Bildung und Vermittlung – online und analog

Kulturvermittelung muss nicht nur vor Ort im Museum stattfinden - die Website ist eine wichtige Basis für weitergehende Informationen.
Kulturvermittelung muss nicht nur vor Ort im Museum stattfinden – die Website ist eine wichtige Basis für weitergehende Informationen.

Spezialführungen für Blogger und Social Media-Influencer, digitale Ausstellungen auf GoogleArts Project und Kuratoren, die sich den Fragen ihres Publikums im Facebook-Livestream stellen. Das ist nur eine kleine Auswahl von neuen Ideen, wie man Kulturvermittlung mit Hilfe des Internets weiterdenken kann. Die aktuelle Diskussion über die Rolle digitaler Konzepte für Museen, die nicht nur, aber vor allem im Internet stattfindet, ist äußerst spannend. Zeigt sie doch gerade, wie wichtig es für Museen ist, sich zu vernetzen und auszutauschen und vor allem, dass Online-Marketing ein wichtiger Bestandteil der täglichen musealen Arbeit sein muss (sollte).

Digitale Trends kommen und gehen, man muss nicht alles ausprobieren und mitmachen, aber das Internet wird uns auch zukünftig erhalten bleiben und Museen sollten dort nicht unsichtbar sein. Das Museum Burg Posterstein möchte seit seiner ersten Website 2000 versuchen, mit dem digitalen Wandel zu gehen und seinen Besuchern auch online eine Plattform zur Wissensvermittlung zu bieten und ein Ansprechpartner auf Augenhöhe zu sein.

Grundlage aller Museumsarbeit sind die klassischen Museumsaufgaben

Kulturmarketing im Museum braucht eine konkrete Zielstellung, beispielsweise eine bestimmte Zielgruppe, Region, Tageszeit für den Museumsbesuch, die verstärkt ins Zentrum gerückt werden soll. Um diese Zielstellung zu definieren, benötigt man wiederum die Auswertung verschiedener Daten, wie beispielsweise Interessenlage sowie Erwartungshaltung der Besucher, Herkunft, Alters- oder Berufsgruppen und ähnliches. Auch das infrastrukturelle Umfeld des Museums, wie Gastronomie, Verkehrsdichte und sonstige kulturelle Angebote, sollte mit einbezogen werden. Besucherbefragungen sind dabei ein wichtiges Werkzeug.

Die folgenden kurzen Stichpunkte sollen das Marketingkonzept des Museums Burg Posterstein umreißen:

Wir verstehen das Museum und die Burg Posterstein als Marke, die alle Bereiche der Museumsarbeit umfasst. Die Museumskonzeption beinhaltet im Wesentlichen die Sammlungs-, Forschungs- und Ausstellungsstrategie, das Finanz- und Personalkonzept sowie die Öffentlichkeitsarbeit.

Das Sammlungs- und Ausstellungskonzept: Die Burg ist das wichtigste Ausstellungsstück

Das Sammlungs- und Ausstellungskonzept des Museums sind so abgestimmt, dass sie das Gesamtkonzept des Museums ausmachen. Ziel der ständigen Ausstellung ist die Einheit von historischem Raum und ausgestelltem Gegenstand. Dies bedeutet, dass innerhalb einer Interieurausstellung die Aufbereitung und Präsentation regionaler Geschichte in ausgewählten Aspekten erfolgt. Die Burg bleibt das erste und wichtigste „Ausstellungsstück“, dem sich alles unterzuordnen hat.

Der historische Gerichtsraum der Burg Posterstein.
Der historische Gerichtsraum der Burg Posterstein.

Die Sonderausstellungen bieten sowohl Künstlern als auch dem Museum mit seinen verschiedenen Sammlungen Möglichkeiten der Präsentation. Daraus abgeleitet ergeben sich drei Schwerpunkte: Das Baudenkmal Burg, die Kulturgeschichte des Altenburger Landes und die europäische Salongeschichte mit dem Musenhof der Herzogin von Kurland auf Schloss Löbichau. Letztere Thematik ist seit über 20 Jahren Forschungsschwerpunkt, weil die Region durch diesen Musenhof zwischen 1795 und 1821 über 25 Jahre in der Weltgeschichte wahrgenommen wurde.

Die Bildungs- und Vermittlungsangebote: Vor Ort und im WWW

Die Bildungs- und Vermittlungsangebote des Museums sind aufeinander abgestimmt und miteinander verzahnt, sie ergeben einen Querschnitt der gesamten Museumsarbeit. In dieser ganzheitlichen Strategie haben Standardformate wie Ausstellung, Vortrag und Führung, Katalog, Flyer und Plakat den gleichen Stellenwert wie Webseite, Blog, Videokanal und Social-Media-Auftritte, wobei natürlich die jeweilige Ausstellung die Voraussetzung dafür ist. Die Angebote richten sich gleichermaßen an Besucher vor Ort, einheimische Gäste wie Touristen, und digitale Besucher, die sich über die verfügbaren Onlineinformationen weiterbilden. Die jährlich rund 156.000 Website-Besucher und rund 22.000 Blogleser werden zu den Besuchern gezählt.

Das Vermittlungs- und Ausstellungskonzept des Museums zielt digital und vor Ort darauf ab, durch unterschiedliche Strategien eine möglichst breite Besuchergruppe anzusprechen. Das beinhaltet, dass Ausstellungstafeln Informationen sowohl als Kurztext, als auch als längere Textfassung und als englische Zusammenfassung enthalten. In einem Touchscreen können die Forschungsergebnisse zum Musenhof Löbichau sortiert nach Personen, Orten und Zeitereignissen abgerufen werden. Darüber hinaus gibt es – zusätzlich zu museumspädagogischen Angeboten für Schulklassen und angemeldete Kindergruppen – besondere Ausstellungsstationen für Kinder, die altersgerecht aufbereitet sind. Es gibt mehrere Hör- und Filmstationen in der Ausstellung. Sowohl für Kinder als auch für Erwachsene wird versucht, Ausstellungsthemen durch Storytelling besonders leicht zugänglich zu machen.

Kurze Texte auf den Schilden schwarzer Ritter geben kindgerechte Erklärungen.
Kurze Texte auf den Schilden schwarzer Ritter geben im Museum Burg Posterstein kindgerechte Erklärungen.

Der Ansatz, Inhalte anschaulich in Form einer Geschichte zu erzählen, soll von allen Mitarbeitern fest in den Museumsalltag integriert werden. Es wird eine Interaktion mit dem Besucher angestrebt und auf spielerische Wissensvermittlung gesetzt, sowohl online als auch offline. In Kommentaren im Blog und in den sozialen Netzwerken besteht für Besucher und Interessierte die direkte Möglichkeit, Fragen zu stellen und Themen anzusprechen. Die Mitarbeiter des Museums haben die Nutzung der verschiedenen Plattformen in ihren Arbeitsalltag fest integriert und bemühen sich um eine schnellstmögliche Antwort, sodass es zu einem Austausch statt nur zu einseitiger Information kommen kann. Auch über den Kontakt zu Besuchern und Kulturinteressierten kommt es zu ungeplantem Mehrwert für die Museumsarbeit, wenn beispielsweise Exponate als Leihgabe oder zum Kauf angeboten oder Hinweise zu historischen Recherchen und ähnlichem gegeben werden.

Bildung und Vermittlung auch im WWW

Wir sind der Meinung, dass unser Bildungsauftrag nicht auf der Burgbrücke endet, sondern auch im virtuellen Raum weiter besteht. Die Website und der Blog sind der ideale Ort für Forschungsergebnisse, die teilweise in der Dauerausstellung gar keinen Platz finden können. Statt für unabsehbare Zeit in den Archiven zu verschwinden, stehen sie so dauerhaft zur Verfügung und können über Suchmaschinen von einem interessierten Publikum aus aller Welt gefunden werden. Auch Wissenschaftler und Heimatforscher profitieren von der so garantierten Verfügbarkeit von Forschungsergebnissen.

Alle Aktivitäten des Museums werden unter Verwendung von #Hashtags (Schlagwörtern) online (und klassisch entsprechend aufbereitet) veröffentlicht, um dem Online-Nutzer/Besucher einen Wiedererkennwert und die bessere Möglichkeit zur Suche zu bieten. Beispiele aus dem Jahr 2016b sind dafür: #MascherMarchen – Gaming: analog & digial (Sonderausstellung mit eigenem Memo-Spiel), #Ernestiner2016: Landesausstellung und Begleitausstellungen online vernetzt. Darüber hinaus greifen wir die Mottos des Museumstags auf (z.B. #IMT16 #PaintMuseum) und andere große digitale Events der Kulturbranche, wie #MuseumWeek (das hieß auf Burg Posterstein: 7 Tage, 7 Blogposts) und #AskACurator-Tag auf Twitter.

Die Marketingstrategie: Bewusst Raum für Experimente

Die Marketingstrategie des Museums Burg Posterstein umfasst die ganze Bandbreite der Vermarktungskanäle. Sie lässt aber bewusst Raum für Experimente. Wir sind offen für Neues. Nicht alle uns durch neue Ansätze entstehenden Vorteile müssen jederzeit statistisch und finanziell messbar sein. Durch unser Engagement in sozialen Medien kommt es immer wieder zu ungeplanten, positiven Nebeneffekten für unsere museale Arbeit. Beispielsweise nehmen hier Kooperationen mit anderen Museen ihren Ausgangspunkt, werden Kontakte zu Politikern und Journalisten geknüpft oder interessierte Besucher aus dem europäischen Ausland halten auf internationalen Konferenzen Vorträge zur Arbeit unseres Museums. So etwas kann man nicht planen, aber es stärkt die Marke „Burg Posterstein” langfristig ungemein.

Der Zeichenkurs mit dem Künstler Tilman Kuhrt verband die Sonderausstellung zum Bauernmaler Friedrich Mascher mit dem Motto des Museumstags 2016 #PaintMuseum.
Der Zeichenkurs mit dem Künstler Tilman Kuhrt verband die Sonderausstellung zum Bauernmaler Friedrich Mascher mit dem Motto des Museumstags 2016 #PaintMuseum.

Die Marketingarbeit des Museums Burg Posterstein schaut bewusst über den Tellerrand und nimmt die ganze Region, das Bundesland Thüringen und ganz Deutschland in den Blick. Jährlich besuchen rund 20 000 Menschen die Burg Posterstein, bei vielleicht 30 000 Gesamtbesuchern im Ort. Genaue Zahlen zu den Besuchern offline und digital gibt es hier.

Die Öffentlichkeitsarbeit des Museums richtet sich auch deshalb nicht nur an traditionelle Medien und Anzeigenpartner, sondern auch an kulturell interessierte Blogger und Social Media-Influencer sowie potentielle Besucher direkt. Für klassische Werbung, wie Plakate, Flyer oder Werbeanzeigen werden etwa 3,5 Prozent des Finanzbudgets aufgewendet.

An deutschlandweiten Social Media-Aktionen wie zum Internationalen Museumstag, dem Ask A Curator-Tag und ähnlichen Aktionen wird sich aktiv beteiligt. Das Museum ist derzeit als eines von 96 deutschen und zwei thüringischen Museen mit einem eigenen Blog vertreten. Per Gastblogposts und durch die Teilnahme an Bloggerevents kooperieren wir mit anderen Kultur- und Museumsbloggern. Das Museum bindet seinen Videokanal bei Vimeo auf der Website ein und verfügt über Auftritte bei Twitter, Facebook und Instagram.

Jedes Medium erfordert eigene Inhalte und Ansprache

Dabei nutzt das Museum die unterschiedlichen Plattformen auf verschiedene Weise, bereitet Inhalte jeweils anders auf. Auf Instagram dominieren mit Kurzinfos versehene Bilder und es werden beliebte, wiederkehrende Hashtags (wie #LampenMittwoch und #TreppenhausFreitag) aufgegriffen. Im Netzwerk Twitter teilt das Museum nicht nur eigene Inhalte, sondern breite Kulturnachrichten mit einem Fokus auf „Museum allgemein“ und digitale Entwicklungen im Museumsbereich. Twitter dient dem Museum auf diese Art vor allem, um Netzwerke mit Kulturschaffenden, anderen Institutionen, Politikern und Medien zu knüpfen. Wir wollen bewusst mit anderen Akteuren im Kulturbereich in Kontakt treten, Anregungen erhalten, Erfahrungen teilen und Vernetzung erzeugen. Unsere Facebook-Seite wiederum richtet sich an potentielle Besucher im Alter zwischen 30 und 50 Jahren, die den Kanal als Informationsquelle über das Museum nutzen. Neue Entwicklungen, wie beispielsweise Snapchat, WhatsApp und Google Art Project, werden verfolgt und in Erwägung gezogen, wenn sie sinnvoll und machbar erscheinen.

Hinsichtlich der Marketing- und Kommunikationsarbeit setzt das Museum auf Konsequenz, Nachhaltigkeit und Kontinuität, indem eine Art „Corporate Identity”, ein wiedererkennbarer Stil, über Jahrzehnte gehalten, dabei aber kontinuierlich moderisiert wird.

Von Klaus Hofmann

Der Beitrag basiert auf einem Vortrag, gehalten am 17. Juni 2016 in der Gedenkstätte Buchenwald, anlässlich der gemeinsamen Tagung der Vorstände des Hessischen und Thüringer Museumsverbandes und erschien in ausführlicher Fassung in Thüringer Museumshefte (2/2016) des Museumsverbands Thüringen.

Im Jahr 2016 Besucher aus allen Bundesländern – Museum Burg Posterstein zieht Bilanz

Winterliche Burg Posterstein
Winterliche Burg Posterstein

Auch 2016 kamen wieder über 20.000 Besucher ins Museum Burg Posterstein. Allein in der Weihnachtswoche sahen rund 600 Besucher die Krippenausstellung “Weihnachten mit Aschenputtel – Böhmische Weihnachtskrippen”. Anlass, um Bilanz zu ziehen.

Seit Mitte Juli läuft eine Besucherbefragung im Museum, die zeigt, dass die Hälfte der Gäste aus Thüringen und rund 30 Prozent aus Sachsen kamen. Die zehn häufigsten Herkunftsorte waren Gera, Altenburg, Leipzig, Berlin, Jena, Zwickau, Chemnitz, Crimmitschau, Erfurt und Ronneburg. Vier Prozent der Besucher stammten aus Sachsen-Anhalt und jeweils drei Prozent aus Berlin, Brandenburg, Baden-Württemberg und aus dem Ausland. Die drei Prozent internationalen Gäste reisten aus 23 Ländern an, wobei über die Hälfte davon aus Holland, den USA, Peru, der Schweiz, Norwegen, Österreich und Frankreich kamen.

Starker Besucheranstieg in der digitalen Welt

Ausstellung - offline und digital im Museum Burg Posterstein
Ausstellung – offline und digital im Museum Burg Posterstein

Das Museum Burg Posterstein begleitet seine Ausstellungen immer mit zusätzlichen Informationen und Inhalten im Internet. Auf Website, Blog und den Social Media-Kanälen des Museums können Interessierte tiefer in geschichtliche und kulturelle Themen eintauchen. Ausstellungen werden spielerisch begleitet, Besucherbeteiligung und Fragen sind immer willkommen. Themen, die vor Ort keinen Platz finden, können online langfristig für die Öffentlichkeit zugängig gemacht werden.

In der digitalen Welt verzeichnet die Burg Posterstein deutlich steigende Besucherzahlen. Die Website des Museums wurde 2016 rund 156.000 Mal angesteuert (Visits). Der Blog des Museums erhielt rund 22.000 Aufrufe, das sind rund 23 Prozent mehr als im Vorjahr. Das Gros der Blogleser kam aus Deutschland, gefolgt von den USA, Österreich, Schweiz und Frankreich. Die beliebtesten Beiträge tragen Titel wie “Wie still war das Örtchen von Ritter Kunibert?”, “Ein spektakulärer Fund – aus dem Jahr 1730” oder “Museum kommuniziert – wie, wo und wohin?“.

Auch in den sozialen Medien folgen immer mehr Menschen aus aller Welt dem Museum Burg Posterstein. Inzwischen haben sich dauerhafte Bekanntschaften entwickelt, die teilweise auch “offline” weitergeführt werden. Dem Facebook-Auftritt des Museums folgen derzeit rund 780 Menschen, das ist ein Anstieg von 20 Prozent gegenüber 2015. Dem Twitter-Profil folgen über 2000 Nutzer, was einer Steigerung von 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Seit einem dreiviertel Jahr nutzt das Museum auch den Bilder-Blog-Dienst Instagram, wo es derzeit rund 360 Abonnenten hat.

Die geplante Sonderausstellung für Familien beginnt im Blog

2017 erstmals eine Ausstellung gezielt für ein junges Publikum und Familiren: Die Kinderburg auf Burg Posterstein
2017 erstmals eine Ausstellung gezielt für ein junges Publikum und Familiren: Die Kinderburg auf Burg Posterstein
Die für 1. Oktober 2017 geplante Ausstellung für ein junges Publikum “Die Kinderburg – Auf den Spuren von Rittern und Salondamen” beginnt demnächst bereits im Blog. Im Museum, per Brief, E-Mail, Facebook, Twitter und Instagram lädt das Museum Jung und Alt dazu ein, Fragen zum Ausstellungsthema zu stellen. Die Antwort senden die Mitarbeiter des Museums dem Fragesteller zu und teilen sie darüber hinaus auf dem Blog in einer neuen Blogserie “Die Kinderburg”.

Sonderschau lockte über 6000 Besucher und Ahnenforscher aus der ganzen Welt

Die Besucher der Sonderausstellung über Hans Wilhelm von Thümmel kamen größtenteils aus Thüringen und Sachsen.
Die Besucher der Sonderausstellung über Hans Wilhelm von Thümmel kamen größtenteils aus Thüringen und Sachsen.

Insgesamt sahen weit über 6000 Besucher die Sonderausstellung “Im Dienste der Ernestiner: Hans Wilhelm von Thümmels Aufstieg vom Pagen zum Minister“ im Museum Burg Posterstein, die am Montag mit einem gut besuchten Vortrag zu Ende ging. „Baumforscher“ Dr. Matthias Schütze analysierte darin das Alter der 1000-jährigen Eiche in Nöbdenitz, der Grabeiche Hans Wilhelm von Thümmels.

Nachfahren Thümmels aus ganz Deutschland kamen nach Posterstein

Die Postersteiner Sonderausstellung war nicht nur die vermutlich erste, die sich allein dem für das Herzogtum Sachsen-Gotha-Altenburg bedeutenden Minister Hans Wilhelm von Thümmel (1744–1824) widmete. Sie lehnte sich auch als Begleitausstellung an die große Thüringer Landesausstellung „Die Ernestiner – Eine Dynastie prägt Europa“ in Weimar und Gotha an. Nach Posterstein kamen weit über 6000 Besucher, drei Viertel davon aus Thüringen und Sachsen. Insgesamt reisten die Gäste aus 15 verschiedenen Ländern an.

Für die Sonderschau konnten selten gezeigte Leihgaben wie Thümmels Pariser Tagebuch aus dem Staatsarchiv Gotha und die Grassi-Portraits des Ehepaars Thümmels geliehen werden.
Für die Sonderschau konnten selten gezeigte Leihgaben wie Thümmels Pariser Tagebuch aus dem Staatsarchiv Gotha und die Grassi-Portraits des Ehepaars Thümmels geliehen werden.

Die Ausstellung besuchten auch mehrere Forscher und Nachfahren Thümmels aus verschiedenen Regionen Deutschlands. Ein weiterer Verwandter des umtriebigen Staatsmannes Thümmel will Mitte November aus den USA anreisen. Der Architekt Hans Thummel aus Chicago ist per E-Mail mit dem Museum Burg Posterstein in Kontakt getreten und will sich unter anderem in Leipzig, Altenburg, Nöbdenitz und Posterstein auf die Spuren seines Vorfahren machen.

Hans Wilhelm von Thümmel stieg am Hof der Ernestiner Herzöge in Gotha vom Pagen zum Minister auf. In Altenburg brachte er viele wichtige Projekte voran, darunter die Vermessung und Kartierung des Altenburger Landesteils, den Straßenbau sowie den Bau eines modernen Krankenhauses und mehrerer Armenhäuser.

Nach der Ausstellung ist vor der Ausstellung

Derzeit wird im Museum Burg Posterstein die Sonderausstellung abgebaut und die zahlreichen Leihgaben – u.a. aus Gotha, Jena, Leipzig, Zeulenroda und Altenburg – wieder zurückgegeben. Die wertvollen neuen Informationen zur Person Hans Wilhelm von Thümmel werden langfristig einen prominenten Platz in der Dauerausstellung des Museums finden, die ständig überarbeitet wird. Das Buch zur Ausstellung ist weiterhin im Museum Burg Posterstein (auch telefonisch oder per E-Mail bestellbar) erhältlich. Derweil wird die nächste Sonderausstellung vorbereitet: Am ersten Advent eröffnete die familienfreundliche Weihnachtsausstellung „Weihnachten mit Aschenputtel – böhmische Weihnachtskrippen“.

Von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

Zum Weiterlesen über Hans Wilhelm von Thümmel:
Frag Thümmel! – Wir beantworten Fragen zur Ausstellung am #AskACurator-Tag
Hans Wilhelm von Thümmels Gesandtschaften: Paris
Mit Baron von Thümmel durch Nöbdenitz: Gut besuchte Wanderung des Museums Burg Posterstein
Fast so viele Holländer wie Nöbdenitzer besuchten bisher die Postersteiner Ernestiner-Ausstellung
Im Dienste der Ernestiner – Hans Wilhelm von Thümmels Aufstieg vom Pagen zum Minister
Die Weisheiten eines langjährigen Ernestiner Staatsmannes – als Glückskeks
Blogpost: Hans Wilhelm von Thümmel – der Mann unter der 1000-jährigen Eiche Die 1000-jährige Eiche in Nöbdenitz Weitere Infos zum Musenhof Löbichau

Frag Thümmel! – Wir beantworten Fragen zur Ausstellung am #AskACurator-Tag

Frag Thümmel: AskACurator 2016 im Museum Burg Posterstein
Frag Thümmel: AskACurator 2016 im Museum Burg Posterstein

Über 1300 Museen aus 53 Ländern stellen sich morgen zum “Ask A Curator-Day” (Frag einen Kurator-Tag) den Fragen interessierter Menschen aus aller Welt. Das Museum Burg Posterstein nimmt schon zum vierten Mal teil. Die Kuratoren der aktuellen Sonderausstellung “Im Dienste der Ernestiner: Hans Wilhelm von Thümmels Aufstieg vom Pagen zum Minister” stehen auf allen sozialen Kanälen des Museums – auf Twitter, Facebook und Instagram – und natürlich auch hier im Blog für Fragen bereit.

Warum eine Ausstellung über … Thümmel?

Alles darf gefragt werden, auch Fragen wie: Warum widmet das Museum Burg Posterstein gerade den Sachsen-Gotha-Altenburgischen Minister Thümmel eine Ausstellung? Wer entscheidet, wie die Ausstellung aufgebaut sein wird? Wer schreibt die Ausstellungstexte? Welche Ausstellungsstücke kannten die Museumsmitarbeiter vor Eröffnung der Ausstellung selber noch nicht? Und welches kam erst nach der Eröffnung noch dazu? Wie viele Besucher waren schon da und wie viele “Verwandte” des Ministers Thümmel besuchten schon die Postersteiner Sonderausstellung?

Wen die Antworten jetzt schon interessieren, den wollen wir nicht warten lassen:

Warum widmet das Museum Burg Posterstein gerade den Sachsen-Gotha-Altenburgischen Minister Thümmel eine Ausstellung?

Die Thüringer Landesausstellung “Die Ernestiner – Eine Dynastie prägt Europa” in Gotha und Weimar widmete sich den Ernestiner Herzögen. Das Museum Burg Posterstein liegt in Ostthüringen im Landkreis Altenburger Land und auch Altenburg war Residenz der Ernestiner Herzöge. Im Postersteiner Nachbarort Nöbdenitz besaß der Sachsen-Gotha-Atenburgische Minister Hans Wilhelm von Thümmel (1744-1824) ein Rittergut und wählte die 1000-jährige Eiche im Ort zu seiner Grabstätte. Von Nöbdenitz hatte er es nicht weit an den Musenhof der Herzogin Anna Dorothea von Kurland (1761-1821) in Löbichau, ein Forschungsschwerpunkt des Museums Burg Posterstein.

Wer entscheidet, wie die Ausstellung aufgebaut sein wird? Wer schreibt die Ausstellungstexte?

Im Fall der Thümmel-Ausstellung gab es ein Kuratorenteam, das den Aufbau der Ausstellung gemeinsam geplant hat. Der Vorteil eines kleinen Museums ist aber, dass alle gleichwertig ihre Meinung einbringen dürfen und dass auch spontane Änderungen und Umbauten noch möglich sind. Die Texte schreiben wir ebenfalls im Team.

Kam erst nach der Ausstellungseröffnung in eine Vitrine: Der Grundstein des Thümmelschen Palais in Altenburg.
Kam erst nach der Ausstellungseröffnung in eine Vitrine: Der Grundstein des Thümmelschen Palais in Altenburg.

Welche Ausstellungsstücke kannten die Museumsmitarbeiter vor Eröffnung der Ausstellung selber noch nicht? Und welches kam erst nach der Eröffnung noch dazu?
Hans Wilhelm von Thümmel wird bereits in der Dauerausstellung des Museums Burg Posterstein als herausragende Persönlichkeit der Region gewürdigt. Als wir begannen, uns noch intensiver als dem langjährigen Sachsen-Gotha-Altenburgischen Minister zu beschäftigten, tauchten auch noch uns bisher noch nicht bekannte Quellen und Bilder auf. Im Staatsarchiv Gotha schlummerte beispielsweise noch das Pariser Tagebuch Thümmels, das im Buch zur Ausstellung ausgewertet wird. In einer Privatsammlung gab es wunderschöne von Thümmel in Auftrag gegebene Nöbdenitz-Ansichten von Adrian Zingg, die Thümmels “Einsiedeley” in seinem englischen Garten und seine Grabeiche zeigen – letzteres der Herzogin von Kurland gewidmet. Als die Ausstellung schon eröffnet war, brachte uns der heutige Besitzer des Thümmelschen Palais in Altenburg einen Grundstein von 1789, den er bei der Restaurierung gefunden hatte. Auch der Grundstein ist nun in der Ausstellung zu sehen.

Wie viele Besucher waren schon da und wie viele “Verwandte” des Ministers Thümmel besuchten schon die Postersteiner Sonderausstellung?
Die Sonderausstellung sahen bisher rund 4000 Besucher aus ganz Deutschland. Sie läuft länger als die Thüringer Landesausstellung und ihre anderen Begleitausstellungen, nämlich noch bis 31. Oktober 2016. Bisher stellten sich an der Museumskasse schon vier Besucher als Verwandte oder Nachfahren Thümmels vor. Die Ausstellung als Anlass für ein Familientreffen?

Alle weiteren Fragen beantworten wir live!

Fast so viele Holländer wie Nöbdenitzer besuchten bisher die Postersteiner Ernestiner-Ausstellung

Die Postersteiner Begleitausstellung zur Thüringer Landesausstellung läuft noch bis 31. Oktober 2016.
Die Postersteiner Begleitausstellung zur Thüringer Landesausstellung läuft noch bis 31. Oktober 2016.

Seit drei Wochen läuft eine Besucherbefragung im Museum Burg Posterstein und in dieser Zeit sahen Gäste aus zehn verschiedenen Ländern die Burg und die aktuelle Sonderausstellung “Im Dienste der Ernestiner: Hans Wilhelm von Thümmels Aufstieg vom Pagen zum Minister”, die an die Thüringer Landesausstellung anknüpft. Die Landesausstellung läuft noch bis 28. August in Gotha und Weimar mit Begleitausstellungen in Altenburg, Saalfeld und Posterstein. Die Postersteiner Schau läuft noch bis 31. Oktober – über 2000 Besucher sahen sie bisher.

Das Gros der Besucher kam aus Mitteldeutschland – zwischen Erfurt, Leipzig, Zwickau und Hof. Die Geraer führen derzeit die Statistik mit über 80 Besuchern an, dicht gefolgt von den Altenburgern. Aber auch Touristen aus beispielsweise Berlin, Magdeburg, Dresden, Darmstadt und München sahen sich Burg und Ausstellungen an. Internationale Besucher reisten aus Holland, Dänemark, Schweden, Norwegen, England, Irland, den USA, Kanada und Guyana in Südamerika an. Die weiteste Strecke legten Touristen aus dem kanadischen Calgary zurück, was 7.604,13 Kilometer Luftlinie vom Postersteiner Burgturm entfernt liegt.

Die Herkunftsorte der Besucher spielen für die Öffentlichkeitsarbeit des Museums eine entscheidende Rolle. Sie sind aber auch eine nützliche Grundlage bei den derzeit laufenden Verhandlungen um eine mögliche Tourismusinformation Süd des Altenburger Landes im Museum Burg Posterstein, wie es das Projekt “Gemeinsam nicht einsam – Neues Leben auf dem Lande” des Fördervereins Burgberg Posterstein e.V. vorsieht. Dafür müsste der fehlende Nordflügel der Burg wiederaufgebaut und in diesem Zusammenhang könnte ein barrierefreier Zugang ins Museum geschaffen werden.

Plakat zur Sonderausstellung 2016
Plakat zur Sonderausstellung 2016
Ein Minister der Ernestiner in Altenburg und Nöbdenitz: Hans Wilhelm von Thümmel

Hans Wilhelm von Thümmel (1744–1824) stieg am Hof der Ernestiner Herzöge in Gotha zwischen 1760 und 1805 vom Pagen zum Minister auf. In seiner Funktion als Präsident der Altenburger Kammer und Vorsitzender des Obersteuerkollegiums brachte er viele wichtige Projekte voran, darunter die Vermessung und Kartierung des Altenburger Landesteils, den Bau eines modernen Krankenhauses und mehrerer Armenhäuser und den Ausbau der Straßen. Nach seinem Rücktritt aus den Staatsdiensten verbrachte er viel Zeit auf seinen Rittergütern in Nöbdenitz und Untschen und als Gast am Musenhof Löbichau.

Kommende Termine:

21. August, 10 Uhr, Nöbdenitz: Geführte Wanderung auf Thümmels Spuren

21. August, 14 Uhr, Burg Posterstein: Führung durch die Sonderausstellung

Preis für geführte Wanderung: 10 € für Erwachsene. Die Karte gilt auch für einen Museumsbesuch. Reservierungen werden unter (034496) 22595 bzw. museum@burg-posterstein.de entgegengenommen.

von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

 

Alle Infos zur Thüringer Landesausstellung 2016

24. April – 28. August 2016

„Die Ernestiner – eine Dynastie prägt Europa“
Neues Museum Weimar
Stadtschloss Weimar
Schloss Friedenstein Gotha
Herzogliches Museum Gotha
Zum Blog der Klassikstiftung Weimar

 

Begleitausstellungen:

24. April – 28. August 2016

»Ein ebenso schöner, wie geistreicher Mann…«
Bernhard August von Lindenau im Dienste der Wettiner
Lindenau-Museum Altenburg
www.lindenau-museum.de

 

23. April – 25. September 2016

»Von Saalfeld nach Windsor«
Johann Ernst, Herzog zu Sachsen-Saalfeld, und Europas Königshäuser
Stadtmuseum Saalfeld im Franziskanerkloster
Mehr im Blog: Von Saalfeld nach Windsor: Ernestiner-Begleitausstellungen im Portrait

 

26. Juni – 31. Oktober 2016

Im Dienste der Ernestiner: Hans Wilhelm von Thümmels Aufstieg vom Pagen zum Minister
Museum Burg Posterstein

Weitere Blogposts zu #Ernestiner2016

Exponate, die überzeugen: Museumsverein Burg Posterstein besucht Thüringer Landesausstellung

Erst zwei Woche ist es her, dass in Posterstein die Ausstellung über den Gotha-Altenburgischen Minister Hans Wilhelm von Thümmel (1744-1824) eröffnet wurde. Der erfolgreiche „Diener“ der Mächtigen spielte schließlich im 18. und 19. Jahrhundert eine wichtige Rolle bei der „Prägung Europas“, das die Thüringer Landesausstellung in den Mittelpunkt stellt. Einen Rückblick auf die Eröffnung in Posterstein gibt es hier:

Die Postersteiner Schau soll also eine Vertiefung dessen sein, was der Besucher im Kosmos Weimar und im Barockem Universum Gotha präsentiert bekommt.

So machten sich die Postersteiner Museumsfreunde auf den Weg nach Gotha, der einstigen Landeshauptstadt zur Zeit Hans Wilhelm von Thümmels. Sie begannen ihre Besichtigung im Herzoglichen Museum, also bei den Künsten. Der Ort ist hervorragend gewählt für die Abhandlung genau dieser Thematik, wie die exquisiten Exponate auch. Was fehlt, ist eine Einführung in die Gesamtkonzeption der Schau, offenbar rechneten die Ausstellungsmacher nicht mit dem Eigenwillen der Besucher, selbst auszuwählen, wo ihr Einstieg in die Landesausstellung stattfindet.

Über eigenwillige Besucher und Flure als Ausstellungsräume

Die Führung half da wenig, erschrocken verlor die Kollegin jedes Konzept, als ihr offenbar wurde, das da kundige Gäste vor ihr standen – schade!

Im Schloss selbst zeigte sich, dass Flure sich meistens nicht als Ausstellungsräume eignen.

Die ausgestellten Exponate allerdings überzeugten. Ein besonderes Objekt (passend zu unserer Thematik) war beispielsweise der Schlüssel eines Kammerherrn – Thümmel wurde 1776 Kammerrat an der Gothaer Kammer und im selben Jahr zum Kammerherrn ernannt – im Kontext einer witzigen Darstellung der „Pyramide des Gothaer Hofdienstes“ mittels Schachfiguren.

Schließlich hatte sich ja Thümmel hochgedient vom Pagen der Herzogin Luise Dorothea (1710–1767) zum Minister ihres Sohnes Ernst II. (1745–1804) und ihres Enkels August (1772–1822). Die Pagenstelle bekam Thümmel 1760 durch seinen Patenonkel, den Oberhofmarschall Hans Adam Friedrich von Studnitz (1711–1788). In seinen Werk Historische, statistische, geographische und topographische Beyträge  zur Kenntniß des Herzogthums Altenburg. Herausgegeben von Hans von Thümmel. Altenburg 1818“ widmete er unter anderem seiner Mentorin Luise Dorothea wie auch der Herzogin Anna Dorothea von Kurland ein längeres Porträt.

Einer der engsten Vertrauten des Herzogs

Unter Herzog Ernst II. wurde Thümmel 1791 Geheimer Rat und zählte zu den engsten Vertrauten des Herzogs. Thümmel sollte auch nach den Anweisungen im Testament des Herzogs dessen Begräbnis organisieren. 36 Stunden vor seinem Tod ließ Ernst II. seine „vertrautesten Freunde, einem nach dem andern an sein Bett kommen“, darunter auch Thümmel, der die Szene so beschrieb:

„Er drückte ihm zum letztenmale die Hand; und als die Thräne der innigsten Wehmuth auf die seinige fiel, sagte er [Ernst II.] unaussprechlich sanft: ‚Alter Freund, wir kennen uns schon lange; doch dieß ist wohl das erstemal, wo ich Ihnen wehe thue!‘ Und der Gott der Wahrheit sey Zeuge, daß in den 45 Jahren meines Lebens und Wehens um ihn es so war!“ (Thümmel, Beyträge, S. 93/94)

Später auf unserer Erkundungstour durch die Landesausstellung trafen wir auf Herzog Augusts Tochter Luise (1801–1831), die Stammmutter der Windsors. Thümmel war seit 1801 ihr Vormund. Er kümmerte sich bis zu ihrer Heirat mit dem Coburger Herzog Ernst 1817 um Finanzen und Erziehung. Luises Sohn Albert heiratete später Königin Victoria von Großbritannien. Nach der Scheidung wurde sie durch Bernhard August von Lindenau vertreten.

Schließlich erspähten wir sogar noch ganz am Rande Hans Wilhelm von Thümmel höchst selbst — als Büste von Friedrich Wilhelm Eugen Döll (1750–1816). Zwar konnte ihn niemand außer Fachbesucher wie wir erkennen, da die Beschriftung fehlte, genau wie bei Grassis Portrait von Lindenau — aber immerhin…

 

Die Begräbnisinsel im Park von Schloss Friedenstein.
Die Begräbnisinsel im Park von Schloss Friedenstein.

Der Gang durch den Schlosspark, vorbei an der Insel, auf der sich Ernst II. 1804, vereint mit der Natur bestatten ließ, rundete unseren Ausflug ab. Die Aussicht dereinst in den Wipfeln des Baumes dem Himmel entgegen zu sehen, ließ Thümmel sein Begräbnis in der 1000jährigen Eiche in Nöbdenitz lange vor seinem Tod vorbereiten. Vorbild war die Gothaer Begräbnisinsel.

von Marion Dinger / Museumsverein Burg Posterstein

 

Alle Infos zur Thüringer Landesausstellung 2016

24. April – 28. August 2016

„Die Ernestiner – eine Dynastie prägt Europa“
Neues Museum Weimar
Stadtschloss Weimar
Schloss Friedenstein Gotha
Herzogliches Museum Gotha
Zum Blog der Klassikstiftung Weimar

 

Begleitausstellungen:

24. April – 28. August 2016

»Ein ebenso schöner, wie geistreicher Mann…«
Bernhard August von Lindenau im Dienste der Wettiner
Lindenau-Museum Altenburg
www.lindenau-museum.de

 

23. April – 25. September 2016

»Von Saalfeld nach Windsor«
Johann Ernst, Herzog zu Sachsen-Saalfeld, und Europas Königshäuser
Stadtmuseum Saalfeld im Franziskanerkloster
Mehr im Blog: Von Saalfeld nach Windsor: Ernestiner-Begleitausstellungen im Portrait

 

26. Juni – 31. Oktober 2016

Im Dienste der Ernestiner: Hans Wilhelm von Thümmels Aufstieg vom Pagen zum Minister
Museum Burg Posterstein

Weitere Blogposts zu #Ernestiner2016

 

Im Dienste der Ernestiner – Hans Wilhelm von Thümmels Aufstieg vom Pagen zum Minister

Der Altenburger Minister Hans Wilhelm von Thümmel (nach Grassi).
Der Altenburger Minister Hans Wilhelm von Thümmel (nach Grassi).

Im Zusammenhang mit der Thüringer Landesausstellung „Die Ernestiner – eine Dynastie prägt Europa“ zeigt das Museum Burg Posterstein von 26. Juni bis 30. Oktober 2016 eine Sonderausstellung zum bedeutenden Gotha-Altenburgischen Minister Hans Wilhelm von Thümmel (1744–1824). Dem langjährigen Staatsdiener und Diplomaten des Herzogtums Sachsen-Gotha und Altenburg gehörte nicht nur das Rittergut im Postersteiner Nachbarort Nöbdenitz, sondern er zählte auch zu den regelmäßigen Gästen am Musenhof Löbichau der Herzogin von Kurland.

Für das Herzogtum Sachsen-Gotha und Altenburg leistete Hans Wilhelm von Thümmel Großes – zu seinen wichtigsten Verdiensten zählt sicherlich die Vermessung und Kartierung des Herzogtums. In der Sammlung des Museum Burg Postersteins befindet sich auch das von Thümmel in Auftrag gegebene Kartenwerk von 1813.

Thümmel als Dichter: Aphorismen

„Die Stärke des Neides ist gewöhnlich der richtige Maßstab für die Größe des Verdienstes“ (Aph. 57, 134), notierte einst Hans Wilhelm von Thümmel.

Thümmel, ein aufgeklärter und musischer Geist, veröffentlichte auch eigene Schriften. Darunter sind die 1821 und 1827 herausgegebenen „Aphorismen, aus den Erfahrungen eines SiebenundSiebzigjährigen“ sicherlich bemerkenswert und haben auch nach fast 200 Jahren nichts an Aktualität eingebüßt. Ursprünglich im Selbstverlag erschienen und vor allem an enge Freunde verschenkt, kann man den ersten Teil von 1821 inzwischen auch auf Google Books lesen.

Thümmels Aphorismen erschienen zunächst im Selbstverlag für Freunde.
Thümmels Aphorismen erschienen zunächst im Selbstverlag für Freunde.

„Nichts ist törichter als Religionszwist. Auf den Feldern steht Weizen, Korn, Gerste und gedeiht nebeneinander. Jedes einzeln verbacken gibt ein gesundes, zusammen verbacken ein weißes und schmackhaftes Brot. Warum nicht in Religionssachen die Meinungen einigen? Huldigung, Anbetung dem großen Verwalter der Natur ist doch allein der Zweck aller Religionen.“ ( 22, 54)

Diese kleinen Weisheiten aus einer über 50 Jahren im Dienst der Ernestiner Herzöge in Gotha und Altenburg verfasste Hans Wilhelm von Thümmel auf seinem Gut Nöbdenitz, wo er seinen Lebensabend verbrachte. Oftmals saß der Minister und Geheime Rat dabei im Inneren der 1000jährigen Eiche, die ihn inspirierte und welche er zu seiner Grabstätte bestimmt hatte.

„Wenig Bedürfnisse zu haben, ist der erste Schritt zur Freiheit.“ (249)

Die 1000-jährige Eiche von Nöbdenitz.
Die 1000-jährige Eiche von Nöbdenitz.

Der Schriftsteller, Journalist, Archäologe, Studiendirektor und Oberinspektor der Altertumsmuseen in Dresden, Carl August Böttiger, (1760-1835), u.a. auch befreundet mit Elisa v. der Recke und der Herzogin von Kurland, verfasste nach Thümmels Tod einen Nachruf, der in der Abend-Zeitung, Nr. 65, am Dienstag, den 16. März 1824, in Dresden in der Arnoldschen Buchhandlung erschien. Darin erwähnt der Autor, der Thümmel am Löbichauer Musenhof persönlich kennengelernt hatte:

 „Er hatte in den, sein Gut Nöbdenitz (eine Stunde von Ronneburg) umgebenden Lustwegen eine gewaltige Eiche in ihrem Innern so einrichten lassen, daß sich darin ein bequemer Moossitz und auch noch Platz für eine kleine Gesellschaft befand. In diese Baum-Lesche, wie sie ein Altenburger Antiquar einst benannte, pflegte er sich noch im höchsten Alter während des Sommers niederzusetzen und im kühlenden Schatten auszuruhen. Dort schrieb er auch einige der Aphorismen nieder, wovon er zwei Sammlungen bloß als Manuscript für Freunde drucken ließ und in welche er über Hofhaushalt und die mannigfaltigsten Lebensverhältnisse, die den bis ins höchste Alter in der Erinnerung und Gegenwart kräftigen Greis oft noch ein Lächeln abgewannen, so wie über alle Umtriebe des großen geschäftigen Bienenkorbes, den uns einst Mandeville beschrieb, seine Bemerkungen niederlegte.

Nach seiner ausdrücklichen Verordnung ward nun auch die sterbliche Hülle des Entschlafenen in dieser Eiche bestattet und so seiner Lieblingsphantasie, einst in den Blättern des Baumes den Lebenden noch einen Gruß zuzuflistern von seinen treuesten Pflegerinnen, seiner ihn überlebenden Gemahlin und Kindern, Gewährung zugestanden.“

Plakat zur Sonderausstellung 2016
Plakat zur Sonderausstellung 2016

Sonderausstellung

26. Juni – 31. Oktober 2016

Im Dienste der Ernestiner

Hans Wilhelm von Thümmels Aufstieg vom Pagen zum Minister.

Eröffnung: 26. Juni, 15 Uhr

Zum Weiterlesen:

“Der Mann unter der 1000-jährigen Eiche” 

Romantically minded minister burried under a 1000 year old oak 

Die Zahl 13 kann auch eine Glückszahl sein: Wanderung des Museumsvereins Burg Posterstein 2016

Wunderbares Wanderwetter auf den Weg zum kleinen Bauernmuseum in Nitzschareuth.
Wunderbares Wanderwetter auf den Weg zum kleinen Bauernmuseum in Nitzschareuth.
Wunderbares Wanderwetter auf den Weg zum kleinen Bauernmuseum in Nitzschareuth.

Die Zahl 13 kann auch eine Glückszahl sein, denn 13 Wanderfreunde des Museumsvereins Burg Posterstein e.V. trafen sich am 21. Mai bei schönstem Frühlingswetter in dem kleinen malerischen Ort Kühdorf (67 Einwohner), um eine Wanderung nach Nitschareuth zum Bauernmuseum unter der Führung des „Wanderleiters“ Matthias von Hintzenstern zu starten. Der frisch ernannte Träger dieses Titels berichtet in diesem Blogpost über den Verlauf der Wanderung, die sich thematisch an die aktuelle Sonderausstellung (nur noch bis 6. Juni!) über den Bauernmaler Friedrich Mascher anlehnt.

Kühdorf begeht in diesem Jahr sein 600jähriges Gründungsjubiläum und die Sankt Georgs Kirche (1716) wird 300 Jahre alt. Am Samstag, dem 25. Juni 2016 findet die Feier zum Dorf- und Kirchenjubiläum statt.

Vom Dorfanger startete die Wandergruppe in Richtung Wildetaube, überquerte die B92, um dann auf dem Radweg nach Neugernsdorf zu wandern. Dort gab es, vom Wanderleiter „mühsam bestellt“, ein prächtiges Frosch-Konzert auf dem Dorfteich. Durch eine blühende und duftende Frühlingslandschaft, durch kleine Waldstücke, vorbei an Teichen, führte der Weg nach Dasslitz. Von dort hatte man einen schönen Blick auf die Kirche von Nitschareuth aus dem Jahre 1658.

Dem Radweg folgend, der von Kirschbäumen gesäumt ist, gelangte man nach kurzen, steilen Anstieg in den Ort.

Der Dorfanger steht seit 1979 unter Denkmalschutz und gehört mit seinen Drei- und Vierseithöfen zu einem der besterhaltensten in Ostthüringen.

Im Bauernmuseum empfing uns auf das Herzlichste das Ehepaar Richter, die das Museum samt Gaststube seit sechs Jahren betreuen.

Bei Bier, Kräutercremsüppchen und Blumenkohlauflauf unterm Sonnenschirm im Hof des Anwesens ließen es sich die Wanderer wohl sein. Kindern, die im Hof „Sacklochwerfen“ spielten, taten es dann einige Mutige nach und trafen sogar manchmal.

Herr Fechner, einer der Mitbegründer des Museums im Jahr 1986, führte unsere Gruppe durch die Ställe, Wohn- und Gasträume und die Scheune. Nach einem Spaziergang durch den Kräutergarten gab es noch Kaffee und Kuchen. So gestärkt, war der Rückweg fast ein Kinderspiel. Nach rund zwölf Kilometern kam die Wandergruppe, gut gelaunt und sonnengebräunt, wieder in Kühdorf an.

Der frisch ernannte Wanderleiter, Matthias von Hintzenstern hat nun ein Jahr Zeit, sich eine weitere Wanderstrecke für das nächste Jahr auszudenken.

Von Angelika und Matthias von Hintzenstern, Museumsverein Burg Posterstein e.V.

Zum Weiterlesen:

Bauernmuseum Nitzschareuth Website und Facebook

Skandinavische Kobolde zu Besuch auf Burg Posterstein

Skandinavische Weihnachten & Weihnachtskrippen aus aller Welt - Plakat zur AusstellungVon den über 500 Weihnachtskrippen und Sammlungsstücken zum Thema Weihnachten aus dem Bestand des Museums stellen wir schon seit elf Jahren eine Weihnachtsausstellung zusammen. Wir wollen nicht jedes Jahr das gleiche zeigen, sondern thematische Schwerpunkte setzen. In diesem Jahr werfen wir einen Blick nach Norden. In Skandinavien gehören Krippen zwar nicht zur weihnachtlichen Tradition, aber wir wollen über den Tellerrand schauen und in einem Teil der Ausstellung wird es von kleinen Kobolden, Julböcken und Flechtherzen nur so wimmeln.

Die meisten heutigen Weihnachtsbräuche in Skandinavien sind geschichtlich gesehen noch recht jung. Das älteste daran ist der in Dänemark, Schweden und Norwegen gleichermaßen gebrauchte Name für das Weihnachtsfest: Jul. Dessen Entstehung geht auf eine altnordische Bezeichnung für überschwängliche Trinkfeste zur Wintersonnenwende zurück, die schon um 900 erstmals erwähnt wurde.

Kleine Helfer mit Hunger auf Milchreis

"Nisse" und "Julbock" dekorieren in diesem Jahr einen Weihnachtsbaum im Museum Burg Posterstein.
“Nisse” und “Julbock” dekorieren in diesem Jahr einen Weihnachtsbaum im Museum Burg Posterstein.
„Nisser“ in Dänemark, „Tomte“ in Schweden und „Fjøsnisse“ oder „gardvorden“ in Norwegen waren im Volksglauben kleine, bärtige Kobolde von der Größe eines 8-10jährigens Kindes, die im Volksglauben in der Nähe von Häusern und Höfen lebten. Behandelte man sie gut und respektvoll, beschützten sie Vieh und Hof – wenn nicht, konnten sie Unheil bringen, spielten Streiche oder zogen fort. Die älteste Erwähnung eines solchen Wesens geht auf eine isländische Erzählung aus dem Jahre 981 zurück. In früheren Zeiten konnte ein „Nisse“ durchaus ein kleiner, grimmiger Teufel sein. Das heutige Bild – besonders vom weihnachtlichen „Julenisse“ – ist hingegen ein ganz und gar positives.

Die Ausstellung “Mit Nisse und Julbock: Skandinavische Weihnachten & Weihnachtskrippen aus aller Welt” ist von 29. November, 15 Uhr, bis 10. Januar im Museum Burg Posterstein zu sehen.

Die Eröffnung beginnt diesmal schon 14 Uhr in der Burgkirche Posterstein. In Zusammenarbeit mit der Kirchgemeinde Nöbdenitz wollen wir die Weihnachtszeit und die weihnachtliche Ausstellung mit einem Gottesdienst beginnen. Gegen 15 Uhr laden wir zur Krippenschau mit Glühwein und Weihnachtsgebäck. Dazu gibt es einen Einblick in die skandinavischen Weihnachtsbräuche und die Autorin Marlene Hofmann liest aus ihrem Buch „Ein Jahr in Kopenhagen“ ein Kapitel darüber, wie sie in Kopenhagen ein dänisches Weihnachtsessen miterlebte.

Weitere Infos zur Ausstellung gibt es auf der Website des Museums.

Von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

Storytelling im Museum Thema beim Besuch des Kulturministers

Benjamin Hoff im Gespräch mit Landrätin Michaele Sojka, zuständiger Fachbereichsleiter Bernd Wenzlau, Bürgermeister Stefan Jakubek und Museumsdirektor Klaus Hofmann.
Benjamin Hoff im Gespräch mit Landrätin Michaele Sojka, dem zuständigen Fachbereichsleiter Bernd Wenzlau, Bürgermeister Stefan Jakubek und Museumsdirektor Klaus Hofmann.

Prof. Dr. Benjamin-Immanuel Hoff, Thüringer Minister für Kultur, Bundes- und Europaangelegenheiten und Chef der Staatskanzlei, besuchte am Dienstagnachmittag als erster Kulturminister seit 1990 das Museum Burg Posterstein. Vor Ort machte er sich ein Bild vom Ausstellungs- und Sammlungskonzept des Regionalmuseums für das Altenburger Land. Auf uns aufmerksam geworden ist er aber schon viel früher: Auf Twitter, Facebook und in Blogs.

Kulturmarketing und Storytelling im Museumsalltag

Immer wieder hob die lockere Gesprächsrunde aus Minister, Landrätin, Bürgermeister der Gemeinde, Museumsdirektor und Museumsangestellten unser kulturgeschichtliches Museum auf eine höhere Ebene und es ging um Kulturmarketing in Thüringen, Konzepte, das Museum als Marke, virtuelle Besucher und Storytelling im Museumsalltag. Das Kulturmarketingkonzept der Burg Posterstein bezeichnete Benjamin Hoff als „Avantgarde“ in Thüringen und erwähnt es gern als Best Practice im Freistaat.

Storytelling im Museum: Geschichten erzählen aus und über das Museum
Storytelling im Museum: Lebendige Geschichten aus und über das Museum erzählen

Seit einiger Zeit zählen wir in Posterstein nicht nur die Museumsbesucher, die vor Ort durch die Tür treten. Wir sind der Meinung, dass unser Bildungsauftrag nicht auf der Burgbrücke endet, sondern auch im virtuellen Raum weiter besteht. Deshalb werden auch die jährlich rund 110.000 Website-Besucher und rund 14.000 Blogleser zu den Besuchern gezählt. Die Website und der Blog sind auch der ideale Ort für Forschungsergebnisse, die teilweise in der Dauerausstellung gar keinen Platz finden.

Thüringer Staatskanzlei gibt finanzielle Starthilfe für die Neukonzeptionierung des Postersteiner Burgbergs

Logistisch stößt das Museum Burg Posterstein mit rund 22.000 Besuchern vor Ort im Jahr an seine Grenzen. Es fehlt beispielsweise ein barrierefreier Zugang ins Obergeschoss und zu den Toiletten. Ein Entwurf für den Wiederaufbau des 1953 abgerissenen Nordflügels existiert schon seit Jahren, es scheiterte bisher jedoch an der Finanzierung.

Einen Hoffnungsschimmer bringt nun die Zusicherung von 7500 Euro Lottomitteln durch die Staatskanzlei des Freistaats Thüringen. Mit diesen Geldern kann eine Machbarkeitsstudie finanziert werden, die das Konzept „Gemeinsam nicht einsam“ zur Neugestaltung des Postersteiner Burgbergs – die den Wiederaufbau des fehlenden Nordflügels der Burg einschließt – prüft. Erst mit einer solchen Studie in der Hand, kann sich der neu gegründete Förderverein Burgberg Posterstein um weitere finanzielle Mittel für die konkrete Umsetzung bemühen. Im inspirierenden Gespräch vor Ort ging es unter anderem auch um konkrete Ideen, das Vorhaben durch Crowdfunding und alternative Konzepte zum Spendensammeln zu unterstützen.

Zum Weiterlesen:
Projekt “Gemeinsam nicht einsam

Von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein