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Blog des Museums Burg Posterstein

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Jahresrückblick 2023 – Besucherrekord auf Burg Posterstein

Geschichte & Geschichten Veröffentlicht am 5. März 2024 von Museum Burg Posterstein5. März 2024

2023 besuchten über 24.000 Gäste das Museum Burg Posterstein, so viele wie seit den 1990er Jahren nicht mehr. Gleichzeitig begann im Sommer 2023 bei laufendem Besucherverkehr das größte Bauprojekt der Museumsgeschichte. Es konnten vier Sonderausstellungen gezeigt und 143 Veranstaltungen sowie vier Ferien-Programme organisiert werden. Das Museumsteam veröffentlichte das Buch „Hans Fallada in Tannenfeld und Posterstein“, steuerte fünf Artikel zu Fach-Publikationen und drei Fachvorträge an unterschiedlichen Orten bei. Hinter den Kulissen wurde digitalisiert, restauriert und die Sammlung erweitert. Hier im Blog schauen wir auf das vergangene Jahr zurück.

Das Museum Burg Posterstein ist das regionalgeschichtliche Museum des Altenburger Landes und wird vom Landkreis Altenburger Land finanziell unterstützt. Derzeit hat das Museum fünf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die in Teilzeit arbeiten. Der Museumsvereins Burg Posterstein, Träger des Museums, zählt 63 Mitglieder. Ohne die Unterstützung der Vereinsmitglieder sowie eines losen Netzwerks an ehrenamtlichen Helfern wäre es nicht möglich, so viele Aktivitäten zu stemmen.

Der Jahresrückblick 2023 als Infografik

Unsere Infografik fasst das Jahr 2023 visuell zusammen:

Jahresstatistik des Museums Burg Posterstein als Infografik
Infografik: 2023 auf Burg Posterstein

Besucherzahlen und Besucherstruktur: Wer besucht die Burg Posterstein?

Das Museum Burg Posterstein führt an der Museumskasse täglich Besucherbefragungen durch. Daraus geht einiges hervor, das uns verrät, wer wo und wann auf die Burg aufmerksam wird.

Über die Hälfte der Gäste sind beispielsweise Familien mit Kindern.

Diagramm über die Herkunftsbundesländer der Besucher*innen der Burg Posterstein
Die meisten Besucherinnen und Besucher kamen aus Thüringen und Sachsen.

Die Besucherinnen und Besucher kamen zu 70 Prozent aus Thüringen und Sachsen – und ansonsten aus dem gesamten Bundesgebiet. Über 80 Prozent unternahmen einen Tagesausflug zur Burg Posterstein, rund 14 Prozent machten Urlaub in der Region und sechs Prozent nutzten den Museumsbesuch als Rast auf der Durchreise. Das bietet sich an, weil Posterstein nur vier Kilometer von der Autobahn 4, Abfahrt Ronneburg, entfernt liegt.

Kreisdiagramm über die Besuchsdauer (Urlaub, Tagesbesucher, Durchreise) der Burg Posterstein.
Am häufigsten wurde Burg Posterstein 2023 im Rahmen eines Tagesausflugs besucht.
Kreisdiagramm über die regionalen Besucher der Burg Posterstein.
Verteilung der regionalen Besucher der Burg Posterstein.

Fast 60 Prozent der Museumsbesucherinnen und -besucher kam aus einem Umkreis von rund 30 Kilometern um Posterstein – aus dem Altenburger Land, dem Raum Gera und aus Westsachsen. Die übrigen reisten aus der gesamten Republik an.

Balkendiagramm über die verschiedenen Besuchsgründe, zur Burg Posterstein zu kommen.
Aus diesen Anlässen kamen Besucherinnen und Besucher zur Burg Posterstein.

Über 20 Prozent der Gäste besuchten die Burg Posterstein nicht zum ersten Mal. Viele wurden im Internet – Website, Google, Social Media – auf das Museum aufmerksam. 10 Prozent kamen auf Empfehlung von Bekannten zu uns und 10 Prozent kennen die Burg vom Vorbeifahren auf der Autobahn. Oft waren die Kinderburg-Angebote, eine Sonderschau oder eine Veranstaltung Anlass für ihren Ausflug.

Hier zeigt Museumsmitarbeiterin Franziska Huberty die Urkunde von Familienausflug.info. Im Hintergrund sieht man die Burg Posterstein.
Hier zeigt Museumsmitarbeiterin Franziska Huberty die Urkunde von Familienausflug.info. Franziska Huberty ist auch maßgeblich mitverantwortlich dafür, dass Burg Posterstein so familienfreundlich ist. Sie hat nicht nur die Ausstellung „Die Kinderburg“ mit konzipiert, sondern führt derzeit fast täglich Schulklassen, Kitas und Kindergeburtstage auf unterhaltsame Art durch die Burg.

Dazu passend, wählte das auf familienfreundliche Ausflugsziele spezialisierte Suchportal familienausflug.info das Museum Burg Posterstein aus über 12.000 Ausflugszielen in Deutschland, Österreich und der Schweiz unter die TOP 10-Ausflugsziele 2023 in Thüringen. Hier berichten wir im Blog darüber.

Ausstellungen und Veranstaltungen 2023

2023 zeigte das Museum vier Sonderschauen und führte 143 öffentliche und private Veranstaltungen durch.

Publikum im Vordergrund, hinten sieht man Dr. Stefan Knüppel beim Vortrag
Dr. Stefan Knüppel lud die Gäste zu einem bildhaften Ausflug ins Fallada-Museum in Carwitz.

Die Sonderschau „Liebe Omi, wie geht es Dir?“ sprach mit regionalen Postkarten ein lokales Publikum an. Allein über Ostern kamen über 2000 Gäste, um sich die Ostereier-Schau „Wenn die Osterglocken läuten“ anzusehen. Die Sonderschau über Hans Fallada und ihr Begleitprogramm lockte auch verstärkt überregionale Besucherinnen und Besucher. Die Weihnachtskrippen-Ausstellung wiederum hat ein ganz eigenes Stamm-Publikum.

Zwei Ritter zu Pferd reiten mit Lanzen aufeinander zu, im Hintergrund die Burg Posterstein und eine Zuschauermenge.
Die Ritterturniere zu Pferd sind ein Highlight des Mittelalterspektakels auf Burg Posterstein.

Das dreitägige Mittelalterspektakel zu Pfingsten mit Ritterturnieren, Markt und Spielleuten lockte rund 6000 Besucherinnen und Besucher nach Posterstein. Durchgeführt wird das Mittelalterspektakel von der COEX Veranstaltungs GmbH & Co.KG in Zusammenarbeit mit dem Museumsverein. Der Eintritt ins Museum war wie jedes Jahr im Gesamtpreis inbegriffen.

Ein Finger zeigt auf eine Schatzkarte. Im Hintergrund sieht man den Turm der Burg Posterstein. Es ist blauer Himmel mit weißen Wolken.
Kinder entdecken die Burg Posterstein mit Schatzkarte.

Die Angebote der „Kinderburg“ zählten 2023 zu den Top 3 Besuchsgründen. Neben der Familien-Ausstellung gab es speziell für Familien mit Kindern vier Ferien-Programme, Oster-Workshops, das Große Steckenpferdturnier am Weltkindertag, den Geistertag am Reformationstag und auch den „Advent im Salon – Märchenhaftes für die ganze Familie“. Darüber hinaus feierten 51 Kinder ihren Geburtstag auf der Burg. 41 Schulen und Kitas buchten Museumstouren.

Großes Bauprojekt: Im zweiten Halbjahr 2023 begann der Wiederaufbau des Nordflügels

Der offizielle Baustart zum Wiederaufbau des historischen Nordflügels der Burg Posterstein war am 28. Juli 2023. Am Vormittag des 9. November 2023 wurde der Grundstein gelegt. Einen ausführlichen Bericht finden Sie hier. Im milden Dezember konnte noch die Herstellung der Bodenplatte vorbereitet werden. Den aktuellen Stand der Bauarbeiten kann man im Bautagebuch auf der Website des Museums und durch ein Fenster in den Ausstellungsräumen mitverfolgen.

Blick von oben auf die Baustelle und die zur Grundsteinlegung versammelten Menschen
Grundsteinlegung: Blick von oben auf den Bauplatz

Der Wiederaufbau des einstigen Repräsentationsflügels der Burg soll das Museum Burg Posterstein in die Lage versetzen, einen ganzen Bereich für moderne Vermittlungsformen bereitzuhalten, die Ausstellungen barrierefrei zu erschließen, den Service zu verbessern und nicht zuletzt die Sammlungen besser unterzubringen. Es ist das größte Bauvorhaben der Geschichte des Museums.

Für den Wiederaufbau des Nordflügels der Burg Posterstein benötigt der Museumsverein weitere Spendengelder. Seien Sie dabei, bringen Sie sich ein in den Wiederaufbau des Nordflügels!

Aus der Sammlung: Digitalisierung, Restaurierung und Neuzugänge

Digitalisierung von Schmöllner Musterknopfkarten

Das Museum Burg Posterstein besitzt eine einzigartige industriehistorische Sammlung zur Schmöllner Knopfindustrie. Zu ihr gehören u.a. über 1800 Musterknopfkarten mit in Schmölln hergestellten Steinnuss-, Horn- und Kunststoffknöpfen. Der Bestand an Musterknopfkarten wurde gesichtet, vermessen und gereinigt. Danach durch einen professionellen Fotografen fotografiert und anschließend neu verpackt. Die Arbeiten wurden restauratorisch begleitet. Die Fotos, Objektinformationen und Metadaten werden derzeit über den digiCULT-Verbund veröffentlicht und langfristig unter CC-Lizenz mit Nennung des Fotografen auch in der Deutschen Digitalen Bibliothek und der Europeana zugänglich und nutzbar gemacht werden. Der Freistaat Thüringen förderte die Maßnahme.

Eine Farbkarte, dahinter verschwommen Musterknopfkarten aus Schmöllner Knopffabriken
Bei der Digitalisierung der Schmöllner Musterknopfkarten.

Durch die Digitalisierung der Musterknopfkarten, die nicht in den ständigen Ausstellungen des Museums gezeigt werden können, wird der Sammlungsbestand für Forschungseinrichtungen und die Öffentlichkeit erstmals sichtbar, zugänglich und durchsuchbar. Wir erhoffen uns eine überregionale Vernetzung mit Institutionen, Forschern und Sammlern. Darüber hinaus können digitalisierte Bestände leichter in digitalen Ausstellungen, digitalen Führungen und anderen Projekten Anwendung finden.

Restaurierung eines besonderen Exponats aus der ständigen Ausstellung

Mit Fördergeldern des Freistaats Thüringen konnte 2023 ein historisches Reisebureau aus dem 17. Jahrhundert restauriert werden. Er ist jetzt wieder in der ständigen Ausstellung zu sehen. Hier finden Sie einen Blogpost zum Thema.

Jemand hält den Deckel des historischen Reisebureaus aus der Sammlung der Burg Posterstein geöffnet, damit man den Kupferstich sehen kann.
Im Deckel des historischen Reisebureaus befindet sich ein Kupferstich.

Sammlung historischer Filmrollen

149 Filmrollen mit 8 mm und 16 mm Filmen aus der Sammlung des Museums Burg Posterstein wurden als Leihgabe an das Sächsische Staatsarchiv, Archivzentrum Hubertusburg, zur langfristigen Verwahrung und Erhaltung übergeben. DieFilme konnten teilweise digitalisiert werden, angeregt und realisiert durch den Heimat- und Verschönerungsverein Schmölln.

Ankauf – Übereignung – Dauerleihgaben

Für die Sammlung Kurland konnte ein Gemälde der Herzogin von Kurland nach Tischbein, Öl auf Leinwand, angekauft werden. Darüber hinaus konnten zwei Grafiken mit Portrait der Herzogin von Kurland erworben werden, eine von Johann Friedrich Bause und eine nach Johann Heinrich Schröter. Eine aquarellierte Bleistiftzeichnung, das Porträt der Johanna, Herzogin von Acerenza-Pignatelli, von Johann Nepomuk Ender kaufte das Museum ebenfalls. Als Dauerleihgabe erhielt das Museum Burg Posterstein eine aquarellierte Zeichnung von Ernst Welker.

Sammlerin Christina Göldner mit kleiner farbiger Glaskrippe aus Venedig vor der Burg Posterstein
Die Krippensammlerin Christina Göldner übereignete dem Museum Burg Posterstein 2023 16 ihrer Weihnachtskrippen.

Die Weihnachtskrippensammlung des Museums konnte durch die Übereignung einer privaten Krippensammlung von Christina Göldner um 16 Exponate erweitert werden.

Vernetzung über die Burgmauern hinaus

Als Partner des Trafo-Projekts „Der fliegende Salon – Kulturaustausch im Altenburger Land“ nahm das Museum aktiv an mehreren Salonveranstaltungen im Landkreis teil – darunter in Schmölln, auf dem Kunsthof Niederarnsdorf und in Windischleuba.

Burg Posterstein im digitalen Raum

Für sein weit verzweigtes, aktives Online-Netzwerk ist Burg Posterstein in Fachkreisen deutschlandweit bekannt. Die Reichweite der Social Media-Kanäle und der Website blieb 2023 weitgehend auf Vorjahresniveau.

Die Mitarbeiterinnen des Museums besuchten Fachtagungen, wie beispielsweise die Jahrestagung des Deutschen Museumsbunds in Osnabrück zum Thema Nachhaltigkeit im Museumsalltag, und nahmen an Workshops teil. Im Mittelpunkt von drei eigenen Vorträgen auf Fachtagungen in Weimar, Kiel und im Kloster Banz standen die vorbildliche digital-analoge Besucher-Interaktion, die Social Media-Arbeit und die Museumspädagogik des Museums.

Blick auf das Kloster Banz im Herbst
Beim Vortrag auf der Museumstagung im Kloster Banz ging es um nachhaltige analog-digitale Kommunikation und Vermittlung.

Seit 2023 leitet Marlene Hofmann, im Museum Burg Posterstein verantwortlich für Marketing und Kommunikation, den Arbeitskreis „Digitales Museum“ im Museumsverband Thüringen.

Publikationen

Das Museumsteam schrieb, gestaltete und veröffentlichte 2023 das Buch „Hans Fallada in Tannenfeld und Posterstein“, das die Sonderschau „Hans Fallada – Familienbilder“ begleitete. Es trägt detailliert selbst kleinste Zeitdokumente zu Rudolf Ditzens Aufenthalt in Tannenfeld und Posterstein zusammen und schließt so eine Lücke in der Fallada-Forschung. Das Buch kann im Museum bestellt und gekauft, aber auch über den Buchhandel bezogen werden. Am 19. Juli 2024 wird Marlene Hofmann aus dem Museum Burg Posterstein das Buch bei den Hans-Fallada-Tagen in Carwitz vorstellen.

Darüber hinaus schrieb das Museumsteam fünf Fachartikel für unterschiedliche Fachpublikationen.

Von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

Restaurierungsprojekt abgeschlossen: Historisches Reisebureau ist wieder zu sehen

Geschichte & Geschichten Veröffentlicht am 5. März 2024 von Museum Burg Posterstein5. März 2024

Zur Sammlung des Museums Burg Posterstein gehört ein Reisebureau aus dem 17. Jahrhundert, eine mit Messingblech und Eisenbändern beschlagene Reisetruhe mit Tragegriffen. Sie verfügt über zwei Etagen mit acht bzw. fünf Schubkästen zum Aufbewahren von Schreibuntensilien, links für Tintenfass und Streusandbüchse. Die Schübe sind bemalt oder mit Schmuckpapier bzw. goldgeprägtem Leder verziert.

Jemand hält den Deckel des historischen Reisebureaus aus der Sammlung der Burg Posterstein geöffnet, damit man den Kupferstich sehen kann.
Im Deckel des historischen Reisebureaus befindet sich ein Kupferstich.

Im Deckel befindet sich ein Kupferstich von Johann Hoffman mit dem Titel „Tactus das Fühlen“ sowie eine verriegelbare Platte. Deren Oberseite zeigt einen Kupferstich von Gerhardt Altenbach mit dem Titel „Der Arglistige Blockschleyffer“. Die Unterseite ist mit goldgeprägtem Leder verziert.

Schon 2016 haben wir „den Laptop des 17. Jahrhunderts“ hier im Blog vorgestellt.

Die Restaurierung

2023 konnte das besondere Exponat mit Fördergeldern des Freistaats Thüringen restauriert werden und ist nun wieder in der ständigen Ausstellung des Museums Burg Posterstein zu sehen.

Die Vorderseite der Truhe ist geöffnet: Blick von vorn auf die verschiedenen Schubfächer des Reisebureaus.
Blick von vorn auf die verschiedenen Schubfächer des Reisebureaus.

Die Restaurierung umfasste eine Reinigung, Konservierung und Festigung der Kupferstiche, des Leders mit Goldprägung und des Marmorpapiers durch den anerkannten Restaurator Christian Maul. Er ist seit vielen Jahren mit den Sammlungen des Museums vertraut.

Der Holzrestaurator Matthias Krahnstöver aus Frohburg ergänzte, sicherte und konservierte Leisten und kleinere Beschädigungen an den Kästen und Schüben.

Blick von oben auf das geöffnete Reisebureau. Man sieht viele kleine Deckel mit Griff.
Blick von oben auf das geöffnete Reisebureau.

Die verloren gegangene Schlosshälfte an der Vorderseite soll nicht rekonstruiert werden. Messingteile und verzinnte Bänder wurden konserviert.

Die Reisetruhe wird in der ständigen Ausstellung gezeigt. Ein Bericht darüber erscheint in einer der nächsten Ausgaben der Thüringer Museumshefte.

Der Freistaat Thüringen förderte die Maßnahme „Restaurierung und Konservierung von Sammlungsbeständen“ im Rahmen der Richtlinie zur Förderung von Kultur und Kunst mit einem Zuschuss von 2.750,00 Euro.

Von Marlene Hofmann/Museum Burg Posterstein

Ein Eleve, ein Schriftsteller, ein Rückblick – Hans Fallada in Tannenfeld und Posterstein

Geschichte & Geschichten Veröffentlicht am 9. Januar 2024 von Museum Burg Posterstein9. Januar 2024

Zum 130. Geburtstag des Schriftstellers Hans Fallada zeigte das Museum Burg Posterstein 2023 die Ausstellung „Hans Fallada – Familienbilder“ als Kabinett-Ausstellung. Über 16.800 Besucher kamen während der Ausstellungsdauer vom 14. Mai bis 12. November 2023, um dem berühmten „Einwohner“ Postersteins näher zu kommen. Ein umfangreiches Begleitprogramm mit Lesungen, Musik, Film und Vortag wurde auf die Beine gestellt. Das Buch „Hans Fallada in Tannenfeld und Posterstein“ macht die Ausstellung auch nach ihrem Ende umfangreich für die interessierten Besucher zugänglich.

Blick durch die geöffnete Tür in den Ausstellungsraum im Museum Burg Posterstein - man sieht einen Teil der Ausstellungswände
Blick durch die geöffnete Tür in den Ausstellungsraum im Museum Burg Posterstein

„Wer lebt, wird erleben.“[1]

Über 130 Jahre ist es her, dass Rudolf Wilhelm Friedrich Ditzen als drittes Kind des Landrichters Georg Wilhelm Heinrich Ditzen (1852–1937) und seiner Frau Elisabeth Mathilde Auguste(1868–1951), geb. Lorenz, am 21. Juli 1893 in Greifswald zur Welt kam. Den meisten ist Rudolf Ditzen als Schriftsteller unter dem Pseudonym Hans Fallada bekannt. Bis heute sind seine Werke wie „Der junge Goedeschal“ (1920), „Bauern, Bonzen und Bomben“ (1931), „Kleiner Mann – was nun?“ (1932), „Wer einmal aus dem Blechnapf frißt“ (1934), „Wolf unter Wölfen“ (1937), „Jeder stirbt für sich allein“ (1947) und „Der Trinker“ (1950) weltbekannt. Sein Lebenslauf ist geprägt von Umbrüchen, vielen Tiefen und einigen Höhen – immer schwankend zwischen Erfolg, Misserfolg, Familienglück, Depressionen und Drogensucht.

Leben und Werk Hans Falladas sind weitgehend erforscht. Dabei fällt das Interesse hauptsächlich und naturgemäß auf sein Wirken als Schriftsteller. Doch auch seine Kindheit und Jugend sind weitgehend dokumentiert.

Blick auf eine Ausstellungsvitrine und Ausstellungsbanner
Die Bauanträge und Baupläne für Arthur Tecklenburgs Heilanstalt in Tannenfeld, die im Landesarchiv Thüringen – Staatsarchiv Altenburg bewahrt werden, wurden in der Ausstellung erstmals gezeigt.

Eine Lücke tat sich oft allerdings auf: Falladas Zeit in Tannenfeld und Posterstein. Diese Lücke hat das Museum Burg Posterstein nun temporär durch die Sonderschau „Hans Fallada – Familienbilder“ gefüllt. Im Oktober konnte das Museum die 13.333. Besucherin mit einem kleinen Geschenk und einer Urkunde begrüßen. Über 16.800 Besucher kamen insgesamt, um dem berühmten „Einwohner“ Postersteins näher zu kommen.

Seinen festen Platz in der Dauerausstellung der Burg hatte Hans Fallada stets sicher. Durch das Buch „Hans Fallada in Tannenfeld und Posterstein“ bleibt aber auch die neuste Forschungsarbeit des Museums nachhaltig gesichert und umfangreich für die interessierten Besucher zugänglich. Das Buch kann im Museum gekauft oder über das Museum bestellt werden.

Blick ins Buch "Hans Fallada in Tannenfeld und Posterstein" mit aufgeschlagener Seite, auf der Burg Posterstein zu sehen ist.
Blick ins Buch „Hans Fallada in Tannenfeld und Posterstein“

Eine Tragödie mit Folgen

Doch was war überhaupt passiert? In seiner Kindheit zog Rudolf Ditzens Familie mehrfach um. Von Greifswald nach Berlin, dann von Berlin nach Leipzig – immer der Berufung des Vaters hinterher. Nach einem schweren Fahrradunfall in Leipzig musste der junge Rudolf Ditzen erstmals mit Morphium behandelt werden. Eine Droge, von der er Zeitlebens nicht mehr loskommen sollte. Nach einigen Zwischenfällen und einem ersten Kuraufenthalt in der Nähe von Bad Berka, schrieben ihn seine Eltern 1911 am Gymnasium Fridericianum in Rudolstadt ein.

Doch diese Zeit endete dramatisch. Mit seinem Schulfreund Hanns-Dietrich von Necker verabredete sich Rudolf zum Scheinduell – ein getarnter Doppelselbstmord unter Schülern. Und leider auch nicht der einzige Vorfall dieser Art zur damaligen Zeit.

Hanns-Dietrich von Necker starb bei diesem Duell, Rudolf Ditzen wurde schwer verletzt. Doch auf die Tat folgte ein Haftbefehl. Dem jungen Mann drohte eine Mordanklage.

Nach der Untersuchung an der psychiatrischen Klinik in Jena, ließ man die Mordanklage wegen Unzurechnungsfähigkeit fallen und übergab den jungen Rudolf Ditzen 1912 zur Behandlung in die Nervenheilanstalt in Tannenfeld und in die Obhut des dortigen Anstaltsleiters Dr. Arthur Tecklenburgs. Über ein Jahr lang war Rudolf Ditzen in Behandlung, begleitet von seiner Tante Adelaide (Ada) Ditzen, die ihm Unterricht in Sprachen erteilte und die ersten Türen in die Welt der Literaten aufstieß.

Und diese Behandlung gelang – dem jungen Mann ging es Zusehens besser. Auf Anraten Tecklenburgs kam er 1913 auf das nur zwei Kilometer von Tannenfeld entfernte Rittergut Posterstein und wurde landwirtschaftlicher Eleve unter der Leitung der Familie Hermann. Bis 1915 absolvierte er auf dem Rittergut Posterstein eine landwirtschaftliche Ausbildung – eine Tätigkeit, der er bis zu seinem Durchbruch als Schriftsteller noch einige Jahre treu blieb. Sie diente ihm für sein späteres Schaffen als Quelle und Inspiration.

Blick auf einen großen Bildschirm in der Ausstellung
Für die Ausstellung entstand ein kurzer Film, in dem Museumsmitarbeiterin Franziska Huberty die Geschichte Rudolf Ditzens an den Originalorten in Tannenfeld und am Herrenhaus Posterstein erzählt.

Die Ausstellung im Museum Burg Posterstein

Die Basis der Ausstellung bildete die Wanderausstellung „Hans Fallada – Familienbilder. Wie aber bestehe ich vor Dir, sehr liebe Verwandtschaft –?!“ der Hans-Fallada-Gesellschaft. Anhand zeitgenössischer Zitate aus Briefen und Dokumenten sowie Fotos und Postkarten stellen darin 16 Ausstellungsbanner Hans Falladas Familie von den Urgroßeltern bis zu seinen eigenen Kindern und natürlich ihn selbst – als Kind dieser Familie, als Landwirt und als Schriftsteller – vor. Hierin kommen die umfangreichen Bestände des Hans-Fallada-Archivs zur Geltung.

im Vordergrund eine schwarze Ausstellungswand, im Hintergrund helle Fahnen.
Die Wanderausstellung aus Carwitz (im Hintergrund zu sehen) ergänzte das Museum Burg Posterstein durch einen optisch abgehobenen Ausstellungsteil zu Hans Falladas Zeit in Jena, Tannenfeld und Posterstein.

Ergänzt hat das Museum Burg Posterstein diese stark textbasierte Schau in Posterstein durch einen größeren Schwerpunkt auf Rudolf Ditzens Zeit in Jena, Tannenfeld und Posterstein.

Dunkle Ausstellungswände markierten den Teil der Ausstellung, den das Museum Burg Posterstein ergänzt hat.
Ein Schwerpunkt der Kabinett-Ausstellung widmete sich Rudolf Ditzens Jahren in Jena, Tannenfeld und Posterstein.

Das Museum produzierte in Zusammenarbeit mit dem TV-Journalisten Gunter Auer einen rund sieben Minuten langen Film über Rudolf Ditzens Jahre in Tannenfeld und Posterstein. Franziska Huberty, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Museum Burg Posterstein, steht darin an den Originalschauplätzen im Schlosspark und im Schloss Tannenfeld sowie vor und im Herrenhaus Posterstein und erzählt anschaulich Rudolf Ditzens Geschichte. Anhand von Originalzitaten, gekonnt vertont von Schauspieler Robert Gregor Kühn, wird die Geschichte lebendig.

links an der Wand der Bildschirm, auf dem der Film lief, geradeaus Tisch, Stühle, Virtrine, Texttafeln
Blick in die Sonderschau samt Film, der alle zehn Minuten zu sehen war.

Lesungen, Musik und Film – ein umfangreiches Begleitprogramm

Begleitend zur Ausstellung gab es ein umfassendes Veranstaltungsprogramm mit zwei Live-Ausgaben des Postersteiner Museumspodcasts „LeseZEIT auf Burg Posterstein“, in denen Franziska Huberty aus originalen zeitgenössischen Dokumenten las. Zur Ausstellungseröffnung lag der Fokus dabei auf Briefen und Dokumenten, die Falladas Zeit in Tannenfeld und Posterstein abbildeten. Musikalisch wurde die Vernissage von Sänger Uǧur Okay und Katharina Weingart am Piano umrahmt.

Blick auf Publikum und Bühne von oben
LeseZEIT mit musikalischer Begleitung zur Ausstellungseröffnung in der Neuen Scheune Posterstein.

An Hans Falladas 130. Geburtstag, dem 21. Juli 2023, zeigten wir bei einem Filmabend den Spielfilm „Jeder stirbt für sich allein“. Den Hans-Fallada-Filmabend realisierte das Museum gemeinsam mit dem METROPOL Kino in Gera. Das Buch „Jeder stirbt für sich allein“ erschien erst nach Falladas Tod. Es erzählt die wahre Geschichte eines Berliner Arbeiterehepaars, das sich nach dem Soldatentod seines Sohnes mit Postkartenaktionen gegen die NS-Diktatur auflehnt. Das Buch wurde 2011 in der ungekürzten Neuauflage noch einmal zum internationalen Bestseller.

Blick vom Publikum aus auf die Leinwand in der Neuen Scheune in Posterstein. Auf der Leinwand ein Soldat mit Helm.
Der Filmabend in der Neuen Scheune fand in Kooperation mit dem Metropol-Kino Gera statt.

Im August und September fanden zwei musikalische Nachmittage auf Falladas Spuren mit dem Schauspieler Robert Gregor Kühn und Matthias von Hintzenstern am Piano in Posterstein statt. Robert Gregor Kühn trug aus Hans Falladas Erinnerungen „Wie ich Schriftsteller wurde” vor und wurde dabei von Matthias von Hintzenstern mit Musik aus den 1920er Jahren begleitet.

Robert Gregor Kühn mit einem Mikrofon in der Hand, im Hintergrund Matthias von Hintzenstern am -Piano.
Robert Gregor Kühn und Matthias von Hintzenstern nahmen die Gäste zweimal mit auf musikalische Ausflüge in Rudolf Ditzens Leben.

Am 30. September 2023 präsentierte Dr. Stefan Knüppel, Leiter des Hans-Fallada-Museums Carwitz, Hans Falladas Wohnhaus und das heutige Museum in Carwitz. In seinem Vortrag „Heute bei uns zu Haus“ gab er anschaulich Einblicke in das Leben des Schriftstellers. In einem virtuellen Museumsrundgang entführt er die Zuhörenden in Falladas einstigen Wohn- und Rückzugsort im entfernten Carwitz.

Publikum im Vordergrund, hinten sieht man Dr. Stefan Knüppel beim Vortrag
Dr. Stefan Knüppel lud die Gäste zu einem bildhaften Ausflug ins Fallada-Museum in Carwitz.

Am letzten Ausstellungstag, den 12. November 2023, schloss die Sonderschau mit einer Führung von Museumsmitarbeiterin Nicole Thonfeld-Hanf und einer zweiten Live-Lesung des Museumspodcasts „LeseZEIT auf Burg Posterstein“.

Zuhörer bei der Führung in der Sonderschau
Nicole Thonfeld-Hanf gab eine letzte Führung durch die Sonderschau.

Die LeseZEIT gab diesmal Eindrücke zu den Bauplänen der Heilanstalt in Tannenfeld. Franziska Huberty laß aus historischen Dokumenten des Landesarchivs Thüringen, Staatsarchiv Altenburg. Darin sind das Konzept und die Architektur der Nervenheilanstalt in Tannenfeld von seinem Gründer, Arthur Tecklenburg, selbst beschrieben und dokumentiert.

Franziska Huberty auf einem Barstuhl im Café zur eisernen Bank im Herrenhaus Posterstein liest aus den Bauanträgen Arthur Tecklenburgs
Die zweite LeseZEIT fand im Café zur eisernen Bank im Herrenhaus Posterstein statt. Franziska Huberty las aus den Bauanträgen Dr. Arthur Tecklenburgs für seine Nervenheilanstalt.

Ein Buch zu Ehren eines Schriftstellers

Für die Ausstellung „Hans Fallada – Familienbilder“ recherchierte das Museum umfangreich in verschiedenen Archiven und Sammlungen zu Falladas Zeit in Tannenfeld und Posterstein. Dieses geballte Wissen über eine sehr bewegte Zeit im Leben des bekannten Schriftstellers veröffentlichte das Museum im Zuge der Ausstellung in einer neuen Publikation. Das Buch „Hans Fallada in Tannenfeld und Posterstein“ von Marlene Hofmann fasst auf 112 Seiten und mit über 70 meist farbigen Abbildungen die Forschungsarbeit zusammen. Neue Erkenntnisse konnten auch über die Anlage Tannenfeld selbst gewonnen werden. Das Buch ist an der Museumskasse oder per Mail an das Museum erhältlich.

Was bleibt?

Das Museum Burg Posterstein dankt dem Hans-Fallada-Museum Carwitz, dem Hans-Fallada-Archiv des Literaturzentrums Neubrandenburg e.V., dem Universitätsarchiv Jena, der Thüringischen Universitäts- und Landesbibliothek Jena und dem Landesarchiv Thüringen – Staatsarchiv Altenburg für die Unterstützung bei der inhaltlichen Vorbereitung der Ausstellung. Die Ausstellung wird gefördert durch die Thüringer Staatskanzlei.

Seinen festen Platz in der Dauerausstellung hat sich Hans Fallada über die Ausstellungsdauer hinaus natürlich bewahrt. Durch die Publikation, die Podcast-Folgen (die nach und nach online gestellt werden) und die Blogbeiträge wird aber auch die Sonderschau nachhaltig bewahrt und sicherlich wird es nicht das letzte Mal gewesen sein, dass das Museum Burg Posterstein Hans Fallada ins Zentrum seiner wissenschaftlichen Arbeit rückt.


[1] aus: „Wer einmal aus dem Blechnapf frisst“: Zitiert nach: Fallada, Hans: Sehnsucht ist besser als Erfüllung. Lebensweisheiten und Aphorismen, Berlin 2016, S. 13.

von Franziska Huberty und Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

Weihnachtliche Wanderung für Familien: Über den Nöbdenitzer Weihnachtspfad nach Posterstein

Geschichte & Geschichten Veröffentlicht am 13. Dezember 2023 von Museum Burg Posterstein9. Januar 2024

Erstmals verschönt 2023 ein Weihnachtspfad in Nöbdenitz die Adventszeit. Beim Spaziergang durch den Postersteiner Nachbarort fallen schon bald weihnachtliche Tafeln, Märchenfiguren und liebevolle weihnachtliche Deko auf.

Im Vordergrund ein schneebedeckter Busch, im Hintergrund Lichter
Rund um den Nöbdenitzer Teich warten viele weihnachtliche Überraschungen.

Startpunkt Weihnachtspfad: Dorfmitte

Der Weihnachtspfad beginnt in der Dorfmitte am ehemaligen Konsum (Dorfstraße 9 und 10). Dort steht nicht nur ein Spinnrad, gleich um die Ecke befindet sich auch der Briefkasten des Weihnachtsmanns. Noch bis 3. Advent können Kinder dort ihre Briefe, Wunschzettel und Fragen einwerfen.

Weihnachtsmann-Briefkasten in Nöbdenitz
Vorübergehend hat der Weihnachtsmann 2023 seinen Briefkasten in der Dorfstraße 9 in Nöbdenitz aufgestellt.

Das Tolle daran: Alle Briefe werden alle beantwortet, wenn sie bis 17. Dezember 2023 eingehen.

Weihnachtskugel an einem Baumstamm
Weihnachtsdeko sorgt für unerwartete Farbtupfer.

Durchs Dorf führt der Weg über die Sprottenbrücke hin zum Sprotte-Erlebnispfad. Der führt vom alten Wasserschloss, vorbei am Teich mit dem Teehaus und entlang der Fischtreppe und einer Feuchtwiese. In der Weihnachtszeit trifft man hier auf Frau Holle, Rumpelstilzchen und das „Tischlein deck dich“. Mit Liebe zum Detail gestaltete Texttafeln geben Wanderern Rätsel auf und laden zum Singen ein.

Tafel mit Liedtext, daneben hängen rosa Baumkugeln an einem Weidezaun.
Die Tafeln des Weihnachtspfads fordern zum Mitmachen auf.

An überraschenden Stellen schmücken Weihnachtskugeln den Wald und Weihnachtswichtel schauen zwischen Ästen hervor. Selbst eine Weihnachtskrippe ist dabei. Die letzte Station, Nummer 24 wie im Adventskalender, ist an den Hängebrücken.

Weihnachtskrippe aus Holz mit Heiliger Familie und drei heiligen Königen
Auch eine hölzerne Weihnachtskrippe ist teil des Weihnachtspfads.

Hier gibt es eine Übersicht über die 24 Stationen des Weihnachtspfads:

Karte über den Nöbdenitzer Weihnachtspfad mit den 24 Stationen durchs Dorf und über den Sprotte-Erlebnispfad
Übersichtskarte über den Nöbdenitzer Weihnachtspfad (Bild: Ortsverschönerungsverein Nöbdenitz e.V.)

Die Idee zum Weihnachtspfad hatte Giesela Grimm aus Untschen. Die Nöbdenitzerin Nicole Bauch stürzte sich – unterstützt vom Ortsverschönerungsverein Nöbdenitz – mit Begeisterung in die Umsetzung. Der Ortsverschönerungsverein sammelte für den Weihnachtspfad im Vorfeld nicht mehr gebrauchten Baumschmuck als Spende. Weitere Deko-Spenden können an Station 24 an der Hängebrücke in eine Truhe gelegt werden.

Weihnachtliche Deko im Wald
Weihnachtliche Deko mitten im Wald

Weiter nach Posterstein zur Weihnachtsausstellung

Wem der Weihnachtspfad nicht lang genug ist, der läuft einfach weiter nach Posterstein – eine Übersicht über den Sprotte-Erlbnispfad zwischen Posterstein und Nöbdenitz gibt es hier. Beim Besuch der Weihnachtskrippen-Ausstellung „Weihnachten und Meer – Weihnachtskrippen aus Ländern am Meer“ auf Burg Posterstein kann man sich zwischendurch aufwärmen.

Eine beleuchtete Krippe in einem Fass zeigt verwinkelte Treppen in Neapel
Die beleuchtete Fass-Krippe aus Neapel ist ein Highlight in der diesjährigen Weihnachtskrippen-Ausstellung auf Burg Posterstein.

Über hundert Weihnachtskrippen in einem Raum sind dort zu sehen. Manche sind so klein, dass sie in eine Streichholzschachtel passen und andere stellen ganze Landschaften in einem Holzfass dar.

Rückweg über den Holzmichelweg

Für den abwechslungsreichen Rückweg geht man entlang uriger Fachwerkhäuschen quer durchs Dorf und gelangt über den Holzmichelweg zurück zum Weihnachtspfad. Der Holzmichelweg schlängelt sich unter der historischen Autobahnbrücke hindurch hin zur sagenumwobenen Mönchsbrücke und trifft an den Hängebrücken wieder auf den Sprotte-Erlebnispfad bzw. den Weihnachtspfad.

Hängebrücke im Schnee, davor das Flüsschen Sprotte
An den zwei Hängebrücken, die über die beiden Sprotten führen, die hier zusammenfließen, treffen sich Holzmichelweg und Sprotte-Erlebnispfad.

von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

Der Grundstein für ein großes Vorhaben

Geschichte & Geschichten Veröffentlicht am 12. November 2023 von Museum Burg Posterstein9. Januar 2024

Mit der offiziellen Grundsteinlegung am Vormittag des 9. November 2023 beginnt der Wiederaufbau des historischen Nordflügels der Burg Posterstein. Der ehemalige Festsaal-Flügel der über 800 Jahre alten Burg wurde in den 1950er Jahren ohne weitere Dokumentation und ohne baufällig zu sein abgerissen. Seither klaffte die Ruine wie ein Loch an der Hangseite der Burg und gefährdete nicht zuletzt die Statik der Burganlage.

Blick von oben auf die Baustelle und die zur Grundsteinlegung versammelten Menschen
Blick von oben auf den Bauplatz

Seit rund dreißig Jahren setzt sich der Museumsverein Burg Posterstein für den Wiederaufbau ein. Der Wiederaufbau gliedert sich historisch in die Geschichte der Burganlage ein, wo im Lauf der Jahrhunderte immer wieder neu und umgebaut wurde, um neuen Anforderungen gerecht zu werden.

Warum die Burg Posterstein den Nordflügel braucht

In der Burg Posterstein befindet sich ein erfolgreiches Museum, das Geschichte anschaulich vermittelt, vor allem an junge Besucher. Besonders gut votiert ist die Ausstellung „Kinderburg“, die zu den beliebtesten Familienangeboten in Thüringen gehört. Mit Stand Oktober lockten die Ausstellungen und Veranstaltungen 2023 bereits über 22.000 Besucher in die Burg. Um diesem „Ansturm“ gerecht zu werden, braucht es Barrierefreiheit, Räume für Museumspädagogik und Veranstaltungen sowie moderne Depots. Mit dem Wiederaufbau des Nordflügels entsteht auf 547 Quadratmeter Nutzfläche ein Begegnungsort, wo europäische Salonkultur digital und analog vermittelt und erlebbar wird. Darauf aufbauend soll es ein Ort für das Gespräch über Zukunftskonzepte und gesellschaftliche Themen sein. Der Museumsverein als Träger des Museums unternimmt im Rahmen der Möglichkeiten alles, um außer öffentlicher Förderung auch private Unterstützung zu unterhalten. Das Museum Burg Posterstein ist mit ausgewiesenen Fachkräften besetzt und hat die inhaltliche Konzeption fertig gestellt.

Landrat Uwe Melzer und Museumsdirektor Klaus Hofmann bei der feierlichen Grundsteinlegung für den Nordflügel der Burg Posterstein
Landrat Uwe Melzer und Museumsdirektor Klaus Hofmann bei der feierlichen Grundsteinlegung für den Nordflügel der Burg Posterstein
Landrat Uwe Melzer bei seiner Rede, lächelnd
Landrat Uwe Melzer bei seiner Rede
Eine Gruppe Menschen vor einer Hauswand
Zur feierlichen Grundsteinlegung waren Unterstützer und Fördermittelgeber gekommen.
Landrat Uwe Melzer am Mitkrofon mit aufgeschlagenem Ordner
Landrat Uwe Melzer und Museumsdirektor Klaus Hofmann bei der feierlichen Grundsteinlegung für den Nordflügel der Burg Posterstein
Museumsdirektor Klaus Hofmann am Mikrofon
Landrat Uwe Melzer und Klaus Hofmann bei der Rede zur Grundsteinlegung
Landrat Uwe Melzer und Museumsdirektor Klaus Hofmann halten eine Metallhülse in der Hand, die im Berg versenkt wurde. Sie enthalt Erinnerungsstücke aus der heutigen Zeit.
Eine Metallhülse mit Erinnerungsstücken aus der heutigen Zeit wurde im Berg versenkt.
Frank Naumann, dessen Firma für den Rohbau zuständig ist, bei der Vorbereitung der Grundsteinlegung.
Frank Naumann, dessen Firma für den Rohbau zuständig ist, bei der Vorbereitung der Grundsteinlegung.
Uwe Melzer und Klaus Hofmann klopfen den Grundstein fest.
Der Grundstein wird symbolisch festgeklopft.
Uwe Melzer und Klaus Hofmann heben ihr Sektglas.

Das Bauvorhaben

Während die Burg von 1984 bis 1991 letztmalig restauriert wurde, blieb der Nordflügel außen vor. Dennoch lagen Konzepte und Bauzeichnungen für den Wiederaufbau fertig in der Schublade bis am 30. September 2020 der Kreistag in einem Grundsatzbeschluss grünes Licht gab für den Wiederaufbau. Das Architekturbüro Godts wurde mit der Planung beauftragt und legte eine Planung vor, die von Anfang an den Denkmalschutz berücksichtigte und dabei konsequent eine moderne Formensprache anwendet. Träger der Baumaßnahme ist der Landkreis Altenburger Land als Eigentümer der Gebäude. Er arbeitet eng mit dem Museumsverein Burg Posterstein e.V., dem Träger des Museums, zusammen. Der Landkreis erhält Fördermittel in Höhe von rund 1,5 Millionen Euro vom Thüringer Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft im Rahmen des Dorfentwicklungsprogrammes, um den Rohbau fertig zu stellen. Nachfolgend sind nach dem Stand der Planung weitere Mittel notwendig, um den Ausbau und die Gestaltung des Gebäudes zu realisieren. Insgesamt beträgt der Investitionsbedarf 4,1 Millionen Euro. Großer Dank gilt auch der Bürgerstiftung Altenburger Land, die das Vorhaben großzügig unterstützt. Viele Bürger beteiligen sich an dem Projekt, indem sie ihre eigenen kleinen „Postersteine“ erwerben.

Landrat Uwe Melzer und Museumsdirektor Klaus Hofmann bei der Versenkung der Metallhülse. Davor Pressevertreter.
Landrat Uwe Melzer und Museumsdirektor Klaus Hofmann bei der Versenkung einer Metallhülse mit Erinnerungsstücken an die heutige Zeit.

Landrat Uwe Melzer betonte während der Grundsteinlegung die Bedeutung des Museums Burg Posterstein für die Kultur und den Tourismus im Altenburger Land und den festen Willen, mit dem Wiederaufbau des ehemaligen Festsaalflügels der Burg eine Perspektive zu sichern. Den Grundstein, dem verschiedene Dokumente über die Burg und das Projekt beigefügt wurden, legte Uwe Melzer gemeinsam mit dem Direktor des Museums Klaus Hofmann und dem Chef der für den Rohbau zuständigen Firma Frank Naumann GmbH aus dem benachbarten Kleinstechau.

Pressevertreter mit Kameras und Mikrofonen begleiten die Grundsteinlegung.

Den Baufortschritt live mitverfolgen

Museumsgäste können die Bauarbeiten aus einem Fenster im Obergeschoss der Burg live mitverfolgen. Eine Tafel informiert dort über das Bauprojekt. Den Fortschritt dieses größten Bauvorhabens in der Geschichte des Museums dokumentiert das Museumsteam im Bautagebuch auf seiner Website.

Projektschidld zur ELER-Förderung des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft zum Wiederaufbau des Nordflügels der Burg Posterstein

von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

Museumsverein auf den Spuren Hans Falladas und auf Schlössersafari

Geschichte & Geschichten Veröffentlicht am 19. Oktober 2023 von Museum Burg Posterstein19. Oktober 2023

Der Museumsverein Burg Posterstein fuhr vom 15. bis 17. September 2023 auf Bildungsfahrt nach Mecklenburg-Vorpommern. Vereinsmitglied Monika Dietrich berichtet in diesem Blogpost von den Entdeckungen.

Seit Mai dieses Jahres wartet das Museum Burg Posterstein mit der Ausstellung „Hans Fallada – Familienbilder“, mit Vorträgen, Lesungen, Filmen und Konzerten zum Thema „Hans Fallada“ auf. Denn eine wichtige Zeit – von 1913 bis 1915 – verbrachte der spätere Schriftsteller auf dem Rittergut in Posterstein als Landwirtschaftseleve.

Es liegt auf der Hand, dass das Museum der Burg Posterstein sich seinen Aufenthalt in Tannenfeld und Posterstein widmete und Verbindungen zum Fallada-Museum in Carwitz bei Feldberg in Mecklenburg-Vorpommern aufnahm.

Mitglieder des Museumsvereins Burg Posterstein vor dem Hans-Fallada-Haus in Carwitz - die Leute von hinten, das Haus im Hintergrund
Mitglieder des Museumsvereins Burg Posterstein vor dem Hans-Fallada-Haus in Carwitz

Demzufolge führte der Weg einer Gruppe von 22 Mitgliedern des Museumsvereins Burg Posterstein zur diesjährigen Bildungsfahrt am 15. September 2023 gen Nord-Ost.

Station 1: Lübben

Der erste Ort, an dem Halt gemacht wurde, war Lübben. Warum Lübben? In Lübben lebte kurzzeitig die Gräfin von Kielmannsegge, die eine Bekannte der Herzogin Anna Dorothea von Kurland in Paris war. Und über die Herzogin von Kurland wird ja in Posterstein stets eifrig geforscht!

Station 2: Hans-Fallada-Museum

Am Nachmittag dieses Tages gelangte die Reisegesellschaft per Kleinbussen und PKW – nicht mit Kutschen – in Carwitz an. So war es möglich, am nächsten Tag morgens dem Hans-Fallada-Museum einen Besuch abzustatten.

Im Vordergrund Blumen, im Hintergrund eine Menschengruppe bei einer Führung
Die Mitglieder des Museumsvereins bei der Führung durch den Garten von Hans Falladas Wohnhaus.

Die Führung des Museumsdirektors, Herrn Dr. Stefan Knüppel, durch Haus und Garten Falladas ermöglichte es den Gästen, einen hervorragenden Eindruck vom Leben und Wirken des Schriftstellers und gelernten Landwirts zu bekommen und auch Einsichten in sein familiäres Leben.

Zwei Boote im Wasser und zwei Männer auf einem Bootsanleger
Zu Hans Falladas Wohnhaus gehörte ein eigener Bootsanleger.

Denn Hans Fallada ist ja als kritischer Zeitzeuge in den 1920er und 1930er Jahren in seinen Werken auszumachen, wie auch als Freund der Kinder, seiner Kinder, wovon die zahlreichen Kinderbücher („Geschichten aus der Murkelei“) zeugen.

Ein kleines Bienenhäuschen auf einer Obstwiese, daneben die Reisegruppe
Hans Falladas Bienenhaus im Obstgarten wurde wieder originalgetreu hergerichtet.

Station 3: Schloss Oranienburg

Begeistert und ergriffen zog die Gruppe wieder von dannen, um ein weiteres Highlight der Umgebung zu besuchen: das Schloss von Oranienburg. Es war ein Erlebnis, die preußische Geschichte des 17. und 18. Jahrhunderts dieses Anwesens kennenzulernen, die Einrichtung zu bewundern und die wertvollen Bildteppiche zu bestaunen.

Das waren nun schon zwei Tage voller Neuigkeiten, voller Wunder, was es doch alles in Gebäuden und Landschaften in nicht allzu weiter Entfernung von unserem Altenburger Land zu entdecken gibt.

Station 4: Schloss Glienecke und Pfaueninsel

Der dritte Tag – noch waren die Mitreisenden nicht ermüdet – brachte die Entdeckung des wunderbaren Schlosses Glienecke nahe Potsdam. Keiner hätte sie vermissen wollen! Und zum Schluss der Reise kam noch ein Spaziergang über die Pfaueninsel unweit des Schlosses hinzu.

Tempel bei Schloss Oranienburg
Tempel für Königin Luise auf der Pfaueninsel bei Schloss Glienecke.

Erfüllt von Neuem, angespornt, weiterhin neugierig zu bleiben, aber auch schon etwas erschlafft vom vielen Sehen, Hören und Gehen wurde die Heimreise angetreten, die von den „Chauffeuren“ bestens bewältigt wurde.

Tempel auf der Pfaueninsel bei Schloss Glienecke
Pavillion an der Glienecker Brücke im Park von Schloss Glienecke.

Von Monika Dietrich / Museumsverein Burg Posterstein e.V.; Fotos: Frank Quaas, Sabine Hofmann

#Künstlerreisen: Auf Ernst Welkers Spuren in Werfen an der Salzach

Geschichte & Geschichten Veröffentlicht am 28. Juni 2023 von Museum Burg Posterstein28. Juni 2023

Werfen an der Salzach – wer kennt es? Zumindest die Burg Hohenwerfen sehen alle, die die Autobahn von Salzburg nach Villach nehmen. Anhalten können die wenigsten auf dem Weg zu ihrem eigentlichen Ziel, denn dafür müsste man die Autobahn verlassen und ein kleines Stück auf der Landstraße genau an der Salzach entlangfahren. Das haben wir vom Museumsverein Burg Posterstein getan und sogar noch den Tourismus durch Einkehren und Übernachten gefördert. Denn so war das auch im 19. Jahrhundert, also vor etwa 200 Jahren, als der Alpentourismus eine erste Blüte erlebte und Salzburg zum Sehnsuchtsziel für Künstler und Erholungssuchende avancierte.

Die Burg Hohenwerfen hoch auf einem grün bewaldeten Berg, Wolken hängen im Tal
Blick auf die Burg Hohenwerfen im Jahr 2023.

Im Salzburgmuseum in der Neuen Residenz am Mozartplatz beschäftigt sich eine ganze Abteilung damit, wie die Stadt zum Mythos wurde. Dort finden sich auch die Zeichnungen oder die Drucke davon, die Ernst Welker (1784–1857) und seine Malerfreunde Friedrich Philipp (1779–1840) und Heinrich Reinhold (1788–1825), Johann Adam Klein (1788–1825) und Johann Christian Erhard (1795–1822) während ihrer Exkursion 1818 von Wien in die Alpenstadt fertigten. Sie zeichneten die Berge um Salzburg, saßen auf der Kanzel bei Aigen, heute ein Stadtteil von Salzburg, zogen nach Berchtesgaden zum Watzmann und an den Königssee.

1831 kam Ernst Welker noch einmal in die Gegend. Er schloss sich einer Gruppe von reisenden Malern an, darunter Friedrich Gauermann (1807–1862), Johann Fischbach (1797–1871), Franz (1787–1868) und Wilhelm Steinfeld (1816–1854) sowie Franz Gruber (wahrscheinlich der Maler Franz Xaver Gruber (1801–1862)). So, wie hier von Johann Fischbach gezeichnet, sah Aigen zu dieser Zeit aus:

Zeichnung von Aigen bei Salzburg - eine idyllische Landschaft mit weidenden Kühen und einen Kirchturm
J. Fischbachs Zeichnung von Aigen bei Salzburg, gestochen von C. Huber, Lithografie, um 1840, Museum Burg Posterstein

Heute ist dieser Blick so nicht mehr nachzustellen, denn das Tal ist komplett bebaut.

Blick auf Salzburg und die Salza an einem sonnigen Tag
Salzburg heute

Bevor sie Salzburg erreichten, wanderten Ernst Welker und seine Künstlerfreunde die Salzach entlang und erfreuten sich an der Gebirgslandschaft. In Folge 9 unseres Podcasts „LeseZEIT auf Burg Posterstein“ liest Franziska Huberty aus Heinrich Reinholds anschaulichen und ausführlichen Reisebericht.

Eine Landschaft mit Fluss und Bergen, im Zentrum ein Schloss, auf dem Fluss ein Floß
Die Festung Werfen über der Salza – ein Aquarell über Bleistift von Ernst Welker, signiert „Welker fec.“ ohne Jahr, aus der Sammlung Uwe Buchheims.

Dabei erblickten eine ganz außergewöhnliche Burganlage. Diese hielt der Maler Ernst Welker, dem das Museum Burg Posterstein 2022 eine ganze Ausstellung widmete, mit Bleistift und Pinsel fest. Anders als den Touristen 200 Jahre später, standen ihm weder Eisenbahn, noch Auto und schon gar nicht Fotoapparat oder Handy zur Verfügung. Der Blick für die Ewigkeit, den der Künstler sicher zunächst seinem Skizzenbuch anvertraute, fand später als ausgearbeitete Zeichnung den Weg in die Museen. Ein Exemplar des Blickes auf Hohenwerfen von Ernst Welker befindet sich im Museum Burg Posterstein, ein etwas abgewandeltes Blatt in der berühmten Albertina in Wien.

Blick auf Werfen und die Burg Werfen heute, der Fluss ist durch Häuser und Bäume nicht zu sehen, aber die Berge und die Burg Werfen
So sieht Welkers Blick heute aus – der Fluss ist durch Bäume und Häuser heute nicht mehr zu sehen.

Aufgestiegen zur Burg ist Ernst Welker wohl eher nicht. Dies gestaltete sich auch schwieriger als heute, da sich die Burganlage inzwischen in staatlichen Händen befindet und ein Aufzug den zahlungswilligen Besucher in Windeseile den Berg hinauf- und wieder herunterbringt. Nach der Säkularisierung 1803 stand die Burg unter Herrschaft der Bayern, die die Anlage verfallen ließen. Keine Chance also für unsere Malerfreunde auf eine Einladung.

Besucherzentrum mit Aufzug hinauf auf den Berg zur Burg Hohenwerfen
Aufzug- und Empfangsgebäude der Burg Hohenwerfen.

Heute kann man die Burganlage also bequem per Aufzug erreichen und per Führung erkunden. Die inhaltliche Vermittlung der „Erlebnisburg“ lässt unserer Meinung nach zwar noch Luft nach oben, aber die Burg selbst ist sehenswert. Sie ist trotz eines Brandes des Hauptgebäudes 1931 eine großartige, geradezu bilderbuchhafte Burganlage, die alles bereithält, was die mittelalterliche Burgenarchitektur zu bieten hatte.

Es bleibt die Aufforderung an den Besucher des 21. Jahrhunderts: Entschleunigt doch einmal eure Reise von und nach den Süden und lauft die Salzach entlang, haltet den Blick auf die Burg Hohenwerfen nicht nur auf einem bald vergessenen Handyfoto fest, sondern erkundet die Burg, um dann vielleicht auch noch Salzburg und seine Umgebung zu durchstreifen.

Von Sabine Hofmann / Museumsverein Burg Posterstein

Lesetipp: Sehnsuchtsziel Italien – Der Maler Ernst Welker auf Reisen und im Salon der Herzogin von Kurland

Buchcover "Sehnsuchtsziel Italien - Der Maler Ernst Welker auf Reisen und im Salon der Herzogin von Kurland"
Das Buch „Sehnsuchtsziel Italien“ kann man über das Museum Burg Posterstein kaufen

Erstmals stellt ein Buch den Künstler Ernst Welker in den Mittelpunkt. Es ist über das Museum Burg Posterstein bestellbar.

Burg Posterstein ausgezeichnet als TOP Ausflugsziel in Thüringen

Geschichte & Geschichten Veröffentlicht am 21. Juni 2023 von Museum Burg Posterstein21. Juni 2023

Aus über 12.000 Ausflugszielen in Deutschland, Österreich und der Schweiz wählte das auf familienfreundliche Ausflugsziele spezialisierte Suchportal www.familienausflug.info das Museum Burg Posterstein unter die TOP 10-Ausflugsziele 2023 in Thüringen. Das Suchportal zählt zu den beliebtesten seiner Art. Die Grundlage für die Auszeichnung bilden über zwölf Millionen öffentliche Bewertungen im Internet. Insgesamt erhielten 290 Ausflugsziele in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Südtirol den Award. Weitere Infos zur Auszeichnung finden Sie hier.

Das Museum Burg Posterstein punktet bei Familien mit der beliebten Kinderburg-Ausstellung, regelmäßigen Ferien-Programmen und Veranstaltungen wie dem Steckenpferd-Turnier. 2022 waren fast die Hälfte der rund 20.000 Museumsbesucher Familien mit Kindern, Schulklassen und Kitas.

Hier zeigt Museumsmitarbeiterin Franziska Huberty die Urkunde von Familienausflug.info. Im Hintergrund sieht man die Burg Posterstein.
Hier zeigt Museumsmitarbeiterin Franziska Huberty die Urkunde von Familienausflug.info. Franziska Huberty ist auch maßgeblich mitverantwortlich dafür, dass Burg Posterstein so familienfreundlich ist. Sie hat nicht nur die Ausstellung „Die Kinderburg“ mit konzipiert, sondern führt derzeit fast täglich Schulklassen, Kitas und Kindergeburtstage auf unterhaltsame Art durch die Burg.

Familienfreundliche Burg Posterstein

Kinder entdecken die Burg Posterstein mit einer Schatzkarte. Denn „Die Kinderburg“-Ausstellung beantwortet von Kindern gestellte Fragen kurz und knapp. Zum Beispiel: Wie pullerte ein Ritter, wenn er seine Rüstung anhatte? Hatte jeder Ritter ein Pferd? Und: Durfte jeder Ritter oder Burgherrin werden?

Stationen zum Anfassen, Ansehen und Anhören führen interaktiv und spannungsreich durch die gesamte Burg – vom Verlies bis auf den Turm. Von der Plattform in 25 Metern Höhe reicht die Sicht bei schönem Wetter bis ins Erzgebirge.

Kleine Besucherin beim "Marchen-Memo" - "Marchen" hießen im Altenburger Land die Bauersfrauen in Tracht.
Kleine Besucherin beim „Marchen-Memo“ – „Marchen“ hießen im Altenburger Land die Bauersfrauen in Tracht.

Die über 800 Jahre alten Höhenburg Posterstein liegt im Dreiländereck Thüringen-Sachsen-Sachsen-Anhalt. Die Ausstellungen erzählen von der Geschichte der Burg Posterstein, der Region und von Salons, die kluge Frauen vor 200 Jahren führten.

Jedes Jahr zu Pfingsten erwacht beim großen Mittelalterspektakel mit Ritterspielen, Gauklern und Händlern für drei Tage das Mittelalter zum Leben. Und zum Internationalen Kindertag am 20. September – in Thüringen ein Feiertag – treten kleine Ritterinnen und Ritter beim Großen Postersteiner Steckenpferdturnier an.

Das Museum Burg Posterstein zeigt wechselnde Sonderausstellungen zu regionaler Geschichte und Kunst. In allen Schulferien finden Ferienprogramme mit immer wieder neuen Themen-Schwerpunkten statt.

Nächstes Ferienprogramm:

8. Juli bis 20. August, während der Öffnungszeiten des Museums

Sommerferien-Programm: Tierische Burggeschichten

Im Sommerferien-Programm “Tierische Burggeschichten – Welche Rolle spielten Tiere auf Burgen und Rittergütern?” stehen Tiere im Mittelpunkt.

Besaß jeder Ritter ein eigenes Pferd? Welche Tiere lebten auf einer Burg? Und heulte ein Schlosshund wirklich? In den Sommerferien dreht sich alles um Tiere, die zu den festen Bewohnern von Burgen und Rittergütern gehörten. Ihr bekommt kniffelige Rätselfragen und allerhand Gelegenheit, euch auszuprobieren.

Für das Sommerferien-Rätsel ist keine Voranmeldung nötig.

Banner Sommerferien-Programm mit Burg Posterstein im Hintergrund und einem gezeichneten Falken im Vordergrund

In den Sommerferien freier Eintritt mit dem Thüringer Kulturpass

Schülerinnen und Schüler mit Thüringer Kulturpass können die Burg Posterstein in den Sommerferien kostenlos besuchen. Dafür reicht es, den analogen oder digitalen Kulturpass an der Museumskasse vorzuzeigen.

Mit dem Thüringer Kulturpass können Schülerinnen und Schüler in Kultureinrichtungen weltweit Stempel sammeln. Für zehn Stempel erhalten Teilnehmende ein persönliches Zertifikat sowie die Chance auf eine Vielzahl attraktiver Preise. Der Thüringer Kulturpass wird von der Thüringer Staatskanzlei gefördert.

Ostereier-Schau mit „Easter Eggs“

Geschichte & Geschichten Veröffentlicht am 6. April 2023 von Museum Burg Posterstein6. April 2023

Die Ostereier-Schau, die wir bis 1. Mai 2023 im Museum Burg Posterstein zeigen, enthält diesmal einige „Easter Eggs“, die sich auf unsere anderen Ausstellungen, Sammlungen und Forschungen beziehen. Für alle, denen der Begriff nicht so geläufig ist: Unter „Easter Eggs“ versteht man versteckte Hinweise und Referenzen in künstlerischen Werken wie Filmen und Büchern, die sich auf andere Werke beziehen. In unserem Fall gibt’s in der Ausstellung mehr oder weniger unauffällige Andeutungen auf Ausstellungsthemen der ständigen Ausstellungen und der nächsten Sonderschau.

Die Ostereier-Schau auf Burg Posterstein

Die Ostereier-Schau „Wenn die Osterglocken läuten“ holt von 1. April bis 1. Mai 2023 den Frühling in die Burg Posterstein. Die Sonderschau zeigt in einem Raum hunderte, von Peter Rehfeld in verschiedenen Techniken gestaltete Ostereier aus der Sammlung des Museums und stellt sie Frühlingsgedichten gegenüber. Die Gedichte schrieben Autorinnen und Autoren, die in der ständigen Ausstellung des Museums eine Rolle spielen.

Screenshot von You-Tube - Man sieht eine Hand, die ein Osterei mit einer Narzisse bemalt neben einem Korb voller bemalter Eier
Im Video gestaltet Marion Dinger aus dem Museumsverein Burg Posterstein e.V. ein Osterei mit Narzisse und Gedicht – per Klick gelangen Sie zu unserem YouTube-Account, wo Sie sich die Anleitung im Zeitraffer anschauen können.

Was haben Jean Paul, Theodor Körner und Hans Fallada gemeinsam?

In der Ostereier-Schau treffen Besucherinnen und Besucher auf Gedichte von Theodor Körner, Jean Paul, Hans Wilhelm von Thümmel, Elisa von der Recke und Christoph August Tiedge, die allesamt Gäste im Salon der Herzogin von Kurland in Löbichau waren. Auch ein Gedicht, wenn auch kein fröhliches, von Hans Fallada, dem das Museum ab 14. Mai 2023 eine Ausstellung widmet, ist dabei.

Alle Schriftsteller eint, dass sie zu Lebzeiten Gast, vorrübergehend wohnhaft oder beheimatet im heutigen Altenburger Land waren und in der ständigen Ausstellung des Museums Erwähnung finden.

Das Patenkind der Herzogin Dorothea: Theodor Körner

Im Frühling

1810

Morgenduft!
Frühlingsluft!
Glühend Leben,
Muthige Lust,
Freudiges Streben
In freudiger Brust!
Hinauf, hinauf
Auf der lichten Bahn
Dem Frühling entgegen!

Auf allen Fluren
Der Liebe Spuren,
Der Liebe Segen.
Wälderwärts
Zieht mich mein Herz,
Bergaus, bergein,
Frei in die Welt hinein,
Durch des Tages Gluth,
Durch nächtlich Grausen!

Jugendmuth
Will nicht weilen und hausen.
Wie alle Kräfte gewaltig sich regen,
Mit heißer Sehnsucht spät und früh,
Dem ewigen Morgen der Liebe entgegen,
Entgegen dem Frühling der Phantasie!

Aus: Theodor Körner: Gedichte, in: Theodor Körner‘s Werke. Vollständigste Ausgabe mit mehreren bisher ungedruckten Gedichten und Briefen, Berlin 1890.

Theodor Körner (1791–1813) weilte häufiger in Löbichau als Gast seiner Patin, der Herzogin Dorothea von Kurland. Er studierte in Leipzig und Wien, wo er am Burgtheater arbeitete. Bekannt wurde er als Dichter der Befreiungskriege, in denen er 1813 starb. Der Maler Ernst Welker, von dem unsere Podcast-Folge Nummer 9 erzählt, zeichnete sein Grab. Auch Welker war – wenn auch später als Körner – in Löbichau.

Eine Bank, daneben eine mit Osterglpcken bepflanzte Zinkwanne und im Hintergrund Vitrinen mit Ostereiern in der Ausstellung im Museum Burg Posterstein
Die Postersteiner Ostereier-Schau verbindet Ostereier und Frühlingsgedichte.

Die Halbschwester der Herzogin: Elisa von der Recke

Ebenfalls eine Taufpatin Theodor Körners war die Schriftstellerin Elisa von der Recke (1754–1833), die Halbschwester der Herzogin Anna Dorothea von Kurland. Sie schrieb unter anderem folgendes Frühlingsgedicht:

Frühlingslied

Sieh, der Frühling lacht uns wieder;
Bunt geschmückt sind Hain und Flur;
Laut erschallen seine Lieder
Von den Sängern der Natur;
Lichte Silberwolken mahlen
Schön sich auf des Himmels Blau,
Und die Pracht der Sonnenstrahlen
Schmückt mit Glanz die Blumenau‘.
Reiche Saat wogt auf den Feldern,
Wie ein grünes Wellenmeer;
Auf den Bergen, in den Wäldern
Lacht um uns die Freude her;
Jeder neue Tag entfaltet
Neuen Blüthenschmuck der Flur;
Und die Schönheit, die veraltet,
Wird ein Segen der Natur.
Schnell auch welkt der Jugend Blüthe,
Gleich dem holden Lenz, dahin!
Weisheit, zarte Seelengüte,
Sind ein bleibender Gewinn.
Lerne du von Mutter Erde,
Wie sie Lenz und Sommer braucht!
Daß zur Frucht die Blüthe werde,
Darum wird ihr Schmuck enthaucht.

aus: Gedichte der Frau Elisa von der Recke,
gebornen Reichsgräfin von Medem /
hrsg. von C. A. Tiedge. Mit Compositionen von Himmel und Naumann, Halle 1806.

Der ständige Begleiter Elisa von der Reckes: Christoph August Tiedge

Gemeinsam mit dem Schriftsteller Christoph August Tiedge (1752–1841) verbrachte Elisa von der Recke so manchen Sommer in Löbichau. Auch er widmete dem Frühliung Gedichte:

Frühlingslied

Auf die Erde gießt der Himmel
Seinen wärmern Sonnenschein,
Und ein fröhliches Gewimmel
Junger Kräfte rauscht im Hain.
Hohe Siegeslieder singend,
Winkt die blühende Natur,
Ihren vollen Thyrsus schwingend,
Dich auf ihre grüne Flur.
In den klaren Aether tauchen
Sich die Lüft‘, und schwärmen dann
Durch die Wiese hin, und hauchen
Sanft das erste Veilchen an.
Dieses Kind der wärmern Lüfte,
Zart und freundlich, wie dein Scherz,
O, das Veilchen, Minna, düfte
Seine Stille dir ins Herz!
Um die frühe Philomele
Flattert reges Laubgewühl;
Sie erweck‘ in deiner Seele
Das melodische Gefühl,
Welches in der holden Güte
In der Graziengestalt
Deiner zarten Lebensblüte
Leis‘ und lieblich wiederhallt.

Aus: An Minna von B., 1788, in: Elegien und vermischte Gedichte von C. A. Tiedge, Erstes Bändchen, Halle in der Rengerschen Buchhandlung 1803.

Ab 1804 lebte Christoph August Tiedge mit Elisa von der Recke abwechselnd in Halle und Berlin oder reiste mit ihr durch Deutschland, die Schweiz und Italien.

Der Minister vom Nachbar-Rittergut: Hans Wilhelm von Thümmel

Zu den ständigen Löbichauer Gästen zählte der Geheime Rat und Minister Hans Wilhelm von Thümmel, dem das benachbarte Rittergut Nöbdenitz gehörte. Auch ihm widmeten wir bereits eine Podcast-Folge.

1000-jährige Eiche Nöbdenitz im März 2023 noch ohne Blätter
Die 1000-jährige Eiche Nöbdenitz im März 2023

Thümmel wählte die 1000-jährige Eiche von Nöbdenitz zu seiner außergewöhnlichen Grabstätte. Zu Lebzeiten soll er in der Eiche Aphorismen verfasst haben. Frühlingsgedichte aus seiner Feder sind uns nicht bekannt, aber einer seiner Aphorismen hat den Weg in die Ostereier-Schau gefunden:

Aphorismus Nr. 140

Wer für die melodische Stimme
des Waldes kein Ohr,
wer für die Reize der Natur
nur ein flüchtiges Auge,
wer bei Erblickung
des strotzenden Fruchtbaums
und bei den grünenden Saaten,
die Reiche und Arme sättigen,
keine dankbare Zunge,
wer für Millionen
duftender Blumen und Kräuter
ur stumpfe Nerven hat,
der besitzt zwar Thiergefühl,
aber keine Empfindung:
er mag im Sumpfe ekler Zerstreuung
sein Leben hinhauchen.

Aus: Hans Wilhelm von Thümmel: Aphorismen aus den Erfahrungen eines Sieben und Siebzigjährigen,
Altenburg 1821.

Der Sommergast der Herzogin: Jean Paul

Einen Sommer verbrachte der bekannte Dichter Jean Paul (1763–1825) auf besondere Einladung der Herzogin von Kurland in Löbichau, wo er die dort herrschende Sprechfreiheit lobte. Davon erzählt unsere Podcast-Folge 1, in der wir Jean Pauls Besuch aus Sicht der Herzogin erzählen. Demnächst (Mai 2023) behandelt Folge 11 des Podcasts noch einmal diesen Besuch aus Sicht des Dichters.

Frühling mit blühenden Narzissen im Schlosspark Tannenfeld, im Hintergrund das Schloss Tannenfeld
Frühling im Schlosspark Tannenfeld

Auch Jean Paul ist nicht für Frühlingsgedichte bekannt. Aber wir zitieren gern eine Stelle aus seinem „Titan“:

Wenn der Mensch vor dem Meere und auf Gebirgen, und vor Pyramiden und Ruinen, und vor dem Unglücke steht und sich erhebt, so strecket er die Arme nach der großen Freundschaft aus. – Und wenn ihn die Tonkunst und der Mond, und der Frühling und die Freudenthränen sanft bewegen, so zergeht sein Herz und er will die Liebe. – Und wer beide nie suchte, ist tausend Mal ärmer, als wer beide verlor.

Aus: Titan, Erstes Bändchen, in: Jean Pauls sämmtliche Werke, XXI, Fünfte Lieferung, Erster Band, Berlin 1827, S. 142.

Der Patient und Lehrling: Rudolf Ditzen

Nicht Gast im Salon der Herzogin von Kurland war der letzte Dichter, den die Sonderschau zitiert, denn er kam erst hundert Jahre später in unsere Gegend. Rudolf Ditzen (1893–1947), der später weltbekannte Schriftsteller Hans Fallada, verbrachte in seiner Jugend, längere Zeit in der Nervenheilanstalt in Tannenfeld. Diese war Jahrzehnte nach der Zeit des Löbichauer Salons im ehemaligen Schlosspark Tannenfeld entstanden. In der ländlichen, idyllischen Umgebung verfolgte der Arzt Dr. med. Arthur Tecklenburg dort ein modernes Klinikkonzept.

Schlosspark Tannenfeld mit blühenden Narzissen im Vordergrund, Schloss Tannenfeld im Hintergrund
Blühende Narzissen im Schlosspark Tannenfeld

In dieser Umgebung verbesserte sich Rudolf Ditzens Zustand sichtlich, auch wenn das hier zitierte Gedicht noch von seiner schweren Depression in Folge seines missglückten Doppelselbstmords zeugt:

Tannenfeld

Vielleicht ist Park hier nichts so sehr wie Leid,
Vielleicht ist Baum ein hingeschluchztes Wort,
Und jedes Blatt ist einer Schwermut Kleid,
Darinnen Lust wie Leid erstickt verdorrt.
Vielleicht führt jeder Weg zum Irrsinn hin,
Vielleicht ist Teich ein tief erweinter Schmerz,
Und jedes Haus steht stets im Dunkel drin,
Und nichts ist stumm, eh’s nicht zu Boden fällt
Nur Ding ist tot und dies vielleicht auch nicht,
Es wehrt sich auch und schreit sein tiefstes Leid,
So schreit auch Mensch in Schmerzen jederzeit,
Bis man ihm schließlich dunkle Kränze flicht.

Aus: Rudolf Ditzen (Hans Fallada)
aus seiner Krankenakte

Nach seiner Entlassung absolvierte der junge Mann auf dem Rittergut Posterstein eine landwirtschaftliche Ausbildung. Anlässlich seines Geburtstags zeigt das Museum Burg Posterstein von 14. Mai bis 12. November 2023 die Ausstellung „Hans Fallada – Familienbilder. Wie aber bestehe ich vor Dir, sehr liebe Verwandtschaft –?!“ der Hans-Fallada-Gesellschaft. Diese schöpft aus den umfangreichen Beständen des Hans-Fallada-Archivs und rückt Erinnerungen, Briefe und Fotos der Familie Ditzen in den Mittelpunkt. In Posterstein zu sehen sein wird eine Kabinett-Ausstellung in einem Raum, die bewusst einen Schwerpunkt auf Rudolf Ditzens Jahre in Tannenfeld und Posterstein legt. Zur Ausstellung wird es ein umfangreiches Begleitprogramm geben.

Von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

Die Postkarte – ein Gruß aus der Vergangenheit

Geschichte & Geschichten Veröffentlicht am 1. Februar 2023 von Museum Burg Posterstein1. Februar 2023

Schon das Telegramm und das Telefon machten es ihr zunehmend schwer. Doch die SMS und spätestens WhatsApp ließen die Postkarte buchstäblich alt aussehen, wenn sie nach Tagen oder gar Wochen in den Briefkasten flatterte. Trotzdem gibt es sie auch heute noch – und im Gegensatz zu digitalen Kurznachrichten hat sie Aufbewahrungswert. Als persönliche Erinnerung oder als Sammlerstück, als Kunstwerk, Kulturgut und als Zeitzeugnis: Postkarten geben uns noch heute etwas.

Kabinett-Ausstellung „Liebe Omi, wie geht es Dir? – Postkarten aus Löbichau und Umgebung“ von 5. Februar bis 19. März 2023 zeigen wir 300 Postkarten aus Ortschaften unserer unmittelbaren Umgebung. Sie entstammen der privaten Sammlung von Frank Erler. Allein aus Löbichau, der Heimat des Sammlers, sind über 80 Motive zu bestaunen, aus Tannenfeld rund 40. Dazu kommen Karten aus anderen umliegenden Ortschaften.

Historische Ansicht des Gasthofs Löbichau, auf dem Weg zwei Menschen
Historische Ansichtskarte des Löbichauer Gasthofs, Sammlung Frank Erler

Viele Löbichauer Motive gehen aber auch auf ehemalige Gasthöfe zurück, darunter die Vorläufer des heutigen Landgasthofs, deren Eigentümer sehr viele eigene Postkarten-Auflagen drucken ließen.

Wozu Postkarten?

Die Postkarte als Medium zur Kommunikation wurde erst gebraucht, als viele Menschen weit weg von Familie und Freunden lebten und als sich „Otto Normalbürger“ weite Reisen leisten konnte. Noch im frühen 19. Jahrhundert verfügten nur die oberen Gesellschaftsschichten über genügend Zeit und Geld, um entfernte Orte zu besuchen. Mit der Industrialisierung zogen viele Arbeiter auf der Suche nach einer Anstellung vom Land in die Städte um. Der Bau der Eisenbahnen erleichterte die Mobilität – auch die der Post, die nun schneller am Zielort ankam.

In den USA wurden private Grußkarten schon 1861 postamtlich zugelassen. Nach einigen Vorläufern führte Österreich-Ungarn die „Correspondenzkarte“ 1869 ein, im Jahr darauf folgten auch andere deutsche Länder nach. Zunächst gab es vorgedruckte Karten und beschriebene Vorderseiten. Erst 1905 legte das Deutsche Reich das heute gängige Format mit bedruckter Vorderseite und beschriebener Rückseite fest.

Mir geht’s gut – wie geht’s dir?

Ja, und was schreibt man auf so ein Stück Pappe, das offen und für alle lesbar ausgeliefert wird? Meist nichts Heikles, einen schönen Gruß, eine kurze Momentaufnahme. Häufig auch Einladungen und kurze Informationen.

Postkarte von 1976, DDR, aus einem Urlaub in Tannenfeld
„aus meinem Urlaub sende ich Euch die besten Grüsse. – Schlafen, essen und spazieren gehen im Park der sehr schön ist, auch allerhand Bänke gibt es. “ – Postkarten-Rückseite von 1976, Sammlung Frank Erler

Tatsächlich diskutierte man die Einführung des neuen Mediums kritisch: Würde die Beschränkung auf so kurze Texte nicht ein Stück Schriftsprachkultur beschneiden? Die Kunst des Schreibens ausführlicher Briefe verloren gehen? – Eine Diskussion, die uns heute nur allzu bekannt vorkommt.

Die Postkarte setzte sich in der breiten Bevölkerung schnell durch – sie war leicht und schnell zu verfassen und günstig zu versenden.

Postkartenhimmel

Auf Postkarten herrscht nie trübes Wetter, der Himmel erstrahlt in so tiefem Blau, dass der „Postkartenhimmel“ zum gängigen Begriff geworden ist. Hier zeigt sich der abgebildete Ort von seiner schönsten Seite, um dem Reisenden positiv im Gedächtnis zu bleiben und beim Post-Empfänger Lust auf einen eigenen Ausflug an diesen Ort zu wecken.

Schloss Löbichau, Ansichtskarte von 1904 (Museum Burg Posterstein)
Schloss Löbichau, Ansichtskarte von 1904 (Museum Burg Posterstein)

Wie heute in Beiträgen in sozialen Netzwerken zeigte die Postkarte die schönen Seiten des Lebens – und weckte damit Begeisterung und Neid gleichermaßen.

Und heute? Wer in Zeiten des Smartphones den Aufwand betreibt, seinen Lieben eine echte Postkarte zu schicken – vor Ort gekauft, handbeschrieben, frankiert und in einen Briefkasten gesteckt – zeigt damit Wertschätzung: Du bist es mir wert, Zeit, Geld und Mühe in diesen Gruß zu investieren.

Die Postkarten-Sammlung des Museums

Das Museum Burg Posterstein besitzt eine Sammlung historischer Postkarten, vorwiegend mit Motiven aus dem Altenburger Land sowie der Region. Viele Postkarten sind wertvolle historische Zeugnisse, die beispielsweise heute nicht mehr vorhandene Bauwerke und Landschaften zeigen.

Wie das Rttergut Posterstein vor der Bodenreform aussah, zeigt diese historische Postkarte (Museum Burg Posterstein)
Wie das Rttergut Posterstein vor der Bodenreform aussah, zeigt diese historische Postkarte (Museum Burg Posterstein)

Die Sammlung wird fortlaufend erweitert, ist aktuell allerdings noch nicht digitalisiert.

Schwarz-Weiß-Foto vom ehemaligen Herrenhaus in Tannenfeld - Postkarte von 1931
Postkarte von Tannenfeld aus dem Jahr 1931 (Sammlung Museum Burg Posterstein)

Ausstellung „Postkarten aus Löbichau und Umgebung“ 2023 auf Burg Posterstein:

Die Kabinett-Ausstellung „Liebe Omi, wie geht es Dir? – Postkarten aus Löbichau und Umgebung“ von 5. Februar bis 19. März 2023 auf Burg Posterstein zeigt in einem Raum 300 Postkarten aus der Sammlung Frank Erler mit Motiven aus Löbichau und umliegenden Ortschaften. Sie gibt darüber hinaus kurze Einblicke in die Geschichte der Postkarte, die Löbichauer Ortsgeschichte und die Geschichte der Gasthöfe im Altenburger Land.

Banner zur Sonderschau "Postkarten aus Löbichau und Umgebung" - der Text steht auf der Rückseite einer historischen Postkarte
Banner zur Sonderschau „Postkarten aus Löbichau und Umgebung“

Ausstellungseröffnung mit dem Sammler Frank Erler

Zur Ausstellungseröffnung am 5. Februar, 15 Uhr, besteht die Möglichkeit mit dem Sammler Frank Erler ins Gespräch zu kommen. Angefangen hat Frank Erlers Sammelleidenschaft 2003, als er in Vorbereitung der 750 Jahr-Feier seines Heimatorts Löbichau nach historischen Postkarten recherchierte. Seither hat es ihn nicht losgelassen, nach Seltenheiten Ausschau zu halten.

Zur Ausstellung gibt es ein Begleitprogramm:

Ferien-Programm mit Postkarten-Thema

Das Winterferien-Thema lehnt sich an die Sonderschau „Liebe Omi, geht’s dir gut? – Postkarten aus dem Altenburger Land“. Im Ferienprogramm “Liebe Omi, wie geht’s dir? – Warum schrieb man früher so viele Postkarten?” vom 11. bis 26. Februar 2023 erfahren Kinder spielerisch, warum man früher so viele Postkarten schrieb. Dabei dürfen die Kinder ausnahmsweise in fremder Post schnüffeln und bekommen die Gelegenheit, selbst eine Postkarte zu schreiben. Alle Infos

Vortrag “Historische Postkarten aus dem Altenburger Land”

Im Vortrag „Historische Postkarten aus dem Altenburger Land“ am 12. März 2023, 15 Uhr, stellen Gustav Wolf, Vorsitzender der Geschichts- und Altertumsforschenden Gesellschaft des Osterlandes zu Altenburg, und die Historikerin Sabine Hofmann weitere Postkarten aus dem Altenburger Land vor und geben einen Einblick in die Geschichte der Postkarten im Altenburger Land. Weitere Informationen zum Vortrag

Von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein


Lesetipps zum Postkarten-Thema:

Schirn Magazin: Das goldene Zeitalter der Ansichtskarte war einmal, aber sie bleibt doch für immer: Sie dient der einseitigen Korrespondenz, sie ist ein Gruß aus der Ferne. Oder sogar auch ein Kunstwerk.

Historisches Museum Hamburg: Die ganze Welt im Wohnzimmer Die Geschichte der Postkarte

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