vogtlandzauber)

Podiumsgespräch

Die Ausstellung eröffneten wir mit einem Podiumsgespräch, an dem alle ausstellenden Instagramer teilnahmen. Sie erzählten, warum sie gern fotografierten und was Instagram für sie bedeutet. Dabei stellten sich durchaus ganz unterschiedliche Schwerpunkte und Herangehensweisen heraus. Gleichzeitig ging es auch um den Kontakt zu Museen und Eigentümern historischer Gebäude. Für viele sei es ein Augenöffner, wenn Leute „aus dem Internet“ plötzlich vor der Tür stünden.

Dieses Bild entstand beim Fotokurs fürs Smartphone, wo es verstärkt um die technischen Aspekte des Fotografierens ging.

Fotokurs fürs Smartphone

Darüber hinaus führt die Erfurter Fotografin Melanie Kahl (@fototour_thueringen und @surprise23) am 9. März 2019 einen Fotokurs fürs Smartphone auf Burg Posterstein durch. In einer gemütlichen Runde von zehn Leuten ging es in fünf Stunden zuerst durch die Postersteiner Kirche (Achtung, sie kann nur über Führung durch die Kirchgemeinde Nöbdenitz besichtigt werden!) und dann durch die Burg. Zum Abschluss gab es hilfreiche Tipps zum Bearbeiten der Fotos direkt am Smartphone und zum Teilen auf Instagram.

Fotomotiv entdeckt! – Beim Instawalk durch Posterstein (Foto: @b_und_p_europareisen)

Instawalk durch Posterstein und Tannenfeld

Die Blogger von @vogtlandzauber, die auch an der Ausstellung beteiligt waren, luden am 13. April zum Insta-Walk ein. Wir besuchten die Ausstellung und die Burg bei einer kurzweiligen Führung und öffneten auch eine Treppe, die Besuchern sonst nicht zugänglich ist. Anschließend ging es ins Herrenhaus neben der Burg, das seit 2015 von Gemeinde und Förderverein Burgberg Posterstein e.V. aufwändig saniert wird und genossen die Aussicht vom Balkon der neuen Ferienwohnung. Durch den Burgpark ging es durch den Ort Posterstein zur Gaststätte “Zur Deftigen Pfanne”, wo es beim Mittagessen Zeit für Gespräche gab. Zum Anschluss besuchten wir noch den schönen Park von Tannenfeld. Von Sonne bis Schnee hat uns das Aprilwetter alles geboten! Ein Dankeschön geht an @vogtlandzauber @altenburger_senf und @tourismus.altenburger.land für die “scharfen” Überraschungstüten, die es als Geschenk gab.

Die weiteste Anreise zum Insta-Walk hatte @konnexart, die über den Blogger Michael Bauer auf die #Schlössersafari aufmerksam geworden ist.

Es nahmen teil:@vogtlandzauber @vogtland_prinz @silentfotografie_simone @franksfotografie @fineartinsilver @chillerunterwegs @aviator1964 @ich_seh_komische_sachen @ted_ys_nerdbude @konnexart @rena.lilly @b_und_p_europareisen @severin0407 @andreasweberphotography und @porstainn sowie @altenburgtv3305 und die Ostthüringer Zeitung.

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Abschluss-Safari

Am letzten Tag der Ausstellung, dem 12. Mai 2019, fassten wir gemeinsam mit den Ausstellenden das Projekt zusammen. Schon vorher stand fest, dass die Idee #Schlössersafari weiterleben wird. In welcher Form sollte am letzten Tag der Ausstellung gemeinsam – auch mit dem Publikum – entschieden werden. Es gab bereits erste Ideen für zukünftige gemeinsame Foto-Ausflüge im Zeichen der #Schlössersafari. So ist geplant, regelmäßig zu offenen #Schlössersafaris einzuladen – nicht nur auf Burg Posterstein, sondern überall, wo sich interessante Motive finden. Darüber hinaus soll die Ausstellung selbst auf #Schlössersafari gehen dürfen – idealerweise soll sie natürlich in Schlössern und Burgen zu sehen sein und sie kann in Absprache durchaus ergänzt und erweitert werden. Bei Interesse melden Sie sich gern per E-Mail. Eine Fortsetzung der #Schlössersafari Anfang 2020 auf Burg Mylau steht schon in Aussicht!!!

Passiert uns auch nicht häufig, dass WIR zum Ende einer Ausstellung beschenkt werden. Herzlichen Dank an die 7 Instagramer!

Der Hashtag #Schlössersafari ist jedenfalls etabliert und in Zukunft weiter genutzt werden.

3. Die #Schlössersafari auf Instagram

Am 2. Dezember trafen wir uns zum ersten Mal zur Planung der gemeinsamen Ausstellungen mit den sieben beteiligten Instagramern. Patrick Weidenmüller erzählte in der gemütlichen Runde, dass er an den Wochenenden gerne auf “Fotosafari” gehe. Perfekt, dachten wir! Mit der Kamera auf der Pirsch nach tollen Motiven – der Hashtag #Schlössersafari war geboren! Auf Instagram war bisher auch noch niemand darauf bekommen, die Suche lieferte 0 Treffer. Gleich nach dem Treffen machten wir den Hashtag zum ersten Mal bekannt – das erste Foto teilte Patrick Weidenmüller direkt aus der Burg.

Das war der Startschuss für die #Schlössersafari

Im Laufe der Ausstellung wurden rund 2300 Bilder aus ganz Europa unter dem Schlagwort #Schlössersafari geteilt, darunter glücklicherweise kaum Spam (maximal eine Handvoll Bilder passte von der Motivwahl nur bedingt zum Thema der #Schlössersafari und wurde für Werbezwecke benutzt). Der Großteil der Bilder zeigte tatsächlich Schlösser und Burgen, aber auch einige Kirchen und andere historische Gebäude sind geteilt wurden – und übrigens war auch in der Ausstellung vor Ort die Bergkirche Beucha vertreten, um nur ein Beispiel zu nennen. Einige Leute haben nachträglich ältere Bilder mit dem Hashtag versehen, sodass beim Scrollen durch die Timeline auch Bilder aus den Vorjahren auftauchen. Schnell bewegte sich die #Schlössersafari über Mitteldeutschland hinaus, dann über Deutschland hinaus und in Einzelfällen auch über Europa hinaus in die USA und nach Asien. Natürlich sind unter den geteilten Motiven viele der großen Instagram-Klassiker von Burg Eltz bis Schloss Moritzburg. Aber es kamen durchaus interessante, “versteckte Orte” in den Fokus, die wir vorher noch gar nicht kannten.

Auf dem Bildschirm in der Ausstellung liefen die unter mit Hashtag #Schlössersafari geteilten Bilder in Schleife.

Die Bilder waren auf einem großen Bildschirm in der Ausstellung zu sehen, die neusten zuerst, und nicht selten warteten Besucher vor dem Bildschirm auf ihr Bild.

So sieht beispielhaft für alle anderen eine der vielen Instagram-Storys zur #Schlössersafari aus.

Die schönsten dieser Fotos teilten wir in unserer Instagram-Story. Die in der Story geteilten Bilder sind immer nur 24 Stunden abrufbar und jedes so geteilte Bild wurde im Schnitt 300 Mal angesehen. Man kann die #Schlössersafari-Storys jetzt im Nachhinein noch über das Instagram-Profil der Burg Posterstein ansehen, z.B. hier, hier, hier, hier, hier und hier.

Teilgenommen haben vor allem Privatpersonen aus allen Teilen Deutschlands. Viele versahen ihre Bilder zusätzlich mit historischen Infos zu den abgebildeten Orten. Die Liste unserer festen Begleiter in den 11 Ausstellungswochen ist lang – zum Beispiel: die Burgdame aus Paderborn, Thomaskrm aus Aschaffenburg, burgenland.ffm aus Frankfurt am Main, Frankenherz aus Franken, Michael Bauer aus Mannheim, Dirk Baum aus Sachsen, Jan Winfried aus Sachsen sowie natürlich zylwanazementa, thtischi, der_lichtminister, pauldylla, bartzi27, museumscast, haltelinie, b_und_p_europareisen, dirkbuchner67, ankehoelzel, hbyfgf.sascha.wiedemann und viele mehr! Manche von ihnen kommen sogar aus dem europäischen Ausland.

Bitte verzeiht, dass wir hier nicht alle nennen können!

Es schlossen sich aber auch einige Tourismus-Accounts, Schlösser und Burgen an wie z.B. Schlösserland Sachsen, Sachsentourismus, Schlösserverwaltung Bayern, Stiftung Preußische Schlösser und Gärten, Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Schloss Leubnitz und Schloss Kuckuckstein.

Aber gerade in Thüringen hätte es noch Potential gegeben, die kulturellen Schätze vor Ort vorzuzeigen und mit dem Hashtag ein neues, manchmal größeres Publikum zu erreichen. Weder Thüringen Tourismus (hier wird die reiche Thüringer Burgen- und Schlösserlandschaft immer noch nicht wirklich als touristisch relevant betrachtet) noch die anderen Thüringer Burgen und Schlösser beteiligten sich maßgeblich (was sicherlich auch daran liegt, dass SocialMedia-Kanäle kaum genutzt werden). Nur wenige wie die Schlösserstiftung Thüringen und sporadisch das Residenzschloss Altenburg beteiligten sich überhaupt.

4. Spontane #Schlössersafaris

Eine besondere, positive Überraschung war für uns die herzliche und engagierte Begleitung unserer Ausstellung durch andere Blogger und Instagramer. Einige davon sollen hier stellvertretend für alle anderen dankend erwähnt werden.

Zur Eröffnung lud uns Katja Eidam vom Museums-Podcast Museumscast zum Livestream-Interview auf Instagram zur #Schlössersafari ein. Es war das erste Mal, dass wir das Medium testeten, weshalb der Livestream quasi live von Katjas Account auf den Account der Burg wechseln musste und ich zwischendrin noch auf ein Smartphone mit kräftigerem Akku umsteigen musste. Aber trotz allem und trotz kurzer Vorankündigung haben über 100 Leute reingeschaut und während des Livestreams teilweise sehr freundlich kommentiert.

Die spontane Straßenbahn-Safari von Michael Bauer begleiteten wir per Instagram-Story und auch auf Twitter.

Zum einen ist da der Blogger Michael Bauer aus Mannheim, der gleich zu Beginn der Ausstellung eine Art Social Media Happening zur #Schlössersafari ankündigte und dann auch – live übertragen via Twitter und Instagram – durchführte. Weil die Straßenbahnlinie 5, die Mannheim und Heidelberg verbindet, an insgesamt 9 Schlössern vorbei führt, ging er einen Tag lang auf „Straßenbahn-Safari“ und bloggte auch darüber. Wir begleiteten die Aktion in der Instagram-Story. Inspiriert von unserer Ausstellung #Schlössersafari und angeregt durch die Ankündigung der nächsten Ausstellung „Zum Wesen des Staubes: Staubexpeditionen auf Burg Posterstein“ begab er sich später noch mehrmals auf „Blütenstaubsafari“, was er auch wieder auf Instagram und in seinem Blog in Foto und Video teilte.

Der Dresdner Blogger „Der Baum“ kündigte ebenfalls in seinem Blog an, die Ausstellung mit täglich einem Bild aus seinem umfangreichen Archiv zu begleiten. Dazu legte er extra einen Instagram-Account an und bereicherte die Ausstellung mit täglich neuen, oft sehr „versteckten“ Orten, die er zeitgleich auch auf Twitter teilte. Natürlich trafen wir uns auch auf einen Kaffee und ein gemütliches Gespräch in der Ausstellung.

Mit diesem Foto beendete @dirk_derbaum seine fast 90 Tage währende persönliche #Schlössersafari.

Im Anschluss an den gemeinsamen Insta-Walk, zu dem @konnexart extra aus Heidelberg angereist war, trafen sich Patrick Weidenmüller (@vogtlandprinz), Michael Bauer und Julia Kieser @konnexart im Schloss Bruchsal zur gemeinsamen Schlössersafari. Neuen gemeinsamen Ausflügen steht nichts im Weg. – Eine Anmerkung: Obwohl getaggt und auf Instagram aktiv nahm man auf Schloss Bruchsal von den Instagramern nicht weiter Notiz. Eine verpasste Chance zur Interaktion!

Ein Bild aus der Reihe “Instagramer bei der Arbeit” – @vogtland_prinz auf Schloss Bruchsal (Foto: @michlbower)

Auch einige Mitglieder des Museumsvereins Burg Posterstein gingen  inspiriert durch die Ausstellung auf #Schlössersafari im Erzgebirge. Hier berichten sie davon.

Dieses schöne Bild gab es von @hbyfgf.sascha.wiedemann auch als Poster!

Nach regen Austausch auf Instagram überraschte uns Sascha Wiedemann
@hbyfgf.sascha.wiedemann mit einem Poster von seinem Bild von Burg Posterstein. Wir konnten die Ausstellung zwar nicht spontan erweitern, haben uns aber wahnsinnig gefreut!

Als Museum neue Wege gehen

Ein Ausstellungskonzept wie dieses hat es im regionalgeschichtlichen Museum Burg Posterstein noch nicht gegeben: Es vermischt Fotografie, regionale Geschichte und Teilhabe.

Social Media ist für uns im Museum Burg Posterstein nicht nur ein reines Marketingtool, sondern ein wichtiger Kanal für die Wissensvermittlung, die zu den Kernaufgaben eines Museums zählt. Wir sind der Meinung, dass unser Bildungsauftrag nicht auf der Burgbrücke endet, sondern auch im virtuellen Raum weiter besteht. Auf der Website, im Blog und auf unseren Social Media-Kanälen geht es deshalb nicht um reine Information, sondern um Inhalte, um Geschichte und Geschichten mitsamt der Möglichkeit zur Interaktion und Teilhabe. Wir erhoffen uns davon, dem Museum auf diese Weise auch in Zukunft seinen festen Platz in der Gesellschaft zu sichern. Die Marketingarbeit des Museums Burg Posterstein schaut bewusst über den Tellerrand und nimmt die ganze Region, das Bundesland Thüringen und ganz Deutschland in den Blick.


Man muss ein Stück weit die Kontrolle abgeben und sich überraschen lassen.

Die Herausforderung einer solchen Ausstellung wie die #Schlössersafari war, dass man am Anfang noch nicht wusste, wie gut das Ausstellungsteam harmoniert, ob die Wünsche und Erwartungen weit auseinander gehen und wohin sich das Projekt entwickeln würde. Man muss ein Stück weit die Kontrolle abgeben und sich überraschen lassen. Natürlich kannten wir alle Beteiligten schon über den regelmäßigen Austausch auf Instagram. In unserem Fall haben wir uns im Vorfeld zweimal getroffen und die Zusammenarbeit dann per Messenger App koordiniert. Die Gruppe der Instagramer passte prima zusammen, es war ein herzliches Miteinander und alle haben sich voller Motivation und sehr zuverlässig in die Umsetzung der Ausstellung und deren Kommunikation eingebracht.

So sah die Ausstellung vor Ort aus – hier sind Fotos von @franksfotografie zu sehen.

Die Ausstellung hat uns noch enger mit unseren Besuchern – unserer „Community“ – zusammenrücken lassen und in direkten Kontakt gebracht. Sei es durch Besuche vor Ort und den täglichen, persönlichen Austausch auf Instagram, Twitter und Facebook. Es ist toll, wenn zum Beispiel Patrick Weidenmüller Burg Posterstein als seine „Hausburg“ bezeichnet oder wenn zum Ende der Ausstellung bereits neue Treffen zu neuen gemeinsamen Foto-Touren geplant werden. In einigen Fällen sind durch Ausstellung und Instawalk aus vorher begeisterten Hobbyfotografen durch die persönliche Begegnung mit der #Schlössersafari begeisterte Instagramer geworden, die sich ihrerseits vernetzen.

Nachgefragt – der Kommentar von @haltelinie

Die Nachfrage “Was hat euch die #Schlössersafari gebracht?” per Instagram-Post und Story brachte auch ein paar Antworten: “Viele schöne Bilder, Dankeschön dafür an alle Beteiligten.” (@umbraresk), “So viele Burgen und Schlösser, von denen man sonst nie etwas gesehen hätte” (@michlbower)  “Viele Hinweise auf Ausflugsziele und spannende Instagramprofile” (@haltelinie), “Eine Menge Spaß und nette Begegnungen.” (@vogtland_prinz), “Vor allem hat es Spaß gemacht, war eine schöne Idee.” (@burgdame), “Leute kennengelernt (tolle Kontakte) und viel über die Burg, Umgebung, .. gelernt.” (@hbyfgf.sascha.wiedemann). Selbst @dirk_derbaum, der bereits hunderte Schlösser besucht hat und auch darüber digital Buch führt, hat durch die Ausstellung noch weitere entdeckt. @residalex kommentierte: Durch die #Schlössersafari “gelangte man ‘in die Schlösser hinein’ und es wurde einem “die großartige thüringische und überregionale Kultur gezeigt und das in Form einer Art Schlösserkultur, welche sich damit entwickelte.”

Man kann sagen, dass für die Teilnehmer der Spaß, das Netzwerken untereinander und das Entdecken neuer Ausflugsziele im Vordergrund stand – wie sollte es auch anders sein, denn es geht um eine Art, seine Freizeit zu verbringen. Es fand ein Austausch weit über Mitteldeutschland hinaus statt und der Hashtag #Schlössersafari wird nicht nur durch die Wanderschaft der Ausstellung auch in Zukunft weiter genutzt werden.

Von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

Die Ausstellung “Versteckte Orte”: Romy @sosfernweh im Portrait

Schloss Wolfsbrunn – fotografiert von Romy @sosfernweh für die Ausstellung “Versteckte Orte”

Nur noch bis 12. Mai 2019 ist die Ausstellung “Versteckte Orte: Instagramer auf #Schlössersafari in Mitteldeutschland” auf Burg Posterstein zu sehen. 7 Instagramer zeigen in 49 Bildern Schlösser und Burgen ihrer Region. Über den Instagram-Hashtag #Schlössersafari hat jeder die Möglichkeit, der Ausstellung eigene Bilder hinzuzufügen. Am 12. Mai, ab 16 Uhr, fassen wir gemeinsam mit den Ausstellenden das Projekt zusammen. Schon jetzt steht fest, dass die Idee #Schlössersafari weiterleben wird. In welcher Form soll am letzten Tag der Ausstellung gemeinsam – auch mit dem Publikum – entschieden werden. An der Postersteiner Ausstellung beteiligt sind Cindy Hiller (auf Instagram zu finden unter @chillerunterwegs), Sandro Deus (@fineartinsilver), Frank Burchert (@franksfotografie), Simone Stahn (@silentfotografie_simone), Romy (@sosfernweh), Patrick Weidenmueller (@vogtland_prinz) und Manja Reinhardt (@vogtlandzauber). In diesem Portrait steht Romy im Mittelpunkt. Im Internet findet man sie als @sosfernweh auf Instagram, auf Facebook und in ihrem Blog.

Dies ist der achte Teil unserer Blogpost-Reihe zur #Schlössersafari. Hier geht’s zum Überblick (Teil 1).

Beim Fotografieren ist Romy der Blick fürs Detail wichtig.

Romy ist in ihrer Freizeit gern mit ihrer Kamera unterwegs. Ihr Interesse gilt dem auf den ersten Blick unscheinbaren Details, den Schönheiten am Wegesrand, die beim schnellen Vorbeigehen oft übersehen werden. Auf ihrem Foto-Blog teilt sie Bilder und Gedanken auf Englisch. Für die Ausstellung “Versteckte Orte” wählte sie unter anderem versteckte Blickwinkel auf Blumen und Raumstrukturen in Schlössern und Burgen. Im Interview erzählt sie von ihrem Hobby.

Warum fotografierst du?

Alles entstand aus dem eigenen Überlebenswillen heraus und weil ich Menschen mit meinen Bildern erreichen möchte. Ich möchte sie zum Hinsehen bewegen, denn es gibt so vieles, was wir im Alltag nicht mehr wahrnehmen.

Blick in die Ausstellung “Versteckte Orte” mit Fotos von Romy @sosfernweh

Wie fotografierst du?

Mit meiner Canon EOS M 100. Halte ich sie in Händen, werden wir zu einem Team.

Welche Motive interessieren dich?

Alles kann Motiv sein – ob mit dem Auge wahrgenommen oder später mit dem Objektiv. Es ist alles interessant und schön.

Romys Bilder in der Ausstellung “Versteckte Orte” auf Burg Posterstein

Warum teilst du deine Bilder auf Instagram?

Um viele Menschen auf der ganzen Welt erreichen zu können und zu triggern.

Welches ist dein interessantestes Instagram-Erlebnis?

Wie auch auf vielen meiner Fototouren öffnen mir Menschen ihr Herz. So auch auf Instagram und das ist immer wieder sehr bewegend.

Welchen Einfluss hat Instagram auf dich und deine Bilder?

Keinen. Ich fotografiere was ich möchte ohne auf eine Plattform oder Zielgruppe zu schauen.

Für die Ausstellung “Versteckte Orte” hat Romy folgende Schlösser ausgesucht:

Burg Kriebstein
Burg Posterstein
Schloss Rochlitz
Leuchtenburg
Schloss Wolfsbrunn
Schloss Blankenhain
Burg Stein

Die Ausstellung “Versteckte Orte”: Cindy Hiller im Portrait

Schloss Wölkau – fotografiert von Cindy Hiller @unterwegsimhinterland

Die interaktive Ausstellung “Versteckte Orte: Instagramer auf #Schlössersafari in Mitteldeutschland” verbindet digital und analog. 49 Fotos von Schlössern und Burgen in Sachsen, Thüringen und Brandenburg, die auf Instagram veröffentlicht wurden, sind bis 12. Mai 2019 als klassische Fotodrucke im Museum zu sehen – versehen mit Bildbeschreibung, Hashtags und Accountnamen der Fotografen. Gleichzeitig gibt es für alle die Möglichkeit, über den Hashtag #Schlössersafari eigene Bilder zu ergänzen. Schon über 1700 Bilder sind inzwischen geteilt worden. In der Ausstellung und hier im Blog stellen wir die sieben ausstellenden Instagramer und ihre Bilder und Beweggründe vor. Mit dabei sind Cindy Hiller (auf Instagram zu finden unter @chillerunterwegs), Sandro Deus (@fineartinsilver), Frank Burchert (@franksfotografie), Simone Stahn (@silentfotografie_simone), Romy (@sosfernweh), Patrick Weidenmueller (@vogtland_prinz) und Manja Reinhardt (@vogtlandzauber). In diesem Portrait steht Cindy Hiller aus Leipzig im Mittelpunkt. Auf Instagram findet man sie unter @chillerunterwegs . Hier geht es zu ihrem Blog.

Dies ist Teil 4 unserer neuen Blogpost-Reihe. Hier geht’s zum Überblick (Teil 1).

Das Profilbild von Cindy Hiller

Cindy Hiller ist in ihrer Freizeit gern “unterwegs im Hinterland”, wie schon ihr Account-Name und der Titel ihres Blogs verraten. Die Historikerin interessiert sich besonders für die Geschichte von Herrenhäusern, Rittergütern, Kirchen und Schlössern, auch jenen, die nicht öffentlich zugänglich sind. Ihre Entdeckungen teilt sie mit einer wachsenden Follower-Zahl im Internet.

Hier im Interview erzählt sie von ihrem Hobby.

Warum fotografierst du?

Ich fotografiere, um die Orte, die ich besuche, mit all ihren sehenswürdigen Details für meinen Blog „Unterwegs im Hinterland“ zu dokumentieren.

Wie fotografierst du?

Für einen Blogger/Instagramer ist meine Fotoausrüstung wohl eher unspektakulär. Ich mache meine Fotos entweder mit meinem Smartphone oder mit meiner kleinen Nikon Coolpix S3000, die bequem und ohne Schnickschnack in meine Handtasche passt.

Welche Motive interessieren dich?

In erster Linie fotografiere ich Bau- und Kunstdenkmäler oder interessante Museumsobjekte. Aber wenn ich an einem Ort unterwegs bin, fotografiere ich einfach alles, was mir gefällt. Außer Menschen. Die versuche ich auf meinen Fotos zu vermeiden.

Warum teilst du deine Bilder auf Instagram?

Ich habe gemerkt, wie viele Orte in der Provinz schön und unentdeckt vor sich hinschlummern. Diese Entdeckungen wollte ich teilen. Instagram schien bzw. scheint mir immer noch die beste Plattform dafür zu sein. Irgendwann haben mir die kleinen Bildchen aber nicht mehr gereicht und ich habe angefangen zu bloggen.

Von Cindy Hiller sind 7 Bilder in der Ausstellung “Versteckte Orte: Instagramer auf #Schlössersafari in Mitteldeutschland” im Museum Burg Posterstein zu sehen.

Welches ist dein interessantestes Instagram-Erlebnis?

So ein explizites Erlebnis fällt mir nicht ein. Was ich gemerkt habe, ist, wie unterschiedlich die Wahrnehmung manchmal ist. Oft lösen Fotos, bei denen ich mir gar nicht so richtig viel Mühe gegeben habe, die meisten Interaktionen (Kommentare, Likes etc.) aus. Gerade bei Bildern von verfallenen Gebäuden ist das so. Ich kann mir nicht erklären, warum. Vielleicht zerstört es ein bisschen die heile Instagram-Welt, die gefühlt nur aus „jung und schön“ besteht, und mein Feed bietet eben auch „alt und welk“ an.

Welchen Einfluss hat Instagram auf dich und deine Bilder?

Wenn ich unterwegs bin, kommt es schon vor, dass ich etwas fotografiere und sofort denke: „Das ist perfekt für Instagram.“ Das ist natürlich schon etwas gaga. Aber ich mache auch noch genug Bilder, die richtig schrecklich sind und bei denen ich mich zu Hause frage, was ich mir dabei gedacht habe.

Gemeinsam auf Instawalk am 13. April 2019 in Posterstein und Tannenfeld. Foto: Bernd Nienhold / @b_und_p_europareisen

Diese Schlösser empfiehlt Cindy Hiller in der Ausstellung “Versteckte Orte”:

Herrenhaus Altenhain
Barockschloss Delitzsch
Gutshofanlage Markkleeberg-Gaschwitz
Schloss Neschwitz
Schloss Püchau
Schloss Seifersdorf
Schloss Schönwölkau

Die Möglichkeit, der Ausstellung “Versteckte Orte” eigene Fotos hinzuzufügen, wurde inzwischen über 1700 Mal genutzt. Geteilt werden große Schlösser und kleinere Geheimtipps – inzwischen aus ganz Europa. Mitmachen kann jeder mit Instagram-Profil. Hier kann man sehen, was bisher geteilt wurde.
Am 12. Mai 2019 besteht noch einmal die Möglichkeit, die ausstellenden Instagramer persönlich kennenzulernen und miteinander ins Gespräch zu kommen. Zur “Abschluss-Safari” ab 16 Uhr lassen wir die Ausstellung noch einmal Revue passieren.

Die Ausstellung “Versteckte Orte”: 7 Instagramer mit der Kamera auf #Schlössersafari in der Region

Wie eine neue Art Kulturbotschafter erkunden sie in ihrer Freizeit ihre Region. Sie fotografieren, recherchieren geschichtliche Hintergründe und teilen ihre Fotos im sozialen Netzwerk Instagram. Sieben Instagramer nehmen die Besucher der Ausstellung “Versteckte Orte: Instagramer auf #Schlössersafari in Mitteldeutschland” bis 12. Mai 2019 mit zu mehr oder weniger bekannten Schlössern und Burgen in Thüringen, Sachsen und Brandenburg und zeigen, warum diese Schlösser und Burgen eine Reise wert sind. Gleichzeitig erfährt der Besucher, wie sie fotografieren und was Instagram als Netzwerk für sie so interessant macht.

In einer neuen Blogpost-Reihe wollen wir die teilnehmenden Instagramer vorstellen. Zunächst der Überblick.

Mit dabei sind Cindy Hiller (auf Instagram zu finden unter @chillerunterwegs), Sandro Deus (@fineartinsilver), Frank Burchert (@franksfotografie), Simone Stahn (@silentfotografie_simone), Romy (@sosfernweh), Patrick Weidenmueller (@vogtland_prinz) und Manja Reinhardt (@vogtlandzauber).


Gruppenbild vor Burg Posterstein – Nicht alle wollen aufs Bild, denn nicht Menschen, sondern historische Gebäude und Landschaften stehen im Fokus der sieben ausstellenden Instagramer. (Foto: RundR_Freelancer)

Ganz nebenbei wecken die Hobby-Fotografen und Blogger die Lust, die verschiedenen vorgestellten Orte selbst zu erkunden. Für die meisten von ihnen zählt nicht der spontane Klick. Ihre Ausflüge sind akribisch geplant. Ihre Bilder bearbeiten sie sorgfältig, bevor sie sie im sozialen Netzwerk Instagram mit ihrem teilweise sehr großen Publikum teilen.

In der Ausstellung „Versteckte Orte – Instagramer auf #Schlössersafari in Mitteldeutschland“ sind von jedem der sieben Instagramer sieben Fotos zu sehen, dazu gibt es kurze Infos zur Geschichte der abgebildeten historischen Gebäude sowie je ein Interview zum Thema Fotografieren für Instagram. Es geht den ausstellenden Instagramern nicht nur ums Fotografieren selbst – keiner von ihnen besitzt eine professionelle Fotografieausbildung, sondern um den Austausch über die Bilder, die abgebildeten Orte und deren Geschichte.

Einladung zum Mitmachen!

Über einen Bildschirm in der Ausstellung werden alle (thematisch passenden) Bilder mit dem Ausstellungs-Hashtag #Schlössersafari angezeigt, sodass quasi jeder, der Lust hat, an der Ausstellung teilnehmen und sie mitgestalten kann. Nach drei Wochen Ausstellung sind knapp 1000 Bilder geteilt worden.

Ein Ausstellungskonzept wie dieses hat es im regionalgeschichtlichen Museum Burg Posterstein noch nicht gegeben: Es vermischt Fotografie, regionale Geschichte und Teilhabe.

Auf einem Bildschirm in der Ausstellung zeigen wir die Fotos von Schlössern und Burgen, die mit dem Ausstellungs-Hashtag #Schlössersafari auf Instagram geteilt werden.

Das Museum Burg Posterstein (https://www.instagram.com/burgposterstein) ist seit 2016 auf Instagram aktiv und steht in regem Austausch mit einer kultur- und landschaftsinteressierten Community. Auswahlkriterien für die Ausstellung waren nicht nur fotografisches Können, Motivwahl und Reichweite, sondern auch die seit langem währende aktive Kommunikation auf Augenhöhe. Folgerichtig entstand die Ausstellung in engem Austausch mit den sieben Hobby-Fotografen.

Auch mit dem Smartphone kann man ganz passable Bilder machen. Wie das geht und wie man sie am Telefon bearbeitet und auf Instagram teilt, erklärte Melanie Kahl von Fototour Thüringen beim Smartphone-Fotokurs auf Burg Posterstein.
Auch mit dem Smartphone kann man ganz passable Bilder machen. Wie das geht und wie man sie am Telefon bearbeitet und auf Instagram teilt, erklärte Melanie Kahl von Fototour Thüringen beim Smartphone-Fotokurs auf Burg Posterstein.

Zur Eröffnung am 24. Februar erzählten die Ausstellenden in einem kurzweiligen Gespräch von ihren Ausflügen. Am 9. März ging die Fotografin und Instagramerin Melanie Kahl von Fototour Thüringen mit einer Gruppe Fotografieinteressierten auf Fototour in und um Burg Posterstein. Am 13. April brechen die Reiseblogger von Vogtland-Zauber von Burg Posterstein aus zu einem Insta-Walk in die Umgebung auf und am 12. Mai, 16 Uhr, kann man die ausstellenden Instagramer in der “Abschluss-Safari” zur Ausstellung noch einmal persönlich kennenlernen.

Das Plakat zur Ausstellung gibt einen Eindruck von den in der Ausstellung gezeigten Bildern.

Im Interview mit Vogtlandradio erzählt Kuratorin Marlene Hofmann von der Idee der Ausstellung:

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Von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

Europa bedeutet noch immer eine große Chance – Auswertung #SalonEuropa 3: Die Video-Beiträge

Auf die Frage „Was bedeutet Europa für mich…?“ bekamen wir in der Ausstellung #SalonEuropa vor Ort und digital über 200 Meinungen aus fünfzehn Ländern in Form von schriftlichen Kommentaren, Blogposts, Fotos, Video- und Audio-Statements, als Kunstwerk und natürlich auch im persönlichen Gespräch vor Ort. In mehreren Teilen fassen wir den Diskurs zusammen: (1) Die Zusammenfassung der Gespräche am Salonabend, (2) der Kommentare, (3) der Video-Interviews, (4) der Blogparade und (5) ein kurzes Gesamtfazit.

Hintergrund: Die Ausstellung #SalonEuropa

Das Museum Burg Posterstein möchte wissen: Was bedeutet Europa für Sie?

Das Museum Burg Posterstein betrat mit der Ausstellung #SalonEuropa vor Ort und digital im Herbst 2018 museales Neuland. Denn im Zentrum der Ausstellung standen nicht wie sonst Exponate und historische Informationen, sondern vor allem Meinungen ganz normaler Bürger Europas. Wir fragten „Was bedeutet Europa für dich?“ und brachten den aktuell fragilen Zustand Europas in Verbindung mit der Zeit zwischen Französischer Revolution und des Wiener Kongress, als sich Europa ebenfalls im Umbruch befand. Damals wurden in den Salons der adligen und bürgerlichen Damen gesellschaftliche Fragen diskutiert und Entscheidungen auf den Weg gebracht. Die Ausstellung experimentierte damit, ob und wie ein solcher Salon – offen, die eigene Filterblase sprengend – heute aussehen könnte.

Der #SalonEuropa war ein Versuch, Bürgern vor Ort und im Digitalen die Möglichkeit zu geben, ihre Gedanken zu Europa zu äußern und darüber ins Gespräch zu kommen. Dazu gab es einmal die dynamische, mitwachsende Ausstellung selbst, in der bereits zu Beginn über hundert Meinungen zu Wort kamen. Darüber hinaus gab es die Projektwebseite, die Blogparade, die Diskussionen im Social Web und drei Veranstaltungen vor Ort.

Die Video-Interviews zum Thema "Europa bedeutetn für mich...?" waren in der Ausstellung und online zu sehen.
Die Video-Interviews zum Thema “Europa bedeutetn für mich…?” waren in der Ausstellung und online zu sehen.

Die Video-Interviews zu #SalonEuropa

Die Videos zur Ausstellung entstanden bereits im Vorfeld der Ausstellung. Der Altenburger TV-Journalist Gunter Auer und der Geraer Mediengestalter Nils Lauterbach übernahmen die Aufgabe, die Frage „Was bedeutet Europa für dich?“ möglichst unterschiedlichen Menschen zu stellen.

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Gunter Auer interviewte Bürger und Politiker auf der Straße, bei einer Sportveranstaltung, bei einem Treffen einer Städtepartnerschaft Schmölln-Dobele (Lettland), im Künstleratelier oder zu Ausstellungseröffnungen. Er versuchte in Bezug auf Alter, Beruf und Herkunft ein möglichst breites Spektrum an Menschen zu befragen. Die Videos wurden ungeschnitten gezeigt.

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Während Gunter Auer die Menschen spontan ansprach, bat Niels Lauterbach per Zeitungsaufruf und persönliche Ansprache ins Studio. Durch diese Herangehensweise erreichte er verstärkt Personen, die sich gern äußern wollten. Es entstand ein Film, in dem die Interviews vor gleichem Hintergrund ineinander übergehen.

Insgesamt  erhielten wir Statements unterschiedlicher Länge von 25 Personen – teilweise namentlich, teilweise anonym –, die auf dem Monitor in der Ausstellung und auf der Projektwebsite #SalonEuropa zu sehen waren bzw. noch sind. Die Interviewten leben in der Region Gera und Altenburg oder waren zum Interviewzeitpunkt hier zu Gast. Sie stammen aus Deutschland, Belgien, England, Kanada, Syrien, Türkei, Lettland und dem Kaukasus. Unter den Interviewten sind Politiker, Unternehmer oder Künstler, aber auch ganz normale Bürger verschiedener Altersgruppen.

Betrachtet man die Inhalte, fallen folgende Schwerpunkte ins Auge:

In den allermeisten Video-Interviews herrschte eine positive Grundstimmung Europa gegenüber, Probleme und aktuelle Herausforderungen kamen aber in jedem zweiten Interview zur Sprache. Darüber hinaus ging es um Frieden/Sicherheit, Freiheit, Reisen und offene Grenzen, die Gemeinschaft, den Euro, den Kulturaustausch, die Wirtschaftsunion und gemeinsame Identität. Im Vergleich zu den schriftlich geäußerten Kommentaren, standen demnach die ganz praktischen Kontaktpunkte der Menschen mit “Europa“, die gemeinsame Wirtschafts- und Finanzunion und die daraus entstehenden Vorteile deutlicher im Fokus als in den übrigen Meinungsäußerungen zu #SalonEuropa.

„Ich könnte mir gar nicht vorstellen, dass es anders wäre“

Vielfach kamen die Vorteile der Freizügigkeit und Reisefreiheit zur Sprache. Die Schülerin Sarah Discher brachte zum Ausdruck, was auch bei den anderen jungen Interviewten mitschwang: „Ich bin im vereinten Europa groß geworden und könnte mir gar nicht vorstellen, dass es anders wäre.“

Jan Godts, in Deutschland lebender belgischer Architekt, lobte beispielsweise, dass die Identität der einzelnen Staaten gewahrt bleibe, obwohl Europa wie ein großes Land geworden sei. Ingolf Herold hob die Rolle Europas zur Friedenssicherung hervor und erklärte, warum er trotzdem der Meinung sei, die europäischen Länder sollten ihre Eigenständigkeit stärker bewahren. Gunārs Kurlovics aus Lettland hob die Vorteile der EU hervor und betonte gleichzeitig „es gibt Probleme in EU, die wir gemeinsam lösen müssen“.

Blick in die Ausstellung #SalonEuropa vor Ort und digital von 23. September bis 18. November 2018 im Museum Burg Posterstein.
Blick in die Ausstellung #SalonEuropa vor Ort und digital von 23. September bis 18. November 2018 im Museum Burg Posterstein.

Der Geraer Fotograf Frank Rüdiger gab zu bedenken: „Europa bedeutet für mich noch immer eine große Chance und noch immer eine große Herausforderung.“ Er hob hervor, dass es Probleme gibt, die angegangen werden müssen, hat die Hoffnung auf die Umsetzung der ursprünglichen europäischen Idee aber nicht aufgegeben.

Europa ist weder schwarz noch weiß

Als ein Fazit für die Video-Statements kann zunächst festgehalten werden, dass nicht jeder bereit ist, seine Meinung über Europa öffentlich und namentlich in eine Kamera zu sagen. Im Vergleich zu den schriftlich eingegangenen Kommentaren und den Themen der Blogparade #SalonEuropa kamen viel häufiger auch die aktuellen Probleme Europas zur Sprache – nicht ohne die Vorteile der europäischen Gemeinschaft hervorzuheben. Während in den schriftlich geäußerten Gedanken Europa nicht zwangsläufig mit EU gleichgesetzt wurde, schwang in den Interviews eher mit, dass Europa sehr häufig mit EU und europäischer Gemeinschaft verbunden wird. Deutlich wurde, dass viele der Interviewten die Meinung vertreten, dass Probleme in Europa dringend angesprochen und Lösungen gefunden werden müssten. Wir sind der Meinung, dass Formate wie #SalonEuropa dazu einen Anstoß geben und einen Beitrag leisten können.

Unser Dank gilt den Interviewpartnern, die den Mut hatten, sich öffentlich zu äußern.

Alle Videos kann man auf YouTube ansehen:

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Zusammengefasst von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

 

Wie viele Pferde gab es auf der Burg?

Helena wollte von unseren Burggeistern Posti und Stein wissen, wie viele Pferde es auf Burg Posterstein gab. Posti und Stein haben kräftig recherchiert und antworten:

Genau können wir dir das leider nicht mehr sagen. Posti und ich haben lange recherchiert, aber leider keine genaue Zahl gefunden. Und leider haben wir in den vielen hundert Jahren die Pferde auch nicht gezählt. Die Anzahl wechselte immer wieder. Jeder Ritter, der hier auf Burg Posterstein lebte, hatte natürlich ein Pferd. Denn allein das Wort „Ritter“ kommt vom Wort „Reiter“ und sagt damit: Einen Ritter ohne Pferd kann es gar nicht wirklich geben!

Ritter und Pferd gehören zusammen - oder? (Foto von den Ritterspielen, die jedes Jahr zu Pfingsten auf Burg Posterstein stattfinden)
Ritter und Pferd gehören zusammen – oder? (Foto von den Ritterspielen, die jedes Jahr zu Pfingsten auf Burg Posterstein stattfinden)

In der Burg Posterstein lebten im Mittelalter ungefähr 20 Leute. Die waren natürlich nicht alle Ritter. Aber um die sechs oder sieben Pferde hat es hier bestimmt gegeben und wenn ein befreundeter Ritter zu Besuch kam, gab es in der Burg natürlich auch mehr Pferde. Vor ungefähr 300 Jahren wurde die Burg in ein Rittergut umgewandelt. Zu dieser Zeit gab es dann auch Pferde auf dem Burgberg, die nicht zum Reiten, sondern zum Arbeiten hier lebten. Die zogen die Wagen oder Pflüge für die Feldarbeit. Da waren es sicherlich um die zehn Pferde, die in den Ställen standen.

Das Wort “Ritter” kommt von Reiter

Einen kleinen Hinweis haben Posti und ich aber in unseren vielen Büchern doch gefunden! Vor ungefähr 500 Jahren lebte die Familie Puster auf der Burg Posterstein. Wie es sich für Ritter gehörte, mussten diese im Fall eines Kampfes ihrem Landesherrn zur Seite stehen. Und das nicht nur mit ihrer eigenen Kraft oder mehr Männern, sondern auch mit Verpflegung oder Tieren. Im Jahr 1474 wurde Jan Puster von seinem Landesherrn, den man Ernst von Sachsen nannte, aufgefordert, für einen Feldzug Verpflegung, Wagen, Männer und Tiere zu schicken. Puster sollte drei Pferde zum Herzog bringen. Dazu kam ein Wagen mit vier starken Pferde, die diesen ziehen konnten. Insgesamt musste Jan Puster (neben vielen anderen Dingen) also 7 Pferde für den Herzog bereithalten. Da er selber noch ein Pferd brauchte, können das nicht alle seine Tiere gewesen sein. Vor 500 Jahren gab es also mindestens 8 oder mehr Pferde auf der Burg Posterstein.

„Mehr als nur Geografie“ – Auswertung #SalonEuropa 2: Die Kommentare

Die Ausstellung #SalonEuropa vor Ort und digital war für uns ein Experiment. Auf die Frage „Was bedeutet Europa für mich…?“ bekamen wir insgesamt über 200 Meinungen aus 15 Ländern in Form von schriftlichen Kommentaren, Blogposts, Fotos, Video- und Audio-Statements, als Kunstwerk und natürlich auch im persönlichen Gespräch vor Ort. In mehreren Teilen fassen wir den Diskurs zusammen: (1) Die Zusammenfassung der Gespräche am Salonabend, (2) der Kommentare, (3) der Video-Interviews, (4) der Blogparade und (5) ein kurzes Gesamtfazit. Vorangestellt sei noch einmal die Idee der Ausstellung:

#SalonEuropa vor Ort und digital - eine dynamisches Ausstellungsexperiment

Was will #SalonEuropa?

Blick in die Ausstellung #SalonEuropa vor Ort und digital im Museum Burg Posterstein
Blick in die Ausstellung #SalonEuropa vor Ort und digital im Museum Burg Posterstein

Die Ausstellung „#SalonEuropa vor Ort und digital“ konzipierten wir als Labor. Ausgehend von der historischen Salonkultur um 1800 sollte sie den Bogen schlagen in die heutige Zeit. Europa befindet sich im Umbruch, es sind Visionen gefragt, um Europa eine Identität für die Bürger und Handlungsfähigkeit in der Welt zu verleihen. Nach Französischer Revolution und der Ära Napoleons musste auch im frühen 19. Jahrhundert mit dem Wiener Kongresses eine Basis für die europäische Gemeinschaft geschaffen werden. In den Salons der bürgerlichen und adligen Damen fand Austausch über wichtige gesellschaftliche, aber auch kulturelle Themen statt. Wir sind der Meinung, dass auch heute nur in einem breiten Diskurs, in dem jeder den anderen und dessen Meinung respektiert, zukunftsweisende Lösungen gefunden werden können. Alle sind gefordert: Politik, Wirtschaft, Kunst, Kultur und die Bürger selbst. Der #SalonEuropa war ein Versuch, Bürgern vor Ort und im Digitalen die Möglichkeit zu geben, ihre Gedanken zu Europa zu äußern und darüber ins Gespräch zu kommen. Dazu gab es einmal die dynamische, mitwachsende Ausstellung selbst, in der bereits zu Beginn über hundert Meinungen zu Wort kamen. Darüber hinaus gab es die Projektwebseite, die Blogparade, die Diskussionen im Social Web und drei Veranstaltungen vor Ort.

93 Wortmeldungen per Kommentar, Social Media und Postkarte

Europa bedeutet für dich? - Licht und Schatten
Europa bedeutet für dich? – Licht und Schatten

Die Bewertung von Europa in den schriftlichen Kommentaren ist breit gefächert: “Europa ist für mich ein Geschenk.” (Dr. Kristin Jahn, Deutschland), “Europe first of all is my Home!” (Svetlana Loew, Lettland), “Europa ist für mich eine Sammlung toller Möglichkeiten und vertaner Chancen. […] Wir könnten mit gutem Beispiel vorangehen und tun es nicht…” (Daniela Schwarzböck, Österreich) und [Europa ist für mich] Licht und Schatten” (@ostblocktechnik, Deutschland via Instagram). Und natürlich ist die eigene Meinung zu Europa gar nicht so leicht auf den Punkt zu bringen: “Eigentlich mehr als nur Geographie. Aber was, ist schwer in Worte zu fassen.” (@kulturtussi, Deutschland via Twitter).

Insgesamt 93 Statements zur Frage „Europa bedeutet für mich…?“ erreichten uns schriftlich auf verschiedensten Wegen. Auf der Projekt-Webseite #SalonEuropa können sie nachgelesen werden. Die meisten Statements gingen per Instagram-Story ein (30). 25 erreichten uns per E-Mail oder Direktnachricht auf Facebook und Instagram und 16 als Tweets. Dahingegen gingen nur sechs Statements über das Formular auf der Projektwebseite ein. Von den gedruckten Postkarten kamen nur fünf mit handschriftlichem Statement zu uns zurück, obwohl viele persönlich verteilt worden waren. Fünf Meinungen wurden per Blogpost (außerhalb der Blogparade #SalonEuropa) geäußert, zwei erreichten uns als Instagram-Posts und vier stammten von den Künstlerinnen der vorangegangenen Kunstausstellung #SalonEuropa im Hier und Jetzt.

Auswertung der schriftlichen Kommentare zu #SalonEuropa (ohne die Blogparade)
Auswertung der schriftlichen Kommentare zu #SalonEuropa (ohne die Blogparade)

Ein erstes Fazit: Über Europa zu reden ist kein Selbstläufer. Spontan zu Wort meldeten sich nur wenige, oft diejenigen, die sich ohnehin schon engagieren oder die, die damit gleichzeitig auch eine Botschaft auf einem eigenen Kanal (z.B. Blog, Social Media-Account) an ein eigenes Publikum (ihre Follower) senden. Vielen Meinungsäußerungen gingen persönliche Gespräche vor Ort und digital voraus. Es gibt eine breite Masse, die die Ausstellung vor Ort oder digital mit Interesse verfolgte, sich lobend äußerte, aber keine eigene Meinung hinzufügte. Europa ist nicht schwarz-weiß und das Thema kein einfaches. In Thüringen findet im Oktober 2019 die nächste Landtagswahl statt. In aktuellen Umfragen sind CDU, Linke und AfD beinahe gleich auf. Zeit, wenigstens darüber nachzudenken, welche Position man selbst vertritt.

Aktuelle Probleme aus unterschiedlichen Perspektiven

Den Inhalt der Wortmeldungen haben wir versucht, nach der Häufigkeit der Nennung bestimmter Themen grafisch darzustellen. Auf diese Weise wird anschaulich deutlich, dass die verschiedenen „Kanäle“, über die Meinungen zu #SalonEuropa eingingen (Salonabend, Kommentare, Videos, Blogparade), in unterschiedlichen Themengewichtungen resultierten bzw. dass sich der Diskurs in den unterschiedlichen Formaten anders entwickelt hat.

Häufig angesprochene Themen in den schriftlichen Kommentaren zu #SalonEuropa (ohne Blogparade)
Häufig angesprochene Themen in den schriftlichen Kommentaren zu #SalonEuropa (ohne Blogparade)

Bezogen auf die eingegangenen Kommentare werden gemeinsame Nenner wie Gemeinschaft, Einheit, Zusammenarbeit und gemeinsame Kultur, Tradition und Werte deutlich. Frieden, Sicherheit und Freiheit verbinden viele mit Europa. Aber auch aktuelle Probleme werden angesprochen. Enttäuschung ist spürbar, aus verschiedenen Gründen. Manche Themen polarisieren. Beispiel Migration: Während manche enttäuscht sind, dass Europa nicht ausreichend Verantwortung für Geflüchtete übernimmt und nicht weltoffen genug ist, geht anderen das bisherige Engagement zu weit. Das gleiche gilt für die europäische Integration. Einige sind enttäuscht, weil die europäische Gesellschaft noch nicht enger zusammengewachsen ist, anderen wäre mehr Unabhängigkeit für die Nationalstaaten lieber.

Auffallend ist die unterschiedliche Bewertung und Betonung von Offenheit und Grenzen, vom positiv besetzten Begriff „Vielfalt“ und dem eher abgrenzenden Wort „Unterschiede“. Es geht um Gemeinsamkeiten und Unterschiede, um Einheit und Frieden einerseits und um Uneinigkeit und Streit andererseits. Es gibt Visionen von Europa als Staatenbund und als Bundesstaat. Es wird deutlich, dass Europa als Chance genauso wie als Herausforderung verstanden wird.

Laura Jung, die in Großbritannien studiert, schrieb: “Europa ist eine Chance, die uns viele Türen öffnet. Wir müssen sie bloß wahrnehmen und aufpassen, dass sie uns nicht entwischt. Die Augen vieler meiner britischen Freunde verraten die Sorge, diese Chance vertan zu haben.”

Europa als gemeinsames Haus

Mehrere Menschen verglichen Europa mit einem großen Haus: “Ich bin Mieter im Haus Europa mit allen Rechten und Pflichten – KEIN Besitzer.”, lautet ein anonymer Kommentar per Postkarte. Angela Kiesewetter-Lorenz zeichnet ein sehr anschauliches Bild von diesem Haus: “Ja, mein Europa ist ein Haus, in dem ich mich gern bewege, wo ich wohne, mich entfalten kann, wo ich Begegnungen haben kann, wie ich es möchte, wo ich offen sein kann und auch mal ganz für mich in einem Zimmer sein kann… Und auch in meinem Haus ändert sich ab und an die Ordnung, die Einrichtung, ändere ich mich, ändern sich meine Bedürfnisse…”

Im Großen und Ganzen überwiegen die Europa-positiven Meinungen, aber auch darin kamen Sorge, Enttäuschung und Probleme zum Ausdruck. Mehrere Male wurde erwähnt, dass man Europa als (bisher) alternativlos sehe. Anton B. aus Slowenien schrieb beispielsweise: “Ich meine, dass Europa das Beste ist, was die Leute bis jetzt politisch entwickelt haben. Natürlich gibt es auch viele Probleme, aber die Vision ist etwas, das wir uns bewahren müssen. Ruhe, Freiheit und große Chancen für alle, das ist doch etwas Wertvolles!”

Europa ist ein Friedensprojekt

Als Museum war es uns wichtig, mit der Ausstellung #SalonEuropa einen virtuellen und realen Ort zu bieten, an dem Austausch über ein kontroverses Thema – in diesem Fall Europa – stattfinden kann. Wir sind der Meinung, dass wir einander zuhören und miteinander ins Gespräch kommen müssen, um die aktuellen Herausforderungen, vor denen Europa steht, gemeinsam lösen zu können. Mit Blick auf die Geschichte Europas ist die EU ein historisch einmaliges Friedensprojekt. Gleichzeitig ist klar, dass Europa mehr ist als die EU und dass es Probleme gibt, über die gesprochen werden muss und die es erlaubt sein muss, anzusprechen. Wir wollen einige Stimmen aus dem Diskurs im #SalonEuropa herausgreifen, die die Ambivalenz und die Herausforderungen deutlich machen:

“Für mich ist Europa (trotz Schwächen) die natürlichste Antwort auf mein grundlegendes Bedürfnis, in Freiheit und Vielfalt zusammenzuleben, mich an Ländern und Sprachen erfreuen zu können, an Gerichten, Kunst und Bräuchen.” (Peter Soemers, Niederlande)

“Europe should never be a fort, but instead a mindset, a set of European values based on human rights, open-mindedness and equality, and by welcoming others – like we have done for centuries – we enrich and enlighten ourselves and maintain our humanity. In short, xenophobia can go fuck itself.” (Jakob Stig Nielsen, Dänemark)

“What condition is Europe in today? Historically, Europe is one of the most successful societies of the post World War era, but its structure is revealing ever deeper and more severe crevices. Is Europe falling apart, or do these crevices signify that Europe is sloughing to reinvent itself?” (Merete Sanderhoff, Dänemark)

#SalonEuropa - die Ausstellung stellte den Besucher in den Mittelpunkt
#SalonEuropa – die Ausstellung stellte den Besucher in den Mittelpunkt

“Diese Vereinigung lässt Europa Beziehungen und den nachhaltigen Austausch in allen Gebieten erschaffen: Kultur, Gesellschaft, Wirtschaft, Bildung, Forschung, Gesundheitswesen und Umweltschutz. Ein einzelnes und isoliertes Land hätte weder solche Kraft noch solchen Reichtum. Aber seit 2016 ist dieses Europa zerbrechlich geworden: Brexit, Terrorgefahr, Anschläge, Flüchtlingskrise und Aufstieg von Populismus. Sind wir uns bewusst, was uns Europa bringt?” (Verok Gnos, Frankreich)

“Europa ist für mich eine schöne Vision im Interesse der Menschen – mit aufeinander gerichteten Waffen und selbstherrlichen, ignoranten Politikern jedoch ein Trauerspiel.” (Frank Wunderlich, Deutschland)

„Europa hat sich zubetoniert. Geistig, kulturell – und menschlich. Sicher nicht jedes Du und Ich – aber der politische Trend ist erschreckend. Dieses Europa wollte ich so nicht, sondern ein humanes.” (@mellubo1, Deutschland/Spanien)

“In meinen Augen ist Europa nicht dort, wo wir uns es gewünscht haben, sodass im Moment der Eindruck entsteht, dass Europa eher auseinander driftet.” (Andreas Oeser, Deutschland)

“I am a citizen of the world. Project Europe is failing fast – let’s look at project Earth.” (Halina Zerko, Großbritannien/Polen)

Wir haben ganz unterschiedliche Visionen für die Zukunft Europas

In vielen Beiträgen kommen Zukunftswünsche und Visionen für Europa zu Wort, die teilweise weit auseinander gehen. Diese Spaltung zieht sich natürlich durch den gesamten Kontinent. Ein Lichtblick für uns: Der Tonfall im #SalonEuropa blieb immer sachlich. Wir hatten den Eindruck, dass man gerade in der Ausstellung vor Ort und auch in den Social Media-Kanälen die Verschiedenheit der Sichtweisen zur Kenntnis genommen hat. Für uns bildet das die Grundlage für einen ausgewogenen Diskurs auf Augenhöhe.

Den allerersten Beitrag zu #SalonEuropa schickte uns Neil McCallum aus Großbritannien.
Den allerersten Beitrag zu #SalonEuropa schickte uns Neil McCallum aus Großbritannien.

Den allerersten Beitrag zu #SalonEuropa schickte uns Neil McCallum aus Großbritannien, nachdem er zur #MuseumWeek im Mai 2018 auf das Projekt aufmerksam geworden war. Auch er appelliert an unseren Willen zum Gespräch und zur Teilhabe, um Lösungen für aktuelle innereuropäische Konflikte zu finden:

“Europe is a community of nations, and community means coming together. Now, we need to come together to not just share in the wonders of each other’s cultures, but to tackle the great questions and debates on migration, climate change, and equality which face the continent. We listen to what each other has to say, we think about what they have to say, and we formulate responses. Solutions don’t just need to be found in the hallowed halls of some parliament somewhere, but can be found amongst friends just chatting, wanting to better and make a difference to their local community. As the sayings go, two heads are better than one, and many hands make light work.” (Neil McCallum, Großbritannien)

André Körndörfer vertritt die Sichtweise, dass die aktuellen innereuropäischen Konflikte durch mehr Rücksichtnahme und Verständnis für nationalstaatliche Befindlichkeiten und Bedenken, auch in Sachen Migration, zu lösen seien:

“Nur durch mehr Zurückhaltung und mehr Verständnis für die einwanderungskritischen Positionen vieler Länder und eines bedeutenden Teils der Völker Europas und nur durch stärkere Rücksichtnahme auf nationalstaatliche Besonderheiten und Befindlichkeiten kann in der Zukunft wieder dazu beigetragen werden, dieses innereuropäische Zerwürfnis allmählich zu kitten und die europäischen Völker einander (wieder) näher zu bringen.” (André Körndörfer, Deutschland)

Online eingegangene Kommentare waren auf dem Bildschirm in der Ausstellung sichtbar - neben Videointerviews (hier Anthony Lowe), Beiträgen zur Blogparade, aktuellen Tweets und Instagram-Kommentaren.
Online eingegangene Kommentare waren auf dem Bildschirm in der Ausstellung sichtbar – neben Videointerviews (hier Anthony Lowe), Beiträgen zur Blogparade, aktuellen Tweets und Instagram-Kommentaren.

Für den Künstler Anthony Lowe gibt es derzeit keine Alternative für ein starkes Europa:

“Ich glaube an das Europa-Projekt, weil ich keine Alternative sehe. Die Kleinstaaterei hat in Deutschland ausgedient und musste ersetzt werden, aber Bayern gibt es noch. Doch das Europa-Projekt wird jetzt angegriffen von denen, die nicht vermochten es zu gestalten, es aber beenden und die Zeit zurückdrehen wollen.” (Anthony Lowe, Deutschland/Großbritannien)

Auch Helmut Hellrung sieht das größte Potential in einem stärkerem Europa:

“Der europäische Verwaltungsapparat hat sich etabliert, er ist schwerfällig und bürgerfern. Aber Kleinstaaterei und Nationalismus können auf Dauer keine Lösung sein, vor allem nicht im Hinblick auf den Frieden. Ich traue Europa zu, lernfähig zu sein und die anliegenden globalen Probleme (Umwelt, Migration) zu lösen, die auf Länderebene nicht gelöst werden können.” (Helmut Hellrung, Deutschland)

Rudolf Hellmuth geht noch einen Schritt weiter:

“Europa bedeutet für mich die Überwindung der Nationalstaaten. Die “Vereinigten Staaten von Europa” sind unsere einzige Zukunft!” (Rudolf Hellmuth, Deutschland)

Vor Ort kam man durchaus über Europa ins Gespräch - wenn dies auch selten in eigenen Meinungsäußerungen der Besucher resultierte.
Vor Ort kam man durchaus über Europa ins Gespräch – wenn dies auch selten in eigenen Meinungsäußerungen der Besucher resultierte.

Gespräche vor Ort

Vor und während der Ausstellung (23. September bis 18. November 2018) suchten wir immer wieder das Gespräch mit Museumsbesuchern vor Ort und auch im Digitalen. Oft entspann sich ein interessanter Austausch.

Ein Besuch ist besonders in Erinnerung geblieben: Andreas Oeser aus Chemnitz hatte in seinem Kommentar zu #SalonEuropa vor allem die negativen Eindrücke geschildert, die er in seiner täglichen Arbeit als Polizist mit Kriminalität, Migration und Unzufriedenheit erfährt. Vor Ort kamen wir ins Gespräch und über Instagram erreichte uns dann seine Bewertung der Ausstellung:

„Es sind sehr ansprechende Kommentare zu Europa zu lesen, sehr konstruktiv und weltoffen, selbstkritisch und visionär… Ich finde die Ausstellung nicht einfach nur interessant, sie hat mir auch ein bisschen mehr die Sichtweise erweitert, auf Europa – dass ich nicht so schwarz sehen sollte…“

Jeder von uns entscheidet über Europa

In welche Richtung sich Europa in den nächsten Jahren entwickeln wird, entscheidet jeder einzelne von uns mit. Als kulturhistorisches Museum ist uns einerseits der Blick auf die Geschichte wichtig, denn wer mit den Fehlern der Geschichte vertraut ist, kann vermeiden, sie zu wiederholen. #SalonEuropa ist unser Versuch, einen modernen Ort des Austauschs zu bieten. Im nächsten Blogpost folgt die Auswertung der Video-Interviews und danach die der Blogparade.

Zusammengefasst von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

Europa ist nicht allein nur Kulturraum, sondern Wirtschafts- und Lebensraum vieler Nationen

Das Elektromuseum Erfurt teilte seinen Beitrag zur Blogparade #SalonEuropa per Facebook-Post. Damit auch nicht Facebook-Nutzer ihn lesen können, erscheint er auch hier als Gast-Beitrag. Die Blogparade nähert sich ihrem Ende – bis 23. Oktober 2018 könnt ihr noch teilnehmen. Wer keinen eigenen Blog hat, schickt uns einfach seinen Gastblogpost.

Ein Netz, das ganz Europa verbindet (Bildrechte: Thüringer Museum für Elektrotechnik)
Ein Netz, das ganz Europa verbindet (Bildrechte: Thüringer Museum für Elektrotechnik)

Was verbindet die Menschen in Europa? Ein Netz! Ein Netz, welches alle Länder miteinander verbindet, welches bis in jeden Ort, in jedes Haus und jede Wohnung reicht. Wir alle brauchen dieses Netz, zum Leben, Arbeiten, Entspannen, Lernen ….. Ohne dieses Netz geht nichts mehr. Wir alle sind davon abhängig!

Dieses Netz ist noch nicht sehr alt. Die Anfänge reichen etwa 100 Jahre zurück. Damals entstanden zunächst kleine und dezentrale Netze, die immer mehr zusammen wuchsen und auch über Landesgrenzen hinweg zusammengeschaltet wurden. Zur Zeit der klugen und schönen Herzogin Anna Dorothea von Kurland (1761–1821) gab es dieses Netz noch nicht, und ein Leben war dennoch möglich.

Doch wir haben unser Leben mit diesem Netz eingerichtet. Unsere Kultur und der Erhalt des kulturellen Erbes ist ohne dieses Netz nur noch schwer vorstellbar. Von manchen Zeitgenossen wird es heutzutage bis aufs Messer bekämpft, wenn es z. B. aktuell erweitert werden soll. Gerichte werden bemüht, für viele Rechtsanwälte eine wahre ABM-Maßnahme.

Doch ohne dieses Netz scheint ein modernes Leben unmöglich. Denn es versorgt uns mit einem Medium, was man nicht sehen, riechen oder schmecken kann. Dieses Medium kann aber unter Umständen zugleich lebensrettend, wie auch lebensgefährlich sein.

Wer auf dieses Medium persönlich verzichten möchte, sollte einfach für eine Woche die Sicherungen an seinem Stromzähler herausschrauben, sich somit von diesem Netz trennen und beobachten, was dann passiert: Der Kühlschrank taut ab und alle Lebensmittel verderben, wenn sie nicht schnell genug verzehrt werden. Waschmaschine, Fernsehempfänger, Radio, Computer, Internet, Facebook oder andere Soziale Medien funktionieren nicht mehr. Smartphone und Notebook können nicht mehr geladen werden. Bei Dunkelheit ist Kerzenlicht angesagt. Petroleum gab früher und es roch unangenehm. Der elektrische Herd bleibt kalt. Die elektrische Umwälzpumpe der Zentralheizung funktioniert nicht und damit auch die gesamte Heizung nicht. Jeder mag nun seiner Phantasie freien Lauf lassen, wie er mit einer solchen Situation umgeht, wenn in seinem Haus oder seiner Wohnung der Strom abgestellt ist.

Dieses Netz, das kontinentaleuropäische Verbundnetz, verbindet sämtliche europäischen privaten, öffentlichen und industriellen Stromabnehmer synchron mit allen Stromerzeugern in diesen Ländern. Es sorgt für StabilitätVersorgungssicherheit und sichert wirtschaftliches Handeln und letztlich unseren Wohlstand, sowie den Erhalt des gesamten europäischen kulturellen Erbes! Auskunft über die aktuelle Situation im Europäischen Verbundnetz gibt die Netzfrequenz, die 50 Perioden je Sekunde oder anders gesagt 50 Hz beträgt: https://netzsin.us oder http://www.netzfrequenzmessung.de 
Den letzten Stromausfall mit europaweiten Folgen gab es am 4. November 2006.

Wir sollten jedoch alles dafür tun, dass nicht nur ein Stromnetz die Menschen in Europa verbindet, sondern vielmehr ein Netz demokratischer, freier, rechtsstaatlicher und selbstbestimmter Nationen!

Von Thüringer Museum für Elektrotechnik

#SalonEuropa im Hier und Jetzt: Die Künstlerin Petra Herrmann im Portrait

Petra Herrmanns fragiler, schwebender Tisch symbolisiert Europa.
Petra Herrmanns fragiler, schwebender Tisch symbolisiert Europa.

Bis 9. September 2018 zeigt das Museum Burg Posterstein die erste Sonderschau zur Themenreihe #SalonEuropa. Vier Künstlerinnen aus Deutschland, Frankreich und Polen realisieren ein gemeinsames Kunstprojekt. Anlass sind die bevorstehenden Veränderungen für die Parkanlage und das Schloss Tannenfeld. Mit ihrem Projekt verweisen die Künstlerinnen auf den europäischen Gedanken, der an diesem Ort unter Anna Dorothea von Kurland gelebt wurde und bringen ihre jetzige Sichtweise zum Thema Europa zum Ausdruck.

Im Künstlerporträt stellen wir dieses Mal Petra Herrmann vor. Die Installations-Künstlerin aus Kratschütz kann ohne Umschweife als die „treibende Kraft“ hinter der Ausstellung „#SalonEuropa im Hier und Jetzt: Schloss Tannenfeld – Inspiration und Wirklichkeit“ bezeichnet werden. Gemeinsam mit ihrer Kollegin Jana Borath entwickelte sie die Idee, Schloss Tannenfeld und dem Europäischen Gedanken, der dort einst gelebt wurde, in ihre Kunst einzubeziehen und ihm eine Sonderschau zu widmen.

Petra Herrmann – „Europa zu Tisch“

Petra Herrmann wurde 1957 in Berlin geboren. Bereits 1986 kam sie als freischaffende Künstlerin nach Thüringen. Ab 1988 folgten erste Einzelausstellungen und Performances. 1994 wurde sie Mitglied der GEDOK Leipzig/Sachsen und war zeitweise auch im dortigen Vorstand tätig.
In ihrer Kunst setzt sich Petra Herrmann mit dem Matriarchat, feministischer Theologie, Religionen und Körpern auseinander. Ihre teilweise preisgekrönten Arbeiten präsentierte sie bereits in zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland.

Petra Herrmann ist freischaffende Künstlerin in Thüringen.
Petra Herrmann ist freischaffende Künstlerin in Thüringen.

Für die Ausstellung „#SalonEuropa im Hier und Jetzt“ fertigte Herrmann eine fragile, leichte und doch so bedrückende Installation an, die aktueller kaum sein könnte. Im Raum schwebt ein imaginärer Tisch aus Zeitungspapier, der in seinen Umrissen keine abgeschlossene, sondern eine eher bizarre, offene, ja zerrissene Form darstellt. Zeitungen aus Polen, Frankreich, Deutschland und anderen EU-Ländern sind lesbar verwendet.

Das Fragile des Tisches ist bestimmend und zeigt die Unsicherheit, die Ängste vor dem sich zeigenden Rechtsruck in einigen europäischen Ländern, zeigt die Gratwanderung, die von allen erwartet wird. – Ein Drahtseilakt zwischen Diplomatie und bestimmender Konsequenz.

Petra Herrmanns Installation "Europa zu Tisch" schwebt im Raum.
Petra Herrmanns Installation “Europa zu Tisch” schwebt im Raum.

Dazu kommen Fotos, die in drei Formaten von der Künstlerin auf dem Tisch platziert wurden – Fotos, die „boatspeople“ – Flüchtlinge aus Syrien – zeigen. Die Fotos, die im Ursprung eine klare Aussage hatten, sind verfremdet, sodass Konturen unklar werden und die Herkunft nicht definierbar. Petra Herrmann zeigt sie als Ausdruck für die Manipulation, die wir über die Medien erfahren, in der Aussage als ein Ausschnitt von Wirklichkeit betrachtet werden muss.
In Herrmanns Installation geht es um Fluchten, die meist mit ungeeigneten, zudem überladenen Booten unternommen werden. Die Ursachen von Bootsflucht reichen heute, wie bei jeder Flucht, von individueller Verfolgung – die eine Person im rechtlichen Sinne als Flüchtling qualifiziert – über allgemeine Unsicherheit und bewaffnete Konflikte bis hin zur Suche nach besseren Lebensbedingungen.

Es ist Aufgabe der EU- und anderer Staaten, solche Fluchtursachen zu bekämpfen – für jeden gäbe es Platz an diesem Tisch, der fragileraber wohl nicht sein kann. Genauso fragil wie jedes einzelne der Fluchtboote, die seit Jahren über das Mittelmeer an europäischen Stränden anlegen wollen. Voll- und überladen mit Menschen aus Syrien, vom afrikanischen Kontinent und aus Nahost. Menschen, die vor Krieg, Tod, bewaffneten Konflikten, Hunger, wirtschaftlicher Not und bitteren Lebensbedingungen flüchten. Menschen, die versuchen sich zu retten – auch vor den Folgen des europäischen Wohlstandsappetites.

Kommt Europa noch an einen Tisch und haben Flüchtlinge dort einen Platz? Solche Fragen wirft die Installation Petra Herrmanns auf.
Kommt Europa noch an einen Tisch und haben Flüchtlinge dort einen Platz? Solche Fragen wirft die Installation Petra Herrmanns auf.

Mit ihrer Installation legt Petra Herrmann den Finger in eine Wunde Europas, die spätestens seit 2015 weit klafft. Als Flüchtlingskrise wird jenes Phänomen diagnostiziert, welches europäische Länder, Bevölkerungen, Familien und Freundschaften spaltet und strapaziert, Gewalt hervorruft und Rechtspopulisten die politische Bühne erobern lässt. Doch Flüchtlinge sind Menschen, keine Krise, so Herrmann. Das definieren die Grundlagen unseres heutigen europäischen Weltbildes. Es zählen sowohl der Wert des einzelnen als auch der aller Menschen. In der Krise befindet sich indes der Umgang Europas mit globalen Problemen wie Hunger, Krieg, bewaffnete Konflikte und Naturkatastrophen, die die wohlstandsorientierte Staatenvereinigung zum nicht geringen Teil mit verursacht. Durch aggressiven Kapitalismus, ausgelagerte Umweltprobleme, durch florierende Waffengeschäfte in Länder mit Krisenherden. Hinzu kommt die Krise Europas, die Notwendigkeit seine internen Probleme zu lösen.

Im Museum Burg Posterstein bereiteten wir gerade die interaktive Ausstellung #SalonEuropa vor Ort und digital vor, in der wir einen gesellschaftlichen Diskurs und ein Nachdenken über Europa anregen wollen. Petra Herrmann hat ihre Gedanken über Europa mit uns geteilt:

Petra Herrmann – Europa bedeutet für mich …?

„Die Schere innerhalb und zwischen Europa und angrenzenden Ländern bis hin nach Afrika ist unübersehbar, ebenso die Diskrepanzen. Wir als Europäer, die auf dem Rücken aller ihren Wohlstand ausbauen, in aller Selbstverständlichkeit davon ausgehen, dass ein Kleidungsstück natürlich von Frauen in Indien hergestellt wurde, hier Schuhe – egal welcher Marke – unter martialischen Bedingungen gegerbt und gefärbt werden. Dass ein Konzern in afrikanischen Staaten sich bereichert und Entwicklungshilfegelder von ebendiesen vergeudet werden und die Menschen dort nicht erreichen. Niemand kann es einem Menschen verdenken, dass er solches Unrecht nicht mehr ertragen möchte, sein Leben aufs Spiel setzt, die Ausweglosigkeit in sein Gesicht gemeißelt.“

Was bedeutet Europa für Sie? Teilen Sie hier ihre Meinung mit uns.

Zusammengefasst von Franziska Engemann / Museum Burg Posterstein

Zum Weiterlesen:

Die Ausstellung #SalonEuropa im Hier und Jetzt

#SalonEuropa im Hier und Jetzt: Die Künstlerin Jana Borath im Portrait

#SalonEuropa im Hier und Jetzt: Die Künstlerin Verok Gnos im Portrait

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#ZukunftThüringen – Thüringer Ministerpräsident Bodo Ramelow besuchte Posterstein auf seiner Sommertour

Auf dem Besuchsprogramm zur Sommertour des Thüringer Ministerpräsidenten Bodo Ramelow standen am 5. Juli 2018 auch Herrenhaus und Burg Posterstein.

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow zusammen mit Museumsdirektor Klaus Hofmann und Landrat Uwe Melzer (von links) auf dem Postersteiner Burgberg.
Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow zusammen mit Museumsdirektor Klaus Hofmann und Landrat Uwe Melzer (von links) auf dem Postersteiner Burgberg.

„Ich freue mich auf die breite Palette von Terminen, die abwechslungsreicher nicht sein könnten“, sagt der Ministerpräsident vorab. „Dabei ist es mir nicht nur wichtig, Thüringen als Kultur- und Tourismusland zu erleben. Ich möchte den Menschen begegnen, die mit ihrem Tun unsere Gesellschaft im Innersten zusammenhalten, die mit ihrem Dienst unser Zusammenleben möglich und lebenswert machen. Das betreffe sowohl die Menschen, die sich ehrenamtlich engagierten als auch diejenigen, die beruflich in verschiedensten Bereichen der Daseinsvorsorge tätig sind.“ So stand es zu lesen in der Presseankündigung der Staatskanzlei. Damit hatte sich der Thüringer Ministerpräsident Posterstein genau zum richtigen Zeitpunkt ausgesucht.

Im Video empfielt der Ministerpräsident Posterstein:

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„Gemeinsam nicht Einsam – neues Leben auf dem Land“

Direkt neben der Burg Posterstein gestalten derzeit der Verein Burgberg Posterstein e.V. und die Gemeinde Posterstein das Areal des historischen Burgbergs neu. Im Projekt „Gemeinsam nicht Einsam – neues Leben auf dem Land“ soll der Burgberg zu einem Zentrum für Wohnen, Arbeiten, Kultur  und Tourismus entwickelt werden. Die Sanierung des historischen Herrenhauses ist in vollem Gange und soll im Rahmen von verschiedenen Förderungen und Eigenleistungen bis 2019 abgeschlossen sein. Auch der Platz vor der Burg wird neu gestaltet. Ein weiterer großer Schwerpunkt der Entwicklung des Burgbergs ist der Neubau des in den 1950er Jahren abgerissenen Nordflügels der Burg.

Auf einer kurzen Führung durch das Museum Burg Posterstein.
Auf einer kurzen Führung durch das Museum Burg Posterstein.

Europäisches Zentrum für Salonkultur: Ein Tourismus- und Informationszentrum in der Burg Posterstein

Das inhaltliche Gestaltungskonzept des Neubaus des historischen Nordflügels der Burg verknüpft die Orte der Europäischen Salonkultur im Altenburger Land: insbesondere Residenzschloss Altenburg, Lindenau-Museum, Marstall, verschiedene Palais in Altenburg, Schlösser Tannenfeld und Löbichau.

Vor der Ruine des in den 1950er Jahren abgerissenen Nordflügels.
Vor der Ruine des in den 1950er Jahren abgerissenen Nordflügels.

Es nimmt direkten Bezug auf die Tourismusstrategie des Freistaates Thüringen, die die Entwicklung von touristischen Leitprodukten mit Alleinstellungsmerkmal und überregionaler Ausstrahlungskraft anregt.

In der Ausstellung zur Salongeschichte trug sich Bodo Ramelow ins Gästebuch der Burg ein.
In der Ausstellung zur Salongeschichte trug sich Bodo Ramelow ins Gästebuch der Burg ein.

Die Salonkultur im Altenburger Land bietet damit hervorragende Anknüpfungspunkte für gemeinsame Projekte und die Vernetzung der verschiedenen Museen und anderen Kultur-Akteure. Posterstein ist für viele Touristen, die von Süden und Westen her in die Region kommen, quasi das Tor zum Altenburger Land. Salongeschichte fand in Weimar und Gotha statt, aber auch im Altenburger Land. Mit gemeinsamen Vermittlungs- und Veranstaltungskonzepten soll die Region vorangebracht und dieses spannende Thema belebt und gelebt werden.

Die Gesprächspartner: Landrat Uwe Melzer (CDU), Bürgermeister Stefan Jakubek (parteilos), Vorsitzender des Fördervereins Herrmann Marsch und Museumsdirektor Klaus Hofmann informierten den Ministerpräsidenten Bodo Ramelow (die Linke) in der fast 1,5-stündigen Visite ausführlich über den aktuellen Stand der verschiedenen Postersteiner Projekte.

von Klaus Hofmann / Museum Burg Posterstein

Zum Weiterlesen:

#heritageMW: Ein europäisches Tourismus- und Informationszentrum im Geiste der historischen Salons in der Burg Posterstein

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