Schlossgenuss in Potsdam – Der Museumsverein Burg Posterstein auf den Spuren europäischer Geschichte und Kunst

Noch bis 5. Juni rufen die Schlösser und Gärten Deutschland zur Blogparade #SchlossGenuss auf. Die Mitglieder des Museumsvereins Burg Posterstein folgen traditionell bevorzugt den Spuren der Herzogin von Kurland durch ganz Europa. Die Frühjahrsexpedition führte sie in diesem Jahr nach Potsdam, eine Stadt, die sich wie wohl keine andere Stadt in Deutschland in den letzten zehn Jahren in Bezug auf den Wiederaufbau historischer Gebäude enorm entwickelt hat – und reichlich Potential für Schlossgenuss bietet.

Das wieder aufgebaute Palais Barberini - in der Zeit der Aufklärung pilgerten Künstler und Adlige nach Italien, um sich von der schönen Baukunst und der Geschichte inspirieren zu lassen. (Foto: Bernd Nienhold)
Das wieder aufgebaute Palais Barberini – in der Zeit der Aufklärung pilgerten Künstler und Adlige nach Italien, um sich von der schönen Baukunst und der Geschichte inspirieren zu lassen. (Foto: Bernd Nienhold)

Das Palais Barberini

Das bereits zu Zeiten des Preußenkönigs Friedrichs II. nach dem Vorbild des Palazzo Barberini in Rom errichtete Palais Barberini in Potsdam war im Zweiten Weltkrieg stark zerstört und in den Nachkriegsjahren komplett abgerissen worden. Zwischen 2011 und 2016 wurde es wieder aufgebaut, die Fassaden wurden originalgetreu rekonstruiert, während die Innenarchitektur nach den funktionellen Anforderungen eines modernen Kunstmuseums gestaltet wurde. Architektonisch fügt sich das Gebäude harmonisch in das Ensemble am Alten Markt (Altes Rathaus, St. Nikolaikirche und altes Schloss (jetzt Landtag von Brandenburg) ein.

Das Museum Berberini

Seit dem Jahr 2017 beherbergt dieses Palais das Museum Barberini. Ein Großteil der Räume dient Ausstellungen mit wechselnder Thematik. Wir interessierten uns für die Werke von Max Beckmann, die unter dem Titel „Max Beckmann. Welttheater” gezeigt wurden. Offenbar war diese Ausstellung nicht nur bei den Mitgliedern des Postersteiner Museumsvereins sehr gefragt, die Besucherzahl schien an diesem Tag sehr groß. Der elektronische Guide gab uns einen guten Einblick in Beckmanns Leben und Werk und erlaubte jedem Teilnehmer sein eigenes Tempo durch die Ausstellung zu wählen.

Auch die Herzogin von Kurland genoss die Schönheit von Sanssouci (Foto: Bernd Nienhold)
Auch die Herzogin von Kurland genoss die Schönheit von Sanssouci (Foto: Bernd Nienhold)

„Salongeschichten“ im Schlosspark Sanssouci

Das Wetter meinte es gut mit uns. Während des Mittagessens hatte sich die angekündigte Regenwolke entleert und danach die Sonne wieder freigegeben, ein Grund mehr für uns, den geplanten Spaziergang durch den Schlosspark auch anzutreten und zu genießen, zumal uns eine sachkundige Potsdamerin die Führung zugesagt hatte. Die Schlossparkführung war natürlich eine besondere, speziell auf unsere Gruppe zugeschnitten. Wir erhielten interessante Einblicke in die Geschichte der preußischen Residenzen rund um Potsdam und Berlin, in die Parkgeschichte, z.B. in das Krongut Bornstedt, in das Drachenhaus mit dem wunderschönen Café, in das Antikenhaus sowie auch in die Geschichte des Weinanbaus im Schlossgarten.

Die Herzogin von Kurland kam 1786 gemeinsam mit ihrem Mann nach Sanssouci und reiste dann weiter nach Italien.
Die Herzogin von Kurland kam 1786 gemeinsam mit ihrem Mann nach Sanssouci und reiste dann weiter nach Italien.

Auch die Herzogin von Kurland ist mindestens einmal in Sanssouci gewesen, denn 1786 war sie noch zu Lebzeiten Friedrich II. gemeinsam mit ihrem Ehemann in der außergewöhnlichen Residenz zu Gast. Von hier aus startete das Paar auf eine große Europareise, die über Wien nach Rom und Neapel führte. Unterwegs stiftete man in Bologna der traditionsreichen Universität einen kunsthistorischen Lehrstuhl.

Nicht nur Kunst brachten die Kurländer aus Italien mit – das von der berühmten Angelika Kaufmann gemalte Porträt gehört zu den schönsten Darstellungen Anna Dorothea von Kurlands –, sondern auch die Gewissheit, dass die Welt außerhalb der eigenen Besitzungen einiges bereithält an Bildung, an Kontakten und an Einflussmöglichkeiten. Europa war von nun an ihre Heimat.

Ausgehend von diesem damals gelebten Europagefühl, wirft das Museum Burg Posterstein im Herbst 2018 in der Labor-Ausstellung „#SalonEuropa vor Ort und digital“ die Frage auf: Was bedeutet Europa für uns heute? Auch dazu wird es eine Blogparade geben, zu der alle herzlich eingeladen sind.

von Dr. Helmut Hellrung/ Museumsverein Burg Posterstein

#professionsMW: Ein lebendiges Museum braucht Helfer und Unterstützer

Es ist europäische Museumswoche #MuseumWeek und das heutige Thema #professionsMW rückt die Leute hinter den Kulissen ins Zentrum des Interesses. Wir wollen das zum Anlass nehmen, den Museumsverein Burg Posterstein vorzustellen, der die Arbeit des Museums nicht nur finanziell und tatkräftig unterstützt, sondern seit über zehn Jahren auch Träger des Museums ist.

Der Förderverein des Museums gründete sich zur Erforschung, Pflege und Bewahrung regionaler Geschichte, Kultur und Kunst. 1990, mit Sitz auf Burg Posterstein, gegründet ist er als gemeinnützig anerkannt. Der Museumsverein Burg Posterstein e.V. steht allen Freunden des Museums für private oder Firmenmitgliedschaften offen, ermöglicht Mitarbeit, Spenden oder Stiftungen. Derzeit zählt der Museumsverein über 50 Mitglieder, die engagiert und regelmäßig bei Veranstaltungen, auch bei Übersetzungs- und Korrekturarbeiten im Museumsalltag einspringen. Auch die Sponsorensuche ist eine der Prioritäten unserer Vereinsmitglieder und dafür gebührt ihnen ein Herzliches Dankeschön!

1735 erwarb der kurländische Herzog Ernst Johann von Biron das Gut Rundãle und ließ es als Sommerresidenz ausbauen. Baumeister war Francesco Bartolomeo Rastrelli, ein italienischer Architekt, der auch das Winterpalais in St. Petersburg errichtete.
1735 erwarb der kurländische Herzog Ernst Johann von Biron das Gut Rundãle und ließ es als Sommerresidenz ausbauen. Baumeister war Francesco Bartolomeo Rastrelli, ein italienischer Architekt, der auch das Winterpalais in St. Petersburg errichtete.

 

Ein Verein als Träger des Museums

Seit dem 1. Januar 2007 betreibt der Förderverein das Museum Burg Posterstein. Lange Verhandlungen, Networking und ein überzeugendes Konzept haben im Juni 2017 zum Erfolg geführt: Der Trägerschaftsvertrag mit dem Landkreis Altenburger Land zur Betreibung unseres Museums wurde für weitere zehn Jahre mit Budgeterhöhung und Personalabsicherung abgeschlossen.

Das Netzwerk – Freunde der europäischen Salongeschichte

200 Jahre nach dem Wiener Kongress schloss der Museumsverein Burg Posterstein 2015 einen Vertrag mit der Pariser Gesellschaft Les Amis de Talleyrand , der gemeinsame Forschungsarbeiten ermöglichen und fortführen soll. https://blog.burg-posterstein.de/2015/08/24/vertrag-zwischen-paris-und-posterstein-zusammenarbeit-mit-les-amis-de-talleyrand/.

Fotoshoot mit der Herzogin von Kurland und ihrer Tochter Wilhelmine von Sagan bei der Eröffnung der Sonderausstellung "Salongeschichten" in Posterstein.
Fotoshoot mit der Herzogin von Kurland und ihrer Tochter Wilhelmine von Sagan bei der Eröffnung der Sonderausstellung “Salongeschichten” in Posterstein.

Vielen der Mitglieder des Museumsvereins liegt besonders die europäische Salongeschichte am Herzen, die in regelmäßigen Bildungsfahrten erkundet wird. Wir wollen einige bisherige Höhepunkte der Vereinsarbeit nennen.

Zwischen 1795 und 1821 gab es auf Schloss Löbichau bei Posterstein einen lebendigen Musenhof, der bildende Künstler, Schriftsteller und Politiker, Adlige wie Bürgerliche, aus ganz Europa anzog. Die Gastgeberin, die kluge und schöne Herzogin Anna Dorothea von Kurland (1761–1821), zählte zu den reichsten Frauen Europas. Sie verstand es geschickt, ein soziales Netzwerk zu knüpfen, das sich über den ganzen europäischen Kontinent zog.

In den Sommermonaten versammelte sie ihre Gäste in ihren Schlössern Löbichau und Tannenfeld im heutigen Altenburger Land. In den Salons dieser Zeit wurden bei Musik, Theater und Tee Kontakte geknüpft und politische Entscheidungen auf den Weg gebracht. Wie der Dichter Jean Paul anerkennend berichtete, durfte im Salon der Herzogin von Kurland jeder frei seine Meinung äußern, so lange sie höflich vorgetragen wurde.
In den Sommermonaten versammelte sie ihre Gäste in ihren Schlössern Löbichau und Tannenfeld im heutigen Altenburger Land. In den Salons dieser Zeit wurden bei Musik, Theater und Tee Kontakte geknüpft und politische Entscheidungen auf den Weg gebracht. Wie der Dichter Jean Paul anerkennend berichtete, durfte im Salon der Herzogin von Kurland jeder frei seine Meinung äußern, so lange sie höflich vorgetragen wurde.

Seit fast 30 Jahren beschäftigt sich das Museum Burg Posterstein mit der Geschichte des Salons der Herzogin von Kurland. Dabei stehen im Mittelpunkt des Interesses die Herzogin selbst, aber auch ihre Töchter und die Personen, mit denen sie am meisten im Kontakt stand. Neben der Dauerausstellung zu diesem Thema wurden in den letzten Jahren auch mehrere Sonderausstellungen gezeigt.

Einmal im Jahr begeben sich die Mitglieder des Museumsvereins auf eine gemeinsame Bildungsfahrt auf die „Spuren der Herzogin von Kurland in Europa“. Auf dem Programm standen in den letzten Jahrzehnten Berlin, Wien, Prag, Südböhmen, Paris, Schloss Valencay, St. Petersburg, Riga und Schloss Rundale, Krakau, Breslau, Brüssel, Rom oder London.

  

Eine Ausstellung folgt den Reisewegen der Herzogin von Kurland

Die Wanderausstellung „Lebensstationen der Herzogin von Kurland“ verband die historischen Orte in Europa. Die Exposition reiste nach der Eröffnung in Posterstein (2006) nach Lettland (Schloss Ruhental 2008), Polen (Schloss Sagan 2009) und Frankreich (Schloss Valencay 2007). Zur Schau im französischen Schloss Valençay des ehemaligen Ministers Talleyrand kamen 43.000 Besucher. In der Sommerresidenz der Kurländischen Herzöge, Schloss Rundãle in Lettland, wurden rund 200.000 und im polnischen Schloss Sagan etwa 20.000 Besucher gezählt. Unterstützt wurde das Gesamtvorhaben von der Bürgerstiftung Altenburger Land.

Über ein Vierteljahrhundert wetteiferte alles, was in Europa Rang und Namen hat, darum, vom illustren Diplomaten Talleyrand in Valençay empfangen zu werden. Nach dem Wiener Kongress und der Rückkehr der Bourbonen zog sich Talleyrand mit der jüngsten Tochter der Herzogin von Kurland, Dorothée, auf Schloss Valençay zurück.
Über ein Vierteljahrhundert wetteiferte alles, was in Europa Rang und Namen hat, darum, vom illustren Diplomaten Talleyrand in Valençay empfangen zu werden. Nach dem Wiener Kongress und der Rückkehr der Bourbonen zog sich Talleyrand mit der jüngsten Tochter der Herzogin von Kurland, Dorothée, auf Schloss Valençay zurück.

 

Ausstellung und Konferenz: Salon-Flair in Posterstein und im Park von Tannenfeld

2011 jährte sich der Geburtstag der Herzogin von Kurland zum 250sten Mal. Aus diesem Anlass wurde das Leben der Salonnière in einer Sonderausstellung näher beleuchtet. Die Ausstellung und die begleitende Publikation griffen diese Art des damaligen gesellschaftlichen Lebens auf und zeigten, wie es Frauen zu Beginn des 19. Jahrhunderts gelang, gesellschaftliche, politische und kulturelle Netzwerke zu knüpfen und durch diese eigenen Einflusses auf den Verlauf von Ereignissen erlangten.

Am Beispiel der Herzogin Anna Dorothea von Kurland wurden die Emanzipationsbestrebungen und die Möglichkeiten der Teilhabe von Frauen am gesellschaftlichen Leben jenseits der juristischen Schranken der Zeit deutlich gemacht. Einen Schwerpunkt bildete die Rolle des weiblichen Geschlechtes bei der Gestaltung nationaler und internationaler Beziehungen in der napoleonischen Zeit.
Am Beispiel der Herzogin Anna Dorothea von Kurland wurden die Emanzipationsbestrebungen und die Möglichkeiten der Teilhabe von Frauen am gesellschaftlichen Leben jenseits der juristischen Schranken der Zeit deutlich gemacht. Einen Schwerpunkt bildete die Rolle des weiblichen Geschlechtes bei der Gestaltung nationaler und internationaler Beziehungen in der napoleonischen Zeit.

 

Die Ausstellung und internationale Konferenz zum 250. Geburtstag der Herzogin Kurland widmete sich mit etwa 200 Gästen aus Frankreich, Lettland, Polen Finnland und Deutschland  dieser umfangreichen Thematik der Rolle der Frauen in der Gestaltung der Gesellschaft des beginnenden 19. Jahrhunderts.

Die Herzogin von Kurland im Spiegel ihrer Zeitgenossen – Europäische Salonkultur um 1800. Zum 250. Geburtstag der Herzogin von Kurland. Museum Burg Posterstein, 2011. (248 Seiten, farbig, ISBN 978-3-86104-086-6, 29,00 Euro
Die Herzogin von Kurland im Spiegel ihrer Zeitgenossen – Europäische Salonkultur um 1800. Zum 250. Geburtstag der Herzogin von Kurland. Museum Burg Posterstein, 2011. (248 Seiten, farbig, ISBN 978-3-86104-086-6, 29,00 Euro

Das Buch mit Beiträgen deutscher und internationaler Autoren beleuchtet Stationen des Lebens der Herzogin von Kurland. Neben zahlreichen Abbildungen werden erstmals die Briefe des französischen Gesandten zum Wiener Kongress, Charles Maurice de Talleyrand, an die Anna Dorothea von Kurland in deutscher Sprache veröffentlicht. Diese Dokumente, die sich im Familienbesitz in Paris befinden, bieten ein eindrucksvolles Zeugnis der politischen Lage im Wien 1815. Dem Verhandlungsgeschick Talleyrands war es schließlich zu verdanken, dass Frankreich nach der verheerenden Niederlage Napoleons die Stellung als europäische Großmacht zurück gewann bzw. behalten konnte. Darüber hinaus werden erstmals die Resultate der Auswertung der Briefe der Herzogin von Kurland an Auguste Charlotte von Kielmannsegge, einer Vertrauten Napoleons, publiziert.

Auch im Jahr 2018 steht die Salonkultur im Zentrum der Arbeit des Museums und des Museumsvereins. Unter dem Hashtag #SalonEuropa soll es Ausstellungen und Veranstaltungen geben, darunter in neuen Formaten wie Salonabenden, einer Blogparade und Workshops für Kinder und Jugendliche.

Wir freuen uns über jegliche finanzielle und tatkräftige Unterstützung der Arbeit des Museumsvereins Burg Posterstein – ob als neues Mitglied oder in sonstiger Form.

Spendenkonto:
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Von Klaus Hofmann / Museum Burg Posterstein

Weitere Beiträge zur #MuseumWeek 2018:
#WomenMW: Die Dame, die unter dem Pseudonym „Ernst Ritter“ schrieb
#CityMW: Tee im Salon – Die Altenburger Gesellschaft um 1810
#heritageMW: Ein europäisches Tourismus- und Informationszentrum im Geiste der historischen Salons in der Burg Posterstein

Welche Beziehungen haben Prag – und auch Karlstein – zur Burg Posterstein?

Impressionen aus Prag.
Impressionen aus Prag.

Der Museumsverein Burg Posterstein war in diesem Jahr auf Bildungsfahrt in Prag. Vereinsmitglied Monika Diedrich berichtet von Erlebnissen und Sehenswürdigkeiten. Und welche Beziehungen gibt es nun zwischen Posterstein und Prag? Vordergründig keine. Warum fährt dann der Museumsverein der Burg Posterstein im Altenburger Land dorthin? Finden wir es heraus!

Geschichte von Karlstein und Posterstein berührt sich 1358

Burg Karlstein in Tschechien
Burg Karlstein in Tschechien

Karlsteindie Burg Karls IV., des böhmischen Königs und späteren Kaisers des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Sein Leben und Wirken ist allgemein bekannt. Doch weiß man auch, dass während des vogtländischen Krieges 1354 bis 1359 Burg Posterstein neben Werdau und Ronneburg eine der Burgen gewesen ist, die Kaiser Karl IV. auf seinem Zug in das Pleißenland 1358 besetzte. Und da wäre er – der Bezug von Burg zu Burg.

Und Prag? Die Zeitreise geht in die Ära der Salonkultur

Da sich das Museum Burg Posterstein mit der Geschichte der Kurländer Herzogsfamilie befasst, muss nicht lange gesucht werden: Auf der Prager Kleinseite (mala strana) steht unweit der Kirche Maria vom Siege ein großes gelbes Stadtpalais, das so genannte Palais Rohan, gekauft aber war es von Peter von Kurland, und immer wieder hielt sich darin ein Familienmitglied für längere oder kürzere Zeit auf: Peters Gemahlin Anna Dorothea oder deren Töchter Wilhelmine, Pauline…

Das Palais Rohan in Prag war für den Museumsverein Burg Posterstein besonders interessant.
Das Palais Rohan in Prag war für den Museumsverein Burg Posterstein besonders interessant.

Wilhelmine von Sagan, die mit dem französischen Adligen Louis de Rohan kurze Zeit verheiratet war, residierte dort. Nach ihrer Scheidung wurde das Palais Rohan als Abfindung überlassen – und daher der Name Palais Rohan. Die Rohan gehörten zu den ältesten französischen Adelsfamilien. Es gelang ihnen ihre reiche Kunstsammlung vor der Französischen Revolution zu retten und schließlich nach Böhmen zu bringen.

In der oben erwähnten Kirche aber heiratete Pauline, Wilhelmines Schwester, 1800 den Fürsten von Hohenzollern-Hechingen.

Das Palais Schwarzenberg - ein Name, der verknüpft ist mit der Geschichte der Herzogin Anna Dorothea von Kurland.
Das Palais Schwarzenberg – ein Name, der verknüpft ist mit der Geschichte der Herzogin Anna Dorothea von Kurland.

Das wunderbare Palais Schwarzenberg, dessen Mauern bis unters Dach mit Sgraffitis geschmückt sind, wurde am nächsten Tag besucht. Hier gab es zwar keinen offensichtlichen Beweis für die Anwesenheit der Kurländerinnen, dennoch ist doch stark anzunehmen, dass die Damen auch hier am gesellschaftlichen Leben teilnahmen. Schließlich blühte die Salonkultur nicht nur in Berlin, sondern auch in Prag und besonders im Palais Schwarzenberg.

Im Palais gibt es einen Raum, ausgestattet mit bemalten Wänden, der für geselliges Beisammensein gedacht war. Hier kann man sich Anna Dorothea von Kurland bei den Soireen gut vorstellen. Das Palais befindet sich heute im Eigentum der Nationalgalerie und interessante Ausstellungen sind dort zu besichtigen. Dr. Marius Winzeler, Leiter der Sammlung Alter Kunst der Tschechischen Nationalgalerie, stellte nicht nur die Palais Schwarzenberg und Sternberg vor, sondern führte kompetent in die Kunstschätze ein.

Bootsfahrt in Prag.
Bootsfahrt in Prag.

Die eben während des Aufenthaltes der Postersteiner stattfindende Prager Schlössernacht ermöglichte es, das Palais Waldstein, den Sitz des Tschechischen Senats, zu besuchen und in Gemächer vorzudringen, die sonst für die Öffentlichkeit verschlossen sind. Nicht nur Wallenstein gefiel dieser Palast und seine Gärten – auch Wilhelmine von Sagan residierte hier, um den Verhandlungen über die Allianz gegen Napoleon 1813 so nah wie möglich zu sein.

Impressionen aus Prag.
Lucerna-Passage. Jugendstil-Arkade mit Geschäften Wenzel Statue von David Černý .

Die Teilnehmer an der Bildungsfahrt interessierten neben den Geschichten um das Haus Kurland natürlich auch andere geschichtliche Zusammenhänge und die entsprechenden Orte und architektonischen Sehenswürdigkeiten Prags. Ein Besuch im Jüdischen Viertel mit einer Führung und demzufolge vielen interessanten Erläuterungen bis zur ältesten Synagoge der Stadt war angesagt sowie eine Bootsfahrt auf der Moldau. Vom Wasser aus war die Stadt mit ihren unzähligen prächtigen Gebäuden gut zu begreifen.

Prag vom Wasser aus gesehen.
Prag vom Wasser aus gesehen.

Den Abschluss der dreitägigen Fahrt bildete die Besichtigung des Château Troja, etwas außerhalb der Stadt gelegen, zwischen Moldau und Weingärten.

Decke im Château Troja
Decke im Château Troja

Troja war die Sommerresidenz des Grafen Wenzel Adalbert von Sternberg. Er hatte es 1679 im schlesischen Barock bauen lassen. Herrliche Räume, Innenausstattungen, Gemälde und andere Kunstgegenstände sowie ein gepflegter Barockgarten erfreuen die Besucher.

Von Monika Diedrich / Museumsverein Burg Posterstein

Krakau – vier Tage intensiv Geschichte erleben

Jedes Jahr begibt sich der Förderverein des Museums auf Bildungsfahrt.

Diesmal unternahmen wir vom 11. bis 14. August 2016 eine Exkursion in die geschichtsträchtige Stadt Krakau in Südpolen. Auf dem Hin- und Rückweg wurde die Zeit nicht nutzlos im Bus verbracht, sondern auch an diesen eigentlichen Reisetagen gab es sehenswerte Ziele, die angefahren und besichtigt wurden.

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Das Schloss von König Kasimir dem Großen

Das Schloss von König Kasimir dem Großen

Das erste Ziel war Schloss Pieskowa Skala, etwa 25 Kilometer nordöstlich von Krakau. Auf weißem Fels erhebt sich ein wunderschön restauriertes helles Schloss. Im 16. Jahrhundert war die vorhandene Burg in ein Renaissanceschloss umgebaut worden. Herrliche Arkaden – und das sollten nicht sie einzigen sein, die auf dieser Reise zu besichtigen waren – umfassen einen weiten Hof.

Krakau – bis 1596 Hauptstadt des Königreichs Polen

Einen Tag lang widmete sich die Reisegruppe der Stadt Krakau, einer Stadt, wie man sie kaum erwartet hat. Der alte Stadtkern noch wunderbar erhalten. An der Weichsel gelegen, erhebt sich auf einer Anhöhe der Wawel, das alte Königsschloss.

Im Zweiten Weltkrieg nicht zerstört, hat die Stadt doch einige Überfälle von Mongolen oder Türken erleben müssen. Einige Stadtbrände kamen hinzu. Und zu Zeiten des kommunistischen Regimes wurde die Stadt sehr vernachlässigt. Umso erstaunlicher ist es, wie herrlich die Stadt heute renoviert ist, zumindest die Altstadt.Trotz ihres Alters ist die Stadt jung, jung durch die zahlreichen Studenten, die hier leben.

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Der Wawel (Residenz der Könige von Polen) und die alte Stadt waren umgeben von Festungsanlagen und Wassergräben, die heute einen Grüngürtel von 4 Kilometern Länge bilden.

 

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Papst Paul II. war Bischof von Krakau – sein Bild ist überall in der Stadt zu sehen
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Der Markt mit den Tuchhallen ist riesig.
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Die Marienkirche ist ein Schatz, und der größte Schatz darin ist der Marienaltar von Veit Stoß. Im Czartoryski-Museum gibt es sogar einen Da Vinci zu bewundern: Die Dame mit dem Hermelin.

Die Schwarze Madonna von Częstochowa

Wer gedacht hatte, am dritten Tag dem Menschengewühl einer vielbesuchten Stadt zu entkommen, hatte sich gewaltig getäuscht. Von wegen stille Einkehr in einem Kloster.

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Doch nicht in Tschenstochau! Pilger über Pilger, Busse über Busse, Autos über Autos. Alle wollen die schwarze Madonna sehen. An ihr wird man schnell vorbeigeschleust. Pracht und Prunk an allen Orten, was man gar nicht richtig fassen kann.

Gut, dass es wieder zurück ins doch “ruhigere” Krakau geht. Ruhig ist vielleicht nicht das richtige Wort, denn bis in die späte Nacht hinein, wandeln hier Menschen – Kind und Kegel – auf dem Markt und in den Straßen. Was gibt’s Schöneres, als dann abends in einem Jazz-Keller unterzuschlüpfen.

Residenz der Herzöge von Brieg

Am vierten Tag, auf der Rückfahrt gab es ebenfalls ein Schloss zu besichtigen, das Schloss in Brieg, in dem man so vieles über die Geschichte der Piasten erfahren kann.

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Besonders eindrucksvoll ist das Renaissanceportal am Eingang zum Schloss. Das Überraschendste aber war der Taufstein im Schlossmuseum, an dem Kurt Masur, der 1927 in Brieg geboren, getauft worden war.

Ein Beitrag von Monika Diedrich.

 

Auf den Spuren des Wiener Kongresses: Bildungsfahrt des Museumsvereins

Passend zur aktuellen Sonderausstellung “Salongeschichten” führte die diesjährige Bildungsfahrt des Museumsvereins Burg Posterstein nach Wien. Über das Wandeln auf den Spuren der großen Staatsmänner und der einflussreichen Salondamen vom 23. bis 27. September 2015 berichtet Vereinsmitglied Monika Diedrich:

Kopie der Akte des Wiener Kongresses in der Ausstellung "Idee Europa" im Bundeskanzleramt Wien.
Kopie der Akte des Wiener Kongresses in der Ausstellung “Idee Europa” im Bundeskanzleramt Wien.
26 Mitglieder des Fördervereins begaben sich anlässlich der 200jährigen Wiederkehr des Wiener Kongresses (1814/15) nach Wien. Bei diesem Kongress wurde die Neugestaltung Europas nach 23 Jahren „Napoleonischer Kriege“ verhandelt. Die Töchter der Herzogin von Kurland – Wilhelmine von Sagan und Dorothée von Dino-Talleyrand – spielten dabei keine unwesentliche Rolle. Der Postersteiner Museumsverein wollte dieses Geschehen so gut wie möglich nacherleben.

Erste Station: Stifterhaus Linz

Passend zur Sonderausstellung "Salongeschichten" besichtigte der Museumsverein das Stifterhaus in Linz, das Wohnhaus Aldelbert Stifters (1805–1868).
Passend zur Sonderausstellung “Salongeschichten” besichtigte der Museumsverein das Stifterhaus in Linz, das Wohnhaus Aldelbert Stifters (1805–1868).
Erste Station auf der Reise war Linz, wo die Besichtigung des Stifterhauses, dem Wohnhaus Aldelbert Stifters (1805–1868), anstand. Die Einblicke in das Schaffen Stifters stehen in unmittelbarem Zusammenhang mit unserer aktuellen Sonderausstellung „Salongeschichten“. Die darin erstmals gezeigte einmalige Sammlung von Zeichnungen des Malers Ernst Welker (1784/88–1857) stammen aus dem Besitz von Emilie von Binzer (1801–1891). Die Schriftstellerin, eine Pflegetochter Wilhelmine von Sagans, unterhielt zwischen 1849 und 1870 in ihren Häusern in Linz und Altaussee musische Kreise. Freundschaften verbanden sie mit Adalbert Stifter und Franz Grillparzer (1791–1872). Ihre Erinnerungen an den Musenhof in Löbichau hielt sie 1877 im Buch “Drei Sommer in Löbichau. 1819-21” fest.

An den Schauplätzen des Wiener Kongresses

Die Mitglieder des Museumsvereins im Bundeskanzleramt, wo einst die Schlussakte des Wiener Kongresses unterzeichnet wurde.
Die Mitglieder des Museumsvereins im Bundeskanzleramt, wo einst die Schlussakte des Wiener Kongresses unterzeichnet wurde.
Mit einer Stadtführung rund um die Wiener Hofburg versuchten wir uns, die Handlungsorte der Kongressteilnehmer und deren Gefolge zu veranschaulichen. Höhepunkt war der Besuch im Bundeskanzleramt, der früheren österreichischen Staatskanzlei und Amtssitz Metternichs, wo die Schlussakte des Kongresses unterzeichnet wurde.

Anlässlich des 200. Jahrestages wurden die Räumlichkeiten im Rahmen der Ausstellung „Idee Europa – der lange Weg Europas zu einem Kontinent des Friedens“ für Besucher geöffnet und mit einer Führung zum Thema zugänglich gemacht. Begleitend zur Ausstellung ist ein umfangreicher Katalog erschienen.

Der Kongress fährt

Phaeton-Schlitten des Fürsten Windisch-Graetz - Foto: WGBG_DP_13_G_340_01; Wien, 1814 – 1815 Kaiserliche Wagenburg Wien; Reiches  Schlittengeschirr des Wiener Hofes Wien, 1814 – 1815 Kaiserliche Wagenburg Wien © KHM
Phaeton-Schlitten des Fürsten Windisch-Graetz – Foto:
WGBG_DP_13_G_340_01; Wien, 1814 – 1815
Kaiserliche Wagenburg Wien; Reiches Schlittengeschirr des Wiener Hofes
Wien, 1814 – 1815
Kaiserliche Wagenburg Wien © KHM

Pracht und Ruhm des Kaiserlichen Wien wurden nochmals offenbar beim Besuch des Prunksaals der Nationalbibliothek. Den Abschluss des Wien-Besuches bildete der Besuch von Schloss Belvedere und Schloss Schönbrunn, mit der Ausstellung „Der Kongress fährt“ in der Kaiserlichen Wagenburg. Thematisiert wurden hier anschaulich die logistischen Aufwendungen während der Kongresszeit und der Fuhrpark, der den Kongressteilnehmern zur Verfügung stand. Das Bild oben ist ein Pressebild der Kaiserlichen Wagenburg.

Abstecher nach Ungarn und in die Slowakei

Das Schloss des Fürsten Esterhazy in Fertöd in Ungarn.
Das Schloss des Fürsten Esterhazy in Fertöd in Ungarn.
Nicht nur Wien stand auf dem Reiseprogramm, sondern auch das Schloss des Fürsten Esterhazy in Fertöd in Ungarn und die Hauptstadt der Slowakei Bratislava. Schade nur, dass es in Strömen regnete und man nur einen vagen Eindruck von der schönen Stadt haben konnte.

Alles in allem waren es lehrreiche (anstrengende) Tage für die Postersteiner Besucher, die dafür aber einen lebendigen Einblick in die Zeitumstände des Wiener Kongresses von 1815 bekamen.

Von Monika Diedrich / Museumsverein Burg Posterstein e.V.

Wanderung auf den Spuren des Holzschnitzers Johannis Hopf

Regelmäßig begeben sich Mitglieder des Museumsvereins Burg Posterstein auf thematische Reisen und Ausflüge, die eng mit den Themen des Museums in Verbindung stehen. Der diesjährige Frühjahrsausflug am 26. April führte von Neumark zur Burg Schönfels. Vereinsmitglied Monika Diedrich berichtet darüber:

Inschrift unter der Empore in der Postersteiner Burgkirche
Inschrift unter der Empore in der Postersteiner Burgkirche (Foto: Museum Burg Posterstein)

Am 26. April 2014 machte sich eine siebzehnköpfige Gruppe auf, die Spuren Johannis Hopfs zu suchen, dem zugeschrieben wird, die Holzschnitzereien in der Postersteiner Burgkirche angefertigt zu haben.

Die Wanderung begann im Gut Neumark der Familie von Römer. Das Anwesen, besonders das Schloss, befindet sich in einer permanenten Bausituation. Überall stehen Gerüste, Baumaterialien, eingerissene Wände und halbfertige Gebäude – aber die Dächer sind in Schuss! Darauf verwies die Hausherrin Dorothee von Römer mit Stolz, die uns engagiert durch das ehemalige Rittergut führte.

Familie von Römer musste ihr Schloss nach der Wende zurückkaufen

Die Familie von Römer, Jahrhunderte in und um Zwickau ansässig und tätig, ist seit 1478 mit dem Gut verbunden und kaufte es nach der Wende 1989 von der Treuhand zurück, um es zu bewirtschaften und wieder in Stand zu setzen. Seit der Enteignung durch die Bodenreform 1945 war es ein volkseigenes Gut (VEG) gewesen. Was das jetzt für eine Herkulesaufgabe für die neuen (alten) Eigentümer war, ist und noch sein wird, wird jedem klar, der den Rundgang durch das Schloss mitmacht.

Es könnte durchaus eine Verbindung zwischen dem Gut Neumark und dem prachtvollen Schnitzwerk in der Postersteiner Burgkirche geben (Foto: Römer: http://www.gut-neumark.de/de/bildergalerie.html)
Es könnte durchaus eine Verbindung zwischen dem Gut Neumark und dem prachtvollen Schnitzwerk in der Postersteiner Burgkirche geben (Foto: Römer: http://www.gut-neumark.de/de/bildergalerie.html)

Dieses Schloss aus dem 17. Jahrhundert ist auf den ersten Blick nicht als solches zu erkennen. Es ist ganz schlicht gebaut, ohne jedes Schmuckelement, durch die Zeit und die Nutzung (erst als Notunterkunft für viele Vertriebenenfamilien und später als Heim für psychisch kranke Kinder) heruntergekommen, verlassen und verloren. Hat man aber den Innenhof erreicht, sieht man seine ehemalige Bestimmung – hindurch durch Baugerüste, Dreck und Schutt. Dorothee von Römer führte unsere Gruppe in alle Ecken und Ritzen des alten Gemäuers, erklärte die Entstehungsgeschichte, die ehemalige Nutzung der Räume – auch zu DDR-Zeiten –, wies stolz auf unerwartete Funde von Balken oder Tür- und Fensteröffnungen hin, sprach von den finanziellen Schwierigkeiten und von Glücksmomenten, wenn wieder einmal etwas gelungen war. Bewundernswert ist ihre fröhliche und zuversichtliche Haltung, die sie an den Tag legte, wo sich doch jeder vorstellen konnte, was für eine Last sie und ihre Familie zu tragen hatten. Und natürlich fanden die Besucher Relikte von Holzschnitzereien, die denen in der Postersteiner Kirche glichen. Es wurde darüber gefachsimpelt, Vergleiche angestellt und die Familiengeschichte ins Gedächtnis gerufen, denn einen Zusammenhang könnte es gegeben haben, da eine Tochter der Familie Römer nach Posterstein geheiratet hatte und zu dieser Gelegenheit die Schnitzereien in die Kirche gelangt sein könnten.

Burgkapelle auf Schönfels – Eine Verbindung zum Postersteiner Schnitzwerk?

Wanderung zur Burg Schönfels
Wanderung zur Burg Schönfels

Vom Enthusiasmus und vom Mut der Römers angesteckt, begab sich die Gruppe auf eine Wanderung zur Burg Schönfels. Auch dort sollten sich Holzschnitzereien in der Burgkapelle befinden, die eventuell etwas mit denen in Posterstein und Neumark zu tun haben könnten.

Mitglieder des Museumsvereins bei der Führung durch die Burg Schönfels
Mitglieder des Museumsvereins bei der Führung durch die Burg Schönfels

Auf Burg Schönfels trafen wir wieder auf eine Führerin durch die Burg, die Leiterin des Museums und somit die Burgherrin, die von Tatkraft und Freude am Werk sprühte. Ina Schumann erzählte mit warmen Worten von den geleisteten Arbeiten und denen, die noch zu vollführen seien. Ihre Freude über jede neue Erkenntnis beim Renovieren von Räumen oder bei der Instandsetzung von Mauerwerk übertrug sich auf die interessierten Zuhörer. Sie machte uns aufmerksam auf den wohl wertvollsten Raum in der Burg, auf die Kemenate oder Bohlenstube, die wie ein Kasten aus 13,5 cm dicken Bohlen in die Burg eingebaut wurde. Wo kann man schon ein solches Wunderwerk, noch dazu mit einer kielförmigen Holztür, in einer mittelalterlichen Burg finden! Wie immer bezauberte der Blick vom Turm in die frische Frühlingslandschaft.

Schwebender Engel in der Kapelle der Burg Schönfels - Eine Arbeit aus der Werkstatt des Johannis Hopf?
Schwebender Engel in der Kapelle der Burg Schönfels – Eine Arbeit aus der Werkstatt des Johannis Hopf?

Und endlich zum Schluss der Besichtigung führte Ina Schumann in die Burgkapelle, wo es eine geschnitzte Kanzel zu bewundern gibt. Da blieb die Frage im Raum stehen: Hat sie Beziehungen zu den anderen schon erwähnten Holzschnitzereien? Unterschiede wurden ausgemacht, aber auch Ähnlichkeiten. Und es stellte sich die andere Frage, ob die Kanzel von vornherein für diese Kapelle bestimmt gewesen war oder ob man sie später erst eingebaut hatte? „Ja, ich weiß auch nicht, ob der Engel, der die Kanzel trägt, schon immer diesen Job gehabt hat“, war die humorvolle Antwort der Museumsleiterin.

Was hatte man an diesem Tag nicht alles zu sehen und zu hören bekommen! Wieder einmal hatte es sich für die Museumsfreunde gelohnt, an einer solchen Exkursion teilzunehmen. Viel frische Luft, herrliche Landschaft, alte Geschichte und alte Geschichten, interessante Erkenntnisse, gelungene Überraschungen und zum Schluss noch ein kräftiger Regenguss, der alle bis auf die Haut durchnässte. Aber was tut man nicht alles für seine Bildung!

Monika Diedrich / Museum Burg Posterstein

Weitere Berichte über Ausflüge des Museumsvereins:

Vier Tage Südböhmen (Oktober 2013)

Auf den Spuren von Jean Paul (Mai 2013)

Vier Tage Südböhmen: Gast-Beitrag zur Bildungsfahrt der Mitglieder des Museumsvereins

Jedes Jahr begeben sich Mitglieder des Museumsvereins Burg Posterstein e.V. auf eine gemeinsame Bildungsfahrt. Reiseziele sind historische Orte, die unmittelbar mit den Forschungsschwerpunkten des Museums in Zusammenhang stehen. Vom 3. bis 6. Oktober 2013 führte die Reise nach Südböhmen, wo man beim Besichtigen der Schlösser von Schwarzenberg und Metternich noch tiefer in die Zeit zwischen Völkerschlacht (aktuelle Sonderausstellung) und Wiener Kongress (nächstes großes Jubiläum 2015 und Forschungsschwerpunkt “Musenhof Löbichau”) eintauchen konnte. In Plasy (deutsch: Plaß), wo sich ein Kloster und die Familiengruft Metternichs befindet, wurde nach dem Krieg auch das Familienarchiv Metternichs gefunden. Monika Diedrich, Mitglied im Museumsverein Burg Posterstein e.V., hat für diesen Gastbeitrag die Erlebnisse in Wort und Bild festgehalten. – Vielen herzlichen Dank!

Die Metternichs ließen Schloss Kynžvart (deutsch: Schloss Königswart) in Tschechien zu einem Barockschloss umbauen.
Die Metternichs ließen Schloss Kynžvart (deutsch: Schloss Königswart) in Tschechien zu einem Barockschloss umbauen.

Schon zum zweiten Male wurde auf der Fahrt in den Süden kurz vor Marienbad das Schloss Kynzvart (Königswart) besucht, das der Familie Metternich gehörte und welches der damalige österreichische Kanzler Clemens Metternich von seinem Vater zu Weihnachten geschenkt bekommen hatte – nach den Worten des kauzigen tschechischen Schlossführers. Nicht nötig war es, wie eine Teilnehmerin es aussprach, dass er auch noch zwei Säcke mit Goldtalern für den Erhalt des Schlosses hätte dazubekommen sollen, denn die Einrichtung des Schlosses – wieder nach den Worten des Führers – bestand zum größten Teil aus kleinen und großen Geschenken von Königen, vom Kaiser, vom Zar und anderen hochgestellten Persönlichkeiten jener Zeit.

Neben dem Schloss war der dazugehörige Gutshof zu einem großen Teil restauriert worden. Beim ersten, früheren Besuch befand er sich noch in einem desolaten Zustand. Im Gelände des schönen Parks liegt nun ein Golfplatz, der größte der Republik Tschechien.

Zweite Station: Das Schloss eines Heerführers

Am Nachmittag des ersten Tages kam der Bus in Krumlov (Krumau) an, einer kleinen Stadt von 13 000 Einwohnern , die umgeben ist von der Moldau, da sie in einer romantischen Flussschleife liegt. Beherrscht wird sie von einer der größten tschechischen Schlossanlagen, die von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt worden ist.

Die Schlossanlage gehörte der Familie Schwarzenberg, dessen bekanntestes Mitglied vielleicht der in Wien geborene Karl Philipp Fürst zu Schwarzenberg war, ab 1810 österreichischer Botschafter in Frankreich und ab 1813
Oberbefehlshaber der alliierten Armeen im Kampf gegen Napoleon.

Bekanntester Besitzer der opulenten Schlossanlage in Krumlov (Krumau) war Karl Philipp Fürst zu Schwarzenberg, Oberbefehlshaber der alliierten Armeen im Kampf gegen Napoleon.
Bekanntester Besitzer der opulenten Schlossanlage in Krumlov (Krumau) war Karl Philipp Fürst zu Schwarzenberg, Oberbefehlshaber der alliierten Armeen im Kampf gegen Napoleon.

Schloss- und Stadtführung am nächsten Tag machten jedem klar, warum es zu der Auszeichnung als Weltkulturerbe gekommen ist: Seit Jahrhunderten keine kriegerischen Zerstörungen, keine Plünderungen, keine Modernisierungsmaßnahmen an der Bausubstanz. Das bedeutet ganz und gar mittelalterliches Flair, wenn nicht die Touristen wären! Aber davon lebt die
Bevölkerung. Der größte Teil der Touristen ist deutschsprachig, doch 40 Prozent sind Asiaten. Ein bisschen stört der touristische Schnickschnack in den unzähligen Geschäften und Ständen schon. Und Kneipen gibt es hier! Nicht zu zählen. Das Bier läuft in Strömen.

Am dritten Tag wurde der Ort Rožmberk (Rosenberg) angefahren. Wieder eine tolle Burg, auch direkt an einer Moldauschleife gelegen, der Stammsitz des Adelsgeschlechts der Rosenberger, die in der böhmischen Geschichte eine große Rolle spielten.

Nicht weit davon – ebenfalls zu besichtigen – das wiederbelebte Kloster Vyšši Brod (Hohenfurth).

Der Wohnsitz Metternichs

Familiengruft der Familie Metternich in Plasy (deutsch Plaß)
Familiengruft der Familie Metternich in Plasy (deutsch Plaß)

Den Abschluss des viertägigen Ausflugs bildete nach einer deftigen Mittagspause im Gärkeller der Pilsener Brauerei die Besichtigung des ehemaligen Klosters Plasy, das im 19. Jahrhundert zum Wohnsitz der Familie Metternich wurde. Und dieses Mal hatten die Vereinsmitglieder Glück, sie konnten in die Familiengruft hineingehen und den Sarg des österreichischen Kanzlers ansehen sowie die Särge seiner Familienmitglieder.

Vier Tage böhmische und österreichische Geschichte, sehr gut in Zusammenhang zu bringen mit dem großen Forschungsschwerpunkt der Burg Posterstein, dem Leben und Wirken der Herzogin Dorothea von Kurland, insbesondere, wenn man an den Wiener Kongress (1814/15) denkt, bei dem zwei ihrer Töchter wichtige Rollen spielten. (Schon damals war der Geheimdienst, Metternichs Spitzel in Wien, über alle Aktivitäten bei Tag und in der Nacht genau informiert.)

Von Monika Diedrich, Mitglied des Museumsvereins Burg Posterstein e.V.

Weitere Berichte von Bildungsfahrten: Wanderung auf den Spuren Jean Pauls

Museumsverein Burg Posterstein unterwegs: Wanderung auf den Spuren Jean Pauls

Am 25. Mai zogen sich Mitglieder des Museumsvereins Burg Posterstein Wanderschuhe an und gingen auf dem oberfränkischen Jean Paul Wanderweg auf Spurensuche. Der berühmte Dichter, der in diesem Jahr zu seinem 250. Geburtstag mit der deutschlandweiten Lifaßsäulenausstellung “Jean Pauls Orte” auch auf Burg Posterstein geehrt wurde, verbrachte im Sommer 1819 mehrere Wochen im “Musenhof Löbichau” der Herzogin Anna Dorothea von Kurland. Die Mitglieder des Museumsvereins nahmen dies zum Anlass, den Jean Paul Wanderweg von Joditz nach Hof zu gehen. Vereinsmitglied und Ehrenamtliche Monika Diedrich berichtet davon.

Nun wollten wir aber auch einmal wissen, woher dieser von der Herzogin von Kurland am Löbichauer Hofe so gern gesehene Gast herkam – der Dichter aus dem Fichtelgebirge.

Von Joditz aus, wo sein Vater Pfarrer war, begannen wir unsere Wanderung. Als Kind war Jean Paul oftmals den Weg nach Hof gegangen, wo seine Großeltern lebten. Und wir erlebten jetzt in der frische grüne Mailandschaft, was dem Knaben – damals noch Johann Paul Friedrich Richter – begegnet sein musste, was er unterwegs gesehen und gefühlt haben mochte.

Informationstafel am Jean Paul Weg
Informationstafel am Jean Paul Weg

An verschieden Stellen des Wanderwegs waren Tafeln angebracht, auf denen zu lesen war, was der Dichter so empfunden hatte. In seinen Romanen gibt er die Erinnerung an seine Kindheit wieder, etwa so:

„Der zweistündige Weg führte durch einen Wald, und darin über einen brausenden Fluss voll Felsstücke, bis endlich auf einer Felderhöhe die Stadt mit zwei Brüdertürmen und mit der Saale in der Talebene den begnügsamen kleinen Träger übermäßig überschüttete und ausfüllte.“

Jean Pauls Weg zu seinen Großeltern führte von Joditz nach Hof immer an der Saale entlang
Jean Pauls Weg zu seinen Großeltern führte von Joditz nach Hof immer an der Saale entlang

Der Weg geht im Prinzip immer an der Saale entlang, einmal rechts vom Fluss, einmal links vom Fluss. Kein anstrengender Weg also, nur manchmal gibt es mäßige Anstiege, bis auf den zur Saalenburg hinauf, der ist kurz und steil.

Die erste Rast - unterwegs auf dem Jean Paul Weg
Die erste Rast – unterwegs auf dem Jean Paul Weg

Die Saalenburg selbst  besteht nur aus einigen wenigen Mauerresten. Und wer dort hinauf kommt und erwartet, etwa einen Bergfried vorzufinden, wird sehr enttäuscht. Das Gelände hat sich ein pfiffiges Wirtspaar zu eigen gemacht und nach seinem Dafürhalten mit „historischen” Dingen ausgestattet. Bemerkenswert!!! Kredenzt wurde zum Mittagessen ein gutes fränkisches Braunbier, das Getränk, das Jean Paul einst allen anderen Getränken vorzog.

Aber Jean Paul wird nicht zur alten Burg hinaufgestiegen sein. Er wird unterhalb davon die Saale überquert haben, um auf schnellstem Wege zu den Großeltern zu gelangen. Schon bald konnten wir von einer Anhöhe aus auch die Türme der Stadt sehen. Ein wunderschöner Anblick, allerdings verschandelt durch moderne Hochhausbauten. Da hatte es Jean Paul noch besser. Er konnte die Idylle voll genießen.

Auch in Hof steht natürlich eine Litfaßsäule der Ausstellung "Jean Pauls Orte"
Auch in Hof steht natürlich eine Litfaßsäule der Ausstellung “Jean Pauls Orte”

Bald erreichten wir das Dorf Unterkotzau – trotz des Namens nichts Unangenehmes. Wieder wurde die Saale überquert, und nach einigen Kilometern waren wir an der Stadtgrenze von Hof.

Wir hatten für unsere Wanderung mit Mittagspause um die fünf Stunden gebraucht. Jean Paul wird schneller gewesen sein!

(Gast-Beitrag von Monika Diedrich – Herzlichen Dank!)