#ZukunftThüringen – Thüringer Ministerpräsident Bodo Ramelow besuchte Posterstein auf seiner Sommertour

Auf dem Besuchsprogramm zur Sommertour des Thüringer Ministerpräsidenten Bodo Ramelow standen am 5. Juli 2018 auch Herrenhaus und Burg Posterstein.

„Ich freue mich auf die breite Palette von Terminen, die abwechslungsreicher nicht sein könnten“, sagt der Ministerpräsident vorab. „Dabei ist es mir nicht nur wichtig, Thüringen als Kultur- und Tourismusland zu erleben. Ich möchte den Menschen begegnen, die mit ihrem Tun unsere Gesellschaft im Innersten zusammenhalten, die mit ihrem Dienst unser Zusammenleben möglich und lebenswert machen. Das betreffe sowohl die Menschen, die sich ehrenamtlich engagierten als auch diejenigen, die beruflich in verschiedensten Bereichen der Daseinsvorsorge tätig sind.“ So stand es zu lesen in der Presseankündigung der Staatskanzlei. Damit hatte sich der Thüringer Ministerpräsident Posterstein genau zum richtigen Zeitpunkt ausgesucht.

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow zusammen mit Museumsdirektor Klaus Hofmann und Landrat Uwe Melzer (von links) auf dem Postersteiner Burgberg.
Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow zusammen mit Museumsdirektor Klaus Hofmann und Landrat Uwe Melzer (von links) auf dem Postersteiner Burgberg.

„Gemeinsam nicht Einsam – neues Leben auf dem Land“

Direkt neben der Burg Posterstein gestalten derzeit der Verein Burgberg Posterstein e.V. und die Gemeinde Posterstein das Areal des historischen Burgbergs neu. Im Projekt „Gemeinsam nicht Einsam – neues Leben auf dem Land“ soll der Burgberg zu einem Zentrum für Wohnen, Arbeiten, Kultur  und Tourismus entwickelt werden. Die Sanierung des historischen Herrenhauses ist in vollem Gange und soll im Rahmen von verschiedenen Förderungen und Eigenleistungen bis 2019 abgeschlossen sein. Auch der Platz vor der Burg wird neu gestaltet. Ein weiterer großer Schwerpunkt der Entwicklung des Burgbergs ist der Neubau des in den 1950er Jahren abgerissenen Nordflügels der Burg.

Auf einer kurzen Führung durch das Museum Burg Posterstein.
Auf einer kurzen Führung durch das Museum Burg Posterstein.

Europäisches Zentrum für Salonkultur: Ein Tourismus- und Informationszentrum in der Burg Posterstein

Das inhaltliche Gestaltungskonzept des Neubaus des historischen Nordflügels der Burg verknüpft die Orte der Europäischen Salonkultur im Altenburger Land: insbesondere Residenzschloss Altenburg, Lindenau-Museum, Marstall, verschiedene Palais in Altenburg, Schlösser Tannenfeld und Löbichau.

Vor der Ruine des in den 1950er Jahren abgerissenen Nordflügels.
Vor der Ruine des in den 1950er Jahren abgerissenen Nordflügels.

Es nimmt direkten Bezug auf die Tourismusstrategie des Freistaates Thüringen, die die Entwicklung von touristischen Leitprodukten mit Alleinstellungsmerkmal und überregionaler Ausstrahlungskraft anregt.

In der Ausstellung zur Salongeschichte trug sich Bodo Ramelow ins Gästebuch der Burg ein.
In der Ausstellung zur Salongeschichte trug sich Bodo Ramelow ins Gästebuch der Burg ein.

Die Salonkultur im Altenburger Land bietet damit hervorragende Anknüpfungspunkte für gemeinsame Projekte und die Vernetzung der verschiedenen Museen und anderen Kultur-Akteure. Posterstein ist für viele Touristen, die von Süden und Westen her in die Region kommen, quasi das Tor zum Altenburger Land. Salongeschichte fand in Weimar und Gotha statt, aber auch im Altenburger Land. Mit gemeinsamen Vermittlungs- und Veranstaltungskonzepten soll die Region vorangebracht und dieses spannende Thema belebt und gelebt werden.

Die Gesprächspartner: Landrat Uwe Melzer (CDU), Bürgermeister Stefan Jakubek (parteilos), Vorsitzender des Fördervereins Herrmann Marsch und Museumsdirektor Klaus Hofmann informierten den Ministerpräsidenten Bodo Ramelow (die Linke) in der fast 1,5-stündigen Visite ausführlich über den aktuellen Stand der verschiedenen Postersteiner Projekte.

von Klaus Hofmann / Museum Burg Posterstein

Zum Weiterlesen:

#heritageMW: Ein europäisches Tourismus- und Informationszentrum im Geiste der historischen Salons in der Burg Posterstein

Wir brauchen bis in den kleinsten Thüringer Winkel hinein Konzepte, die über den Tellerrand hinaus blicken: Statement zur Thüringer #Museumsperspektive2025

#kidsMW: Bitte ins Museum, Mami! Die Familienausstellung „Die Kinderburg“ auf Burg Posterstein

Ein Museum ist dunkel, leise und anfassen darf man auch nichts! – Diese Vorstellung ist auch heute noch weit verbreitet. Der Gedanke an einen Familienausflug ins Museum kommt bei vielen nicht besonders gut an. Aber muss das so sein? Das heutige Thema der internationalen Museumswoche #MuseumWeek heißt #kidsMW und wir wollen unsere erste Familienausstellung im Museum Burg Posterstein vorstellen.

Das Bild wandelt sich! Viele Museen haben das Klischee der langweiligen Kulturstätte erkannt und sich bewusst auf die Fahnen geschrieben, einen Schlussstrich darunter zu setzen. Und das zu Recht! Denn Kunst, Naturwissenschaft, Geschichte, Literatur und Technik sind alles andere als langweilig. Doch die Vermittlung kann eine echte Herausforderung werden. Besonders Kinder verlieren beim Versuch einer detaillierten Beschreibung schnell die Begeisterung. Vor allem wenn ihnen „vorgeschrieben“ wird, was sie wissen, sehen oder sich merken sollen.

Franziska Engemann bei einer Familienführung durch die Burg Posterstein.
Franziska Engemann bei einer Familienführung durch die Burg Posterstein.

Dabei sind Kinder durchaus an kulturellen Themen interessiert. Sie wollen diese bewusst erleben: sehen, hören, riechen, anfassen und fühlen. Besonders letztes lässt vielen Kollegen wohl einen eisigen Schauer über den Rücken laufen. Schließlich gehört es zu den Hauptaufgaben eines Museums seine Exponate zu sichern und zu bewahren. Aber muss das eine das andere zwangsläufig ausschließen?

Kinder, erobert die Burg!

Im Museum Burg Posterstein sind Familien mit Kindern, Schulklassen und Kita-Gruppen traditionell die wichtigste Besuchergruppe. Die Burg mit ihrem Verließ, dem Turm und einem Hauch von „Ritterleben“ trifft das Interesse vieler Kinder. Die pädagogischen Angebote, die von speziellen Führungen und Programmen für Kinder bis hin zur privaten Geburtstagsfeier für die kleinen Besucher reichen, waren und sind sehr gefragt. Das traditionell zu Pfingsten stattfinde Mittelalterspektakel mit Reiterturnier, Musik und Markttreiben ist für viele Besucher ein Höhepunkt des Jahres.

Einer der Höhepunkte des Jahres auf Burg Posterstein: Das Mittelalterspektakel mit Ritterturnieren - jedes Jahr zu Pfingsten.
Einer der Höhepunkte des Jahres auf Burg Posterstein: Das Mittelalterspektakel mit Ritterturnieren – jedes Jahr zu Pfingsten.

Im musealen Alltag gab es allerdings einen Makel: Schrift, Ton und Präsentation der Exponate im Museum waren bisher fast ausschließlich für ein erwachsenes Publikum bestimmt. Besonders das Thema „Salonkultur“ und die Geschichte um den Musenhof der Herzogin Anna Dorothea von Kurlands auf ihren Schlössern Löbichau und Tannenfeld war für junge Museumsgäste schwer zugänglich – Prinzessinnen hin oder her.
Die Zeit war reif für eine Ausstellung, die sich speziell an die vielen Kinder richtete, die das Museum besuchten.

Wie, wer, was, warum?

Das gesamte Jahr 2017 war von den Vorbereitungen zur Ausstellung „Die Kinderburg – Auf den Spuren von Rittern und Salondamen“ geprägt. Die verschiedenen Stationen für Kinder orientieren sich an den Hauptthemen des Museums: Burggeschichte und Mittelalter, Geschichte der Region und Salonkultur des 18./19. Jahrhundert, speziell der Musenhof der Herzogin von Kurland in Löbichau und Tannenfeld.

Geschichte soll nicht nur in Führungen kindgerecht erklärt werden, sondern auch in der Ausstellung.
Geschichte soll nicht nur in Führungen kindgerecht erklärt werden, sondern auch in der Ausstellung.

Die Leitidee der Ausstellung war, den Kindern die Informationen nicht einfach vorzusetzen. Sie sollten selbst mitwirken. So wurde Anfang des Jahres eine Fragestation im Museum eingerichtet. Dort konnten die kleinen und großen Besucher ihre brennendsten Fragen an das Burggespenst Posti und den Burgdrachen Stein stellen. Beide gaben dann Antwort: per Brief, E-Mail oder im neu eingerichteten Kinderblog der Burg Posterstein.

Das Interesse und die Beteiligung waren erfreulich hoch. Das größte Interesse galt dem Alltagsleben der Ritter, Bauern und Salondamen. Wie schwer war eine Ritterrüstung? Wie ging der Ritter damit aufs Klo und was hat er als Klopapier benutzt? Wie lebten Kinder im Mittelalter? Gingen die Kinder im Mittelalter zur Schule? Wie verschickte man früher Post? Hatten Prinzen auch Schlittschuhe?

Eine Ausstellung zum Sehen, Lesen, Hören, Fühlen und Verkleiden

Auf Basis dieser Fragen entwickelten wir zehn Stationen, an denen auf schwarzen Holzwürfeln und Holzritterfiguren diese Fragen in kurzen Sätzen beantwortet wurden. Dabei war uns wichtig, dass die Kinder nicht nur lesen, sondern die Geschichte und Geschichten der Burg und der Region auch aktiv erleben können. So weist jeder Würfel nicht nur kurze, kindgerechte Texte auf, sondern verbirgt auch eine praktische Funktion zum Erkunden.

Die Ausstellung "Die Kinderburg" auf Burg Posterstein zeigt Geschichte zum Sehen, Hören und Anfassen.
Die Ausstellung “Die Kinderburg” auf Burg Posterstein zeigt Geschichte zum Sehen, Hören und Anfassen.

Den Anfang bildet die Replik eines Kettenhemdes, das die Kinder anfassen und so ein Gefühl für diese spezielle Schutzbekleidung bekommen können. Milchkartons in einem Einkaufsnetz verdeutlichen das Gewicht eines Ritterhelms. Mit großen Holzbausteinen können die kleinen Besucher die Bauentwicklung der Burg Posterstein nachempfinden, mit Holzfiguren ihre eigenen Rittergeschichten nachspielen oder ein Theaterstück im Salon der Herzogin von Kurland aufführen.

Die sich oft ähnelnden Portraits der Altenburger Bäuerinnen, in ihrer Tracht „Marchen“ genannt, dienten schon in der Sonderausstellung zum 200. Geburtstag des Bauernmalers Friedrich Mascher (1815–1880) 2016 als kleines Online-Memory-Spiel. Eine neue Variante dieses „Mascher-Marchen-Memorys“ mit hölzernen Türchen zum Öffnen soll den Kindern die Geschichte der Altenburger Bauern spielerisch näher bringen.

Kleine Ritter und Prinzessinnen stürmten die Burg Posterstein zur Eröffnung der "Kinderburg"-Ausstellung. Unterstützung bekamen wir von der Ritterschaft von Hohenstein.
Kleine Ritter und Prinzessinnen stürmten die Burg Posterstein zur Eröffnung der “Kinderburg”-Ausstellung. Unterstützung bekamen wir von der Ritterschaft von Hohenstein.

Eine Station der „Kinderburg“ widmet sich Stoffen und der Kleidung im Wandel der Zeit. Natürlich können sich die kleinen Besucher hier auch als Ritter oder Burgfräulein, als Prinz oder Salondame verkleiden.

Eine Hörstation im Burgturm erzählt von der Ausbildung zum Ritter oder zur Burgdame. Und ein Blick hinter sonst verschlossene Kamintüren und ins Ritterklo der Burg darf natürlich auch nicht fehlen.

Gekommen, um zu bleiben…

Die Ausstellung „Die Kinderburg – Auf den Spuren von Rittern und Salondamen“ war als Sonderschau bis 31. Dezember 2017 geplant, ist aber inzwischen verlängert worden und kaum noch aus der Burg wegzudenken. Allein zur Eröffnung stürmten rund 200 kleine und große Gäste die Burg und erkundeten die neue Ausstellung. In den ersten zwei Wochen kamen über 1000 Besucher, darunter deutlich mehr Familien mit Kindern als sonst, nämlich über die Hälfte der Besucher. Das Feedback zur Ausstellung fiel durchweg positiv aus. Und der Trend hält an. Auch in den ersten Monaten 2018 besuchten fast doppelt so viele Familien die Burg Posterstein als im Vorjahr. Anteil daran hatten auch die Ferienprogramme mit Rästeljagd und kleinen Familienführungen, welche die unterschiedlichen Fragen der Kinder thematisierten. Das Interesse ist ungebrochen und so bleibt die „Kinderburg“ den Familien erst einmal erhalten.

Natürlich wird der begonnene Kinderblog der Burg weitergeführt. Und auch die „Helmpost“ der Burggeister Posti und Stein erfreut sich weiterhin großer Beliebtheit. Eine Erweiterung der Familienausstellung in der Burg Posterstein ist also durchaus denkbar!

Von Franziska Engemann / Museum Burg Posterstein

Weitere Beiträge zur #MuseumWeek 2018:
#WomenMW: Die Dame, die unter dem Pseudonym „Ernst Ritter“ schrieb
#CityMW: Tee im Salon – Die Altenburger Gesellschaft um 1810
#heritageMW: Ein europäisches Tourismus- und Informationszentrum im Geiste der historischen Salons in der Burg Posterstein
#professionsMW: Ein lebendiges Museum braucht Helfer und Unterstützer

#professionsMW: Ein lebendiges Museum braucht Helfer und Unterstützer

Es ist europäische Museumswoche #MuseumWeek und das heutige Thema #professionsMW rückt die Leute hinter den Kulissen ins Zentrum des Interesses. Wir wollen das zum Anlass nehmen, den Museumsverein Burg Posterstein vorzustellen, der die Arbeit des Museums nicht nur finanziell und tatkräftig unterstützt, sondern seit über zehn Jahren auch Träger des Museums ist.

Der Förderverein des Museums gründete sich zur Erforschung, Pflege und Bewahrung regionaler Geschichte, Kultur und Kunst. 1990, mit Sitz auf Burg Posterstein, gegründet ist er als gemeinnützig anerkannt. Der Museumsverein Burg Posterstein e.V. steht allen Freunden des Museums für private oder Firmenmitgliedschaften offen, ermöglicht Mitarbeit, Spenden oder Stiftungen. Derzeit zählt der Museumsverein über 50 Mitglieder, die engagiert und regelmäßig bei Veranstaltungen, auch bei Übersetzungs- und Korrekturarbeiten im Museumsalltag einspringen. Auch die Sponsorensuche ist eine der Prioritäten unserer Vereinsmitglieder und dafür gebührt ihnen ein Herzliches Dankeschön!

1735 erwarb der kurländische Herzog Ernst Johann von Biron das Gut Rundãle und ließ es als Sommerresidenz ausbauen. Baumeister war Francesco Bartolomeo Rastrelli, ein italienischer Architekt, der auch das Winterpalais in St. Petersburg errichtete.
1735 erwarb der kurländische Herzog Ernst Johann von Biron das Gut Rundãle und ließ es als Sommerresidenz ausbauen. Baumeister war Francesco Bartolomeo Rastrelli, ein italienischer Architekt, der auch das Winterpalais in St. Petersburg errichtete.

 

Ein Verein als Träger des Museums

Seit dem 1. Januar 2007 betreibt der Förderverein das Museum Burg Posterstein. Lange Verhandlungen, Networking und ein überzeugendes Konzept haben im Juni 2017 zum Erfolg geführt: Der Trägerschaftsvertrag mit dem Landkreis Altenburger Land zur Betreibung unseres Museums wurde für weitere zehn Jahre mit Budgeterhöhung und Personalabsicherung abgeschlossen.

Das Netzwerk – Freunde der europäischen Salongeschichte

200 Jahre nach dem Wiener Kongress schloss der Museumsverein Burg Posterstein 2015 einen Vertrag mit der Pariser Gesellschaft Les Amis de Talleyrand , der gemeinsame Forschungsarbeiten ermöglichen und fortführen soll. https://blog.burg-posterstein.de/2015/08/24/vertrag-zwischen-paris-und-posterstein-zusammenarbeit-mit-les-amis-de-talleyrand/.

Fotoshoot mit der Herzogin von Kurland und ihrer Tochter Wilhelmine von Sagan bei der Eröffnung der Sonderausstellung "Salongeschichten" in Posterstein.
Fotoshoot mit der Herzogin von Kurland und ihrer Tochter Wilhelmine von Sagan bei der Eröffnung der Sonderausstellung “Salongeschichten” in Posterstein.

Vielen der Mitglieder des Museumsvereins liegt besonders die europäische Salongeschichte am Herzen, die in regelmäßigen Bildungsfahrten erkundet wird. Wir wollen einige bisherige Höhepunkte der Vereinsarbeit nennen.

Zwischen 1795 und 1821 gab es auf Schloss Löbichau bei Posterstein einen lebendigen Musenhof, der bildende Künstler, Schriftsteller und Politiker, Adlige wie Bürgerliche, aus ganz Europa anzog. Die Gastgeberin, die kluge und schöne Herzogin Anna Dorothea von Kurland (1761–1821), zählte zu den reichsten Frauen Europas. Sie verstand es geschickt, ein soziales Netzwerk zu knüpfen, das sich über den ganzen europäischen Kontinent zog.

In den Sommermonaten versammelte sie ihre Gäste in ihren Schlössern Löbichau und Tannenfeld im heutigen Altenburger Land. In den Salons dieser Zeit wurden bei Musik, Theater und Tee Kontakte geknüpft und politische Entscheidungen auf den Weg gebracht. Wie der Dichter Jean Paul anerkennend berichtete, durfte im Salon der Herzogin von Kurland jeder frei seine Meinung äußern, so lange sie höflich vorgetragen wurde.
In den Sommermonaten versammelte sie ihre Gäste in ihren Schlössern Löbichau und Tannenfeld im heutigen Altenburger Land. In den Salons dieser Zeit wurden bei Musik, Theater und Tee Kontakte geknüpft und politische Entscheidungen auf den Weg gebracht. Wie der Dichter Jean Paul anerkennend berichtete, durfte im Salon der Herzogin von Kurland jeder frei seine Meinung äußern, so lange sie höflich vorgetragen wurde.

Seit fast 30 Jahren beschäftigt sich das Museum Burg Posterstein mit der Geschichte des Salons der Herzogin von Kurland. Dabei stehen im Mittelpunkt des Interesses die Herzogin selbst, aber auch ihre Töchter und die Personen, mit denen sie am meisten im Kontakt stand. Neben der Dauerausstellung zu diesem Thema wurden in den letzten Jahren auch mehrere Sonderausstellungen gezeigt.

Einmal im Jahr begeben sich die Mitglieder des Museumsvereins auf eine gemeinsame Bildungsfahrt auf die „Spuren der Herzogin von Kurland in Europa“. Auf dem Programm standen in den letzten Jahrzehnten Berlin, Wien, Prag, Südböhmen, Paris, Schloss Valencay, St. Petersburg, Riga und Schloss Rundale, Krakau, Breslau, Brüssel, Rom oder London.

  

Eine Ausstellung folgt den Reisewegen der Herzogin von Kurland

Die Wanderausstellung „Lebensstationen der Herzogin von Kurland“ verband die historischen Orte in Europa. Die Exposition reiste nach der Eröffnung in Posterstein (2006) nach Lettland (Schloss Ruhental 2008), Polen (Schloss Sagan 2009) und Frankreich (Schloss Valencay 2007). Zur Schau im französischen Schloss Valençay des ehemaligen Ministers Talleyrand kamen 43.000 Besucher. In der Sommerresidenz der Kurländischen Herzöge, Schloss Rundãle in Lettland, wurden rund 200.000 und im polnischen Schloss Sagan etwa 20.000 Besucher gezählt. Unterstützt wurde das Gesamtvorhaben von der Bürgerstiftung Altenburger Land.

Über ein Vierteljahrhundert wetteiferte alles, was in Europa Rang und Namen hat, darum, vom illustren Diplomaten Talleyrand in Valençay empfangen zu werden. Nach dem Wiener Kongress und der Rückkehr der Bourbonen zog sich Talleyrand mit der jüngsten Tochter der Herzogin von Kurland, Dorothée, auf Schloss Valençay zurück.
Über ein Vierteljahrhundert wetteiferte alles, was in Europa Rang und Namen hat, darum, vom illustren Diplomaten Talleyrand in Valençay empfangen zu werden. Nach dem Wiener Kongress und der Rückkehr der Bourbonen zog sich Talleyrand mit der jüngsten Tochter der Herzogin von Kurland, Dorothée, auf Schloss Valençay zurück.

 

Ausstellung und Konferenz: Salon-Flair in Posterstein und im Park von Tannenfeld

2011 jährte sich der Geburtstag der Herzogin von Kurland zum 250sten Mal. Aus diesem Anlass wurde das Leben der Salonnière in einer Sonderausstellung näher beleuchtet. Die Ausstellung und die begleitende Publikation griffen diese Art des damaligen gesellschaftlichen Lebens auf und zeigten, wie es Frauen zu Beginn des 19. Jahrhunderts gelang, gesellschaftliche, politische und kulturelle Netzwerke zu knüpfen und durch diese eigenen Einflusses auf den Verlauf von Ereignissen erlangten.

Am Beispiel der Herzogin Anna Dorothea von Kurland wurden die Emanzipationsbestrebungen und die Möglichkeiten der Teilhabe von Frauen am gesellschaftlichen Leben jenseits der juristischen Schranken der Zeit deutlich gemacht. Einen Schwerpunkt bildete die Rolle des weiblichen Geschlechtes bei der Gestaltung nationaler und internationaler Beziehungen in der napoleonischen Zeit.
Am Beispiel der Herzogin Anna Dorothea von Kurland wurden die Emanzipationsbestrebungen und die Möglichkeiten der Teilhabe von Frauen am gesellschaftlichen Leben jenseits der juristischen Schranken der Zeit deutlich gemacht. Einen Schwerpunkt bildete die Rolle des weiblichen Geschlechtes bei der Gestaltung nationaler und internationaler Beziehungen in der napoleonischen Zeit.

 

Die Ausstellung und internationale Konferenz zum 250. Geburtstag der Herzogin Kurland widmete sich mit etwa 200 Gästen aus Frankreich, Lettland, Polen Finnland und Deutschland  dieser umfangreichen Thematik der Rolle der Frauen in der Gestaltung der Gesellschaft des beginnenden 19. Jahrhunderts.

Die Herzogin von Kurland im Spiegel ihrer Zeitgenossen – Europäische Salonkultur um 1800. Zum 250. Geburtstag der Herzogin von Kurland. Museum Burg Posterstein, 2011. (248 Seiten, farbig, ISBN 978-3-86104-086-6, 29,00 Euro
Die Herzogin von Kurland im Spiegel ihrer Zeitgenossen – Europäische Salonkultur um 1800. Zum 250. Geburtstag der Herzogin von Kurland. Museum Burg Posterstein, 2011. (248 Seiten, farbig, ISBN 978-3-86104-086-6, 29,00 Euro

Das Buch mit Beiträgen deutscher und internationaler Autoren beleuchtet Stationen des Lebens der Herzogin von Kurland. Neben zahlreichen Abbildungen werden erstmals die Briefe des französischen Gesandten zum Wiener Kongress, Charles Maurice de Talleyrand, an die Anna Dorothea von Kurland in deutscher Sprache veröffentlicht. Diese Dokumente, die sich im Familienbesitz in Paris befinden, bieten ein eindrucksvolles Zeugnis der politischen Lage im Wien 1815. Dem Verhandlungsgeschick Talleyrands war es schließlich zu verdanken, dass Frankreich nach der verheerenden Niederlage Napoleons die Stellung als europäische Großmacht zurück gewann bzw. behalten konnte. Darüber hinaus werden erstmals die Resultate der Auswertung der Briefe der Herzogin von Kurland an Auguste Charlotte von Kielmannsegge, einer Vertrauten Napoleons, publiziert.

Auch im Jahr 2018 steht die Salonkultur im Zentrum der Arbeit des Museums und des Museumsvereins. Unter dem Hashtag #SalonEuropa soll es Ausstellungen und Veranstaltungen geben, darunter in neuen Formaten wie Salonabenden, einer Blogparade und Workshops für Kinder und Jugendliche.

Wir freuen uns über jegliche finanzielle und tatkräftige Unterstützung der Arbeit des Museumsvereins Burg Posterstein – ob als neues Mitglied oder in sonstiger Form.

Spendenkonto:
VR Bank Altenburger Land
IBAN: DE 11 8306 5408 0000 3185 90
BIC: GENODEF 1SLR

Spendenbescheinigungen werden von uns erteilt.
AG Altenburg, VR 489, USt-IdNr.DE293965369

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Ohne zusätzliche Ausgaben spenden kann man, wenn man seinen Online-Einkauf über diesen Link erledigt:


Von Klaus Hofmann / Museum Burg Posterstein

Weitere Beiträge zur #MuseumWeek 2018:
#WomenMW: Die Dame, die unter dem Pseudonym „Ernst Ritter“ schrieb
#CityMW: Tee im Salon – Die Altenburger Gesellschaft um 1810
#heritageMW: Ein europäisches Tourismus- und Informationszentrum im Geiste der historischen Salons in der Burg Posterstein

Foto-Ausstellung bringt London nach Posterstein: Fotografie von Frank Rüdiger


Stimmungsvolle Bilder Londoner Straßenzüge sind ab Sonntag, 18. März, 15 Uhr, in der Galerie der Burg Posterstein zu sehen. Seit dem Fall der Mauer 1989 reist der Geraer Fotograf Frank Rüdiger zwei bis drei Mal im Jahr nach London. In seinen Bildern hält er alltägliche Situationen und ungewöhnliche Blickwinkel fest.

(c) Frank Rüdiger: Blackfriars Bridge, 2017
(c) Frank Rüdiger: Blackfriars Bridge, 2017

Die Ausstellung Ausstellung “London Urban Sketches – Urbane Skizzen von London – Fotografie von Frank Rüdiger” zeigt kleinformatige, bearbeitete Drucke von Fotografien Londoner Straßenzüge aus den vergangenen Jahren. – Frank Rüdiger bezeichnet sie selbst als urbane Skizzen.

In Zeiten des Brexit erhalten die Bilder eine fesselnde Aktualität.

Gleichzeitig stimmt die Ausstellung schon auf das Themenjahr #SalonEuropa auf Burg Posterstein ein. Dieses nimmt seinen Ausgangspunkt im Salon der Herzogin von Kurland und in der europäischen Salongeschichte, möchte das Thema Europa aber auch ins heute tragen und aus heutiger Sicht betrachten.

Der Geraer Fotograf Frank Rüdiger liebt London.
Der Geraer Fotograf Frank Rüdiger liebt London.

Frank Rüdiger studierte 1984 bis 1987 Museologie in Leipzig und betreute 1989 bis 1991 die Sammlung Fotografie im Museum für Angewandte Kunst Gera. 1989/90 besuchte er die Spezialschule für Fotografie an der Landesschule für Kultur Rudolstadt und ist seit 1991 freiberuflich als Fotograf, Publizist und Kurator tätig. Als Fotograf, Autor, Co-Autor oder Herausgeber wirkte er an über 70 Publikationen und Buchprojekten mit.

Im Begleitprogramm der Ausstellung liest Frank Rüdiger am 29. April, 15 Uhr, aus seinem Buch Cockney, Cookies, Camden Market – [Un]Gewöhnliches aus London.

Die Ausstellung “London Urban Sketches – Urbane Skizzen von London – Fotografie von Frank Rüdiger” läuft bis 27. Mai 2018.

#Kinderburg: Hatten Prinzen auch Schlittschuhe?

Schaatsenrijders, Adriaen Pietersz. van de Venne, 1625, Rijksmuseum, Public Domain: https://www.rijksmuseum.nl/nl/collectie/SK-A-1768

Kilian hat die Postersteiner Burggeister Posti und Stein gefragt: Hatten Prinzen auch Schlittschuhe? Diese Frage passt wunderbar zur Jahreszeit und den Weihnachtsferien. Hier kommt die Antwort von Posti und Stein:

"Auf dem Eise" aus der Mappe "Aus Schleswig-Holstein", Wilhelm Dreesen, Fotografie, um 1900, Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, Public Domain, http://sammlungonline.mkg-hamburg.de/de/object/"Auf-dem-Eise"-aus-der-Mappe-"Aus-Schleswig-Holstein"/P1986.21/mkg-e00135044
“Auf dem Eise” aus der Mappe “Aus Schleswig-Holstein”, Wilhelm Dreesen, Fotografie, um 1900, Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, Public Domain, http://sammlungonline.mkg-hamburg.de/de/object/”Auf-dem-Eise”-aus-der-Mappe-“Aus-Schleswig-Holstein”/P1986.21/mkg-e00135044

Tatsächlich hatten Prinzen Schlittschuhe! Ganz genau weiß man nicht, wann die Menschen auf die Idee kamen, sich etwas unter die Schuhe zu schnallen, mit dem sie sich auf Eis schnell fortbewegen konnten. Forscher gehen davon aus, dass die Technik schon seit tausenden Jahren bekannt ist. Schlittschuhkufen aus Knochen, Holz und Metall, die sich die Menschen mit Riemen an die Schuhe banden, wurden gefunden. Der Schuh mit Kufe, wie wir ihn heute kennen, ist erst rund 150 Jahre alt.

Schon vor 800 Jahren sollen Boten Metallkufen an den Füßen gehabt haben, um schnell über Eisflächen zu schliddern. So konnten sie ihre Nachrichten schneller überbringen. Vor 800 Jahren – das war die Zeit, in der Burg Posterstein gebaut wurde.

Später war das Eislaufen ein beliebter Sport des Adels. – Prinzen mochten also Schlittschuhlaufen! Auf diesem Bild aus dem niederländischen Rijksmuseum sieht man edle Herrschaften beim Vergnügen auf dem Eis. Es wurde vor rund 400 Jahren gemalt.

Schaatsenrijders, Adriaen Pietersz. van de Venne, 1625, Rijksmuseum, Public Domain: https://www.rijksmuseum.nl/nl/collectie/SK-A-1768
Schaatsenrijders, Adriaen Pietersz. van de Venne, 1625, Rijksmuseum, Public Domain: https://www.rijksmuseum.nl/nl/collectie/SK-A-1768

Vor 250 Jahren begeisterte das Schlittschuhlaufen schließlich alle Leute und es wurden sogar Vereine gegründet, die Wettkämpfe veranstalteten.

Der Altenburger Verleger Heinrich August Pierer verkehrte in den Altenburger Salons und war eng mit seinem Konkurrenten Friedrich Arnold Brockhaus befreundet.
Der Altenburger Verleger Heinrich August Pierer verkehrte in den Altenburger Salons und war eng mit seinem Konkurrenten Friedrich Arnold Brockhaus befreundet.
1845 schrieb der Altenburger Verleger Pierer in seinem Lexikon über das Schlittschuhlaufen, dass ein guter Fahrer “eine zieml. Zeit mit einem trabenden Pferde Schritt halten” könne. Er beschreibt, dass man in Holland längere Strecken auf gefrorenen Flüssen zurücklege, dass “in manchen Gegenden auch die Frauenzimmer” Schlittschuh fuhren und dass es in London schon 1842 im Sommer eine künstliche Schlittschuhbahn gegeben habe. Und nicht nur das: “Auch hat man S. [Schlittschuhe] mit Rädern, um auch im Sommer auf ebnen Boden S. zu fahren”.

Quelle:
Pierers Universal-Lexikon Der Gegenwart und Vergangenheit oder neuestes encyclopädisches Wörterbuch der Wissenschaften, Künste und Gewerbe, herausgegeben von H.A. Pierer, 1845, 2. Auflage, 27. Band, S. 188.

Zum Weiterlesen über Lexika in Altenburg und Leipzig:
Der Brockhaus wird eingestellt

Museen, kuratiert euer öffentliches „Bild“! – Resümee zur Tagung „Digitale Strategien“ des Deutschen Museumsbunds

Burg Posterstein auf großer Bühne - bei der Tagung "Digitale Strategien" des Arbeitskreises Öffentlichkeitsarbeit des Deutschen Museumsbunds in Frankfurt.
Burg Posterstein auf großer Bühne – bei der Tagung “Digitale Strategien” des Arbeitskreises Öffentlichkeitsarbeit des Deutschen Museumsbunds in Frankfurt. (Foto: Jutta Frings – vielen Dank!)

„Museum Burg Posterstein? – Kenn ich von Twitter, Instagram oder Facebook.“ Diesen Satz habe ich auf der Tagung Öffentlichkeitsarbeit des Deutschen Museumsbunds öfter gehört. Ich war eingeladen, die digitale Strategie des Museums Burg Posterstein vorzustellen, als Beispiel dafür, wie auch kleinere Museen mit vergleichsweise geringen Mitteln ihr Bild in der (digitalen) Öffentlichkeit aktiv selbst gestalten können.

Die Tagung "Digitale Strategien" fand im Deutschen Filmmuseum am Frankfurter Museumsufer statt.
Die Tagung “Digitale Strategien” fand im Deutschen Filmmuseum am Frankfurter Museumsufer statt.

Thema der Tagung: Digitale Strategien.

Über 100 Kolleginnen und Kollegen, die mit der Öffentlichkeitsarbeit deutscher Museen betraut sind, waren in den bequemen Vortragsraum ins Filmmuseum Frankfurt gekommen und begleiteten die Tagung so engagiert auf Twitter und Instagram, dass das lokale WLAN dem nicht gewachsen war. Auch vor Ort fand eine angeregte Diskussion statt. Ich möchte hier meine wichtigsten Erkenntnisse noch einmal zusammenfassen.

Das Deutsche Filmmuseum kann mit einem der bequemsten Tagungsräme aufwarten.
Das Deutsche Filmmuseum kann mit einem der bequemsten Tagungsräme aufwarten.

Digitale Relevanz = gesellschaftliche Relevanz

Axel Braun, der die Öffentlichkeitsarbeit von Städel Museum und Liebieghaus Skulpturensammlung leitet, eröffnete die Tagung mit einem Strauß voller Inspirationen, wie man Museum im Digitalen weiterdenken und das wiederum mit dem Analogen vernetzen kann. Hier ist die Rede von digitaler Erweiterung des Museums, von zu Ausstellungen passenden Digitorials, Spielen und Filmen, von vom Museum angebotenen Online-Kursen und gewinnbringenden Kooperationen mit Unternehmen. Nicht alles davon wird genauso in anderen Museen funktionieren, aber man darf sich anregen lassen und adaptieren, was zu einem passt.

Von großen Museen wie dem Frankfurter Städel Museum können sich auch kleine Häuser inspirieren lassen.
Von großen Museen wie dem Frankfurter Städel Museum können sich auch kleine Häuser inspirieren lassen.

Die Quintessenz des Vortrags von Axel Braun war für mich die Klarstellung: Digitale Projekte sind keine Einnahmequelle, keine reine Marketingmaßnahme und kein Ersatz für den Museumsbesuch, sondern ein eigenständiges Angebot, das die gesellschaftliche Relevanz des Museums sichert. – Sei es nun bei Besuchern, Sammlern, Sponsoren, Politikern oder Journalisten. Das Städel Museum erreicht über eigene digitale Kanäle mehr Menschen als über überregionalen Tageszeitungen, welche wiederum über das Museum berichten, weil es aus sich selbst heraus diese enorme Aufmerksamkeit generiert. Das funktioniert nicht nur im Städel Museum, sondern auch im Kleinen.

Digital ist analog ist digital…

Alissa Krusch, Bereichsleitung Digitale Kommunikation der Stiftung Kunstsammlung NRW, betonte wie wichtig es für Museen ist, eine digitale Strategie zu erarbeiten. Franziska Mucha, Kuratorin Digitale Museumspraxis am Historischen Museum Frankfurt, teilte ihre Erfahrungen damit, im Rahmen des #StadtLaborFFM vor Ort und digital eine Beziehung zur Bevölkerung zu pflegen. Dazu entstanden im Stadtlabor Frankfurt tolle Ansätze, in der Bürger zu Brainstorming-Bars zusammenkamen und nun nach sieben Jahren gemeinsamer Workshops mit dem Museumsteam auch ein digitales Stadtlabor in Form einer Karte mit Informationen anreichern sollen. Es eröffnen sich durchs Digitale neue Arten des musealen Sammelns.

Franziska Mucha aus Pappe - im Stadtlabor des Historischen Museums Frankfurt
Franziska Mucha aus Pappe – im Stadtlabor des Historischen Museums Frankfurt

Ein weiteres Mal wird unterstrichen, dass das Digitale nicht für sich alleine steht, sondern wunderbar mit dem analogen Leben Hand in Hand geht. Der Gedanke lässt sich konsequent weiterführen: Die Trennung zwischen analog und digital besteht höchstens in unseren Köpfen. Leben im Jahr 2017 ist digital und analog zugleich. Die Aufgaben eines Museums an sich bleiben die gleichen, wir erweitern nur unseren Werkzeugkoffer. Das betrifft alle Bereiche der musealen Arbeit: sammeln, bewahren, erforschen, vermitteln und präsentieren.

Beim Vortrag von Tine Nowak gab es "Museum auf die Ohren".
Beim Vortrag von Tine Nowak gab es “Museum auf die Ohren”.

Über die Museumswelt hinaus blicken

Deutlich wurde in mehreren Redebeiträgen, dass sich der Blick über die Museumswelt hinaus lohnt. Seien es die wissenschaftlichen Podcasts, mit denen Wissenschaftler heute mehr Menschen erreichen können als mit anderen Medien – manchmal 10-15.000 pro Hörbeitrag. Das erzählte Tine Nowak vom Studiengang Intermedia an der Universität Köln . Typische deutsche Podcasthörer seien zwischen 20 und 40 Jahren alt, hoch gebildet und interessieren sich besonders für Geschichte, Wissenschaft und Politik. Podcasts im Museumsbereich sammelt Tine Nowak hier . Gedankliche Notiz an alle Museen: Unbedingt Ja sagen, wenn ein Podcaster darum bittet, einen Beitrag über das Museum aufnehmen zu dürfen. (Wunderbar, wir haben intuitiv alles richtig gemacht: Katja Eidam von Museumscast https://museumscast.com/2017/11/07/episode012/ stellte erst kürzlich das Team von Burg Posterstein in einem einstündigen Beitrag vor.)

Was ist uns der digitale Besucher wert? fragte Christian Gries, der die Landesstelle für nichtstaatliche Museen in München in Sachen digitale Strategie berät.
Was ist uns der digitale Besucher wert? fragte Christian Gries, der die Landesstelle für nichtstaatliche Museen in München in Sachen digitale Strategie berät.

Der Kurator des 21. Jahrhunderts muss sich im Digitalen auskennen

Das betonte Christian Gries, Berater für Digitale Strategien für Museen an der Landesstelle für nichtstaatliche Museen in Bayern. Man könne nicht mehr in digital und anlog unterscheiden und ein Warten auf „Digital Natives“ sei auch keine Lösung. Wichtig ist bei allem, auf allen Kanälen ein nach außen stimmiges Bild des Museums zu vermitteln, das auch vor Ort wiedererkennbar ist.

Wenn Unternehmen erfolgreich Chatbots, Online-Ticketing u.a. digitale Angebote betreiben, erreicht das irgendwann Museen.
Wenn Unternehmen erfolgreich Chatbots, Online-Ticketing u.a. digitale Angebote betreiben, erreicht das irgendwann Museen. – Slide von Michelle van der Veen bei der Tagung Öffentlichkeitsarbeit des Museumsbunds.

Michelle van der Veen , von der Agentur Grayling und privat auch Kulturbloggerin, empfahl den Museen, sich von Unternehmen inspirieren zu lassen. Wenn wir uns in anderen Bereichen des Lebens früher oder später an Chatbots und Online-Tickets gewöhnen, wieso sollten wir das nicht von Museen verlangen? Kostenlose Angebote wie ein vom Städel Museum angebotener Online-Kurs, ein Chatbot als Besucherservice und auch der Stadtlabor-„Stammtisch“ des Historischen Museums Frankfurt binden die Menschen ans Museum und stärken dessen gesellschaftliche Relevanz.

Die digitale Philosophie von Burg Posterstein – Zum Mitmachen

Was im Großen funktioniert, geht auch im Kleinen. Auf rund 30 Slides durfte ich meine Arbeit im Museum Burg Posterstein vorstellen – die Präsentation gibt es hier als PDF-Download. Das Schöne am Digitalen ist, dass es für vieles eben kein großes Budget braucht.

Tweet von Daniela Sistermanns, Martha Museum, zum Vortrag von Burg Posterstein.
Tweet von Daniela Sistermanns, Martha Museum, zum Vortrag von Burg Posterstein.

Aber im Großen wie im Kleinen müssen die Museen ihr Denken und ihre alltägliche Arbeitsweise darauf einstellen. Und irgendwie passt der kleine Appell, den ich zum Ende meines Vortrags an die Leinwand geworfen habe, auch zum Haupttenor der Tagung:

  • Museen, nehmt eure Kommunikation selbst in die Hand und werdet sichtbar – über den Radius eurer Lokalpresse hinaus!
  • Schließt euch zusammen, sprecht miteinander und übereinander!
  • Seid neugierig und mutig, probiert aus und integriert das Internet in eure tägliche Arbeit!
  • Freut euch auf neue Kontakte und ungeplanten Mehrwert durch soziale Medien!
  • Nehmt den Besucher im Web genauso ernst wie den Besucher an der Museumskasse.
  • Zeigt Öffentlichkeit und Politik, welche tollen Projekte ihr macht und dass es wichtig ist, dass es euch gibt!

von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

Welche Beziehungen haben Prag – und auch Karlstein – zur Burg Posterstein?

Impressionen aus Prag.
Impressionen aus Prag.

Der Museumsverein Burg Posterstein war in diesem Jahr auf Bildungsfahrt in Prag. Vereinsmitglied Monika Diedrich berichtet von Erlebnissen und Sehenswürdigkeiten. Und welche Beziehungen gibt es nun zwischen Posterstein und Prag? Vordergründig keine. Warum fährt dann der Museumsverein der Burg Posterstein im Altenburger Land dorthin? Finden wir es heraus!

Geschichte von Karlstein und Posterstein berührt sich 1358

Burg Karlstein in Tschechien
Burg Karlstein in Tschechien

Karlsteindie Burg Karls IV., des böhmischen Königs und späteren Kaisers des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Sein Leben und Wirken ist allgemein bekannt. Doch weiß man auch, dass während des vogtländischen Krieges 1354 bis 1359 Burg Posterstein neben Werdau und Ronneburg eine der Burgen gewesen ist, die Kaiser Karl IV. auf seinem Zug in das Pleißenland 1358 besetzte. Und da wäre er – der Bezug von Burg zu Burg.

Und Prag? Die Zeitreise geht in die Ära der Salonkultur

Da sich das Museum Burg Posterstein mit der Geschichte der Kurländer Herzogsfamilie befasst, muss nicht lange gesucht werden: Auf der Prager Kleinseite (mala strana) steht unweit der Kirche Maria vom Siege ein großes gelbes Stadtpalais, das so genannte Palais Rohan, gekauft aber war es von Peter von Kurland, und immer wieder hielt sich darin ein Familienmitglied für längere oder kürzere Zeit auf: Peters Gemahlin Anna Dorothea oder deren Töchter Wilhelmine, Pauline…

Das Palais Rohan in Prag war für den Museumsverein Burg Posterstein besonders interessant.
Das Palais Rohan in Prag war für den Museumsverein Burg Posterstein besonders interessant.

Wilhelmine von Sagan, die mit dem französischen Adligen Louis de Rohan kurze Zeit verheiratet war, residierte dort. Nach ihrer Scheidung wurde das Palais Rohan als Abfindung überlassen – und daher der Name Palais Rohan. Die Rohan gehörten zu den ältesten französischen Adelsfamilien. Es gelang ihnen ihre reiche Kunstsammlung vor der Französischen Revolution zu retten und schließlich nach Böhmen zu bringen.

In der oben erwähnten Kirche aber heiratete Pauline, Wilhelmines Schwester, 1800 den Fürsten von Hohenzollern-Hechingen.

Das Palais Schwarzenberg - ein Name, der verknüpft ist mit der Geschichte der Herzogin Anna Dorothea von Kurland.
Das Palais Schwarzenberg – ein Name, der verknüpft ist mit der Geschichte der Herzogin Anna Dorothea von Kurland.

Das wunderbare Palais Schwarzenberg, dessen Mauern bis unters Dach mit Sgraffitis geschmückt sind, wurde am nächsten Tag besucht. Hier gab es zwar keinen offensichtlichen Beweis für die Anwesenheit der Kurländerinnen, dennoch ist doch stark anzunehmen, dass die Damen auch hier am gesellschaftlichen Leben teilnahmen. Schließlich blühte die Salonkultur nicht nur in Berlin, sondern auch in Prag und besonders im Palais Schwarzenberg.

Im Palais gibt es einen Raum, ausgestattet mit bemalten Wänden, der für geselliges Beisammensein gedacht war. Hier kann man sich Anna Dorothea von Kurland bei den Soireen gut vorstellen. Das Palais befindet sich heute im Eigentum der Nationalgalerie und interessante Ausstellungen sind dort zu besichtigen. Dr. Marius Winzeler, Leiter der Sammlung Alter Kunst der Tschechischen Nationalgalerie, stellte nicht nur die Palais Schwarzenberg und Sternberg vor, sondern führte kompetent in die Kunstschätze ein.

Bootsfahrt in Prag.
Bootsfahrt in Prag.

Die eben während des Aufenthaltes der Postersteiner stattfindende Prager Schlössernacht ermöglichte es, das Palais Waldstein, den Sitz des Tschechischen Senats, zu besuchen und in Gemächer vorzudringen, die sonst für die Öffentlichkeit verschlossen sind. Nicht nur Wallenstein gefiel dieser Palast und seine Gärten – auch Wilhelmine von Sagan residierte hier, um den Verhandlungen über die Allianz gegen Napoleon 1813 so nah wie möglich zu sein.

Impressionen aus Prag.
Lucerna-Passage. Jugendstil-Arkade mit Geschäften Wenzel Statue von David Černý .

Die Teilnehmer an der Bildungsfahrt interessierten neben den Geschichten um das Haus Kurland natürlich auch andere geschichtliche Zusammenhänge und die entsprechenden Orte und architektonischen Sehenswürdigkeiten Prags. Ein Besuch im Jüdischen Viertel mit einer Führung und demzufolge vielen interessanten Erläuterungen bis zur ältesten Synagoge der Stadt war angesagt sowie eine Bootsfahrt auf der Moldau. Vom Wasser aus war die Stadt mit ihren unzähligen prächtigen Gebäuden gut zu begreifen.

Prag vom Wasser aus gesehen.
Prag vom Wasser aus gesehen.

Den Abschluss der dreitägigen Fahrt bildete die Besichtigung des Château Troja, etwas außerhalb der Stadt gelegen, zwischen Moldau und Weingärten.

Decke im Château Troja
Decke im Château Troja

Troja war die Sommerresidenz des Grafen Wenzel Adalbert von Sternberg. Er hatte es 1679 im schlesischen Barock bauen lassen. Herrliche Räume, Innenausstattungen, Gemälde und andere Kunstgegenstände sowie ein gepflegter Barockgarten erfreuen die Besucher.

Von Monika Diedrich / Museumsverein Burg Posterstein

Ausstellung “Perspektivwechsel” ist zu Ende gegangen: Kann “Noddy Town” in Posterstein bleiben?

Anthony Lowe vor seinem ungewöhnlichen Altenburg-Panorama "Noddy Town"
Anthony Lowe vor seinem ungewöhnlichen Altenburg-Panorama “Noddy Town”

Unsere Sonderausstellung “Perspektivwechsel – Influencing ways of seeing” ist am 5. November zu Ende gegangen. Rund 3500 Besucher sahen sich die teilweise eigens für die Schau geschaffenen Bilder, Installationen und Skulpturen an, in denen der Altenburger Künstler Anthony Lowe die Burg Posterstein, verschiedene Städte und Gebäude aus völlig neuen Blickwinkeln zeigt. Jetzt hoffen wir darauf, dass das größte Kunstwerk – das drei Meter lange Altenburg-Panorama “Noddy Town” – in Posterstein bleiben kann.

Wenn man an “Noddy Town” vorbeigeht, sieht das Werk bei jedem Schritt ein wenig anders aus. Das faszinierende Panorama, das sich an den bekannten umgekehrten Perspektiv-Formen (reverse perspektive) des britischen Künstlers Patrick Hughes orientiert, gibt einen ungewöhnlichen Blick auf die Stadt Altenburg.

Wer ist “Noddy” und was hat er mit Altenburg zu tun?

Anthony Lowe musste schmunzeln, als er diese Frage gestellt bekam. Denn Noddy ist eine britische Kinderbuchfigur, erfunden von der Autorin Enid Blython um 1949, die bis heute aktuell geblieben und in Großbritannien praktisch zu einer nationalen Ikone geworden ist. Noddy ist ein kleiner hölzerner Spielzeugjunge, der in einem Spielzeugtaxi durch ein kunterbuntes Spielzeugland fährt. Und hier haben wir die optische Verbindung zu Anthony Lowes buntem Stadtpanorama. Altenburg wird im Perspektivwechsel zur Miniaturstadt und könnte eines der Autos rechts unten nicht das von Noddy sein? Witzig nur, dass Anthony Lowe Noddy als Kind immer “sehr nervig” fand!

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Das Museum Burg Posterstein hofft darauf, das Werk “Noddy Town” in seine Sammlung regionaler Kunst aufnehmen zu können. Sollte der Wiederaufbau des Nordflügels der Burg Posterstein gelingen und als touristischer Infopunkt Neubau dienen, könnte das Panorama dort dauerhaft öffentlich gezeigt werden und so die Besucher auf einen Abstecher ins Altenburger Land und in die Stadt Altenburg einstimmen. Wer den Museumsverein Burg Posterstein bei diesem Ankauf unterstützen möchte, ist herzlich willkommen: Ob als neues Vereinsmitglied, als Mikro-Spender, der seinen Online-Einkauf über die Website Boost-Project beginnt und selbst dabei nicht extra zahlt oder mit einer Spende auf das Vereinskonto per Überweisung oder Paypal:




„Noddy Town“, 2017, Öl auf Sperrholzkörper in Form eines Pyramidenstumpfs, dreiteilig: 70x100 cm
„Noddy Town“, 2017, Öl auf Sperrholzkörper in Form eines Pyramidenstumpfs, dreiteilig: 70×100 cm

Anthony Lowe, 1957 in London geboren, lebt und arbeitet als freischaffender Künstler in Zürchau bei Altenburg. Er studierte in Liverpool, Bristol und London am renommierten Royal College of Art. Im Gespräch mit Museumsdirektor Klaus Hofmann zur Eröffnung der Ausstellung erzählte Anthony Lowe über die verschiedenen Mittel zur künstlerischen Darstellung der Perspektive: „Es reizt mich, einfach mal diesen Spielzeugkasten aufzumachen. Da sind so viele Werkzeuge drin, dass man eine Auswahl treffen muss.“

"Ein Blick in den Brunnen reicht", Installation, 2017. Konzept: Anthony Lowe, Drohnenflug: U. Kretzschmar, Flying Pixx, Schmölln, Filmschnitt: K+K Media Gera
“Ein Blick in den Brunnen reicht”, Installation, 2017. Konzept: Anthony Lowe, Drohnenflug: U. Kretzschmar, Flying Pixx, Schmölln, Filmschnitt: K+K Media Gera

Besondere Aufmerksamkeit zog in der Zeit der Ausstellung auch die Installation „Ein Blick in den Brunnen reicht“ auf sich. Bei dem runden, mit Wasser gefüllten Behälter schaut der Betrachter nach unten auf eine Projektion, die Posterstein von oben zeigt.

Von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

Wir brauchen bis in den kleinsten Thüringer Winkel hinein Konzepte, die über den Tellerrand hinaus blicken: Statement zur Thüringer #Museumsperspektive2025

Auf dem Verbandstag des Thüringer Museumsverbands wurde erstmals eine umfassende Analyse der Thüringer Museumslandschaft vorgestellt. Die Thüringer Staatskanzlei und das Museum Burg Posterstein begleiteten die Veranstaltung auf Twitter – eine Praxis, die inzwischen auf vielen Konferenzen üblich ist und Experten und Interessierte von außen einbezieht.

Nachfolgend sind einige Schlagwörter aus den Redebeiträgen aufgelistet:

  • Die Landesregierung will regionale Museen stärken.
  • Es soll ein Kulturinvestitionsprogramm geben.
  • Das Landesmarketing muss noch mehr auf Kultur setzen.
  • Investitionen und Personalsituation gehören in den Fokus.
  • Welche Auswirkungen hat die Gebietsreform auf Museen?
  • Digitalisierung als Gesamtkonzept der Museen sehen.
  • Kulturmarketing, auch im Bereich Social Media, ausbauen.
  • Museumsfinanzierung – wie gehen Bund, Land, Kommunen mit dem Thema um?
  • “freiwillige Leistungen der Kommunen”
  • Was ist die Zielperspektive?
  • Was können wir Neues machen?
  • Wie geht strategische Ansprache junger Menschen?
  • Museen spartenübergreifend vernetzen
  • Räumliches Netz als Stärke sehen
  • Hotspot: Ankerfunktion der Museen
  • Dezentrale Konzentration

Starke Ansagen. Was heißt das konkret?

Die Museumsperspektive2025 kann hier nachgelesen werden. Im Zentrum steht die (Neu-)Definition der Rolle der Museen im 21. Jahrhundert: Was steht im Vordergrund, die Besucher oder die Sammlung? Gibt es eine digitale Strategie als Gesamtkonzept, eingebunden in eine Kulturmarketingkonzeption? Wird es Investitionen in Personal geben – unabhängig von kommunalen Trägerschaften?

Der Chef der Thüringer Staatskanzlei und Kulturminister Prof. Dr. Benjamin-Immanuel Hoff stellte auf dem Verbandstag des Thüringer Museumsverbands die Thüringer Museumsperspektive 2025 vor.
Der Chef der Thüringer Staatskanzlei und Kulturminister Prof. Dr. Benjamin-Immanuel Hoff stellte auf dem Verbandstag des Thüringer Museumsverbands die Thüringer Museumsperspektive 2025 vor.

Bildung und Vermittlung online und analog als Teil der Kulturmarketingkonzeption im Museum Burg Posterstein

Wir verstehen das Museum und die Burg Posterstein als Marke, die alle Bereiche der Museumsarbeit umfasst. Die Museumskonzeption beinhaltet die Sammlungs-, Forschungs- und Ausstellungsstrategie, das Finanz- und Personalkonzept sowie die Öffentlichkeitsarbeit. Die Bildungs- und Vermittlungsangebote des Museums sind aufeinander abgestimmt und miteinander verzahnt, sie ergeben einen Querschnitt der gesamten Museumsarbeit. Das Vermittlungs- und Ausstellungskonzept zielt digital und vor Ort darauf ab, durch unterschiedliche Strategien eine möglichst breite Besuchergruppe anzusprechen. Es wird eine Interaktion mit dem Besucher angestrebt und auf unterhaltsame Wissensvermittlung gesetzt, sowohl online als auch offline. Wir sind der Meinung, dass unser Bildungsauftrag nicht auf der Burgbrücke endet, sondern auch im virtuellen Raum weiter besteht.

Digital und analog sollten im Museumsalltag Hand in Hand gehen.
Digital und analog sollten im Museumsalltag Hand in Hand gehen.

Die Marketing- und Kommunikationsarbeit beschränkt sich nicht auf klassische Pressearbeit und Werbung, sondern erfüllt auch Teile der Vermittlungsaufgaben des Museums im Digitalen. Dazu gehört auch, sich auf dem aktuellen Stand in Sachen neue Entwicklungen im Bereich digitale Konzepte zu halten und mit Besuchern, Kulturinteressierten, Fachleuten, Journalisten, Bloggern und Politikern auf Augenhöhe zu kommunizieren. Das digitale Kommunikations- und Vermittlungskonzept des Museums Burg Posterstein ist innovativ und wird als solches in der Fachbranche auch wahrgenommen. Das unterstreicht die Einladung zur Herbsttagung der Arbeitsgruppe Presse und Öffentlichkeitsarbeit des Deutschen Museumsbunds, wo im November 2017 in Frankfurt das Kommunikationskonzept des Museums Burg Posterstein in einem Vortrag vorgestellt werden soll.

Was bedeutet die Museumsperspektive 2025 für das Museum Burg Posterstein und das Altenburger Land?

Erstmals wurde 2017 unter Federführung der Landesentwicklungsgesellschaft Thüringen und unter maßgeblicher Beteiligung der Museumsdirektoren ein touristisches Strategiekonzept erarbeitet, das touristische Entwicklungsziele im Altenburger Land und die Umsetzung der touristischen Entwicklungsstrategie für die nächsten Jahre benennt. Es wurden eine ganze Reihe konkreter Vorhaben für das Schloss- und Spielkartenmuseum, das Lindenau-Museum und das Museum Burg Posterstein festgehalten, einschließlich dem Marstall als gemeinsames Depot- und Werkstattgebäude.

Unsere Ziele und Visionen für Posterstein umfassen die Entwicklung eines europäischen Tourismus-, Begegnungs- und Informationszentrums im Geiste der historischen Salons, die Umsetzung einer Gesamtkonzeption für Posterstein unter Berücksichtigung der vorhandenen touristischen Infrastruktur und laufender Vorhaben (Herrenhaus Posterstein), den Neubau des Nordflügels der Burg und die Neugestaltung des Burgbergareals. Alle drei kulturgeschichtlichen bzw. Kunstmuseen wollen künftig das Thema Salonkultur als gemeinsame Marke sehen und davon ausgehend Projekte vorbereiten und sich vernetzen.

Die #Museumsperspektive2025 wird von uns als Trägerverein eines regionalen Museums außerordentlich begrüßt. Sie ist ein bedeutender Schritt, um die Zukunft aktiv zu gestalten. Genau diesen Weg wollen wir in Posterstein beschreiten.

Burg Posterstein - so wie sie neulich auf Instagram zu sehen war.
Burg Posterstein – so wie sie neulich auf Instagram zu sehen war.

Wir befinden uns in einer Welt voller Herausforderungen, wo der Erhalt des Bestehenden zwar wichtig ist, aber hinter der Definition unserer Ziele und unserer Verantwortung in der Gesellschaft zurückstehen sollte. In der Notwendigkeit, Bürger bei der Rückversicherung gesellschaftlicher Werte und den Bindungen in die Region zu unterstützen, müssen wir Museen nicht nur unseren Platz definieren, sondern auch mehr denn je mit Bildung und Vermittlung gesellschaftlich teilhaben. Dafür brauchen wir bis in den kleinsten Thüringer Winkel hinein Konzepte, die über den Tellerrand hinaus blicken.

Im Altenburger Land haben wir damit begonnen und gemeinsam mit dem Lindenau-Museum, dem Schloss- und Spielkartenmuseum, dem Theater und den Tourismusakteuren eine touristische Entwicklungsstrategie erarbeitet, die Schwerpunkte setzt und Netzwerke knüpft.

Im Museum Burg Posterstein nutzen wir aktiv Facebook, Twitter und Instagram, bloggen zweisprachig und haben eine dreisprachige Website. Dazu ist weniger Personal notwendig, als viele uns glauben machen wollen. Es geht auch nicht nur um junge Nutzer. Notwendig ist vielmehr die Überzeugung aller Mitarbeiter von der Sinnhaftigkeit des Tuns.

Ganz anders sieht es mit der Digitalisierung aus. Auch diese geht weit über die Verfügbarmachung der Objekte im Netz hinaus. Aber sie braucht Personal, und zwar Fachpersonal. Da reicht ein Digitalisierungsteam oder eine größere Anzahl Fachberater bei weitem nicht aus. Hier ist die Möglichkeit der Projektförderung für einzelne Vorhaben der Museen notwendig.

Von Klaus Hofmann, Museum Burg Posterstein

Kinder, Kinder, #Kinderburg: Unser Blick auf Kultur im Jahr 2017

Ferienführung durch die Burg Posterstein.
Ferienführung durch die Burg Posterstein.

Das Archäologische Museum Hamburg fragt in seiner Blogparade #KultBlick nach dem persönlichen Blick auf Kultur. Mitmachen kann jeder. Wir vom Museum Burg Posterstein wollen unseren Blickwinkel für dieses Jahr vorstellen: Den Blick auf Geschichte durch Kinderaugen.

Der Kulturblick eines geschichtlichen Museums richtet sich per Definition in erster Linie auf vergangene Zeiten. Das Museum Burg Posterstein beschäftigt sich als regionalgeschichtliches Museum des Altenburger Landes in Thüringen in erster Linie mit der Geschichte der Burg Posterstein und der Geschichte der Region im Dreiländereck Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt. Dazu gehört auch ein Salon, der zwischen 1795 und 1821 nach ganz Europa ausstrahlte: Der Musenhof der Herzogin von Kurland. Aus über 800 Jahren Geschichte kann man inhaltlich schöpfen und als Museum seinen Kulturblick auf verschiedene Schwerpunkte lenken. 2017 haben wir einen ganz besonderen kulturellen Blickwinkel in den Mittelpunkt gerückt: Den Blick auf Geschichte durch Kinderaugen.

Schon im Vorfeld der Kinderburg-Ausstellung gab es für junge Besucher viel zu entdecken: Hier durften Kinder die Ausrüstung der Ritterschaft von Hohenstein testen.
Schon im Vorfeld der Kinderburg-Ausstellung gab es für junge Besucher viel zu entdecken: Hier durften Kinder die Ausrüstung der Ritterschaft von Hohenstein testen.

Traditionell zählen Familien mit Kindern, Schulklassen und Kita-Gruppen zu den wichtigsten Besuchergruppen im Museum Burg Posterstein. Klar, vom Verlies bis zur Turmspitze können auch ganz junge Besucher so einiges entdecken. Aber die meisten der Informationen in Schrift oder Ton richteten sich bisher an ein erwachsenes Publikum. 2017 haben wir erstmals eine Ausstellung für Kinder konzipiert. Die Vorbereitungen dafür haben das gesamte Jahr geprägt.

Gibt es heute noch Ritter? – Fragen über Fragen

Anfang des Jahres richteten wir im Museum eine Frage-Station ein. Hier können junge (wie ältere) Besucher Fragen zur Geschichte hinterlassen. Es antworten Burggespenst Posti und Burgdrache Stein – per Brief, E-Mail oder als Blogpost im extra eingerichteten Kinderburg-Blog und in möglichst einfachen, kurzen Sätzen. Eingegangen sind mehr als 150 Fragen.

Seit Eröffnung der Kinderburg-Ausstellung gibt es die Möglichkeit das "Heymlich Gemach", die Rekonstruktion der Toilette im Aborterker der Burg Posterstein, anzusehen.
Seit Eröffnung der Kinderburg-Ausstellung gibt es die Möglichkeit das “Heymlich Gemach”, die Rekonstruktion der Toilette im Aborterker der Burg Posterstein, anzusehen.

Viele davon beziehen sich auf den Alltag in einer Burg im Mittelalter – eben Lebensbereiche, die die Kinder kennen und die sie beschäftigen. Gab es Tiere in einer Burg? Wie badeten Ritter? Wie gingen sie in Rüstung aufs Klo und was nahmen sie als Klopapier? Wie schwer ist eine Rüstung? Gingen Ritter in die Schule? … Und durfte sich eine Prinzessin auch mal schmutzig machen?

Durch die “Kinderbrille” sehen

Im Laufe des Jahres haben wir einige dieser Fragen aufgegriffen und in den Schulferien in kurzen Familienführungen erklärt. Zu den Führungen brauchte man sich nicht anmelden, sondern einfach nur zur richtigen Zeit im Museum sein. An den Tagen ohne Führung gab es kleine “Rätseljagden” zum Thema durch die Ausstellung. Das wurde vom regionalen Publikum begeistert aufgenommen und genutzt. Das positive Feedback hat uns darin bestärkt, die gesamte “Kinderburg”-Ausstellung an den Kinderfragen auszurichten. Auf diese Art beantwortet die Ausstellung Fragen, die Kinder interessieren und nicht nur solche, von denen wir Erwachsene denken, dass sie Kinder interessieren könnten. So haben wir versucht, unseren gewohnten Blickwinkel zu wechseln und durch die “Kinderbrille” zu sehen.

Herausgekommen ist eine Ausstellung, die sich in über zehn Stationen durch die gesamte Burg Posterstein zieht. Schwarze Ritter und schwarze Würfel dienen als Informationssystem. Hier werden Fragen beantwortet. Thematisch geht es von der Burggeschichte über die regionale Geschichte bis hin zum Musenhof Löbichau der Herzogin von Kurland. Natürlich gibt es was zum Hören, Ansehen, Ertasten, Hochheben, Hüpfen … und Verkleiden. Jede Familie bekommt eine Schatzkarte, mit der die Kinder die Ausstellung selbstständig erkunden können. Und natürlich gibt es was zum Rätselraten, Gewinnen und für zu Hause. Ergänzt wird die Ausstellung durch ein neues museumspädagogisches Angebot zur Salonkultur.

Kinder stürmen die Burg Posterstein

Die Ausstellung “Die Kinderburg – Auf den Spuren von Rittern und Salondamen” wurde am 1. Oktober 2017 eröffnet. Rund 200 kleine und große Gäste stürmten die Burg und erkundeten die neue Ausstellung. In den ersten zwei Wochen kamen über 1000 Besucher, darunter deutlich mehr Familien mit Kindern als sonst, nämlich über die Hälfte der Besucher. Das Feedback zur Ausstellung fiel durchweg positiv aus. Deutlich wurde Dank Besucherbefragung auch, dass die Ausstellung auch Menschen anlockte, die sonst nicht so häufig zu uns kommen. Noch ist es zu früh, ein Resümee zu geben, aber bisher scheint es, als komme der besondere Fokus auf Kinder gut an.

Auch die traditionelle Weihnachtskrippenausstellung soll sich in diesem Jahr stärker als sonst an ein junges Publikum richten. Ein Schwerpunkt der Ausstellung, die immer eine Auswahl aus den über 500 Krippen in der Sammlung des Museums zeigt, wird in diesem Jahr auf für Kinder konzipierten Krippen liegen. Den Baumschmuck werden die lokalen Kindergärten eingeladen, beizusteuern, und in den Weihnachtsferien sollen kleine Familienführung der Frage “Was ist Weihnachten?” auf den Grund gehen. So wird uns der Kinderblick durch das ganze Jahr begleiten und danach weiter zu einem festen Bestandteil unserer Museumsarbeit werden.

Die Blogparade #KultBlick läuft noch bis 22. Oktober 2017. Die bereits eingegangenen Blogposts sind hier gelistet. Die Münchner Kulturbloggerin Tanja Praske vom Blog Kultur-Museo-Talk  begleitet die Blogparade.

Von Marlene Hofmann