Krakau – vier Tage intensiv Geschichte erleben

Jedes Jahr begibt sich der Förderverein des Museums auf Bildungsfahrt.

Diesmal unternahmen wir vom 11. bis 14. August 2016 eine Exkursion in die geschichtsträchtige Stadt Krakau in Südpolen. Auf dem Hin- und Rückweg wurde die Zeit nicht nutzlos im Bus verbracht, sondern auch an diesen eigentlichen Reisetagen gab es sehenswerte Ziele, die angefahren und besichtigt wurden.

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Das Schloss von König Kasimir dem Großen

Das Schloss von König Kasimir dem Großen

Das erste Ziel war Schloss Pieskowa Skala, etwa 25 Kilometer nordöstlich von Krakau. Auf weißem Fels erhebt sich ein wunderschön restauriertes helles Schloss. Im 16. Jahrhundert war die vorhandene Burg in ein Renaissanceschloss umgebaut worden. Herrliche Arkaden – und das sollten nicht sie einzigen sein, die auf dieser Reise zu besichtigen waren – umfassen einen weiten Hof.

Krakau – bis 1596 Hauptstadt des Königreichs Polen

Einen Tag lang widmete sich die Reisegruppe der Stadt Krakau, einer Stadt, wie man sie kaum erwartet hat. Der alte Stadtkern noch wunderbar erhalten. An der Weichsel gelegen, erhebt sich auf einer Anhöhe der Wawel, das alte Königsschloss.

Im Zweiten Weltkrieg nicht zerstört, hat die Stadt doch einige Überfälle von Mongolen oder Türken erleben müssen. Einige Stadtbrände kamen hinzu. Und zu Zeiten des kommunistischen Regimes wurde die Stadt sehr vernachlässigt. Umso erstaunlicher ist es, wie herrlich die Stadt heute renoviert ist, zumindest die Altstadt.Trotz ihres Alters ist die Stadt jung, jung durch die zahlreichen Studenten, die hier leben.

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Der Wawel (Residenz der Könige von Polen) und die alte Stadt waren umgeben von Festungsanlagen und Wassergräben, die heute einen Grüngürtel von 4 Kilometern Länge bilden.

 

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Papst Paul II. war Bischof von Krakau – sein Bild ist überall in der Stadt zu sehen
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Der Markt mit den Tuchhallen ist riesig.
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Die Marienkirche ist ein Schatz, und der größte Schatz darin ist der Marienaltar von Veit Stoß. Im Czartoryski-Museum gibt es sogar einen Da Vinci zu bewundern: Die Dame mit dem Hermelin.

Die Schwarze Madonna von Częstochowa

Wer gedacht hatte, am dritten Tag dem Menschengewühl einer vielbesuchten Stadt zu entkommen, hatte sich gewaltig getäuscht. Von wegen stille Einkehr in einem Kloster.

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Doch nicht in Tschenstochau! Pilger über Pilger, Busse über Busse, Autos über Autos. Alle wollen die schwarze Madonna sehen. An ihr wird man schnell vorbeigeschleust. Pracht und Prunk an allen Orten, was man gar nicht richtig fassen kann.

Gut, dass es wieder zurück ins doch „ruhigere“ Krakau geht. Ruhig ist vielleicht nicht das richtige Wort, denn bis in die späte Nacht hinein, wandeln hier Menschen – Kind und Kegel – auf dem Markt und in den Straßen. Was gibt’s Schöneres, als dann abends in einem Jazz-Keller unterzuschlüpfen.

Residenz der Herzöge von Brieg

Am vierten Tag, auf der Rückfahrt gab es ebenfalls ein Schloss zu besichtigen, das Schloss in Brieg, in dem man so vieles über die Geschichte der Piasten erfahren kann.

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Besonders eindrucksvoll ist das Renaissanceportal am Eingang zum Schloss. Das Überraschendste aber war der Taufstein im Schlossmuseum, an dem Kurt Masur, der 1927 in Brieg geboren, getauft worden war.

Ein Beitrag von Monika Diedrich.

 

Exponate, die überzeugen: Museumsverein Burg Posterstein besucht Thüringer Landesausstellung

Erst zwei Woche ist es her, dass in Posterstein die Ausstellung über den Gotha-Altenburgischen Minister Hans Wilhelm von Thümmel (1744-1824) eröffnet wurde. Der erfolgreiche „Diener“ der Mächtigen spielte schließlich im 18. und 19. Jahrhundert eine wichtige Rolle bei der „Prägung Europas“, das die Thüringer Landesausstellung in den Mittelpunkt stellt. Einen Rückblick auf die Eröffnung in Posterstein gibt es hier:

Die Postersteiner Schau soll also eine Vertiefung dessen sein, was der Besucher im Kosmos Weimar und im Barockem Universum Gotha präsentiert bekommt.

So machten sich die Postersteiner Museumsfreunde auf den Weg nach Gotha, der einstigen Landeshauptstadt zur Zeit Hans Wilhelm von Thümmels. Sie begannen ihre Besichtigung im Herzoglichen Museum, also bei den Künsten. Der Ort ist hervorragend gewählt für die Abhandlung genau dieser Thematik, wie die exquisiten Exponate auch. Was fehlt, ist eine Einführung in die Gesamtkonzeption der Schau, offenbar rechneten die Ausstellungsmacher nicht mit dem Eigenwillen der Besucher, selbst auszuwählen, wo ihr Einstieg in die Landesausstellung stattfindet.

Über eigenwillige Besucher und Flure als Ausstellungsräume

Die Führung half da wenig, erschrocken verlor die Kollegin jedes Konzept, als ihr offenbar wurde, das da kundige Gäste vor ihr standen – schade!

Im Schloss selbst zeigte sich, dass Flure sich meistens nicht als Ausstellungsräume eignen.

Die ausgestellten Exponate allerdings überzeugten. Ein besonderes Objekt (passend zu unserer Thematik) war beispielsweise der Schlüssel eines Kammerherrn – Thümmel wurde 1776 Kammerrat an der Gothaer Kammer und im selben Jahr zum Kammerherrn ernannt – im Kontext einer witzigen Darstellung der „Pyramide des Gothaer Hofdienstes“ mittels Schachfiguren.

Schließlich hatte sich ja Thümmel hochgedient vom Pagen der Herzogin Luise Dorothea (1710–1767) zum Minister ihres Sohnes Ernst II. (1745–1804) und ihres Enkels August (1772–1822). Die Pagenstelle bekam Thümmel 1760 durch seinen Patenonkel, den Oberhofmarschall Hans Adam Friedrich von Studnitz (1711–1788). In seinen Werk Historische, statistische, geographische und topographische Beyträge  zur Kenntniß des Herzogthums Altenburg. Herausgegeben von Hans von Thümmel. Altenburg 1818“ widmete er unter anderem seiner Mentorin Luise Dorothea wie auch der Herzogin Anna Dorothea von Kurland ein längeres Porträt.

Einer der engsten Vertrauten des Herzogs

Unter Herzog Ernst II. wurde Thümmel 1791 Geheimer Rat und zählte zu den engsten Vertrauten des Herzogs. Thümmel sollte auch nach den Anweisungen im Testament des Herzogs dessen Begräbnis organisieren. 36 Stunden vor seinem Tod ließ Ernst II. seine „vertrautesten Freunde, einem nach dem andern an sein Bett kommen“, darunter auch Thümmel, der die Szene so beschrieb:

„Er drückte ihm zum letztenmale die Hand; und als die Thräne der innigsten Wehmuth auf die seinige fiel, sagte er [Ernst II.] unaussprechlich sanft: ‚Alter Freund, wir kennen uns schon lange; doch dieß ist wohl das erstemal, wo ich Ihnen wehe thue!‘ Und der Gott der Wahrheit sey Zeuge, daß in den 45 Jahren meines Lebens und Wehens um ihn es so war!“ (Thümmel, Beyträge, S. 93/94)

Später auf unserer Erkundungstour durch die Landesausstellung trafen wir auf Herzog Augusts Tochter Luise (1801–1831), die Stammmutter der Windsors. Thümmel war seit 1801 ihr Vormund. Er kümmerte sich bis zu ihrer Heirat mit dem Coburger Herzog Ernst 1817 um Finanzen und Erziehung. Luises Sohn Albert heiratete später Königin Victoria von Großbritannien. Nach der Scheidung wurde sie durch Bernhard August von Lindenau vertreten.

Schließlich erspähten wir sogar noch ganz am Rande Hans Wilhelm von Thümmel höchst selbst — als Büste von Friedrich Wilhelm Eugen Döll (1750–1816). Zwar konnte ihn niemand außer Fachbesucher wie wir erkennen, da die Beschriftung fehlte, genau wie bei Grassis Portrait von Lindenau — aber immerhin…

 

Die Begräbnisinsel im Park von Schloss Friedenstein.
Die Begräbnisinsel im Park von Schloss Friedenstein.

Der Gang durch den Schlosspark, vorbei an der Insel, auf der sich Ernst II. 1804, vereint mit der Natur bestatten ließ, rundete unseren Ausflug ab. Die Aussicht dereinst in den Wipfeln des Baumes dem Himmel entgegen zu sehen, ließ Thümmel sein Begräbnis in der 1000jährigen Eiche in Nöbdenitz lange vor seinem Tod vorbereiten. Vorbild war die Gothaer Begräbnisinsel.

von Marion Dinger / Museumsverein Burg Posterstein

 

Alle Infos zur Thüringer Landesausstellung 2016

24. April – 28. August 2016

„Die Ernestiner – eine Dynastie prägt Europa“
Neues Museum Weimar
Stadtschloss Weimar
Schloss Friedenstein Gotha
Herzogliches Museum Gotha
Zum Blog der Klassikstiftung Weimar

 

Begleitausstellungen:

24. April – 28. August 2016

»Ein ebenso schöner, wie geistreicher Mann…«
Bernhard August von Lindenau im Dienste der Wettiner
Lindenau-Museum Altenburg
www.lindenau-museum.de

 

23. April – 25. September 2016

»Von Saalfeld nach Windsor«
Johann Ernst, Herzog zu Sachsen-Saalfeld, und Europas Königshäuser
Stadtmuseum Saalfeld im Franziskanerkloster
Mehr im Blog: Von Saalfeld nach Windsor: Ernestiner-Begleitausstellungen im Portrait

 

26. Juni – 31. Oktober 2016

Im Dienste der Ernestiner: Hans Wilhelm von Thümmels Aufstieg vom Pagen zum Minister
Museum Burg Posterstein

Weitere Blogposts zu #Ernestiner2016

 

Die Zahl 13 kann auch eine Glückszahl sein: Wanderung des Museumsvereins Burg Posterstein 2016

Wunderbares Wanderwetter auf den Weg zum kleinen Bauernmuseum in Nitzschareuth.
Wunderbares Wanderwetter auf den Weg zum kleinen Bauernmuseum in Nitzschareuth.
Wunderbares Wanderwetter auf den Weg zum kleinen Bauernmuseum in Nitzschareuth.

Die Zahl 13 kann auch eine Glückszahl sein, denn 13 Wanderfreunde des Museumsvereins Burg Posterstein e.V. trafen sich am 21. Mai bei schönstem Frühlingswetter in dem kleinen malerischen Ort Kühdorf (67 Einwohner), um eine Wanderung nach Nitschareuth zum Bauernmuseum unter der Führung des „Wanderleiters“ Matthias von Hintzenstern zu starten. Der frisch ernannte Träger dieses Titels berichtet in diesem Blogpost über den Verlauf der Wanderung, die sich thematisch an die aktuelle Sonderausstellung (nur noch bis 6. Juni!) über den Bauernmaler Friedrich Mascher anlehnt.

Kühdorf begeht in diesem Jahr sein 600jähriges Gründungsjubiläum und die Sankt Georgs Kirche (1716) wird 300 Jahre alt. Am Samstag, dem 25. Juni 2016 findet die Feier zum Dorf- und Kirchenjubiläum statt.

Vom Dorfanger startete die Wandergruppe in Richtung Wildetaube, überquerte die B92, um dann auf dem Radweg nach Neugernsdorf zu wandern. Dort gab es, vom Wanderleiter „mühsam bestellt“, ein prächtiges Frosch-Konzert auf dem Dorfteich. Durch eine blühende und duftende Frühlingslandschaft, durch kleine Waldstücke, vorbei an Teichen, führte der Weg nach Dasslitz. Von dort hatte man einen schönen Blick auf die Kirche von Nitschareuth aus dem Jahre 1658.

Dem Radweg folgend, der von Kirschbäumen gesäumt ist, gelangte man nach kurzen, steilen Anstieg in den Ort.

Der Dorfanger steht seit 1979 unter Denkmalschutz und gehört mit seinen Drei- und Vierseithöfen zu einem der besterhaltensten in Ostthüringen.

Im Bauernmuseum empfing uns auf das Herzlichste das Ehepaar Richter, die das Museum samt Gaststube seit sechs Jahren betreuen.

Bei Bier, Kräutercremsüppchen und Blumenkohlauflauf unterm Sonnenschirm im Hof des Anwesens ließen es sich die Wanderer wohl sein. Kindern, die im Hof „Sacklochwerfen“ spielten, taten es dann einige Mutige nach und trafen sogar manchmal.

Herr Fechner, einer der Mitbegründer des Museums im Jahr 1986, führte unsere Gruppe durch die Ställe, Wohn- und Gasträume und die Scheune. Nach einem Spaziergang durch den Kräutergarten gab es noch Kaffee und Kuchen. So gestärkt, war der Rückweg fast ein Kinderspiel. Nach rund zwölf Kilometern kam die Wandergruppe, gut gelaunt und sonnengebräunt, wieder in Kühdorf an.

Der frisch ernannte Wanderleiter, Matthias von Hintzenstern hat nun ein Jahr Zeit, sich eine weitere Wanderstrecke für das nächste Jahr auszudenken.

Von Angelika und Matthias von Hintzenstern, Museumsverein Burg Posterstein e.V.

Zum Weiterlesen:

Bauernmuseum Nitzschareuth Website und Facebook

Auf den Spuren des Wiener Kongresses: Bildungsfahrt des Museumsvereins

Passend zur aktuellen Sonderausstellung „Salongeschichten“ führte die diesjährige Bildungsfahrt des Museumsvereins Burg Posterstein nach Wien. Über das Wandeln auf den Spuren der großen Staatsmänner und der einflussreichen Salondamen vom 23. bis 27. September 2015 berichtet Vereinsmitglied Monika Diedrich:

Kopie der Akte des Wiener Kongresses in der Ausstellung "Idee Europa" im Bundeskanzleramt Wien.
Kopie der Akte des Wiener Kongresses in der Ausstellung „Idee Europa“ im Bundeskanzleramt Wien.
26 Mitglieder des Fördervereins begaben sich anlässlich der 200jährigen Wiederkehr des Wiener Kongresses (1814/15) nach Wien. Bei diesem Kongress wurde die Neugestaltung Europas nach 23 Jahren „Napoleonischer Kriege“ verhandelt. Die Töchter der Herzogin von Kurland – Wilhelmine von Sagan und Dorothée von Dino-Talleyrand – spielten dabei keine unwesentliche Rolle. Der Postersteiner Museumsverein wollte dieses Geschehen so gut wie möglich nacherleben.

Erste Station: Stifterhaus Linz

Passend zur Sonderausstellung "Salongeschichten" besichtigte der Museumsverein das Stifterhaus in Linz, das Wohnhaus Aldelbert Stifters (1805–1868).
Passend zur Sonderausstellung „Salongeschichten“ besichtigte der Museumsverein das Stifterhaus in Linz, das Wohnhaus Aldelbert Stifters (1805–1868).
Erste Station auf der Reise war Linz, wo die Besichtigung des Stifterhauses, dem Wohnhaus Aldelbert Stifters (1805–1868), anstand. Die Einblicke in das Schaffen Stifters stehen in unmittelbarem Zusammenhang mit unserer aktuellen Sonderausstellung „Salongeschichten“. Die darin erstmals gezeigte einmalige Sammlung von Zeichnungen des Malers Ernst Welker (1784/88–1857) stammen aus dem Besitz von Emilie von Binzer (1801–1891). Die Schriftstellerin, eine Pflegetochter Wilhelmine von Sagans, unterhielt zwischen 1849 und 1870 in ihren Häusern in Linz und Altaussee musische Kreise. Freundschaften verbanden sie mit Adalbert Stifter und Franz Grillparzer (1791–1872). Ihre Erinnerungen an den Musenhof in Löbichau hielt sie 1877 im Buch “Drei Sommer in Löbichau. 1819-21” fest.

An den Schauplätzen des Wiener Kongresses

Die Mitglieder des Museumsvereins im Bundeskanzleramt, wo einst die Schlussakte des Wiener Kongresses unterzeichnet wurde.
Die Mitglieder des Museumsvereins im Bundeskanzleramt, wo einst die Schlussakte des Wiener Kongresses unterzeichnet wurde.
Mit einer Stadtführung rund um die Wiener Hofburg versuchten wir uns, die Handlungsorte der Kongressteilnehmer und deren Gefolge zu veranschaulichen. Höhepunkt war der Besuch im Bundeskanzleramt, der früheren österreichischen Staatskanzlei und Amtssitz Metternichs, wo die Schlussakte des Kongresses unterzeichnet wurde.

Anlässlich des 200. Jahrestages wurden die Räumlichkeiten im Rahmen der Ausstellung „Idee Europa – der lange Weg Europas zu einem Kontinent des Friedens“ für Besucher geöffnet und mit einer Führung zum Thema zugänglich gemacht. Begleitend zur Ausstellung ist ein umfangreicher Katalog erschienen.

Der Kongress fährt

Phaeton-Schlitten des Fürsten Windisch-Graetz - Foto: WGBG_DP_13_G_340_01; Wien, 1814 – 1815 Kaiserliche Wagenburg Wien; Reiches  Schlittengeschirr des Wiener Hofes Wien, 1814 – 1815 Kaiserliche Wagenburg Wien © KHM
Phaeton-Schlitten des Fürsten Windisch-Graetz – Foto:
WGBG_DP_13_G_340_01; Wien, 1814 – 1815
Kaiserliche Wagenburg Wien; Reiches Schlittengeschirr des Wiener Hofes
Wien, 1814 – 1815
Kaiserliche Wagenburg Wien © KHM

Pracht und Ruhm des Kaiserlichen Wien wurden nochmals offenbar beim Besuch des Prunksaals der Nationalbibliothek. Den Abschluss des Wien-Besuches bildete der Besuch von Schloss Belvedere und Schloss Schönbrunn, mit der Ausstellung „Der Kongress fährt“ in der Kaiserlichen Wagenburg. Thematisiert wurden hier anschaulich die logistischen Aufwendungen während der Kongresszeit und der Fuhrpark, der den Kongressteilnehmern zur Verfügung stand. Das Bild oben ist ein Pressebild der Kaiserlichen Wagenburg.

Abstecher nach Ungarn und in die Slowakei

Das Schloss des Fürsten Esterhazy in Fertöd in Ungarn.
Das Schloss des Fürsten Esterhazy in Fertöd in Ungarn.
Nicht nur Wien stand auf dem Reiseprogramm, sondern auch das Schloss des Fürsten Esterhazy in Fertöd in Ungarn und die Hauptstadt der Slowakei Bratislava. Schade nur, dass es in Strömen regnete und man nur einen vagen Eindruck von der schönen Stadt haben konnte.

Alles in allem waren es lehrreiche (anstrengende) Tage für die Postersteiner Besucher, die dafür aber einen lebendigen Einblick in die Zeitumstände des Wiener Kongresses von 1815 bekamen.

Von Monika Diedrich / Museumsverein Burg Posterstein e.V.

Vertrag zwischen Paris und … Posterstein: Zusammenarbeit mit Les Amis de Talleyrand

200 Jahre nach dem Wiener Kongress ist am 16. August 2015 ein französisch-deutscher Vertrag unterzeichnet worden, der gemeinsame Forschungsarbeiten des Museums Burg Posterstein und der Pariser Gesellschaft Les Amis de Talleyrand ermöglichen und fortführen soll. Schon einmal in der Geschichte unterhielt man in dem kleinen thüringischen Ort Löbichau Relationen über europäische Grenzen hinweg. Vor zwei Jahrhunderten betrieb die schöne und gebildete Herzogin Anna Dorothea von Kurland (1761–1821) hier einen bekannten Salon und gemeinsam mit ihren Töchtern pflegte sie Kontakte in die höchsten politischen Ebenen, darunter zu Zar Alexander I., Friedrich Wilhelm III., Talleyrand und Metternich, in Paris, Löbichau und Wien.

Roland Martinet von Les Amis de Talleyrand und Sabine Hofmann vom Museumsverein Burg Posterstein in Löbichau nach der Unterzeichnung des Kooperationsvertrags.
Roland Martinet von Les Amis de Talleyrand und Sabine Hofmann vom Museumsverein Burg Posterstein in Löbichau nach der Unterzeichnung des Kooperationsvertrags.
Anlässlich der Eröffnung der Sonderausstellung „Salongeschichten: Paris – Löbichau – Wien“ durften wir im Museum Burg Posterstein internationalen Besuch begrüßen: Roland Martinet, den Präsidenten der französischen Gesellschaft der Freunde Talleyrands, die historische Forschungen zum berühmten französischen Diplomat Charles Maurice de Talleyrand Perigord betreibt, Elisabeth Blaack von Einsiedel, eine Urenkelin der Herzogin von Kurland, mit ihrer Tochter, sowie weitere Mitglieder von Les Amis de Talleyrand. Die Pariser Besucher kamen nicht zum ersten Mal und nun, anlässlich einer weiteren Postersteiner Sonderausstellung zur europäischen Salonkultur, sollte die gemeinsame Arbeit im Dienste der Geschichte vertraglich festgehalten werden.

Talleyrands Briefe erstmals auf Deutsch

Der Maler Ernst Welker stellte die schöne Herzogin als Pudel dar. Der französische Diplomat Talleyrand schrieb ihr hunderte von Briefen.
Der Maler Ernst Welker stellte die schöne Herzogin als Pudel dar. Der französische Diplomat Talleyrand schrieb ihr hunderte von Briefen.

Im Archiv der Universität Breslau ist aufgezeichnet, dass bis 1914 in Sagan 379 handschriftliche Briefe des Ministers Talleyrand an Anna Dorothea von Kurland lagerten. 372 Briefe aus der Zeit zwischen 1809 und 1821 befinden sich heute im Archiv der Familie Talleyrand und wurden 1976 teilweise veröffentlicht vom ehemaligen Kabinettsleiter Präsident de Gaulles Gaston Palewski (1901–1984), der mit einer Talleyrand verheiratet war. Dieser historische Schatz, verfasst in französischer Sprache, erlaubt einen einmaligen Blick auf die Geschehnisse des Wiener Kongresses, abseits der offiziellen Korrespondenz Talleyrands.

Fotoshoot mit der Herzogin von Kurland und ihrer Tochter Wilhelmine von Sagan bei der Eröffnung der Sonderausstellung "Salongeschichten" in Posterstein.
Fotoshoot mit der Herzogin von Kurland und ihrer Tochter Wilhelmine von Sagan bei der Eröffnung der Sonderausstellung „Salongeschichten“ in Posterstein.
Nicht zum ersten Mal kamen die französischen Gäste von Les Amis de Talleyrand - hier bei der Eröffnung der Sonderausstellung "Salongeschichten" - nach Posterstein.
Nicht zum ersten Mal kamen die französischen Gäste von Les Amis de Talleyrand – hier bei der Eröffnung der Sonderausstellung „Salongeschichten“ – nach Posterstein.

Anlässlich des 250. Geburtstags der Herzogin von Kurland konnten 2011 erste Früchte der Zusammenarbeit zwischen dem Museum Burg Posterstein und Les Amis de Talleyrand gezeigt werden. Im Buch „Die Herzogin von Kurland im Spiegel ihrer Zeitgenossen“ erschienen Beiträge verschiedener internationaler Autoren, darunter erstmals in deutscher Übersetzung Auszüge aus den zahlreichen Briefen, die Charles Maurice de Talleyrand während des Wiener Kongresses an seine „liebe Freundin“ Anna Dorothea von Kurland schrieb. Egal, ob beide sich in Wien oder an verschiedenen Orten aufhielten, unterrichteten sie einander über das politische und menschliche Geschehen um sie herum. Als er am 25. Mai 1815 bald abreisen musste, schrieb er der Herzogin:

„Das ist die traurigste Abfahrt, die man machen kann. (…) Ich bitte Sie, gute Vorkehrungen wegen Ihrer Briefe zu treffen. Denn zum wenigsten brauche ich diese Kraftquelle. Adieu. Ich liebe Sie und umarme Sie von ganzem Herzen.“

Neben der eigenen persönlichen Freundschaft der Herzogin von Kurland zu Talleyrand, war ihre jüngste Tochter Dorothée, verheiratet mit Talleyrands Neffen, seine ständige Begleiterin beim Wiener Kongress und seine spätere Alleinerbin. Ihre ältere Schwester Wilhelmine von Sagan führte in der Wiener Schenkenstraße einen populären Salon und übte durch ihre Liaison mit Staatskanzler Metternich, dem Leiter des Kongresses, ebenfalls keinen geringen Einfluss auf die politischen Geschehnisse aus.

Paris, Wien und … Löbichau

Von links nach rechts: Wilhelmine von Sagan, Dorothea von Kurland, Landrätin Michaele Sojka, Elisabeth Blaack von Einsiedel und Ralph-Uwe Heinz als Herzog von Gotha zur Eröffnung der Sonderausstellung "Salongeschichten" auf Burg Posterstein.
Von links nach rechts: Wilhelmine von Sagan, Dorothea von Kurland, Landrätin Michaele Sojka, Elisabeth Blaack von Einsiedel und Ralph-Uwe Heinz als Herzog von Gotha zur Eröffnung der Sonderausstellung „Salongeschichten“ auf Burg Posterstein.

2014 konnte das Museum Burg Posterstein mit finanzieller Unterstützung des Freistaats Thüringen und der Bürgerstiftung Altenburger Land eine einmalige Sammlung von 47 kleinformatigen Aquarellen des Malers Ernst Welker ankaufen. Die Zeichnungen aus den Jahren 1819/20 portraitieren Gäste des Musenhofs Löbichau auf witzige Art und Weise in Tiergestalt. Unter den Dargestellten befindet sich nicht nur die Herzogin von Kurland selbst, sondern auch ihre Tochter Wilhelmine von Sagan, deren Pflegetochter Emilie von Binzer, der Maler Ernst Welker und andere bekannte Persönlichkeiten dieser Zeit. Sie geben Einblicke ins Löbichauer Salonleben und das weitreichende Netzwerk der Herzogin.

Roland Martinet mit Monika Diedrich vom Museumsverein Burg Posterstein bei der Ausstellungseröffnung von "Salongeschichten" im Museum Burg Posterstein.
Roland Martinet mit Monika Diedrich vom Museumsverein Burg Posterstein bei der Ausstellungseröffnung von „Salongeschichten“ im Museum Burg Posterstein.
Mit dem nun mit Les Amis de Talleyrand geschlossenen Vertrag werden nicht nur alle Mitglieder des Museumsvereins Burg Posterstein gleichzeitig Mitglieder der Pariser Gesellschaft und umgekehrt, es soll auch bei zukünftigen Publikationen zusammengearbeitet werden und bei Tagungen, Versammlungen und gegenseitigen Besuchen ein noch intensiverer Austausch stattfinden. Wir freuen uns darauf!

Weiterführende Informationen:
Zur Website von Les Amis de Talleyrand
Publikationen des Museums Burg Posterstein
Unsere Forschung zum Musenhof Löbichau

Von Marlene Hofmann / Museum Burg Posterstein

Reisebogen von Maastricht bis Wiener Kongress – Bildungsfahrt des Museumsvereins

Vier Tage reisten 32 Mitglieder des Museumsvereins Burg Posterstein vom 11. bis 14. Oktober 2014 gemeinsam auf den Spuren historischer Persönlichkeiten, die mit der Herzogin Dorothea von Kurland in Zusammenhang gebracht werden können. Ein Reisebericht von Vereinsmitglied Monika Diedrich:

Auf dem Weg nach Brüssel nahmen die Mitglieder des Museumsvereins die Gelegenheit wahr, die Stadt Maastricht zu besuchen, die für die Verwirklichung eines einigen Europas mit dem Vertrag von Maastricht, 1992, sehr bedeutend ist. Beeindruckend war die gut erhaltene alte Stadt. Bis zu dem Gebäude an der Kennedy-Brücke zu gehen, wo der Vertrag ausgehandelt worden war, reichte die Zeit nicht. An dem Ziel eines ausgewogenen Europas hatte damals beim Wiener Kongress 1814/15 und den Jahren danach Talleyrand aktiv mitgewirkt, ja, für ein einiges Europa sein Verhandlungstalent und seinen Durchsetzungswillen in die Waagschale geworfen.

Von Maastricht nach Brüssel

Das Rathaus von Brüssel.
Der Museumsverein auf den Spuren Europas – Rathaus von Brüssel

Der zweite Tag der Reise war der Erkundung der Brüsseler Altstadt gewidmet. Bei einer improvisierten Führung, die an der Grand Place begann, sahen wir Reste der alten Stadtbefestigung, das Manneken Pis (natürlich), die Kirche Notre-Dame de la Chapelle und kamen zum Sablon-Viertel, wo auf einem langgezogenen Platz der Minerva-Brunnen steht. Oberhalb dieses Platzes befindet sich Notre-Dame du Sablon, die wir besichtigten. Alles überragte das Palais de Justice. Wir bewunderten die Place Royale und besuchten anschließend eins der Museen, eines, das erst im letzten Jahr mehrere unterirdische Etagen eröffnet hatte. Beileibe nicht alles konnten wir sehen, aber das war ja von vornherein klar. Da muss man einfach noch einmal wiederkommen!

Wie wichtig eine friedliche Welt ist

Brügge, Europas Kulturhauptstadt 2002
Brügge, Europas Kulturhauptstadt 2002

Zu den eindrucksvollen Erlebnissen dieser Reise gehörte am dritten Tag der Besuch der gut erhaltenen mittelalterlichen Stadt Brügge, die 2002 Europäische Kulturhauptstadt gewesen war. Hier konnte man erfahren, was es ausmacht, keine Kriegsschäden abbekommen zu haben. Die engen Straßen, die alten Kanäle und die schmalen Häuser mit den Renaissancegiebeln ließen daran denken, wie wichtig eine friedliche Welt ist.

Der Wahnsinn von Waterloo

Etwa 15 Kilometer südlich von Brüssel steht das Denkmal für die Schlacht von Waterloo
Etwa 15 Kilometer südlich von Brüssel steht das Denkmal für die Schlacht von Waterloo

Den Abschluss unserer Reise sollte das Kampfgebiet um Waterloo bilden. Etwa 15 Kilometer südlich von Brüssel erhebt sich schon von ferne sichtbar ein riesiger Löwe auf einem (künstlichen) Erdkegel. Dieses Monument war um 1820 errichtet worden, etwa an der Stelle, wo die Fronten der Schlacht verliefen. Den Wahnsinn dieser Schlacht deutlich zu machen, wurde unterstützt durch einen Film um das Geschehen vom 18. Juni 1815, durch einige Ausstellungen und ein großes Panoramabild.

Erinnerung an den Wahnsinn der Schlacht, auf den die Neuordnung Europas folgte
Erinnerung an den Wahnsinn der Schlacht, auf den die Neuordnung Europas folgte

Napoleons Wiederkehr nach Frankreich und sein erneuter Krieg gegen die Alliierten (Preußen, England , Russland) hatten bewirkt, dass die Mächte schneller zu einer Einigung über Europa kamen und die Schlussakte des Wiener Kongresses nach vielem Hin und Her gefasst werden konnte, an der Talleyrand, der enge Freund der Herzogin von Kurland und der Onkel ihrer Tochter Dorothée, keinen geringen Anteil hatte.

Von Monika Diedrich / Museumsverein Burg Posterstein

 

Zum Weiterlesen:
Napoleon – im Zerrspiegel zeitgenössischer Karikaturen – 200 Jahre Völkerschlacht bei Leipzig
Klaus Hofmann (Herausgeber), Museum Burg Posterstein, 2013 (212 Seiten, farbig, Preis: 24,00 Euro, ISBN 978-3-86104-098-9)

Herzogin Anna Dorothea von Kurland und der Musenhof Löbichau
Die Herzogin von Kurland im Spiegel ihrer Zeitgenossen – Europäische Salonkultur um 1800. Zum 250. Geburtstag der Herzogin von Kurland. Museum Burg Posterstein, 2011. (248 Seiten, farbig, ISBN 978-3-86104-086-6, 29,00 Euro)

 

Wanderung auf den Spuren des Holzschnitzers Johannis Hopf

Regelmäßig begeben sich Mitglieder des Museumsvereins Burg Posterstein auf thematische Reisen und Ausflüge, die eng mit den Themen des Museums in Verbindung stehen. Der diesjährige Frühjahrsausflug am 26. April führte von Neumark zur Burg Schönfels. Vereinsmitglied Monika Diedrich berichtet darüber:

Inschrift unter der Empore in der Postersteiner Burgkirche
Inschrift unter der Empore in der Postersteiner Burgkirche (Foto: Museum Burg Posterstein)

Am 26. April 2014 machte sich eine siebzehnköpfige Gruppe auf, die Spuren Johannis Hopfs zu suchen, dem zugeschrieben wird, die Holzschnitzereien in der Postersteiner Burgkirche angefertigt zu haben.

Die Wanderung begann im Gut Neumark der Familie von Römer. Das Anwesen, besonders das Schloss, befindet sich in einer permanenten Bausituation. Überall stehen Gerüste, Baumaterialien, eingerissene Wände und halbfertige Gebäude – aber die Dächer sind in Schuss! Darauf verwies die Hausherrin Dorothee von Römer mit Stolz, die uns engagiert durch das ehemalige Rittergut führte.

Familie von Römer musste ihr Schloss nach der Wende zurückkaufen

Die Familie von Römer, Jahrhunderte in und um Zwickau ansässig und tätig, ist seit 1478 mit dem Gut verbunden und kaufte es nach der Wende 1989 von der Treuhand zurück, um es zu bewirtschaften und wieder in Stand zu setzen. Seit der Enteignung durch die Bodenreform 1945 war es ein volkseigenes Gut (VEG) gewesen. Was das jetzt für eine Herkulesaufgabe für die neuen (alten) Eigentümer war, ist und noch sein wird, wird jedem klar, der den Rundgang durch das Schloss mitmacht.

Es könnte durchaus eine Verbindung zwischen dem Gut Neumark und dem prachtvollen Schnitzwerk in der Postersteiner Burgkirche geben (Foto: Römer: http://www.gut-neumark.de/de/bildergalerie.html)
Es könnte durchaus eine Verbindung zwischen dem Gut Neumark und dem prachtvollen Schnitzwerk in der Postersteiner Burgkirche geben (Foto: Römer: http://www.gut-neumark.de/de/bildergalerie.html)

Dieses Schloss aus dem 17. Jahrhundert ist auf den ersten Blick nicht als solches zu erkennen. Es ist ganz schlicht gebaut, ohne jedes Schmuckelement, durch die Zeit und die Nutzung (erst als Notunterkunft für viele Vertriebenenfamilien und später als Heim für psychisch kranke Kinder) heruntergekommen, verlassen und verloren. Hat man aber den Innenhof erreicht, sieht man seine ehemalige Bestimmung – hindurch durch Baugerüste, Dreck und Schutt. Dorothee von Römer führte unsere Gruppe in alle Ecken und Ritzen des alten Gemäuers, erklärte die Entstehungsgeschichte, die ehemalige Nutzung der Räume – auch zu DDR-Zeiten –, wies stolz auf unerwartete Funde von Balken oder Tür- und Fensteröffnungen hin, sprach von den finanziellen Schwierigkeiten und von Glücksmomenten, wenn wieder einmal etwas gelungen war. Bewundernswert ist ihre fröhliche und zuversichtliche Haltung, die sie an den Tag legte, wo sich doch jeder vorstellen konnte, was für eine Last sie und ihre Familie zu tragen hatten. Und natürlich fanden die Besucher Relikte von Holzschnitzereien, die denen in der Postersteiner Kirche glichen. Es wurde darüber gefachsimpelt, Vergleiche angestellt und die Familiengeschichte ins Gedächtnis gerufen, denn einen Zusammenhang könnte es gegeben haben, da eine Tochter der Familie Römer nach Posterstein geheiratet hatte und zu dieser Gelegenheit die Schnitzereien in die Kirche gelangt sein könnten.

Burgkapelle auf Schönfels – Eine Verbindung zum Postersteiner Schnitzwerk?

Wanderung zur Burg Schönfels
Wanderung zur Burg Schönfels

Vom Enthusiasmus und vom Mut der Römers angesteckt, begab sich die Gruppe auf eine Wanderung zur Burg Schönfels. Auch dort sollten sich Holzschnitzereien in der Burgkapelle befinden, die eventuell etwas mit denen in Posterstein und Neumark zu tun haben könnten.

Mitglieder des Museumsvereins bei der Führung durch die Burg Schönfels
Mitglieder des Museumsvereins bei der Führung durch die Burg Schönfels

Auf Burg Schönfels trafen wir wieder auf eine Führerin durch die Burg, die Leiterin des Museums und somit die Burgherrin, die von Tatkraft und Freude am Werk sprühte. Ina Schumann erzählte mit warmen Worten von den geleisteten Arbeiten und denen, die noch zu vollführen seien. Ihre Freude über jede neue Erkenntnis beim Renovieren von Räumen oder bei der Instandsetzung von Mauerwerk übertrug sich auf die interessierten Zuhörer. Sie machte uns aufmerksam auf den wohl wertvollsten Raum in der Burg, auf die Kemenate oder Bohlenstube, die wie ein Kasten aus 13,5 cm dicken Bohlen in die Burg eingebaut wurde. Wo kann man schon ein solches Wunderwerk, noch dazu mit einer kielförmigen Holztür, in einer mittelalterlichen Burg finden! Wie immer bezauberte der Blick vom Turm in die frische Frühlingslandschaft.

Schwebender Engel in der Kapelle der Burg Schönfels - Eine Arbeit aus der Werkstatt des Johannis Hopf?
Schwebender Engel in der Kapelle der Burg Schönfels – Eine Arbeit aus der Werkstatt des Johannis Hopf?

Und endlich zum Schluss der Besichtigung führte Ina Schumann in die Burgkapelle, wo es eine geschnitzte Kanzel zu bewundern gibt. Da blieb die Frage im Raum stehen: Hat sie Beziehungen zu den anderen schon erwähnten Holzschnitzereien? Unterschiede wurden ausgemacht, aber auch Ähnlichkeiten. Und es stellte sich die andere Frage, ob die Kanzel von vornherein für diese Kapelle bestimmt gewesen war oder ob man sie später erst eingebaut hatte? „Ja, ich weiß auch nicht, ob der Engel, der die Kanzel trägt, schon immer diesen Job gehabt hat“, war die humorvolle Antwort der Museumsleiterin.

Was hatte man an diesem Tag nicht alles zu sehen und zu hören bekommen! Wieder einmal hatte es sich für die Museumsfreunde gelohnt, an einer solchen Exkursion teilzunehmen. Viel frische Luft, herrliche Landschaft, alte Geschichte und alte Geschichten, interessante Erkenntnisse, gelungene Überraschungen und zum Schluss noch ein kräftiger Regenguss, der alle bis auf die Haut durchnässte. Aber was tut man nicht alles für seine Bildung!

Monika Diedrich / Museum Burg Posterstein

Weitere Berichte über Ausflüge des Museumsvereins:

Vier Tage Südböhmen (Oktober 2013)

Auf den Spuren von Jean Paul (Mai 2013)

Vier Tage Südböhmen: Gast-Beitrag zur Bildungsfahrt der Mitglieder des Museumsvereins

Jedes Jahr begeben sich Mitglieder des Museumsvereins Burg Posterstein e.V. auf eine gemeinsame Bildungsfahrt. Reiseziele sind historische Orte, die unmittelbar mit den Forschungsschwerpunkten des Museums in Zusammenhang stehen. Vom 3. bis 6. Oktober 2013 führte die Reise nach Südböhmen, wo man beim Besichtigen der Schlösser von Schwarzenberg und Metternich noch tiefer in die Zeit zwischen Völkerschlacht (aktuelle Sonderausstellung) und Wiener Kongress (nächstes großes Jubiläum 2015 und Forschungsschwerpunkt „Musenhof Löbichau“) eintauchen konnte. In Plasy (deutsch: Plaß), wo sich ein Kloster und die Familiengruft Metternichs befindet, wurde nach dem Krieg auch das Familienarchiv Metternichs gefunden. Monika Diedrich, Mitglied im Museumsverein Burg Posterstein e.V., hat für diesen Gastbeitrag die Erlebnisse in Wort und Bild festgehalten. – Vielen herzlichen Dank!

Die Metternichs ließen Schloss Kynžvart (deutsch: Schloss Königswart) in Tschechien zu einem Barockschloss umbauen.
Die Metternichs ließen Schloss Kynžvart (deutsch: Schloss Königswart) in Tschechien zu einem Barockschloss umbauen.

Schon zum zweiten Male wurde auf der Fahrt in den Süden kurz vor Marienbad das Schloss Kynzvart (Königswart) besucht, das der Familie Metternich gehörte und welches der damalige österreichische Kanzler Clemens Metternich von seinem Vater zu Weihnachten geschenkt bekommen hatte – nach den Worten des kauzigen tschechischen Schlossführers. Nicht nötig war es, wie eine Teilnehmerin es aussprach, dass er auch noch zwei Säcke mit Goldtalern für den Erhalt des Schlosses hätte dazubekommen sollen, denn die Einrichtung des Schlosses – wieder nach den Worten des Führers – bestand zum größten Teil aus kleinen und großen Geschenken von Königen, vom Kaiser, vom Zar und anderen hochgestellten Persönlichkeiten jener Zeit.

Neben dem Schloss war der dazugehörige Gutshof zu einem großen Teil restauriert worden. Beim ersten, früheren Besuch befand er sich noch in einem desolaten Zustand. Im Gelände des schönen Parks liegt nun ein Golfplatz, der größte der Republik Tschechien.

Zweite Station: Das Schloss eines Heerführers

Am Nachmittag des ersten Tages kam der Bus in Krumlov (Krumau) an, einer kleinen Stadt von 13 000 Einwohnern , die umgeben ist von der Moldau, da sie in einer romantischen Flussschleife liegt. Beherrscht wird sie von einer der größten tschechischen Schlossanlagen, die von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt worden ist.

Die Schlossanlage gehörte der Familie Schwarzenberg, dessen bekanntestes Mitglied vielleicht der in Wien geborene Karl Philipp Fürst zu Schwarzenberg war, ab 1810 österreichischer Botschafter in Frankreich und ab 1813
Oberbefehlshaber der alliierten Armeen im Kampf gegen Napoleon.

Bekanntester Besitzer der opulenten Schlossanlage in Krumlov (Krumau) war Karl Philipp Fürst zu Schwarzenberg, Oberbefehlshaber der alliierten Armeen im Kampf gegen Napoleon.
Bekanntester Besitzer der opulenten Schlossanlage in Krumlov (Krumau) war Karl Philipp Fürst zu Schwarzenberg, Oberbefehlshaber der alliierten Armeen im Kampf gegen Napoleon.

Schloss- und Stadtführung am nächsten Tag machten jedem klar, warum es zu der Auszeichnung als Weltkulturerbe gekommen ist: Seit Jahrhunderten keine kriegerischen Zerstörungen, keine Plünderungen, keine Modernisierungsmaßnahmen an der Bausubstanz. Das bedeutet ganz und gar mittelalterliches Flair, wenn nicht die Touristen wären! Aber davon lebt die
Bevölkerung. Der größte Teil der Touristen ist deutschsprachig, doch 40 Prozent sind Asiaten. Ein bisschen stört der touristische Schnickschnack in den unzähligen Geschäften und Ständen schon. Und Kneipen gibt es hier! Nicht zu zählen. Das Bier läuft in Strömen.

Am dritten Tag wurde der Ort Rožmberk (Rosenberg) angefahren. Wieder eine tolle Burg, auch direkt an einer Moldauschleife gelegen, der Stammsitz des Adelsgeschlechts der Rosenberger, die in der böhmischen Geschichte eine große Rolle spielten.

Nicht weit davon – ebenfalls zu besichtigen – das wiederbelebte Kloster Vyšši Brod (Hohenfurth).

Der Wohnsitz Metternichs

Familiengruft der Familie Metternich in Plasy (deutsch Plaß)
Familiengruft der Familie Metternich in Plasy (deutsch Plaß)

Den Abschluss des viertägigen Ausflugs bildete nach einer deftigen Mittagspause im Gärkeller der Pilsener Brauerei die Besichtigung des ehemaligen Klosters Plasy, das im 19. Jahrhundert zum Wohnsitz der Familie Metternich wurde. Und dieses Mal hatten die Vereinsmitglieder Glück, sie konnten in die Familiengruft hineingehen und den Sarg des österreichischen Kanzlers ansehen sowie die Särge seiner Familienmitglieder.

Vier Tage böhmische und österreichische Geschichte, sehr gut in Zusammenhang zu bringen mit dem großen Forschungsschwerpunkt der Burg Posterstein, dem Leben und Wirken der Herzogin Dorothea von Kurland, insbesondere, wenn man an den Wiener Kongress (1814/15) denkt, bei dem zwei ihrer Töchter wichtige Rollen spielten. (Schon damals war der Geheimdienst, Metternichs Spitzel in Wien, über alle Aktivitäten bei Tag und in der Nacht genau informiert.)

Von Monika Diedrich, Mitglied des Museumsvereins Burg Posterstein e.V.

Weitere Berichte von Bildungsfahrten: Wanderung auf den Spuren Jean Pauls

Museumsverein Burg Posterstein unterwegs: Wanderung auf den Spuren Jean Pauls

Am 25. Mai zogen sich Mitglieder des Museumsvereins Burg Posterstein Wanderschuhe an und gingen auf dem oberfränkischen Jean Paul Wanderweg auf Spurensuche. Der berühmte Dichter, der in diesem Jahr zu seinem 250. Geburtstag mit der deutschlandweiten Lifaßsäulenausstellung „Jean Pauls Orte“ auch auf Burg Posterstein geehrt wurde, verbrachte im Sommer 1819 mehrere Wochen im „Musenhof Löbichau“ der Herzogin Anna Dorothea von Kurland. Die Mitglieder des Museumsvereins nahmen dies zum Anlass, den Jean Paul Wanderweg von Joditz nach Hof zu gehen. Vereinsmitglied und Ehrenamtliche Monika Diedrich berichtet davon.

Nun wollten wir aber auch einmal wissen, woher dieser von der Herzogin von Kurland am Löbichauer Hofe so gern gesehene Gast herkam – der Dichter aus dem Fichtelgebirge.

Von Joditz aus, wo sein Vater Pfarrer war, begannen wir unsere Wanderung. Als Kind war Jean Paul oftmals den Weg nach Hof gegangen, wo seine Großeltern lebten. Und wir erlebten jetzt in der frische grüne Mailandschaft, was dem Knaben – damals noch Johann Paul Friedrich Richter – begegnet sein musste, was er unterwegs gesehen und gefühlt haben mochte.

Informationstafel am Jean Paul Weg
Informationstafel am Jean Paul Weg

An verschieden Stellen des Wanderwegs waren Tafeln angebracht, auf denen zu lesen war, was der Dichter so empfunden hatte. In seinen Romanen gibt er die Erinnerung an seine Kindheit wieder, etwa so:

„Der zweistündige Weg führte durch einen Wald, und darin über einen brausenden Fluss voll Felsstücke, bis endlich auf einer Felderhöhe die Stadt mit zwei Brüdertürmen und mit der Saale in der Talebene den begnügsamen kleinen Träger übermäßig überschüttete und ausfüllte.“

Jean Pauls Weg zu seinen Großeltern führte von Joditz nach Hof immer an der Saale entlang
Jean Pauls Weg zu seinen Großeltern führte von Joditz nach Hof immer an der Saale entlang

Der Weg geht im Prinzip immer an der Saale entlang, einmal rechts vom Fluss, einmal links vom Fluss. Kein anstrengender Weg also, nur manchmal gibt es mäßige Anstiege, bis auf den zur Saalenburg hinauf, der ist kurz und steil.

Die erste Rast - unterwegs auf dem Jean Paul Weg
Die erste Rast – unterwegs auf dem Jean Paul Weg

Die Saalenburg selbst  besteht nur aus einigen wenigen Mauerresten. Und wer dort hinauf kommt und erwartet, etwa einen Bergfried vorzufinden, wird sehr enttäuscht. Das Gelände hat sich ein pfiffiges Wirtspaar zu eigen gemacht und nach seinem Dafürhalten mit „historischen“ Dingen ausgestattet. Bemerkenswert!!! Kredenzt wurde zum Mittagessen ein gutes fränkisches Braunbier, das Getränk, das Jean Paul einst allen anderen Getränken vorzog.

Aber Jean Paul wird nicht zur alten Burg hinaufgestiegen sein. Er wird unterhalb davon die Saale überquert haben, um auf schnellstem Wege zu den Großeltern zu gelangen. Schon bald konnten wir von einer Anhöhe aus auch die Türme der Stadt sehen. Ein wunderschöner Anblick, allerdings verschandelt durch moderne Hochhausbauten. Da hatte es Jean Paul noch besser. Er konnte die Idylle voll genießen.

Auch in Hof steht natürlich eine Litfaßsäule der Ausstellung "Jean Pauls Orte"
Auch in Hof steht natürlich eine Litfaßsäule der Ausstellung „Jean Pauls Orte“

Bald erreichten wir das Dorf Unterkotzau – trotz des Namens nichts Unangenehmes. Wieder wurde die Saale überquert, und nach einigen Kilometern waren wir an der Stadtgrenze von Hof.

Wir hatten für unsere Wanderung mit Mittagspause um die fünf Stunden gebraucht. Jean Paul wird schneller gewesen sein!

(Gast-Beitrag von Monika Diedrich – Herzlichen Dank!)