Hans Wilhelm von Thümmels Gesandtschaften: Paris

„Gern werde ich alles thun, was irgend noch zu thun ist, aber nur eins bitte ich, verschonen Sie mich mit Paris.“ (Hans Wilhelm von Thümmel)

Das beginnende 19. Jahrhundert brachte für fast alle europäischen Staaten, gleich welcher Größe, einschneidende Veränderungen. Der Siegeszug Napoleons stellte alles bisher da gewesene in Frage und stellte an die Staatsverwaltungen ganz neue Aufgaben.

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Carl August, Herzog zu Sachsen Weimar

Sowohl der Weimarer Herzog Carl August (1757–1828) als auch der Gotha–Altenburgische Herzog August (1772–1822) strebten während Napoleons Herrschaft in Europa eine Sicherung ihres souveränen Staatsgebietes an. Während ersterer durch vorsichtiges Abwägen der Interessen die Balance zwischen Napoleon (1769–1821) und seinem Schwager Zar Alexander I. (1777–1825) zu beachten hatte, war Herzog August ein uneingeschränkter Bewunderer des französischen Kaisers. Beide Herzogtümer verfolgten das Ziel, durch eine Rangerhöhung ihres Staates ihre Interessen abzusichern.

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August, Herzog von Sachsen Gotha und Altenburg

Die mit Napoleon verbündeten Staaten unterhielten nicht nur in zeitweiligen Residenzen des französischen Kaisers, wie Berlin, sondern vor allem in Paris Gesandtschaften. Dies ermöglichte Napoleon sowohl eine enge Kommunikation mit den Rheinbundstaaten, als auch deren bessere Kontrolle.

Thümmels Tagebuch der Pariser Zeit

Entgegen der oben zitierten Bitte an seinen Herzog blieb Thümmel die Reise nach Paris nicht erspart. Ob er sich tatsächlich gewehrt hat oder guter Beamtenpflicht gemäß den Auftrag unwidersprochen annahm, ist nicht überliefert.

Tatsächlich reiste der Minister Napoleon fast umgehend nach Paris hinterher, denn bereits 16 Tage nach Napoleons Aufenthalt in Gotha am 23. Juli 1807 findet sich der erste Eintrag in seinem Pariser Tagebuch.

Tagebuch des Herrn Ministers v. Thümmel während seiner Mission in Paris vom Monat August 1807 bis April 1808“ – so lautet der offizielle Titel. Das Tagebuch wird im Thüringischen Staatsarchiv Gotha verwahrt. Die Einträge beginnen am 8. August 1807 und enden am 3. Mai 1808.

 

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Hans Wilhelm von Thümmel, Kupferstich nach Joseph Grassi

 

Thümmels Ankunft in Paris

Am 8. August 1807 erreichte Hans Wilhelm von Thümmel also die französische Hauptstadt.

 

„Gestern kam ich in dieser merkwürdigen Stadt an, die schnelle Reise des Marschalls Bessieres nach Studtgart verhinderte mich, daß ich früher hier ankommen konnte, weil ich in verschiedenen Posten mehrere Stunden auf Pferde warten mußte.“

Audienz bei Napoleon

Am 10. August 1807 erhielt Thümmel eine Audienz bei Napoleon, wofür er sich gleich im Anschluss bei Talleyrand bedankte.

„Früh 5 ½ Uhr ging ich sogleich nach St. Cloud, der Ceremonien Meister Segur weist mich an den Cammerherrn des Dienstes. Nachdem alle Diensthabenden beym Kayser gewesen waren, wurde der Prinz von Nassau u. Weilburg präsentiert, précise 7. Uhr auch ich. Ich übergab meinen Brief in einer Privat Audienz, er nahm ihn freundlich auf, fragte nach dem Herzog, und entließ mich durch ein Zeichen, das er gab. Ich habe hierauf auf Anweisung des Marg. Segur eine Karte an die erste Hofdame Rochefoucault geschickt, und schreibe ihr auch noch heute ein Billet, um Audi­enz bey der Kayserin zu erhalten. Ich habe den Kayser sehr wohl aussehend gefunden, aber man sieht in seinem Gesicht, dass er mit großen Dingen umgeht, und dass ihn viele Arbeit drücken mag.“

 Ausführlich werden Thümmels Gesandtschaften in Frankfurt am Main, Dänemark und Berlin, sowie in Paris und Erfurt in Beiträgen im Buch zur Sonderausstellung vorgstellt.

 

Das Buch zur Ausstellung

Im Dienste der Ernestiner: Hans Wilhelm von Thümmels Aufstieg vom Pagen zum Minister.

Für das Herzogtum Sachsen-Gotha und Altenburg leistete Hans Wilhelm von Thümmel Großes – zu seinen wichtigsten Verdiensten zählt sicherlich die Vermessung und Kartierung des Herzogtums. Das von Thümmel in Auftrag gegebene Kartenwerk von 1813 wird ausführlich vorgestellt. Weitere Verdienste erwarb sich Thümmel durch die Gründung der Kammerleihbank und die Förderung des Straßenbaus in seinem Herzogtum. Der Bau des ersten Altenburger Krankenhauses wurde von Thümmel initiiert. Es galt am Ende des 18. Jahrhunderts als europäischer Musterbau. Inspiriert von seiner Liebe zu aufklärerisch geprägten Landschaftsgärten und Architektur, verhalf Thümmel den neuen Gärten hierzulande zum Durchbruch. Als Minister im Ruhestand brachte er hunderte kleine, heute noch gültige Lebensweisheiten als Aphorismen zu Papier. Zur Grabstätte wählte er sich die 1000-jährige Eiche in Nöbdenitz, die man heute noch bestaunen kann.

Die Sonderausstellung und die Publikation geben einen so bisher nicht vorliegenden, umfassenden Überblick zu Thümmels Person. Die Thümmelschen Karten werden auf DVD erstmals einem breitem Publikum zugänglich gemacht.

Der Termin der Buchpräsentation wird auf unserer Webseite bekanntgegeben.

Die Sonderausstellung im Museum Burg Posterstein ist noch bis zum 31. Oktober 2016 zu sehen.

noch mehr im Blog:

Mit Baron von Thümmel durch Nöbdenitz: Gut besuchte Wanderung des Museums Burg Posterstein

Im Dienste der Ernestiner – Hans Wilhelm von Thümmels Aufstieg vom Pagen zum Minister

Romantically minded minister of Saxe-Gotha-Altenburg burried under a 1000 year old oak
Die Weisheiten eines langjährigen Ernestiner Staatsmannes – als Glückskeks
Hans Wilhelm von Thümmel – der Mann unter der 1000-jährigen Eiche
Die 1000-jährige Eiche in Nöbdenitz

#loveMW: Our love to salon culture around 1800

LogoMW_PostersteinThe last day of #MuseumWeek 2016 on Twitter is dedicated to LOVE and we guess the motto of the day is not only about all the Twitter hearts given to favorite tweets in this week. That’s why we want to present one of our favorite research subjects: European salon culture around 1800, which is involving a lot of love stories, too.

Napoleon's death mask next to a bust of Dorothee de Dino-Talleyrand at Museum Burg Posterstein.
Napoleon’s death mask next to a bust of Dorothee de Dino-Talleyrand at Museum Burg Posterstein.
Not the first thing to think of when talking about a medievial castle. But only a view kilometres away from the regional history museum Burg Posterstein a popular salon hostess had her summer residence: Anna Dorothea of Courland (1761–1821) in the castle of Löbichau. Born in today’s Latvia the rich Duchess had wide connections to Europe’s high society.

That’s why Napoleon’s death mask is one of the first things to see, when you enter the salon culture exhibition in Posterstein. First enthousiastic about him, the Duchess of Courland became much more opposed against Napoleon during the time. She cultivated a livelong friendship to the French statesman Charles Maurice de Talleyrand (1754–1834). Tsar Alexander I. (1777-1825) visited her 1808 in Löbichau and conveyed the marriage of her youngest daughter Dorothée (1793–1862) to Talleyrand’s nephew. At the Congress of Vienna Dorothee de Dino-Talleyrand accompanied Talleyrand and after his death she became his sole heir.

Bertel Thorvaldsen: Wilhelmine Benigna Biron, 1818, Originalmodel. Gips. 58 cm; Thorvaldsens Museum, Inv.-Nr.: A312[/caption]Anna Dorothea of Courlands oldest daughter Wilhelmine von Sagan (1781–1839) gained great influence an the congress as well, as she led a popular salon in Schenkenstraße in Vienna. From 1813 to 1815 she had a passonate relationship with Clemens von Metternich (1773–1859), the leader of the congress.

Roland Martinet from the association Les Amis de Talleyrand and Sabine Hofmann from Museumsverein Burg Posterstein in Löbichau in 2015
Roland Martinet from the association Les Amis de Talleyrand and Sabine Hofmann from Museumsverein Burg Posterstein in Löbichau in 2015
In Löbichau Anna Dorothea of Courland brought together poets, politicans and artists. Museum Burg Posterstein has been doing intensive research about her live and the lives of her daughters for more than 20 years. The museum is cooperating with the French history society Les Amis de Talleyrand. The cooperation was officially recorded with a contract between the Museum society Burg Posterstein (Museumsverein Burg Posterstein) and Les Amis de Talleyrand in 2015.

Von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

Further reading:
A cultural salon in Löbichau
Cooperation with Les Amis de Talleyrand (in German)
Bertel Thorvaldsen’s busts of Wilhelmine von Sagan (in German)

Reisebogen von Maastricht bis Wiener Kongress – Bildungsfahrt des Museumsvereins

Vier Tage reisten 32 Mitglieder des Museumsvereins Burg Posterstein vom 11. bis 14. Oktober 2014 gemeinsam auf den Spuren historischer Persönlichkeiten, die mit der Herzogin Dorothea von Kurland in Zusammenhang gebracht werden können. Ein Reisebericht von Vereinsmitglied Monika Diedrich:

Auf dem Weg nach Brüssel nahmen die Mitglieder des Museumsvereins die Gelegenheit wahr, die Stadt Maastricht zu besuchen, die für die Verwirklichung eines einigen Europas mit dem Vertrag von Maastricht, 1992, sehr bedeutend ist. Beeindruckend war die gut erhaltene alte Stadt. Bis zu dem Gebäude an der Kennedy-Brücke zu gehen, wo der Vertrag ausgehandelt worden war, reichte die Zeit nicht. An dem Ziel eines ausgewogenen Europas hatte damals beim Wiener Kongress 1814/15 und den Jahren danach Talleyrand aktiv mitgewirkt, ja, für ein einiges Europa sein Verhandlungstalent und seinen Durchsetzungswillen in die Waagschale geworfen.

Von Maastricht nach Brüssel

Das Rathaus von Brüssel.
Der Museumsverein auf den Spuren Europas – Rathaus von Brüssel

Der zweite Tag der Reise war der Erkundung der Brüsseler Altstadt gewidmet. Bei einer improvisierten Führung, die an der Grand Place begann, sahen wir Reste der alten Stadtbefestigung, das Manneken Pis (natürlich), die Kirche Notre-Dame de la Chapelle und kamen zum Sablon-Viertel, wo auf einem langgezogenen Platz der Minerva-Brunnen steht. Oberhalb dieses Platzes befindet sich Notre-Dame du Sablon, die wir besichtigten. Alles überragte das Palais de Justice. Wir bewunderten die Place Royale und besuchten anschließend eins der Museen, eines, das erst im letzten Jahr mehrere unterirdische Etagen eröffnet hatte. Beileibe nicht alles konnten wir sehen, aber das war ja von vornherein klar. Da muss man einfach noch einmal wiederkommen!

Wie wichtig eine friedliche Welt ist

Brügge, Europas Kulturhauptstadt 2002
Brügge, Europas Kulturhauptstadt 2002

Zu den eindrucksvollen Erlebnissen dieser Reise gehörte am dritten Tag der Besuch der gut erhaltenen mittelalterlichen Stadt Brügge, die 2002 Europäische Kulturhauptstadt gewesen war. Hier konnte man erfahren, was es ausmacht, keine Kriegsschäden abbekommen zu haben. Die engen Straßen, die alten Kanäle und die schmalen Häuser mit den Renaissancegiebeln ließen daran denken, wie wichtig eine friedliche Welt ist.

Der Wahnsinn von Waterloo

Etwa 15 Kilometer südlich von Brüssel steht das Denkmal für die Schlacht von Waterloo
Etwa 15 Kilometer südlich von Brüssel steht das Denkmal für die Schlacht von Waterloo

Den Abschluss unserer Reise sollte das Kampfgebiet um Waterloo bilden. Etwa 15 Kilometer südlich von Brüssel erhebt sich schon von ferne sichtbar ein riesiger Löwe auf einem (künstlichen) Erdkegel. Dieses Monument war um 1820 errichtet worden, etwa an der Stelle, wo die Fronten der Schlacht verliefen. Den Wahnsinn dieser Schlacht deutlich zu machen, wurde unterstützt durch einen Film um das Geschehen vom 18. Juni 1815, durch einige Ausstellungen und ein großes Panoramabild.

Erinnerung an den Wahnsinn der Schlacht, auf den die Neuordnung Europas folgte
Erinnerung an den Wahnsinn der Schlacht, auf den die Neuordnung Europas folgte

Napoleons Wiederkehr nach Frankreich und sein erneuter Krieg gegen die Alliierten (Preußen, England , Russland) hatten bewirkt, dass die Mächte schneller zu einer Einigung über Europa kamen und die Schlussakte des Wiener Kongresses nach vielem Hin und Her gefasst werden konnte, an der Talleyrand, der enge Freund der Herzogin von Kurland und der Onkel ihrer Tochter Dorothée, keinen geringen Anteil hatte.

Von Monika Diedrich / Museumsverein Burg Posterstein

 

Zum Weiterlesen:
Napoleon – im Zerrspiegel zeitgenössischer Karikaturen – 200 Jahre Völkerschlacht bei Leipzig
Klaus Hofmann (Herausgeber), Museum Burg Posterstein, 2013 (212 Seiten, farbig, Preis: 24,00 Euro, ISBN 978-3-86104-098-9)

Herzogin Anna Dorothea von Kurland und der Musenhof Löbichau
Die Herzogin von Kurland im Spiegel ihrer Zeitgenossen – Europäische Salonkultur um 1800. Zum 250. Geburtstag der Herzogin von Kurland. Museum Burg Posterstein, 2011. (248 Seiten, farbig, ISBN 978-3-86104-086-6, 29,00 Euro)

 

Tief eintauchen in die Regionalgeschichte: Napoleon und die Völkerschlacht bei Leipzig

Napoleon im Zerrspiegel zeitgenössischer Karikaturen: Präsentation eines besonderen Buchprojekts mit acht Autoren und Informationen aus noch ungesichteten Quellen – Ein Beitrag zur Blogparade “Kultur erleben – #KulturEr” von Tanja Praske

Karikatur "Triump des Jahes 1813 - Den deutschen zum neuen Jahr" (Museum Burg Posterstein)
Karikatur “Triump des Jahes 1813 – Den deutschen zum neuen Jahr” (Museum Burg Posterstein

Im Oktober 2013, ja fast während des gesamten Jahres 2013, wurde in zahlreichen Orten Mitteldeutschlands der Völkerschlacht gedacht. An jenen vier Tagen vor zweihundert Jahren entschied sich vor den Toren Leipzigs in der bisher größten Schlacht der Menschheitsgeschichte das Schicksal des Kontinents. Napoleons Truppen, nach dem verheerenden Russlandfeldzug wieder erstarkt, trafen auf eine Kriegskoalition aus Preußen, Österreich, England und Schweden. 600.000 Soldaten aus über einem Dutzend Nationen prallten in diesen dramatischen Oktobertagen in einer Serie erbitterter Schlachten aufeinander. Die Bilanz des Grauens: fast 100.000 tote Soldaten und ungezählte zivile Opfer.

Ein Meilenstein in der diesjährigen Museumsarbeit und das Werk vieler Autoren

Das Museum Burg Posterstein, Mitglieder des Museumsvereins, der Geschichts- und Altertumsforschenden Gesellschaft des Osterlandes zu Altenburg sowie des Heimatvereines des Bornaer Landes und weitere Autoren beschäftigten sich schon seit knapp zwei Jahren mit der Planung und Vorbereitung eines gemeinsamen Projekts zur Völkerschlacht. Für das Museum war das insofern eine Besonderheit, dass es eine Zusammenarbeit dieser verschiedenen Akteure bisher noch nicht gegeben hatte. Die Fertigstellung eines so umfangreichen Forschungsprojekts wie dem Buch “Napoleon im Zerrspiegel zeitgenössischer Karikaturen” stellt für uns einen Meilenstein der diesjährigen Museumsarbeit dar.

Buchpräsentation mit vielen Gästen

Zur Buchpräsentation am 13. Oktober kamen rund 50 interessierte Besucher, die an diesem Nachmittag die Möglichkeit bekamen, tief in die regionale Geschichte einzutauchen. Der TV-Journalist Gunter Auer erstellte dazu einen gelungenen Bericht:


Ein kurzer Blick ins Buch: Von den Napoleon-Karikaturen bis zum Tatarengrab von Kleinbeucha

"Napoleon - im Zerrspiegel zeitgenössischer Karikaturen" - das Werk von acht Autoren
“Napoleon – im Zerrspiegel zeitgenössischer Karikaturen” – das Werk von acht Autoren

Die Völkerschlacht bei Leipzig bildete den Wendepunkt in der Auseinandersetzung mit Napoleon und leitete dessen Fall, der schon in Russland begonnen hatte, in der letzten Konsequenz ein. Die öffentliche Haltung gegen Napoleon spiegelt sich nicht zuletzt in Karikaturen wider, die in der Zeit unmittelbar nach der Niederlage entstanden und mittels Reproduktionsgraphik verbreitet wurden. Ein tragendes Element des Buches “Napoleon im Zerrspiegel zeitgenössischer Karikaturen – 200 Jahre Völkerschlacht” bilden 45 Karikaturen aus der Sammlung der Universitäts- und Forschungsbibliothek Erfurt/Gotha, die den zeitgenössischen, spöttischen Blick auf die Ereignisse um Leipzig widerspiegeln. Verschiedene Autoren geben darüber hinaus Einblicke in die Ereignisse des Jahres 1813.

Klaus Hofmann (Museum Burg Posterstein) wertet in seinem Beitrag “Chronologie der Ereignisse in der Region um Altenburg zitiert aus den Akten des Kriegsarchivs in Wien – Korrespondenz der Militärs mit dem Österreichischen Hauptquartier” umfangreiche Militärkorrespondenzen, die im Wiener Kriegsarchiv lagern, aus. Auf die Rolle der Herzogin Anna Dorothea von Kurland und ihrer Töchter geht Sabine Hofmann (Museumsverein Burg Posterstein e.V.) in dem Kapitel “Drey Tage hat man sich geschlagen. Das Blut ist auf beiden Seiten geflossen. – Die Kurländerinnen in Kriegszeiten” ein. Gustav Wolf (Geschichts- und Altertumsforschenden Gesellschaft des Osterlandes zu Altenburg) fasst in dem Kapitel “Noch am Abende dieses Tages traf der Kaiser von Rußland ein und stieg auf dem herzoglichen Schlosse ab. – Truppendurchzüge durch Altenburg 1813 im Spiegel der Aufzeichnungen von Friedrich Wagner” die Situation in und um die Stadt Altenburg zusammen, seine Hauptquelle dafür sind die detaillierten Aufzeichnungen des Altenburger Regierungs- und Finanzrat Friedrich Wagner (1792-1859) (mehr zum Thema). Um den Einfluss des Verlegers Friedrich Arnold Brockhaus drehen sich die Kapitel “Die Deutschen Blätter von Friedrich Arnold Brockhaus” (Klaus Hofmann) und “Brockhaus und seine Altenburger Zeit” (Gustav Wolf) – Mehr zum Thema. Der Regionalforscher Andreas Klöppel steuerte das Kapitel “Die Gedenktafel von Gardschütz – Ereignisse im Altenburger Land im Vorfeld der Völkerschlacht” bei. Manfred Zinecker stellt “Das „1. Thüringer Bataillon“” vor und Helmut Hentschel das “Das Tatarengrab von Kleinbeucha”. Eine Zeitleiste von Dr. Hans-Jürgen Ketzer (Leiter des Volkskundemuseums Wyhra) stellt im Anhang “1813 – Ereignisse und Entwicklungen” dar.

Präsenation des Buches im Veranstaltungskeller des Museums am 13. Oktober 2013
Präsenation des Buches im Veranstaltungskeller des Museums am 13. Oktober 2013

Aber auch Napoleon steht im Zentrum des Interesses: Dr. Hans-Jürgen Ketzer beleuchtet in seinem Beitrag “Sein beispielloses Emporsteigen und das Überwiegen seiner herkulischen Macht genügte ihm noch nicht. – Napoleon im Urteil zeitgenössischer Bewohner des Bornaer Landes” den Feldherren aus Bornaer Sicht. Die Historikerin Franziska Engemann geht in dem Kapitel “Der andere Kampf gegen Napoleon – Die deutsche politische Karikatur in der Zeit der Befreiungskriege” auf die Darstellung von Napoleon in zeitgenössischen Kulturen ein. Im Kapitel “Der Herzoglichen Bibliothek zu Gotha zum Geschenk gemacht von Frau Präsident Freytag. – Napoleon-Karikaturen in der Forschungsbibliothek Erfurt/Gotha” beschreibt sie die Karikaturen aus der Sammlung der Universitäts- und Forschungsbibliothek Erfurt/Gotha, die eine wichtige Grundlage der Ausstellung und des Buchs bilden.

Napoleon – im Zerrspiegel zeitgenössischer Karikaturen – 200 Jahre Völkerschlacht bei Leipzig
Museum Burg Posterstein, 2013
ISBN 978-3-86104-098-9, 212 Seiten, 24 Euro

Das Buch ist erhältlich im Museum sowie über E-Mail info@burg-posterstein.de. Ohne die finanzielle Hilfe des Thüringer Ministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur, der Bürgerstiftung Altenburger Land, des Landkreises Altenburger Land und des Fördervereins des Museums wäre das Projekt nicht zu realisieren gewesen.

Ausstellung “200 Jahre Völkerschlacht” läuft noch bis 17. November

Besucher bei der Eröffnung der Ausstellung "Napoleon - im Zerrspiegel zeitgenössischer Karikaturen" im Museum Burg Posterstein
Besucher bei der Eröffnung der Ausstellung “Napoleon – im Zerrspiegel zeitgenössischer Karikaturen” im Museum Burg Posterstein

Die gleichnamige Ausstellung “Drey Tage hat man sich geschlagen. Das Blut ist von beyden Seiten geflossen. Napoleon, im Zerrspiegel zeitgenössischer Karikaturen – 200 Jahre Völkerschlacht” läuft noch bis 17. November 2013 im Museum Burg Posterstein.


(Von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein)

Weitere Artikel zum Thema:

“Ein wichtiges strategisches Zentrum – Altenburg während der Völkerschlacht” (Blogartikel)

“Der Brockhaus wird eingestellt – und was das mit der Ausstellung “200 Jahre Völkerschlacht” im Museum Burg Posterstein zu tun hat” (Blogartikel)

Bericht ” Archivschätze in Posterstein ausgegraben” über die Sonderausstellung von Katja Schmidtke am 12.10.2013 in der Ostthüringer Zeitung

Die Blogparade #KulturEr:

Dieser Artikel ist ein Beitrag zur Blogparade “Kultur erleben” #KulturEr von Tanja Praske, an der sowohl Museen als auch Privatpersonen mit vielen spannenden Beiträgen teilgenommen haben. Für das Museum Burg Posterstein ist die Fertigstellung eines so umfangreichen Forschungsprojekts wie dem Buch “Napoleon im Zerrspiegel zeitgenössischer Karikaturen” ein Meilenstein der diesjährigen Museumsarbeit. Wir danken allen Mitwirkenden, Förderern, Besuchern und Lesern.

Ein wichtiges strategisches Zentrum: Altenburg während der Völkerschlacht

Karl Philipp Fürst zu Schwarzenberg was commander-in-chief of the allied armies against Napoleon in 1813
Karl Philipp Fürst zu Schwarzenberg war Oberbefehlshaber der gegen Napoleon alliierten Armeen im Jahr 2013 (Bild: Museum Burg Posterstein)

Die Pläne von Karl Philipp Fürst zu Schwarzenberg, dem Oberbefehlshaber der 1813 gegen Napoleon alliierten Armeen, zielten darauf ab, die Stadt Altenburg als strategisch wichtigen Ort einzunehmen und von hier aus die weiteren militärischen Aktionen gegen Napoleon zu organisieren.

Der sächsische, russische und preußische General Johann Adolf Freiherr von Thielemann (1765-1824) schrieb am 3. Oktober 1813 Folgendes an Schwarzenberg:

“Eure Durchlaucht erlauben mir geringstes die Bemerkung, daß für die Subsisteme der vorrückenden Armee der Besitz von Altenburg und Zeitz uns unentbehrlich ist. Beide Städte haben Schlösser, die auf Bergen liegend, als Citadellen  anzusehen sind und mit 1000 Mann Infanterie gegen eine große Uebermacht gar leicht vertheidigt werden können.”

Zar Alexander I. traf am Abend ein

Tatsächlich erwies sich Altenburg als geeigneter Ort, der nicht nur in der Lage war zehntausende Soldaten über einen längeren Zeitraum zu versorgen, sondern auch Platz bot für die Oberbefehlshaber, Diplomaten, Generäle und ihr Gefolge. Am 7. Oktober 1813 besetzten die alliierten Truppen Altenburg. Das Hauptquartier verlegten sie am 11. Oktober aus Penig dorthin. Am gleichen Tag traf auch Zar Alexander ein, der im Altenburger Schloss residierte. Ihm folgten der österreichische Außenminister Metternich, der englische Gesandte Cathcart, der russische Diplomat Nesselrode sowie weitere Politiker und hohe Militärs.

Am 14. Oktober erhielt der österreichische Kaiser Franz von Schwarzenberg die Nachricht, dass ein Aufenthalt in Altenburg sicher sei. Der preußische König und der österreichische Kaiser erreichten Altenburg am 15. Oktober und logierten ebenfalls im Schloss.

Eine 10.000 Einwohner-Stadt versorgt in einem Jahr über 500.000 Militärs

In der Stadt Altenburg, die damals knapp 10.000 Einwohner hatte, sollen im Jahr 1813 insgesamt 671 Generäle, 46.617 Offiziere und 472.399 Soldaten einquartiert gewesen sein. Allein im September und Oktober 1813 soll die Stadt für die Truppen die unglaubliche Summe von 147.681 Talern ausgegeben haben.

Der Altenburger Regierungs- und Finanzrat Friedrich Wagner (1792-1859) beschrieb in seiner “Chronik der Herzoglichen Residenz- und Hauptstadt Altenburg” (zu lesen auch auf Google Books) ausführlich die Lasten des Krieges, die auf den Altenburger Bürgern lasteten. Ein Auszug:

„Auf Befehl der verbündeten Mächte wurde jetzt das große Magazin von Korn, Hafer, Kartoffeln u. s. w., wozu bereits am 8. October Forderungen gemacht worden waren, wirklich angelegt, doch wurde die Lieferung der Pflege Zeitz größtentheils nach Borna gewiesen. Von Gera trafen schon ansehnliche Lieferungen zu diesem Magazine ein. Das Logenhaus, die Garnisonkirche, das Jagdzeughaus, das Vorwerk am Schlage, die Rathswage, der Pavillon im Schloßgarten, und mehrere Scheunen wurden von diesem Magazine angefüllt, Stroh und Heu aber in ungeheuern Feumeln auf dem Gottesacker aufgethürmt. (…)”

In allen Häusern mussten 2, 3 und mehr Verwundete aufgenommen werden

Special exhibition on the battle of Leipzig in the museum Posterstein Castle near Altenburg
Sonderausstellung “Napoleon – Im Spiegel zeitgenössischer Karikaturen” im Museum Burg Posterstein

Auch Gefangene und Verwundete mussten aufgenommen und versorgt werden. Den Kanonendonner aus Leipzig konnte man bis nach Altenburg hören. Am 18. Oktober notierte Wagner: „Bei frühem Morgen begann der Donner des Geschützes von neuem, heftiger noch, als am 16., und wahrte den ganzen Tag hindurch fort. Vom Lande trafen die traurigsten Berichte über die großen Verwüstungen und die vernichteten Vorräthe ein. Schon war hier an Hafer und Heu gar nichts mehr aufzubringen, so daß an diesem Tage die Aemter Ronneburg, Eisenberg und Roda Befehl erhielten, 600 Centner Heu und 1200 Dresdner Scheffel Hafer hierher zu liefern. In der Stadt mehrten sich die Verwundeten mit jedem Augenblicke so, daß außer den Lazarethen fast in allen Häusern 2, 3 und mehr Verwundete aufgenommen werden mußten.

“Der Himmel helfe die Erndte ein bringen”

Auch auf den umliegenden Dörfern, Höfen und Rittergütern war die Last des Krieges zu spüren.

Die Herzogin von Kurland, Besitzerin des Ritterguts Löbichau, schrieb bereits am 22. Juli und am 6. August 1813 an die Gräfin Kielmannsegge:

„Seit dem 25. März ist dies Land ohne Einquartierungen bis jetziger, keinen Tag gewesen. Wir haben hier alle Farben alle Religions Verwandte gehabt. Und bis zum 2ten may die alliierten, die bey ihrem Abzuge alles mitnahmen an Pferde, Vieh, u. lehrten die Speycher bis aufs letzte Korn. – das Jahr 1813 muß sich in seiner üblen Deutung bewährt machen – wären wir nur schon am Ende desselben (…)

Die Menge der Truppen zu Pferde, zu Fusse u. Artellerie Trains ziehen alle durch das Altenburger Land, wie auch eine Menge Wagen mit Pulver Mehl u. Reiß – sodaß seit Monate 12 hundert gespannte Pferde aus diesem Fürstenthume fest auf der Landstraße sind. Auch wird eine forcirte Recrutierung gemacht u. sehr schnell hat Altenburg seine Leuthe stellen müssen. Auch gehen unsere Bawern bis nach Erfurth um dort an den Schanzen zu arbeiten. Diese in Bewegung gesetzte Tätigkeit deutet wohl auf Krieg. Der Himmel helfe die Erndte ein bringen es fehlt freylich unter den jetzigen Umständen, an Arbeiter, und an Pferde um die Feldarbeiten zu bestreiten. Kriegssteuer u. Abgaben aller Arth sind unvermeydliche Uebel.“

Noch jahrelang musste die Altenburger Bevölkerung mit einer Einkommensteuer für die Kriegsschulden des Herzogtums aufkommen.

Sonderausstellung “Napoleon – Im Zerrspiegel zeitgenössischer Karikaturen”

Plakat Sonderausstellung "Napoleon - IM Spiegel zeitgenössischer Karikaturen" im Museum Burg Posterstein
Plakat Sonderausstellung “Napoleon – IM Spiegel zeitgenössischer Karikaturen” im Museum Burg Posterstein 2013

Das Museum Burg Posterstein zeigt von 1. September bis 17. November 2013 die Sonderausstellung “Napoleon – Im Zerrspiegel zeitgenössischer Karikaturen – 200 Jahre Völkerschlacht bei Leipzig”. Am 13. Oktober erscheint das Buch zur Ausstellung, in dem unter anderem ein Kapitel über die Truppendurchzüge durch Altenburg im Völkerschlachtsjahr 1813 erhalten sein wird.

(von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein)

Zum Weiterlesen:

Brockhaus und Altenburg während der Völkerschlacht bei Leipzig

Website des Museums Burg Posterstein

An important strategically centre: Altenburg during the battle of Leipzig

Karl Philipp Fürst zu Schwarzenberg was commander-in-chief of the allied armies against Napoleon in 1813
Karl Philipp Fürst zu Schwarzenberg was commander-in-chief of the allied armies against Napoleon in 1813 (picture: Museum Burg Posterstein)

Karl Philipp Fürst zu Schwarzenberg, commander-in-chief of the 1813 allied armies against Napoleon, planned to occupy the town Altenburg as a strategically important place. From Altenburg further military actions against Napoleon could be planned. Also the Saxon, Russian and Prussian general Johann Adolf Freiherr von Thielemann (1765-1824) emphasized in a letter to Schwarzenberg on October 3rd 1813 the militarily advantages of the town, that has a castle lying high up on a hill that could easily be defended.

Tsar Alexander I. arrived in the evening

In fact Altenburg was the right place to accommodate thousands of soldiers as well as supreme commanders, generals, diplomats and their entourage over a longer period. On October 7th 1813 the allied troops occupied Altenburg. The headquarters were moved there from the town Penig. Tsar Alexander I. arrived on the same day and resided in Altenburg castle. Thereafter the Austrian foreign minister Metternich, the English legate Cathcart, the Russian diplomat Nesselrode and other politicians and important brass arrived.

On October 14th the Austrian emperor Franz received a message from Schwarzenberg that a stay in Altenburg would be save. The Prussian king and the Austrian emperor reached Altenburg on October 15th and stayed in the castle as well.

A town with 10.000 inhabitants accommodated more than 500.000 soldiers

Special exhibition on the battle of Leipzig in the museum Posterstein Castle near Altenburg
Special exhibition on the battle of Leipzig in the museum Posterstein Castle near Altenburg

In the year 1813 altogether 671 generals, 46.617 officers and 472.399 soldiers have been accommodated in the small town Altenburg, that had about 10.000 inhabitants at that time. Only in September and October 1813 the town spent the unbelievable amount of 147.681 thaler on the supply of the troops.

There is existing a detailed record (view here on Google books) on the year 1813 in Altenburg, written by the minister of finance of the town Altenburg, Friedrich Wagner (1792-1859). He is describing, how the citizens of Altenburg, all the villages and farms near-by and other towns in the neighbourhood (as Borna, Meuselwitz, Gera, Zeitz) had to deliver a substantial quantity of food, cattle, textiles and other things to the different armies.

All houses had to shelter 2, 3 or more wounded soldiers

Prisoners and wounded soldiers had to be accommodated and taken care of as well. The canon fire of the battle of Leipzig, 9 hours walk from Altenburg, could be heard in the town as well. After the first fights, masses of wounded soldiers arrived in Altenburg – and with them epidemic deceases. Nearly all official buildings of the town were already used some military hospitals, so that all houses in the Altenburg had to house 2, 3 or more wounded soldiers.

“Heaven help us to harvest”

The farms and manors in the region felt the war as well. Anna Dorothea Duchess of Courland, who owned the manor Löbichau near Posterstein, wrote in her letters from July and August 1813 that there was no day without soldiers who had to be accommodated. Often they took all food and horses with them. Special war taxes had to be paid and workers and farmers were recruited as soldiers. “Heaven help us to harvest”, the Duchess wrote to her friend. – Years after the wars of liberation from Napoleon the people of Altenburg had to pay special taxes to pay the war debts of the Duchy of Saxon-Altenburg.

Special exhibition at Museum Posterstein Castle

Plakat Sonderausstellung "Napoleon - IM Spiegel zeitgenössischer Karikaturen" im Museum Burg Posterstein
Poster of the special exhibition “Napoleon – IM Spiegel zeitgenössischer Karikaturen” in Museum Posterstein Castle in 2013

The Museum Posterstein Castle, regional history museum in the county of Altenburg, shows from September 1st to November 17th 2013 a special exhibition on the battle of Leipzig, which now is 200 years ago. Basis for the exhibitions are about 50 Napoleon caricatures, Wagner’s record of Altenburg in 1813 and original military letters from 1813. On October 13th a book will be published as well (in German). For more information, contact the museum at info@burg-posterstein.de.
(Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein)

Der “Brockhaus” wird eingestellt, und was das mit der neuen Ausstellung “200 Jahre Völkerschlacht” im Museum Burg Posterstein zu tun hat – Eine Rückschau

Es hat sich bereits herumgesprochen: Das berühmte Universal-Lexikon “Brockhaus” wird im kommenden Jahr nach 21 Auflagen eingestellt. Mit der Ablösung der traditionellen Nachschlagewerke durch Online-Enzyklopädien geht eine Ära zu Ende, die Anfang des 19. Jahrhunderts begann. Lasst uns noch einmal zurückblicken auf die Zeit, in der Friedrich Arnold Brockhaus im Thüringischen Altenburg sein Verlagsgeschäft etablierte.

Durch die Herausgabe seiner politischen Zeitschrift "Deutsche Blätter" wurde der Verleger Brockhaus zum Kriegsberichterstatter während der Völkerschlacht bei Leipzig.
Durch die Herausgabe seiner politischen Zeitschrift “Deutsche Blätter” wurde der Verleger Brockhaus zum Kriegsberichterstatter während der Völkerschlacht bei Leipzig.

Der Buchhändler und Verleger Friedrich Arnold Brockhaus (1772-1823) etablierte sich seit 1798 als Kaufmann in Dortmund. 1802 gründete er in Amsterdam eine Buchhandlung und ging 1810 von dort nach Altenburg. Brockhaus publizierte zeitgenössische deutsche Literatur und engagierte sich auf politischem Gebiet. Nach sieben Jahren verlegte er sein Geschäft nach Leipzig. Neben dem bekannten Konversations-Lexikon, der „Allgemeinen deutschen Real-Encyclopädie für die gebildeten Stände (Conversations-Lexicon)“ gab er weiterhin mehrere Zeitschriften heraus.

Brockhaus wird zum Kriegsberichtserstatter: Die „Deutschen Blätter” während der Völkerschlacht

Zum Jahrestag der Völkerschlacht bei Leipzig zeigt das Museum Burg Posterstein von 1. September bis 17. November 2013 die Sonderausstellung “drey Tage hat man sich geschlagen. Das Blut ist von beyden Seiten geflossen… – 200 Jahre Völkerschlacht”, zu der auch ein Buch erscheinen wird.

In seinen "Deutschen Blätter" berichtete Brockhaus direkt von der Front im Kampf gegen Napoleon (hier der Titel der gleichnamigen Dissertation von Karl Reiber).
In seinen “Deutschen Blätter” berichtete Brockhaus direkt von der Front im Kampf gegen Napoleon (hier der Titel der gleichnamigen Dissertation von Karl Reiber).

In diesem Zusammenhang spielen die „Deutschen Blätter“ eine Rolle, die der Verleger Brockhaus von 1813 bis 1816 im Auftrag Fürst von Schwarzenbergs herausgab. Noch während des Sommers 1813 war Altenburg von französischen Truppen besetzt. Nach dem Abzug der Franzosen wurde Altenburg das Hauptquartier der verbündeten Armeen unter dem Oberbefehlshaber Feldmarschall Karl Philipp Fürst Schwarzenberg. Vor der Völkerschlacht bei Leipzig im Oktober 1813 hielt sich auch der russische Zar Alexander I. in Altenburg auf. In dieser Zeit entschied sich Brockhaus eine politische Zeitschrift herauszubringen. Am 12. Oktober erhielt er eine Audienz bei Zar Alexander und bei Karl Philipp Fürst Schwarzenberg (1771-1820), deren Ergebnis der „Befehl zur Herausgabe eines politischen Blattes“ war: „dem Buchhändler, Herrn Brockhaus, von hier wird hiermit befohlen, alle der Zukunft noch zu erscheinenden Nachrichten und officielle Schriften durch Druck bekannt zu machen und sie mittels eines periodischen Blattes, welches jedoch der Censur des jedesmaligen Herrn Platz-Commandanten unterliegt, dem Publico mithzutheilen. Hauptquartier Altenburg, den 13. October 1813“

Am 14. Oktober 1813 erschien die erste Nummer der „Deutschen Blätter“, die bei dem Verleger Heinrich August Pierer (1794 -1850) gedruckt wurde. Als man am 14. Oktober das Hauptquartier der Alliierten Armeen Richtung Leipzig verlegte, war Brockhaus als Kriegsberichterstatter dabei und wurde zum offiziellen Chronist der Ereignisse des Krieges gegen Napoleon.

Die Völkerschlacht bei Leipzig jährt sich dieses Jahr zum 200. Mal. Das Museum Burg Posterstein widmet dem historischen Ereignis eine Sonderausstellung und eine Publikation.
Die Völkerschlacht bei Leipzig jährt sich dieses Jahr zum 200. Mal. Das Museum Burg Posterstein widmet dem historischen Ereignis eine Sonderausstellung und eine Publikation.

Für die Ausstellung und die zugehörige Publikation “200 Jahre Völkerschlacht” werden unter anderem Brockhaus’ Berichte analysiert und aufbereitet. Darüber hinaus sieht das Ausstellungskonzept die Präsentation von Napoleon-Karikaturen vor. Darüber hinaus werden die Ergebnisse verschiedener regionalgeschichtlicher Forscher einen Überblick über die Ereignisse und die handelnden Personen des Jahres 1813 bieten.

Weitere Informationen:

www.burg-posterstein.de

Ständigen Ausstellung des Museums zu Brockhaus, Pierer und Schwarzenberg sowie die Ausstellung zum “Musenhof Löbichau” der Herzogin von Kurland zu Napoleon, Alexander I. und anderen wichtigen Persönlichkeiten des 19. Jahrhunderts im Museum Burg Posterstein.

(Von Marlene Hofmann)

Bauarbeiten machen “Geheimtreppe” Besucher zugänglich

Unser Beitrag zur Kultur-Blogparade 2013 der Residenz München !

Auf Burg Posterstein gibt es eine versteckte Treppe, die normalerweise für Besucher nicht zugänglich ist: Verdeckt von einem zimmerhohen Schrank führte die “Geheimtreppe” vom ehemaligen Gerichtszimmer der Burgherren hinab in die Küche, auf den Hof und in den „Unteren Saal“; und von dort weiter in einen Kellerbereich. Früher diente dieser Gang möglicherweise als Fluchtweg, heute endet der Weg bereits in der eine Etage tiefer liegenden Galerie.

Die "Geheimtreppe" auf Burg Posterstein
Die “Geheimtreppe” auf Burg Posterstein (c) Museum Burg Posterstein

Bei normalem Ausstellungsbetrieb können Besucher nur einen Blick in den Schrank hineinwerfen. Allenfalls den mehr als 2000 kleinen Rittern und Burgfräuleins, die jedes Jahr mit ihren Schulklassen und Geburtstagsgästen mit den Burggeistern Posti & Stein auf Erkundungstour gehen, erlauben die Burggespenster den Aufstieg durch die Geheimtreppe.

Nein, hier hat nicht Christo verhüllt: Bauarbeiten auf Burg Posterstein im Februar 2013
Nein, hier hat nicht Christo verhüllt: Bauarbeiten auf Burg Posterstein im Februar 2013

Bis Ende Februar finden jedoch Bauarbeiten in der Oberen Halle und dem Bergfried der Burg Posterstein statt – und dann werden alle Besucher den verdeckten Eingang nutzen müssen. Bei den Bauarbeiten sollen nicht nur die zum letzten Mal vor 20 Jahren restaurierten Räume saniert werden, sondern auch gleich noch die Risse, die beim großen mitteldeutschen Erdbeben 1872 im Turm entstanden sind, verschlossen werden. Im Video des freien Journalisten Gunter Auer (unten) erklärt Museumsdirektor Klaus Hofmann u. a. die Restaurierungspläne.

Während die Handwerker arbeiten, läuft der Museumsbetrieb normal weiter und die Dauerausstellungen können besichtigt werden. Im Gerichtsraum wird geheiratet, die Burggeister führen weiter Kinder durch die Burg und im Büro werden die nächsten großen Sonderausstellungen vorbereitet, zum Beispiel die zum 200. Jahrestag der Völkerschlacht bei Leipzig, die am 1. September beginnt.

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Burg Posterstein – Rückblick 2012 und Vorschau 2013 // Posterstein castle – retrospect 2012 and preview 2013 from Burg Posterstein on Vimeo.

Dann sollen Napoleon-Karikaturen gezeigt und die Forschungsergebnisse verschiedener regionaler Historiker über die Ereignisse und die handelnden Personen des Jahres 1813 vorgestellt werden. – Schließlich waren sowohl die Region um Altenburg als auch der Kreis um die Herzogin von Kurland unmittelbar von dem in Leipzig stattgefundenen Kriegsgeschehen betroffen. In Altenburg selbst hielten sich kurz vor und während der Schlacht die Herrscher und führende Generäle der antinapoleonischen Allianz auf. Friedrich Arnold Brockhaus gab in Altenburg die Deutschen Blätter heraus und war damit Kriegsberichterstatter im Auftrag des Oberbefehlshabers der Alleierten Armeen Fürst Schwarzenberg. Eine Publikation zur Ausstellung wird ebenfalls erscheinen, für die gerade Recherchearbeiten in Wiener Archiven stattfanden.

Weitere Informationen: www.burg-posterstein.de

Von Marlene Hofmann, Museum Burg Posterstein

Beitrag zur Blogparade 2013 der Residenz München