Wie Burg Posterstein zum #Burgstaub kam

Ab Sonntag, 19. Mai 2019 zeigen wir die Ausstellung “Zum Wesen des Staubes: Staubexpeditionen auf Burg Posterstein mit Kunstwerken von Dr. Wolfgang Stöcker aus Köln. Dass der Gründer des Internationalen Staubarchivs auf Burg Posterstein aufmerksam und daraus eine Ausstellung wurde, ist keine Selbstverständlichkeit – sondern wieder einmal unserem tollen Netzwerk auf Twitter zu verdanken. Museumsarbeit lebt von einem aktiven Freundeskreis – vor Ort und im World Wide Web. Den Artikel widmen wir zur internationalen Museumswoche #MuseumWeek folgerichtig auch dem Tagesthema #FriendsMW.

Wolfgang Stöcker mit Staubturm auch #Burgstaub vor Burg Posterstein.

2015 veranstaltete das Kölner „Kollektivs für Kreativitätscoaching und Kulturevents – Herbergsmütter“ die Social Media-Aktion #Kunstputz. Dass das auch in Posterstein ankam, liegt daran, dass die drei „Herbergsmütter“ Anke von Heyl, Ute Vogel und Wibke Ladwig ihr Projekt nicht nur in Köln vor Ort, sondern auch auf Twitter veranstalteten. Sie forderten ihre Community dazu auf, “Staubscout” zu werden und sich auf unterschiedliche Art selbst am #Kunstputz zu beteiligen. Als Museum sprach und diese Aufforderung an: “Wenn Ihr Teil einer Kulturinstitution, Kulturarbeiter oder Künstler seid, könnt Ihr Eure Wollmäuse der Sammlung der weltweit gesammelten Stäube hinzuzufügen.”

Postersteiner Burgstaub gibt es inzwischen auch als Souvenir.

Auf Twitter kamen wir ins Gespräch und das Museum Burg Posterstein, neugierig geworden, sendete eine Staubprobe aus dem Verlies der Burg nach Köln. Wolfgang Stöcker nahm die Probe dankbar in sein umfangreiches Staubarchiv auf. 2017 fuhren Marlene Hofmann und Franziska Engemann vom Museum Burg Posterstein nach Köln und besuchten Wolfgang Stöcker in seinem Atelier. Im Gepäck hatten sie mehrere Postersteiner Staubproben, die seither – vermischt mit Wachs – zu kleinen Skulpturen gewachsen sind.

Ebenfalls von Twitter kennen wir Petra Neumann, deren Wachsspende nun in der Postersteiner Ausstellung verewigt ist.

Die Idee zur Ausstellung “Zum Wesen des Staubes” war geboren. Es folgte ein Aufruf, dem Künstler Wachs – inklusive seiner Geschichte – zu spenden. Auf diese Art gelangte einiges Wachs in Wolfgang Stöckers Atelier nach Köln, das zusammen mit Postersteiner Staub zu “Staubschreinen” gegossen wurde. Eine Wachsspende erreichte Wolfgang Stöcker in einer besonders schönen, handbemalten Tüte, die nun wiederum in der Ausstellung vor Ort zu sehen sein wird.

Wolfgang Stöcker bei der Staubentnahme in der Salon-Ausstellung auf Burg Posterstein

Mitte August 2017 reiste Wolfgang Stöcker schließlich zur ersten Staubexpedition nach Posterstein und fotografierte, dokumentierte und „entnahm“ weitere Staubproben. Die Idee für eine gemeinsame Ausstellung wurde Realität und in einer zweiten Staubexpedition im April 2018 fortgesetzt.

„Staub ist das kleinste gemeinsame Vielfache unserer Kultur. Staub ist ein Demokrat. Er besiedelt Paläste und einfache Hütten. Staub ist zudem vielleicht das einzige wirkliche Kunstwerk. In der Natur kommt Staub nämlich nicht vor. ‚Lästiger‘ Staub ist daher eine wirkliche Kunst- und Kulturerscheinung.“

Wolfgang Stöcker

Mit seiner Sammelleidenschaft wirft Wolfgang Stöcker spannende Fragen auf: Warum sammeln wir das eine und ignorieren das andere? Was ist es wert, für spätere Generationen bewahrt zu werden und was gerät für immer in Vergessenheit? Wie lange können wir alte Dinge erhalten, bevor auch sie irgendwann zu Staub zerfallen?

“Das Wesen des Staubes” ist eine Ausstellung, die ohne Twitter und die Menschen dahinter, mit denen wir teilweise schon viele Jahre in Kontakt stehen, vermutlich nicht stattgefunden hätte. Damit sich der Kreis von Posterstein nach Köln wieder schließt, erstellte Wibke Ladwig von den Herbergsmüttern für die Ausstellung ein Portrait Wolfgang Stöckers:

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Portrait von Wolfgang Stöcker – erstellt von Wibke Ladwig

In seinem Gast-Blogpost erklärt Wolfgang Stöcker seine Philosophie des Staubes.

Die #Schlössersafari wird weitergehen: Auswertung der Ausstellung „Versteckte Orte“ auf Burg Posterstein

Die Ausstellung #Schlössersafari von 24. Februar bis 12. Mai 2019 auf Burg Posterstein verband analog und digital und lud zum Mitgestalten ein.

Die Ausstellung „Versteckte Orte: Instagramer auf #Schlössersafari in Mitteldeutschland“ (24. Februar bis 12. Mai 2019) fand als interaktive Community-Ausstellung statt: 7 Instagramer aus Mitteldeutschland wählten je 7 Bilder von Schlössern und Burgen aus Sachsen, Thüringen und Brandenburg, die sie dem Publikum vorstellen wollten. Insgesamt sahen sich etwa 3000 Besucher die Ausstellung vor Ort an. Im Folgenden wollen wir die Ausstellung, die ähnlich wie 2018 #SalonEuropa digital und analog stattfand, zusammenfassen und einen Ausblick für die Fortführung der #Schlössersafari wagen. Der Blogpost erscheint anlässlich der internationalen Museumswoche #MuseumWeek zum Thema #PhotoMW.

Blick in die Ausstellung “Versteckte Orte” auf Burg Posterstein

1. Die Ausstellung vor Ort

An der Ausstellung beteiligt waren:

Cindy Hiller @chillerunterwegs
Sandro Deus @fineartinsilver
Frank Burchert @franksfotografie
Simone Stahn @silentfotografie_simone
Romy @sosfernweh
Patrick Weidenmueller @vogtland_prinz
Manja Reinhardt @vogtlandzauber

Dazu gab es kurze, an Instagram-Bildunterschriften orientierte Infos zu den ausgestellten Orten und Kurzportraits der Fotografen. Keiner der teilnehmenden Instagramer hat eine professionelle Fotografie-Ausbildung. Es ging um die Gemeinschaft und das gemeinsame Hobby, interessante Orte zu fotografieren und online zu teilen.

Auf der Jagd nach dem schönsten Fotomotiv auf dem Insta-Walk zur #Schlössersafari auf Burg Posterstein

Uns hat diese Art des Kulturerlebens fasziniert, denn jede Woche besuchen unser Museum Menschen, die über Instagram auf uns Aufmerksam geworden sind. Auf Instagram gibt es eine Szene von Schlösser- und Burgenfans, gepaart mit einer Leidenschaft für die Fotografie, die sich gegenseitig neue Motive empfehlen, die sich austauschen und Tipps geben. Gleichzeitig sind diese Instagramer eine neue Art Kulturvermittler, die die Schönheit ihrer Region in die Welt hinaus tragen wollen. Dieses Gemeinschaftsgefühl holten wir mit der Ausstellung ein Stück weit ins Museum und wollten gleichzeitig die Besucher dazu einladen, selbst ihre Region zu erkunden – ob nun mit oder ohne Kamera.

Das Museum Burg Posterstein ist seit 2016 auf Instagram aktiv und steht in regem Austausch mit einer kultur- und landschaftsinteressierten Community. Auswahlkriterien für die Ausstellung waren nicht nur fotografisches Können, Motivwahl und Reichweite, sondern auch die seit langem währende aktive Kommunikation auf Augenhöhe.

Kleines, nicht ganz vollständiges Gruppenbild vor der Burg Posterstein – nach vielen Wochen Zusammenarbeit und herzlichem Austausch fühlte es sich die “Abschluss-Safari” am Ende der Ausstellung an wie ein fröhliches Klassentreffen.

Die Ausstellung und Teile des Begleitprogramms planten wir in engem Austausch gemeinsam. Uns war es wichtig, dass alle Beteiligten von der Ausstellung profitieren. Nicht nur das Museum erzielte durch die konstante gemeinsame Bewerbung des Projekts eine höhere Aufmerksamkeit, sondern auch die Blogger und Instagramer, die uns erwähnen und/oder mit uns zusammenarbeiten, sollten möglichst einen Mehrwert davon haben.

Manja Reinhardt vom Blog „Vogtland-Zauber“ beschreibt ihr Erlebnis, ihre Fotos zum ersten Mal in der Ausstellung zu sehen so: „Danke an die Besucher des ersten Tages, von denen schon ein unwahrscheinlich positives Feedback kam. Ich konnte im Vorfeld nicht richtig einschätzen, wie die Ausstellung ankommen wird. Immerhin ist sie eine Art Experiment. Wir sind alle keine professionellen Fotografen. Uns geht es um einen Austausch mit unseren Followern. Wir möchten zeigen, wie schön unsere Umgebung ist und das es sich lohnt die Augen dafür zu öffnen. Bislang waren wir dazu aber nur auf Instagram und zum Teil in unseren Blogs aktiv. Die Ausstellung überführt nun das soziale Medium Instagram in die Realität.“

Darüber hinaus standen die weitere Vernetzung und der Austausch über die Kulturschätze der Region im Mittelpunkt von Ausstellung und Begleitprogramm. Über den Hashtag #Schlössersafari bestand im Internet die Möglichkeit, der Ausstellung eigene Inhalte, Bilder und Ausflugstipps hinzuzufügen.

Die Ausstellung kam bei den Besuchern vor Ort sehr gut an. Es kamen Gespräche über die verschiedenen Orte zustande und für viele war die Ausstellung Anregung zu neuen Ausflügen – ein nicht zu unterschätzender touristischer Effekt.

2. Das Begleitprogramm zur Ausstellung

Zur Ausstellung gab es ein umfangreiches Begleitprogramm, das viel Gelegenheit zur Vernetzung und zum Austausch vor Ort bot.

Die Ausstellung eröffneten wir mit einem lockeren, interessanten Gespräch übers Fotografieren für Instagram. (Foto: @vogtlandzauber)

Podiumsgespräch

Die Ausstellung eröffneten wir mit einem Podiumsgespräch, an dem alle ausstellenden Instagramer teilnahmen. Sie erzählten, warum sie gern fotografierten und was Instagram für sie bedeutet. Dabei stellten sich durchaus ganz unterschiedliche Schwerpunkte und Herangehensweisen heraus. Gleichzeitig ging es auch um den Kontakt zu Museen und Eigentümern historischer Gebäude. Für viele sei es ein Augenöffner, wenn Leute „aus dem Internet“ plötzlich vor der Tür stünden.

Dieses Bild entstand beim Fotokurs fürs Smartphone, wo es verstärkt um die technischen Aspekte des Fotografierens ging.

Fotokurs fürs Smartphone

Darüber hinaus führt die Erfurter Fotografin Melanie Kahl (@fototour_thueringen und @surprise23) am 9. März 2019 einen Fotokurs fürs Smartphone auf Burg Posterstein durch. In einer gemütlichen Runde von zehn Leuten ging es in fünf Stunden zuerst durch die Postersteiner Kirche (Achtung, sie kann nur über Führung durch die Kirchgemeinde Nöbdenitz besichtigt werden!) und dann durch die Burg. Zum Abschluss gab es hilfreiche Tipps zum Bearbeiten der Fotos direkt am Smartphone und zum Teilen auf Instagram.

Fotomotiv entdeckt! – Beim Instawalk durch Posterstein (Foto: @b_und_p_europareisen)

Instawalk durch Posterstein und Tannenfeld

Die Blogger von @vogtlandzauber, die auch an der Ausstellung beteiligt waren, luden am 13. April zum Insta-Walk ein. Wir besuchten die Ausstellung und die Burg bei einer kurzweiligen Führung und öffneten auch eine Treppe, die Besuchern sonst nicht zugänglich ist. Anschließend ging es ins Herrenhaus neben der Burg, das seit 2015 von Gemeinde und Förderverein Burgberg Posterstein e.V. aufwändig saniert wird und genossen die Aussicht vom Balkon der neuen Ferienwohnung. Durch den Burgpark ging es durch den Ort Posterstein zur Gaststätte “Zur Deftigen Pfanne”, wo es beim Mittagessen Zeit für Gespräche gab. Zum Anschluss besuchten wir noch den schönen Park von Tannenfeld. Von Sonne bis Schnee hat uns das Aprilwetter alles geboten! Ein Dankeschön geht an @vogtlandzauber @altenburger_senf und @tourismus.altenburger.land für die “scharfen” Überraschungstüten, die es als Geschenk gab.

Die weiteste Anreise zum Insta-Walk hatte @konnexart, die über den Blogger Michael Bauer auf die #Schlössersafari aufmerksam geworden ist.

Es nahmen teil:@vogtlandzauber @vogtland_prinz @silentfotografie_simone @franksfotografie @fineartinsilver @chillerunterwegs @aviator1964 @ich_seh_komische_sachen @ted_ys_nerdbude @konnexart @rena.lilly @b_und_p_europareisen @severin0407 @andreasweberphotography und @porstainn sowie @altenburgtv3305 und die Ostthüringer Zeitung.

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Abschluss-Safari

Am letzten Tag der Ausstellung, dem 12. Mai 2019, fassten wir gemeinsam mit den Ausstellenden das Projekt zusammen. Schon vorher stand fest, dass die Idee #Schlössersafari weiterleben wird. In welcher Form sollte am letzten Tag der Ausstellung gemeinsam – auch mit dem Publikum – entschieden werden. Es gab bereits erste Ideen für zukünftige gemeinsame Foto-Ausflüge im Zeichen der #Schlössersafari. So ist geplant, regelmäßig zu offenen #Schlössersafaris einzuladen – nicht nur auf Burg Posterstein, sondern überall, wo sich interessante Motive finden. Darüber hinaus soll die Ausstellung selbst auf #Schlössersafari gehen dürfen – idealerweise soll sie natürlich in Schlössern und Burgen zu sehen sein und sie kann in Absprache durchaus ergänzt und erweitert werden. Bei Interesse melden Sie sich gern per E-Mail. Eine Fortsetzung der #Schlössersafari Anfang 2020 auf Burg Mylau steht schon in Aussicht!!!

Passiert uns auch nicht häufig, dass WIR zum Ende einer Ausstellung beschenkt werden. Herzlichen Dank an die 7 Instagramer!

Der Hashtag #Schlössersafari ist jedenfalls etabliert und in Zukunft weiter genutzt werden.

3. Die #Schlössersafari auf Instagram

Am 2. Dezember trafen wir uns zum ersten Mal zur Planung der gemeinsamen Ausstellungen mit den sieben beteiligten Instagramern. Patrick Weidenmüller erzählte in der gemütlichen Runde, dass er an den Wochenenden gerne auf “Fotosafari” gehe. Perfekt, dachten wir! Mit der Kamera auf der Pirsch nach tollen Motiven – der Hashtag #Schlössersafari war geboren! Auf Instagram war bisher auch noch niemand darauf bekommen, die Suche lieferte 0 Treffer. Gleich nach dem Treffen machten wir den Hashtag zum ersten Mal bekannt – das erste Foto teilte Patrick Weidenmüller direkt aus der Burg.

Das war der Startschuss für die #Schlössersafari

Im Laufe der Ausstellung wurden rund 2300 Bilder aus ganz Europa unter dem Schlagwort #Schlössersafari geteilt, darunter glücklicherweise kaum Spam (maximal eine Handvoll Bilder passte von der Motivwahl nur bedingt zum Thema der #Schlössersafari und wurde für Werbezwecke benutzt). Der Großteil der Bilder zeigte tatsächlich Schlösser und Burgen, aber auch einige Kirchen und andere historische Gebäude sind geteilt wurden – und übrigens war auch in der Ausstellung vor Ort die Bergkirche Beucha vertreten, um nur ein Beispiel zu nennen. Einige Leute haben nachträglich ältere Bilder mit dem Hashtag versehen, sodass beim Scrollen durch die Timeline auch Bilder aus den Vorjahren auftauchen. Schnell bewegte sich die #Schlössersafari über Mitteldeutschland hinaus, dann über Deutschland hinaus und in Einzelfällen auch über Europa hinaus in die USA und nach Asien. Natürlich sind unter den geteilten Motiven viele der großen Instagram-Klassiker von Burg Eltz bis Schloss Moritzburg. Aber es kamen durchaus interessante, “versteckte Orte” in den Fokus, die wir vorher noch gar nicht kannten.

Auf dem Bildschirm in der Ausstellung liefen die unter mit Hashtag #Schlössersafari geteilten Bilder in Schleife.

Die Bilder waren auf einem großen Bildschirm in der Ausstellung zu sehen, die neusten zuerst, und nicht selten warteten Besucher vor dem Bildschirm auf ihr Bild.

So sieht beispielhaft für alle anderen eine der vielen Instagram-Storys zur #Schlössersafari aus.

Die schönsten dieser Fotos teilten wir in unserer Instagram-Story. Die in der Story geteilten Bilder sind immer nur 24 Stunden abrufbar und jedes so geteilte Bild wurde im Schnitt 300 Mal angesehen. Man kann die #Schlössersafari-Storys jetzt im Nachhinein noch über das Instagram-Profil der Burg Posterstein ansehen, z.B. hier, hier, hier, hier, hier und hier.

Teilgenommen haben vor allem Privatpersonen aus allen Teilen Deutschlands. Viele versahen ihre Bilder zusätzlich mit historischen Infos zu den abgebildeten Orten. Die Liste unserer festen Begleiter in den 11 Ausstellungswochen ist lang – zum Beispiel: die Burgdame aus Paderborn, Thomaskrm aus Aschaffenburg, burgenland.ffm aus Frankfurt am Main, Frankenherz aus Franken, Michael Bauer aus Mannheim, Dirk Baum aus Sachsen, Jan Winfried aus Sachsen sowie natürlich zylwanazementa, thtischi, der_lichtminister, pauldylla, bartzi27, museumscast, haltelinie, b_und_p_europareisen, dirkbuchner67, ankehoelzel, hbyfgf.sascha.wiedemann und viele mehr! Manche von ihnen kommen sogar aus dem europäischen Ausland.

Bitte verzeiht, dass wir hier nicht alle nennen können!

Es schlossen sich aber auch einige Tourismus-Accounts, Schlösser und Burgen an wie z.B. Schlösserland Sachsen, Sachsentourismus, Schlösserverwaltung Bayern, Stiftung Preußische Schlösser und Gärten, Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Schloss Leubnitz und Schloss Kuckuckstein.

Aber gerade in Thüringen hätte es noch Potential gegeben, die kulturellen Schätze vor Ort vorzuzeigen und mit dem Hashtag ein neues, manchmal größeres Publikum zu erreichen. Weder Thüringen Tourismus (hier wird die reiche Thüringer Burgen- und Schlösserlandschaft immer noch nicht wirklich als touristisch relevant betrachtet) noch die anderen Thüringer Burgen und Schlösser beteiligten sich maßgeblich (was sicherlich auch daran liegt, dass SocialMedia-Kanäle kaum genutzt werden). Nur wenige wie die Schlösserstiftung Thüringen und sporadisch das Residenzschloss Altenburg beteiligten sich überhaupt.

4. Spontane #Schlössersafaris

Eine besondere, positive Überraschung war für uns die herzliche und engagierte Begleitung unserer Ausstellung durch andere Blogger und Instagramer. Einige davon sollen hier stellvertretend für alle anderen dankend erwähnt werden.

Zur Eröffnung lud uns Katja Eidam vom Museums-Podcast Museumscast zum Livestream-Interview auf Instagram zur #Schlössersafari ein. Es war das erste Mal, dass wir das Medium testeten, weshalb der Livestream quasi live von Katjas Account auf den Account der Burg wechseln musste und ich zwischendrin noch auf ein Smartphone mit kräftigerem Akku umsteigen musste. Aber trotz allem und trotz kurzer Vorankündigung haben über 100 Leute reingeschaut und während des Livestreams teilweise sehr freundlich kommentiert.

Die spontane Straßenbahn-Safari von Michael Bauer begleiteten wir per Instagram-Story und auch auf Twitter.

Zum einen ist da der Blogger Michael Bauer aus Mannheim, der gleich zu Beginn der Ausstellung eine Art Social Media Happening zur #Schlössersafari ankündigte und dann auch – live übertragen via Twitter und Instagram – durchführte. Weil die Straßenbahnlinie 5, die Mannheim und Heidelberg verbindet, an insgesamt 9 Schlössern vorbei führt, ging er einen Tag lang auf „Straßenbahn-Safari“ und bloggte auch darüber. Wir begleiteten die Aktion in der Instagram-Story. Inspiriert von unserer Ausstellung #Schlössersafari und angeregt durch die Ankündigung der nächsten Ausstellung „Zum Wesen des Staubes: Staubexpeditionen auf Burg Posterstein“ begab er sich später noch mehrmals auf „Blütenstaubsafari“, was er auch wieder auf Instagram und in seinem Blog in Foto und Video teilte.

Der Dresdner Blogger „Der Baum“ kündigte ebenfalls in seinem Blog an, die Ausstellung mit täglich einem Bild aus seinem umfangreichen Archiv zu begleiten. Dazu legte er extra einen Instagram-Account an und bereicherte die Ausstellung mit täglich neuen, oft sehr „versteckten“ Orten, die er zeitgleich auch auf Twitter teilte. Natürlich trafen wir uns auch auf einen Kaffee und ein gemütliches Gespräch in der Ausstellung.

Mit diesem Foto beendete @dirk_derbaum seine fast 90 Tage währende persönliche #Schlössersafari.

Im Anschluss an den gemeinsamen Insta-Walk, zu dem @konnexart extra aus Heidelberg angereist war, trafen sich Patrick Weidenmüller (@vogtlandprinz), Michael Bauer und Julia Kieser @konnexart im Schloss Bruchsal zur gemeinsamen Schlössersafari. Neuen gemeinsamen Ausflügen steht nichts im Weg. – Eine Anmerkung: Obwohl getaggt und auf Instagram aktiv nahm man auf Schloss Bruchsal von den Instagramern nicht weiter Notiz. Eine verpasste Chance zur Interaktion!

Ein Bild aus der Reihe “Instagramer bei der Arbeit” – @vogtland_prinz auf Schloss Bruchsal (Foto: @michlbower)

Auch einige Mitglieder des Museumsvereins Burg Posterstein gingen  inspiriert durch die Ausstellung auf #Schlössersafari im Erzgebirge. Hier berichten sie davon.

Dieses schöne Bild gab es von @hbyfgf.sascha.wiedemann auch als Poster!

Nach regen Austausch auf Instagram überraschte uns Sascha Wiedemann
@hbyfgf.sascha.wiedemann mit einem Poster von seinem Bild von Burg Posterstein. Wir konnten die Ausstellung zwar nicht spontan erweitern, haben uns aber wahnsinnig gefreut!

Als Museum neue Wege gehen

Ein Ausstellungskonzept wie dieses hat es im regionalgeschichtlichen Museum Burg Posterstein noch nicht gegeben: Es vermischt Fotografie, regionale Geschichte und Teilhabe.

Social Media ist für uns im Museum Burg Posterstein nicht nur ein reines Marketingtool, sondern ein wichtiger Kanal für die Wissensvermittlung, die zu den Kernaufgaben eines Museums zählt. Wir sind der Meinung, dass unser Bildungsauftrag nicht auf der Burgbrücke endet, sondern auch im virtuellen Raum weiter besteht. Auf der Website, im Blog und auf unseren Social Media-Kanälen geht es deshalb nicht um reine Information, sondern um Inhalte, um Geschichte und Geschichten mitsamt der Möglichkeit zur Interaktion und Teilhabe. Wir erhoffen uns davon, dem Museum auf diese Weise auch in Zukunft seinen festen Platz in der Gesellschaft zu sichern. Die Marketingarbeit des Museums Burg Posterstein schaut bewusst über den Tellerrand und nimmt die ganze Region, das Bundesland Thüringen und ganz Deutschland in den Blick.


Man muss ein Stück weit die Kontrolle abgeben und sich überraschen lassen.

Die Herausforderung einer solchen Ausstellung wie die #Schlössersafari war, dass man am Anfang noch nicht wusste, wie gut das Ausstellungsteam harmoniert, ob die Wünsche und Erwartungen weit auseinander gehen und wohin sich das Projekt entwickeln würde. Man muss ein Stück weit die Kontrolle abgeben und sich überraschen lassen. Natürlich kannten wir alle Beteiligten schon über den regelmäßigen Austausch auf Instagram. In unserem Fall haben wir uns im Vorfeld zweimal getroffen und die Zusammenarbeit dann per Messenger App koordiniert. Die Gruppe der Instagramer passte prima zusammen, es war ein herzliches Miteinander und alle haben sich voller Motivation und sehr zuverlässig in die Umsetzung der Ausstellung und deren Kommunikation eingebracht.

So sah die Ausstellung vor Ort aus – hier sind Fotos von @franksfotografie zu sehen.

Die Ausstellung hat uns noch enger mit unseren Besuchern – unserer „Community“ – zusammenrücken lassen und in direkten Kontakt gebracht. Sei es durch Besuche vor Ort und den täglichen, persönlichen Austausch auf Instagram, Twitter und Facebook. Es ist toll, wenn zum Beispiel Patrick Weidenmüller Burg Posterstein als seine „Hausburg“ bezeichnet oder wenn zum Ende der Ausstellung bereits neue Treffen zu neuen gemeinsamen Foto-Touren geplant werden. In einigen Fällen sind durch Ausstellung und Instawalk aus vorher begeisterten Hobbyfotografen durch die persönliche Begegnung mit der #Schlössersafari begeisterte Instagramer geworden, die sich ihrerseits vernetzen.

Nachgefragt – der Kommentar von @haltelinie

Die Nachfrage “Was hat euch die #Schlössersafari gebracht?” per Instagram-Post und Story brachte auch ein paar Antworten: “Viele schöne Bilder, Dankeschön dafür an alle Beteiligten.” (@umbraresk), “So viele Burgen und Schlösser, von denen man sonst nie etwas gesehen hätte” (@michlbower)  “Viele Hinweise auf Ausflugsziele und spannende Instagramprofile” (@haltelinie), “Eine Menge Spaß und nette Begegnungen.” (@vogtland_prinz), “Vor allem hat es Spaß gemacht, war eine schöne Idee.” (@burgdame), “Leute kennengelernt (tolle Kontakte) und viel über die Burg, Umgebung, .. gelernt.” (@hbyfgf.sascha.wiedemann). Selbst @dirk_derbaum, der bereits hunderte Schlösser besucht hat und auch darüber digital Buch führt, hat durch die Ausstellung noch weitere entdeckt. @residalex kommentierte: Durch die #Schlössersafari “gelangte man ‘in die Schlösser hinein’ und es wurde einem “die großartige thüringische und überregionale Kultur gezeigt und das in Form einer Art Schlösserkultur, welche sich damit entwickelte.”

Man kann sagen, dass für die Teilnehmer der Spaß, das Netzwerken untereinander und das Entdecken neuer Ausflugsziele im Vordergrund stand – wie sollte es auch anders sein, denn es geht um eine Art, seine Freizeit zu verbringen. Es fand ein Austausch weit über Mitteldeutschland hinaus statt und der Hashtag #Schlössersafari wird nicht nur durch die Wanderschaft der Ausstellung auch in Zukunft weiter genutzt werden.

Von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

Aus Schönhaide nach Südamerika: Der Vogelkundler, Zeichner und Maler Anton Goering

2019 jährt sich der Geburtstag Alexander von Humboldts zum zweihundertfünfzigsten Mal. Der bekannte Wissenschaftler und Forscher inspirierte viele Zeitgenossen und spätere Generationen zu Reisen in die ganze Welt. Zum Jubiläum präsentieren die Museen des Altenburger Landes – Lindenau-Museum, Residenzschloss Altenburg, Naturkundemuseum Mauritianum und Museum Burg Posterstein – unter dem Titel: #humboldt4 eine gemeinsame Ausstellungsreihe über das Leben Alexander von Humboldts und sein Wirken auf die Region.

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Das Museum Burg Posterstein erinnert vom 1. September bis 17. November 2019 in der Sonderausstellung “Aus Schönheide nach Südamerika” an den Illustrator Anton Goering (Göring), dem als Handwerkersohn aus Schönhaide im heutigen Altenburger Land eine Karriere als Forschungsreisender, Zeichner und Tierpräparator gelang. Auf den Spuren Humboldts betrieb er auf zwei Forschungsreisen (ab 1856 und ab 1866)  in Südamerika botanische und geografische Studien. Zunächst als Begleiter des bekannten Naturwissenschaftlers Hermann Burmeister, später im Auftrag der Zoological Society of London sammelte und präparierte er seltene Tiere und hielt seine Eindrücke in Landschaftsaquarellen fest. Mit seiner Arbeit leistete Anton Goering einen wichtigen Beitrag zur Erforschung Venezuelas. Unter anderem entdeckte er die bis dahin unbekannten Höhlen bei Caripe. Seine Reiseeindrücke veröffentlichte er 1893 in Leipzig unter dem Titel: „Vom tropischen Tieflande zum ewigen Schnee, Eine malerische Schilderung des schönsten Tropenlandes Venezuela“.


Tierleben am mittleren Orinoco, Chromolithografie nach Anton Goering, Sammlung Museum Burg Posterstein

Es bildet ein Thalent sich in der Stille, sich ein Charakter in dem Strom der Welt

Johann Wolfgang von Goethe, Spruch auf dem Titelblatt des Reisetagebuchs von Anton Goerings, Halle 1856

Christan Anton Goering wurde am 18. September 1836 in Schönheide im heutigen Altenburger Land als Sohn eines Handwerkers geboren. Durch seinen Vater, selbst ornithologischer Sammler und Präparator, interessierte sich Goering schon früh für die Natur. Den zwanzig Kilometer langen Fußweg nach Altenburg nahm er in Kauf, um sich in der Kunstschule Bernhard von Lindenaus erste künstlerische Fertigkeiten anzueignen. Schon als Vierzehnjähriger war er Mitglied des „Ornithologischen Vereins des Pleißengrundes“ in Crimmitschau. Durch die Fürsprache Professor Apetz in Altenburg, den damaligen Direktor der Naturforschenden Gesellschaft des Osterlandes, erhielt Goering die Möglichkeit, Erfahrungen als Präparator und Konservator im Zoologischen Museum der Universität Halle bei Dr. Hermann Burmeister zu sammeln. Naturwissenschaftliche Anregungen bekam er auch von Christian Ludwig Brehm, dessen Sohn Alfred Brehm und den Mitgliedern der Naturforschenden Gesellschaft des Osterlandes.

Die erste Südamerikareise (1856-1858)

Frisch! Froh! Fröhlich! Frei!

Spruch auf dem Titelblatt des Reisetagebuchs von Anton Goerings, Halle 1856

Seine ersten Erfahrungen als Forschungsreisender sammelte Anton Goering als Begleiter Hermann Burmeisters. Über zwei Jahre lang erforschten sie die Tier- und Pflanzenwelt Brasiliens, Argentiniens und Uruguays.


aus dem Buch “Venezuela”, Sammlung Museum Burg Posterstein

In der Sammlung des Leibnitz Instituts für Länderkunde in Leipzig sind zwei Reisetagebücher, ein Skizzenbuch sowie verschiedene Drucke Anton Goerings erhalten geblieben. Eines der Tagebücher widmet sich der ersten Südamerikareise mit Burmeister. Das mit hauptsächlich mit Bleistift verfasste Buch ist mit vielen Skizzen versehen, die der Zeichner auf seiner Fahrt anfertigte.

Mitte September 1856 reiste Goering von Halle mit Zwischenstation in Magdeburg nach Hamburg, wo er sich mit Burmeister und „den jungen Burmeister“ traf.

Er notierte: „1856: Am 20. September mit dem Schnellzuge von Halle abgereist, morgens ¾ 8 Uhr. Abends ¾ 9 Uhr war er in Hamburg.

Die Schiffsreise begann am 29. September 1856. Zusammen mit den beiden Söhnen Burmeisters schiffte sich Goering auf dem Segelschiff „Dorothea“ mit Ziel Rio de Janeiro ein. Hermann Burmeister, der Leiter der Expedition, nahm ein anderes Schiff. Nach fast sechs Wochen Fahrt erreichten Sie die Küste Südamerikas.

19. November: Sehr für unsere Fahrt günstiger Wind, gegen ½ 11 Uhr morgens erblickten wir die Küste Brasiliens und in Folge des aufgehenden Windes lagen wir abends ½ 7 Uhr vor Rio de Janero [sic!] vor Anker, gingen aber nicht am selben abend noch an Land, sondern blieben auf dem Schiffe und verleben in gewohnter Art noch […] einige Stunden.“

„Am 20. Gegen 10 Uhr gingen wir an Land […]. Noch denselben Tag machten wir eine Excursion und fingen auch einige sehr hübche Sachen.

„21. Nov. Wir sind wieder an Bord der Dorothea gegangen um unsere Sachsen an’s Land zu bringen, auch haben wir das Innere von Rio de Janero [sic!] näher in Augenschein genommen.“

Am 1. Dezember 1856 ging die Reise weiter nach Montevideo, San José und Mercedes. 1858 trat Goering die Heimreise nach Deutschland an.

Anton Goering: Eindrucksvolle Landschaft im Süden des Maracaibo-Sees, aus dem Buch “Venezuela”, Sammlung Museum Burg Posterstein

Um sein Wissen zu erweitern studierte Anton Goering zwischen 1860 und 1864 Zeichnen und Malen bei Hermann Knaur in Leipzig und bei Joseph Wolf in London. Für Auslandsaufenthalte erhielt er aus Altenburg das „LINDENAU-ZACHsche-Reisestipendium“.

„Wem Gott will eine Gunst erweisen, den schickt er in die weite Welt“ – Die zweite Südamerikareise (1866-1874)

Durch seinen Gönner und Unterstützer Dr. Philip LutlySclater, den Sekretär der zoologischen Gesellschaft London, erhielt Anton Goering 1866 die Möglichkeit, als korrespondierendes Mitglied der Zoological Society of Londoneine eigene Studienreise nach Südamerika zu unternehmen. Sein Hauptziel war Venezuela, wo er für das British Museum Vogelbälge anfertigte und die Flora des Landes erforschte.

Am 18. September 1866 reiste er in London ab. Die Zeit auf dem Meer vertrieb man sich u. a. durch das Studium der von Bord aus gefangenen Meeresbewohner.

Am 29. [Oktober] fing sich an der dem Schiff umschwimmenden Angel ein Delfin. Er war ungefähr 4 Fuß lang und von grau trüber, graulicher Farbe am Unterleibe […] und Flurfarbene Flecken. Der Rücken dunkelgrau-blau.“

Am 30. November erreichte das Schiff den Hafen von Carúpano.

30. Nov. Früh gegen 3 Uhr zu Anker in der Bar von Carupano. Wir mussten noch bis gegen 9 Uhr an Bord bleiben. Wir hatten wiederholt bis gegen 4 Uhr früh starken Donner u. Regen. Gegen 9 Uhr kommt 1 Zollbeamter an Bord von einem Soldaten begleitet. Die Uniform des letzteren besteht aus einem zerrissenen Hemd u. ein alter Stoffhut tritt an Stelle des Helmes. Er hält eine alte verrostete Flinte mit Steinschloss in der Hand. Die Brandung ist hier sehr stark.

Am 15. Dez traten wir, Herr Bornemann und ich, einen Ausflug nach Pilar an. Wir verließen gegen 1 Uhr Carupano und legten in Pilar gegen 6 Uhr abends an.“ Am 17. Dezember 1866 kehrten sie nach Carúpano zurück. Bekannten und Freunden schien Goering auch während seiner Reise Berichte zu übermitteln. Kurz nach seiner Rückkehr nach Carúpano am 17. Dezember 1866 schrieb er in sein Reisetagebuch:

Heute oder morgen muss auch mein liebes Altenburg den Brief von mir erhalten, welchen ich von Port of Spain aus, schickte. Es wird sehr in Angst um mich gewesen sein, wüsste es aber, wie wohl es mir geht, dann würde es froh sein.

Anton Goering: Die Caripe Höhlen im Staate Monagas, Ost-Venezuela, aus dem Buch “Venezuela”, Sammlung Museum Burg Posterstein

Acht Jahre lang erforschte und zeichnete Anton Goering die Landschaft sowie die Tier- und Pflanzenwelt Venezuelas. Er entdeckte die bis dahin unbekannten Höhlen bei Caripe und schickte die von ihm gesammelten Vogel- und Tierpräparate an das British Museum. Die 1868 von Dr. Sclater im „Proceedingsofthe Zoological Society of London“ veröffentlichten Sammlungen Goerings umfassten in einer ersten Sendung 173 Präparate von 126 verschiedenen Arten. Drei davon waren der Forschung bis dahin unbekannt. Eine zweite Sendung umfasste weitere Präparate von 99 verschiedene Arten.

Seine Reiseeindrücke veröffentlichte Goering 1893 in Leipzig unter dem Titel: „Vom tropischen Tieflande zum ewigen Schnee, Eine malerische Schilderung des schönsten Tropenlandes Venezuela“.

Die späten Jahre

Seit 1874 arbeitete Goering als Tier- und Landschaftsmaler in Leipzig. Zusammen mit anderen Zeichnern lieferte er die Illustrationen zu „Brehms Tierleben“. Mit den Altenburger Naturforschern blieb er lebenslang in Kontakt. So wurde er zum Ehrenmitglied der Naturforschenden Gesellschaft des Osterlandes zu Altenburg und des Ornithologischen Vereins zu Leipzig ernannt. Für seine Verdienste verlieh ihm Herzog  Ernst I. von Sachsen-Altenburg den Professorentitel.

Anton Goering starb am 07. Dezember 1905 in Leipzig.

Eine Prämiere im Altenburger Land: Vier Museen präsentieren eine gemeinsame Ausstellungsreihe

Die Postersteiner Ausstellung verfolgt Goerings Entwicklung und Lebensweg vom Altenburger Land bis nach Südamerika. Seine Reisewege leben an Hand seiner Tagebücher und Holzschnitte, Leihgaben des Leibnitz Instituts für Länderkunde in Leipzig, wieder auf. Von Anton Goering präparierte exotische Tiere vermitteln ein Bild der damaligen Forschungsreisen auf den Spuren Alexander von Humboldts.

Begleitprogramm zur Ausstellung:

1. September, 15 Uhr
Ausstellungseröffnung und Salonnachmittag „Den schickt er in die weite Welt“ mit Lesung aus Anton Goerings Reisetagebuch von 1856

15. und 29. September, 15 Uhr
Führung „Der Wunsch, das durch A. v. Humboldt zu classischem Ruhme erhobene Thal von Caripe und die nahe Guacharohöhle aus eigener Anschauung kennen zu lernen, sollte mir endlich erfüllt werden.“ mit Kuratorin Franziska Engemann

27. Oktober 2019, 15 Uhr
Salonnachmittag: Auf den Spuren Alexander von Humboldts

27. November, 15 Uhr
Lesung „Wem Gott will eine Gunst erweisen, den schickt er in die weite Welt“
Finissage zur Ausstellung #humboldt4 : Aus Schönhaide nach Südamerika: Der Vogelkundler, Zeichner und Maler Anton Goering (Göring, 1836–1905) mit Lesung aus Anton Goerings Reisetagebuch von 1856

Je kleiner die Einheit ist, desto direkter kann Demokratie sein – Unser Beitrag zur Blogparade #DHMDemokratie / #rainbowMW

Über Demokratie im ländlichen Raum und ein ganz aktuelles Kulturprojekt im Altenburger Land schreibt Museumsvereinschefin Sabine Hofmann zur Blogparade „Was bedeutet mir die Demokratie?“ des Deutschen Historischen Museums Berlin im Rahmen seines Demokratie-Schwerpunkts 2019. Gleichzeitig teilen wir den Beitrag in unserer Blogserie zur internationalen Museumswoche #MuseumWeek unter dem Stichwort #rainbowMW, wobei wir das Thema “rainbow” als Offenheit für alle interpretiert haben.

Im Oktober 2018 verfasste ich einen Beitrag zur Blogparade #SalonEuropa, zu der das Museum Burg Posterstein aufgerufen hatte. Unter dem Titel „Was hat die Gebietsreform in Thüringen mit Europa zu tun?“ setzte ich mich damit auseinander, wie Demokratie und Verwaltungsreformen zusammenpassen. Ein halbes Jahr später hat sich an meinen Feststellungen nichts geändert. Zusammenlegungen finden weiter statt, obwohl die Wirtschaft gerade den Prozess der Zerlegung von Konzernen einläutet.

Das Altenburger Land ist ein ländlich geprägter Landkreis mit bisher sehr kleinen Kommunen.

Zunächst: Die Auflösung von kleinen Kommunen und deren Angliederung an größere Einheiten finden nicht nur in Thüringen oder Deutschland, sondern in ganz Europa statt.

Denn überall in Europa glauben seit Jahrzehnten Politiker, unterstützt von den immer selben Beraterfirmen, durch Fusionen von Gebietskörperschaften zu Kosteneinsparungen, höherer Leistungsfähigkeit und Wachstumsimpulsen zu kommen. Nie mussten diese Effekte nachgewiesen werden. Das wäre auch schwer – es gibt sie nämlich nicht, wie Sebastian Blesse und Felix Rösel in einer Veröffentlichung des IFO-Instituts München eindrücklich darlegten, nicht nur für Deutschland, sondern auch in Dänemark, den Niederlanden und anderswo ist das belegt.

Stattdessen gibt es Kosten, die unsere Demokratie zu tragen hat. Noch 40 Jahre nach der Gebietsreform in Baden-Würtemberg fühlen sich die Bürger der Ortsteile nicht den neuen Großgemeinden zugehörig oder gar unterdrückt. Die drittgrößte deutsche Flächenstadt ist Gardelegen. Mit über 40 Ortsteilen erstreckt sie sich über den gesamten vormaligen Landkreis. Wenn sich in Sachsen Städte oder Gemeindekonglomerate über 20 Kilometer und mehr ausdehnen, ist es kein Wunder, dass vermeintlich nur noch die Wölfe heulen und die Zurückgebliebenen zu einem großen Teil das Heil in populistischen Ideen suchen.

Erwiesen ist, dass Gebietsreformen zu zurückgehender Demokratiezufriedenheit, zu weniger Verbundenheit mit der Gemeinde und geringerer Wahlbeteiligung führen. Das leuchtet auch Laien ein, denn das Wissen über die Großgemeinde schwindet, die Gestaltungsmöglichkeiten ebenso.

Wenn wir Demokratie stärken wollen, wenn wir wollen, dass Europa gemeinsam agiert, was dringend geboten ist angesichts der Konflikte in der Welt, braucht es Demokratie von unten und Instrumente, die es den Bürgern ermöglichen, demokratisch zu handeln und tatsächlich mitzubestimmen.

Je kleiner die Einheit ist, desto direkter kann die Demokratie sein:  Europa beginnt im Lokalen und das Lokale ist dort, wo man wohnt.

Genau hier setzt das Konzept „Der fliegende Salon – Kulturaustausch im Altenburger Land“ für die Bewerbung im Rahmen von TRAFO 2, Modelle für Kultur im Wandel an.

Mit dem Projekt “Der Fliegende Salon” bewirbt sich der Landkreis Altenburger Land im Rahmen von TRAFO2, Modelle für Kultur im Wandel.

Seit mehreren Jahren gibt es ein Programm der Bundeskulturstiftung, das sich zum Ziel gesetzt hat die Kultur im ländlichen Raum zu stärken, Teilhabe zu ermöglichen und den Bürgern dadurch Gestaltungsspielräume zu eröffnen. Das Altenburger Land hat in den letzten Jahren ein Viertel seiner Bevölkerung verloren. Der Landkreis gehört zu den Regionen mit der ältesten Bevölkerung und das alles trotz günstiger Lage zwischen Leipzig, Chemnitz und Zwickau. Vereine, deren Mitglieder häufig Ü70 sind, können nicht auffangen, was einst Gemeinden leisteten oder die Ausgewanderten hätten leisten können, wenn sie denn noch da wären.

Wenn sich die Region auf ihre Stärken besinnt, kommt man rasch auf die Kultur. Museen, Theater, Musikschulen, Bibliotheken haben hauptamtliches Personal, das von der Region zum großen Teil unterhalten wird. Hier will der Landkreis ansetzen, wenn er sich bewirbt, TRAFO-Region zu werden.

Die Kulturschaffenden wollen gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern kreative Angebote entwickeln, die das Leben im ländlichen Raum lebenswerter machen. Eigeninitiative und Nachhaltigkeit stehen im Vordergrund. Vorbild ist die Salonkultur des 19. Jahrhunderts, in der sich Menschen bei gemeinsamer künstlerischer Betätigung und in Diskussionen offen und frei von gesellschaftlichen Schranken begegneten.

Der fliegende Salon ist zukunftsorientiert. Er will Generationen und politische Meinungsverschiedenheiten überbrücken im gemeinsamen Tun. Dafür werden spartenübergreifendende Projektideen entwickelt, die sich an vielen Orten reproduzieren lassen. Der Salon „fliegt“ von Ort zu Ort, animiert zum Mitmachen, aber auch zum Besuch von Theater oder Museen. So schlägt er eine lebendige Brücke zwischen Stadt und Land.

TRAFO heißt eigentlich Transformation – wenn die gelingt, gewinnen die Bürger Mut zur Initiative, stärken ihr demokratischen Zusammenleben und erleben durch die Zusammenarbeit mit den etablierten Kultureinrichtungen genau wie diese einen Perspektivenwechsel. Im besten Sinne wissen dann Theater- oder Ausstellungsmacher durch die direkte Begegnung mit ihrem potentiellen Publikum viel besser, was die bewegenden Themen sind.

Im Schloss Löbichau im Altenburger Land versammelte die Herzogin von Kurland um 1800 Geistesgrößen ihrer Zeit.

Der Ausgangspunkt der Idee: Der Salon der Herzogin von Kurland

Im Schloss Löbichau hatte er seine Heimstatt. Hier entstand, der sogenannte Musenhof der Herzogin Anna Dorothea von Kurland. Hierher hat die aufgeklärte, reiche Saloniere Künstler, Wissenschaftler, Politiker zum Dialog geladen. Von hier aus zog der Salon nach Altenburg, nach Ronneburg, nach Nöbdenitz und in andere Orte. Hier wurde die örtliche Bevölkerung eingebunden, wenn sich hunderte Fremde trafen. Die Kirche des Ortes stellte einen Ankerpunkt dar.

Heute bewegen die Bürger von Löbichau andere Themen. Sie haben eine Zeit des intensiven Bergbaus hinter sich. Ihre Schule soll geschlossen werden. Rings um den Ort sollen Windparks entstehen. Die Busanbindung ist schlecht. Thüringen will mit aller Macht Gemeinden zusammenlegen. Die Kirche findet nur noch wenig Zulauf, der Park in Tannenfeld mit seinen historischen Gebäuden ist in restaurierungswürdigen Zustand und die Tradition des Musenhofes wird im benachbarten Museum Burg Posterstein gepflegt.

Hier setzt die TRAFO-Idee an. Denn natürlich ist es an der Zeit die Herausforderungen anzunehmen und Strategien des Umgangs mit der Situation in der Gegenwart zu entwickeln. Warum nicht dafür Mittel aus der Vergangenheit nutzen und ins Heute transformieren? Kunst und Kultur in den gesellschaftlichen Dialog der Bürger einbinden und Lösungen suchen durch Begegnung der Kompetenzen vor Ort mit Sachkunde von Außen. Bildende Künstler, Wissenschaftler, Schriftsteller, Kuratoren, Musiker, Schauspieler, immer in sehr engem Kontakt und interagierend mit dem Publikum.

Löbichau ist nur ein Beispiel für Begegnungs- und Aktionsräume.

Im Schloss Ponitz fand als Pilotprojekt der erste “Fliegende Salon” statt.

Ein Pilotprojekt fand bereits statt.

Die Gemeinde Ponitz und der Förderverein Renaissanceschloss Ponitz waren dem Aufruf des TRAFO-Teams um das Lindenau-Museum, das Landestheater Altenburg und das Museum Burg Posterstein gefolgt und hatten ihr Interesse an der Pilotveranstaltung bekundet. Ponitz schien am besten geeignet, weil gleich mehrere Akteure die Idee aufgreifen wollten. In einer ersten Zusammenkunft vor Ort wurde auch gleich ein Salonthema gefunden – nämlich die mehr oder weniger durchlässige Landesgrenze zu Sachsen, die seit Jahrhunderten das Leben der Ponitzer bestimmt. Natürlich hatten die Vorfahren ganz andere Probleme mit der Grenzlage als die Bürger heute. Sie brauchten z. B. einen Pass, um ins sächsische Meerane zu gelangen. Aber auch heute unterscheidet sich das Leben der Ponitzer durch ihre nahe Lage zu Sachsen durchaus von dem in anderen Gemeinden der Region. Doch wie gehen die Bürger mit dieser Grenzlage heute um, da Grenzen in Europa kaum noch eine Rolle spielen? Um diese Fragen herum hatten Kulturakteure des Altenburger Landes gemeinsam mit Ponitzern ein spannendes Programm gestrickt.

Letztlich erlebten über 100 Salonakteure und -gäste einen über fünfstündigen Salonabend im Ponitzer Schloss. Viel wurde angesprochen, von dem man meinte, dass es in heutiger Zeit eigentlich keine Rolle mehr spielen sollte: Verbreitungsgrenzen für Tageszeitungen; Schulamtsgrenzen, die den länderübergreifenden Schulbesuch erschweren, einschließlich unterschiedlicher Ferienzeiten an den Schulen in Thüringen und Sachsen, die gemeinsame Unternehmungen der Schüler im Grenzgebiet erschweren; oder Bauen und Baugenehmigungen über Flur- und Ländergrenzen hinweg. Die Ponitzer sangen und spielten gemeinsam, aber vor allem kamen sie ins Gespräch miteinander, mit Schauspielern, Musikern, aber auch mit ihrem Bürgermeister und ihrem Landrat. Alles funktionierte wie im Salon mit Höflichkeit, gegenseitiger Achtung, Anteilnahme – eben demokratisch.

#SecretsMW: “Täglich durchlebt der Mensch die tragische Illusion des staubfreien Moments”

Der Kölner Künstler Dr. Wolfgang Stöcker ging 2017 und 2018 in der Burg Posterstein auf “Staubexpedition”. Seine Fundstücke dokumentierte er sorgfältig und goss sie anschließend in turm- und hausartige Wachsobjekte ein, vermalte sie und archivierte sie in Folien. Das Museum Burg Posterstein will diesen geheimnisvollen, normalerweise verborgenen Mikrokosmos der Burg ab 19. Mai 2019 in der Ausstellung und dem zugehörigen Buch “Zum Wesen des Staubes: Staubexpeditionen auf Burg Posterstein” sichtbar machen. Zum heutigen Thema #secretsMW der internationalen Museumswoche #MuseumWeek beschreibt Dr. Wolfgang Stöcker seine “Philosophie des Staubs”:

“Salonstaub” aus den Räumen des Museums Burg Posterstein | (c) Wolfgang Stöcker

Staub ist ein grundsätzliches Material. Der interessante Stoff bedeutet Anfang und Ende. Zu Beginn war alles loser Sternenstaub, dann geschah eine Verdichtung hin zu mannigfachen Formen, die seither ständig entstehen und wieder zu Staub zerfallen. Somit ist die Beschäftigung mit Staub ein ständiges Betrachten dieses Kreislaufs, wobei die Dokumentation von Staub an kulturell bedeutenden Orten zugleich Fragen aufwirft: Was wird aufbewahrt und dem Staub (dem Verfall) entzogen? Was wird dem Verfall preisgegeben? In diesem Zusammenhang sind schließlich drei weitere Aspekte wichtig: Wer beurteilt den Wert einer Sache? Wie lange ist ein Aufbewahren überhaupt möglich und was bedeutet es für eine Gesellschaft letztlich dem Aufbewahren beizuwohnen, sprich: Museen zu besuchen, Historisches zu bestaunen, Archive zu pflegen?

An diesen Schnittstellen agiert das Internationale Staubarchiv (Anfang 2019 erfolgte die Umbenennung von Deutsches Staubarchiv in Internationales Staubarchiv) und entwickelt im Grenzbereich zwischen Kunst und Geschichtswissenschaft Bilder, Texte, Plastiken, untersucht Bauwerke, vermisst den Staub an seinen Entstehungsorten. Zur Zeit befinden sich rund 600 Proben aus aller Welt im Archiv. 

Das von Besuchern auf Burg Posterstein verlorene grüne Bonbonpapier dokumentierte Wolfgang Stöcker auf seiner Staubexpedition sorgfältig.

Im Staub ist alles enthalten. Er bildet das Biotop für neues Beginnen und ist ein Übergangsmaterial voller Kraft und Potenz. Doch sind die Freunde des Staubes begrenzt. Er wird als störend empfunden. Seine versteckt durchaus bestehende Schönheit wird nicht oft gewürdigt. Tatsächlich ist es auch eine eher morbide Schönheit. Übertreiben darf man die Verehrung keinesfalls und ein guter Besen ist nicht verkehrt. Über den Besen hinaus sind allerhand Geräte zur Entfernung des Staubes im Umlauf und jene temporär aus dem fruchtbaren Urstaub (oder Urschlamm) geschaffenen Gebilde müssen ständig gekehrt werden, damit sie der Staub nicht verfrüht zurück in sein Reich holt. Und obwohl jedes Ding letztlich Staub ist, ist es für eine gewisse Zeit eben nicht Staub, sondern dieses oder jenes Ding, gar eine lebende Kreatur. Im Moment der Entstehung entfernt sich etwas vom staubhaften Grundzustand und nimmt ein Wesen an. Es wäre Frevel diese Anstrengung hinfort vom Staub nicht zu respektieren. Also Kehren!

Entstauben bedeutet Wertschätzung – in Museen, wie hier in der Ausstellung zur europäischen Salongeschichte im Museum Burg Posterstein, sei das besonders spürbar, sagt Wolfgang Stöcker.

Kehren ist eine Kulturtechnik, Kehren ist wortwörtlich die bewusste Abkehr vom Staub, ein Aufbäumen gegen diesen lästigen Gesellen der auf lange Sicht hin zwar Sieger sein wird, jedoch kurz- und mittelfristig durchaus bekämpft werden kann. Vor diesem Hintergrund erwächst die Faszination gegenüber „dem Alten“, gegenüber Kunstwerken oder ähnlichen Gegenständen. Aus ihnen spricht  die Übereinkunft der Generationen diesen oder jenen Gegenstand zu erhalten. Die Mühe der Pflege ist eine Art kultureller Klebstoff, eine Brücke zwischen dem Gestern, dem Heute und einem Morgen. An manchen Orten ist die Sorge um den Erhalt geradezu fühlbar. Kunst- und Kulturgüter stehen im Spannungsfeld des Putzens. Die starke Präsenz des potentiell immer drohenden Verfalls macht die gesäuberten Zeugnisse unserer Kultur erst wertvoll. Im Gegenzug heißt dies ganz deutlich: Staub liefert dem Menschen eine starke Rechtfertigung zur Errichtung von Zivilisation. Zivilisation bedeutet Kehren! Die Schöpfungsmythen kennen den Zustand des Nichts. Aus der Ödnis gehen die Dinge plötzlich hervor. Sind sie aber erst einmal erschienen, bleiben sie nicht automatisch sauber. Ist die Schöpfung vollzogen, muss der Besen folgen. Schon Tiere sind nicht in der Lage verschmutzt zu existieren. Sogar einige Pflanzen entwickelten Strategien die Oberflächen ihrer Blätter frei von Staub zu halten. Alle Kreaturen putzen. Der Mensch verwendet einen Großteil seiner Lebenszeit auf diese Tätigkeit. Kultur bedeutet im ursprünglichen Sinn Pflege: Pflege des Bodens (agricultura) und schließlich Körperpflege (der Kulturbeutel). Architektur, Kleidung, Möbel, Gefäße, all dies sind Vorrichtungen die neben vielen anderen Funktionen vor allem die Abwehr des Staubes garantieren. Leider sind diese Staubbarrieren zugleich neue Quellen des Staubes. Wohnen erzeugt Staub. Der Ruß des Kamins, der Küchendreck, Haare und Haut, Schuppen, Läuse, Milben, Wanzen und Wolle und Flusen! Zivilisation ist ein ständiges Dilemma. Täglich durchlebt der Mensch die tragische Illusion des staubfreien Moments.

Das Staubarchiv hat sich in diesem Widerspruch eingenistet und lotet die Möglichkeiten zwischen pflegender Kultur und drohendem Verfall neu aus. Es ist der Versuch dem Staub nicht feindlich zu begegnen. Mittels Katalogisieren und Archivieren des Staubes entsteht eine Wertschätzung gegenüber dem ansonsten nur lästigen Material. Eine Fluse mit Archivnummer und Datum ihrer Auffindung, Staub in Vitrinen und hinter Glas gerahmt, ist kein normaler Staub mehr. Für die nun kommende Ausstellung in Posterstein wurden Partikel der Burg sogar als Malmittel benutzt. Die „Postersteiner Staubportraits“ zeigen die mögliche Schönheit des Staubes. Eigenartig genug, kann Staub plötzlich selbst zur pflegebedürftigen Materie werden, wenn Strategien der Inszenierung und Überhöhung auf ihn angewendet werden. 

von Wolfgang Stöcker

Köln, 05.Mai, Wetter sehr kalt, bewölkt, 9.27 Uhr

Die Ausstellung “Zum Wesen des Staubes: Staubexpeditionen auf Burg Posterstein mit Woflgang Stöcker, Köln” ist von 19. Mai bis 18. August 2019 im Museum Burg Posterstein zu sehen. Als Gründer des „Deutschen Staubarchivs“ in Köln sammelt und archiviert Dr. Wolfgang Stöcker Staubproben von bedeutsamen Orten und setzt sie künstlerisch-überhöht in neue Zusammenhänge. 2017 und 2018 ging er auf Staubexpedition in der Burg Posterstein. Seine Fundstücke dokumentierte er sorgfältig und goss sie anschließend in turm- und hausartige Wachsobjekte ein, vermalte sie und archivierte sie in Folien. Die Ausstellung und das zugehörige Buch wollen den sonst unbeachteten Mikrokosmos des „Burgstaubs“ sichtbar machen.

Die Ausstellung “Versteckte Orte”: Romy @sosfernweh im Portrait

Schloss Wolfsbrunn – fotografiert von Romy @sosfernweh für die Ausstellung “Versteckte Orte”

Nur noch bis 12. Mai 2019 ist die Ausstellung “Versteckte Orte: Instagramer auf #Schlössersafari in Mitteldeutschland” auf Burg Posterstein zu sehen. 7 Instagramer zeigen in 49 Bildern Schlösser und Burgen ihrer Region. Über den Instagram-Hashtag #Schlössersafari hat jeder die Möglichkeit, der Ausstellung eigene Bilder hinzuzufügen. Am 12. Mai, ab 16 Uhr, fassen wir gemeinsam mit den Ausstellenden das Projekt zusammen. Schon jetzt steht fest, dass die Idee #Schlössersafari weiterleben wird. In welcher Form soll am letzten Tag der Ausstellung gemeinsam – auch mit dem Publikum – entschieden werden. An der Postersteiner Ausstellung beteiligt sind Cindy Hiller (auf Instagram zu finden unter @chillerunterwegs), Sandro Deus (@fineartinsilver), Frank Burchert (@franksfotografie), Simone Stahn (@silentfotografie_simone), Romy (@sosfernweh), Patrick Weidenmueller (@vogtland_prinz) und Manja Reinhardt (@vogtlandzauber). In diesem Portrait steht Romy im Mittelpunkt. Im Internet findet man sie als @sosfernweh auf Instagram, auf Facebook und in ihrem Blog.

Dies ist der achte Teil unserer Blogpost-Reihe zur #Schlössersafari. Hier geht’s zum Überblick (Teil 1).

Beim Fotografieren ist Romy der Blick fürs Detail wichtig.

Romy ist in ihrer Freizeit gern mit ihrer Kamera unterwegs. Ihr Interesse gilt dem auf den ersten Blick unscheinbaren Details, den Schönheiten am Wegesrand, die beim schnellen Vorbeigehen oft übersehen werden. Auf ihrem Foto-Blog teilt sie Bilder und Gedanken auf Englisch. Für die Ausstellung “Versteckte Orte” wählte sie unter anderem versteckte Blickwinkel auf Blumen und Raumstrukturen in Schlössern und Burgen. Im Interview erzählt sie von ihrem Hobby.

Warum fotografierst du?

Alles entstand aus dem eigenen Überlebenswillen heraus und weil ich Menschen mit meinen Bildern erreichen möchte. Ich möchte sie zum Hinsehen bewegen, denn es gibt so vieles, was wir im Alltag nicht mehr wahrnehmen.

Blick in die Ausstellung “Versteckte Orte” mit Fotos von Romy @sosfernweh

Wie fotografierst du?

Mit meiner Canon EOS M 100. Halte ich sie in Händen, werden wir zu einem Team.

Welche Motive interessieren dich?

Alles kann Motiv sein – ob mit dem Auge wahrgenommen oder später mit dem Objektiv. Es ist alles interessant und schön.

Romys Bilder in der Ausstellung “Versteckte Orte” auf Burg Posterstein

Warum teilst du deine Bilder auf Instagram?

Um viele Menschen auf der ganzen Welt erreichen zu können und zu triggern.

Welches ist dein interessantestes Instagram-Erlebnis?

Wie auch auf vielen meiner Fototouren öffnen mir Menschen ihr Herz. So auch auf Instagram und das ist immer wieder sehr bewegend.

Welchen Einfluss hat Instagram auf dich und deine Bilder?

Keinen. Ich fotografiere was ich möchte ohne auf eine Plattform oder Zielgruppe zu schauen.

Für die Ausstellung “Versteckte Orte” hat Romy folgende Schlösser ausgesucht:

Burg Kriebstein
Burg Posterstein
Schloss Rochlitz
Leuchtenburg
Schloss Wolfsbrunn
Schloss Blankenhain
Burg Stein

Die Ausstellung “Versteckte Orte”: Simone Stahn im Portrait

Schloss Thammenhain bei Wurzen in Nordsachsen fotografiert von Simone Stahn.

Bis 12. Mai 2019 sind in der Ausstellung “Versteckte Orte: Instagramer auf #Schlössersafari in Mitteldeutschland” auf Burg Posterstein noch 49 Fotos von sieben Instagramern zu sehen. Die Hobbyfotografen besuchen in ihrer Freizeit gern Schlösser, Burgen, Kirchen und Sehenswürdigkeiten ihrer Region und teilen ihre Fotos davon im sozialen Netzwerk Instagram. An der Postersteiner Ausstellung beteiligt sind Cindy Hiller (auf Instagram zu finden unter @chillerunterwegs), Sandro Deus (@fineartinsilver), Frank Burchert (@franksfotografie), Simone Stahn (@silentfotografie_simone), Romy (@sosfernweh), Patrick Weidenmueller (@vogtland_prinz) und Manja Reinhardt (@vogtlandzauber). In diesem Portrait steht Simone Stahn im Mittelpunkt. Auf Instagram findet man sie als @silentfotografie_simone.

Dies ist Teil 7 unserer neuen Blogpost-Reihe. Hier geht’s zum Überblick (Teil 1).

Simone Stahns Profilbild bei Instagram.

Simone Stahn nimmt auch einmal weitere Reisen in Kauf, um Lieblingsmotive zu fotografieren. Besonders haben es ihr Wasserburgen und Schlösser in der Spiegelung angetan – quasi eines ihrer fotografischen Markenzeichen im sozialen Netzwerk Instagram. Dort teilt sie einmal pro Woche – meistens sonntags – ein Bild, denn mehr schafft sie in ihrer Freizeit gar nicht. Warum? Weil unter ihren Bildern, die oft von über 1000 Menschen gelikt werden, häufig über 700 Kommentare stehen, die sie alle einzeln und sorgfältig beantwortet. Im Interview erzählt sie über ihr Hobby.

Warum fotografierst Du?

Weil es mich entspannt und es mir großen Spaß bereitet.

Wir fotografierst Du?

Ich fotografiere mit einer Canon 5D Mark IV und einer mittlerweile beträchtlich gewachsenen Ausrüstung.

Welche Motive interessieren Dich?

Hauptsächlich Schlösser und Burgen (meist in der Spiegelung), aber auch reizvolle Landschaften.

In der Ausstellung “Versteckte Orte” auf Burg Posterstein sind sieben Fotos von Simone Stahn zu sehen.

Warum teilst Du Deine Bilder auf Instagram?

Um den Menschen da draußen zu zeigen, wie schön unsere Region ist und das es sich lohnt uns zu besuchen.

Welches ist Dein interessantestes Insta-Erlebnis?

Beim Fotografieren eines „meiner“ Schlösser, traf ich auf eine nette ältere Dame. Es stellte sich heraus, dass sie die Schlossherrin selbst ist. Ich bekam von ihr eine ganz private Führung durch das traumhaft schöne Schloss. Ein unvergessliches Erlebnis.

Welchen Einfluss hat Insta auf Dich und Deine Bilder?

Ich habe viel gelernt bei Instagram, auch über mich selbst. Ich habe wunderbare Menschen kennen gelernt. Es sind echte Freundschaften entstanden. Meine Bilder haben weltweit schon eine beachtliche Fangemeinde gefunden.

… Und so haben wir Simone auch zuerst auf Instagram und später direkt auf Burg Posterstein kennengelernt!

Für die Ausstellung “Versteckte Orte” hat Simone folgende Schlösser ausgesucht:

Burg Kriebstein
Neues Jagdschloss Hummelshain
Schloss Blankenhain
Schloss Rochlitz
Wasserschloss Klaffenbach
Schloss Thammenhain
Altes Schloss Zabeltitz

Das Alte Schloss Zabeltitz im Landkreis Meissen in Sachsen. Foto: Simone Stahn.

Der Ausstellung “Versteckte Orte” kann man eigene Fotos von Schlössern und Burgen hinzufügen. Inzwischen wurden über 2000 Bilder von Orten aus ganz Europa geteilt. Sie sind auf einem Bildschirm in der Ausstellung zu sehen und die eine Auswahl teilen wir in unserer Instagram-Story. Mitmachen kann jeder mit Instagram-Profil. Hier kann man sehen, was bisher geteilt wurde
Am letzten Tag der Ausstellung, am 12. Mai 2019, ab 16 Uhr, besteht noch einmal die Möglichkeit, die ausstellenden Instagramer persönlich kennenzulernen und miteinander ins Gespräch zu kommen. Zu dieser “Abschluss-Safari” lassen wir die Ausstellung noch einmal Revue passieren.

Die Ausstellung “Versteckte Orte”: Sandro Deus im Portrait

Die Priesterhäuser in Zwickau – fotografiert von Sandro Deus @fineartinsilver

Je sieben Fotos von je sieben Instagramern sind noch bis 12. Mai in der
Ausstellung “Versteckte Orte: Instagramer auf #Schlössersafari in Mitteldeutschland” im Museum Burg Posterstein zu sehen. Wie eine neue Art Kulturbotschafter teilen die Hobbyfotografen in ihrer Freizeit Fotos und Informationen über Schlösser, Burgen, Kirchen und Sehenswürdigkeiten ihrer Region im sozialen Netzwerk Instagram. Mit dabei sind Cindy Hiller (auf Instagram zu finden unter @chillerunterwegs), Sandro Deus (@fineartinsilver), Frank Burchert (@franksfotografie), Simone Stahn (@silentfotografie_simone), Romy (@sosfernweh), Patrick Weidenmueller (@vogtland_prinz) und Manja Reinhardt (@vogtlandzauber). In diesem Portrait steht Sandro Deus im Mittelpunkt. Auf Instagram findet man ihn unter dem Namen @fineartinsilver. Seinen Fotoblog findet man hier.

Dies ist Teil 6 unserer neuen Blogpost-Reihe. Hier geht’s zum Überblick (Teil 1).

So stellt sich Sandro Deus auf Instagram vor.

Sandro Deus fotografiert am liebsten in schwarz-weiß. Seine Motive sind Schlösser, Burgen, Städteansichten und Landschaftsbilder. Schon vor Jahren fielen uns seine tollen Fotos von Schloss Tannenfeld auf Instagram auf – und freundlicherweise durften wir sie auf Nachfrage für unsere Website verwenden. Im Interview wollen wir Sandro Deus kurz vorstellen:

Warum fotografierst du?

Fotografieren gibt mir die Möglichkeit vom Alltag abzuschalten, Auszeiten zu nehmen und mal wieder raus in die Natur zu kommen.

Wie fotografierst du?

Bei geplanten Fototouren fotografiere ich mit einer Spiegelreflexkamera. Ansonsten habe ich meistens eine kleinere spiegellose Kamera dabei. Man kann ja nie wissen, was so täglich passiert.

Portrait von Sandro Deus in der Ausstellung “Versteckte Orte” im Museum Burg Posterstein

Welche Motive interessieren dich?

In erster Linie Architektur und Landschaften. Bauwerke aller Art. Ob Alt oder Modern.

Welches ist dein interessantestes Instagram-Erlebnis?

Es gibt jetzt nicht wirklich ein besonderes Erlebnis. Bei Tagestouren gibt es immer wieder Überraschungen. Man lernt manchmal unterwegs Leute kennen, oder man findest unterwegs Motive und Orte die gar nicht auf dem Plan standen.

Welchen Einfluss hat Instagram auf dich und deine Bilder?

Es ist interessant Feedback für seine Bilder zu bekommen und man wird immer wieder angespornt sich beim Fotografieren weiter zu entwickeln.

Diese Orte empfiehlt Sandro Deus in der Ausstellung “Versteckte Orte”:

Priesterhäuser Zwickau
Schloss Moritzburg
Frauenkirche Dresden
Bergkirche Beucha
Südfriedhof Leipzig
Schloss Tannenfeld
Burg Posterstein

Foto: Sandro Deus

Der Ausstellung “Versteckte Orte” kann man eigene Fotos hinzufügen. Geteilt werden große Schlösser und kleinere Geheimtipps – inzwischen aus ganz Europa. Mitmachen kann jeder mit Instagram-Profil. Hier kann man sehen, was bisher geteilt wurde.
Am 12. Mai 2019 besteht noch einmal die Möglichkeit, die ausstellenden Instagramer persönlich kennenzulernen und miteinander ins Gespräch zu kommen. Zur “Abschluss-Safari” ab 16 Uhr lassen wir die Ausstellung noch einmal Revue passieren.

Die Ausstellung “Versteckte Orte”: Cindy Hiller im Portrait

Schloss Wölkau – fotografiert von Cindy Hiller @unterwegsimhinterland

Die interaktive Ausstellung “Versteckte Orte: Instagramer auf #Schlössersafari in Mitteldeutschland” verbindet digital und analog. 49 Fotos von Schlössern und Burgen in Sachsen, Thüringen und Brandenburg, die auf Instagram veröffentlicht wurden, sind bis 12. Mai 2019 als klassische Fotodrucke im Museum zu sehen – versehen mit Bildbeschreibung, Hashtags und Accountnamen der Fotografen. Gleichzeitig gibt es für alle die Möglichkeit, über den Hashtag #Schlössersafari eigene Bilder zu ergänzen. Schon über 1700 Bilder sind inzwischen geteilt worden. In der Ausstellung und hier im Blog stellen wir die sieben ausstellenden Instagramer und ihre Bilder und Beweggründe vor. Mit dabei sind Cindy Hiller (auf Instagram zu finden unter @chillerunterwegs), Sandro Deus (@fineartinsilver), Frank Burchert (@franksfotografie), Simone Stahn (@silentfotografie_simone), Romy (@sosfernweh), Patrick Weidenmueller (@vogtland_prinz) und Manja Reinhardt (@vogtlandzauber). In diesem Portrait steht Cindy Hiller aus Leipzig im Mittelpunkt. Auf Instagram findet man sie unter @chillerunterwegs . Hier geht es zu ihrem Blog.

Dies ist Teil 4 unserer neuen Blogpost-Reihe. Hier geht’s zum Überblick (Teil 1).

Das Profilbild von Cindy Hiller

Cindy Hiller ist in ihrer Freizeit gern “unterwegs im Hinterland”, wie schon ihr Account-Name und der Titel ihres Blogs verraten. Die Historikerin interessiert sich besonders für die Geschichte von Herrenhäusern, Rittergütern, Kirchen und Schlössern, auch jenen, die nicht öffentlich zugänglich sind. Ihre Entdeckungen teilt sie mit einer wachsenden Follower-Zahl im Internet.

Hier im Interview erzählt sie von ihrem Hobby.

Warum fotografierst du?

Ich fotografiere, um die Orte, die ich besuche, mit all ihren sehenswürdigen Details für meinen Blog „Unterwegs im Hinterland“ zu dokumentieren.

Wie fotografierst du?

Für einen Blogger/Instagramer ist meine Fotoausrüstung wohl eher unspektakulär. Ich mache meine Fotos entweder mit meinem Smartphone oder mit meiner kleinen Nikon Coolpix S3000, die bequem und ohne Schnickschnack in meine Handtasche passt.

Welche Motive interessieren dich?

In erster Linie fotografiere ich Bau- und Kunstdenkmäler oder interessante Museumsobjekte. Aber wenn ich an einem Ort unterwegs bin, fotografiere ich einfach alles, was mir gefällt. Außer Menschen. Die versuche ich auf meinen Fotos zu vermeiden.

Warum teilst du deine Bilder auf Instagram?

Ich habe gemerkt, wie viele Orte in der Provinz schön und unentdeckt vor sich hinschlummern. Diese Entdeckungen wollte ich teilen. Instagram schien bzw. scheint mir immer noch die beste Plattform dafür zu sein. Irgendwann haben mir die kleinen Bildchen aber nicht mehr gereicht und ich habe angefangen zu bloggen.

Von Cindy Hiller sind 7 Bilder in der Ausstellung “Versteckte Orte: Instagramer auf #Schlössersafari in Mitteldeutschland” im Museum Burg Posterstein zu sehen.

Welches ist dein interessantestes Instagram-Erlebnis?

So ein explizites Erlebnis fällt mir nicht ein. Was ich gemerkt habe, ist, wie unterschiedlich die Wahrnehmung manchmal ist. Oft lösen Fotos, bei denen ich mir gar nicht so richtig viel Mühe gegeben habe, die meisten Interaktionen (Kommentare, Likes etc.) aus. Gerade bei Bildern von verfallenen Gebäuden ist das so. Ich kann mir nicht erklären, warum. Vielleicht zerstört es ein bisschen die heile Instagram-Welt, die gefühlt nur aus „jung und schön“ besteht, und mein Feed bietet eben auch „alt und welk“ an.

Welchen Einfluss hat Instagram auf dich und deine Bilder?

Wenn ich unterwegs bin, kommt es schon vor, dass ich etwas fotografiere und sofort denke: „Das ist perfekt für Instagram.“ Das ist natürlich schon etwas gaga. Aber ich mache auch noch genug Bilder, die richtig schrecklich sind und bei denen ich mich zu Hause frage, was ich mir dabei gedacht habe.

Gemeinsam auf Instawalk am 13. April 2019 in Posterstein und Tannenfeld. Foto: Bernd Nienhold / @b_und_p_europareisen

Diese Schlösser empfiehlt Cindy Hiller in der Ausstellung “Versteckte Orte”:

Herrenhaus Altenhain
Barockschloss Delitzsch
Gutshofanlage Markkleeberg-Gaschwitz
Schloss Neschwitz
Schloss Püchau
Schloss Seifersdorf
Schloss Schönwölkau

Die Möglichkeit, der Ausstellung “Versteckte Orte” eigene Fotos hinzuzufügen, wurde inzwischen über 1700 Mal genutzt. Geteilt werden große Schlösser und kleinere Geheimtipps – inzwischen aus ganz Europa. Mitmachen kann jeder mit Instagram-Profil. Hier kann man sehen, was bisher geteilt wurde.
Am 12. Mai 2019 besteht noch einmal die Möglichkeit, die ausstellenden Instagramer persönlich kennenzulernen und miteinander ins Gespräch zu kommen. Zur “Abschluss-Safari” ab 16 Uhr lassen wir die Ausstellung noch einmal Revue passieren.

Europa bedeutet noch immer eine große Chance – Auswertung #SalonEuropa 3: Die Video-Beiträge

Auf die Frage „Was bedeutet Europa für mich…?“ bekamen wir in der Ausstellung #SalonEuropa vor Ort und digital über 200 Meinungen aus fünfzehn Ländern in Form von schriftlichen Kommentaren, Blogposts, Fotos, Video- und Audio-Statements, als Kunstwerk und natürlich auch im persönlichen Gespräch vor Ort. In mehreren Teilen fassen wir den Diskurs zusammen: (1) Die Zusammenfassung der Gespräche am Salonabend, (2) der Kommentare, (3) der Video-Interviews, (4) der Blogparade und (5) ein kurzes Gesamtfazit.

Hintergrund: Die Ausstellung #SalonEuropa

Das Museum Burg Posterstein möchte wissen: Was bedeutet Europa für Sie?

Das Museum Burg Posterstein betrat mit der Ausstellung #SalonEuropa vor Ort und digital im Herbst 2018 museales Neuland. Denn im Zentrum der Ausstellung standen nicht wie sonst Exponate und historische Informationen, sondern vor allem Meinungen ganz normaler Bürger Europas. Wir fragten „Was bedeutet Europa für dich?“ und brachten den aktuell fragilen Zustand Europas in Verbindung mit der Zeit zwischen Französischer Revolution und des Wiener Kongress, als sich Europa ebenfalls im Umbruch befand. Damals wurden in den Salons der adligen und bürgerlichen Damen gesellschaftliche Fragen diskutiert und Entscheidungen auf den Weg gebracht. Die Ausstellung experimentierte damit, ob und wie ein solcher Salon – offen, die eigene Filterblase sprengend – heute aussehen könnte.

Der #SalonEuropa war ein Versuch, Bürgern vor Ort und im Digitalen die Möglichkeit zu geben, ihre Gedanken zu Europa zu äußern und darüber ins Gespräch zu kommen. Dazu gab es einmal die dynamische, mitwachsende Ausstellung selbst, in der bereits zu Beginn über hundert Meinungen zu Wort kamen. Darüber hinaus gab es die Projektwebseite, die Blogparade, die Diskussionen im Social Web und drei Veranstaltungen vor Ort.

Die Video-Interviews zum Thema "Europa bedeutetn für mich...?" waren in der Ausstellung und online zu sehen.
Die Video-Interviews zum Thema “Europa bedeutetn für mich…?” waren in der Ausstellung und online zu sehen.

Die Video-Interviews zu #SalonEuropa

Die Videos zur Ausstellung entstanden bereits im Vorfeld der Ausstellung. Der Altenburger TV-Journalist Gunter Auer und der Geraer Mediengestalter Nils Lauterbach übernahmen die Aufgabe, die Frage „Was bedeutet Europa für dich?“ möglichst unterschiedlichen Menschen zu stellen.

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Gunter Auer interviewte Bürger und Politiker auf der Straße, bei einer Sportveranstaltung, bei einem Treffen einer Städtepartnerschaft Schmölln-Dobele (Lettland), im Künstleratelier oder zu Ausstellungseröffnungen. Er versuchte in Bezug auf Alter, Beruf und Herkunft ein möglichst breites Spektrum an Menschen zu befragen. Die Videos wurden ungeschnitten gezeigt.

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Während Gunter Auer die Menschen spontan ansprach, bat Niels Lauterbach per Zeitungsaufruf und persönliche Ansprache ins Studio. Durch diese Herangehensweise erreichte er verstärkt Personen, die sich gern äußern wollten. Es entstand ein Film, in dem die Interviews vor gleichem Hintergrund ineinander übergehen.

Insgesamt  erhielten wir Statements unterschiedlicher Länge von 25 Personen – teilweise namentlich, teilweise anonym –, die auf dem Monitor in der Ausstellung und auf der Projektwebsite #SalonEuropa zu sehen waren bzw. noch sind. Die Interviewten leben in der Region Gera und Altenburg oder waren zum Interviewzeitpunkt hier zu Gast. Sie stammen aus Deutschland, Belgien, England, Kanada, Syrien, Türkei, Lettland und dem Kaukasus. Unter den Interviewten sind Politiker, Unternehmer oder Künstler, aber auch ganz normale Bürger verschiedener Altersgruppen.

Betrachtet man die Inhalte, fallen folgende Schwerpunkte ins Auge:

In den allermeisten Video-Interviews herrschte eine positive Grundstimmung Europa gegenüber, Probleme und aktuelle Herausforderungen kamen aber in jedem zweiten Interview zur Sprache. Darüber hinaus ging es um Frieden/Sicherheit, Freiheit, Reisen und offene Grenzen, die Gemeinschaft, den Euro, den Kulturaustausch, die Wirtschaftsunion und gemeinsame Identität. Im Vergleich zu den schriftlich geäußerten Kommentaren, standen demnach die ganz praktischen Kontaktpunkte der Menschen mit “Europa“, die gemeinsame Wirtschafts- und Finanzunion und die daraus entstehenden Vorteile deutlicher im Fokus als in den übrigen Meinungsäußerungen zu #SalonEuropa.

„Ich könnte mir gar nicht vorstellen, dass es anders wäre“

Vielfach kamen die Vorteile der Freizügigkeit und Reisefreiheit zur Sprache. Die Schülerin Sarah Discher brachte zum Ausdruck, was auch bei den anderen jungen Interviewten mitschwang: „Ich bin im vereinten Europa groß geworden und könnte mir gar nicht vorstellen, dass es anders wäre.“

Jan Godts, in Deutschland lebender belgischer Architekt, lobte beispielsweise, dass die Identität der einzelnen Staaten gewahrt bleibe, obwohl Europa wie ein großes Land geworden sei. Ingolf Herold hob die Rolle Europas zur Friedenssicherung hervor und erklärte, warum er trotzdem der Meinung sei, die europäischen Länder sollten ihre Eigenständigkeit stärker bewahren. Gunārs Kurlovics aus Lettland hob die Vorteile der EU hervor und betonte gleichzeitig „es gibt Probleme in EU, die wir gemeinsam lösen müssen“.

Blick in die Ausstellung #SalonEuropa vor Ort und digital von 23. September bis 18. November 2018 im Museum Burg Posterstein.
Blick in die Ausstellung #SalonEuropa vor Ort und digital von 23. September bis 18. November 2018 im Museum Burg Posterstein.

Der Geraer Fotograf Frank Rüdiger gab zu bedenken: „Europa bedeutet für mich noch immer eine große Chance und noch immer eine große Herausforderung.“ Er hob hervor, dass es Probleme gibt, die angegangen werden müssen, hat die Hoffnung auf die Umsetzung der ursprünglichen europäischen Idee aber nicht aufgegeben.

Europa ist weder schwarz noch weiß

Als ein Fazit für die Video-Statements kann zunächst festgehalten werden, dass nicht jeder bereit ist, seine Meinung über Europa öffentlich und namentlich in eine Kamera zu sagen. Im Vergleich zu den schriftlich eingegangenen Kommentaren und den Themen der Blogparade #SalonEuropa kamen viel häufiger auch die aktuellen Probleme Europas zur Sprache – nicht ohne die Vorteile der europäischen Gemeinschaft hervorzuheben. Während in den schriftlich geäußerten Gedanken Europa nicht zwangsläufig mit EU gleichgesetzt wurde, schwang in den Interviews eher mit, dass Europa sehr häufig mit EU und europäischer Gemeinschaft verbunden wird. Deutlich wurde, dass viele der Interviewten die Meinung vertreten, dass Probleme in Europa dringend angesprochen und Lösungen gefunden werden müssten. Wir sind der Meinung, dass Formate wie #SalonEuropa dazu einen Anstoß geben und einen Beitrag leisten können.

Unser Dank gilt den Interviewpartnern, die den Mut hatten, sich öffentlich zu äußern.

Alle Videos kann man auf YouTube ansehen:

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Zusammengefasst von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein